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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Singen (Kreis
Konstanz)
Jüdische Geschichte / Betsaal
Übersicht:
Zur Geschichte jüdischer
Bewohner (english
version)
In Singen ließen sich um 1666 jüdische Familien nieder,
die jedoch bald wieder aus dem Ort abgewandert sind.
Erst gegen Ende des 19.
Jahrhunderts zogen wieder einige Juden – vor allem aus Gailingen und
Randegg
– zu (1885 zwei, 1900 drei jüdische Einwohner). Nach 1900 vermehrte sich ihre
Zahl. Die jüdischen Einwohner Singens gehörten zunächst zur Synagogengemeinde
Konstanz. Im Verlaufe der 1920er-Jahre
nahm ihre Zahl so zu, dass man eine Gemeindegründung in Erwägung zog.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im
Besitz jüdischer Familien sind bekannt. Taxameterbetrieb Ludwig Bab
(Scheffelstraße 7), Kleintierhandlung Josef Biedermann (Audifaxstraße 3), Elektro- und Rundfunkgeräte-Großhandlung Wilhelm Guggenheim
(Bahnhofstraße 17), Kaufhaus S. Guttmann & Co. (Damen- und Herrenkonfektion und Schuhwaren), Inh. Sally, Berthold und Siegfried Guttmann
(Scheffelstraße 26, bis 1934; Hinweistafel am Haus erinnert an die
Geschichte der jüdischen Kaufhäuser Guttmann und Guggenheim), Tabakhandlung Helene Löwinstein (Hadwigstraße 28), Häute-, Fell- und Darmhandlung Isidor Mayer
(Harsenstraße 26), Konfektionsgeschäft Pollak, Kurz & Sohn, Teilh. Franz Josef Pollak
(Ekkehardstraße 89), Möbelhaus Gebr. Schärf OHG., Inh. Salo Schärf
(Freiheitsstraße 19-21). Weitere Anschrift: Studienrat Dr. Max Neustädter
wohnte in der Burgstraße 3.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1933 mit 44
Personen erreicht (nach anderen Angaben lebten damals 14 jüdische Familien mit
zusammen 60 Personen in der Stadt). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der
zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sind bis 1940 alle von ihnen von Singen verzogen oder konnten
emigrieren (insbesondere USA, Palästina, Südamerika). Allerdings wurden
später mindestens 14 von ihnen von ihren Zufluchtsorten deportiert und
ermordet.
In der NS-Zeit war Singen Durchgangsstation für viele jüdische
Flüchtlinge in die Schweiz. Daran
erinnert seit 1993 am Bahnhof eine Informationstafel des
"Geschichtspfades" Singen. Dabei wird auch an das Schicksal des jüdischen Ehepaares
Margarete und Ottmar Pollok aus Berlin gedacht, das am
25. November 1942 auf dem Bahnhof Selbstmord beging (zunächst in Singen auf dem
Waldfriedhof bei den "Russengräbern" bestattet, 1945 auf dem
jüdischen Friedhof in Gailingen beigesetzt).
Bis zum Beginn der Deportation der Badener Juden im Oktober 1940 wohnten in
Singen keine jüdischen Personen mehr. Auf dem Weg der Deportation nach Gurs wurden am 22. Oktober 1940
jedoch die Gailinger jüdischen Einwohner
in der Waldeck-Turnhalle gefangen gehalten. Von dort wurden sie auf offenen
Lastwagen "zur Volksbelustigung der Singener Stadtbevölkerung" (Berty
Friedländer) zum Bahnhof gebracht. Von dort wurden sie in einem Zug gemeinsam
mit den Konstanzer Juden in das Internierungslager nach Gurs verbracht. Das in
Singen zurückgelassene Hab und Gut der jüdischen Personen wurde wenig später in der Scheffelhalle versteigert.
Von den in Singen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Gedenkbuch
Baden-Württemberg; die Liste ist unvollständig): Jette (Jettchen)
Guggenheim geb. Goldschmidt (1892), Wilhelm Guggenheim (1885), Berthold Guttmann
(1884), Ida Guttmann geb. Jacob (1890), Johanna Guttmann (1917), Sofie Guttmann
geb. Dreifuß (1887), Selma Lipsky (1876), Maria Reutlinger geb. Biedermann (1878), Henny Salomon
(1892), Gretel (Gretchen) Weil (1908),
Lucie Weil (1926), Margaret Weil geb. Iller
(1889).
