Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurmainzischen Amtsstadt Tauberbischofsheim bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und in der Neuzeit bis 1939. Vermutlich waren zwischen dem 13. und 20. Jahrhundert mit nur wenigen Unterbrechungen Juden in der Stadt. Im Mittelalter hatte die Gemeinde unter vier furchtbaren Judenverfolgungen 1235, 1298 (mit 130 Toten), 1336-39 und 1348/49 zu leiden, durch die die Gemeinde jeweils fast völlig ausgelöscht wurde.  
  
Seit dem 17. Jahrhundert nahm die Zahl der Juden in der Stadt wieder stärker zu. 1706 zahlten sechs jüdische Haushaltsvorstände und eine Witwe Schutzgeld. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 109 jüdische Einwohner (4,6 % von insgesamt 2.374 Einwohnern), 1834 103 (4,4 % von 2.338), 1865 147 (5,1 % von 2.891), 1875 177 /6,2 % von 2.329), 1880 200 (6,5 % von 3.074), 1885 207, 1900 181 (4,6 % von 3.930), 1910 154 (4,3 % von 154). 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1850 bis 1864 war Tauberbischofsheim vorübergehend Sitz eines Bezirksrabbinates (vorher und nachher war dieses in Wertheim). Bezirksrabbiner war von 1852 bis zu seinem Tod 1869 Jakob Löwenstein (zuvor Bezirksrabbiner in Gailingen).  Seit 1875 bestand an einer damals in der Stadt eingerichteten Präparandenschule neben katholischen und evangelischen auch für jüdische Schüler die Möglichkeit, sich auf die Ausbildung zum Lehrerberuf vorzubereiten (1876 3 jüdische Schüler). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Karl Bloch (geb. 24.2.1899 in Tauberbischofsheim, gef. 13.10.1918), Sally Brückheimer (geb. 26.5.1893 in Tauberbischofsheim, gef. 2.8.1917), Max Mayer (geb. 1.7.1879 in Eubigheim, gef. 18.11.1916), Gefreiter Ludwig Reiß (geb. 4.10.1889 in Tauberbischofsheim, gef. 26.9.1914) und Ludwig Scharff (geb. 10.3.1883 in Bruchsal, gef. 19.7.1915).       
  
Um 1924, als in Tauberbischofsheim noch etwa 140 jüdische Personen lebten, waren die Gemeindevorsteher Adolf Strauß, Elias Rosenstock und Louis Steinhardt. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war Oskar Dreifuß tätig, als Synagogendienerin Meta Meyer. Die Religionsschule der Gemeinde besuchten drei der schulpflichtigen Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden der Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Chewra Kadischa (1924 unter Leitung von Max Brückheimer mit 25 Mitgliedern), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1916, 1924 unter Leitung der Frau von Adolf Strauß mit 30 Mitgliedern, 1932 mit 40 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker sowie Bestattungswesen) sowie die Durchwanderer-Unterstützungskasse (gegründet 1930, 1932 unter Vorsitz von Lehrer Kaufmann; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung jüdischer Durchwanderer). An Stiftungen bestand die Samuel-Strauß-Stiftung und der Israelitische Kultusfonds. Da die jüdischen Gemeinden in Hochhausen und Impfingen schon einige Zeit aufgelöst waren, gehörten die wenigen dort noch lebenden jüdischen Personen (in Hochhausen 1924 3, 1932 3, in Impfingen 1924 4, 1932 3 und Königshofen 1932 3) zur jüdischen Gemeinde in Tauberbischofsheim. 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Adolf Strauß (1. Vors.) und Elias Rosenstock (2. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 erhielten 12 Kinder den Religionsunterricht (durch Lehrer Kaufmann).        
  
Am Wirtschaftsleben der Stadt hatten die jüdischen Einwohner einen relativ hohen Anteil. 1933 zählte man neben einem Dutzend Vieh- und Pferdehändler 19 jüdische Geschäfte, darunter fünf Manufakturwarengeschäfte, zwei Schuhgeschäfte, eine Lederhandlung, ein Modewarengeschäft, zwei Weinhandlungen, zwei Getreidehandlung und eine Bank. Ein Teil dieser Geschäfte sei genannt: Weinhandlung Adler (Würzburger Straße 1), Viehhandlungen Rafael Bauer und Leo Brückheimer (Gartenstraße 2), Damenhütegeschäft Nelly Bloch (Hauptstraße 44), Manufakturwaren Justin Blum (Marktplatz 11), Fa. Heumann & Kraft, Inh. Max Heumann und Louis Kraft (Grabenweg 4), Schuhgeschäft Jakob und Marie Levy (Hauptstraße 64), Metzger Emil Sauer (Hauptstraße 53), Manufakturwarenhandlung Willi Sauer (Hauptstraße 46), Kolonialwarengeschäft Moritz Spiegel (Marktplatz 10), Weingroßhandlung Adolf Strauß (Hauptstraße 46).
 
1933 wurden 106 jüdische Einwohner in Tauberbischofsheim gezählt. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sowie der Folgen des wirtschaftlichen Boykott ist ein Teil von ihnen ausgewandert oder in andere Städte verzogen. Über die Gräueltaten 1938/39 siehe unten bei der Synagogengeschichte. Die letzten jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. 
  
Von den in Tauberbischofsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bella Adler (1863), Clara (Klara) Adler geb. Fröhlich (1872), Friederike (Ricka) Bauer geb. Krämer (1877), Raphael Bauer (1874), Amalie Bender geb. Sauer (1879), Berta Brückheimer geb. David (1860), Isidor Brückheimer (1890), Ludwig Brückheimer (1890), Auguste Cohn geb. Schloss (1886), Rosa Dorfzaun geb. Wassermann (1889), Melitta Eisig geb. Vogel (1895), Rose Engel geb. Sauer (1868), Elisabeth Auguste Feldheim geb. Adler (1896), Emma Fleischhacker geb. Wildberg (1882), Jacob (Jacub) Franc (1862), Lina Freudenthal geb. Sussmann (1861), Rosa Grünhut geb. Nussbaum (), Rosa Grünhut geb. Marx (1876), Adolf Gutmann (1878), Josef Guttmann (1908), Marie (Maria) Heilbrunner geb. Strauss (1860), Henriette Heimann (1875), Sanchen Heimann geb. Heumann (1880), Anna Herrmann geb. Kahn (1870), Bertha (Berta) Herz geb. Wassermann (1902), Max Heymann (1882), Elise Jonas geb. Wassermann (1890), Henriette Kahn geb. Schwerin (1875), Käthe Kahn geb. Sauer (1899), Wilhelm Kahn (1884), Paula Kaufmann geb. Strauss (1898), Ruth Kraft (1922), Hertha Langer (1924), Sara H. Leiser geb. Karpf (1909), Richard Loeser (1903), Meta Mayer geb. Adler (1887), Karolina Merzbacher (1870), Amalie Neu geb. Schloß (1873), Alfred Rosenbaum (1910), Jakob Rosenthal (1886), Helene (Helena) Rothschild geb. Guggenheimer (1874), Lili Rotschild geb. Klau (1890), Salomon Rothschild (1865), Amalie Rüßmann geb. Grünehut (1888), Hermann Sauer (1876), Hortense Sauer geb. Lehmann (1885), Hugo Sauer (1883), Johanna Sauer (1885), Lotte (Liselotte, Alice) Sauer geb. Schettmar (1903), Patensia Sauer (1885), Sara Sauer geb. Bacherach (1860), Siegfried Sauer (1887), Hans Schettmar (1900), Friedrich Schloß (1867), Klara Sichel geb. Weikersheimer (1869), Marthe (Marta) Sichel geb. Süssmann (1881), Flora Simons geb. Brückheimer (1892), Berta Sommer (1893), Elise Sommer (1891), Melanie Sommer geb. Sauer (1872), Moses Sommer (1886), Brünette Sommerfeld geb. Grünhut (1882), Luise Stahl geb. Klau (1890), Babette Steinhardt geb. Reis (1880), Julius Steinhardt (1871), Berta Stein geb. Sommer (1881), Sigmund Stern (1879), Cilli (Cilly) Stiebel geb. Schloß (1861), Adolf Strauss (1866), Frieda Strauss geb. Goldstein (1881), Rosa Süsskind geb. Lindheimer (1873), Emma Vogel geb. Sauer (1869), Hermine Vogel geb. Sauer (1864), Klara Wassermann geb. Baiersdorfer (1866), Siegfried Wassermann (1891), Paula Wirth geb. Schaf (1886), Frida (Jakobina) Zwaab geb. Grünhut (1889), Horst Alfred Zwaab (1927), Moses (Moritz) Zwaab (1884).      
  
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Tauberbischofsheim  
Zum Tod von Rabbiner Jacob Löwenstein (1869)  
Hinweis: die hebräischen Zitate werden gewöhnlich deutsch übersetzt oder interpretiert, daher wird das Hebräische nicht separat wiedergegeben.  

