Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hammelburg (Kreis Bad Kissingen) 
Jüdische Geschichte / Synagoge  

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Beitrag von Lehrer Julius Straus (Westheim) zur jüdischen Geschichte im Saaletal (1926)   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
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Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  

Hammelburg Machsor.jpg (21768 Byte)Mittelalter: In Hammelburg bestand eine der ältesten jüdischen Gemeinden in Unterfranken. Hier lebten Juden spätestens seit der Mitte des 13. Jahrhunderts. Erster Nachweis für eine jüdische Person aus Hammelburg ist ein Grabstein aus der Würzburger Pleich. Auf ihm wird der Tod einer jüdischen Frau aus Hammelburg betrauert, die am 27. Juli 1287 verstorben war. Die Hammelburger jüdische Gemeinde war von der sog. "Rintfleisch"-Verfolgung 1298 und von weiteren Verfolgungen 1337 sowie bei der Pestzeit-Verfolgung 1349 betroffen. Ein 1347-48 geschriebenes Gebetbuch aus Hammelburg ("Hammelburger Machsor") befindet sich in der Landesbibliothek in Darmstadt (Foto links, Quelle des Fotos). 

Nach den Verfolgungen waren seit 1399 wieder Juden in der Stadt. 1451 wurden die Hammelburger Juden gefangen gehalten, bis sie sich für 1.000 Gulden freigekauft hatten. Die jüdischen Einwohner der Stadt standen (bereits seit 1310) unter dem Schutz des Fürstabt von Fulda. Nach der Ausweisung der Juden aus dem Bistum Würzburg 1453 konnten sich einige von ihnen in der "fuldischen" Grenzstadt Hammelburg niederlassen. 1496 werden in der Hammelburger Steuerliste die Juden Abraham, Isaac, Seligmann, Jakob und Jüdlein genannt. 1570 lebten etwa 100 jüdische Personen in der Stadt. 1576 praktizierte auch ein jüdischer Arzt ("Jordan Jud") in Hammelburg. 
  
An Einrichtungen bestanden spätestens seit 1570 eine Synagoge (s.u.), spätestens seit 1586 der jüdische Friedhof in Pfaffenhausen und spätestens seit 1604 eine Mikwe (rituelles Bad). 1645 waren 42 jüdische Familien in der Stadt, darunter viele, die auf Grund der kriegerischen Wirren aus umliegenden Dörfern in die Stadt geflohen waren. 1671 wurden durch den Fürstabt des Fuldaer Hochstiftes fast alle Juden ausgewiesen. Ehemalige Hammelburger Juden nahmen in anderen Städten führende Positionen ein (z.B. Isaak Brilin in Mannheim als Oberrabbiner der Kurpfalz; andere jüdische Familien zogen u.a. nach Aub). 
  
Neuzeitliche Gemeinde: Seit 1701 konnte wieder eine Gemeinde in der Stadt entstehen. In diesem Jahr lebten wieder zwei jüdische Familien in Hammelburg. Im Laufe des 18. Jahrhunderts stieg ihre Zahl langsam an: 1762 waren es zehn Familien; 1797 wurden 66 jüdische Einwohner gezählt. Um 1800 baute man - vermutlich am Standort der alten - eine neue Synagoge (s.u.).  Unweit der Synagoge lag an der Dalbergstraße die ehemalige jüdische Schule. Im Anschluss an die Synagoge gab es auch eine Mikwe (eine frühere Mikwe (um 1604 lag im Bereich des Niedertors). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Hammelburg auf insgesamt 20 Matrikelstellen (einschließlich Veränderungen bis 1825) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Mannes Katz (Isaias Samuel Leibnitz (lebt vom Handel und Rest seines Vermögens), Beretz Feibel Heitzfelder (lebt von seinem Vernögen), Mannes Nussbaum (Schneidwarenhandel), Hohna David Baumann (Makler), Raphael David Baumann (Schlachten), Lippmann Jonas Schlesinger (Jahrtuche [= Garküche?]), Aron Moses Stühler (Schlachten), Hirsch Abraham Hirsch (Viehhandel), Sußmann Isack Meier (lebt von Interessen [von Zinsen]), Levi Isack Stiefel (Viehhandel), Abraham Isack Stiefel (Schlachten), Bonum Lippmann Schlesinger (Kram-, Schneid- und Spezereihandel), Bonum Katz (Kram-, Schneid- und Spezereihandel), David Meier (Kram-, Schneid- und Spezereihandel), Raphael Meier (Warenhandel), Jonas Bonm Schlesinger (Warenhandel), Joseph Benjamin Preiß (Judenvorsinger), Feibel Abraham Hamberger (Schmuser), Israel Nußbaum (Schneider, seit 1825).     
 
Die Blütezeit der jüdischen Gemeinde war zwischen etwa 1830 und den 1920er-Jahren. Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1837 145 jüdische Einwohner (5,5 % von insgesamt 2.630), 1867 129 (4,7 % von 2.766), 1880 160 (5,3 % von 3.013), 1890 172 (6,0 % von 2.889), 1895 165, 1900 149 (5,2 % von 2.872), 1910 117 (4,0 % von 2.911). Jüdischen Familien gehörten zahlreiche für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wichtige Handelsgeschäfte und Gewerbebetriebe.  
 
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Bad Kissingen
 
Im Ersten Weltkrieg kämpften 23 Männer aus der jüdischen Gemeinde an den Fronten. Von ihnen sind gefallen: Heinrich Oppenheimer (gef. 15.7.1890 in Hammelburg, gef. 5.10.1915), Unteroffizier Berthold Baumann (geb. 20.10.1880 in Höllrich, gef. 12.4.1916) und Ludwig Straus (Strauß, geb. 19.4.1894 in Hammelburg, gef. 23.9.1916). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf der rechten Seite des Rathauses auf dem Marktplatz in ca. 2 m Höhe (unter einer Skulptur des St. Georg). Weiter ist gefallen: Hugo Ullmann (geb. 30.1.1894 in Hammelburg, vor 1914 in Fürth wohnhaft, gef. 20.3.1916).  

Um 1924, als 112 jüdische Einwohner gezählt wurden (3,73 % von etwa 3.000), waren die Vorsteher der Gemeinde August Stühler, Nathan Stern, Siegfried Schuster, Max Hamburger, Adolf Stühler, Martell Nußbaum und Arnold Stühler. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war Moses Rosenberger angestellt. Er erteilte damals sieben Kindern den Religionsunterricht. Auch in umliegenden kleineren Gemeinden hat er den Unterricht erteilt (z.B. in Völkersleier). Zu Wohlfahrtszwecken gab es die "Vereinigten Stiftungen für Ortsarme". 1932 wird als Lehrer Karl Adler genannt.

1933 lebten noch 79 jüdische Personen in der Stadt. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung, der Repressalien und den Auswirkungen der wirtschaftlichen Boykotts verließen in den folgenden Jahren die meisten von ihnen die Stadt oder wanderten aus. Am 9. November 1938 lebten noch 15 jüdische Personen in der Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge vollständig zerstört (s.u.).    
  
Von den in Hammelburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bruno Adler (1906), Pauline Adler (geb. ?), Fanny Baumann geb. Sichel (1887), Franziska Baumann (1913), Hermann Capell (1923), Hilde Flörsheim geb. Hamburger (1891), Selma Flörsheim geb. Stiefel (1887), Abraham Frank (1861), Betti Frank (1896), Fränze (Franziska) Frank geb. Opoenheimer (1897), Mali Frank geb. Strauss (1871), Siegfried Frank (1892), Klara Hamburger geb. Katz (1884), Klara Kallmann geb. Nussbaum (1873), Auguste Katz geb. Bergen (1877), Dora Katz (1902), Feodora Katz (1902), Manfred Leven (1893), Otto Mayer (1868), Hermann Nussbaum (1891), Adolf Oppenheimer (1878), Rosa Rosskopf geb. Stiefel (1898), Rosa Rotschild geb. Nussbaum (1874), Ella Steinkritzer geb. Strauss (1897), Klaus Steinkritzer (1929), Margot Steinkritzer (1926), Rosa Stern geb. Sichel (1878), Benjamin (Benno) Strauss (1937), Gustav Strauss (1892), Hanna (Hannchen) Strauss-Spier geb. Katz (1896), Julius Strauss (1875), Nestor Straus (1880), Dr. Albert Stühler (1884), Moritz Stühler (geb. ?), Minni (Wilhelmine) Süskind geb. Stern (1886), Erna Ullmann (1896).
 
Anmerkung: der unter den Umgekommenen der NS-Zeit in einigen Listen genannte Max Hamburger (1881) hat nach Recherchen von Petra Kaup-Clement mit seiner Familie überlebt und ist nach New York emigriert. Er wohnte bis 1937 in Hammelburg in der Bahnhofstraße 10 und war als Viehhändler tätig. Von ihm liegt ein Brief vor, den er 1946 von New York aus "an seine Freunde und Nachbarn in Hammelburg" geschrieben hat (Quelle: Spruchkammer Hammelburg, Staatsarchiv Würzburg). 
Auch die in einigen Listen genannte Betty Adler (1904) hat die Zeit im KZ überlebt und wohnte 1946 in Würzburg in der Valentin-Becker-Straße 18 (Hinweis Petra Kaup-Clement, vgl. Binder/Mence s.Lit. S. 257 und 270 [Brief von Betty Adler vom 5.5.1946]).          
    
    
   
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Zur jüdischen Geschichte im Saaletal  
Beitrag von Lehrer Julius Straus in Westheim: "Streifzüge durch das fränkische Saaletal" in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung vom 10. September 1925 und vom 3. Dezember 1925: 

Hammelburg BayrGZ 10091925.jpg (177086 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 10. September 1925: "Streifzüge durch das fränkische Saaletal. Eine kulturhistorische Plauderei von Julius Straus, Volksschullehrer in Westheim. 
Die neue Saaletal-Bahn nach Bad Kissingen erschließt eine reizende Gegend dem allgemeinen Verkehr. Man kommt vorüber an bescheidenen Dörfchen, alten Stadtmauern und Trümmern, durch herrliche Wälder, üppige Wiesen und gesegnete Ackerfluren. Von den letzten Höhenzügen der Rhön, die der fränkischen Saale gar oft den Weg streitig machen, grüßen Schlösser, Burgen und Burgruinen. Da türmt sich hoch auf der Sodenberg, ehemals ein Vulkan, der aber längst erloschen ist. Dafür duftet in seinem Walde der Waldmeister. Wie einst im Mai, wo der junge Ritter Götz von Berlichingen bei seinen Verwandten auf der Sodenburg weilte. Vom stolzen Schloss Saaleck aus überschauten einst die Fuldaer Fürstäbte ihr kleines Reich. Mühselig arbeiteten unten die kleinen Bauern, kletterten die Winzer die sonnenbeschienenen Hänge ihrer Weinberge empor. Mühselig geduckt schleppte auf der Landstraße der fuldaische Schutzjude sein Warenbündel ins nächste Dorf. Sein faltenreiches Gesicht zeigt bekümmerte Gedanken. Warum auch nicht? Hatten doch vor wenigen Wochen erst wieder, im Januar 1582, die Räte der Städte Hammelburg, Brückenau, Fulda und Geisa den Fürstabt ‚um Abschaffung der Juden oft untertänig und hochflehentlich’ gebeten. Hatten die Dränger dieses Mal Erfolg, wo der Fürst im Roten Schloss zu Hammelburg weilte und sie ihr Gesuch erneut vorbringen wollten? … Wehmütig tönt in solchen Zeiten der Kümmernis das Flehen aus der alten dumpfen Synagoge: Schaumer Jisroel (hebräisch für Hüter Israel)! Hüter Israels, behüte den Rest von Israel, lass nicht untergehen Israel, das da rufet: Schma Jisroel!... Der Traum zerrinnt. Die Fürstäbte von Fulda ruhen in ihrer Gruft. In manchem Hammelburger Gebäude ist noch ihr Wappen. Wir gehen in die Judengasse, sie lässt nur noch ahnen, so das Villenviertel der Vorfahren gestanden. Der Zug führt uns weiter und bald grüßt die Ruine Trimberg. Wie ein stummer Beschützer blickt sie hinab auf das kleine Dörfchen Trimberg, das sich am Hand hinaufzieht. Anspruchslose Häuschen, eingebettet im sommerlichen Grün der Sträucher und Blumen; ihr Schatten schwebt im silberglänzenden Wasser der vorüberziehenden Saale. Ein Bild für Maler. Vor unseren Augen aber träumt langsam ein längst entschwundenes Bild herauf; aus dem frühen Mittelalter, damals als Walter von der Vogelweide seine unsterblichen Lieder sang. Ein strahlender Sommermorgen. Blauer Himmel, Sonnenschein. Der Wiesengrund ein Blumengarten. Das Dorf wie ausgestorben. Sonntag ist’s. Langsam stapft der Dorfwächter durch die hügelige Gasse und wenn er zuweilen, bedächtig umherschauend, stehen bleibt, und den wuchtigen Spieß auf den Boden aufstößt, dann schrecken genäschige Stare von den Johannisbeeren auf, springt ein Kettenhund mit heiserem Bellen aus seiner Hütte. Auf der Wiese spielen jüdische Kinder, schwarzlockige und blonde. Die Buben haben ein neues Spiel gelernt. Sie werfen 
Hammelburg BayrGZ 10091925a.jpg (384350 Byte)flache Steine dicht übers Wasser hin. Wie Schwälbchen tauchen die Steinchen ein wenig ein, kommen wieder heraus, auf ab, auf ab, so machen sie tänzelnd immer kleinere Schritte, um endlich leise glucksend zu versinken. Ein schöner blonder Knabe hat keine Augen für das Spiel. Er hat die Hände unter den Kopf geschoben, so liegt er im Grase und träumt. Ein leiser Wind trägt von irgendwo Glockenklang herüber. Ein Kuckuck ruft, Schwarzamseln flöten, und eine Lerche jubelt hoch über der Trimburg. Dort hinauf fliegen die Träume des jungen Süßkind. Gestern war er wieder oben gewesen mit dem Vater, der weit und breit alle heilsamen Kräutlein kannte und aus ihnen oft dem alten Grafen einen Tee bereiten musste. Und weil davon seit Tagen die quälenden Schmerzen nachgelassen haben, war der alte Burgherr so gnädiger Laune wie schon lange nicht. Verschwunden war das scheußliche Reißen in den Gliedern. Er konnte wieder zu Pferde steigen und ins Jagdrevier. Ein fahrender Sänger war auch soeben angekommen. Hell auf leuchteten dem Knaben die Augen, als der Graf ihm auf die Schulter klopfte und meint: ‚Süßkind, du darfst hier bleiben und zuhören; ich weiß ja, dass du dies gerne tust. Und…    ‚Süßkind dichtet wieder,’ schreien die Kinder. ‚Wollt ihr euch heimscheren, ihr Schreihälse’, drohte der Wächter mit dem hochgehaltenen Spieß und wie der Wind ist die Kinderschar zerstoben… Der kleine Träumer Süßkind wurde ein Dichter. Hier in seiner Heimat Trimberg war um das Jahr 1200 eine kleine jüdische Gemeinde, von der keinerlei Erinnerung mehr vorhanden ist. Der Dichter hat ihren Namen unsterblich gemacht. Rühmend wird er in der Burgchronik genannt, er, der in schönstem Deutsch spricht zu einer Zeit, wo die Judenschaft abgeschlossen von der Umwelt lebte und entweder die hebräische Sprache oder ein Gemisch von Jüdisch-Deutsch redete.   Dass der Nachtrag zur Heidelberger Handschrift (Universität Heidelberg) die Lieder eines einzigen jüdische Minnesängers aufbewahrt, nämlich Süßkinds, zeigt immerhin eine Wertschätzung, wie man sie sonst in jener Zeit der Kreuzzüge für Juden nicht hegte. War es doch in jenen schlimmen Tagen, wo man die Juden verfolgte, verachtete und ihnen oft nur die Wahl ließ zwischen Abfall vom Glauben oder Tod. Für den Juden Süßkind war es kein geringes Wagnis, in der Kleidung des höfischen Sängers von Burg zu Burg zu wandern und seine neuen Lieder zu singen. Denn wo andere, mochte ihr Sang auch zuweilen seicht und gedankenlos sein, beim Burgherrn williges Ohr, offene Hand und gastfreies Hand fanden, da musste der jüdische Minnesänger nicht selten statt dessen Hohn, Spott und Abweisung erdulden, sodass er tief entmutigt zuletzt gesungen haben mag: ‚
Ich habe zwar mit meiner Kunst 
Geworben um der Herren Gunst  
Die Herren doch wollen mir nichts geben. 
So will ich ihren Hof denn fliehn  
Von nun an als alter Jude leben   
Und also vorwärts weiter ziehn.  
Mir wachsen lassen einen Bart   
Lang niederwallend, greisbehaart   
Will einen langen Mantel tragen   
Den hohen Hut tief in den Kragen   
Demütig sei von nun mein Gang   
Nur karg ertöne Hochgesang,   
Weil mich die Herren vom Hofe jagen!
  
