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Darmstadt
Darmstadt (Hessen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt
Texte zur Geschichte der Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde in Darmstadt
sowie der jüdischen Lehrer und der Schule im 19./20. Jahrhundert (bis nach
1933)
Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit
Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Darmstadt wurden in jüdischen Periodika
gefunden.
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am
1.4.2012.
Auf dieser Seite stehen keine Texte zu den Rabbinern und Lehrern der
orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaft in Darmstadt, siehe hierzu die Seite
- Zur Geschichte der
Israelitischen Religionsgesellschaft in Darmstadt.
Übersicht:
Übersicht über die
Rabbiner in Darmstadt
Rabbiner in Darmstadt vom Ende des 18. Jahrhunderts bis nach
1933
(ohne die Rabbiner der orthodoxen Religionsgesellschaft in Darmstadt, siehe auf
der Seite zur
Religionsgesellschaft)
 | 1771-1793: Rabbiner Simon Lazarus Flegenheimer (geb.
ca. 1723 in Flehingen, gest. 1793 in
Darmstadt): 1751 Landesrabbiner des Schwarzwaldkreises des Deutschen Ordens
mit Sitz in Mühringen; 1771
Landesrabbiner in Darmstadt. |
 | 1793-1798: Rabbiner Heyum Flegenheimer (Heyum Simon;
geb. in Mühringen als Sohn des
Rabbiners Simon Flegenheimer): 1793 Landesrabbiner in Darmstadt als
Nachfolger seines Vaters. |
 | 1799-1833: Rabbiner Callmann Mengeburg (auch
Callmann Bing; geb. 1753 in Bingen, gest. 1833 in Darmstadt |
 | 1833-1835: Rabbiner Alexander-Sender Wolf (geb.
1762, gest. 1843 in Darmstadt): war seit 1792 in Darmstadt als Gastwirt und
Kaufmann, seit 1793 Vorsitzender der Chewra Kaddischa; war 1833 bis 1835
provisorischer Rabbiner in Darmstadt; hält auch in der Folgezeit mit
Erlaubnis des Rabbiners Dr. Auerbach religiöse Vorträge. |
 | 1835-1857: Rabbiner Dr. Benjamin-Hirsch Auerbach
(geb. 1808 in Neuwied als Sohn des Bonner
Rabbiners Abraham Auerbach, gest. 1872 in Halberstadt): studierte in Bonn
und Marburg; seit Januar 1835 Landesrabbiner in Darmstadt; auf Grund seiner
orthodoxen Prägung seit 1840 Konflikt mit dem Vorstand am Ort; die
Stadtgemeinde Darmstadt zwingt ihn 1857 zur Niederlegung seines Amtes; die
orthodoxe Gemeinde Biblis erkennt ihn weiterhin an, während er nun als
Gelehrter in Frankfurt lebt; seit 1863 Rabbiner in Halberstadt. |
 | 1859-1890: Rabbiner Dr. Julius Landsberger (geb.
1819 im oberschlesischen Biała (Zülz), gest. 1890 in Darmstadt):
studierte in Breslau und Berlin; 1849 Rabbiner in Religionslehrer in Brzeg (Brieg),
1854 Rabbiner der "Brüdergemeinde" in Posen; 1859
großherzoglicher Landesrabbiner in Darmstadt, galt als gemäßigt liberal,
wurde jedoch von den Landgemeinden und der Israelitischen
Religionsgesellschaft bekämpft; Amtsniederlegung 1889 aus
Gesundheitsgründen. |
 | 1890-1906: Rabbiner Dr. David Selver (geb. 1856 in
Chajowa, Russland, gest. 1926 in Darmstadt): studierte in München und
Berlin; seit 1889 Leiter der Religionsschule und stellvertretender Rabbiner
in Darmstadt, seit 1890 Landesrabbiner; 1907 Ruhestand. |
 | 1907-1927 Rabbiner Dr. Bruno Italiener (geb. 1881 in
Burgdorf, Hannover, gest. 1956 in London): studierte in Breslau und
Erlangen; 1907 bis 1927 Rabbiner in Darmstadt, bis 1918 für das
Großherzogtum Hessen zuständig; 1914-1918 Feldrabbiner der 7. Armee; seit
1928 Rabbiner in Hamburg; 1938 Emigration über Brüssel nach England; 1939
bis 1951 Rabbiner in London. |
 | 1928-1939: Rabbiner Dr. Erich Bienheim (geb. 1898 in
Duingen, Hannover, gest. 1962 in Bradford, England): studierte in Berlin;
1924-1927 Rabbiner an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in
Berlin; 1928-1939 Stadt- und Provinzialrabbiner in Darmstadt; war 1933
Mitbegründer und Lehrer an der jüdischen Volksschule; 1939 nach
Australien, dann England emigriert; 1946-1949 Rabbiner in London, danach in
Bradford. |
Texte
zur Geschichte der Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde in
Darmstadt
Zum Tod der Frau von Oberrabbiner Levi - der evangelische
Stadtpfarrer hält die Predigt bei der Beerdigung
(1842)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 21. Januar 1843: "Darmstadt, 27. Dezember (1842). Die
gebildete und geistreiche Gattin des Oberrabbiners Levi starb in Gießen
vor einigen Tagen in Folge eines Wochenbettes. Ihrem und ihres Gatten
willen gemäß, wurde der hiesige evangelische Stadtpfarrer, Kirchenrat
Engel, von dem Oberrabbiner ersucht, der Entschlafenen auf dem
israelitischen Kirchhofe eine Leichenpredigt zu halten, was der Kirchenrat
Engel zusagte, und am ersten Christfeiertage, nach der Mittagskirche, in
einer gehaltvollen, eindringenden und erbaulichen Rede so schön
ausführte, dass über tausend Menschen, die versammelt waren, um einem so
