Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Konstanz (Kreisstadt, Baden-Württemberg)  
mit Meersburg, Radolfzell, Singen und Überlingen
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen bis 1938   

Übersicht:                

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Mittelalter  
19./20. Jahrhundert  
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen    
Mittelalter  
Betsaal / Synagoge im 19. / 20. Jahrhundert 
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur  

       
Hinweis: Es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Konstanz (interner Link) 
            sowie eine weitere Seite zur jüdischen Gemeinde in Konstanz nach 1945   
       
       
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)  
   
Mittelalter     
   
In der früheren Freien Reichsstadt Konstanz bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Spätestens seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebten Juden in der Stadt. 1242 zahlte die Gemeinde 20 Mark Silber Reichssteuer, was auf eine große und leistungsfähige Gemeinde schließen lässt. 
  
Vor der Judenverfolgung 1349 waren es etwa 70 jüdische Familien mit 350 Personen. Von 1312 bis 1349 wurden mehrmals zahlreiche Juden der Stadt ermordet. 

Bei der Pestverfolgung am 4. Januar 1349 wurden 330 Juden auf dem Brühl, einer großen Wiese vor der Stadt zwischen Stadtmauer und Paradies bei Sonnenaufgang verbrannt. 
   
Seit 1375/1390 entstand unter sehr viel schwierigeren Lebensbedingungen wieder eine kleinere Gemeinde. 1537 wurden die Juden aus der Stadt vertrieben.  
    
    
Einige Erinnerungen an die mittelalterliche jüdische Geschichte: Eine vermutlich in Konstanz um 1290 geschriebene Handschrift ("Schocken-Bibel") befindet sich im Schocken-Institut in Jerusalem. - Der Ort der Verbrennung von 330 Juden am 4. Januar 1349 war auf dem Brühl, einer Wiese vor der Stadt zwischen Stadtmauer und Paradies. - Ein jüd. Siegel aus Konstanz von 1382 mit drei Spitzhüten findet sich im GLA Karlsruhe (3/188). – An die mittelalterliche Gemeinde im 15. Jahrhundert erinnert der "Judenturm" bzw. Pulverturm (an der Ecke Rheinsteige/Untere Laube, siehe Foto unten). Eine Inschrift am Turm weist auf die Geschichte hin: "...wurde als Stiftung zur Wehr der Stadt von den Juden zu Konstanz im 13.Jahrhundert erbaut... 1430 und 1443 wurden die Juden hier zur Erpressung von Lösegeldern gefangengehalten'.        
   
    
  
19./20. Jahrhundert    
   
Erst nach 1847 war die Niederlassung von Juden in der Stadt wieder möglich. 1863 beziehungsweise nach ihrer Anerkennung durch das badische Staatsministerium 1866 wurde eine neue jüdische Gemeinde Konstanz begründet. 
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich - insbesondere durch Zuzug aus den umliegenden Landgemeinden (Worblingen, Wangen, Randegg, Gailingen) wie folgt: 1871 164 jüdische Einwohner, 1875 251 (2,0 % von insgesamt 12,993 Einwohnern), 1880 332 (2,5 % von 13.372), 1900 bereits 565 (2,5 % von 22.478), 1910 574 (2,1 % von 27.591). 
Zur jüdischen Gemeinde in Konstanz gehörten auch die wenigen in Meersburg, Radolfzell, Singen und Überlingen wohnhaften jüdischen Personen (1924 in Meersburg und Überlingen zusammen 7 Personen; 1932 in Radolfzell 6, Singen 23, Überlingen 7 Personen ).   
  
Jüdische Unternehmer und Geschäftsleute leisteten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wichtige Beiträge für die städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Vor allem im Bereich Marktstätte, Rosgartenstraße, Bahnhofstraße und Bodanplatz lagen die Geschäfte und Wohnungen der jüdischen Familien. Es gab in der Stadt mehrere jüdische Rechtsanwälte, Lehrer, Architekten, Ingenieure und Ärzte (Allgemeinärzte, Fachärzte, Zahnärzte).
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge, ein Gemeindehaus und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren ein Rabbiner (Stadtrabbiner, ab 1925 Bezirksrabbiner) sowie ein bis zwei Lehrer angestellt, die zugleich als Vorbeter tätig waren (einer der Lehrer auch als Schochet).
 
Das Rabbinat betreffend, war die Gemeinde Konstanz zunächst der Israelitischen Gemeinde Tiengen unterstellt. 1884 wurden Tiengen und Konstanz dem Bezirksrabbinat Gailingen zugeteilt. 1897 bekam die Israelitische Gemeinde in Konstanz ein Ortsrabbinat (Stadtrabbinerstelle). Erster Rabbiner war Dr. Ludwig Hannes (siehe unten Artikel aus dem Gemeindeleben von 1899). Er blieb bis 1907 in Konstanz. Von 1907 bis 1936 war Rabbiner in Konstanz Dr. Hermann (Chaim) Chone. 1925 wurde Konstanz zwar zum Bezirksrabbinat erhoben, dennoch behielten die Gemeinden Randegg und Gailingen den orthodoxen Rabbiner Dr. Mordechai Bohrer als Ortsrabbiner. Zum Konstanzer Bezirk gehörten Wangen, Meersburg, Überlingen, Radolfzell und Singen, wobei nur in Wangen eine - damals klein gewordene - jüdische Gemeinde bestand. Nach ihrer Gründung 1863 stellt die Gemeinde als ersten Religionslehrer Max Flehinger an. Nach seinem Tod amtierte von 1866 an Lehrer Sigmund (Salomon) Rieser. Er starb im April 1879. Auf die Ausschreibung der Lehrerstelle bewarb sich erfolgreich Lehrer Alexander Geismar (geb. in Breisach, zuvor tätig in Bretten). Bis 1923 amtierte Geismar in Konstanz; er starb im Mai 1925. Sein Nachfolger war Jakob Bravmann, der bis Anfang 1938 amtierte. Ihm folgte noch Kantor Arthur Godlewski, der im Oktober 1940 mit dem Rest der Gemeinde nach Gurs deportiert wurde. Zeitweise hatte die jüdische Gemeinde einen weiteren Lehrer und 2. Vorbeter angestellt. 1917 starb als damaliger Lehrer und 2. Vorbeter der (Hauptlehrer) Siegmund Bloch
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Vizefeldwebel Ludwig Apfel (1896-1918), Ludwig Bigard (1891-1918), Feldwebel Alex Diedelsheimer (1890-1918), Leopold Einstein (1894-1915), Richard Erlanger (1897-1917), Iwan Guggenheim (1883-1916), Alfred Gut (1894-1914), Sanitätsgefreiter Karl Hasgall (1889-1914), Samuel Hasgall (1891-1915), Isidor Heß (1869-1918), Sanitätsunteroffizier Ernst Leib (1881-1916), Gefreiter Karl Levi (1890-1916), Oberarzt Dr. Gerson (Gustav) Meinrath (1878-1918), Alfred Ortlieb (1889-1914), Gefreiter Erwin Picard (1896-1917), Isac Picard (1881-1915), Vizewachtmeister Dr. Max Picard (1885-1914), Vizefeldwebel Wilhelm Picard (1886-1916), Semi Rosenthal (1899-1918), Ludwig (Louis) Rothschild (1884-1918), Unteroffizier Max Rothschild (1892-1914), Hugo Schatz (1885-1914), Berthold Seligmann (1892-1914), Marcellus Strauß (1891-1915), Karl Thanhauser (1884-1915).  
 