Tauberbischofsheim Israelit 01091869.jpg (319643 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1869: "Bischofsheim an der Tauber, im Ellul. Ein edles Leben, reich an Tugenden, ist erloschen; ein Leben, von dem wir mit den Weisen sagen können: 'Mosche war nicht nur für sich gottesfürchtig und der höchsten sittlichen Veredlung zustrebend, sondern er suchte auch Alle, auf die sich sein geistlicher Einfluss zu erstrecken vermöchte, auf diese Stufe zu führen', - hat zu wirken aufgehört.
Der ehrwürdige Rabbiner, Herr Jacob Löwenstein in Tauberbischofsheim, ist - nachdem er wenige Tage vorher seinen siebzigsten Geburtstag und den Tag seiner 40-jährigen Amtstätigkeit gefeiert - heimgegangen zu seinen Vätern. Und der tiefste Schmerz, das aufrichtigste Bedauern, hat nicht nur die leidtragenden Familienglieder und die seiner geistlichen Obhut anvertrauten Gemeinden, sondern auch alle Diejenigen aus Schmerzlichste ergriffen, die das Glück hatten, den vortrefflichen Mann näher zu kennen. Herr Rabbiner Löwenstein war ein Mann von seltenen Eigenschaften. Begeistert und erglüht für die ewigen Wahrheiten seines heiligen Berufes hat der mit einem unerschütterlichen Glaubensmute, mit einer bewunderungswürdigen Gewissenstreue, mit der edelsten Selbstverleugnung sein heiliges Amt vom ersten bis zum letzten Tage seiner amtlichen Wirksamkeit verwaltet. In diesem an Verdienstlichkeit reichen Leben war kein Tag verloren; kein tag, der nicht der Forderung des Guten und Edlen gewidmet war. Von ihm konnte man sagen: 'Heil seiner Jugend sie stand mit seinem Alter in keinem Widerspruch!' Es war ein folgerichtiges Leben, das darum auch mit eiserner Konsequenz, mit Tatkraft seine Prinzipien zur Geltung bringen konnte und selbst denjenigen allmählich Achtung und Bewunderung abnötigte, die anfänglich demselben entgegenstanden: 'Wenn des Mannes Wandel Gott gefällt, so söhnt er auch seine Feinde mit ihm aus".    
Ihm war die Heilige Tora kein Gewerbe, um materielle Vorteile zu erringen. Er sprach die ungeschmückte Wahrheit, wenn er sich auch, wie dies oft zu geschehen pflegt, durch anfängliche Verkennung seiner guten und reinen Absichten augenblickliche Ungunst zuzog. 'Nicht nach Beifall trachte ich', pflegte er zu sagen, 'sondern nach Wahrheit.'  
'Auf Befehl Gottes lagerten sie; auf Befehl Gottes brachen sie auf, die Andeutung Gottes beobachteten sie.' Dieses waren seine Textworte bei seinem Amtsantritte in Tauberbischofsheim. Er ermahnte nicht nur zur Zedaka (Wohltätigkeit), sondern spendete von seinem mäßigen Einkommen so reichlich, dass sich hier eine Proportion ergeben würde, die so manches Reichen vielgepriesene Wohltätigkeit beschämen könnte. 
Und wie war er beflissen, die Tora in Israel groß zu machen! Nicht nur, dass er den seiner Inspektion unterstellten Religionsschulen die gewissenhafteste Aufmerksamkeit zuwandte und den Lehrern ein treuer Freund und Ratgeber war, er erteilte auch stets mit dem größten Vergnügen den Talmudbeflissenen Unterricht, wobei er eine wohldurchdachte Methode, eine fassliche, geisterweckende Mitteilungsgabe anzuwenden, eine dem Anfänger, wie dem weiter Vorangeschrittenen, angemessene Auswahl zu treffen wusste. 
Doch was ihm zu bleibendem Ruhme gereichen durfte, ist, dass er in die Schranken trat für die Erhaltung der unverfälschten Gotteslehre, dass er den Kampf nicht scheute gegen eine falsche Bibel-Interpretation zu einer Zeit, wo außer dem ehrwürdigen und verdienstvollen Herrn Rabbiner Hirsch in Frankfurt - sein Licht leuchte - keiner der anderen Amtsgenossen, sei es aus Unfähigkeit im deutschen Ausdruck oder aus allzugleichgültigen Betrachtung dieser Reformbestrebungen, diesen Kampf aufnahm. Damals war es Herr Rabbiner Löwenstein in Gailingen, der als junger Mann in seiner 'Das reine Licht', gegen den Thariag des verstorbenen Dr. Kreuznach in Frankfurt auftrat. - Und er bewies es, dass die mit profaner Wissenschaft gepaarte gründliche Talmudkenntnis dem zersetzenden Zeitgeiste mit den erfolgreichsten Waffen zu begegnen vermag.  
Diesen Geist der reinsten Gottesfurcht, diese tiefe und umfassende Kenntnis der Religionswissenschaften erhielt Rabbiner Löwenstein von den berühmtesten Lehrern, die zur Zeit seines Studienganges auf deutschen Rabbinatsstühlen saßen. In Bruchsal, im Großherzogtum Baden von frommen Eltern geboren( sein seliger Vater war selbst ein Torakundiger), erhielt er eine sorgsame Jugendbildung und genoss den Unterricht des Vaters des seligen Oberrats Epstein, Rabbiner Pilta Epstein seligen Andenkens. Von hier aus kamen auf die Jeschiwa nach Mainz, wo er unter dem frommen und weitberühmten Rabbi Herz Scheuer - seligen Andenkens - sein Talmudstudium fortsetzte. Nachdem er Mainz verlassen, hielt er sich längere Zeit in Hanau auf und lernte hier unter dem berühmte Rabbiner Mosche Towja seligen Andenkens.  
Tauberbischofsheim Israelit 01091869a.jpg (405543 Byte)Den Schluss seiner Jugendstudien bildete Würzburg, wo er die Universität besuchte, den Vorlesungen des berühmten Professors Wagner mit besonderem Fleiß oblag und dabei unter Rabbiner Abraham Bing - seligen Andenkens - seine Talmudstudien weiter trieb.  
Nachdem er so die gründlichsten umfassendsten Talmudstudien gemacht und dabei die profanen Wissenschaften mit Fleiß gepflegt hatte, trat er die Bezirksrabbinerstelle in Gailingen, an, wo er 22 Jahre lang segensvoll wirkte. Die letzten 18 Jahre wirkte er in Tauberbischofsheim.  
Seine ganze Amtstätigkeit vom ersten bis zum letzten Tage lässt sich in die Worte des Propheten resümieren: 'Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde; Unrecht wurde auf seinen Lippen nicht gefunden; in Friede und Biederkeit wanderte er mit mir und brachte Viele von der Sünde zurück.'  Moritz Fuld."     
Tauberbischofsheim, 29. Juli (1869). Wir haben heute einen Mann zu Grabe geleitet, dessen Andenken allen denen teuer sein wird, die ihn näher gekannt, und seinen reinen makellosen Wandel zu würdigen in die Lage gesetzt waren: Bezirksrabbiner Löwenstein wurde plötzlich nach 3-tägiger Krankheit unserer Mitte entrissen, nachdem er 18 Jahre hier segensreich gewirkt. An ihm verliert die Familie einen liebevollen Gatten und Vater, die israelitische Gemeinde seines Bezirks einen gewissenhaften Seelenhirten, die Gesellschaft einen braven, treuen Bürger, Der außergewöhnliche Leichenzug gab auch Zeugnis von der Liebe und Ächtung, die er sich allenthalben durch sein stilles Wirken, durch seine edle Bescheidenheit erworben. Verflossenen Samstag feierte derselbe seinen 70. Geburtstag und zugleich sein 40. Dienstjahr. Diesen Tag, an welchem ihm so viele Bewiese der Anhänglichkeit, der Achtung und Freundschaft von Allen bekundet wurden, rechnete er zu den schönsten seines Lebens. Schon aber warf der Todesengel seine düstern Todesschatten vor sich her; nur er jedoch bemerkte dieselben und seine freundliche Heiterkeit verscheuchte sie vor den Blicken anderer, damit die Festesfreundnacht nicht getrübt werde. Willenskräftig wie Wenige, enthaltsam bis zur Kasteiung, suchte der Verblichene seiner Familie alle erlaubten Vergnügen zu bereiten; kein Opfer war ihm zu groß, wenn es sich darum handelte, seine Angehörigen zu erfreuen. Er war aber nicht nur Vater der Seinigen, sondern auch Vater der Armen. Wo es galt, Hilfsbedürftige zu unterstützen, Notleidenden zu helfen, Trauernde zu trösten, war er bereit, und nie glaubte er darin genug getan zu haben; ihn ihm verlieren viele einen freundlichen Helfer, einen treuen Ratgeber. Die israelitische Gemeinde betrauert in ihm einen edlen Seelenhirten. Ihm war die Kanzel eine geweihte Stätte, von welcher das Gotteswort rein und unverfälscht gelehrt wurde; dort strafte und ermahnte, rügte und warnte, lehrte und unterwies er; aber außerhalb des Gotteshauses war er Menschenfreund im edelsten Sinne des Wortes, fremd jedem Fanatismus, feind jeder Verdammungssucht, liebevoll gegen jedermann, bescheiden und bieder in seinem Umgange. Nichts gibt einen glänzenderen Beweis von der Reinheit seiner Gesinnung, von der Erhabenheit seiner Grundsätze, von der Lauterkeit seines Charakters, als die in seinen letztwilligen Anordnungen, teils an seine Hinterbliebenen, teils an seine unter seiner geistigen Leitung gestandene Gemeinde gerichteten Worte: 'Folgende teils moralische, teils religiöse Pflichten, gegen welche aus menschlicher Schwäche oft gefehlt wird, empfehle ich meinen Hinterbliebenen. Liebe und Eintracht zwischen Familienmitgliedern, Dankbarkeit gegen Gott unter allen Umständen für seine unzähligen Wohltaten. Dankbar gegen Menschen, welche ihre Güte, wäre es auch nur ein einziges Mal, uns erwiesen haben. Von Niemandem in seiner Abwesenheit Böses reden. Niemanden zu verurteilen, so lange man nicht von der Verwerflichkeit seiner Handlungen unumstößlich überzeugt ist; selbst bei einem tadelnswerten Menschen seine gute Eigenschaft nicht zu verkennen. Vor der Einsenkung des Sarges werde in meinem Namen Folgendes verkündet: Ich danke meinen zahlreichen Gönnern im Rabbinatsbezirk für die vielfachen Beweise ihres Wohlwollens und ganz besonders den hiesigen Gemeindegliedern. Ich verzeihe von ganzem Herzen Jedem, der mir zu nahe getreten ist, wie auch Gott ihm verzeihen möge. Ich bitte Jeden um Verzeihung, dem ich vielleicht in Übereilung zu nahe getreten bin, wie auch Gott mir verzeihen möge. Ich bitte sämtliche Bezirksangehörige, das Institut der Sammlung von Spenden für die Armen des heiligen Landes nicht eingehen zu lassen.' Mit diesen Lehren stand sein Leben in vollem Einklang; Wort und Tat stimmten überein; was er lehrte, war aus voller Überzeugung entsprungen. Theorie und Praxis bildeten keinen Gegensatz. So gewissenhaft und pünktlich der Heimgegangene jedoch in der Erfüllung seiner Pflichten war, so strenge er selbst alle Vorschriften der Religion beobachtete, über Andersdenkende und Andershandelnde urteilte er stets milde; er beklagte den Unglauben, allein den Ungläubigen verdammte er nicht. Aber auch Bürgersinn wohnte in seinem edlen Herzen. Lebte er auch zurückgezogen, so verschloss er sich dennoch der politischen Bewegung nciht. Immer freute er sich, wenn in unserer Stadt oder in unserem engeren oder weiteren Vaterland ein, die hohen Zwecke der Gesellschaft fördernder Fortschritt auf irgendeinem Gebiete sich kund gab. Doch blieb er den politischen Kämpfen stets fern. Sein Beruf war das Lehren. Schwach wie er war, unterzog er sich gern dieser Mühe und ließ sch durchaus nicht abzalten, noch in den letzten Wochen den Unterricht zu erteilen; und dieser Unterricht war, wie sein ganzes Wesen, geistig durchdacht und geistig anregend. Er war ein Muster eines Geistlichen. Sein Name bleibt auch in ehrender Erinnerung in unser Aller Herzen."   

    
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schulen     
Ausschreibungen der Stelle(n) des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1880 / 1899 / 1902

Tauberbischofsheim AZJ 23111880.jpg (100113 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. November 1880: "Die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers bei der israelitischen Gemeinde in Tauberbischofsheim wird hierdurch zur Bewerbung ausgeschrieben. Neben freier Amtswohnung beträgt das Einkommen derselben: 1. fester Gehalt von der israelitischen Gemeinde Mark 1.200, 2. aus der Kasse der politischen Gemeinde Mark 200, 3. für Erteilung des Religionsunterrichts an die Zöglinge der Präparandenanstalt aus der Oberrats- und Oberschulratskasse Mark 200, die Nebeneinkünfte sind ca. 300 bis 400 Mark, 5. Schulgeld von ca. 41 Kindern je 12 Mark.
Außerdem kann dem anzustellenden Lehrer das Amt eines Rechners israelitischer Stiftungen und das Abhalten der Seelengebete für die Stifter übertragen werden, was ein Erträgnis von Mark 80 abwirkt. Ferner besitzt die israelitische Gemeinde eine Pensionskasse, woraus dem Lehrer und seinen Relikten eine statutenmäßige Unterstützung zugesichert wird. Die Stelle kann mit dem 1. Februar eventuell mit dem 1. März 1881 angetreten werden.  Bewerber, welche in der französischen Sprache Unterricht erteilen können, erhalten den Vorzug. Meldungen mit Vorlage von Zeugnissen sind mit Frist von 4 Wochen bei der Unterzeichneten einzureichen. 
Merchingen, den 16. November 1880. Die Bezirkssynagoge. Flehinger, Rabbiner."
 