(Anmerkung: Die Übertragung ins Hochdeutsche ist entnommen aus Müllers ‚Jüdische Geschichte in Charakterbildern).   So sah er denn ein, dass die Anpassung oder Assimilation wie wir es heute nennen, ihm nicht hilft, dass der Juden nur dann sich behaupten kann, wenn er sein Judentum aufrecht bewahrt. – Seiner Zeit weit voraus eilte der Dichter, wenn er in seinem Liede von der Gedankenfreiheit singt:  Gedanken, niemand kann verwehren, nicht Toren und nicht den Weisen,  
Drum sind auch Gedanken frei auf allerhand Sachen,  
Herz und Sinn, die sind gegeben allen Menschen zum Behagen  
Gedanken schlüpfen durch jeden Stein, durch Stahl und durch Eisen.
    
Kannte Walther von der Vogelweide seinen jüdischen Zeitgenossen? Wir wissen es nicht genau. Jedenfalls lebten beide fast zu gleich Zeit, im gleichen Ort Würzburg, und auch ihr Tod liegt nicht allzu weit voneinander. Süßkind starb als Arzt in Würzburg. Sein Grab ist verschollen, genau wie das alte Judenviertel und der alte Judenfriedhof; an deren Stelle heute Juliusspital und Marienkapelle am Würzburger Grünen Markt stehen.  Nicht erinnert mehr in Trimberg an des Dichters Geburtshaus und an die jüdische Gemeinde. Vermutlich ereilte sie im Jahre 1298 das Schicksal. Jenesmal kam in fränkischen Landen die schauerliche Mär auf, Juden hätten eine Hostie zerstoßen und Blut sei aus ihr geflossen. Der aufgepeitschte Religionshass gab dem Ritter Rindfleisch willkommene Gelegenheit, mit verhetzten Pöbelhaufen über die wehrlosen Juden herzufallen. Die Friedhöfe füllten sich mit Tausenden von Ermordeten. Die fränkischen Gemeinden gingen fast alle unter.
Neue Gemeinden bildeten sich im Saaletal. So in Westheim, wo neben dem heute noch vorhandenen Freihofe der Grafen von Erthal ein Judenhof erstand mit kleinen armseligen Häuschen, die oft vom Hochwasser bedroht waren. Dann waren die Juden auch ohne die eiserne Sperrkette am Eingang des Judenhofes von der Außenwelt abgeschnitten. Eine starke Mauer bildete den Abschluss gegen den Saalefluss, der unmittelbar daran vorüberfließt. Durch diese führen ein Durchbruch und einige Steinstufen an das Wasser. Hier herrschte vor Pessach ein reges Treiben, ein Putzen und Bürsten, Waschen und Scheuern. Und wie in alter Zeit verrichtete die Gemeinde noch heute am Rosch-Haschonoh das Taschlichgebet an dieser Treppe.
Im Laufe des 18. Jahrhundert wurde der Judenhof zu eng. Wohlhabende Familien errichteten sich in der Judengasse behäbige Häuser in fränkischem Stil. Oft führen hohe Treppen hinauf; ihr festungsartiges Aussehen lässt fast den Gedanken aufkommen, wie wenn sie als Verteidigungswerke gedacht waren. Stolz schmückte der eine und andere sein Haus mit hebräischen Inschriften. So prangt noch jetzt über einem steinernen Hauseingang der Wunsch: Masel Tov d.h. Viel Glück und Segen! Und an der Hausecke des gleichen Gebäudes ist die Jahreszahl, die das Baujahr 1760 verrät, sichtbar. Unverwüstlich. Als dieses Haus vor einigen Jahren in christliche Hände überging, hatten die Kinder des neuen Besitzers nichts Eiligeres zu tun, als den Glückwunsch und die hebräische Jahreszahl mit Mörtel zu überschmieren. Der Mörtel ist längst wieder abgefallen, die Inschrift wieder zum Vorschrein gekommen. Seitdem der Besitzer darauf aufmerksam gemacht wurde, dass dieser Glückwunsch, wenn er auch hebräisch ist, auch für ihn gilt, lässt er ihn – nicht mehr überschmieren. Unter dem Protektorate der Erthaler Freiherren wurde 1769 in Westheim eine neue Synagoge errichtet, deren heilige Lade ein Schmuckkästchen ist.
Hammelburg BayrGZ 10091925b.jpg (412522 Byte)Im Verlaufe des 30jäührigen Krieges verließen die meisten Juden von Westheim, Untererthal usw. ihre Dörfchen, um sich in die kleinen Städte zu begeben, wo sie doch etwas mehr Schutz fanden. So vergrößerte sich die ursprünglich kleine Gemeinde Hammelburg zusehends. Sie bestand jedoch bereits seit 1400, sodass sie auf ein fünfhundertjähriges Bestehen zurückblicken kann. Im Juni 1399 gestattet der Fürstabt Johann von Fulda den Familien Abraham, Kophelin und Vivelmann (Feibelmann), sich je nach Belieben im Stiftslande oder in den Städten Fulda, Vacha und Homburg niederzulassen. Sie durften Geld auf Zinsen verleihen und zwar konnten sie von Fuldaer Staatsangehörigen für jeden Gulden die Woche 4 Pfennig verlangen (gleich zwei Groschen), von ‚Ausländern’ aber mehr. Grundbesitz und Handwerk war ihnen verboten. Hatte man sie nun so von Staatswegen zu Handel und Geldgeschäft herangezüchtet und zum Wucher genötigt, so blieb der Hass der Schuldner nicht aus. Wiederholt (z.B. 1570, 1582 und 1615) und nachdrücklich forderten die Räte der Städte Hammelburg, Brückeneu und Geisa die ‚Abschaffung der Juden’. Endlich im Jahre 1671waren die fortdauernden Wühlereien von Erfolg gekrönt, Fürstabt Bernhard Gustav verordnete die Ausweisung sämtlicher Juden aus Dorf und Stadt binnen dreier Monate. Ein Ziegelbrenner in Untererthal, der anscheinend durch die Austreibung seiner Schulden ledig wurde, fand dieses Ereignis so erfreulich, dass er in eine Ziegel einbrannte: ‚Diese Ziegel ist gemacht in diesem Jahr,  Das der Juden ihr Auszug war. 1671.’ (Anmerkung: Die Angaben über Untererthal entnahm ich dem lesenswerten Buch von Ullrich: Untererthal, Eine kulturhistorische Studie).  Da die Judenschaft Westheims auch auswandern musste, erscheint zweifelhaft. Vielleicht kam ihr der Umstand zustatten, dass mitten durch dieses Dörfchen die Grenze zog zwischen den beiden ‚Großmächten’ Fulda und Würzburg. Die ganze blühende Gemeinde Hammelburg jedoch wurde von der Austreibung betroffen; ebenso die Untererthaler Judenschaft. Mühselig geduckt schleppten nun die heimatlos gewordenen fuldaischen Schutzjuden ihre tragbaren Habseligkeiten fort. Die Glücklicheren unter den Unglücklichen bargen Hab und Gut in alten gebrechlichen Wagen, die mit einem Zelttuch überspannt waren und langsam die Straße dahin krochen, weil eben das magere Pferdchen nicht schneller konnte. Manches Schimpfwort, mancher Steinwurf aus dem Hinterhalt ließ Kinder und Greise unter dem Zeltbahn erschreckt aufschreien. Die meisten Christen indes hatten sich den menschlichen Sinn bewahrt und wollten von Rohheiten nichts wissen. Juden und Christen hatten im Allgemeinen ganz gut miteinander gelebt, wenn auch manches Missverständnis auf beiden Seiten noch herrschte. Doch das Volk hatte damals – nichts zu sagen. Und so zerstreute sich denn die Hammelburger Judengemeinde nach allen Gegenden. Am Kreuzweg aber, bevor die einen ins Würzburger Land, die andern ins Mainzer und Pfälzer Land sich wandten, entstieg einem kleinen Wagen der ehrwürdige Rabbiner Isak Brilin. Viele Jahre hatte er in Hammelburg segensreich gewirkt und nun war seine Gemeinde vernichtet. Es galt zu scheiden von den lieb gewonnenen Freunden. Herzzerreißend war der Abschied vom Rabbi, der allen ein Vater gewesen war… Rabbi Isak, der ein Sohn des Fuldaer Rabbiners Meschullam Elieser Sußmann Brilin war, schlug den Weg ins Rheintal ein. Dorf in Worms oder Mannheim, wo er schon früher gewirkt, wollte er sich eine neue Heimat suchen. Überall erzählte man ihm, dass der edle Pfälzer Kurfürst Karl Ludwig allen seinen Untertanen, Christen und Juden, ein gütiger Landesvater war. Das war der gleiche Fürst, der auch den berühmt gewordenen holländischen Philosophen, den Juden Baruch Spinoza zu sich berufen wollte. Spinoza aber lehnte die angebotene Stelle als Professor an der Heidelberger Universität ab. Der hochgesinnte Kurfürst erkannte bald die Weisheit und Weltklugheit des Hammelburger Rabbiners, er ließ in darum oft an seinen Hof kommen und fand solchen Gefallen an ihm, dass Brilin von da ab in höchster Gunst stand. Die Mannheimer Gemeinde hatte nicht zu bereuen, dass sie ihn zu ihrem Rabbiner wählte. Doch schon 1678 stirbt er. Einige Wochen vor ihm war sein Freund, Rabbi Elchanan bar Chaim, dahingeschieden, der ebenfalls aus Hammelburg vertrieben, im gastlichen Mannheim Unterkommen gefunden hatte. Das dortige Memorbuch sagt von ihm, dass er die Tora in Israel vermehrt und viele Schüler aufgestellt habe.
Nicht lange konnte man im Fuldaer Land die Steuerquelle der Schutzjuden entbehren. Auch in der judenreinen Zeit waren die Verhältnisse der Bevölkerung nicht besser geworden. Schon 1678 ließ man wieder Juden herein. Paradiesisch ging es ihnen auch jetzt nicht. Das mussten die Untererthaler Juden erfahren, die sich mit Genehmigung des Freiherrn von Erthal eine ‚Judenschul aus Holz’ gebaut hatten (1737). Der Fürstabt von Fulda war es nicht ganz zufrieden und es kam zu Unterhandlungen. Bevor diese zu Ende waren, machte der Oberamtmann von Hammelburg kurzen Prozess. Er schickte seine Heeresmacht, einen Hauptmann und zwanzig Gemeine der Landpolizei ab, die in den Burgplatz eingefallen und sotanes Bäulein gewaltsamer Weis auf den Grund niedergerissen haben.’ Die Untererthaler mussten wieder in einer engen Stube ‚Synagoge halten’.  Die Französische Revolution führte die Armee des Generals Jourdan ins Saaletal. Zahlreiche Quartierzettel und Verzeichnisse geben noch heute davon Kunde, welche Lasten, Beschwernisse und Lieferungen Christen und Juden in dem unruhevollen Jahre 1796 zu tragen hatten. Aber auch von den darauf folgenden Jahren existieren noch zahlreiche Quartierzettel. War die eine Truppe fordert, so forderte eine frisch eingetroffene Abteilung wieder neue Leistungen. Noch viele Jahre nach dem Paris Frieden musste der ‚Vorgänger’ (Vorstand) für die Westheimer Judenschaft prozessieren, damit diese die vielen hundert Gulden Quartierlasten wieder aus der französischen Kriegsentschädigung bekam. (Reparationen möchte man es fast nennen.)
Als General Jourdan, bei Würzburg besiegt, sich zurückziehen musste, wälzten sich die geschlagenen Scharen wiederum durch das Saaletal. Allenthalben fielen die erbitterten Bauern über kleine französische Scharen her. So auch die Untererthaler Bauern, die einen französischen Major in der Thulba ertränkten. Das hatten sie bitter zu bereuen. Kaum erfuhr Jourdan, der mit dem Hauptheer nahte, von dem Überfall, so befahl der den Angriff. Zahlreiche Bauern fanden im nutzlosen Kampf den Tod und nun sollte auch das Dorf noch niedergebrannt werden. Ein Untererthaler Jude ging dem General Jourdan entgegen und bat um Schonung für den Ort. Umsonst. Bald prasselten an allen Ecken und Enden die Flammen empor. Auch die Stammburg der Grafen fiel in Schutt und Asche. Der letzte Erthaler, der kinderlose Kurmainzer Kammerherr Franz Lothar vermachte den öden Burgplatz unentgeltlich an die Judengemeinde. Für 450 Gulden wollte er auf dem Platz eine Synagoge errichten. Das geschah denn auch. Unter einem Torbogen hindurch gelangt man noch heute in dieses Gebäude.  
Hammelburg BayrGZ 031219125.jpg (355188 Byte)Aber auch in der folgenden Zeit waren die Juden nicht auf Rosen gebettet. Das zeigt eine Eingabe des Westheimer Juden Jakob Feist, die im Jahre 1813 an das großherzogliche Landgericht Euerdorf (bei Kissingen) gerichtet ist und worin es wörtlich heißt: ‚Mit weinente Augen muss ich mayne Beschwärden gegen den Landgerichtsdiener unterthänigst anbringen, dass ich viele Klagtäg bey dem Herrn Landrichter nicht vorkommen kann durch Rumhalt des Dieners. Wen es Amtsbefehl ist, so bitt ich den Amtsvater es mir zu sagen, damit ich nicht viele Täg und Stunden vor der Thür zu stehn brauche. Wo ich die Höflichkeit und Menschheit bey mir selbst habe, dass ich das Landgericht nicht überlässig habe (belästigt!) wann die Not nit trängt, wenn ich würklich beim Herrn Aktuar eine Auspfändung auswürke, so hat selber nit viel Respekt dafür und werde nicht vollzogen…’ Hier sieht man, wie selbst ein Gerichtsdiener förmlich Schindluder treibt mit rechtsuchenden Juden. Nach endlosem Besitzwechsel wurde 1816 dieses fränkische Ländchen bayerisch. Damals befragte man auch die Westheimer Judenschaft, ob sie königlich bayerisch oder kaiserlich (österreichisch) gesonnen sei? Dieser Volksentscheid fiel zugunsten Bayerns aus. Nur Isak Katz, ein Metzger, erklärte sich vorsichtig ‚neiterall’ (d.h. parteilos). Dem Seligmann Arig war es ‚gleichgiltig’ – woraus die Hakenkreuzler den Beweis für die vaterlandslosen Juden ableiten können – und Löb Arje zeigt sich in dem interessanten Schriftstück als Philosoph, denn er ‚will waren wie Er mös’, (d.h. er will das werden, was er werden muss). Um jene Zeit ordnete die Regierung an, dass auch die Juden sich bürgerliche Namen beilegen und es lohnt sich schon einmal in den Listen nachzuforschen, wie sich die Juden nun benennen. In der Hauptsache schöpfte man bei dieser staatlichen Holekrasch aus dem Gebiet der Geographie und so verwandeln sich die Benfet Aron, Jakob Feist usw. in Hanauer, Berliner, Oppenheimer, Frankfurter, Regensburger, Holländer, Fulder, Schneeberger u.a.m. Die Kohanim behielten ihren alten Namen Kohn, Kahn, oder Ka-z bei, was soviel wie Kohen Zedak = Frommer Priester bedeutet. Weil es aber in der Gemeinde viele ‚Ka Zen’ gab, tauschte ein Familienzweig dafür den Namen Adler ein. Neben den Goldschmidt, Stern, Klingenstein, gab es einen Manufakturwaren-Händler, der sich – Mussliner benannte! In der weltabgeschiedenen Gemeinde Dittlofsroda und Völkersleier zog man mehr die Naturkunde zu Rate und hieß sich: Bergmann, Grünlaub, Nussbaum, Straus, Hoffmann, Stern, Adler usw.   Alle die entschwundenen Generationen eint heute der uralte Friedhof zu Pfaffenhausen. Wer von Hammelburg nach Kissingen fährt, sieht ihn drüben am Bergeshang liegen. Vor vielen Jahrhunderten machten die Freiherren von Erthal ein gutes Geschäft, als sie den öden Platz an die Judenschaft verkauften. Zahlreiche Gemeinden bis weit in die Rhön nach Brückenau und bis ins Maintal nach Gemünden waren gezwungen, ihre Toten hierher zu bestatten.
An der Friedhofsmauer liegen zwei Gräber, an die sich eine schauerliche, aber wahre Geschichte knüpft. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte in Dittlofsroda ein frommer angesehener Jude – er betrieb ein kleines Ladengeschäft und war öfters nicht zuhause. Ein verschuldeter, habgieriger Müller machte sich dies zunutze. Er überfiel die noch ziemlich junge Frau, ermordete sie und raffte zusammen, was er finden konnte. In diesem Augenblick naht, nichts ahnend, mit einem frischen Kuchen unter dem Arm, vom Backofen her das jüdische Dienstmädchen. Voller Grausen erblickt es die tote Herrin und den Müller, der noch im Gelde wühlt. Entsetzen lähmt das Mädchen und ehe es schreien oder flüchten konnte, hatte der Mörder auch die unerwartete Zuschauerin zum Schweigen gebracht. Dann entweicht er. Doch bald erreicht ihn sein Schicksal. Zu Hammelburg auf dem weiten Marktplatz wurde er an den Pranger gestellt und dann enthauptet. Seiner Mühle haftete von da der Fluch an, sie zerfiel und längst ist kein Stein mehr von ihr zu finden (Anmerkung: Nach einer Mitteilung, die ich Herrn Hauptlehrer Hofmann in Rothenburg o.d.T. verdanke, habe der Mörder seine Tat im Zuchthaus Bayreuth abgebüßt, sei also nicht enthauptet worden.".
Unter den bayerischen Königen wurde die Lage der Juden langsam besser. Man versuchte auch, sie zu Ackerbau und Handwerk heranzubilden, was aber nicht so schnell gelingen konnte. Eine Zwangskultur durch viele Jahrhunderte lässt sich nicht so schnell ungeschehen machen.  Doch nach und nach fanden die Juden des Saaletals auch wieder Gefallen am Ackerbau und so starb voriges Jahr, 86 Jahre alt, ein Westheimer Jude, der mit Leib und Seele die Ackerscholle geliebt hatte. Er wusste gar lustige Geschichten zu erzählen aus jenen Zeiten und Versuchen der Regierung. Da war ein Jude, der sollte vor seiner Verheiratung eine Prüfung im Ackerbau ablegen. Er sollte ein Feld pflügen. Feist – so wollen wir ihn nennen – hatte aber noch nie einen Pflug in Händen gehabt. Er merkte also auch nicht, dass Spottvögel ihm die Pflugschar umgekehrt angeschraubt hatten. Ahnte auch nicht das verstohlene Lächeln in den Augen der ‚hohen Prüfungskommission’. Mit Hü und Hott begann der Angriff aufs Feld, das sich indes sehr widerspenstig zeigte. Feist probierte und mühte sich ab, knallte wütend mit der Peitsche auf seine unschuldigen Kühe; der Angstschweiß lief ihm herab und er würde sich noch stundenlang umsonst abgequält haben, wenn nicht die gnädige Kommission ihn erlöst hätte und bescheinigt -, dass er seine Prüfung – bestanden!  Heute sind diese Zeiten längst überwunden, zahlreiche Familien leben vom Ackerbau und haben es nicht zu bereuen, dass sie Bauern geworden sind. Zu Unrecht rümpft mancher städtische Jude über diese einfachen Landjuden die Nase, weil sie nicht gleich ihm in sorgfältiger Kleidung durch die Welt gehen oder sausen. Vorläufig gilt noch das uralte Wort von Rabbi Jose: ‚Wie schön ist doch die Arbeit, sie macht einen warm, wenn man mit ihr geht!’".
  
