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Unterfranken"
Marktbreit (Kreis
Kitzingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Lassar Brueckheimer,
Sohn des letzten jüdischen Lehrers Simon Brückheimer)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Marktbreit bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./17. Jahrhunderts zurück. Eine
erste Niederlassung jüdischer Familien bestand zwischen 1487 (erste
Erwähnung) und 1553 (Ausweisung der Juden). Unter Georg Ludwig von
Seinsheim (gest. 1591) hatte sich die Ortsherrschaft die Judenfreiheit erkauft.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde das Niederlassungsrecht
durch den Würzburger Bischof Franz von Hatzfeld erneuert (1635/36). Er
wies dem Ort die ersten fünf jüdischen Familien mit zusammen 20 Personen gegen
die Bezahlung hoher "Schutzgebühren" zu. 1642 regelte ein Schutzbrief
umfassend die Pflichten und Rechte der jüdischen Familien. Unter den Rechten
stand ihnen zu, einen Rabbiner, Vorsänger und Schulmeister anzustellen und
"die jüdischen Ceremonien wie zu Prag, Frankfurt, Worms oder sonsten im
Römischen Reich und Lande zu Franken" einzuführen. 1652 bestimmte
die Herrschaft auf Druck des Rates und der christlichen Kaufleute, nicht mehr
als die inzwischen ansässigen acht jüdischen Familien in Marktbreit
aufzunehmen. Seit 1661 war der Ort unter Schwarzenbergischer Herrschaft.
Sie übernahm die gegenüber Juden geltenden Bestimmungen und nahm 1683
eine neunte Familie auf. Nach 1690 kamen "auf besonderen fürstlichen
Befehl" Juden in den Ort, die familiäre Beziehungen zu kaiserlichen
Hoffaktoren in den damaligen Metropolen Wien und Frankfurt hatten. Seitdem waren
Vertreter der bedeutenden Familien Astruque und Oppenheimer (das
Familienoberhaupt Astruque war Stiefsohn des Samuel Oppenheimer in Wien) sowie
Wertheimer (Verwandte des Oberhoffaktors Samson Wertheimer, Wien) in Marktbreit.
Bereits um 1700 war der Ort eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden der
Region geworden. Marktbreit wurde zum Sitz eines Oberrabbinates (bis
1806) und des Bezirksvorstehers für die schwarzenbergischen Judengemeinden.
Regelmäßig wurden jüdische Landtage in Markbreit abgehalten.
Bis zum Tode des
Fürsten Ferdinand (1703) wuchs die jüdische Gemeinde auf 20 Familien mit 150
Angehörigen an. Der genannte Oberhoffaktor Samson Wertheimer kaufte 1701 ein
Haus im Ort, 1710 drei weitere Wohnungen. 1718/19 wurde am Marktplatz eine neues
Wertheimer-Haus erstellt. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts
versuchten der Gemeinderat, der Bürgermeister und die christlichen Kaufleute
regelmäßig die schwarzenbergische Herrschaft unter Druck zu setzen, um die
Freiheiten der Juden einzuschränken oder sie möglichst aus dem Ort
"wegzuschaffen". Dennoch kam es zu keiner Ausweisung. Unter den
Marktbreiter Rabbinern waren im 18. Jahrhundert
- Pinchas ben Moses haKohen Katzenellenbogen (von Dubnow, gest. ca.
1767 in Schwabach). Er hatte in Prag und Nikolsburg studiert, war zunächst
Rabbiner in Wallerstein und Leipnik in
Mähren und von 1722 bis 1750 in Marktbreit.
- Simcha-Bunem ben Zvi haKohen Rappaport (von Wallerstein, gest. 1816 in
Bonn): bis 1772 Rabbiner in Marktbreit, danach in Wallerstein,
1788 in Bonn.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu einer weiteren
Blütezeit der jüdischen Gemeinde. Zunächst war die Zahl der jüdischen
Familien bis auf etwa 70 im Jahr 1837 zurückgegangen, um danach stark
zuzunehmen (1867: 172 Personen = 8 % der Gesamtbevölkerung von 2.158 Personen;
1880: 246 Personen, d.h. 10,2 % von insgesamt 2.408 Personen; 1890: 320
Personen, d.h. 13,4 % von insgesamt 2.385 Personen). Nach 1900 ging der
jüdische Bevölkerungsanteil auf 8-10 % der Gesamteinwohnerschaft zurück (1910
213, d.h. 9,1 %).
