Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gailingen am Hochrhein (Kreis Konstanz)
Jüdische Geschichte / Betsaal / Synagoge  
   
 (
bitte besuchen Sie auch die Website des Jüdischen Museums Gailingen www.jm-gailingen.de)   

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

Es bestehen mehrere Textseiten zur jüdischen Geschichte in Gailingen (an allen Seiten wird noch gearbeitet):

Berichte über das Rabbinat, die jüdischen Lehrer und weitere Angestellte der jüdischen Gemeinde sowie Berichte über Schule und Ausbildungsstätten  
Berichte über Einrichtungen am Ort: das israelitische Krankenhaus und das "Friedrichsheim"    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben       
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde sowie Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
  
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur vorderösterreichischen Landgrafschaft Nellenburg gehörenden Gailingen bestand eine bedeutende jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Seit 1657 wurden jüdische Familien am Ort aufgenommen. Die ersten Schutzbriefe wurden am 20. September 1657 von der damaligen Gailinger Ortsherrschaft, den Freifrauen von Reinach mit Zustimmung des nellenburgischen Landvogtes für sechs Juden und ihre Familien ausgestellt. Möglicherweise sind diese jüdischen Familien - zumindest teilweise - aus der Herrschaft Schellenberg (Liechtenstein) zugewandert, wo die Juden 1651 ausgewiesen worden waren. Den jüdischen Familien wurde gestattet, "alle ihre jüdischen Zeremonien" ungehindert ausüben zu dürfen und einen Rabbiner, Schulmeister und Vorsänger zu halten. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts unterstanden die jüdischen Familien zwei Schutzherren: den reichsritterschaftlichen Ortsherren einerseits und dem Landesherren (vorderösterreichische Landgrafschaft Nellenburg).     
  
1680 werden folgende Juden genannt: Jacob Dreyfuß und seine Söhne Marx und Abraham Dreyfuß sowie sein Schwiegersohn Haium Mayer, Jacob Daniel mit Sohn Daniel Jacob, Jacob Salomon, Simon Jacob und Lazarus Neuenburg. Insgesamt umfasste die jüdische Gemeinde damals etwa 45 Personen. Um 1700 gab es 12 jüdische Haushalten, 1722/23 waren es 18 jüdische Haushaltungen mit zusammen 58 erwachsenen jüdischen Personen. Nach der Vertreibung der Juden aus Stühlingen 1743 ließen sich mindestens fünf Familien in Gailingen nieder, sodass es 1744 bereits 29 jüdische Haushaltungen gab.   
    
Die jüdischen Familien lebten ursprünglich vom Handel mit Vieh, Waren aller Ort und vom Geldverleih.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809 gab es 88, 1820 140 jüdische Familien am Ort. 1825 wurden 596 jüdische Einwohner gezählt (47,6 % von insgesamt 1.253 Einwohnern), 1852 913 (50,08 % von 1.823), 1858 996 (50,04 % von 1.978). Seitdem ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück: 1875 704 jüdische Einwohner (40,7 % von insgesamt 1.729 Einwohnern), 1895 725 (41,5 % von 1.745), 1900 663 (39,0 % von 1.702), 1910 492 (30,7 % von 1.599).  
   
An Einrichtungen der jüdischen Gemeinde beziehungsweise an überregional bedeutsamen jüdischen Einrichtungen gab es in Gailingen:      

eine Synagoge (s.u.).
eine Schule: seit 1815 bestand eine jüdische Volksschule. Sie war zunächst im Haus Steiner in der Brühlstraße eingerichtet. 1845 bis 1847 wurde gegenüber der Synagoge ein jüdisches Schulhaus ("Judenschule") mit drei Klassenzimmern und den Wohnungen für den Rabbiner und den Religionslehrer erbaut. Die Schule bestand als jüdische Konfessionsschule bis 1876, danach wurde das Gebäude für die jüdische Religionsschule, aber auch für den Unterricht der allgemeinen Ortsschule benutzt. Das Gebäude ist erhalten, heute "Bürgerhaus" (Ramsener Straße 12; seit 1985 ist eine Hinweistafel am Eingang vorhanden). 
1892 bis 1905 bestand am Ort auch eine Israelitische Handelsschule. Direktor der Israelitischen Handelsschule war der Lehrer Jakob Eisenmann. Er wurde von einem Kollegium von Lehrern unterstützt. Die Schule hatte bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung 75 Schüler, bis 1902 ging die Zahl der Schüler auf 50 zurück (Texte zur Israelitischen Handelsschule siehe Unterseite Rabbinat/Schule).
ein rituelles Bad: seit 1847 im Kellergeschoss der "Judenschule" (bis heute erhalten). 
einen Friedhof (siehe eigene Seite).  
ein Israelitisches Krankenhaus: 1891 erbaut, bis 1940 von jüdischen Patienten belegt (1925 26 Plätze, 1932 13 Plätze). Das Gebäude ist als Wohnhaus erhalten (Büsinger Straße 6). 
ein Altersheim (Israelisches Landesasyl "Friedrichsheim"), 1898 erbaut, 1909 erweitert, bis 1940 benutzt (1925: 52 Plätze, 1932 86 Plätze), zuletzt auch zur Zwangseinquartierung älterer jüdischer Personen vor der Deportation. Dieses Gebäude wurde 1944 bis 1946 als Marinelazarett verwendet, dann als Durchgangslager für jüdische Displaced Persons, seit 1950 als Altersheim des Landkreises Konstanz (Altenpension "Hochrhein", inzwischen wieder "Friedrichsheim", Gottmadinger Straße 1; seit 1992 ist eine Gedenktafel angebracht).  

