Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Marktbreit (Kreis Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Lassar Brueckheimer, Sohn des letzten jüdischen Lehrers Simon Brückheimer)

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus dem Leben der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der Erziehungs- und Lehrinstitute  
Aus der Geschichte der Lehrer / Kantoren von 1864 bis 1939 und der Israelitischen Religionsschule und Volksschule   
Aus der Geschichte der Schächter / Gemeindediener / Hilfsvorbeter   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Christlich-jüdisches Miteinander vor Ort und antisemitische Agitationen seit 1900    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos  
Links und Literatur  

 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Marktbreit bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./17. Jahrhunderts zurück. Eine erste Niederlassung jüdischer Familien bestand zwischen 1487 (erste Erwähnung) und 1553 (Ausweisung der Juden). Unter Georg Ludwig von Seinsheim (gest. 1591) hatte sich die Ortsherrschaft die Judenfreiheit erkauft. 

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde das Niederlassungsrecht durch den Würzburger Bischof Franz von Hatzfeld erneuert (1635/36). Er wies dem Ort die ersten fünf jüdischen Familien mit zusammen 20 Personen gegen die Bezahlung hoher "Schutzgebühren" zu. 1642 regelte ein Schutzbrief umfassend die Pflichten und Rechte der jüdischen Familien. Unter den Rechten stand ihnen zu, einen Rabbiner, Vorsänger und Schulmeister anzustellen und "die jüdischen Ceremonien wie zu Prag, Frankfurt, Worms oder sonsten im Römischen Reich und Lande zu Franken" einzuführen. 1652 bestimmte die Herrschaft auf Druck des Rates und der christlichen Kaufleute, nicht mehr als die inzwischen ansässigen acht jüdischen Familien in Marktbreit aufzunehmen. Seit 1661 war der Ort unter Schwarzenbergischer Herrschaft. Sie übernahm die gegenüber Juden geltenden Bestimmungen und nahm 1683 eine neunte Familie auf. Nach 1690 kamen "auf besonderen fürstlichen Befehl" Juden in den Ort, die familiäre Beziehungen zu kaiserlichen Hoffaktoren in den damaligen Metropolen Wien und Frankfurt hatten. Seitdem waren Vertreter der bedeutenden Familien Astruque und Oppenheimer (das Familienoberhaupt Astruque war Stiefsohn des Samuel Oppenheimer in Wien) sowie Wertheimer (Verwandte des Oberhoffaktors Samson Wertheimer, Wien) in Marktbreit. Bereits um 1700 war der Ort eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden der Region geworden. Marktbreit wurde zum Sitz eines Oberrabbinates (bis 1806) und des Bezirksvorstehers für die schwarzenbergischen Judengemeinden. Regelmäßig wurden jüdische Landtage in Markbreit abgehalten. 

Bis zum Tode des Fürsten Ferdinand (1703) wuchs die jüdische Gemeinde auf 20 Familien mit 150 Angehörigen an. Der genannte Oberhoffaktor Samson Wertheimer kaufte 1701 ein Haus im Ort, 1710 drei weitere Wohnungen. 1718/19 wurde am Marktplatz eine neues Wertheimer-Haus erstellt. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts versuchten der Gemeinderat, der Bürgermeister und die christlichen Kaufleute regelmäßig die schwarzenbergische Herrschaft unter Druck zu setzen, um die Freiheiten der Juden einzuschränken oder sie möglichst aus dem Ort "wegzuschaffen". Dennoch kam es zu keiner Ausweisung. Unter den Marktbreiter Rabbinern waren im 18. Jahrhundert 
-  Pinchas ben Moses haKohen Katzenellenbogen
(von Dubnow, gest. ca. 1767 in Schwabach). Er hatte in Prag und Nikolsburg studiert, war zunächst Rabbiner in Wallerstein und Leipnik in Mähren und von 1722 bis 1750 in Marktbreit. 
- Simcha-Bunem ben Zvi haKohen Rappaport (von Wallerstein, gest. 1816 in Bonn): bis 1772 Rabbiner in Marktbreit, danach in Wallerstein, 1788 in Bonn.
   
Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu einer weiteren Blütezeit der jüdischen Gemeinde. Zunächst war die Zahl der jüdischen Familien bis auf etwa 70 im Jahr 1837 zurückgegangen, um danach stark zuzunehmen (1867: 172 Personen = 8 % der Gesamtbevölkerung von 2.158 Personen; 1880: 246 Personen, d.h. 10,2 % von insgesamt 2.408 Personen; 1890: 320 Personen, d.h. 13,4 % von insgesamt 2.385 Personen). Nach 1900 ging der jüdische Bevölkerungsanteil auf 8-10 % der Gesamteinwohnerschaft zurück (1910 213, d.h. 9,1 %). 
    
Nachdem Marktbreit 1806 mit der schwarzenbergischen Herrschaft zu Bayern kam (seit 1819 Stadtrechte), wurde das Oberrabbinat aufgelöst und Marktbreit dem Bezirksrabbinat Würzburg, später dem Distriktsrabbinat Kitzingen unterstellt. 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Marktbreit auf insgesamt 13 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Gumbrich Levi Eisemann (Handel mit altem Eisen), Lazarus Marx Kürzinger (Vorsingen und Schächten), Elkan Peretz Hahn (Ellenwarenhandel), Elias Jacob Renno (Kommissionswarenhändler); Jacob Elias Renno (Händler mit alten Waren), Salomon Jandof Jandorf (Kapitalist). Philipp Maier Fälklein (Schnittwaren- und Tuchhandel), Israel Benjamin Stern (Schnittwaren- und Tuchhandel, bis 1823), Joachim Baer Astruck (Weinhandel), Baer Joachim Astruck (Ellenwaren- und Weinhandel), Löb Samuel Aidfelder (Wein- und Schnittwarenhandel), Machul Koppel Ehrlich (Schmuser), Bär Lazarus Kürzinger (Weinhandel), Samson Hamburger (Kommissionshandel), Samuel Stern (Schnittwaren- und Tuchhandel, ab 1823, vermutlich auf der Stelle von Israel Benjamin Stern).     
   
Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kam es immer wieder zu antisemitischen Umtrieben in der Stadt, insgesamt war jedoch das Verhältnis zwischen Christen und Juden in Marktbreit über mehrere Jahrzehnte seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gut (siehe unten).  
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische Religionsschule (ab 1920: staatlich anerkannte Israelitische Volksschule) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Rödelsee beigesetzt. Private Erziehungsinstitute (s.u.) gaben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Ort seine besondere Bedeutung für eine weitere Umgebung. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war im 19./20. Jahrhundert ein Religionslehrer (ab 1920: Volksschullehrer) angestellt. Mit dem Amt des Lehrers war das Amt des Kantors (Vorbeters) in der Synagoge verbunden. Von 1864 bis 1900 war J. Rosenberger in diesen Ämtern tätig, von 1900 bis 1911 ein Lehrer Strauß, danach bis 1939 Simon Brückheimer (zu den Ausschreibungen der Stellen und weiteren Berichten hierzu siehe unten).    
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Martin Goldstein (geb. 18.4.1892 in Bosen, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 13.8.1918) , Simon Astruck (geb. 12.10.1885 in Marktbreit, gef. 21.4.1915), Josef Astruck (geb. 30.6.1895 in Marktbreit, gef. 7.6.1917), Abraham Lauber (geb. 16.5.1877 in Würzburg, gef. 20.4.1917), Gefreiter Julius Putzel (geb. 11.12.1890 in Marktbreit, gef. 20.7.1918). An den Folgen seiner schweren Verwundungen starb 1919 Vizefeldwebel Kurt Lehmann (geb. 22.6.1895 in Marktbreit, gest.10.7.1919). Ihre Namen stehen auf dem kommunalen Gefallenendenkmal links der Bahnhofstraße an der Ecke Schlossplatz/Pfarrgasse vor der Kirche. An der Außenmauer der ehemaligen Synagoge in der Schustergasse (zwischen 12 und 14) stehen auf einem Gefallenendenkmal der jüdischen Gemeinde gleichfalls die Namen der gefallenen Soldaten mit näheren Angaben zu ihren Lebensdaten und der Todesursache. Aus Marktbreit sind außerdem gefallen: Jakob Ballin (geb. 1.9.1886 in Marktbreit, vor 1914 in Fürth wohnhaft, gef. 16.11.1916) und Otto Schönfärber (geb. 12.5.1897 in Marktbreit, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 30.9.1916).       
  
Um 1924, als noch 135 jüdische Personen in Marktbreit wohnten (5,6 % von insgesamt etwa 2.400 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde A. Goldbach, B. Blumenthal, Jakob Sänger, S. Rosenfeld und J. Rosenfeld. Synagogendiener (d.h. im Amt des oben genannten Schächters und Gemeindedieners) war Sigmund Pollak. An der Israelitischen Volksschule wurden damals zehn Kinder unterrichtet. An jüdischen Vereinen gab es eine Chewra Kadischa (1817 gegründet, Ziele: Wohltätigkeit, Bestattungswesen, Leiter Hermann Sonn, 18 Mitglieder), den Wohltätigkeitsverein Gemillus Chassodim (Leiter Julius Sänger, 14 Mitglieder), den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1878, Leitung Berta Rosenfeld, 45 Mitglieder), den Verein Zedokoschel Zibbur (Leiter Salomon Weinberg) und die "Armenkasse" (A. Goldbach). Spätestens seit den 1920er-Jahren bestand unter den jüdischen Vereinen in Marktbreit auch eine Ortsgruppe des "Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". 1928 starb der frühere Vorsitzende dieser Ortsgruppe Salomon Weinberg (siehe Berichte unten). Zur Gemeinde in Marktbreit zählten nach Auflösung der dortigen Gemeinden auch die in Obernbreit und Marktsteft lebenden jüdischen Personen (1924 12 beziehungsweise 2 Personen, 1932 12 beziehungsweise zwei Personen). Im Schuljahr 1932/33 besuchten 20 jüdische Kinder die achtklassige Israelitische Volksschule. Seit 1932 gehörten auch die in Gnodstadt noch lebenden vier jüdischen Familien zur Gemeinde in Marktbreit.        

1933 lebten 127 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren bestand zunächst ein weiterhin reges jüdisch-kulturelles Leben in der Stadt. Dennoch wirkten sich wie überall in Deutschland auch in Marktbreit der nationalsozialistische Boykott, die zunehmenden Repressalien und die immer stärker werdende Entrechtung aus. Zum letzten jüdischen Gemeindevorsteher wurde im Februar 1936 Max Weinberg bestimmt. Im Schuljahr 1937/38 besuchten noch 15 Kinder die jüdische Volksschule. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, die Inneneinrichtung zerstört (s.u.). Dazu wurden elf jüdische Wohnungen durch Marktbreiter Einwohner völlig verwüstet: Fenster und Mobiliar wurden zertrümmert, Kleider zerrissen, Lebensmittelvorräte vernichtet. Sechs Männer wurden nach Dachau beziehungsweise Buchenwald verschleppt. Wenig später mussten die hier noch lebenden Juden ihre Wohnungen verlassen und im jüdischen Gemeindehaus zusammenziehen. Seit 1933 waren von umliegenden Orten insgesamt 54 Juden nach Marktbreit gezogen. Bis vor Beginn der Deportationen hatten insgesamt 146 Juden die Stadt verlassen, 86 von ihnen konnten auswandern. 1942 wurden die noch verbliebenen Juden deportiert, 23 über Würzburg in das Vernichtungslager Izbica (bei Lublin, Polen) am 24. März 1942 und neun im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.  
   
