Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hammelburg (Kreis Bad Kissingen) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Beitrag von Lehrer Julius Straus (Westheim) zur jüdischen Geschichte im Saaletal (1926)   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

Hammelburg Machsor.jpg (21768 Byte)Mittelalter: In Hammelburg bestand eine der ältesten jüdischen Gemeinden in Unterfranken. Hier lebten Juden spätestens seit der Mitte des 13. Jahrhunderts. Erster Nachweis für eine jüdische Person aus Hammelburg ist ein Grabstein aus der Würzburger Pleich. Auf ihm wird der Tod einer jüdischen Frau aus Hammelburg betrauert, die am 27. Juli 1287 verstorben war. Die Hammelburger jüdische Gemeinde war von der Rindfleisch-Verfolgung 1298 und von weiteren Verfolgungen 1337 sowie bei der Pestzeit-Verfolgung 1349 betroffen. Ein 1347-48 geschriebenes Gebetbuch aus Hammelburg ("Hammelburger Machsor") befindet sich in der Landesbibliothek in Darmstadt (Foto links, Quelle des Fotos). 

Nach den Verfolgungen waren seit 1399 wieder Juden in der Stadt. 1451 wurden die Hammelburger Juden gefangen gehalten, bis sie sich für 1.000 Gulden freigekauft hatten. Die jüdischen Einwohner der Stadt standen (bereits seit 1310) unter dem Schutz des Fürstabt von Fulda. Nach der Ausweisung der Juden aus dem Bistum Würzburg 1453 konnten sich einige von ihnen in der "fuldischen" Grenzstadt Hammelburg niederlassen. 1496 werden in der Hammelburger Steuerliste die Juden Abraham, Isaac, Seligmann, Jakob und Jüdlein genannt. 1570 lebten etwa 100 jüdische Personen in der Stadt. 1576 praktizierte auch ein jüdischer Arzt ("Jordan Jud") in Hammelburg. 
  
An Einrichtungen bestanden spätestens seit 1570 eine Synagoge (s.u.), spätestens seit 1586 der jüdische Friedhof in Pfaffenhausen und spätestens seit 1604 eine Mikwe (rituelles Bad). 1645 waren 42 jüdische Familien in der Stadt, darunter viele, die auf Grund der kriegerischen Wirren aus umliegenden Dörfern in die Stadt geflohen waren. 1671 wurden durch den Fürstabt des Fuldaer Hochstiftes fast alle Juden ausgewiesen. Ehemalige Hammelburger Juden nahmen in anderen Städten führende Positionen ein (z.B. Isaak Brilin in Mannheim als Oberrabbiner der Kurpfalz; andere jüdische Familien zogen u.a. nach Aub). 
  
Neuzeitliche Gemeinde: Seit 1701 konnte wieder eine Gemeinde in der Stadt entstehen. In diesem Jahr lebten wieder zwei jüdische Familien in Hammelburg. Im Laufe des 18. Jahrhunderts stieg ihre Zahl langsam an: 1762 waren es zehn Familien; 1797 wurden 66 jüdische Einwohner gezählt. Um 1800 baute man - vermutlich am Standort der alten - eine neue Synagoge (s.u.).  Unweit der Synagoge lag an der Dalbergstraße die ehemalige jüdische Schule. Im Anschluss an die Synagoge gab es auch eine Mikwe (eine frühere Mikwe (um 1604 lag im Bereich des Niedertors). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Hammelburg auf insgesamt 20 Matrikelstellen (einschließlich Veränderungen bis 1825) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Mannes Katz (Isaias Samuel Leibnitz (lebt vom Handel und Rest seines Vermögens), Beretz Feibel Heitzfelder (lebt von seinem Vernögen), Mannes Nussbaum (Schneidwarenhandel), Hohna David Baumann (Makler), Raphael David Baumann (Schlachten), Lippmann Jonas Schlesinger (Jahrtuche [= Garküche?]), Aron Moses Stühler (Schlachten), Hirsch Abraham Hirsch (Viehhandel), Sußmann Isack Meier (lebt von Interessen [von Zinsen]), Levi Isack Stiefel (Viehhandel), Abraham Isack Stiefel (Schlachten), Bonum Lippmann Schlesinger (Kram-, Schneid- und Spezereihandel), Bonum Katz (Kram-, Schneid- und Spezereihandel), David Meier (Kram-, Schneid- und Spezereihandel), Raphael Meier (Warenhandel), Jonas Bonm Schlesinger (Warenhandel), Joseph Benjamin Preiß (Judenvorsinger), Feibel Abraham Hamberger (Schmuser), Israel Nußbaum (Schneider, seit 1825).     
 
Die Blütezeit der jüdischen Gemeinde war zwischen etwa 1830 und den 1920er-Jahren. Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1837 145 jüdische Einwohner (5,5 % von insgesamt 2.630), 1867 129 (4,7 % von 2.766), 1880 160 (5,3 % von 3.013), 1890 172 (6,0 % von 2.889), 1895 165, 1900 149 (5,2 % von 2.872), 1910 117 (4,0 % von 2.911). Jüdischen Familien gehörten zahlreiche für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wichtige Handelsgeschäfte und Gewerbebetriebe.  
 
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Bad Kissingen
 
Im Ersten Weltkrieg kämpften 23 Männer aus der jüdischen Gemeinde an den Fronten. Von ihnen sind gefallen: Heinrich Oppenheimer (gef. 15.7.1890 in Hammelburg, gef. 5.10.1915), Unteroffizier Berthold Baumann (geb. 20.10.1880 in Höllrich, gef. 12.4.1916) und Ludwig Straus (Strauß, geb. 19.4.1894 in Hammelburg, gef. 23.9.1916). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf der rechten Seite des Rathauses auf dem Marktplatz in ca. 2 m Höhe (unter einer Skulptur des St. Georg). Weiter ist gefallen: Hugo Ullmann (geb. 30.1.1894 in Hammelburg, vor 1914 in Fürth wohnhaft, gef. 20.3.1916).  

Um 1924, als 112 jüdische Einwohner gezählt wurden (3,73 % von etwa 3.000), waren die Vorsteher der Gemeinde August Stühler, Nathan Stern, Siegfried Schuster, Max Hamburger, Adolf Stühler, Martell Nußbaum und Arnold Stühler. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war Moses Rosenberger angestellt. Er erteilte damals sieben Kindern den Religionsunterricht. Auch in umliegenden kleineren Gemeinden hat er den Unterricht erteilt (z.B. in Völkersleier). Zu Wohlfahrtszwecken gab es die "Vereinigten Stiftungen für Ortsarme". 1932 wird als Lehrer Karl Adler genannt.

1933 lebten noch 79 jüdische Personen in der Stadt. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung, der Repressalien und den Auswirkungen der wirtschaftlichen Boykotts verließen in den folgenden Jahren die meisten von ihnen die Stadt oder wanderten aus. Am 9. November 1938 lebten noch 15 jüdische Personen in der Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge vollständig zerstört (s.u.).    
  