1827 wurde Gailingen Sitz eines badischen Bezirksrabbinates, das 1925 nach Konstanz verlegt wurde. Bereits im 18. Jahrhundert gab es Rabbiner am Ort (u.a. Jacob Weil 1744 bis 1753, Isaac Warburger vor 1759 bis nach 1770, Löw Aach und Jacob Samuel Schwabacher um 1775, Salomon Wolf Levi [Spiro] von Pfersee (1776 bis 1825), Veit Cahn (1825 bis 1829). Nach Errichtung des Bezirksrabbinates waren die Rabbiner: Jacob Löwenstein (1829 bis 1851), Leopold Schott (der Rabbiner von Randegg war kurzzeitig Verwalter des Bezirksrabbinates), Ephraim Willstätter (1855 bis 1862), Dr. Hillel Sondheimer (1863 bis 1872), Dr. Leopold Löwenstein (1872 bis 1886), Dr. Josef Spitz (1894 bis 1925). 1926 wurde das Bezirksrabbinat nach Konstanz verlegt; den Gemeinden Gailingen und Randegg wurde noch ein (orthodoxes) Ortsrabbinat zugestanden, das mit Dr. Mordechai / Markus Bohrer (Rabbiner von 1927 bis 1938) besetzt wurde. Vgl. Texte zur Geschichte des Rabbinates in Gailingen.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Max Löwenstein (geb. 14.1.1885 in Gailingen, vor 1914 in Essen wohnhaft, gef. 11.9.1915), Leopold Biccard (geb. 21.6.1896 in Gailingen, gef. 24.12.1915), Joseph Erlanger (geb. 22.7.1889 in Gailingen, gef. 12.4.1918), Louis Erlanger (geb. 11.7.1892 in Gailingen, gef. 13.8.1914), Vize-Wachtmeister Erwin Guggenheimer (geb. 9.12.1894 in Gailingen, gef. 21.3.1918), Joseph Guggenheimer (geb. 28.10.1887 in Gailingen, gef. 26.10.1916), Sally Metzger (geb. 8.6.1895 in Gailingen, gef. 2.9.1915), Vizefeldwebel Siegfried Ottenheimer, geb. 8.4.1894 in Konstanz, wohnhaft in Gailingen, gef. 20.11.1917), Jakob Jung (geb. 21.3.1885 in Gailingen, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 11.12.1917), Jakob Weil (geb. 18.3.1890 in Gailingen, vor 1914 in Saarbrücken wohnhaft, gef. 5.3.1915), Edwin Weil (geb. 25.4.1883 in Gailingen, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef. 3.4.1918)      
           
In den 1920er-Jahren waren viele Gailinger Juden als Vertreter von auswärtigen Industriebetrieben tätig. Im Ort selbst gab es eine große Zahl jüdischer Gewerbebetriebe. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels-, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt (Auswahl): Gastwirtschaft Adler (Kalmann, Rheinstraße 4), Kolonialwarengeschäft Bach (Ramsener Straße 10), Bäckerei Bach (Ramsener Straße 6), Caféhaus Biedermann (Schlossstraße 11), Café Rheingold, Familie Bloch (Hauptstraße 26), Schuhhaus Bloch (Hauptstraße 24), Aussteuergeschäft Isi Guggenheim (Hauptstraße 4), Krämerladen Isaak und Arztpraxis Dr. S. Heilbronn (Ramsener Straße 3), Friseurgeschäft Kurz (beim Kronenbrunnen, abgebrochen), Metzgerei Familie Metzger (Ramsener Straße 8), Aussteuergeschäft S.H. Weil (Hauptstraße 3).  
Unter den ehemaligen jüdischen Wohnhäusern des 19./Anfang 20. Jahrhunderts sind insbesondere zu nennen: Hauptstraße 14, 16, 20, 21, 22, 23, 25, 36, 40; Ramsener Straße 12, 13, 16, 20, 21, 22, 25, 27, 30; Rheinstraße 2, 12, 19; Schlossstraße 1, 4, 9.   
       
Um 1925, als 375 jüdische Einwohner gezählt wurden (24,6 % von insgesamt 1.524 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Hermann Ottenheimer, S.H. Weil, Leopold Fränkel, S. L. Manhart, Saly Isaak, Leopold Fränkel (Repräsentanz), Jakob Ottenheimer (Vors.). Als Religionslehrer und 1. Kantor war Leopold Schapiro (aus Burghaslach) tätig, als 2. Kantor und Schochet Felix Kahn. Als Synagogendiener wird Salomon Hasgall genannt. An jüdischen Vereinen gab es um 1925/32 vor allem: Heilige Bruderschaft e.V. (Chewra Kadischa; gegründet 1676, 1925/32 unter Leitung von Louis Gut, Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenpflege, Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen, 1932 54 Mitglieder), der Israelitische Krankenverein (Bikkur Chaulim, 1925 unter Leitung von Leopold Fränkel, 1932 Hugo Guggenheim mit 80 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenunterstützung, Erholungsfürsorge), der Brautunterstützungsverein (Hachnosas Kallo, 1925 unter Leitung von Siegfried Bloch, 1932 Bloch-Brehm), der Talmud-Tora-Verein (1925 unter Leitung von Isidor Guggenheim, 1932 unter Leitung von S.H. Weil; Zweck und Arbeitsgebiet: Ausbildungsbeihilfen an Rabbiner, Lehrer, Kantoren), der Israelitische Frauenverein (1925/32 unter Leitung der Frau von Dr. Heilbronn, 1932 mit 142 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker, Wöchnerinnenfürsorge, Erholungsfürsorge, Pessachversorgung), der Wohltätigkeitsverein Dower tow (gegründet 1803, 1925/32 unter Leitung von Hugo Guggenheim; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung hilfsbedürftiger Ortsansässiger, 1932 36 Mitgliedern), der Gesangverein "Eintracht" (1925 unter Leitung von Louis Rothschild), der Synagogenchor (1925 unter Leitung von L. Fränkel), der jüdische Jugendbund "Esra" (1932 unter Leitung von Chajim Heilbronn) u.a.m.. 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Saly Isaak (1. Vors.), Hermann Ottenheimer (2. Vors.) und Dr. Heilbronn (2. Vors.). Vorsitzender der Repräsentanz war Jakob Oppenheimer. Die jüdische Gemeindeverwaltung hatte verschiedene Ausschüsse: ein Rechnungsprüfungsamt (Vors. Abraham Hasgall), einen Schulausschuss (Vors. Dr. Heilbronn), einen Friedhofsausschuss (Vors. Louis Gut). 
 
