Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hinweis: Zur neuen Rottweiler jüdischen Gemeinde (seit 2002): hier anklicken   


Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien Reichsstadt Rottweil bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Erstmals wird 1315 der "Judenort" in der Stadt genannt. Bei der Verfolgung während der Pestzeit 1349 wurde die Gemeinde vernichtet. Seit etwa 1380 waren (bis 1418) wieder einzelne Juden in der Stadt wohnhaft. Um 1500 wurden die Juden ausgewiesen. 
  
Erinnerungen an die mittelalterliche Geschichte: Im Stadtarchiv befindet sich ein umfangreiches Textfragment mit hebräischen Texten aus dem Josua- und dem Richterbuch, das wohl als Bindematerial aus Konstanz nach Rottweil gelangte und als Akteneinband Verwendung fand.
 
Vorübergehend wurden im 17. Jahrhundert einige Juden in der Stadt aufgenommen (1648 zwei Familien). 
  
Danach konnten sich erst seit 1806 wieder Juden in Rottweil niederlassen. Sie gehörten zunächst der Synagogengemeinde und dem Rabbinatsbezirk Mühringen (seit 1914 Rabbinatssitz in Horb) an. Erst 1924 wurde eine selbständige jüdische Gemeinde in Rottweil gegründet. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1806 6 jüdische Einwohner (2 Familien), 1822 30, 1826 34, 1838 36, 1844 42, 1858 85, 1864 105 (2,7 % von insgesamt 3,832 Einwohnern), 1867 96, 1871 122, 1880 134(2,2 % von insgesamt 6.047), 1890 113, 1895 95 (1,4 % von insgesamt 6.953), 1900 97, 1910 91.  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Beitrag zum Tod von Lehrer Königsbacher 1897). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Mühringen (seit 1914 Rabbinatssitz in Horb).      
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Leutnant Siegfried Rothschild (geb. 17.2.1881 in Rottweil gef. 13.7.1917) und Erich Wolf (eb. 29.1895 in Rottweil, gef. 13.3.1916). Auf einer Gefallenengedenktafel im Rathaus findet sich auch der Name von Erich Wolf (siehe Bericht unten); der Name von Siegfried Rothschild wurde nach 1933 getilgt. Außerdem ist aus Rottweil gefallen: Unteroffizier Ludwig Haarburger (geb. 18.10.1879 in Rottweil, vor 1914 in Reutlingen wohnhaft, gef. 8.10.1918).    
 
Die jüdischen Familien leisteten wichtige Beiträge zum wirtschaftlichen Leben der Stadt. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben in jüdischem Besitz sind bekannt: Vertretung Max Adler (Hochbrücktorstraße 17), Textil- und Modewarengeschäft sowie Webwarengesellschaft und Textilwarengroßhandlung Isidor Augsburger (Hauptstraße 33), Textilwaren Bermann und Wäder (Hochbrücktorstraße 22/22a), Rottweiler Hemdenfabrik A. Degginger & Cie., Inh. Julius und Adolf Röder (Königstraße 2), Manufaktur- und Herrenkleidergeschäft Gabriel Degginger, Inh. Max und Louis Brandenburger (Hochbrücktorstraße 4; seit 1834), Schuhgeschäft Nathan
Fröhlich (Oberndorfer Straße 15), Viehhandlung Josef Landauer (Dammstraße 17), Schneider Nathan Oko (Hauptstraße 64), Schuhgeschäft Selig Oko (Oberamteigasse 1), Buchdruckerei Dr. Moriz Rothschild ("Schwarzwälder Bürgerzeitung"; Friedrichsplatz 16), Textilgeschäft Steinberger & Co., Inh. Max Blochert (Friedrichsplatz 9), Viehhandlung Julius Steinharter (Lindenstraße 18) sowie die Arztpraxen Dr. Reinhard Lewin (Bahnhofstraße 3) und Dr. Siegfried Oettinger (Bahnhofstraße 7), ferner der Rechtsanwalt Berthold Singer, letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde Rottweil (Königstraße 11).
 
Um 1924, als noch etwa 100 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,9 % von insgesamt etwa 11.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Julius Adler, R. Röder, Lehrer Straßburger, H. Geißmar und W. Rothschild. Als Religionslehrer war M. Straßburger angestellt (1924/32, 1932 waren 9 Kinder zu unterrichten). Er erteilte auch den Religionsunterricht an den höheren Schulen. An jüdischen Vereinen gab es die Wohltätigkeitsvereine Gemillus chassodim (gegründet etwa 1893, 1924/32 unter Leitung von Julius Adler) und den Dowertow-Verein (gegründet 1876, 1924 unter Leitung von R. Röder, 1932 Leitung auch Julius Adler). 1932 war 1. Gemeindevorsteher Rechtsanwalt Berthold Singer. Zur jüdischen Gemeinde gehörten damals auch die in Schwenningen und Schramberg lebenden jüdischen Personen.

