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in Gießen
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19./20. Jahrhundert
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Gießen (Hessen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt -
Texte zur Geschichte der Rabbiner und weiterer Kultusbeamten in Gießen im 19./20. Jahrhundert
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Gießen wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.
Die meisten Texte zu dieser Seite konnten
noch nicht abgeschrieben werden - bei Interesse bitte Textabbildung anklicken.
Übersicht über die Rabbiner in Gießen bis 1940:
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In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird Rabbiner Michael Berr
genannt.
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Rabbiner Löw Mayer beziehungsweise Löb
Mayer Hess (geb. 1748, gest. 1826 in Gießen): seit mindestens 1810 als Rabbiner /
Landesrabbiner in Gießen tätig (seit diesem Jahr auf Trauungskunden
genannt); war verheiratet mit Veile geb. Vetter (1772-1834) auf Friedberg.
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Rabbiner Dr. Abraham Alexander Wolf (geb.
1801 in Darmstadt, gest. 1891 in Kopenhagen): studierte bei Rabbinern in
Darmstadt und Mainz, ab 1819 an der Universität Würzburg und der Jeschiwa
von Oberrabbiner Abraham Bing; 1821 in Gießen promoviert; von August 1827 bis Januar 1829 Rabbiner
(Landrabbiner) in Gießen,
danach Oberrabbiner in Kopenhagen.
Foto links aus: Leo Baeck Jahrbuch III 1958 S. 322 bzw. Arnsberg Bilder S.
74.
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 | Rabbiner Dr. Benedict Samuel Levi
(geb. 1806 in Worms als Sohn von Rabbiner Samuel Wolf Levi; gest. 1899 in
Gießen): besuchte die Bürgerschule in Mainz; ab November 1825 Studium an
der Universität in Würzburg; daneben rabbinische Ausbildung bei Rabbiner
Abraham Bing; Promotion in Gießen 1828 zum Dr. phil.; war seit 1. Oktober 1829 bis 1896
Rabbiner in Gießen, seit 1842 Großherzoglich-Hessischer Rabbiner der
Provinz Oberhessen.
Literatur: Carsten Wilke: Humanität als Priesterschaft: Der
Gießener Rabbiner Dr. Benedikt Levi (1806-1899). In: Aschkenas Band 16 S.
37-75. Online
zugänglich (pdf-Datei).
Wikipedia-Artikel zu
Benedikt Levi
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 | Rabbiner Dr. David Sander
(geb. 1867 in Kurnik, Posen [Kórnik], gest. 1939 in Gießen): 1888 bis
1895/96 Studium in Breslau, Promotion in Erlangen 1894; 1895-1896 zweiter
Stadtrabbiner und Religionslehrer in Karlsruhe; 1897 bis 1939
Bezirksrabbiner (Rabbiner
der Israelitischen Religionsgemeinde) von Oberhessen in Gießen.
(Foto links: Stadtarchiv Gießen; dazu Presseartikel (fod) aus dem "Gießener
Anzeiger" vom 18.12.2009: "Nach Jahrzehnten Unrecht gutmachen. In
seinem Vortrag berichtet Bibliotheksdirektor Dr. Peter Reuter über die
Anstrengungen zur Restitution jüdischen Raubgutes. Artikel
als pdf-Datei).
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Rabbiner der Israelitischen
Religionsgesellschaft:
 | Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (geb.
1867 in Posen [Poznan], gest. 1933 in Gießen): studierte nach 1887 in
Berlin; um 1890 bis 1895 zweiter Rabbiner in Ostrowo und Rogasen (Rogozno),
Posen; 1893 Promotion in Heidelberg; von April 1895 bis 1933 Rabbiner der
orthodoxen Religionsgesellschaft "Kultusverein zur Wahrung der
religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Obverhessen"
Gießen, als solcher seit 1. April 1897 "Großherzoglicher
Pronvinzial-Rabbiner" der orthodoxen Landgemeinden Oberhessens. Nach
seinem Tod blieb die Stelle unbesetzt.
(Foto links aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28.9.1933) |
Übersicht über die nachstehenden Texte:
Aus
der Geschichte der Rabbiner in Gießen
Kritik an den "Preudo-Predigten"
von
Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1845)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 17. März 1845: "Gießen, im Februar. Da die Tendenz Ihres
wertgeschätzten Blattes, wie bekannt, hauptsächlich dahin geht, den
Fortschritt im Judentums zu befördern, die ihm entgegenstehenden
Hindernisse wegzuräumen, auf Mängel und Missbräuche, die hier und da
bestehen, aufmerksam zu machen und sie bloß zu stellen: so erlaube ich
mir, hier einen Übelstand zu erwähnen, der schon bereits den ganzen
Winter hindurch auf eine nicht entschuldbare Weise unsere hiesige Gemeinde
trifft. Der hiesige Rabbiner nämlich, Herr Dr. Levi, hält es für gut,
seine Predigten einzustellen. Statt dieser übersetzt er ein Bibelstück
aus dem Hebräischen ins Deutsche und fügt dieser Übersetzung bisweilen
eine erbauliche Sentenz hinzu. In diesem Winter zum Beispiel übersetzt er
nichts, als die Kriegsgeschichte Josuas, und hält so vor den wenigen
Zuhörern, die Geduld genug haben, solche Sachen anzuhören, exegetische
Vorlesungen, die manchmal mit sehr scharfsinnigen und gar wichtigen,
gelehrten Untersuchungen versehen sind. So disquirierte er auf der Kanzel,
ob Rahab eine Wirtin oder eine feile Dirne gewesen sei, ob die Sonne oder
die Erde sich bewege (!!!), ob die Austrocknung des Jordans auf eine
natürliche Weise geschehen sei. Solche und ähnliche Dinge müssen wir,
so oft es Herrn Dr. Levi beliebt, die Kanzel zu besteigen, was aber oft in
einem Zeitraume von drei bis vier Wochen nur einmal geschieht, von ihm als
eine Predigt annehmen. Die natürliche Folge davon ist, dass viele,
namentlich die jüngeren und gebildeteren Mitglieder der hiesigen Gemeinde
die Synagoge gar nicht oder höchst selten besuchen, und die älteren beim
Beginne der Pseudo-Predigt die Synagoge alsbald verlassen. Dadurch
schleicht sich ein gänzlicher Indifferentismus ein, der nur dem Judentum
schaden kann.
