Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sulzbürg (Gemeinde Mühlhausen, Kreis Neumarkt in der Oberpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
siehe weitere Seite  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur  

   
Siehe auch eine weitere Seite mit Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Sulzbürg   
   
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Sulzbürg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940.  

Die Entstehung der jüdischen Gemeinde geht möglicherweise in das Mittelalter zurück. Ob es allerdings bereits im 14. Jahrhundert Juden in Sulzbürg gab, ist nicht zu belegen: zur aktuellen Diskussion siehe den Beitrag von Kurt Wappler: Geschichte der Sulzbürger Juden (online zugänglich).   
Nach älteren Darstellungen handelte es sich bei den ersten Juden, die sich in Sulzbürg niederließen, um Überlebende der Massaker bei der "Rintfleisch-Verfolgung" 1298. Hingewiesen wurde auch auf eine Urkunde von 1331, wonach Ludwig der Bayer seinem Landvogt Heinrich von Dürrwangen gestattete, in Sulzbürg oder Dürrwangen zehn Juden anzusiedeln und von ihnen Steuern einzunehmen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1371 (wiedergegeben in der 'Historia Genealogica Dominorum et Comitum de Wolfstein. von David Koeler. Frankfurt 1726) wurde gleichfalls auf Juden in Sulzbürg gedeutet, doch ist in ihr nur von Juden aus Neumarkt die Rede.   
  

Erste Quellen, die auf die Anwesenheit von Juden in Sulzbürg schließen lassen, liegen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vor (Visitations-Bericht des Kanonikus Johannes Vogt von 1480). Zuwachs erhielten die Sulzbürger Juden nach der Vertreibung der Juden aus Neumarkt 1555. 

Genauere Zahlen über die jüdischen Familien/Einwohner am Ort gibt es seit dem 17. Jahrhundert vor: 1629 waren es acht Familien, nach dem Dreißigjährigen Krieg 1650 nur noch drei Familien, 1687 wieder acht. Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl zu von 1705 zwölf Familien auf 30 (1755) und 37 (1799). Seitdem 1740 die Reichsherrschaft der Wolfsteiner an Kurbayern fiel, war Sulzbürg eine der wenigen in Kurbayern bestehenden jüdischen Gemeinden.  
    
Anfang des 19. Jahrhunderts zählte ein Drittel der Ortsbevölkerung zur jüdischen Gemeinde: 1809/10 190 jüdische Gemeindeglieder (32.4 % von insgesamt 587 Personen). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Aus- und Abwanderung der jüdischen Familien in die Städte oder nach Übersee: 1867 180 jüdische Einwohner (23,7 % der Gesamtbevölkerung), 1880 171 (22,7 % von 754), 1890 133 (17,9 % von 743), 1900 114 (16,9 % von 673), 1910 76 (12,0 % von 633). 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (in den 1840er-Jahren zunächst noch jüdische Privatschule/Cheder, dann jüdische Elementar- und Religionsschule), ein rituelles Bad (eine ältere Mikwe war im Erdgeschoss des Hauses Hinterer Berg 3; im 19. Jahrhundert war sie auf einem Grundstück gegenüber den Häusern Schwabengasse 8 und 4) und einen Friedhof. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde waren in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeitweise bis zu drei Personen angestellt: neben dem Rabbiner (s.u.) ein Lehrer und Vorbeter sowie ein Schochet, der zugleich als Synagogendiener tätig war (siehe Ausschreibungen und einzelne Berichte auf der Seite mit den Texten zur jüdischen Geschichte Sulzbürgs). 
    
Die Gemeinde war bereits seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Sitz einer Rabbinates (seit dem 19. Jahrhundert Distriktrabbinat). 1847 wird als der "alte Rabbiner" ein Rabbiner Weil genannt. Sein Nachfolger war Rabbiner Dr. Mayer Löwenmayer, der 57 Jahre lang in Sulzbürg als Rabbiner wirkte. Er starb im Februar 1895. Unter seinem Nachfolger Rabbiner Dr. Magnus Weinberg wurde der Sitz des Rabbinates Sulzbürg 1911 nach Neumarkt verlegt (weiter unter dem Namen Distriktsrabbinat Sulzbürg) und 1931 mit Regensburg vereinigt (Rabbinatsbezirk Regensburg-Neumarkt). 
       
Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel, insbesondere Klein- und Viehhandel, aber auch Getreide- und Immobilienhandel.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Benno Freising (geb. 21.4.1893 in Freystadt, gest. an den Kriegsfolgen 27.6.1916), Siegfried (Fritz) Freising (geb. 24.11.1891 in Freystadt, gef. 10.10.1914) und Heinrich Wolf (geb. 14.2.1882 in Sulzbürg, gef. 1.10.1915). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege aus Sulzbürg auf dem Badberg oberhalb des Dorfes. Außerdem sind gefallen: Simon Beer (geb. 17.10.1897 in Sulzbürg, vor 1914 in Fürth wohnhaft, gef. 31.3.1918). Leopold Landecker (geb. 20.12.1874 in Sulzbürg, vor 1914 in Neumarkt wohnhaft, gef. 11.12.1916).    
  
Um 1925, als noch etwa 50 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (7,1 % von insgesamt etwa 700 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Leopold Rosenwald, Seligmann Haas, Max Rosenbaum, Emanuel Regensburger, Isak Neustädter und Ascher Neustädter. Als Lehrer, Kantor und Schochet war damals Max Rosenbaum tätig. Er erteilte damals noch drei jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestand der Wohltätigkeitsverein Chewra Gemillus Chessed, der Israelitische Frauenverein, ein Jugendverein und für bedürftige Gemeindeglieder der "Holzfond". In Sulzbürg errichtete die "Esragruppe" in den 1920er-Jahren ein Landheim mit 32 Plätzen (Gebäude Vorderer Berg 6, vgl. Texte). 1932 war Gemeindevorsteher Wolf Grünebaum, Schriftführer und Schatzmeister Emanuel Regensburger. Dazu gab es die Gemeinderepräsentanz unter Vorsitz von Wolf Grünebaum. 
  
1933 lebten 16 jüdische Personen in Sulzbürg. Wenige von ihnen verzogen in den folgenden Jahren von Sulzbürg, davon fünf nach den Ereignissen in der Pogromnacht 1938. Nach den Deportationen 1942 nach Piaski (bei Lublin/Polen) am 2. April 1942 (7 Personen) und der nach Theresienstadt am 23. September 1942 (drei Personen) gab es keine jüdischen Einwohner mehr in Sulzbürg (vermutlich außer einer in "Mischehe" lebenden jüdischen Person). 
   
Von den in Sulzbürg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und dem Gedenkbuch des Bundesarchives Berlin): Fanny (Fanni) Aron geb. Regensburger (1899), Emanuel Beer (1898), Sofie Buckmann geb. Neustädter (1887), Emilie (Milly) Dachauer geb. Feuchtwanger (1881), Henriette Feuchtwanger (1873), Max Bernhard Feuchtwanger (1880), Sigmund (Siegmund) Feuchtwanger (1878), Irma Erna Freising geb. Kaufmann (1887), Karl (Carl) Freising (1886), Thekla Freising (1900), Berta Fröhlich geb. Neuhaus (1873), Martha Grimm geb. Regensburger (1903), Heinrich Grünebaum (1883),  Wolf Grünebaum (1877), Albert Haas (1893), Frieda Haas Geb. Steinberger (1893), Semi Haas (1889), Rosalie (Rosel) Holstein geb. Weinberg (1899), Babette S. Kahn geb. Neustädter (1889), Lina Lehmann geb. Feuchtwanger (1876), Anni Leiser geb. Bloch (1905; unklar: wegen Geburtsname Bloch eher geb. in Sulzburg?), Siegfried Löwenstein (1885), Siegfried Metzger (1893), Edith Michel geb. Rosenwald (1910), Gustav (Mordechai) Neustädter (1892), Jakob Neustädter (1883), Josef (Joseph) Neustädter (1885), Josef (Joseph) Neustädter (1896), Julius Neustädter (1879), Martha Neustädter geb. Löwenberger (1888), Siegfried Neustädter (1885), Emanuel Regensburger (1853), Karl Regensburger (1905), Johanna Rosenberg geb. Grünebaum (1878), Adolf Rosenwald (1890), Cäcilie (Cesi) Rosenwald (1911), David Rosenwald (1879), Erich Rosenwald (1883, Name noch unbestätigt, wurde versehentlich Salzburg zugeschrieben), Hanna (Hannchen) Rosenwald geb. Straus (1886), Leopold Rosenwald (1882), Martha Schloss geb. Oppenheimer (1894), Jeanette Schwarzschild geb. Regensburger (1872), Jakob Sondhelm (1898), Sidonie Sondhelm geb. Regensburger (1874), Siegfried Sondhelm (1899), Malchen Tachauer geb. Grünebaum (1887), Rosa Uhlfelder geb. Haas (1891), Julie Wachenheimer geb. Regensburger (1878), Leopold Friedrich Weil (1888), Paula Weil (1873), Rebekka Weil geb. Eismann (1859), Dr. Joseph (Josef) Weinberg (1909), Rabbiner Max Weinberg (1867).   
     