1932 gehörten zur jüdischen Gemeinde in Gailingen auch die in Donaueschingen (16), Dießenhofen, Bad Dürrheim [Friedrich-Luisen-Hospiz], Stockach (7) und Allmendshofen (2) lebenden jüdischen Personen.    
  
1933 lebten noch 314 jüdische Personen in Gailingen (19,9 % von insgesamt 1.574 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien ist ein Großteil der jüdischen Einwohner in den folgenden Jahren vom Ort verzogen beziehungsweise ausgewandert (insgesamt 241 Personen, davon 197 ins Ausland emigriert). Andere jüdische Personen sind bis 1940 noch in Gailingen zugezogen beziehungsweise wurden zwangsweise nach Gailingen eingewiesen. Am 17. Mai 1939 wurden 237 jüdische Einwohner gezählt (15,3 % von 1.554 Einwohnern). Aus Gailingen wurden insgesamt 210 Personen deportiert, davon wurden 182 am 22. Oktober 1940 nach Südfrankreich deportiert, andere wurden über Konstanz deportiert.    
     
Nach der Zusammenstellung von Dagmar Schmieder und Beate Steg-Bayer (in: Franz Götz s.Lit. S. 457-466) wurden 210 jüdische Personen aus Gailingen deportiert.  
 
Von den in Gailingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emil Alexander (1883), Jenny Altmann geb. Spitz (1896), Mathilde Auerbacher geb. Auerbacher (1857), Sally Baach (1901), Dora Klara Bauer geb. Rosenthal (1898), Therese Bermann (1911), Berta Bernheim geb. Jung (1876), Sophie Bernheim (1903), Hermann Bernheimer (1878), Emil Biedermann (1907), Ilse Biedermann geb. Hofeler (1905), Isidor Biedermann (1901), Rosa Biedermann geb. Hilb (1868), Louis Bikart (1893), Melanie Bikart (1891), Alfred Bloch (1874), Bona Bloch (1898), Max Bloch (1894), Max Bloch (1924), Olga Bloch geb. Brückner (1894), Rosa Bloch geb. Hess (1865), Salomon Bloch (1892), Lisette Blum geb. Stein (1869), Fanny Bodenheimer geb. Metzger (1898), William Bodenheimer (1898), Mordechai Bohrer (1885), Rebekka Cohn (1883), Samuel Siegfried Dinkel (1896), Susanna Jacoba Dinkel geb. Lewenstein (1902), Jakob Dinkel (1925), Lina Dornacher (1869), Blanka Dreifuß (1899), Gustav Dreifuß (1866), Leonie Durlacher geb. Weil (1878), Moritz Samuel Dzialoszynski (1891), Nechama Chana Dzialoszynski geb. Weinberger (1897), Rebekka Dzialoszynski (1924), Heinrich Eichel (1868), Jakob Einstein (1861), Rosi Alice Ellenbogen geb. Wickert (1895), Sofie Ellenbogen geb. Würzweiler (1862), Flora Erlanger (1893), Julius Ettlinger (1870), Bernhard Falk (1861), Felicia Falk (1903), Frieda Feibelmann geb. Rosenthal (1873), Jette Fellheimer (1893), Erna Fischer (1907), Recha Fleischmann (1891), Babette Frankenberger geb. Goldmann (1858), Berta Frenkel (1887), Wolf Hirsch Freudenberger (1861), Johanna Freund geb. Blum (1878), Moses Friesländer (1872), Rike (Ricka) Fröhlich (1872), Rosalie Fuchs geb. Kahn (1873), Bernhard Fulder (1866), Raphael Goldschmidt (1886), Josef Greilsheimer (1882), Sara Greilsheimer geb. Hasgall (1885), Emma Grombacher (1880), Johanna Gross (1909), Max Gross (1913), Bella Grumbacher (1882), Albert Guggenheim (1881), Elsa Guggenheim (1889), Josef Guggenheim (1874), Josefine Guggenheim (1882), Mathilde Guggenheim geb. Veit (1889), Tony Guggenheim geb. Jung (1891), Samuel Gut (1873), Josef Gutmann (1880), Selma Gutmann geb. Seligmann (1888), Eugenie Hamburger geb. Wolf (1875), Simon Harburger (1863), Frieda Hasgall (1887), Helene Hasgall (1892), Adolf Haussen (1862), Gisela Heimann geb. Klein (1876), Gerda Hess (1925), Hilda (Hilde) Hess (1902), Henriette Hesse geb. Ottenheimer (1881), Frieda Heymansohn geb. Weil (1874), Isak Hofeler (1846), Heinrich Joel (1870), Marta Kadisch (1882), Philipp Kadisch (1884), Robertine Kahn (1880), Emanuel Kälbermann (1865), Pauline Kasel geb. Bernhard (1863), Betty Katz (1893), Lina Kaufmann geb. Ries (1880), Minna Kaufmann (1880), Rosa Kirchheimer geb. Würzweiler (1866), Theodor Krämer (1879), Jenny Krippel (1901), Lina Krippel geb. Gut (1875), Fortuna Kurz geb. Rosenthal (1881), Josef Kurz (1876), Paula Kurz geb. Weil (1896), Salomon Kurz (1888), Siegfried Kurz (1877), Sigmund Kurz (1889), Elsa Landecker (1893), Ernestine Latterbaum (1915), Mina Lazarus (1866), Therese Lehmann (1874), Julie Levi geb. Moos (1888), Hedwig Levistein (1883), Johanna Levy (1909), Gottfried Zacharias Lewin (1875), Geni (Genia) Lichtigfeld (1897), Sara Lind (1866), Karoline Lion (1854), Klara Löb geb. Bloch (1900), Mina Löb geb. Meyer (1868), Friedrich Maass (1874), Eva Mayer geb. Seligmann (1861), Isidor Merkel (1889), Flora Merzbach (1872), Hermann Metzger (1899), Siegbert Metzger (1914), Klara Moos geb. Kadisch (1893), Robertine Moses geb. Rothschild (1877), Johanna Nathan (1875), Hugo Naumann (1898), Berta Neuburger geb. Neckarsulmer (1894), Rudolf Neuburger (1883), Karolina Offenheimer geb. Dreyfuß (1860), Ludwig Oppenheimer (1893), Frieda Ottenheimer geb. Weil (1878), Jenny Ottenheimer (1905), Lina Ottenheimer geb. Würzburger (1872), Michael Ottenheimer (1878), Mina Ottenheimer (1909), Moritz Picard (1861), Fanny Pollak geb. Kurz (1891), Isidor Pollak (1870), Fanny Rau (1869), Lina Reinhold geb. Karlindacher (1866), Henriette Ries (1877), Jakob Ries (1876), Sara Ries (1866), Josef Rosenthal (1870), Lina Rosenthal geb. Kurz (1879), Marta Rosner geb. Dannheimer (1873), Edmund Rothschild (1880), Emil Rothschild (1874), Mathilde Rothschild geb. Dampf (1862), Berta Rotschild (1869), Henny Salomon (1892), Johanna Scheier geb. Weil (1909), Lilly Schlorch (1912), Justin Schülein (1874), Melanie Schwarz geb. Kurz (1875), Erna Schwarzenberger (1892), Frieda Seemann geb. Friedmann (1877), Klara Seemann (1877), Herbert Seligmann (1935), Lina Silberpfennig geb. Ullmann (1877), Sophie Sondhelm (1887), Klothilde Spiegel geb. Neuburger (1871), Friedericke Stern (1869), Sara Straus geb. Fulder (1866), Rosa Strauss (1881), Sophie Strauss (1866), Elli Teller (1925), Ilse Teller (1926), Irmgard Teller (1894), Marta Teller geb. Mezger (1894), Jette Teutsch geb. Schneidinger (1869), Hannchen Theilheimer (1873), Jette Ullmann geb. Geismar (1865), Natalie Ullmann (1879), Rosa Ullmann (1874), Theresia Ullmann (1896), Amalie Weil geb. Levinger (1862), Amanda Weil (1912), Berthe Weil geb. Reis (1882), Dolzina Weil geb. Harburger (1853), Elsa Weil (1890), Gretel (Gretchen) Weil (1908), Ilse Weil (1911), Jenny Weil geb. Gradmann (1886), Josef Weil (1882), Julie Weil geb. Rothschild (1884), Luise Weil (1877), Marx Weil (1896), Michael Weil (1878), Philipp Weil (1886), Hilda Wertheimer (1886), Babette Wolf (1889), Ludwig Wolf (1864), Mathilde Wolf geb. Nathan (1856), Selma Wolfferts geb. Guggenheim (1889), Berta Zarnotzki geb. Wexberg (1873), Hermann Zarnotzki (1871), Paulina Zechler geb. Fink (1893), Ella Zeilser (1929), Elsa Zeisler (1933), Rahel Zeisler geb. Dzialoszynski (1894), Samuel Zeisler (1927), Charlotte Zloczower geb. Welzer ().                              
      