Von den in Marktbreit geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Betti Ballin (1877), Grete Ballin (1890), Alfred Benario (1899), Bella Benario geb. Sichel (1875), Helene Blum (1887), Lilli Blüth geb. Schönfarber (1895), Karola Bolley geb. Blühte (1908), Rosa Braun geb. Pollack (1893), Jakob Emden (1880), Kela Ettlinger (1920), Dina Frank geb. Klein (1869), Carole Freundlich geb. Meyer (1891), Zilla Frey geb. Fleischmann (1891), Ester Friedländer geb. Oppenheimer (1909), Hermann Friedmann (1892), Rosa Friedmann geb. Kohn (1882), Ruth Friedmann (1924), Sigmund Friedmann (1881), Dora Gerstle geb. Klein (1893), Abraham Goldbach (1881), Klara Goldbach geb. Blum (1889), Meta Goldmann geb. Ballin (1884), Betty Goldstein (1883), Sofie Grünebaum geb. Heinemann (1893), Alfred Gunz (1881), Ida Hamburger (1874), Lisbeth Haymann geb. Lehmann (1904), Sally Heimann geb. Hellmann (1880), Bertha Hellmann (1878), Julius Hellmann (1884), Max Hellmann (1875), Moritz Hellmann (1877), Zerline Hesse geb. Rosenfeld (1875), Hedwig Klein geb. Silbermann (1877), Siegmund Klein (1865), Mathilde Kohn geb. Herzfelder (1866), Selma Kohn (1881), Abraham Ladenburger (1921), Ruth Ladenburger (1919), Frieda Lauber geb. Adler (1892), Karl Lauber (1884), Marianna (Mirjam) Lauber geb. Auerbach (1861), Susi Lauber (1925), Frieda Lehmann geb. Schild (1877), Rosa Lehmann geb. Ehrenberg (1889), Sigmund Lehmann (1869), Therese Levi (1884), Rosalie Meijer geb. Schloss (1894), Regina Neumaier geb. Rindsberger (1872), Martha Oppenheim geb. Marx (1897), Gita Oppenheimer (1909), Klara (Clara) Oppenheimer geb. Levi (1882 oder 1885), Samuel Oppenheimer (1916), Theodor Oppenheimer (1904), Therese Pollack geb. Bein (1857), Bernhard Reiß (1870), Helene Reiß (1876), Bernhard Rindsberger (1878), Paul Rindsberger (1921), Benno (Bernhardt) Rosenberg (1916), Ida (Jetta) Rosenberg geb. Lewkowitz (1881), Mendel (Menachem) Rosenberg (1880), Samuel Rosenberg (1880),  Anna Rosenfeld (1884), Ida (Jetta) Rosenberg geb. Lewkowicz (1881), Mendel Samuel Rosenberg (1880), Ruth Rosenberg (1923), Anna Rosenfeld (1884), Jenny Rothschild geb. Goldschmidt (1897), Max Rothschild (1885), Betty Sänger (1902), Mina Sänger geb. Israel (1877), Meta Schloß geb. Schild (1868), Ida Sonn (1900), Lisette Sonn geb. Löbenberg (1872), Nathan Sonn (1903), Marie Spier geb. Rosenfeld (1868), Max Stahl (1897), Sofie Steinem geb. Breitenbach (1870), Luise Stern geb. Schwab (1851), Frida Strauß geb. Goldstein (1881), Malchen Tachauer geb. Grünebaum (1887), Simon Tachauer (1881), Pauline Weil (1873), Selma Wilmersdörfer geb. Marx (1880), Elsa Wisbrunn geb. Rosenfeld (1879), Selma Wolf geb. Grünewald (1884), Jette Wolfrom (1880).  
 
Aus Theresienstadt kam 1945 als Überlebende nach Marktbreit zurück: Clara Reiß, die 1969 im Alter von 97 Jahren in Marktbreit gestorben ist. Ihre Familiengeschichte steht auf der Seite zu Segnitz.    
   
    
   
Aus dem Leben der jüdischen Gemeinde

Aus der Geschichte der Erziehungs- und Lehrinstitute   
Das Erziehungs- und Handels-Lehr-Institut von S. Wohl:  

Marktbreit AZJ 17101853.jpg (60751 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1853: "Erziehungs- und Handels-Lehr-Institut in Marktbreit. Der Unterricht in meinem Institute für das kommende Semester beginnt mit 1. November laufenden Jahres. Die Lehrgegenstände sind: Religion, deutsche, französische, englische und hebräische Sprache, Kalligraphie, Orthographie, allgemeine und Handelsgeographie, Arithmetik, kaufmännische Korrespondenz, einfache und doppelte Buchführung, Geschichte, Wechsel-, Münz-, Maß- und Gewichtskunde, Musik und Zeichnen. Meine Bedingungen sind wie früher, aufs Billigste gestellt. Zur Erwerbung neuer, tüchtiger Lehrkräfte für die französische und englische Sprache und die Elementarfächer habe ich zahlreiche Opfer gebracht und hoffe, durch dieselben meinem Institute den gesegneten Fortgang und die immer größere Ausdehnung, deren es sich bis jetzt zu erfreuen hatte, auch für die Folge zu sichern. Alle weiteren Aufschlüsse gibt mein Prospekt, den ich auf Verlangen gerne erteile. 
Marktbreit, im September 1853. S. Wohl, israelitischer Lehrer und Instituts-Vorstand". 
 
An der Schule von S. Wohl unterrichteten mehrere Lehrer, die Stelle eines Elementar- und Religionslehrers wurde 1869 ausgeschrieben:
Marktbreit AZJ 12011869.jpg (19139 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1869: "Unter günstigen Bedingungen sucht Unterzeichneter für sein Institut zum sofortigen Eintritt einen tüchtigen Elementar- und Religionslehrer. S. Wohl, Marktbreit am Main, Bayern".
 
Auf die Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Leopold Adler, der über 50 Jahre, von 1870 bis 1922 Lehrer an der "Real- und Handelsschule" in Marktbreit unterrichtete. 1902 wurde mit nachstehender Anzeige für die Schule geworben:    
Marktbreit Israelit 31071902.jpg (51603 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1902: "Real- & Handelsschule, Marktbreit am Main. Älteste Privatschule mit Pensionat Bayerns. Anerkannt gute Erziehungs- und Unterrichtsresultate; mäßiges Honorar. Abgangszeugnisse berechtigen zum einjährig-freiwilligen Militärdienst. Prospekt und Auskunft durch L. Adler, Lehrer an der Real- und Handelsschule. Das Schuljahr beginnt am 18. September."   
  
Zum Tod Leopold Adlers 1937 erschienen mehrere Nachrufe:
Mittelstreu Bayr GZ 15091937.jpg (50756 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1937: "Vereinsmitteilungen. 1. Personalien. Wir haben den Heimgang unseres lieben Vereinsmitglieder, des Kollegen Leopold Adler, zuletzt wohnhaft in Berlin, zu beklagen. Der Verstorbene wurde 1852 in Mittelstreu geboren und wirkte über 50 Jahre, von 1870-1922, an der Real- und Handelsschule in Marktbreit. Adler s.A. gehörte zu den Gründungsmitgliedern unseres Vereins und wurde 1930 zum Gründungsmitglied ernannt. Die nächste Nummer unserer 'Mitteilungen' wird einer von Freundeshand geschriebenen Nachruf bringen. Hier sei namens der Vereinsleitung aufrichtiger Danke für die Treue, die der Heimgegangene unserem Vereine in langjähriger Zugehörigkeit erwiesen hat, zum Ausdruck gebracht. Stets wird dem Dahingeschiedenen ein ehrendes Andenken in unseren Reihen bewahrt bleiben." 
  
Marktbreit BayrGZ 15101937.jpg (81223 Byte)Artikel in der Lehrerbeilage ("Mitteilungen des jüdischen Lehrervereins für Bayern") der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1937: "Leopold Adler seligen Andenkens. Marktbreit. In Berlin, wo er seit einigen Jahren bei seiner ihn liebevoll betreuenden Tochter lebte, starb unser Ehrenmitglied, Herr Leopold Adler. Über 50 Jahre gehörte er zum Lehrkörper der Real- und Handelsschule in Marktbreit. Dieser Schule, welche durch den Religionslehrer Salomon Wohl begründet worden war, strömten aus allen europäischen Ländern ja sogar aus Übersee, viele Schüler zu. Zur der Berühmtheit dieser Schule hat Adler, der in Sprach- und Handelswissenschaften umfassend gebildet war, auch durch das von ihm und seiner ihm gleichstrebenden Frau geleitete Pensionat für jüdische Schüler in großem Maße beigetragen. Zeitweise gehörte er der Verwaltung der damals bedeutenden Kultusgemeinde an. Seine Bescheidenheit und Güte, vor allem aber seine beispielhafte Gefälligkeit haben ihn an allen Kreisen beliebt gemacht. Wo und wann es ihm möglich war, versuchte er, unter Einsatz seiner ihm eigenen Beredsamkeit und Überzeugungskraft, feindliche Parteien zu friedlichem Ausgleich zu bringen. Er hat frühzeitig die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der jüdischen Lehrer erkannt und gehörte deshalb zu den Gründungsmitgliedern des jüdischen Lehrervereins für Bayern. Für dessen Hilfseinrichtungen hat er große Summen aufgebracht. Für diese Verdienste wurde ihm im Jahre 1930 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Sein Andenken wir von allen jüdischen Lehrern in hohem Andenken behalten werden. Br."
  
Das Erziehungs- und Unterrichts-Institut für Mädchen von J. Regensburger

Unter Lehrer J. Regensburger (Näheres siehe unten) bestand unter seiner Leitung ein "Erziehungs- und Unterrichts-Institut für Mädchen"
Marktbreit Israelit 08031876.jpg (21504 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1876: "Erziehungs- und Unterrichts-Institut für Mädchen in Marktbreit am Main. Unterricht in allen Lehrgegenständen höherer Töchterschulen. Beginn des Sommersemesters am 24. April (1876). J. Regensburger".
     
Marktbreit Israelit 14081872.jpg (33120 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1872: "Erziehungs- & Unterrichtsinstitut für Mädchen in Marktbreit. Die Aufnahme in diese Anstalt, welche der Erziehung und dem Unterrichte junger Mädchen die gewissenhafteste Sorgfalt zuwendet und vorzügliche Lehrkräfte besitzt, findet am 7. Oktober dieses Jahres statt. Alles Nähere enthält der gratis zu Diensten stehende Prospekt. 
Marktbreit, 1. August 1872. J. Regensburger, Vorstand des Instituts."
        
Wie lange das Erziehungs- und Handels-Lehr-Institut von S. Wohl für Jungen bestand, ist nicht bekannt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand die Möglichkeit der Ausbildung in der Städtischen Real- und Handelsschule in Marktbreit mit der Möglichkeit der Unterbringung auswärtiger jüdischer Schüler in einem Pensionat: 
Marktbreit AZJ 28071893.jpg (41305 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juli 1893: "Städtische Real- und Handelsschule Marktbreit am Main. (Pensionat). Die Abgangs-Zeugnisse berechtigen zum Einjährig-Freiwilligen Militärdienst. Gute Verpflegung, strenge Beaufsichtigung. Das neue Schuljahr beginnt am 19. September. Wegen israelitischer Zöglinge wende man sich gefälligst an L. Adler, Lehrer an der städtischen Real- und Handelsschule". 