Hinweis: in verschiedenen Datenbanken mit Namen der jüdischen Opfer der NS-Zeit kommt es immer wieder zu Verwechslungen von Sulzbürg mit dem südbadischen Sulzburg oder auch mit dem österreichischen Salzburg. 
Dr. Gert Kerschbaumer (Salzburg) hat Namen von Opfern aus Sulzbürg und Sulzburg zusammengestellt, die in Datenbanken (DÖW = Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Yad Vashem u.a.) versehentlich Salzburg zugeordnet wurden: die Zusammenstellung ist eingestellt als pdf-Datei und nennt aus Sulzbürg Emanuel Beer, Rosalie Holstein geb. Weinberg, Dr. Joseph (Josef) Weinberg, vermutlich auch Erich Rosenwald und Ludwig Strauss (evt. auch aus Sulzburg).    
       
       

 
     
Zur Geschichte der Synagoge    
       
Das Vorhandensein einer Synagoge in Sulzbürg bereits im Jahr 1371 hat sich als Lesefehler eines 1726 verfassten Textes von David Koeler (s.o.) herausgestellt.
      
Bis zum 18. Jahrhundert gibt es über Beträume / Synagogen nur wenige Informationen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts soll jedoch eine Synagoge (oder zumindest ein Betraum) am Ort vorhanden gewesen sein. Nach einer Überlieferung wurde sie 1677 erbaut beziehungsweise. Die Zeichnung des Hochzeitssteines mit dieser Jahreszahl ist noch bekannt. Eine andere Quelle nennt das Jahr 1706 für einen Synagogenbau. Hierbei handelte es sich um einen Anbau an eines der Judenhäuser, das 1942 abgebrochen wurde oder um ein Bethaus auf demselben Grundstück wie die spätere Synagoge von 1799.  

Sulzbuerg Synagoge 006.jpg (29866 Byte) Links: Jüdisches Wohnhaus (1942 abgebrochen) mit rechts angebautem Betsaal (Quelle)

Die Synagoge, deren Gebäude bis zur Gegenwart steht, wurde 1799 gebaut. 1849 wurde sie renoviert. Über besondere Ereignisse in der Synagogengeschichte liegen einzelne Berichte aus jüdischen Periodika vor:       
  
Spende eines Toraschreinvorhanges (Parochet) für die Synagoge (1903)

Sulzbuerg Israelit 26021903s.jpg (43965 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1903: "Sulzbürg, Oberpfalz. Ein Werk schönster, gemeinnützigster Denkungsart bekundete Herr Isak Burger, Kultusvorstand dahier und dessen Gemahlin, indem dieselben anlässlich der am Schabbat Kodesch Paraschat Schekalim (Heiliger Schabbat mit der Toralesung Schekalim) stattfindenden Bar Mizwa ihres Sohnes für die hiesige Synagoge ein prachtvolles Parochet (Toraschreinvorhang) stifteten, dessen Stickerei als ein Kunstwerk bezeichnet werden muss, und gereicht diese kostbare Spende sowohl den Spendern wie den Empfängern zu großer  Ehre, so dass beide Teile anlässlich der bevorstehenden Feier in den Jubelruf einstimmen können: 'Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat, lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein."

   
Prinzregentenfeier in der Synagoge (1908)    

Suelzburg Israelit 26031908.jpg (39881 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1908: "Sulzbürg, Oberpfalz, 12. März (1908). Die Prinzregentenfeier wurde heute in der hiesigen Synagog3e unter Beteiligung des hiesigen Krieger- und Veteranenvereins und eines großen Teiles der christlichen Bevölkerung in wahrhaft erhebender Weise abgehalten. Herr Rabbiner Dr. Weinberg hielt eine schöne, der Weihe des Tages entsprechende Rede und der Chor funktionierte ausgezeichnet. Die ganze patriotische Veranstaltung hinterließ bei allen Teilnehmern den besten Eindruck."     