Nachdem Marktbreit 1806 mit der schwarzenbergischen Herrschaft zu Bayern kam
(seit 1819 Stadtrechte), wurde das Oberrabbinat aufgelöst und Marktbreit dem
Bezirksrabbinat Würzburg, später dem Distriktsrabbinat Kitzingen unterstellt.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Marktbreit auf insgesamt
13 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt
(mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Gumbrich Levi Eisemann (Handel mit
altem Eisen), Lazarus Marx Kürzinger (Vorsingen und Schächten), Elkan Peretz
Hahn (Ellenwarenhandel), Elias Jacob Renno (Kommissionswarenhändler); Jacob
Elias Renno (Händler mit alten Waren), Salomon Jandof Jandorf (Kapitalist).
Philipp Maier Fälklein (Schnittwaren- und Tuchhandel), Israel Benjamin Stern
(Schnittwaren- und Tuchhandel, bis 1823), Joachim Baer Astruck (Weinhandel),
Baer Joachim Astruck (Ellenwaren- und Weinhandel), Löb Samuel Aidfelder (Wein-
und Schnittwarenhandel), Machul Koppel Ehrlich (Schmuser), Bär Lazarus
Kürzinger (Weinhandel), Samson Hamburger (Kommissionshandel), Samuel Stern
(Schnittwaren- und Tuchhandel, ab 1823, vermutlich auf der Stelle von Israel
Benjamin Stern).
Bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kam es immer wieder zu
antisemitischen Umtrieben in der Stadt, insgesamt war jedoch das Verhältnis zwischen
Christen und Juden in Marktbreit über mehrere Jahrzehnte seit der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhundert gut (siehe
unten).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Israelitische Religionsschule (ab 1920: staatlich anerkannte Israelitische Volksschule) und ein rituelles Bad. Die Toten
der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Rödelsee
beigesetzt. Private Erziehungsinstitute (s.u.) gaben in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Ort seine besondere Bedeutung für eine weitere
Umgebung. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war im
19./20. Jahrhundert ein Religionslehrer (ab 1920: Volksschullehrer) angestellt.
Mit dem Amt des Lehrers war das Amt des Kantors (Vorbeters) in der Synagoge verbunden.
Von 1864 bis 1900 war J. Rosenberger in diesen Ämtern tätig, von 1900 bis 1911
ein Lehrer Strauß, danach bis 1939 Simon Brückheimer (zu den Ausschreibungen
der Stellen und weiteren Berichten hierzu siehe unten).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Martin
Goldstein (geb. 18.4.1892 in Bosen, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef.
13.8.1918) , Simon Astruck (geb. 12.10.1885 in Marktbreit, gef. 21.4.1915), Josef
Astruck (geb. 30.6.1895 in Marktbreit, gef. 7.6.1917), Abraham Lauber (geb.
16.5.1877 in Würzburg, gef. 20.4.1917), Gefreiter Julius Putzel (geb.
11.12.1890 in Marktbreit, gef. 20.7.1918). An den Folgen seiner schweren Verwundungen starb 1919
Vizefeldwebel Kurt Lehmann (geb. 22.6.1895 in Marktbreit, gest.10.7.1919). Ihre Namen stehen auf dem kommunalen Gefallenendenkmal links der
Bahnhofstraße an der Ecke Schlossplatz/Pfarrgasse vor der Kirche. An der
Außenmauer der ehemaligen Synagoge in der Schustergasse (zwischen 12 und 14)
stehen auf einem Gefallenendenkmal der jüdischen Gemeinde gleichfalls die Namen
der gefallenen Soldaten mit näheren Angaben zu ihren Lebensdaten und der
Todesursache. Aus Marktbreit sind außerdem gefallen: Jakob Ballin (geb.
1.9.1886 in Marktbreit, vor 1914 in Fürth wohnhaft, gef. 16.11.1916) und Otto
Schönfärber (geb. 12.5.1897 in Marktbreit, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft,
gef. 30.9.1916).
Um 1924, als noch 135 jüdische Personen in Marktbreit wohnten
(5,6 % von insgesamt etwa 2.400 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde A.
Goldbach, B. Blumenthal, Jakob Sänger, S. Rosenfeld und J. Rosenfeld.