Tauberbischofsheim Israelit 13041899.jpg (107133 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1899: "Ausschreiben! Die Religionslehrer- und Vorbeterstelle in Tauberbischofsheim ist durch Beförderung des bisherigen Inhabers Herrn J. Driesen zum Direktor am Landesstift in Karlsruhe bis zum 1. September dieses Jahres neu zu besetzen. Mit der Stelle sind außer geräumiger Dienstwohnung, welche die Aufnahme mehrerer Pensionär gestattet, folgende Einkünfte verbunden. 1. Anfangsbehalt Mark 1400, 2. Gemeindesekretariat Mark 150, 3. Besorgung von Stiftungsrechnungen und Seelengebeten Mark 160, 4. Religionsunterricht an der Großherzoglichen Präparandenschule  Mark 250, 5. Religionsunterricht am Großherzoglichen Gymnasium Mark 120, 6. Eventuell Religionsunterricht an der Großherzoglichen Taubstummen-Anstalt in Gerlachsheim  200, 7. Schulgeld Mark 50, 8. Aversum für religiöse Funktionen Mark 300, 9. Sonstige Nebengefälle etwa Mark 220. Summe Mark 2850.
Gelegenheit zur Erteilung von Privatunterricht ist geboten. Die Gemeinde bewährt dem Lehrer und seinen Hinterbliebenen außer dem vom Großherzoglichen Oberrat festgesetzten Ruhegehalt eine Pension aus ihrer Beamtenpensionskasse. Bewerber wollen sich unter Einreichung von Zeugnisabschriften, die nicht zurückgegeben werden, bis 1. Mai dieses Jahres an den Synagogenrat in Tauberbischofsheim wenden. Mosbach, den 6. April 1899. Die Bezirkssynagoge: Dr. Löwenstein."
 
Tauberbischofsheim Israelit 01091902.jpg (63430 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1902: "In der israelitischen Gemeinde Tauberbischofsheim ist die Stellung als Schächter und Synagogendiener zu besetzen. Das feste Gehalt beträgt Mark 400, die Einnahmen aus der Schechitah belaufen sich auf 6 bis 700 Mark. Für aushilfsweises Vorbeten werden Mark 100.- und für eventuelle Besorgung der israelitischen Armenpflege ebenfalls Mark 100.- vergütet. Die Stellung eignet sich für einen jüngeren Mann, der sonst noch einen Erwerbszweig daneben hätte. Meldungen erbittet baldigst 
Der Synagogenrat: Moritz Strauss."

 
Abschied von Lehrer Moritz Fuld (1859; Fuld war von 1845-1859 Lehrer in Tauberbischofsheim)  

Tauberbischofsheim Jeschurun AF 121859.jpg (113159 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" (Alte Folge) vom 20. Dezember 1859: "Tauberbischofsheim, im Oktober 1859. Für den wahrhaft pflichttreuen Lehrer gibt es wohl keinen süßeren Lohn, als das Bewusstsein erfüllter Pflicht. Dieser Lohn wird aber doch noch gesteigert, wenn dem treuen, fleißigen Lehrer Anerkennung von denen zuteil wird, für die er sich abgemüht, für die er Kraft und Zeit geopfert. – Einer solchen Anerkennung in ihrem ganzen Umfange hatte sich Herr Lehrer M. Fuld bei seinem Scheiden von der Gemeinde Tauberbischofsheim zur Übernahme einer Lehrerstelle an der neu gegründeten Schule zu Mainz zu erfreuen. Herr Fuld hat als treuer Lehrer vierzehn Jahre an der Schule zu Tauberbischofsheim gewirkt und sich die Liebe und Hochachtung aller derer erworben, die Gelegenheit fanden, mit ihm zu verkehren. Seinen Schülern war er liebevoller Lehrer, aufrichtiger Freund und treuer Führer. Kein Wunder also, wenn bei seinem Scheiden alle Herzen mit Schmerz erfüllt sind."

        
Zum Tod von Lehrer Moritz Fuld (1886 in Mainz)      

Heinsheim Israelit 04021886a.jpg (99062 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1886 (der Artikel wird nur auszugsweise abgeschrieben): "Mainz, 1. Februar (1886). Am vorigen Sabbat, Paraschat Mischpatim (Schabbat mit der Toralesung Mischpatim, das ist 2. Mose 21,1 - 24,18, das war am Schabbat 30. Januar 1886), verschied nach kurzem Unwohlsein Herr Moritz Fuld - er ruhe in Frieden - , Oberlehrer an der Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft dahier. Am Mittwoch war er noch in der Schule gewesen, und hatte, wie gewöhnlich, den Unterricht erteilt; am Donnerstag ließ er sich krank melden, und schon am Heiligen Schabbat wurde er seiner Familie und seinen zahlreichen Freunden und Schülern entrissen. Heute fand unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis statt. Am Grabe widmete Herr Rabbiner Dr. Lehmann dem teuren Freund und Kollegen, mit dem er länger als 26 Jahre gemeinsam an der oben erwähnten Anstalt gewirkt hat, einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er zugleich eine kurze Lebensskizze des Dahingeschiedenen gab. Moritz Fuld wurde im Jahre 1817 in dem kleinen Orte Heinsheim an der Grenze zwischen Hessen und Baden geboren. Seine frommen Eltern widmeten ihn dem Lehrerberuf, und er besuchte das Lehrerseminar in Karlsruhe, wo der strebsame junge Mann sich nicht mit dem begnügte, was die An-  
Heinsheim Israelit 04021886b.jpg (356976 Byte)stalt bot, sondern durch genossenen Privatunterricht und durch eifriges Selbststudium sich ein bedeutendes Wissen erwarb....   
Herr Moritz Fuld wirkte eine Reihe von Jahren als Lehrer und Gemeindebeamter in Bischofsheim an der Tauber. Dort fand er die treue Lebensgefährtin, die ihm fast 35 Jahre lang hilfreich zur Seite gestanden. Der in weiten Kreisen rühmlichst bekannte dortige Rabbiner Löwenstein - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - schätzte ihn sehr hoch, und auf dessen Empfehlung hin wurde er im Jahre 1859 nach Mainz berufen, wo damals die Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft gegründet wurde; hier wirkt er segensreich bis zum Ende seines Lebens..."   

       
Einrichtung einer Präparandenschule für künftige Lehrer in Tauberbischofsheim (1875/76)  

Tauberbischofsheim AZJ 18071876.JPG (102446 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1876: "Tauberbischofsheim in Baden, im Juli (1876). Der Oberschulrat, Zentralbehörde für Volks- und Mittelschulen, errichtete im Laufe vorigen Sommers zwei Präparandenanstalten im Lande. Man wollte dadurch eine gleichmäßige Vorbereitung derjenigen jungen Leute, die sich dem Lehrfache widmen, erzielen. Bis dahin nämlich, war es jedem Präparanden frei gestellt, sich bei irgend einem Lehrer oder an irgend einer Anstalt vorzubereiten. Natürlicherweise war dadurch die Vorbereitung eine verschiedenartige. Die Präparandenschulen sind Simultanschulen, so wirken an der hiesigen 2 Lehrer, ein katholischer und ein protestantischer. Schüler jeglicher Konfession werden hier aufgenommen. Der Staat hat für die Zöglinge eine größere Summe für Stipendien bewilligt, welche ohne Rücksicht auf Konfession verteilt werden. So haben auch die 3 israelitischen Zöglinge der Anstalt größere Stipendien erhalten. Der Religionsunterricht wird von den Geistlichen resp. Lehrer der betreffenden Konfession erteilt und vom Staate honoriert. Doch wurden dem jüdischen Religionslehrer ein geringeres Honorar bewilligt, weil die Schülerzahl verhältnismäßig kleiner ist. Gleichzeitig mit diesen Präparandenanstalten wurde zu den bis jetzt bestehenden drei konfessionellen Seminarien ein viertes konfessionslos errichtet; ob auch hier in Bezug auf Stipendien und Religionsunterricht die gleichen Grundsätze verwirklicht werden, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls sind diese Anstalten als ein bedeutender Fortschritt zu bezeichnen. M. Maier."

  
Die jüdische Gemeinde Tauberbischofsheim leistet Vorbildliches zur Einrichtung einer Pensionskasse für den Lehrer (1879)

Tauberbischofsheim AZJ 16121879.jpg (240686 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Dezember 1879: "Tauberbischofsheim. Was eine kleinere Gemeinde zu leiten vermag, wenn dieselbe von gutem Willen beseelt ist, und von den rechten Männern geleitet wird, davon liefert die hiesige, aus ca. 40 Familien bestehende Gemeinde einen neuen und schönen Beweis. Schon lange empfinden die badischen israelitischen Religionslehrer das Bedürfnis einer Pensionskasse, um den im Beruf ergrauten, mit Glücksgütern gewöhnlich nicht gesegneten Männern eine gesetzliche Pension zu sichern. Tief schmerzte sie die Zurücksetzen, die für sie ihren christlichen Kollegen gegenüber darin liegt, dass diesen vom Staate Pensionsberechtigung zuerkannt wird, während jene in dieser Beziehung stiefmütterlich behandelt werden und keinen Anspruch auf Pension machen können. Vor einigen Jahren schon hatte sich Einsender dieses im Verein mit mehreren anderen Kollegen in einer längeren Denkschrift an der Oberrat - israelitische Zentralbehörde Badens - gewendet, dass dieser die Errichtung einer Pensionskasse in die Hand nehme. Wir wurden dahin beschieden, dass dem Verlangen nicht Statt gegeben werden könne, weil einerseits die Mittel fehlen, andererseits wohl die Mehrzahl der Gemeinde nicht gewillt seien, der Sache die nötige Unterstützung angedeihen zu lassen. Was uns damals bei der Behörde nicht gelungen, hat die hiesige Gemeinde aus freiem Antrieb ins Leben gerufen. Der Vorstand hat die Statuten zu einer Pensionskasse entworfen, dieselben der Gemeindeversammlung vorgelegt, welche einstimmig ihre Billigung aussprach. Die Statuten wurden hierauf dem Großherzoglichen Ministerium des Innern zur Genehmigung unterbreitet und dieser Tage kamen dieselben unbeanstandet und genehmigt zurück. Dieselben bestehen aus 44 Paragraphen und umfassen wohl alles das, was unter den gegebenen Verhältnissen als nötig erachtet werden dürfte. § 2 hat folgende Fassung: 
Zweck der Pensionskasse ist: 'Religionslehrern und Vorsängern der hiesigen israelitischen Gemeinde im Alter und bei Dienstunfähigkeit einen Ruhegehalt, deren Witwen einen Witwengehalt, sowie deren Waisen eine Alimentation zu sichern.'  § 22 behandelt der Ruhegehalt eines pensionsberechtigten Lehrers und sind hierüber folgende Normen festgesetzt: 'Tritt Dienstunfähigkeit ein, nachdem derselbe während der letzten 15 Jahre in hiesiger israelitischer Gemeinde seinen Beruf ununterbrochen ausgeübt hat, so erhält derselbe einen jährlichen Ruhegehalt von 250 Mark, nach 20 Jahren 400 Mark, nach 25 Jahren 500 Mark, nach 30 Jahren 60 Mark, nach 35 Jahren 70 Mark, nach 40 Jahren 800 Mark.' § 23 spricht dem Lehrer den höchsten Ruhegehalt nach 40 Dienstjahren und zurückgelegtem 65. Lebensjahre auch ohne Dienstunfähigkeit zu. Der Synagogenrat ging bei der Errichtung dieser Pensionskasse von dem Gedanken aus, dass jede Gemeinde moralisch verpflichtet sei, jeden Kultusbeamten, der ihr seine Kräfte weiht, im Falle unverschuldeter Dienstunfähigkeit eine Unterstützung zu erteilen. Um jedoch dieser Unterstützung das Odiöse eines Gnadengeschehens zu benehmen und dem Lehrer resp. Vorsänger, einen gesetzlichen Anspruch zu sichern, setzt § 38 fest, dass jeder Lehrer resp. Vorsänger einen gewissen jährlichen Beitrag zu leisten habe."

