Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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zu den Synagogen in Baden-Württemberg  


Bad Buchau (Landkreis Biberach) 
Jüdische Geschichte / Betsäle / Synagogen 
  
Zur jüdischen Geschichte in Bad Buchau siehe vor allem auch die Seiten bei  
www.JudeninBuchau.de 

  
Hinweis auf eine Ausstellung vom 21. September bis 24. Oktober 2014    

Buchau Ausstellung 2014S.jpg (51051 Byte) Charlotte Mayenberger: 175 Jahre Synagoge Buchau. 
2014 jährt sich die Einweihung der großen Buchauer Synagoge zum 175. Mal. Der Arbeitskreis 'Juden in Buchau' erinnert mit einer Ausstellung und einer Begleitbroschüre an dieses Jubiläum und an die reiche Geschichte der jüdischen Gemeinde Buchau und Kappel mit ihren Synagogen. 
Fast 600 Jahre war Buchau für viele jüdische Bürger Heimat. Sie zeichneten sich durch ein reiches Kulturleben aus, waren in vielen Vereinen aktiv und pflegten eine gute Nachbarschaft mit christlichen Freunden. Der wirtschaftliche Aufschwung im 19. Jahrhundert war für die Stadt sehr bedeutend. Dass das gute Miteinander durch die Macht einer Regieurung innerhalb von wenigen Jahren beendet wurde, ist heute für viele unbegreiflich. 
Die Ausstellung kann während der Geschäftszeiten der Kreissparkasse in Bad Buchau besucht werden. 
Sparkassensaal der Kreissparkasse in Bad Buchau  Marktplatz 22  88422 Bad Buchau 
Montag bis Freitag: 8.30 - 12.15 Uhr  14.00 - 17.00 Uhr.  

 
  
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde siehe weitere Seite   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

  Hinweis:  Es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Bad Buchau  

  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien Reichsstadt Buchau lebten Juden bereits im Mittelalter. Erstmals wird 1382 ein jüdischer Einwohner genannt. 
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück: seit 1575/77 (auch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges) werden wieder Juden in der Stadt genannt. 1665 wurde mit Baruch Moses aus Wangen am See der Stammvater der späteren Buchauer Familie Einstein aufgenommen. 

Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1858 mit 828 Personen erreicht. Die jüdischen Familien lebten vom Groß- und Kleinhandel mit Waren aller Art, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bauten sie die ersten Buchauer Industriebetriebe auf (vor allem in der Textilbranche). 
  
Bereits seit dem 18. Jahrhundert war Buchau Sitz eines Rabbinates. Es wurde 1939 aufgelöst. Die Gemeinde bestand bis 1942/43, als die letzten jüdischen Einwohner deportiert wurden. 
   
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 hier wohnhaften 162 jüdischen Einwohnern mindestens 56 ums Leben.
   
   
   
Zur Geschichte der Betsäle / der Synagogen     
   
Vor dem Bau einer ersten Synagoge wurden die Gottesdienste in Häusern mit Betsälen abgehalten. Der älteste, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammende Betsaal befand sich in dem nach Osten gerichteten (hinteren) Teil des Gebäudes Schustergasse 7. Der Toraschrank war an der Ostwand zwischen einem nördlichen und einem südlichen Schmalfenster.
 
Ein späterer Betsaal war oberen Stock des Hauses Schussenrieder Straße 6. Der letzte vor dem Bau der ersten Synagoge genutzte Betsaal war im Gebäude Judengasse 6. Dort ist im zweiten Stockwerk noch ein Zimmer erhalten, das eine mit Blumen bemalte Kassettendecke mit beweglichen Feldern (zur Öffnung an Sukkot/Laubhüttenfest) hat.  
 
1730/31 wurde am Eingang der Judengasse/Ecke Schussenrieder Straße (gegenüber dem Platz der zweiten Synagoge, heute Parkplatz; Hofraum der späteren Götzburg-Werke) eine erste Synagoge erstellt. Sie hatte eine vergitterte Frauengalerie und war heizbar. Wahrscheinlich wurde die Synagoge auch als Lehrhaus genutzt.
 
In den 1830er-Jahren erwies sich diese erste Synagoge als zu klein. 1835 konnte man für einen Neubau ein geeignetes Grundstück erwerben (Flurstück 179/6 an der Ecke Hofgartenstraße/Schussenrieder Straße). Am 12. März 1838 begann der Synagogenbau, der nach den Plänen der Buchauer Werkmeisters Alex Bauer ausgeführt wurde. 
 
Bau der neuen Synagoge (1839)  

Buchau AZJ 06071839.jpg (82386 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Juli 1839: "Buchau, 1. Juni (1839). Der Bau der neuen Synagoge schreitet rasch vorwärts und wird die Einweihung derselben mit freudiger Sehnsucht erwartet. Sie wird im neuesten Geschmacke des Kirchenbaustiles mit großem Kostenaufwand aufgerichtet, und ist besonders bemerkenswert, dass auf derselben ein Turm mit einem Glockenspiele, zum Ersatz des Schulklopfens und Rufens, angebracht wird. Noch manche israelitische Gemeinde Württembergs wird diesem guten Beispiele aus Bedürfnis nachfolgen. - Der König bewilligte zu diesem Synagogenbau, wie Sie bereits gemeldet haben, einen Beitrag von 800 Gulden, der Fürst von Thurn und Taxis als Patrimonialherr, 300 Gulden, und Herr von Rothschild in Frankfurt a.M. zehn Preußische Taler! Letztere wurden dem hohen Geber wieder zurückgesandt." 

