Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Königshofen im Grabfeld (Kreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Ergänzende Dokumente     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In der in früheren Jahrhunderten an der Kreuzung der Straßen Bamberg-Fulda und Schweinfurt-Thüringen verkehrsgünstig gelegenen Stadt Königshofen lebten Juden bereits im Mittelalter. Allerdings ist wenig von ihnen bekannt. Von den Judenverfolgungen 1298 ("Rindfleisch-Verfolgung") und 1348/49 (Pestzeit) waren allerdings auch die Juden in Königshofen betroffen. Nach der Verfolgung in der Pestzeit gibt es über 200 Jahre keine Hinweise auf eine jüdische Ansiedlung in der Stadt.  
  
Die neuzeitliche jüdische Gemeinde bestand bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in das 18. Jahrhundert zurück. Seit 1746 werden Juden aus Königshofen genannt. Nach einer von Elisabeth Böhrer in einem Akt im Staatsarchiv Würzburg gefundenen Aufstellung werden für das Jahr 1763 namentlich vier jüdische Familienväter als "im Hochstift wohnende zur Hochfürstlichen Hofkammer zahlbare Schutz Juden" genannt. 1789 waren gleichfalls vier Schutzjudenfamilien, 1794 sechs in der Stadt.
  
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1800 22 jüdische Personen, 1810 22, 1813 24, 1830 21, 1839 25, 1848 38, 1867 50 (2,5 % von insgesamt 2.027 Einwohnern), 1871 64, 1880 68, 1890 81, 1900 89, 1910 101. Durch den anhaltenden Zuzug aus den umliegenden Landgemeinden wurde die Höchstzahl jüdischer Einwohner um 1925 erreicht (s.u.). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden für Königshofen fünf Matrikelstellen für die folgenden jüdischen Familienvorstände festgehalten (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Jacob Abraham Einstädter (Ellenhandel), Isak Abraham Einstädter (Ellenhandel), Löb Abraham Einstädter (Unterhändler), Salomon Levi Strauß (Ellenhandel), Behrmann Feist Friedmann (Unterhändler) bzw. seit 1826 David Friedmann (Garküchnerei).     
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule sowie ein rituelles Bad. Die Schule wurde Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Betsaal in dem der jüdischen Gemeinde gehörenden Haus in der Rathausstraße eingerichtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand die Religionsschule in enger Beziehung mit der Religionsschule in Trappstadt. Die beiden Gemeinden teilten sich den Religionslehrer (siehe Ausschreibungen von 1876 und 1878 unten). Die Toten der Gemeinde wurden bis 1920 auf dem jüdischen Friedhof in Kleinbardorf, danach auf einem eigenen Friedhof in Königshofen (auf Gemarkung Ipthausen) beigesetzt. 
  
 Um 1925, als 130 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (6,8 % von insgesamt etwa 1.900 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde: Karl Einstädter (Vorsteher von 1907 bis 1932), Jacob Engel, Sali Haas, Albert Malzer und Moses Blechner. Als Lehrer, Kantor und Schochet war Heinrich (Heinz) Adler-Heller tätig. Er erteilte an der Religionsschule der Gemeinde damals 11 schulpflichtigen jüdischen Kindern den Religionsunterricht. Auch in umliegenden Gemeinden hielt er den Religionsunterricht (z.B. in Höchheim). An jüdischen Vereinen bestanden: der Israelitische Frauenverein (Heilige Schwesternschaft, Ziel: Wohltätigkeit), die Chewra Kadischa (Männerverein), der Synagogenchorverein und die Concordia. Königshofen angeschlossen war inzwischen auch die in Trappstadt bestehende Synagogengemeinde, zu der nur noch 19 jüdische Personen gehörten (1932: 15 Personen). Die Gemeinde war dem Distriktsrabbinat Burgpreppach zugeteilt (im Handbuch der Gemeindeverwaltung 1924/25 allerdings unter Aschaffenburg eingeordnet).  Im Schuljahr 1932/33 unterrichtete Lehrer Adler-Heller noch 18 Kinder in der Religionsschule. Erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde war seit 1932 als Nachfolger von Karl Einstädter Sali Haas, als Schatzmeister der Gemeinde war Alfred Malzer tätig.
  
1933 lebten 94 jüdische Personen in Königshofen. Die Nationalsozialisten hatten sich bereits seit mehreren Jahren bemerkbar gemacht, insbesondere durch die Schändungen des jüdischen Friedhofes der Königshofener Gemeinde in Ipthausen (1921, 1925 und 1933). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Boykottmaßnahmen verließen bis 1936 32 jüdische Einwohner die Stadt. Relativ lange konnten sich die jüdischen Viehhändler halten (bis um 1937). Von 1936 bis 1938 unterrichtete Lehrer Justin Bernheimer die neun schulpflichtigen jüdischen Kinder aus Königshofen sowie die Kinder in Höchheim (zu seiner Berufung nach Königshofen siehe die Mitteilung unten). Bis zum Novemberpogrom 1938 waren 69 jüdische Einwohner ausgewandert (32, überwiegend in die USA) oder in andere Städte verzogen (Meiningen, Frankfurt, Berlin). Fünf verstarben in der Stadt. Nach dem Novemberpogrom 1938 konnte noch weitere Personen auswandern, sodass Anfang 1940 nur noch 16 jüdische Gemeindeglieder in Königshofen lebten. Die letzten sechs mussten am 20./21. August ihre Häuser räumen und in das benachbarte Kleineibstadt umziehen, von wo sie im April 1942 nach Izbica deportiert wurden. 
  
Von den in Königshofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Clara Blechner geb. Friedberger (1886), Moritz Blechner (1881), Mina Blumental geb. Friedmann (1883), Friederica de Boers geb. Bernhard (1877), Denny Einstädter (1880), Helma Frank (1920), Henny Frank geb. Einstädter (1895), Irma Frank geb. Einstädter (1894), Josef Frank (1885), Lieselotte Frank (1931), Werner Frank (1934), Bernhard Friedmann (1925), Hedwig Friedmann geb. Adler (1895), Josef Friedmann (1887), Leo Ganz (1913), Emilie Goldstein geb. Einstädter (1866), Bertha Gutmann geb. Malzer (1885), Josef Herbst (1864), Johanna Hofmann (1926), Julius Hofmann (1892), Ludwig Hofmann (1923), Selma Hofmann geb. Schlorch (1894), Selma Holzinger geb. Oppenheimer (1888), Johanna Joel (1893), Josef Kahn (1895), Ignaz Kohn (1884), Martha Kohn (1885), Max Kohn (1865), Helma Levy (1920), August Mainzer (1869), Luise Palm geb. Kohn (1897), Hermann Reiss (1890), Klara Reiss geb. Schloss (1891), Max Rothschild (1885), Ida Schuster geb. Samuel geb. (?), Sofie Stern geb. Stern (1871), Johanna Zeilberger geb. Reinhold (1890), Julius Zeilberger (1883). 
   
(Anmerkung: nachweislich ist der große Teil der genannten Personen aus diesem Königshofen, da in den Formularen bei Yad Vashem "Königshofen /Grabfeld" beziehungsweise beim Bundesarchiv  angegeben wurde oder der Familienname eindeutig in dieses Königshofen weist; bei einigen wenigen der genannten Personen besteht eine Unsicherheit, da es jüdische Gemeinden auch in anderen Orten mit Namen Königshofen gab
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers 1876 / 1878 / 1894 / 1922   

Aus den Ausschreibungstexten geht auch der Name der damaligen Gemeindevorsteher hervor: um 1876 ein Herr Kohn, um 1876/78 G. J. Einstädter, um 1894 Hermann Einstädter, um 1922 Karl Einstädter. 
Koenigshofen Israelit 24051876.jpg (40831 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1876: "Die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers in der hiesigen, mit der Religionsschulstelle Trappstadt kombinierten Gemeinde ist zu besetzen. Gehalt Mark 700 bei freier Wohnung und Beheizung. 
Bewerbungen mit Zeugnisvorlage an den unterzeichneten Vorstand. Königshofen (im Grabfeld), 9. Mai 1876. Kohn."
  
Koenigshofen Israelit 20121876.jpg (38366 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1876: "Erledigte Religionslehrer- und Vorbeter-Stelle in Königshofen im Grabfeld (Bayern). Fixer Gehalt 700 Mark, Ertrag der Schächterfunktion 300 Mark. Hierauf Reflektierende wollen sich unter Beilage ihrer Zeugnisse an Unterzeichneten werden. G.J. Einstädter."
  
Koenigshofen Israelit 04121878.jpg (44204 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1878: "Die kombinierte israelitische Gemeinde Königshofen (Grabfeld) und Trappstadt (Bayern) sucht einen tüchtigen Religionslehrer und Vorsänger. Gehalt 820 Mark, 3 Raummeter Holz etc. Nur Besitzer von guten Zeugnissen wollen sich melden mit der Angabe, ob verheiratet oder ledig, Schochet oder nicht. Russen und Polen finden keine Berücksichtigung. G.J. Einstädter, Vorstand."
  