 
Einführung des Gemeindegesanges beim Gottesdienst (1909)

Sulzbuerg Israelit 05081909s.jpg (45413 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1909: "Sulzbürg, 26. Juli (1909). Mit dem verflossenen Pessachfeste haben wir in hiesiger Gemeinde mit der Einführung des Gemeindegesanges beim Gottesdienste unter strengster Wahrung der dem Religionsgesetze und der Überlieferung entsprechenden Form begonnen. Diese Neueinrichtung verdanken wir unserem Kantor, Herrn Harris Cohen, der sich mit unermüdlichem Eifer der Mühe unterzog, die Gesänge mit einigen jungen Leuten einzuüben."

   
1924
konnte das 125jährige Bestehen des Gotteshauses gefeiert werden. 1925/26 wurde die Synagoge erneut unter großem Aufwand renoviert.   
    
Synagogenrenovierung und Wiedereinweihung der Synagoge (1926)  

Sulzbuerg BayrGZ 07101926.jpg (112192 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 7. Oktober 1926: "Sulzbürg, der idyllisch gelegene Marktflecken in der Oberpfalz, hatte früher eine ansehnliche jüdische Gemeinde, die aber jetzt auf wenige Mitglieder zurückgegangen ist. Dieselben betrachten es aber als Ehrenpflicht, ihre altehrwürdige Synagoge in gutem Zustand zu erhalten. Vor zwei Jahren konnte die Gemeinde das 125jährige Bestehen des Gotteshauses feiern. Im vergangenen Jahr wurde dasselbe mit elektrischem Licht ausgestattet und jetzt, Dank der Bemühungen des rührigen Vorstandes, Herrn Rosenwald, vollständig renoviert. Die Gemeinde ließ es sich nicht nehmen, den ersten Gottesdienst in den verschönerten Räumen feierlich zu begehen und hierzu auch Gäste aus der Umgegend sowie den Israelitischen Gemeindeverband einzuladen, welcher die Sache finanziell gefördert hat. Herr Distriktsrabbiner Dr. Weinberg übernahm die Festpredigt und würdigte rühmend den echt jüdischen Geist, welcher in dieser kleinen Gemeinde herrsche. Der Verband ließ seine Wünsche durch Herrn Dreichlinger (Neumarkt) überbringen. Für die Gemeinde Sulzbürg war der Tag ein wichtiger Festtag und auch mit Recht. Die altehrwürdige Stätte wurde zu einem wahren Schmuckkästchen ausgestaltet, und besonders wurde darauf gesehen, dass bei der Bemalung und Ausschmückung die ursprüngliche Art wieder beibehalten worden ist. Der Aufenthalt stimmt zur Andacht, aber auch zum Nachdenken. Welch heilige Begeisterung für unser Judentum und welche Opferfreude muss unsere Voreltern beherrscht haben, wenn kleinere Gemeinden solch schöne Gotteshäuser errichten könnten. Möge dies unserer jetzigen Generation und unserem Nachwuchs ein Vorbild sein. 

1928 verfasste Rabbiner Dr. Magnus Weinberg einen Artikel über die wichtigsten Einrichtungen der jüdischen Gemeinde, hieraus der Abschnitt zur Synagoge: 

Sulzbuerg BayrGZ 01041928.jpg (391777 Byte) Sulzbuerg BayrGZ 01041928a.jpg (372020 Byte) Sulzbuerg BayrGZ 01041928 III.jpg (190325 Byte)
        
        

