Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Unsleben (VG Heustreu, Landkreis Rhön-Grabfeld) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter sowie der Schule      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Sonstiges    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In Unsleben bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1545 in einer Steuerveranlagung Juden genannt (ohne Namensnennung). Eine weitere Nennung liegt aus dem Jahr 1571 Juden vor. 1621/22 wird Jud Beritz von Unsleben von den Markgrafen von Ansbach in Mainstockheim aufgenommen. 1690 werden zwei Juden namentlich genannt, die durch den Schlossherrn von Speßardt aufgenommen worden waren.   
 
Seit Ende des 17. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner stetig zu: Mitte des 18. Jahrhunderts (1749) waren 26 jüdische Familien am Ort. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816 202 jüdische Einwohner (24,9 % von insgesamt 812 Einwohnern), 1837 225 (in etwa 40 Familien; 24,2 % von 930), 1867 218 (23,7 % von 919), 1871 202 (22,6 % von 895), 1880 146 (16,6 % von 878), 1890 115 (14,4 % von 796), 1900 144 (16,2 % von 886), 1910 138 (15,4 % von 893). 1833 werden als Berufe der jüdischen Haushaltsvorstände genannt: ein Großhandelskaufmann, 14 Gewerbetreibende, drei Bauern, 24 Hausierer.   
    
Bereits in den 1830er-Jahren wanderten zahlreiche jüdische Einwohner aus Unsleben aus (beziehungsweise waren durch das immer noch geltende Matrikelgesetz von 1813 und die weiter bestehenden Einschränkungen dazu gezwungen), eine Gruppe von ihnen gründete im Ende 1839 die jüdische Gemeinde in Cleveland/USA
Hierzu liest man in den Annalen der Jewish Community Federation of Cleveland
The history of Jewish life in Cleveland began, not in Cleveland, but in the small town of Unsleben, Bavaria, on May 5, 1839. On that day, a group of 19 emigrants led by Moses Alsbacher departed for America, seeking escape from political unrest and economic and personal discrimination. They chose Cleveland as their final destination because a fellow townsman, Simson Thorman, had two years earlier made this thriving village on Lake Erie the base for his fur trading business. Arriving in late 1839, they found their first homes in the Terminal Tower-Central Market area. A Torah scroll was among the belongings of this group of settlers, and soon after they arrived, they formed the Israelitic Society for worship. By 1850, the society had split permanently into two congregations, Anshe Chesed, today Fairmount Temple, and Tifereth Israel, now The Temple. Over the next 20 years, both congregations gradually adopted the Reform mode of worship under the leadership of Rabbi Isadore Kalisch, Cleveland's first rabbi.
(Foto: Simson and Regina Klein Thorman were two of the earliest Jewish settlers in Cleveland. Simson, a fur trapper from Unsleben, Bavaria settled in Cleveland in 1837; Regina joined him in 1839, Quelle).           
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Mit Rabbiner Naftali Hirsch Adler (Vater von Rabbiner Lazarus Adler s.u.) hatte Unsleben von vor 1810 bis nach 1840 einen Rabbiner (Dajan) am Ort. Die jüdische Gemeinde in Unsleben gehörte zum Bezirksrabbinat Kissingen. Es gab verschiedene Vereine, die das Gemeindeleben prägten: Moses- und Mathilde Gärtner'sche Ausstattungsstiftung (gegr. 1929), Ortsgruppe der Jüdischen Nationalfonds Keren Kajemet le Jisrael, Zionistische Vereinigung. 
  
Im Ersten Weltkrieg sind drei jüdische Männer aus Unsleben gefallen: Siegfried J. Frank (geb. in Willmars, gef. 14.11.1916), Adolf Engel (geb. 31.5.1897 in Unsleben, gef. 15.8.1917) und Sgt. Karl Oberbrunner (geb. 13.3.1878 in Trappstadt, gef. 20.1.1918). Ihre Namen stehen auf der Gedenkstätte für die Gefallenen der Krieg zwischen der Ortskirche und dem Friedhof in Unsleben. Außerdem ist gefallen: Alfred Kuhl (geb. 1.3.1896 in Unsleben, vor 1914 in Schopfloch wohnhaft, gef. 1.7.1916). 
    
Um 1924 bildeten den Synagogenvorstand die Herren Bernhard Lustig, Max Mittel und Theo Mittel. Als Kultusbeamter war Wolf Samuel angestellt. In der Israelitischen Elementarschule unterrichtete Hauptlehrer Maier Blumenthal die damals noch zehn schulpflichtigen jüdischen Kinder (auch im Schuljahr 1931/32 wurden noch zehn Kinder unterrichtet). Der letzte jüdische Lehrer war (erst nach 1936) Max Rosenbaum. 1932 war Vorsitzender der Gemeinde Josef Mittel (auch noch 1936, siehe Ausschreibung unten). Die Repräsentanz hatte als Vorsitzende Sallo Krämer und Ludwig Naumann. 
  
1933 lebten noch 119 jüdische Personen am Ort (von insgesamt 995, d.h. 12,5 %). Ihre Zahl ging zunächst nur langsam zurück; im Mai 1937 waren es noch 102 Personen, danach setzte jedoch ein rapider Auflösungsprozess der Gemeinde ein, insbesondere aufgrund der antisemitischen Ausschreitungen Ende September 1938 in der Nachbarstadt Mellrichstadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurden zwölf jüdische Männer verhaftet und in das Bezirksgefängnis nach Bad Neustadt gebracht. Von den 17 Ende 1939 noch in Unsleben wohnenden Juden wurden zehn im April 1942 nach Izbica bei Lublin deportiert, weitere fünf im Juni nach Theresienstadt (davon starb eine Person auf dem Transport). 
   
Von den in Unsleben geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Karoline Altmann (1858), Fanny Bach geb. Reiss (1870), Moses Bach (1863), Emil Brandus (1898), Nanny (Nanni) Brandus (1872), Regina Brandus geb. Grünstein (1873), Klara Donnerstag (1862), Max Donnerstag (1893), Helene Ehrlich geb. Mittel (1901), Sofie Grünbaum geb. Bach (1865), Siegfried Gutmann (1896), Moses Gärtner (1876), Ida Haymann geb. Grüner (1894), Arthur Kälbermann (1898), Manfred Kälbermann (1932), Rita Kälbermann geb. Bach (1897), Paula Kleeblatt geb. Mittel (1898), Karoline (Lina) Klein geb. Kuhl (1878), Babette Kuhl geb. Rosenthal (1861), Frieda Kuhl geb. Klein (1892), Herbert Kuhl (1906), Hermann Kuhl (1933), Klara (Claire) Kuhl (1922), Leo Kuhl (1924), Richard Kuhl (1891), Siegfried Kuhl (1898), Julius Lamm (1886), Leopold Lamm (1881), Philippine Lamm (1874), Louise Leopold (1870), Bernhard Lustig (1862), Armand (Arnold) Mittel (1895), Julius Mittel (1894), Klara Mittel (1880), Simon Sigmund Mittel (1864), Johanna Nussbaum geb. Gutmann (1869), Selma Oppenheimer geb. Lamm (1888), Anna Reis geb. Rose (1865), Jakob Rosenbaum (1883), Max Rosenbaum (1878), Sali Selma Rosenbaum geb. Adler (1885), Gertrud Rothschild geb. Oberbrunner (1907), Else Simons geb. Liebenthal (1899), Rosa Strauss geb. Seliger (1874), Sofie Taub geb. Bein (1857), Rosa Theimer geb. Rosenbaum (1880), Berta Walther geb. Liebenthal (1866), Fanny Wachenheimer geb. Gärtner (1874), Berta Walther geb. Liebenthal (1866), Martha Wantuch geb. Kuhl (1888).    
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter sowie der Schule     
Neubau des Schulhauses in Unsleben (1838)  