Königliche Unterstützung zum Bau der Synagoge (1839)  

Buchau AZJ 09111839.jpg (77758 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. November 1839: "Pfersee (bei Augsburg), 15. Oktober (1839). Sie haben bereits die großmütige Handlung Seiner Majestät des Königs von Württemberg in Bezug auf die Gemeinde zu Buchau am Federsee erwähnt, zu denen Synagogenbau Allerhöchstdieselben 1.000 Gulden beitrugen. Als vor einiger Zeit die Einweihung vor sich gehen sollte, schickten Seiner Majestät einen Extra-Estafetten nach Buchau, dass man die Zeremonie am Freitagnachmittag eine Stunde später beginnen möchte, da derselbe Punkt 4 Uhr in Buchau eintreffen werde, um dem Feste beiwohnen zu können. Der König zeigte sich durch die gehaltvolle Predigt des Buchauer Rabbinen recht erbaut und schenkte der Buchauer Gemeinde abermals 1.000 Gulden! Das Herz der Könige ist in der Hand Gottes!"

    
Im Mai 1840 war das schon am 30. August 1839 eingeweihte Gebäude fertig. Die Einweihung der Synagoge war ein großer Festtag für ganz Buchau. Um die Mittagszeit konnte auch der württembergische König mit Glockengeläute, Böllerschüssen und großem Jubel durch die gesamte Einwohnerschaft empfangen werden. Die Einweihungsfeier selbst begann um drei Uhr nachmittags. Ein großer Festumzug bewegte sich von der alten Synagoge durch mehrere Straßen der Stadt zur neuen Synagoge. Der damalige Buchauer Rabbiner Moses Bloch nahm die Einweihung vor. 
      
Zur Predigt von Rabbiner Moses Bloch bei der Einweihung der Synagoge (1839)

Buchau Sulamith 1834-43 S80.jpg (102181 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Sulamith" (Jg. 1839). "Seine Majestät der König von Württemberg hat der Israelitischen Gemeinde zu Buchau 800 Gulden und Seine Durchlacht der Fürst von Thurn und Taxis als Standesherrschaft 300 Gulden zum Bau der Synagogen geschenkt. (Berl. Zeit.). [Der dortige Rabbiner Herr Bloch hat bei der Einweihung dieser nun beendigten Synagoge, wie die politischen Zeitungen berichten, eine sehr schöne Einweihungspredigt gehalten, die besonders deshalb als nachahmungswürdig von denselben gerühmt wird, weil er zugleich dabei ein Gebet für die christlichen Mitbrüder und für die christliche Geistlichkeit verrichtet hat. Dies geschieht aber auch in anderen Vorträgen israelitischer Redner nicht selten, bei feierlichen Gelegenheiten in den Synagogen. Gebete für den Landesherrn, dessen hohes Fürstenhaus, und für die christliche Obrigkeit werden ja bekanntlich in allen Synagogen an jedem Sabbat und an Festtagen verrichtet."  

Die Baukosten betrugen 23.092 Gulden. Der Betrag wurde unter anderem mit dem vorhandenen Stiftungsvermögen in Höhe von 3.000 - 4.000 Gulden und dem Verkauf der Synagogenstühle in Höhe von 5.000 Gulden aufgebracht. Dazu ist die alte Synagoge für 1.400 Gulden (Grundstückswert) verkauft worden (abgebrochen 1839). Geschenke, Opfer und Stiftungen ergaben im Jahr der Einweihung etwa 1.000 Gulden. Ein Beitrag durch den württembergischen König in Höhe von 800 Gulden (oder nach dem zweiten obigen Bericht sogar 2 mal 1.000 Gulden) wurde gewährt. Der Fürst von Thurn und Taxis als Patrimonialherr gab 300 Gulden, Herr von Rothschild aus Frankfurt schickte 10 preußische Taler. Auf Grund der relativ hohen Bausumme musste sich die Buchauer Gemeinde teilweise gegen den Vorwurf wehren, es sei "prachtvoll und verschwenderisch" gebaut worden. Die Gemeinde selbst war jedoch der Ansicht, man habe nur "schön und würdig" und im Blick auf die Größe des Baus "auf künftige Vermehrung der Gemeinde gehörig Rücksicht genommen". Damals war die Buchauer Gemeinde mit etwa 600 Gemeindegliedern die größte in ganz Württemberg. 
      
Die neue Synagoge wurde äußerlich in einem einheitlichen neoklassizistischen Stil erbaut. Charakteristisch waren ein prächtiger Giebel und Rundbogenfester. Im Inneren wurde mit ägyptisierenden Kapitellen ein orientalischer Stil gewählt. Als Besonderheit besaß die Buchauer Synagoge einen Turm mit Glockenspiel und Uhr. Das Glockenspiel, bestehend aus vier Glöckchen, sollte das "Schuleklopfen" an den Haustüren ablösen, bewährte sich aber nicht. So wurde 1854 in Biberach eine große Glocke gegossen, die als hebräische Inschrift auf der Westseite den Psalmvers 122,1 trug: "Ich freue mich über die, die zu mir sagen: ins Haus des HERRN wollen wir gehen". Auf der Ostseite stand der Name des Meisters Wenzeslaus Beker aus Biberach. Die Glocke wurde morgens und abends wenige Minuten vor dem Gebet beziehungsweise Gottesdienst geläutet.  
          