   
Zum Tod von Lehrer Max Meier (Lehrer in Tauberbischofsheim 1860-1880)  

Tauberbischofsheim AZJ 21091880.jpg (92698 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. September 1880: "Bonn, 12. September (1880). Man schreibt uns aus Tauberbischofsheim: Am 27. August wurde unser hoch verdienter Lehrer Max Meier unter allgemeiner Trauer zu Grabe getragen. Im Jahre 1833 in Baiertal geboren, absolvierte er den Kursus im Lehrerseminar zu Karlsruhe, versah dann die Religionslehrerstelle in Wiesloch, Hegenheim und Neuchatel, bis er im April 1860 als Lehrer und Vorsänger hierher berufen wurde, wo er sowohl durch sein Lehrtalent, (er unterrichtete auch in modernen Sprachen usw. und wurde sein Unterricht auch von christlichen und auswärtigen Zöglingen gesucht,) als auch durch seinen tadellosen ehrenfesten Charakter die allgemeinste Achtung sich erwarb. Dies erwies sich nicht allein durch die Teilnahme an seinem Begräbnis aus allen Ständen und Konfessionen, sondern auch durch die Fürsorge, welche die Gemeinde für seine hinterlassene Familie – eine Mutter und eine Witwe mit 7 unmündigen Kindern, betätigte. Die Gemeinde erwies aber dadurch nicht allein dem Verstorbenen, sondern auch sich selbst wahrhafte Ehre."

   
Über die geplante Einrichtung der Israelitischen Privat-Taubstummen-Anstalt in Tauberbischofsheim von Lehrer Jakob Driesen (1890)     

Tauberbischofsheim Israelit 01121890.jpg (227001 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1890: "Tauberbischofsheim (Baden) im November (1890). Es ist leider eine bekannte Tatsache, dass vielen jüdischen Taubstimmen die Wohltat eines genügenden Schulunterrichtsversagt ist, weil die Eltern dieser bedauernswerten Kinder sich scheuen, sie einer christlichen Anstalt zur Erziehung zu übergeben. Diese Scheu ist nicht unbegründet. Die jüdischen Schüler christlicher Anstalten sind oft den mutwilligen Neckereien und dem Spotte ihrer Mitschüler ausgesetzt. Besucher von Taubstimmenanstalten machen daher nicht selten die Wahrnehmung, dass die jüdischen Zöglinge weniger zutraulich sich zeigen, dass sie vielmehr ängstlich und zurückhaltend, wenn nicht gar trotzig und verbittert erscheinen. Wohlwollende Lehrer kämpfen vergeblich gegen diesen Missstand, von den gleichgültigen und übelwollenden Herren ganz zu schweigen. Hierzu kommt weiter der Umstand, dass selbst die loyalsten Leiter von Taubstummenanstalten in Bezug auf Kost und Lehrplan auf ihre jüdischen Zöglinge keine Rücksicht nehmen können. In allen Internaten essen die jüdischen Taubstummen verbotenes, sie schreiben und arbeiten am Schabbat; in den meisten nehmen sie am Unterricht in der christlichen Religionslehre und selbst (wie es tatsächlich vorgekommen), an der Konfirmation und Kommunion teil; in einigen wenigen wachsen sie ohne Religionsunterricht und ohne jede religiöse Übung auf. Nur in drei Anstalten ist für den jüdischen Religionsunterricht in kaum genügender Weise Fürsorge getroffen, ohne dass hierdurch die geschilderten Übelstände beseitigt werden konnten. Treten solche in Anstalten erzogene Kinder in das bürgerliche Leben ein, dann ist bei ihnen alles jüdische Denken und Fühlen verloren gegangen, sie selbst sind dem Judentum und ihren eigenen Eltern, die schwere Opfer für ihre Erziehung gebracht - entfremdet. Ist es unter solch traurigen, aber tatsächlich vorhandenen Verhältnissen den jüdischen Eltern taubstummer Kinder zu verdenken, wenn sie eine Abneigung gegen christliche Anstalten hegen? Haben doch mehrere Leiter christlicher Taubstummenanstalten unumwunden eingestanden, dass sie es im Interesse der jüdischen Taubstummen für notwendig erachten, dass dieselben in jüdischen Familien erzogen und von jüdischen Lehrern unterrichtet werden!     
Diese Tatsachen haben dem Lehrer Herrn Driesen dahier, der seit sechs Jahren in einer staatlichen Taubstummenanstalt unterrichtet und auf dem gesamten Gebiete der Taubstummenerziehung erprobte Erfahrungen sich erworben, den Gedanken nahegelegt, ein Privatinstitut für jüdische Taubstumme (Knaben und Mädchen) am hiesigen Platze zu errichten. Jüdische wie christliche Behörden haben durch Aufmunterung und Zusage von Förderung zur Verwirklichung dieser Idee beigetragen. Das Institut soll am 1. April kommenden Jahres eröffnet und unter Staatsaufsicht gestellt werden. In demselben erhalten die Zöglinge (mit  
Tauberbischofsheim Israelit 01121890a.jpg (128360 Byte)Ausnahme des Gesanges) in all' den Lehrgegenständen Unterricht, welche für vollsinnige Kinder in den besseren jüdischen Elementarschulen vorgeschrieben sind. In den Freistunden werden sie zu einer geordneten, ihren Kräften angepassten Tätigkeit angehalten. Besonderer Wert soll auf die Bildung eines gediegenen Charakters und auf religiöse Erziehung gelegt werden. Ausgehend von dem Grundsatze, dass für den Taubstummen der Unterricht in der Religion nicht genügt, dass vielmehr die Erziehung zur Religion der Hauptteil der religiösen Aufgabe der Taubstummenbildung ist, wird Herr Driesen ernstlich bestrebt sein, seine Zöglinge nicht nur zu nützlichen Staatsbürgern, sondern auch zu treuen Anhängern unserer heiligen Religion heranzubilden. 
Dass die Pflege des Körpers nicht vernachlässigt werden wird, sollte bei der heutigen Richtung der Pädagogik und bei dem Selbstinteresse der Anstalt kaum der Erwähnung bedürfen. Die äußerst günstige, gesunde Lage Tauberbischofsheim in einem der lieblichsten Teile des schönen Taubertales, und die Möglichkeit, im hiesigen städtischen Badehause Moor-, Torf-, Stahl-, Sol- und andere Bäder zu erhalten, berechtigen zu der Hoffnung, dass der Gesundheitszustand des Instituts zu einem günstigen sich gestalten wird. -
Mit diesem seinem Vorhaben hofft Herr Diesen die Bestrebungen des Vereins 'Jedide Ilmim', den ja auch die Erwägung der oben geschilderten Tatsachen ins Leben rief, in Süddeutschland tatkräftig zu unterstützen. Möge ihm dies gelingen!"  

  
Anzeige der Israelitischen Privat-Taubstummen-Anstalt in Tauberbischofsheim (1890)  

Tauberbischofsheim Israelit 27111890.jpg (115336 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1890: "Israelitische Privat-Taubstummen-Anstalt in Tauberbischofsheim (Baden).  Unterzeichneter Lehrer, der durch einen sechsjährigen Unterricht an einer staatlichen Taubstummen-Anstalt erprobte Erfahrungen auf dem gesamten Gebiete der Taubstummenbildung sich erworben, beabsichtigt am 1. April kommenden Jahres auf hiesigem Platze ein Pensionat für jüdische Taubstummen (Knaben und Mädchen) unter staatlicher Aufsicht zu errichten, in welchem die Zöglinge in all den Lehrgegenständen unterrichtet werden, die für vollsinnige Kinder in den besseren jüdischen Elementarschulen vorgeschrieben sind. Durch gute, streng rituelle Kost, sorgfältige Pflege und liebevolle Behandlung soll den Kindern, soweit als möglich, die Familie ersetzt, die Kinder selbst sollen zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft und durch ständigen Besuch des öffentlichen Gottesdienstes, sowie durch Unterweisung und Übung in den religiösen Gebräuchen zu treuen Anhängern unseres heiligen Glaubens herangebildet werden.   J. Driesen, Lehrer.   
Referenzen: Herr H. Willareth, Oberlehrer und Vorstand der Großherzoglichen Taubstimmen-Anstalt in Gerlachsheim (Baden); 
Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner in Mosbach; 
Dr. Salfeld, Großherzoglicher Rabbiner in Mainz;  
Abr. Schloß, Bezirksältester in Tauberbischofsheim."

     
Anzeige der "Israelitischen Privat-Taubstummen-Anstalt" von Lehrer Jakob Driesen (1891; Driesen war Lehrer bis 1899; er war Vater des nachstehend genannten Oberstudiendirektors Dr. Otto Driesen, danach tätig in Karlsruhe als Direktor des "Israelitischen Landesstifts")  

Tauberbischofsheim Israelit 08011891.jpg (34278 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1891: "Israelitische Privat-Taubstimmen-Anstalt in Tauberbischofsheim (Baden). Gründliche Ausbildung. – Religiöse Erziehung. – Liebevolle Behandlung. – Beste Referenzen. – Nähere Auskunft durch J. Driesen, Lehrer."

  
Über Oberstudiendirektor Dr. Otto Driesen, Leiter des Schulwerks Philanthropin in Frankfurt: geb. 1875 in Segnitz; aufgewachsen als Sohn des oben genannten Lehrers Jakob Driesen in Tauberbischofsheim bis zur Hochschulreife, studierte an den Universitäten Berlin, Paris, Heidelberg und Straßburg Rechts- und Staatswissenschaften sowie Philosophie, Kulturgeschichte und Sprachwissenschaften; Examina in Pädagogik und Neuphilologie; 1901-1921 Lehrer in Berlin und Charlottenburg; 1921 nach Frankfurt zum Leiter des Philanthropin berufen; 1938 nach Frankreich geflohen; verschollen seit 1941.
Der nachstehende Artikel zu Dr. Otto Driesen aus dem "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom April 1937 S. 5-7 wird auf Grund seiner Umfanges hier nicht ausgeschrieben - bei Interesse anklicken und im Original einsehen).

Tauberbischofsheim GblIsrGF April1937 5.jpg (264518 Byte) Tauberbischofsheim GblIsrGF April1937 6.jpg (379250 Byte) Tauberbischofsheim GblIsrGF April1937 7.jpg (193669 Byte)

    
Zum Tod von Jakob Driesen (bis 1899 in Tauberbischofsheim, gest. 1912 in Karlsruhe)   

Tauberbischofsheim AZJ 01031912.jpg (482298 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. März 1912:  
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.    

    
    
Von praktischen Schwierigkeiten der jüdischen Lehrerausbildung in Tauberbischofsheim (1920) 
  

Impfingen Israelit 19021920.jpg (184823 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1920: "Zwei Anfragen an den Oberrat der Israeliten. Karlsruhe, 3. Januar (1920). Die erste Anfrage bezieht sich auf Impfingen, danach:  
"Im Verordnungsblatt vom Jahre 1919 gab der Oberrat bekannt, dass badische, jüdische Präparanden, nur im Vorseminar Tauberbischofsheim zur Ausbildung zugelassen werden können. Auf Grund dieser Verordnung wurde der Oberrat von privater Seite unterricht, dass jüdische Präparanden in Tauberbischofsheim den Gottesdienst am Sabbat und Feiertagen nicht besuchen und dass in Tauberbischofsheim keinerlei Gelegenheit gegeben ist, einen Zögling zwecks ritueller Verköstigung in einer Familie unterzubringen. daraufhin antwortete der Oberrat, dass er in Zukunft dahinwirken wolle, dass der Präparand den Gottesdienst besuchen könne, dass es aber unzutreffend sei, rituelle Kost in Tauberbischofsheim nicht verabfolgt zu bekommen. Einen Hinweis auf die Notwendigkeit in diesem Punkte beim Synagogenrat in Tauberbischofsheim Erkundigung einzuziehen, ist der Oberrat nicht nachgekommen. Kurz darnach hat zwar ein jüdischer Zögling in Tauberbischofsheim - nach langer Mühe - untergebracht werden können, aber in einer Familie, die als Umgang für einen sich heranbildenden Lehrer vollkommen ungeeignet ist.   Nun ist es allgemein bekannt, dass zumeist aus den weniger bemittelten aber noch religiösen Familien des flachen Landes sich junge Leute dem Lehrerstande zuwenden. Diese sind nun nach den oben geschilderten Verhältnissen gezwungen, (wenn sie als jüdischer Lehrer wirken wollen), nach Höchberg oder Burgpreppach zu gehen. Anstatt aber das von der badischen Synode für die Heranbildung von Lehrern ausgeworfene Stipendium für solche außer Landes zu hegen gezwungene Leute zu verwenden, beruft sich der Oberrat auf seine Statuten und leistet keinerlei Zuschuss.   Wie deckt sich solches Verhalten mit dem sehr oft schon geäußerten Wunsche des Oberrats, sein Augenmerk gerade den kleinen Landgemeinden und den Geringbemittelten zuwenden zu wollen?"   

