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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Mühringen (Stadt Horb am Neckar, Landkreis
Freudenstadt)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Hinweis: die Seite zum
Mühringen muss noch überarbeitet werden.
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton
Neckar-Schwarzwald gehörenden Mühringen bestand eine jüdische Gemeinde bis
1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals
wird 1570 Baruch Jud zu Mühringen genannt.
1722 zählte die Gemeinde 19
Familien mit 47 Personen, 1744 war sie auf 50 Familien angewachsen.
Im 18.
Jahrhunderte erlangte Mühringen als ein religiöser Mittelpunkt für die Juden
in Südwestdeutschland eine große Bedeutung. Die Gemeinde war Sitz eines
Rabbinats, wo unter anderem bekannte Rabbiner wie Nathanael Weil (später
Oberrabbiner in Karlsruhe) oder David Dispecker wirkten.
Die höchste Zahl jüdischer
Einwohner wurde um 1846 mit 512 Personen in etwa 110 Familien erreicht. Die
Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und anderen
Waren. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der Juden am Ort durch
Aus- und Abwanderung schnell zurück, sodass 1900 nur noch 130 jüdische
Einwohner gezählt wurden. Das Rabbinat wurde 1911/14 von Mühringen nach Horb
verlegt.
1933 lebten noch 45 jüdische Personen in Mühringen. In den folgenden
Jahren ist ein Teil von Ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen
Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien vom Ort
verzogen. Die letzten der jüdischen Einwohner wurden 1941 bis 1943 deportiert.
Von den in Mühringen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem, ergänzt durch Gedenkbuch Baden-Württemberg 1969*):
Hildegard Adler geb. Lewin (geb. 1910), Sofie Berlizheimer (geb. 1898), Clara
Dreyfuss geb. Dessauer (geb. 1865), Salomon Elsässer (geb. 1874), Sofie (Sara)
Elsässer geb. Schwarz (geb. 1882), August Eppstein geb. Schwarz (geb. 1876)*,
Ludwig Eppstein (geb. 1870)*, Emma Feigenheimer geb. Schwarz geb. 1883), Heinz
Feigenheimer (geb. 1916), Erna Fleischmann (geb. 1911), Berta Frank geb.
Elsässer (geb. 1878), Reinhold Friedmann (geb. 1898), Charlotte Goldschmidt
geb. Bach (geb. 1859), Klara Haarburger geb. Levi (geb. 1879)*, Max Haarburger
(geb. 1874), Oskar Hauser (geb. 1888), Julius Josephson (geb. 1881), Moritz
Kalbkopf (1862)*, Jenny (Jeanette) Kirchheimer geb. Löwenthal (geb. 1884),
Siegfried Levi (geb. 1877)*, Rudolf Löwenthal (geb. 1858), Therese Löwenthal
(geb. 1886), Peppi Oppenheimer (geb. 1865)*, Thekla Oppenheimer (geb. 1869)*,
Philippine Reinauer (geb. 1860), Julius Rosenfeld (geb. 1874), Max Rosenfeld
(geb. 1866), Max Rosenfeld (geb. 1884), Sophie Rosenfeld geb. Gumprich (geb.
1890), Rosa Schattenfeld geb. Eppstein (geb. 1872), Martha Schwarz (geb. 1897),
Thekla Schwarz geb. Schwarz (geb. 1893), Karl Steinharter (geb. 1880), Jenny
Stern geb. Hauser (geb. 1868), Lina Wolf geb. Rosenthal (geb. 1888), Klementina
Wolf geb. Levi (geb. 1882).
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Die Gottesdienste wurden zunächst
in einem Betsaal in einem der jüdischen Privathäuser abgehalten. Eine erste
Synagoge wurde 1728 erbaut. Diese war nach der Rabbinatsbeschreibung
von 1875 des Rabbiners Michael Silberstein noch "klein und unansehnlich". 1807
bis 1810 wurde an derselben Stelle eine neue Synagoge erbaut, über
die in bei Silberstein zu lesen ist: "Die Synagoge zu Mühringen ist im Jahre
1807 bis 1810 mit einem Kostenaufwand von ca. 20.000 Gulden errichtet worden. Im
modernen Rundbogenstiel gebaut, enthält sie an der Decke eine ovale, tief
eingehend gewölbte Kuppel. Eine kleine, unansehnliche Vorhalle führt mittelst
einer auf der Westseite befindlichen Tür in die Synagoge selbst, in der hölzerne
Säulen die für die Frauen bestimmten drei Galerien tragen. Vor der Heiligen
Lade, die sich über der Ostseite befindet, ist ein etwas beschränkter Platz,
der, durch zwei Türchen abgeschlossen, als Kanzel diente. Am Fuße der Kanzel
resp. der Heiligen Lade, zu der fünf hölzerne Stufen führen, stehen drei
Betpulte, von denen das mittlere für den Vorbeter und das rechts stehende für
den Rabbiner bestimmt ist. Das links befindliche ist unbenutzt. Hinter diesen
drei Betpulten befinden sich die Plätze für die Chorsänger, sowie die Bänke
für die Katechumenen. An diese schließt sich der in der Mitte der Synagoge
befindliche sehr große Almemor an. Rings um denselben, sowie an den vier Seiten
der Synagoge sind Betpulte und Bänke angebracht. Gegenwärtig fasst die
Synagoge etwa 500 Personen, bei einer zweckmäßigeren Einrichtung könnte sie
aber leicht 1.200 Personen Raum gewähren...".