Von den in Hammelburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Betty Adler (1904), Bruno Adler (1906), Pauline Adler (geb. ?), Fanny Baumann geb. Sichel (1887), Franziska Baumann (1913), Hermann Capell (1923), Hilde Flörsheim geb. Hamburger (1891), Selma Flörsheim geb. Stiefel (1887), Abraham Frank (1861), Betti Frank (1896), Fränze (Franziska) Frank geb. Opoenheimer (1897), Mali Frank geb. Strauss (1871), Siegfried Frank (1892), Klara Hamburger geb. Katz (1884), Max Hamburger (1881), Klara Kallmann geb. Nussbaum (1873), Auguste Katz geb. Bergen (1877), Dora Katz (1902), Feodora Katz (1902), Manfred Leven (1893), Otto Mayer (1868), Hermann Nussbaum (1891), Adolf Oppenheimer (1878), Rosa Rosskopf geb. Stiefel (1898), Rosa Rotschild geb. Nussbaum (1874), Ella Steinkritzer geb. Strauss (1897), Klaus Steinkritzer (1929), Margot Steinkritzer (1926), Rosa Stern geb. Sichel (1878), Benjamin (Benno) Strauss (1937), Gustav Strauss (1892), Hanna (Hannchen) Strauss-Spier geb. Katz (1896), Julius Strauss (1875), Nestor Straus (1880), Dr. Albert Stühler (1884), Moritz Stühler (geb. ?), Minni (Wilhelmine) Süskind geb. Stern (1886), Erna Ullmann (1896).  
   
    
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Zur jüdischen Geschichte im Saaletal  
Beitrag von Lehrer Julius Straus in Westheim: "Streifzüge durch das fränkische Saaletal" in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung vom 10. September 1925 und vom 3. Dezember 1925:

Hammelburg BayrGZ 10091925.jpg (177086 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 10. September 1925: "Streifzüge durch das fränkische Saaletal. Eine kulturhistorische Plauderei von Julius Straus, Volksschullehrer in Westheim. 
Die neue Saaletal-Bahn nach Bad Kissingen erschließt eine reizende Gegend dem allgemeinen Verkehr. Man kommt vorüber an bescheidenen Dörfchen, alten Stadtmauern und Trümmern, durch herrliche Wälder, üppige Wiesen und gesegnete Ackerfluren. Von den letzten Höhenzügen der Rhön, die der fränkischen Saale gar oft den Weg streitig machen, grüßen Schlösser, Burgen und Burgruinen. Da türmt sich hoch auf der Sodenberg, ehemals ein Vulkan, der aber längst erloschen ist. Dafür duftet in seinem Walde der Waldmeister. Wie einst im Mai, wo der junge Ritter Götz von Berlichingen bei seinen Verwandten auf der Sodenburg weilte. Vom stolzen Schloss Saaleck aus überschauten einst die Fuldaer Fürstäbte ihr kleines Reich. Mühselig arbeiteten unten die kleinen Bauern, kletterten die Winzer die sonnenbeschienenen Hänge ihrer Weinberge empor. Mühselig geduckt schleppte auf der Landstraße der fuldaische Schutzjude sein Warenbündel ins nächste Dorf. Sein faltenreiches Gesicht zeigt bekümmerte Gedanken. Warum auch nicht? Hatten doch vor wenigen Wochen erst wieder, im Januar 1582, die Räte der Städte Hammelburg, Brückenau, Fulda und Geisa den Fürstabt ‚um Abschaffung der Juden oft untertänig und hochflehentlich’ gebeten. Hatten die Dränger dieses Mal Erfolg, wo der Fürst im Roten Schloss zu Hammelburg weilte und sie ihr Gesuch erneut vorbringen wollten? … Wehmütig tönt in solchen Zeiten der Kümmernis das Flehen aus der alten dumpfen Synagoge: Schaumer Jisroel (hebräisch für Hüter Israel)! Hüter Israels, behüte den Rest von Israel, lass nicht untergehen Israel, das da rufet: Schma Jisroel!... Der Traum zerrinnt. Die Fürstäbte von Fulda ruhen in ihrer Gruft. In manchem Hammelburger Gebäude ist noch ihr Wappen. Wir gehen in die Judengasse, sie lässt nur noch ahnen, so das Villenviertel der Vorfahren gestanden. Der Zug führt uns weiter und bald grüßt die Ruine Trimberg. Wie ein stummer Beschützer blickt sie hinab auf das kleine Dörfchen Trimberg, das sich am Hand hinaufzieht. Anspruchslose Häuschen, eingebettet im sommerlichen Grün der Sträucher und Blumen; ihr Schatten schwebt im silberglänzenden Wasser der vorüberziehenden Saale. Ein Bild für Maler. Vor unseren Augen aber träumt langsam ein längst entschwundenes Bild herauf; aus dem frühen Mittelalter, damals als Walter von der Vogelweide seine unsterblichen Lieder sang. Ein strahlender Sommermorgen. Blauer Himmel, Sonnenschein. Der Wiesengrund ein Blumengarten. Das Dorf wie ausgestorben. Sonntag ist’s. Langsam stapft der Dorfwächter durch die hügelige Gasse und wenn er zuweilen, bedächtig umherschauend, stehen bleibt, und den wuchtigen Spieß auf den Boden aufstößt, dann schrecken genäschige Stare von den Johannisbeeren auf, springt ein Kettenhund mit heiserem Bellen aus seiner Hütte. Auf der Wiese spielen jüdische Kinder, schwarzlockige und blonde. Die Buben haben ein neues Spiel gelernt. Sie werfen 
Hammelburg BayrGZ 10091925a.jpg (384350 Byte)flache Steine dicht übers Wasser hin. Wie Schwälbchen tauchen die Steinchen ein wenig ein, kommen wieder heraus, auf ab, auf ab, so machen sie tänzelnd immer kleinere Schritte, um endlich leise glucksend zu versinken. Ein schöner blonder Knabe hat keine Augen für das Spiel. Er hat die Hände unter den Kopf geschoben, so liegt er im Grase und träumt. Ein leiser Wind trägt von irgendwo Glockenklang herüber. Ein Kuckuck ruft, Schwarzamseln flöten, und eine Lerche jubelt hoch über der Trimburg. Dort hinauf fliegen die Träume des jungen Süßkind. Gestern war er wieder oben gewesen mit dem Vater, der weit und breit alle heilsamen Kräutlein kannte und aus ihnen oft dem alten Grafen einen Tee bereiten musste. Und weil davon seit Tagen die quälenden Schmerzen nachgelassen haben, war der alte Burgherr so gnädiger Laune wie schon lange nicht. Verschwunden war das scheußliche Reißen in den Gliedern. Er konnte wieder zu Pferde steigen und ins Jagdrevier. Ein fahrender Sänger war auch soeben angekommen. Hell auf leuchteten dem Knaben die Augen, als der Graf ihm auf die Schulter klopfte und meint: ‚Süßkind, du darfst hier bleiben und zuhören; ich weiß ja, dass du dies gerne tust. Und…    ‚Süßkind dichtet wieder,’ schreien die Kinder. ‚Wollt ihr euch heimscheren, ihr Schreihälse’, drohte der Wächter mit dem hochgehaltenen Spieß und wie der Wind ist die Kinderschar zerstoben… Der kleine Träumer Süßkind wurde ein Dichter. Hier in seiner Heimat Trimberg war um das Jahr 1200 eine kleine jüdische Gemeinde, von der keinerlei Erinnerung mehr vorhanden ist. Der Dichter hat ihren Namen unsterblich gemacht. Rühmend wird er in der Burgchronik genannt, er, der in schönstem Deutsch spricht zu einer Zeit, wo die Judenschaft abgeschlossen von der Umwelt lebte und entweder die hebräische Sprache oder ein Gemisch von Jüdisch-Deutsch redete.   Dass der Nachtrag zur Heidelberger Handschrift (Universität Heidelberg) die Lieder eines einzigen jüdische Minnesängers aufbewahrt, nämlich Süßkinds, zeigt immerhin eine Wertschätzung, wie man sie sonst in jener Zeit der Kreuzzüge für Juden nicht hegte. War es doch in jenen schlimmen Tagen, wo man die Juden verfolgte, verachtete und ihnen oft nur die Wahl ließ zwischen Abfall vom Glauben oder Tod. Für den Juden Süßkind war es kein geringes Wagnis, in der Kleidung des höfischen Sängers von Burg zu Burg zu wandern und seine neuen Lieder zu singen. Denn wo andere, mochte ihr Sang auch zuweilen seicht und gedankenlos sein, beim Burgherrn williges Ohr, offene Hand und gastfreies Hand fanden, da musste der jüdische Minnesänger nicht selten statt dessen Hohn, Spott und Abweisung erdulden, sodass er tief entmutigt zuletzt gesungen haben mag: ‚
Ich habe zwar mit meiner Kunst 
Geworben um der Herren Gunst  
Die Herren doch wollen mir nichts geben. 
So will ich ihren Hof denn fliehn  
Von nun an als alter Jude leben   
Und also vorwärts weiter ziehn.  
Mir wachsen lassen einen Bart   
Lang niederwallend, greisbehaart   
Will einen langen Mantel tragen   
Den hohen Hut tief in den Kragen   
Demütig sei von nun mein Gang   
Nur karg ertöne Hochgesang,   
Weil mich die Herren vom Hofe jagen!
  