1933 lebten noch 84 jüdische Personen in Rottweil. Alsbald setzten auch in Rottweil antijüdische Maßnahmen ein (Boykotthetze, Schaufensterschmiereien, Volksauflauf). Bis 1938 gingen alle jüdischen Gewerbebetriebe in nichtjüdischen Besitz über. Ein großer Teil der jüdischen Einwohner konnte in den folgenden Jahren auswandern (in die USA und nach Palästina/Israel; einzelne Familien nach Südamerika, Südafrika, Portugal und in die Schweiz). Die Verwüstung des Synagogenraums und die Schändung des Heiligtums beim Novemberpogrom 1938 bedeuteten das Ende der Israelitischen Gemeinde Rottweils. Schon einen Monat später - am 13. Dezember - verkaufte Oberregierungsrat Julius Wissmann von der Jüdischen Kultusvereinigung Württemberg e.V. in Stuttgart als Liquidator der Rottweiler Judengemeinde das Haus an der Kameralamtsgasse 6 ("die Synagoge…mit Lehrer-Wohnung") für 8ooo Reichsmark an einen Rottweiler Kaufmann.
Mitten im Krieg, im Juni 1943, bot die Stuttgarter Großgemeinde, in der zwangsweise alle noch in Württemberg lebenden Juden zusammengeschlossen waren, das Friedhofsareal an der Hoferstraße der Stadt zum Kauf an; für 85 RM - dem 185O für den Erwerb bezahlten Betrag von 5O Gulden entsprechend - ging der jüdische Friedhof an die Kommune über. Auf einem Teil der freien Fläche wurden drei Einfachhäuser erstellt.
 
Von den in Rottweil geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Binder geb. Ullmann (1881), Gustav Brandenburger (1902), Max Brandenburger (1867), Leonie Braunschweiger geb. Rosenthal (1877), Regina Degginger geb. Dreifuss (1868), Albert Fröhlich (1920), Nathan Fröhlich (1883), Johanna Funke geb. Königsberger (1904), Antonie Hanauer geb. Haarburger (1881), Blanka Hartstein geb. Rosenstiel (1919), Wally (Willy) Jakubowski geb. Wolf (1896), Hedwig Oppenheimer geb. Wälder (1872), Adolph Pressburger (1860), Ella Preuß geb. Königsbacher (1872), Berta Sander geb. Wolf (1876), Siegfried Sander (1878), Martha Stentrup geb. Levinstein (aus Schömberg, Freitod in Rottweil), Hildegard (Hilda) Stern (1905), Heinrich Ullmann (1882), Siegfried Ullmann (1875), Emilie Wälder geb. Rosinus (1907), Wilhelm Wälder (1887), Mathilde Wassermann geb. Ullmann (1879). 
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeind
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Zum Tod von Lehrer Königsbacher (1897)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. September 1897: "In Rottweil starb Lehrer Königsbacher. Derselbe wirkte dort 30 Jahre und war nicht nur bei der israelitischen Gemeinde, sondern in der ganzen Stadt sehr beliebt. Derselbe war Lehrer an der höheren Töchterschule und an der Gewerbeschule, Ausschussmitglied des Männergesangvereins und anderer Vereine."   

     
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Der Gemeinderat Rottweil will das Schächten verbieten (1876)  

Rottweil Israelit 12071876.jpg (126341 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1876: "Rottweil am Neckar. Der hiesige Gemeinderat hat sich vor Monaten erdreistet, aus eigener Machtvollkommenheit das Schächten zu verbieten, weil diese Funktion eine Tierquälerei zu nennen sei gegenüber der neuerlich erfundenen Bouterole. Das Kirchenvorsteheramt (gemeint: das Vorsteheramt der jüdischen Gemeinde) und Rabbinat brachten die Sache vor das Oberamt und die Kreisregierung in Reutlingen, welche ein Gutachten der israelitischen Oberkirchenbehörde einverlangte. Mittlerweile hatte die Presse der Residenz, insbesondere das 'Neue Tagblatt' in mehreren Artikeln gegen die Schechita heftige Angriffe gemacht, deren angekündigte Fortsetzung jedoch verstummte, als die 'Neue Bürgerzeitung' daselbst, Nr. 40 vom 19. Februar dieses Jahres, einen fulminanten Artikel von L. gegen das 'Neue Tagblatt'  brachte, der die Grundlosigkeit der Anklagen überzeugend nachwies. Vorher schon kam im 'Neuen Tagblatt' selbst eine Verteidigung der Schechita von W. (Man nennt allgemein Lehrer Löwenstein in Heilbronn und Kirchenrat Dr. Wassermann in Stuttgart als die Verfasser jener wirksamen Artikel). Auf das Gutachten der Oberkirchenbehörde, das durch die genannte Nummer der 'Neuen Bürgerzeitung' belegt wurde, hat die Königlich Württembergische Regierung für den Schwarzwaldkreis jenen Beschluss des Gemeinderats aufgehoben. - Herr Dr. Engelbert in St. Gallen möge diesen Fall und die Akten dazu benützen. Überhaupt bewährt sich die Schlachtmaske, wie sie obligatorisch eingeführt ist, fast allerwärts sehr schlecht, und fakultativ verschafft sie sich ohnehin keinen Eingang."
     
