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Mainstockheim (Kreis
Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Mainstockheim bestand eine jüdische Gemeinde bis
1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals
wird 1594 ein jüdischer Einwohner am Ort genannt. In der Zeit des
Dreißigjährigen Krieges (1631) lebten Juden u.a. aus Mainstockheim für
einige Zeit in Ansbach, vermutlich auf Grund der Bedrohung in den
Landgemeinden. 1771 flohen einige jüdische Familien aus Kitzingen nach
Mainstockheim. Auf Grund einer schweren Teuerung waren die jüdischen
Wohnhäuser dort geplündert und der Hausrat gestohlen wurden (1789 wurden auch
die letzten Juden Kitzingens ausgewiesen; die ersten Juden, die sich im 19.
Jahrhundert wieder dort niederlassen konnten, waren u.a. Kaufmann Joseph Silber aus
Mainstockheim, der 1831 ein Schnittwarengeschäft in Kitzingen eröffnen konnte;
1847 eröffnete Hirsch Stern aus Mainstockheim die mehrere Generationen
bestehende Eisenhandlung in Kitzingen).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
in Mainstockheim wie
folgt: 1816 169 jüdische Einwohner (13,5 % von insgesamt 1.250), 1837 212
(15,4 % von insgesamt 1.374), 1867 203 (14,9 % von insgesamt 1.359), 1880 155
(12,0 % von 1.291), 1900 123 (9,9 % von 1.245), 1910 82 (7,4 % von 1.100).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Mainstockheim auf
insgesamt 39 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Simson Samuel Witthan
(Mehlhandel), Meier Löb Ullmann (Handel), Löb Mendel (Weinhandel), Meier
Raphael Rosenthal (Schlachten), Raphael Mendel (Weinhandel), Raphael Loew
Ettenheim (Altkleiderhandel), Maier Joseph Stern (Schlechten), Zerla Raphael
Feldhan (Wildprets- und Rauchwarenhandel), Samuel Löw/Levi Müller (Kgl.
Lotto-Collecteur), Veist Kühn (Viehschlachten und Schlachten), Moses Kühn
(Warenhandel), Baruch Kühn (Schmusen), Herz Selig Rothstein (Schnitthandel),
Löw Abraham Neu (Schnitthandel), Seligmann Wolf Stern (Getreide-, Mehl- und
Krempelhandel), Reitz Abraham Sichel (Schnittwarenhandel), Herz Löw Fisch
(Schmusen und Altkleiderhandel), Löw Schmul Fisch (Schmusen und
Altkleiderhandel), Löw Schmul Fisch (Schmusen), Loeb Salomon Ziegel
(Altkleiderhandel, Handel im Kleinen), Simon Loeb Ziegel (Schnitthandel), Joseph
Mendel (Kapitalist, Judenvorgänger), Süßlein Samuel Friedmann
(Schnitthandel), Moses Ischa Freymann (Viehhandel), Ischa Moses Freymann
(Viehhandel), Jonas Loeser Scheid (Schnitthandel und Schmusen), Abraham Loeser
Scheid (Schnitthandel und Schmusen), Sara, vermutlich Witwe von Raphael Dulp
(wird durch ihren Sohn ernährt), Samuel Meier Bichmann (Schmusen), Benjamin
Schmul Sander (Vieh- und Schnitthandel), Hirsch David Hoech (Schmusen), Moses
Loeb Hahn (Schnitthandel und Kremplerei), Isaac Schmul Feigenbaum
(Schnitthandel), Selig Salomon Silber (Schnittwarenhandel, dann mit Zucker,
Kaffee und Salz), Salomon Selig Silber (Schnitthandel und Schmusen), Scholum
Baer Stübel (Wein-, Häuser-, Güter- und Geldmäkler), Joseph Wolf Stern
(Krempel- und Schnitthandel), Wolf Joseph Stern (lebt von Alimenten seines
[vorgenannten] Sohnes Joseph Wolf Stern), Löb Eissig Eisenbach (Schnitthandel),
Nachum Selig Silber (Schnitthandel).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Israelitische Elementarschule, ein Gemeindehaus und ein rituelles Bad.
Zeitweise (bis zur Verlegung nach Miltenberg) bestand am Ort auch eine
"Kleine Jeschiwa", eine Vorbereitungsanstalt zur Talmud-Schule. Die Toten
der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof von Rödelsee beigesetzt.
Nach
1866 bestand für einige Jahre am Ort das private Handels- und Erziehungsinstitut von Abraham
Hirsch (s.u.). Es war von Miltenberg hierher verlegt wurden und wurde
einige Jahre danach nach Burgpreppach verlegt (als Präparandenschule). Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war
ein Lehrer angestellt (zur Zeit des Bestehens der Elementarschule ein
Volksschullehrer), der zugleich als Vorbeter tätig war.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Isack (Isi) Klein
(geb. 18.3.1894 in Mainstockheim, gef. 13.11.1914), Salomon Ernst Nußbaum (geb.
5.3.1885 in Weimarschmieden, gef. 12.3.1915) und Justin Sonder (geb. 23.8.1897
in Mainstockheim, gef. 21.8.1918). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal in der Ortsmitte an der
Kreuzung Hauptstraße/Mühlweg. Außerdem sind gefallen: Leutnant Emil Höchster
(geb. 27.10.1894 in Mainstockheim, vor 1914 in Fürth wohnhaft, gef.
12.10.1917), Berthold Klein (geb. 8.8.1889 in Mainstockheim, vor 1914 in
Veitshöchheim wohnhaft, gef. 25.5.1915), Fritz Rothstein (geb. 23.10.1895 in
Mainstockheim, vor 1914 in Würzburg wohnhaft, gef. 15.12.1914).
Um 1924, als noch 75 jüdische Einwohner gezählt wurden (6,52 % von insgesamt
1.150 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Josef Lomnitz und
Siegmund Stern. Als Religionslehrer und Kultusbeamter war Moritz Wurzmann tätig
(bereits seit etwa 40 Jahren in der Gemeinde, siehe Berichte zu seinem Tod unten).
Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde damals ein Kind. An jüdischen
Vereinen bestanden die Chewra Bachurim (gegründet 1840;
Jünglingsverein, 1924/32 unter Leitung von Samuel Stern,
20/18 Mitglieder; Ziel: Unterstützung ortsansässiger Hilfsbedürftiger), die Chewra Kadischa
(Beerdigungs- und Sozialverein; 1924 unter Leitung von Elias Simon, 3
Mitglieder), der Wohltätigkeitsverein Gemillus Chassodim (Wohltätigkeitsverein,
1924 unter
Leitung von Julius Klein, 3 Mitglieder) und der Jüdische Frauenverein (gegründet
1905; 1924/32 unter Leitung
von Bertha Sonder, 15/23 Mitglieder; Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger). Die Gemeinde war dem Distriktsrabbinat in
Würzburg zugeteilt. 1932 waren die Vorsteher Theo Stern, Julius Simon und
Siegfried Rindsberg (letzterer in der Funktion des Schatzmeisters). Als Lehrer
wird 1932 Siegbert Friedmann genannt. Er war seit 1925 Nachfolger von
Lehrer Wurzmann (siehe Bericht unten).