Die jüdischen Einwohner der Stadt nahmen am öffentlichen Leben regen Anteil. So war der Arzt Dr. Daniel Guggenheim Gründer und Leiter der Sanitätskolonne des Männervereins vom Roten Kreuz und Mitglied des Stadtrats. Der Kaufmann Bernhard Spiegel war Mitgründer und von 1903 bis 1913 Vorsitzender der Ortskrankenkasse. Der Fabrikant Salomon Picard war Mitglied, der Kaufmann Albert Spiegel Vorsitzender des Stadtverordnetenkollegiums.           
    
Um 1924, als zur Gemeinde 537 Personen gehörten (1,7 % von insgesamt 31.252 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Rechtsanwalt Moritz Bloch, Alfred Guggenheim, Hermann Einstein, Karl Lion, Max Mann, Samuel Picard, Albert Schwab. Neben den bereits genannten Kultusbeamten der Gemeinde - Rabbiner Dr. Hermann Chone und Kantor/Religionslehrer Jakob Bravmann - waren in der Gemeinde angestellt: Gemeindesekretär Jakob Bloch, Schochet/Hilfsvorbeter und Synagogendiener S. Halpern; als Organist war F. Gattert beauftragt. 1924 erhielten - einschließlich der Schüler der höheren Schulen - 74 Kinder der Gemeinde Religionsunterricht. 1932 waren die Gemeindevorsteher Rechtsanwalt Moritz Bloch (1. Vors. Gottliebenstraße 1), Rechtsanwalt Dr. Jung (2. Vors., Rosgartenstraße 14) und Gustav Nathan (Schatzmeister, Schützenstraße 8b). Erster Vorsitzender der Repräsentanz war Karl Lion (Obere Laube 19a). Dem Friedhofsausschuss stand Emil Rothschild vor. Weiter waren tätig Bezirksrabbiner Dr. Chone (wohnt Tägermoosstraße 16), Lehrer und Kantor Jakob Bravmann (Sigismundstraße 21) sowie Ludwig Marx (Seestraße). Im Schuljahr 1931/32 wurde 68 Kindern der Gemeinde Religionsunterricht erteilt.    
  
An jüdischen Vereinen gab es in Konstanz insbesondere: die Israelitische Armenkasse (gegründet 1869; 1924 unter Leitung von M. Mann mit 194 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Rechtsanwalt Bloch; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), der Jüdische Bruderschaftsverein (bzw. Israelitische Bruderschaft, Chewra Kadischa, gegründet 1872; 1924/32 unter Leitung von Berthold Wieler mit 193 Mitgliedern, Schützenstraße 30; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Kranker und Hilfsbedürftiger, Jugendfürsorge), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1875; 1924/32 unter Leitung von Bertha Geismar mit 190/200 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Kranker und Hilfsbedürftiger, Waisenfürsorge, Bestattungswesen), die Gesellschaft 'Erholung' (bzw. Verein Erholung; 1924/32 unter Leitung von Dr. J. Jung, Rosgartenstraße 14 mit 170 Mitgliedern), der Jüdische Jugendverein (1924 unter Leitung von J. Hagelberg, 1932 unter Leitung von Jakob Bravmann), eine Zionistische Ortsgruppe (1924 unter Leitung der Frau von Dr. Meinrath mit 26 Mitgliedern), eine Ortsgruppe des Centralvereins (1924 unter Leitung von M. Mann), die Makkabi-Loge (1924 unter Leitung von Dr. Moos mit 50 Mitgliedern). eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1924 unter Leitung von Leo Rotschild mit 52 Mitgliedern), eine Ortsgruppe des Hilfsvereins der deutschen Juden (1924 unter Leitung von Sigmund Schwarz mit 70 Mitgliedern). Es bestand eine Jugendbibliothek (unter Leitung von Bezirksrabbiner Dr. Chone). 1926 hatten sich die Wohlfahrtsvereine (Israelitische Armenkasse, Israelitische Bruderschaft, Israelitischer Frauenverein, Makkabi-Loge und die Wanderfürsorgestelle) zu einer Ortsgruppe Konstanz des Bundes israelitischer Wohlfahrtsvereinigungen in Baden zusammengeschlossen. Ziel des Zusammenschlusses war die gemeinsame Beratung der vorkommenden Fürsorgefälle.      
  