Rottweil AZJ 20061876.jpg (33008 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juni 1876: "Die 'Schächtangelegenheit' wurde in letzter Zeit auch in Württemberg verhandelt. In politischen Blättern (Beobachter, Stuttgarter Tageblatt) erhoben sich verschiedene Stimmen pro und contra. Der Magistrat der Stadt Rottweil verbot mit Einführung der Schlachtmaske die jüdisch-rituelle Schlachtmethode. Dieses Verbot wurde aber von der Kreisregierung des Schwarzwaldkreises wieder aufgehoben."  

 
Einweihung einer Gefallenendenktafel (1928)  

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitung des Central-Vereins) vom 24, August 1928: "Bei der Einweihung der Gefallenendenktafel für das Reserve-Infanterieregiment 119 in Rottweil (Württemberg) legte Herr Bankier Adler im Auftrage der israelitischen Gemeinde mit sinnigen Worten einen Kranz an dem Heldendenkmal nieder."

   
Antijüdische Maßnahmen (1933)  

Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 8. August 1933: "Polizeiliche Geschäftsschließung. In Rottweil am Neckar wurde das jüdische Schuhgeschäft Oko polizeilich geschlossen und der Inhaber in Schutzhaft genommen, nachdem eine große Menschenmenge vor dem Geschäft wegen des Verkaufs billiger als 'Ramschware' bezeichneter Schule eine Protest-Demonstration veranstaltet hatte." 

     
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zum Tod von Kaufmann Leopold Wälder (1902)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1902: "Stuttgart, 4. November (1902) ... Verflossenen Sabbat starb hier im 62. Lebensjahr in Folge einer Operation im Marienspital Kaufmann Leopold Wälder aus Rottweil und wurde heute in seiner Vaterstadt unter zahlreichem Geleite beerdigt. Derselbe hat durch Reellität im Geschäfte sein Geschäft zu großer Blüte gebracht und allseits große Wohltätigkeit geübt, weshalb er in großer Achtung stand und auch vor einigen Jahren an die Spitze der jüdischen Gemeindeverwaltung berufen wurde."     

  
Zum Tod des im Lazarett gestorbenen Erich Wolf (1916)      

Rottweil AZJ 21041916.jpg (100464 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1916: "Rottweil, 14. April (1916). Unter militärischen Ehren wurde vor kurzem ein Sohn unserer Stadt, der seinen im Kampf fürs Vaterland erlittenen schweren Wunden im Lazarett erlegen ist, auf dem Kriegsfriedhof zur letzten Ruhe bestattet: der 21jährige Musketier Erich Wolf vom Infanterieregiment 117, Sohn des Herrn Jos. Em. Wolf, hier. Dem Sarge voraus schritten nach der Stadtkapelle ein Kommando der hiesigen Landsturmkompanie, das am Trauerhaus und am Grabe dem verstorbenen Krieger die militärischen Ehren erwies, und der Militärverein mit umflorter Fahne. Nach dem Leichenwagen, zu dessen Seiten Mitglieder der hiesigen Sanitätskolonne schritten, folgten die Leidtragenden, Offiziere der hiesigen Garnison und Verwundete der hiesigen Lazarette mit reichen Blumenspenden. Nach den ergreifenden Worten des Herrn Lehrer Strausberger gab unter Niederlegung eines Kranzes namens des Militärvereins Herr Prof. Geiger in packender Weise der Anteilnahme und dem Dank desselben für das auf dem Altar des Vaterlandes gebrachte Opfer Ausdruck. Von den Verwundeten wurde das Grab des Kameraden mit zahlreichen Blumenspenden geschmückt. Der unausgesetzt hörbare dumpfe Kanondonner vom Kriegsschauplatz im Westen herüber erhöhte das Ergreifende der Feier am Grabe des jungen Kriegers."  

  
Goldene Hochzeit von Emanuel und Lina Rosenstiel (1922)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. März 1922: "Rottweil. Emanuel Rosenstiel und seine Gemahlin Lina feierten ihre goldene Hochzeit. Der Jubilar versieht seit 45 Jahren das Amt des Hilfsvorbeters an den hohen Feiertagen und war bis vor wenigen Jahren auch noch Baal tokea".         


Über Ernst Iros (1885-1953)  

Ernst Iros (Pseudonym für als Julius Rosenstiel; 1885 Rottweil – 1953), Schriftsteller und Filmpionier (Autor des Buches "Wesen und Dramaturgie des Films"). An seinem Geburtshaus in der Hochbrücktorstr. 12 erinnert eine Gedenktafel.

