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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Grombach (Stadt Bad Rappenau,
Kreis Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Grombach bestand eine jüdische Gemeinde vom 17./18.
Jahrhundert bis 1937. 1657 und 1723 werden jeweils vier jüdische Familien in
Grombach genannt. Darunter war 1723 ein Rabbiner Moses mit seiner Frau Clara.
1776/77 waren 29 jüdische Einwohner im Ort.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie
folgt: 1825 48 jüdische Einwohner (6,5 % von insgesamt 744 Einwohnern), höchste
Zahl jüdischer
Einwohner 1855 mit 70 Personen erreicht (8 Prozent der Einwohnerschaft),
1875 41 (5,3 % von 778), 1900 44 (6,5 % von 679), 1910 38 (5,8 % von 658). Die Juden Grombachs lebten hauptsächlich vom Vieh- und
Getreidehandel. Sie nahmen regen Anteil am öffentlichen Leben und engagierten
sich in den örtlichen Vereinen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Heinsheim
beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Sinsheim.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Siegmund Straus
(geb. 9.3.1893 in Grombach, gef. 20.11.1914).
Um 1925 (damals wurden noch 31 jüdische Einwohner gezählt,
d.h. 2,1 % von ca. 1.500 Einwohnern) waren die Vorsitzenden der jüdischen
Gemeinde Josef Straus und L. Kirchheimer. Lehrer Maier Rosenberger aus Sinsheim
unterrichtete die damals noch fünf schulpflichtigen jüdischen Kinder in
Religion. An jüdischen Vereinen gab es vor allem den Männerwohltätigkeitsverein, um 1932 unter Leitung von Josef Straus. Als
Vorbeter war Isak Federgrün tätig. Er war bis nach 1933 zugleich Inhaber
eines kleinen Lebensmittelladens mit Kurzwarenhandel.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben im Besitz
jüdischer Familien sind bekannt: die schon genannte Kurzwarenhandlung von Isak Federgrün
(Ortsstraße 63), Getreidehandlung Emanuel und Lehmann Kirchheimer
(Eisenbahnstraße, gegenüber Bahnhof), Bürstenmacher Siegfried Kirchheimer
(Ortsstraße 31), Lebensmittelgeschäft Julius Strauß (Ortsstraße 47).
1933 lebten noch 20 jüdische Personen am Ort. Auf der zunehmenden
Entrechtung und der Repressalien sowie der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts
verließen mehrere der jüdischen Einwohner in der Folgezeit den Ort, verzogen
in andere Städte oder wanderten aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge zerstört (siehe unten), gleichfalls das Geschäft von Julius Strauß.
Die letzten sechs in Grombach verbliebenen jüdischen Einwohner wurden am 22.
Oktober 1940 nach Gurs deportiert.
Von den in Grombach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Gedenkbuch Baden-Württemberg):
Clara Asch geb. Strauss (1872), Trude Baer
geb. Kirchheimer (1905), Isak Federgrün (1876), Rosalie Federgrün (1909), Ella
Heiligenbrunn geb. Götter (1890), Joseph Heiligenbrunn (1890), Trude Heinemann
geb. Kirchheimer (1905), Frieda Hönlein geb. Götter (1886), Fritz Kirchheimer
(1899), Dora Kirchheimer (1903), Trude
Kirchheimer siehe Trude Baer geb. Kirchheimer, Heinrich Strauss (1875),
Frieda Straus (1876), Johanna (Hannchen) Straus (1887), Berthold Strauss (1888),
Dora Strauss geb. Kirchheimer (1903), Hatty (Henriette) Strauß (1861), Heinrich
Strauss (1875), Ida
Strauss geb. Zwang (1875), Julius Strauss (1887), Margot Strauss (1920), Martha
Straus (1919), Salli Strauss (1899), Rosalia de Vries geb. Federgrün (1909),
Lina Weis geb. Straus (1873).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über den aus Grombach stammenden Rabbiner Dr. Alexander
Stein
Der
bedeutendste Sohn der jüdischen Gemeinde Grombach war Rabbiner Dr. Alexander
Stein (geb. 1843 in Grombach, gest. 1914 in Karlsruhe; Zeitungsartikel links
aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24.7.1867). Er lernte in
Heilbronn und Karlsruhe und erwarb 1866 nach Studien in Breslau den
philosophischen Doktorgrad an der Universität Halle. Bereits im Alter von 24
Jahren wurde er auf Empfehlung des Breslauer Seminardirektors Dr. Frankel Gemeinderabbiner
in Worms und hatte von 1867 bis 1910 dieses Amt inne. Ihm kommen große
Verdienste beim Aufbau der jüdischen Gemeinde in Worms zu. Er war anerkannt bei
den Orthodoxen wie Liberalen und stand in gutem Verhältnis zu den politischen
und kirchlichen Gremien der Stadt Worms. Anlässlich seiner Zurruhesetzung 1910
erhielt er durch den Großherzog die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse Philipps
des Großmütigen und wurde zum Ehrenrabbiner ernannt. |
Über den aus Grombach stammenden
Lehrer L. Faller (zu seinem Tod 1889; war Lehrer in Wertheim von 1842 bis
1885)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Oktober 1889:
"Man schreibt aus Wertheim, 23. September (1889). Gestern früh starb
hier im hohen Alter von 80 Jahren der pensionierte Lehrer L. Faller.