(Anmerkung: Die Übertragung ins Hochdeutsche ist entnommen aus Müllers ‚Jüdische Geschichte in Charakterbildern).   So sah er denn ein, dass die Anpassung oder Assimilation wie wir es heute nennen, ihm nicht hilft, dass der Juden nur dann sich behaupten kann, wenn er sein Judentum aufrecht bewahrt. – Seiner Zeit weit voraus eilte der Dichter, wenn er in seinem Liede von der Gedankenfreiheit singt:  Gedanken, niemand kann verwehren, nicht Toren und nicht den Weisen,  
Drum sind auch Gedanken frei auf allerhand Sachen,  
Herz und Sinn, die sind gegeben allen Menschen zum Behagen  
Gedanken schlüpfen durch jeden Stein, durch Stahl und durch Eisen.
    
Kannte Walther von der Vogelweide seinen jüdischen Zeitgenossen? Wir wissen es nicht genau. Jedenfalls lebten beide fast zu gleich Zeit, im gleichen Ort Würzburg, und auch ihr Tod liegt nicht allzu weit voneinander. Süßkind starb als Arzt in Würzburg. Sein Grab ist verschollen, genau wie das alte Judenviertel und der alte Judenfriedhof; an deren Stelle heute Juliusspital und Marienkapelle am Würzburger Grünen Markt stehen.  Nicht erinnert mehr in Trimberg an des Dichters Geburtshaus und an die jüdische Gemeinde. Vermutlich ereilte sie im Jahre 1298 das Schicksal. Jenesmal kam in fränkischen Landen die schauerliche Mär auf, Juden hätten eine Hostie zerstoßen und Blut sei aus ihr geflossen. Der aufgepeitschte Religionshass gab dem Ritter Rindfleisch willkommene Gelegenheit, mit verhetzten Pöbelhaufen über die wehrlosen Juden herzufallen. Die Friedhöfe füllten sich mit Tausenden von Ermordeten. Die fränkischen Gemeinden gingen fast alle unter.
Neue Gemeinden bildeten sich im Saaletal. So in Westheim, wo neben dem heute noch vorhandenen Freihofe der Grafen von Erthal ein Judenhof erstand mit kleinen armseligen Häuschen, die oft vom Hochwasser bedroht waren. Dann waren die Juden auch ohne die eiserne Sperrkette am Eingang des Judenhofes von der Außenwelt abgeschnitten. Eine starke Mauer bildete den Abschluss gegen den Saalefluss, der unmittelbar daran vorüberfließt. Durch diese führen ein Durchbruch und einige Steinstufen an das Wasser. Hier herrschte vor Pessach ein reges Treiben, ein Putzen und Bürsten, Waschen und Scheuern. Und wie in alter Zeit verrichtete die Gemeinde noch heute am Rosch-Haschonoh das Taschlichgebet an dieser Treppe.
Im Laufe des 18. Jahrhundert wurde der Judenhof zu eng. Wohlhabende Familien errichteten sich in der Judengasse behäbige Häuser in fränkischem Stil. Oft führen hohe Treppen hinauf; ihr festungsartiges Aussehen lässt fast den Gedanken aufkommen, wie wenn sie als Verteidigungswerke gedacht waren. Stolz schmückte der eine und andere sein Haus mit hebräischen Inschriften. So prangt noch jetzt über einem steinernen Hauseingang der Wunsch: Masel Tov d.h. Viel Glück und Segen! Und an der Hausecke des gleichen Gebäudes ist die Jahreszahl, die das Baujahr 1760 verrät, sichtbar. Unverwüstlich. Als dieses Haus vor einigen Jahren in christliche Hände überging, hatten die Kinder des neuen Besitzers nichts Eiligeres zu tun, als den Glückwunsch und die hebräische Jahreszahl mit Mörtel zu überschmieren. Der Mörtel ist längst wieder abgefallen, die Inschrift wieder zum Vorschrein gekommen. Seitdem der Besitzer darauf aufmerksam gemacht wurde, dass dieser Glückwunsch, wenn er auch hebräisch ist, auch für ihn gilt, lässt er ihn – nicht mehr überschmieren. Unter dem Protektorate der Erthaler Freiherren wurde 1769 in Westheim eine neue Synagoge errichtet, deren heilige Lade ein Schmuckkästchen ist.
Hammelburg BayrGZ 10091925b.jpg (412522 Byte)Im Verlaufe des 30jäührigen Krieges verließen die meisten Juden von Westheim, Untererthal usw. ihre Dörfchen, um sich in die kleinen Städte zu begeben, wo sie doch etwas mehr Schutz fanden. So vergrößerte sich die ursprünglich kleine Gemeinde Hammelburg zusehends. Sie bestand jedoch bereits seit 1400, sodass sie auf ein fünfhundertjähriges Bestehen zurückblicken kann. Im Juni 1399 gestattet der Fürstabt Johann von Fulda den Familien Abraham, Kophelin und Vivelmann (Feibelmann), sich je nach Belieben im Stiftslande oder in den Städten Fulda, Vacha und Homburg niederzulassen. Sie durften Geld auf Zinsen verleihen und zwar konnten sie von Fuldaer Staatsangehörigen für jeden Gulden die Woche 4 Pfennig verlangen (gleich zwei Groschen), von ‚Ausländern’ aber mehr. Grundbesitz und Handwerk war ihnen verboten. Hatte man sie nun so von Staatswegen zu Handel und Geldgeschäft herangezüchtet und zum Wucher genötigt, so blieb der Hass der Schuldner nicht aus. Wiederholt (z.B. 1570, 1582 und 1615) und nachdrücklich forderten die Räte der Städte Hammelburg, Brückeneu und Geisa die ‚Abschaffung der Juden’. Endlich im Jahre 1671waren die fortdauernden Wühlereien von Erfolg gekrönt, Fürstabt Bernhard Gustav verordnete die Ausweisung sämtlicher Juden aus Dorf und Stadt binnen dreier Monate. Ein Ziegelbrenner in Untererthal, der anscheinend durch die Austreibung seiner Schulden ledig wurde, fand dieses Ereignis so erfreulich, dass er in eine Ziegel einbrannte: ‚Diese Ziegel ist gemacht in diesem Jahr,  Das der Juden ihr Auszug war. 1671.’ (Anmerkung: Die Angaben über Untererthal entnahm ich dem lesenswerten Buch von Ullrich: Untererthal, Eine kulturhistorische Studie).  