Sulzbuerg MWeinberg.jpg (26434 Byte)Betrachtungen von Rabbiner Dr. Magnus Weinberg (1867 - 1943 KZ Theresienstadt, Foto links, Quelle), Neumarkt (Oberpfalz) zu: Synagoge (und Friedhof) der Gemeinde Sulzbürg (Artikel in: "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" von 1. April 1928. S. 86-88): In meiner soeben erschienenen ‚Geschichte der Juden in der Oberpfalz’, Bd. IV, habe ich versucht, die Geschichte der alten ruhmreichen Gemeinde Sulzbürg zu verfolgen. Dabei war mir leider aus ökonomischen Rücksichten versagt, einen besonderen Wunsch zur Ausführung zu bringen, nämlich den, manche Darstellungen aus der Gemeinde durch Beigabe von Illustrationen anschaulicher zu machen. Einige der vorgesehenen Bilder erscheinen für weitere Kreise so instruktiv, dass ich sie auf diesem Wege veröffentliche. Sie wurden mir durch den Senior der Gemeinde, Herrn Moritz Wertheimer, der dreißig Jahre lang die Stelle des Gemeindedieners versah und mit der Gemeindegeschichte eng verwachsen ist, vermittelt.
Sulzbürg gehört leider zu den dahinschwindenden Gemeinden (wie es deren so viele in Bayern gibt), in denen die Führer und Einzelmitglieder stets eine heilige Aufgabe darin erblickten, die öffentlichen Gemeindeeinrichtungen in einer Vollendung herzustellen, die heute noch für manche Großgemeinde vorbildlich sein könnte. Für unsere alten Glaubensgenossen in den kleinen Städtchen und Dörfern gab es bei all ihrer geistigen Regsamkeit keine andere Möglichkeit, sich öffentlich zu betätigen, als in ihrem engen Gemeindeleben. Im Kommune und Staat waren sie nur passive, geduldete Mitglieder; um so mehr und umfassender kam ihr Tatendrang im Kehilloleben zur Geltung. Man muss heute beim tieferen Eindringen in die alten Gemeindeeinrichtungen und Gemeindebräuche oft staunen über das tief jüdische Verständnis, über den geradezu überraschenden natürlichen Kunstgeschmack, der noch nicht, wie heute oft, zur Schablone geworden und über den praktischen Sinn, der sich da oft offenbart. Und war da alles in den Bereich der öffentlichen Gemeindepflichten einbezogen wurde! In Sulzbürg zum Beispiel stehen zwei Gemeindesessel bereit, die bestimmt sind, bei vorkommenden Beschneidungen in das Haus gebracht zu werden, wo die Beschneidung vollzogen wird, ebenso der Gebärstuhl, der in vorkommenden Fällen in das Haus der Wehmutter überführt wurde und noch bis vor nicht allzu langer Zeit in Gebrauch war, - der silberne Gemeindekamm, mit welchem die Braut von den Frauen gekämmt wurde, bevor sie kurz vor der Hochzeit ‚unter die Haube’ kam usw., alles Dinge, die heute längst aus dem Aufgabenkreis der Gemeinden geschwunden sind. In alten, jetzt leer stehenden Synagogen einst berühmter Gemeinden finden wir eine bis in das kleinste gehende Durcharbeitung für die religiöse Praxis, die wir in unseren heutigen, vielfach nur für pompösen Eindruck hergerichteten, vergeblich suchen. In diesen Einzelheiten gerade merkt man die Liebe, mit der man an allem hing, was das religiöse Gemeinschaftsleben betraf. Ich möchte hier auch an die leider noch so wenig bekannten, kulturhistorisch so überaus bedeutsamen Memorbüchern erinnern, die als besonders heiliges Besitztum, immer wieder durch neue Einträge bereichert, von einer Generation zur anderen überging und die bedeutenden Persönlichkeiten der Gemeinde in der Erinnerung weiterleben ließ. In dem individuellen Geschmack, mit dem man sie ausstattete, zeigt sich die oft ergreifende Hingabe für höhere, über den Augenblick hinausgehende Interessen und Ideen.
Die Synagoge von Sulzbürg verkörpert diese Schönheit und Zweckmäßigkeit in sich in besonderem Maße, zumal jetzt, wo sie im vorigen Jahre mit tatkräftiger Unterstützung des Gemeindeverbandes renoviert ist und sich in ursprünglicher Schönheit uns präsentiert, wie sie sich im Bild 1 zeigt. Der Bau selbst ist von ganz besonderer Eigenart. Er ist direkt in den Berg hineingetrieben. So ergibt es sich, dass an der oberen und Hauptfront, wo der Eingang in die Frauensynagoge sich zur ebenen Erde befindet, das Dach nur zwei bis drei Meter über den Boden ragt, während der Weg zur Männersynagoge dort auf einer massiven Außentreppe neben dem Haus bergab führt. Die Rückfront, die den Haupteindruck vermittelt, hat dadurch die Höhe von etwa zehn bis zwölf Metern. Wohlausgestattete Räume für die Wohnung des Kultusbeamten, die Schule und Gemeindesitzungen sind eingebaut (Bild 2).
Die Betrachtung zum Friedhof von Sulzbürg siehe bei der Friedhofsseite.