Pfaffenhausen Israelit 02071925.jpg (13346 Byte)Anmerkung: Der Beitrag von Lehrer Julius Straus erschien vor der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" bereits in der Zeitschrift "Der Israelit", der Schlussabschnitt in der Ausgabe vom 2. Juli 1925.   

    
    
Zur Geschichte der jüdischen Schule und der Lehrer  

Jüdischer Lehrer von 1875 bis 1906 war Jakob Geßner, der großes Ansehen in der jüdischen Gemeinde und in der Stadt genoss. Dass er in Hammelburg Lehrer war, wurde auch lange nach seiner dortigen Zeit hervorgehoben: 
 
Meldung zum 80. Geburtstag von Jakob Geßner (1928)  

Hammelburg BayrGZ 15081928.jpg (19315 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1928: "Unser Vereinsmitglied, Kantor Krämer in Ansbach feierte vor kurzem den 70., Lehrer a.D. J. Geßner in Rostock, früher in Hammelburg, den 80. Geburtstag. Den beiden Jubilaren auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche!"  

  
Nachruf auf Jakob Geßner anlässlich seines Todes (1937)  

Hammelburg BayrGZ 15021937.jpg (118809 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1937: "Jakob Geßner. Kaum 24 Stunden nach dem Ableben unseres Kollegen Jakob Nussbaum wurde uns ein weiteres liebes und treues Mitglied, der im 89. Lebensjahre stehende Lehrer i.R. Jakob Geßner, durch den Tod entrissen. Der Heimgegangene, am 18. Juli 1848 in Steinach a.d. Saale geboren, war Schüler der Präparandenschule Höchberg und der Lehrerbildungsanstalt Würzburg, die er 1867 absolvierte. In Würzburg legte er auch die Anstellungsprüfung für den Volksschuldienst ab. Seine erste Anstellung fand er in Völkersleier, wo er von 1867-1875 tätig war; er wirkte dann in Hammelburg und trat nach 31jähriger überaus segensreicher Tätigkeit in dieser Gemeinde, geehrt und geachtet in allen Kreisen der Bevölkerung, in den Ruhestand über, den er bei seinen ihn liebevoll betreuenden Kindern in Gustrow und später in Rostock verbrachte. Der Entschlafene zählte zu den Männern, die im Herbste 1879 dem Weckruf zur Gründung eines jüdischen Lehrervereins zunächst für Unterfranken, der sich wenige Jahre später auf ganz Bayern erstreckt, gefolgt waren und sich in Erkenntnis der Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Lehrerschaft dem Verein als Mitglied anschlossen. Mit warmfühlendem Herzen und in edler sozialer Gesinnung förderte er die Ziele des jungen Vereins und in einem der ersten Jahresberichte werden seine erfolgreichen und anerkennenswerten Bemühungen um die Vereinseinrichtungen dankend hervorgehoben. Durch das Vertrauen der Kollegen wurde er 1889 zum ersten Male und dann wiederholt als Ersatzmann gewählt, um alsdann in die Verwaltung, der er von 1894-96 als Beisitzer angehörte, einzutreten. Anlässlich des 50jährigen Vereinsjubiläums wurde er mit acht weiteren Gründungsmitgliedern zum Ehrenmitgliede des Vereins ernannt. Mit dem Dahingeschiedenen ist ein gütiger Mensch, ein edler und vornehmer Charakter, ein Mann von vorbildlicher Treue dahingegangen; ihm wird in unseren Reihen ein stetes und ehrendes Andenken bewahrt bleiben. Secher zadik livrocho (das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen)."  

Die Suche nach der Nachfolge Geßners gestaltete sich sehr schwierig, da die Gemeinde offenbar auf Grund der zurückgegangenen Gemeindegliederzahlen bei der Gehaltsberechnung der jüdischen Lehrer Einsparungen vornehmen wollte. Auch andere Gründe mag es gegeben haben, da die nachfolgenden Lehrer (Freudenberger aus Geroda 1906/07, Gundersheimer aus Zeitlofs 1907/08) jeweils nur wenige Monate in Hammelburg geblieben sind. 

Hammelburg Israelit 08101908b.jpg (188745 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: "Sprechsaal. Die Zeiten ändern sich. Aus Unterfranken. Man wird sich wohl noch erinnern, dass vor zwei Jahren eine Notiz durch die Blätter ging, die israelitische Kultusgemeinde Hammelburg habe unter 18 eingelaufenen Bewerbungen um die dortige israelitische Religionslehrerstelle keinen geeigneten Lehrer finden können, d.h. man wollte den einen oder anderer Lehrer nicht – oder es waren fast alle nicht gut genug. Herr Lehrer Geßner dankte damals ab und zog sich ins Privatleben zurück (Gustrow in Mecklenburg), obwohl er keine Pension erhielt (auf israelitischen Religionslehrerstellen gibt es nämlich eine Pensionsberechtigung nicht) und obwohl er erst Ende der Fünfziger war und bei seiner guten Gesundheit noch lange hätte Dienst tun können. Von einem Dank der Gemeinde Herrn Geßner gegenüber hat man nichts gehört, obwohl er sich um die Gemeinde Hammelburg verdient gemacht hatte. 
Bei der Wahl des Nachfolgers für Herrn Geßner setzte man sich noch aufs hohe Ross. Schließlich wurde die Stelle Herrn Freudenberger in Geroda übertragen. Doch der ‚Glückliche’ legte sein Amt in Hammelburg schon nach 11 Monaten nieder. Der schöne Posten war wieder frei. In Hammelburg tat man’s jetzt billiger. Herr Gundersheimer in Zeitlofs erhielt gute Worte, sodass er die Stelle in Hammelburg nach längerem Zögern annahm. Aber kaum 7 Monate dort, dankte er auch ab. 
Wie geht es nun? Man gibt es noch billiger. Von der Vorstandschaft der israelitischen Gemeinde in Hammelburg werden Briefe ausgesandt. So wurde bei einem Lehrer in der Gegend von Würzburg angefragt, ob er seine Bewerbung von früheren Jahren noch aufrechterhalte. Auch in die Aschaffenburger Gegend kam ein solcher Werbebrief an einen Lehrer. Dazu sei noch bemerkt, dass die Hammelburger israelitische Kultusgemeinde sich das Recht vorbehält, nach drei Jahren zu kündigen, sodass der betreffende Lehrer, falls er dort ‚nicht gefällt’, mit Kind und Kegel abziehen kann. - 

Nachschrift der Redaktion. Wir geben vorstehender Zuschrift unverkürzt Raum, müssen aber die Verantwortung für die Einzelheiten der darin enthaltenen Angaben dem Einsender überlassen. Mit tiefem Bedauern nehmen wir Kenntnis davon, dass es gerade bayerische Gemeinden sind, die in den letzten Jahren in recht unliebsamer Weise von sich reden machen. Es ist ein Zeichen von bedauerlicher Rückständigkeit, wenn leistungsfähige Gemeinde, anstatt bei Vakanzen durch angemessene Erhöhung des Lehrergehalts den veränderten Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen und sich eine gut qualifizierte Lehrkraft zu sichern, durch eine kärgliche und knauserige Bemessung desselben alle ernsthaften Bewerber abschrecken und sich dann durch drakonische Bestimmungen gegen das zu schützen suchen, was man einen Reinfall nennt. Häufiger Lehrerwechsel wirkt äußerst nachteilig auf die heranwachsende Jugend und fördert den Verfall der religiösen Institution; er wird aber hervorgerufen durch schlechte Bezahlung und unwürdige Behandlung des Lehrers. Der Einwand, der vorige Lehrer habe unter den gleichen Verhältnissen so und so lange ausgehalten, ist hinfällig: die Zeiten haben sich eben geändert."
 
Folgende Ausschreibungstexte aus den Jahren 1907/08 liegen noch vor. Auf die Ausschreibung vom November 1907 wird sich Lehrer Gundersheim aus Zeitlofs beworben haben; die Ausschreibung 1908 war nach dem Ende seiner nur siebenmonatigen Tätigkeit in Hammelburg notwendig geworden:  
 
Hammelburg Israelit 28111907.jpg (40903 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1907: 
"Wegen Berufung unseres Lehrers nach Halle ist die 
Stelle 
eines Lehrers, Vorbeters und Schochet 
mit einem Mindest-Gesamteinkommen von 1800 Mark 
sofort zu besetzen
Bewerbungen an den Unterzeichneten. 
Hammelburg, 24. November 1907. 
B. Stühler."
  
Hammelburg Israelit 08101908.jpg (39478 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: "Die Stelle eines 
Lehrers, Vorbeters und Schochet
ist sofort zu besetzen. 
Mindest Gesamteinkommen 1800-2000 Mark. – Verheiratete Bewerber bevorzugt. 
Hammelburg, den 4
. Oktober 1908. 
Die Kultus-Verwaltung
. B. Stühler."

     
Beitrag von Lehrer Hermann Mahlermann in Hammelburg über den 19. Psalm (1935)  

Hammelburg Israelit 17041935.jpg (542549 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1935: "Der 19. Psalm - als Lehrdarstellung für die Oberstufe methodisch bearbeitet von Hermann Mahlermann in Hammelburg".  
Da der Beitrag keine Bezüge zur jüdischen Geschichte in Hammelburg enthält, wird er nicht ausgeschrieben - bei Interesse bitte Textabbildung anklicken.  

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben     

Die jüdische Gemeinde Hammelburg engagiert sich an vorderer Stelle (1874)  

Hammelburg AZJ 14071874.jpg (82864 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1874: "München, 27. Juni (1874). Die israelitischen Kultusgemeinden in Hammelburg, Kissingen und Unsleben, sowie weitere 70 Kultusgemeinden in Unterfranken und Aschaffenburg haben an die Kammer der Abgeordneten die Bitte gestellt, dieselbe wolle beantragen, dass die Königliche Staatsregierung die Aufhebung der noch in Bayern bestehenden Abgaben der Juden an christliche Pfarrer, Lehrer und Messner ausspreche. Diese ‚Judengelder’ hätten, wie es in der Motivierung der Petition heißt, nur in sehr seltenen Fällen ein privatrechtliches Verhältnis zu Grundlage und wurzelten meist in der früheren Stellung der Juden in öffentlich rechtlicher Beziehung. Es könne deshalb den Juden nicht verargt werden, wenn sie bestrebt seien, von diesen Abgaben, von denen die Gesetze (§ 104 des Religionsedikts, Art. 5 des Gemeinde-Umlagengesetzes von 1819 und Art. 6 des Ablösungsgesetzes von 1848) sie befreien, auch tatsächlich befreit zu werden."