Die erhaltenen Fotos der Synagoge zeigen die Mühringer
Synagoge als charakteristischen Synagogenbau des 18. Jahrhunderts: ein Langbau
mit Walmdach und schmalen hohen Fenstern an den Seiten, zwei weitere Fenster in
der nach Osten ausgerichteten Wand für den Toraschrein und einen Oculus darüber.
Von der Inneneinrichtung liegt leider kein Foto des Toraschreines und der im
Bericht von Silberstein erwähnten Kanzel vor. Die Innenaufnahme von ca. 1930
zeigt auf der linken Seite den leicht erhöhten Almemor und die umlaufende
Frauenempore, die auf Säulen abgestützt war. Der Leuchter könnte einer der
beiden 1889 von Baron von Münch zu Hohenmühringen gestifteten silbernen
Leuchter sein. Nachdem damals der Baron der katholischen Gemeinde einen neuen
Hochaltar bezahlte, erhielt die Synagogengemeinde für Ihr Gotteshaus eine
Spende von 1.000 Mark zur Anschaffung von zwei neuen silbernen Leuchtern.
1885 wurde die Mühringen Synagoge umgebaut und renoviert.
Rabbiner Silberstein hatte in seiner Rabbinatsbeschreibung schon die Anregung
gegeben, die "anachronistischen Ständer" (bewegliche Betpulte) durch feste
Bankreihen zu ersetzen und den übergroßen Almemor durch einen passenden
Vorbetertisch zu ersetzen. Da die Schreinerarbeiten mit 1.169 Mark den höchsten
Betrag beim Umbau ausmachten, wird diese Anregung aufgenommen worden sein. Der
auf der Innenaufnahme von ca. 1930 sichtbare Almemor wird damals aufgestellt
worden sein. Gleichfalls werden Bänke die alten Betpulte ("Ständer") ersetzt
haben.
Nachdem zwischen 1933 und 1937 die Zahl der jüdischen
Einwohner Mühringens von 45 auf 20 zurückgegangen war, wurden im Gemeinderat
im Dezember 1937 Überlegungen angestellt, die Synagoge, die "in absehbarer
Zeit... frei sein wird", zu erwerben. Man könnte den Betsaal zur Turnhalle
umgestalten und Räume für die HJ (Hitlerjugend) und den BDM ("Bund deutscher Mädel")
einrichten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde im Synagogengebäude von
unbekannten SA-Männern Brand gelegt. Die von Nachbarn alarmierte Feuerwehr Mühringens
konnte den Brand, der im Bereich des Toraschreines gelegt worden war, kurze Zeit
später wieder löschen. Toraschrein sowie ein Teil der Bänke und Fenster
wurden durch den Brand zerstört. Die Kultgegenstände konnten teilweise von den
noch in Mühringen lebenden Juden gerettet werden. Sie wurden vermutlich noch an
die Stuttgarter Gemeinde übergeben. Im Juni 1943 ging die Synagoge in den
Besitz des Finanzamtes Horb über, das sie an die Waffenfabrik
Mauser (Oberndorf) für ein Lager von Gewehrschäften vermietete. Durch
Artilleriebeschuss erfuhr das Gebäude gegen Kriegsende einige Schäden.
1950 bis 1952 wurden zunächst verschiedene kleinere
Reparaturen vorgenommen. Im Dezember 1954 kam das Gebäude für 5.000.- DM in
den Besitz der Gemeinde Mühringen. Auf Grund der fortschreitenden Baufälligkeit
wurde das Betreten der Synagoge verboten. 1960 ist die ehemalige Synagoge
abgebrochen worden. An ihrer Stelle befinden sich heute ein Parkplatz und eine
Grünlage mit einem 1983 errichteten kleinen Gedenkstein (am Aufgang zum
Rathaus/Grundschule oberhalb der Spielstraße).