Koenigshofen Grabfeld Israelit 22111894.jpg (13032 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1894: "Die Stelle eines Religionslehrers (auch Schechita) wird am 1. Dezember hier frei. Bewerber belieben sich zu wenden an 
Hermann Einstädter, Königshofen, Grabfeld (Bayern)."
  
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1922: "Wir suchen zum sofortigen Eintritt einen seminaristisch geprüften Religionslehrer, Schochet und Kantor, der auch im Stande ist, einen Synagogenchor zu leiten. Die Gemeinde ist Mitglied des bayerischen Versorgungsverbandes. Gehalt Mark 150.000.-. bei weiterem Nebeneinkommen von ca. Mark 30.000.- und freier Wohnung. Angebote mit Beifügung von Referenzen und Zeugnisabschriften erbitten baldigst zu richten an den Vorstand der Kultusgemeinde Königshofen Grabfeld. Karl Einstädter."  

  
Justin Bernheimer wird Lehrer in Königshofen (1936)   

Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1936: "Kollege Justin Bernheimer, bisher in Scheinfeld, wurde als Lehrer nach Königshofen im Grabfeld berufen."  
 
Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Schulamtsbewerber und Religionslehrer Justin Bernheimer in Scheinfeld wurde als Religionslehrer nach Königshofen im Grabfeld berufen."   

    
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 

Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Winterhilfe im November 1932  

Koenigshofen Grabfeld BayrGZ 15121932.jpg (99968 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1932: "Königshofen/Grabfeld. Zum Besten der Winterhilfe veranstaltete Lehrer und Kantor Heinz Heller-Adler am Sonntag, dem 27. November 1932, im hiesigen großen Saale des Turnerheims ein Wohltätigkeitskonzert. Das Protektorat dieser Veranstaltung hatte der Stadtrat sowie die Geistlichkeit und das 'Rote Kreuz' übernommen. Heinz Heller-Adler stellte ein Orchester, bestehend aus der 'Grabfeldkapelle' mit einer Verstärkung mehrerer Musikschüler des staatlichen Konservatoriums in Würzburg zusammen. Der Abend wurde dem Leiter zu einem großen Erfolg. Das Programm brachte neben der Ouvertüre zur Oper 'Der fliegende Holländer' Teile für gemischten Chor und Soli aus dem Oratorium 'Die Schöpfung' von Haydn sowie weitere Werke von Mozart und Beethoven. Den Chor bildeten Damen und Herren aus allen Schichten der Bevölkerung Königshofens. All diesen Werken bereitete der Dirigent Heinz Heller-Adler eine besonders gelungene Wiedergabe. Ein voll besetztes Haus brachte ihm einen herzlichen Beifall. Ein erheblicher Erlös konnte den einzelnen Wohltätigkeitsvereinen von Königshofen übergeben werden."  

  
  
Berichte zu einzelnen Personen der Gemeinde 
Zum Tod des bischöflichen Geistlichen Rates Pfarrer Dr. Friedrich Frank (1832-1904
   

Koenigshofen Grabfeld Israelit 01091904p.JPG (79605 Byte)Zu seinem Tod im August 1904 erschien - sehr ungewöhnlich - ein Nachruf in der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit" vom 1.9.1904: "Königshofen. 24. August. Heute starb dahier ein Mann, der es verdient, zu den "Gerechten unter den Völkern dieser Welt" gerechnet zu werden, der bischöfliche Geistliche Rat, Herr Dr. Friedrich Frank, Pfarrer am hiesigen Elisabethen-Spital, im Alter von 72 Jahren. Der Verstorbene gehörte lange Zeit dem Bayerischen Landtage und dem Reichstage an und war in Wirtheim, Preußen geboren. Seine schriftstellerische Tätigkeit verschaffte ihm großen Ruhm und Ehre; großes Interesse hegte er ganz speziell um die Judenfrage und trat mit aller Energie den antisemitischen Unwahrheiten entgegen. Er schrieb u.a. über "Die Kirche und die Juden", "Der Ritualmord", "Die Schächtfrage", Bücher, welche selbst in antisemitischen Prozessen eine Rolle spielten. Seine Werke wurden auch in Ihrem geschätzten Blatte (sc. in der Zeitschrift "Der Israelit") schon des öfteren gebührend gewürdigt und verschaffen ihm für alle Zeiten ob ihrer Offenheit, Gründlichkeit und lauteren Wahrheit einen unsterblichen Namen und den Dank des jüdischen Volkes. Mögen Viele von ihm lernen, sein Quellenstudium nachahmen und die Reinheit seiner Gesinnung und Handlungsweise, seine Nächstenliebe und Toleranz in Wort und Schrift zu erstreben."

  
Zum Tod von Johanna Samuel (1891)  

Koenigshofen Grabfeld Israelit 26031891.jpg (99595 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1891: "Nachruf. Königshofen im Grabfelde. Am 1. Tag des Neumondes des Monats Adar (11. März 1891) wurde hier eine Frau zu Grabe getragen, deren Namen auch in diesen Blättern ein ehrendes Andenken gewidmet zu werden verdient. Frau Johanna Samuel Witwe, Gattin des vor 7 Jahren verstorbenen Gerson Samuel - er ruhe in Frieden -, was eine wackere Frau im vollsten Sinne des Wortes; denn sie besaß alle guten Eigenschaften und Vorzüge, wie solche vereint nur bei einer wahrhaft frommen Jüdin zu finden sind. Sie bewies ihre Frömmigkeit, Herzensgüte und Milde während ihres ganzen Lebens, namentlich aber auch in ihrem längeren Leiden, welches sie mit stiller Ergebung in Gottes Willen trug. Ihr Haus war stets den Armen geöffnet und war sie immer und überall zu helfen bereit, wo sie es nur vermochte. Ihren Kindern war sie eine liebevolle und sorgsame Mutter, deren vorzügliche Erziehung von der Verwirklichung ihrer edlen und frommen Grundsätze Zeugnis ablegt. Geachtet und geliebt von Jedermann, der sie kannte, hat sie durch ihren musterhaften Lebenswandel 'die Krone des guten Namen' und durch ihr edles Streben und Wirken ein dauerndes Andenken sich erworben. Die Früchte ihrer guten Taten wird sie im Jenseits ernten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."


Zum Tod von Babette Freund (1909)  

Koenigshofen Grabfeld Israelit 15071909.jpg (77980 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juli 1909: "Königshofen im Grabfeld. 12. Juli (1909). Nach nur zweitätigem Kranksein verschied am 28. Juni Frau Babette Freund im Alter von 81 Jahren. Mit ihr ist eine jener Frauen dahingegangen, wie sie heute leider immer seltener werden. Durchdrungen vom Geiste der Gottesfurcht und Menschenliebe, war sie nicht nur von ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln hochverehrt, sondern auch von der ganzen Gemeinde geliebt und geachtet. Ihre tiefe Religiosität, ihr friedfertiges Wesen, ihre Zuvorkommenheit gegen jedermann zeugten von ihren edlen Tugenden. Bis zur letzten Stunde bewahrte sie ihre seltene Geistesfrische. Wie ihr ganzes Leben, so war auch ihr Tod, ein sanftes Entschlummern. Ihr Andenken wird fortleben bei all denen, die sie kannten und ihr nahe standen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Zum Tod von Jette Löb (1921) 

Koenigshofen Israelit 17021921.jpg (63980 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1921: "Königshofen, 12. Februar (1921). Zu den selbstlosen Persönlichkeiten, die ihre Kräfte vollkommen in den Dienst anderer stellen, gehörte auch die im Krankenhause zu Würzburg verstorbene Jette Löb. Ein Kind noch, versah sie schon den Haushalt in einer verwandten Familie und pflegte 15 Jahre lang die erblindete Hausfrau bis zu deren Lebensende. Von vielen Familien in den verschiedensten Gemeinden war die Verblichene als Krankenpflegerin hoch geschätzt und geliebt ob ihrer Pflichttreue. Auch im frauenlosen Hause, wo sie zuletzt bereitwilligst die Führung des Hauswesens und die Miterziehung des Kindes übernahm, entfaltete sie ihre vielen guten Eigenschaften. Religiosität, Fleiß, Herzensgüte, waren ihre Leitsterne durch das Leben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
80. Geburtstag von Gietchen Friedmann geb. Gutmann (1929)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1929: "Königshofen im Grabfelde, 27. April (1929). Am letzten Tag des Pessachfestes feiert Frau Gietchen Friedmann geb. Gutmann, aus Niederwerrn, in seltener geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag. Mit ihrem 1917 verstorbenen Gatten, Bernhard Friedmann, pflegte sie gemeinsam ein echt jüdisches Familienleben und erzog ihre 7 Kinder zu religiösen, tüchtigen Menschen. (Alles Gute) bis 100 Jahre."  