Da die Judenschaft Westheims auch auswandern musste, erscheint zweifelhaft. Vielleicht kam ihr der Umstand zustatten, dass mitten durch dieses Dörfchen die Grenze zog zwischen den beiden ‚Großmächten’ Fulda und Würzburg. Die ganze blühende Gemeinde Hammelburg jedoch wurde von der Austreibung betroffen; ebenso die Untererthaler Judenschaft. Mühselig geduckt schleppten nun die heimatlos gewordenen fuldaischen Schutzjuden ihre tragbaren Habseligkeiten fort. Die Glücklicheren unter den Unglücklichen bargen Hab und Gut in alten gebrechlichen Wagen, die mit einem Zelttuch überspannt waren und langsam die Straße dahin krochen, weil eben das magere Pferdchen nicht schneller konnte. Manches Schimpfwort, mancher Steinwurf aus dem Hinterhalt ließ Kinder und Greise unter dem Zeltbahn erschreckt aufschreien. Die meisten Christen indes hatten sich den menschlichen Sinn bewahrt und wollten von Rohheiten nichts wissen. Juden und Christen hatten im Allgemeinen ganz gut miteinander gelebt, wenn auch manches Missverständnis auf beiden Seiten noch herrschte. Doch das Volk hatte damals – nichts zu sagen. Und so zerstreute sich denn die Hammelburger Judengemeinde nach allen Gegenden. Am Kreuzweg aber, bevor die einen ins Würzburger Land, die andern ins Mainzer und Pfälzer Land sich wandten, entstieg einem kleinen Wagen der ehrwürdige Rabbiner Isak Brilin. Viele Jahre hatte er in Hammelburg segensreich gewirkt und nun war seine Gemeinde vernichtet. Es galt zu scheiden von den lieb gewonnenen Freunden. Herzzerreißend war der Abschied vom Rabbi, der allen ein Vater gewesen war… Rabbi Isak, der ein Sohn des Fuldaer Rabbiners Meschullam Elieser Sußmann Brilin war, schlug den Weg ins Rheintal ein. Dorf in Worms oder Mannheim, wo er schon früher gewirkt, wollte er sich eine neue Heimat suchen. Überall erzählte man ihm, dass der edle Pfälzer Kurfürst Karl Ludwig allen seinen Untertanen, Christen und Juden, ein gütiger Landesvater war. Das war der gleiche Fürst, der auch den berühmt gewordenen holländischen Philosophen, den Juden Baruch Spinoza zu sich berufen wollte. Spinoza aber lehnte die angebotene Stelle als Professor an der Heidelberger Universität ab. Der hochgesinnte Kurfürst erkannte bald die Weisheit und Weltklugheit des Hammelburger Rabbiners, er ließ in darum oft an seinen Hof kommen und fand solchen Gefallen an ihm, dass Brilin von da ab in höchster Gunst stand. Die Mannheimer Gemeinde hatte nicht zu bereuen, dass sie ihn zu ihrem Rabbiner wählte. Doch schon 1678 stirbt er. Einige Wochen vor ihm war sein Freund, Rabbi Elchanan bar Chaim, dahingeschieden, der ebenfalls aus Hammelburg vertrieben, im gastlichen Mannheim Unterkommen gefunden hatte. Das dortige Memorbuch sagt von ihm, dass er die Tora in Israel vermehrt und viele Schüler aufgestellt habe.
Nicht lange konnte man im Fuldaer Land die Steuerquelle der Schutzjuden entbehren. Auch in der judenreinen Zeit waren die Verhältnisse der Bevölkerung nicht besser geworden. Schon 1678 ließ man wieder Juden herein. Paradiesisch ging es ihnen auch jetzt nicht. Das mussten die Untererthaler Juden erfahren, die sich mit Genehmigung des Freiherrn von Erthal eine ‚Judenschul aus Holz’ gebaut hatten (1737). Der Fürstabt von Fulda war es nicht ganz zufrieden und es kam zu Unterhandlungen. Bevor diese zu Ende waren, machte der Oberamtmann von Hammelburg kurzen Prozess. Er schickte seine Heeresmacht, einen Hauptmann und zwanzig Gemeine der Landpolizei ab, die in den Burgplatz eingefallen und sotanes Bäulein gewaltsamer Weis auf den Grund niedergerissen haben.’ Die Untererthaler mussten wieder in einer engen Stube ‚Synagoge halten’.  Die Französische Revolution führte die Armee des Generals Jourdan ins Saaletal. Zahlreiche Quartierzettel und Verzeichnisse geben noch heute davon Kunde, welche Lasten, Beschwernisse und Lieferungen Christen und Juden in dem unruhevollen Jahre 1796 zu tragen hatten. Aber auch von den darauf folgenden Jahren existieren noch zahlreiche Quartierzettel. War die eine Truppe fordert, so forderte eine frisch eingetroffene Abteilung wieder neue Leistungen. Noch viele Jahre nach dem Paris Frieden musste der ‚Vorgänger’ (Vorstand) für die Westheimer Judenschaft prozessieren, damit diese die vielen hundert Gulden Quartierlasten wieder aus der französischen Kriegsentschädigung bekam. (Reparationen möchte man es fast nennen.)
Als General Jourdan, bei Würzburg besiegt, sich zurückziehen musste, wälzten sich die geschlagenen Scharen wiederum durch das Saaletal. Allenthalben fielen die erbitterten Bauern über kleine französische Scharen her. So auch die Untererthaler Bauern, die einen französischen Major in der Thulba ertränkten. Das hatten sie bitter zu bereuen. Kaum erfuhr Jourdan, der mit dem Hauptheer nahte, von dem Überfall, so befahl der den Angriff. Zahlreiche Bauern fanden im nutzlosen Kampf den Tod und nun sollte auch das Dorf noch niedergebrannt werden. Ein Untererthaler Jude ging dem General Jourdan entgegen und bat um Schonung für den Ort. Umsonst. Bald prasselten an allen Ecken und Enden die Flammen empor. Auch die Stammburg der Grafen fiel in Schutt und Asche. Der letzte Erthaler, der kinderlose Kurmainzer Kammerherr Franz Lothar vermachte den öden Burgplatz unentgeltlich an die Judengemeinde. Für 450 Gulden wollte er auf dem Platz eine Synagoge errichten. Das geschah denn auch. Unter einem Torbogen hindurch gelangt man noch heute in dieses Gebäude.  