Im Blick auf gottesdienstliche Reformen wurde 1846 der dreijährige Zyklus für die Toralesungen eingeführt. Damals bestimmt des Vorsteheramt auch, dass jeder, der zur Toralesung aufgerufen wurde, eine freiwillige Spende zur Anschaffung einer Orgel in der Buchauer Synagoge geben sollte. 1864 wurde dann für 3.200 Gulden "zur Einrichtung eines zeitgemäßen Gottesdienstes" eine Orgel mit 20 Registern eingebaut. Ihre Einrichtung war mit der Schaffung eines Synagogenchores verbunden. Mit dem Einbau der Orgel wurde die Synagoge insgesamt für 1.040 Gulden renoviert, unter anderem ein neuer Fußboden gelegt. Für Orgel und Reparatur der Synagoge wurde damals ein Staatsbeitrag von 250 Gulden bewilligt.  
   
Über die Orgel in Buchau - Polemisches aus jüdisch-orthodoxer Sicht (1864)

Buchau Israelit 08061864.jpg (70834 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1864: "Aus Württemberg. Eine hierländische Zeitung enthält eine bemerkenswerte Annonce. Es soll nämlich für die Synagoge zu Buchau der Bau einer Orgel mit 20 klingenden Registern und zwei Manualen verakkordiert werden. Unterzeichnet ist 'das israelitische Kirchenvorsteheramt, Weimann, Rabbiner;' neben der Anzeige ist gleich das Bild der anzuschaffenden Orgel zu sehen, deren Spitze in ein regelrechtes Kreuz ausläuft!!! - So ist es übrigens recht: zur Orgel gehört auch das Kreuz. Diese Annonce mag wohl als Antwort auf die Frage Gabiah ben Psisa's an die Württembergischen Israeliten 'wohin kommen wir?' dienen sollen. -"

Weitere polemische Kritik an Orgel und Kantor aus jüdisch-orthodoxer Sicht (1865)  

Buchau Israelit 09081865.jpg (34352 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1865: "In Buchau, wo die israelitische Gemeinde demnächst Orgel und Organist erhält, sucht man doch einen Kantor, der zugleich Schochet sein und einen moralischen und religiösen Lebenswandel führen muss. Contradictio in adjecto!"  

Die Buchauer Synagoge war gottesdienstliches Zentrum auch für die in Ravensburg, Leutkirch, Riedlingen, Wangen im Allgäu und Saulgau ansässigen Juden.  
      
Über die Glocken von Buchau (1900)  

Buchau AZJ 31081900.jpg (183725 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. August 1900: "Die Glocken von Buchau. Man schreibt der "Fr. Z.": Eine Synagoge mit einem Glockenturm und einem veritablen Geläut wird wohl ein kulturgeschichtliches Unikum, wenn nicht überhaupt, so doch mindestens in Deutschland sein. Das kleine oberschwäbische, ehemals reichsfreie Städtchen Buchau am Federsee, das als Heimat des 'ersten Arkebusiers' aus 'Wallensteins Lager' durch Schiller sozusagen eine literarische Berühmtheit erlangt hat, darf sich rühmen, in seinen altersgrauen Mauern auch diese Merkwürdigkeit zu besitzen. Die Glocke ist bekanntlich dem jüdischen Kultus durchaus fremd. Die Buchauer Synagoge ist samt dem kleinen, sie krönenden Türmchen, in dem die Glocken aufgehängt sind, im Jahre 1839 gebaut worden. Die israelitische Oberkirchenbehörde in Württemberg hat verschiedentlich versucht, das dem Ritus so entschieden widersprechende Glockentürmchen zu beseitigen, aber niemals Glück damit gehabt, sodass auch heute noch die Buchauer Juden sich trotz Oberkirchenbehörde zu ihren religiösen Verpflichtungen durch Glockengeläute rufen lassen. Was die Buchauer jüdische Gemeinde an sich anlangt, so ist es nicht ohne Interesse, dass sie ungefähr ein Viertel der etwa über 2.000 betragenden Einwohnerschaft in Buchau ausmacht. Im Anfang der 60er-Jahre waren es sogar erheblich mehr als ein Drittel. Die Zahl hat sich aber durch Abwanderung um etwa 300 seit jener Zeit verringert. Die Reichsstadt Buchau gehörte nämlich seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zu den wenigen Orten des schwäbischen Kreises, in denen sich Juden in unbeschränkter Zahl niederlassen durften, während dies an den meisten anderen Orten, z.B. auch in Ulm, erst seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts der Fall war. Nach der Aufhebung jener Beschränkungen ist dann natürlich ein Ausgleich erfolgt, indem die jüdischen Gemeinden in den ehemaligen Reservationen abgenommen haben, während sie in anderen Orten gewachsen sind. Dasselbe Blatt bringt übrigens einen Auszug aus dem bayerischen Religionsedikt vom 26. Mai 1818, 'Beilage II zu Titel IV § 9 der Verfassungsurkunde des Reichs', das nur den im Staate bestehenden öffentlichen Religionsgesellschaften, zu denen die der Juden nicht gehören, erlaubt, 'sich der Glocken zu bedienen.'" 