seltenen Ereignisse beizuwohnen, tief davon ergriffen und gerührt
wurden." |
Rabbiner
Dr. Auerbach nimmt die Trauung des Baron Willi von Rothschild vor (1849)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 25. Januar
1850: "Frankfurt am Main. Am 21. November (1849) ward hier der
junge Baron Willi von Rothschild getraut. Derselbe umging den radikalen
Stadtrabbiner Leopold Stein, und ließ sich von dem allgemein
hochgeachteten Stadt- und Landrabbiner Herrn Dr. Auerbach aus Darmstadt
trauen. - Und in der Tat verdient es Herr Dr. Auerbach, dass ihm diese
Ehre zuteil ward, denn dieser würdige Geistliche kämpft unermüdet für
das orthodoxe Judentum und geht den jungen Rabbinen mit dem schönsten
Beispiele voran." |
Konflikt
zwischen dem Gemeindevorstand und Rabbiner Dr. Auerbach (1857)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Mai
1857: "Darmstadt, 28. April (1857) (Fr.P.-Z.). Schon seit
vielen Jahren bestanden hier ernste Zwistigkeiten zwischen dem jüdischen
Gemeindevorstand, welcher dem religiösen Fortschritt huldigt, und dem
Rabbiner Dr. Auerbach, welcher dem orthodoxen Judentume angehört, und in
diesem Sinne auch seine Stelle verwaltete. Dieser Streit hat nun durch
Entschließung Seiner königlichen Hoheit des Großherzogs seine
Erledigung dahin gefunden, dass Herr Dr. Auerbach, der seine Stelle
bereits 23 Jahre, jedoch immer nur provisorisch, verwaltet hatte, seines
Dienstes entlassen worden ist." |
Amtsentsetzung
von Dr. Auerbach in Darmstadt (1857)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni
1857: "Sie haben wohl schon aus den Zeitungen die von Seiten des
Großherzogs erfolgte Amtsentsetzung des Dr. Auerbach in Darmstadt
erfahren; in Folge dessen herrscht in dem Rabbinat Starkenburg (welches
aus 105 Gemeinden besteht) große Agitation, indem mehrere Landgemeinden
zu eigenen Rabbinaten sich vereinigen wollen, so geht man damit um, in Michelstadt,
in Bensheim u.a.m. besondere
Rabbinatssitze zu bilden." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni
1857: "Aus Rheinhessen, 21. Mai (1857) (Privatmitteilung). Die
Mitteilung in Nr. 20 aus Darmstadt vom 28. April der Allgemeinen Zeitung
des Judentums bedarf einiger Erläuterung, die ich mir im Interesse der
Wahrheit anmit zu geben erlaube. - Wenn auch die Gegner des Herrn Dr.
Auerbach aus Darmstadt jahrelang bei der Regierung um dessen Entsetzung
petitionierten, so ist dies doch nur der oftensible (vordergründige)
Grund seiner Entsetzung, und hätte keineswegs hingereicht. Der wahre ist
eine jahrelange Untersuchung, in die derselbe verwickelt war, und die,
wenn auch nur sein Privatleben berührt, doch zur Entweihung des
Gottesnamens wohl Veranlassung bieten konnte, indem sie an einem
orthodoxen Rabbinen leider eine Handlungsweise zu rügen hatte, die man
uns Juden so gern zum Vorwurf macht. - Wir wollen uns den Satz ...
wohl vor Augen halten; doch können wir nicht umhin zu behaupten, dass man
den Gegnern der Fortschrittspartei wohl keine größere Freude hätte
machen können, als wenn einer der anerkannten Rabbinen der Reformpartei
in gleicher Lage wäre; man hätte dann die Religions- und Sittenlosigkeit
dieser Partei zugleich brandmarken können, so verkehrt der Schluss von
Einem auf das Ganze ist. Wir können nicht umhin, hier zu registrieren:
dass Herrn Dr. Auerbachs Abgang ein Glück für die Israeliten des Großherzogtums
Hessen ist, indem der größte Teil der Schuld, dass Lehrer- und Schulverhältnisse,
dass überhaupt alle religiösen Institute so im Argen liegen, wohl an ihm
ist, da die Regierung früher guten Willen gezeigt, und nur durch ihn das
Bessere selbst in den bestehenden Gesetzen nicht zur Wahrheit wurde, dass
wir demzufolge große Hoffnungen auf die Besetzung des Darmstädter
Rabbinats durch einen tüchtigen aufgeklärten Rabbinen setzen, da dies
das einflussreichste Rabbinat in unserem Lande und zugleich eines der
größten und einträglichsten Süddeutschlands ist." |
Die Rabbinatsstelle ist mit Dr. Julius Landsberger wieder
besetzt (1860)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 17. Januar 1860: "Darmstadt, im Dezember (1860). Endlich,
nach langem Sehnen und Hoffen, ist die Rabbinatsstelle für hier sowie
für die Provinz Starkenburg durch die Person des Herrn Dr. Landsberger,
Prediger aus Posen, besetzt worden. Wir sind der Großherzlichen
Regierung, von der die Wahl ausging, vielen Dank für das treffliche
Gelingen derselben schuldig, denn nicht leicht hätte die Stelle ein
tüchtigerer Mann erhalten können, als der Obengenannte. Noch nicht lange
im Amte, hat Herr Dr. Landsberger sich schon das Vertrauen Aller erworben
und es herrscht in allen Kreisen ein eifriges Streben, dem ebenso
gelehrten als liebenswürdigen Manne freundlich entgegenzukommen.
