Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Königshofen (Stadt Lauda-Königshofen, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge   
Fotos / Plan  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurmainzischen Ort Königshofen bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung 1906. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1642 ist Jud Marx in den Schutz in Königshofen aufgenommen worden. 1692 waren drei jüdische Familien (Nathan, Moses und Löw) am Ort. 1767 werden neun jüdische Haushaltungen genannt. 
    
Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wurde um 1833 mit 65 Personen erreicht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl schnell zurück, sodass 1900 nur noch 15 jüdische Personen am Ort wohnten. 
   
Die Gemeinde gehörte seit 1832 zum Bezirksrabbinat in Wertheim. Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde am 31. März 1906 wurden die noch in Königshofen lebenden Juden der Gemeinde Tauberbischofsheim zugeteilt.
   
1933 lebten noch drei Juden in Königshofen. Die letzte jüdische Einwohnerin verzog 1938 nach Gailingen und wurde von dort aus im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Sie konnte 1941 in die Dominikanische Republik emigrieren.
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Lazarus Hofmann (1890)  

Koenigshofen Israelit 17111890.jpg (88919 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1890: "Königshofen, im Marcheschwan 5651. Die hiesige Gemeinde hat einen empfindlichen Verlust erlitten. Am Donnerstag, den 6. November, starb nach kurzem Kranksein im Alter von 74 Jahren der in der ganzen Umgegend geliebte und geachtete Lazarus Hofmann. Die israelitische Gemeinde in Königshofen zählt nur fünf Familien und ist nicht im Stand, an den gewöhnlichen Tagen und Sabbaten Gottesdienst zu halten. Dagegen werden an den Feiertagen Leute von auswärts zu Minjan bestellt, und da war es der Verstorbene, welcher schon seit Jahrzehnten unentgeltlich die Stelle eines Vorsänger und Tora-Vorlesers versah. Oftmals hatte der alte Mann am Roschhaschono (Neujahr) und Jom Kippur sämtliche Tefillot (Gebete) vorgetragen. Durch seine Biederkeit und Menschenfreundlichkeit, durch seine strenge Religiosität, durch sein liebevolles, zuvorkommendes Wesen erwarb er sich Freunde unter Juden und Andersgläubigen. Zur Beisetzung hatten sich sämtliche Mitglieder der Nachbargemeinde Edelfingen, sowie auch viele Andersgläubige von hier und Umgegend eingefunden. Möge er in jener Welt die Freuden genießen, die Gott seinen Frommen verheißen hat. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. K... aus E..."  

   
   
   

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien vor allem im Mühl- und Badviertels, insbesondere im Bereich der heutigen Amalienstraße.   
     
Bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts dürfte ein Betsaal vorhanden gewesen sein. Damals waren über zehn jüdische Männer am Ort. 1770 richtete man einen Betsaal ("Judenschule") in einem älteren, schon bestehenden Gebäude ein. Zum Ankauf des Anwesens und dessen Herrichtung als Synagoge musste die jüdische Gemeinde einen größeren Kredit des Spitals in Tauberbischofsheim in Anspruch nehmen, für den Joseph David als Bürge zeichnete. Die drückende Schuldenlast und die Kriegsereignisse am Ende des 18. Jahrhunderts verhinderten eine notwendige Instandsetzung des Synagogengebäudes, so dass diese im Laufe der Jahre immer baufälliger wurde. 1801 alarmierte der jüdische Almosenpfleger Löw Sondel die Ortsbehörde und berichtete, dass "dahiesige Judenschule sehr ruinös sei und um dem Einsturz vorzukommen, repariert werden müsse". Die Restaurierung wäre schon längst vorgenommen worden, wenn sich die Juden untereinander über die Kostenverteilung hätten einigen können. Da dies nicht der Fall war, bat Löw Sondel die Gemeindeverwaltung um Unterstützung in dieser Angelegenheit. Diese entschied daraufhin, dass sich der Judenvorsteher Joseph David und Löw Sondel unverzüglich mit den Handwerkern in Verbindung setzen sollten, um den drohenden Einsturz der Synagoge zu verhindern. Hinsichtlich der Kosten für die Sanierungsmaßnahme gab man die Empfehlung, dass die Kosten unter allen Juden je nach ihrem Vermögen bezahlt werden sollten. 
      