1933 lebten 74 jüdische Personen in Mainstockheim. Die Ortsverwaltung
und die christliche Einwohnerschaft taten sich alsbald durch antijüdische
Initiativen hervor. Im Oktober 1933 untersagte der Bürgermeister ortsfremden
Juden, Mainstockheim ohne Sondergenehmigung zu betreten. Im Oktober 1934
erschienen Plakate am Ort, auf denen der Auszug der Juden gefordert wurde. Das
jüdische Gemeindeleben bestand bis 1938 fort. An der jüdische Volksschule
wurden 1937 noch elf Schüler unterrichtet. Bis 1938 konnten mit Unterstützung
der jüdischen Gemeinde Würzburg mehrere kulturelle Veranstaltungen und
Ausbildungskurse durchgeführt werden. Beim Novemberpogrom 1938 kam es offenbar
auf Grund des Einschreitens des Bürgermeisters zu keinen Übergriffen gegen
jüdische Privathäuser. 1939 lebten noch etwa 40 jüdische Personen am Ort. Am
21. März 1942 wurden 27 von ihnen nach Izbica bei Lublin deportiert. Im
September 1942 wurden vier weitere Juden in das Ghetto Theresienstadt
verschleppt.
Von den in Mainstockheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Alfred Adler (1922), Max Adler (1882), Meta
Pauline Adler geb. Liebenstein (1885), Ernestine Bamberger geb. Stern
(1883), Ernestine Bauer geb. Stern (1882), Hedwig Blättner (1889), Inge
Bravmann (1924), Sara Cohn geb. Sonn (1870), Jenni Droller geb. Sonn (1877), Klara Eichenbronner
geb. Rothstein (1878), Alfred Feldhahn (1880), Fritz Feldhahn (1892), Ida Friedmann geb.
Kissinger (1888), Lilli (Lily) Friedmann (1920), Siegbert Friedmann (1880),
Henny Klara Gottlieb geb. Silber (1884), Gustav Höchster (1892), Julius
Höchster (geb. ?), Klara Kahn geb. Stern (1885), Thekla Kraus (1899), Karoline Lärmer geb. Liebenstein (1884), Lippmann Lärmer (1883), Dina Lehmann
geb. Wurzmann (1890), Joseph Lessinger (1882), Katharina Liebenstein (1888),
Selma Liebmann geb. Rothstein (1878), Lina Loeb geb. Schwab
(1856), Josef Lomnitz (1874), Sofie Lomnitz geb. Kahn (1875), Ilse Luber geb.
Zimmermann (1906), Rudolf Luber (1899), Hedwig Metzger geb. Rothstein (1898), Moses Oppenheimer (geb. ?),
Betty Ottensoser geb. Rothstein (1852), Norbert Rau (1922), Herbert
Rindsberg (1926), Kurt Rindsberg (1928), Rika Rindsberg geb. Rindsberg (1893), Siegfried Rindsberg (1891), Dinchen Rosenstein geb.
Sonder (1873),
Antonie Rothstein (1900), Heinrich Rothstein (1872), Jette Rothstein geb. Stern (1872), Rudolf Rothstein
(1869), Siegfried Rothstein (1908), Sigmund Rothstein (1867), Babette Schornstein (1926), Emilie Schornstein
geb. Silber (1886), Hermann Schornstein (1894), Justin Schornstein (1923), Max
Schornstein (1924), Otto Schneider (1870), Frieda Simon geb. Oppenheimer (1892), Paula
M. Simon (1927), Julius Simon (1887), Siegbert Simon (1930), Eduard Sonder (1868),
Salomon Sonder (1876), Simon Sonder (1867), Cäcilie Sonder geb. Stern (1900), Raphael
Abraham Sonn (1873), Sanni Sonn geb. Droler (1875), Sofie Steinheimer geb. Stern
(1881), Max Stern (1876), Sara Clara Stern (1885),
Else Stiefel geb. Kahn (1910), Judith Stiefel (1937), Maier Strauss (1875), Babette Wahlhaus geb.
Sonder (1900), Erna Anna Elli Wilmersdörfer geb. Eichenbronner (1902), Bertl Wolf geb. Oppenheimer
(1880), Paula Wolfromm geb. Adler (1881).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Zum Tod des Lehrer Moritz Wurzmann (1931) - 41 Jahre Lehrer in
Mainstockheim
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai
1931: "Moritz Wurzmann - er ruhe in Frieden. Wiederum
ist einer unserer 'guten Alten' von uns weggegangen. Moritz Wurzmann, der
41 Jahre in Mainstockheim wirkte, segnete im Alter von 70 Jahren,
als Oberlehrer im Ruhestand, in Schlüchtern
das Zeitliche. Dort verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens bei
seinen Kindern und dort ging ihm auch vor wenigen Monaten seine treue
Gattin - sie ruhe in Frieden - im Tode voran. 'Die sich geliebt und
hold gewesen bei ihrem Leben, sie sollten auch im Tode nicht getrennt
sein.' Früh verwaist, kam er von seinem Geburtsort Demmelsdorf
in Oberfranken in die Waisenanstalt nach Fürth, absolvierte dann die
Präparandenschule Burgpreppach und das Lehrerseminar zu Würzburg, beides
mit sehr gutem Erfolge. Nur kurze Zeit wirkte er in Wiesenfeld bei
Würzburg, dann übernahm er die jüdische Volksschule in Mainstockheim.
Mit pädagogischem Blick und Geschickt wirkte er mehr als 40 Jahre an
derselben und griff dabei oft über das amtlich abgesteckte Lehrziel
hinaus. Es war bekannt, dass Wurzmanns Schüler, wenn sie in die
Mittelschule übertraten, dort stets zu den besten zählten. Dabei hatte
seine Methode etwas durchaus Ruhiges an sich, den Tod einer gemütlichen
Unterhaltung. Alle seine Funktionen versah er in alter schlichter Yiroh
(Gottesfurcht) in in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit. Auf unseren
Versammlungen (gemeint: des Lehrervereins) war er ein gern gesehener
Freund und Kollege, wenn die Beschwerlichkeiten allzu anstrengender Reisen
es nur immer zuließen. So hat er sich in seinem Leben die schönste Krone
gesichert, die Krone des guten Namens (auch hebräisch: die Krone des
guten Namens), ein dankbares, ehrendes Gedenken bei seiner Gemeinde,
seinen zahlreichen Schülern, seiner Kollegen im jüdischen Lehrerverein
Bayerns. Bei seiner Bestattung einige Tage vor Pessach musste mit
Rücksicht auf den Nissanmonat jedes laute Worte der Klage verstummen. Man
konnte aber die innere Ergriffenheit der stattlichen Trauerschar von den
Gesichtern ablesen. Von weiter Ferne waren Freunde und Bekannte
herbeigeeilt, dem Geliebten den letzten Ehrenzoll zu weihen. Seine
ehemalige Gemeinde Mainstockheim hatte eine würdige Vertretung
entsandt. Wir sichern dem entschlafenen Amtsbruder in unseren Reihen und
unserem Brudervereine Bayern das beste Gedenken. Er ruhe im Frieden! Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. M.D." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1931: "Schlüchtern,
12. April (1931). Nur 2 1/2 Monate nach dem Heimgang seiner treuen Gattin
und Weggenossin hat auch Moritz Wurzmann, Oberlehrer a.D. in Schlüchtern
des Zeitliche gesegnet. Er hat das biblische Alter im November vorigen
Jahres erreicht. Seine Wiege stand in Demmelsdorf
in Oberfranken. Frühzeitig verlor er, der Jüngste von fünf
Geschwistern, den Vater. Das Waisenhaus in Fürth
wurde ihm alsdann zur zweiten Heimat. Seine ausgezeichnete Begabung und
seine großen Fähigkeiten wiesen bald auf den Weg seiner ferneren
Ausbildung. Er kam auf die Präparandenschule Burgpreppach und nach deren
Absolvierung in das Lehrerseminar nach Würzburg. Nach Abschluss seiner
Studien erhielt er seine erste Stelle in Wiesenfeld
bei Karlstadt a.M. Hier war er nur zwei Jahre. Er folgte einem Rufe
der Regierung zur Übernahme der Volksschullehrerstelle in Mainstockheim
bei Würzburg. Was er hier in vollen 41 Jahren auf dem Gebiete der Schule,
in der Gemeinde und deren Wohlfahrtseinrichtungen Hervorragendes und
Segensreiches geleistet hat, war für ihn und seine Gemeinde von solch
erfolgreicher Tragweite, dass ihm des öfteren Lob und Anerkennung seitens
der Regierung zuteil wurde. Er war nicht nur der weithin bekannte und
berühmte Schulmann und Erzieher, dessen Schule den allerbesten Ruf hatte,
sondern auch ein Führer seiner Gemeinde, erfüllt von Toroh (Tora) und
Jiroh (Gottesfurcht), die er in Einlang zu bringen verstand mit Derech
Erez (respektvollem Umgang), wie man es sich nicht schöner und besser
wünschen konnte. Dem entsprach auch sein ganzes Wesen und Auftreten in
seiner dienstlichen wie privaten Betätigung, die durchdrungen war von
einer Ruhe und Gelassenheit und gekrönt von einer Bescheidenheit, die in
Familie und Wirkungskreis geradezu sprichwörtlich geworden war. Einer
solchen Persönlichkeit ergeben zu sein und ihr sein ganzes Herz zu
erschließen, galt in jüdischen und insbesondere auch in nichtjüdischen
Kreisen als selbstverständlich. Verehrung und Hochachtung wurden ihm
allerseits entgegengebracht.