  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen von Arthur Augsburger (1900 / 1903 / 1904)       

Rottweil Israelit 09081900.jpg (61156 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900: 
"Für eine Waise, aus guter Familie, die nähen, bügeln und etwas kochen kann, wird Stellung als 
Stütze der Hausfrau 
in besserem Hause gesucht. Familiäre Behandlung wird hohem Lohne vorgezogen. Näheres durch 
Arthur Augsburger, Rottweil a.N."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1903: "Stutze
Für ein geb. Mädchen, 22 Jahre alt, das schon in ähnlicher Stellung war, suche ich Stelle als Stütze der Hausfrau oder zur selbstständigen Leitung eines kleinen Haushalts. Gefällige Offerten an 
Arthur Augsburger
, Rottweil."     
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1904: "Für ein geb. Fräulein, aus guter Familie, 23 Jahre alt, suche ich Stellung als Stütze, Gesellschafterin oder ähnlich. 
Gefällige Offerten an Arthur Augsburger, Rottweil am Neckar."    

      
Anzeige der Herrenkleiderfabrik A. Rosenthal (1903)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  6. Juli 1903: "Ein junger Mann, mit guten Schulkenntnissen, aus guter Familie, kann sofort oder später als 
Lehrling
 
unter günstigen Bedingungen bei mir eintreten. 
A. Rosenthal
, Herrenkleiderfabrik, Rottweil am Neckar."      

 
Verlobungsanzeige (1935)  

Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Oktober 1935: "Wir haben uns verlobt! 
Hannele Landauer - Hans Heilbronner.
September 1935. 
Rottweil/Württemberg - München, Schwanthalerstr. 69 II. Empfang: 5. und 6. Oktober 1935."

      
      
      
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen     
  
Das mittelalterliche Wohngebiet konzentrierte sich auf den 1315 erstmals genannten "Judenort" (später St.-Lorenz-Ort genannt) bzw. die "Judengasse" (heutige Lorenzgasse). Unklar sind die Standorte der Einrichtungen, vor allem der Synagoge ("Judenschule"), eines rituellen Bades und eines Friedhofes (falls vorhanden). 
  
Die im 19. Jahrhundert entstehende jüdische Gemeinde konnte ihre Gottesdienste zunächst in dem Haus des 1806 nach Rottweil zugezogenen Moses Katz feiern. Dieser hatte im dritten Stock seines Hauses einen beheizten Raum als Synagoge eingerichtet. Zunächst war der Frauenbereich vermutlich im selben Raum untergebracht, jedoch von demjenigen der Männer durch eine Abschirmung getrennt. In den ersten Jahren wurden umherziehende Juden gebeten, über Schabbat in Rottweil zu bleiben, damit man für den Gottesdienst die erforderliche Zahl von zehn Männern hatte. Nach einiger Zeit wollten die in Rottweil zugezogenen Juden ein eigenes Synagogengebäude besitzen und ersuchten den König um die Erlaubnis, die Kirche zu kaufen, die dem Johanniterkloster gehörte. Das Finanzministerium wies diese Bitte ohne Begründung zurück. Er war damals wohl noch nicht vorstellbar, dass eine Kirche zu einer Synagoge umgebaut würde. So blieb der Betsaal im Haus von Moses Katz (Obere Hauptstraße 29). 1815 erwarb Moses Katz auch das Nachbarhaus. Im dritten Stock dieses Gebäudes wurde ein neuer beheizbarer Raum zur "Weiberschul" oder "Frauenschul" neben der bestehenden Synagoge eingerichtet. Moses Katz besaß das Eigentumsrecht auf die Torarollen und alle übrigen Einrichtungsgegenstände. 
  
1823 erwarb Abraham Bernheim aus der Konkursmasse von Mose Katz die Torarolle samt dem Toraschrein mit allen vorhandenen Vorhängen, den Toramänteln, den Vorlesetisch und die Pulte samt den Tisch- und Pultdecken sowie zwei Messingkerzenständer für zusammen 53 Gulden 20 Kreuzer. Er übergab dies der jüdischen Gemeinde, damit sie künftig Eigentümerin all dessen war, was zum Betsaal gehörte. Die Gemeinde verpflichtete sich, den von Bernheim ausgelegten Betrag an ihn zurückzuzahlen. Im März 1822 wurde festgelegt, dass es keine Vorrechte mehr für einzelne Personen geben sollte, auch nicht, wenn diese den Betsaal in ihrem Haus der Gemeinde zur Verfügung stellen würden. 
  
1822 wurde für die Gottesdienste ein Raum in dem Abraham Bernheim gehörenden Gasthaus "Becher" (bzw. "Zum Goldenen Becher"; Hochbrücktorstraße /Ecke Kameralamtsgasse) gemietet. 1849 verlegte man den Betsaal in einen Raum in das Gasthaus "Krone" Hochbrücktorstraße 16), das im Besitz der Familie Degginger war. 
  