     
  
         
Aus der Geschichte der Lehrer / Kantoren von 1864 bis 1939 sowie zur Israelitischen Religionsschule und Volksschule  
Rücktritt und Tod des seit 1864 in Marktbreit wirkenden Religionslehrers und Kantors J. Regensburger im Januar / Mai 1900  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1900 zum Rücktritt von J. Regensburger und zur Neuausschreibung der Stelle: "In Folge Rücktrittes unseres Herrn J. Regensburger, erledigt sich dessen Stelle als Religionslehrer und Kantor in hiesiger Gemeinde. Seminaristisch und musikalisch gebildete Bewerber um dieselbe, im Besitze guter Stimme und Befähigung zum Kantordienste, sowie zu religiösen Vorträgen, wollen ihre Gesuche mit Angabe ihrer Familienverhältnisse und unter Anlage der Abschriften ihrer Prüfungs- und Befähigungszeugnisse, die nicht retourniert werden, bis längstens 15. Februar anher einreichen. Die bare Besoldung beträgt jährlich Mark 1000 bei freier Wohnung und gutem Nebeneinkommen, für welches jedoch nicht garantiert wird. Reisekosten werden nur dem Gewählten vergütet. Marktbreit i.B., den 1. Januar 1900. Der Kultusvorstand: S. Weinberg." 
   
Marktbreit Israelit 11061900.JPG (116695 Byte) Nachruf zum Tod von J. Regensburger in der Zeitschrift "Der Israelit" am 11. Juni 1900: "Marktbreit, 28. Mai (1900). Ein unabsehbarer Trauerzug, unter Beteiligung der Angehörigen aller Konfessionen, bewegte sich heute durch die Straßen hiesiger Stadt. Galt es doch dem verdienten, langjährigen, hiesigen Lehrer J. Regensburger seligen Angedenkens die letzte Ehre zu erweisen. Rasch und unerwartet hauchte er in einem Alter von 67 Jahren seine edle Seele aus. Mit Beginn dieses Jahres war er in den wohlverdienten Ruhestand getreten, und seine dankbare Gemeinde hatte ihm freiwillige einen Ruhegehalt ausgesetzt. Nach Gottes weisem Ratschluss sollte ihm jedoch der Genus desselben versagt sein. Über 36 Jahre wirkte er als Religionslehrer und Kantor in hiesiger Gemeinde mit Ehre und Auszeichnung. Zahlreiche Schüler saßen zu seinen Füßen und die Liebe und Hochachtung, die ihm dieselben allenthalten entgegenbrachten, sind ein beredtes Zeugnis für dessen verdienstliches Wirken. Besonders verdient waren seine Leistungen als Kantor. Als solcher verstand er es durch seine herrliche Vortragsweise, sein inniges Vertrautsein mit Inhalt und Bedeutung der Gebete seine Zuhörer für den Gottesdienst zu begeistern und zur Andacht zu stimmen. Am Trauerhause gab zunächst Herr Distriktsrabbiner Adler von Kitzingen dem allgemeinen Schmerze über den Heimgang dieses Frommen beredten Ausdruck. Er pries ihn als wahrhaften Jehudi und als Ben Tora (Sohn der Tora), der es sich angelegen sein ließ, einen seiner Söhne dem Lehrberufe zuzuführen. Im Anschluss hieran widmete Herr Lehrer Goldstein aus Heidingsfeld, als Vorstand des israelitischen Lehrervereins dem hingeschiedenen Freunde und Kollegen, der zu den Gründern des Vereins gehörte, warme Worte des Nachrufes."  
Der Nachfolger von J. Regensburger war Lehrer Strauß, der bis 1911 in Marktbreit blieb und dann nach Nördlingen wechselte. 
  
Die Neuausschreibung der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters, Schochets und Gemeindeschreibers erschien am 22. Juni 1911 in der Zeitschrift "Der Israelit": 
"Vakanz. Durch die Berufung unseres seitherigen Lehrers Herrn Strauß nach Nördlingen, ist die hiesige Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters, Schochets und Gemeindeschreibers bis zum 1. September neu zu besetzen. Die bare Gesamtbesoldung beträgt jährlich Mark 1500 bei freier Wohnung und gutem Nebeneinkommen. Landes- respektive Reichsangehörige, seminaristisch und musikalisch gebildete, streng religiöse Bewerber, die bereits die Anstellungsprüfung gemacht haben oder sich verpflichten, solche innerhalb 2 Jahre abzulegen, im Besitze guter Stimme, sowie befähigt sind, religiöse Vorträge zu halten, wollen ihre Gesuche mit Angabe ihrer Familienverhältnisse unter Anlage der Abschriften ihrer Prüfungs- und Führungszeugnisse - die nicht zurückgesandt werden - bis längstens 1. Juli an den Unterzeichneten einreichen. Marktbreit (Bayern), den 9. Juni 1911. Der Kultusvorstand S. Weinberg.
 
Als Nachfolger von Lehrer Strauß wurde Simon Brückheimer (geb. 1889 in Külsheim, gest. 1950 bei einem Verkehrsunfall in England) bestimmt. Er kam noch 1911 nach Marktbreit. 1920 wurde er nach der Begründung der Israelitischen Volksschule in Marktbreit zum Volksschullehrer ernannt. Im Juli 1920 starb sein Vater Lazarus Brückheimer in Külsheim; Simon Brückheimer hielt die Trauerrede - siehe Bericht auf Seite zu Külsheim. Brückheimer machte sich in den folgenden Jahren einen Namen als Erforscher der Geschichte der jüdischen Landgemeinden. Er hatte vom Landesverband der Israelitischen Gemeinden (München) den Auftrag, viele kleine Gemeinden aufzulösen, wo oft nur noch wenige ältere Menschen zurückgeblieben waren, nachdem die Jüngeren entweder ausgewandert oder verzogen waren. Ein weiterer Auftrag bestand darin, ein Inventar von allen Ritualien in etwa 150 kleinen Gemeinden zu erstellen. Das Inventar ist erhalten und befindet sich im Archiv von Yad Vashem in Jerusalem. 
  
Am 10. November 1938 (Novemberpogrom) war Simon Brückheimer mit dem Auto unterwegs, vermutlich, um wieder eine kleine Gemeinde aufzulösen. Nachdem er mehrere brennende Synagogen gesehen hatte, gab er seine Reise auf und flüchtete nach Frankfurt, wohin auch seine Frau und die Kinder geflohen waren. Am Hauptbahnhof Frankfurt wurde er vor den Augen seiner Frau und seinen Kindern verhaftet und in das KZ Buchenwald eingewiesen. 
(Weitere Informationen im Bericht von Lassar Brueckheimer in:  Martin Gilbert, Kristallnacht. Prelude to Destruction. 2006 (Taschenbuch-Ausgabe 2007). S.  103-106).
Familie Brückheimer emigrierte 1939 nach London. Simon Brückheimer kam 1949 in die Rheinprovinzen als Rabbiner für die zurückkehrenden Juden. Anfang 1950 reiste er nach London zurück und wurde bei dieser Reise von einem Auto überfahren und getötet. Sohn Lassar Brueckheimer wanderte 1988 von England nach Israel zu seinen Kindern und Enkeln aus.      
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Von zahlreichen Artikeln des Lehrers Simon Brückheimer in der Zeitschrift "Der Israelit" seien vier genannt: "Die neue Lehre" (in "Der Israelit" vom 1. Mai 1924), "Lehrerelend" (in "Der Israelit" vom 10. Februar 1921), "Ein seltsamer Chanukogast" (in "Der Israelit" vom 15. Dezember 1927), "Schir-haschirim" (in: "Der Israelit" vom 17. April 1924). 
Leseproben Marktbreit Israelit 10121925.jpg (196344 Byte) Marktbreit Israelit 10121925a.jpg (128213 Byte) Marktbreit Israelit 14061923.jpg (590070 Byte)    
    "Erez-Jisroel-Erde" (In: Der Israelit vom 10. Dezember 1925)  Über "Chajim Löb" (In "Der Israelit" vom 14. Juni 1923)     
       
Leseproben aus den "Mescholim" von Simon Brückheimer (Geschichten über jüdische Charaktere aus Wertheim, Külsheim usw.; Texte 15 und 19 bei Külsheim abgeschrieben) Marktbreit Israelit 05111925.jpg (312268 Byte) Marktbreit Israelit 05111925b.jpg (211335 Byte)   
  Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925  
       
Beitrag "Schatten '...und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten'  1. Die alte Tefiloh  von S. Brückheimer in Marktbreit (aus der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936) Marktbreit BayrIsrGz 15091936.jpg (457418 Byte) Marktbreit BayrIsrGz 15091936a.jpg (362078 Byte)
    Der Beitrag von Simon Brückheimer schildert ihn bei seiner langjährigen Tätigkeit im Besuch jüdischer Gemeinden, teils nicht mehr benutzter Synagogen. Auf Grund des im Artikel angegebenen Namens von Mirjam Neugass besuchte er vermutlich die Synagoge in Rieneck - nur in der dortigen Gemeinde gab es im Unterfränkischen über mehrere Generationen eine Familie Neugass (von Matrikelliste 1817 bis nach 1933). 
         
        
   
Neubegründung der Israelitischen Volksschule (1920)
Bis 1920 bestand nur eine Israelitische Religionsschule in Marktbreit. 1920 wurde eine Israelitische Volksschule eröffnet. 
Marktbreit Israelit 11111920.jpg (80661 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1920: "Marktbreit, 25. Oktober (1920). Vor Kurzem wurde hier die neugegründete jüdische Volksschule mit einer kleinen Feier eröffnet. Kultusvorstand H. S. Weinberg betonte in seiner Begrüßungsansprache an die zahlreich erschienenen Eltern- und Gemeindemitglieder das innige Zusammenarbeiten zwischen dem bisher als Religionslehrer amtierenden und nun zum Volkschullehrer ernannten H. S. Brückheimer und der hiesigen Kultusgemeinde und wünschte, dass dieses gedeihliche Verhältnis auch weiterhin bestehen möge. Herr S. Brückheimer entwickelte sein Schulprogramm dahingehend, dass er die Schüler zu aufrechten Juden, zu guten Deutschen und zu gesinnungstüchtigen Menschen erziehen wolle. Herr Schul- und Stadtrat Karl Zimmermann wünschte der neuen Schule frohes Blühen und bemerkte, indem er H. Brückheimer in sein neues Amt einwies, dass er der neuen Schule die gleich Obsorge zukommen lassen wolle, wie den übrigen Schulen seines Bezirks. Die würdige Feierlichkeit hinterließ bei allen Anwesenden den tiefsten Eindruck".     

  
Beitrag von Lehrer Brückheimer über "jüdische Nationalspeisen" (1934) 
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1934: "Jüdische Nationalspeisen. 
Von S. Brückheimer in Marktbreit. 