Nach seiner Pensionierung verlegte er seinen Wohnsitz nach Schlüchtern,
um den Ruhestand in der Nähe seiner Angehörigen verbringen zu können.
Nur sechs Jahre waren ihm noch beschieden. Familie, Freunde und
Berufsgenossen werden dem Verstorbenen ein dankbares und ehrendes Gedenken
bewahren. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen." |
Siegbert Friedmann wird Nachfolger von Lehrer Wurzmann
(1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1925:
"Mainstockheim, 7. Dezember (1925). Der gestrige Schabbat
Paraschat Wajischlach (Schabbat mit der Toralesung Wajischlach
= 1. Mose 32,4 - 36,43, das war am 5. Dezember 1925) brachte ein für
unsere Gemeinde seltenes und schon lange ersehntes Ereignis. Ist es doch
nach einem mehrjährigen Interregnum unserem stets um das Gemeindewohl
bemühten rührigen 1. Vorstand Herr J. Lomnitz und dank der
Opferwilligkeit der Gemeinde gelungen, in der Person des Herrn S.
Friedmann, bisher Volksschullehrer in Schwanfeld,
einen Nachfolger des 40 Jahre hier wirkenden Oberlehrers a.D. Herrn
Wurzmann zu finden. Die Freude der Gemeinde über die Neubesetzung der
Stelle brachte der Vorstand am Schlusse des Freitag-Abend-Gottesdienstes
in der festlich geschmückten Synagoge in zu Herzen gehenden Worten zum
Ausdruck. Verherrlicht wurde die Einführungsfeier durch die Anwesenheit
unseres allverehrten Herrn Distriktsrabbiner Dr. Hanover, der in gewohnter
Meisterschaft die Wichtigkeit und Bedeutung des Lehrerberufs, zumal in
gegenwärtiger Zeit, in der das Judentum zum Kampfe gerüstet sein muss,
der Gemeinde darlegte. Herr Hauptlehrer Friedmann entwickelte dann unter
Zugrundelegung der symbolischen Bedeutung des Chanukka-Leuchters die
Aufgaben und Pflichten des Lehrers und versprach, nach besten Kräften
stets zum Wohle der Schule und Gemeinde zu wirken. Möge er erfolgreich
sein!" |
Zum Tod der Frau von Lehrer Wurzmann, Bertha
Wurzmann geb. Lichtenstädter (gest. 1931 in Schlüchtern)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1931:
"Schlüchtern, 25. Januar (1931). Kurz vor Eintritt in ihr 74.
Lebensjahr ist Frau Bertha Wurzmann geb. Lichtenstädter, Gattin des in
Schlüchtern im Ruhestand lebenden Oberlehrers M. Wurzmann, früher in Mainstockheim,
aus dem Leben geschieden. Mit ihr ist eine wackere Frau im wahrsten
Sinne des Wortes von uns gegangen. Sie war in Wiesenfeld
bei Karlstadt am Main geboren und konnte sich nahezu 45 Jahre eines
glücklichen und gesegneten Ehelebens erfreuen. Die tief überzeugte
Frömmigkeit, das unerschütterliche Gottesvertrauen, der ausgeprägte
Wohltätigkeitssinn der Heimgegangenen, gepaart mit ungewöhnlicher
Energie und großer Tüchtigkeit für jegliche Betätigung im Hause, in
der Familie und nicht zuletzt für die Allgemeinheit, lassen die edlen
Charaktereigenschaften der Entschlafenen im hellsten Lichte erstrahlen.
Ihr schlichtes, von aufrichtiger Güte erfülltes offenes, gerades Wesen,
das mit hohen Geistesgaben noch besonders ausgezeichnet war, ließ Viele
ihren wohlmeinenden Rat und ihre reiche Erfahrung in Anspruch nehmen. Bis
zur Ruhesetzung ihres Gatten war sie ihm in langen 41 Jahren die treueste
und bescheidenste Gefährtin und Mitarbeiterin in seinem hohen und
verantwortungsvollen Beruf als Volksschullehrer in Mainstockheim.
Auch während ihrer schweren Krankheit, die ihr die jüngste Tochter durch
eine geradezu übermenschliche Hingabe und Pflege in allem zu erleichtern
suchte, nahm sie noch bis zuletzt regen Anteil an den Geschehnissen der
Familie wie auch der Umwelt. An ihrem Leichenbegängnis kam dies erst
recht zum Ausdruck, wie über alles Erwarten groß der Kreis derer von
Fern und Nah war, die der Heimgegangenen Dank und Verehrung bis über das
Grab hinaus zollten. Mit dem leidenden, tief gebeugten Gatten trauern acht
Kinder um die stets zärtliche, liebevolle Gattin und bis an ihr
Lebensende fürsorgende Mutter. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens." |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1931: "Am
11. Januar 1931 wurde meine teure Frau, unsere innigst geliebte Mutter und
Großmutter Frau Bertha Wurzmann geb. Lichtenstädter im 74.
Lebensjahr von uns genommen.
Schlüchtern, Saarbrücken, Ulm, Halberstadt, Mailand, Januar 1931.
Im Namen der Hinterbliebenen M. Wurzmann, Oberlehrer
a.D." |
Aus der Geschichte des Handels- und
Erziehungsinstitutes (bzw. Erziehungs- und Unterrichtsanstalt) von Abraham
Hirsch nach 1866
Die Verlegung des Institutes von Miltenberg nach Mainstockheim
(1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1866:
"Aus Unterfranken. Es ist gewiss für jeden gesetzestreuen Israeliten
höchst erfreulich, einer Pflanzstätte des Wissens zu begegnen, in
welcher unserer heiligen Lehre verbunden mit respektvollem Umgang) gewissenhaft Rechnung getragen wird.