Ich glaube, dass es bei Herrn Dr. Levi nur dieser Andeutung bedarf, wieder
die früher so gerne gehörten und fleißig besuchten Predigten zu halten,
und dadurch sich als einen wahren Freund des Fortschritts zu
zeigen." |
Erklärung
von Dr. Levi zur Kritik an der Amtsführung des
Rabbiners (1858)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 18. Januar 1858: "Gießen, im Dezember (1858). Nachdem in
No. 25. dieses Blattes aus Butzbach 'unsren Rabbinen' schlechtweg der
Vorwurf gemacht worden ist, dass sie sich wenig um Synagoge und Schuler
kümmerten und jede Gemeinde sich selbst überließen, hieß es neuerdings
in No. 47 am Schlusse eines mit T. unterzeichneten Artikels aus Kurhessen,
dessen Berichtigung von dorther mir eben zu Gesicht kommt, wörtlich wir
folgt: 'Im Großherzogtum Hessen, im Rabbinatsbezirk Oberhessen auf dem
Lande sind die Gottesdienste in jeder Hinsicht noch so unregelmäßig
traurig, wie bei uns, und geschieht dort auch zur Verbesserung derselben
gar nichts.' Sehen wir von dem unschönen, um nicht zu sagen undeutschen
Stile dieser Phrase ab, der in der Tat nicht von sonderlicher
Bildungsstufe des Herrn T. zeugt, und bleiben auch unsererseits
berichtigend bei der Sache stehen.
Wiewohl nicht zu denen gehörend, die da meinen, die Aufgabe der Rabbinen
der Neuzeit bestehe vornehmlich in fieberhafter Tätigkeit fortwährenden
Besserns und Umgestaltens 'der Gottesdienste' in Stadt und Land, so glaube
ich doch mit Fug und Recht behaupten zu dürfen, dass der Großherzogliche
Rabbinatsbezirk Oberhessen, dem ich die Ehre habe vorzustehen, was
Synagoge und Schule betrifft, im Ganzen vollkommen den Vergleich aushält
mit allen anderen Rabbinatsbezirken des Großherzogtums, insbesondere mit
allen auswärtigen |
Rabbinaten
von ähnlicher Verfassung. Es gibt in meinem Sprengel, selbst unter den
kleinen Miniaturgemeinden auf dem Lande, eine beträchtliche Anzahl von
Synagoge mit so schönem, wohlgeordnetem Kultus, wie er unter ähnlichen
Verhältnissen nur irgendwo gefunden werden dürfte; eine große Menge
derselben hat regelmäßigen, wohleingeschulten Chorgesang, drei sogar mit
Orgelbegleitung, und in den meisten herrscht ungestört Ordnung, Andacht
und Würde. Damit soll nicht geleugnet werden, dass auch hier da und dort
Manches, ja Vieles zu wünschen übrig bleibt; aber das Nämliche ist, so
viel ich weiß, überall anderwärts der Fall, und oftmals noch in
höherem Maße und unter viel günstigeren Umständen; und daran ist der
Unterzeichnete so wenig als der Herr T. aus Kurhessen schuld. Es fehlt in
unserem Lande die Autorität einer israelitischen Religionsbehörde; die
einzelnen Rabbinen stehen jeder vereinzelt für sich da, und haben nicht
die geringste anordnende Gewalt oder Autorität; wir können zur Zeit
nichts als begutachten, raten, anregen, abwehren, ablehnen. Eine neue
Kultusordnung zum Beispiel mit irgend erheblichen Abänderungen der alten,
die ich meinen Gemeinden vorlegen wollte, würde angenommen werden müssen
von - keiner einzigen, strikte angenommen nicht von 10, teilweise und
unter Vorbehalt nicht von 20, und von mehr als 50 gänzlich abgelehnt. Ob
eine Gemeinde das Mizwosversteigern abschaffen will oder nicht, hängt
ganz allein von ihr ab; bei weitem in den meisten meines Sprengels ist es
längst geschehen; weil aber neulich mehrere von diesen, natürlich aus
finanziellen Gründen, es wieder einzuführen versuchen, schlug ich der
höchsten Staatsregierung für die seitherige, eben in Revision begriffene
Synagogen-Ordnung unter anderem folgenden Zusatzartikel vor, dessen
Annahme übrigens noch zweifelhaft ist: 'Das sogenannte Mitzwosversteigern
innerhalb der Synagoge, da, wo es noch üblich ist, soll, weil
unzeitgemäß, andachtstörend und leicht zu Streit und Unordnung
führend, möglichst bald abgestellt, und an seiner Staat ein bestimmter
Modus des Aufrufens und Mitzwosvergebens eingeführt werden. Da, wo das
Mitzwosversteigern bereits abgeschafft ist, wie in den meisten Synagogen
der Fall, darf es durchaus nicht wieder eingeführt werden.' Wer hiernach
noch weiter über die 'unregelmäßig traurigen Gottesdienste' auf dem
Lande in dem Großherzoglichen Rabbinatsbezirk Oberhessen sich auslassen,
oder ferner darüber klagen wollte, dass 'unsere Rabbinen' sich wenig um
Synagoge und Schule kümmerten, der möge es immerhin tun; ich meinerseits
werde ihm, was hier ein für allemal bemerkt sei, - Schweigen
entgegensetzen.