Unsleben AZJ 07081838.jpg (36738 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. August 1838: "Zu Unsleben hat in diesen Tagen der Bau eines neuen Schulhauses für die israelitische Gemeinde begonnen. Die königliche Regierung hat 200 Gulden aus der Kreis-Schuldotationskasse dazu angewiesen, allein die Ausgabe ist für die Gemeinde noch groß genug, um zu wünschen, dass Menschenfreunde einige Unterstützungen zufließen lassen."  

  
Ausschreibung der Stelle eines Hilfsvorbeters (1900)   

Unsleben Israelit 20081900.jpg (46118 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1900: 
"Die Kultusgemeinde Unsleben, Kreis Unterfranken, sucht für kommenden Rosch Haschana und Jom Kippur einen 
Hilfsvorbeter

der an diesen Feiertagen die Schacharit-Gebete verrichten soll. Offerten mit Gehaltsansprüchen sind baldigst einzureichen an Kultusvorstand 
Herrmann Liebenthal."

     
Aus der Zeit des Lehrers Maier Blumenthal 
Anmerkung: Maier (Meier) Blumenthal ist am 26. März 1876 als Sohn des Lehrers Lazarus Blumenthal in Laudenbach am Main geboren. Er ließ sich an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg zum Lehrer ausbilden (Examen 1895) und war ab 1906 Religions-/Volksschullehrer in Unsleben (zuvor vermutlich in Poppenlauer). Er war verheiratet mit Selma geb. Lehmann (geb. 1880 in Wenkheim). Ende 1935 verzog er nach Würzburg. Mit seiner Frau emigrierte er im Dezember 1939 in die USA (New York), wo er am 18. Oktober 1945 starb. 

Beförderung des Lehrers Maier Blumenthal (1920)
Unsleben Israelit 09091920.jpg (21110 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September (1920): "Unsleben, 12. August. Der Israelitische Volksschullehrer M. Blumenthal wurde von der Regierung zum Hauptlehrer befördert und mit Wirkung vom 1. April 1920 ab in die VIII. Gehaltsgruppe eingereiht".  
   
Ernennung von Lehrer Blumenthal zum Oberlehrer (Mai 1931)
Unsleben Israelit 21051931.jpg (9309 Byte) Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1931: "Unsleben, 11. Mai (1931). Hauptlehrer Blumenthal wurde ab 1. Mai zum Oberlehrer ernannt."
     
Unsleben BayrGZ 15051931.jpg (12908 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1931: Personalia. Kollege Blumenthal in Unsleben wurde ab 1. Mai zum Oberlehrer ernannt. Roberg (Höchberg) wurde mit der Verwesung von Thüngen betraut."
    
25jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Blumenthal (Dezember 1931)  
Unsleben BayrGZ 01121931.jpg (11012 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1931: "Personalia. Am 1. Dezember feiert Oberlehrer Blumenthal (Unsleben) sein 25jähriges Ortsjubiläum."
   
Auszeichnung für Lehrer Blumenthal (Dezember 1931)   
Unsleben BayrGZ 15121931.jpg (22795 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1931: "Anlässlich seines 25jährigen Ortsjubiläums wurde Kollege Blumenthal (Unsleben) von Gemeinde und Verband sehr geehrt und vom Rabbinat mit dem Chower-Titel ausgezeichnet. Die gleiche Auszeichnung erhielt unser Kollege Hammelburger (Ichenhausen) anlässlich seines 50. Geburtstages." 

   
Hauptlehrer Max Rosenbaum kommt nach Unsleben (1936)  

Thuengen Bayr GZ 15011936.jpg (12750 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1936: "Hauptlehrer Max Rosenbaum in Thüngen ist ab 1. Februar zum Leiter des Israelitischen Volksschule in Unsleben ernannt worden."  

   
Todesanzeigen für Lehrer Maier Blumenthal (1945 in New York)   

Unsleben Aufbau 02111945.jpg (29955 Byte)Anzeige in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Der Aufbau" vom 2. November 1945: 
"Unser verehrter Oberlehrer und Kantor, 
Herr Maier Blumenthal 
ist am 18. Oktober 1945 nach langer Krankheit verschieden. 
In 28jähriger, unermüdlicher Tätigkeit hat er sich die Hochachtung und Liebe seiner Gemeinde erworben. 
Sein Werk wird weiter leben, verbunden mit unserem immer währenden Dank. 
Die Angehörigen der früheren Kultusgemeinde Unsleben in New York."    
 
Unsleben Aufbau 02111945a.jpg (26604 Byte)Anzeige in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Der Aufbau" vom 2. November 1945: 
"Am 18. Oktober 1945 verschied im 69. Lebensjahr nach kurzer Krankheit mein unvergesslicher, herzensguter Mann, unser lieber, guter Vater, Schwiegervater und Grossvater 
Maier Blumenthal, Oberlehrer a.D. 
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen  
Selma Blumenthal geb. Lehmann  
Larry Blumenthal und Frau Ruth geb. Suss  
Felix Blumenthal und Frau Alice geb. Hirsch  
Armin Blumenthal und 3 Enkelkinder  

907 Nostrand Ave.  Brooklyn, N.Y."   

  
   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Allgemeiner Bericht aus der jüdischen Gemeinde (1837)  
Anmerkung: Der Bericht wurde erstellt von Dr. Lazarus Adler (geb. 10. November 1810 in Unsleben, gest. 5. Januar 1886 in Wiesbaden). Dr. Adler war in den 1830er-Jahren Assistent seines Vaters - Rabbiner Naphtali Hirsch Adler - in Unsleben (er fand über mehrere Jahre keine Anstellung als Rabbiner; 1838 war er Mitunterzeichner einer "Münchner Petition" von 17 stellungslosen Rabbinatskandidaten); Dr. Adler war seit 1840 Distriktsrabbiner in Bad Kissingen, von 1852 bis 1884 Landrabbiner in Kassel. .   