"Eine Glockensynagoge in Deutschland" von Georg Gidalewitsch (1929)  

Buchau BayrGZ 28061929a.jpg (172415 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 28. Juni 1929: "Eine Glockensynagoge in Deutschland. Glocken, wie wir sie in der Kirche finden, gehören nicht zu den Gerätschaften einer Synagoge und sind eigentlich unvereinbar mit unseren Vorstellungen vom jüdischen Kult. Glocken in Synagogen sind tatsächlich eine höchst seltene Erscheinung und auf der ganzen Welt kennen wir nur drei Ausnahmefälle. Eine dieser 'Glockensynagogen' soll sich in Rom befinden; die zweite in Gibraltar. Die dritte - von der hier die Rede sein soll - haben wir in Deutschland, und zwar in Buchau, einem Städtchen in Württemberg. 
Buchau am Federsee, mit seinen etwa 2.500 Einwohnern, ist bekannt geworden durch erfolgreiche Ausgrabungen und durch sein Museum, das Gründung und Förderung nicht zuletzt einem jüdischen Bürger Buchaus verdankt: M. Vierfelder, dem Vorstand der dortigen Gemeinde.
Eine Synagoge, die einen Turm mit Glocke besitzt, ist etwas außerordentlich Merkwürdiges und es ist verständlich, dass diese Tatsache zu den verschiedensten Vermutungen Anlass gab. Die eine gesagt: Die Glocke sei ein Geschenk des Königs, das man nicht habe zurückweisen können; eine andere: Das Stift habe das Anbringen einer Glocke angeordnet. So schön erdacht die Geschichten sein mögen, die diesen Sonderfall entschuldigen und die Gemeinde rechtfertigen sollen - sie entbehren der historischen Grundlage. Alles ist mit natürlichen Dingen zugegangen - keinerlei außergewöhnliche Vorgänge haben das Vorhandensein der Glocke in der Synagoge bedingt. 
Die Juden, die hier seit 1577 ansässig sind, benutzten bis 1760 nur Betsäle und bauten dann ihre erste kleine Synagoge. Die Gemeinde vergrößerte sich allmählich und gelangte zu Wohlstand 
Buchau BayrGZ 28061929b.jpg (261672 Byte)und Ansehen; im Jahre 1822 durften sich erstmals zwei Juden an der Hauptstraße ansiedeln und schon sechs Jahre später erwarben 18 Juden das Bürgerrecht. Es ist nur natürlich, dass die Juden, als sie die Gleichberechtigung errungen hatten und wie die anderen Bürger geachtet waren, auch mit ihrem Gotteshaus den andersgläubigen Mitbürgern nicht nachstehen wollten; doch erst nach Überwindung vieler Schwierigkeiten gelang es den Juden, die Bewilligung und die Mittel zum Bau einer großen Synagoge zu erlangen, und im Jahre 1839 konnte die heutige Synagoge in Gegenwart des Königs eingeweiht werden.
Damals befand sich im Turm lediglich ein Glockenspiel. Auf ausdrücklichen Wunsch und im Auftrag der jüdischen Gemeinde Buchau wurde dann im Jahre 1854 eine Glocke für die Synagoge gegossen. Sie trägt auf der Ostseite den Namen des Meisters Wenzeslaus Beker aus Biberach, sowie die Jahreszahl 1854, auf der Westseite in hebräischen Lettern vom ersten Vers des 122. Psalms: 'Ich freue mich über die, die zu mir sagen: zum Haus des HERRN wollen wir gehen'. 
Noch heute wird morgens und abends, wenn die Juden sich zum Beten versammeln sollen, die Glocke geläutet. Das Glockenläuten, früher eine besondere Ehre und Freude für die jüdischen Kinder Buchaus, wird heute vom Schammes (Synagogendiener) besorgt. Die Gemeinde, die einst über 700 Mitglieder zählte, ist heute auf etwa 200 zusammengeschrumpft und die Abwanderung nach den Großstädten dauert an. Es zeigt sich hier das 
Buchau BayrGZ 28061929c.jpg (233261 Byte)typische Bild des Zerfalls einer Landgemeinde. Die seit 1825 bestehende jüdische Volksschule, die noch vor einigen Jahrzehnten etwa 100 Schüler zählte, hat heute nur noch 5, denn die Kinder kommen alle in die Realschule und zur weiteren Ausbildung in die Städte. Von hier kehren sie im allgemeinen nur noch besuchsweise in ihr Dorf zurück. Früher zählte man in Buchau viele jüdische Handwerker, heute gibt es keinen einzigen mehr. Die Juden sind zum größten Teil als Kaufleute und Händler tätig, also in Berufen, die sie früher oder später vom Dorf in die Stadt führen werden. Nur einige betreiben noch ein wenig Landwirtschaft.
Buchau ist nicht nur merkwürdig wegen seiner Synagoge, es ist eine wahre Fundgrube für den Kunsthistoriker. Es finden sich dort noch eine Fülle interessanter jüdischer Kult- und Kunstgegenstände, die sich von Generation auf Generation vererbt haben und teilweise heute noch in Gebrauch sind, oder im Federseemuseum aufbewahrt werden. 
Da sind aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammende prächtige Toravorhänge, Torawickelbänder und andere Synagogenstickereien, Chanukka-Leuchter in reicher Variation, Gewürzbüchsen, Waschbecken und Sederschüsseln in Zinn und Messing, Toraschilder, und -kronen in allen Stilarten, da ist eine Beschneidungsbank aus der alten Synagoge, da finden sich alte Dokumente, Judenschutzbriefe und viel anderes mehr. 
Sehr alt ist auch der Friedhof Buchaus. Nach einem Dokument aus dem Jahre 1659 bitten Moyses, Israel und Abraham, Juden aus Aulendorf und Buchau, um die Zuteilung eines 'Gemeinplätzchens', das noch heute nach mehrfacher Vergrößerung den Juden als Begräbnisstätte dient. 
Die Daten sind dem Manuskript M. Vierfelders: 'Geschichte der jüdischen Gemeinden Buchau und Kappel' entnommen. Sämtliche Aufnahmen, mit Ausnahme des Flugbildes, vom Verfasser..."

