Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rohrbach (Stadt Sinsheim, Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Frühjahr 2008: Die Außenrenovierung der ehemaligen Synagoge ist abgeschlossen 

Rohrbach 740.jpg (67145 Byte) Foto erhalten von Ralph Böttcher, Sinsheim-Rohrbach  

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    

In Rohrbach bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 31. März 1906. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1729 wird ein Rabbi Moses Krakau als Schutzjude erwähnt. 1790 lebten 11 jüdische Familien am Ort. 

Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wird um 1839 mit 121 Personen erreicht. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl durch Abwanderung rasch zurück. 1900 wurden nur noch 21 jüdische Einwohner gezählt. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (im Synagogengebäude) und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.
   
Nach 1906 wurden die noch in Rohrbach lebenden Juden der Steinsfurter, nach 1925 der Sinsheimer Gemeinde zugewiesen. 
   
Nach den Deportationen in der NS-Zeit kamen die beiden 1933 in Rohrbach noch wohnhaften jüdischen Personen ums Leben.
     
  
   

Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge

Ein Betsaal war spätestens in der Mitte des 18. Jahrhunderts vorhanden. 1756 wird berichtet, dass die Rohrbacher Juden für ihre religiösen Übungen "einen besonderen Platz" benutzten. 1769 zahlten die Juden "von einem Hauß und Schul" Gebäudezins. Mit "Schul" war damals bereits die alte Synagoge gemeint, ein Vorgängerbau auf dem Grundstück der neuen Synagoge des 19. Jahrhunderts (heute Grundstück Heilbronner Straße 43). 

Als 1823 diese alte Synagoge renoviert werden sollte, beschloss die jüdische Gemeinde zunächst den Neubau einer Synagoge mit einem rituellen Bad. Bei einer Ortsbesichtigung im Juli 1823 stellte das Bezirksamt Sinsheim fest, dass die Synagoge so baufällig war, dass sie entweder mit bedeutenden Kosten renoviert oder neu erbaut werden musste. Nur bei einem Neubau könnte freilich der Standort des Bades im Synagogengebäude beibehalten werden. Hierauf sprach sich die Gemeinde zunächst dafür aus, die alte Synagoge zu renovieren. Der Sinsheimer Geometer Metzler stellte im August 1823 allerdings fest, dass eine Reparatur der alten Synagoge fast ausgeschlossen sei und keinerlei Kostenersparnis mit sich bringen würde. In den folgenden Monaten erstellte Metzler den Plan einer neuen Synagoge mit rituellem Bad, deren Ausführung 2.398 Gulden kosten sollte. Ende Dezember 1823 wurde die jüdische Gemeinde vom Oberamt aufgefordert, sich zu entscheiden. Der Gemeinde war der Neubau nach den Plänen Metzlers jedoch zu teuer. Sie wollte weiterhin eine Reparatur der alten Synagoge und verwies auf den Plan des Rohrbacher Baumeisters Mathäus Beetz, der 500 Gulden weniger kosten würde. Beetz hätte zudem die Kosten für einen Neubau auf 1.263 Gulden geschätzt. Bezirksrabbiner Bamberger aus Neckarbischofsheim wurde um eine Stellungnahme gebeten, doch wusste dieser auch nicht, was er der Gemeinde raten sollte. Bis 1830 geschah nun sehr wenig, zumal es innerhalb der Gemeinde starke Differenzen in der Finanzierung des Synagogenbaus gab. Seit 1826 bestand die Absicht, Baumeister Friedrich Wundt, der 1824/25 die evangelische Kirche gebaut hatte, für den Synagogenbau heranzuziehen. 1832 legte Wundt einen neuen Plan und Kostenvoranschlag für den Bau der Synagoge vor. Maurermeister Johannes Mittel steigerte die Ausführung dieses Planes im Mai 1832 für 1.893 Gulden. Die Arbeiten am rituellen Bad führte Brunnenmeister Anton Pfau aus. Anfang September 1833 konnte der Synagogenbau vollendet werden. Allerdings klagte bei der Bauabnahme Architekt Wundt über manche Veränderungen in der Ausführung, wodurch der Bau an "Festigkeit und Schönheit" verloren habe. Dennoch hatte mit dem Abschluss der Arbeiten die jüdische Gemeinde in Rohrbach ein repräsentatives Synagogengebäude erhalten. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte waren immer wieder Reparaturen notwendig, insbesondere 1870, als für 1.061 Gulden das Gebäude grundlegend erneuert wurde.

Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde in Rohrbach wurde das Synagogengebäude am 6. März 1907 für 2.000 Mark an die politische Gemeinde verkauft. Diese baute das Gebäude 1909 zu einem Gemeindehaus um. Das Obergeschoss (Bereich der Frauenempore) sollte für Versammlungen und Versteigerungen eingerichtet werden; die übrigen Räume im Erd- und Obergeschoss zur Aufbewahrung von Geräten und Materialien der Gemeinde. Schließlich wurde das Obergeschoss als Bürgersaal und Unterrichtsraum für die Konfirmanden verwendet. Während der Einquartierung russischer Kriegsgefangener im 1. Weltkrieg wurde auf Höhe der ehemaligen Frauenempore im Betsaal eine Zwischendecke eingezogen. Der dadurch entstandene obere Raum konnte wenige Jahre später als Schulsaal und als Bürgersaal der Gemeinde genutzt werden. Von 1936 bis nach 1945 war der Kindergarten in diesem Saal untergebracht. 1967 kam das Gebäude in Privatbesitz und wurde für Wohnzwecke (bis zu vier kleine Sozialwohnungen) und für Lagerzwecke sowie als Stallung verwendet.

Im Januar 2004 erwarb ein Restauratoren-Ehepaar das Gebäude. Das Gebäude wird seitdem zu Wohnzwecken umgebaut mit dem Ziel, das ehemalige jüdische Gemeindezentrum mit Betsaal, Schule und Mikwe auch nach dem Umbau "erlebbar" zu machen.
   

 
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:   

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
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  Blick von der 
Heilbronner Straße
Blick auf die Ostfassade; links des kleineren Gebäudes das Fenster des Betsaales
     
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Der Eingangsbereich Die Westfassade der Synagoge Der Grundstein von 1832
     
     
Fotos Oktober 1988
(Fotos: Hahn)
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   West- und Eingangsseite Südseite
       
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Auf dem Dachboden - Blick nach Westen Auf dem Dachboden - Blick nach Osten (kleines Fenster der Ostfassade siehe Foto oben rechts) Auf der Höhe der ehemaligen Frauenempore
     
   Rohrbach Synagoge 185.jpg (45125 Byte) Rohrbach Synagoge 180.jpg (70473 Byte)
  Im Treppenhaus (ehemaliger Zugang für Frauenempore) Der Grundstein von 1832
     
Fotos 2003/04
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2003; Innenaufnahmen am 7.7.2004): 
  
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Das Gebäude ist in wenig verändertem Zustand Blick auf die Westfassade und die nördliche Seitenfassade Von den beiden Eingängen war der linke für die Frau (Zugang zum Bad und zur Empore), der rechte für die Männer
     
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Im Erdgeschoss Im Treppenhaus der ehemaligen Synagoge: links Tür zum Bereich der Mikwe Blick in den Bereich des ehemaligen Betsaals - Männerbereich im Erdgeschoss
     
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Blick in den Bereich der ehemaligen Mikwe (Vorderraum; im hinteren Raum war eine Bad-Küche, u.a. zum Koschermachen von Geschirr) Im Dachgeschoss. Hier wurde nach 1909 eine kleine Wohnung eingebaut.  Im ehemaligen Schulraum: alter eingebauter Schrank
     
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Im ehemaligen Schulraum Auf der ehemaligen Frauenempore: Erinnerungen an die Zeit der Nutzung als "Bürgersaal" der Gemeinde Auf Höhe der ehemaligen Frauenempore
     