Auf Dauer wollte man jedoch nicht in gemieteten Räumen Gottesdienst feiern. 1857 legte Isaak Petersburger zum Andenken an seine Frau Franziska geb. Degginger mit 25 Gulden den Grundstock für eine neue Synagoge in Rottweil. Im folgenden Jahr konnte für 80 Gulden eine neue Torarolle und ein neuer Toraschrein angeschafft werden. 1861 erwarb der Synagogenbauverein in der Cameralamtsgasse 6 ein Grundstück mit einem Gebäude, das noch im selben Jahr für gottesdienstliche Zwecke umgebaut wurde. Im Erdgeschoss dieses Gebäudes richtete man ein Betsaal ein. Der Synagogenbauverein vermietete zunächst auf drei Jahre (1861-64) das Gebäude an die jüdische Gemeinde. Die Plätze in der Synagoge wurden durch das Los verteilt; erst 1865 sind sie als erbliches Eigentum versteigert worden. 1865 übernahm die jüdische Gemeinde das Gebäude für 3.235 Gulden. Damals wollte die Rottweiler Gemeinde zugleich selbständig werden. Doch blieben die Bemühungen erfolglos, aus dem Status einer Filialgemeinde zu Mühringen herauszukommen. Einige Einrichtungsgegenstände wurden durch Stiftungen erneuert. So kam von Familie Leopold Wälder 1879 eine blaue Decke für das Vorlesepult und 1888 eine neue Torarolle, von Familie Bernheim 1879 ein neues "ewiges Licht", von Familie Bikard einige Jahre später ein neuer Vorhang für den Toraschrein Im September 1882 wurde ein Harmonium angeschafft. 1894 wurde das elektrische Licht eingeführt, das einen Aufwand von 208 Mark erforderte. 1903 beschloss die Gemeinde, die Synagogenplätze zu vermieten. 1909 erhielt die Synagoge eine neue Heizung. 
  
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es Überlegungen, eine neue Synagoge in Rottweil zu erbauen. Eine Spende von Ehepaar Wolf von 500 Mark im November 1919 sollte als Grundstück zu einem Synagogen-Neubaufond verwendet werden. Louis Reichenbach aus St. Gallen stiftete zum gleichen Fonds 5.000 Mark. Vermutlich sind diese Beträge jedoch durch die Inflation verloren gegangen. Am 12. März 1921 wurden zwei Gedenktafeln mit den Namen der im Ersten Weltkrieg Beteiligten und Gefallenen Männer eingeweiht. Bezirksrabbiner Dr. Abraham Schweizer hielt die Weiherede. 
  
1922 wurde das gesamte Synagogengebäude und im Sommer 1927 der Betsaal gründlich renoviert. Bei der Feier der Wiedereinweihung am 27. August 1927 nahmen zahlreiche Vertreter der weltlichen und kirchlichen Behörden Rottweils teil. Bezirksrabbiner Dr. Schweizer hielt die Predigt. Nach dem Bericht der "Gemeindezeitung" (VI,12 vom 16.9.1927 S. 367) war der Betsaal durch die Renovierung wieder eine "Zierde der Gemeinde" geworden. Am Abend der Einweihung fand im "Gasthaus zum Lamm" eine Zusammenkunft der Gemeindeglieder statt. 
  
Schon in den 1920er-Jahren war es nicht immer einfach, die notwendige Zehnzahl der Männer zum Gottesdienst zusammenzubekommen. Schwierig war es vor allem in den Sommermonaten, wenn einige Familien im Urlaub waren. 1932 wurde von Ende Juli bis Anfang September kein Gottesdienst gefeiert, da Oberlehrer Straßburger zur Kur in Bad Orb weilte und die Gemeinde keinen Stellvertreter angefordert hatte. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betsaal von SA-Männern aus Rottweil und Schwenningen demoliert. Die Torarollen, der Toraschrein, die Lesepulte, Decken, Vorhänge, Tische und Bänke wurden mit allen anderen beweglichen Gegenständen auf der Straße vor der Synagoge verbrannt. Die Gedenktafeln mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Rottweiler Juden wird zerstört. Die Rottweiler Feuerwehr war anwesend, achtete jedoch nur darauf, dass die Nachbarhäuser nicht beschädigt wurden. 
  
Nach 1945 diente das Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus (zunächst einer Teppichweberei, danach eines Radiogeschäft). Der Betsaal wurde 1982 vom Stadtjugendring restauriert. Er ist bereits zuvor und bis zur Gegenwart als Schulraum einer Fahrschule benutzt worden. Am Gebäude ist seit 1979 eine Hinweistafel vorhanden. 2003 wurden Verhandlungen über den Rückerwerb des Raumes durch die neue jüdische Gemeinde Rottweils aufgenommen, die zunächst kein Ergebnis brachten. Der Betsaal der neuen jüdischen Gemeinde ist in einem anderen Gebäude der Stadt eingerichtet worden.
   