    
Vortrag von Lehrer A. Kaufmann aus Tauberbischofsheim (1934)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1934: "Hardheim, 23. Januar (1934). Lehrer A. Kaufmann. Tauberbischofsheim, sprach hier über das Thema 'Ja sagen zum Judentum'. Herr Synagogenvorsteher Strauß sprach Begrüßungs- und Schlussworte. Es wird beabsichtigt, einen religiösen Palästinaverein daselbst zu gründen."    

 
    
Schwierigkeiten im Miteinander zwischen Christen und Juden 
Antisemitische Vorgänge - Ausschluss der jüdischen Turner aus dem Turnverein (1865)

Tauberbischofsheim Israelit 23081865.jpg (102713 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1865: "Aus Baden, 12. August 1865. Die ‚Neue Freiburger Zeitung" hat in Nr. 210 eine Angelegenheit, die Ausschließung der israelitischen Turner aus dem Tauberbischofsheimer Turnverein besprochen, deren Abschluss ich ihnen mitzuteilen imstande bin. Der am 7. August zu Freiburg i.Br. abgehaltene Turntag des oberrheinischen Turnbundes war allgemein entrüstet, dass etwas der Art in einem Turnverein vorkommen könne, einem Vereine, der das Motto ‚frei’ auf seiner Fahne trägt und aus anderen Prinzipien als die den gegenwärtigen Ausschluss diktierten hervorging. Da der Turnverein dem Vorort Freiburg erklärt hatte, es sei diese Ausweisung eine ganz eigentümliche Angelegenheit, die man nur in Tauberbischofsheim zu beurteilen verstände, so beschloss der Turntag (auf dem Mannheim, Pforzheim, Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg, die Pfalz etc. zu vertreten waren) den Turnverein in einer kategorischen Erklärung aufzufordern, innerhalb acht Tagen ein Schiedsgericht zu bestellen, oder denselben nach Ablauf dieser Frist aus dem Bunde auszuschließen. Zugleich bemerken wir, dass die Abgeordneten von Mannheim beauftragt waren, im Falle die Sache nicht zur Verhandlung käme, einen Antrag auf Ausschließung aus dem Bunde zu stellen, wenn sich die Zeitungsnachricht bestätigen sollte."
 
Tauberbischofsheim Israelit 04101865.jpg (91576 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1865: "Aus Baden, 18. September 1865. Feste und besonders Vereinsfeste sind jetzt an der Tagesordnung. Wie verschieden aber solche Feste gefeiert werden, davon kann ich Ihnen ein Kuriosum erzählen.
In Tauberbischofsheim feierte gestern der Turnverein seine Fahnenweihe. Nachdem die üblichen Empfangs- und Eröffnungsfeierlichkeiten stattgefunden hatten, bewegte sich der Zug in einen für das Fest hergerichteten öffentlichen Garten. Hier wetteiferte man in aufreizenden Reden gegen die kürzlich aus dem Vereine widerrechtlich ausgestoßenen Juden. Als nun bei Einbrechen der Nacht der Zug der Festgenossen durch die Stadt nach dem Festlokale sich zurückbewegte, wurden unter Musikbegleitung Schmäh- und Spottlieder gegen die Juden angestimmt, die von den Festteilnehmern mit nicht enden wollendem Beifalle aufgenommen und mehrmals wiederholt wurden.
Auffallend bei diesen Vorgängen musste es sein, dass angesichts dieser Demonstration niemand diesem Treiben Einhalt zu tun versuchte, ja nicht einmal ein Wort der Missbilligung vernommen wurde, ungeachtet im Zuge Notabilitäten der Stadt vertreten waren. Dass solche Auftritte in einer Amtsstadt, sozusagen unter den Augen von Beamten eins liberalen Ministeriums stattfinden können, das finden wir unbegreiflich. (N.Fr.Z.)."

 
Die Vertreter der jüdischen Gemeinde werden beim Empfang des Großherzogs übergangen (1908)  

Tauberbischofsheim AZJ 30101908.jpg (43685 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 30. Oktober 1908: "In Mannheim besuchte die Großherzogin von Baden das israelitische Kranken- und Pfründnerhaus. Dagegen wurden in Tauberbischofsheim die Vertreter der Juden beim Empfang des Großherzogs übergangen. Sie haben an denselben eine Ergebenheitsadresse gerichtet und darin auch zum Ausdruck gebracht, dass ihnen anlässlich des Hier seins des Fürsten ihre Ergebenheit auszusprechen unmöglich gemacht worden sei."
   
Tauberbischofsheim Israelit 29101908.jpg (71387 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1908: "Tauberbischofsheim, 25. Oktober (1908). Der hiesige Synagogenrat hat an das Geheime Kabinett eine Ergebenheitsschreiben gerichtet, weil es ihm bei der Anwesenheit des Großherzogs hier, dadurch, dass er bei der Einladung übergangen wurde, nicht möglich war, den patriotischen Gefühlen der hiesigen Israeliten Ausdruck zu geben. Nunmehr ist aus dem Geheimen Kabinett hierauf eine Antwort gekommen. In dieser heißt es, dass beim Großherzog keineswegs die Absicht vorlag, die Vertretung der israelitischen Gemeinde von den Vorstellungen in hiesiger Stadt auszuschließen. Das Unterbleiben dieser Vorstellung sei lediglich darauf zurückzuführen, dass eine Anmeldung der Vertretung bei den Seine Königliche Hoheit begleitenden Herren nicht erfolgt ist. Der Großherzog bedauere, die Vertreter der israelitischen Gemeinde nicht gesehen zu haben, und hoffe, dass sich bei einem anderen Anlass hierzu Gelegenheit geben werde."  

   
   
Kleine Mitteilungen aus der jüdischen Gemeinde  
Anteil jüdischer Schüler im Gymnasium (1883)

Tauberbischofsheim AZJ 09101883.jpg (16639 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1883: "Das Gymnasium in Tauberbischofsheim wird von 281 Schülern besucht, worunter 24 Protestanten und 29 Juden."

   
An den Ortseingängen hängen Schriftbänder "Juden sind in Tauberbischofsheim unerwünscht" (1934) 

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1934: "Würzburg. Wie aus Pressemeldungen hervorgeht, hat die Stadtverwaltung in Wertheim unter den an Ortseingängen angebrachten Schriftbändern, die zum Besuch der Michaelismesse auffordern, den Satz anbringen lassen: 'Juden sind in Wertheim unerwünscht. Von einer gleichartigen Maßnahme wird auch aus Tauberbischofsheim berichtet."    

  
Ergebnis der Synagogenrats-Wahlen (1934)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1934: "Tauberbischofsheim, 12. Dezember (1934). Bei den stattgefundenen Synagogenrats-Wahlen wurden gewählt die Herren Louis Kraft, Max Sauer und Lehrer Alfred Kaufmann."        

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   

Auszeichnung für den Arzt Rosenfeld (1871)  

Tauberbischofsheim AZJ 08081871.jpg (27973 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. August 1871: "Tauberbischofsheim, 15. Juni (1871). Herr Rosenfeld, der als Feldarzt den Krieg in der dritten schweren Batterie der Großherzoglichen Badischen Division mitmachte, hat wegen seiner Auszeichnung während des Krieges vom Großherzog von Baden den Zähringer Löwenorden mit Schwertern erhalten."

   
Große goldene Medaille für den Studenten Elias Spiegel (1887)  

Tauberbischofsheim Israelit 01121887.jpg (37820 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1887: "Aus Baden. Am 22. November (1887), am Gedächtnistage der Geburtsfeier weiland Karl Friedrichs, Großherzogs von Baden, des Wiederherstellers der Ruperta Carola in Heidelberg, erhielt als Verfasser einer würdigen Arbeit den ersten Preis (große goldene Medaille) der auch als Gymnasiast schon stets Primus gewesene stud. jur. Elias Spiegel aus Tauberbischofsheim (Jude)."

 
Zum 40jährigen Dienstjubiläum des Synagogenrates und Bezirksältesten Abraham Schloss (1893)  

Tauberbischofsheim Israelit 03071893.JPG (215977 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1893: "Tauberbischofsheim, in Juni (1893). Ein schönes Fest, wie es kleineren Gemeinden selten beschieden ist, hat die hiesige israelitische Gemeinde am 10. dieses Monats, am Schabbat Paraschat Schelach Lecha gefeiert. An diesem Tage waren nämlich 40 Jahre verflossen, seitdem der Herr Bezirksälteste Abraham Schloss als Synagogenrat die Leitung und Verwaltung der hiesigen Gemeinde übernommen hat. Was Umsicht, Energie und Intelligenz, verbunden mit gutem Willen auch in einer kleinen Gemeinde zu leisten vermögen, hat Herr A. Schloss während seiner 40jährigen Amtstätigkeit bewiesen. Er hat es nicht nur verstanden, sämtliche Gemeindemitglieder für alle seine Intentionen und Anregungen zum Wohle der Gemeinde zu gewinnen und eine musterhafte Einmütigkeit in der Gemeinde zu schaffen und zu erhalten, sondern hat auch durch seine Initiative und Mithilfe Institutionen ins Leben gerufen, die ihm zum Ruhme und der Gemeinde zur Ehre gereichen. Von diesen seien nur zwei genannt: die Pensionskasse für Lehrer und Vorsänger der hiesigen Gemeinde und eine wohl organisierte Armenpflege. Aus der ersteren bezieht beispielsweise die Witwe des früheren hiesigen Lehrers seit 12 Jahren eine Pension, die ihr lebenslänglich gesichert ist. Aus der Armenpflege erhält jeder durchreisende jüdische Arme eine Unterstützung, wobei jüdische Handwerker besonders berücksichtigt werden. Die Hauptaufgabe der Armenpflege besteht aber darin, die verschämten Armen der Umgegend zu unterstützen, und geschieht dies in der Weise, dass denselben am Beginn eines jeden Quartals das Geld per Post ins Haus geschickt wird. 
Die mannigfachen Verdienste des Herrn Schloss um Gemeinde und Bezirk sind auch zur hohen Freude der hiesigen Gemeinde bereits vor 2 Jahren von Seiner Königlichen Hoheit unserem erhabenen Großherzig durch Verleihung des Verdienstkreuzes des Zähringer Löwenordens anerkannt und gewürdigt worden. Der Großherzogliche Oberrat der Israeliten, der wahre Verdienste wohl zu schätzen weiß, hat Herr Schloss zu seinem Ehrentage und mit ihm seine Gemeinde durch Übersendung der Bildnisse sämtlicher Mitglieder des hohen Kollegiums und eines Glückwunschschreibens hoch geehrt und ausgezeichnet. 
In der hiesigen Gemeinde war man selbstverständlich schon lange darauf bedacht, das Amtsjubiläum des Herrn Schloss in entsprechender Weise zu feiern, und Alt und Jung wetteiferte in dem Bestreben, den Ehrentag des Jubilars zu einem festlichen zu gestalten. Nach dem Schacharit-(Morgen-)Gottesdienst begab sich eine Deputation in die Wohnung des Jubilars, um demselben die tief gefühlten Glück- und Segenswünsche der Gemeinde, sowie deren Gefühle der Dankbarkeit und Hochachtung zum Ausdruck zu bringen. Mit einer sinnigen Ansprache seitens eines Deputationsmitgliedes wurde dem Jubilar als Zeichen der Verehrung ein kunstvoll gearbeiteter Pokal überreicht. Der Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach, der einer Einladung des Festkomitees, diese Jubiläumsfeier durch eine Festpredigt zu erhöhen, gerne gefolgt war, und der sich der Deputation angeschlossen hatte, überbrachte die Glückwünsche des Bezirks. Herr Schloß – sichtlich bewegt über die ihm so herzlich dargebrachten Ovationen, betonte in seiner Ansprache an die Deputation, dass nur die Opferfähigkeit und Opferwilligkeit der hiesigen Gemeindemitglieder es ihm ermöglicht haben, die Institutionen zu schaffen, die der Gemeinde zur Zierde gereichen. Er könne mit unserem Stammvater Jakob sprechen: 'Ich bin zu gering für all die Gnaden und für all die Treue', 1. Mose 32,11)