Eine solche ist die von Miltenberg nach
Mainstockheim am Main verlegte
Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt für Knaben des Instituts-Direktors
Abraham Hirsch. Dieser, ein sehr gelehrter Mann von edlem Charakter, hat
mehrere tüchtige Lehrkräfte für seine Anstalt gewonnen, sodass in
derselben Bibel, Mischna und Gemara, die neueren Sprachen und die
gemeinnützigen Lehrgegenstände mit aller Gründlichkeit unterrichtet
werden. Der Distrikts-Rabbiner Herr Abraham Adler in Aschaffenburg hatte
bereits, wie er sich darüber aussprach, mehrmals Gelegenheit, sich genau
zu überzeigen, welch ein vortrefflicher Geist des religiösen Lebens, der
Ordnung und des Fleißes in dieser Anstalt herrscht.
Es ist mit derselben ein Pensionat verbunden und Alle, welche ihre Kinder
diesem Institute anvertrauen, können sicher sein, dass die Zöglinge die
beste Behandlung und Beaufsichtigung genießen."
|
| Berichte über die Arbeit des Institutes
anlässlich von Prüfungen 1869 / 1870 / 1871 |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1869:
"Aus Unterfranken. Es ist heutzutage nicht selten der Fall, dass man
jüdische Institute antrifft, in welchen der Religionsunterricht mit einer
solchen Nonchalance und so kompendiös erteilt wird, dass die Kinder, wenn
sie die Schule verlassen, kaum das Nötigste wissen. Ein umso
erfreulicheres Bewusstsein gewährt es dem religiös-denkenden Israeliten,
wenn er Gelegenheit findet, Schulen zu besuchen, in welchen die
verschiedenen Zweige der Religionslehre mit Gewissenhaftigkeit und mit
wahrhaft regem Eifer gepflegt werden. Solche Schulanstalten verdienen
alles Lob und jede Anerkennung und können in unserer Zeit nicht laut
genug gepriesen werden. - Ich kann es daher nicht unterlassen, die
erfreulichen Resultate, die die jüngste Religionsprüfung an dem Handelslehrinstitute
des Herrn Direktors Hirsch zu Mainstockheim geliefert hat, in Ihrem
viel gelesenen Blatte zu registrieren und den Beweis zu liefern, wie es
möglich ist, neben gründlichem Elementar- und Realunterrichte auch einen
vollständig genügenden Religionsunterricht zu erteilen.
Es war am 22. August dieses Jahres, als Herr Distriktsrabbiner S. B.
Bamberger zu Würzburg die Prüfung in den Religionsfächern an dem
genannten Institute vornahm. - Kinder, die dieses Institut erst kurze Zeit
besuchen, können bereits den ganzen Pentateuch übersehen und
größtenteils die darin vorkommenden Gebote nach dem Buche Mizwot
Haschem erklären. Im Übersetzen der Propheten und in der biblischen
Geschichte wurde Ausgezeichnetes geleistet. Viele der Schüler konnten die
Dijim (sc. Rechte, Gesetze), die sie im Chaje Adam (sc.
populäre Schrift des Abraham Danzig, 1748-1820) gelernt hatten,
auswendig. Ich konnte mich eines freudigen Staunens nicht enthalten, als
ich auch die Prüfung in Mischnajot und Gemara ein
günstiges Resultat liefern sah. Die Leistungen des Herrn Direktors
Direktors Hirsch auf dem Gebiete der übrigen Wissenschaften sind
hinlänglich bekannt und ich behalte mir den Bericht über die Prüfung in
den Elementar- und Handelsfächern auf später vor, da dieselbe in Folge
einer Anordnung der Schulinspektion auf das Frühjahr verlegt wurde. Ich
halte es für ein verdienstliches Werk, diejenigen Eltern, denen es neben
gediegener Bildung um gründlichen Religionsunterricht zu tun ist, auf das
Handelslehrinstitut des Herrn Hirsch zu Mainstockheim aufmerksam zu machen
und kann hier den Wunsch nicht unterdrücken: möge mehrerwähntes
Institut sich immer wie bisher einer zahlreichen Frequenz erfreuen.
Helios." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1870.
"Aus Unterfranken, im April. In unserem Berichte vom Herbste des
vergangenen Jahres über das günstige Resultat der durch den Herrn Distriktsrabbinen
Bamberger abgehaltenen jüdischen Prüfung an dem Handels- und
Erziehungs-Institute des Herrn Direktor A. Hirsch in Mainstockheim am Main
haben wir die Überzeugung ausgesprochen, dass gewiss das Resultat des
Examens in den wissenschaftlichen Fächern ein ebenso günstiges sein
werde.
Wir freuen uns daher, den geschätzten Lesern des 'Israelit' berichten zu
können, dass dieser unserer Erwartung durch die Tat entsprochen worden
und glauben wir vielen wahren Israeliten, die oft in Verlegenheit sind,
eine Anstalt zu finden, in der gründlicher jüdischer Unterricht, gepaart
mit einem wissenschaftlichen, der allen Anforderungen der Zeit entspricht,
und vereinigt mit wahrer jüdischer Erziehung zu finden, einen Dienst zu
erweisen, indem wir ihnen folgende Mitteilung über die am Montag, den 4.
April stattgefundene Prüfung berichten.
Der von der königlichen Regierung bestimmte Kommissär hielt ein in alle
Unterrichtsfächer eingehendes und ausschließlich von ihm selbst
geleitetes Examen ab. An Schlusse desselben, nachdem er seine volle
Zufriedenheit über das glänzende Ergebnis der Prüfung trotz eines so
harten Winters, in welchem so oft Zöglinge durch Krankheit längere Zeit
an der Teilnahme am Unterricht verhindert waren, aussprach, führte er
noch hinzu, dass er von der königlichen Regierung beauftragt sei, der
Anstalt für das so sehr günstige Resultat der vorjährigen Prüfung die
öffentliche Anerkennung auszusprechen, und dass er nicht zweifle, dass
diese Belobung auch für das heute abgehaltene Examen erfolgen werde.
" |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1871:
"Mainstockheim, 3. September (1871). Am verflossenen Mittwoch wurde
in der Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt des Herrn A. Hirsch dahier die
Prüfung in den Religionslehrgegenständen durch Herrn Rabbiner Simon
Bamberger aus Fischach, im Auftrage des Herrn Distrikt-Rabbiners S.B.
Bamberger zu Würzburg, welcher selbst daran verhindert war, abgehalten.
Das Resultat dieser Prüfung war ein sehr glänzendes und für jeden
aufrichtigen Jehudi hererhebendes. Der Unterricht umfasste: Bibel,
Mischna, Gemara, Raschi zur Tora u.a.m., hebräische Sprachlehre und
wurde in allen diesen Gegenständen eingehend geprüft, wobei die von den
Schülern erworbenen Kenntnisse als sehr bedeutende erkannt und die
höchste erfreuliche Wahrnehmung gemacht werden konnte, dass alle diese
Disziplinen mit größter Lust und Liebe gelehrt und gelernt wurden.
Besonders lobend äußerte sich der Herr Examinator über die erzielten Erfolge
im Unterrichte der späteren Propheten (sc. Prophetenbücher ab
Jesaja), wobei die Zöglinge nebst exakter Übersetzung die herrlichen
Malbim'schen Erklärungen sehr gut wiedergaben. Bei allen Zöglingen, ohne
Ausnahme, trat eine ganz merkwürdige Liebe zur Tora zu Tage, die
deutlich zeigte, von welch' echt jüdischem Geiste diese Anstalt getragen
wird. Außer dem rühmlichst bekannten Herrn Direktor ist an der Anstalt
ein junger Mann, Herr Schwab tätig, welcher aus dem israelitischen
Lehrerseminare zu Würzburg hervorgegangen, und bei gediegener
pädagogischer Bildung von bestem Eifer beseelt ist.