Am Sabbat Thouldous (=Toledot) hielt derselbe seine Antrittspredigt, die
ein Muster von Beredsamkeit und Klarheit, voller lieblicher Bilder und
treffender Gleichnisse war. Die Synagoge ist jetzt allsabbatlich von
Zuhörern gefüllt, die herbeieilen, um das lange vermisste Wort Gottes zu
vernehmen.
Die hiesige Gemeinde ließ für Herrn Dr. Landsberger ein Zimmer
ausmöblieren und veranstaltete ihm zu Ehren ein Festessen.
Weiter ist noch von hiesiger Gegend zu berichten, dass die Statuten der
Lehrerversammlung, die seinerzeit in ihrem geschätzten Blatte zu lesen
waren, von der Großherzoglichen Regierung nicht genehmigt wurden, die
Petition jedoch, die erst dem Dr. Landsberger zur Beurteilung vorgelegt
werden soll, wird jedenfalls Berücksichtigung finden." |
Zum Tod von Rabbiner Dr. Julius Landsberger
(1890)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 6. März 1890: "Darmstadt, 4. März (1890). Der Rabbiner
der hiesigen Reformgemeinde, Dr. Julius Landsberger, der dieses Amt über
30 Jahre verwaltete, starb heute nach kurzem Kranksein". |
Kritik an Direktor Dr. Selver als Leiter der
Religionsschule der Hauptgemeinde (1893)
Anmerkung: der Artikel ist von einem orthodox-konservativen Gemeindeglied
verfasst und in der dieser Richtung entsprechenden Zeitschrift "Der
Israelit" erschienen.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 6. November 1893: "Darmstadt, im Cheschwan. Wohl
keine größere Gemeinde dürfte eine längere interimistische Versehung
des Rabbinats haben als Darmstadt; keine Gemeinde auch einen Vorstand, der
mit so wenig Energie bei seiner vorgesetzten Behörde auf endgültige
Regelung der Verhältnisse, wie sie jetzt in der Gemeinde und in der
Provinz liegen, drängt.
Die Religions-Gemeinde, das ist die Hauptgemeinde der Residenz, ist seit
dem im März 1890 erfolgten Tode des seligen Rabbiner Dr. Landsberger ohne
definitiv angestellten Rabbiner, da die Regierung, wie angeblich gesagt
wird, bis zur Lösung der Frage über das Verhältnis zwischen Stadt- und
Landjudenschaft, ein Definitivum nicht gestattet. Am meisten durch dieses
Provisorium hat die Hauptgemeinde Darmstadt zu leiden, und ist es ja gar nicht
anzusehen, wann dieses Verhältnis aufhört.
Der jetzt in der Gemeinde auf Lebenszeit als Direktor der Religionsschule
(von 63 Kindern, an welcher noch zwei Lehrer wirken), angestellte Herr Dr.
Selver, welcher auch die Rabbinatsgeschäfte versieht, hat es während der
vier Jahre seines Hier seins nicht verstanden, sich die Gunst der Gemeinde
zu erwerben. Die Religionsschule auch unter dieser Regie, das heißt die
Leistungen der Schüler und Schülerinnen sind so mangelhaft, dass selbst
mit Prämien entlassene Schüler, also solche, die das 13. Lebensjahr
überschritten haben, nicht wissen, was an den betreffenden Tageszeiten
gebetet wird, ja es gibt deren, die kaum das 16. Lebensjahr |
erreicht,
nicht mehr des hebräischen Lesens mächtig sind. Wenn nun der
Gemeindevorstand die Leistungen der Schule für genügend hält, wenn er
glaubt, dass das, was die Schüler lernen, ausreichend ist, so geschieht
dies aus dem Grunde, weil eben der größte Teil des Vorstandes selbst
nicht, oder doch sehr wenig hebräisch versteht, weil der größte Teil
der Hauptaufgabe, zu welcher auch der Gottesdienst gehört, zu wenig
Beachtung schenkt, ja den Gottesdienst jährlich nur zwei bis dreimal
besucht. Was kann da Gutes bei solchem Vorbilde geleistet
werden?
Der Vorstand, der wie jetzt bemerkt, sehr wenig in seiner Mehrzahl zum
Gottesdienste erscheint, glaubt mit den finanziellen Arbeiten seine
Pflicht erfüllt, mit der Anstellung von Beamten seiner Gemeinde Genüge
zu leisten. So geschah es, dass während der Krankheit des seligen
Rabbiner Dr. Landsberger der Vorstand Herrn Dr. Selver, ohne dass jemand
aus der Gemeinde etwas davon wusste, auf Lebenszeit zum Direktor der Schule
anstellte, nachdem der Herr kaum einige Wochen in Darmstadt war, und man
über seine Leistungen nur das Lob von auswärtigen Stellen, die der junge
Mann begleitet hatte, hörte, seine Leistungen in unserer Gemeinde aber
schon nach dessen kurzen Hier sein abfällig beurteilt
wurden.
Denke, lieber Leser, was hältst Du von einem Manne, dem Direktor einer
israelitischen Religionsschule, dem Vertreter des Rabbiners, der bei einer
Versammlung behufs Gründung eines Minjan-Vereins öffentlich
sagt:
'Meine Herren! Bedenken Sie auch, wenn Sie einen solchen Verein gründen,
wie oft Sie in die Synagoge gehen müssen!'