1933 wurden 443 jüdische Einwohner in Konstanz gezählt (1,3 % von insgesamt 32.961 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien ging die Zahl der jüdischen Einwohner in den folgenden Jahren durch Ab- und Auswanderung schnell zurück:  1935 386 jüdische Einwohner, 1936 350, 1937 344, 10. Oktober 1938: 264, 1939 194, 10. Oktober 1940: 125, 1. Februar 1951 65, 10. Oktober 1941: 27. Da parallel zum Wegzug jüdischer Personen / Familien zeitgleich andere Personen von auswärts nach Konstanz nachzogen, blieb die Zahl der jüdischen Einwohner bis zu Beginn der Deportationen insgesamt noch relativ hoch. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). 16 Männer aus der jüdischen Gemeinde wurden in das KZ Dachau verschleppt. 110 der letzten jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 in das KZ Gurs / Südfrankreich deportiert, die letzten acht in den Jahren 1941 bis 1944 nach Riga, Izbica und Theresienstadt.  
  
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Konstanz wohnenden 443 Personen mindestens 102 ums Leben.   
Von den in Konstanz geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Albert Alexander (1897), Nelly Alexander geb. Schatz (1908), Simon Alexander (1901), Irma Bahl geb. Gutter (1888), Ludwig Bal (1872), Gertrud Bender (1868), Berta Bernheim geb. Jung (1876), Adelheid Bloch (1908), Charlotte Bloch geb. Lazarus (1848), Bertha (Bertel) Cohn (1893), Marie Dreyfuß geb. Model (1863), Helene Dukas (1890), Klara Dukas (1882), Jakob Erlanger (1865), Liselotte Erlanger (1915), Laura Ferber (1881), Moses Ferszt (1886), Salomea Ferszt geb. Schmulewitz (1888), Ella Fleck geb. Lippmann (1883), Eduard Frank (1873), Olga Frank (1888), Rosa Frank geb. Beckowitz (1891), Hedwig Friedmann geb. Dreifuß (1889), Herbert Friedmann (1929), Selma Esther Fuchs geb. Koblenzer (1882), Arthur Godlewsky (1892), Else (Elise) Godlewsky geb. Lemberger (1895), Meyer Godlewsky (1867), Sara Godlewsky geb. Kleinbauer (1874), Malka (Manja) Goldlust geb. Bidermann (1894), Hilda Gowa (1909), Renee Gowa (1933), Therese Gowa geb. Pollack (1878), Berta Grün (1911), Elsa Grün geb. Fuchs (1901), Rachmiel (Emil) Grün (1895), Dagobert Guggenheim (1910), Mathilde Guggenheim geb. Veit (1889), Salomon Guggenheim (1877), Tony Guggenheim geb. Jung (1891), Elise Halpern geb. Seckels (1892), Sally Halpern (1893), Gustav Hammel (1861), Johanna Hammel (1898), Simon Harburger (1863), Frieda Hasgall (1887), Sofie Haymann geb. Bickard (1884), Thekla Heilbrunn geb. Faller (1882), Franz Bruno Heinemann (1881), Chil Ignatz Helbarth (1866), Benno Jakob (1873), Erwin Jung (1883), Jakob Kaufmann (1881), Anna Kestler geb. Thanhauser (1881), Jeanette Kletschoff (1885), Elsa Lang (1884), Max Levi (1876), Regina Levi geb. Wolf (1885), Rosa Levi geb. Dreyfuss (1884), Alfred Levy (1898), Hans LIebermann (1903), Heinrich Liebermann (1866), Ida Lion geb. Günzburger (1885), Julius Lion (1880), Hermann Maier (1879), Ida (Jette) Martino geb. Bernheim (1895), Anna Meissner geb. Hess (1875), Erwin Meissner (1900), Lothar Meissner (1910), Hilde Merzbacher geb. Haymann (1898), Julius Merzbacher (1890), Max Moch (1904), Rosa Mörschner geb. Oplat (1886), Rudolf Neuburger (1883), Clothilde Neumann geb. Billigheimer (1881), Moritz (Moses) Neumann (1876), Emma Olesheimer geb. Weil (1857), Ernst Ortlieb (1894), Hans Julius Picard (1910), Clara Rauchfleisch geb. Fuchs (), Hermann Rauchfleisch (), Hermine Reis geb. Lang (1882), Ferdinand Rieser (1874), Gertrud Rosenberger (1907), Albert Rosenfeld (1877), Siegfried Rosenfeld (1874), Erna Rosenthal (1896), Ernst Samuel Rosenthal (1900), Ida Rosenthal (1897), Salomon Rosenthal (1866), Fritz Rosenwald (1915), Getta Rothschild geb. Heimann (1896), Oskar Rothschild (1886), Blanka Samuel (1876), Berta Schmulewitz geb. Alexander(1858), Max Schriesheimer (1877), Rosa Schriesheimer geb. Dukas (1880), Rosa Schwarz geb. Levi (1873), Albert Schwarzhaupt (1886), Hella Schwarzhaupt geb. Reinhold (1897), Betty Spiegel geb. Gutmann (1886), Helmut Helmut Spiegel (1909), Leopold Spiegel (1876), Bella Stern geb. Dreyfuß (1885), Babette Sulzberger geb. Schatz (1875), Frieda Sulzberger geb. Schatz (1875), Alfred Teller (1919), Hans Thannhauser (1879), Gretl Vollweiler geb. Tannhauser (1883), Berta Weil geb. Casewitz (1872), Heinrich Weil (1880), Lina Weil (1867), Sigmund Weil (1863), Hugo Weill (1885), Kurt Wertheimer (1900), Anna Wieler (1889), Irma Wieler (1882), Ricka Wolf geb. Stern (1870), Selma Wolf (1879), Lina Wolff geb. Günzburger (1885), Else Wollenberg geb. Rosenthal (1902).                       
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Konstanz nach 1945: weitere Seite  
   
   
   
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen             
    
Mittelalter  
  
Das mittelalterliche Wohngebiet lag zunächst im Bereich des Fischmarktes und des Salmannsweiler Klosterhofes, in der Münzgasse (die frühere "Judengasse") und in der Gegend der heutigen Salmannsweilergasse. Im 14. Jahrhundert (vor 1349) werden jüdische Häuser in der Mordergasse (= Augustinergasse, heutige Rosgartenstraße) genannt. Zwischen den Häusern Rosgartenstraße 14 und 16 soll eine kleine Gasse nach Westen abgezweigt sein, die auch die Bezeichnung "Judengasse" getragen haben soll. Die Synagoge stand vermutlich am Platz des heutigen Hauses Rosgartenstraße 5 bzw. im Garten hierzu (heute Rosgartenmuseum). Hier war auch der "Judenschulhof".  
   