Adresse: Kameramtsgasse 6 
   
   
   
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite

   
Fotos der mittelalterlichen Lorenzgasse 
und der Gebäude mit den ersten Betsälen im 19. Jahrhundert
(Quelle der Fotos: website "Rottweiler Bilder" von Norbert Luksch)

Die Lorenzgasse, im Mittelalter "Judenort"/ "Judengasse" Rottweil Lorenzgasse 01.jpg (39802 Byte) Rottweil Lorenzgasse 02.jpg (58169 Byte)
  Ansichten der Lorenzgasse
   

Die Gebäude der ersten Betsäle im 19. Jahrhundert:

Rottweil Haus Katz.jpg (53337 Byte) Rottweil Gasthaus Becher.jpg (49235 Byte) Rottweil Hochbruecktorstr 16.jpg (35547 Byte)
Seit 1816 war der Betsaal im 
Haus des Mose Katz, 
(Obere) Hauptstraße 29
Seit 1822 war der Betsaal im Haus 
der heutigen Gaststätte 
"Zum Becher" Hochbrücktorstraße 17
Seit 1849 war der Betsaal im 
ehemaligen Gasthaus "Krone"
 (Hochbrücktorstraße 16)

Weitere Fotos zur Lorenzgasse und den Gebäuden der Betsäle im 19. Jahrhundert siehe bei der website "Rottweiler Bilder" von Norbert Luksch: hier u.a. Fotos zur Lorenzgasse, Haus des Mose Katz Hauptstraße 29Gaststätte zum Becher, ehemalige "Krone" Hochbrücktorstraße 16, ehemalige Synagoge Kameralamtsgasse 6.

   
   
Fotos des Betsaales in der Kameralamtsgasse nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Quelle: Fotos Hahn, Farbbild vom Stadtjugendring Rottweil)
Rottweil Synagoge 006.jpg (83271 Byte)
    Die 1979 angebrachte Gedenktafel
     
Rottweil Synagoge 210.jpg (38846 Byte) Rottweil Synagoge 212.jpg (45976 Byte) Rottweil Synagoge 008.jpg (74822 Byte)
Das Gebäude des ehemaligen Betsaales/der Synagoge Eingang
   
Rottweil Synagoge 004.jpg (52840 Byte) Rottweil Synagoge 214.jpg (27761 Byte) Rottweil Synagoge 211.jpg (37101 Byte)
Der vom Stadtjugendring nach der
 Restaurierung 1982 (vorübergehend)
 eingerichtete Saal
Ausmalungen im 
Deckenbereich
Ausmalungen 
im Innenraum
        
     
     
Fotos 2003 
(Fotos: oben: A. Winkler, Aufnahmedatum Juli 2003; 
unten: Hahn, Aufnahmedatum 13.10.2003)
  
syn1_ rw .jpg (84045 Byte) syn2_rw.jpg (91541 Byte) Rottweil Synagoge 163.jpg (50136 Byte)
Nordseite des Gebäudes 
mit Eingang rechts
Ostseite: zwischen den je zwei Fenstern
 im Erdgeschoss war der Toraschrein
Blick auf die 
Nordostecke 
      
Rottweil Synagoge 162.jpg (50400 Byte) Rottweil Synagoge 160.jpg (61546 Byte) Rottweil Synagoge 161.jpg (76109 Byte)
Ostseite Der Eingang Die Hinweistafel

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2004: Christlich-jüdische Gedenkstunde an den Novemberpogrom 1938 
Rottweil Gedenkfeier Nov2004.jpg (57329 Byte)Bericht und Foto: Moni Marcel: "Zum ersten Mal gedachten Christen und Juden in Rottweil gemeinsam der Pogromnacht, mit der der Holocaust in Deutschland seinen offiziellen Auftakt nahm. Auch in Rottweil brannte damals die Synagoge, und Werner Kessl, heute aktiv in der Arbeitsgemeinschaft ehemalige Synagoge, war damals erst fünf Jahre alt - er schlief während der Ereignisse. Aber seine Eltern bekamen es mit, man wohnte direkt nebenan, im Kameralamt. Und sie reagierten wie die meisten anderen Rottweiler auch - sie sagten nichts. Mit den 100 Konviktsbewohnern, den Gästen im Badhotel, den Anwohnern und Feuerwehrleuten, die sicher zahlreich ausgerückt waren, um einen Großbrand zu verhindern, waren es "sicher 200 Leute", wie Kessl schätzte, die den Brand mitbekommen hatten.    
Ein Attentat, das "letztlich ins Leere lief", denn der einzige Bewohner des Hauses, der verprügelt und dann nach Dachau gebracht wurde, hatte mit der jüdischen Gemeinde Rottweils gar nichts zu tun. Deren Mitglieder waren längst nicht mehr da. Walter Schulig war damals als knapp Elfjähriger Augenzeuge. Er erinnerte sich an ein komplett ausgebranntes Haus, lauter kaputte Scheiben und das Inventar, auf der Straße verbrannt. Auf die Fenster der Hemdenfabrik Degginger habe man "Juden raus" geschmiert. Schulig betonte am Mittwoch, man sei davon ausgegangen, dass an der Rottweiler "Kristallnacht" nur auswärtige SA-Leute beteiligt gewesen seien. Dem widersprach Rolf Hepp, denn nach dem Krieg, 1946, wurden drei Rottweiler der Brandstiftung angeklagt.   
Unter ihnen der damalige Wirt der Wirtschaft zum Pflug in der Unteren Hauptstraße 57, SA-Sturmführer Paul Heussler. Seine Kneipe war der offizielle Treffpunkt der SA. Mit ihm angeklagt waren SA-Adjutant Walter Schmid und SA-Sturmführer Wagner aus Rottweil sowie Christian Ade aus Altoberndorf. Schmid war in Russland gefallen, Wagner vermisst, der Aufenthalt von Heussler unbekannt, das Verfahren wurde daher fallengelassen.   
Hepp erinnerte sich auch an den Grund des Schweigens der Leute: "Machet Tür und Fenster zu, sonst kommt der Vater nach Dachau", hatte es oft geheißen. Am Mittwoch, 10. November machte sich die Gruppe dann von der ehemaligen Synagoge in der Kameralamtsgasse auf den Weg zum jüdischen Friedhof in der Hoferstraße. Unterwegs gedachte man der Ehefrau des Hemdenfabrikanten, Regine Degginger, die 1942 in Theresienstadt ermordet wurde. Auf dem jüdischen Friedhof gestalteten der katholische Diakon Helmut Förster, der evangelische Pfarrer Volker Gerlach und Viktor Malafy von der jüdischen Gemeinde die erste interreligiöse Gedenkfeier. Dabei erinnerten sie in einer gemeinsam vorbereiteten Liturgie an die Gräueltaten im November 1938 und an die daraufhin einsetzende radikale Verfolgung jüdischer Menschen. Mit dieser ersten derartigen Feier soll in Rottweil eine Tradition christlich-jüdischen Dialogs begonnen werden.".   
    