     
Befreiung der jüdischen Reservisten vom Dienst an den Hohen Feiertagen (1907)   

Hammelburg Israelit 29081907.jpg (53434 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1907: "Bad Kissingen, 27. August. Auf das Gesuch des hiesigen Distriktsrabbiners an das General-Kommando Würzburg um Befreiung der Reservisten an den kommenden israelitischen Feiertagen erfolgt nachstehende Antwort: ‚Im Verfolge Ihres an das Königliche General-Kommando gerichteten Schreibens vom 1.2 dieses Monats Nr. 276 wurde angeordnet, dass die vom 7. bis 20. September nach dem Truppen-Übungsplatz Hammelburg einberufenen israelitischen Mannschaften des Beurlaubtenstandes soweit vom Dienste zu befreien sind, dass sie am 9., 10. und 18. September in Hammelburg ihren religiösen Verpflichtungen nachkommen können."  

  
Nach 1945: Emigrantentreffen in New York (1949)    

Anzeige in der Zeitschrift "Aufbau" vom 22. April 1949: 
"Bad Kissingen - Brückenau - Hammelburg - Gerolzhofen. 
Samstag, den 30. April ab 7.30 Uhr abends. Treffen in 
Begelo's Café-Restaurant  
3801 Broadway (158 St.), l Treppe. Tel.: WA 8-9654".    

    
    
Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Philippine Hamburger (1920)  

Hammelburg Israelit 05081920.jpg (84157 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1920: "Würzburg, 28. Juli (1920). Am 27. Juli hauchte Frau Philippine, Gattin der Herrn Abraham Hamburger in Hammelburg, nach kurzem Krankenlager ihre edle Seele aus. Wer die Verblichene gekannt, der versteht den tiefen Schmerz, den ihr Hintritt ausgelöst. Sie verkörperte des Dichters Wort: ‚Die Sprache der Liebe ruhte auf ihren Lippen’. An den Strahlen ihrer Herzensgüte wärmten sich so viele ohne Unterschied des Bekenntnisses. Wer sich in bedrängter Lage je an sie gewendet, der konnte ihrer Hilfe sicher sein. Ihr Wohl tun war reichlich, war unbegrenzt und wenn die Recht gab, die Linke durfte es nicht wissen. Und wie wurde in ihrem Hause die Gastfreundschaft gepflegt. Wer je hungernd ihre Schwelle betrat, der verließ sie hoch befriedigt. Ihr liebenswürdiges Wesen gewann ihr alle Herzen; die Trauer um sie berührt daher weite Kreise. Möge sie nun im Reiche der Liebe, wo sie nun weilt, Fürsprecher für ihre teure Familie sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
Zum Tod der aus Hammelburg stammenden Betty Sänger geb. Katz, Frau/Witwe des Rabbiners Dr. Hirsch Sänger (gest. 1922 in Bad Mergentheim)  
Anmerkung: die verstorbene Betty (Babette) geb. Katz ist am 17. Mai 1853 in Hammelburg geboren als Tochter von Maier Katz und der Clara geb. Cahn. Aus der Ehe mit Rabbiner Dr. Sänger gingen sieben Kinder hervor: Jacob (1878), Bernhard (Benno) 1879), Jonas und Clara (1880; Jonas ist früh verstorben), Max und Fanny (1883), Isidor (1886).  
Bei dem genannten Sohn - Rabbiner an der Breslauer Synagogengemeinde - handelte es sich um Dr. Jacob Hirsch Sänger (geb. 24. Juni 1878 in Bingen, gest. 25. Juni 1938 in Breslau): studierte am Rabbinerseminar und an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, war ca. 1908 bis 1918 Rabbiner und Religionslehrer an verschiedenen Stellen in Berlin, von 1915 bis 1918 Feldrabbiner in Rumänien; 1918 bis 1938 Rabbiner in Breslau an der Neuen Synagoge sowie Dozent und Lehrer in Einrichtungen und Vereinen; war verheiratet mit Hilda geb. Heimann; der Sohn Dr. Hermann Max Sänger (geb. 1909 in Berlin, gest. 1980 in Prahran, Melbourne, Australien) wurde gleichfalls Rabbiner.   

Mergentheim Israelit 28121922.jpg (157067 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1922: "Mergentheim, 20. Dezember (1922). Die hiesige jüdische Gemeinde steht noch ganz unter dem Eindruck des unerwarteten und furchtbaren Verlustes, den sie durch den Tod der in allen Bevölkerungskreisen verehrten Gattin ihres früheren Rabbiners, der Frau Dr. Betty Sänger erlitten hat. Den Sabbatabend  verbrachte sie noch inmitten der Gemeindemitglieder, unter denen sie so gerne geweilt, anlässlich eines zu Chanukka veranstalteten Vergnügens und alle freuten sich ob ihres heiteren, fast jugendlichen Wesens. Und selbst den ganzen Sonntag ging sie noch ihren menschenfreundlichen Werken nach, die der Zweck ihres Lebens waren, ohne zu ahnen, dass am Abend dieses Tages der Todesengel in nur wenigen Minuten sie aus dieser Welt in jene andere, für die sie sich ihr ganzes Leben hindurch vorbereitet hatte, entführen sollte. Erlitt sie auch so den Tod, für den sie gebetet, so traf ihr jäher Heimgang Familie und Gemeinde umso niederdrückender. Nicht was Kinder und Angehörige verloren, soll hier zum Ausdruck kommen, sondern was dem Judentum genommen und was den Vielen, in deren Mitte sie gelebt, entrissen, soll ausgesprochen sein. Seit dem vor 13 1/2 Jahren erfolgten Tode ihres Gatten, dem sie eine wackere Frau im schönsten Sinne des Wortes gewesen, war ihr ganzes Leben ein einziges großes Liebeswerk. Sie kannte keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen Hoch und Niedrig, für sie war jeder Mensch das Ebenbild Gottes, mit dem sich zu freuen in Stunden des Glückes sie beseligte, mit dem jedes irdische Leid innigst zu teilen, sie befriedigte und ihr Herzensgebot gewesen. Wie ihr ganzes Leben ein Gottesdienst war, so hatte sie ihr Haus zu einem Heiligtum gestaltet, darin Israels Gott verehrt und der Tora Wort strengstens befolgt worden ist. Mit ihr scheidet eine Persönlichkeit aus der Gemeinde, die jeder gekannt und jeder verehrt, die von jedem geschätzt und geliebt worden ist. In der Stunde ihrer Beisetzung zeigte sich trotz des schlechten Wetters, die innige und aufrichtige Teilnahme, die Juden und Christen ohne Unterschied ihr bezeugten. An ihrer Bahre sprach nach dem Ortsrabbiner Dr. Kahn, der ihre Verdienste als Rabbinersgattin und als Vorsitzende des Jüdischen Frauen-Vereins besonders hervorhob, der älteste Sohn, der Rabbiner an der Breslauer Synagogengemeinde, Dr. Sänger. Er dankte in seinem und der Geschwister Namen aus tiefbewegtem Herzen der allverehrten Mutter, die ihnen auf allen ihren Lebenswegen Vorbild und Leitstern gewesen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

 
Zum Tod der Witwe Adelheid Stern geb. Gerber (lange in Hammelburg wohnhaft, gestorben 1924 in Fulda)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1924: "Fulda, 25. Juli (1924). In der Nacht zum Schabbat Behar schloss hier Frau Witwe Adelheid Stern geb. Gerber im 85. Lebensjahre ihre müden Augen. Von Jugend an war ihr ganzes Schaffen und Streben in erster Linie der genauesten Befolgung auch der kleinsten Mizwoh gewidmet und in ihrer Heimatstadt Gersfeld war sie schon als junges Mädchen als Trägerin edler jüdischer Tugenden bekannt gewesen. In ihrer Ehe war sie ihrem Gatten eine wahrhafte wackere Frau, von der man mit Recht ausrufen durfte und sie stand noch in der Nacht auf. In aller Sorge um den Alltag aber hat sie in unerschütterlicher Gottesfurcht jedes Gebot des jüdischen Pflichtenkreises geübt. Und als sie nach dem Tode ihres Gatten von Hammelburg nach Fulda zu ihren Kindern übersiedelte, war auch hier der Kreis ihrer Verehrer und Bewunderer bald ein großer geworden. Und in der Tat war es staunenswert und rührend zugleich, wie diese Frau als 83-jährige das Gebot des Krankenbesuches und der wahrhaften Wohltätigkeit übte, wie sie in den Slichaustagen (Slichot-Tage) allmorgendlich in 'Schul' zu sehen war. Aber auch zu Hause sah man sie in ihren Greisentagen nicht müßig sitzen und wenn sie sich nicht im Haushalt noch irgendwo nützlich machen konnte, so las sie in irgendeinem Buch, sei es Mossad oder Psalmen. All diese Eigenschaften der heimgegangenen echten und treuen Jüdin schilderte Herr Provinzialrabbiner Dr. Leo Cahn, Fulda, in ergreifenden Worten bei der Beisetzung. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

  
Zum Tod von Josef Berk (1935)  

Hammelburg BayrGZ 15021935.jpg (16078 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1935: "Hammelburg, 5. Februar. Nach vollendetem 82. Lebensjahre starb eines der ältesten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Josef Berk. Am Grabe würdigte Lehrer Mahlermann die Persönlichkeit des Heimgegangenen."  

  
In der NS-Zeit - "Schutzhaft" gegen Siegfried Stern und Metzger Zoll - Anfang 1935  

Hammelburg Israelit 31011935.jpg (28535 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1935: "Würzburg. Wie der 'Völkische Beobachter' meldet, wurde in Hammelburg (Bayern) ein Gastwirt und Metzger in Schutzhaft genommen, der eines Vergehens der Beihilfe zur jüdischen Schächtung überführt worden sein soll."
  
Hammelburg Israelit 14021935.jpg (51187 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1935: "Nürnberg. Das Amtgericht in Hammelburg verurteilte, wie die 'Völkische Tageszeitung' in Nürnberg meldet, Siegfried Stern und seinen Gehilfen, den Metzger Zoll von Westheim, wegen Vergehens gegen das Schächtgesetz zu je zwei Monaten Gefängnis, Zoll außerdem noch zu 1.000 RM Geldstrafe. Die beiden Angeklagten waren, wie der 'Völkische Beobachter' am 23. Januar gemeldet hatte, in Schutzhaft genommen worden."   

    
    

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  

Anzeigen des Tuch- und Modewaren-Geschäftes en gros et en détail Emanuel Stern (1871 / 1889 / 1901)   

Hammelburg Israelit 12071871.jpg (23659 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1871: "Für mein Tuch- und Modewaren-Geschäft en gros et en détail, das am Samstag und an Feiertagen streng geschlossen ist, suche ich einen Lehrling aus achtbarer Familie mit guten Schulkenntnissen, mit oder ohne Lehrgeld. Emanuel Stern in Hammelburg."
   
Hammelburg Israelit 09121889.jpg (18663 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Dezember 1889: "Für mein Tuch- und Manufakturwaren-Geschäft en gros & en detail suche ich einen Lehrling mit guten Vorkenntnissen. Samstage und Feiertage geschlossen. 
Emmanuel Stern
, Hammelburg".  
 
Hammelburg Israelit 24101901.jpg (33266 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1901
"In meinem Manufakturwaren-Geschäft, Engros und Detail ist eine 
Lehrlingsstelle
 
unter günstigen Bedingungen sofort zu besetzen. 
Emanuel Stern, Hammelburg, Bayern."    

  
Anzeigen des Kurz-, Woll- und Manufakturwarengeschäftes Bernhard Strauß (1889/90)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1889: Lehrlings-Gesuch
Für mein Kurz-, Woll- und Manufakturwarengeschäft suche per sofort unter günstigen Bedingungen einen Lehrling mit den nötigen Schulkenntnissen aus israelitischer Familie. 
Bernhard Strauß,
Firma B. Strauß & Comp., Hammelburg bei Gemünden."  
  
Hammelburg Israelit 24041890.jpg (28657 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1890: "Für mein Konfektions- und Manufakturwaren-Geschäft suche zum sofortigen Eintritt einen Lehrling mit den nötigen Schulkenntnissen. 
Bernhard Strauß,
Hammelburg, Bayern."    

  
Anzeige des Tuch-, Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäftes Heinrich Katz (1891)       

Hammelburg Israelit 19021891.jpg (30342 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1891: "Für mein Tuch-, Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft (Samstags und isr. Feiertage streng geschlossen) suche einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen. 
Heinrich Katz
in Hammelburg."     

  
Anzeige von Js. Schuster & Cie. (1892)        

Hammelburg Israelit 15091892.jpg (25097 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1892: "Suche per sofort für meinen Sohn, welcher 3 Jahre in meinem Manufakturwaren-Geschäfte tätig war, Stelle als Volontär. Gefällige Offerten an 
Js. Schuster & Cie.
, Hammelburg (Bayern).
."  

   
Anzeige des Manufakturwaren-, Herren- und Damen-Konfektionsgeschäftes Samuel Stern (1892)    

Hammelburg Israelit 14111892.jpg (43008 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1892: 
"Lehrlingsgesuch
Für mein Manufakturwaren-, Herren- und Damen-Konfektions-Geschäft (Samstag und Feiertage geschlossen), suche zum sofortigen Eintritt einen Lehrling mit den nötigen Vorkenntnissen. Kost und Logis im Hause. 
Samuel Stern,
Hammelburg (Bayern)
  

 
Anzeigen des gemischten Warengeschäftes und Holz-/Baumaterialienhandlung Simon Schuster (1893/94)       

Hammelburg Israelit 10071893.jpg (18557 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1893: "Ich suche für mein an Sabbat und Feiertagen streng geschlossenes, gemischtes Warengeschäft nebst Holzhandlung einen Lehrling mit guter Schulbildung bei freier Station. 
Simon Schuster, Hammelburg"     
 
Hammelburg Israelit 19071894.jpg (34588 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1894: "Ich suche für mein gemischtes Waren-Geschäft nebst Baumaterialienhandlung 1 Lehrling mit guten Schulkenntnissen und schöner Handschrift. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen, sofortigen Eintritt. S. Schuster, Hammelburg.." 

  
Anzeige der Eisenhandlung Adolf Nussbaum (o.J.)    

Hammelburg Anzeige Nussbaum 010.jpg (86485 Byte)Anzeige von Adolf Nussbaum: "Nicht zu übersehen! Neu eingetroffen: 
Kinder-Chaisen
in großer Auswahl zu staunenswert billigen Preisen. 
Adolf Nussbaum, Eisenhandlung am Marktplatz" 
(Anzeige erhalten von Petra Kaup-Clement)     
 
Gedenktafel am
 Nachfolgegebäude des Hauses
 der Eisenhandlung Nussbaum
 (Fotos: Elisabeth Böhrer,
 Aufnahmedatum: 1.1.2012)    
Hammelburg Stadt 241.jpg (95325 Byte) Hammelburg Stadt 240.jpg (118115 Byte)  
   zur Familiengeschichte siehe
 unten bei den Literaturangaben
Inschrift der Tafel (links am Gebäude zu erkennen): "Hier befand sich bis 1936 die jüdische
 Eisenwarenhandlung Adolf Nussbaum. Das Anwesen und die Familie Nussbaum wurden 
Opfer des Nationalsozialismus"      

               
Heiratsanzeige von Adolf Meyer und Melanie geb. Nussbaum (1903)  

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Juli 1903: 
"Adolf Meyer - Melanie Meyer geb. Nussbaum
Vermählte.  Hammelburg (Bayern)."