Fotos
Historische Fotos/Plan:
(Quellen: obere Zeile Fotos aus: Jüdische Gotteshäuser und
Friedhöfe in Württemberg 1932; Plan aus: S. Kullen, Reichsritterschaft und
Siedlungsbild. S. 243; die anderen Fotos sind veröffentlicht in den Büchern: 1200 Jahre Mühringen. Ein
Geschichts- und Heimatbuch. 1986 S.8f.88.107 und Gräber im Wald s.Lit. 2003
S.57.64.99)
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Die Synagoge
in Mühringen |
Innenansicht
der Synagoge |
Plan von Mühringen mit eingezeichnet
jüdischen Häusern und Synagoge |
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| Alte Ansichten von
Mühringen mit der Synagoge |
Mühringen um 1830, gezeichnet von
Joseph Schott. Die Synagoge ist rechts
des Kirchturmes zu sehen |
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Die ca. 1920
entstandene Foto zeigt das Gasthaus zum Löwen (mit der Familie der
Inhaberin und des Ortsbüttels)
und am linken Bildrand das anschließende
Gebäude der Synagoge. |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto aus den 1950er-Jahren
(Quelle: Buch "Gräber im Wald"
s. Lit. S.66) |
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Die Fenster der
Synagoge wurden teilweise durch Bretter ersetzt |
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Am ehemaligen Synagogenstandort
mit Gedenkstein |
Gedenktafel auf Gedenkstein
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 11.8.2003) |
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Wie oben; der Gedenkstein ist
inzwischen von dem oben noch
kleinen Gebüsch überwachsen |
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| November 2011:
In Horb und Stadtteilen (auch Mühringen) wurden
"Stolpersteine" verlegt |
Artikel von Marion Tischbein im
"Schwarzwälder Boten" vom 28. November 2011: "Stolpersteine
erinnern an Juden.
Horb - Zum 70. Jahrestag der Deportation von 53 Rexinger Juden 1941
nach Riga wurden am Samstag an verschiedenen Orten im Horber Stadtgebiet
die ersten Stolpersteine für die in der NS-Zeit ermordeten Bürgerinnen
und Bürger gelegt..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei |
Zum selben Ereignis liegt auch ein Artikel
aus der "Neckar-Chronik" vom 28. November 2011 vor: "Gegen
das Vergessen - Stolpesteine erinnern an das Schicksal einstiger
jüdischer Mitbürger..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 129ff. |
 | Hans Peter Müller: Die Juden in der Grafschaft Hohenberg, in: Der Sülchgau 25
(1981) S.36-43. |
 | ders.: Die jüdische Gemeinde, in: 1200 Jahre Mühringen.
1986, S.135-145. |
 | Emily C. Rose: Als Moises Katz
seine Stadt vor Napoleon rettete: meiner jüdischen Geschichte auf der Spur.
1999; englisch: Portraits of Our Past: Jews of the German Countryside. 2001. |
 | Art.: "Rätsel um den berühmten Sprachlehrer Berlitz ist
gelöst" in: Esslinger Zeitung vom 10. März 2001. |
 | Gräber
im Wald. Lebensspuren auf dem jüdischen Friedhof in Mühringen.
Dokumentation des Friedhofes, der über 300 Jahre in Mühringen ansässigen
jüdischen Gemeinde und des Rabbinats Mühringen. Hg. vom Stadtarchiv Horb
und vom Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen (= Jüdische
Friedhöfe der Stadt Horb Band II). Horb 2003. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 110-112. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Muehringen
Wuerttemberg. Jews arrived during the Reformation and the community enjoyed
steady growth and economic prosperity from the mid-18th century, reaching a peak
population of 512 in 1854. Muehringen was a center for the Jewish communities of
southwest Germany, becoming the seat of the district rabbinate in 1832 while its
ancient cemetery, the largest and most
beautiful in Wuerttemberg, served Jews far and wide. A synagogue was dedicated
in 1728 and a Jewish public school in 1825. Emigration reduced the Jewish
population sharply in the second half of the 19th century.
In 1933, 45 Jews remained (total 608), mostly engaged in the cattle trade. Good
relations prevailed with the local population, which resisted Nazi measures. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), when the synagogue was set on fire by SA troops, it was
saved by the local fire department. Sixteeen Jews emigrated to the Unites States
and 11 were expelled and perished.

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