September 2010: Auch in Rottweil wird die Verlegung von  "Stolpersteinen" diskutiert    
Artikel von Peter Arnegger in der "Neuen Rottweiler Zeitung" vom 2. September 2010 (Artikel): 
"Diskussion im Gemeinderatsausschuss übernächste Woche. Grüner Burger beantragt "Stolpersteine" in Rottweils Mitte
ROTTWEIL
, 2. September - Bereits im April wurde der Antrag gestellt, nun soll er übernächste Woche im Gemeinderatsausschuss diskutiert werden: Der Grüne Max Burger will, dass sogenannte "Stolpersteine" ins Pflaster der neuen Rottweiler Stadtmitte eingelassen werden. Mit diesen Steinen soll an Mitbürger erinnert werden, "die durch das Unrechtsregime des Nationalsozialismus gelitten haben", so Burger. 
In anderen Städten gibt es diese "Stolpersteine" bereits. Bewusst sind sie nicht eben zum übrigen Pflaster- oder Teerbelag eingelassen. Sozusagen indem die Fußgänger beim Überqueren ein wenig ins Stolpern geraten, soll an Deutschlands dunkle Vergangenheit erinnert werden. Soll gemahnt werden, dass man soeben ein Haus passiert, in dem ein Opfer des Nationalsozialismus gelebt hat. 
Rottweils Mitte befindet sich derzeit im Umbau, da hält Burger, der für die Grünen im Stadtrat sitzt, es für angebracht, über die "Stolpersteine" nachzudenken. Der Grüne rechnet in der Innenstadt selbst mit drei solchen Standorten für die Steine, in der erweiterten Innenstadtbereich außerhalb der aktuellen Baustelle mit weiteren fünf. 
Unterstützung suchend hat sich Burger an den Künstler Gunter Demnig gewandt, Erfinder und Schöpfer der "Stolpersteine" und offenbar Burgers Bekannter aus gemeinsamen Studentenzeiten in Kassel. 
Burger bittet Demnig in der Mail, die der NRWZ vorliegt, "unseren Oberbürgermeister Ralf Broß anzuschreiben und ihm entsprechende Informationen zukommen zu lassen. In der nächsten Ausschusssitzung am 22. September möchte ich ihn auf die Angelegenheit ansprechen." 
Info: Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Bis April 2010 hat Gunter Demnig über 22.000 Steine in etwa 530 Städten und Gemeinden in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien, Österreich, Polen, Tschechien, der Ukraine und Ungarn gesetzt. " 
 