   
Verlobungsanzeige von Ella geb. Straus und Kurt Steinkritzer (1924)  
Hinweise: Ella Steinkritzer geb. Strauss (geb. 1897 in Hammelburg) wurde 1942 von Würzburg aus deportiert und ist umgekommen (nähere Umstände unbekannt). Gleichfalls wurde ihre Tochter Margot (geb. 1926 in Hammelburg) 1942 von München aus in das Ghetto Piaski deportiert; sie war seit Anfang September 1940 in München, zuletzt als Hilfsarbeiterin im jüdischen Arbeitslager Lohhof. Sie ist gleichfalls umgekommen (nähere Umstände unbekannt). Margot sowie ihre Brüder Horst (geb. 1925 in Hammelburg) und Klaus (geb. 1929 in Hammelburg) waren 1939 einige Zeit untergebracht im Israelitischen Waisenhaus "Wilhelmspflege" in Esslingen am Neckar, vgl. J. Hahn: Jüdisches Leben in Esslingen. 1994 S. 505. Nach den Dokumenten von Yad Vashem (Gedenkblätter) sind auch Horst und Laus Steinkritzer umgekommen.      

Hammelburg CV-Ztg 19061924.jpg (41536 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" vom 19. Juni 1924: 
"Ella Straus - Kurt Steinkritzer
Verlobte. 
Hammelburg (Bayern) - Parchim (Mecklenburg). 
Pfingsten 1924."      
 
Ergänzung: die Familie des Webmasters von "Alemannia Judaica" stammt aus Hammelburg: Seite zum "Haus Hahn" in Hammelburg. Dem Webmaster liegen die Tagebücher seiner Großmutter Paula (Pauline) Hahn geb. Schwarz (1887-1956) vor. Darin ist auch einmal Frau Steinkritzer genannt. Paula Hahn traf sie am Bahnhof in Hammelburg, wo vermutlich beide Frauen auf die Rückkehr ihrer Männer von der Arbeit gewartet haben.  
Hammelburg TB 01111927.jpg (128239 Byte)Tagebucheintrag von Paula Hahn am 1. November 1927: "Dieser Allerheiligen-Tag hatte einzig schönes Wetter. Das Kind (gemeint der im 17. Mai 1926 geborene Joachim Hahn, Vater des Webmasters) hatte recht schlechte Nacht. Vielleicht 30 x Licht gemacht, dann wieder zu mir genommen, trotzdem war es nichts... In der Frühe lange mit dem Kinde ausgefahren, erst Richtung Fuchsstadt, wo eine herrliche Morgensonne lag. Dann zur Bahn, um Max abzuholen, er kam aber nicht. Auf der Post Karte von Engelbert mit der Nachricht des gebrochenen Armes der Kleinen. Ich ging gleich zu Mary, es berichten, die andern Tages nach Kleinkahl wollte. Auch am Abend kam Max nicht, ich war an der Bahn. (Frau Steinkritzer)."  

       
  Todesanzeige für Bertha David geb. Sondhelm (1928)    

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 19. Oktober 1928: 
"Heut Nacht entschlief nach schwerer Krankheit meine innigstgeliebte Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante 
Frau Bertha David geb. Sondhelm
im 55. Lebensjahre. 
In tiefer Trauer: Max David  Meta Katz geb. David  Jakob David  Rosel David  Hermann Katz   
Hammelburg, Kassel, den 18. Oktober 1928. 
Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 21. Oktober, vom Israelitischen Friedhof aus statt."            

     
    
 Weitere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe    
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 

Postkarte von Adolf Nussbaum 
aus Hammelburg (1888) 
Hammelburg Dok 1011.jpg (93778 Byte) Hammelburg Dok 1012.jpg (136813 Byte)
  Am 31. August 1888 von Adolf Nussbaum aus Hammelburg an die 
Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt verschickte Postkarte
     
Postkarte von Simon Oppenheimer 
aus Hammelburg (1887) 
Hammelburg Dok 1013.jpg (75727 Byte) Hammelburg Dok 1014.jpg (106260 Byte)
  Am 1. April 1887 von Simon Oppenheimer aus Hammelburg an die 
Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt verschickte Postkarte 
     
Karte von Bonheim Katz 
aus Hammelburg (1889) 
Hammelburg Dok 189.jpg (197863 Byte) Hammelburg Dok 189a.jpg (290142 Byte)
  Die Karte wurde verschickt am 6. März 1889 von Hammelburg an die Eisenhandlung
 Eisenheimer in Schweinfurt. Absender war der Weinhändler Bonheim Katz (1853-1915). 
Es geht um eine Verschiebung eines Liefertermins einer bestellten Waage, da die 
Vorarbeiten (Anbringen eines Fundaments) durch witterungsbedingte Umstände nicht
 termingerecht fertiggebrachten werden konnten. Zu Familie Katz siehe mehr unter 
www.hammelburger-album.de/index.php/lebensweise/112.html     

  
Weitere Erinnerungen an jüdische Personen aus Hammelburg   

Urkunden und Orden von August Stühler  

Im Sommer 2012 wurden bei einer e-Bay-Versteigerung Urkunden und Orden des Hammelburger Vizefeldwebels August Stühler aus der Zeit des Ersten Weltkrieges (und noch danach in Südafrika) angeboten. Es ist nicht bekannt, in wessen Besitz die Auszeichnungen und Orden gelangt sind.  

HAB Stuehler WWI 010.jpg (36034 Byte) HAB Stuehler WWI 012.jpg (35881 Byte) HAB Stuehler WWI 013.jpg (55753 Byte) HAB Stuehler WWI 016.jpg (60128 Byte)
Übersicht über die 
angebotene Sammlung 
Teilansicht der Orden 
und Urkunden
LInks das "Eiserne Kreuz", rechts ein
 Bayerischer Militärverdienstorden
Besitz-Zeugnis für eine
 Dienstauszeichnung  

  
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Leon Mayer aus Hammelburg (1820-1896)     
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Hammelburg New York Salem 1805.jpg (121097 Byte)   Grabstein für "Leon Mayer 
Born in Hammelburg 
Bavaria  
July 20, 1820  
Died in New York City 
Oct. 7,1896".    

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge  

Eine Synagoge bestand bereits im Mittelalter, die erste Nennung liegt jedoch erst aus dem Jahr 1570 vor. Damals berichtete der "Rat der Stadt Hammelburg" an den Landesherrn, dass 100 Juden in der Stadt leben und diese auch eine Synagoge besitzen würden, die nach der Judenordnung von 1560 eigentlich gar nicht bestehen dürfte. Einige Zeit nach der Ausweisung der Hammelburger Juden 1671, die zur Schließung der Synagoge führte, befand sich auf ihren Grundstück neben dem inzwischen baufälligen Synagogengebäude ein Schweinestall, worüber sich die nach 1701 wieder zugezogenen Juden 1718 bei der Regierung beschwerten. Damals war geplant, auf dem Grundstück der früheren Synagoge eine Kapelle zu erstellen. Dazu kam es jedoch nicht: 1768 konnten auf dem Grundstück bzw. über den Grundmauern der alten Synagoge die inzwischen wieder zehn jüdischen Familien - gegen den Widerstand der christlichen Bevölkerung - eine neue Synagoge bauen.       

Aus der Chronik der Stadt Hammelburg von Heinrich Ullrich, 1. Auflage 1956 zur Geschichte der Synagoge Hammelburg: 
(…) Im Januar 1671 wurde Bernhard Gustav, Markgraf von Baden, zum Fürstabt des Fuldaer Hochstifts erwählt. Dieser Herr war kein Freund der Israeliten. Bereits zwei Monate nach seinem Amtsantritt, unterm 24. März 1671, erließ er ein Mandat, welches die Ausweisung der Juden aus dem Fuldaer Gebiet verfügte (…) Als am 5. Juli 1671 der Fürstabt den Grundstein zur Antoniuskapelle auf Kloster Altstadt legte, dankte ihm Pater Quardian namens der Stadt Hammelburg für die Austreibung der Juden. Der Hammelburger Ziegler Johann Thein fand dies Geschehen wichtig genug, es auf einer Dachziegel zu verewigen mit folgenden Worten:
Diese Ziegel ist gemacht in diesem Jahr, das der Juden ihr Auszug war. 1671. 
(…) Mit dem Hinscheiden des Fürstabtes am 24. Dezember 1677 geriet die antijüdische Einstellung der Fuldaer Regierung ins Wanken und langsam begannen sich Juden wieder in das Geschäftsleben des Landes Fulda einzuschalten (…) Im beginnenden 18. Jahrhundert ließen sich die Juden Manuel und Lömmel in der Stadt Hammelburg nieder. 
Unterm 23. März 1718 klagten die neu zugezogenen Israeliten bei der Regierung, dass auf dem Platz der früheren Judenschule ein Schweinestall stehe. Der Hammelburger Amtsverwalter Weishahn klärte die Sache dahin auf, dass nach der Judenaustreibung seinerzeit die frei gewordenen Häuser von den Bürgern gekauft worden seien, also auch die Judenschule. Jetzt befinde sich daselbst 'öd und wüst Mauerwerk im Quadrat 6 Ruten 20 Schuh'. Man habe vor, eine Kapelle dahin zu stellen. 
Ein Kirchlein wurde zwar nicht auf dem erwähnten Platz erbaut, aber etwa 50 Jahre später (1768) erhob sich daselbst wieder eine neue Synagoge (…) Die Hammelburger Judenschaft vermehrte sich langsam aber stetig. Im Jahr 1762 wohnten wieder zehn Judenfamilien in der Stadt. Damit war die Grundlage geschaffen, eine Synagoge zu errichten. Sie sollte auf dem Platz der früheren zu stehen kommen. Trotzdem nur noch ruinöses Grundgemäuer vorhanden war, sprachen die Juden mit ihrem Baugesuch nur von der Reparierung des alten zum Einsturz geneigten Bethauses.
Als jedoch das Bauvorhaben bekannt wurde, erhob die Bürgerschaft dagegen scharfen Einspruch. Die Juden seien gesonnen, einen prächtigen Bau zu erstellen, weil sie noch zahlreicher werden wollten und 'dann denen armen Christen die Nahrung nicht nur äußerst schwächen, als vielmehr vor dem Maul hinweg ziehen wollten.' Durch den jüdischen Gottesdienst sodann, 'der mit fast unmenschlichem Geschrei und Getön' verknüpft sei, würden die umwohnenden Bürger namentlich in ihrer Hausandacht sehr gestört' (…). 
Diese Darlegung der Hammelburger Bürgerschaft scheint die Regierung zu Fulda lächelnd ad acta gelegt zu haben. Denn tatsächlich ward die Synagoge erbaut und diente ihren Zwecken bis in die Neuzeit.

 Unweit der Synagoge lag an der Dalbergstraße die ehemalige jüdische Schule. Im Anschluss an die Synagoge gab es auch eine Mikwe (eine frühere Mikwe (um 1604 lag im Bereich des Niedertors). 
   
Hammelburg Stadtbrand 1854.jpg (95586 Byte)Den verheerenden Stadtbrand von Hammelburg am 25. April 1854 (siehe Abbildung links; Quelle: www.hammelburger-album.de), dem drei Viertel der historischen Gebäude der Stadt zum Opfer fielen, überstand die Hammelburger Synagoge "wie durch ein Wunder" unversehrt, obwohl der Brand vom "Viehmarkt" ausging, d.h. ganz in der Nähe der Synagoge seinen Anfang nahm und sich rasend schnell ausbreitete. Das Unversehrtbleiben der Synagoge könnte darin begründet liegen, dass jüdische Familien an diesem Tag nicht bei der Markusprozession außerhalb der Stadt im Kloster Altstadt waren, sondern anders als die christlichen Einwohner sofort beginnen konnten, das um sich greifende Feuer zu löschen und sein Vordringen zur Synagoge zu verhindern (Informationen zu diesem Abschnitt von Petra Kaup-Clement).       
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge vollständig zerstört. Bei der Aktion waren SA-Mitglieder aus Hammelburg und Mitglieder der HJ aus Untererthal beteiligt. Das Gebäude war bis 1945 in den Händen der Partei (NSDAP) und der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt). Von diesen wurde in der Synagoge ein Schweinestall betrieben. 
    
Nach dem Einmarsch der Amerikaner (7. April 1945) wurde der Betrieb des Schweinestalles aufgegeben, die Synagoge stand in der Folgezeit über ein Jahr leer, verfiel und verwahrloste. In diesem Zustand wurde sie 1946 oder 1947 als Privathaus übernommen. Die noch vorhandene Inneneinrichtung (Frauenempore u.a.) blieb zunächst noch bestehen. Erst in den 1960er-Jahren wurde das Innere der Synagoge vollständig umgebaut. 
  
Über den Zustand unmittelbar nach dem Krieg gibt ein Dokument aus der Spruchkammer-Akte Hammelburg Auskunft:     

Dokument von 1946 über das Synagogengebäude in Hammelburg  (erhalten von Petra Kaup-Clement)  
Staatsarchiv Würzburg - Spruchkammer-Akte Hammelburg Nr.1011: "Beglaubigte Abschrift - Nr. 402 - Gend.-Station Hammelburg - Lk. Hammelburg, Reg. Bez. Unterfranken. 
An das Gendarmerie-Bezirkskommissariat Hammelburg
Betr. Synagoge Hammelburg    Hammelburg, 13. März 1946
Die Synagoge in Hammelburg befindet sich in einem trostlosen Zustand. Man kann sie als verwahrlost bezeichnen bzw. als halb verfallen. Während des Krieges wurde sie sogar teilweise als Schweinestall verwendet, es sind heute noch diese Ställe vorhanden. Nutznießer dieser Ställe war der Staat bzw. die Ställe waren von der NSV erstellt. 
Die Zerstörung der Synagoge in Hammelburg wurde bei der Judenaktion in Hammelburg vollzogen, wie bis jetzt einwandfrei festgestellt werden konnte. An der Zerstörung sollen sich Mitglieder der SA und Motor-SA, aber auch Mitglieder der HJ aus Untererthal beteiligt haben. Über die Judenaktion in Westheim und in Untererthal wird nach Erhebungen gesondert berichtet. 
gez. Michl Gend.kom." 

Das ehemalige Synagogengebäude ist bis heute erhalten. Eine Gedenkstätte wurde neben dem Synagogengebäude eingerichtet.              
      