Zur Geschichte des Betsaales / der geplanten
Synagoge
Die jüdischen Einwohner Singens
gehörten zunächst zur Synagogengemeinde Konstanz. Im Verlaufe der 1920er-Jahre
nahm ihre Zahl so zu, dass man eine Gemeindegründung und den Bau einer Synagoge
ernsthaft in Erwägung zog. Um nicht immer die weiten Strecken zu den Synagogen
in Gailingen und Konstanz zurücklegen zu müssen, richtete man zunächst einen Betsaal
ein. Salo Schärf, Besitzer des Möbelgeschäftes "Roll und Co."
stellte hierfür die Räumlichkeiten über seinem Geschäft in der Poststraße 19
und 21 (heutige Freiheitstrasse) zur Verfügung. Dieser Betsaal reichte für
etwa 30 Personen aus. In ihm feierte die kleine jüdische Gemeinde auch die Hohen Feiertage. Nachdem ein Betsaal vorhanden war, legte man
1931 einen
Synagogenbaufonds an, mit dem man die Mittel für den Bau einer Synagoge in
Singen ansparen wollte. Die NS-Zeit zerstörte die Pläne einer hier
entstehenden jüdische Gemeinde.
Adresse des früheren Betsaales: im Gebäude Freiheitsstrasse
19/21
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica",
E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
| Es sind noch keine Fotos vorhanden |
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Berichte /
Presseartikel
| Herbst 1986:
Jizhak Schwersenz berichtet über seine Flucht im
Februar 1944 von Singen in die Schweiz |
Artikel
von Werner Gutmann in der "Stuttgarter Zeitung" vom 7. November
1986:
"Ein Jude noch einmal auf seinem Fluchtweg. Vor 42 Jahren von
Berlin über Singen in die Schweiz - Der Schrecken holt den alten Mann
noch ein..."
Zum Lesen des Artikels bitte anklicken. |
Foto
links: "Jizhak Schwersenz an der 'grünen Grenze' bei Thayingen: vor
42 Jahren schlug er sich hier voller Angst vor Kontrollen in die Schweiz.
Jetzt hat er den Schreckensgang wiederholt, am hellen Tag und mit der
Erlaubnis der Zollbehörden." |
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| Sommer 1993:
Das "Haus der Geschichte" in Stuttgart
informiert über Helfer von Juden |
Artikel
in der "Eßlinger Zeitung" vom 20. Juli 1993: "Nicht nur
am 20. Juli - Widerstand im Nazi-Deutschland. Haus der Geschichte
informiert über Helfer von Juden - Verfolgte über die Schweizer Grenze
gebracht.
Stuttgart/Singen (lsw) - Es geschah aus Mitleid: 16 Juden rettete
Josef Höfler 1943 und 1944 vor dem sicheren Tod in den Gaskammern
Nazi-Deutschlands. Dabei war der nahe der Schweizer Grenze in Gottmadingen
lebende Höfler eher ein bedächtiger Mann und nicht politisch
aktiv...". Zum weiteren Lesen des Artikels bitte anklicken. |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juli 2009: In
Singen sollen "Stolpersteine" verlegt werden |
Foto
(Rossner) links: Nach der Genehmigung durch den Gemeinderat kann die
Initiative "Stolpersteine für Singen" mit der Arbeit beginnen.
Im Bild von links: Heinz Kapp, Roswitha Besnecker, Hans-Peter Storz und
Bernd Häusler.
Artikel im "Südkurier" vom 11. Juli 2009: Singen -
Mahnmale auf Schritt und Tritt. Die Opfer der Nazidiktatur sollen auch in Singen nie vergessen werden. Die Gedenkinitiative
"Stolpersteine für Singen" sucht deshalb Paten für ein Projekt, bei dem Gedenksteine ins Straßenpflaster eingelassen werden.
Singen – "Wir stehen an der Grundsteinlegung unserer Initiative für
Singen", freute sich Hans-Peter Storz bei der zweiten Zusammenkunft der Initiative über die Zustimmung des Gemeinderates zu dem Projekt Stolpersteine (wir berichteten).
"Stolpersteine" ist ein Kunstprojekt von Gunter Demnig aus Köln. Wobei der Künstler das Wort
"stolpern" als gedanklichen Anstoß sieht. Er möchte an die Opfer der NS-Zeit erinnern, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing auf dem Gehweg ebenerdig einlässt. Die eingravierten Namen und Lebensdaten sollen die Erinnerung an die Menschen lebendig halten, die einst dort wohnten. 18 000
"Stolpersteine" wurden bisher in 438 Orten Deutschlands verlegt.Einen positiven Beschluss des Gemeinderates hatte sich auch Bürgermeister Bernd Häusler erhofft. In Konstanz engagiert sich seit 2005 die Initiative
"Stolpersteine für Konstanz". Heinz Kapp aus Singen war bei der Verlegung im Mai dabei und berichtete anhand von Fotos über den Ablauf.