Mehrfach ist die Synagoge renoviert worden, zuletzt war im Sommer 1937 eine Reparatur des Synagogenturms, des Daches und der Kapitelle der Ostwand notwendig geworden. Im Gebäude der Synagoge war seit den 1920er-Jahren auch ein Synagogenmuseum eingerichtet, in dem kultische Gegenstände aus Buchau und anderen jüdischen Gemeinden gezeigt wurden. Noch im Sommer 1937 wurde eine zweite Glasvitrine aufgestellt, um weitere wertvolle Dokumente und rituelle Gegenstände ausstellen zu können.  
      
In der Pogromnacht am 9./10. November 1938 wurde die Synagoge von einer SA-Gruppe (Standarte 246) aus Ochsenhausen angezündet. Das Feuer war schnell gelöscht, da die Feuerwehr eingriff und die Bevölkerung einschließlich des damaligen Bürgermeisters Öchsle beim Löschen half. In der Nacht vom 10. auf den 11. November 1938 wurde mit einer großen Menge ausgegossenen Benzins nochmals Feuer gelegt, dieses Mal war Löschverbot; die Feuerwehr durfte nur die umliegenden Häuser schützen. Zuvor wurde von den Brandstiftern das wertvolle Museum von Kultgegenständen, das sich in der Synagoge befand, weggeschafft. Die Gegenstände aus Silber, Zinn und anderen Materialien wurden nicht mehr aufgefunden. Dagegen wurden 1941 die Torarollen und Gebetbücher, mit denen man nichts anfangen konnte, zurückgegeben, ein Jahr später allerdings durch die Gestapo abermals beschlagnahmt. Am 18. November 1938 sprengten Ulmer Wehrmachtspioniere die 85 cm dicken Grundmauern der Synagoge. Die Kosten der Sprengung in Höhe von 6.000 RM musste die jüdische Gemeinde bezahlen. Die Ziegelsteine des Synagogengebäudes wurden verkauft. Mit den Steinen, die man nicht verbauen konnte, wurden feuchte Moorwege aufgefüllt. Den Synagogenplatz wollte die jüdische Gemeinde der Stadt Buchau schenken. Da dies aber mit den Grundsätzen des nationalsozialistischen Staates nicht vereinbar war, blieb der Synagogenplatz im Besitz der jüdischen Gemeinde. 
      
Nach 1945 erwarb Siegbert Einstein den Platz und pflanzte an der Stelle, an der der Toraschrein gestanden hatte, eine Trauerweide. Heute befindet sich hier ein Park mit der inzwischen groß gewordenen Trauerweide und einem 1981 aufgestellten Gedenkstein sowie einer 1990 angebrachten Gedenktafel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde. An Stelle der alten Synagoge am Eingang der Judengasse steht heute ein Brunnen in Form eines aufgebrochenen Davidsternes.  
   
   
Rabbinats- und Schulgebäude: 1840/41 wurde neben der Synagoge das Rabbinats- und Schulgebäude gebaut. Das Rabbinat hatte im Erdgeschoss ein Studier- und Sitzungszimmer, eine Bücherei, seitwärts war ein Schulzimmer und oben die Rabbinerwohnung. Nach 1933 wurde es umgebaut zu Wohnungen; Spätestens nach der Pogromnacht 1938 wurde unten ein Betsaal eingerichtet, in dem bis zur Deportation der jüdischen Bewohner 1941/43 noch Gottesdienste abgehalten wurden.   
      
   
   
Fotos 
Historische Fotos 
(Quellen: aus Schöttle (siehe Lit.) Nr. 1 und 10; aus Mohn (siehe Lit.) Nr. 11; aus "Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg" Nr. 2,3c,5,7; Sammlung Hahn: Nr. 4, Sammlung Mayenberger Nr. 6,7a,8,9,11,12a,12b,12c,13 Mayenberger: Buchau am Federsee s. Lit.: 3a und 3b; W. Staudacher, Führer durch Buchau S. 37: 3e; Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries: Nr. 4a).  

 Buchau Synagoge 100.jpg (119465 Byte)

Buchau Betsaal alt 001.jpg (86130 Byte) Buchau Betsaal 131.jpg (97382 Byte)
1. Buchau vom Flugzeug aus um 1925 -
 rechts der Mitte ist die Synagoge 
zu sehen  
 2. Haus des ältesten bekannten 
Betsaales Schustergasse 7 
  
3a. Im oberen Stock des Hauses
 Schussenrieder Straße 6 war 
ursprünglich auch ein Betsaal  
     
Buchau Betsaal 130.jpg (98257 Byte) Buchau Betsaal 001.jpg (89496 Byte) Buchau Synagoge 214.jpg (67697 Byte)
3b. Das Haus Konrad in der Judengasse,
 in dem sich der letzte Betsaal vor 
der ersten Synagoge befand  
3c. Betsaal in der Judengasse 6 3d. Plan der ersten, 1730/31 erbauten
 Synagoge (Gebäude Nr. 3 mit 
Männer- und Frauensynagoge)  
  