Hammelburg BayrGZ 031219125.jpg (355188 Byte)Aber auch in der folgenden Zeit waren die Juden nicht auf Rosen gebettet. Das zeigt eine Eingabe des Westheimer Juden Jakob Feist, die im Jahre 1813 an das großherzogliche Landgericht Euerdorf (bei Kissingen) gerichtet ist und worin es wörtlich heißt: ‚Mit weinente Augen muss ich mayne Beschwärden gegen den Landgerichtsdiener unterthänigst anbringen, dass ich viele Klagtäg bey dem Herrn Landrichter nicht vorkommen kann durch Rumhalt des Dieners. Wen es Amtsbefehl ist, so bitt ich den Amtsvater es mir zu sagen, damit ich nicht viele Täg und Stunden vor der Thür zu stehn brauche. Wo ich die Höflichkeit und Menschheit bey mir selbst habe, dass ich das Landgericht nicht überlässig habe (belästigt!) wann die Not nit trängt, wenn ich würklich beim Herrn Aktuar eine Auspfändung auswürke, so hat selber nit viel Respekt dafür und werde nicht vollzogen…’ Hier sieht man, wie selbst ein Gerichtsdiener förmlich Schindluder treibt mit rechtsuchenden Juden. Nach endlosem Besitzwechsel wurde 1816 dieses fränkische Ländchen bayerisch. Damals befragte man auch die Westheimer Judenschaft, ob sie königlich bayerisch oder kaiserlich (österreichisch) gesonnen sei? Dieser Volksentscheid fiel zugunsten Bayerns aus. Nur Isak Katz, ein Metzger, erklärte sich vorsichtig ‚neiterall’ (d.h. parteilos). Dem Seligmann Arig war es ‚gleichgiltig’ – woraus die Hakenkreuzler den Beweis für die vaterlandslosen Juden ableiten können – und Löb Arje zeigt sich in dem interessanten Schriftstück als Philosoph, denn er ‚will waren wie Er mös’, (d.h. er will das werden, was er werden muss). Um jene Zeit ordnete die Regierung an, dass auch die Juden sich bürgerliche Namen beilegen und es lohnt sich schon einmal in den Listen nachzuforschen, wie sich die Juden nun benennen. In der Hauptsache schöpfte man bei dieser staatlichen Holekrasch aus dem Gebiet der Geographie und so verwandeln sich die Benfet Aron, Jakob Feist usw. in Hanauer, Berliner, Oppenheimer, Frankfurter, Regensburger, Holländer, Fulder, Schneeberger u.a.m. Die Kohanim behielten ihren alten Namen Kohn, Kahn, oder Ka-z bei, was soviel wie Kohen Zedak = Frommer Priester bedeutet. Weil es aber in der Gemeinde viele ‚Ka Zen’ gab, tauschte ein Familienzweig dafür den Namen Adler ein. Neben den Goldschmidt, Stern, Klingenstein, gab es einen Manufakturwaren-Händler, der sich – Mussliner benannte! In der weltabgeschiedenen Gemeinde Dittlofsroda und Völkersleier zog man mehr die Naturkunde zu Rate und hieß sich: Bergmann, Grünlaub, Nussbaum, Straus, Hoffmann, Stern, Adler usw.   Alle die entschwundenen Generationen eint heute der uralte Friedhof zu Pfaffenhausen. Wer von Hammelburg nach Kissingen fährt, sieht ihn drüben am Bergeshang liegen. Vor vielen Jahrhunderten machten die Freiherren von Erthal ein gutes Geschäft, als sie den öden Platz an die Judenschaft verkauften. Zahlreiche Gemeinden bis weit in die Rhön nach Brückenau und bis ins Maintal nach Gemünden waren gezwungen, ihre Toten hierher zu bestatten.
An der Friedhofsmauer liegen zwei Gräber, an die sich eine schauerliche, aber wahre Geschichte knüpft. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte in Dittlofsroda ein frommer angesehener Jude – er betrieb ein kleines Ladengeschäft und war öfters nicht zuhause. Ein verschuldeter, habgieriger Müller machte sich dies zunutze. Er überfiel die noch ziemlich junge Frau, ermordete sie und raffte zusammen, was er finden konnte. In diesem Augenblick naht, nichts ahnend, mit einem frischen Kuchen unter dem Arm, vom Backofen her das jüdische Dienstmädchen. Voller Grausen erblickt es die tote Herrin und den Müller, der noch im Gelde wühlt. Entsetzen lähmt das Mädchen und ehe es schreien oder flüchten konnte, hatte der Mörder auch die unerwartete Zuschauerin zum Schweigen gebracht. Dann entweicht er. Doch bald erreicht ihn sein Schicksal. Zu Hammelburg auf dem weiten Marktplatz wurde er an den Pranger gestellt und dann enthauptet. Seiner Mühle haftete von da der Fluch an, sie zerfiel und längst ist kein Stein mehr von ihr zu finden (Anmerkung: Nach einer Mitteilung, die ich Herrn Hauptlehrer Hofmann in Rothenburg o.d.T. verdanke, habe der Mörder seine Tat im Zuchthaus Bayreuth abgebüßt, sei also nicht enthauptet worden.".
Unter den bayerischen Königen wurde die Lage der Juden langsam besser. Man versuchte auch, sie zu Ackerbau und Handwerk heranzubilden, was aber nicht so schnell gelingen konnte. Eine Zwangskultur durch viele Jahrhunderte lässt sich nicht so schnell ungeschehen machen.  Doch nach und nach fanden die Juden des Saaletals auch wieder Gefallen am Ackerbau und so starb voriges Jahr, 86 Jahre alt, ein Westheimer Jude, der mit Leib und Seele die Ackerscholle geliebt hatte. Er wusste gar lustige Geschichten zu erzählen aus jenen Zeiten und Versuchen der Regierung. Da war ein Jude, der sollte vor seiner Verheiratung eine Prüfung im Ackerbau ablegen. Er sollte ein Feld pflügen. Feist – so wollen wir ihn nennen – hatte aber noch nie einen Pflug in Händen gehabt. Er merkte also auch nicht, dass Spottvögel ihm die Pflugschar umgekehrt angeschraubt hatten. Ahnte auch nicht das verstohlene Lächeln in den Augen der ‚hohen Prüfungskommission’. Mit Hü und Hott begann der Angriff aufs Feld, das sich indes sehr widerspenstig zeigte. Feist probierte und mühte sich ab, knallte wütend mit der Peitsche auf seine unschuldigen Kühe; der Angstschweiß lief ihm herab und er würde sich noch stundenlang umsonst abgequält haben, wenn nicht die gnädige Kommission ihn erlöst hätte und bescheinigt -, dass er seine Prüfung – bestanden!  Heute sind diese Zeiten längst überwunden, zahlreiche Familien leben vom Ackerbau und haben es nicht zu bereuen, dass sie Bauern geworden sind. Zu Unrecht rümpft mancher städtische Jude über diese einfachen Landjuden die Nase, weil sie nicht gleich ihm in sorgfältiger Kleidung durch die Welt gehen oder sausen. Vorläufig gilt noch das uralte Wort von Rabbi Jose: ‚Wie schön ist doch die Arbeit, sie macht einen warm, wenn man mit ihr geht!’".
  