Unsleben AZJ 02091837.jpg (249856 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1837: "(Aus Unsleben, im Untermainkreise). Herr Redakteur! Bei der nicht genug zu lobenden Tendenz Ihres Blattes darf ich wohl voraussetzen, dass Sie nicht bloß solchen geschichtlichen Ereignissen und Handlungen, welche bedeutenden Erfolg versprechen und allgemein wichtig sind, sondern auch denen die geringere Folgen haben, aber darum nicht minder als erfreuliche Zeichen der fortgeschrittenen Bildung hervortreten, Aufnahme gewähren werden. Auch Ihre Leser, glaube ich, werden nicht ohne Wohlgefallen Bestrebungen vernehmen, welche sich da kund geben, wo man es noch nicht zu erwarten berechtigt ist. Vielleicht dürfte übrigens auch das, was ich Ihnen mitzuteilen hier das Vergnügen habe, nicht ganz erfolglos und in mancher Beziehung zur Verbesserung der jüdischen Verhältnisse ersprießlich sein. Seit einem halben Jahre besteht nämlich in der hiesigen nicht sehr zahlreichen jüdischen Landgemeinde ein 'Israelitischer Wohltätigkeitsverein', der in seiner doppelten Tendenz beachtungs- und nachahmungswert ist (Anmerkung: Es ist dieser übrigens im Untermainkreise nicht der einzige und auch nicht der erste. Seit längerer Zeit besteht schon ein ähnlicher (jedoch nur in einer Richtung) zu Werneck, ins Leben gerufen durch Herrn W. Kohn daselbst). Es wohnen hier kaum 40 Familien und natürlich kann auch die Anzahl der Vereinsglieder nicht bedeutend sein. Derselbe zählte bei seinem Entstehen 30 Mitglieder, wovon aber seitdem 2 nach Amerika ausgewandert sind. Die Tendenz des Vereins ist, wie gesagt, eine doppelte, eine bürgerliche und eine religiöse. In seiner ersten Tendenz will der Verein einen Fonds gründen, aus welchem arme Jünglinge unterstützt werden sollen, wenn sie zu arm sind, das Handwerk zu lernen, zu welchem sie Neigung haben; oder ihnen Mittel fehlen, in die Wanderschaft zu gehen, oder auch das nötige Handwerkzeug sich anzuschaffen. Übrigens räumt der Verein diesen Verwendungen nur den Vorzug ein, schließt aber andere Wohltaten nicht aus, und Kranke oder sonst Unglückliche können nach den Statuten Unterstützung finden. Auch nicht bloß auf den hiesigen Ort ist die Wirksamkeit des Vereins beschränkt, sondern auch Auswärtige können sich darum bewerben; so wie auch Auswärtige als Mitglieder in denselben eintreten können. Dass dieses geschehen möchte, ist sehr zu wünschen, und außerdem hätte man sich auch keine großen Früchte, wenigstens für lange Zeit zu versprechen. Wie schon im Verlaufe dieser kurzen Zeit die Zahl der Mitglieder durch Auswanderungen sich verringert hat, so steht ihm eine noch größere Minderung für die kommenden Jahre bevor. Unserer Jugend stehen zu viele Schwierigkeiten bei ihrer Niederlassung im Wege, und da der Verein, außer einigen Wenigen, aus unverheirateten Individuen besteht, von diesen aber Viele, Erleichterung erwartend, zur Auswanderung nach Nordamerika sich veranlasst sehen, so dürfte er wohl, wenn nicht, was wir übrigens hoffen, in unserem Lande selbst Erleichterung der Israeliten wird, manches seiner Mitglieder einbüßen. Aber auch ohnedies bedarf der Verein einer Unterstützung durch auswärtige Beiträge. So gering die Anzahl der Gemeindemitglieder ist, so schwach sind auch ihre Vermögensverhältnisse, und nur klein sind die Beiträge, die sie nach ihren schwachen Kräften bringen können. Und ich kann nicht umhin den Wunsch und die Bitte auszusprechen, dass doch meine Glaubensbrüder diesem, dem allgemeinen Wohl geweihten Institut einige Teilnahme schenken möchten! Wahrlich, Gaben, wie sie von Vielen gar nicht beachtet werden, würden diesem schon wichtige Dienste leisten und ihm Leben und Stärke verleihen. Ich weiß, dass es uns gegenwärtig nicht an edelgesinnten und wohltätigen Männern fehlt, nicht an Männern, die selbst ein großes Opfer zu bringen nicht scheuen, wenn es das Heil Israels gilt. Möchten diese es doch nicht unter ihrer Würde und für zu kleinlich halten, auch diese Anstalt zu unterstützen, sei es durch Schenkungen oder durch regelmäßige Beiträge! Die Redaktion wird gewiss die Güte haben, jeden Beitrag, den man nicht direkt hierher schicken wollte, anzunehmen und dem Vereine zuzustellen (Anmerkung: wir erklären uns sehr gern bereit hierzu. Die Redaktion). Mit dieser   
Unsleben AZJ 02091837a.jpg (247440 Byte)mehr bürgerlichen Tendenz, das Erlernen der Handwerke unter Israeliten zu befördern, ist nun auch eine religiöse verbunden, und um diese gehörig würdigen zu können, müssen wir einige Worte über die kirchlichen Verhältnisse der Israeliten im Untermainkreise vorausschicken. Wir sind nämlich im ganzen Kreise, mit Ausnahme einiger Landgerichte, welche den Distrikt Aschaffenburg bilden, ganz ohne oder doch so gut, wie ohne Rabbiner. Zwar gilt dieses buchstäblich nur von einem Teile, während der andere unter einem Rabbiner steht; allein der Unterschied beruht lediglich darauf, dass diese einen besolden müssen, jene aber auch keinen zu besolden brauchen. Von einem Rabbiner haben, wenn anders dieses soviel heißt, als dass ein Rabbiner Kultus und Schule beaufsichtigt, leitet und verbessert, dass ein Rabbiner lehrt, mahnt und warnt, kann, wie allgemein bekannt - im ganzen Kreise, mit Ausnahme des genannten Distriktes, keine Sprache sein. Von den fast 18.000 jüdischen Seelen, welche im Untermainkreise wohnen, dürften ungefähr 1.500-2.000 im wahren Sinne einen Rabbiner haben. Die übrigen 16.000, sage sechszehn Tausend jüdischer Seelen, sind in der Ausübung des Gottesdienstes, wie des Unterrichts in der Religion, lediglich sich selbst überlassen. Der Letztere wird zwar von geprüften jüdischen Religionslehrern versehen, welche im Seminar gebildet werden. Allein man erwäge, dass im Seminar selbst (sowie in allen hierländischen jüdischen Bildungsanstalten) in der jüdischen Religion selbst kein Unterricht erteilt wird. Nun muss aber doch der Lehrer auch noch etwas mehr wissen, als das Religionsbuch von Alex. Beer auswendig gelernt zu haben, mehr als bloß einige Bibelstellen übersetzen und analysieren zu können. Allein mehr kommt, die Religion betreffend, bei den Prüfungen, soviel ich weiß, nicht vor. Dabei kommen aber doch noch andere Gegenstände vor, und da die Noten gezählt werden, so ist wohl möglich, dass die Wagschalen das Gleichgewicht halten, wenn auch das Pfund der Religion nicht vollwichtig ist. Wir sind keineswegs gemeint, der Königlichen Regierung hiermit einen Vorwurf machen zu wollen. Nichts wäre unbilliger als dieses. Wäre keine kirchliche Behörde da, so müsste und würde die Königliche Regierung eine solche schaffen und gewiss dem Übelstande abhelfen; aber es ist eine da, nur dass sie nichts leistet, nichts zu leisten vermag. Der Vorwurf kann daher nur den Rabbiner oder die Gemeinden, also die Israeliten des Untermainkreises selbst treffen. Den Rabbiner trifft er jetzt gewiss nicht mehr, denn ihn rechtfertigen sein Alter und seine Gesundheitsverhältnisse. Aber die Gemeinden hätten längst, wenn ihnen die Religion kein gleichgültiger Gegenstand ist, über die Lage der Dinge der Regierung