1945 bis 1950 lebte nochmals eine größere Zahl jüdischer Personen in Gailingen: zum 1. Juli 1946 wurden in der Gemeinde 276 jüdische Flüchtlinge (DPs) registriert.
 
        
        
       

Zur Geschichte der Synagoge       
   
Um 1700 war ein Betsaal im Haus des Jacob Dreyfuß vorhanden. Der Standort dieses Hauses ist nicht mehr bekannt. Im Haus Dreyfuß befand sich wenige Jahre später nicht nur eine Betstube, sondern auch die Wohnungen des Rabbiners und des "Schulmeisters" (Vorsänger/Lehrer). 1749 beklagte sich allerdings Vorsteher Ezechiel Dreyfuß beim Oberamt, dass die Gemeindeglieder die "Synagoge" nicht mehr – wie zu seines Vaters Zeiten – in seinem Haus halten wollten, sondern anderswo "Conventicula" abgehalten würden. Damals muss es gleichzeitig mehrere Betstuben gegeben haben. Die Besitzer der Häuser erhielten für die Einrichtung der Betstube einen Mietzins von den Gemeindegliedern. Das Entstehung von Betstuben außerhalb des Hauses Dreyfuß hing vermutlich mit der über viele Jahre umstrittenen Stellung des Ezechiel Dreyfuß als einem der beiden Vorsteher der Gemeinde zusammen. 
     
Über die erste Synagoge in Gailingen ist nur wenig bekannt. Nachdem die Judenschaft die landesfürstliche Erlaubnis zum Bau einer Synagoge erhalten hatte, konnte sie im Frühjahr 1756 einen Bauplatz erwerben. Das hierauf erbaute Synagogengebäude wird ein sehr einfacher Bau gewesen sein. Das Grundstück auf dem die Synagoge erstellt wurde, lag unmittelbar an der Ramsener Straße oberhalb des Platzes der 1836 erbauten (und 1938 zerstörten) Synagoge (dieses Grundstück wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der jüdischen Gemeinde für ein Kriegerdenkmal zur Verfügung gestellt). 
     
Auf Grund der zunehmenden Zahl der Gemeindeglieder wurde schon wenige Jahre später der Neubau einer Synagoge geplant. 1765 konnte für 366 Gulden ein unmittelbar an die bisherige Synagoge angrenzender Bauplatz erworben werden. Alternativ plante man vorübergehend einen Synagogenbau auf einem Platz in der Ortsmitte beim Lindenbrunnen. Daraus wurde jedoch nichts. Im Frühjahr 1766 begann mit den Vermessungsarbeiten der Bau der neuen Synagoge. Ein Maurermeister von Immendingen und ein Zimmermeister von Diessenhofen waren für die Bauausführung verantwortlich. Ende Juli 1766 war das Gebäude, in dem auch die Wohnung für den Rabbiner eingerichtet wurde, nahezu fertig gestellt. Mit dem herrschaftlichen Vogt Veit Auer, der Anstoß an den hohen Fenstern der neuen "Judenschul" nahm, wurde ein Vergleich geschlossen: Dem Vogt wurde von der jüdischen Gemeinde die Anbringung von Fensterläden auf der Seite gegen die Synagoge bezahlt. Zugleich wurde eine etwa vier Schuh hohe Mauer zwischen seinem und dem Synagogengrundstück erbaut. Dafür mussten sich der Vogt und sein Sohn verpflichten, zu keiner Zeit gegenüber der Synagoge einen Schweinestall oder einen Abtritt zu errichten. Nach zeitgenössischen Berichten hatte die neue Synagoge die "förmliche Gestalt eines Tempels" und war damit äußerlich deutlich als Kultgebäude zu erkennen.    
      