Bei dem großem Mangel an Anstalten, in welchen nebst gründlichem
Unterrichte in den profanen Wissenschaften die Zöglinge auch eine echt
jüdische Erziehung genießen und schöne Kenntnisse in unserer
heiligen Tora erlangen, ist in der Tat jeder aufrichtig Religiöse dem
Herrn Hirsch für dessen edles Wirken vielen Dank schuldig, welchem wir
unsererseits durch diese Zeilen einen schwachen Ausdruck verleihen
wollten." |
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| Das Erziehungsinstitut wurde einige Jahre
später nach Burgpreppach verlegt und als Präparandenschule
weitergeführt. |
Anzeige zum Beginn des Sommersemesters (1872)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1872: "In
meiner Handels- und Erziehungs-Anstalt beginnt das Sommersemester am 6.
Mai. Näheres Prospekt.
Mainstockheim, im April 1872. A. Hirsch,
Direktor." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Besuch von Dr. S. Stiebel aus Schrimm in Mainstockheim (1868)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. September 1868: "Mainstockheim.
Es sei uns gestattet, dem Leserkreis dieses geschätzten Blattes, dessen
Blüte wir mit größter Befriedigung sich immer reicher entfalten sehen,
die Korrespondenz in der Beilage zu Nr. 19 des 'Israelit' - Schrimm,
Provinz Posen - hiermit zu bestätigen.
Dr. S. Stiebel aus Schrimm besuchte mit seiner jungen Gemahlin seine hier
wohnenden Eltern und Geschwister. Von dem hiesigen Kultus-Vorstande
aufgefordert, erfreute uns Dr. Stiebel am vergangenen Schabbat Paraschat
Schofetim (d.i. Schabbat mit der Toralesung Schofetim = 5. Mose
16,18 - 21,9, das war am 22. August 1868) in der hiesigen Synagoge mit
einer Rede, welche auf die Herzen aller Zuhörer einen überwältigenden
Eindruck hervorbrachte.
Nachdem der verehrte Redner im Eingange mit tief gefühlten Worten das
Glück und die hohe Seligkeit zu schildern versuchte, die ihm der heutige
Tag durch die Verkündigung des göttlichen Wortes an dieser geheiligten
Stätte verschaffte, ging derselbe zur eigentlichen in allen ihren Teilen
wohl durchdachten und von echt jüdischem Geiste durchwehten Rede
über.
Der Text 'Und all deine Kinder sind Lehrlinge des Herrn, und groß ist
der Friede deiner Kinder' (Jesaja 54,13), welcher vom Redner auf sehr
sinnige Weise erklärt wurde, gab ihm Gelegenheit, über Erziehung und
Unterricht in so erhebender Weise zu sprechen, dass alle Zuhörer tief
ergriffen waren, und den begeisternden und hinreißenden Worten in tiefer
Stille und Andacht lauschten. Gewiss werden diese anregenden Worte noch
lange in den Gemütern der Gemeindeglieder nachhallen!
Möge diese Anerkennung des Verdienstes dem hoch verehrten Redner ein
Zeichen unseres Dankes und eine Ermunterung sein, seine Bahn mutig zu
verfolgen und fort und fort zum Heile Israels zu wirken." |
Über Dr. S. Stiebel und seine erfolgreiche Wirksamkeit
in Schrimm (1868)
Artikel
in der Zeitschrift "Israelit" vom 6. Mai 1868: "Schrimm
(Provinz Posen). Es ist wohltuend auch aus hiesiger, wenig gekannter
Gemeinde einen erfreulichen Fortschritt auf dem Gebiete des jüdischen
Religionsunterrichtes zu melden. Vor 1 1/2 Jahren verbanden sich mehrere
wohlhabende Mitglieder hiesiger Gemeinde zu einem Vereine, der es sich zur
Aufgabe machte, der Jugend einen guten hebräischen Unterricht, den sie
bis dahin entbehrt, auf eigene Kosten zu verschaffen. - Da der größere
Teil der hiesigen Juden erwähnter Vereinsmitglieder das Gymnasium
besucht, musste auf eine Lehrkraft Bedacht genommen werden, die es vermag,
dieser imponierend bei ihr den religiösen Geist zu wecken und zu
erhalten. Und Gott sei Dank! In der Person des Dr. Stiebel aus Bayern hat
der genannte Verein einen Mann gefunden, der durch eisernen Fleiß,
seltene Ausdauer, herablassende Güte, und durch sein großes Wissen sich
die Liebe seiner Schüler und Schülerinnen in dem Maße erworben hat, wie
sie sonst nur eine öffentliche Lehranstalt aufzuweisen pflegt. - Mit
seltener Hingebung widmen sie sich dem früher fast gar nicht gekannten
Unterricht und lernen namentlich die dieser Schule auch angehörenden
Primaner des Gymnasium den Wert des Ersteren kennen. - Mein Zweck ist nun
heute über eine Feier zu berichten, die auf die Freunde des jüdischen
Unterrichts einen bleiben Eindruck übte...". |
ich meine die Prüfungsfeier. die am 2. Tag von Pessach stattfand. Nachdem
Herr Dr. Stiebel über die Aufgabe der Religionsschule und der
Hindernisse, die eine solche zu bestehen hat, besonders hier, wo sie von
mancher Seite noch angefeindet wird, in ergreifenden Worten gesprochen,
überraschten die Mädchen durch ihr so vielseitiges Wissen in allen Fächern
des jüdischen Unterrichts ganz besonders. Man sah ihnen an, dass sie mit
wahrer Hingebung demselben gefolgt sie; sie kannten nicht nur de
Geschichte, sondern waren im Übersetzen der meisten Gebetstücke, eines
Teiles der 'Sprüche der Väter', in den Glaubenslehren vollständig zu
Hause. - Die Knaben, die noch einen zweiten Lehrer beschäftigen, zeigten
nicht minder... |
Die jüdische Gemeinde möchte ihr Archiv
aufarbeiten (1913)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7.
November 1913: "Dettelbach,
Bayern. Einen interessanten Vortrag hielt unser Lehrer Mannheimer. Er
hatte in mühevoller Arbeit die alten Akten der Gemeinde gesammelt
und eine Art Chronik dazu geschrieben. Acht Foliobände mit 2213 Belegen,
mit Sachregister und Nummern versehen, bilden nun den Grundstock eines
Archivs der Gemeinde. In einem einstündigen Vortrag referierte er
darüber und erntete reichen Beifall für seine interessanten
Ausführungen. -
Auch war die Nachbargemeinde Mainstockheim durch ihren Vorstand und
mehrere Gemeindemitglieder vertreten, da sie ebenfalls ihr altes
Aktenmaterial sichten und binden lassen will. Das sollte und könnte
in noch vielen Gemeinden geschehen! Heimatliebe und jüdische Pietät
sollten dahin führen. In dieser Beziehung hat sich Lehrer Mannheimer um
die hiesige Kultusgemeinde ein bleibendes Verdienst erworben. S." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Jakob Stiebel (1879)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1879.
"Mainstockheim. Durch den unerforschlichen unabänderlichen
Ratschluss der obwaltenden Vorsehung hat unsere Gemeinde einen
bedauernswerten Verlust erlitten. Unser allbeliebtes Gemeindemitglied,
Herr Jakob Stiebel seligen Angedenkens, hat das Zeitliche gesegnet, er ist
heimgegangen zu seinen Vätern, um von dem Allvater im Himmel den Lohn
für sein gottgefälliges Leben zu empfangen. Der Verewigte lebte zwar in
bescheidenen Verhältnissen, dies hinderte ihn jedoch nicht, seine Kinder
zu Gottesfurcht und Tugend zu erziehen. Sein einziges Streben war stets,
seinen Kindern regen Sinn für die Tora einzuflößen und er hat
auch ein günstiges Resultat hierin erzielt. Herr Dr. S. Stiebel, Rabbiner
zu Strasburg in Westpreußen, dessen Name in orthodoxen Kreisen von gutem,
Klang ist, ist sein ältester Sohn. Der zweite der Vorstand unserer
Gemeinde, erfreut sich ebenfalls ob seines echt jüdischen Charakters und
seiner allbekannten Wohltätigkeit des besten Rufes in hiesiger Gegend.