Es ist unglaublich, wirst Du, lieber Leser, sagen, aber, - es ist wahr, -
traurige nackte Wahrheit - und der Vorstand der Gemeinde, ihn kümmert das
nicht, mit solchen Kleinigkeiten befasst er sich nicht, zu was Synagoge,
für die Ungebildeten, für gewöhnliche Menschen ist das Gotteshaus
nötig. Kann unter solchen Umständen eine Gemeinde vorwärts kommen, kann
da das Judentum gehalten werden, oder geht in dieser Gemeinde nicht alles
zu Grunde? In einer der größten Städte unseres Nachbarstaates Bayern
hat, wie ich höre, die Tochter des Religionslehrers sich mit einem Herrn
verlobt, der sein Geschäft am Sabbat geöffnet hält; wahrlich in unserer
Gemeinde segeln wir ähnlichen Zuständen entgegen." |
Glückwunschadresse der Rabbiner des Großherzogtums
zur Heirat des Großherzogs (1894)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 7. Mai 1894: "Darmstadt. Die Rabbiner des
Großherzogtums haben aus Anlass der Vermählung Seiner Königlichen
Hoheit des Großherzogs eine Adresse anfertigen lassen, welche Mittwoch
den 2. dieses Monats von den Herren: Levy - Gießen, Stein - Worms,
Salfeld - Mainz und Marx und Selver - Darmstadt überreicht worden
ist. Beim Eintritt der Herrn Rabbinern sprach Dr. Levi - Gießen den
Segensspruch hebräisch und deutsch und überreichte die Adresse. Der
Großherzog war sehr erfreut über diese Kundgebung und bat, seinen
herzlichsten Dank auch den anderen Kollegen
mitzuteilen." |
Rabbiner Dr. David Selver wird zum Rabbiner des
Großherzoglichen Rabbinats Darmstadt I ernannt (1898)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 17. Dezember 1897: "Darmstadt, 12. Dezember
(1897). Das Rabbinat der hiesigen Gemeinde, welches infolge der vom
Ministerium verfügten Teilung seines bisherigen Bezirks seinerzeit zur
Besetzung ausgeschrieben wurde, ist Herrn Rabbiner Dr. Selver
übertragen worden. Von einer Berufung anderer Kandidaten wurde abgesehen.
Dadurch werden hoffentlich alle Unzuträglichkeiten, welche mit dem
bisherigen vieljährigen Provisorium für Herrn Dr. Selver sowohl wie für
die Gemeinde notwendig verknüpft waren, beseitigt
werden." |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 11. Februar 1898: "Darmstadt, 6. Februar (1898).
Nachdem durch Beschluss des Gemeindevorstandes das Rabbinat der hiesigen
Gemeinde und der mit ihr verbundenen Landgemeinden Herrn Dr. Selver
definitiv übertragen worden, wurde derselbe durch großherzogliches
Dekret vom 5. vorigen Monats zum Rabbiner der 'liberalen israelitischen
Gemeinden des Rabbinats Darmstadt' ernannt und am 19. vorigen Monats von
Seiner königlichen Hoheit dem Großherzog in Audienz empfangen. Die
feierliche Amtseinführung, bei der Herr Dr. Selver eine erhebende, mit
großem Beifall aufgenommene Rede hielt, fand am 23. vorigen Monats statt.
Das Rabbiner des Herrn Dr. Selver wird amtlich als 'Großherzogliches Rabbinat
Darmstadt I' bezeichnet, während das Rabbinat der orthodoxen
Landgemeinden, das dem Prediger der hiesigen orthodoxen
Religionsgesellschaft, Herrn Dr. Marx, übertragen wurde, die
Bezeichnung 'Großherzogliches Rabbinat Darmstadt II' erhalten
hat." |
Juristische
Auseinandersetzungen mit Rabbiner Dr. David Selver
(1905)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24.
November 1905: "Darmstadt. Die hiesige israelitische
Religions-Gemeinde hatte seinerzeit den Rabbiner Dr. Selver als
Rabbiner, Prediger und Lehrer angestellt und wurde die Anstellung als Rabbiner
durch die Regierung auf Widerruf bestätigt. Der Wortlaut des Vertrages,
in dem die Gemeinde eine Kündigungsfrist in mehrjährigen Stufen und
lebenslängliche Anstellung nach 12 Jahren festsetzte, hatte die Billigung
der Regierung gefunden. Nur fortgesetzte Pflichtverletzung sollte die
Gemeinde jederzeit zur Kündigung - nach Genehmigung des
Ministeriums des Innern - berechtigen. Bald entstanden nun zwischen dem
Vorstand der Gemeinde und ihrem Rabbiner allerlei Differenzen, die dazu
führten, dass die Gemeindevertretung mehrere Versuche machte, Dr. Selver
zu entfernen. Dahin zielende Eingaben wurden vom Kreisamt abschlägig
beschieden. Das Ministerium hatte sich nämlich dahin ausgesprochen, dass
auch die einfach fristmäßige Kündigung des Vertragsverhältnisses,
obwohl ein solcher Vorbehalt im Vertrag nicht ausdrücklich niedergelegt
war, selbstverständlich ebenso wie eine Entlassung wegen
Pflichtverletzung nur vorbehaltlich der Genehmigung durch die Regierung
erfolgen könne. Der Vorstand verschaffte sich darauf das Gutachten eines
hervorragenden Juristen, das dahin ging, das Anstellungsverhältnis als
Rabbiner sei ein öffentlich-rechtliches und als das eines
Staatsbeamten unkündbar, als Lehrer und Prediger jedoch sei der Rabbiner
bloßer Funktionär der Gemeinde, und in dieser Eigenschaft
unterstehe er der Kündigung. Darauf fußend, kündigte der Vorstand
nunmehr Dr. Selver die Stellung als Prediger und Religionslehrer. -