     
Buchau Synagoge 340.jpg (110827 Byte) Buchau Synagoge 165.jpg (71511 Byte) Buchau Synagoge101.jpg (60849 Byte)
Erste Seite des Programms zur 
Einweihung der Synagoge in Buchau 
am 30. August 1839 
3e. Um 1925: Blick von der (neuen) Synagoge
 auf die Gebäude der (jüdischen) Trikotfabrik
 Hermann Moos AG., dem bedeutendsten
 Betrieb in Buchau, seit 1938 Götzwerke
4. Darstellung der Synagoge auf 
einer Postkarte von ca. 1900 
   
   
     
   Buchau1.jpg (28844 Byte) Buchau2.jpg (28593 Byte) Buchau Synagoge 710.jpg (66913 Byte) Buchau Synagoge 711.jpg (54995 Byte)
 Karte von 1911 mit freundlicher Genehmigung
 übernommen aus der Website www.judaica.cz 
4a. Darstellung der Synagoge auf einer Buchauer Postkarte von ca. 1900 
    
    
Buchau Synagoge 002.jpg (80625 Byte) Buchau Synagoge_Farbe_Aussen.jpg (36993 Byte) Buchau Synagoge 213.jpg (54371 Byte)
5. Foto um 1930 6. Kolorierte Fotografie 7a. Innenansicht
     
Buchau Synagoge 001.jpg (75615 Byte) Buchau Synagoge_Innen_01.jpg (19902 Byte) Buchau Synagoge_Innen_02.jpg (21038 Byte)
7b. Innenansicht 
um 1930 
8. Innenansicht mit Blick 
zum Toraschrein
9. Innenansicht mit Blick 
zur Orgelempore
     
Buchau Synagoge102.jpg (113564 Byte) Buchau Synagoge 210.jpg (24209 Byte) Buchau Synagoge 211.jpg (119257 Byte)
10. Blick zur Synagoge aus der
 Hofgartenstraße 
11. Portalinschriften über den Eingängen
 zur Synagoge. Hebräisch und deutsch 
Zitat aus Psalm 150,1: "Lobet Gott in
 seinem Heiligtum". Dazu hebräische
 Jahreszahl für (5)600 = 1939/40 
12a. Die brennende Synagoge am 
11. November 1938.
     
     
        
Buchau Synagoge 106.jpg (84779 Byte) Buchau Synagoge 760.jpg (80263 Byte) Buchau Synagoge 210.jpg (137114 Byte) Buchau Synagoge 212.jpg (52093 Byte)
12b. Die ausgebrannte Synagoge  12c. dass. 13. Der Betsaal im Rabbinatsgebäude 1939 

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: obere Reihe: Hahn; zweite Reihe R. Rasemann) 
 
Buchau Synagoge 103.jpg (49107 Byte) Buchau Synagoge 105.jpg (65721 Byte) Buchau Synagoge 104.jpg (82341 Byte)
Haus des ältesten Betsaales 
in der Schustergasse 6 
 Synagogenplatz 
(jetzt Parkanlage) 
 Gedenktafel
 für Synagoge 
     
Buchau Betsaal 001.jpg (45677 Byte) Buchau Betsaal 002.jpg (100913 Byte)  
Betsaal in der Judengasse 6  Die Decke dieses Betsaales    
     
Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 9.9.2003; mit * 25.4.2004)) 
  
Buchau Synagoge a150.jpg (67881 Byte) Buchau Judengasse 152.jpg (74630 Byte) Buchau Judengasse 151.jpg (53914 Byte)
Haus des ältesten Betsaales 
in der Schustergasse 6 
Eingang in die 
"Judengasse" 
In der 
"Judengasse" 
     
Buchau AJ 2004 108.jpg (57280 Byte) Buchau Betsaal 104.jpg (18869 Byte) Buchau AJ 2004 112.jpg (42501 Byte)
Blick auf das Gebäude Judengasse 6 
(Sport Konrad); der ehemalige Betsaal
 befand sich hinter dem rechten Fenster
 im zweiten Stock*  
Decke des Betsaales 
in der Judengasse 6 
Ehemaliges jüdisches Schul- 
und Gemeindehaus. Auf einem
 danebenliegenden Grundstück 
war das rituelle Bad 
 
     
Buchau AJ 2004 111.jpg (68988 Byte) Buchau AJ 2004 110.jpg (62688 Byte) Buchau Synagoge n150.jpg (55556 Byte)
Platz der ersten Synagoge von 1730/31 mit Denkmal* 
(Entwurf/Gestaltung/Ausführung: Atelier Heinz Weiss, Bad Buchau) 
Platz der 1938 zerstörten Synagoge 
(jetzt Parkanlage) 
   
Buchau Synagoge n153.jpg (49140 Byte) Buchau Synagoge n152.jpg (64991 Byte) Buchau Synagoge n151.jpg (70717 Byte)
Blick aus der Hofgartenstraße - dieselbe
 Perspektive wie oben historisches Foto
 Nr. 10 - das ehemalige Rabbinat ist 
das helle Gebäude links der Mitte 
Gedenktafel für die 
ehemalige Synagoge  
Daneben Hinweistafel zur 
Geschichte der Juden in Buchau 
    
      
     
Bei einer Grabung aufgefunden:
 Abbruchsteine der Synagoge
 
(Foto und Plan erhalten 
von Charlotte Mayenberger)  
Buchau Synagoge Erinnerung 02k.jpg (123264 Byte) Buchau Synagoge Erinnerung 01.jpg (96935 Byte)

Anmerkung von Ch. Mayenberger: Die Steine wurden in einem landwirtschaftlichen Betrieb als Einfassung für einen Misthaufen verwendet worden. Als die Landwirtschaft aufgelöst wurde, wurde damit die Jauchegrube aufgefüllt. Inzwischen sind die Steine als Gedenksteine an die Synagoge zum jüdischen Friedhof verbracht worden. Bei den Steinen handelt es sich (vgl. die Markierungen auf dem Plan rechts) um Steine vom mittleren Eingangsbereich. Unter dem Stein auf dem Foto ganz links betraten die jüdischen Männer fast 100 Jahre lang die Synagoge (der Stein ist um 180° gedreht gelagert); der Stein daneben ist Teil einer Inschrifttafel; der dritte Stein ist eine der Treppenstufen. Die großen Steine im Hintergrund sind Sockelsteine.   