   
Zum Tod von Gietchen Friedmann geb. Gutmann (1931) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1931: "Königshofen im Grabfeld, 29. August (1931). Im gesegneten Alter von 82 Jahren verstarb am 12. Elul die allseits verehrte Kaufmannswitwe Frau Gietchen Friedmann geb. Gutmann, tief betrauert von ihren Kindern und Anverwandten. Sie war eine edle, aufopfernde Mutter und Menschenfreundin, die sich in allen Kreisen der Bevölkerung der höchsten Wertschätzung erfreute. 
Die ganze Gemeinde erwies ihr die letzte Ehre. Aus den Nachbargemeinden waren die jüdischen Lehrer herbeigeeilt, um der tief religiösen Frau das letzte Geleite zu geben. An der Trauerfeier beteiligten sich aber auch außerordentlich viele nichtjüdische Freunde, um in letzter Stunde der beliebten Mitbürgerin den Beweis ihrer Anhänglichkeit zu geben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Bad Koenigshofen Lit 030.jpg (56054 Byte)Hinweis: 2017 ist erschienen: Gretchen Kahn: Tagebücher von Juli 1905 bis Oktober 1915. Jüdisches Leben in Stuttgart. Transkribiert und mit Anmerkungen versehen von Rainer Redies. Sonderband der Veröffentlichungen des Stadtarchivs Stuttgart. Verlag Regionalkultur 2017. ISBN 978-3-95505-005-4 . 724 Seiten. 
Gretchen Kahn geb. Friedmann ist am 31. Mai 1875 in Königshofen als Tochter von Bernhard Friedmann und der Gietchen geb. Gutmann geboren. Sie war seit 31. Juli 1901 mit Seligmann Kahn (1859-1931) verheiratet. Dieser betrieb zusammen mit seinem jüngeren Bruder Seligmann Kahn in Stuttgart eine Garnagentur in der dortigen Augustenstraße. Am 31. Dezember 1935 emigrierte Gretchen Kahn mit ihren Töchtern Esther (geb. 1903; verh. Hasgall) und Sarona (geb. 1906) sowie ihrem Sohn Karl (geb. 1908) nach Palästina/Israel aus, wo sie zu bisher unbekanntem Datum verstorben ist.
Gretchens Vater Bernhard Kahn (geb. 1844 in Sulzdorf, gest. 1917 in Königshofen) hatte seit 1873 Bürgerrecht in Königshofen und betrieb dort seit spätestens 1880 am Marktplatz ein Hut-, Mützen- und Schuhwarenlager.
Geschwister von Gretchen waren: Hugo (1878-?), Berthold (1880-1951), Julius (1881-1950), Max (1882-1964), Mina (1883, verh. Blumenthal, nach Deportation 1942 umgekommen), Josef (1887, nach Deportation 1942 umgekommen).    

    
Zum 60. Geburtstag und zum 25jährigen Amtsjubiläum des Kultusvorstehers Karl Einstädter (1931) 

Koenigshofen BayrGZ 01081931.jpg (49285 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. August 1931: "Königshofen. Am Samstag, dem 4. Juli, feierte der 1. Kultusvorstand der hiesigen Gemeinde, Herr Karl Einstädter, seinen 60. Geburtstag und gleichzeitig sein 25jähriges Amtsjubiläum. Während der 25 Jahre hat der Jubilar durch seine unermüdliche Tätigkeit der Kultusgemeinde große Dienste geleistet. Seine Sachlichkeit, seine Wohltätigkeit und vornehme Denkungsweise verhalf ihm zu Ansehen und allgemeiner Beliebtheit. Lehrer und Kantor Heller-Adler veranstaltete zu Ehren des Jubilars eine würdige Feier in der Synagoge. Möge dem Führer der hiesigen Kultusgemeinde eine noch lange und gesegnete Tätigkeit beschieden sein."     

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeige von Aron Reinhold (1890)    

Koenigshofen Israelit 18091890.jpg (34986 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1890: "Für meinen Sohn, 13 1/2 Jahre alt, Gymnasiast bis Oberquarta, suche ich bis zum 1. Oktober, eventuell später, eine Stelle als Lehrling entweder Bank- oder Manufaktur-Branche. Bedingung: Sonnabend geschlossen. Offerten erbeten an 
Aron Reinhold,
Königshofen, Bayern."  

  
Anzeige des Manufaktur- und Modewarengeschäftes David Friedmann (1904)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904: 
"Lehrlings-Gesuch. 
Ich suche für mein (Samstags und Feiertage geschlossenes) Manufaktur- und Modewarengeschäft per sofort einen Lehrling mit guter Schulbildung. 
David Friedmann, Königshofen im Grabfeld.
"     

   
Verlobungsanzeige von Camilla Löb und Simon Goldstein (1923)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1923: "Gott sei gepriesen
Camilla Löb - Simon Goldstein
. Verlobte. 
Frankfurt am Main - Hanauer Landstraße 20. Königshöfen im Grabfeld / Frankfurt am Main. 
Empfang: Samstag, 11. August 1923."   

    
Geburtsanzeige von Bernhard Friedmann (1925)

Koenigshofen Israelit 11061925.jpg (25672 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1925: 
"Die glückliche Geburt eines strammen Stammhalters BERNHARD zeigen hocherfreut an 
Josef Friedmann und Frau geb. Adler. 
Königshofen im Grabfeld, 30. Mai 1925."

   
Ergänzende Dokumente 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)     

Bestellung von J. Goldstein 
aus Königshofen im Grabfeld (1898)  
Koenigshofen iG Dok 020.jpg (99981 Byte) Koenigshofen iG Dok 020a.jpg (113875 Byte)
  Die Karte mit der Bitte um Preisauskunft über Dezimalwaagen wurde verschickt 
am 2. März 1898 an die Fa. J. Eisenheimer, Eisenhandlung in Schweinfurt. 
   
Postkarte an Julie Kohn in Königshofen 
von Ida Schulhöfer aus Würzburg   (1919)  
Koenigshofen Dok 16130.jpg (117374 Byte) Koenigshofen Dok 16130a.jpg (152480 Byte)

Die Postkarte wurde an Julie Kohn in Königshofen von Ida Schulhöfer aus Würzburg am 23. Dezember 1919 verschickt. 
Julie Kohn geb. Boscowitz (geb. 4. Juli 1876 als Tochter von Jacob Boscowitz und Sabine geb. Späth) führte gemeinsam mit ihrem Mann Salie Kohn (geb. 26. Mai 1867) ein Textilwaren- und Bekleidungsgeschäft am Marktplatz in Königshofen. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Martha (1900, verh. mit Adolf Haas; sie ist gest. 2002 USA), Paula (1901, verh. mit Fritz Laubheim, sie ist gest. 2005; vgl. http://www.archives.com/1940-census/fritz-laubheim-ny-64159186) und Alfred (1904). Julie Kohn war maßgebend beteiligt an der Errichtung einer eigenen Begräbnisstätte für die israelitische Gemeinde Königshofen, indem sie Sammlungen durchführte zum Zwecke des Erwerbs eines Grundstücks für einen eigenen jüdischen Friedhof. 1921 war die Einweihung des jüdischen Friedhofs von Königshofen. 1938 - nach erzwungenem Verkauf des Geschäfts in Folge der "Arisierung" jüdischer Geschäfte und Betriebe - versuchte das Ehepaar nach Holland zu gelangen, ohne Erfolg. 1939 zog das Ehepaar nach Köln. Von dort gelang die Ausreise zu den bereits vorher emigrierten Kindern in die USA. 
Ida Schulhöfer geb. Eichenberg war verheiratet mit Salomon Schulhöfer, Nahrungsmittelchemiker an der landwirtschaftlichen Kreisversuchsanstalt in Würzburg, wo er vom Assistenten bis zum Direktor der Anstalt aufstieg. Von 1907 bis 1912 war er Fachlehrer an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Ida Schulhöfer war Hausfrau und Mitglied im Jüdischen Kulturbund. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Johanna (1895; Tochter aus der ersten Ehe von Salomon Schulhöfer) und den gemeinsamen Sohn Ernst Michael Schulhöfer (1904). Salomon Schulhöfer starb 1939. Ida Schulhöfer zog im Oktober 1941 in das Jüdische Altersheim, nachdem Sie bereits im Januar 1941 sich einem Verhör der Gestapo unterziehen musste und eine Verwarnung bekam, weil Sie ihrem 1926 nach Antwerpen ausgewanderten Sohn, zwischenzeitlich in einem Lager in Frankreich festgehalten, Unterstützung zukommen lassen wollte. Im August 1942 wurde Ernst Michael Schulhöfer über Drancy nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ida Schulhöfer wurde am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 14. März 1944 auf Grund der dort herrschenden unmenschlichen Lebensbedingungen.
Text der Karte. "Würzburg , den 23.12.19 / Meine liebe Frau Kohn. / Für Ihr freundliches Gedenken, danke / ich Ihnen herzlichst. Die Blume kam / frisch an und war diese Sendung mir / eine angenehme Überraschung. / Sie werden sich auf die Feiertage sicher sehr / freuen, schon einzig und allein der Ruhe / wegen. Grüßen Sie Ihre Lieben Alle, auch / Alfred von meinem Mann, Ernst und / Ihre Ida Schulhöfer
Quellen: http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Das-dritte-Reich-Handel-und-Vertrieb-Juden-Schicksal;art767,6709332 
http://www.rhoenundsaalepost.de/lokales/aktuelles/art2826,316190 
http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Das-dritte-Reich-Grabsteine-Juden-Kurparks;art767,8476495?pk_campaign=RSS 
http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Das-dritte-Reich-Grabsteine-Juden-Kurparks;art767,8476495 
http://www.stolpersteine-wuerzburg.de/wer_opfer_lang.php?quelle=wer_opfer.php&opferid=82 
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stolperstein_W%C3%BCrzburg_Schulh%C3%B6fer_Ida_geb_Eichenberg.jpeg .
Zu Familie Kohn, insbesondere zu Alfred Kohn (1904):  http://ninekatztwodogs.tripod.com/id10.html     

