Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Siegelsbach (Landkreis Heilbronn) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Siegelsbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938, deren Entstehung in das 18. Jahrhundert zurückgeht. Erstmals werden um 1720 Juden am Ort genannt, wobei es damals bereits um mehrere Familien handelte. 1775 werden 28 jüdische Einwohner genannt, darunter sechs Männer, acht Frauen sowie je sieben Söhne und Töchter.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 77 jüdische Einwohner (10,1 % von insgesamt 765 Einwohnern), die höchste Zahl jüdischer Einwohner um 1848 mit 104 Personen, 1875 67 (8,1 % von 825), 1900: 29 (3,3 % von 889), 1910 24 (2,7 % von 896).    

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Heinsheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Abgesehen vom Religionsunterricht besuchten die jüdischen Kinder die katholische Schule am Ort. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Sinsheim zugeteilt.  
 
Auf der Gefallenen-Ehrentafel in der Friedhofshalle des Ortsfriedhofes finden sich auch der Name von Siegfried Grötzinger und sein Bild. Er war der einzige Gefallene Siegelsbach im Ersten Weltkrieg.   
  
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 21 Personen gehörten (2,3 % von insgesamt etwa 900 Einwohnern), war Gemeindevorsteher M. Grötzinger. Einen eigenen Lehrer und Schochet hatte die Gemeinde nicht mehr. Damals kam Lehrer Heinrich Bloch aus Neckarbischofsheim regelmäßig in die Gemeinde, um die 1924 noch vier schulpflichtigen jüdischen Kinder in Religion zu unterrichten und als Schochet tätig zu sein. 1932 war Gemeindevorsteher Julius Grötzinger. Damals gab es nur noch ein schulpflichtiges jüdisches Kind.   
    
Bis nach 1933 bestanden an jüdischen Gewerbebetrieben: Viehhandlung Aron Eisemann (Hauptstraße 67), Manufakturwarengeschäft Josef Fleischmann (Hauptstraße 82), Fa. Süddeutsche Öl- und Fettwarenfabrik H. Grötzinger Söhne (gegründet 1890; war Lieferantin der Badischen Staats- und Nebenbahnen mit technischen Ölen und Fetten, hatte für ihre Produkte Absatzgebiete in ganz Deutschland: etwa 1.500 Hufschmiede bezogen von ihr den Hufbalsam "Sanitol"; Bahnhofstraße 12).    
    
Von den 1933 in Siegelsbach lebenden neun jüdischen Einwohnern konnten sechs emigrieren; die übrigen drei verstarben in Siegelsbach. Die Gemeinde wurde am 20. Januar 1938 aufgelöst, da sie damals nur noch sechs jüdische Männer zählte.    
    
Von den in Siegelsbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Leopold Apfel (1863), Liebmann Apfel (1864), Simon Apfel (1874), Gerson Marx (1878), Jeanette Marx geb. Strauss (1885), Frieda Stein geb. Wollenberger (1869), Julius Stern (1870), Justin Stern (1899), Richard Stern (1879), Ida Wolf geb. Grünhut (1852), Ferdinand Würzburger (1874), Lina Würzburger (1877), Rosa Würzburger (1872), Samuel Würzburger (1870).       
   
   

    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Ausschreibung der Religionslehrerstelle 1904

Hueffenhardt Israelit 21111904.jpg (61386 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1904: "Religionsschulstelle. Die mit Vorbeter- und Schächterdienst verbundene Religionslehrerstelle in Wollenberg, Hüffenhardt und Siegelsbach, Amt Sinsheim, mit dem Sitz in Wollenberg, ist möglichst bald zu besetzen. Gehalt 1.050 Mark, freie Wohnung und Nebeneinkommen. Meldungen sind zu richten an die Bezirkssynagoge Heidelberg: Dr. Pinkuß."

       
Der jüdische Lehrer aus Siegelsbach unterrichtet auch in Hüffenhardt und bekommt Schwierigkeiten mit der bürgerlichen Gemeinde (1875)    