      

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     

Februar 2008: Charlotte Mayenberger erhält den "German Jewish History Award"   
Buchau StZ 25022008.jpg (321721 Byte)Artikel in der "Stuttgarter Zeitung" von Rüdiger Bäßler am 25.2.2008: "Charlotte Mayenberger, Hobbyhistorikerin aus Bad Buchau und Trägerin des German Jewish History Award - Sanft wird der Schleier des Vergessens weggezupft". 
  
Weitere Informationen auf der Seite "Obermayer German Jewish History Awards 2008" 
  
Ende 2008: Neuerscheinung über "Juden in Buchau" 
Buchau Lit 008.jpg (55836 Byte)links: Charlotte Mayenberger: Juden in Buchau. Reihe: Landkreis Biberach - Geschichte und Kultur Band 8. Federsee-Verlag Bad Buchau 2008.   Website des Federsee-Verlages 
Buchbesprechung am 12. Dezember 2008 in der "Schwäbischen Zeitung" (sz-online - Artikel):  "Das "Blättle" hält Kontakt. 
BAD BUCHAU - Hinter dem kurzen Titel "Juden in Buchau" verbirgt sich ein langes Kapitel Buchauer Geschichte, zurückreichend bis 1382 und mit tragischem Ende im Nationalsozialismus. Charlotte Mayenberger hat die Epoche nach Quellen und Zeitzeugenberichten in vielfältiger Weise aufgearbeitet und umfassend dargestellt. 
Schon 1401 erhielten Juden in Buchau Wohnrecht. Ihre Aufnahme entwickelte sich zu einer bedeutenden Einnahmequelle. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 828 jüdische Einwohner im Ort. Die Familien betrieben Groß- und Kleinhandel mit Waren aller Art. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bauten sie die ersten Buchauer Industriebetriebe vor allem in der Textilbranche auf. Zum Bau einer Synagoge mit bemerkenswerten Besonderheiten wie Glockenturm und Orgel kam es 1838. König Wilhelm I. von Württemberg steuerte 800 Gulden bei. Die Buchauer Synagoge war gottesdienstliches Zentrum und Rabbinat auch für die in Ravensburg, Leutkirch, Riedlingen, Wangen und Saulgau ansässigen Juden. Die Durchsetzung der menschenverachtenden Politik Adolf Hitlers wird eindringlich auch mit Hilfe von Zeitzeugenberichten aufbereitet, ebenso die Zerstörung der Buchauer Synagoge am 9. November 1938 sowie Flucht und Abtransport der jüdischen Bevölkerung. Von den 1933 hier noch wohnhaften 162 jüdischen Einwohnern kamen mindestens 56 ums Leben. Die Autorin befasst sich auch mit berühmten Juden, die in Buchau geboren wurden oder deren Vorfahren von hier stammten, wie etwa der Physiker Albert Einstein und Moritz Vierfelder, der aus den USA als Emigrant ab 1940 das "Buchauer Blättle" herausgab und über dieses Organ Kontakt zu seinen in alle Welt zerstreuten Landsleuten hielt. Breiten Raum nehmen die biografischen Notizen zu den während des "Dritten Reichs" in Buchau lebenden Juden ein. Mayenbergers besonderes Anliegen war und ist aber auch der Kontakt zu Nachkommen einstiger jüdischer Familien. Dafür wurde sie 2008 mit dem "German Jewish History Award" ausgezeichnet. Sie will das "Zusammenleben der Buchauer Juden in der Stadt" aufzeigen. Dies wird in zahlreichen Zeitzeugenberichten dokumentiert und mit vielen Bildern unterlegt. Der 1889 in Buchau geborene Siegbert Einstein, im ersten Weltkrieg mehrfach ausgezeichnet, wurde noch am 21. Februar 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert. Er überlebte und kehr-te im Mai in seine Heimat zurück. Sein ganzes Streben galt der Wiedergutmachung für das an Juden geschehene Unrecht. 1968 starb Einstein "als letzter in Buchau lebender Jude der alten, ehemals großen jüdischen Gemeinde". 
Kontakte tragen reiche Frucht.  Sehr interessant ist die Anekdotensammlung aus der jüdischen Gemeinde Buchau. Ein Glossar mit der Erläuterung der wichtigsten Begriffe erleichtert das Verstehen der jüdischen (Glaubens-) Welt. Die Ausstattung des Buches mit einer erstaunlichen Fülle historischer Fotos wurde erst möglich durch die vielen Kontakte zu Buchauer Juden und deren Nachkommen in aller Welt, die Charlotte Mayenberger seit zwei Jahrzehnten und bis heute pflegt. Dass sie als gebürtige Buchauerin dieses Thema aufbereitete und ihre Forschungen nunmehr zusammenfasste, ist sehr verdienstvoll. Das Buch ist nicht nur für Buchauer von großer Bedeutung." 
  