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge     
    
Auf Grund der Anfang des 19. Jahrhunderts noch relativ geringen Zahl der jüdischen Einwohner ist anzunehmen, dass erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Betsaal eingerichtet wurde. Ein solcher erster Betsaal befand sich bis 1904 in einem der jüdischen Gemeinde gehörigen Haus in der Rathausstraße. Der Betsaal war im zweiten Stock; im ersten Stock war die Religionsschule untergebracht, im Erdgeschoss die Wohnung des (christlichen) Synagogendieners. Der Betsaal wird im nachfolgenden Bericht zur Einweihung der neuen Synagoge 1904 als "alte bisherige Synagoge" bezeichnet.  
   
Um 1900 hatte die Zahl der jüdischen Einwohner so zugenommen, dass ein Neubau nötig war. Die Finanzierung wurde u.a. durch Aufnahme von Darlehen möglich gemacht. Dieser wurde 1903/04 erstellt und am 29. Juli 1904 mit einem großen Fest der Gemeinde und der ganzen Stadt eingeweiht. Bezirksrabbiner Dr. Kohn aus Burgpreppach nahm die Einweihung vor.  

Eine Meldung zur Finanzierung des Synagogenneubaus 1902 
Koenigshofen Israelit 05051902.jpg (20208 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1902: "Königshofen. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde vergibt zum Neubau der zu errichtenden Synagoge eine Anleihe von 18.000 Mark in Obligationen à 200 Mark zu 4 Prozent verzinslich".
  
Hinweis zur Einweihung 
Koenigshofen Grabfeld FrfIsrFambl 15071904.jpg (18876 Byte)Ankündigung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Juli 1904: "Würzburg. Die israelitischen Kultusgemeinde Königshofen im Grabfeld begeht am 29., 30. und 31. Juli die Feier der Einweihung der neuerbauten Synagoge."
  
Berichte über die Einweihung    
Koenigshofen Grabfeld Israelit 01091904.JPG (183741 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" am 1. September 1904 über die Einweihung der Synagoge in Königshofen: "Königshofen im Grabfeld (Einweihung der Synagoge). Als ein Ehren- und Freudenfest für die israelitische wie auch für die Stadtgemeinde Königshofen konnte mit Recht die jüngst stattgehabte Feier der Synagogen-Einweihung genannt werden, welche ganz programmmäßig in schönster und befriedigendster Weise verlief. Das Fest wurde eingeleitet durch eine Abschiedsfeier in der alten bisherigen Synagoge. Nach vollendetem Nachmittagsgebete sprach Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Kohn - Burgpreppach von Herzen kommenden und zu Herzen gehende Abschiedsworte. Der königliche Herr Bezirksamtmann, begleitet von zwei Gemeindeältesten, sowie die Vertreter der königlichen Behörden hatten sich vollzählig eingefunden und begleiteten den Festzug, ebenso die hochwürdige Geistlichkeit, die Stadtverwaltung mit Herren Bürgermeister und Beigeordnete. Daran schlossen sich der Herr Baumeister Val. Trott und die beim Bau beschäftigt gewesenen Meister. Vor dem Portale richtete Herr Bezirks-Amtmann Thomas an die Festversammlung eine herzliche Ansprache, welche weit über den Rahmen einer offiziellen Rede hinausging und die bewies, wie sehr man seitens der königlichen Behörden die Bestrebungen der Israeliten Königshofens zu würdigen weiß. Er pries den Opfersinn der Kultusgemeinde, welche trotz der geringen ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein Gotteshaus errichtete, das in gleicher Weise der Gemeinde und der Stadt zur Zierde gereiche, betonte mit Recht das schöne Einvernehmen zwischen den Konfessionen unserer Stadt und schloss mit einem begeistert aufgenommen Hoch auf unserem vielgeliebten Prinzregenten, dem Hort des Friedens und der Humanität. Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Kohn hielt eine einstündige Weiherede. Redner verbreitete sich über die Bedeutung des Gotteshauses und über die Wirkung, welch von demselben ausgehen soll, wies darauf hin, dass die Gesetzestafeln, die innen angebracht seien und weithin sichtbar auch am Giebel der Synagoge ragen, mahnen sollen, das Leben im Gotteshaus mit dem Leben außerhalb desselben in Einklang zu bringen, führte aus, dass im Gotteshause die Nächstenliebe gelehrt und die Vaterlandsliebe gepflegt wird und schloss mit den Worten, dass nicht Prunk und Reden ein Gotteshaus weihen können, sondern nur wahre Gottesfurcht und Tugend. Die der Form und dem Inhalte nach meisterhafte Rede ergriff sichtlich alle Herzen und übte einen nachhaltigen Eindruck aus.
- Im Archiv für den Amtsbezirk Königshofen im Grabfeld veröffentlichte in Nr. 46 (sc. der Beiträge zur Heimatkunde) Herr Spitalpfarrer Dr. Frank "Gedanken eines Christen bei der Einweihung der jüdischen Synagoge zu Königshofen im Grabfeld am 29. Juli 1904", welche ein wahrer Kiddusch HaSchem ("Heiligtum des Namens Gottes") sind und bei der ganzen Bevölkerung den tiefsten Eindruck hervorriefen." 
   
Koenigshofen Grabfeld FrfIsrFambl 05081904.jpg (133190 Byte)Artikel in der "Frankfurter Israelitischen Gemeindezeitung" vom 5. August 1904: "Königshofen im Grabfeld (Bayern), 29. Juli. Anlässlich der Synagogen-Einweihung hatte heute unsere Synagoge Festgewand angelegt. Nachmittags 2 1/2 Uhr fand in der bisherigen Synagoge die Abschiedsfeier statt. Nach dem Mincha-Gebet richtete Distriktsrabbiner Dr. Cohn - Burgpreppach Abschiedsworte an die Versammlung. Die Tora-Rollen wurden unter Gesang aus dem heiligen Schrein der bisherigen Synagoge ausgehoben und sodann in feierlichem Zuge, in dem man u.a. den Königlichen Bezirksamtmann Thomas und andere Ehrengäste bemerkte, zur Wohnung des Kultusvorstands Alb. Malzer und von dort zur neuen Synagoge gebracht. 
Vor der Synagoge, deren Vorplatz und nächste Umgebung mit Fahnen, Kränzen und Girlanden geschmückt ist, nahm der Synagogenchor Aufstellung und intonierte den 19. und 20. Vers des 118. Psalms. Frl. Rosa Reinhold sprach den Prolog und überreichte den Schlüssel zur Synagoge an den Königlichen Bezirksamtmann Thomas. Dieser übergab mit einer Ansprache die Synagoge dem Kultusvorstand. Redner schloss mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Prinzregenten. Kultusvorstand Malzer übernahm namens der israelitischen Kultusgemeinde Königshofen die Synagoge. Nachdem die Behörden, die Gemeinde und sonstigen Gäste in derselben eingezogen waren, wurden die Torarollen in die heilige Lade verbracht, unter den vorgeschriebenen Zeremonien und Gesängen. es folgte nun die Weiherede, gehalten von dem Distriktsrabbiner Dr. Cohn - Burgpreppach, womit die Synagogenfeier abschloss. Abends 7 1/4 Uhr fand abermals Gottesdienst statt. Nach demselben war gesellige Unterhaltung in der 'Rosenau'."

Die Synagoge war in romanischem Stil aus weißen Sandsteinen errichtet worden. Sie kostete die Gemeinde den damals hohen Betrag von 40.000 Mark. Dennoch war sich Spitalpfarrer Dr. Frank in den "Beiträgen zur Heimatkunde" (Nr. 46 1904) sicher, dass die Israelitische Kultusgemeinde "es gewiss niemals bereuten (wird), aus eigenen Kräften den Bau hergestellt zu haben, der ein bleibendes Denkmal ihres Glaubens und ihrer Gottesliebe ist. Ich glaube keinem Widerspruch zu begegnen, wenn ich sage, dass der geschmackvolle, elegante, formgerechte Bau es auch verdient, ein Schmuck für Königshofen und eine Zierde des ganzen Grabfeldes genannt zu werden".