Gebürtig aus Grombach, Amt Sinsheim,
kam er im Jahre 1842 hierher zu Versehung der israelitischen
Religionsschule, der er volle 43 Jahre, bis zu seiner vor vier Jahren
erfolgten Zurruhesetzung vorstand, nachdem er bereits fünfzehn Jahre
andere Stellen bekleidet hatte. Im ganzen war er 58 Jahre lang im Schuldienste
tätig. Weit und breit wurde der Verstorbene wegen seines heiteren,
humorvollen Wesens gekannt und geachtet. Vor einem Jahre wurde er vom
Schlage gerührt und seitdem kränkelte er und nur der treuen Pflege
seiner Familie gelang es, sein Leben zu fristen. Ein zweiter Anfall, den
er vor wenigen Tagen erlitt, führte zur allmählichen Auflösung. Eine
zahlreiche, in den geachtetsten Verhältnissen lebenden Nachkommenschaft
sowie viele Freunde beweinen den Hingang des wackeren Mannes." |
Besuch der badischen
Großherzogin in Bad Rappenau mit Ehrung für die Frau des Gemeindevorstehers
Joseph Strauß (1903)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1903: "Rappenau
(Baden), 25. August (1903). Vor mehreren Tagen weilte Ihre
Königliche Hoheit die Großherzogin von Baden in unserer Mitte. Dieselbe
besuchte die Ausstellung weiblicher Schülerarbeiten der Bezirksgemeinde.
Zu den Ehrendamen, die sich in dem betreffenden Saale aufzustellen hatten,
wurden auch zwei geachtete, jüdische Frauen des Bezirkes zugezogen,
nämlich die Frau des Gemeindevorstehers Joseph Strauß von Grombach
und Frau Götter von Ehrstädt, mit
denen sich die hohe Fürstin in der huldvollsten Weise unterhielt und sich
nach manchen Verhältnissen interessevoll erkundigte. W." |
Anzeigen
Vorbeter für Jom Kippur gesucht (1911)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1911:
"Vorbeter für Jomkippur gesucht. Offerten mit Preis an Vorstand der
Israelitischen Gemeinde Grombach in Baden." |
Anzeige vom Simon Strauss (1916)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1916:
"Ich suche für meinen Sohn im Alter von 15 Jahren mit Vorkenntnissen
der Manufakturwarenbranche per sofort passende Lehrstelle.
Süddeutschland bevorzugt.
Simon Strauss, Grombach (Baden)." |
Zur Geschichte des Betsaals /der Synagoge
Nachdem bereits in der 2. Hälfte
des 18. Jahrhunderts die Zehnzahl religionsmündiger jüdischer Männer am Ort
erreicht wurde, wird ein Betzimmer in einem der jüdischen Häuser
eingerichtet worden sein. Dies war für die größer werdende Gemeinde im 19.
Jahrhundert jedoch keine Dauereinrichtung.
1831 richteten die Gemeindevorsteher ein Gesuch an die
Staatsregierung in Karlsruhe mit der Bitte, eine Kollekte zur Finanzierung eines
Synagogenbaus zu genehmigen. Die Durchführung der Kollekte wurde am 7. Juli
1831 vom Großherzoglichen Ministerium des Innern genehmigt, jedoch mit der
Auflage verbunden, baldmöglichst einen Finanzierungsplan zum Bau einer Synagoge
in Grombach vorzulegen. Fünf Jahre später konnte eine Kostenberechnung und ein
Bauplan des Landesbaumeisters Wind aus Heidelberg vorgelegt werden. Die Gemeinde
plante, im Synagogenbau zugleich ein Schulzimmer sowie eine kleine Wohnung für
den Vorbeter einzurichten. Der für den Bau vorgesehene Betrag von 2.519 Gulden
überstieg jedoch noch immer das Vermögen der jüdischen Gemeinde in Grombach,
zumal der preisgünstigste Handwerker 400 Gulden mehr als zunächst veranschlagt
für die Bauausführung haben wollte.