Lage der ehemaligen Synagoge: Dalbergstraße 57/57A  
  
  
  

Fotos 
Historisches Foto:
(Quelle: © Museum der Stadt Mörfelden-Walldorf; www.vor-dem-holocaust.de unter "Mörfelden")   

Hammelburg Synagoge 090.jpg (370567 Byte) 

Heinz Neu aus Mörfelden in den Ferien in Hammelburg - Gruppenfoto um 1935 vor der Synagoge in Hammelburg. Heinz Neu verbrachte häufig seine Sommerferien bei seinem Onkel Heinrich Schott und dessen Familie in Hammelburg. Heinz ist links vorne im Bild und hält seine kleine Cousine Sonja Schott an der Hand. In der Bildmitte ist Arnold Samuels (vor Emigration Name: Kurt Samuel, geb. 1923) zu sehen, links stehend mit Brille sein Bruder Gerhard Samuel(s) (geb. 1921), rechts außen Alfred Stühler (geb. 1923). Alfred Stühler und Arnold Samuels waren Ende April 2013 zu Besuch in Hammelburg (siehe Presseberichte unten). Der von Heinz Neu benannte Onkel Heinrich Schott wohnte mit seiner Frau Sophie und der noch kleinen Tochter Sonja in der  Kissinger Straße 7 in Hammelburg. Die Mutter von Heinz Neu war Henriette Neu geb. Schott, Schwester von Heinrich Schott. Die enge Verbindung zu den Familien Samuel und Stühler kam sicher dadurch zustande, dass diese Familien auch in der Kissinger Straße (Haus Nr. 8 und 31) in Hammelburg wohnten.  
Das Foto ist im ehemaligen Innenhof der Synagoge aufgenommen, direkt vor dem Eingang für die Männer in den Betsaal (siehe im Hintergrund links, vgl. Foto von 2013 unten). Die hohen Fenster des Betsaales sind heute nicht mehr vorhanden (vgl. unten Foto von 2013). 
Derzeit noch nicht identifiziert sind auf dem Foto das Mädchen rechts und der Junge links dahinter. 
(die Informationen zu den abgebildeten Personen stammen von Petra Kaup-Clement)     


Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.8.2003) 

Hammelburg Synagoge 013.jpg (66455 Byte) Hammelburg Synagoge 010.jpg (54124 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
von Südosten  
Blick von Osten - der Toraschrein befand sich 
zwischen den Fenstern im Erdgeschoss
   
Hammelburg Synagoge 012.jpg (72689 Byte) Hammelburg Synagoge 011.jpg (91700 Byte)
Gedenkstätte Inschrift zum Gedenken an die ehemalige Synagoge
   
Gedenken an der Synagoge beim "Ersten Ökumenischen Jugendkreuzweg aller Hammelburger Schulen" am 11.4.2003
(Quelle: hier anklicken
Hammelburg Synagoge 070.jpg (44793 Byte) Hammelburg Synagoge 071.jpg (70752 Byte)
Schülerinnen und Schüler des Frobenius-Gymnasiums mit Texten und Bildern zu den Themen "Rassismus, Ausgrenzung und Krieg"  

       

Spurensuche: Stadtrundgang auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Hammelburg
am 12. Mai 2006  

Hammelburg Mai 200601.jpg (80977 Byte) Hammelburg Mai 200602.jpg (95995 Byte) Hammelburg Mai 200603.jpg (96682 Byte)
Einführung am Marktplatz durch 
Karl-Heinz Maul und Wolfgang Hose  
Vor der ehemaligen 
Synagoge  
Erinnerungen an die Geschichte der
 Synagoge und ihre Schändung  
     
Hammelburg Mai 200604.jpg (77350 Byte) Hammelburg Mai 200605.jpg (70950 Byte) Hammelburg Mai 200606.jpg (103504 Byte)
Im Hintergrund das Synagogengebäude; 
im Gebäude links (weiß getüncht) war
 früher die jüdische Religionsschule
 untergebracht (Ausk. P. Kaup-Clement)  
Ehemaliges jüdisches Wohnhaus 
(Max Stühler, "Essig-Stühler",
 Dalbergstraße 49)  
Ehemaliges jüdisches Wohnhaus 
am Viehmarkt: Metzger Simon Adler 
  
   
      
Hammelburg Mai 200607.jpg (85596 Byte) Hammelburg Mai 200608.jpg (99586 Byte) Hammelburg Mai 200609.jpg (105779 Byte)
Erläuterungen 
am Marktplatz  
Ehemaliges jüdisches Schulgeschäft 
Stühler am Marktplatz  
Der "Samuel-Sichel-Platz" erinnert an 
das auf diesem Platz früher befindliche
 Firma von Samuel Sichel  
   
     
Hammelburg Mai 200611.jpg (67922 Byte) Hammelburg Mai 200610.jpg (66774 Byte)     
Ausstellung im Rathaus "BlickWechsel: Christen und Juden - Juden und Christen" 
sowie Tafeln zur jüdischen Geschichte in Unterfranken und Hammelburg  
    
      
        
Die ehemalige Synagoge 
(Fotos: Petra Kaup-Clement) 
Hammelburg Synagoge 230.jpg (71293 Byte) Hammelburg Synagoge 231.jpg (72740 Byte)
   Blick von Osten - das kleine ovale Fenster 
war über dem Toraschrein 
(Aufnahme vom August 2008) 
dieselbe Ansicht
 Aufnahme Anfang 2010 
  
     
Hammelburg Synagoge 181.jpg (124937 Byte) Hammelburg Synagoge 182.jpg (142272 Byte) Hammelburg Synagoge 180.jpg (159946 Byte)
Blick von Westen auf das ehemalige
 Synagogengebäude (aufgenommen Ende 
April 2013 beim Besuch von Alfred Stühler 
und Arnold Samuels)   
Der ehemalige Zugang in den Betsaal
 (Männereingang, Foto Ende April 2013) 
(vgl. oben das historische Foto 
von 1935 mit dem Eingang im Hintergrund)  
 Der ehemalige Zugang auf die 
Frauenempore auf der Nordseite 
des Synagogengebäudes 
   (Foto Ende April 2013) 
     
Fotos von 2009
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum: 26.4.2009)
 
Hammelburg Stadt 09102.jpg (56663 Byte) Hammelburg Stadt 09101.jpg (83552 Byte) Hammelburg Stadt 09100.jpg (90125 Byte)
Gefallenendenkmal am Rathaus der Stadt mit den Namen von Heinrich Oppenheimer,
 Berthold Baumann und Ludwig Straus; auf Vergrößerung rechts ist der Name 
von Heinrich Oppenheimer erkennbar.
Samuel-Sichel-Platz
  
     
Hammelburg Synagoge 09102.jpg (57980 Byte) Hammelburg Synagoge 09103.jpg (70128 Byte) Hammelburg Synagoge 09105.jpg (70786 Byte)
Verschiedene Ansichten des ehemaligen Synagogengebäudes mit dem kleinen Fenster über dem ehemaligen Toraschrein
       
Hammelburg Synagoge 09106.jpg (63745 Byte) Hammelburg Synagoge 09104.jpg (91420 Byte) Hammelburg Synagoge 09107.jpg (54239 Byte) Hammelburg Synagoge 183.jpg (103979 Byte)
  Die Gedenkinschrift   Ehemalige jüdische Schule (auf linkem Foto links, weißes Gebäude; auf rechtem Foto [von Petra Kaup-Clement April 2013] rechts)
  
     
     
Fotos vom November 2011 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.11.2011)
Hammelburg Synagoge 1110012.jpg (144208 Byte) Hammelburg Synagoge 1110010.jpg (143190 Byte) Hammelburg Synagoge 1110011.jpg (241544 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge Die Gedenkinschrift 
Das Foto oben in hoher Auflösung     
     

     
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

November 2008: Hirschenbergers Genisa" - Ausstellung vom 1. - 30. November 2008 
Sonderausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle in Hammelburg  - erarbeitet und zusammengestellt von Cornelia und Michael Mence (Hammelburg) 
  
März 2010: Aufruf des Geschichtskreises Hammelburg  
Artikel in der "Main-Post" vom 22. März 2010 (Artikel): 
"HAMMELBURG. Wer erinnert sich an Ella Steinkritzer? Geschichtskreis sucht Zeitzeugen. 
(si) Zeitzeugen sucht der Geschichtskreis, die über deportierte jüdische Kinder aus Hammelburg berichten können. Ihr Schicksal ist Thema beim nächsten Treffen des Geschichtskreises am Freitag, 26. März, um 19.30 Uhr im Musikerheim. Nach Recherchen von Petra Kaup-Clement war das jüngste Kind aus Hammelburg fünf Jahre alt, als es 1942 im Kinder-KZ von Majdanek den Tod fand. Es war Benjamin Straus, der 1937 in Hammelburg geboren wurde. Auch dessen Vater, Julius Straus, der von 1930 bis 1938 ein Geschäft in der Kissinger Straße 17 betrieb, sei 1942 deportiert und im KZ Auschwitz ermordet worden. Bei dem Treffen des Geschichtskreises wird auch das Lebensschicksal der jüdischen alleinerziehenden Mutter Ella Steinkritzer und ihrer drei Kinder, die Opfer des Holocaust wurden, vorgestellt. Die 1897 in Hammelburg geborene Jüdin lebte im Schul- und Armenhaus der jüdischen Gemeinde Hammelburg in der heutigen Dalbergstraße 63. Nach der Reichspogromnacht musste Ella Steinkritzer die Stadt Hammelburg verlassen. Der Geschichtskreis Hammelburg sucht Zeitzeugen, die sich an die Familie und an das Geschäft Julius Straus in der Kissinger Straße 17 erinnern können, ebenso an Ella Steinkritzer und ihre Kinder.
Diskussion über Stolpersteine. Vor dem Hintergrund dieser Lebensschicksale soll im Hammelburger Geschichtskreis die Verlegung von Stolpersteinen in Hammelburg erneut diskutiert werden. In vielen Städten Deutschlands sind inzwischen solche Erinnerungssteine an die jüdischen Mitbürger verlegt worden. Sie sollen dazu anregen, das Einzelschicksal eines Menschen kennenzulernen und nicht zu vergessen. 
Jugendliche können für jeweils einen Stein und für ein Lebensschicksal eine so genannte innere Patenschaft übernehmen und ihren Stolperstein in der Stadt oder im Ortsteil immer wieder neu aufsuchen. 
Die Aktion Stolpersteine wurde vom Kölner Künstler Günter Demnig begründet. An 530 Orten in Europa gibt es inzwischen Stolpersteine. In der näheren Region finden sich Stolpersteine in Bad Kissingen, Würzburg und Aschaffenburg. Die Verlegung dieser Erinnerungssteine beruht auf Spendenbasis, sie kostet die Kommune kein Geld. Der Stadtrat muss allerdings seine baurechtliche Zustimmung geben. Ein Stolperstein kostet 95 Euro.
Der Geschichtskreis Hammelburg stellt bei seinem Treffen am Freitag auch eine Namensliste von jüdischen und nichtjüdischen Opfern des Nationalsozialismus aus Hammelburg, Westheim und Untererthal vor, für die Stolpersteine verlegt werden könnten."
 
April 2010: "Stolpersteine" oder eine Gedenktafel in Hammelburg ? 
Artikel von Katja Glatzer-Hellmond in der "Main-Post" vom 13. April 2010 (Artikel): "HAMMELBURG - Jeder Stein ein eigenes Schicksal - Hammelburger Geschichtskreis möchte Stolpersteine für zwei jüdische Familien verlegen lassen
Zum Gedenken an jüdische Familien und ihre Schicksale im Dritten Reich hat der Hammelburger Geschichtskreis angeregt, Stolpersteine verlegen zu lassen. Stolpersteine sind Pflastersteine aus Messing, die mit dem Namen der Betroffenen vor deren letzten freiwilligen Wohnsitz eingelassen werden.
Die Aktion Stolpersteine wurde von dem Künstler Günter Demnig ins Leben gerufen. In 450 Städten der Bundesrepublik wurden diese Steine schon verlegt. Auch in Hammelburg würde Demnig dies auf Anfrage des Geschichtskreises angehen, berichtete Petra Kaup-Clement beim jüngsten Treffen des Kreises. Als Termin habe man den 22. September im Visier. Eine Anfrage an den Stadtrat, der die Baugenehmigung erteilen müsste, sei bereits gestellt.
Möglich wären drei Stolpersteine für die Familie Julius Strauss in der Kissinger Straße 17 und vier Stolpersteine für die Familie Steinkritzer in der Dalbergstraße 55/57, so Kaup-Clement. Die Schicksale beider Familien standen im Mittelpunkt des Geschichtskreistreffens.
Geschäfte zwangsliquidiert. Julius Strauss eröffnete am 12. Januar 1930 ein Textilgeschäft in der Kissinger Straße 17, dort, wo vorher der jüdische Kaufmann Ferdinand Nussbaum gewohnt hatte. Er wurde Nachbar der damaligen Gastwirtschaft und Bäckerei Kron (heute Bäckerei Schwab) und des 'Kohle-Schusters', des jüdischen Bauwaren- und Kohlehändlers Siegfried Schuster. Von 1936 an wurden die meisten jüdischen Geschäfte von der NSDAP-Gauleitung zwangsliquidiert, Julius Strauss aber konnte sich bis zur Reichspogromnacht vor Ort halten.
In der Nacht auf den 11. Novembers 1938 wurde die Inneneinrichtung seines Geschäftes völlig zerschlagen. Der kleine Sohn Benno war zum Zeitpunkt der Reichspogromnacht ein Jahr alt. 'Die Judenfrauen flüchteten mit ihren Kindern durch die Straßen der Stadt. Es war ein schauriger Anblick', erinnert sich eine Zeitzeugin. Strauss kam ins Hammelburger Gefängnis und musste dort die Zwangsenteignung unterschreiben. Nach der Haftentlassung musste er Fenster und Inneneinrichtung der Wohnung und des Geschäfts auf eigene Kosten reparieren und alle Wertgegenstände abliefern. Versicherungsansprüche gingen verloren und an das Finanzamt musste eine hohe Strafsteuer gezahlt werden. 
Das Haus in der Kissinger Straße 17 ging 1939 in den Besitz der Stadt über, die es in private Hände weiter veräußerte. Die Familie Strauss verließ Hammelburg vermutlich im Frühjahr 1939 und floh nach Frankfurt am Main. 1942 wurde Benno Strauss im Alter von fünf Jahren zusammen mit seiner Mutter Hanna von dort aus nach Majdanek (Lublin/Ostpolen) deportiert. Julius Strauss kam zur selben Zeit im Alter von 67 Jahren nach Auschwitz und wurde dort ermordet.
Auch das Schicksal einer zweiten jüdischen Familie machte die Zuhörer betroffen. Ella Steinkritzer, geborene Straus, erblickte am 16. Februar 1897 in Hammelburg das Licht der Welt. Sie war das jüngste Kind von Moshe und Karolina Straus, die seit Ende des 19. Jahrhunderts am Marktplatz 4 (heute Marktplatz 14) ein Haus und Geschäft innehatten. Ein Bruder von Ella Steinkritzer war der angesehene Volksschullehrer und Gemeinderat von Westheim, Julius Straus.
Allein und besitzlos. Ella Straus heiratete 1924 den jüdischen Kaufmann Kurt Steinkritzer, der aus Parchim (heute Neubrandenburg) stammte. Das Ehepaar übernahm das alteingesessene Geschäft 'Moses Straus' am Marktplatz und bekam die drei Kinder Horst, Margot und Klaus. Das Geschäft lief jedoch schlecht, so dass es 1928 verkauft wurde. Kurt Steinkritzer trennte sich von seiner Frau und ließ die Familie in Hammelburg zurück.
Die besitzlose Mutter war nun ganz auf die Hilfe der jüdischen Gemeinde angewiesen. In der Judengasse 55 (heute Dalbergstraße 55) bekam Steinkritzer zwei Zimmer zugewiesen, erinnern sich Zeitzeugen. Bis 1936 durften ihre Kinder die städtische Volksschule besuchen, danach wurden die beiden Buben ins jüdische Kinderheim Wilhelmspflege in Esslingen eingewiesen. Im September 1938 folgte auch Tochter Margot. 
Ella Steinkritzer erlebte die Pogromnacht in Hammelburg. Nachdem der jüdische Religionslehrer Hermann Mahlermann und der Gemeindevorsteher Julius Mantel verhaftet worden waren und Zwangsenteignung der Häuser und Liegenschaften der jüdischen Gemeinde anstand, hatte sie in Hammelburg keine Beschützer mehr. Sie musste nach Würzburg umziehen, wo sie von der dortigen jüdischen Gemeinde betreut wurde. 1939 holte Steinkritzer ihre Kinder dorthin. Die 17-jährige Margot wurde 1941/42 zur Zwangsarbeit in ein Arbeitslager nach München verpflichtet. Die gesamte Familie Steinkritzer wurde 1942 von verschiedenen Orten aus deportiert (Warburg, München, Fürth). Nur Vater Kurt Steinkritzer überlebte. 
Tendenz geht zur Gedenktafel. Da der letzte freiwillige Wohnsitz von Ella Steinkritzer die heutige Dalbergstraße 55 war, könnten hier vier Stolpersteine entstehen, so die Idee des Geschichtskreises. Es habe bereits eine interne Diskussion im Stadtrat zu dem Thema gegeben, sagte Bürgermeister Ernst Stross auf Anfrage der Main-Post. Die Tendenz gehe aber eher hin zu einer Gedenktafel, auf der alle jüdischen Mitbürger benannt werden könnten. Auch Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch, so Stross, habe sich gegen Stolpersteine ausgesprochen." 
   