Die Deputation geleitete hierauf den Jubilar in die festlich geschmückte Synagoge zum Festgottesdienst und hier erhielt die Jubiläumsfeier durch die herrliche Predigt des Herrn Dr. Löwenstein die wahre religiöse Weihe, die auf alle Anwesenden einen mächtigen, nachhaltigen Eindruck hervorbrachte. Besonders ergreifend war der Moment, als der Herr Rabbiner dem Jubilar als Auszeichnung für seine Verdiente um die Gesamtheit des Judentums den Chawer-Titel erteilte.
Einen schönen Abschluss fand dieses Fest in einem Gesellschaftsabend, an dem sich sämtliche Gemeindemitglieder mit ihren resp. Familien beteiligten. Die Zusammengehörigkeit und Einigkeit, die von jeher in unserer Gemeinde geherrscht, kamen an diesem Abend zum augenscheinlichen Ausdruck. Auch die früheren Mitglieder der hiesigen Gemeinde bekundeten durch Glückwunschschreiben und Depeschen, die in stattlicher Zahl eingetroffen, ihre Anhänglichkeit an die Gemeinde und die Verehrung für den Jubilar.
Möge diese Einigkeit und dieser Gemeinsinn auch fernerhin unserer Gemeinde erhalten bleiben und möge es insbesondere dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit zum Besten der Gesamtheit zu wirken."  

   
Zum Tod von Abraham Schloss (1893)  

Tauberbischofsheim Israelit 07091893.JPG (113716 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1893: "Tauberbischofsheim, 3. August (1893). Vorigen Monat verschied in Bad Kissingen, wo er Linderung für seine Leiden zu finden hoffte, der Bezirksälteste Herr Abraham Schloß, Inhaber des Verdienstkreuzes vom Zähringer Löwenorden, im Alter von 64 Jahren. Der Verstorbene, der sich ins einer 40jährigen Amtstätigkeit als Synagogenratsvorstand der Gemeinde unvergängliche Verdienste um dieselbe erworben und dessen Dienstjubiläum vor wenigen Wochen erst festlich begangen worden, gehörte auch über ein Vierteljahrhundert dem Ausschusse der politischen Gemeinde an und war Vorstandsmitglied und Begründer des hiesigen Gewerbevereins. Der ‚Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden’ hatte sich seines besonderen Interesses zu erfreuen, und der ‚Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Juden’ verliert in dem Verblichenen eines seiner eifrigsten Mitglieder. Den größten Verlust haben die verschämten Armen der hiesigen Gegend durch das Hinscheiden ihres Wohltäters zu beklagen, der ihrer auch bei seinem Tode nicht vergessen.
Das Leichenbegängnis hat unter zahlreicher Beteiligung auch der nichtjüdischen Bevölkerung auf dem hiesigen Friedhofe stattgefunden, wobei der Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf hielt. In welchem er das Wirken und Schaffen, das durch sein gutes Herz ausgezeichneten Mannes eingehend beleuchtete. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Goldene Hochzeit von Levi Sauer und Ernestine geb. Koch (1924)  

Tauberbischofsheim Israelit n22051924.jpg (48666 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1924: "Tauberbischofsheim, 20. Mai (1924). Im Kreise zahlreicher Kinder und Enkel werden kommenden Samstag, den 24. Mai, die Eheleute Levi Sauer und Frau Ernestine geb. Koch, ihr goldenes Ehejubiläum feiern. Die besten Wünsche werden dem geehrten Jubelpaare, das sich mit Gottes Hilfe sowohl körperlicher wie geistiger Frische erfreut, aus allen Kreisen hiesiger Stadt entgegengebracht. Möge ein froher und glücklicher Lebensabend – bis 120 Jahre – dem Jubelpaare unter Gottes gnädigem Beistand beschieden sein."

   
Zum Tod von Elias Rosenstock (1929)    

Tauberbischofsheim Israelit 14111929.jpg (101606 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1929: "Tauberbischofsheim, 11. November (1929). Nun ist auch Elias Rosenstock seiner vor kurzem verstorbenen Frau in den Tod gefolgt. Eine für kleinstädtische Verhältnisse überaus große Anzahl von Trauernden, Juden und Nichtjuden, folgten seiner Bahre. Auch die Vertreter der städtischen Behörden waren anwesend. Am Grabe schilderte Herr Lehrer Kaufmann in beredten Worten die echt jüdische Persönlichkeit des Dahingegangenen und brachte wiederholt zum Ausdruck, welch ungeheueren Verlust die Gemeinde durch den Tod ihres Synagogenratsmitgliedes erleidet. Herr Rosenstock war stets mit Rat und Tat zur Hand, wo es sich um Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde handelte. Ein begeisterter Anhänger des altüberlieferten Judentums, versah er selbst Jahre hindurch den Vorbeterdienst an den hohen jüdischen Feiertagen. Und er hatte stets eine offene Hand, wenn es galt, für die jüdische Allgemeinheit zu spenden. In Wohltätigkeitsdingen aber kannte er keinen Unterschied der Konfession, und der Schmerz im Antlitz manches Armen beim Begräbnis zeigte, dass hier ein stiller Wohltäter seine irdische Bahn vollendet hatte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und privater Personen  
Anzeigen der Weinhandlung und -kelterei von Ferdinand Kahn (1882)  

Tauberbischofsheim AZJ 14031882.jpg (26126 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. März 1882: "Tauberbischofsheim (Baden). Selbstgekelterte und vorzügliche Weiß- und Rotweine à 70, 80, 90 und 100 Pfennig per Liter halte bestens empfohlen 
Ferdinand Kahn."   
   
Tauberbischofsheim Israelit 03051882.jpg (33105 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1882: "Für Magenleidende und Rekonvaleszenten empfehle ich selbstgekelterten roten Affentaler Beerwein à Mark 1, Mark 1,20 und Mark 1,50 per Liter; selbstgekelterte Weißweine à 70 Pfennig bis Mark 1,40 pro Liter. 
Ferdinand Kahn,
Tauberbischofsheim (Baden)."   

    
Anzeige von D. Lichtenfeld (1887)  

Tauberbischofsheim Israelit 26051887.jpg (42576 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1887: "Für meinen Sohn, der die Bäckerei gründlich erlernt hat, suche ich eine Stelle in einer jüdischen Bäckerei. Ich sehe hierbei weniger auf hohen Lohn als auf gute Behandlung. 
D. Lichtenfeld, Tauberbischofsheim. 
Herr Lehrer Driesen hier ist bereit, auf allenfallsige Erkundigungen nähere Auskunft zu erteilen."    

   
Lehrlingsgesuch des Manufakturwaren-Geschäftes David Schloß (1891)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  19. September 1901: "Lehrlings-Gesuch
Für mein Manufakturwaren-Geschäft suche ich einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen. Samstags und Feiertage geschlossen. 
David Schloß, Tauberbischofsheim in Baden."   

 
Lehrlingssuche von E. Rosenthal, Inhaber eines Bankgeschäftes (1891 / 1903)  

Tauberbischofsheim Israelit 28051891.jpg (27143 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1891: "Lehrling. Für unser Bankgeschäft (Samstags geschlossen) suchen wir einen Lehrling mit guter Schulbildung. Tauberbischofsheim. E. Rosenthal & Co."  
  
Tauberbischofsheim Israelit 16021903.jpg (32083 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1903: "Lehrlingsstelle. Für unser Bankgeschäft suchen wir einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen. Kost und Wohnung im Hause. Rosenthal & Co., Tauberbischofsheim."     

  
Anzeigen des Manufaktur- und Modewarengeschäftes Gebr. Klau Nachfolger, Tauberbischofsheim (1903 / 1904)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1903:  "Gesucht eine 
Verkäuferin und einen Lehrling 
für mein Manufaktur- und Modewarengeschäft. Auf Wunsch Kost und Logis im Hause. 
Gebr. Klau Nachf.,
Tauberbischofsheim."        
 
Tauberbischofsheim Israelit 17021904.jpg (31460 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1904: "Lehrling
mit guter Schulbildung für mein Manufaktur- und Modewarengeschäft gesucht. Kost und Logis im Hause. 
Gebrüder Klau Nachfolger,
Tauberbischofsheim." 

         
Commis- und Lehrlingsgesuch des Manufakturwaren- und Herren- und Damenkonfektionsgeschäftes Jakob Sauer (1894 / 1905 / 1915)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1904: "Gesuch
Für mein Manufakturwaren-, Herren- und Damenkonfektionsgeschäft suche ich bis Ostern einen kräftigen, schlanken Jungen, Israelit, mit guten Schulkenntnissen, aus achtbarer Familie in die Lehre. Kost und Logis im Hause. Samstags geschlossen. Offerten an 
Jacob Sauer
, Warenhaus in Tauberbischofsheim."     
  
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. März 1905: "Commis-Gesuch. Für mein Manufakturwaren- und Konfektions-Geschäft suche ich eventuell per 1. April einen jungen Mann (Isr.) von angenehmen Äußeren, als Verkäufer und Detailreisender für kleinere Touren. Bevorzuge solche junge Leute, die gute Zeugnisse aufzuweisen haben, charaktervoll sind und das Interesse des Geschäfts wahren. Eventuell dauernde Stellung. Offerten an 
Jacob Sauer, Tauberbischofsheim. 
   
Tauberbischofsheim Israelit 24061915.jpg (47654 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1915: "Lehrlings-Gesuch. Für mein Manufakturwaren- und Herren- und Damenkonfektionsgeschäft suche ich einen netten jungen Mann mit Vorkenntnissen aus achtbarer Familie in die Lehre. - Samstag geschlossen. Eventuell Kost und Logis im Hause. 
Jakob Sauer.
Tauberbischofsheim."  

  
Nach der Deportation: Todesanzeige für Klara Wassermann geb. Baiersdorfer (gest. 1942 in Theresienstadt)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 10. März 1944: "Erst jetzt erreichte uns die traurige Nachricht, dass unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante  Frau Klara Wassermann geb. Baiersdorfer (früher Tauberbischofsheim, Baden) im 77. Lebensjahre am 4. Oktober 1942 in Theresienstadt verschieden ist. 
Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen:
Hanchen Rosenblatt geb. Wassermann, Zürich, Schweiz   
Ludwig und Rosa Dorfzaun geb. Wassermann (früher Frankfurt am Main)  
Siegfried und Gertrude Wassermann geb. Dorfzaun (früher Frankfurt am Main)  
Max und Liesel Jonas geb. Wassermann (früher Frankfurt am Main)  
Gerson und Hilda Friedmann geb. Wassermann, Rio de Janeiro  
Adolf und Mina Wassermann geb. Reich  851 W. 177th St., Apt. 3-F, N.Y.C."   