Die Besinnung auf jüdische Art und Sitte veranlasst mich, in ein dem Manne sonst etwas abgelegenes Gebiet, in den ureigensten Bezirk der Hausfrau einen Einfall zu wagen. Nicht als Sachverständiger im Koch oder gar als räsonierender Feinschmecker!
In stetem Bemühen, die ländliche, jüdische Weise und Gewohnheit der vergangenen Jahrzehnte festzuhalten, scheint es mir, als ob die jüdischen Nationalgerichte nicht nur zu Gaumen und Magen sprächen. Sind sie doch verwoben in die Geschichte der länglichen Gemeinden und erzählen von ungestörtem Feiertagsfrieden, stillen, von der Schabboslampe beschiedenen Freitagabenden, von engen Gassen und von zufriedenen, mit Gott und der Umwelt im Einklang lebenden menschen. Wenn im Winter die 'Gänsekuggel', braun glänzend und nach Zimt duftend, auf dem Teller hin- und herschwang, wenn die im Backofen 'gesetzte' Bohnen oder Grünkernsuppe wohlig den Magen wärmte, dann waren der blaue Warenpacken, der die Schulter wund drückte, und die oft groben Worte der Bauern bald vergessen. Das in Oel gebackene 'Buwele', die in Mickerfett schwimmende 'Krautkuggel' entschädigten hinreichend für die kargen Bissen an den Werktagen draußen auf den Weilern und Gehöften. 
Manche unter den jüdischen Nationalspeisen beziehen ihre Daseinsberechtigung, ja ihre Existenz überhaupt aus religiöser Anordnung oder aus der jüdischen Geschichte. Die aus Mazzoh bereiteten, in Zwetschenbrühe aufgekochten 'Krimsel' und die mit 'jonteftigem' Sauerkraut gereichten 'Mazzohklöße' sind aus dem Pessachfeste heraus geboren. Der 'Käsekuchen' am Schowuaus ist zwar nur die Belohnung für den, der während der sieben Wochen niemals das Omern vergessen hat. Aber der geflochtene, mit Milch und Rosinen bereitete 'Koletsch' stellt nach mancher Meinung die Erinnerung her an die zwei im Tempel aus neuem Weizenmehl dargebrachten Schwingungsbrote. Am Erew-Jom-Kippur mag der in Süddeutschland beliebte 'Nudelschalet' bei der Schlussmahlzeit dem Fastenden für den 'langen Tag' den nötigen Rückhalt geben. Die am Hochanoh-Rabbo als Gemüse aufzutischenden roten Birnen spielen aber hinein in das Geheimnis dieses in mancher Beziehung dem Versöhnungstage gleichgestellten Festes. Der 'Haman', der am Purim den Kindern gebacken wird, bedarf keiner Ausdeutung. Wohl aber das an diesem Tage obligatorische Rauchfleisch. Dagegen mögen der freitägige 'Zwiebelkuchen' und die mit Knoblauch gewürzte 'Einmachsauce' in der Freitag-Nacht im Zusammenhang stehen mit der Anordnung Esras, die in der 10. Mischnah des dritten Pereks im Traktat Nedarim erwähnt wird.   
Die, durchaus nicht vollständig ausgezählten Gerichte, sind durch eine lange Reihe jüdischer Generationen gegangen. Sie sind so im Laufe der vielen Jahre in gewissem Sinne zu einer Art von Verpflichtung geworden. So, dass man auf dem Lande nicht selten den als 'schlechten' Juden betrachtet, der diese seit altersher bekannten Nationalgerichte nicht liebt. Mag dies als grotesk und ungerecht erscheinen. Und doch liegt ein Körnchen Wahrheit in solchem Urteil. Denn wenn auch alle Völker sogenannte Nationalgerichte haben, so führen sie doch nur beim, jüdischen, über die Befriedigung des körperlichen Bedürfnisses hinaus, in seine Geschichte, in sein Geistesleben, in seine Kultur."  

       
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Simon Brückheimer (1936) 
  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1936: "Ortsjubiläen. I. Am 1. Oktober dieses Jahres konnte Kollege Simon Brückheimer auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit in Marktbreit zurückblicken. Dieser Tag bedeutete nicht nur einen Feiertag für seine Gemeinde, sondern es ist auch Anlass gegeben, dass man darüber hinaus in weiten jüdischen kreisen in Bayern und besonders in Kollegenkreisen der unermüdlichen Tätigkeit und des ersprießlichen Wirkens des Jubilars gedenkt.  
Als Brückheimer im Jahre 1911 die Religionslehrerstelle in Marktbreit antrat, war Marktbreit eine schöne, aufstrebende jüdische Gemeinde. Eine Berufung dorthin bedeutete damals für diesen jungen Lehrer eine ganz besondere Auszeichnung. Denn vor 25 Jahren hatten unsere jüdischen Gemeinden noch nicht den Ehrgeiz und das Streben, nur ganz junge Lehrer anzustellen. Brückheimer hat sich des ihm durch seine Berufung entgegengebrachten Vertrauens stets würdig gezeigt. Er ist nicht nur ein vorbildlicher, pflichteifriger und tüchtiger Lehrer der Jugend, der schon vor 15 Jahren mit Erfolg für die Umwandlung seiner Religionsschule in eine Volksschule tätig war, er war und ist auch ein wahrer Volkslehrer, ein Lehrer seiner Gemeinde. die intensive und erfolgreiche Arbeit in seiner Gemeinde fand insbesondere darin Anerkennung, dass man ihn - schon im Gründungsjahre des Verbandes - in die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden berief. In uneigennütziger Weise widmet er sich seitdem den Aufgaben der jüdischen Gesamtheit, und in den letzten Jahren benutzte er jeden freien Tag, um in den jüdischen Gemeinden die noch vorhandenen Kultgegenstände, alte Akten usw. zu sammeln und zu registrieren. 
Im jüdischen Lehrerverein gehört Brückheimer zu den bekanntesten und aktivsten Mitgliedern. Kurz nach dem Kriege gründete er mit gleichgesinnten Freunden die 'Arbeitsgemeinschaft jüdischer Junglehrer', die er bis zu ihrem seligen Entschlafen mit jugendlichem Feuer und vorbildlicher Energie leitete. Pädagogische und methodische Weiterbildung der Junglehrer, Einrichten von Bezirkskonferenzen usw. war ihr Ziel. Seit 1920 gehört Brückheimer der Verwaltung des Jüdischen Lehrervereins als eifriges Mitglied an und ist hier besonders unermüdlich für Volksschullehrer und Lehrer in Kleingemeinden tätig. An unserem diesjährigen Fortbildungskurs hielt er das sehr instruktive Referat über 'Die ungeteilte Schule', das wir in der nächsten Zeit zu veröffentlichen gedenken. 
Neben seiner schulischen, gemeindlichen und standespolitischen Arbeit entfaltet er auch eine äußerst fruchtbare literarische Tätigkeit. Die Gemeindezeitung hat erst in ihrer letzten Nummer eine Arbeit von Brückheimer veröffentlicht, unsere 'Mitteilungen', der 'Israelit' und andere jüdische Zeitschriften zählen ihn zu ihren Mitarbeitern.  
Wir beglückwünschen den Jubilar und seine Gemeinde und wünschen von Herzen, dass er die Kraft habe, seine ersprießliche Tätigkeit im gleichen Tempo und mit gleichem Erfolge noch recht viel Jahre fortzusetzen.  
- Am 4. Oktober fand im Anschluss an den Nachmittagsgottesdienst in der Synagoge zu Marktbreit eine kleine Feier statt. Bezirksrabbiner Dr. Hanover - Würzburg beglückwünschte den Jubilar und die Gemeinde. Studiendirektor Stoll - Würzburg überbrachte die Grüße der Lehrerbildungsanstalt und des Jüdischen Lehrervereins für Bayern."  


  
Aus der Geschichte der Schächter / Gemeindediener / Hilfsvorbeter 
Ausschreibungen der Stelle(n) des Schächters / Gemeindedieners / Hilfsvorbeters 1878 /1891 / 1922

Marktbreit AZJ 26021878.jpg (31745 Byte)Ausschreibung der Stelle des Schächters in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Februar 1878: "Vakanz. In der hiesigen israelitischen Gemeinde erledigt sich mit Ende Juli dieses Jahres die Stelle eines Schochet (Schächters), mit welcher ein jährliches Einkommen von 1.000 Mark und zwar: 800 Mark aus dem Ertrage der Schechita und 200 Mark aus der Gemeindekasse nebst freier Wohnung verbunden ist. Gut qualifizierte Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse und genauer Angabe ihres Alters und Familienstandes an den unterzeichnete Vorstand wenden. 
Marktbreit a.M., im Februar 1878.  Wohl."
Die Anzeige erschien gleichlautend auch in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1878.
   
Marktbreit Israelit 06081891.jpg (46217 Byte)Ausschreibung der Stelle des Schächters und Gemeindedieners in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1891: "Vakanz. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Schächters, womit die Funktion eines Gemeindedieners verbunden ist, in Erledigung gekommen. Ein jährliches Einkommen von mindestens Mark 1.200 - bei freier Wohnung - wird zugesichert. Bewerber mit guten Zeugnissen und der Befähigung zum Hilfsvorsängerdiensten belieben sich bis längstens 1. September dieses Jahres an den Unterzeichneten zu wenden. 
Marktbreit am  Main, 3. August 1891. Der Kultusvorstand: S. Wohl". 
   
Marktbreit Israelit 06071922.jpg (34967 Byte)Ausschreibung der Stelle des Schächters, Kultusdieners und Hilfsvorbeters in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juli 1922: "Wir suchen einen Schochet, Kultusdiener und Hilfsvorbeter, der befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen. Der Dienst erstreckt sich noch auf zwei nahe Filialgemeinden. Das Gehalt richtet sich nach Klasse V der B.B.O. (vermutlich Bayerische Beamtenordnung) vom 1.4.1922. Pensionierung in gleicher Höhe. Reflektiert wird auf jüngere Bewerber (Reichsdeutsche). Der Vorstand: A Goldbach.
Marktbreit, 1. Juli 1922." 



Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Gründung einer Ortsgruppe der "Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" (1908)   

Marktbreit Israelit 30041908.jpg (95399 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30.April 1908: "Marktbreit, 26. April (1908). Heute Abend hatten wir das Vergnügen, einen vorzüglichen Propaganda-Redner in unserer Mitte zu hören. Im Saale 'zum Löwen' hatte sich eine stattliche Zahl von Interessenten eingefunden, um den Darlegungen des Herrn S. Ehrmann - München zu lauschen, der als Sendbote der 'Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums' die Gründung einer Ortsgruppe befürwortete. Trotz aller pessimistischen Voraussagen gelang es den vortrefflichen Ausführungen des Referenten, alle von der Notwendigkeit eines Zusammenschlusses zu überzeugen und zu beweisen, dass Einigkeit aller am Fortbestand des Judentums und der Judenheit interessierten Glieder die Forderung des Tages geworden sei. Der Redner konnte am Schlusse der Versammlung mit Befriedigung konstatieren, dass außer den bereits der Vereinigung angehörigen 20 neue Mitglieder sich eingezeichnet hatten. Als Vertrauensmann der hiesigen Ortsgruppe wurde Herr Lehrer Strauß bestimmt, der die Versammlung geleitet hatte."   