Hiergegen erhob der Rabbiner beim Kreisamt Beschwerde. Dieses erklärte
die Kündigung für nicht berechtigt, ließ aber die Frage, ob die
Funktion des Geistlichen als Rabbiner einerseits und Prediger und Lehrer
andererseits überhaupt trennbar sei, offen. - Der Vorstand beharrte aber
bei seiner Anschauung und sperrte das Gehalt. Die Behörde genehmigt diese
Maßnahmen nicht und verfügte die Zwangsetatisierung des Gehalts. Die
Gemeinde teilte nun Dr. Selver mit, dass sie ihn von einem bestimmten Kündigungstermin
an nicht mehr zur Betätigung des Berufes als Prediger für befugt erachte
und dass sie die Ausübung dieses Amtes eventuell selbst mit Gewalt
verhindern werde. Die Folge war, dass sich das Kreisamt genötigt sah, Schutzmannschaft
in Zivil zum israelitischen Gottesdienst in die Synagoge zu beordern, um
Dr. Selver gegebenenfalls schützen zu können. Jetzt beschloss die
Gemeinde, den bürgerlichen Rechtsweg zu beschreiten und auf Feststellung
dahin zu klagen, dass die Kündigung Dr. Selvers als Religionslehrer und
Prediger zu Recht erfolgt sei. Da nun nach einer Verfügung aus dem Jahre
1841 die israelitische Kultusgemeinde ohne Genehmigung der Behörde keine
Prozesse führen darf - es ist dies ein Zeichen der traditionellen Rechtlosigkeit,
unter der die Juden noch heute in Hessen leben - so erbat der Vorstand vom
Kreisamt die entsprechende Genehmigung. Dieses erteilte sie auch,
allerdings vorbehaltlich des Rechts auf Ergebung des Kompetenzkonfliktes.
Die Gemeinde strenge die bewusste Feststellungsklage an. Auf die
Einrede der Unzulässigkeit des Rechtsweges, die von dem Vertreter Dr.
Selvers vor Gericht gemacht wurde, bestand die Regierung auf Verfolgung
des Kompetenzkonfliktes. Das ordentliche Gerichtsverfahren wurde demnach
eingestellt und der Verwaltungsgerichtshof mit der Frage
befasst.
Vor dem Verwaltungsgerichtshof machte der Vertreter des Staatsinteresses
geltend, dass das Anstellungsverhältnis Dr. Selvers nicht nur aus seiner
Eigenschaft als Rabbiner als ein öffentlich-rechtliches aufgefasst werden
müsse, sondern auch aus seiner Stellung als Religionslehrer, da nach dem
Volksschulgesetz der Regierung ein Aufsichtsrecht über die Verhältnisse
im Religionsunterricht sämtlicher Bekenntnisse zustehe. - Die
Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes erging dahin, dass die Unzulässigkeit
des bürgerlichen Rechtsweges in diesem Streitfalle auszusprechen
und die Sache zur Erledigung an die behördlichen Instanzen zu
verweisen sei." |
Rabbiner
Dr. Bruno Italiener wurde zum Rabbiner gewählt (1907)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
24. Mai 1907: "Darmstadt, 22. Mai (1907). In der gestrigen
Sitzung des Vorstandes der hiesigen israelitischen Gemeinde ist Herr Dr.
Italiener aus Peine (Hannover) zum Rabbiner der israelitischen
Religionsgemeinde gewählt worden". |
Rabbiner Dr. Erich Bienheim wird auf die Rabbinatsstelle
berufen (1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und
Umgebung" vom 2. Dezember 1927: "Rabbinatsbesetzung in
Darmstadt. Darmstadt. (J.T.A.) Die Synagogen-Gemeinde Darmstadt berief
Herrn Rabbiner Dr. Erich Bienheim (Berlin) zur vorläufigen
Verwaltung des Rabbinats, aus dem Rabbiner Rabbiner Dr. Italiener am 1.
Dezember dieses Jahres ausscheidet, um einer Berufung an den
Israelitischen Tempelverband in Hamburg Folge zu leisten. Herr Dr.
Bienheim legte das Rabbinatsexamen an der Hochschule für die Wissenschaft
des Judentums in Berlin ab." |
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 8. Dezember 1927: "Darmstadt. Die Synagogen-Gemeinde
Darmstadt berief Herrn Dr. Erich Bienheim - Berlin zur vorläufigen
Verwaltung des Rabbinats, aus dem Rabbiner Dr. Italiener am 1. Dezember
dieses Jahres ausscheidet, um einer Berufung an den Israelitischen
Tempelverband in Hamburg Folge zu leisten." |
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Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt"
vom Januar 1928 S. 147: "Darmstadt. Da das Rabbinat durch die
Berufung des Herrn Dr. Italiener nach Hamburg frei geworden und ein
endgültiger Nachfolger bisher noch nicht gewählt worden ist, berief die
Gemeinde Rabbiner Dr. Erich Bienheim - Berlin als
Rabbinatsverweser." |
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter / Kantoren
Ausschreibung der Vorbeterstelle der israelitischen
Religionsgemeinde (1858)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 1. Januar 1858: "Die Vorbeterstelle bei der hiesigen
israelitischen Gemeinde mit einem jährlichen Gesamteinkommen von ca. 800
Gulden nebst freier Wohnung ist erledigt.
Hierauf Reflektierende, welche die hierzu erforderliche Befähigung
besitzen, besonders auch musikalische Kenntnisse, um nötigenfalls ein
Chor leiten zu können, wollen sich unter Franko-Einsendung der nötigen
Zeugnisse an den Vorstand wenden.