Rechtzeitig vor den Feiern zum 25jährigen Bestehen der Synagoge 1929 wurde eine umfassende Renovierung beschlossen und durchgeführt. Am Schabbat Nachamu (16./17. August 1929, 11. Aw 5689) konnte mit einem großen Fest der Gemeinde die Wiedereinweihung der Synagoge gefeiert werden. Distriktsrabbiner Dr. Ephraim aus Burgpreppach war anwesend, hielt die Festpredigten und weihte die zu diesem Anlass in der Synagoge aufgehängte Kriegergedächtnistafel für die vier Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein. 

Koenigshofen Grabfeld BayrGZ 01111929.jpg (220865 Byte)Bericht in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. November 1929: "Königshofen i. Grabfeld (Unterfranken). Zu einem imposanten Ereignis gestaltete sich die am Schabbos Nachmu stattgefundene Feier des silbernen Synagogenjubiläums verbunden mit der Weihe einer Kriegergedächtnistafel. Anlässlich dieser Feier und aus notwendigen Gründen hat die Gemeinde ihr Gotteshaus in würdiger Form renovieren lassen. Unwillkürlich ist der Besucher entzückt von der einfachen, schlichten Art der Renovierung, die so recht stimmungsvoll auf die Andacht im Gotteshaus wirkt und so die goldenen Worte am Almemor zur Wahrheit werden lässt: "En se ki im beth elokim". "Wahrlich der Raum ist nichts anderes, als ein Gotteshaus". Die eigentliche Feier begann vor dem Abendgottesdienst des Sabbat und wurde eingeleitet von dem Japhetschen Matouwu, der dreistimmig von dem Chor in wunderbarer Weise gesungen wurde. Es darf hier gleich rühmend erwähnt werden, dass wohl selten Gemeinden in dieser Größe zu finden sich, die einen solch schön geschulten Männerchor aufzuweisen haben. Der Chor besteht nun seit Bestehen des Gotteshauses, also volle 25 Jahre. Als nun nach dem Minchogebet das Jigdal in der Melodie unserer ernsten Feiertage verklang, betrat Herr Distriktsrabbiner Dr. Ephraim aus Burgpreppach die Kanzel, um die eigentliche Weihe der Kriegergedenktafel vorzunehmen. Seine tiefdurchdachte, herrliche Ansprache machte auf alle Anwesenden, insbesondere auf die zahlreiche geladenen und erschienenen Gäste wie die Vertreter der Geistlichkeit, der Stadtverwaltung, der Kriegervereine u.m. einen gewaltigen Eindruck. Wie die Kugel draußen im Feindeslande keinen Unterschied kannte und macht und wahllos sich in das Herz des Kriegers bohrte, führte der Redner aus, so sollen auch wir alles Trennende von uns abstreifen. Es möge unserem schwer darniederliegenden Vaterlande die so überaus nötige Einigkeit bescheiden sein, auf dass es sich zu neuer Blüte und Pracht baldigst entfalte. Die Hülle der Tafel fiel und in goldenen Buchstaben wurden auf einfachem Steine die Namen der vier gefallenen Helden der Kultusgemeinde sichtbar. Das Seelengebet beschloss die ernste, erhebende Feier. Im Morgengottesdienste stand ebenfalls die Ansprache des Herr Rabbiners Dr. Ephraim im Mittelpunkte. Seine Worte galten einer Betrachtung darüber, ob überhaupt ein Gotteshaus nötig sei, da ja der Allmächtige überall, wo wir ihn anrufen, zu finden sei. Auch bei dieser Feier ließ der Chor seine schönen Gesänge hören, in der Hauptsache beim Aus- und Einheben der Tora und beim Umzug sämtlicher Torarollen. Nach dem Ausgange des Sabbats vereinte jung und alt ein Tanzvergnügen. Hier wurden verschiedene Ansprachen gehalten, so u.a. von den einstigen Lehrern der Gemeinde Herrn Zucker aus Dresden und Herrn Herrmann aus Bamberg. In teils ernster aber auch launiger Weise hielten genannte Herren einen Rückblick über ihre einstige Tätigkeit in der Gemeinde.
Das Gotteshaus bildet nicht nur eine Zierde des sauberen Grabfeldstädtchens, sondern es ehrt die Gemeinde selbst, die alles daran setzte, in ihrer Mitte ein solches Kleinod zu besitzen. Dank gebührt in erster Linie dem Verband israelitischer Gemeinden Bayerns, der durch Zuweisung einer größeren Summe es überhaupt ermöglichte, das Gotteshaus in solch würdiger Weise neu erstehen zu lassen. Nicht minder Dank gebührt Herrn Kultusvorstand Karl Einstädter, der keine Arbeit und Mühe scheute und dessen Angaben viel dazu beitrugen, dass die Synagoge einen solch würdevollen Eindruck auf jedermann macht. Nicht zuletzt Dank dem derzeitigen Lehrer Herrn Heinz Heller Adler, der als anerkannter Meister auf gesanglichem Gebiete durch seine Kunst und als Dirigent des Chores ein gut Teil zur Verschönerung der Feier beitrug. Möge es der Kultusgemeinde, die den Sinn für alles, was das jüdische Herz bewegt, in der Tat umzusetzen verstehen, vergönnt sein, auch das goldene Synagogenjubiläum festlich begehen zu können." 
   
Koenigshofen Israelit 12091929.jpg (81068 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1929: "Königshofen, 16. August (1929). Am vergangenen Freitag abend fand in der Synagoge die 25jährige Jubelfeier mit Gedenktafelweihe für die gefallenen Krieger statt. Das aus diesem Anlasse von hiesigen Meistern neu renovierte Gotteshaus war der feierlich ernsten Stunde entsprechen mit frischem Grün und bayrischen Landesfarben ausgestattet. Vertreter der Behörden waren anwesend. Zur Feststimmung hat insbesondere unser allverehrter Herr Distriktsrabbiner Dr. Ephraim aus Burgpreppach beigetragen, der in herrlichen Worten den unauslöschlichen Dank unseren gefallenen Helden zum Ausdruck brachte, die die Treue zu ihrem Vaterlande mit ihrem Blute besiegelten. Die Feier wurde verschönt durch die zu Herzen gehenden Weisen des Herrn Kantor Heller-Adler unter Mitwirkung des von ihm trefflich geschulten Synagogenchors."

Nur noch neun Jahre sollte die Synagoge nach der Renovierung 1929 als religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde in Königshofen dienen. 
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und ihre Inneneinrichtung zerstört. Jüdische Männer aus Königshofen wurden gezwungen, das Mobiliar der Synagoge und den im Vorraum aufbewahrten Toraschrein der Gemeinde Sulzdorf zu Brennholz zu zersägen. Dann wurde die Synagoge samt Ritualien und Torarollen angezündet. Ein Teil des Tora - Silberschmuckes war von Gemeindegliedern vorher in Sicherheit gebracht worden. Die durch den Brand beschädigte Synagoge wurde im Krieg noch eine Zeitlang als Getreidespeicher zweckentfremdet. 1951 wurde das Gebäude an einen Gewerbetreibenden zum Abbruch verkauft. Dieser errichtete auf den Grundmauern eine Autoreparaturwerkstätte. 
       
Im Schulgebäude mit dem früheren Betsaal in der Rathausstraße wurden um 1940 die letzten in Königshofen lebenden jüdischen Einwohner einquartiert. Das Gebäude ist erhalten.  
     
Ein Gedenkstein für die ehemalige Synagoge ist vorhanden.  
   
  
Adressen / Standorte der Synagogen

bis 1904: Rathausstraße 3
1904-1938: Bamberger Straße 1 (frühere Anschrift: "An der Untereßfelder Straße").      