Juli 2013: Der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Rottweil hat sich als eingetragener Verein neu konstituiert  
Artikel in der NRWZ online vom 8. Juli 2013: "Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Rottweil hat sich neu konstituiert
Neuer Rottweiler Verein aus der Taufe gehoben
ROTTWEIL
, 7. Juli (pm) - Der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Rottweil hat sich neu konstituiert: Er ist jetzt ein eingetragener Verein. Durch die Zusammenarbeit mit dem Gedenkstättenverband Oberer Neckar kam der Anstoß für die Vereinsgründung. Mit neuer Kraft und Elan kann die verjüngte Mannschaft nun weiterführen, was Werner Kessl in langjähriger Kleinarbeit aufgebaut hat, nämlich dass in Rottweil das Wissen und das Gedenken an jüdische Bürger unserer Stadt, denen im Dritten Reich Ehre, Menschenwürde und Besitz genommen wurde, nicht erloschen ist. 
Wem in Rottweil ist zum Beispiel bekannt, dass bei der Einweihung einer Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges 1919 die israelitische Gemeinde einen Kranz niederlegte; …dass Rottweiler jüdische Soldaten 1916 in Begleitung der Stadtkapelle zu Grabe getragen wurden; …dass Ernst Iros, der als Schriftsteller und Filmpionier mit seinem Buch 'Wesen und Dramaturgie des Films' international Aufsehen und Anerkennung erreichte? Die jüdischen Bürger unserer Stadt bauten über Jahrzehnte eine funktionierende Glaubensgemeinde auf, leisteten wichtige Beiträge in Handels- und Gewerbebetrieben und waren landesweit angesehen und geachtet.
Sie wären längst vergessen, wenn nicht der Arbeitskreis jahrelang geforscht, Materialien gesammelt, Gedenkfeiern organisiert und Beiträge veröffentlicht hätte. Auf dieser Forschungsarbeit kann nun der 'Verein Ehemalige Synagoge' aufbauen und mit Unterstützung des Gedenkstättenverbandes das gemeinsame Ziel weiter verfolgen. Der Verein hat als Vorsitzende Gisela Roming gewählt. Stellvertretender ist Werner Kessl. Dem Vorstand gehören Gerhard Boos (Kassier) und Wolfgang Braun (Schriftführer) sowie als Beisitzer Johanna Knaus und Ulrich Ackermann an. Interessierte, die mitarbeiten und dem neuen Verein beitreten wollen, können sich unter folgenden Rottweiler Telefonnummern anmelden: 9429755 oder 14935 oder 33144."   
Link zum Artikel.   

    
       

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Rottweil         
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Rottweil  (interner Link)   
Zur Seite über die neue jüdische Gemeinde in Rottweil (seit 2002)  (interner Link)   
Zur Seite über den "Arbeitskreis ehemalige Synagoge Rottweil" (interner Link)        

Literatur:

H. Robert Klein (i.e. Anton Kamptisch): Beiträge zur Geschichte der Juden in Rottweil. Rottweil 1924. Neudruck Haigerloch 2004. Mit neuem Vor- und Nachwort.
Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 153-157.
Germania Judaica II,2 S. 720ff; III,2 S. 1278-1279.
Winfried Hecht: Zur Geschichte der Rottweiler Juden im Spätmittelalter, und L. Weisser: Juden im Rottweiler Wirtschaftsleben des 19. Jahrhunderts, in: Rottweiler Heimatblätter 2 (1979).
ders.: Reichskristallnacht in Rottweil 1938-1988. Quellen und Materialien. 1988.
ders.: Jüdisches Rottweil. Einladung zu einem Rundgang. Haigerloch 1998. Rottweil 2001. (2 €) 
Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. 1987. S. 85-86.
Emily C. Rose: Als Moises Katz seine Stadt vor Napoleon rettete: meiner jüdischen Geschichte auf der Spur. 1999; english: Portraits of Our Past: Jews of the German Countryside. 2001.
Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Rottweil. Rottweil 1990. CD-Rom, erhältlich beim Stadtarchiv Rottweil (3 €).
Juden am obersten Neckar und Deggingers letztes Hemd. Ausstellungskatalog (zu einer Ausstellung im Dominikanerforum des Dominikanermuseums Rottweil, Heimattage 2003). Erhältlich im Stadtarchiv Rottweil. (3 €)  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 127-129.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 

Textilindustrie Lit 030.jpg (133238 Byte)Karl-Hermann Blickle und Heinz Högerle: Juden in der Textilindustrie. Dokumentation der Tagung des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar-Alb am 10. Oktober 2010 in Hechingen.  Barbara Staudacher Verlag Horb-Rexingen 2013. ISBN 978-3-928213-19-6.
Hierin der Beitrag von Winfried Hecht: Zu den jüdischen Textilbetrieben in Rottweil und ihrer Entwicklung. S. 95-123.     

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   
  
Rottweil  Wuerttemberg.  Jews were living in a Jewish quarter in the early 14th century, engaged in moneylending and trade and without civil rights. In the Black Death persecutions of 1348-49, Jews were massacred and all Jewish property was confiscated. Severe restrictions prevailed through the 16th century as the community dwindled. Developments commenced in the 19th century, with the number of Jews growing to 136 in 1880 (total 6,047). A synagogue was built in 1861 and Jews were active in local life. On the eve of the Nazi era, 96 remained, operating six factories and business establishments, mainly in the clothing and shoe trade, a printing press, and a successful daily newspaper. The economic boycott of 1933 was strictly enforced. The newspapers closed down in 1934 and by the end of 1938 all Jewish businesses had been "Aryanized". On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized. In all, 75 Jews emigrated, mostly to the United States and Palestine; eight perished after expulsion. Another 17 Jews from neighboring Oberndorf (Neckar), Schwenningen and Schramberg also emigrated
   
    

                   
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Stand: 07. Dezember 2013