Hueffenhardt Israelit 31031875.jpg (122823 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1875: "Laupheim. Die Kinder der Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Hüffenhardt (in Baden) besuchen die dortige evangelische Schule, und der hebräische Unterricht und der Religionsunterricht wird ihnen von dem israelitischen Lehrer in dem unfernen Siegelsbach in einigen wöchentlichen Stunden erteilt und zwar in irgend einem Privathause, was dem Herrn Lehrer nimmermehr als passend gefallen wollte. Deshalb stellte die israelitische Gemeinde an die politische Gemeinde das Ansuchen, diese wolle ihr im christlichen Schulhause zu diesem Behufe ein Lokal anweisen. Allein so human und liberal der Gemeinrat und speziell der Herr Bürgermeister Dallmus, sich im allgemeinen zeigte, so konnte er es dennoch nicht übers Herz bringen, dem billigen und gerechten Wunsche zu entsprechen. Auf den abschlägigen bescheid hin erhob die israelitische Gemeinde bei dem Bezirksgericht Mosbach Klage und dieses erkannte unterm 17. Februar dieses Jahres auf Grund des Schulgesetzes vom 8. Mai 1867 § 7 Abs. 2: 'Die Gemeinde Hüffenhardt ist schuldig für den vorgeschriebenen Religionsunterricht der israelitischen Schuljugend in ihrer Religion das Schullokal und die Heizung zu stellen, soweit dadurch der übrige Unterricht nicht gestört wird.' Von diesem Falle erhielt ich Kenntnis, als ich kürzlich auf einer Reihe Hüffenhardt besuchte und übergebe denselben hiermit der Öffentlichkeit lediglich in der Absicht, um dadurch manchem badischen Ort, dem es an einem passenden Schullokale fehlt, nachzuweisen, wie es sich nach dem Beispiele Hüffenhardts ein solches verschaffe. W. Stern."  

      
   

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Goldene Hochzeit des Hirsch-Apfel'schen Ehepaares (1912)  

Siegelsbach FrfIsrFambl 17051912.jpg (16524 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Mai 1912: "Siegelsbach (Baden). Das Hirsch Apfel'sche Ehepaar war anlässlich seiner goldenen Hochzeit der Gegenstand zahlreicher Ehrungen." 

      
    

    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Zunächst war vermutlich ein Betzimmer oder ein Betsaal in einem privaten Haus vorhanden. Um 1739 starb der Vater eines "Rabbi" aus Siegelsbach und 1775 wurde Rabbi Esra in Heinsheim beerdigt. Dieser wird in der Siegelsbacher Gemeinde die Funktionen des Lehrers und Vorbeters innegehabt haben.   
  


Fotos / Pläne 
Historische Pläne 

Siegelsbach Plan 003.jpg (50539 Byte)
Plan von Siegelsbach im Bereich der Lindengasse um 1810. Die Synagoge stand unmittelbar vor dem damaligen Ortsrand; die Gemeindekelter und das Haus Schramm waren noch nicht erbaut (vgl. Pläne von 1857)


2. Pläne vom Umbau der Synagoge, Lehrerwohnung und rituellem Bad 1857: 

(Quelle: Generallandesarchiv Karlsruhe 377/8116)

Siegelsbach Synagoge 002.jpg (47216 Byte)

Siegelsbach Synagoge 003.jpg (28881 Byte) Siegelsbach Synagoge 004.jpg (31637 Byte)
"Plan zur Vergrößerung der Sinagoge und Lehrers Wohnung durch Erbauung eines 2. Stocks auf das Frauenbad in Siegelsbach"   Umbaupläne: "Querschnitt" Umbaupläne: "Ansicht"
     
Siegelsbach Synagoge Plan 03.jpg (80730 Byte) Siegelsbach Synagoge Plan 04.jpg (52670 Byte)
Umbaupläne 1. Stock (Erdgeschoss) Umbaupläne 2. Stock
      

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Siegelsbach Synagoge 005.jpg (102183 Byte)
  Auf dem Grundstück im Vordergrund stand die ehemalige Synagoge (im Hintergrund die Gemeindekelter)
   
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.9.2003)
Siegelsbach Synagoge 150.jpg (52612 Byte) Siegelsbach Synagoge 151.jpg (70901 Byte) Siegelsbach Synagoge 152.jpg (61098 Byte)
Das ehemalige Synagogengrundstück: links jeweils die Gemeindekelter; das Haus geradeaus ist das auf den historischen Umbauplänen (oben) eingezeichnete Haus des Christoph Schramm. Um diese Häuser gruppierten sich die beiden Gebäude von Synagoge und jüdischem Badhaus.

  
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Siegelsbach

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 260-261.

Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 209-212.

Rudolf Petzold: Heimatbuch Siegelsbach. 1986 (Abschnitt: Die Juden S. 161-164).  

Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 347.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
    
    
    

  
 


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Siegelsbach  Baden.  Jews settled in the early 18th century and reached a population of 104 in 1848. The population dropped to nine in 1933. Of these six emigrated to the United States and three died of natural causes. 

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. Januar 2010