          
Nach der Emigration: Todesanzeige für Justin Blum (1944)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 10. März 1944: "Schmerzerfüllt geben wir bekannt, dass mein lieber Mann und Bruder, Schwager und Onkel 
Justin Blum
(früher Tauberbischofsheim - Mellrichstadt) nach kurzer, schwerer Erkrankung verschieden ist.  
In tiefer Trauer: Aenne Blum geb. Bloch Quito (Ecuador) Gutierez 111, a Rado de Iglesia San Marcus   
Frieda Loewenstein geb. Blum  Buenos Aires  
Adolf Stein und Frau Selma geb. Blum (Aufenthalt unbekannt)  
Guido Prager und Frau Paula geb. Blum 2707 Sedgwick Ave., Bronx, N.Y."  

    
    
Persönlichkeiten
 
Über die Familie Bischoffsheim     

Aus Tauberbischofsheim stammte die Fam. Bischoffsheim, aus der u.a. hervorgegangen sind: Raphael (Nathan) Bischoffsheim (1773 Tauberbischofsheim - 1814 Mainz), lange Jahre Vors. der Mainzer jüdischen Gemeinde, wirkte tatkräftig für Reformen im Judentum. Sein Sohn Jonathan Raphael Bischoffsheim (1808-1883) wurde einer der bedeutendsten Finanzmänner Belgiens (seit 1863 im Senat, galt als erster Sachverständiger auf dem Gebiet des Finanzwesens). Der andere Sohn Louis Raphael Bischoffsheim (1800-1873) gründete in Holland und Belgien große Bankhäuser, war belgischer Generalkonsul in Amsterdam, seit 1850 in Paris (Gründer von Banken, Förderer des Eisenbahnbaus). Ein Sohn von Louis Raphael, Raphael Louis Bischoffsheim (1823 geb.), wurde Generalinspektor der südfranzösischen Eisenbahn. 
   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge     
   
Von mittelalterlichen Einrichtungen ist nichts bekannt, doch war angesichts der Größe der Gemeinde (1298: 130 ermordete Juden) aller Wahrscheinlichkeit nach eine Synagoge vorhanden. In späteren Jahrhunderten wird, wenn die Zehnzahl jüdischer Beter erreicht war, zumindest ein Betsaal in einem Privathaus vorhanden gewesen sein.  
        
Im 18. Jahrhundert wurde eine Synagoge um 1720 bis 1740 erbaut. In dieser Zeit (um 1730) wohnte auch ein Rabbiner in der Stadt. Beim Synagogengebäude (heutige Anschrift: Bachgasse 9) handelte es sich um ein dreistöckiges Gebäude, das sich von der Bachgasse bis zur Gerbergasse hinzog. In ihm waren bis 1879 auch die jüdische Schule und die Lehrer-/Vorsängerwohnung eingerichtet, die dann in das jüdische Gemeindehaus in der Hauptstraße 72 verlegt wurden. Am 1. September 1879 verkaufte die jüdische Gemeinde das damals offenbar stark heruntergekommene Synagogengebäude an das Gemeindeglied Samuel Heimann für 4.000 Mark, behielt aber darin das Recht zur Nutzung des Betsaales und des Frauenbades. Der Betsaal wurde 1922/23 noch einmal gründlich renoviert, was die damals vorhandenen Mittel des bestehenden Synagogenbaufonds völlig aufbrauchte.
   
Über das gottesdienstliche Leben in der Synagoge liegen mehrere Berichte des in Würzburg geborenen und in Halle lehrenden Professors Ulrich Gerhardt vor, der zwischen 1907 und 1930 immer wieder Gottesdienste in Tauberbischofsheim und Umgebung besuchte. Da Gerhardt auch Gottesdienste in Galizien und anderen Regionen besucht hatte, fielen ihm manche Besonderheiten der süddeutschen Landgemeinden auf, die ihm von dem in Tauberbischofsheim von 1900 bis 1926 tätigen Kantor Oskar Dreifuß (gest. 1926) erklärt wurden. So ließ man bei der Toralesung die abgewickelten Wimpel (farbig bestickte Beschneidungswindeln) einfach fallen und hat sie nach der Lesung nicht wieder um die Torarolle gebunden, da man am Schabbat nicht wickeln dürfe (in Galizien hatte man mit dem Wickeln am Schabbat keine Probleme). Zur Toralesung benutzte man in Tauberbischofsheim an Wochentagen einen einfach gedrechselten Holzstab, der unter dem Vorbeterpult aufbewahrt wurde. In vielen anderen Synagogen waren solche Lesestäbe, an deren Spitze sich eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befand, über eine Kette an den Torarollen befestigt. Wie in anderen Gemeinden auch, wurde in Tauberbischofsheim von einem zur Toralesung aufgerufenen Gemeindeglied zum Dank für die widerfahrene Ehre eine Summe Geld gespendet. Dieses Geld wurde jedoch nicht am Schabbat gegeben, da man an diesem Tag kein Geld oder einen Beutel mit sich herumträgt. Damit der zur Spende versprochene Betrag jedoch festgehalten wurde, steckte man, da am Schabbat auch nicht geschrieben wird, in eine in der Synagoge vorhandene Zahlentafel an der entsprechenden Stelle einen kleinen Pflock. 
   
Bei seinem Besuch eines Morgengottesdienstes in Tauberbischofsheim am Montag, 2. September 1907, notierte Gerhardt, dass der Gottesdienst von Kantor Dreifuß gehalten wurde. Als Schammes (Synagogendiener) wirkte der Antiquitätenhändler Hirsch Grünhut. Die Männer hatten Tefillin angelegt. Zum Gottesdienst an Jom Kippur (Versöhnungstag) am 18. September 1907 war Gerhardt wiederum in Tauberbischofsheim. Als Kantor wirkte ein galizischer Jude, der in der Würzburger Gemeinde tätig war. Der Toravorhang war an diesem Tag weiß, auch die Torarollen waren in weiße Mäntel gehüllt. Die Torarollen wurden von Kantor Dreifuß ausgehoben. Etwa 20 Männer waren an diesem Tag nach alter Tradition in ihren "Sargenes" (Leichenhemden) und mit Filzschuhen erschienen. Zum Laubhüttenfest war Gerhardt am 27. September 1907 bei Hirsch Grünhut eingeladen. In seiner Laubhütte fand sich wie in anderen von ihm in dieser Gegend besuchten Hütten unter anderem eine Schabbatlampe und ein Davidstern. 
    
Bis 1938 diente die Synagoge in Tauberbischofsheim als gottesdienstlicher Mittelpunkt der in der Stadt und in den umliegenden Dörfern noch lebenden Juden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert. Sie wurde auf Grund der engen Bebauung in der Bachgasse nicht angezündet. Die Inneneinrichtung wurde jedoch zerschlagen und zusammen mit Büchern und anderen kultischen Gegenständen sowie den aus Külsheim herbeigebrachten Torarollen auf dem Marktplatz verbrannt. Die Torarollen aus Tauberbischofsheim wurden nach allerdings unbestätigten Angaben von Geistlichen des Erzbischöflichen Konvikts in Sicherheit gebracht. Auch ein kleines angrenzendes Haus, das unter anderem beim Laubhüttenfest als Sukka diente, wurde demoliert. 
   
Am Sonntag nach Kriegsausbruch, dem 3. September 1939, wurden die noch in Tauberbischofsheim wohnenden Juden von SA- und NSKK-Leuten in die Wirtschaft "Zum Badischen Hof" gebracht. Von dort aus wurden die Männer über den Marktplatz in die Bachgasse geführt, wo sie vor der Synagoge auf die Straße knien und den Boden küssen mussten. Anschließend trieb man sie in den in der Nähe vorbeifließenden Bach und befahl ihnen, sich in das Wasser zu legen und Liegestützen zu machen. Die Männer trugen bei ihrem Marsch ein Plakat mit der Aufschrift: "Wir sind die Kriegshetzer". Am 29. Februar 1940 wurde die Synagoge mit dem 1,62 a großen Grundstück von der Stadt Tauberbischofsheim zum Preis von 2.000 RM erworben. Den Kaufvertrag unterzeichnete für die jüdische Gemeinde Emil Bauer. Nach der Genehmigung durch das Landratsamt und die Devisenstelle wurde der Kaufpreis an die Reichsvereinigung der Juden, Bezirksstelle Karlsruhe, überwiesen. Das Gebäude wurde zunächst als Kriegsgefangenenlager für polnische, belgische und französische Soldaten zweckentfremdet, bevor es am 22. Juni 1943 an Josef Reis, Inhaber einer Herrenkleiderfabrik in Kleinwallstadt bei Aschaffenburg, für monatlich 45 RM vermietet wurde. 
  
1945
wurde das Gebäude von den Alliierten beschlagnahmt und der Jüdischen Vermögensverwaltung (JRSO) übergeben. Im Mai 1949 kamen zwischen der Stadt und der JRSO Verhandlungen bezüglich des Gebäude zustande. Der Hausverkauf 1940 war nach dem Gesetz Nr. 59 der amerikanischen Militärregierung ungültig, da der Verkauf damals unter nationalsozialistischem Druck erfolgt war. Am 5. April 1950 verkaufte die JRSO das Gebäude an Privatleute. Nach dem Umbau wurde es für Wohnzwecke umgebaut und dient bis zur Gegenwart als Wohnhaus. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist vorhanden.
    
    
Texte zur Geschichte der Synagoge 
Aus einer am Geburtstag des Großherzogs von Baden von Bezirksrabbiner Löwenstein in Tauberbischofsheim gehaltene Predigt (1862)      