Bericht abstatten müssen, und um Besetzung der Rabbinatsstellen nachsuchen sollen. Was hilft's, wenn Kandidaten dieses noch so oft und aus noch so reiner Absicht tun, sie werden immer in Verdacht stehen, dass nur das Verlangen nach einem Amte aus ihnen spräche, und nicht leicht Glauben und Gehör finden. Allein, wie es jetzt steht, wer gibt der Gemeinde die Überzeugung, dass die Lehrer ihre Pflicht erfüllen und genügenden Religionsunterricht erteilen? Wer bürgt ihnen, ob die Religion, welche sie lehren, auch jüdische ist? wer schützt sie, dass nicht manche Lehrer Jünger des Herrn Präparandenlehrers Stern zu Heidingsfeld sind? (Anmerkung: Bekanntlich hat dieser in einem Sendschreiben an die jüdischen Theologen die Dreieinigkeit als eine Lehre des Judentums anerkannt. Abgesehen nun, dass er selbst noch Lehrer ist, so wissen wir ja nicht, ob nicht seine Präparanden in seinem Sinne lehren). Doch wir kommen zu weit von unserem Gegenstand ab, oder ich bin schon so weit abgekommen, dass ich die Leser um Entschuldigung bitten muss. Allein wer sollte bei der leisesten Berührung eines Feldes sich nicht darauf verirren, das so ganz unbebaut und wild bewachsen ist, da noch nicht einmal ein geebneter Pfad sich zeigt? Oder, um ohne Bild zu sprechen, welcher Israelit im Untermainkreise, der für seine Religion nicht ganz gleichgültig ist und auch nur hie und da darüber nachdenkt, sollte nicht so voll davon sein, dass er bei jeder Gelegenheit davon zu sprechen sich veranlasst sieht?"  (Schluss folgt)
Unsleben AZJ 16091837.jpg (214326 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September 1837: (Aus Unsleben, im Untermainkreise.) Schluss. Man könnte vielleicht - nun das muss ich noch bemerken - auch mich hierin eigennütziger Absichten beschuldigen, weil ich zu den vielen Kandidaten gehöre, welche im Untermainkreise auf Stelle warten, und ich gesteht, dass die Besorgnis vor einem solchen Verdacht mich lange schwankend machte, ob ich diesen Punkt öffentlich berühren sollte, und vielleicht auch zurückgehalten hätte, wenn nicht eine innere, und ich glaube sagen zu dürfen, bessere Stimme mir zuriefe, dass, wer auf das Urteil Aller Rücksicht nehmen wolle, niemals etwas fürs allgemeine Beste tun könne. Es gibt kaum ein gutes Werk, dem nicht eine Seite abzugewinnen wäre, von welcher ihre Motive herabgewürdigt und das Verdienst des Urhebers geschmälert werden könnten. Die Verständigen werden auch wohl einsehen, dass ich mir damit mehr schaden als nützen kann. Gott ist auch mein Zeuge, und die guten Menschen werden meiner Versicherung glauben, dass ich nur im Interesse unserer heiligen Sache mich hierüber ausspreche und diese Mitteilung mache. Vielleicht findet sie Nachahmung, vielleicht regt sie manchen Kandidaten an, auf ähnliche Weise sich einen Wirkungskreis zu schaffen, wie ich es jetzt hier getan habe. Nach diesen vorausgeschickten Bemerkungen nämlich sieht jeder, wie verwahrlost der Gottesdienst ist und wie sehr es an Belehrung fehlt. Wie sehr es mich drängte, dieses Übel wenigstens so weit als möglich zu mindern, brauch ich Keinem zu sagen, der ein Herz hat, das nicht gleichgültig für Israel und seine Heiligtum schlägt. Aber ich wollte, so sehr ich es bei meinen braven Ortsleuten, deren Liebe und Zutrauen mich wahrhaft glücklich machen, hätte wagen können, ich wollte die Schranken des Privatmannes nicht überschreiten, und hielt mich fest in diesen Grenzen, nur dass ich von Zeit zu Zeit in nicht kurzen Zwischenräumen predigte. Man wird mir vielleicht sagen, dass ich es jeden Feiertag hätte tun können, allein wer reiflicher darüber nachdenkt, wird es nicht ratsam finden, dass der Kandidat häufig und so wie ein wirklicher Geistlicher in der Gemeinde predige, in der er nicht angestellt ist. Alle Bedenklichkeiten hingegen sind beseitigt durch die religiöse Tendenz, die wir mit unserem Vereine verbunden haben. Es wird nämlich jeden Feier- und Festtag eine Erbauungsstunde in der Synagoge gehalten, welche die Stelle des Gottesdienstes nicht vertreten, aber eine Lücke in demselben ausfüllen soll - Belehrung und Erbauung. Freilich an sich wieder ein Bruchstück und mangelhaft, aber ein altes Sprichwort sagt: Besser etwas, wenn nur wenig, als gar nichts! In dieser Erbauungsstunde - wie wir sie genannt haben - wird nun jeden Sabbat ein Vortrag gehalten. und ein Gebet in deutscher Sprache verrichtet. Zum Eingang wird ein Psalm rezitiert und ebenso zu Schlusse, an deren Stelle können jedoch, wenn die Verhältnisse es erlauben, nach den Statuten, deutsche Lieder treten. In dieser Versammlung kann ich und jeder, der damit beauftragt sein wir, Vorträge zu halten, obgleich nicht angestellt, dennoch lehren als Freund, als - Geistlicher mahnen und warnen, zurechtweisen und belehren. Ich kann und darf vergessen, dass ich ein Kandidat und Privatmann bin - ich bin in meinem Amte, bin es auf eine würdige Weise, von der Versammlung selbst dazu erkoren. Und je größer diese ist, desto mehr mein Zutrauen wächst und der Beweis mir gegeben wird, dass Belehrung gewünscht werde. Dieses Zeugnis kann ich nun auch mit gutem Gewissen den Israeliten hiesigen Ortes geben. Obgleich einige Stunden nach dem Gottesdienste diese Erbauungsstunde abgehalten wird, so findet sich doch nicht bloß die ganze Jugend, sondern auch der größte Teil der übrigen jüdischen Bevölkerung beiderlei Geschlechts bei derselben 
Unsleben AZJ 16091837a.jpg (106573 Byte) ein. Und es entsteht auch noch der Vorteil, dass auch die Unverheirateten des weiblichen Geschlechtes die Synagoge besuchen, und nicht, wie es fast im ganzen kreise der Fall ist, das ganze Jahr kein Gotteshaus betreten. Freilich gibt es auch mitunter Manche, die es unter ihrer Würde oder gegen ihre Bequemlichkeit finden, einer solchen Privatandacht, obgleich öffentlich abgehalten, beizuwohnen; allein ihr Zurückbleiben darf uns so wenig verdrießen und unwillig machen, als wir von ihrer Gleichgültigkeit oder gar Gegenwirkung uns in unserem Streben zurückschrecken und entmutigen lassen dürfen. So habe ich mir denn selbst einen heiligen Wirkungskreis geschaffen, in welchem ich dem Berufe obliegen kann, dem ich Kraft und Leben gewidmet habe. Möchten viele meiner Herren Kollegen mir nachahmen, wahrlich es wird sie niemals reuen. Der Genuss ist groß, den dieser Wirkungskreis bietet, größer als Gehalt und Belobungsschreiben ihn uns gewähren. Wir können wirken und haben das Bewusstsein, was wir tun, zur Ehre Gottes und zum Heile Israels aus eigenem Antriebe und reiner Absicht getan zu haben. Ganz ohne Erfolg kann ein solches Wirken, minder denn jedes andere bleiben. Meine Gemeinde fordert nichts von mir, sondern wünscht nur Belehrung, und ich fordere nichts von ihr, verlange nur Aufmerksamkeit. Ich erfülle ihren Wunsch mit Vergnügen, und ihr fällt es nicht schwer, meinem Verlangen nachzukommen. Sollte aus einem solchen Verhältnisse nicht manches Ersprießliche hervorgehen? Ich gebe mich wenigstens der süßen Hoffnung hin, und mit Gottes Hilfe werde ich in meiner Hoffnung auch nicht getäuscht werden!   Dr. L. Adler"