Im 15. Jahrhundert wohnten die jüdischen Familien hauptsächlich in der Samnungs—oder Witengasse und am Blaicherstadt, der Judengasse (heutige Münzgasse). Um 1420/35 waren folgende Häuser in jüdischem Besitz: Haus zum Pantzer (Münzgasse 14), "Alte Katz" (Münzgasse 21), Münzgasse 19 und vier Häuser vermutlich im Bereich des heutigen Gebäudes Münzgasse 15. In der Münzgasse befand sich 1427 auch die damalige Synagoge. 
    
    
Fotos  
(Fotos: Hahn)    

Erinnerungen an die mittelalterliche jüdische Geschichte
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.11.2003)

Konstanz Stadt 151.jpg (58470 Byte) Konstanz Stadt 150.jpg (72184 Byte)   
Vor der Judenverfolgung 1349 
stand die Synagoge am Platz des heutigen
 Hauses Rosgartenstraße 5 
Das 1424 erbaute Haus "zur Katz" hatte 
1427 der Jude Abraham von St. Gallen
 erworben. Nach der Vertreibung der Juden
 1448 war es (wieder) das Gesellschaftshaus
 des städtischen Patriziats.
   
   
     
     
Konstanz Judenturm 001.jpg (53023 Byte) Konstanz Judenturm 003.jpg (51469 Byte) Konstanz Judenturm 002.jpg (46030 Byte)
Der "Judenturm", auch Pulver- oder Ziegelturm genannt, an der nordwestlichen Stadtumwehrung; 
1430 und 1443-48 waren hier Juden zur Erpressung von Lösegeldern inhaftiert. 
Das Jahr 1448 markiert das Ende der mittelalterlichen jüdischen Geschichte.
 
 

    
Betsaal / Synagoge im 19./20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurden die Gottesdienste zunächst (seit 1864) in einem Betsaal im "Seelenhaus" (ehemaliges Hotel Falken, Kreuzlinger Straße 13) abgehalten, später in einem Raum des Rosgarten(museum)s, nach 1873 in einem Parterreraum des Theatergebäudes, der von der Gymnasiumsgasse her betreten wurde.      

Über den Betsaal in Konstanz (1867)  

Konstanz Israelit 13111867.jpg (45371 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1867: "Die Synagoge in Wangen, welche im Jahre 1859 renoviert wurde, ist in sehr gutem Zustande; auch der Betsaal in Konstanz wird in ordentlichem Stande gehalten, wird aber der zunehmenden israelitischen Bevölkerung nicht auf lange Zeit genügen. Die eifrige Sorge um Verschönerung des Gotteshauses erfüllt allenthalten ihren Zweck: Hebung des Gottesdienstes."

Ab 1872 datierten die Bemühungen, eine Synagoge für die Gemeinde zu bauen. Wenig später konnte man von der Städtischen Spitalstiftung das Grundstück Sigismundstraße 19 kaufen. Dank zahlreicher Spenden und mit Hilfe eines größeren Kredites, der binnen 40 Jahren zurückzuzahlen war, konnte man den Bau in Angriff nehmen. Die Synagoge wurde nach den Plänen des Architekten und Stadtbaumeisters Holzmann aus Konstanz errichtet. Am 7. September 1883 wurde die Schlusssteinsetzung in der Synagoge gefeiert, am 28. September 1883 die Einweihung. Bei der erstgenannten Feier wurde die Nische über dem Toraschrein mit den Gebotstafeln zugemauert. In ihr wurden ähnlich wie bei Grundsteinsetzungen verschiedene Dokumente eingebracht. Damit verband man eine liturgische Gesänge und Gebete, die der damalige Kantor Alexander Geismar vortrug. Bei der Einweihungsfeier Ende September waren zahlreiche Vertreter der Staats- und städtischen Behörden, der Kirchen und benachbarter Synagogengemeinden anwesend.  
  
Erich Bloch hat die Architektur der Konstanzer Synagoge folgendermaßen beschrieben: Die Synagoge "hatte einen romanischen Grundcharakter mit Stilelementen der Renaissance. Das Hauptportal war flankiert von zwei kleineren turmartigen Kuppelbauten. Die Synagoge stand etwas im Hintergrund der Straße und war seitwärts und hinten eingerahmt von Sträuchern, Bäumen und Rasen. Die Vorderfront war mit einem kunstvollen Eisengitter abgeschlossen und hatte drei Eingänge. Das Innere der Synagoge stellte eine dreischiffige Halle dar. Gegenüber dem Eingang befand sich eine durch drei Stufen erhöhte Gebets- und Predigerkanzel, und in der Apsis war der Toraschrein und darüber der Chor mit einer Orgel. Im oberen Stockwert liefen an beiden Seiten und hinten tief gestaffelte Emporen. Architekt Holzmann ließ die geschmackvollen Innendekorationen von dem Kunstmaler Brasch aus Karlsruhe anfertigen. Die Fenster zierten ornamentale Glasmalereien, welche den Raum in ein gedämpftes Licht andächtiger Stimmung versetzten. – Die Synagoge bildete ein künstlerisches Pendant zur benachbarten Augustinerkirche."  
  
Über den Gottesdienst in der Konstanzer Synagoge, der nach dem Mannheimer Gebetbuch gefeiert wurde, liegt aus dem Jahr 1893 ein Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vor: "Der Gottesdienst [...] war sehr feierlich und doch schlicht und gab ein prächtiges Beispiel davon, was verständnisvolle Leitung mit einfachen Mitteln zu bieten vermag. Herr Lehrer Geismar ist ein strebsamer wackerer Prediger. Der gemischte Chor singt tüchtig. Die Ordnung und Ruhe in der Synagoge sind musterhaft". 
  