Bis zu den 1820er-Jahren war die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder wiederum stark angestiegen, sodass die bisherige Synagoge zu klein geworden war. Auch war der 1766 eingeweihte Synagogenbau inzwischen in einem sehr schlechten baulichen Zustand. In dem weitgehend aus Holz gebauten Gebäude breitete sich durch seine relativ tiefe Lage Feuchtigkeit aus. Im Frühjahr 1828 stimmte die Mehrheit der Gemeindeglieder für den Neubau einer größeren Synagoge abseits der Straße, wo der Straßenlärm nicht mehr die Andacht stören würde. Für den Neubau konnte das Grundstück unterhalb der bisherigen Synagoge erworben werden. Es kostete einschließlich des darauf stehenden abbruchreifen Gebäudes 2.300 Gulden. Eine Minderheit in der Gemeinde hielt allerdings den Neubau für ein "unerschwingliches Bau-Projekt", das über die Möglichkeiten der Gemeinde hinausgehen würde. Allerdings stand hinter ihren Argumenten vermutlich die Sorge um den Verlust der bisherigen Rechte als Besitzer von Ständen in der alten Synagoge. Die Renovierung und Erweiterung der alten Synagoge wurde jedoch auf Grund von mehreren Gutachten abgelehnt. Zum Vergleich wurden die Pläne und Kostenvoranschläge für eine Erweiterung der Synagoge beziehungsweise für einen Neubau von drei Baumeistern wurden eingeholt. Schließlich entschied sich die Gemeinde für einen Neubau nach den Plänen des Bezirksbaumeisters Oehl. Er hatte einen schlichten, längsrechteckigen Bau mit Satteldach vorgeschlagen, der Platz für etwa 450 bis 500 Männer und auf den Emporen für etwa 150 Frauen haben sollte. Im Frühjahr 1833 lag die Baugenehmigung vor, doch erreichten die Gegner des Synagogenneubaus durch ihre Einwände auch daraufhin noch mehrfach einen Gailingen Synagoge 066.jpg (86533 Byte) Aufschub des Bauvorhabens. Im Februar 1834 konnten schließlich die Bauarbeiten vergeben werden (Anzeige links aus dem "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den Seekreis vom 15. Januar 1834 S. 39). Ein letztes Mal wurden sie hinausgezögert, da der Bürgermeister die Verwendung von Steinen aus einem von der jüdischen Gemeinde erworbenen Steinbruch im Gemeindewald zunächst nicht erlauben wollte. Mit Hilfe des Bezirksamtmannes und des Bezirksbauinspektors konnten schließlich alle Hindernisse überwunden werden. Am 9. September 1836 fand die feierliche Einweihung der Synagoge statt. Bezirksrabbiner Jakob Löwenstein sprach über das Psalmwort: "Siehe, wie schön und lieblich ist’s, wenn Brüder vereint beisammen wohnen" (Psalm 133,1).  
      
Die Baukosten für den Neubau betrugen 16.000 Gulden. Die Innenausstattung war relativ schlicht gehalten. Die Wände, die Decke und der Fußboden waren lediglich mit geometrischen Ornamenten verziert. Im Betsaal waren die ersten Reihen für den Synagogenchor vorgesehen. Da die Synagoge nicht heizbar war, fanden nach dem Bau des Schulhauses gegenüber der Synagoge (1844/47) im Winter die Gottesdienste im dortigen Betsaal statt. 1865 wurde eine größere Renovierung der Synagoge vorgenommen. Der bis dahin in der Raummitte stehende Almemor wurde nach Osten verschoben. Für die Frauen wurden durchgehende Galerien auf den Längsseiten erstellt. 
 
Diebstahl in der Synagoge (1844)  

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 29. Juni 1844 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Radolfzell (Diebstahl). In der Nacht vom 19. auf den 20. dieses Monats wurde in die Synagoge zu Gailingen eingestiegen, die in derselben aufbewahrten Opferbüchsen aufgerissen und das darin befindliche Opfergelde im ungefähren Betrag von 6 bis 7 fl. nebst einer Opferbüchse entwendet. 
Radolfzell, den 23. JUni 1844. Großherzogliches Bezirksamt."     

 
Ausschreibung der Gewerke für den Bau des jüdischen Schulhauses (1846)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 11. März 1846 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Gailingen [Akkordbegebung]. Am Freitag, den 20. März dieses Jahres, vormittags 9 Uhr, wird auf dem hiesigen, schon unter Dach stehendem Schulhausneubau die noch fehlende Innerarbeit desselben, wofür
1) Grabarbeiten auf 53 fl. 38 kr.  2( Maurerarbeiten auf 2487 fl. 33 kr.   3) Steinhauerarbeit auf 287 fl. 12 kr.  
4) Zimmermannsarbeit auf 698 fl. 19 kr.  5) Schreinerarbeit auf 1154 fl. 55 kr.   6) Schlosserarbeit auf 706 fl. 40 kr.  
7 ) Glaserarbeit auf 597 fl. 52 kr.  8) Hafnerarbeit auf 197 fl. 52 kr.  9) Blechnerarbeit auf 278 fl. 15 kr.  
10) Anstreicherarbeit auf 325 fl. 59 kr.   
Summa 6777 fl. 15 kr. 
samt Material berechnet ist, in Akkord gegeben, was mit dem Anfügen bekannt gemacht wird, dass jeder Bauunternehmer eine Kaution wenigstens von einem Drittel der Kostenüberschlagssumme zu leisten habe.  
Die näheren Bedingungen, sowie Riss und Überschlag können dahier noch vor der Versteigerung eingesehen werden.  
Gailingen, den 8. März 1846. Der Synagogenrat. M. Sax, Vorsteher."     