  
  
Fotos   

Die alte Synagoge / jüdisches
 Gemeindehaus in der Rathausstraße 3
Koenigshofen Synagoge 151.jpg (70604 Byte) Koenigshofen Synagoge 150.jpg (63971 Byte)
      Eingang zur alten Synagoge
        
Die Synagoge in Bad Königshofen 
1904 - 1938
Koenigshofen Synagoge 010.jpg (19298 Byte) Koenigshofen Synagoge 013.jpg (74236 Byte)
   Koenigshofen Synagoge 191.jpg (72122 Byte) Der im Vorraum der Synagoge aufbewahrte
 Toraschrein der jüdischen Gemeinde Sulzdorf;
 Foto von Theodor Harburger 1929, erstmals
 veröffentlicht in Jüdisches Lexikon IV,2
     
  Koenigshofen AK um 1900.jpg (188440 Byte) Koenigshofen Synagoge 13022.jpg (97859 Byte) Koenigshofen Synagoge 190.jpg (101993 Byte) Bad Koenigshofen Synagoge 201601sc.jpg (218264 Byte) 
Historische Karten von Königshofen mit der Synagoge; auf der linken Karte befindet sie sich am rechten Bildrand (Karte links erhalten 
von Hanns Friedrich, Vors. im Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld e.V., Bad Königshofen; dazu Presse-Artikel von 
Hanns Friedrich aus inFranken.de vom 14. März 2013: "Synagoge sticht auf Postkarte im Stadtbild heraus" 
(Link zum Artikel, auch eingestellt als pdf-Datei) (Karte rechts aus Sammlung Hahn)    
     
Das Synagogengrundstück und der Gedenkstein 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 27.5.2007)
  
Koenigshofen Synagoge 160.jpg (76501 Byte) Koenigshofen Synagoge 161.jpg (112484 Byte) Koenigshofen Synagoge 162.jpg (96319 Byte)
Das Grundstück der Synagoge  

Der Gedenkstein  

   

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

April 2004: Auf den Spuren Grabfelder Juden   
Artikel von Helmut Hempfling in der "Main-Post" vom 5. Februar 2004: "Auf den Spuren Grabfelder Juden 
Bad Königshofen
Amanda Goodman aus New Jersey, USA, ist Studentin in Prag. Als historisch interessierte Person besuchte sie die für amerikanische Verhältnisse nahe gelegene Stadt Bad Königshofen. Hier wollte sie die Wurzeln ihrer Familie erkunden. 
Ihre nun fast neunzig Jahre alte Großmutter Frances Katzenstein, wohnhaft in New York, ist als Fränzi Malzer 1915 in Königshofen geboren worden. Die Eltern der kleinen Fränzi hießen Max und Bianka Malzer. Max und sein Bruder Albert, beide in Sulzdorf a.d.L. geboren, hatten zwei Häuser von ihren Eltern Philipp und Franziska Malzer (Marktplatz 190) geerbt. Albert Malzer führte ein Schuhgeschäft, (heute das Haus der Bäckerei Mauer) und sein Bruder Max eine Getreidehandlung (heute Geschäft Zehner). Amandas Großmutter kann sich heute noch gut daran erinnern, wie sie beim Abwiegen des Getreides im Geschäft ihres Vaters mithalf. Sie hatte später dann nach dem Lyceum die Handelsschule in Schweinfurt besucht und war bei ihrer Großmutter Karoline in der Roßbrunnstraße untergebracht und aufgewachsen. 
Fränzi Malzer konnte im Mai 1937 nach England emigrieren und von dort 1940 in einer elftägigen Überfahrt nach den USA weiterreisen. Sie lebt bis heute in New York und nennt sich nun nach ihrer Heirat Frances Katzenstein. Ihre Eltern Max und Bianka und ihr Bruder Hans folgten 1939 nach England und 1940 in die USA. Somit konnte die gesamte engere Familie in die Vereinigten Staaten vor den Nazihäschern fliehen. 
Ihr Onkel Albert starb 1936 in Königshofen und ist auch hier begraben. Seine Frau Regine kam in ein Würzburger Altersheim und verstarb kurz vor den beginnenden Deportationen und liegt in Würzburg begraben. Die Großeltern liegen ebenfalls auf dem Friedhof in Königshofen. 
Im Gespräch mit Elisabeth Böhrer aus Sondheim in der Rhön, die vertraut ist mit der jüdischen Geschichte der Region, erzählt Amanda, dass ihre Großmutter Frances erst nach dem Besuch ihrer Enkelin in Theresienstadt in der Nähe Prags das erste Mal berichtete, dass Ihre Schwiegereltern dort umgekommen wären. Über ein halbes Jahrhundert hatte sie zu diesen schrecklichen Taten geschwiegen. 
Der Rundgang führte die Amerikanerin am Gedenkstein für die Synagoge vorbei. Sie war als religiöser Ausdruck einer stolzen, auf fast einhundert Mitglieder angewachsenen Jüdischen Gemeinde dort in der Nähe ab 1901 gebaut und 1904 eingeweiht worden. Der imposante Bau wurde damals als Zierde der Stadt und als kulturelle Bereicherung empfunden, wie zeitgenössische Berichte belegen. Noch dazu fügte sich das Gebäude hervorragend in das städtebauliche Ensemble der Bamberger Straße. Nach den Plünderungen und Schändungen in der Pogromnacht und in der Folgezeit fand sich nach dem Krieg niemand mehr, der das kulturelle Glanzstück erhalten wollte. Die Synagoge wurde Anfang der 50er Jahre verkauft und abgetragen. 
Auf diese Art und Weise wurden auch im beginnenden demokratischen Leben der Bundesrepublik Deutschland Zeugnisse jüdischer Kultur vernichtet. Der jüdische Friedhof war ein weiteres Ziel von Amanda Goodman und Elisabeth Böhrer. Dieser mehrmals geschändete Ort, der in der jüdischen Religion als "Haus des ewigen Lebens" oder "Haus der Ewigkeit" bezeichnet wird, spiegelt die barbarische Vergangenheit deutscher Wirklichkeit wieder. Ein "Ewiges Haus" oder eine "Wohnung der Lebenden" ist auf ewig unantastbar, so fordert es das jüdische Gesetz, die Halacha. Von den 47 Grabsteinen, die von 1921 bis 1938 errichtet wurden, steht nur noch ein kleiner Teil. Ein Vergleich mit dem Friedhofsbuch von Königshofen, des Zentralarchivs für die Geschichte der Jüdischen Bevölkerung aus Jerusalem ergibt, dass nur wenige der noch vorhandenen, teils neuen Grabsteine, an der richtigen Stelle zu finden sind. Die überwiegende Zahl der Steine waren in der Zeit des Nationalsozialismus als Treppenstufen im Kurpark verbaut worden. Dies ist als beispiellose Entweihung in der Verantwortung der damaligen Stadt geschehen. Die "ewige Ruhe", elementarer Bestandteil jüdischen Glaubens, wurde nachhaltig zerstört. 
Ein Denkmal mit den Trümmerresten der missbrauchten Grabsteine verdeutlicht diese schändliche Tatsache. Das "Haus des Lebens" besteht nur noch aus spärlichen Rudimenten. Die Besucherin steht vor einem Zeugnis der umfassenden Vernichtungsmaschinerie der antisemitischen Verblendung und von Hass. Nicht nur die Menschen wurden vernichtet, auch ihre Grabstätten sollten eingeebnet werden, um selbst die Erinnerung auf Dauer zu tilgen. Dennoch ist es ein Glück, dass Pläne aus der Nachkriegszeit, den Friedhof in einen Acker rückzuverwandeln, nicht realisiert wurden. 
Die interessierte junge Studentin aus den USA konnte allerdings kein "Memorial" besichtigen, das der in Königshofen geborene und in New York lebende Jude Norbert Blechner in den 90er Jahren zum Gedenken an die stolze jüdische Gemeinde errichten lassen wollte. Die Stadt Bad Königshofen wollte oder konnte damals keinen geeigneten Standort zur Verfügung stellen. 
Widerstrebende Gefühle bemächtigen sich der Besucherin aus den USA nach der Besichtigungstour durch die Reste des jüdischen Königshofen. Die Stätten jüdischer Kultur sind größtenteils verschwunden. Gedenksteine zeugen von ihrer Vergangenheit. Die Wohnhäuser, in denen fast fünf Prozent der einheimischen jüdischen Bevölkerung lebte, sind noch vorhanden. Jüdisches Leben in Bad Königshofen gibt es nicht mehr. Mindestens achtundzwanzig Opfer der Shoah aus Königshofen sind zu beklagen. 
Ein Großteil der jüdischen Gemeinde entkam den Mördern, so auch die Großmutter von Amanda Goodman, Frances Katzenstein alias Fränzi Malzer."  
Zur obigen Familiengeschichte siehe auch: Elisabeth Böhrer: Von Königshofen i.Gr. über Rostock in die USA. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld 39. Jahrgang 2017 S. 418-420. Online zugänglich (eingestellt als pdf-Datei).    
 