Beim Novemberpogrom 1938 wurden das gesamte Inventar der Synagoge und die Ritualien vernichtet. Etwa 12 Torarollen wurden mit Beilen zerschlagen, das Synagogengebäude wurde beschädigt. Die festgenommenen Männer, nur alte Männe, wurden von der Polizei nach kurzer Zeit wieder nach Hause geschickt. Ein Gemeindemitglied, dem man damit drohte, ihn mit einem Torawimpel um den Hals in der Synagoge aufzuhängen, wurde brutal verprügelt, verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt.   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge: Engelgasse 14 (Alte Anschrift: Hauptstraße Haus Nr. 63).     
    

    
Fotos 

(Quelle: obere Reihe
Fotos von Theodor Harburger; Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th. Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. 1998 S. 719-720; Zweite Fotozeile: aus der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. April 1928; Farbfotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.6.2006). 

Ritualien (Kultgegenstände)
 aus der Synagoge in Sulzbürg (1929) 
Sulzbuerg Memorbuch 01.jpg (109787 Byte) Sulzbuerg Synagoge 015.jpg (103357 Byte)
    Memorbuch der 
Gemeinde Sulzbürg  
Tora-Schild (Tass) zum 
Schmuck der Torarolle  
        
Die Synagoge 1928   Sulzbuerg BayrGZ 01041928 s1.jpg (30333 Byte) Sulzbuerg BayrGZ 01041928 s2.jpg (36042 Byte)
  Außenaufnahme der Synagoge   Innenaufnahme der Synagoge  
        
  
Die ehemalige Synagoge 2006  
     
Sulzbuerg Synagoge 100.jpg (57836 Byte) Sulzbuerg Synagoge 103.jpg (49302 Byte) Sulzbuerg Synagoge 102.jpg (61532 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge 
von der Engelgasse  
Blick auf das Gebäude 
von Osten  
Blick auf das Gebäude 
von Westen  
     
  Jüdische Wohnhäuser    
Sulzbuerg Ort 101.jpg (59777 Byte) Sulzbuerg Friedhof 114.jpg (76206 Byte) Sulzbuerg Ort 100.jpg (61120 Byte)
In Sulzbürg - früherer jüdischer Ortsteil: ehemalige jüdische Wohnhäuser  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