Der Verewigte befleißigte sich stets der strengsten Rechtlichkeit in
Handel und Wandel, er versäumte nie, wenn nicht durch besondere Umstände
gehindert, das Gebet in der Synagoge, er war überhaupt in echtem Sinne
ein Jehudi von altem Schlage, dessen Reihen heute leider so sehr gelichtet
sind. Herr Rabbiner Adler aus Kitzingen sprach auch am Sarge des
Verewigten in diesem Sinne, indem er besonders die Tatsache hervorhob,
dass der Verblichene, zwar nicht selbst ein Sohn der Tora (sc. er
hat nicht Tora studiert), doch sehr große Liebe zur Tora zeigte,
wovon die Erziehung seiner Kinder zur Tora am besten zeugt. Möge
der Verblichene in den lichten Sphären die ewige Ruhe finden nach einem
dornenvollen, von manchen Schicksalsschlägen heimgesuchten irdischen
Dasein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod des langjährigen Kultusvorstandes
in Mainstockheim, später in Kitzingen Hirsch Stern (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1892:
"Kitzingen. Eine angesehene Familie und mit ihr die hiesige Gemeinde
und das orthodoxe Judentum hat einen tief schmerzlichen Verlust erlitten.
Am 1. November schied nämlich im Alter von 70 Jahren und 10 Monaten Herr
Kaufmann Hirsch Stern, früher langjähriger Kultusvorstand in dem nahen
Mainstockheim und später hier, aus dem Leben. Die äußerst zahlreiche
Beteiligung aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung bei dem
Leichenbegängnisse bewies, dass der Verlebte, der seit Jahren auch das
Amt eines Gemeindebevollmächtigten in hiesiger Stadt bekleidete, in hohem
Ansehen stand. In der Leichenrede betonte Herr Distrikts-Rabbiner Adler,
dass der Verstorbene bei liebevollstem Wesen gegen jeden Menschen, ohne
Unterschied des Bekenntnisses, treu am Judentums hing und die Vorschriften
desselben aufs Strengste befolgte, und hob von den vielen Tugenden, die
ihn zierten, die Redlichkeit, Wohltätigkeit und Bescheidenheit
hervor.
Der gute Name, der gute Ruf, den der teuere Verblichene in ganz
seltener Weise hinterlassen hat, wird Manchen zur Nacheiferung anspornen,
sodass er noch nach seinem Tode Gutes stiften und sein Andenken zum Segen
gereichen wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod des langjährigen Kultusvorstehers und
ehemaligen Lehrers am Lehrinstitut Mainstockheim Gerson Kahn (1910)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 28. Oktober
1910: "Mainstockheim (Unterfranken). Hier verschied der langjährige
Kultusvorstand der israelitischen Gemeinde, Gerson Kahn. Er ragte an
Bildung und Wissen weit über den sogenannten 'Durchschnitt' hinaus. Hatte
er doch Gymnasium und Universität besucht, um Rabbiner zu werden! In
seiner Jugend wirkte er als Lehrer im Rheinland und dann am hiesigen
Lehrinstitut, das später nach Burgpreppach übersiedelte und die jetzige
Präparandenschule bildet. Erst dann widmete er sich dem Geschäfte, dem
Weinhandel. Das Vertrauen seiner Mitbürger rief ihn in die politische
Gemeindeverwaltung. Mehr als 20 Jahre war er Kultusvorstand dahier.
Bei der Beerdigung sprachen Rabbiner Bamberger - Würzburg, Rabbiner Adler
- Kitzingen, der Schwager des Heimgegangenen, Dr. chem. Schulhöfer -
Würzburg als Mitlogenbruder und Stern - Mainstockheim für die jüdische
Gemeinde daselbst. M." |
Zum Tod der Rabbinerwitwe (Burgpreppach) Frau Hirsch (1915)
Anmerkung: Eine besondere Beziehung von Frau Hirsch zu
Mainstockheim war dadurch gegeben, dass ihr Mann, Rabbiner Dr. Abraham Hirsch
nach 1866 ein Handels- und Erziehungsinstitut in Mainstockheim leitete (siehe
oben), das dann als Präparandenanstalt nach Burgpreppach verlegt wurde.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1915: "Mainstockheim,
16. April (1915). Am 7. Tag des Pessachfestes (= 5. April 1915)
starb hier nach kurzem Leiden unerwartet im Alter von 73 Jahren eine
unserer besten und edelsten Frauen, die Rabbinerwitwe Frau Hirsch - sie
ruhe in Frieden. Ein vorbildliches Leben hat mit dem Heimgange dieser
edlen, für Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit begeisterten
Frauengestalt einen würdigen Abschluss gefunden. Als Tochter des Rabbiner
J.G. Adler - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in
Burgpreppach hatte sie in einem Hause, in dem alte echtjüdische
Frömmigkeit ihren Sitz hatte und an der Seite ihres früh heimgegangenen
Gatten, Rabbiner Abraham Hirsch - seligen Andenkens - des
Begründers der Israelitischen Präparandenschule, Burgpreppach, das Leben
einer wackeren Frau in des Wortes schönster Bedeutung geführt,
welche Tugenden sie auch in ihrem Witwendasein treulich hütete. Da ihr
der Kindersegen versagt war, so fand sie ihr schönstes Glück darin, wenn
sie an den Feiertagen in ihrer stillen Häuslichkeit in Mainstockheim,
wohin sie nach dem Tode ihres Mannes übersiedelte, ihre auswärtigen
jugendlichen Anverwandten, denen sie mit mütterlicher Liebe und Fürsorge
zugetan war, als Gäste bewirten konnte.
Auf Wunsch der Verstorbenen fand die Beisetzung in Burgpreppach,
der Ruhestätte ihres seligen Mannes, statt, wohin eine große Trauerschar
aus allen Kreisen der Bevölkerung gefolgt war. Herr Distriktsrabbiner Dr.