Pfaffenhausen Israelit 02071925.jpg (13346 Byte)Anmerkung: Der Beitrag von Lehrer Julius Straus erschien vor der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" bereits in der Zeitschrift "Der Israelit", der Schlussabschnitt in der Ausgabe vom 2. Juli 1925.   

 

Zur Geschichte der jüdischen Schule und der Lehrer  

Jüdischer Lehrer von 1875 bis 1906 war Jakob Geßner, der großes Ansehen in der jüdischen Gemeinde und in der Stadt genoss. Dass er in Hammelburg Lehrer war, wurde auch lange nach seiner dortigen Zeit hervorgehoben: 
 
Meldung zum 80. Geburtstag von Jakob Geßner (1928)

Hammelburg BayrGZ 15081928.jpg (19315 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1928: "Unser Vereinsmitglied, Kantor Krämer in Ansbach feierte vor kurzem den 70., Lehrer a.D. J. Geßner in Rostock, früher in Hammelburg, den 80. Geburtstag. Den beiden Jubilaren auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche!"

  
Nachruf auf Jakob Geßner anlässlich seines Todes (1937)

Hammelburg BayrGZ 15021937.jpg (118809 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1937: "Jakob Geßner. Kaum 24 Stunden nach dem Ableben unseres Kollegen Jakob Nussbaum wurde uns ein weiteres liebes und treues Mitglied, der im 89. Lebensjahre stehende Lehrer i.R. Jakob Geßner, durch den Tod entrissen. Der Heimgegangene, am 18. Juli 1848 in Steinach a.d. Saale geboren, war Schüler der Präparandenschule Höchberg und der Lehrerbildungsanstalt Würzburg, die er 1867 absolvierte. In Würzburg legte er auch die Anstellungsprüfung für den Volksschuldienst ab. Seine erste Anstellung fand er in Völkersleier, wo er von 1867-1875 tätig war; er wirkte dann in Hammelburg und trat nach 31jähriger überaus segensreicher Tätigkeit in dieser Gemeinde, geehrt und geachtet in allen Kreisen der Bevölkerung, in den Ruhestand über, den er bei seinen ihn liebevoll betreuenden Kindern in Gustrow und später in Rostock verbrachte. Der Entschlafene zählte zu den Männern, die im Herbste 1879 dem Weckruf zur Gründung eines jüdischen Lehrervereins zunächst für Unterfranken, der sich wenige Jahre später auf ganz Bayern erstreckt, gefolgt waren und sich in Erkenntnis der Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Lehrerschaft dem Verein als Mitglied anschlossen. Mit warmfühlendem Herzen und in edler sozialer Gesinnung förderte er die Ziele des jungen Vereins und in einem der ersten Jahresberichte werden seine erfolgreichen und anerkennenswerten Bemühungen um die Vereinseinrichtungen dankend hervorgehoben. Durch das Vertrauen der Kollegen wurde er 1889 zum ersten Male und dann wiederholt als Ersatzmann gewählt, um alsdann in die Verwaltung, der er von 1894-96 als Beisitzer angehörte, einzutreten. Anlässlich des 50jährigen Vereinsjubiläums wurde er mit acht weiteren Gründungsmitgliedern zum Ehrenmitgliede des Vereins ernannt. Mit dem Dahingeschiedenen ist ein gütiger Mensch, ein edler und vornehmer Charakter, ein Mann von vorbildlicher Treue dahingegangen; ihm wird in unseren Reihen ein stetes und ehrendes Andenken bewahrt bleiben. Secher zadik livrocho (das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen)."

Die Nachfolge Geßners gestaltete sehr schwierig, da die Gemeinde offenbar auf Grund der zurückgegangenen Gemeindegliederzahlen bei der Gehaltsberechnung der jüdischen Lehrer Einsparungen vornehmen wollte. Auch andere Gründe mag es gegeben haben, da die nachfolgenden Lehrer (Freudenberger aus Geroda 1906/07, Gundersheimer aus Zeitlofs 1907/08) jeweils nur wenige Monate in Hammelburg geblieben sind. 

Hammelburg Israelit 08101908b.jpg (188745 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: "Sprechsaal. Die Zeiten ändern sich. Aus Unterfranken. Man wird sich wohl noch erinnern, dass vor zwei Jahren eine Notiz durch die Blätter ging, die israelitische Kultusgemeinde Hammelburg habe unter 18 eingelaufenen Bewerbungen um die dortige israelitische Religionslehrerstelle keinen geeigneten Lehrer finden können, d.h. man wollte den einen oder anderer Lehrer nicht – oder es waren fast alle nicht gut genug. Herr Lehrer Geßner dankte damals ab und zog sich ins Privatleben zurück (Gustrow in Mecklenburg), obwohl er keine Pension erhielt (auf israelitischen Religionslehrerstellen gibt es nämlich eine Pensionsberechtigung nicht) und obwohl er erst Ende der Fünfziger war und bei seiner guten Gesundheit noch lange hätte Dienst tun können. Von einem Dank der Gemeinde Herrn Geßner gegenüber hat man nichts gehört, obwohl er sich um die Gemeinde Hammelburg verdient gemacht hatte. 
Bei der Wahl des Nachfolgers für Herrn Geßner setzte man sich noch aufs hohe Ross. Schließlich wurde die Stelle Herrn Freudenberger in Geroda übertragen. Doch der ‚Glückliche’ legte sein Amt in Hammelburg schon nach 11 Monaten nieder. Der schöne Posten war wieder frei. In Hammelburg tat man’s jetzt billiger. Herr Gundersheimer in Zeitlofs erhielt gute Worte, sodass er die Stelle in Hammelburg nach längerem Zögern annahm. Aber kaum 7 Monate dort, dankte er auch ab. 
Wie geht es nun? Man gibt es noch billiger. Von der Vorstandschaft der israelitischen Gemeinde in Hammelburg werden Briefe ausgesandt. So wurde bei einem Lehrer in der Gegend von Würzburg angefragt, ob er seine Bewerbung von früheren Jahren noch aufrechterhalte. Auch in die Aschaffenburger Gegend kam ein solcher Werbebrief an einen Lehrer. Dazu sei noch bemerkt, dass die Hammelburger israelitische Kultusgemeinde sich das Recht vorbehält, nach drei Jahren zu kündigen, sodass der betreffende Lehrer, falls er dort ‚nicht gefällt’, mit Kind und Kegel abziehen kann. - 

Nachschrift der Redaktion. Wir geben vorstehender Zuschrift unverkürzt Raum, müssen aber die Verantwortung für die Einzelheiten der darin enthaltenen Angaben dem Einsender überlassen. Mit tiefem Bedauern nehmen wir Kenntnis davon, dass es gerade bayerische Gemeinden sind, die in den letzten Jahren in recht unliebsamer Weise von sich reden machen. Es ist ein Zeichen von bedauerlicher Rückständigkeit, wenn leistungsfähige Gemeinde, anstatt bei Vakanzen durch angemessene Erhöhung des Lehrergehalts den veränderten Zeitverhältnissen Rechnung zu tragen und sich eine gut qualifizierte Lehrkraft zu sichern, durch eine kärgliche und knauserige Bemessung desselben alle ernsthaften Bewerber abschrecken und sich dann durch drakonische Bestimmungen gegen das zu schützen suchen, was man einen Reinfall nennt. Häufiger Lehrerwechsel wirkt äußerst nachteilig auf die heranwachsende Jugend und fördert den Verfall der religiösen Institution; er wird aber hervorgerufen durch schlechte Bezahlung und unwürdige Behandlung des Lehrers. Der Einwand, der vorige Lehrer habe unter den gleichen Verhältnissen so und so lange ausgehalten, ist hinfällig: die Zeiten haben sich eben geändert."
 
Folgende Ausschreibungstexte aus den Jahren 1907/08 liegen noch vor. Auf die Ausschreibung vom November 1907 wird sich Lehrer Gundersheim aus Zeitlofs beworben haben; die Ausschreibung 1908 war nach seiner nur siebenmonatigen Tätigkeit in Hammelburg notwendig geworden:  
 
Hammelburg Israelit 28111907.jpg (40903 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1907: "Wegen Berufung unseres Lehrers nach Halle ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schochet mit einem Mindest-Gesamteinkommen von 1800 Mark sofort zu besetzen. Bewerbungen an den Unterzeichneten. Hammelburg, 24. November 1907. B. Stühler."
  
Hammelburg Israelit 08101908.jpg (39478 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: "Die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schochet ist sofort zu besetzen. Mindest Gesamteinkommen 1800-2000 Mark. – Verheiratete Bewerber bevorzugt. Hammelburg, den 4. Oktober 1908. Die Kultus-Verwaltung. B. Stühler."