März 2016: In Sulzbürg sollen "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel von Helmut Sturm in der "Mittelbayerischen" vom 16. März 2016: "Gemeinde entscheidet über Projekt. Die 'Initiative Stolpersteine' will in Sulzbürg Erinnerungsorte schaffen. Der Bürgermeister will im Gemeinderat entscheiden.
Sulzbürg. Sogenannte 'Stolpersteine' sollen an die Nazi-Opfer der Region erinnern. Die Verlegung solcher Gedenksteine an ausgewählten Orten in der Stadt Neumarkt wurde im Stadtrat bereits einstimmig beschlossen. Jetzt ist das Projekt auch in Sulzbürg geplant. Einen Gemeinderatsbeschluss gibt es dort aber noch nicht.
Initiative berichtet von ihrer Arbeit. Mit einem bedrückenden Kurzfilm über die Zeit der Deportation jüdischer Familien eröffneten Klaus Eifler und Klaus Schubert von den kirchlichen Bildungswerken den Informationsabend zur 'Erinnerungskultur Stolpersteine'. Als Kooperationspartner der dreistündigen Abendveranstaltung beschrieb Prof. Dr. Heide Inhetveen von der 'Initiative Stolpersteine' den Sulzbürgern ihre Erfahrungen bei der Recherche und den Verlegungen. Die Stolpersteine, die im Boden vor den Häusern verlegt werden, sollen an die Deportation und die Ermordung von Juden, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas oder auch Sinti und Roma erinnern.
Die vom Künstler Gunter Demnig kreierten 'Stolpersteine' lassen die Passanten keinesfalls im Wortsinn stolpern – sie sollen durch die auffällige Gestaltung Aufmerksamkeit erwecken. Wenn man die Texte liest, ergebe sich automatisch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern des Holocaust, sagte Inhetveen. Eine Geste der Demut, wie es der Künstler Demnig bezeichnet. 'In Regensburg haben wir mit der Verlegung von Stolpersteinen ausschließlich gute Erfahrungen gemacht', sagte Dieter Weber von der dortigen Initiative. Die Liste der Paten sei lang und die Bereitschaft der Regensburger und auch der Touristen zum Spenden sei hoch.
Den Opfern ein nachhaltiges Gedenken zu schaffen und den Angehörigen einen Ort der Trauer zu geben: Das werde in Neumarkt von der Politik parteiübergreifend unterstützt. Die Initiative von Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann zur Aufklärung der Neumarkter NS-Vergangenheit habe sich deutlich bei den Vorbereitungen zu den 850-Jahr-Feier und der Einbindung ganzer Schulklassen zu diesem Thema gezeigt, sagte Dr. Frank Präger in Vertretung von Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger. Abschließend entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den wenigen Sulzbürgern im Landl Museum. Einer Besucherin war es deutlich unangenehm, dass die 'Stolpersteine' im Boden vor den Häusern verlegt werden sollten. Sie hätte die Steine lieber in Wänden gesehen. Auch die Sauberhaltung wäre so besser gewährleistet, meinte sie. Schwierige private Eigentumsverhältnisse sprächen dagegen. Und, dass es sich ja nicht um eine Grabstelle handele. Das genügte der Besucherin als Antwort der Vertreter der 'Initiative Stolpersteine' aber nicht ganz.
Berliner Künstler sei zu anonym. Mühlhausens Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer fügte noch an, dass auf dem Land das bürgerliche Einvernehmen auch auf öffentlichen Plätzen wichtig sei. Sein Sohn fand die Vergabe des Auftrags an einen Berliner Künstler zu anonym: 'Da zeige sich kein örtliches Engagement'. Hinweise zum Copyright und dem hohen Wiedererkennungswert der 'Stolpersteine' überzeugten ihn nicht vollends.
Die Erstverlegung der Stolpersteine in Neumarkt findet am Freitag, 27. Mai, um 9 Uhr, am Oberen Markt 5, statt. Im Anschluss soll es in Sulzbürg gegen 10 Uhr weitergehen. "
Link zum Artikel      
 
 

    
     

Links und Literatur   

Links: 

Website der Stadt Sulzbürg mit ausführlichen Informationsseiten zur Geschichte der Juden am Ort  
Seite zum jüdischen Friedhof in Sulzbürg (interner Link)      
Seite mit Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Sulzbürg 
Seite innerhalb der Dokumentation der "Stolpersteine" in Frankfurt am Main zum Schicksal der jüdischen Familie Ludwig Weil (aus Sulzbürg)  

Literatur:  

Magnus Weinberg:  Geschichte der Juden in der Oberpfalz. 4. Sulzbürg. 5. Herzogtum Sulzbach [Sulzbach u. Floss]. München 1922.
Germania Judaica II,2 S. 813; III,2 S. 1445.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 95-96.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 286-288.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 163-166.
Kurt Wappler: Geschichte der Sulzbürger Juden. Pdf-Datei.   
Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Sulzbürg S. 300-308 (die Forschungsergebnisse konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica"  noch nicht eingearbeitet werden). 
Neumarkt Lit 030.jpg (87979 Byte)Hans Georg Hirn: Jüdisches Leben in Neumarkt und Sulzbürg. Reihe: Neumarkter Historische Beiträge Bd. 12. 656 S. 2011. Artikel zur Buchvorstellung     

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Sulzbuerg Upper Palatinate. The first settlers were refugees from the Rindfleisch massacres of 1298 (from Neumarkt, Berching and Freystadt). They engaged in moneylending and the cattle trade under the tolerant rule of the ducal house of Wolfstein (until annexation to Bavaria in 1740). The community was virtually destroyed in the Thirty Years War (1618-1648) and numbered 12 families in 1705. In 1756 legal residence was limited to 30 families. In the second half of the 18th century, the Jews suffered from numerous economic restrictions, forcing them to engage mainly in petty trade and the cattle businesses. A new synagogue was dedicated in 1799 and a Jewish public school was opened in 1835. In 1867 the Jewish population was 180 (total 759) and thereafter declined steadily to 16 in 1933. Five emigrated by Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was vandalized. Seven were expelled to Piaski in the Lublin district (Poland) on 2 April 1942 and three to the Theresienstadt ghetto on 23 September 1942.     
      
        

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Mai 2017