Synagogendiener (d.h. im Amt des oben genannten Schächters und Gemeindedieners)
war Sigmund Pollak. An der Israelitischen Volksschule wurden
damals
zehn Kinder unterrichtet. An jüdischen Vereinen gab es eine Chewra
Kadischa (1817 gegründet, Ziele: Wohltätigkeit, Bestattungswesen, Leiter Hermann Sonn, 18 Mitglieder),
den Wohltätigkeitsverein Gemillus Chassodim (Leiter Julius Sänger, 14
Mitglieder), den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1878, Leitung Berta Rosenfeld, 45
Mitglieder), den Verein Zedokoschel Zibbur (Leiter Salomon Weinberg) und die
"Armenkasse" (A. Goldbach). Spätestens
seit den 1920er-Jahren bestand unter den jüdischen Vereinen in Marktbreit
auch eine Ortsgruppe des "Central-Vereins deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens". 1928 starb der frühere Vorsitzende dieser
Ortsgruppe Salomon Weinberg (siehe Berichte unten). Zur Gemeinde in Marktbreit zählten
nach Auflösung der dortigen Gemeinden auch die in Obernbreit und
Marktsteft lebenden jüdischen Personen (1924 12 beziehungsweise 2 Personen,
1932 12 beziehungsweise zwei Personen). Im Schuljahr 1932/33 besuchten 20
jüdische Kinder die achtklassige Israelitische Volksschule. Seit 1932 gehörten
auch die in Gnodstadt noch lebenden vier
jüdischen Familien zur Gemeinde in Marktbreit.
1933 lebten 127 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren bestand
zunächst ein weiterhin reges jüdisch-kulturelles Leben in der Stadt. Dennoch
wirkten sich wie überall in Deutschland auch in Marktbreit der nationalsozialistische Boykott, die
zunehmenden Repressalien und die immer stärker werdende Entrechtung aus. Zum
letzten jüdischen Gemeindevorsteher wurde im Februar 1936 Max Weinberg bestimmt.
Im Schuljahr 1937/38 besuchten noch 15 Kinder die jüdische Volksschule. Beim
Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, die Inneneinrichtung
zerstört (s.u.). Dazu wurden elf jüdische Wohnungen durch Marktbreiter
Einwohner völlig verwüstet: Fenster und Mobiliar wurden zertrümmert, Kleider
zerrissen, Lebensmittelvorräte vernichtet. Sechs Männer
wurden nach Dachau beziehungsweise Buchenwald verschleppt. Wenig später mussten die hier
noch lebenden Juden ihre Wohnungen verlassen und im jüdischen Gemeindehaus
zusammenziehen. Seit 1933 waren von umliegenden Orten insgesamt 54 Juden nach
Marktbreit gezogen. Bis vor Beginn der Deportationen hatten insgesamt 146 Juden
die Stadt verlassen, 86 von ihnen konnten auswandern. 1942 wurden die noch
verbliebenen Juden deportiert, 23 über Würzburg in das Vernichtungslager Izbica
(bei Lublin, Polen) am 24. März 1942 und neun im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.
Von den in Marktbreit geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Betti Ballin (1877), Grete Ballin
(1890), Alfred Benario
(1899), Bella Benario geb. Sichel (1875), Helene Blum (1887), Lilli Blüth geb.
Schönfarber (1895), Karola Bolley geb. Blühte (1908), Rosa Braun geb.
Pollack (1893), Jakob Emden (1880), Kela Ettlinger (1920), Dina Frank geb. Klein
(1869), Carole Freundlich geb. Meyer (1891), Zilla Frey geb. Fleischmann (1891),
Ester Friedländer geb. Oppenheimer
(1909), Hermann Friedmann (1892), Rosa Friedmann geb. Kohn (1882), Ruth
Friedmann (1924), Sigmund Friedmann (1881), Dora Gerstle geb. Klein (1893), Abraham Goldbach (1881), Klara Goldbach geb. Blum
(1889), Meta
Goldmann geb. Ballin (1884), Betty Goldstein (1883), Sofie Grünebaum geb. Heinemann (1893), Alfred Gunz (1881),
Ida Hamburger (1874), Lisbeth Haymann geb. Lehmann (1904), Sally
Heimann geb. Hellmann (1880), Bertha Hellmann (1878), Julius Hellmann (1884), Max Hellmann
(1875), Moritz Hellmann (1877), Zerline Hesse geb. Rosenfeld (1875), Hedwig
Klein geb. Silbermann (1877), Siegmund Klein (1865), Mathilde Kohn geb.