Tauberbischofsheim Israelit 12111862a.jpg (174330 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1862: "Die gegenwärtige Lage der Israeliten in Baden. Schluss einer am Geburtstagsfeste des Großherzogs von Baden von Bezirksrabbiner Löwenstein in Tauberbischofsheim gehaltenen Predigt.) 
"Israeliten! Die Scheidewand zwischen uns und den übrigen Einwohnern Badens ist nun dem Einsturze nahe. Sie ist von Menschenhänden errichtet worden und geht nun, Dank der göttlichen Vorsehung, den Weg alles Irdischen. Eine andere aber ist von Gott errichtet und dies muss ewig bestehen; weil auch Gott ewig ist. Diejenigen Religionsgesetze, welche uns von den Bekennern eines anderen Glaubens unterschieden, diese können vom Zahne der Zeit nicht zernagt, von keinem Zeitgeistes geächtet werden. Sie kommen auch gar nicht in Berührung mit unserer bürgerlichen Stellung; sie sind nur Sache des Einzelnen, und treten freiwillig zurück da, wo der Landesvater, das Vaterland, das Bürgertum gefährdet sind. Wir sollen und wollen Badens sein; sind wir aber Israeliten, Israeliten mit Leib und Seele, dann sind wir ja schon Badner. – Und wäre mir die Kraft verliehen, so würde ich mit Löwenstimme in jeden Winkel unseres Vaterlandes hinausrufen: ‚Zwar nicht alle wahrhafte Badner sind Israeliten, aber alle wahrhafte Israeliten Badens sind Badner;’ denn wer in dem Sittengesetze, zum Beispiel in Pflichten der Gerechtigkeit, der Liebe und der Dankbarkeit, zwischen Israeliten und Nichtisraeliten unterscheidet, der ist nicht Israelite; der ist kein aufrichtiger Bekenner der Lehre Mosche’s. Wenn es vormals Israeliten gab, welche dieses nicht begriffen und wähnten, sie dürften Druck mit Gegendruck erwidern, es war nie zu rechtfertigen, aber doch einigermaßen zu entschuldigen; wurde es aber auch jetzt noch solche geben, die das Sittengesetz nur gegen Religionsgenossen auszuüben sich verpflichtet halten; jetzt da unser hochherziger Großherzog, seine weise Regierung und die Trefflichsten aus dem Volkes so wohlwollend gegen uns gesinnt sind; jetzt da wir unter den Nahrungszweigen nur wählen dürfen; jetzt, da so Vieler Augen auf uns gerichtet sind: jetzt sagte ich, würden Solche, welche in der Verletzung
Tauberbischofsheim Israelit 12111862b.JPG (269176 Byte)des Sittengesetzes, einem Nichtisraeliten gegenüber, nicht auch eine Verletzung des Religionsgesetzes erkennen, eine noch weit, weit größere Verantwortlichkeit auf sich laden, als vormals. Dieselbe Lehre Moscheh’s aber, welche im bürgerlichen Leben, im Sittengesetze, zwischen Mensch und Mensch keinen Unterschied will, dieselbe Lehre Moscheh’s will im außerbürgerlichen Leben, im Religionsgesetze, eine Scheidewand, die fort und fort bestehen soll, bis der ewige Gesetzgeber selbst sie einreißt. Diese eigenmächtig einreißen, hieße: den Fahneneid brechen, den wir am Sinai geschworen, am Gerisim (Garizim) und am Ebal (wie unser Wochenabschnitt beschreibt: 5. Buch Moses 27.12.13ff) erneuert, unter Jehoschua (Josua) wieder bekräftigt und seither mit unserem Herzblut nur zu oft besiegelt haben. Unsere beiden hohen Kammern sprachen die Rechtsgleichheit aus, ohne daran den Kaufpreis zu knüpfen, mit unserem Religionsgesetze zu bezahlen. Es ist vielmehr die Religion triumphierend aus den Verhandlungen hervorgegangen und mit keiner unzarten Hand berührt worden, wie in den früheren Jahren der Vorurteile und der Unduldsamkeit. Juden wollte man emanzipieren; und Juden ohne Judentum wären Nichts als ein verneinendes Nichtjudentum; ein Gefäß ohne Inhalt; ein Wort ohne Bedeutung, ein Nichts. Ehedem konnte man unter dem Namen auch Schicksalsgenossen verstehen; jetzt aber, da sich unser Geschick nur noch mit dem des Vaterlandes verschmelzen kann, wie Dieses mit Gottes Hilfe bald auch in allen gebildeten Staaten sein wird, jetzt wäre die bloße Schicksalsgenossenschaft nur noch ein loses Bindemittel, ein Nebelbild. Nein, Israeliten! Wenn unsere Zeit dem ganzen Heere der Vorurteile den Krieg verkündet, so wollen wir, die wir durch Vorurteile schon so unsäglich gelitten haben, nicht neuerdings das Vorurteil nähren und hätscheln, Judentum und Bürgertum stünden sich einander feindselig gegenüber. Wir wollen unsere große Geschichte allerdings nicht vergeblich durchlebt haben; sie ist aber nicht unsere Geschichte; sie ist die Geschichte unserer Religion; sie ist das Zeugnis des großen, göttlichen Erziehungsplanes mit uns und mit dem ganzen menschengeschlechte; damit die ganze Erde voll wende von Gottes Herrlichkeit.   
Und wenn im gegenwärtigen Monat die Schofartöne in unseren Gotteshäusern vernommen werden zur Erinnerung an jene vierzig Tage, welche Moscheh auf Sinai zubrachte und in welchen er seine Abwesenheit vom Lager den Israeliten durch Schofar kund machen ließ, so ermannen auch wir uns, im Geiste und im Leben dem Gottesmanne auf Sinai zu folgen, sein Sinaigeschenk als unser teuerstes und unveräußerliches Gut zu bewahren und zu wahren. Hüten, hüten wir uns davor, dass nicht auch in unserem Lager Moscheh uns abhanden komme; dass sein Geist, sein Gottesgesetz nicht entfremdet werde; und dass wir nicht zu spät sprächen: ‚Dieser Moschehgeist, wir wissen nicht, was aus ihm geworden ist.’ (sc. vgl. 2. Mose 32). 

Nur also handeln wir im Sinne unserer vaterländischen Wohltäter; nur also verdienen wir, Israeliten zu heißen; nur also füllen wir den Posten aus, auf welchen Gott der Allvater uns gestellt in der Absicht, dass die ganze Erde voll werde seiner Herrlichkeit. Amen! Amen!".  

         
Adresse der ehemaligen Synagoge: Bachgasse 9                
       
       
       
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos 1965 / 1983 / 2001:
 Fotos: außer dem ersten Foto: Hahn)
Tauberbischofsheim Synagoge 005.jpg (53895 Byte) Tauberbischofsheim Synagoge 003.jpg (53696 Byte)
    Aufnahme um 1965 bei
 Hundsnurscher/Taddey s.Lit. Abb. 201 
Die ehemalige Synagoge 
in der Bachgasse  
     
Tauberbischofsheim Synagoge 002.jpg (49340 Byte) Tauberbischofsheim Synagoge 001.jpg (33669 Byte) Tauberbischofsheim Synagoge 006.jpg (62743 Byte)
Rückseite des 
Gebäudes 
Der Eingang zur 
ehemaligen Synagoge 
Aufnahme 
März 2001 
     
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003) 
    
Tauberbischofsheim Synagoge 152.jpg (44415 Byte) Tauberbischofsheim Synagoge 153.jpg (48466 Byte) Tauberbischofsheim Synagoge 151.jpg (41774 Byte)
Die ehemalige Synagoge 
in der Bachstraße  
Der auffallend hohe 
Eingangsbereich  
Die Rückseite 
des Gebäudes  
     
Tauberbischofsheim Synagoge 150.jpg (34410 Byte) Tauberbischofsheim Gedenktafel 01.jpg (39147 Byte) Tauberbischofsheim Gedenktafel 02.jpg (41591 Byte)
Blick auf die Rückseite 
von Nordost   
Die Gedenkstätte für die in der NS-Zeit
 ermordeten Juden aus Tauberbischofsheim
 im Rathaus der Stadt  
Die Gedenktafel 
    
      

   
   

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Tauberbischofsheim 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Tauberbischofsheim (interner Link)   

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 269-270.
Germania Judaica III,2 S. 1450-1453.
Bernhard Müller: Juden und Judenpolitik in Tauberbischofsheim von 1933 bis 1945. Wissenschaftliche Arbeit zur Prüfung für das Lehramt an Gymnasien (mschr.). Univ. Heidelberg. 1980.
Franz Gehrig/Hermann Müller: Tauberbischofsheim. Beiträge zur Stadtchronik. Hierin Abschnitt: "Die Juden von Tauberbischofsheim" S. 285-297.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. .  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
Gerd Stühlinger, Johannes Georg Ghiraldin, Sarah Schroeder, Christoph Ries, Katja Rüger, Gunter Schmidt und Stefan Henninger (Projektgruppe Mahnmal, Herausgeber): Wegverbracht. Das Schicksal der Tauberbischofsheimer Juden 1933-1945. EINE DOKUMENTATION. Tauberbischofsheim 2009. 
Näheres zu dieser Dokumentation: Der Spurensuche von Tauberbischofsheimer Jugendlichen verdankt sich diese Projektdokumentation über die jüdischen Bürger Tauberbischofsheims sowie die Aufstellung eines Mahnmals bei der Peterskirche und eines zweiten Memorialsteines in der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern. Vier Jugendliche, Schüler des Gymnasiums, hatten ab dem Herbst 2007 die Initiative ergriffen, die die Erinnerung an das Schicksal von über 5500 Juden erneuern sollte, die am 20. Oktober 1940 nach Gurs (Südfrankreich) deportiert wurden. 
Sie erinnert gleichzeitig an die große Lücke innerhalb der Tauberbischofsheimer Stadtgeschichte(n). Weder das Buch von 1955, noch das von 1997 haben eine besondere (eigenständige) Darstellung des Schicksals der Tauberbischofsheimer Juden geleistet. Der Initiative der Schüler ist es zu verdanken, das die Arbeit von Bernhard Müller 'Juden und Judenpolitik in Tauberbischofsheim von 1933 bis 1945. Wissenschaftliche Arbeit zur Prüfung für das Lehramt an Gymnasien. Universität Heidelberg. 1980' wieder entdeckt wurde, nachdem die Arbeit aus dem Stadtarchiv verschwunden war. Man konnte beim Autor Kopien der Arbeit ziehen! 1989 hatten sich Schüler des Gymnasiums mit der 'Nacht, in der die Synagogen brannten' mit den Tauberbischofsheimer Geschehnissen beschäftigt und konnten noch auf die Arbeit Müllers zugreifen (Siehe Schülerzeitschrift 'Bullauge', Nr. 17 von 1989, Seite 63f.). Diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wäre eine wichtige Aufgabe!
Die Spurensuche der Jugendlichen brachte auch den amtsbürokratischen Jargon, der damals in Tauberbischofsheim herrschte, aus der Vergessenheit ans Licht. Die Deportation nach Gurs wurde dem kalten, zynischen Begriff 'wegverbracht' umschrieben. Abgedruckte Bilder in der Dokumentation zeigen die Unmenschlichkeit, mit der dabei vorgegangen wurde. Zwei Zeitzeugenberichte über die Vorgänge in Tauberbischofsheim liefert der Band, was seine Bedeutung unterstreicht, auch wenn von Schülern keine originäre Forschungsarbeit zu erwarten war. Der Wert liegt in der Spurensuche, in der Intention, in der Durchführung des Projektes, das zudem mit der Gestaltung des Gedenksteines durch Mitglieder des Tauberbischofsheimer Kunstvereins sich in die Erwachsenenwelt hinein erweiterte und breitere Kreise erreichte. Auch die notwendige finanzielle Unterstützung fand durch Tauberbischofsheimer Bürger und Verbände statt. In einer würdigen Feier in der Peterskirche wurde das Mahnmal der Tauberbischofsheimer Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zudem fand eine Gedenkveranstaltung in Neckarzimmern statt. 
   
Von Tauberbischofsheim nach Jerusalem. Das Schicksal einer Jüdin aus Tauberbischofsheim. Die Biografie von Chana Sass. Tauberbischofsheim 2013.  
Anmerkung: Chana Sass ist als Hannelore Simons am 3. Dezember 1925 in Tauberbischofsheim geboren. Sie war die Tochter von Ernst Simons (1902 Köln - 1981) und seiner Frau Flora geb. Brückheimer (1892 Tauberbischofsheim - 1944 in Auschwitz)  
Bezug der Publikation über die Stadtinformation Tauberbischofsheim (E-Mail), über den Weltladen ebd., die Buchhandlung "Schwarz auf Weiß" ebd. (Sonnenplatz 3) sowie über das Tauberfränkische Landschaftsmuseum im Schloss Tauberbischofsheim, gleichfalls über Johannes Ghiraldin (Redaktion der Publikation; E-Mail)  

         
     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Tauberbischofsheim  Baden.  Jews are first mentioned in 1235 but may have been among the victims of the Rhineland massacres during the first two Crusades in 1096 and 1146. They also suffered grievously in the Rindfleisch massacres of 1298, the Armleder massacres of 1336-39, and the Black Death persecutions of 1348-49. Jewish settlement was renewed in 1356 under the benign protection of Bishop Gerhard of Mainz. During the Thirty Years War (1618-48) the Jews were persecuted and pillaged by the Swedish army but continued to enjoy relative tolerance at the hands of local rulers. With Jews allowed to open stores and purchase land in the 18th century, a period of accelerated economic growth commenced which brought prosperity to the town as a whole, but the Jews became fully integrated into local life only after the emancipation in 1862. The Jewish population grew steadily through the 19th century and reached a peak of 200 in 1880 (total 3,074). A Jewish elementary school was opened in the 1830s and a synagogue was built in 1845. 
In 1933, 106 Jews remained. Community life intensified and Zionism began to exert an attraction. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized and Jews were detained in the Dachau concentration camp. Forty-nine Jews emigrated directly from Tauberbischofsheim, mostly to the United States, along with nine of the 25 Jews who left Tauberbischofsheim for other German cities. Of the latter, 16 ended up in the camps, as did the last 22 Jews in Tauberbischofsheim, who were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1942; six survived.  
    
     

                   
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Stand: 30. Juli 2013