   
Zum 50jährigen Bestehen des Israelitischen Frauenvereins (1928)

Marktbreit BayrGZ 01051928.jpg (96248 Byte) Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1928: "Marktbreit. Am 15. April (1928) feierte der israelitische Frauenverein sein fünfzigjähriges Bestehen. In der Festrede gab Herr Lehrer Brückheimer einen Überblick über die Entwicklung des Vereins, der außer den üblichen Aufgaben auch noch die übernommen hat, die Armen der Umgebung zu Pessach und Rosch-haschonoh zu unterstützen. Er überreichte dann den acht noch bei der Gründung beteiligten Damen eine Urkunde, worin sie zu Ehrenmietgliedern ernannt wurden. Die erste Vorsitzende, Frau Berta Rosenfeld, übergab dem geladenen Gemeindevorstand zu Erinnerung an das Jubiläum eine prachtvoll gearbeitete Schulchon-Decke und betonte, dass dieser Tag weiterhin festgehalten werden soll durch die Gründung eines Fonds, aus welchem im Bedürfnisfalle an die Mitglieder Beihilfen abgegeben werden können. Frühere Mitglieder hatten durch Übersendung von reichen Spenden ihr altes Interesse bezeugt und durch den hier geborenen Herrn Strauß (London) war anlässlich der Feier ein herrlich verziertes Toramäntelchen gestiftet worden. Anschließend feierte der Bezirksrabbiner, Herr Dr. Wohlgemuth (Kitzingen), die nur der Frau eigenen Gefühle der Mütterlichkeit und des Mitleidens." 
    
Marktbreit Israelit 03051928.jpg (146847 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1928: Außer dem Schlussabschnitt identisch mit dem Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung". Der Schlussabschnitt: "...Bei dem sich anschließenden Kaffeekränzchen feierte der Bezirksrabbiner, Herr Dr. Wohlgemuth - Kitzingen, die nur der Frau eigenen Gefühle der Mütterlichkeit und des Mitleidens. Dann erstattete die zweite Vorsitzende, Frau Sänger, den Rechenschaftsbericht. Durch weitere Ansprachen kam auch noch eine heitere Note in den Tag, der von allen Teilnehmern als ein echt jüdisches Erlebnis empfunden wurde."   

  
Gründung einer Nähstube (1932/33)

Marktbreit BayrIsrGZ 15011933.jpg (46322 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1933: "Marktbreit. Durch die Initiative und nach den Vorschlägen der Herrn Hauptlehrers Brückheimer wurde nach den Herbstferientagen vom hiesigen israelitischen Frauenverein eine Nähstube eingerichtet, durch welche Mittel herbeigeschafft werden sollten, um der Not der Zeit begegnen zu können. Durch eine Sammlung, durch Ausbesserungsarbeiten und Neuerstellungen war bis Chanukka schon eine so große Menge von Wäsche- und Bekleidungsstücken vorhanden, dass die Bedürftigen hieraus und in der näheren Umgebung sowie jüdische Anstalten reichlich bedacht werden konnten. Die Leitung der Nähstube liegt in den Händen der 1. Vorsteherin, Frau Jenny Klein".   

       
   

Christlich-jüdisches Miteinander vor Ort und antisemitische Agitationen seit 1900 
Um 1900 scheint das Verhältnis zwischen Christen und Juden in Marktbreit überwiegend sehr positiv gewesen zu sein. Hinweis darauf ist sowohl der Beschluss des Magistrates der Stadt, einem pensionierten Rabbiner (unklar, wer gemeint ist) 400 Mark Pensionszuschuss aus Gemeindemitteln zukommen zu lassen, wie auch die Tatsache, dass im Vorstand des evangelischen Krankenvereines der Stadt auch jüdische Mitglieder saßen. Beides war Anlass zu einer heftigen Attacke im antisemitischen "Deutschen Volksblatt" in München: 

Marktbreit DieWelt 25051900.jpg (10547 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Die Welt" vom 25. Mai 1900: "In Marktbreit in Bayern hat der Magistrat beschlossen, dem pensionierten Rabbiner 400 Mark Pensionszuschuss aus Gemeindemitteln zukommen zu lassen". 
  
Marktbreit Im dtReich 051900.JPG (140482 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Im Deutschen Reich" vom Mai 1900: "Marktbreit, 2. Mai (1900). Das antisemitische Münchener 'Deutsches Volksblatt' hatte seinerzeit berichtet: 'In Marktbreit, ehemals ein wohlhabendes Bauernstädtchen, jetzt ein veritables Judennest, ist ein 'evangelischer Krankenverein', in dessen Vorstandschaft 1 Jude und 2 Judenfrauen sitzen! Daher der Name 'evangelischer'. Ebendortselbst hat der Magistrat beschlossen, dem pensionierten Rabbiner jährlich 400 Mark Pensionszuschuss aus Gemeindemitteln zu bewilligen!'. - Dies veranlasste den Vorstand des Ausschusses Herrn kgl. Pfarrer J. Schußer Nachstehendes zu veröffentlichen: 'Nach den Statuten des evangelischen Krankenvereins können alle volljährigen Einwohner der Stadt Marktbreit Mitglieder des Vereins werden, welche sich zur Entrichtung eines Jahresbeitrages von 3 Mark verpflichten. Unter den 204 Mitgliedern des Vereins gehören 42 der israelitischen Religion an. Während nun die 162 Mitglieder der christlichen Religion im ganzen circa 800 Mark pro anno aufbringen, leisten die 42 Mitglieder der israelitischen Religion circa 200 Mark. Es war mithin nur eine Forderung der Gerechtigkeit und Billigkeit, dass schon bei der Gründung des Vereines von Seiten der Generalversammlung einstimmig den Mitgliedern israelitischer Religion eine Vertretung im Ausschuss mit beschließender Stimme eingeräumt werde, ohne dass von israelitischer Seite ein solcher Antrag gestellt wurde. Unrichtig ist in dem Artikel die Angabe über die Zahl der israelitischen weiblichen Ausschussmitglieder. Nicht zwei, sondern eine Frau israelitischer Religion gehört dem Ausschuss mit beratender Stimme an. Übrigens schadet sich der evangelische Krankenverein ebenso wenig in seiner Würde und an seiner Ehre, wenn er seine evangelischen Diakonissen anweist zur Pflege bei katholischen oder israelitischen Kranken, wie wenn katholische Elisabethenvereine ihre barmherzigen Schwestern absenden an die Krankenlager evangelischer Christen oder israelitischer Religionsangehöriger".   

   
Vorboten der NS-Zeit (1922) 

Marktbreit CV-Ztg 16111922.jpg (87515 Byte)Artikel in der CV-Zeitung (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 16. November 1922: "Die völkische Hetze im Maindreieck. Im Maindreieck der Gegend von Kitzingen, Marktbreit und Kleinlangheim, grassiert die völkische Hetze zurzeit besonders heftig. Wir erhalten aus Kleinlangheim den Bericht über eine sozialdemokratische Versammlung, in dem es u.a. heißt. Zu dieser Versammlung war auch der Stoßtrupp der Hakenkreuzler und als Wortführer war der Zahnarzt Dr. Hellmuth aus Marktbreit erschienen. Dieser Herr hielt sich besonders lange damit auf, den ermordeten Minister Dr. Rathenau zu beschimpfen. Derartiges kann sich diese Sorte von Leuten nur in Bayern leisten, wo ja das Schutzgesetz nicht existiert. Die Bemühungen der Reichsregierung, politische Attentate zu verhindern, werden wohl illusorisch sein, solange derartige Hetzen ungestraft in Volksversammlungen gehalten werden dürfen. Ein Vorschlag des Hetzredners ging dahin, den Juden das Geld abzunehmen und damit die Kriegsschulden zu bezahlen. Derartiges erlebt man hier fast alltäglich. Frau Ellen Arendt (sc. gemeint wohl: Andrea Ellendt) reist von Dorf zu Dorf, um ihre giftige Saat auszustreuen und als die einzig Schuldigen am Elend der Gegenwart die Regierung und die Republik zu bezeichnen. Man muss fürchten, dass in Bayern der Regierung die Erleuchtung erst kommt, wenn es zu spät ist."
Anmerkung: Der im Artikel genannte Zahnarzt Dr. Otto Hellmuth in Marktbreit war in der NS-Zeit gefürchteter Gauleiter der NSDAP und Regierungspräsident von Mainfranken. Er betrieb seit 1922 eine zahnärztliche Praxis in Marktbreit und wurde 1924 in der Stadtrat gewählt. Er war lebenslang überzeugter Nationalsozialist. 1951 wurde er zum Tod durch den Strang verurteilt; das Urteil wurde jedoch in einem Revisionsverfahren in eine "lebenslange" Haftstrafe umgewandelt. Bereits 1955 wurde er entlassen. 1958 ließ er sich in Reutlingen als Zahnarzt nieder. 1968 starb er an Suizid. Er wurde im Familiengrab in Marktbreit beigesetzt.  vgl. Wikipedia-Artikel zu Otto Hellmuth   

   
  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   

Notiz über einen aus Marktbreit stammenden Emanuel Cohn (1774-1827)

Marktbreit BayrGZ 15051931.jpg (29298 Byte)Aus dem familiengeschichtlichen Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1931: Anmerkung 2: "Ich darf bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass ich vor kurzem auf einem verlassenen, aber jetzt vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden betreuten Friedhof der Provinz Brandenburg in Wusterhausen a.d. Doße das Grab eines Emanuel Cohn entdeckte, der am 31. Oktober 1774 in Marktbreit geboren wurde und am 15. Oktober 1827 in Wusterhausen starb."

    
Zum Tod des Gemeindevorstehers Elias Mosbacher am 1. Januar 1886  

Marktbreit Israelit 11011886.jpg (78200 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1886: "Marktbreit. Die hiesige Gemeinde erlitt durch das am Vorabend zum Heiligen Schabbat (Freitag) mit der Lesung (= 1. Januar 1886) erfolgt plötzliche Ableben des Elias Mosbacher einen herben Verlust. Ausgezeichnet mit einem erleuchteten Verstande war es dem Verlebten eine Freude, seinen Mitmenschen mit Rat und Tat in Leid und Freud beizustehen. Der selig Entschlafene war von Glücksgütern reichlich gesegnet; dabei mache es ihm das größte Vergnügen, verschämten Armen mit reichlichen Darlehen wieder empor zu helfen. Schon seit einer langen Reihe von Jahre ehrte ihn das Vertrauen seiner jüdischen Mitbürger durch einen Sitz im israelitischen Gemeindevorstande. Das am Sonntag Morgen 8 1/2 Uhr stattgehabte Leichenbegängnis gestaltete sich zu einem äußerst imposanten. Alle Schichten der Bevölkerung, sowohl Israeliten als Nichtisraeliten, waren vertreten; selbst die protestantische Geistlichkeit war, trotzdem sie um 9 Uhr ihren Gottesdienst hatten, anwesend. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens."  