Denn dieselbe Bewandtnis hat es mit den israelitischen Schulen des
Rabbinatsbezirks Oberhessen, die, was Dotation, Disziplin,
Lehrgegenstände, Qualifikation und Würdigkeit der Lehrer betrifft etc.,
in allen Beziehung ebenfalls den Vergleich mit auswärts vollkommen
aushalten. Wenn von 96 Gemeinden mit durchschnittlich kaum 20 Familien,
sehr viele natürlich mit kaum 10, etwa 50 im Besitze ganz tüchtiger, und
25 im Besitze zwar minder tüchtiger, aber zum Teil noch recht brauchbarer
Lehrer sind, so ist das, in Anbetracht der geringen pekuniären Mittel so
vieler kleiner Ortschaften, und in Rücksicht des überall herrschenden
Lehrermangels, besonders aber im Hinblick darauf, dass unsere Gemeinden
gesetzlich nicht verbunden sind, Religionslehrer zu halten, gewiss kein
ungünstiges Verhältnis. Auch sind nicht wenige Lehrerstellen meines
Rabbinates ziemlich gut dotiert, wie schon der Umstand beweist, dass nicht
selten auswärts definitiv angestellte Lehrer diesseitige provisorische,
aber besser fundierte Stellen nachsuchen. Freilich ist der positive,
anordnende, maßgebende Einfluss der Rabbinen unseres Landes auf die
Religionsschulen ihrer Sprengel, wie die Lehrerkonferenz zu Offenbach im
verwichenen Sommer dargetan, ebenfalls lange nicht der, wie er zum Heile
derselben und zum Besten der Lehrer sein sollte; der Unterzeichnete ist
sich aber bewusst, pünktlich und genau den zu üben, den ihm das Gesetz
gestattet, und daran muss ihm genügen. Das Hauptübel unserer
Religionsschulen, der diesseitigen wie der auswärtigen, besteht in der
bekannten geringen Geneigtheit der Gemeinden, ihre Lehrer definitiv
anzustellen; aber daran sind wieder die Rabbinern nicht schuld; es hängt
dies innig mit dem Mangel einer jüdischen Religionsbehörde, die Schule
wie Synagoge ordne, zusammen, und könnte erst mit dieser und durch diese
seine Erledigung finden. Doch kann ich schließlich nicht umhin, zu
Gunsten meiner Gemeinden es auszusprechen, dass während meiner
langjährigen Amtstätigkeit nicht eine einzige, sage nicht eine einzige
derselben ihren Lehrer willkürlich, das heißt ohne vollkommen gerechten
Grund, seines Dienstes entlassen hat. Rabbiner Dr.
Levi." |
50-jähriges Doktorjubiläum von Rabbiner Dr.
Benedikt Samuel Levi
(1878)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 19. November 1878: |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 26. November 1878: |
50-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr.
Benedikt Samuel Levi
(1879)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 21. Oktober 1879: |
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60-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr.
Benedikt Samuel Levi
(1889)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 17. Oktober 1889: |
90. Geburtstag von Rabbiner Dr.
Benedikt Samuel Levi
(1896)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
22. Oktober 1896: |
Zum Tod des Bankdirektors Wilhelm Lindeck in Mannheim
- ein Sohn von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (1911)
Hinweis: Wikipedia-Artikel
zu Wilhelm Lindeck (geb. 24.11.1833 in Gießen, gest. 6.3.1911 in
Mannheim)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 17. März 1928: "Mannheim. Der dieser Tage hier
verschiedene Bankdirektor Wilhelm Lindeck war ein Sohn des Gießener
Provinzialrabbiners Benedict Levi und ein Bruder des Münchener Generalmusikdirektors
Hermann Levi. Da er nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Religion
gewechselt hatte, so hat es einer seiner Söhne bereits zum
königlichen preußischen Hauptmann gebracht." |
Die Vorfahren des Generalmusikdirektors Hermann
Levi - Sohn
von Rabbiner Dr. Benedikt Samuel Levi (Bericht von 1933)
Hinweis: Wikipedia-Artikel
zu Hermann Levi (geb. 7.11.1839 in Gießen, gest. 1900 in
Garmisch-Partenkirchen)
Anmerkung: Richard Wagner vertraute dem Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi
die erste Aufführung seines "Parsifals" in Bayreuth an. Die von
Nationalsozialisten als "typisch deutsche Musik" gepriesenen
Wagner-Komposition wurde von Richard Wagner selbst einem jüdischen Dirigenten
zur Erstaufführung anvertraut (1882)!