Herzfelder (1866), Selma Kohn (1881), Abraham
Ladenburger (1921), Ruth Ladenburger (1919), Frieda Lauber geb. Adler (1892),
Karl Lauber (1884), Marianna (Mirjam) Lauber geb. Auerbach (1861), Susi Lauber
(1925), Frieda Lehmann geb. Schild (1877), Rosa Lehmann geb. Ehrenberg (1889),
Sigmund Lehmann (1869), Therese Levi (1884), Rosalie Meijer geb. Schloss (1894),
Regina Neumaier geb. Rindsberger (1872), Martha Oppenheim geb. Marx (1897), Gita
Oppenheimer (1909), Klara (Clara) Oppenheimer geb. Levi (1882 oder 1885), Samuel
Oppenheimer (1916), Theodor Oppenheimer (1904), Therese Pollack geb.
Bein (1857), Bernhard Reiß (1870), Helene Reiß (1876), Bernhard Rindsberger (1878), Paul Rindsberger (1921), Benno
(Bernhardt) Rosenberg (1916), Ida (Jetta) Rosenberg geb. Lewkowitz (1881),
Mendel (Menachem) Rosenberg (1880), Samuel Rosenberg (1880), Anna
Rosenfeld (1884), Ida (Jetta) Rosenberg geb. Lewkowicz (1881), Mendel Samuel
Rosenberg (1880), Ruth Rosenberg (1923), Anna Rosenfeld (1884), Jenny Rothschild
geb. Goldschmidt (1897), Max Rothschild (1885), Betty Sänger (1902), Mina Sänger geb. Israel (1877),
Meta Schloß geb. Schild (1868), Ida Sonn (1900), Lisette Sonn geb. Löbenberg (1872), Nathan Sonn (1903), Marie
Spier
geb. Rosenfeld (1868), Max Stahl (1897), Sofie Steinem geb. Breitenbach (1870),
Luise Stern geb. Schwab (1851), Frida Strauß geb. Goldstein (1881), Malchen Tachauer geb. Grünebaum (1887), Simon Tachauer (1881),
Pauline Weil (1873), Selma Wilmersdörfer geb. Marx (1880), Elsa Wisbrunn
geb. Rosenfeld (1879), Selma Wolf geb. Grünewald (1884), Jette Wolfrom (1880).
Aus Theresienstadt kam 1945 als Überlebende nach Marktbreit zurück: Clara
Reiß, die 1969 im Alter von 97 Jahren in Marktbreit gestorben ist. Ihre
Familiengeschichte steht auf der Seite
zu Segnitz.
Aus dem Leben der jüdischen Gemeinde
Aus
der Geschichte der Erziehungs- und Lehrinstitute
Das Erziehungs- und Handels-Lehr-Institut von S.
Wohl:
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1853:
"Erziehungs- und Handels-Lehr-Institut in Marktbreit. Der Unterricht
in meinem Institute für das kommende Semester beginnt mit 1. November
laufenden Jahres. Die Lehrgegenstände sind: Religion, deutsche,
französische, englische und hebräische Sprache, Kalligraphie,
Orthographie, allgemeine und Handelsgeographie, Arithmetik, kaufmännische
Korrespondenz, einfache und doppelte Buchführung, Geschichte, Wechsel-,
Münz-, Maß- und Gewichtskunde, Musik und Zeichnen. Meine Bedingungen
sind wie früher, aufs Billigste gestellt. Zur Erwerbung neuer, tüchtiger
Lehrkräfte für die französische und englische Sprache und die
Elementarfächer habe ich zahlreiche Opfer gebracht und hoffe, durch
dieselben meinem Institute den gesegneten Fortgang und die immer größere
Ausdehnung, deren es sich bis jetzt zu erfreuen hatte, auch für die Folge
zu sichern. Alle weiteren Aufschlüsse gibt mein Prospekt, den ich auf
Verlangen gerne erteile.
Marktbreit, im September 1853. S. Wohl, israelitischer Lehrer und
Instituts-Vorstand". |
An der Schule von S. Wohl unterrichteten mehrere
Lehrer, die Stelle eines Elementar- und Religionslehrers wurde 1869
ausgeschrieben: |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1869:
"Unter günstigen Bedingungen sucht Unterzeichneter für sein
Institut zum sofortigen Eintritt einen tüchtigen Elementar- und
Religionslehrer. S. Wohl, Marktbreit am Main, Bayern".
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| Auf die Ausschreibung hin bewarb sich
erfolgreich Leopold Adler, der über 50 Jahre, von 1870 bis 1922
Lehrer an der "Real- und Handelsschule" in Marktbreit
unterrichtete. 1902 wurde mit nachstehender Anzeige für die Schule
geworben: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1902: "Real-
& Handelsschule, Marktbreit am Main. Älteste Privatschule mit
Pensionat Bayerns. Anerkannt gute Erziehungs- und Unterrichtsresultate;
mäßiges Honorar. Abgangszeugnisse berechtigen zum
einjährig-freiwilligen Militärdienst. Prospekt und Auskunft durch L.