Cohn schilderte in kurzen, aber beredten und ergreifenden Worten die
reichen Tugenden der Dahingeschiedenen. Insbesondere hob er im Auftrage
des Kuratoriums der 'Talmud-Tora-Schule' deren reges Interesse für die
Förderung der Schule hervor, das sie insbesondere durch eifrige
Sammlungen zu Gunsten der Schulklasse zum Ausdruck brachte. Ihre Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod des Nathan Nußbaum (1921)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1921:
"Mainstockheim, 27. April (1921). Unsere Gemeinde hat einen
schweren Verlust durch den schon am 6. Adar II (= 16. März 1921)
erfolgten Heimgang des Nathan Nußbaum erlitten. Allüberall, wo es galt,
einem beizustehen oder positiv für das Judentum einzutreten, war der
Verblichene, der ein Alter von nur 58 Jahren erreicht hat, in erster Linie
auf dem Plan. Herr Rabbiner Dr. Hanover aus Würzburg schilderte den
Dahingeschiedenen in markanten Worten und gab dem Schmerze der betroffenen
Familie beredten Ausdruck. Möge Gott der schwer geprüften Gattin in
ihren Kindern wahren Trost erblühen lassen. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Fanny Stern (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1921: "Mainstockheim,
23. Mai (1921). Unsere Kultusgemeinde hat heute wiederum einen schweren
Verlust zu beklagen. Am Donnerstag, den 19. Mai wurde Frau Fanny Stern,
unter großer Beteiligung Angehöriger aller Konfessionen zur letzten Ruhe
geleitet. Der Verlust dieser edlen Frau ist umso schmerzlicher, als gerade
in kleineren Gemeinden solche wahrhaft und echtjüdische Frauengestalten
immer seltener werden. Aus streng frommem Haus stammend, hatte sie die
Traditionen, die sie ererbt, auch im eigenen Hause weiter gepflegt und auf
ihre Kinder übertagen, die sie als fromme und brave Juden zu erziehen
verstand. Liebenswürdig, gefällig und stets hilfsbereit gegen Jedermann
ohne Unterschied des Standes und der Religionsangehörigkeit hatte sie nur
Freunde sich erworben. Diese stete Hilfsbereitschaft übertrug sie auch
auf ihre Söhne, die sich besonders während des langjährigen Krieges auf
das Beste bewährte. Möge das allgemeine Mitgefühl über den Verlust ein
Trost für die traurig Hinterbliebenen sein. Ihre Seele sei eingebunden
in den Bund des Lebens." |
Zum Tod der Frau Stern geb. Schloss (1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1922:
"Kitzingen. 28. August (1922). Einen schweren Verlust erlitt unsere
Nachbargemeinde Mainstockheim durch den Heimgang der Frau Josef
Stern geb. Schloss. Die allzu früh Dahingeschiedene war eine jüdische
Frau im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit
und Menschenliebe waren mustergültig. Keine Gelegenheit bei Tag oder
Nacht versäumt sie, ihren leidenden Mitmenschen Trost und Hilfe zu
spenden. An ihrer Bahre schilderte Herr Rabbiner Dr. Feinberg, Würzburg
in Vertretung des beurlaubten Herrn Dr. Hannover in einem warm empfundenen
Nachruf die Verdienste der Verstorbenen und Herr Pfarrer Luttenberger hob
ganz besonders hervor, dass sie Wohltätigkeit gegen jeden ohne
Unterschied des Standes und Konfession übte und bezeichnete ihren
religiösen Sinn sowie regelmäßigen Besuch der Synagoge als
nachahmungswert für alle. Möge die allgemeine Teilnahme aller, die sie
kannten, ein Trost für die Hinterbliebenen sein. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Raphael Kahn - Mainstockheim - Kitzingen (1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1937: "Mainstockheim
(Unterfranken), 20. Februar. Im Altersheim zu Würzburg starb am Sonntag,
den 14. Februar, der hierorts geborene Raphael Kahn im Alter von 60
Jahren. Ein Sohn des einstigen, hiesigen Kultusvorstandes Gerson Kahn -
seligen Andenkens - setzte er die frommen Traditionen des Elternhauses im
ganzen Leben in die Tat um. Auf seinen weiten Reisen als Weinhändler war
er als frommer Jehudi in allen Großstädten, die er berührte, hoch
geschätzt. Ständig Worte der Tora auf den Lippen, mahnend und anregend,
lehrte er noch mehr durch sein Beispiel und Opfer. In Kitzingen,
wo er sich niedergelassen hatte, gehörte er zu den ersten und eifrigsten
Förderern des Toralernens unter der Jugend durch Gründung des Chinuch
Neorim dortselbst. Bei der im altehrwürdigen Friedhof zu Rödelsee
stattgehabten Beerdigung schilderte Lehrer Bamberger, Kitzingen, in
sinniger Anlehnung an die laufende Sidrot (Wochenabschnitt der Tora) die
guten Taten des Heimgegangenen und Herr Lehrer Lomnitz, Mainz, dankte im
Namen der Familie. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Haupterwerbszweig
mehrerer jüdischer Familien war der Handel mit Wein, links eine Anzeige
der Weinhandlung von Rafael Kahn in Mainstockheim (aus der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 20. März 1924). Die hebräischen Begriffe
bedeuten rechts und links: "Koscher al Pessach", d.h.
auch zum Genuss am Passah-Fest mit seinen strengeren Kaschrut-Vorschriften
geeignete Waren. |
Anzeige der Fellenwarenfabrik H. Höchster (1897)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1897:
"Solider, fleißiger Reisender findet per sofort Stellung in
meinem Hause. (Samstags geschlossen). Offerten bei freier Station erbittet
sofort
K. Höchster, Fellenwarenfabrik, Mainstockheim am
Main." |
Dokument zu Wolf Rothstein in Mainstockheim
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries)
| Umschlag eines zwischen
1862 und 1867 versandten Briefes |
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Der Brief wurde von Hassfurt
an Wolf Rothstein in Mainstockheim zwischen 1862 und 1867 verschickt. Der
Adressat Wolf Rothstein ist um 1806 geboren. Er starb am 25. Oktober 1895 in
Mainstockheim. Er war seit 15. August 1835 mit Doelz geb. Stern (geb. 31.
Juli 1815) verheiratet. |
Hochzeitsanzeige von Kurt Reichenbach und Meta geb. Wurzmann (1921)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1921: "Gott
sei gepriesen. Kurt Reichenbach - Meta Reichenbach geb. Wurzmann.
Vermählte. Halberstadt - Mainstockheim (Unterfranken).
Trauung: Hotel
Goldschmidt, Würzburg. Montag, 9. Mai, Rosch Chodesch Ijjar." |
Verlobungsanzeige von Rosel Abraham und Louis Wurzmann
(1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1922:
"Statt Karten!
Rosel Abraham - Louis Wurzmann. Verlobte. Köln am
Rhein, Ehrenstraße 80/82 - Mainstockheim / Mailand.
Am Heiligen Schabbat Ekew (Schabbat mit der Toralesung Ekew = 5.
Mose 7,12 - 11,25, d.i. Schabbat, 12. August
1922". |
Verlobungsanzeige von Recha Nußbaum und Josef Levi (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1922:
"Recha Nußbaum - Josef Levi. Verlobte.
Mainstockheim - Fulda. September 1922." |
Verlobungsanzeige von Meta Sonder und Theo Stern (1924)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1924: "Statt
Karten!
Meta Sonder - Theo Stern - Zita Stern - Leo
Sonder
grüßen als Verlobte.
Mainstockheim - Chemnitz - Mai 1924." |
Verlobungsanzeige von Berta Nussbaum und J. E.
Neumann (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1925: "Berta
Nussbaum - J.E. Neumann. Verlobte.
Mainstockheim - Heilbronn a.B. Pessach
5685." |
Trauungsanzeige von J.E. Neumann und Berta geb. Nussbaum (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1925: "Statt
Karten - Gott sei gepriesen -. Zum unserer am Montag, den 1. Juni 1925,
mittags 1/2 12 Uhr im Hotel Goldschmidt, Würzburg, stattfindenden Trauung
laden wir alle Freunde und Bekannte herzlichst ein:
J.E. Neumann -
Berta Neumann geb. Nussbaum. Heilbronn a.N., Allee 52 -
Mainstockheim." |
Hochzeitsanzeige von Walter Nussbaum und Helene geb.
Adler (1931)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1931:
Gott sei gepriesen. Walter Nussbaum - Helene Nussbaum geb.
Adler. Vermählte.
Brüssel, Rue Belliard 145 / Mainstockheim - Bad
Orb, Hotel Adler.
Trauung: Sonntag, den 6. Dezember, 2. Tag von Chanukka, 2 Uhr. Hotel
Ulmann, Frankfurt am Main." |
Verlobungsanzeige von Melanie Nussbaum und Erich Knurr
(1934)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1934: "Gott
sei gepriesen.