Darmstadt, am 30. November 1857. Der Vorstand der israelitischen
Religionsgemeinde daselbst." |
Anerkennung des israelitischen Lehrers Moses
Mannheimer durch den städtischen Gemeinderat (1862)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 22. Januar 1862: "Darmstadt, 8. Januar (1862). Beim Beginn
des neuen Jahres hat der hiesige Gemeinderat, mit dem Oberbürgermeister
Kahlert an der Spitze, aufs Neue bekundet, dass er, fern von jeder
Intoleranz, auch die Bekenner des jüdischen Glaubens achtet. Er hat
nämlich dem hiesigen israelitischen Lehrer Moses Mannheimer, bei
Gelegenheit dessen 25-jährigen Dienstjubiläums, eine jährliche
Remuneration aus städtischen Mitteln bewilligt, ein Akt der Humanität,
der öffentlich gerühmt zu werden verdient." |
25-jähriges Dienstjubiläum von
Religionslehrer Mannheimer
(1862)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 4. März 1862: "Darmstadt, 1. Februar (1862). Das
Frankfurter Journal bringt vom 8. Januar folgenden Artikel. Darmstadt, 8.
Januar 1862. Beim Beginn des neuen Jahres hat der hiesige Gemeinderat aufs
Neue bekundet, dass er, fern von jeder Intoleranz, auch die Bekenner des
jüdischen Glaubens achtet und ihre Verdienste zu würdigen sich bereit
findet. Er hat nämlich dem hiesigen Religionslehrer Mannheimer bei
Gelegenheit dessen 25-jährigen Dienst-Jubiläums eine jährliche
Remuneration aus städtischen Mitteln bewilligt, ein Akt der Humanität,
der öffentlich gerühmt zu werden verdient.
Obigem habe ich noch Folgendes beizuführen: Auch die israelitische
Gemeinde gab Herrn Mannheimer an diesem Tage verschiedene Zeichen der
Anerkennung. So verfügte sich am Tage des Festes unser allgemein
geliebter Rabbiner Herr Dr. Landsberger nebst einer Deputation des
Vorstandes und der früheren Schüler des Jubilars in die Wohnung
desselben. Ersterer hielt eine treffliche Ansprache an denselben und
überreichte ihm namens der Schüler ein schmeichelhaftes Schreiben nebst
einigen sehr wertvollen Geschenken. Später erschien die Schuljugend unter
Anführung des Kantor Oppenheimer, um ihrem Lehrer zu gratulieren und
Abends wurde demselben von Seiten des israelitischen Gesangvereins
'Harmonie' ein Ständchen gebracht. Möge es Herrn Mannheimer vergönnt
sein, noch recht lange in voller Kraft an unserer Gemeinde zu wirken. H.O."
|
25-jähriges Dienstjubiläum von Kantor und Lehrer
Heinrich Oppenheimer (1883)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 24. April 1883: "Man schreibt uns aus Mainz vom 10.
April (1883): - Am 28. März dieses Jahres fand zu Darmstadt das
25-jährige Dienstjubiläum des Kantors und Lehrers Oppenheimer,
der sich während eines Vierteljahrhunderts die Hochachtung der jüdischen
wie christlichen Mitbürger zu erwerben wusste, statt. Oppenheimer ist
auch wirklich ein prächtiger Sänger, der die Besuch der Synagoge zu
erheben weiß, wie er auch die Wahrheiten der jüdischen Religion in echt
pädagogischer Weise in die Herzen der Kleinen zu verpflanzen im Stande
ist. Eine Deputation des Vorstandes erkannte diese Verdienste durch ihren
Sprecher im vollsten Maße an und übergab dem Jubilar ein Schreiben, das
eine entsprechende Gehaltszulage gewährt. Frühere Schüler und Freunde
überreichten eine kunstvoll ausgeführte Adresse und mehrere tausend Mark
in Wertpapieren. Depeschen und Geschenke aller Art kamen von Nah und Fern.
Am Abend des Freudentages brachte der Mozart-Verein, der vornehmste
Gesangverein Darmstadt, unter Leitung des Hofkapellmeisters dem lieben
Sangesbruder, der die Ehre hat, Vorstand desselben zu sein, ein
Ständchen". |
Sitzung des Bezirks-Lehrervereins in Darmstadt
(1891)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 29. Januar 1891: "Darmstadt, 21. Januar (1891).