Die Orgel der Synagoge wurde im Jahr 1898 von der Überlinger Orgelbauwerkstatt Mönch erbaut. Sie hatte elf Register, zwei Manuale und ein Pedal. Mitte der 1920er-Jahre wurde eine neue Orgel für die Synagoge bei der Orgelbauwerkstatt Mönch bestellt, diesmal eine kleinere und pneumatische Orgel. Die alte Orgel kam Anfang 1925 für 2400 Goldmark in die St. Sebastianskirche in Hubertshofen, wo sie heute noch steht
Hinweis: Artikel "Die Orgel aus der Synagoge" in der "Badischen Zeitung" (Regionalteil Donaueschingen) vom 24. Dezember 2011: Link zum Artikel.   
 
Vier Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde in der Synagoge eine von Benno Elkan gestaltete Gedenktafel über die Gefallenen in der Gemeinde eingeweiht. 
       
Einweihung einer Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges (1922)  

Konstanz CV-Ztg 07121922.jpg (33312 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 7. Dezember 1922: "In Konstanz wurde kürzlich in Gegenwart der obersten Behörden und der Offiziere des Reichswehrbataillons in der Synagoge eine Gedenktafel zu Ehren der achtundzwanzig Gefallenen der Konstanzer Gemeinde eingeweiht. Die Bronzetafel ist ein Werk des Frankfurter Bildhauers Benno Elkan".   Anmerkung: zu Benno Elkan siehe Seite zu Alsbach  

1931 wurde die Synagoge umfassend modernisiert. Dabei wurde auch eine neue Orgel eingebaut. 
  
In der NS-Zeit wurde die Synagoge bereits am Nachmittag des 1. November 1936 angezündet. Nach dem damaligen Protokoll war die Nische, in der sich der Toraschrein befand, die Orgel und vier Fächer im Synagogengestühl, in denen die Gebetsmäntel und -bücher aufgewahrt wurden, bereits ausgebrannt, durch die gewaltige Hitze der Verputz an den Innenwänden und das Gestühl beschädigt, als die Feuerwehr zu löschen begann. Sechs von den sieben Torarollen der Synagoge waren ein Raub der Flammen geworden. Diese wurden danach auf dem jüdischen Friedhof begraben (hebräisch beschrifteter Gedenkstein im Birkenrondell).  

Brand in der Synagoge (1936)  

Konstanz Israelit 23121936.jpg (35720 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1936: "Konstanz. Die Synagoge in Konstanz ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Ein Brand, dessen polizeiliche Untersuchung noch im Gange ist, vernichteten den Aron Hakodesch, sämtliche Torarollen und verschiedene Kultgegenstände."

Kritischer Bericht angesichts des Synagogenbrandes in Konstanz (1936) 

Konstanz Israelit 27051937.jpg (211429 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1937: (Leserbrief) "Unter dem Titel ‚Zürich – Konstanz’ schreibt uns Dr. S.H.G., ein Freund unseres Blattes: In der Luftlinie gemessen, liegen beide Gemeinden sogar sehr nahe beieinander. In Wirklichkeit aber sind sie durch einen Abgrund voneinander geschieden. Zwar werden sie im Urteil der jüdischen Geschichte künftighin nur noch in einem Atemzug genannt werden. Aber nicht verbunden durch eine gemeinsame Ebene, sondern verkettet lediglich durch das ominöse Wörtchen ‚Lehawdil’ (zur Unterscheidung). Diese Namen werden zu Fanfaren. Und je leuchtender die eine Gemeinde hineinstrahlt in das Dunkel unserer Zeit, eine umso traurigere Berühmtheit wird die andere erlangen. Klassische Beispiele von kristallklarer Erkenntnis und stumpfer Blindheit von selbstbewusster Größe und – unfassbarer Verwirrtheit. Und die Gegenüberstellung lässt so recht die geschichtliche Tat der einen und das völlige Versagen der anderen im richtigen Licht erscheinen. In Zürich wird eine Orgel zum verstummen gebracht. Aus freiem Entschluss heraus, ohne äußeren Zwang, ohne dass etwa eine andere Synagoge bezogen wird, nein, in derselben, in der sie jahrzehntelang getönt. Hoch klingt das Lied dieser wackeren Männer, die den Mut gefunden haben, zu hören auf das Wort ihrer Lehrer.  Und in Konstanz wird ebenfalls eine Orgel zum Schweigen gebracht. Hier dünkt das Walten einer höheren Macht. Eine Feuersbrunst wütete, zerstörte das Innere der Synagoge, vernichtete Tora-Rollen und verbrannte die Orgel von Grund aus. Der Gottesdienst erleidet keine Unterbrechung, er findet im Betsaal statt. Nachbargemeinden helfen mit Torarollen aus, und sofort wird an dem Wiederaufbau der Synagoge gearbeitet. Und bald ist es soweit, das alte, nun wieder neu hergerichtete Gotteshaus kann wieder bezogen werden. Und nun geschieht das Unbegreifliche, Unfassbare.  Die Orgel ist zerstört, ein Fingerzeig von oben, der nicht übersehen werden kann. Ein psychologischer Moment ist gekommen, einmalig, nie wiederkehrend, jetzt ist es Zeit, aufgeschreckt durch das furchtbare Ereignis aufzuräumen mit dem alten Spuk einer überlebten Assimilationsepoche. Jeder hätte es begriffen, wenn die ganze Gemeinde aufgestanden wäre wie ein Mann und beschlossen hätte…  Und die Gemeinde rafft sich auf und beschließt, eine neue Orgel in die Synagoge hineinzubauen. Und wenn der erste Gottesdienst wieder in der Synagoge abgehalten wird, werden, als wäre nichts geschehen, von neuem Orgeltöne den Raum durchbrausen. Schmach und Schande, dass manche Juden in Deutschland so wenig die Zeichen der Zeit verstehen und weiterwursteln im alten Trott. Wir schämen uns für unsere irregeleiteten Brüder und hoffen inbrünstig, dass nicht ihr, sondern das Schweizer Beispiel Schule machen wird."