Renovierung der Synagoge im Sommer 1865   

Gailingen Israelit 13111867.jpg (58104 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1867: "Die Synagogen (sc. im Rabbinatsbezirk Gailingen). 
Für Verschönerung von Synagogen ist im Bezirke in den verflossenen zwei Jahren sehr Erhebliches geschehen. 
'Die Synagoge in Gailingen wurde im Sommer 1865 mit einem Aufwande von 7.000 Gulden renoviert, trägt nun durch ihre schöne und zweckmäßige Einrichtung zur Hebung der Andacht in hohem Maße bei, und ist eine Sehenswürdigkeit des Orts geworden.' Aus der weiteren Ausführung vermerken wir nur noch die interessante Notiz, dass die Kosten durch Verkauf von 24 neu gewonnenen Synagogenplätzen nicht nur gedeckt wurden, sondern sich noch ein Überschuss von circa 1.000 Gulden ergab."    

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden an der Wand links und rechts des Toraschreines zwei Gedenktafeln für die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten Gailingens angebracht.    
     
Beim Novemberpogrom am 10. November 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört. Am Morgen dieses Tages trafen SS-Abteilungen aus Radolfzell in Gailingen ein. Sie verwüsteten das Innere der Synagoge. Einrichtungsgegenstände wurden aus dem Gotteshaus geworfen und vernichtet. Gegen Mittag am 10. November 1938 erschütterte eine Sprengladung die Synagoge, stundenlang brannte das Innere, bis schließlich die Wände zusammenbrachen. Die jüdische Einwohnerschaft hatte sich zwischenzeitlich in der alten Turnhalle zu versammeln, um dann gemeinsam aus allernächster Nähe das Zerstörungswerk mit ansehen zu müssen. Nach Beschimpfungen durch die NSDAP-Partei-Mitglieder und der Ankündigung, dass künftig den jüdischen Kindern verboten sei, gemeinsam mit arischen Kindern die Schule zu besuchen, schickte man die jüdischen Einwohner in ihre Wohnungen zurück.   
   
Ein katholischer Gailinger, Gärtnermeister Matthias Hany, hatte sich vor der völligen Zerstörung noch ins Innere der zerstörten Synagoge gewagt und fand im Toraschrein eine unversehrte Torarolle, die er an sich nahm und bei sich zu Hause versteckte. Nach dem Krieg übergab er die Torarolle der jüdischen Gemeinde im benachbarten Diessenhofen. Hany war es auch, der bis zum Kriegsende den jüdischen Friedhof pflegte.   
   
Der Synagogenplatz mit dem noch darauf stehenden ehemaligen jüdischen Schulhaus erwarb die Gemeinde Gailingen 1939 für 15.000 Reichsmark abzüglich 8.000 Reichsmark Abbruchkosten für die gesprengte Synagoge. Anfang März 1939 waren die Abbrucharbeiten abgeschlossen worden. Der Synagogenplatz blieb unbebaut. Im Dezember 1965 schlug die "Vereinigung der Freunde Gailingens im Ausland", der ehemalige Gailinger Juden angehörten, vor, auf dem Synagogenplatz einen Gedenkstein zu errichten. Weitere Vorschläge zur Gestaltung des Platzes kamen im folgenden Jahr von Blanka Guggenheim. Der Gemeinderat Gailingens und der damalige Bürgermeister nahmen die Vorschläge auf. Am 25. Juni 1967 fand die feierliche Einweihung der Synagogengedenkstätte statt.  
   
Zum 60. Gedenktag der Deportation der im Oktober 1940 noch in Gailingen lebenden Juden nach Gurs wurde der Synagogenplatz nach Plänen von Bernhard Narr aus Rielasingen völlig neu gestaltet. Der Platz zeigt nun die Umrisse der ehemaligen Synagoge. Zwei Stelen markieren den Eingang zur früheren Synagoge. Auf einer Stele sind die Namen von 210 deportierten jüdischen Gailingern festgehalten. Die Einweihung des Platzes war am 22. Oktober 2000. Die Kosten von 85.000 DM übernahmen zu einem Drittel die Gemeinde Gailingen, zu zwei Drittel das Land aus Sanierungsmitteln.  
  
Von der ehemaligen Synagoge sind nur noch wenige Gegenstände erhalten, unter anderem ein Löwenkopf, der am Eingang als Türklopfer diente, ein Schofar, das zu den Hohen Feiertagen in der Synagoge geblasen wurde sowie die erwähnte Torarolle, die seit 1982 in der Synagoge von Beth El in Israel in den Gottesdiensten zur Lesung dient. 
  
In dem ehemaligen jüdischen Schulhaus mit dem rituellen Bad besteht seit 9. November 2008 u.a. der Raum "Die Gailinger Synagoge". Im Zentrum auf einem Tisch steht ein Modell der Gailinger Synagoge. An einer Wand ist das Innere der Synagoge in den Originalfarben gemalt. Seitdem konnten weitere Originalexponate beziehungsweise Nachbildungen aus der Gailinger Synagoge zusammengetragen werden: u.a. ein Türklopfer, eine Sammelbüchse, Gebetsschnüre und die Gailinger Purim-Megilla aus dem 19. Jahrhundert. Der Ausbau der Ausstellung im früheren jüdischen Schulhaus wurde im Herbst 2014 abgeschlossen: am 21. September 2014 konnte der Museumsraum "Jüdischer Hegau" eröffnet werden. In diesem Raum wird die Geschichte der Gemeinden Randegg, Wangen und Worblingen dargestellt. 
      
Weitere Informationen auf der Website des Jüdischen Museums Gailingen www.jm-gailingen.de.    
       
       
      

Fotos 
Historische Fotos

Um 1900
Ansichtskarte von Gailingen
Gailingen Karte01.jpg (102286 Byte) Gailingen Synagoge 001.jpg (103488 Byte)
    Verschiedene Ansichten von Gailingen,
 u.a. das Friedrichsheim
 Ausschnitt: Kriegerdenkmal 
mit Synagoge im Hintergrund
  Die Karte ist auch in höherer Auflösung eingestellt.   
          