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"
vom 15. März 1933: "Die Vorfahren Hermann Levis. Zu Richard
Wagners fünfzigstem Todestag. Die Fünfzigjahrfeier des Todestages
Richard Wagners weckt auch die Erinnerung an einen der Getreuen des Hauses
Wahnfried, den 1872 von Karlsruhe nach München berufenen
Generalmusikdirektor Hermann Levi (1839-1900), der nach dem Tode Wagners
der treueste Berater seiner Frau Cosima gewesen ist.
Der Vater, der den Künstlerdrang seines Sohnes schon früh erkannt hatte
und ihn in seinem Künstlerstreben immer zu fördern suchte, war Rabbiner
Dr. Benedict Levi zu Gießen, der 1806 als Sohn des Rabbiner Samuel Levi
in Worms geboren wurde. Dieser war der Sohn des Rabbiners Wolf Levi in
Pfersee bei Augsburg, besuchte die höhere Schule daselbst und eignete
sich die französische Sprache derart an, dass der Bürgermeister von
Worms und einige Stadträte allwöchentlich bei ihm in der Judengasse
einkehrten, um sich von ihm die französischen Zeitungen übersetzen zu
lassen. 1807 wurde er in das Synhedrion zu Paris berufen. Der französisch
sprechende Rabbiner von Worms gefiel Napoleon so gut, dass er ihn mehrmals
in Audienz empfing, und um ihm eine Gnade zu erweisen, bot er ihm das
Rabbinat Metz oder Mainz an. Levi wählte das letztere, und so wurde er
19ß9 zum Grand Rabbin du consistoire du département de Mont Tonnère
berufen. Dr. Levi erzählte gerne in Freundeskreisen, wie er 1812 Napoleon
auf seinem Zuge nach Russland über die Große Bleiche in Mainz ziehen sah
und wie ihn sein Lehrer in die Höhe hob und aufforderte, den Segensspruch
beim Anblick eines gekrönten Hauptes zu sprechen.
Dr. Levi besuchte nach dem Tode seines Vaters, der sterbend ihn
aufgefordert, Rabbiner zu werden, die Schulen in Mainz, Frankfurt und die
Universität in Würzburg. In Gießen promovierte er 1828 und besuchte
dann die 'Jeschiwa' des Rabbiners Koppel Bamberger in Worms, wo er auch
die rabbinische Ordination erhielt. Im Alter von 23 Jahren wurde er zum
Rabbiner in Gießen gewählt. Großherzog Ludwig I. von Hessen war nach
40-jähriger Regierung gestorben. Sein Sohn Ludwig II. bereiste nach
seinem Regierungsantritte auch die Provinz Oberhessen, wo er Dr. Levi mit
zwei Vorstehern in Audienz empfing. Bei dieser Gelegenheit überreichte
Levi dem Landesfürsten mit folgendem Motto: 'Und die Zeit, die König
David über Israel regierte, ist 40 Jahre. Und er starb im hohen
Alter |
voll
an Leben, Größe und Ruhm, und es herrscht sein Sohn Salomo an seiner
Stelle (I. Chronik Kap. 29 Vers 27,28). Der Großherzog äußerte
wiederholt seinen Beifall über die sinnige Widmung, und als das Rabbinat
Friedberg frei wurde, ernannte er Levi zum Rabbiner der Provinz Oberhessen
mit 90 Gemeinden. 1832 führte Levi Henriette Mayer aus Mannheim als
Gattin in sein Haus. Diese gemütreiche und geistig hochstehende Frau war
bis zu ihrem frühen Hinscheiden 1842 eine der ansprechendsten
Erscheinungen der Gießener Gesellschaft. Sie war eine ausgezeichnete
Klavierspielerin, und ohne Zweifel hatte ihr Sohn Hermann seine
musikalische Begabung von ihr empfangen. 1858 verheiratete sich die
einzige Tochter Dr. Levis mit einem französischen Offizier, dem Leutnant
Julius Moch, Repetiteur der Kaiserlichen Militärschule zu St. Cyr. In
Rödelheim vollzog Levi die Trauung. Moch war im Kriege 1870/71 als Oberst
Gefangener in Gießen." |
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Zu
Hermann Levi siehe u.a. Wikipedia-Artikel
mit weiteren Links.
Hermann Levi war als Zwölfjähriger Organist in der Synagoge in Gießen,
siehe Seite zur Synagoge. |
60. Geburtstag von Rabbiner Dr. David Sander (1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und
Umgebung" vom 26. September 1927: "Gießen. 60.
Geburtstag von Rabbiner Dr. Sander. Vorige Woche beging Herr Rabbiner
Dr. David Sander seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass gedachten die
Gemeindemitglieder mit Dank und Anerkennung seiner Verdienste, die er sich
um die jüdische Allgemeinheit, insbesondere um das Wohl seiner Gemeinde
erworben hat. Auf seinen Wunsch sollte das Jubiläum im allerengsten
Familienkreis begangen werden, aber bei der großen Beliebtheit, deren
sich der Jubilar bei allen Mitbürgern erfreut, wurde das Jubiläum doch
zu einer Feier für die ganze Gemeinde." |
Amtseinführung von Rabbiner Dr.