Januar 2011: Bericht einer Zeitzeugin  
Hinweis: mit dem Thema "Jugend in der NS-Zeit" beschäftigte sich die Klasse 9c des Gymnasiums Bad Königshofen. 23 Schülerinnen und Schüler interviewten sechs Zeitzeugen, die aufgrund ihres Alters noch Zeugnis geben können. Die "Main-Post" berichtete hierüber in mehreren Artikeln. Hier ein Bericht über die Zeitzeugin Hermine Haag.  
Artikel von jkl in der "Main-Post" vom 17. Januar 2011 (Artikel): "BAD KÖNIGSHOFEN
Eine Zeit voller Trauer, Angst und Ungewissheit 
Hermine Haag berichtete den Gymnasiasten, was eine Kindheit in den Tagen der Nazi-Diktatur ausmachte 

Eine weitere Zeitzeugin der Nazizeit ist auch die heute 80-jährige Hermine Haag. Sie war bei Kriegsausbruch zwar erst acht Jahre alt, bekam aber doch schon Vieles mit. Vorneweg bemerkt sie in einem Gespräch mit der Main-Post, dass es in der Grabfeldstadt viele Geschäfte gab, die von Juden betrieben wurden. Einer der Juden, der mit Angehörigen kurz vor einer Deportierung auswandern wollte, verkaufte sein Haus an ihren Vater. Das sei noch vor der Pogromnacht, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stattfand, gewesen, erinnert sich die Rentnerin. Die betroffenen Juden hätten bereits auf ihre Schiffskarten gewartet, die sie von Hamburg nach Amerika bringen sollten. Doch zuvor sollte sich an der Haustüre eines Anwesens noch Spektakuläres abspielen. Die SA, die Sturmabteilung einer paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP, kam vorbei und wollte die Ausreisewilligen abholen. Von der geplanten Auswanderung habe die SA aber nichts gewusst. 'Die Juden wurden ohne Grund mitgenommen und in ein örtliches Gefängnis gebracht', schildert Hermine Haag den traurigen Vorgang. Als sie am Marktplatz abgeholt worden seien, habe ihr Vater gesagt: 'Der Hausbesitzer bin ich – hier geht niemand über die Schwelle'. Aber das half nichts. Angehörige hätten später eine Kaution für die Freilassung bezahlt. Schließlich verließen die drei Juden nach der Kristallnacht ohne Wissen der Kreisleitung die Stadt Königshofen. Sie wurden zum Schiff nach Hamburg gebracht und damit vor dem sicheren Tod gerettet.
Schicksal ungewiss. 'Während der Kriegszeit hat unsere Familie nichts mehr von ihnen gehört und wir wussten auch nicht, ob sie in Amerika ankamen', sagt Hermine Haag. Später erfuhren die Haags jedoch aus sicherer Quelle, dass sie in den Vereinigten Staaten eine Hühnerfarm aufbauten und ein beschauliches Leben führen. Schrecklich sei es gewesen, so die Rentnerin, mit anzusehen, dass die Synagoge an der Bamberger Straße rigoros zerstört wurde. 'Um Himmels Willen – was passiert denn jetzt dort...' Diesen Satz hat Frau Haag noch heute im Gedächtnis.
Dass Juden aus Königshofen auch in Konzentrationslagern landeten – das habe sie als Kind am Rande mitbekommen. Doch was das genau bedeuten sollte, konnte sie sich als Kind damals nicht vorstellen. Wurden Juden abgeholt, habe sie es mit der Angst zu tun bekommen. Sie fürchtete um ihr eigenes Leben.
Wenn in Gesprächen Worte wie 'Kreisleiter' oder 'Parteigenosse' erwähnt wurden, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. 'Denn diese Leute waren von uns Mädchen sehr gefürchtet', sagt die Rentnerin. Stets habe man ihnen gegenüber den 'Heil-Hitler-Gruß' mit erhobener Hand sprechen müssen. Die jungen Frauen waren im BDM integriert, dem Bund Deutscher Mädel, und hätten bei ihren Auftritten eine weiße Bluse sowie einen schwarzen Rock tragen müssen.
Als später die Amerikaner einzogen, wurden die 'guten Häuser' in Königshofen beschlagnahmt. In der einstigen 'Adler Post', einer Traditionsgaststätte, seien die Amerikaner ohne legitime Rechte heimisch geworden. Im Kaufhaus Reinhard, einen Steinwurf davon entfernt, wurde von den Amerikanern ohne lange zu fragen eine Bar installiert. Dort trafen sich die Soldaten bei Musik und Getränken.
Immer in Angst vor den Bomben. Die Inhaber sahen sich kurzerhand aus dem Laden verbannt und mussten in ihrem Haushalt im oberen Stockwerk ein kleines Geschäftszimmer einrichten. 'Da hattest Du praktisch nichts mehr zu sagen', fügt Hermine Haag hinzu.
'Als dann Bomben fielen, ist ganz Königshofen ausgerissen'. Hermine Haag weiß zu berichten, dass sie aus Angst vor weiteren nächtlichem Bombenhagel vorübergehend nach Bundorf flüchtete, um bei einer Hausgehilfin Unterschlupf zu finden. Das Textilgeschäft in Königshofen wurde aus Furcht vor einer Bombardierung von den Inhabern geschlossen.
Der zuständige Kreisleiter hat laut Hermine Haag darauf folgendermaßen geantwortet: 'Wenn ihr nicht schnellstens das Geschäft wieder aufmacht, wird es beschlagnahmt'. Rasch kamen die Kaufleute zurück und öffneten die Türen.
Kinder mussten ihr Leben lassen. Eine Bombardierung gab es in der Hindenburgstraße. Drei auf der Straße spielende Kinder kamen dabei ums Leben, wie Hermine Haag heute noch von Trauer ergriffen erzählt. 'Auch in das Gebäude der Reinigung Brucker in der Juliusstraße nahe des Kirchplatzes schlug eine Bombe ein, wobei ein Herr Wohlgemut sein Leben lassen musste'.
Die Zeitzeugin weiter: 'Zum Schutz vor der Bombe wollte er gerade in den Keller...'. Schließlich sei noch im Bereich der Zeughausstraße eine Bombe gefallen, die aber nur Sachschaden anrichtete.
Hermine Haags Fazit: 'Es war eine schlimme Zeit, die sich nicht mehr wiederholen darf, denn jeder Tote ist einer zu viel, aber eine stete Mahnung, sich ständig für den Frieden einzusetzen'."       
 
Juli 2014: Gymnasiasten arbeiten an der jüdischen Geschichte  
Artikel in der "Main-Post" vom 28. Juli 2014: "BAD KÖNIGSHOFEN. Damit das jüdische Leben nicht vergessen wird
Gymnasiasten befassten sich mit der Geschichte der Juden – Einweihung der Synagoge Königshofen vor 110 Jahren
Die Jahrgangsstufe elf des Gymnasiums hat sich in ihrem W-Seminar mit der Geschichte der Juden in Bad Königshofen befasst.
Da sich die Einweihung der Synagoge durch die Jüdische Gemeinde vor 110 Jahren am 29. Juli jährt, haben Paulina Hüllmandel, Stephanie Müller und Marie Seiler eine Zusammenfassung ihrer Recherchen und Erkenntnisse geschrieben: 'Wer sich schon etwas über das jüdische Leben in Bad Königshofen informiert hat, weiß möglicherweise, dass heute der 110. Jubiläumstag der Einweihung der Synagoge ist. Die meisten werden sich jetzt fragen: Was, Bad Königshofen hatte einmal eine Synagoge? Damit diese, ebenso wie das gesamte jüdische Leben in dieser Stadt, nicht in Vergessenheit gerät, recherchiert das W-Seminar Geschichte des Gymnasiums Bad Königshofen unter der Leitung von Herrn Rainer Seelmann darüber.'..."  
Link zum Artikel     
 
Juli / August 2014: Presseartikel zum Jahrestag der Einweihung der Synagoge   
Artikel von Hanns Friedrich in der "Main-Post" vom August 2014: "BAD KÖNIGSHOFEN. Synagoge vor 110 Jahren eingeweiht. Gotteshaus war prägend im Stadtbild. 
Welch prägende Wirkung die Synagoge von Königshofen im Stadtbild hatte, zeigt diese Aufnahme aus dem Stadtarchiv. Die Synagogen der israelitischen Gemeinde von Königshofen, die einst in der Bambergerstraße stand, prägte das Stadtbild. Das ist vor allem auf historischen Bildern zu erkennen, denn das Gotteshaus war ein prächtiger Bau mit Säuleneingang und zwei Türmen. Bauherr war Valentin Trott, ein damals bekannter Baumeister, der auch den südlichen Eingang an der Stadtpfarrkirche in Königshofen überbaute oder Baumeister der evangelischen Kirche war. Während diese Bauwerke heute noch existieren, ist die Synagoge nur noch auf Bildern oder im Gedächtnis derjenigen, die um diese Zeit gelebt haben. Würde sie noch stehen, könnte man in diesem Jahr ein großes Fest feiern, denn vor genau 110 Jahren wurde dieses jüdische Gotteshaus eingeweiht.
Gebaut wurde sie in den Jahren 1903 bis 1904 und am 29. Juli 1904 mit einem großen Fest der Gemeinde und der ganzen Stadt eingeweiht. Bezirksrabbiner Kohn aus Burgpreppach nahm die Einweihung vor. In einem Bericht der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 1. September 1904 wird über die Einweihung in Königshofen im Grabfeld folgendes berichtet: Der königliche Herr Bezirksamtmann, begleitet von zwei Gemeindeältesten, sowie die Vertreter der königlichen Behörden hatten sich vollzählig eingefunden und begleiteten den Festzug, ebenso die hochwürdige Geistlichkeit, die Stadtverwaltung mit Herren Bürgermeister und Beigeordnete. Daran schlossen sich der Baumeister Valentin Trott und die beim Bau beschäftigt gewesenen Meister..."
Link zum Artikel     
 