Zum Tod von Ester Eisenmann (1887)

Marktbreit Israelit 10031887.jpg (219679 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1887: "Marktbreit, 1. März (1887). Heute haben wir unter der allgemeinen Teilnahme sowohl der israelitischen als nichtisraelitischen Bevölkerung unserer Stadt eine Frau zu Grabe geleitet, die es umso mehr verdient, dass ihrem Andenken einige Worte gewidmet werden, je seltener jene Frauen aus früheren Zeiten noch zu uns herüber ragen, die wie die Entschlafene - Friede sei mit ihr - mit einer tiefen Liebe zu ihrem Schöpfer und seinen heiligen Geboten die größte Demut und Anspruchslosigkeit verbinden. 
Eine solche, schon während ihres langen, an Freuden und Leiden reichen Lebens, mit der Krone des gute Namens geschmückte Greisin war Frau Ester Eisenmann, die am 4. Adar, gerade an ihrem 82. Geburtstage dahier verschied und ihrem schon 20 Jahre ihr vorhergegangenen, braven und religiösen Ehemanne ins ewige Leben folgte. Von Jugend auf fromm und gottesfürchtig, erzog sie ihre Kinder und Enkel zu wahren und gottesfürchtigen Jehudim und wie sie nur für die ihrigen lebte und sorgte und keine andere Freude kannte, als die, welche ihr in ihrem glücklichen Familienleben erblühten und die an Geboten und guten Taten, ebenso hingen ihre Kinder und Kindeskinder in rührender Liebe an ihr, denn sie war in der Tat die Zierde ihres Hauses, und die Zierde ihrer Söhne und ihrer Töchter.  
Nicht geringer als ihre Liebe zu ihrer Familie war ihre unermüdliche Hingabe in der Ausübung von Wohltätigkeit. Kein Armer ging ungesättigt aus ihrem Hause, keine Träne konnte sie sehen, die sie nicht zu trocknen suchte, kein Leid vernehmen, ohne ihre Teilnahme auszudrücken und wo eine Krankheit, irgend eine Not herrscht, da war sie Tag und Nacht besorgt und bemüht zu helfen, zu trösten, zu wachen, und auf das Sterben zu warten und so durfte sie mit vollem Rechte kurz vor ihrem Hinscheiden sagen: 'ich kann ruhig sterben, denn ich habe keinen Feind'. 
Nein, Freinde ließ sie nicht zurück, sondern nur gute Freunde und dankbare Herzen, und die überaus zahlreiche Begleitung hier und auf den Friedhof in Rödelsee bezeugte die ihr nachfolgende Ehre, Liebe und Anerkennung. An ihrem Grabe sprach ihr Enkel, Herr Salomon Eisenmann, Lehrer an dem Dr. Joel'schen Institute in Pfungstadt, ebenso von Herzen kommende als zu Herzen gehende, erhebende und tröstende Worte, anknüpfen an die Schriftstelle: "Die Zahl deiner Tage werde ich voll machen" (2. Mose 23,26). Ihre Kinder und Enkel, die würdig in den Wegen ihrer Eltern wandeln, finden gewiss in dem Verdienst ihrer frommen Mutter Trost und Beruhigung, ihr Andenken aber bleibt zum Segen. -r."


Würdigung der Arbeit des Vorstehers Salomon Weinberg durch einstimmige Bestätigung durch eine Gemeindeversammlung (1903)  

Marktbreit FrfIsrFambl 24041903.jpg (139639 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. April 1903: "Marktbreit. Das verdienstvolle Wirken eines für die Förderung der religiösen Interessen seine ganze Kraft einsetzenden Mannes anerkannt zu sehen, ist eine wohltuende Erscheinung in der Zeiten Flucht. Seit mehreren Jahren bekleidet Herr Salomon Weinberg hier das Amt eines ersten Vorstehers. Dank seinem rastlosen Eifer ist es ihm gelungen, den religiösen Sinn in unserer großen Gemeinde, in deren Mitte sich viele neologen Elemente befinden, zu beleben und zu kräftigen. So ist z.B. unter Herrn Weinbergs Verwaltung eine Mikweh (rituelles Bad) errichtet worden, die geradezu mustergültig genannt zu werden verdient. Trotz der uneigennützigsten Hingebung für die gedeihliche Entwicklung unseres Gemeindelebens kam es vor einigen Wochen zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kultusverwaltung, und der erste Vorsteher Herr Weinberg, sah sich infolgedessen veranlasst, sein Amt niederzulegen. Die Bekanntgabe dieses Entschlusses weckte allseitig tiefes Bedauern. Wie verlautet, hat Herr Distrikts-Rabbiner Adler in Kitzingen, zu dessen Rabbinatsbezirk unsere Gemeinde gehört, Herrn Weinberg in einem ihn sehr ehrenden Schreiben gebeten, seine Demission zurückzuziehen. In einer Gemeindeversammlung wurde einstimmig der Beschluss gefasst und von sämtlichen Gemeindemitgliedern unterschrieben, Herrn Weinberg unter Anerkennung seiner großen Verdienste um die Hebung und Förderung der religiösen Interessen unserer Gemeinde zu bitten, auch fernerhin an der Spitze der Kultusverwaltung zu verbleiben. Diese Bitte hatte, wie wir zu unserer Freude mitteilen können, den erwünschten Erfolg."     

   
90. Geburtstag von Mathilde Kissinger (1909)  

Marktbreit Israelit 08071909.jpg (27113 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1909: "Marktbreit am Main, 4. Juli (1909). Im Kreise ihrer Familie und Freunde, zu denen wohl alle, die sie kennen, gehören, feierte Frau Mathilde Kissinger, dahier ihren 90. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Unter den vielen Gratulationen befand sich auch der Magistrat, der der Greisin ein ansehnliches Ehrengeschenk überreichte."
    
Marktbreit FrfIsrFambl 05071912.jpg (9729 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Juli 1912: "Marktbreit. Witwe Kissinger feierte am 5. Juli den 90. Geburtstag."    

  
Zum Tod von Emma Flamm geb. Eisenmann aus Marktbreit, gestorben in Nenzenheim (1911)

Nenzenheim Israelit 09111911.jpg (114820 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1911: "Nenzenheim (Mittelfranken), 29. Oktober (1911). Letzten Donnerstag haben wir Frau Emma Flamm - sie ruhe in Frieden - zur Beisetzung gebracht. Ein Herzschlag hatte ihrem Leben plötzlich ein Ende bereitet. Die außergewöhnlich große Beteiligung bei der Beerdigung legte von der sehr großen Beliebtheit der Verklärten beredtes Zeugnis ab. Hervorgegangen aus der schon seit Jahrhunderten durch wahre Frömmigkeit berühmt gewordene Familie Eisenmann in Marktbreit, war sie stets bestrebt, auch in ihrem Familienkreis Gottesfurcht zu verbreiten, und so ist es ihr gelungen, vereint mit ihrem Manne, ihre sämtlichen Kinder zu wahren Jehudim zu erziehen. Hervorragendes hat die Verklärte besonders auf dem Gebiete der Wohltätigkeit geleistet. Freiwillige Krankenpflege und die Gebote bei (im Umgang mit) Toten waren bei ihr etwas Selbstverständliches. Stets war ihr Haus den Armen geöffnet, und wurden diese daselbst nach jüdischer Art gespeist. Wohl niemals hat ein Hungriger bei ihr umsonst bittend vorgesprochen. Dass in einem solchen Hause jedermann gerne verkehrte, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Im Sterbehause schilderte Herr Lehrer Sichel aus Kleinsteinach in meisterhafter Weise die hohen Verdienste und das Wirken der Verstorbenen; auf dem Begräbnisplatz im nahen Hüttenheim nahm Herr Oppenheimer aus Marktbreit das Wort, um die Tugenden der Verstorbenen hervorzuheben. Möge der schwer geprüfte Gatte und die ihrer Mutter beraubten Kinder in dem guten Namen der Verblichenen Trost finden. Auch wir werden ihr Andenken in Ehren halten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

  
Zum Tod vom Ephraim Eisemann (1915)  

Marktbreit Israelit 18021915.jpg (148365 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1915: "Marktbreit, 15. Februar (1915). Am letzten Freitag ist Ephraim Eisemann im 79. Lebensjahre gestorben. Er war ein wahrer Zadik, ein Gerechter, dem die Bitternis des Lebens nicht erspart blieb. Musste er doch die sterben sehen, die ihn nach natürlichen Gesetzen überleben mussten, die er in wahrhaft jüdischem Sinne erzogen, seine Kinder, welche sein Pflichtgefühl in weitere Kreise zu tragen befähigt waren. Zwei blühende Söhne - der eine Arzt, der andere Lehrer - sah er zu Grabe tragen, seine einzige Tochter hat er betrauert, seine Gattin verloren. Er aber hat, wie sein Schwiegersohn, Herr B. Oppenheimer, am Grabe sagte, das Problem vom Frommen, dem es im Erdenleben schlecht geht, dahin gelöst, dass er, ein Zadik, den Leiden sein ganzes Gottvertrauen entgegenstellte, das ihn dann zu einer Höhe erhob, von der aus auch die Leiden sich als ein Teil der Liebe des Allmächtigen erweisen. 
Am 1. Tag des Monats Adar wurde er unter zahlreicher Beteiligung aus Nah und Fern zu Grabe getragen. In Anerkennung und Würdigung der echt jüdischen Gesinnung des Verstorbenen und seiner vielen guten Taten war auch Herr Rabbiner Dr. Wohlgemuth aus Kitzingen erschienen. Ephraim Eisemann war ein Gottesfürchtiger, dessen fast ängstliches Bestreben darauf gerichtet war, so, wie es vorgeschrieben ist - zu leben, ein Beschützer der Armen im Sinne der wahren Menschenliebe. Die hiesige Armenunterstützungskasse ist seine Gründung, die er auch lange Zeit selbst geleitet hat. 
Am Grabe dankte Herr Lehrer Brückheimer namens der Gemeinde, deren Schofarbläser der Verstorbene 42 Jahre lang gewesen, im Namen der Chewra Kadischa (Wohltätigkeitsverein), die er 43 Jahre als Vorsteher in vorbildlicher Weise geführt, für den Frauenverein, dem er als Berater zur Seite gestanden. - Mit Eisemann ist das älteste Mitglied unserer Gemeinde geschieden, die ihn als Führer aufs tiefste betrauert. Möge den Hinterbliebenen Trost werden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
Zum Tod des langjährigen Kultusvorstandes und Stadtrates Salomon Weinberg (1928)  

Marktbreit BayrGZ 04091928.jpg (100183 Byte) Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 4. September 1928: "Marktbreit. Am 14. August (1928) verschied nach längerem Leiden der frühere Kultusvorstand und Ehrenvorsitzende der hiesigen Gemeinde Salomon Weinberg. Er entstammte einem religiösen Hause und brachte somit durch seine gut jüdische Einstellung die erste Voraussetzung mit für dieses Führeramt, das er über zwei Jahrzehnte in aller Treue verwaltete. Während seiner Amtsperiode wurde das Mikwoh (rituelles Bad) neuzeitlich umgebaut und im Jahre 1920 die jüdische Volksschule errichtet. Der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinde gehörte er als Mitglied an. Im Stadtrat wurde seine die Gegensätze überbrückende Gewandtheit allseits geschätzt. Die Beerdigung fand unter starker Beteiligung auch von Seiten der christlichen Bevölkerung statt. Vor dem Trauerhause zeichnete Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Wohlgemut das vielseitige Wirken des Verstorbenen. Dr. Weinberg (Neumarkt), ein Bruder des Verklärten, beklagte den Hingang des Familienältesten, der von allen wegen seiner Hilfsbereitschaft und Güte als zweiter Vater geschätzt worden war. Kultusvorstand Goldbach dankte namens der Gemeinde und Seminar-Oberlehrer Stoll für die freudige Mitarbeit, die er als Mitglied der konservativen Fraktion dieser und dem Gemeindeverband geleistet hat. Vor dem Abendgebete im Trauerhause weihte Lehrer Brückheimer dem Geschiedenen in einem Schiur Worte des Gedenkens und der Erinnerung. Br."  
  