 "Synagogen-Workshop" am 16. Juli 2004 in Sinsheim-Rohrbach der "Arbeitsgemeinschaft Bauwerkserhaltung" Rohrbach Synagoge 193.jpg (45219 Byte)Rohrbach Synagoge 190.jpg (44744 Byte) Rohrbach Synagoge 192.jpg (52246 Byte)
Die beiden (originalen Eingangstüren): links für die Frauen zur Mikwe und der Frauenempore, rechts der Eingang zum Betsaal der Männer Vor der ehemaligen Synagoge: Dipl.-Restauratorin Silke Böttcher beantwortet Fragen
     
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Im ehemaligen Schulraum; in der Mitte Dipl.-Restaurator Ralph Böttcher Auf dem Hof seitlich der ehemaligen Synagoge: Dr. Joachim Kleinmanns (Karlsruhe, AG Bauwerkserhaltung) gibt Erläuterungen 
     
"Tag des offenen Denkmals" am 
10. September 2006
Ehepaar Böttcher lud ein, um den Stand der Restaurierungsarbeiten besichtigen zu können.
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    Blick auf die ehemalige Synagoge: mehrere Führungen durch das Gebäude fanden am 9./10. September statt. Zimmer im Dachgeschoss (ehemalige Lehrerwohnung)
     
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Nach Herausnahme der Zwischendecke ist der ehemalige Betsaal wieder erlebbar Im ehemaligen Schulsaal
   
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Detail einer ursprünglichen Bemalung Auf Höhe der ehemaligen Frauenempore Blick auf die ehemalige Synagoge von Süden
     
     
Text aus der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ Regional - Kraichgau) vom 8. September 2006: "Der alte Gebetsraum wird zum Wohnzimmer" von Sarah Kringe

Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Vor über zweieinhalb Jahren hat das Restauratorenehepaar Silke und Ralph Böttcher die alte Synagoge in Rohrbach gekauft und ist seither mit viel Mühe und Hingabe damit beschäftigt, das ziemlich heruntergekommene Gebäude wieder bewohnbar zu machen. Zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag wollen die beiden die Restaurationsfortschritte präsentieren sowie Anleitungen und Tipps für Eigenrestaurationen geben. 
"Im Dezember wollen wir einziehen", verrät Silke Böttcher, und wenn man das künftige Zuhause des Ehepaars betritt, kann man sich bereits vorstellen, dass es sich hier einmal sehr schön leben lassen wird. Man bemerkt allerdings auch, dass es bis dahin noch viel zu tun gibt. Die alte Synagoge in der Hauptstraße in Rohrbach hat eine bewegte Geschichte. 1832 erbaut, diente sie bis 1906 als Synagoge und Judenschule, danach als Bürgersaal, Sozialeinrichtung oder Grundschule, sie beherbergte zwischenzeitlich auch Kriegsflüchtlinge. Das denkmalgeschützte Haus wurde zuletzt von ortsansässigen Bauern als Scheune, Viehstall und teilweise Wohnraum genutzt, bis Silke und Ralph Böttcher es im Januar 2004 erwarben. 
Mit der Geschichte ihres Hauses kennen sich die beiden mindestens genauso gut aus wie mit den Baumaterialien und der Architektur der Synagoge. "Das ist eine Auflage der Denkmalpflege", erklärt Ralph Böttcher. Wer ein historisches Gebäude erwerbe, müsse sich in dessen Geschichte vertiefen und mit deren Hilfe eine so genannte Bestands- oder Fundaufnahme machen. Dabei wird geprüft, was noch vorhanden ist und wie es geschützt werden kann. Denn wer ein denkmalgeschütztes Objekt gekauft hat, darf damit nicht willkürlich verfahren, sondern muss sich Auflagen beugen und versuchen, soviel als möglich vom Ursprungszustand zu erhalten. Für die Böttchers ist das kein Problem. 'Wir hatten sowieso vor, so viel wie möglich zu erhalten', sagt Silke Böttcher."

     

     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Sinsheim
Website der des Ehepaares Boettcher: Firma Boettcher-Restaurierung   

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 262-263. 
Meinhold Lurz: Rohrbach. 1099 – 900 Jahre – 1999. Sinsheim 1998. Hierin Abschnitt "Die Jüdische Kultusgemeinde" S. 166-176.

 

                   
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Stand: 20. Dezember 2009