Leo Hirschfeld
(1895)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
25. April 1895: |
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Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld wird als Rabbiner der
Israelitischen Religionsgesellschaft angestellt (1895)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
20. Juni 1895: |
Publikation
von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1901:
"Literarische Notiz. |
25-jähriges Amts- und Ortsjubiläum von Rabbiner Dr. Leo
Hirschfeld (1920)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
6. Mai 1920: |
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Zum Tod von Provinzialrabbiner Dr. Leo Hirschfeld
(1933)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. September 1933: "Provinzialrabbiner Dr. Leo Hirschfeld - das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Gießen, 25. September
(1933).
Noch kurz vor Jahresausgang wurde die Israelitische Religionsgesellschaft
in Gießen, und mit ihr das gesetzestreue Judentum in Deutschland, von
einem schweren ungeahnten Schlag getroffen. Rabbiner Dr. Hirschfeld, der
Mann, den wir immer in voller Rührigkeit und glühendem Eifer für Gott
und seine Tora zu sehen gewöhnt waren, ist nach kurzer schwerer Krankheit
aus dem Leben geschieden. Eine Gemeinde trauert um ihren Führer und
Meister, der sie bald vierzig Jahre durch alle Fährnisse und Wandlungen,
an mancherlei Klippen vorbei geführt, der ihr Generationen ausgerüstet
hat, dass sie die treue Hut weiter wahren. Die Feststimmung wurde für
eine jüdische Gemeinde in stille Trauer verwandelt, möchte sie noch so
sehr dagegen ankämpfen. Mussten doch unwillkürlich die Beter zu dem
Platze hinaufschauen, wo ihr Rabbiner voriges Jahr noch um diese Zeit in
geweihter Stunde zu ihnen sprach. Noch kurz vor Festeingang hatte sich
sein Tag gesenkt, war seine Neilohstunde gekommen, hatte er mit dem
letzten Sch'ma seine Seele ausgehaucht.
Und am Nachmittage des zweiten Rosch haschono (zweiter Neujahrstag)
stand die Gemeinde draußen
und nahm stummen, stillen Abschied, wie es das Fest gebietet, von ihrem
Lehrer und Führer: Ein Fest ging zu Ende, ein Sabbat begann. Schabbos
Schuwah! Ein Begnadeter mit sabbatlich gestimmter Seele ist in den ewigen
Sabbat eingekehrt.
Rabbiner Dr. Hirschfeld kam, nach gründlichen jüdischen und profanen
Studien, im Jahre 1895, kaum ein Dreißiger, als rabbinischer Führer der
orthodoxen Gemeinde Israelitische Religionsgesellschaft nach Gießen. Die
Gemeinde als solche war erst vor kurzem gegründet worden. Sie war aus
großen schweren Kämpfen um (hebräisch und deutsch:) den letzten Rest
aus dem religiösen Zusammenbruch einer Reformperiode, hervorgegangen. Der
junge Rabbiner fand so gut wie Neuland, das noch eine Fülle von Kampf und
Arbeit zu seiner Bebauung und Ausweitung erforderte. Mit welcher Wucht,
Energie und welchem Elan der tätige, kraftstrotzende Mann diesen Kampf
und diese Arbeit aufnahm, wissen nur diejenigen einzuschätzen, die jenen
neuesten Abschnitt der jüdischen Geschichte Oberhessens miterlebt haben.
Ein Enkel von Rabbi Schlome Pleßner - das Andenken an den Gerechten ist
zum Segen - von dem er stets mit Stolz sprach, war ihm dieser große Ahn
stets Leuchte und Vorbild in seiner rabbinischen Amtswirksamkeit. Die
meisten Landgemeinden Oberhessens schlossen sich dem orthodoxen Rabbinate
an, das von der damaligen, den Juden stets wohlwollenden Darmstädter
Regierung zu einem Großherzoglichen Provinzial-Rabbinat mit genau
gleichen Rechten wie das sog. liberale Rabbinat erhoben wurde. In diesen
Gemeinden, mit denen der Rabbiner gleich zu Anfang in engen Kontakt trat,
blieben die religiösen Institutionen unter der Oberaufsicht Hirschfelds
im besten Stande. Manche Kleingemeinde bekam, mit Hilfe der 'Freien
Vereinigung', eine Mikwe neu errichtet oder instandgesetzt. Besuche
des Rabbiners, mit der Predigt und der Religionsschulprüfung, gestalteten
sich für die Landgemeinde immer zu einem hohen Feste. In Gießen selbst,
wo die Religionsgesellschaft sich schon vorher das eigene herrliche
Gotteshaus in der Steinstraße errichtet hatte, wurde mit Hilfe des
bewährten Lehrers Herrn Klein, der Religionsunterricht noch ausgebaut und
alle Mittel ergriffen, um, oft unter Schwierigkeiten, und auf einigem
Boden, das religiöse und geistige Leben zu heben. Konnte Rabbiner Dr.