In der Sitzung des hiesigen Bezirks-Lehrervereins referierte Herr
Direktor Fiedler über die Fragen: '1. Die Antisemitenbewegung
Deutschlands in ihren Ursachen und Folgen. 2. Kann und soll, der Lehrer
zur Beschwichtigung der heutigen Antisemitenbewegung beitragen?' In fast
zweistündiger glänzender Rede zeichnete der Vortragende zunächst 'die
Stellung der Juden in Deutschland bis zur Gegenwart'. Von einer Beratung
und Beschlussfassung der von dem Referenten aufgestellten Thesen sah man
ab und nahm den gestellten Antrag an: 'Die Versammlung ließ mit
Rücksicht auf die vorgerückte Zeit von einer Erörterung und
Beschlussfassung über die Thesen ab, erklärt aber, idem sie dem Redner
für seinen belehrenden und interessanten Vortrag dankt, sich mit den die
antisemitische Bewegung verurteilenden Ausführungen im Allgemeinen
einverstanden.'" |
Eine Deputation hessischer Schullehrer in Audienz beim
Großherzog (1892)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 7. April 1892: "Darmstadt. Zu einer Deputation
hessischer Schullehrer, welche vom Großherzog in Audienz empfangen wurde,
sprach derselbe folgende beherzigenswerten Worte. Er sagte, dass er die
antisemitische Bewegung aufs Tiefste bedaure und sie, gleich Kaiser
Friedrich, als eine Schmach unseres Jahrhunderts betrachte. Soweit es in
seiner Macht liege, werde er in seinem Lande entschieden Front gegen diese
verwerfliche Hetze machen. Das sind Worte, die unserem jungen Landesherrn
die Sympathien aller wohlmeinenden und rechtlich denkenden Menschen
sichern werden.'" |
40-jähriges Ortsjubiläum von Kantor und Lehrer
Heinrich Oppenheimer (1898)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 25. März 1898: "Am 28. März (1898) sind es 40 Jahre, dass Herr
Oppenheimer sein Amt als Kantor und Religionslehrer an der
Hauptgemeinde in Darmstadt angetreten hat." |
Religionslehrerprüfung im Ministerium
(1901)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 14. März 1901: "Darmstadt, 11. März (1901). Im
Amtslokale des Ministeriums des Innern, Abteilung für
Schulangelegenheiten, fand heute die diesjährige Religionslehrerprüfung
statt. Als Examinatoren waren die Herren Ministerialrat Dr. Eisenhut und
Rabbiner Dr. Marx hier erschienen. Dieser prüfte in den jüdischen, jener
in den deutschen Fächern. Die Disziplina erstreckten sich über Aufsatz,
deutsche Sprachlehre, Orthographie, Pädagogik, deutsche Geschichte,
Geographie, Hebräisch, Religionslehre, Biblische jüdische Geschichte.
Nur ein Kandidat hatte sich dem Examen, das er bestand,
unterzogen". |
Ausschreibung
der Stelle des Kantors und Religionslehrers der Israelitischen Religionsgemeinde
(1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3.
Juni 1901: "Kantor & Religionslehrer.
In der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde (Hauptgemeinde) ist die
Stelle eines Kantors und Religionslehrers vom 1. August dieses Jahres ab
zu besetzen. Gehalt bis zu 2.400 Mark pro Jahr. Musikalische und
stimmgehabte Kandidaten, nicht über 30 Jahre alt, deutscher
Nationalität, staatlich und seminaristisch geprüft, wollen ihre
Bewerkung Lebenslauf und Zeugnisse beifügen und bis Ende Juni spätestens
einsehen. Weitere Auskunft erteilt.
Darmstadt, 30. Mai 1901.
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Darmstadt. Der
Vorsitzende: Ludwig Trier." |
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Religionslehrers der
Israelitischen Religionsgemeinde (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12.
Mai 1902: "Kantor und Religionslehrer. In der hiesigen
israelitischen Religionsgemeinde (Hauptgemeinde) ist die Stelle eines Kantors
und Religionslehrers alsbald zu besetzen. Anfangsgehalt 3.000 Mark pro
Jahr, nebst nicht unerheblichen Nebeneinkünften. Musikalische und
stimmbegabte Kandidaten, deutscher Nationalität, seminaristisch und
staatlich geprüft, wollen ihre Bewerkung, Lebenslauf und Zeugnisse, bis
spätestens 1. Juni laufenden Jahres an den unterzeichneten Vorstand
einsenden.
Darmstadt, 30. April 1902. Der Vorstand der israelitischen
Religionsgemeinde Darmstadt." |
Ausschreibung der Lehrer- und Schächterstelle
(1903)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
10. Dezember 1903: "Die hiesige Lehrer- und Schächterstelle
(nach Übereinkunft auch eine Filiale) mit einem Gehalt von 800 Mark ca.
200 Mark Nebenverdienst und freier Wohnung ist per sofort zu besetzen. Nur
Deutsche und Unverheiratete werden berücksichtigt.
Jos. Salomon, I. Vorstand, Darmstadt." |
Religionslehrer und Kantor Heinrich Oppenheimer tritt
in den Ruhestand (1902)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 19. September 1902: "Darmstadt, 15. September
(1902). Der wohlbekannte Kantor und Religionslehrer der israelitischen
Religionsgemeinde dahier, Herr Heinrich Oppenheimer, trat am 12.
September nach beinahe 45-jähriger Tätigkeit infolge geschwächter
Gesundheit in den wohlverdienten Ruhestand. Herr Oppenheimer, welcher auch
in den hiesigen Gesangvereinen seit langen Jahren vorteilhaft bekannt ist
und an dem früheren Maurer'schen Institut lange Zeit unterrichtete, wie
auch Religionsunterricht an den hiesigen höheren Lehranstalten erteilte,
erfreute sich seines biederen Charakters und seines liebenswürdigen
Wesens halber der Sympathie weitester Kreise. Bei seinem Ausscheiden aus
dem Dienste verlieh Seine Königliche Hoheit der Großherzog dem
verdienten Beamten und Lehrer das Silberne Kreuz des Philippsordens mit
der Krone. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde aber
gewährte dem treuen Beamten das seither bezogene Gehalt ungekürzt als
Pension. Möge dem alten Herrn nach langer Arbeit ein froher Lebensabend
beschieden sein!" |
70. Geburtstag von
Lehrer und Kantor Heinrich Oppenheimer
(1903)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6.
März 1903: "Darmstadt. Am nächsten Sonntag, den 8. dieses
Monats, feiert Herr Kantor Heinrich Oppenheimer seinen 70.