Melanie Nussbaum - Erich Knurr. Verlobte.
Heilbronn a. N. /Achtungsstraße 19 - Mainstockheim
- Aurich /Ostfriesland.
Empfang: In Heilbronn: Simchat Tora 5695 und Schmini Azeret /
1. und 2. Oktober 1934.
In Aurich: am Heiligen Schabbat mit der Toralesung Bereschit / 6.
Oktober 1934". |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst bestand eine Synagoge nicht bekannten Baujahres.
Eine neue Synagoge wurde in Mainstockheim 1836 erbaut. Dabei wurde das
Inventar aus der alten in die neue Synagoge übernommen. Die Fenster der neuen
Synagoge zeigen einen charakteristischem Rundbogenstil aus der Zeit der
1830er-Jahren. Im Gebäude der Synagoge befand sich auch das Gemeindehaus der
jüdischen Gemeinde, das rituelle Bad und die Israelitische Elementarschule.
1936 konnte in der Gemeinde noch das 100jährige Bestehen der Synagoge
gefeiert werden.
Bericht über die Feier des 100jährigen Bestehens der Synagoge im Dezember
1936:
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1936:
"Mainstockheim, 15. Dezember (1936). Die hiesige Gemeinde
feierte jüngst das Fest des 100jährigen Bestehens ihrer Synagoge, wozu
sich zahlreiche Gäste eingefunden hatten. Hauptlehrer Friedmann sang das Ma
tauwu, worauf das Minchagebet folgte. Der Kultusvorstand begrüßtr
dann in herzlicher Art die Erschienenen und sprach das sche'hechejanu-Gebet
(sc. Dankgebet/Dankbracha für den Feiertag: 'der uns erleben ließ und
uns erhalten hat und uns erreichen ließ diese Zeit'). Nach Gesang des
Psalms 100 durch Hauptlehrer Friedmann bestieg Rabbiner Dr. Hanover,
Würzburg die Kanzel, um in meisterhafter Form Sinn und Zweck einer
solchen Feier gerade heutzutage darzulegen. Die Rede machte einen tiefen
Eindruck. Hauptlehrer Friedmann sprach unter Anlehnung an Psalm 122 den
Wunsch aus, die Synagoge möge auch fernerhin für die Gemeinde der Ort
und Hort des Friedens, der Eintracht und der Stärke sein. Für die
Kultusgemeinde Kitzingen brachte
deren Vorstand, Oskar Hahn, freundnachbarliche Grüße und Glückwünsche,
desgleichen Hauptlehrer A. Mannheimer für die Gemeinde Dettelbach.
Letzterer gab auch einige Striche historischer Art für die Zeit, da die
Synagoge gebaut wurde. Es waren bewegte Tage für Bayerns Juden. Mit dem
heiligen Inventar und der Inneneinrichtung, die man von der alten Synagoge
übernahm, sei auch der alte Geist mit eingezogen vor 100 Jahren. Lehrer
Bamberger, Kitzingen, betonte die schönen familiären Beziehungen
zwischen Mainstockheim und Kitzingen und erinnerte an das ideale Wirken
der früheren Lehrer und Vorstände, die den konservativen Gemeindegeist
pflegten und kräftigen. Interessante waren die Ausführungen von
Hauptlehrer Kissinger, Würzburg, der vor 66 Jahren die Schule in
Mainstockheim besuchte. Er ließ das Bild alter Tage erstehen,
insbesondere durch die Zeichnung mehrerer alter Vorsteher der Gemeinde.
Lehrer Lomnitz, Mainz, selbst ein Mainstockheimer Kind, entzückte alle
durch seinen prachtvollen Gesang einiger Bibelverse. Mit dem Psalm 128,
durch Hauptlehrer Friedmann vorgetragen, schloss die eindrucksvolle Feier.
A.M." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung des
Synagogengebäudes einschließlich der Ritualien durch SA-Leute und Ortsbewohner
zerstört. 15 Torarollen und die Silbergeräte wurden gestohlen, teilweise bei
der Überführung nach Kitzingen vernichtet. Das Gebäude blieb jedoch erhalten,
auch auf Grund des Einschreitens des Bürgermeister, der die Synagogentüren
versiegeln ließ.
Nach 1945 waren in der ehemaligen Synagoge zeitweise Wohnungen für
Flüchtlingsfamilien untergebracht. Später kam das Gebäude in der Besitz der
katholischen Kirchengemeinde und wird seitdem als katholisches Gemeindezentrum
verwendet. Eine Gedenktafel ist mit dem folgenden Text am Gebäude angebracht:
"Dieses Gebäude, erbaut 1836, diente der Jüdischen Kultusgemeinde als
Synagoge. Die Gemeinde gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger. Zur
Erinnerung und Mahnung". Von außen erkennbar ist auch das runde Fenster
über dem ehemaligen Aron HaKodesch (Toraschrein). Vor dem Platz des
Toraschreines befindet sich heute der Altar der katholischen
Kirche.
2007 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt.
Adresse/Standort der Synagoge: An der Synagoge 9
(kleine Seitengasse an der Hauptstraße ortsauswärts, Nähe Gasthof 'Goldener
Löwe', Richtung Dettelbach; die alte Anschrift war: Hauptstraße 213)
Fotos
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| Kommentar zu dem
Foto der ehemaligen Synagoge aus der Friedmann-Website (siehe bei den
Links): "The home of
my grandmother Bella in her youth was the synagogue in Mainstockheim. Her
father, Siegbert Friedmann, was the Rabbi. Today the synagogue is a
church. The synagogue building was saved from being burned during the war
due to its closeness to the home of a Nazi neighbor" |
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Fotos von 2007
(Fotos Außenaufnahmen: Hahn, Aufnahmedatum 28.5.2007) |
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| Die ehemalige
Synagoge, jetzt Kirche; rechts am Gebäude die Gedenktafel mit Inschrift:
"Dieses Gebäude, erbaut 1836, diente der Jüdischen Kultusgemeinde
als Synagoge. Die Gemeinde gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger.
Zur Erinnerung und Mahnung." |
Straßenbezeichnung und
Hinweisschild |
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| Eingangsbereich (mit Bautüre
auf Grund des Umbaus 2007) |
Informationstafel der
Katholischen Gemeinde St. Gumbertus |
Fassade der ehemaligen
Synagoge |
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| Innenaufnahmen
der ehemaligen Synagoge, jetzt Kirche mit (rechts) zugemauertem
Misrachfenster über dem Bereich des früheren Toraschreines (Fotos von
2005: Hans-Werner Büscher, Bad Oeynhausen und Bünde, Quelle: www.synagogen.info) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 353-354. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 86. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 518-520.
|
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 102-103 (auch die versehentlich unter "Mainsondheim"
stehenden Namen gehören zur Liste Mainstockheim; in Mainsondheim gab
es keine jüdische Gemeinde).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Mainstockheim Lower
Franconia. Jews are first mentioned in 1594. In 1771 refugees from Kitzingen
settled there. The Jewish population reached a peak of 212 in 1837 (total 1.374)
with a synagogue built in 1836. Jews engaged mainly in the wine trade. From the
late 19th century the Jewish population declined steadily, dropping to 74 in
1933. A local ordinance in 1933 banned nonresident Jews from entering the
village and in 1934 local agitators called for the expulsion of resident Jews.
On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA troops and local residents
vandalized the synagogue. During 1938, 13 Jews left the village, 12 for the
United States; another 13 left in 1939. Of those remaining, 27 were deported to
Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 24 March 1942 an another
four to the Theresienstadt ghetto.

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