Derselbe Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1928.  
  
Marktbreit BayrGZ 04091928a.jpg (57537 Byte)Todesanzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 4. September 1928: "Am 14. August verschied nach langer, schwerer Krankheit der Ehrenvorstand unserer Gemeinde Herr Salomon Weinberg
Wir beklagen tief den Heimgang dieses seltenen Mannes, der in 30jährigem Wirken unser Führer war. Ausgestattet mit reichem Wissen und großer Lebenserfahrung stellte er seine ganze Persönlichkeit in den Dienst unserer Gemeinde deren Wohl zu fördern mit sein Lebenswerk war. Die Kultusgemeinde wird ihm allezeit ein treues und dankbares Gedenken bewahren. 
Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Marktbreit.
A. Goldbach."   
 
Marktbreit CV-Ztg 31081928.jpg (41708 Byte) Todesanzeige in der Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 31. August 1928: "Nachruf! Nach längerem Krankenlager verschied unser früherer Vorsitzender Herr Salomon Weinberg. Seine selbstlose Hingabe für unsere Sache sichert ihm ein bleibendes Andenken. Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ortsgruppe Marktbreit am Main".   

  
Zum 92. Geburtstag von Sofie Liebenstein (1933)  

Marktbreit Israelit 12011933.jpg (62050 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1933: "Marktbreit, 6. Januar (1933). Ganz in der Stille feiert Frau Sofie Liebenstein, die älteste Einwohnerin Marktbreits, am 5. Tage Chanukka ihren 92. Geburtstag. Früher in Mainbernheim wohnhaft, zog sie nach dem Tode ihres Mannes zu ihrer Tochter nach Marktbreit. Die Jubilarin, eine Frau nach alter jüdischer Sitte, übte jahrzehntelang in beispielgebender Weise Wohltätigkeit, am letzten Jom Kippur weilte sie noch von früh bis abends ind er Synagoge und fastete ganz. Sie ist geistig und körperlich noch vollkommen rüstig und erfreut sich heute noch in allen Kreisen der Bevölkerung größter Beliebtheit, nicht zuletzt durch ihre ausgedehnte Wohltätigkeit. (Alles Gute) bis 120 Jahre."

     
  

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen 
Anzeige von Sara Grünewald - Verkauf einer Metzgerei (1891)

Marktbreit Israelit 20051891.jpg (49436 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1891: "Für Metzger (Fleischer). In Folge Sterbefalles ist in Marktbreit (Bayern) ein schönes Haus in bester Lage, worin bisher eine flotte Fleischerei betrieben wurde, zu verkaufen. Einem tüchtigen Metzger, der zugleich Wurstler ist, bietet sich eine sichere Existenz und würden einem soliden Israeliten besonders günstige Bedingungen gestellt. Anfragen beantwortet Frau Sara Grünewald, Marktbreit (Main)."  

 
Spendenaufruf für einen in Not geratenen Talmudisten (1897) 

Marktbreit Israelit 27121897.jpg (116969 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1897: 

 
Lehrer Pollak verkauft Torarollen (1900)   

Marktbreit Israelit 02071900.jpg (39635 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1900: "Zwei mit noch gut erhaltenem Pergamente, etwas reparaturbedürftige Tora Rolle(n), deren Erlös zu religiösen Zwecken verwendet werden soll, sind zu jedem annehmbaren Preise abzugeben. Lehrer Pollack, Marktbreit am Main."  

  
Stellensuche eines 18-jährigen Mädchens (1901) 
 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: "Ein nettes Mädchen, aus guter Familie, 18 Jahre alt, kräftig, welches im bürgerlichen Kochen und sämtlichen Hausarbeiten ausgebildet, wünscht im religiösen hause, bei guter Behandlung, auf besserem Platze Süddeutschlands passende Stelle. Offerten unter D.S.50 postlagernd Marktbreit am Main erbeten."   

   
Anzeige von Frau M. Benario (1901)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1901: 
"Für einen größeren Haushalt suche per 1. Juli ein tüchtiges 
Mädchen

welches die bürgerliche Küche versteht. 
Frau M. Benario, Marktbreit am Main."   

   
Anzeige der Eisenhandlung Sigmund Klein (1901)
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1901: 
"Suche zum Eintritt bis 1. Oktober dieses Jahres einen mit der Branche vertrauten
jüngeren Commis für Lager und Comptoir. 
Sigmund Klein
, Eisenhandlung, 
Marktbreit am Main."    

   
Anzeigen des Schuh-, Hut- und Herrenkleidergeschäftes Leopold Putzel (1900/1921)

Marktbreit Israelit 17051900.jpg (31728 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900: "Schuhbranche. Tüchtige Verkäuferin per 1. Juli gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen und Photographie an 
Leopold Putzel, Marktbreit am Main."
 
Marktbreit Israelit 09061921.jpg (44226 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1921: "Für mein Schuh-, Hut- und Herrenkleidergeschäft suche ich einen kräftigen Lehrling mit guter Schulbildung. Samstag und Feiertage geschlossen. Gute Ausbildung. 
Leopold Putzel, Marktbreit." 

   
Anzeige des Manufakturwaren-Geschäftes M. Benario (1915)  

Marktbreit Israelit 16091915.jpg (43272 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1915: "Lehrlingsstelle. Lehrling, nicht unter 15 Jahren, findet Aufnahme in meinem Manufakturwaren-Geschäft per gleich oder bald. Kost und Wohnung außer dem Hause. Samstag und Feiertage geschlossen. 
Marktbreit am Main. M. Benario.
"  

   
Verlobungsanzeige von Tilde Ettlinger und Raphael Oppenheimer (1922)

Marktbreit Israelit 05101922.jpg (23872 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1922: Statt Karten - Gott sei gepriesen
Tilde Ettlinger - Raphael Oppenheimer
- Verlobte. 
Marktbreit am Main".   

  
Verkauf von reparaturbedürftigen Torarollen durch die Gemeinde (1925)   

Marktbreit Israelit 05111925c.jpg (42394 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: "14 posule Sifre Thoros (unbrauchbare Torarollen), von denen einige durch Überschreiben wieder brauchbar werden, hat abzugeben (nur an Gemeinden oder vertrauenswürdige Sofrim). 
Kultusgemeinde Marktbreit A. Goldbach."   

       
Hochzeitsanzeige von Lehrer Simon Brückheimer und Selma geb. Sonn (1925)

Marktbreit Israelit 05031925.jpg (26283 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1925: 
"Simon Brückheimer, Lehrer - Selma Brückheimer geb. Sonn
Vermählte. Marktbreit, 3. März 1925."   

  
Verlobungsanzeige von Bella Weikersheimer und Hermann Frank (1928)  

Marktbreit Israelit 01031928.jpg (27262 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1928: 
"Bella Weikersheimer - Hermann Frank - Verlobte. 
Marktbreit - Nieder-Ohmen bei Gießen. Purim 1928."    

  
Heiratsanzeige für Abraham (Awrohom) Oppenheimer und Lili geb. Klein (1936)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1936: "Gott sei gepriesen
Awrohom Oppenheimer - Lili Oppenheimer geb. Klein. Vermählte.  
Marktbreit / Petach-Tikwa - Berlin / Jerusalem (Schaarei Zedek). 
Jerusalem, 21. Adar 5696 (= 15. März 1936)"   

            
Hochzeitsanzeige von Nathan Sonn und Ruth geb. Kahn (1937) 

Marktbreit Israelit 07051937.jpg (27845 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Statt Karten - Gott sei gepriesen 
Nathan Sonn - Ruth Sonn geb. Kahn. Vermählte. 
Berlin / Marktbreit - Köln. Trauung 11. Mai 1937 - Rosch Chodesch Siwan
Hotel Ulmann, Frankfurt am Main."   

 
Verlobungsanzeige von Nanny Rosenberg und Julius Ritterband (1937)         

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1937: "Gott sei gepriesen
Nanny Rosenberg - Julius Ritterband. Verlobte.  
Marktbreit am Main, Ückermünde i.P. 
Frankfurt am Main, Schwanenstraße 12. Sukkot 5697."   

    
   

               
Zur Geschichte der Synagoge

Eine erste Synagoge wurde im 17. Jahrhundert unmittelbar neben dem Seinsheimer Schloss erbaut. Mit dem Schutzbrief von 1642 hatten die in Marktbreit lebenden Juden das Recht zur Abhaltung von Gottesdiensten erhalten. Das Gebäude der ersten Synagoge brannte 1714 ab. Hierauf beschloss man den Bau einer neuen Synagoge im damaligen jüdischen Wohnviertel. Das Gebäude wurde weitgehend finanziert durch den Oberhoffaktor Samson Wertheimer. 1717 konnte die Synagoge eingeweiht werden. 1885 erfolgte eine umfassende Erneuerung der Synagoge. Die Einweihung fand am 27. Juni 1885 durch den Kitzinger Bezirksrabbiner Adler statt. Im südlichen Teil des Gebäudes, waren die Räume der jüdischen Schule und der Lehrerwohnung untergebracht. Im Untergeschoss befand sich eine Mikwe (rituelles Bad).   

Marktbreit Jeschurun AF 071885.jpg (43246 Byte)Über die Einweihung der Synagoge liegt u.a. ein kurzer Bericht in der Zeitschrift "Jeschurun" (Ausgabe Juli 1885) vor: "Marktbreit, 2. Juli (1885). Am vorigen Samstag, 27. Juni, wurde die hiesige neuerbaute Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. Unser Distriktsrabbiner, Herr Adler von Kitzingen, hielt die Festrede. Der Bau ist im byzantinischen Stile gehalten und seiner Bestimmung in hohem Maße würdig. Es hat großer Opfer bedurft zur Herstellung des Prachtbaues; umsomehr verdient die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder die höchste Anerkennung". 

Der byzantinische oder "maurische" Stil der Synagoge in Marktbreit wird auch in einem Bericht von 1934 hervorgehoben:

Gerolzhofen BayrIsrGZ 01091934.jpg (40438 Byte)Aus einem Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. September 1934: "Alte und neue Synagogen. Es ist merkwürdig, dass verhältnismäßig viele Synagogen in früheren Jahren einem Brande zum Opfer gefallen sind. Nur selten verdankt ein Neubau dem Anwachsen der Gemeinde seine Entstehung. Man mag die neueren Synagogen schön finden. Die in Theilheim etwa, wo die Anlage der Frauenempore und deren Ausstattung mit farbigen Vorhängen an stille Theaterlogen erinnern; die in maurischem Stil gehaltenen Synagogen in Marktbreit und Obbach oder die in kirchenhaftes Düster getauchte in Gerolzhofen." 

1935 konnte das 50jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden:

Marktbreit BayrIsrGZ 15121935.jpg (33710 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Dezember 1935: "Marktbreit. Es sind 50 Jahre verflossen, seitdem unsere Synagoge von Grund auf umgebaut und erweitert worden ist. Dieses Jubiläums gedachte am vergangenen Sabbat Herr Hauptlehrer Brückheimer in seiner religiösen Ansprache, erinnert an die wechselvolle Geschichte unserer Gemeinde, die nachweisbar schon über 5 Jahrhunderte besteht und ermahnte die Mitglieder, opferbereit zu bleiben, damit die Institutionen der Gemeinde weiterhin erhalten werden können."