So konnte man erst 1840 mit dem Bau beginnen, nachdem
Zimmermeister Christian Dietz & Söhne aus Kirchardt und Maurermeister
Martin Stier & Konsorten aus Berwangen versprachen, zusammen nicht mehr als
2.750 Gulden für die Erstellung der Synagoge zu verlangen. Die Gemeinde hatte
bis dahin eine Summe von 2.400 Gulden gesammelt; für das fehlende Kapital war
eine Kreditaufnahme nötig. Wie beabsichtigt, wurden im Synagogengebäude auch
ein Schulzimmer und die Lehrerwohnung untergebracht.
So hatte die relativ kleine jüdische Gemeinde Grombach für
den Bau ihrer Synagoge große finanzielle Opfer aufbracht. Auch in späteren
Jahren wurde mit Hilfe von Spenden das Gotteshaus renoviert und in würdigem
Zustand bewahrt. Leopold Strauß in Grombach stiftete 1891 einen wertvollen
Toramantel und seine nach Baltimore in den Vereinigten Staaten ausgewanderten Brüder
A. und B. Strauß stifteten 1892 einen prachtvollen Vorhang für den
Toraschrein.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die
Synagoge von einem auswärtigen SA-Trupp verwüstet. Eigentlich sollte das Gebäude
angezündet werden. Auf energischen Protest von Jakob Appenzeller ("Badischer
Hof"-Wirt), dessen Scheune unmittelbar an die Synagoge angrenzte, ließen die
SA-Leute von diesem Vorgaben ab, zerschlugen aber die Inneneinrichtung des Gebäudes,
zerstörten mit Äxten den Dachstuhl und demolierten die Wohnung des Vorbeters
und Synagogendieners Isak Federgrün.
Die Synagogenruine stand bis 1963 und wurde schließlich für
den Neubau des Rathauses (heute örtliche Verwaltungsstelle in der Ortsstrasse
63) abgebrochen. Erhalten blieb nur der Stein vom Türsturz der Synagoge mit
einem hebräischen Zitat aus Jesaja 56,7, der sich bei der Kapelle von Schloss
Neuhaus befindet. Die Übersetzung des Steines lautet: "Mein Haus soll ein
Bethaus für alle Völker genannt werden" (mit Jahreszahl nach jüdischem
Kalender für 1840).
Fotos
Historische Fotos:
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| Die Grombacher Synagoge um
1935 (Ausschnitt aus einer Luftaufnahme von Nordwesten) |
Die zerstörte Synagoge von
Grombach kurz vor dem Abbruch (Aufnahme W. Kosian) |
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| Inschrift auf dem
Türsturz der ehemaligen Synagoge Grombach, aufbewahrt bei der Kapelle des
Schlosses Neuhaus. Zitat aus Jesaja 56,7: "Mein Haus soll ein Bethaus
für alle Völker genannt werden" |
| Abbildungen in:
Hans Appenzeller, Geschichte... s. Lit. S. 36.39. |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1985 und 2002:
(Foto links: Hahn) |
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Die örtliche Verwaltungsstelle in
Grombach auf dem
Grundstück der
ehemaligen Synagoge |
dasselbe Motiv 2002
(Quelle: hier
anklicken) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 113-114. |
 | Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in
Kreis und Stadt Heilbronn. S. 80-83. |
 | Hans Appenzeller: Geschichte der jüdischen Gemeinde
Grombach, in: Bad Rappenauer Heimatbote. Heimatgeschichtliche Beilage des
Mitteilungsblattes. Jg. 7 Dezember 1995. S. 33-40. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 293-294. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Grombach Baden.
Jews settled temporarily during the Thirty Years War (1618-48), founding a
permanent settlement in the 18th century, that numbered 40-50 Jews throughout
the 19th century (about 6 % of the total). The number dropped to 20 by 1933,
with the Jews gradually forced to liquidate their businesses under the economic
boycott. Eight left for other cities in southern Germany, in 1933-1939. The
synagogue was burned on Kristallnacht (9-10 November 1938), and seven of
the last eight Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October
1940.

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