Im nachfolgenden Artikel beschreibt Dr. Adler die Situation der jüdischen Landgemeinden im Blick unter anderem im Blick auf die damals noch bestehenden großen finanziellen Belastungen, die auch dazu führten, dass in vielen Gemeinden keine jüdischen Elementarschulen gegründet werden konnten.   
Unsleben AZJ 05091837.jpg (177422 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1837: "Entgegnung. In Nr. 28 dieses Blattes äußert sich ein Berichterstatter aus 'München über das Schulwesen' folgendermaßen: 'dass aber bisher nicht alle Religionsschulen mit den Elementarschulen vereinigt wurden, da doch der Lehrer gewöhnlich beide verstehen kann, und überdies die schönen Früchte solcher schon vereinigter Schulen bekannt sind, daran ist öfters derjenige Teil der Gemeinde hinderlich, der keine schulpflichtigen Kinder hat; so diese Leute also bloß zur Besoldung usw.'
Wir können nicht umhin, zu behaupten, dass diese Angaben der Ursache nur in wenigen Fällen sich bewahrheitet. Sondern die Haupt- und fast alleinige Ursache ist das bestehende Gesetz, dass kein jüdischer Elementarlehrer mit weniger als 300 Gulden besoldet werden darf. Dieses hält von der Vereinigung in den meisten Gemeinden zurück und zwar den Teil der Gemeinde, welcher schulpflichtige Kinder hat, nicht weniger als den, welcher keine hat, weil beiden Teilen die Last zu schwer sein würde, eine solche Besoldung zu erteilen. Würde von der Königlichen Staatsregierung dieses Gesetz aufgehoben, und den jüdischen Lehrern gleich den christlichen ein in Rücksicht auf die Zahl und den Vermögensumstand der Gemeindeglieder verhältnismäßiger Gehalt bestimmt, oder zu geben gestattet, so würden bald wenige Schulen in Bayern sein, in welcher jene Trennung noch statt hat, oder es müssten ganz andere Umstände es verhindern, wie z.B. die Beschwerden der christlichen Gemeinde. Schreiber dieses weiß es aus Erfahrung. Einen Beweis liefert auch die Tatsache, dass da, wo es die Kräfte der Gemeinde nicht zu sehr übersteigt, 300 Gulden zu geben, jene Vereinigung bereits wirklich eingetreten ist. Die Israeliten in Bayern tun wahrlich ihre Schuldigkeit in Ansehung des Schulwesens. Das wir Jeder gestehen müssen, der hierin unparteiisch urteilt. In den meisten Landgemeinden (Anmerkung: von den großen Städten reden wir nicht) hat der nicht bemittelte Israelit , selbst wenn er keine Kinder hat und der Gehalt nicht 300 Gulden beträgt, 8-12 Gulden zu zahlen. man schließe nun auf den, der Kinder hat, oder einiges Vermögen besitzt, oder wenn der volle Gehalt zu 300 Gulden gegeben würde, und frage: ob in irgend einer christlichen Landgemeinde ein Mitglied, mit oder ohne schulpflichtige Kinder, eine solche Ausgabe zur Erhaltung des Lehrer zu bestreiten habe. Es ist gewiss eine übertriebene Anforderung, wenn man von Gemeinden zu 15-30 Mitgliedern (in stärkeren ist größtenteils eine jüdische Elementarschule) verlangt, sie sollen 300 Gulden Gehalt, freie Wohnung, frei Holz usw. geben, während von der christlichen Gemeinde, welche 200-300 stark ist, dabei Stiftungen und liegende Grundstücke besitzt, und   
Unsleben AZJ 05091837a.jpg (245367 Byte) den Ertrag als Gemeindeschreiber in Anschlag bringt, der Lehrer - nur 250 Gulden, bald mehr, bald weniger als Gehalt bezieht. Um das Gesagte zu veranschaulichen, erlaube ich mir beispielsweise die hiesige Gemeinde (Unsleben) anzuführen, welche übrigens eine Elementarschule hat, weshalb auch der Vorwurf der Parteilichkeit oder des Eigennutz mich nicht treffen kann. In dieser, welche nicht viel über 40 Familien zählt, und eine Elementar- und Religionsschule vereinigt unterhalten muss, beträgt es auf den Familienvater, der 1.000 Gulden reich ist, und keine schulpflichtige Kinder hat, mehr als 15 Gulden; auf den, der vermögenslos ist und nur soviel verdient als er braucht, aber eins oder zwei schulpflichtige Kinder hat, nicht weniger. Dabei sind sie größtenteils, und sollen sie doch alle Handwerker und Landwirte werden, wie es ihr christlichen Nachbarn auch sind; dabei haben sie noch außerdem Abgaben zur Kultus- und Armenkasse, dabei noch Steuern und zum großen Teile Schutzgelder zu entrichten; dabei ein Schulhaus bauen zu lassen usw. Hierauf kann man sich schon, wie ich glaube, einen hinlänglichen Begriff machen, wie es durchaus nicht Gleichgültigkeit für die Schule ist, wenn manche andere Gemeinde, besonders, wenn sie nur 10.20 Familienglieder zählt, sich weigert, einen Lehrer aufzunehmen, der mit dreihundert Gulden besoldet werden muss. Soviel zur Berichtigung der angeführten Äußerung. 
Da ich indessen auf diesen Gegenstand einmal zu sprechen gekommen bin, so sei es mir gestattet, an meine Glaubensbrüder noch einige Worte hinzuzufügen, um die Aufmerksamkeit der Edlen und Gutgesinnten auf einen Punkt hinzulenken, der wohl Beachtung verdient. Aus dem Gesagten erhellt schon, wie drückend die Lage der meisten jüdischen Gemeinden auf dem Lande sei, und wie schwer es ihnen falle, die Ausgabe zu bestreiten, welche sie leisten müssen, bevor sie noch an ihren häuslichen Gebrauch kommen. Dieses ist aber in der Wirklichkeit noch weit trauriger, als ich es hier angedeutet, und wenn - was wir in Bayern übrigens vertrauensvoll noch während dieses Langtags hoffen - nicht bald eine Verbesserung unserer Verhältnisse eintritt, so wird sie höchst beklagenswert. Aus allen Gemeinden wandern Leute aus und machen sie noch ärmer an Mitgliedern und an Geld. Aber wenn auch, wie wir in Bayern von der Gerechtigkeit unseres Königs und der Humanität unserer Landstände zu erwarten berechtigt sind, eine Verbesserung unserer Verhältnisse oder selbst eine Gleichstellung uns zuteil wird. so wird wohl das Übel um vieles gemindert, aber nicht ganz gehoben werden. Immer wird noch die Lage der jüdischen Familien und vorzüglich auf dem Lande, mit Ausnahme einiger wenigen Reichen, eine höchst beklagenswerte sein. Wenn der jüdische Handwerber und Ökonom eine bedeutende Summe zu verausgaben hat, die seinem christlichen Nachbar, mit dem er gleiche Geschäfte betreibt, nicht obliegt; wie soll er neben diesem noch bestehen und zurechtkommen können? Nehmen wir nun noch hinzu, dass in einigen Staaten wieder auf eine Zeit rein die Hoffnung zur Gleichstellung genommen ist, dass sie also auch ihren bürgerlichen Druck forttragen und unter bürgerlichen Beschränkungen fortdulden mögen: so ist dieses Veranlassung genug, darauf zu denken, wenigstens soweit unsere Kräfte reichen, auf eigenem oder gesetzlichem Wege den armen Glaubensbrüdern Erleichterung zu verschaffen. Dieses könnte geschehen, wenn ein ausgebreiteter Unterstützungsverein für jüdischen Kultus und jüdische Schule gegründet würde, an dessen Spitze sich natürlich die ersten Männer unter Israel stellen müssten. Es scheint manchem vielleicht phantastisch, aber man denke nur ruhig darüber nach, und die Möglichkeit der Ausführung, wie die Heilsamkeit seines Wirkens wird niemand mehr bezweifeln. Es kann hier meine Absicht nicht sein, einen detaillierten Plan zu entwerfen oder eine förmliche Aufforderung ergehen zu lassen; ich genüge mich für jetzt, es angedeutet zu haben, in der Hoffnung, dass ein Mann von Ansehen und Talent die weitere Ausführung übernehmen werde. Vielleicht dürfte der geehrte Redakteur dieser Zeitung selbst sich dazu bewogen fühlen.  
Unsleben im Juli 1837.  Dr. L. Adler."    

