|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Königshofen (Stadt Lauda-Königshofen, Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurmainzischen
Ort Königshofen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung 1906.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1642 ist Jud Marx
in den Schutz in Königshofen aufgenommen worden. 1692 waren drei jüdische
Familien (Nathan, Moses und Löw) am Ort. 1767 werden neun jüdische
Haushaltungen genannt.
Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wurde um 1833 mit
65 Personen erreicht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl
schnell zurück, sodass 1900 nur noch 15 jüdische Personen am Ort wohnten.
Die
Gemeinde gehörte seit 1832 zum Bezirksrabbinat in Wertheim. Nach der Auflösung
der jüdischen Gemeinde am 31. März 1906 wurden die noch in Königshofen
lebenden Juden der Gemeinde Tauberbischofsheim zugeteilt.
1933 lebten noch drei
Juden in Königshofen. Die letzte jüdische Einwohnerin verzog 1938 nach
Gailingen und wurde von dort aus im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Sie
konnte 1941 in die Dominikanische Republik emigrieren.
Berichte aus
der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Lazarus Hofmann
(1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1890: "Königshofen,
im Marcheschwan 5651. Die hiesige Gemeinde hat einen empfindlichen Verlust
erlitten. Am Donnerstag, den 6. November, starb nach kurzem Kranksein im
Alter von 74 Jahren der in der ganzen Umgegend geliebte und geachtete
Lazarus Hofmann. Die israelitische Gemeinde in Königshofen zählt nur
fünf Familien und ist nicht im Stand, an den gewöhnlichen Tagen und
Sabbaten Gottesdienst zu halten. Dagegen werden an den Feiertagen
Leute von auswärts zu Minjan bestellt, und da war es der Verstorbene,
welcher schon seit Jahrzehnten unentgeltlich die Stelle eines Vorsänger
und Tora-Vorlesers versah. Oftmals hatte der alte Mann am
Roschhaschono (Neujahr) und Jom Kippur sämtliche Tefillot (Gebete)
vorgetragen. Durch seine Biederkeit und Menschenfreundlichkeit, durch
seine strenge Religiosität, durch sein liebevolles, zuvorkommendes Wesen
erwarb er sich Freunde unter Juden und Andersgläubigen. Zur Beisetzung
hatten sich sämtliche Mitglieder der Nachbargemeinde Edelfingen,
sowie auch viele Andersgläubige von hier und Umgegend eingefunden. Möge
er in jener Welt die Freuden genießen, die Gott seinen Frommen verheißen
hat. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. K... aus
E..." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Bis zum Anfang des 19.
Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien vor allem im Mühl- und Badviertels,
insbesondere im Bereich der heutigen Amalienstraße.
Bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts dürfte ein Betsaal
vorhanden gewesen sein. Damals waren über zehn jüdische Männer am Ort. 1770
richtete man einen Betsaal ("Judenschule") in einem älteren, schon
bestehenden Gebäude ein. Zum Ankauf des Anwesens und dessen Herrichtung als Synagoge
musste die jüdische Gemeinde einen größeren Kredit des Spitals in
Tauberbischofsheim in Anspruch nehmen, für den Joseph David als Bürge
zeichnete. Die drückende Schuldenlast und die Kriegsereignisse am Ende des 18.
Jahrhunderts verhinderten eine notwendige Instandsetzung des Synagogengebäudes,
so dass diese im Laufe der Jahre immer baufälliger wurde. 1801 alarmierte der jüdische
Almosenpfleger Löw Sondel die Ortsbehörde und berichtete, dass "dahiesige
Judenschule sehr ruinös sei und um dem Einsturz vorzukommen, repariert werden müsse".
Die Restaurierung wäre schon längst vorgenommen worden, wenn sich die Juden
untereinander über die Kostenverteilung hätten einigen können. Da dies nicht
der Fall war, bat Löw Sondel die Gemeindeverwaltung um Unterstützung in dieser
Angelegenheit. Diese entschied daraufhin, dass sich der Judenvorsteher Joseph
David und Löw Sondel unverzüglich mit den Handwerkern in Verbindung setzen
sollten, um den drohenden Einsturz der Synagoge zu verhindern. Hinsichtlich der
Kosten für die Sanierungsmaßnahme gab man die Empfehlung, dass die Kosten
unter allen Juden je nach ihrem Vermögen bezahlt werden sollten.
In welchem Umfang die Synagoge 1801/02 renoviert wurde, ist
nicht bekannt. Jedenfalls erschien am 22. Mai 1815 Abraham Pfifferling aus Königshofen
auf dem Bezirksamt Gerlachsheim und brachte vor, dass die Synagoge in Königshofen
dringend eine schnelle Reparatur nötig habe. Damit durch den zu befürchtenden
Einsturz des Gebäudes die Kosten nicht noch höher ausfallen würden, sei die
Angelegenheit sehr dringend. Freilich könne von Seiten der Judenschaft die
Reparatur kaum bezahlt werden. Man habe keinen Baufonds oder eine "milde
Stiftung", aus der man die Kosten bezahlen könne. Offensichtlich musste
tatsächlich schnell gehandelt werden, denn die Reparatur wurde schnell unter
persönlicher Aufsicht des damaligen "Stadtbürgermeisters" Michael
Hirschberger durchgeführt. Er erstellte auch die Schlussrechnung über 261
Gulden, zu denen noch einige Gulden für die im Nachbargarten während der
Arbeiten angerichteten Schäden und sonstige Gebühren kamen. Die Finanzierung
wurde auf die 14 jüdischen Familien des Ortes verteilt. Eine Hälfte musste
gleichmäßig von allen Familien übernommen werden, die andere Hälfte mussten
je nach Vermögen die sieben etwas wohlhabenderen Familien bezahlen. Nach dieser
Reparatur scheint die Synagoge nochmals 90 Jahre gehalten zu haben.
Um
1900 war die Zahl der Juden am Ort auf 15 Personen zurückgegangen. Bereits
seit Jahren konnten nur noch an Feiertagen mit einem ehrenamtlichen Vorbeter
Gottesdienste gefeiert werden (siehe Bericht zum Tod von Lazarus Hofmann
1890).
Nachdem die Gemeinde zum 31. März 1906 aufgelöst worden war, wurde die Synagoge in der Amalienstraße
geschlossen und am 3. Juli 1906 durch den Bezirksältesten Maier Reis für
Tauberbischofsheim für 450 Mark an seinen Königshöfer Glaubensgenossen
Bernhard Eisenmann und dessen Frau Johanna verkauft. Nicht im Kaufpreis
enthalten waren der Toraschein, ein Leuchter und das Vorlesepult, die vermutlich
an die israelitische Gemeinde in Tauberbischofsheim übergegangen sind. Am 11.
Juli 1906 wurde die ehemalige Synagoge an den Schuhmacher Nikolaus Schad
weiterverkauft, der sie vermutlich wegen Baufälligkeit später abgebrochen und
auf dem Gelände einen Garten angelegt hat (Grundstück an der Ecke Untere
Mauerstrasse/Amalienstrasse).
Fotos / Plan
Historische Fotos:
|
Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Plan:
|

|
Plan von Königshofen mit Standort der ehemaligen Synagoge |
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003)
 |
 |
| Blick über den Bereich der
Einmündung Amalienstraße in die Untere Mauerstraße |
Hinter dem Zaun: das ehemalige
Synagogengrundstück |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 271. |
 | Joachim Braun: Geschichte der jüdischen Gemeinde Königshofen. In:
Hugo Ott: Geschichte von Königshofen an der Tauber. Hg. von der
Stadt Lauda-Königshofen 1992. S. 248-268. |

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|