Verschiedene Ansichten der Synagoge 
(leider wurden bislang keine 
guten Außenansichten gefunden)
Gailingen Synagoge 002.jpg (129670 Byte) Gailingen Synagoge 122.jpg (68853 Byte)
   Kriegerdenkmal, rechts im Hintergrund 
die Synagoge (Quelle: in mehreren 
der unter Lit. genannten Beiträgen) 
Vergrößerung des Fotos links
  
     
Gailingen Synagoge 017.jpg (44186 Byte) Gailingen Synagoge 026.jpg (71018 Byte) Gailingen Synagoge 004.jpg (70283 Byte)
Innenansicht mit Blick zum 
Toraschrein (Quelle: in mehreren 
der unter Lit. genannten Beiträgen)
Die zum Schawuot-Fest geschmückte
 Synagoge (Quelle: Hundsnurscher /Taddey s. Lit. Abb. 65 bzw. 
Hauptstaatsarchiv Stuttgart)
Der geschmückte Toraschrein 
(Quelle: Girres, Spuren s. Lit. 
Abb. 58) 
      
     
Die in der Pogromnacht 1938 zerstörte Synagoge:  
Gailingen Synagoge 020.jpg (129712 Byte) Gailingen Synagoge 021.jpg (109306 Byte) Gailingen Synagoge 025.jpg (41709 Byte)
Der zerstörte und ausgeräumte 
Innenraum (Quelle: Girres, Spuren 
s. Lit. Abb. 59 und 60)
Die herausgesprengte Seitenwand der
 Synagoge (Blick von innen nach außen;
 (Quelle: Girres, Spuren s. Lit. Abb. 59)
Blick auf die seitliche Empore 
nach der Zerstörung (Quelle:
 Hauptstaatsarchiv Stuttgart)
     
Gailingen Synagoge 023.jpg (87021 Byte) Gailingen Synagoge 022.jpg (105758 Byte) Gailingen Synagoge 027.jpg (63172 Byte)
Südansicht der zerstörten Synagoge
 (Quelle: Gailingens Geschichte... 
s. Lit. S. 53) 
Die Portalseite der Synagoge mit 
davor liegenden Einrichtungsgegenständen
 (Quelle: Gailingens Geschichte... 
s. Lit. S. 53) 
Abbrucharbeiten der Synagoge 
(Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart)
         

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Gailingen Synagoge 104.jpg (41694 Byte) Gailingen Synagoge 103.jpg (99433 Byte) Gailingen Synagoge 102.jpg (121406 Byte)
 Hinweisschild zum 
"Synagogenplatz"
 Der Synagogenplatz in der 
Gestaltung seit 1967
 Hinweistafel
   
     
Gailingen Synagoge 101.jpg (137445 Byte) Gailingen Synagoge 100.jpg (122459 Byte) Gailingen Buergerhaus 010.jpg (74536 Byte)
  Gedenkstein Inschrift des Gedenksteines Das gegenüber der Synagoge erbaute
 ehemalige jüdische Schul- und
 Gemeindehaus mit Klassenzimmern 
und Wohnungen für Rabbiner und 
Lehrer (Foto von 1993)
   
     
      
Fotos 2003/04:
(Quelle: Bernhard Narr, Rielasingen; 
3. und 4. Zeile mit *: Hahn, Aufnahmedatum 13.6.2004)
  
Gailingen Synagogenplatz 02.jpg (67968 Byte) Gailingen Synagogenplatz 04.jpg (107421 Byte) Gailingen Synagogenplatz 05.jpg (66953 Byte)
Plan der Ortsmitte Gailingen mit 
dem Synagogenplatz
Der nach den Plänen von Dipl.-Ing. Bernhard Narr (Eichendorffstrasse 35, 
78239 Rielasingen, E-Mail) neu gestaltete Synagogenplatz Gailingen.
   
Gailingen Synagogenplatz1.jpg (15974 Byte) Gailingen Synagogenplatz 01.jpg (86390 Byte) Gailingen Synagogenplatz 03.jpg (101709 Byte)
Die Stelen, die den Eingang zu früheren
 Synagoge markieren
Dia in der Stele links mit der Innenansicht
 der ehemaligen Synagoge.
Die Gedenktafel 
von 1967
     
Gailingen Synagogenplatz 06.jpg (231841 Byte)Gailingen Synagoge 804.jpg (104415 Byte) Gailingen Synagoge 802.jpg (89606 Byte) Gailingen Synagoge 806.jpg (65010 Byte)
Die Liste mit den Namen der deportierten
 Gailinger Jüdinnen und Juden 
(links: Original der Druckvorlage)
Der Gedenkstein im Bereich 
des Toraschreines* 
Blick von der Ramsener Straße auf das
 Grundstück oberhalb der ehemaligen
 Synagoge, wo die erste und zweite
 Synagoge standen (s.o. im Text)*
  
     
     
Ehemaliges jüdisches Gemeindehaus
 (heute: Bürgerhaus)
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   Das gegenüber der Synagoge erbaute ehemalige jüdische Schul- und Gemeindehaus 
mit Klassenzimmern und Wohnungen für Rabbiner und Lehrer sowie im 
Untergeschoss die Mikwe*
   
  
Das Friedrichsheim, 1898-1940 
jüdisches Altersheim 
(Fotos: Hahn, aufgenommen 1993)
Gailingen Friedrichsheim 180.jpg (55291 Byte) Gailingen Friedrichsheim 181.jpg (47856 Byte)
  Blick auf die Altenpension "Friedrichsheim" 
   
Neue Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 13.6.2004)
Gailingen Friedrichsheim 801.jpg (88735 Byte) Gailingen Friedrichsheim 803.jpg (73908 Byte)
      Hinweisschild zur Geschichte des Hauses
     
  Gailingen Friedrichsheim 800.jpg (63377 Byte) Gailingen Friedrichsheim 802.jpg (41099 Byte)
   Denkmal
   
Erinnerungen an die Synagoge
(Quelle: Gailingens Geschichte...
Heft 3 s. Lit. S. 49.56)
Gailingen Synagoge 080.jpg (61754 Byte) Gailingen Synagoge 081.jpg (60273 Byte)
  Der Türklopfer der ehemaligen Synagoge.
 Auf der Innenseite des Klopfbügels steht
 die Inschrift: "In Gailingen wurde diese neu
 erbaute Synagoge eröffnet mit dem ersten
 Gottesdienst am Freitagabend vor dem
 Schabbat, dem 27. Elul 5596" (9.9.1836)
Die Gailinger Torarolle in der 
Synagoge von Bet El (mit 
Gedenkinschrift für die 
"Heilige Gemeinde Gailingen"), 
getragen von Rabbiner 
Dr. Yehuda Bohrer
     