      
Ausschreibung der Moses- und Mathilde Gärtner'schen Aussteuerstiftung (1936)    

Bekanntmachung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1936: 
"Israelitische Kultusgemeinde Unsleben. Bekanntmachung

Betrifft: Aussteuerstiftung der Moses- und Mathilde Gärtner'schen Eheleute zu Unsleben. Aus der vorbezeichneten Stiftung sind für das Jahr 1936 124,50 RM Zinsen angefallen. 
In der Kultusgemeinde Unsleben haben sich jüdische Mädchen zwecks Zuwendung dieses Betrages nicht beworben. Nach Verfügung des Erblassers sind deshalb jüdische Mädchen auf den Bezirken Neustadt a.d. Saale und Mellrichstadt zur Bewerbung aufzufordern. 
Die Zuteilung kann nur an Mädchen erfolgen, die bereits das 20. Lebensjahr erreicht haben. Erforderlich ist: Würdigkeit und Unbescholtenheit der Bewerberin und die ausschließliche Verwendung des Betrages zur Aussteuerbeschaffung. 
Über die Zuweisung entscheidet der Kultusvorstand der Gemeinde Unsleben in Verbindung mit dem Distriktsrabbinat in Bad Kissingen. 
Bewerberinnen werden ersucht, ihren diesbezüglichen Antrag bis 15. Dezember bei dem Unterfertigten einzureichen. 
Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde: Josef Mittel."   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Zum Tod von Jette Engel geb. Alsbacher (1908)  

Unsleben Israelit 10121908.jpg (50177 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1908: "Unsleben, 21. November (1908). Am Schabbat Paraschat Chaje Sara (= Schabbat mit der Toralesung Chaje Sara = 1. Mose 23,1 - 25,18! d.i. Samstag, 21. November 1908) verstarb hier nach kurzem Krankenlager Fräulein Jette Engel geb. Alsbacher, im Alter von 85 Jahren. In ihrem ganzen Wesen war sie ein Vorbild echt jüdischen Denkens und Lebens, wie sie auch solches im Hause ihres Vaters, des einstigen Rabbiners Rabbi Jizchak - seligen Andenkens - vor sich gesehen hatte. Die Heimgegangene erfreute sich ob ihre bescheidenen und gefälligen Wesens hierorts allgemeiner Beliebtheit und Achtung, wofür die zahlreiche Beteiligung an deren Beerdigung den besten Beweis erbracht. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

       
Goldene Hochzeit von Karl Mittel und Babette geb. Rosenstock (1931)  

Unsleben BayrGZ 15111931.jpg (88156 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1931: "Unsleben. Herr Oberlehrer M. Blumenthal schreibt uns: In seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische begehen Herr Karl Mittel und Frau Babette geb. Rosenstock am 8. November das Fest der goldenen Hochzeit. Das goldene Jubelpaar erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und Verehrung. In seiner Vorliebe für landwirtschaftliche Arbeiten betätigt sich der Jubilar in jugendfrischer Schaffensfreude in der Landwirtschaft und im Viehgeschäft in der sorgfältigen Pflege seines Viehstandes. Eine stattliche Reihe von Jahren wirkte er in der israelitischen Kultusverwaltung, ferner als trefflicher Hilfsvorbeter, wozu er sich stets in uneigennütziger Weise zur Verfügung stellte. Noch heute nimmt das Jubelpaar regelmäßig Anteil an den Synagogenandachten und beide gelten dank ihres musikalischen Verständnisses und religiösen Empfindens als dankbare Zuhörer der Kantor- und Chorgesänge in der Synagoge. Mit größter Beflissenheit und gewissenhafter Sorgfalt trägt der Jubilar bei zur Pflege der altüberlieferten Traditionen und Gebräuche in der Gemeinde. Wir wünschen dem Jubelpaar in großer Verehrung ein segensreiches Greisenalter in unwandelbarer Rüstigkeit und Gesundheit ad meoh w'esrim schono. (sc. bis 120 Jahre)"

    
Zum Tod von Frau Mittel (1935) 
Anmerkung: die in diesem Artikel genannte Frau Mittel ist nicht identisch mit Babette Mittel geb. Rosenstock (s.o.; Hinweis von Elisabeth Böhrer)

Unsleben BayrGZ 15111935.jpg (21296 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1935: "Kurz vor Redaktionsschluss erhalten wir die Trauerbotschaft vom Heimgange der Witwe unseres früheren Vereinsmitgliedes, Frau Mittel (Unsleben) im 80. Lebensjahr. Wir sprechen auch an dieser Stelle den Angehörigen unser herzlichstes Beileid aus."    