März 2010: Die Erinnerung an die jüdische Geschichte bekommt einen Raum im Haus des Gastes  
Buchau PA 201003.jpg (249846 Byte)Artikel (mit Foto) von Brigitte Braun in der "Schwäbischen Zeitung" vom 27. März 2010: "Jüdisches Leben in Bad Buchau. Begegnungsstätte findet Raum im Haus des Gastes. 
Bad Buchau. Ein erster Schritt zur Realisierung des lang gehegten Wunsches von Charlotte Mayenberger ist getan. Im Haus des Gastes hat die Stadt Bad Buchau ihr einen Raum überlassen, der zugleich als Begegnungsstätte, Archiv und Arbeitsraum für die eng mit dem ehemaligen jüdischen Leben im alten Buchau verbundene Heimatgeschichte dient.
Zum weiteren Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.     
 
Dezember 2011: Bericht über die Ausstellung "1941 nach Riga 'umgesiedelt"   
Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" vom 1. Dezember 2011: "Ausstellung verleiht Opfern ein Gesicht.  
Bad Buchau
/ sz. Bevor Betty Dannhauser (nicht: Damhauser) von Bad Buchau aufbrach, ließ sie sich noch schnell die grauen Strähnchen färben..." 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei     
 
Dezember 2011: Jahresbericht "Buchauer Nachrichten" hrsg. von "Juden in Buchau" - Charlotte Mayenberger  (als pdf-Datei eingestellt)  
  
April 2013: in Buchau wurde eine "Stolperschwelle" verlegt    
Buchau PA 19042013.jpg (329683 Byte)Artikel von Klaus Weiss in der "Schwäbischen Zeitung" vom 19. April 2013: "Von hier aus gingen sie den letzten Gang. Stolperschwelle am ehemaligen Bahnhof erinnert an das Schicksal der Buchauer Juden..."   
Zum Lesen bitte Textabbildung links anklicken.    
Ähnlicher Artikel von Klaus Weiss in der "Schwäbischen Zeitung" vom 19. April 2013: "Gedenken an die jüdischen Mitbürger. In Bad Buchau wurde gestern eine Erinnerungstafel mit 270 Namen enthüllt..." 
Link zum Artikel.      
 

    
      

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Bad Buchau, besonders: Seite zur Geschichte der Stadt  
Zur Infoseite "Juden in Buchau" (interner Link)  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Buchau (interner Link)    
Informationsseiten zur jüdischen Geschichte in Bad Buchau der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Bad Buchau  

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 31-36. 
Joh. Evang. Schöttle: Geschichte von Stadt und Stift Buchau samt dem stiftischen Dorfe Kappel. dazu: Bilder aus Alt-Buchau. 1884. Neuauflage mit dem Bilderanhang: 1977. 
Joseph Mohn: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz. Aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau. 1970.  
Hans Garbelmann: Die Buchauer Synagogenglocke, in: Pessach 5725 (1965) S.20. 
Reinhold Adler: Judenverfolgung in Bad Buchau 1933-1940. In: BC – Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. 2. 1988. 
ders.: Moritz Vierfelder – Aus dem Emigrantenschicksal des letzten Vorstehers der jüdischen Gemeinde Buchau. In: BC – Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. 1. 1982.  
Siegfried Kullen: Spurensuche. Jüdische Gemeinden im nördlichen Oberschwaben. Blaubeurer Geographische Hefte 5. 1995².  
Carol Herselle Krinsky: Europas Synagogen. Architektur, Geschichte und Bedeutung. Stuttgart 1988 S. 261-264.
Volkshochschule Bad Buchau (Hg.): Jüdisches Leben in Buchau, Begleitheft zur Ausstellung 1998. 
Charlotte Mayenberger: Von Buchau nach Theresienstadt, Dr. Oskar Moos (1869-1966), in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach 2000, Heft 2. 
dies.: Moritz Vierfelder – Leben und Schicksal eines Buchauer Juden. 2000. (in diesem Heft auch ein Abschnitt über: "Die Buchauer Synagogen" S. 18-25.

   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bad Buchau  Wuerttemberg. Jews were present in the 16th century and perhaps erlier. Throughout the 18th century, the community was subjected to residence and trade restrictions as well as high taxes leading 12 families to move to the neighboring village of Kappel, where a synagogue was built. The Jewish in Kappel population grew to 155 in 1843 before dwindling to zero in 1900. 
Chaila (Caroline) Kaulla (1739-1809), one of the few women court agents in Germany and founder of a great Jewish banking dynasty, was born in Buchau. A Jewish school was opened in 1825 and in 1839 a new synagogue was inaugurated. Its belfry, to summon Jews to prayer, was the only one in Germany. The community grew to 724 by 1854, thereafter shrinking as emigration and the attractions of city life claimed the young. In the second half of the 19th century, Jewish economic life expanded into the textile, food, and leather trades as well as into cattle and land dealings. At the outset of the Nazi era, there were 165 Jews and 38 Jewish business establishments in the town. A Zionist society was also active. Emigration was stepped up after Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was burned, Jews beaten, and Jewish property pillaged. In all, 80 Jews left Germany; the rest lost their lives in the Holocaust. The ancient Jewish cemetery with its 1,000 burial plots has been preserved by the local city council. 
       
         

                   
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Stand: 23. August 2014