Beim Novemberpogrom 1938 wollten SS-Leute aus Kitzingen am Morgen des 10. November mit Benzin, das aus einem jüdischen Geschäft besorgt wurde, die Synagoge in Brand setzen. Auf Grund der engen Bebauung im Bereich der Synagoge verhinderten jedoch der Bürgermeister, der Polizeikommandant und die Feuerwehr die Ausführung des Planes. Daraufhin wurde von den SS-Leuten die Inneneinrichtung der Synagoge und ein Teil der Ritualien (zwei Chanukka-Leuchter, die Ewige Lampe) vernichtet, zwölf Torarollen auf den Boden geworfen, der Silberschmuck zerbrochen.  Mehrere ältere Juden wurden gezwungen, Gebetbücher und andere Ritualien auf einen Wagen zu laden und sie durch die Stadt in das leere Geschäft eines Gemeindemitglieds zu fahren. Nach einem vorliegenden Bericht drangen auch Kinder in die Synagoge hinein und beteiligten sich an der Plünderung des Inventars. Die jüdische Volksschule und die Lehrerwohnung blieben nach Angaben von Lassar Brueckheimer unversehrt. Die Schülerbücherei, Lehrbücher, Geld aus Sammelbüchsen u.a.m. waren ins Rathaus gebracht worden. Alle Juden von Marktbreit wurden im Schulhaus zusammengetrieben und von dort zum Marktplatz gebracht, wo sie von zahlreichen Bewohnern der Stadt beschimpft und verspottet wurden. 

Zu dem obigen Bericht eine Ergänzung von Lassar Brueckheimer (per E-Mail vom 17. Mai 2007): "
Am 10. November war meine Mutter mit uns drei Kindern zu Ihren Eltern geflüchtet, die weiter unten in der Pförtleinsgasse wohnten. Sie wurde dort von zwei SS-Männern geholt, um die Schule aufzuschließen, damit man nach angeblich geheimen Akten suchen konnte. Ich ging mit und ließ meine Mutter nicht allein.  Die Schule selbst blieb unversehrt und wurde nach der Suche, die nichts erbrachte, verschlossen und versiegelt. Im späten Dezember 1938 stand ich selbst Wache für meinen Vater, als er unter großer persönlicher Gefahr nach seiner Rückkehr von Buchenwald im späten Dezember 1938 in die zerstörte Synagoge ging, um die Torarollen, die auf der Erde verschandelt lagen, wieder in den Toraschrein zurückzustellen. Viele Ritualien waren zerstört worden, aber doch noch in der Synagoge vorhanden. Er kam zurück durch das Tor mit einer zerquetschten kleinen silbernen Krone von einem Toraschild und sagte: 'Das ist alles, was ich als Andenken mitnehmen werde' und ich habe dieses Krönchen noch heute. Die Schule wurde nicht zerstört, kein Möbel etc. zertrümmert. Das ist sicher. Denn die ganze Zeit, als wir noch in der Lehrerwohnung blieben (bis April 1939) war ein SS-Siegel an der Türe der Schule. "

Das Gebäude der Synagoge blieb nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 erhalten und wurde nach 1945 zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Erhalten ist die Ostfassade mit dem Mauervorsprung für den Aron Hakodesch (Toraschrein), darüber ein zugemauertes Rundfenster.

Adresse/Standort der SynagogeZwischen Schustergasse 12 und 14 (Zugang ausgeschildert)

Fotos

Ritualien der jüdischen Gemeinde
(Fotos aus der Sammlung Theodor Harburger: Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in "Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Jüdisches Museum Franken. 1998 S. 381f)
Marktbreit Synagoge 021.jpg (91122 Byte) Marktbreit Synagoge 020.jpg (85793 Byte)
   Toraschild von 1737, ursprünglich aus Obernbreit, nicht erhalten Toraschild aus dem 18. Jahrhundert, heute im Israel-Museum Jerusalem
     
Innenansicht Marktbreit Synagoge 280.jpg (56952 Byte)
Gemälde der Marktbreiter Synagoge - Innenansicht vor 1938 
(Quelle: Lassar Brueckheimer)
  
Das Synagogengebäude im Frühjahr 2006
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.5.2006)
Marktbreit Synagoge 206.jpg (59758 Byte) Marktbreit Synagoge 203.jpg (80655 Byte) Marktbreit Synagoge 202.jpg (95655 Byte)
Wegweiser zur ehemaligen Synagoge Hinteres Tor zur ehemaligen Synagoge mit Hinweistafel, Inschrift: "Ehemalige Synagoge, erbaut 1717, finanziert durch Samson Wertheimer, Wien. Umfassend erneuert 1885. Zerstörung der Inneneinrichtung. Einzig erhalten: Eingangsportal, Fassadenschmuck, Gedenkstein für die jüdischen Gefallenen des 1. Weltkrieges".
     
Marktbreit Synagoge 205.jpg (55534 Byte) Marktbreit Synagoge 201.jpg (58907 Byte) Marktbreit Synagoge 204.jpg (127559 Byte)
Oben: das hintere Tor zur ehemaligen Synagoge; dieses Tor wurde nur selten geöffnet, meist nur an hohen Feiertagen, wenn mehr Menschen als zu normalen Gottesdiensten zu Synagoge besuchten. Der normale Eingang mit einem großen Doppeltor war in dem Korridor des Gemeindehauses (erstes linkes Gebäude in der Pförtleinsgasse), das an die Synagoge angebaut war. Das große Tor führte in einer Vorhalle, von wo die Treppe zur Frauenempore führte, eine weitere Türe führte in den Betsaal der Männer.

  

Die erhaltene Fassade an der Ostwand der ehemaligen Synagoge mit byzantinischen Schmuckelementen Der Gedenkstein für die jüdischen Gefallenen des 1. Weltkrieges
Marktbreit Synagoge 200.jpg (69778 Byte)
Hinweistafel am (hinteren) Eingang    
        
Aus Marktbreit im Jüdischen Museum Franken in Fürth

Fuerth Museum 138.jpg (63465 Byte)Giebel eines Toraschreins (Marktbreit 1714, Sandstein, gefasst): 1714 brannte die Synagoge von Marktbreit ab. Der Vorsteher der Landjudenschaft in der Herrschaft Schwarzenberg Samson bar Isaak Wertheimer, stiftete daraufhin ein neues Synagogengebäude, zu dem dieser Schrein gehörte. Der Stifter war Onkel des Wiener Hofjuden Samson bar Josef Wertheimer (1658-1724) und mit dessen Schwester Krönle verheiratet. Zwei Löwen flankieren die Tafel mit den Zehn Geboten. Ab 1885 fand der Toraschrein in der neuen Marktbreiter Synagoge als Türsturz Verwendung und kam nach 1945 in das Mainfränkische Museum nach Würzburg

Fuerth Museum 139.jpg (74609 Byte)Stiftertafel der Synagoge Marktbreit (1718): "Die Stiftertafel wurde 1718 im Gedenken an den verstorbenen Stifter der Synagogeneinrichtung von Marktbreit, Samson ben Isaak Wertheimer, und seiner Frau Krönle angebracht. Die Inschrift lautet: '[Dies] soll sein zum Gedenken, zum Zeichen, zur Erinnerung an den Verstorbenen, den ehrenwerten Schimschon, Sohn des Jizchak, welcher Vorsteher der Land[judenschaft] Schwarzeburg [Schwarzenberg] war. Und er war lobenswert, vollkommen und umsichtig bei Angelegenheiten der Land[judenschaft] und tüchtig wie ein spitzer Stein am Dreschschlitten [vgl. Jesaja 41,14]- Ferner [zum Gedenken] an seine Gattin, Frau Krönle, Tochter unseres Lehrers, des Rav, Herrn [= Rabbiner] Josef Wertheim, die Bescheidene unter den Frauen im Zelt [vgl. Richter 5,24], Maier und Schutzwand. Sie beteiligten sich gemeinsam an guten Werken im Handwerk des Künstlers und Webers. Sie hinterließen als Schenkung eine Summe von dreihundert Reichsthalern zum Anzünden von zwei Dochten an einer Kampe, immer zum Brennen breit. Das Geld wurde in die Hände von vertrauenswürdigen Personen gegeben, auf dass die Sache nie dem Vergessen anheimfalle. Auch stifteten sie den Platz, auf dem diese Synagoge errichtet wurde, damit in ihr emporsteigen unsere Gebete wie der Duft des Speiseopfers. Die Gemeinde hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Seelen des oben genannten Paares zu gedenken an jedem Schabbat und an jedem Feiertag, um sie in [ihrer] Ruhe zu erfreuen. Sie mögen ruhen auf ihren Lagern [Jesaja 57,2]! Und im Bunde des Lebens sei[en] eingebunden ihre Seelen. 5. Tammus 478 [4. Juli 1718] nach der kleinen Zählung." 

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Marktbreit  mit Informationsseite zur jüdischen Geschichte/ehemaligen Synagoge 
Seite zu besonderen Häusern der Stadt, insbesondere das Wertheimer-Haus   
Die Namen der Gefallenen und Abbildungen der Gefallenendenkmale auf Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 355-358.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 87.
Johannes Wenzel: Die jüdische Gemeinde von Marktbreit im 19. Jahrhundert. Beiträge zur Kultur, Geschichte und Wirtschaft der Stadt Marktbreit und ihrer Nachbarschaft. Heft 12. Marktbreit 1985.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 510-513.
Richard Scharnagel: Religiöse Toleranz - Hintergründe und Erfolge am Beispiel der Stadt Marktbreit. 2002.  Online zugänglich  
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 200-201.   
    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Marktbreit (in Jewish sources, Bratt) Lower Franconia. Jews are first mentioned in 1487 and were expelled in 1553. They settled again from 1636 and in 1642 received a general letter of protection from the emperor granting them religious freedom and other rights which promoted the development of the community into one of the most important in the principality, with the seat of the chief rabbinate established there until 1806. From the late 17th century, Court Jews were active. Among the prominent families were the Wertheimers, Oppenheimers, and Astruques. The Wertheimers built a synagogue in Marktbreit and Samson Wertheimer was the chief agent of the Viennese court. Also in the late 17th century Prince Ferdinand restricted Jewish residence to 14 families (which remained in force until 1862). From 1806, with annexation to Bavaria, the community was under the aegis of the Wuerzburg district rabbinate, serving as its seat for a time. The Jewish population reached a peak of 320 in 1890 (total 2,385) and then declined steadily to 127 in 1933, with the communities of Obernbreit, Marktsteft and Gnodstadt attached to it. A Jewish public school was opened in 1920. Under Nazi rule, the economic boycott quickly undermined Jewish livelihoods. Nevertheless, between 1933 and 1939 the community was active in education, culture, and social welfare. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the Jewish public school and synagogue were vandalized, including 12 Torah scrolls, 11 Jewish apartements were destroyed, and six men were sent to the Dachau and Buchenwald concentration camps. Afterwards all the Jews were evicted from their homes and ghettoized in the community center. In 1933-42, 54 additional Jews moved to Marktbreit and a total of 146 left, 83 of them emigrating. Of the remaining Jews, 23 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 24 March 1942 and nine were sent to the Theresienstadt ghetto in September 1942.             
    

   

                   
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Stand: 05. März 2010