Hirschfeld in den letzten Jahren auch nicht mehr so oft in die
Landgemeinden seines Bezirkes kommen, so sammelte er doch fast
wöchentlich die Lehrer seines Rabbinatsbezirkes in seinem Hause bei Schiurim
(Lernstunden), Fortbildungskursen, Aussprachen und blieb so mittels der Lehrer,
die in Oberhessen fast durchweg noch treu und gewissenhaft zur Tradition
halten, auch mit den Gemeinden in enger Fühlung.
Eine kernige, imposante Erscheinung, auch schon nach außen durch Kleidung
und würdevolle, fast feierliche Haltung die Ehre der Tora hervorkehrend, genoss
Rabbiner Dr. Hirschfeld große Verehrung weit über seine Gemeinde hinaus,
ja auch in nichtjüdischen Kreisen. ein Meister des Wortes, liebte er es,
den Gedankenbau mit einer blumigen poetischen Sprache zu umkleiden, die
oft große Wirkungen erzielte. Er konnte von der Kanzel seine Donnerstimme
erheben, wenn es galt, seinen Gemeinden ins Gewissen zu reden, Fehler zu
rügen, Übel abzustellen; er konnte aber auch weiche poetisch verklärte
Töne anschlagen, wenn er als Mensch zu dem Menschen sprach, wenn er bei
festlichen Anlässen oder bei Familienfeierlichkeiten, zu denen der
Rabbiner als Freund herangezogen wurde, sich mit Geist und Humor als
liebenswürdiger Gesellschafter bewährte. Ein tief veranlagtes Gemüt und
vortrefflicher Kenner der althebräischen Literatur, versuchte er sich oft
selbst in poetischen Schöpfungen. Seine nach Reim und Rhythmus ins
Deutscher übertragenen Schabbatlieder fanden guten Anklang. Lange
Jahre arbeitete er an einem Werke, einer lexikalischen Zusammenstellung
aller Namen in der Bibel unter Anführung aller einschlägigen Stellen in
der gesamten rabbinischen und midraschistischen Literatur, die nun
abgeschlossen und vollkommen druckfertig daliegt. Man darf hoffen, dass
sich bald ein Verleger für dieses für die jüdische Wissenschaft
wertvolle Nachschlagewerk findet.
In seinem gastlichen Hause, das er in langer glücklicher Ehe mit einer
kongenialen Gattin, einer Frankfurterin, Tochter von Moses S. Schwab - seligen
Andenkens - teilte, fanden |
Schüler,
Freunde, die Lehrer des Bezirkes stets freundliche Aufnahme, Arme und
Hilfsbedürftige, besonders auswärtige Toragelehrte, Rat und Hilfe. Eine
schwere Lücke ist mit seinem Heimgange dem gesetzestreuen Judentum
geschlagen. Möge Gott seine Gemeinde und seine Familie, drei Töchter,
von denen zwei ihre eigenen Heime an der Seite bewährter Männer im
Geiste des Vaters führen, trösten. Möge der heimgegangene Führer an
den heiligen Tagen ein Fürsprecher seiner Gemeinde und seiner
Gemeinschaft in schwerer Zeit sein. Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens."
Die Trauerfeier in der Synagoge. Die Trauer und die Wehmut, die bei
der Bestattung am Festtage keine Worte finden konnte, kam am
Sonntagnachmittag in einer Trauerfeier in der Synagoge spontan und dennoch
überaus würdig zum Ausdrucke. In dem vollgefüllten hellbeleuchteten
Gotteshause sah man neben der gesamten Gemeinde auch viele auswärtige
Gäste. Alle orthodoxen Rabbiner Hessens, sowie sämtliche Lehrer des
Rabbinatsbezirkes waren anwesend. Auch der Vorstand der Israelitischen
Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main war offiziell vertreten. von
der Jeschiwah kam Herr Rabbiner Dr. Joseph Breuer. Auf den Galerien
standen die Frauen der Gemeinde Kopf an Kopf. Die Feier wurde eröffnet
mit dem stimmungsvollen Vortrag eines Gebetsstückes durch den Kantor der
Gemeinde, Herrn Neumann, worauf der Ehrenvorsitzende der Gemeinde, Herr
Hofrat Jacob Grünewald, die Kanzel bestieg, um in schlichten, herzlichen
Worten den Dank der Gemeinde an den Führer zum Ausdruck zu bringen und
weitere Treue zu geloben, in dem Sinne, dass die Gemeinde entschlossen
sei, in seinem Geiste die Traditionen des Judentums weiterhin treu zu
hüten. Den ersten Hesped (sc. Trauerrede) hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn,
Marburg. In großangelegter Rede entwarf er in Anknüpfung an alte
Textworte ein Charakterbild des Menschen und des Lehrers Hirschfeld, der
wie ein Vater zu seiner Gemeinde und zu jedem einzelnen ihrer Mitglieder
stand, der als treuer Wächter den ihm anvertrauten Weinberg hütete und
bearbeitete und sich immer wieder mit neuer Kraft an die Arbeit machte,
auch wenn die Frucht einmal der Mühe nicht entsprach. Redner schilderte,
wie kraftvoll der erste Rabbiner diese Gemeinde auch nach außen hin zur
Geltung brachte, wie er sich die Fortbildung der Lehrer seines Bezirkes
angelegen sein ließ, und schloss wirkungsvoll mit der Wiedergabe der
letzten Worte Dr. Hirschfelds - das Andenken an den Gerechten ist zum
Segen - auf seinem Krankenbette: (hebräisch und deutsch) 'Hat das
Jahr in Armut und Trauer begonnen, so wird es in seinem Verlaufe Glück
und Segen bringen.' Das nehme die verwaiste Gemeinde als letzten Segen
des heimgegangenen Rabbi.
Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, sprach für den orthodoxen
Hessischen Landesverband, sowie für den Orthodoxen Rabbinerverband. In
feingeistiger Rede kehrte er die sühnende Bedeutung des Todes der
Gerechten auf Grund eines Wortes aus der Tagesselicho über den Tod
Gedaljas hervor und wusste eindringliche Worte einzuflechten über die
jüdische und geistige Verpflichtung, die die Gemeinde am Grabe ihres
Führers für die Zukunft übernimmt.
Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt am Main, der die letzten Grüße
der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und
des Frankfurter Mekor Chajim überbrachte, schilderte Dr. Hirschfeld, mit
dem er in den ersten Jahren seiner rabbinischen Wirksamkeit in Hessen ein Stück
Weges zusammengehen und kämpfen durfte, als |
einen
der aufrechten Menschen, die kamen mit der Macht ihrer Taten. Er
zeichnete dann in gehobenen Worten insbesondere auch die literarische
Tätigkeit Hirschfelds. Herr Lehrer Klein, der treue Mitarbeiter
Hirschfels in fast einem Menschenalter, sprach in bewegten Worten von der
Lehrweise seines Rabbiners und brachte den Dank der Lehrer im
Rabbinatsbezirke zum Ausdruck. Herr Rechtsanwalt Dr. Rosenthal dankte für
die Jugend, für die früheren und späteren Schülergenerationen.
Mit Am'r und dem Minchogebet, in festfeierlicher Weise von Herrn Kantor
Neumann vorgetragen, fand die in ihrer Schlichtheit und Herzlichkeit überaus
würdige und eindrucksvolle Feier ihr Ende." |
Nachruf für Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld
(1933)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
19. Oktober 1933: "Nachruf. Am Erew Rausch haschonoh
(Vortag vor dem Neujahrsfest) starb nach kurzer Krankheit im 67.
Lebensjahr unser allverehrter Rabbiner
Herr Dr. Leo Hirschfeld - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.
38 Jahre hat er in unerer Gemeinde den Gedanken des unverfälschten,
überlieferten Torajudentums vertreten. Er war ein ausgeprägter Charakter
und eine Führerpersönlichkeit. Seine Fähigkeiten und sein Wissen
stellte er in den Dienst seiner Gemeinde. Darüber hinaus galt sein
warmherziges Interesse der Förderung der Belange des orthodoxen
Judentums. Wir werden dem Heimgegangenen ein treues und dankbares Andenken
bewahren und unsere Kehilloh im Geiste des Verewigten weiterführen.
Israelitische Religionsgesellschaft Gießen. Der Vorstand A.
Fröhlich." |
Aus
der Geschichte der jüdischen Lehrer, Vorbeter und weiterer Kultusbeamten
Lehrer Rosenthal übernimmt die Israelitische Schule
(1824)
Artikel in der Zeitschrift "Sulamith"
Jg. 1824: |
Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet
der Israelitischen Religionsgesellschaft (1887)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28.
Dezember 1887: |
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und
Kantors der Israelitischen Religionsgemeinde (1890)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
11. Dezember 1890: |
50-jähriges Dienstjubiläum
von Lehrer S. Mayer
(1892)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
12. Mai 1892: "Gießen, 3. Mai (1892). Der Religionslehrer und
Vorbeter der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr S. Mayer, beging
gestern die Feier seines 50-jährigen Dienstjubiläums. Der Jubilar hat
sich als Lehrer dreier Generationen, als rastlos strebsamer Arbeiter die
Achtung seiner Glaubensgenossen wie der übrigen Mitbürger
erworben." |
Ausschreibung der Stelle des Schochet und Kantors der
Israelitischen Religionsgemeinde (1900)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
22. Februar 1900: |
Lehrer A. Salomon wirbt für seine Schülerpension
(1908)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 14. Februar 1908: |
40-jähriges Lehrerjubiläum von
Lehrer Bernhard Klein und Lehrer Fröhlich (1923)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1923:
"Würzburg, 15. September (1923). Ihr 40jähriges Lehrer-Jubiläum
begingen im Hotel Goldschmidt dahier die Lehrer: Ehrenreich - Langenselbold,
Fröhlich - Gießen, Goldstein - Würzburg,
Klein - Gießen, Levi - Burgpreppach, Rau -
Hirschaid, Rosenthal - Worms, Schloss
- Langen, Stern - Echzell, Strauß - Gelnhausen,
Weichselbaum -
Adelsberg. Gleichzeitig übergaben sie dem hiesigen israelitischen Seminare
ein ahnsehnliches Geschenk. Von den 15 Absolventen des Jahrganges 1883
sind leider drei mit Tod abgegangen und einer in einer Nervenanstalt
untergebracht." |
Lehrer und Kantor Bernhard Klein
(Israelitische Religionsgesellschaft) feiert sein
40-jähriges Ortsjubiläum (1928)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
1. März 1928: "Gießen, 27. Februar (1928). Am 10. März
feiert uns Lehrer und Kantor Bernhard Klein sein vierzigjähriges
Ortsjubiläum in unserer Gemeinde." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8.