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  

Anzeige von 1872
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1, Mai 1872: "Ein junger Mann, der seine dreijährige Lehrzeit in einem gemischten Warengeschäfte beendet, sucht Stelle als Commis, gleichviel welcher Branche. Offerten beliebe man gefälligst poste restante Unsleben in Bayern unter Chiffre I.B. zu übersenden."     

     
Anzeige des Käse- en gros-Geschäftes J. Liebenthal (1890)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Oktober 1890: "Für's Contor meines Käse- en gros-Geschäftes, das am Schabbat und an Feiertagen geschlossen ist, suche ich einen Lehrling mit den nötigen Vorkenntnissen unter sehr günstigen Bedingungen.  
J. Liebenthal
, Unsleben in Bayern."   
 

Dazu weitere Dokumente zum Käsegeschäft J. Liebenthal (gegründet 1838)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries):

  
Besuchsankündigung eines 
Firmenvertreters der Fa. Liebenthal 
in Kiel (1911)
Unsleben Dok 457.jpg (53679 Byte) Unsleben Dok 457a.jpg (114549 Byte)
  Die Karte wurde am 3. November 1911 von Unsleben nach Kiel geschickt. 
Sie enthält eine Auflistung der damaligen Produktpalette ("Fabrikation von Limburger, Emmenthaler und Schweizer Käse") sowie das Jahr der Firmengründung ("gegründet 1838")
      
Bestellkarte an die Fa. Eisenheimer -
Eisenhandlung in Schweinfurt (1886)
Unsleben Dok 458.jpg (110991 Byte) Unsleben Dok 458a.jpg (38578 Byte) Unsleben Dok 458b.jpg (107105 Byte)
   Die Karte wurde von der Firma J. Liebenthal am 5. Oktober 1886 
nach Schweinfurt geschickt. 

     
Gesellensuche von Schuhmachermeister Aron Engel (1900)   

Unsleben Israelit 23051900.jpg (30027 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1900: "Zum sofortigen Eintritt wird ein tüchtiger Schuhmacher-Geselle von mir gesucht. 
Aron Engel, Schuhmachermeister, Unsleben, Bayern."  

   
Lehrlingssuche des Getreide- und Mehlgeschäftes Gebr. Gärtner (1900)   

Unsleben Israelit 13081900.jpg (41084 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1900: "Gesucht für unser Getreide- und Mehlgeschäft zum sofortigen Eintritt unter günstigen Bedingungen einen Lehrling, aus guter Familie bei freier Kost und Logis; Samstags und israelitische Feiertage streng geschlossen. Einjährig nicht besonders erwünscht. Gebrüder Gärtner, Unsleben, Unterfranken."

    
    

Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Nathan Middle aus Unsleben (1820-1900) und Mathilda Middle aus Nordheim (1830-1894)  
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; die Geburtsnamen von Nathan und Mathilda Middle werden nicht mitgeteilt.  .      

Unsleben New York Salem 1673.jpg (102813 Byte)   Unsleben New York Salem 1673a.jpg (125806 Byte)   Grabstein "in Memory of our Dear Father 
Nathan Middle
  
Born in Unsleben Bavaria  April 25th 1820  
Died July11th 1900" und 
"In Memory of my Beloved Wife and our Dear Mother 
Mathilda Middle
  
Born in Nordheim Bavaria  Nov. 4th 1830 
Died Febr. 6th 1894". 

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge               
      
Eine erste Synagoge wurde 1753 erbaut. Dabei handelte es sich um ein Gebäude in einem Hinterhof auf der linken Seite der unteren Streugasse, das bis 1923 bestand. Über die Geschichte dieser ersten Synagoge liegen nur wenige Berichte vor, immerhin ein Bericht über die Ende der 1830er-Jahre in der Synagoge neben den Gottesdiensten von Dr. L. Adler gehaltenen regelmäßigen Erbauungsstunden in der Synagoge - mit Psalmen, deutschen Liedern und Vorträgen - Bericht aus dem Jahr 1837 siehe oben. 
  
 Im Laufe des 19. Jahrhunderts war diese erste Synagoge zu klein geworden. 1837 kaufte die jüdische Gemeinde die große Zehntscheune in der Kemmete für 1.000 Gulden mit dem Ziel, dort eine Schule und Synagoge einzubauen. Die Baupläne für die neue Synagoge kamen jedoch nur langsam voran, wobei man den ersten Plan, die Zehnscheune abzureißen und auf deren Grundstück zu bauen, wieder aufgegeben hat (die Zehnscheune steht noch heute - am Ortseingang von Neustadt her kommend). 
  
Erst 1850 wurden die Baupläne wieder aufgenommen. Zunächst wurde ein jüdisches Schulhaus erbaut (am Mühlgraben). 1851 wurde der Synagogenbau in der Kemmete unter den Handwerker der Umgebung ausgeschrieben. 1855 konnte die Synagoge eingeweiht werden. Der Bau kostete die Gemeinde 2.499 Gulden.   
   
In den 1860er-Jahren geriet die Synagoge Unsleben kurzzeitig in den damals teilweise heftig geführten Streit zwischen liberalen und orthodoxen Gruppen im Judentum. In einem Artikel der liberalen 'Allgemeinen Zeitung des Judentums' wurde dem Bad Kissinger Rabbinatsverweser Moses Löb Bamberger (Sohn des Rabbiner Seligmann Bär Bamberger, seit 1865 Rabbinatsverweser in Bad Kissingen, seit 1872 definitiv als Rabbiner angestellt) unterstellt, er habe von der Gemeinde Unsleben verlangt, an der Frauenempore der Synagoge ein traditionelles Gitter anzubringen, was zu einer heftigen Reaktion in der Zeitschrift "Der Israelit" führte, in der mitgeteilt wurde, dass Bamberger dies niemals gefordert habe und die Synagoge in Unsleben noch nicht einmal gesehen habe: 