Bisher hat die Singener Initiative 127 Namen zusammengetragen, die als Opfer in Frage kommen. Dabei sollen bei der ersten Verlegung NS-Verfolgte aller Opfergruppen berücksichtigt werden. Über Erfahrungen der Konstanzer Initiative berichtete Hendrik Riemer und erzählte über die Vorgehensweise. Im Stadtarchiv wurde dort als erstes recherchiert, KZ-Archivlisten wurden durchgegangen, beim Internationalen Suchdienst angefragt oder beim Amt für Entschädigungshilfe. Es kamen auch Hinweise aus der Bevölkerung. Aus der anfänglichen Gruppe der fünf Initiatoren sind heute 35 Leute geworden, die sich monatlich treffen.
Auch aus dem Kreis der interessierten Besucher kamen bei dem Treffen der Initiative in Singen viele Vorschläge zur Umsetzung des Projektes. Roswitha und Fritz Besnecker als Mitglieder der Geschichtswerkstatt teilten mit, dass man auch dort schon eine Namensliste zusammengestellt habe. Die Aufgabe, vier Opfer zu recherchieren und eine Patenschaft für zwei Steine übernahm Kirsten Brößke für den Elternbeirat des Hegau-Gymnasiums. Unterstützung bei der Recherche gibt es im Stadtarchiv, wo schon Forschungsunterlagen für zahlreiche Opfer vorliegen. Um die Umsetzung 2010 in die Wege zu leiten, ist ein erster Gesprächskreis für alle Interessierten angesetzt. Wichtig ist der Initiative die Einbindung junger Menschen. Heinz Kapp:
"Es leben nur noch wenige Zeitzeugen. So lange noch die Chance besteht, sollten wir sie
nutzen." |
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| Hinweis: Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
(ACK) sucht weitere Menschen, die sich an dem Projekt Stolpersteine beteiligen. Die Stolpersteine werden über Patenschaften finanziert. Herstellung und Verlegung kosten pro Stein 95 Euro. Auch Spenden sind willkommen. Konto: Pfarrgemeinde Herz-Jesu, Volksbank Singen,
Kt-Nr: 10198500, BLZ 69290000, Verwendungszweck "Stolpersteine für
Singen." Zu einem Gesprächskreis lädt der ACK am 7. Oktober um 19.30 Uhr in das Bonhoeffer Gemeindehaus. |
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| März 2010:
Die Verlegung von "Stolpersteinen" ist
für Juli 2010 geplant |
Artikel im "Südkurier" vom 11.
März 2010 (Artikel):
"Singen - Stolpersteine: Gedenktafeln erinnern an Opfer des Naziterrors [0]
Singen (sk) Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Singen will mit so genannten Stolpersteinen an Opfer der Naziverfolgung erinnern. Der Runde Tisch zur Aktion hat sich gestern in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde getroffen, um die erste Verlegung am
13. Juli zu planen. Die Stolpersteine sind zehn Zentimeter lange Betonsteine, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden vor den letzten Wohnorten der NS-Opfer in das Pflaster des Gehweges eingelassen." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 167. |
 | Paul Sauer: Die Judengemeinden im nördlichen Bodenseeraum, in: ZGO
128 (1980) S. 327-343. |
 | Manfred Bosch: "Der Abschied von Singen fiel uns nicht schwer...2.
Die Hohentwielstadt als letzte deutsche Station auf der Flucht verfolgter
Juden. In: Singener Jahrbuch (1983) S. 40-43. |
 | Jizchak Schwersenz: Die versteckte Gruppe. Ein jüdischer Lehrer
erinnert sich. 1988; |
 | Heimatgeschichtlicher Wegweiser
zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hg. vom
Studienkreis Deutscher Widerstand. Band 5/2: Baden-Württemberg II.
Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen. S. 63-68. |
 | Alfred G. Frei/Jens Runge (Hg.): Erinnern, Bedenken, Lernen. Das
Schicksal von Juden, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen zwischen Hochrhein
und Bodensee. 1990. |
 | Reinhild Kappes: "...und in Singen gab es keine Juden?" Eine
Dokumentation. 1991. |
 | dies.:
Jüdisches Leben in Singen. In: Herbert Berner/Reinhard Brosig
(Hg.): Singen – die junge Stadt. Singener Stadtgeschichte Bd. 3 (= Beiträge
zur Singener Geschichte Bd. 16, = Hegau-Bibliothek Bd. 55). Sigmaringen 1994
S. 30-31.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Singen Baden. Jews first settled in 1900.
The Jewish population in 1933 was 44 (affiliated to Konstanz).
All left by May 1939.

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