März 1928: ""Gießen, 5. März (1928). Am 10. März
sind es 40 Jahre, dass Herr Bernhard Klein als Lehrer, Kantor und Schochet
in unserer Gemeinde wirkt. Klein ist ein Lehrersohn auf Veitshöchheim,
besuchte die Präpanderie in Höchberg
und das Seminar in Würzburg. 1883 fand
er seine erste Anstellung in Pflaumloch,
Württemberg. 1888 kam er als Kultusbeamter an unsere
Religionsgesellschaft, die 1923 die Rechte einer öffentlichen
Körperschaft erhielt. In dieser langen Zeit bewährte sich der Jubilar
als ein pflichttreuer Beamter, der die Jugend zu wahrer Treue (sc.
zu ihrer Religion) begeisterte und durch sein klangvolles Organ den
Gottesdienst verherrlichte. Möge ihm ein recht schöner Lebensabend
beschieden sein" |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8.
März 1928: "Der Kollege Bernhard Klein in Gießen feiert am
10. März sein vierzigjähriges Amtsjubiläum als Lehrer der dortigen
Religionsgesellschaft. Wir entbieten dem Kollegen, der jahrzehntelang auch
als Vorstandsmitglied des unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer im
Freistaate Hessen tätig war, die herzlichsten Glückwünsche des Bundes
gesetzestreuer jüdischer Lehrer und wünschen ihm weiteres Wohlergehen
und ungehemmte Kraft des Körpers und Geistes für ferneres Wirken im
Dienste seiner Gemeinde." |
Lehrer Bernhard Klein
tritt in den Ruhestand - Lehrer Erich Neumann wird sein Nachfolger (1932)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1932: "Gießen, 30. Oktober
(1932). Nach 49jähriger Dienstzeit, 5 Jahre in Pflaumloch in Württemberg
(d.h. 1883-1888) und 44 Jahre in der hiesigen israelitischen
Religionsgesellschaft, trat Herr Lehrer Bernhard Klein vor einigen Monaten
in den wohlverdienten Ruhestand. Am vergangenen Samstag fand in der
hiesigen Synagoge ein Abschiedsgottesdienst mit Festpredigt statt. Herr
Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld schilderte die Tätigkeit unseres
Kultusbeamten, der Lehrer, Kantor und Schochet war. Mit Liebe, Sorgfalt
und pädagogischem Geschick brachte Herr Klein den Kindern die religiösen
Lehren und Pflichten des wahren Judentums bei. In Andacht und Ehrfurcht
lauschten die Synagogenbesucher seinen erbauenden und klangvollen
kantoralen Leistungen. Auf dem Gebiete des Schächtens war er ein Meister,
der seinesgleichen sucht. Sowohl von Seiten des Rabbinats als auch von
Seiten hoher christlicher Beamtenstellen fanden hier seine Leistungen
reiche Anerkennung. Für all das dankte ihm Dr. Hirschfeld im Namen der
Gemeinde und wünschte ihm einen ruhigen, angenehmen und langen
Lebensabend in unserer Mitte. Sein Nachfolger, Herr Lehrer Erich Neumann
aus Kassel, wie Herr Lehrer Klein, ein Schüler des Würzburger Seminars,
trat vor den hohen Feiertagen die vakante Stelle an." |
Aus der Zeit von Lehrer
Erich Neumann (1932-1938)
Anmerkung (Informationen erhalten von Fredel Fruhman): Erich Neumann ist
1908 als Sohn von Salomon Neumann und Frieda geb. Dorfzaun in Kassel geboren. Er studierte
vn 1926 bis 1930 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in
Würzburg. Danach war er in den jüdischen Gemeinden von Spangenberg,
Schlüchtern, Eschwege
und Gießen (1932-1938) tätig. Er war verheiratet mit Fränze geb.
Müller; das Ehepaar hatte zwei Söhne. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er
verhaftet und in ein KZ verschleppt. Nach seiner Entlassung betrieb er seine
Auswanderung. Er konnte Deutschland nach England verlassen; seine Frau und seine
Söhne konnten nicht mehr nachfolgen. Sie wurden nach der Deportation ermordet.
Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges war Neumann als Lehrer und als
Gemeindesekretär in jüdischen Schulen und Gemeinden in England (London und
Manchester) tätig. Nach
1945 verzog er in die USA, wo er sich nun Eric Neumann nannte. Er war als Kantor
und Lehrer in der Synagogengemeinde Ohav Sholaum in New York tätig. Er heiratete in
zweiter Ehe Anita geb. Eldod. Eric Neumann verstarb 1984 in New
York.
Fotos, erhalten im August
2010
von Fredel Fruhman,
eine Nichte von
Lehrer Erich Neumann |
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Lehrer Erich Neumann, der älteste Sohn des Lehrers Salomon Neumann und seiner Frau
Frieda geb. Dorfzaun (Salomon Neumann war lange Jahre Lehrer in Kassel; nähere
Informationen zu ihm auf einer Seite zu Gochsheim) |
Lehrer Erich Neumann mit 13
Schülerinnen
und Schülern in Spangenberg (1931), wo er vor seiner Zeit in Gießen tätig
war. |
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