Mai 2010: Die Formen des Gedenkens sind in Hammelburg noch offen und werden weiter diskutiert    
Artikel (auszugsweise zitiert) in der "Main-Post" vom 11. Mai 2010 (Artikel):  
"HAMMELBURG - Stadtrat will das Gedenken breiter aufstellen - Kein Votum für Stolpersteine.   
Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Mitbürger, die der Nazi-Herrschaft zum Opfer fielen, wird es in Hammelburg zunächst nicht geben. Der Stadtrat sprach sich gegen eine Initiative des Arbeitskreises Hammelburger Geschichte aus, vor den einstigen Häusern der Holocaust-Opfer Steine mit Namensgravur einzulassen. 
Bürgermeister Ernst Stross und verschiedene Stadträte sprachen sich dafür aus, mit dem Arbeitskreis und anderen Geschichtsexperten noch einmal gemeinsam nach Formen des Gedenkens zu suchen. Ziel soll sein, das Erinnern breiter aufzustellen und damit auch den Widerstand und die Zivilcourage politisch Verfolgter in der Region zu würdigen. 
Von Arbeitskreis-Sprecher Hermann Bock und Petra Kaupp-Clement nahm Stross ein Gedenkbuch entgegen, das 95 Namen von Opfern des Nationalsozialismus aus Hammelburg, Untererthal und Westheim enthält. Sie stammen aus den Online-Archiven der Gedenkstätte Yad Vashem und dem Bundesarchiv in Koblenz und sollen nach dem Wunsch des Arbeitskreises für jeden einsehbar in der Touristinformation ausliegen.
'Der Arbeitskreis Hammelburger Geschichte leistet bemerkenswertes', sagte Stross. Er verwies aber auch auf weitere Initiativen, die das Vermächtnis jüdischer Mitbürger angemessen in Erinnerung bringen. Sie reichten von der Taufe des Samuel-Sichel-Platzes und der Einladung von Emigranten bis zur Herausgabe von Büchern. Über weitere Ansätze sollten sich alle Beteiligten verständigen.
... Nachdem manche jüdischen Kultusgemeinden Stolpersteine nicht für die richtige Gedenkform hielten, prüfe man andere Möglichkeiten. Darunter eine Aktualisierung der Gedenktafel im Rathaus. Stolpersteine könnten heute den Eindruck erwecken, als ob Hausbewohner zu unrecht in den gekennzeichneten Häusern leben. Den Betrachtern fehle häufig der Transfer zum künftigen Umgang mit Minderheiten. Juden, die kein eigenes Haus hatten, würde das Gedenken mit den Stolpersteinen gar nicht zuteil.
'Der Arbeitskreis Hammelburger Geschichte leistet bemerkenswertes'. Für Stolpersteine plädierte dagegen Hermann Bock vom Arbeitskreis Hammelburger Geschichte. Sieben Paten für Steine habe man schon und einen Termin für die Verlegung vor der Dalbergstraße 55 und der Kissinger Straße 17 durch Künstler Günter Demnig (Köln) im September auch schon. Anders als eine Gedenktafel könnte die Stolperstein- Aktion immer weiter fortgeschrieben und dabei von privaten Unterstützern getragen werden. Jugendliche und Schulklassen könnten Paten werden und darüber hinaus eine Online-Präsenz Erklärungen liefern. 
'Die Stadt hat keinen Zeitdruck', sprach sich Bürgermeister Stross für einen ausführlichen Dialog zum Thema Gedenken aus. Sie müsse sich nicht von vorneherein nach dem Terminkalender eines Künstlers richten. 
Die anwesenden Mitglieder des Arbeitskreises Geschichte bekundeten Interesse an Gesprächen. 'Ja, geht klar', stimmte Hermann Bock zu."   
  
Hinweis: Die Arbeitsgruppe mit der Zielsetzung "Letzte Spuren bewahren" hat sich auf Grund der Anregung des Stadtrates gebildet. Die Arbeit dieses Kreises umfasst nicht nur das Gedenken an die Holocaust-Opfer und ist langfristig angelegt. Auch die Stadtteile von Hammelburg - Westheim und Untererthal - werden im Rahmen der Arbeit des Arbeitskreises mit einbezogen. Teil der Arbeit ist die Diskussion über die Formen des Gedenkens der Holocaustopfer. Dabei werden alle verschiedenen Vorschläge berücksichtigt, auch die "Stolpersteine".    
   
Dezember 2010: Eine Gedenkstätte am Seelhaus-Platz ist im Gespräch - 
"Stolpersteine" in Hammelburg finden in einem Arbeitskreis nur wenige Befürworter 
Artikel in der "Saale-Zeitung" vom 3. Dezember 2010 (Artikel aus infranken.de): "An verfolgte jüdische Mitbürger erinnern.  
Heimatgeschichte "Letzte Spuren bewahren" heißt der Arbeitskreis, der dem Stadtrat Empfehlungen zum Gedenken an die Judenverfolgung durch die Nazis geben möchte. Unter den verschiedenen Vorschlägen wird zurzeit eine Gedenkstätte am Seelhaus-Platz favorisiert

Am Mittwoch traf sich ein knappes Dutzend Interessierter und Engagierter, die zusammen mit Bürgermeister Ernst Stross, Michael Mence und dessen Ehefrau Cornelia, Kreisheimatpflegerin, mögliche Maßnahmen diskutierten. Eine für alle Hammelburger Ortsteile akzeptable Lösung wurde speziell für die Ortsteile Untererthal und Westheim gesucht. Der Stadtrat entscheide letztlich, was zu tun sei, betonte Stross. In jedem Fall sei die Tatsache zu würdigen, dass die verfolgten jüdischen Mitbürger ein wichtiger Teil der Bevölkerung gewesen seien. 
Stolpersteine: Wenig Befürworter. Außer dem Platz am Seelhaus, wo früher eine Synagoge stand, waren zuvor noch weitere Plätze in der Diskussion. So zum Beispiel am Haus der Familie Sichel, am Hammelburger Rathaus, am Roten Schloss und am so genannten Schabbes-Gärtchen nahe dem Kreisverkehr am evangelischen Pfarrhaus. Verworfen wurde eine Gedenkstätte am jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen.
Auch die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig - im Gehweg eingelassene Pflastersteine mit Namen und Daten der Verfolgten - fanden wenig Befürworter. Schließlich sollten diese nicht mit Füßen getreten werden, war sich der Arbeitskreis einig. Auf Zustimmung stieß auch der Gedanke, die Gedenktafeln ausschließlich den verfolgten toten und den noch lebenden Juden zu widmen, nicht aber anderen Verfolgten wie Regimegegnern, Homosexuellen oder Sinti und Roma. "Und wir sollten die Namen der Verfolgten nennen", regte Pfarrer Christian Müssig an. Jeder einzelne Mensch sollte in den Erinnerungsprozess genommen werden. 
"Man sollte lieber an einem zentralen Ort in Hammelburg statt in verschiedenen Ortsteilen gedenken", meinte auch Altbürgermeister Arnold Zeller, auch wenn die heutigen Stadtteile früher selbstständige Dörfer gewesen seien. "Die Ortsbeauftragten sollten sich jetzt mit den älteren Anwohnern in Verbindung setzen und deren Meinungen darüber einholen", schlug Helmut Scholl vor. An das jährliche Gedenken zur Reichspogromnacht auf dem Seelhaus-Platz am 9. November erinnerte Arnold Zeller. Vor 15 Jahren habe man klein angefangen und anfangs noch teilweise Widerstand in der Bevölkerung gespürt. Heutzutage genieße dieser Platz Sensibilität in der Öffentlichkeit, war sich Pfarrer Christian Müssig sicher. Auch dass dort in der Nachbarschaft die Lebenshilfe ein Bauprojekt plane, passe gut zusammen, so Bürgermeister Stross.
Treffen am 12. Januar. Ein weiteres Thema für die nächste Zusammenkunft des Arbeitskreises "Letzte Spuren bewahren" ist für 12. Januar geplant. Dann wird auch der Frage nachgegangen, wie ein Stadtrundgang zum Thema "Jüdische Geschichte in Hammelburg" gestaltet werden kann."     
Korrektur-Hinweis zu obigem Artikel: die Synagoge stand nicht am Seelhaus-Platz; das Gebäude der ehemaligen Synagoge steht vielmehr bis heute auf dem Grundstück Dalbergstraße 57/57A.  
 
Juli 2011: Der Arbeitskreis "Letzte Spuren bewahren" stellt die Pläne für eine Gedenkstätte vor     
Artikel in der "Saalezeitung" vom 28. Juli 2011 (online auf infranken.de Artikel): "An jüdische Opfer der NS-Zeit erinnern
Hammelburg. Geschichte Es war kein leichter Weg. Acht Monate lang wurde diskutiert, gerungen und am Ende doch ein Konsens erzielt. Denn das gemeinsame Ziel, in einer würdigen Form der jüdischen Opfer der NS-Zeit zu gedenken, wog schwerer als unterschiedliche Ansichten in Einzelfragen.
Michael Mence, Leiter des Arbeitskreises "Letzte Spuren bewahren", stellte im Stadtrat jetzt die Pläne für eine Gedenkstätte vor. Er betonte, dass es auch darum gehe, das Engagement des früheren Bürgermeisters Arnold Zeller fortzusetzen. 
Findling mit Tafel. Ein Findling soll aufgestellt werden inmitten des Seelhausplatzes. Auf dem großen Stein ist eine Metalltafel vorgesehen mit folgenden Worten: In Erinnerung an die vertriebenen, verschleppten und ermordeten jüdischen BürgerInnen und all die namenlos gebliebenen.
Ferner ist eine Auflistung von 33 Namen geplant mit dem jeweiligen Geburtsjahr und dem Ort, wo die Menschen ums Leben gekommen sind, zum Beispiel Dachau, Auschwitz oder Theresienstadt.
Darüber hinaus wird ein Zitat des französischen Regisseurs Claude Lanzmann über "die Vernichtung" zu lesen sein. Lanzmann hat den neunstündigen Dokumentarfilm "Shoah" über die Erinnerung an den Holocaust gedreht. Neben den Plänen für die Gedenkstätte hat der Arbeitskreis auch eine Dokumentation erstellt mit den wichtigsten Daten der Biographien der 33 genannten jüdischen Mitbürger.
Bei der Standortsuche sei auch über Samuel-Sichel-Platz, jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen, Rathaus, Kellereischloss, Schabbesgärtchen und Hammelburger Friedhof geredet worden, so Mence. Über "Stolpersteine" mit den Namen der Betroffenen, die ins Pflaster eingelassen werden, als eine andere Form des Gedenkens habe der Arbeitskreis ebenfalls diskutiert.
Wichtigste Kriterien für die Wahl des Standorts seien die Nähe zu einer ehemaligen jüdischen Einrichtung gewesen und eine öffentliche Zugänglichkeit rund um die Uhr.
Diese Bedingungen erfülle der Seelhausplatz, auch sei es dort "ruhig und etwas verträumt". Ein gewichtiges Argument sei natürlich ebenso gewesen, dass dort, wo früher die Synagoge stand, seit vielen Jahren die jährlichen Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht stattfinden.
Was die Form des Gedenkens angeht, "wollten wir etwas finden, was zu uns und Hammelburg passt, zu der Altstadt mit ihren Höfen und Gärten und zu den Weinbergen. Etwas, das die Nähe zu Natur und Scholle ausdrückt", umschrieb Mence. Ein Findling mit einer Metalltafel erfülle diese Voraussetzungen, er sei "unprätentiös und zurückhaltend, und fest verankert im Boden". Aufgestellt werden solle er mitten auf dem Platz, damit er eine Alleinstellung erhalte und "in den Fokus von Besuchern und Passanten rückt."
Zudem empfiehlt der Arbeitskreis, eine Broschüre in Deutsch und Englisch zu erstellen, die nicht nur die Zeit des Holocausts beschreibt, sondern die gesamte Spanne des Zusammenlebens von Christen und Juden seit dem 13. Jahrhundert.
"Die Broschüren könnten in einem Metallbehälter vor Ort ausgelegt werden und Interessierten zusätzliche Informationen bieten", regte Michael Mence an. Doch das sei noch "Zukunftsmusik". Zunächst sollten die Gedenkstätten errichtet werden, außer in Hammelburg noch in Untererthal und Westheim, die eigene jüdische Gemeinden hatten.
"Nicht überfrachten". Stadträtin Annemarie Fell (BfU/Grüne) schlug vor, auf der Tafel den Ort des Todes mit einem Hinweis wie KZ zu ergänzen, für den Fall, dass in nachfolgenden Generationen das Wissen um Auschwitz oder Dachau schwinde. SPD-Fraktionssprecher Reinhard Schaupp entgegnete, Gedenktafeln sollten mit Informationen nicht überfrachtet werden. "So sind sie eher ein Anstoß zum Nachdenken. Wer sich wirklich interessiert, kann den Namen auch googeln", meinte Schaupp.
Bürgermeister Ernst Stross (SPD) begrüßte das Projekt und sagte die Unterstützung der Stadt zu. Der Bauhof könne sicher bei der Umsetzung helfen.
Bereits am Dienstag, 2. August, wird sich der Arbeitskreis das nächste Mal treffen, und zwar um 18 Uhr im Westheimer GeFiGa-Heim im Raum des Filmclubs. "Alle Ortsbürger und andere Interessierte sind hierzu willkommen und können sich bei der Gestaltung der Westheimer Gedenkstätte einbringen", unterstrich Mence."     
 
April/Mai 2013: Besuch ehemaliger jüdischer Hammelburger  
(Artikel erhalten von Petra Kaup-Clement)  
Hammelburg PA 29042013.jpg (319324 Byte)Artikel von Arkadius Guzy in der "Saale-Zeitung" vom 29. April 2013: "Zeitzeugen besuchen die Stadt. 
Geschichte.
Sie wurden in Hammelburg geboren, mussten dann aber fliehen: Alfred Stühler und Arnold Samuels gehören zu den letzten jüdischen Überlebenden der NS-Zeit...."   
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.  
 