    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einer SS-Truppe in Brand gesteckt. Der Feuerwehr wurde nicht gestattet, den Brand zu bekämpfen. Vielmehr versuchte man die Dachluken der Synagoge zu öffnen, um dem Feuer besseren Zug zu verschaffen. Anschließend wurde die Synagoge von der SS-Verfügungsgruppe Germania aus Radolfzell gesprengt. 
  
Von 1946 bis 1960 erinnerte auf dem leerstehenden Grundstück ein aus Bruchstücken der Synagoge angefertigter Gedenkstein, der heute gleichfalls auf dem jüdischen Friedhof zu finden ist (Birkenrondell). Das Synagogengrundstück ist inzwischen neu bebaut; in dem dortigen Geschäftshaus hat die Gemeinde seit 1964 im ersten Stock einen Betsaal (siehe nächste Seite). An die alte Synagoge erinnert eine Gedenktafel am Gebäude. 
  
Neben der Synagoge erbaute die jüdische Gemeinde 1908 ihr Gemeindehaus (mit zwei Bibliotheken, einem Saal für Vorträgen und Räumlichkeiten für die Verwaltung), das als Wohnhaus erhalten ist (Sigismundstraße 21).   
  
  
  
Fotos 
Historische Fotos: 

Konstanz Synagoge 001.jpg (70816 Byte) Konstanz Synagoge 003.jpg (71715 Byte) Konstanz Synagoge 006.jpg (93497 Byte)
Die 1883 erbaute Synagoge in Konstanz 
(Quelle: Ziwes s. Lit. S. 34-35) 
Innenaufnahme der Synagoge
(Quelle: Bloch, Geschichte s. Lit. S. 33, rechts vermutlich dasselbe Foto, 
etwas heller abgezogen, in weiterer Perspektive)
   
    
  Konstanz Synagoge 010.jpg (92937 Byte)  
Die Synagoge wird wenige Tage nach der Zerstörung in der Pogromnacht 1938 abgebrochen 
(Quelle: Bloch, Geschichte s. Lit. S. 148)  


Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Konstanz Synagoge 041.jpg (73802 Byte) Konstanz Synagoge 040.jpg (89175 Byte)
    Das am ehemaligen Synagogenplatz
 erstellte Geschäfts- und Wohnhaus 
mit Gedenktafel (2. Stock, Mitte 
unter Fenster)
Die Gedenktafel für die zerstörte 
Synagoge in Konstanz vgl. die 
Gedenktafeln auf dem 
jüdischen Friedhof
     
     Konstanz Synagoge 015.jpg (67262 Byte) Konstanz Gemeindehaus 01.jpg (69295 Byte)
   In diesem Gebäude (früheres Hotel Falken)
 befand sich im 19. Jahrhundert 
zeitweise der Betsaal der Gemeinde 
Das frühere Gemeindehaus der
 Israelitischen Gemeinde Konstanz 
in der Sigismundstr. 21
        
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 2.11.2003)
Konstanz Stadt 153.jpg (53409 Byte) Konstanz Stadt 152.jpg (48163 Byte)
    1873-1883 war in einem Parterreraum des Theaters der 
Betsaal der israelitischen Gemeinde 
   
Konstanz Synagoge 151.jpg (64194 Byte) Konstanz Synagoge 152.jpg (35459 Byte) Konstanz Gemeindehaus 150.jpg (60665 Byte)
Das am ehemaligen Synagogenplatz
 erstellte Geschäfts- und Wohnhaus 
mit Gedenktafel (2. Stock, Mitte 
unter Fenster)
Die Gedenktafel für die zerstörte 
Synagoge in Konstanz vgl. 
die Gedenktafeln auf dem 
jüdischen Friedhof
Das frühere Gemeindehaus der
 Israelitischen Gemeinde Konstanz 
in der Sigismundstr. 21
   
     
      Konstanz Synagoge n2008047.jpg (159608 Byte)
      Das frühere Gemeindehaus 
im Sommer 2008
      
Gedenkstele in der Sigismundstraße     
Konstanz Gedenkstele 152.jpg (126155 Byte) Konstanz Gedenkstele 150.jpg (100499 Byte) Konstanz Gedenkstele 151.jpg (81968 Byte)
         
Konstanz Gedenkstele 153.jpg (133842 Byte) Gedenkstele in der Konstanzer Innenstadt mit Namen den Namen der am 22. Oktober 1940 nach Gurs verschleppten Juden. Inschrift: "Am 22. Oktober 1940 wurden 108 jüdische Einwohner von Konstanz nach Frankreich in das Internierungslager Gurs deportiert. Von dort wurden diejenigen, die noch am Leben waren, ab August 1942 in die Konzentrationslager Auschwitz und Sobibor abtransportiert und ermordet" 
(Fotos: Elisabeth Böhrer, Aufnahmedatum 31.5.2009)
Hinweis: von den in Konstanz beheimateten jüdischen Personen sind insgesamt wesentlich mehr Personen in der NS-Zeit deportiert und ermordet worden; auf der Gedenkstele wird nur der im Oktober 1940 von Konstanz nach Gurs deportierten Personen gedacht, darunter auch Personen, die aus anderen Orten vor 1940 nach Konstanz zugezogen waren..

      
     

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

März 2010: Schüler erforschen jüdische Schicksale 
Artikel von Kirsten Schlüter im "Südkurier" vom 25. März 2010 (Artikel): "Konstanz -  Reise nach Auschwitz: Eine Fahrt gegen das Vergessen.  
Acht Konstanzer Gymnasiasten erforschen seit Wochen die Schicksale jüdischer Kinder und Jugendlicher aus Konstanz. Ihre Ergebnisse stellen sie bei einer Reise mit dem Zug der Erinnerung nach Berlin und Auschwitz vor..." 
 
Mai / Juli 2010: Weitere "Stolperstein"-Verlegungen in Konstanz im Juli 2010     
Artikel im "Südkurier" vom 18. Mai 2010 (Artikel): "Künstler verlegt 27 Gedenksteine 
Nächste Verlegung: Die Konstanzer Initiative Stolpersteine gegen das Vergessen verlegt am Mittwoch, 14. Juli, 27 Stolpersteine an elf Stellen..."
 