Unsleben AZJ 08081865.jpg (64016 Byte)Aus einem Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. August 1865: "Mittlerweile haust Bamberger als Verweser im Rabbinatsbezirke wie ein Pascha. Er stellt eine förmliche Hetzjagd auf alle Synagogen an, die ihren Frauen eine freie Aussicht in die unteren Räume gestatten. Schon musste die Gemeinde Unsleben dem durch gerichtliche Maßregeln unterstützten Ansinnen Bambergers  sich fügen und ihre schöne, neue Synagoge durch Vergitterung der Frauengalerie verunstalten. Und wieder sucht man die Gemeinde Maßbach, welche wahrlich nicht zu den sogenannten 'Neuen' gehört, jedoch gesunde und vernünftige Elemente in sich birgt, zu nötigen, ihre kürzlich renovierte Synagoge mit denselben Tugendwächtern zu versehen. Die stets mit der Hierarchie gepaarte Orthodoxie liebt nun einmal das Oktroyieren."
Unsleben Israelit 06091865.jpg (185163 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1865: "Aus dem Saalgrund. Denjenigen, der stets die Splitter am Andern tadelt, seine eigenen aber übersieht, trifft mit Recht der Vorwurf ... und diesen Zuruf lassen wir nun auch an den Korrespondenten 'Aus Unterfranken' in Nr. 32 der 'Allgemeinen' ergehen, der über den Herrn Rabbiner Bamberger, als Rabbinatsverweser zu Kissingen, und dessen Sohn in gallsüchtiger Weise loszieht, und die sogenannten Hyperorthodoxen des Benützens jesuitischer Schleichwege beschuldigt, während er sein Publikum mit offenen Unwahrheiten traktiert, und sich dadurch als Verräter bekundet. Ist's denn wahr, hat Herr Rabbiner mittlerweile wirklich eine förmliche Hetzjagd auf alle Synagogen angestellt, deren Frauen-Galerien eine freie Aussicht in die unteren Räume gestatten? Nach dem Grundsatze 'eine Minderheit steht für alle' (frei übs.) reduziert der Korrespondent selbst seine 'alle Synagogen' auf 2; weiß aber der Herr Korrespondent sicher, was man doch mit Recht von ihm erwarten darf, dass Herr Rabbiner Bamberger an die Gemeinde Unsleben das Ansinnen stellte, ihre Frauengalerie zu vergittern? Weiß er gewiss, dass er die dagegen protestierende Gemeinde gerichtlich maßregeln ließ, und weiß er zuverlässig, dass dadurch diese schöne, neue Synagoge wahrhaftig verunstaltet wurde? Nein das alles weiß der Herr Korrespondent weder sicher noch gewiss. Wir sagen ihm vielmehr, dass sein desfallsiges Referat Wort für Wort erdichtet und vom Zaune gebrochen ist. Herr Rabbiner Bamberger hat, wie wir an kompetenter Stelle hörten, weder vor noch nach, noch mittlerweile, weder mündlich noch schriftlich die Gemeinde Unsleben zur Vergitterung ihrer Frauengalerie, die er noch gar nie gesehen, aufgefordert, und so konnte auch natürlich von einer amtlichen Exekution keine Rede sein. Die Frauengalerie der dortigen Synagoge wurde vielmehr von vornherein mit entsprechenden Vorhängen versehen, und es fiel weder dem seligen Rabbiner Dr. Lippmann, noch dem jetzigen Herrn Verweser Bamberger jemals ein, dagegen zu opponieren, geschweige eine förmliche Hetzjagd anzustellen und gerichtliche Hilfe zu requirieren..." 

Bereits im März 1931 wurde die Synagoge von Unbekannten mit Hakenkreuzen beschmiert. Auf Grund der antisemitischen Ausschreitungen am 30. September 1938 in Mellrichstadt wurden aus der Synagoge in Unsleben die Torarollen und andere Ritualien in Sicherheit gebracht und versteckt. Nach 1945 wurden sie in die USA gebracht.
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurden in der Synagoge in Unsleben allerdings die Ritualien der Gemeinde Bastheim zerstört, die im September 1938 nach Unsleben gebracht worden waren. Nachdem die letzten jüdischen Einwohner deportiert waren, übernahm die Gemeindeverwaltung den jüdischen Gemeindebesitz und richtete in der teilweise beschädigten Synagoge ein Holzlager ein. 
  
Seit einigen Jahren ist in der ehemaligen Synagoge die "Dorfscheuer" untergebracht (seit 2010 "Haus der Bäuerin"). Am Gebäude ist eine Gedenktafel angebracht. 
   
   
Adresse/Standort der SynagogeSchlossstraße / Ecke Kemmenate    
   

   
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 11.8.2005) 

Unsleben Synagoge 100.jpg (37627 Byte) Unsleben Synagoge 101.jpg (43063 Byte) Unsleben Synagoge 102.jpg (47712 Byte)
Das ehemalige Synagogengebäude - heute Teil der "Dorfscheuer"
  
   Unsleben Synagoge 103.jpg (41544 Byte) Unsleben Synagoge 170.jpg (96427 Byte) 
  Hinweistafel  Original-Türe der Synagoge (Foto: E. Böhrer) 
     
Gedenkstein 2008  
(Fotos: Elisabeth Böhrer, November 2008)
   
Unsleben Gedenken 171.jpg (78641 Byte) Unsleben Gedenken 170.jpg (89701 Byte) Unsleben Gedenken 172.jpg (61330 Byte)
Der zwischen ehemaliger Synagoge 
und Schloss aufgestellte Gedenkstein 
Jüdische Symbolik am Fuß des
 Gedenksteines 
Namen der aus Unsleben deportierten 
und ermordeten jüdischen Personen 
     
   Unsleben Gedenken 173.jpg (68803 Byte)  
  Ehemaliges jüdisches Schulhaus  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

August 2011: Auf den Spuren der Vorfahren    
Artikel in der "Main-Post" vom 18. August 2011: "Auf den Spuren der Vorfahren" - Besuch von Ricardo Gartner aus Argentinien, Enkel von David Gärtner aus Unsleben / Schweinfurt. (Link zum Artikel; eingestellt als pdf-Datei).  
 
 

   
    

Links und Literatur   

Links:  

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Unsleben (interner Link)    
Zur Geschichte der jüdischen Familie Zeilberger (Seite der Familie selbst): hier anklicken   
Unsleben Naumann.jpg (15401 Byte)Seite über Fred Naumann (geb. 1930 in Unsleben): hier anklicken  
Jüdische Gefallene aus Unsleben auf einer Liste des Hauses der Bayerischen Geschichte  
Seite über den aus Unsleben stammenden Rabbiner Dr. Lazarus (Elieser) Adler (geb. 10. November 1810 in Unsleben als Sohn des Lehrers Naftali Hirsch Adler ha-Kohen, emeritierter kurhessischer Landrabbiner, gest. 5. Januar 1886 in Wiesbaden; seit 1840 Distriktrabbiner in Bad Kissingen)
Link zum Verband der Jüdischen Gemeinden in Cleveland (nähere Information vgl. oben)   

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 412-413. 

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 118.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 396-397.
Referat von Prof. Josef Hesselbach über "Die Geschichte der Juden in Unsleben". in www.unsleben.rhoen-saale.net - zum Artikel. 
Josef Hesselbach: Synagoge in Unsleben wurde Haus der Bäuerin. In: Heimat-Jahrbuch Rhön-Grabfeld 2010 S. 438-442  

   
     


 
  
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Unsleben. Lower Franconia. Jews are mentioned in 1571 and numbered 26 families in 1749 with a synagogue constructed in 1753. A Jewish public school was opened in 1840 as the Jewish population reached 225 (of a total 930). Many were farmers and craftsmen. Between 1834 and 1853, 48 Jews emigrated to the U.S. A second synagogue was built in 1855 and a cemetery was opened in 1856. Around 140 remained in the Nazi era. Up to November 1938, 59 left the village, 30 of them to the U.S. Soon after the Kristallnacht riots (9-10 November 1938), another 19 left for Cuba, as did 29 of the 39 Jews emigration in 1939. Of the last 17, ten were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) on 25 April, 1942 and four to the Theresienstadt ghetto on 23 September.
     
     

                   
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Stand: 13. Juli 2014