März 2015: Die Landjudentum-Ausstellung ist in Bad Königshofen zu sehen  
Artikel in der "Main-Post" vom 18. März 2015: "Bad Königshofen. Schicksale aus der Stadt Bad Königshofen. Landjudentum-Ausstellung mit dem Titel 'Mitten unter uns' ist bis zum 27. März im Gymnasium zu sehen..." 
Link zum Artikel    
 
Mai 2016: Verein für Heimatgeschichte erinnert an die ehemalige Synagoge   
Artikel von Hanns Friedrich in "InFranken.de" vom 2. Mai 2016: "Blick in die Vergangenheit. Geschichtsverein lässt Modell der einstigen jüdischen Synagoge in Bad Königshofen bauen
Geschichtsbewusst wie der Verein für Heimatgeschichte im Grabfeld ist, macht er mit einer neuen Idee auf die Vergangenheit der Stadt Bad Königshofen aufmerksam. Bei der jüngsten Vorstandssitzung entschied man sich im Rahmen des Festes '1275 Jahre Königshofen im Grabfeld' mit einem großen Transparent auf die einstige jüdische Synagoge in der Bamberger Straße zu verweisen. Wenn möglich soll das Transparent dort aufgestellt werden, wo einst das jüdische Gotteshaus stand. Neben dem Bild, das die Kirche mit den zwei Türmen und dem Säuleneingang zeigt, werden Informationen nachzulesen sein. Zustimmung gab es für den Vorschlag des Vereinsvorsitzenden Hanns Friedrich, von der Synagoge, die doch einst prägend in der Stadt war, ein naturgetreues Modell erstellen zu lassen. Zweiter Vorsitzender Reinhold Albert hat mittlerweile mit dem Modellbauer Siegfried Schwinn gesprochen. Dieser hat zugesagt und will in den Wintermonaten den Nachbau erstellen. Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert stellt dazu nicht nur entsprechendes Bildmaterial zur Verfügung, sondern fragt auch im Staatsarchiv Würzburg nach, ob sich dort Baupläne zu diesem Synagogenbau befinden. Das würde den Modellbau natürlich erheblich erleichtern. Bei der Zusammenkunft der Vorstandschaft des Geschichtsvereins im Kulturarsenal Darre in Bad Königshofen gab es ausführliche Informationen zu den Vorbereitungen für das Festwochenende vom 9. bis 11 Juli..."  
Link zum Artikel      
 
Mai 2016: Auf den Spuren der jüdischen Vorfahren   
Aritkel von Regina Vossenkaul in der "Main-Post" vom 22. Mai 2016: "BAD KÖNIGSHOFEN. Auf den Spuren der jüdischen Vorfahren.
Wahrscheinlich wären sie als Königshöfer aufgewachsen und hätten das Leben in der Stadt mitgestaltet, hätte es die NS-Zeit nicht gegeben. Die vier Besucher, Audrey und Michael Goodman mit ihren Kindern Amanda und Brett, die stellvertretender Bürgermeister Philipp Sebald am Freitag empfing, waren beeindruckt von der Stadt, in der Audreys Vorfahren gelebt haben, bis sie vor den zunehmenden Repressalien gegen jüdische Bürger flohen. Amanda Goodman war schon einmal in Bad Königshofen, als sie in Prag studierte. Damals hatte sie sich den ehemaligen Wohnort ihrer Großmutter, Frances Katzenstein, angesehen, die als Fränzi Malzer 1915 in Königshofen geboren worden war. Die Eltern, Max und Bianka Malzer, führten eine Getreidehandlung am Marktplatz (später Firma Zehner) und Albert, der Bruder von Max, betrieb ein Schuhgeschäft im Haus der heutigen Bäckerei Mauer. Die beiden Brüder, die in Sulzdorf geboren wurden, hatten die Häuser von ihren Eltern geerbt. Amandas Großmutter hatte ihrer Enkelin und ihrer Tochter Audrey von ihren Kindheitserinnerungen erzählt, wie sie ihrem Vater half, Getreide abzuwiegen. Später hatte Fränzi Malzer die Handelsschule in Schweinfurt besucht. Sie emigrierte im Mai 1937 nach England und von dort aus 1939 in die USA, wo sie heiratete und den Namen Frances Katzenstein annahm. Auch den Eltern Max und Bianka sowie dem Bruder Hans gelang die Flucht über England in die USA. Onkel Albert starb 1936 in Königshofen und wurde auf dem dortigen jüdischen Friedhof begraben, das Gleiche gilt für seine Frau Regina, die ebenfalls vor den Deportationen in einem Würzburger Altenheim verstarb.
Anlass der Reise der Familie Goodman aus New Jersey nach Deutschland war die Rückgabe von neun Büchern mit religiösem Inhalt, die aufgrund der darin vermerkten Namen Audrey Goodman als Erbin der Familie Malzer zugeordnet wurden. Nach einem Aufenthalt in Berlin war die Familie nach Rostock gefahren, wo Robert Zepf, Direktor der dortigen Universitätsbibliothek, die feierliche Übergabe der Bücher vornahm. Sie gehörten zu den 4000 Büchern der Bibliothek, die im Verdacht standen, von den Nationalsozialisten unrechtmäßig beschlagnahmt worden zu sein. Die Bände, darunter fünf Bücher der Thora, waren seit 1942 in den Bestand der Bibliothek eingetragen. Der Rostocker Oberbürgermeister hatte sie dort abgegeben. Indizien sprechen dafür, dass die Bücher von der sogenannten Reichstauschstelle verteilt worden waren. Erbin Audrey Goodman nahm sie am 18. Mai sichtlich gerührt entgegen.
Emotionale Momente. Auch in Bad Königshofen gab es emotionale Momente, vor allem, als mit Erlaubnis der Bewohner die Wohnung über dem Café Heintz am Marktplatz besucht wurde, wo Audreys Mutter 22 Jahre lang, bis 1937, gewohnt hatte. Auch in der Bäckerei Mauer war die Familie auf den Spuren der Vorfahren. Begleitet wurde sie von Elisabeth Börer, die sich mit der jüdischen Geschichte auskennt. Ein Besuch auf dem Friedhof schloss sich an, auf dem vier Familienmitglieder begraben sind. Ein Abstecher nach Sulzdorf, dem Wohnort des Urgroßvaters, zeigte, dass dort das ehemalige Wohnhaus noch erhalten ist, von der Synagoge aber keine Spur mehr zu finden ist.
Mit der Geschichte der Stadt hatte zweiter Bürgermeister Sebald die Familie bekannt gemacht, wobei der Gymnasiallehrer Rainer Seelmann als Übersetzer fungierte. Er hat gemeinsam mit Schülern den Verbleib der jüdischen Familien erforscht, die vor der Nazi-Zeit in Königshofen und Umgebung zu Hause waren. Die Familie Goodman interessierte sich unter anderem für die Partnerschaft mit Arlington, denn Brett mag Baseball und kennt die dortige Mannschaft. 'Wiedergutmachung ist angesichts des Unrechts und Leids, das Menschen erleiden mussten, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, kaum möglich', hatte Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck bei der Bücher-Übergabe gesagt. Das gilt auch für den Verlust der Heimat – die eigenen Wurzeln sind nicht ersetzbar."   
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Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Bad Königshofen  
Seite zur Geschichte von Bad Königshofen mit Erwähnung der Synagogengeschichte  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Königshofen 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart bzw. Staatsarchiv) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632, darunter ein fälschlich Königshofen (=Lauda-Königshofen) zugeordnetes Familienregister, das allerdings Königshofen im Grabfeld zuzuordnen ist.      
Zu Königshofen im Grabfeld sind somit vorhanden:    
J 386 Bü. 320  Königshofen  Geburten 1828 - 1875  Eheschließungen 1788 - 1855  Sterbefälle 1813 - 1863  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-445928     

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 444.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 344-345.
Herbert Schultheis: Die Reichskristallnacht in Deutschland nach Augenzeugenberichten. Bad Neustädter Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde Frankens Bd. 3. Hg. von Herbert Schultheis. Bad Neustadt a.d. Saale 1985 S. 111-113.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 41.
Reinhold Albert: Geschichte der Juden im Grabfeld. Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld Heft 2. Bad Königshofen im Grabfeld 1990.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 560-561. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 184. 
Elisabeth Böhrer: Von Königshofen i.Gr. über Rostock in die USA. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld 39. Jahrgang 2017 S. 418-420. Online zugänglich (eingestellt als pdf-Datei).   

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Koenigshofen im Grabfeld  Lower Franconia. Jews were victims of the Rindfleisch massacres of 1298 and the Black Death disturbances of 1348-49. The modern community grew to 101 in 1910 (total 1.802), with a synagogue built in 1904 and a cemetery opened in 1921. Both were desecrated in 1925. In 1933, 94 Jews remained; 69 left the town by the end of 1928, including 27 for the U.S. and 37 for other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was wrecked, all the tombstones in the Jewish cemetery were smashed, and eight Jewish men were sent to the Dachau concentration camp. Another 13 Jews left in 1939. The last six were expelled to Kleineibstadt in August 1941 and from there to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April 1942.     
         
          

                   
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Stand: 05. November 2017