Hammelburg PA 30042013.jpg (400298 Byte)Artikel von Gerd Schaar in der "Saale-Zeitung" vom 30. April 2013: "Zeitzeugen erzählen ihr Schicksal
Holocaust
. Geschichte zum Anfassen gab es in der Aula des Hammelburger Frobenius-Gymnasiums. Die 89- und 90-jährigen Arnold Samuels und Alfred Stühler berichteten von ihrer Vertreibung aus Hammelburg in ihrer Jugend und beantworteten Fragen der Schüler..."  
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.    
 
Dazu auch der Artikel in der "Main-Post" (Lokal-Ausgabe Rhön-Grabfeld) vom 9. Mai 2013: "Bad Königshofen. die Erinnerung wachhalten
Arnold Samuels war auf dem jüdischen Friedhof (sc. in Bad Königshofen) am Grab seiner Großeltern..."     
Link zum Artikel   -  auch eingestellt als pdf-Datei  .      
 
Juni 2013: Über die Genisa-Funde in der ehemaligen Synagoge  
Artikel von Wolfgang Dünnebier in der "Main-Post" vom 12. Juni 2013: "Im Versteck sicher vor den Nazis. 
Fund in der ehemaligen Synagoge: Das älteste erhaltene Blatt ist von 1715 zurück
 
Jahrzehnte schlummerten das angegraute Stoffbanner mit eingestickten hebräischen Zeichen und Schriften unter dem Dach der ehemaligen Hammelburger Synagoge. Selbst die Verwüstung des Gebäudes durch die Nazis haben die Gegenstände in dem Versteck überstanden.
Bis im Herbst 2012 Gebäudeeigentümer Achim Blum bei Dacharbeiten auf den zunächst geheimnisvoll anmutenden Fund stieß. Ihm war gleich bewusst, dass es sich dabei um etwas Heiliges handeln würde. Sorgsam verpackte er das Banner und die Papiere in eine Plastikkiste. 'Richtig gemacht', freut sich Martina Edelmann über den respektvollen Umgang mit den Dokumenten.
Gespannte Erwartung herrschte jetzt in der Blum'schen Wohnküche, als Achim Blum und seine Frau die im Laufe der Zeit teils sehr zerfledderten Stücke präsentierten. Martina Edelmann ist Leiterin des Veitshöchheimer Genisa-Projektes. Es kümmert sich bundesweit um solche Funde. An ihrer Seite Volkskundlerin Elisabeth Singer. 'Die Genisa-Expertin für den deutschen Raum', sagt Edelmann. Sorgsam breiten die beiden das Stoffbanner aus. 'Ein wunderschönes Exemplar', sagt die Projektleiterin. Durch die Entzifferung bereits weniger der eingestickten Buchstaben erkennt Volkskundlerin Elisabeth Singer die Bedeutung des Stoffstreifens. Es ist ein Beschneidungswimpel. Ihn bekamen Jungen mit den besten Segenswünschen zu dem herausragenden Ritual in ihrem Glaubensleben. Beim Buchstabieren erkennen die Forscherinnen sofort, wem die Segenswünsche galten: Abraham Ben Isaak wurde 1844 der rituellen Beschneidung unterzogen. Über seinen bürgerlichen Namen wird das Standesamt Auskunft geben.
Den Atem hält das Forscherinnen-Duo an, als sie ein fast zerfallenes Buch und bedruckte Blätter trennen. Staub liegt in der Luft. Bei dem, was noch heil ist, handelt sich um einen Briefumschlag von Simon Schuster und einen Zeitungsausschnitt von 1889. Bemerkenswert findet Martina Edelmann das Deckblatt zu Fragmenten eines Buch Esther. 'Solche Deckblätter sind selten'. Friedhofsgedichte bis zurück ins Jahr 1715 runden den Fund ab. 
'Überschaubar' bewerten die beiden Gutachterinnen die Ausbeute. Den Restaurationsaufwand werde man nach Rücksprache mit der Stadt und dem Denkmalamt in Grenzen halten. Sie bieten an, die Stücke mitzunehmen. Binnen eines Tages würden in Veitshöchheim dafür etwa zehn Inventarnummern erstellt. Wo die Stücke einen Platz bekommen, ist offen. Martina Edelmann empfiehlt Blums, sie als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Denkbar wäre eine Vitrine zur jüdischen Heimatgeschichte im Stadtmuseum. Oder eine befristete Sonderausstellung, erweitert um Stücke aus der Veitshöchheimer Sammlung. Rund zehn Genisa-Funde hat man in Veitshöchheim schon komplett ausgewertet. Weitere 60 harren der Untersuchung. Manches ist dort in der Ausstellung zu sehen. Andere mit Papieren unterschiedlichen Zustands lagern auf dem Dachboden in Veitshöchheim.
Es sei wichtig, die Dinge würdevoll zu behandeln, betont Martina Edelmann. Nach jüdischer Tradition dürften Texte, die sich auf Gott beziehen, nicht weggeworfen werden. Deshalb gab es auch in der Hammelburger Synagoge aus dem Jahr 1768 ein Lager mit solchen Texten. Wie viele die Zerstörung der Inneneinrichtung mit Äxten und Beilen durch die Nazis 1938 überstanden, ist offen. Als 1952 das Tonnendach beseitigt wurde, blieben die aktuell entdeckten Stücke wohl verborgen. 1990 begann Blum mit der Gestaltung seiner Wohnung. Jetzt widmete er sich Dach und Außenanlage. Hellhörig wurden die Frauen, als Blum berichtete, die zweite Dachhälfte sei noch nicht ausgeforscht. 
Weil sie aber leichter zugänglich ist, seien kaum Funde zu warten. Ein Wunsch der Genisa-Forscherinnen: Ähnliche Funde genauso vorbildlich melden. Falls möglich, zur Bergung auf die Expertinnen warten. Aus der Lage können bisweilen weitere Rückschlüsse gezogen werden."  
Link zum Artikel       
 
September 2013: Urenkelin des Viehhändlers Max Hamburger zu Besuch in Hammelburg    
Artikel von Arkadius Guzy in der "Saale-Zeitung" vom 19. September 2013: "Jüdische Nachfahrin zu Besuch..."  
Weiterer Artikel von Roland Pleier in der "Main-Post" vom 18. September 2013: "Urenkelin des jüdischen Viehhändlers Max Hamburger auf Spurensuche"    
 
November 2014: Gedenktafel am Seelbergplatz   
Artikel von Gerd Schaar in infranken.de vom 10. November 2014: "Gedenktafel für Hammelburger Juden
Am Seelhausplatz erinnert die Stadt nun namentlich an die jüdischen Bürger, die im Nationalsozialismus vertrieben, verschleppt und ermordet wurden.

Am neu gestalteten Seelhausplatz haben Hammelburger der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gedacht. Die entsetzlichen Ereignisse hätten auch vor Hammelburg nicht halt gemacht, sagte Bürgermeister Armin Warmuth. Er sprach vom 'immer währenden Wundmal deutscher Geschichte'. 'Die Vernichtung, das ist nicht so einfach. Es gab einen kleinen Schritt, und einen weiteren Schritt, und noch einen Schritt, Schritt, Schritt. Das ist Vernichtung.' Dieses Zitat von Claude Lanzmann steht auf der anlässlich des Jahrestags der Reichspogromnacht enthüllten Gedenkstele. Mit ihr erinnern Stadt und Bürgerschaft an die 'vertriebenen, verschleppten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger und all die namenlos Gebliebenen". Die 33 Namen auf der Tafel bezeugen ergreifende Schicksale: All diese Menschen starben in den Konzentrationslagern von Dachau, Theresienstadt, Auschwitz, Sobibor, Buchenwald und weiteren Orten.
Jüdisches Lied. Bei der Verlesung der Namen wurden Lichter, die zu einem großen Davidstern angeordnet wurden, angezündet. Etwa 100 Leute sangen ein jüdisches Lied mit. Eva-Maria Conrad, Harald Drescher und Andreas Strehler, allesamt Lehrer des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg, begleiteten die Gedenkstunde musikalisch.
Pastoralreferent Markus Waite sagte: 'Die christlichen Kirchen haben damals oft geschwiegen.' Der evangelische Pfarrer Robert Augustin zitierte das Alte Testament, in dem die babylonische Gefangenschaft der Israeliten und deren Liebe zu Jerusalem auftaucht. 'Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, kann uns Israel nicht gleichgültig sein', sagte er.
'Es ist eine Nacht, die in entsetzlicher Weise dokumentiert, wie sich Deutschland endgültig von allen moralischen und ethischen Grundsätzen abgewandt hat", erinnerte Warmuth an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Diese Nacht sei das Signal zum schlimmsten Völkermord gewesen. 'Die Menschlichkeit, die Achtung von Würde und Leben, der Respekt vor dem anderen Glauben und der anderen Kultur - all das galt ab dieser Nacht nicht mehr', so Warmuth.
Verwüstung der Synagoge. In Hammelburg seien noch am Morgen des 10. November 1938 die Türen jüdischer Bewohner eingetreten worden, berichtete Warmuth. Das Mobiliar sei umgeworfen, Kleidung und Bettzeug aufgeschlitzt und aus den Fenstern geworfen worden. 'In der ehemaligen Synagoge von Westheim wurde der Toraschrein aufgebrochen. Die Torarollen wurden herausgerissen und zusammen mit anderen jüdischen Kultgegenständen ins Feuer geworfen', sagte Warmuth.
Auch Untererthal blieb nicht verschont. 'Es waren nicht nur ein paar Glasscheiben in der Reichskristallnacht, die durch ideologisch Verblendete zu Bruch gingen', meinte Warmuth.
Der Seelhausplatz sei als würdige Erinnerungsstätte der Stadt Hammelburg neu gestaltet. Der Bürgermeister dankte dem Arbeitskreis "Letzte Spuren bewahren' für die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Stadtgeschichte.
Erste Belege für jüdische Hammelburger konnte Cornelia Mence aus dem Jahr 1287 ausfindig machen. Sie berichtete von Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert und dem anschließenden Judenschutz unter dem Kloster Fulda, der bis 1671 andauerte. Dann habe der damalige Fürstabt Joachim Graf von Gravenegg alle Juden aus dem Hochstift vertrieben. Die ehemalige Synagoge am Seelhausplatz sei schon für das Jahr 1570 nachweisbar. Als normale Staatsbürger seien die Juden nach der Säkularisation (1806) in ganz Bayern integriert worden. Diese Integration habe bis 1871 gedauert. 23 jüdische Männer seien Soldaten im ersten Weltkrieg gewesen, wovon drei auf dem Schlachtfeld starben. 'Die Dalbergstraße hieß bis in die 1930er Jahre noch Judengasse', erinnerte Mence." 
Link zum Artikel (mit Fotos)       

      
      
       

Links und Literatur  

Links:

Website der Stadt Hammelburg  
Website "Hammelburg-Album" mit Beitrag von Petra Kaup-Clement zur jüdischen Familie Heinrich Katz (Kirchgasse 3)
vgl. Artikel zur Familie Katz in der "Main-Post" vom 22. Oktober 2010 (als pdf-Datei eingestellt)     
Website  http://www.victims-of-holocaust-hammelburg.de/  
Seite des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg zur Ausstellung 2000 "Jüdisches Leben in Hammelburg"  
Zur Seite über den Friedhof in Hammelburg-Pfaffenhausen (interner Link)  
Übersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Hammelburg: pdf-Datei hier anklicken  
Die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus den Listen des Hauses der Bayerischen Geschichte  

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 335-336, III,1 S.510-511.
Heinrich Ullrich: Chronik der Stadt Hammelburg. 1956.  
Michael Trüger: Artikel zum jüdischen Friedhof Pfaffenhausen, in: Der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 13 Nr. 78 Dezember 1998 S. 18.
Israel Schwierz: Steinere Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988. S. 63.
Roland Flade: 50 Jahre danach. Die Stadt Hammelburg erinnert sich. Eine Dokumentation, hrsg. von der Stadt Hammelburg, 1995.
Volker Rieß: Sie gehören dazu... Erinnerungen an die jüdischen Schüler der Lateinschule und des Progymnasiums – verbunden mit einigen Aspekten zur Geschichte der Juden in der Stadt Hammelburg und ihren Stadtteilen (Frobenius-Gymnasium Hammelburg. Festschrift zum Schuljubiläum 1994), Hammelburg 1994, S. 83-102.
Ders.: Jüdisches Leben in und um Hammelburg. Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle 12. Oktober – 10. Dezember 2000, Hammelburg 2001.    
Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces / Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen. Schweinfurt 1992. 
dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt 1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the administrative district of Bad Kissingen focusing on the period 1800-1945.  Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den Autoren/obtainable from: E-Mail.    Info-Blatt zu dieser Publikation (pdf-Datei). 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 140-141. 

Hinweis auf eine Familienbiographie:    

Hammelburg Lit Isler 120.jpg (48046 Byte) Hammelburg Lit Isler 121.jpg (88962 Byte) Hammelburg Lit Isler 122.jpg (199551 Byte) Hammelburg Lit Isler 123.jpg (209145 Byte) Hammelburg Nussbaum 015.jpg (115485 Byte)
         
Charlotte Isler: Times Past, Times Present. A Brief History of The Nussbaum, Schweizer, Friedmann, and Isler Families. Erschien 2005.  
Der Vater der 1924 in Stuttgart geborenen Verfasserin des Buches war Manfred Nussbaum (siehe Foto oben; geb. 1883 in Hammelburg, verzog 1924 nach Stuttgart, war verheiratet mit Klara geb. Friedmann, geb. 1900 in Stuttgart; die Familie emigrierte im April 1939 über Le Havre nach New York). Aus diesem Buch rechts zwei Seiten über die Geschichte der Stadt Hammelburg, der dortigen jüdischen Gemeinde und der Familie Nussbaum.   
Die Eltern von Manfred Nussbaum - Adolf und Klara Nussbaum - hatten in Hammelburg in der Bahnhofstraße 3 (Karte rechts) eine Eisenwarenhandlung. Charlotte Isler schreibt:  "My father grew up in a large house near the Marktplatz (market square). His parents, Adolf and Klaire, owned a large hardware business (Eisenwarenhandlung) whose inventory includes appliances and equipment such as railroad tracks. My uncle Martell took over the business with his wife Lina after his parents´death. Manfred chose a different career. Interested in music from an early age on, he went to university and studied to become conductor of opera and orchestral music. He coached with various famous conductors. Once he completed his studies, he received contracts at symphony and opera houses in cities that includes Strassburg, Nürnberg, Essen and Zürich".  
Link: Artikel zur Buchvorstellung durch Petra Kaup-Clement am 26. Februar 2010 in Hammelburg.  
         

      
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hammelburg   Lower Franconia. The community was one of the oldest in Bavaria, with Jews continously present from at least the late 13th century. During disturbances in 1298, 1336 and 1349 they suffered from persecutions and in 1560 from the institution of residence and trade restrictions. A synagogue and cemetery were consecrated during this period. Further persecution was endured during the Thirty Years War (1618-48) and in 1671 the community was expelled for a few years, but it maintained its wealth and importance throughout. A new synagogue was built in 1770. The Jewish population reached a peak of 172 in 1890 (total 2,889). In 1933, 79 remained, engaged mainly in the cattle and cloth trade. Under Nazi rule, Jewish livelihoods were undermined by the economic boycott and in 1938 all Jews were forced to sell off their property at a fraction of its value while public prayer and the use of the Jewish cemetery were banned. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue and Jewish homes were vandalized. All the Jews but two in mixed marriages left Hammelburg in 1933-39; 31 of them emigrating (including 17 to the United States).  
     
      

                   
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Stand: 23. Dezember 2014