     
Beitrag von Lehrer Hermann Mahlermann in Hammelburg über den 19. Psalm (1935)  

Hammelburg Israelit 17041935.jpg (542549 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1935: "Der 19. Psalm - als Lehrdarstellung für die Oberstufe methodisch bearbeitet von Hermann Mahlermann in Hammelburg".  
Da der Beitrag keine Bezüge zur jüdischen Geschichte in Hammelburg enthält, wird er nicht ausgeschrieben - bei Interesse bitte anklicken.  


   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben     

Die jüdische Gemeinde Hammelburg engagiert sich an vorderer Stelle (1874)  

Hammelburg AZJ 14071874.jpg (82864 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1874: "München, 27. Juni (1874). Die israelitischen Kultusgemeinden in Hammelburg, Kissingen und Unsleben, sowie weitere 70 Kultusgemeinden in Unterfranken und Aschaffenburg haben an die Kammer der Abgeordneten die Bitte gestellt, dieselbe wolle beantragen, dass die Königliche Staatsregierung die Aufhebung der noch in Bayern bestehenden Abgaben der Juden an christliche Pfarrer, Lehrer und Messner ausspreche. Diese ‚Judengelder’ hätten, wie es in der Motivierung der Petition heißt, nur in sehr seltenen Fällen ein privatrechtliches Verhältnis zu Grundlage und wurzelten meist in der früheren Stellung der Juden in öffentlich rechtlicher Beziehung. Es könne deshalb den Juden nicht verargt werden, wenn sie bestrebt seien, von diesen Abgaben, von denen die Gesetze (§ 104 des Religionsedikts, Art. 5 des Gemeinde-Umlagengesetzes von 1819 und Art. 6 des Ablösungsgesetzes von 1848) sie befreien, auch tatsächlich befreit zu werden."

     
Befreiung der jüdischen Reservisten vom Dienst an den Hohen Feiertagen (1907)   

Hammelburg Israelit 29081907.jpg (53434 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1907: "Bad Kissingen, 27. August. Auf das Gesuch des hiesigen Distriktsrabbiners an das General-Kommando Würzburg um Befreiung der Reservisten an den kommenden israelitischen Feiertagen erfolgt nachstehende Antwort: ‚Im Verfolge Ihres an das Königliche General-Kommando gerichteten Schreibens vom 1.2 dieses Monats Nr. 276 wurde angeordnet, dass die vom 7. bis 20. September nach dem Truppen-Übungsplatz Hammelburg einberufenen israelitischen Mannschaften des Beurlaubtenstandes soweit vom Dienste zu befreien sind, dass sie am 9., 10. und 18. September in Hammelburg ihren religiösen Verpflichtungen nachkommen können."

  

    
Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Philippine Hamburger (1920)  

Hammelburg Israelit 05081920.jpg (84157 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1920: "Würzburg, 28. Juli (1920). Am 27. Juli hauchte Frau Philippine, Gattin der Herrn Abraham Hamburger in Hammelburg, nach kurzem Krankenlager ihre edle Seele aus. Wer die Verblichene gekannt, der versteht den tiefen Schmerz, den ihr Hintritt ausgelöst. Sie verkörperte des Dichters Wort: ‚Die Sprache der Liebe ruhte auf ihren Lippen’. An den Strahlen ihrer Herzensgüte wärmten sich so viele ohne Unterschied des Bekenntnisses. Wer sich in bedrängter Lage je an sie gewendet, der konnte ihrer Hilfe sicher sein. Ihr Wohl tun war reichlich, war unbegrenzt und wenn die Recht gab, die Linke durfte es nicht wissen. Und wie wurde in ihrem Hause die Gastfreundschaft gepflegt. Wer je hungernd ihre Schwelle betrat, der verließ sie hoch befriedigt. Ihr liebenswürdiges Wesen gewann ihr alle Herzen; die Trauer um sie berührt daher weite Kreise. Möge sie nun im Reiche der Liebe, wo sie nun weilt, Fürsprecher für ihre teure Familie sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

    
Zum Tod von Josef Berk (1935)  

Hammelburg BayrGZ 15021935.jpg (16078 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1935: "Hammelburg, 5. Februar. Nach vollendetem 82. Lebensjahre starb eines der ältesten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Josef Berk. Am Grabe würdigte Lehrer Mahlermann die Persönlichkeit des Heimgegangenen."

  
In der NS-Zeit - "Schutzhaft" gegen Siegfried Stern und Metzger Zoll - Anfang 1935

Hammelburg Israelit 31011935.jpg (28535 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1935: "Würzburg. Wie der 'Völkische Beobachter' meldet, wurde in Hammelburg (Bayern) ein Gastwirt und Metzger in Schutzhaft genommen, der eines Vergehens der Beihilfe zur jüdischen Schächtung überführt worden sein soll."
  
Hammelburg Israelit 14021935.jpg (51187 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1935: "Nürnberg. Das Amtgericht in Hammelburg verurteilte, wie die 'Völkische Tageszeitung' in Nürnberg meldet, Siegfried Stern und seinen Gehilfen, den Metzger Zoll von Westheim, wegen Vergehens gegen das Schächtgesetz zu je zwei Monaten Gefängnis, Zoll außerdem noch zu 1.000 RM Geldstrafe. Die beiden Angeklagten waren, wie der 'Völkische Beobachter' am 23. Januar gemeldet hatte, in Schutzhaft genommen worden."

 

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe (1871-1901)  

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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1892: "Suche per sofort für meinen Sohn, welcher 3 Jahre in meinem Manufakturwaren-Geschäfte tätig war, Stelle als Volontär. Gefällige Offerten an Js. Schuster & Cie., Hammelburg (Bayern)." Rechts oben: Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1894: "Ich suche für mein gemischtes Waren-Geschäft nebst Baumaterialienhandlung 1 Lehrling mit guten Schulkenntnissen und schöner Handschrift. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen, sofortigen Eintritt. S. Schuster, Hammelburg."

 

Hammelburg Israelit 12071871.jpg (23659 Byte) Hammelburg Israelit 09121889.jpg (18663 Byte) Hammelburg Israelit 14111892.jpg (43008 Byte)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1871: "Für mein Tuch- und Modewaren-Geschäft en gros et en détail, das am Samstag und an Feiertagen streng geschlossen ist, suche ich einen Lehrling aus achtbarer Familie mit guten Schulkenntnissen, mit oder ohne Lehrgeld. Emanuel Stern in Hammelburg". Rechts oben: Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1892: "Lehrlingsgesuch! Für mein Manufakturwaren-, Herren- und Damen-Konfektions-Geschäft (Samstag und Feiertage geschlossen), suche zum sofortigen Eintritt einen Lehrling mit den nötigen Vorkenntnissen. Kost und Logis im Hause. Samuel Stern, Hammelburg (Bayern).
     
Hammelburg Israelit 19021891.jpg (30342 Byte) Hammelburg Israelit 24041890.jpg (28657 Byte)  Hammelburg Israelit 24101901.jpg (33266 Byte) 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1891: "Für mein Tuch-, Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft (Samstags und israelitische Feiertage streng geschlossen) suche einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen. Heinrich Katz in Hammelburg." Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1890: "Für mein Konfektions- und Manufakturwaren-Geschäft suche zum sofortigen Eintritt einen Lehrling mit den nötigen Schulkenntnissen. Bernhard Strauß, Hammelburg, Bayern."   Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1901: "In meinem Manufakturwarengeschäft, Engros und Detail ist eine Lehrlingsstelle unter günstigen Bedingungen sofort zu besetzen. Emanuel Stern, Hammelburg, Bayern."  