In welchem Umfang die Synagoge 1801/02 renoviert wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls erschien am 22. Mai 1815 Abraham Pfifferling aus Königshofen auf dem Bezirksamt Gerlachsheim und brachte vor, dass die Synagoge in Königshofen dringend eine schnelle Reparatur nötig habe. Damit durch den zu befürchtenden Einsturz des Gebäudes die Kosten nicht noch höher ausfallen würden, sei die Angelegenheit sehr dringend. Freilich könne von Seiten der Judenschaft die Reparatur kaum bezahlt werden. Man habe keinen Baufonds oder eine "milde Stiftung", aus der man die Kosten bezahlen könne. Offensichtlich musste tatsächlich schnell gehandelt werden, denn die Reparatur wurde schnell unter persönlicher Aufsicht des damaligen "Stadtbürgermeisters" Michael Hirschberger durchgeführt. Er erstellte auch die Schlussrechnung über 261 Gulden, zu denen noch einige Gulden für die im Nachbargarten während der Arbeiten angerichteten Schäden und sonstige Gebühren kamen. Die Finanzierung wurde auf die 14 jüdischen Familien des Ortes verteilt. Eine Hälfte musste gleichmäßig von allen Familien übernommen werden, die andere Hälfte mussten je nach Vermögen die sieben etwas wohlhabenderen Familien bezahlen. Nach dieser Reparatur scheint die Synagoge nochmals 90 Jahre gehalten zu haben.  
       
Um 1900 war die Zahl der Juden am Ort auf 15 Personen zurückgegangen. Bereits seit Jahren konnten nur noch an Feiertagen mit einem ehrenamtlichen Vorbeter Gottesdienste gefeiert werden (siehe Bericht zum Tod von Lazarus Hofmann 1890).   
  
Nachdem die Gemeinde zum 31. März 1906 aufgelöst worden war, wurde die Synagoge in der Amalienstraße geschlossen und am 3. Juli 1906 durch den Bezirksältesten Maier Reis für Tauberbischofsheim für 450 Mark an seinen Königshöfer Glaubensgenossen Bernhard Eisenmann und dessen Frau Johanna verkauft. Nicht im Kaufpreis enthalten waren der Toraschein, ein Leuchter und das Vorlesepult, die vermutlich an die israelitische Gemeinde in Tauberbischofsheim übergegangen sind. Am 11. Juli 1906 wurde die ehemalige Synagoge an den Schuhmacher Nikolaus Schad weiterverkauft, der sie vermutlich wegen Baufälligkeit später abgebrochen und auf dem Gelände einen Garten angelegt hat (Grundstück an der Ecke Untere Mauerstrasse/Amalienstrasse).
    
 

Fotos / Plan
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

Plan: 

Koenigshofen Plan.jpg (154432 Byte)

Plan von Königshofen mit Standort der ehemaligen Synagoge


Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003)

Koenigshofen Synagoge 150.jpg (59649 Byte) Koenigshofen Synagoge 151.jpg (83398 Byte)
Blick über den Bereich der Einmündung Amalienstraße in die Untere Mauerstraße Hinter dem Zaun: das ehemalige Synagogengrundstück

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Lauda-Königshofen 
Private Website zu Lauda-Königshofen (Geschichte von Königshofen mit Nennung der ehem. Synagoge 1770)

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 271.
Joachim Braun: Geschichte der jüdischen Gemeinde Königshofen. In:  Hugo Ott: Geschichte von Königshofen an der Tauber. Hg. von der Stadt Lauda-Königshofen 1992. S. 248-268. 

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Januar 2009