    
Juli 2010: Bericht über die "Stolpersteine"-Verlegung  
Artikel im "Südkurier" (Lokale Ausgabe Konstanz) vom 15. Juli 2010 (Artikel): " 24 Steine für 24 Schicksale.  
Konstanz
– Es sind die Geschichten am Rande der Stolpersteineverlegung, die diesen Tag umso ergreifender werden lassen. Wobei das 'am Rande' nur bedingt zutrifft, hängen die Geschichten doch direkt oder indirekt mit den Schicksalen jener Nazi-Opfer zusammen, für die Künstler Gunter Demnig und die Stolpersteininitiative gestern 24 Gedenktafeln an elf Stellen in den Konstanzer Asphalt eingelassen haben... " 
     
Oktober 2010: Gedenken zur Deportation nach Gurs im Oktober 1940    
Artikel von Jörg-Peter Rau im "Südkurier" vom Oktober 2010 (Artikel): "Konstanz will den 22. Oktober 1940 nicht vergessen.  
Es war das Vorzimmer zu den Gaskammern von Auschwitz: Konstanz hat 70 Jahre nach der Deportation der badischen Juden nach Gurs in Frankreich gedacht. Von der einst florierenden jüdischen Gemeinde überlebten nur rund 30 Menschen..."
    
Januar 2011: Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag 
Artikel in see-online.info vom 25. Januar 2011 (Artikel): "Holocaust Gedenktag: Schicksale jüdischer Konstanzer Familien
Buch berichtet über Stationen der jüdischen Familien Guggenheim und Hammel aus Konstanz auf dem Weg in die Vernichtung..."  
 
April 2011: Weitere "Stolpersteine" werden im Juli 2011 verlegt  
Artikel von Philipp Zieger im "Südkurier" vom 18. April 2011 (Artikel): "Vorreiter mit Gedenkprojekt.   
Konstanz –
Es sind lauter kleine Denkmäler im Asphalt. Mit jedem kleinen Messingquader erinnert die Konstanzer Stolperstein-Initiative einem Menschen, den die Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 verfolgten, vertrieben und ermordeten.
Konstanz ist bei diesem Projekt Vorreiter..."   
 
Juni 2011: Über die Verlegung von weiteren "Stolpersteinen" am 12./13. Juli  
Artikel von wak in see-online.info vom 27. Juni 2011 (Artikel): "Gunter Demnig verlegt in Konstanz 20 neue Stolpersteine
Steine erinnern Stadt an politisch und aus Glaubensgründen verfolgte und ermordete Bürger
Konstanz. Am 12. und 13. Juli verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig bereits zum sechsten Mal in Konstanz Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus..."    
   
Bericht zur Verlegung im "Südkurier" vom 13. Juli 2011 ("15 Stolpersteine am ersten Tag"): eingestellt als pdf-Datei    
   
Januar/Februar 2012: Ausstellung zu den "Stolpersteinen" vom 26. Januar bis 19. Februar 2012 
im Gewölbekeller des Kulturzentrums am Münster 
Artikel im "Südkurier" vom 22. Dezember 2011: "Jeder Stein steht für ein Schicksal. Im Januar erinnert die Initiative 'Stolpersteine für Konstanz' mit einer Gedenkausstellung an die Opfer des Naziterrors..."   Link zum Artikel.    
 
Artikel von Beate Pundt im "Südkurier" vom 28. Januar 2012: "Erinnerungen gegen das Vergessen. Initiative 'Stolpersteine für Konstanz' eröffnet Ausstellung. Zeitzeugin hält bewegenden Vortrag..."  Link zum Artikel.    
  
 Fotos der Ausstellung 
 (Fotos: Hans-H. Seiffert)  
Konstanz Ausstellung 2012a.jpg (72428 Byte) Konstanz Ausstellung 2012b.jpg (71943 Byte) Konstanz Ausstellung 2012c.jpg (62439 Byte) Konstanz Ausstellung 2012d.jpg (45427 Byte)
 
April 2012: Artikel zur Geschichte der Familie Halpern (Sally Halpern war Hilfskantor und Schächter der jüdischen Gemeinde Konstanz)  
Artikel von Philipp Zieger im "Südkurier" (Lokalausgabe) vom 17. April 2012: "Konstanz. Ein Abschied für immer...."  
Link zum Artikel     
 
Mai 2012: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in Konstanz   
Artikel in see-online.info vom 7. Mai 2012: "18 neue Stolpersteine für Konstanz..."  
Link zum Artikel  
 
Januar 2014: Neues Buch über die Lebensgeschichte der jüdischen Familie Schwarzhaupt  
Artikel von Claudia Rindt im "Südkurier" vom 7. Januar 2014: "Ein ergreifendes Drama in 30 Briefen
Konstanz
- Hans-Hermann Seiffert von der Initiative Stolpersteine legt in einem neuen Buch die Lebensgeschichte der jüdischen Familie Schwarzhaupt dar. Sie lebte zuletzt in Konstanz, beide Eltern kamen im Nazi-Terror um..."  
Link zum Artikel    

   

    
  
Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Konstanz  

Kurze Infoseite zur jüdischen Geschichte in Konstanz bei jgm-net  

Presseartikel zur Einweihung einer Gedenkstele für die deportierten Konstanzer Juden am 15. April 2005   

Bericht vom "Europäischer Tag der jüdischen Kultur 2007" in Konstanz (2. September 2007)    

"Interreligiöser Stadtführer für Konstanz" - Informationen hier   

Informationen zur Aktion "Stolpersteine" in Konstanz (auf der der VVN-BdA Kreisvereinigung Konstanz)  

Radolfzell:  Beitrag von Markus Wolter (Freiburg 2013): "Juden in Radolfzell" (externer Link, siehe auch weitere Seiten in der Website "Radolfzell zur NS-Zeit")        

Literatur:  

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 162-168.
Germania Judaica II,1 S. 445-460 und III,1 S. 665-673.  
Konstanz Lit 010.jpg (27326 Byte)Erich Bloch: Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jh. Konstanz 1971. 1996².

ders.: Das verlorene Paradies. Ein Leben am Bodensee 1897-1939. Konstanz 1992.