           
Heiratsanzeige von Adolf Meyer und Melanie geb. Nussbaum (1903)  

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Juli 1903: 
"Adolf Meyer - Melanie Meyer geb. Nussbaum. 
Vermählte.  Hammelburg (Bayern)."

    
  
 Weitere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe    
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 

Postkarte von Adolf Nussbaum aus Hammelburg 1888 Hammelburg Dok 1011.jpg (93778 Byte) Hammelburg Dok 1012.jpg (136813 Byte)
  Am 31. August 1888 von Adolf Nussbaum aus Hammelburg an die Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt verschickte Postkarte
     
Postkarte von Simon Oppenheimer aus Hammelburg 1887 Hammelburg Dok 1013.jpg (75727 Byte) Hammelburg Dok 1014.jpg (106260 Byte)
  Am 1. April 1887 von Simon Oppenheimer aus Hammelburg an die Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt verschickte Postkarte

   
       

Zur Geschichte der Synagoge  

Eine Synagoge bestand bereits im Mittelalter, die erste Nennung liegt jedoch erst aus dem Jahr 1570. Damals berichtete der "Rat der Stadt Hammelburg" an den Landesherrn, dass 100 Juden in der Stadt leben und diese auch eine Synagoge besitzen würden, die nach der Judenordnung von 1560 eigentlich gar nicht bestehen dürfte.  
 
Um 1800 baute die Gemeinde - vermutlich am Standort einer Vorgängergebäudes - eine neue Synagoge (s.u.).  Unweit der Synagoge lag an der Dalbergstraße die ehemalige jüdische Schule. Im Anschluss an die Synagoge gab es auch eine Mikwe (eine frühere Mikwe (um 1604 lag im Bereich des Niedertors). 
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge vollständig zerstört. Das Gebäude blieb erhalten.  
   
Hinweis des Webmasters: Weiteres zur Geschichte der Synagoge ist noch zu ergänzen. 
   
      
Lage der ehemaligen Synagoge: Obere Stadtmauer 35 

Link zum Stadtplan Hammelburg des Städteverlages - als Suchbegriff im Straßenverzeichnis "Obere Stadtmauer" eingeben

  
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, über Zusendungen oder Hinweise freut sich der  
Webmaster von Alemannia Judaica: Adresse siehe Eingangsseite 


Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.8.2003) 

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Das Gebäude der ehemaligen Synagoge Blick von Osten - der Toraschrein befand sich zwischen den Fenstern im Erdgeschoss
   
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Gedenkstätte Inschrift zum Gedenken an die ehemalige Synagoge
   
Gedenken an der Synagoge beim "Ersten Ökumenischen Jugendkreuzweg aller Hammelburger Schulen" am 11.4.2003
(Quelle: hier anklicken
Hammelburg Synagoge 070.jpg (44793 Byte) Hammelburg Synagoge 071.jpg (70752 Byte)
Schülerinnen und Schüler des Frobenius-Gymnasiums mit Texten und Bildern zu den Themen "Rassismus, Ausgrenzung und Krieg"

       

Spurensuche: Stadtrundgang auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Hammelburg
am 12. Mai 2006

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Einführung am Marktplatz durch Karl-Heinz Maul und Wolfgang Hose Vor der ehemaligen Synagoge Erinnerungen an die Geschichte der Synagoge und ihre Schändung
     
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Die Fassade/Ruine der ehemaligen jüdischen Schule an der Dalbergstraße; im Hintergrund das Synagogengebäude Ehemaliges jüdisches Wohnhaus (Max Stühler, "Essig-Stühler", Dalbergstr. 49) Ehemaliges jüdisches Wohnhaus am Viehmarkt: Metzger Simon Adler
     
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Erläuterungen am Marktplatz Ehemaliges jüdisches Schulgeschäft Stühler am Marktplatz Der "Samuel-Sichel-Platz" erinnert an das auf diesem Platz früher befindliche Firma von Samuel Sichel
     
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Ausstellung im Rathaus "BlickWechsel: Christen und Juden - Juden und Christen" sowie Tafeln zur jüdischen Geschichte in Unterfranken und Hammelburg    
     
     
Fotos von 2009
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum: 26.4.2009)
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Gefallenendenkmal am Rathaus der Stadt mit den Namen von Heinrich Oppenheimer, Berthold Baumann und Ludwig Straus; auf Vergrößerung rechts ist der Name von Heinrich Oppenheimer erkennbar. Samuel-Sichel-Platz
  
     
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Verschiedene Ansichten des ehemaligen Synagogengebäudes mit dem kleinen Fenster über dem ehemaligen Toraschrein
       
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  Gedenkinschrift  Ruine der jüdischen Schule (rechts); links im Hintergrund die ehemalige Synagoge

  

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Hammelburg
Website www.swin.de mit Informationen 
Seite des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg zur Ausstellung 2000 "Jüdisches Leben in Hammelburg"
Seite zum "Ersten Ökumenischen Jugendkreuzweg aller Hammelburger Schulen"
Zur Seite über den Friedhof in Hammelburg-Pfaffenhausen (interner Link)
Übersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Hammelburg: pdf-Datei hier anklicken
Die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus den Listen des Hauses der Bayerischen Geschichte  

Literatur:

Germania Judaica II,2 S. 335-336, III,1 S.510-511.
Michael Trüger: Artikel zum jüdischen Friedhof Pfaffenhausen, in: Der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 13 Nr. 78 Dezember 1998 S. 18.
Israel Schwierz: Steinere Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988. S. 63.
Roland Flade: 50 Jahre danach. Die Stadt Hammelburg erinnert sich. Eine Dokumentation, hrsg. von der Stadt Hammelburg, 1995.
Volker Rieß: Sie gehören dazu... Erinnerungen an die jüdischen Schüler der Lateinschule und des Progymnasiums – verbunden mit einigen Aspekten zur Geschichte der Juden in der Stadt Hammelburg und ihren Stadtteilen (Frobenius-Gymnasium Hammelburg. Festschrift zum Schuljubiläum 1994), Hammelburg 1994, S. 83-102.
Ders.: Jüdisches Leben in und um Hammelburg. Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle 12. Oktober – 10. Dezember 2000, Hammelburg 2001.    
Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces / Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen. Schweinfurt 1992. 
dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt 1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the abministrative district of Bad Kissingen focusing on the period 1800-1945.  Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792. Zu beziehen bei den Autoren/obtainable from: E-Mail.    Info-Blatt zu dieser Publikation (pdf-Datei). 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 140-141.   
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hammelburg   Lower Franconia. The community was one of the oldest in Bavaria, with Jews continously present from at least the late 13th century. During disturbances in 1298, 1336 and 1349 they suffered from persecutions and in 1560 from the institution of residence and trade restrictions. A synagogue and cemetery were consecrated during this period. Further persecution was endured during the Thirty Years War (1618-48) and in 1671 the community was expelled for a few years, but it maintained its wealth and importance throughout. A new synagogue was built in 1770. The Jewish population reached a peak of 172 in 1890 (total 2,889). In 1933, 79 remained, engaged mainly in the cattle and cloth trade. Under Nazi rule, Jewish livelihoods were undermined by the economic boycott and in 1938 all Jews were forced to sell off their property at a fraction of its value while public prayer and the use of the Jewish cemetery were banned. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue and Jewish homes were vandalized. All the Jews but two in mixed marriages left Hammelburg in 1933-39; 31 of them emigrating (including 17 to the United States).
 

                   
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Stand: 14. Februar 2010