Die ehemalige, restaurierte Mikwe
 (rituelles Bad) 
Gailingen Mikwe 150.jpg (54163 Byte)  

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

September 2010: Bewegende Gedenkstunde zur Erinnerung an die Deportation nach Gurs auf dem Synagogenplatz 
Artikel von Sirgune Piorreck im "Südkurier" (Konstanz) vom 8. September 2010 (Artikel): 
"Wiedersehen mit der Vergangenheit.
Gailingen – 'Shalom' – Frieden – hieß das Lied, mit dem der Solisten-Chor der Jugendmusikschule westlicher Hegau die Gedenkstunde auf dem Platz, auf dem früher die Synagoge stand, abschloss. Und mit einem herzlichen 'Shalom' hatten viele Nachkommen ehemaliger Gailinger Juden die Menschen aus dem Hegau begrüßt..."   
  
  

     
      

Links und Literatur

Website der Gemeinde Gailingen mit Informationsseiten zur jüdischen Geschichte   
Website des Jüdischen Museums Gailingen  www.jm-gailingen.de.   
Zur Informationsseite über den Förderverein Bürgerhaus Gailingen e.V. (interner Link): hier anklicken 
Artikel zu "Entstehung, Blüte und gewaltsames Ende der Gailinger Judengemeinde" von Detlef Girres: hier anklicken 
Liste der 1809 in Gailingen wohnhaften jüdischen Einwohnern (mit alten und neuen Familiennamen): hier anklicken  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Gailingen (interner Link)    

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 98-106.
Eckhardt Friedrich/Dagmar Schmieder-Friedrich (Hg.): Die Gailinger Juden, in: Schriftenreihe des Arbeitskreises für Regionalgeschichte e.V.3 (1981).
Gailingens Geschichte im Spiegel seiner wichtigsten Gebäude. Hg. im Auftrag der Dorfgemeinschaft Gailingen e.V. von Detlef Girres. Beiträge zur Gailinger Geschichte Heft 3. 1987.
Regina Schmid: Verlorene Heimat. Gailingen, ein Dorf und seine jüdische Gemeinde in der Weimarer Republik. 1988.
Naftali Bar-Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof in Gailingen. 1994.
Detlef Girres: Art. "Gailinger Kibbuzim als Durchgangslager für Palästina-Auswanderer" in: Singener Wochenblatt (www.wochenblatt.net/zeiten/texte/1946.htm).
ders.: Auf den Spuren des jüdischen Gailingen. In: Erinnern - Bedenken - Lernen (Hg. Alfred G. Frei /Jens Runge). Sigmaringen 1990.
Franz Götz (Hg.): Gailingen - Geschichte einer Hochrheingemeinde. Gailingen/Tübingen 2004 (Hegau Bibliothek Band 98).
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 284-290.    
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.   
Markus Wolter: particularly hard - Die Stadt Radolfzell im Nationalsozialismus. Freiburg 2010. Darin: S. 11-13: Reichspogrom in Wangen und Horn/Gaienhofen. S. 13-14: Reichspogrom in Gailingen. S. 14-16 Reichspogrom in Konstanz.  Link zu dieser Arbeit    
ders.: Radolfzell im Nationalsozialismus. Die Heinrich-Koeppen-Kaserne als Standort der Waffen-SS. In: Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Band 129. Thorbecke Ostfildern 2011.      
Bodensee Lit 140.jpg (89625 Byte)Helmut Fidler: Jüdisches Leben am Bodensee. Verlag Huber Frauenfeld - Stuttgart - Wien 2011. 320 S. zahlreiche Abbildungen. Verlag: www.verlaghuber.ch mit Infoseite zum Buch. ISBN 978-3-7193-1392-0.  29,90 €   39,90 CHF  
Wenn aus Fremden Nachbarn werden. Zwei Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende des Holocaust geht Helmut Fidler einen ungewöhnlichen Weg, um achthundert Jahre jüdische Geschichte in der Bodenseeregion zu beschreiben. Er sucht die Orte auf, an denen jüdisches Leben heute noch sichtbar, nach-erlebbar und begreifbar ist, erzählt von Personen, die hier gelebt haben, und von Ereignissen, die in Erinnerung geblieben sind.        

     
     
  
         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gailingen. The first Jews settled in 1655 with a guarantee of free trade and freedom of worship, though subjected to heavy taxes. The community grew steadily despite the hostility of the local population. Many were poor. The situation improved somewhat after the annexation to Baden in 1806 but full integration into economic and public life came only with emancipation in 1862. In 1870 Leopold Guggenheim became the first Jew in Germany to head a municipal council. A synagogue was built in 1836, a 26-bed-hospital in 1892, and an old age home in 1898. A Jewish elementary school was opened in 1815 and a school of commerce in 1890. In the 19th century Jews spread into crafts and the professions and enjoyed a measure of prosperity for the first time. With the development of industry, many became traveling salesmen, representing German firms in nearby Switzerland. In 1858, the Jewish population reached a peak of 996 (half the total), dropping to 663 in 1900. A number of Jewish families of East European origin were well integrated in the community. As Nazi rule progressed and the economic boycott was tightened, Jews were forced to liquidate their businesses. In 1938, Jewish community life was terminated as all Jewish organizations were officially closed down. In October 1938, Jews of Polish origin were expelled to the Polish border and in Kristallnacht (9-10 Nov. 1938), the synagogue was vandalized and 12 Jews were sent to the Dachau concentration camp. Emigration abroad and to other German cities reduced the Jewish population from 314 in 1933 to 75 in 1940, with another 90 in the old age home and 13 in the Jewish hospital. All were deported in October-November 1940. Of the total, 47 perished in the Gurs concentration camp, 18 in other French concentration camps, and 37 in Auschwitz; 57 survived the Holocaust. 
   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 28. August 2014