Hortense Hörburger: Judenvertreibungen im Spätmittelalter am Beispiel Esslingen und Konstanz, in: Campus-Forschung 237. 1981.

Erhart R. Wiehn: Novemberpogrom 1938. Die "Reichskristallnacht" in der Erinnerung jüdischer Zeitzeugen der Kehilla Kedoscha Konstanz. 50 Jahre danach als Dokumentation des Gedenkens. Konstanz 1988.

Franz Josef Ziwes (Hg.): Badische Synagogen. 1997 S. 34-35.

Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 462-470.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    

Walter Rügert: Jüdisches Leben in Konstanz. Eine Dokumentation vom Mittelalter bis zur Neuzeit. 1999 (mit weiterer bis dahin erschienener Lit.).

Konstanz Lit 200801.jpg (221675 Byte)Hans-Hermann Seiffert: Entrechtet - verschleppt - ermordet. Der Weg der Konstanzer Jüdin Johanna Hammel in die Gaskammer von Auschwitz-Birkenau 1898-1942, hrsg. von Erhard Roy Wiehn. Konstanz 2007. ISBN 3-86 628-179-X. € 9.80.  

Markus Wolter: particularly hard - Die Stadt Radolfzell im Nationalsozialismus. Freiburg 2010. Darin: S. 11-13: Reichspogrom in Wangen und Horn/Gaienhofen. S. 13-14: Reichspogrom in Gailingen. S. 14-16 Reichspogrom in KonstanzLink zu dieser Arbeit    
ders.: Radolfzell im Nationalsozialismus. Die Heinrich-Koeppen-Kaserne als Standort der Waffen-SS. In: Schriften des Vereins für die Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Band 129. Thorbecke Ostfildern 2011.          

KN Lit HugoSchriesheimer 010.jpg (15764 Byte)Marie-Elisabeth Rehn: Hugo Schriesheimer. Ein jüdisches Leben von Konstanz durch das KZ Dachau, das französische Internierungslager Gurs, das Schweizer Asyl und die USA nach Kreuzlingen. 1908-1989. Konstanz (Hartung-Gorre Verlag) 2011. 
130 S. ISBN 978-3-86628-373-2  18,50 € - 24,00 CHF.      Nähere Informationen   

Bodensee Lit 140.jpg (89625 Byte)Helmut Fidler: Jüdisches Leben am Bodensee. Verlag Huber Frauenfeld - Stuttgart - Wien 2011. 320 S. zahlreiche Abbildungen. Verlag: www.verlaghuber.ch mit Infoseite zum Buch. ISBN 978-3-7193-1392-0.  29,90 €   39,90 CHF  
Wenn aus Fremden Nachbarn werden. Zwei Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende des Holocaust geht Helmut Fidler einen ungewöhnlichen Weg, um achthundert Jahre jüdische Geschichte in der Bodenseeregion zu beschreiben. Er sucht die Orte auf, an denen jüdisches Leben heute noch sichtbar, nach-erlebbar und begreifbar ist, erzählt von Personen, die hier gelebt haben, und von Ereignissen, die in Erinnerung geblieben sind.    

Synagogen Lit 201305.jpg (108213 Byte)Christiane Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012. 
Zur Synagoge in Konstanz: S. 97-107. 

Hans-Hermann Seiffert:  Meine geliebten Kinder! Die Briefe der Konstanzer Jüdin Hella Schwarzhaupt aus der Internierung in Gurs und Récébédou an ihre Kinder. Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2013.  Buchvorstellung in einem Artikel im "Südkurier" vom 7. Januar 2014.   

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Konstanz Baden.  Jews apparently settled in the first half of the 13th century and earned their livelihood as moneylenders. In 1312 and again a few years later they were massacred in Host desecration libels and in March 1349, 330 were burned alive after a well-poisoning libel. Others were burned to death half a year later. Jews settled again later in the century at the invitation of the town council but in 1385 they were arrested and the promissory notes in their possession confiscated. In 1390 many were massacred in a blood libel. Despite such violence and numerous disabilities, the Jews rehabilitated the community and by 1418 comprised 25 households concentrated in a special quarter with a new synagogue. In 1430, rioting townsmen imprisoned the Jews in the local tower for 20 weeks and pillages their homes. In 1443, following another blood libel, they were again confined to the tower, this time for five years. 
The community did not recover and only in the mid-19th century was Jewish settlement permitted again. A community with a Liberal orientation was organized in 1863 and a synagogue was consecrated in 1893, with the Jewish population reaching 565 in 1900 (total 22,478). The first Jew to sit on the city council (1904-12) was Immanuel Rothschild, head of the community and owner of a large cigarette factory. The Zionists were active from early in the century. In 1925, Konstanz became the seat of the district rabbinate, with jurisdiction over 16 communities. By 1933, the Jewish population of Konstanz stood at 443. Many were industrialists, merchants, and operators of big business establishments, while others were sales representatives for German and Swiss firms or members of the professional class. Because of Konstanz's position as a tourist center and border town, local Nazis exercised a measure of restraint in their anti-Jewish activities and Jewish economic life was at first affected less than elsewhere. Soon, however, persecution intensified. In 1936 the synagogue was partially burned and in 1938 the community opened an elementary school after Jewish children were forced out of the public schools. A number of Jews transferred their businesses and domiciles across the Swiss border to Kreuzlingen, where a community of 130, mostly from Konstanz, was formed. On 28 October 1938, Jews of Polish origin were deported to Poland. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was blown up and Jews were beaten mercilessly at Gestapo headquarters before being sent to the Dachau concentration camp. During the Nazi era, 338 Jews emigrated from Konstanz and 251 left for other German cities. On 22 October 1940,  110 were deported to the Gurs concentration camp; 52 were able to find refuge in the U.S., France, and Switzerland; most of the others perished in Auschwitz. The 44 Jews in the attached community of Singen all left by 1939. 
A small community was formed in Konstanz after the war (see next page).  
  
   

                   
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Stand: 18. Februar 2014