Geburtstag. Herr Oppenheimer ist durch seine langjährige Mitwirkung im
Mozart- und Musikverein, sowie als Lehrer an dem früheren Maurer'schen
Institut auch in weiteren Kreisen bekannt und beliebt. Es dürfte daher
dem Jubilar, welcher vor einigen Jahren sein 40-jähriges Dienstjubiläum
an der hiesigen israelitischen Gemeinde feierte und damals von Seiner
Königlichen Hoheit dem Großherzog durch einen Orden ausgezeichnet wurde,
an Ovationen nicht fehlen. Wir wünschen dem Herrn Oppenheimer, der
infolge eines Leidens vor Kurzem genötigt war, um seine Pensionierung
einzukommen, einen recht langen und heiteren Lebensabend." |
Foto
der neu eröffneten jüdische Schule
(1934)
Abbildung
mit Untertext in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September
1934:
"Auf dem Hofe der neugegründeten jüdischen Schule in Darmstadt (aus
dem Heft des Z.A.d.F.J. für Hilfe und Aufbau") |
Über die
neu eröffnete Jüdische Schule in Darmstadt (1935)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 21. März 1935: "Die neue jüdische Schule zu Darmstadt
trat mit einer bemerkenswerten Veranstaltung an die Öffentlichkeit. Vor
überfülltem Saale brachte sie die Kinderoper 'Die Reise um die Erde' zur
Aufführung. Ein entzückendes Kindertheater, in dem jede einzelne Szene
besondere Reize aufweist. - In einführenden Worten sprach Herr Lehrer
Bick vom Entstehen und Inhalt des Spieles. Das Publikum ist gebannt
von dem Spiele der etwa hundert mitwirkenden Kinder. Ein von 30-40 Kindern
gebildeter Chor umrahmt das Spiel mit reizenden Gesängen, die prächtigen
Tanzgruppen finden besonderen Beifall. Ein gut aufeinander eingespieltes Orchester
erhöht die Wirkung des Gebotenen. Den Höhepunkt erreicht der Abend in
der Palästinaszene. Die Pause vor der Schlussszene benutzt Herr Rabbiner
Dr. Merzbach, um ein paar Worte über das segensreiche Wirken der
jüdischen Schule zu sprechen, um allen Mitarbeitern Dank zu sagen. Sein
besonderer Dank gilt Herrn Bick, den er Kopf und Seele des Ganzen nannte,
und in dessen Hand Stabführung und Spielleitung lagen. Stürmischer
Beifall lohnt Kinder und Lehrer. Der Abend wurde als besonderes Erlebnis
empfunden. So war die Schule gezwungen, die Darbietung der Kinderoper
zweimal zu wiederholen." |
Über die Jüdische Schule in Darmstadt
(1936)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 7. Mai 1936: "Von der Jüdischen Schule in
Darmstadt.
Darmstadt, 5. Mai (1936). Aus dem Bericht der Jüdischen Schule zu
Darmstadt über das Schuljahr 1935-36 ersehen wir, dass die Schülerzahl
seit der Gründung vor zwei Jahren von 98 auf 172 angewachsen ist. Mit
Beginn des abgelaufenen Schuljahres wurde ein neuntes Schuljahr
eingerichtet und mit dem neuen Schuljahr wird ein zehntes Schuljahr
die Arbeit der bisherigen Schulklassen fortführen. Der Lehrstoff der
Schule geht über den Rahmen der Volksschule weit hinaus, denn es wird in
vielen höheren Fächern unterrichtet. Zu den Sprachkurzen gehört auch
ein solcher in Neuhebräisch, an dem 70 Kinder teilnehmen. Der Religionsunterricht
war bisher reichlich ausgedehnt und wird im neuen Schuljahr noch
erweitert. Das Klassenziel wurde in allen Fächern und Klassen erreicht
und auch überschritten. Auch wird der Gemeinschaftsgeist der Schüler und
der Schule lobend hervorgehoben. Der Bericht ist unterzeichnet von Herrn Rabbiner
Dr. Merzbach als Schulleiter und Herrn Bick, der als
stellvertretender Schulleiter seine ganze Kraft der Schule
widmet.
Am Sonntag zeigte eine kleine Ausstellung, was die Mädchen auch in
der Nähestunde (unter der bewährten Leitung von Fräulein SItta Golde)
geleistet haben. Die prachtvollen niedlichen Gegenstände, die hier in
hübscher Aufmachung unter Blumen prangten, zogen eine große
Gemeindeinteressierter Zuschauer und Zuschauerinnen an und zeugten von der
Liebe und Intensität, mit der die Schule die Arbeitsfreude und den
angeborenen kunstgewerblichen Sinn der Mädchen zu entwickeln und zu
steigern weiß." |
Zum Tod der Lehrerin an der Jüdischen Volksschule Julia Bodenheimer
(1936)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 2. Juli 1936: "Darmstadt, 29. Juni (1936). Am 19. Juni
verschied durch einen tragischen Unglücksfall mitten aus einem
blühenden, hoffnungsvollen Leben heraus Frl. Julia Bodenheimer von hier.
Als Lehrerin an der hiesigen Jüdischen Volksschule hatte sie durch ihr
Wissen und ihre peinliche Gewissenhaftigkeit schöne Erfolge bei den
Kindern erzielt. Ihre Charakterfestigkeit und ihre Intelligenz hatten ihr
die Sympathie im Lehrerkollegium eingebracht. Seit einem halben Jahre
leitete sie ein Beth-Chaluz in Köln, mit dem Ziele, später nach Erez
Jisrael zu kommen. Dieser Traum wurde durch den plötzlichen Tod
zerstört. Viel Hoffnung und Idealismus ist mit diesem wertvollen jungen
Menschen ins Grab gegangen. Neben den vielen, die Frl. Bodenheimer kannten
und ehrten, trauert um sie die schwergeprüfte Mutter, eine Schwester und
die gesamte Familie, eine Schwester und die gesamte Familie. Ihre Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens."
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