Adler, Lehrer an der Real- und Handelsschule. Das Schuljahr beginnt am 18.
September." |
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| Zum Tod Leopold Adlers 1937 erschienen
mehrere Nachrufe: |
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
September 1937: "Vereinsmitteilungen. 1. Personalien. Wir haben den
Heimgang unseres lieben Vereinsmitglieder, des Kollegen Leopold Adler,
zuletzt wohnhaft in Berlin, zu beklagen. Der Verstorbene wurde 1852 in
Mittelstreu geboren und wirkte über 50 Jahre, von 1870-1922, an der Real-
und Handelsschule in Marktbreit. Adler s.A. gehörte zu den
Gründungsmitgliedern unseres Vereins und wurde 1930 zum
Gründungsmitglied ernannt. Die nächste Nummer unserer 'Mitteilungen'
wird einer von Freundeshand geschriebenen Nachruf bringen. Hier sei namens
der Vereinsleitung aufrichtiger Danke für die Treue, die der
Heimgegangene unserem Vereine in langjähriger Zugehörigkeit erwiesen
hat, zum Ausdruck gebracht. Stets wird dem Dahingeschiedenen ein ehrendes
Andenken in unseren Reihen bewahrt bleiben." |
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Artikel
in der Lehrerbeilage ("Mitteilungen des jüdischen Lehrervereins für
Bayern") der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung"
vom 15. Oktober 1937: "Leopold Adler seligen Andenkens. Marktbreit.
In Berlin, wo er seit einigen Jahren bei seiner ihn liebevoll betreuenden
Tochter lebte, starb unser Ehrenmitglied, Herr Leopold Adler. Über 50
Jahre gehörte er zum Lehrkörper der Real- und Handelsschule in
Marktbreit. Dieser Schule, welche durch den Religionslehrer Salomon Wohl
begründet worden war, strömten aus allen europäischen Ländern ja sogar
aus Übersee, viele Schüler zu. Zur der Berühmtheit dieser Schule hat
Adler, der in Sprach- und Handelswissenschaften umfassend gebildet war,
auch durch das von ihm und seiner ihm gleichstrebenden Frau geleitete
Pensionat für jüdische Schüler in großem Maße beigetragen. Zeitweise
gehörte er der Verwaltung der damals bedeutenden Kultusgemeinde an. Seine
Bescheidenheit und Güte, vor allem aber seine beispielhafte Gefälligkeit
haben ihn an allen Kreisen beliebt gemacht. Wo und wann es ihm möglich
war, versuchte er, unter Einsatz seiner ihm eigenen Beredsamkeit und
Überzeugungskraft, feindliche Parteien zu friedlichem Ausgleich zu
bringen. Er hat frühzeitig die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der
jüdischen Lehrer erkannt und gehörte deshalb zu den
Gründungsmitgliedern des jüdischen Lehrervereins für Bayern. Für
dessen Hilfseinrichtungen hat er große Summen aufgebracht. Für diese
Verdienste wurde ihm im Jahre 1930 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Sein
Andenken wir von allen jüdischen Lehrern in hohem Andenken behalten
werden. Br." |
Das Erziehungs- und Unterrichts-Institut
für Mädchen von J. Regensburger
Unter Lehrer J. Regensburger (Näheres siehe unten) bestand unter seiner
Leitung ein "Erziehungs- und Unterrichts-Institut für Mädchen" |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1876:
"Erziehungs- und Unterrichts-Institut für Mädchen in Marktbreit am
Main. Unterricht in allen Lehrgegenständen höherer Töchterschulen.
Beginn des Sommersemesters am 24. April (1876). J. Regensburger". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1872:
"Erziehungs- & Unterrichtsinstitut für Mädchen in Marktbreit.
Die Aufnahme in diese Anstalt, welche der Erziehung und dem Unterrichte
junger Mädchen die gewissenhafteste Sorgfalt zuwendet und vorzügliche
Lehrkräfte besitzt, findet am 7. Oktober dieses Jahres statt. Alles
Nähere enthält der gratis zu Diensten stehende Prospekt.
Marktbreit, 1. August 1872. J. Regensburger, Vorstand des Instituts." |
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Wie lange das Erziehungs- und Handels-Lehr-Institut von S. Wohl für
Jungen bestand,
ist nicht bekannt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand die
Möglichkeit der Ausbildung in der Städtischen Real- und Handelsschule
in Marktbreit mit der Möglichkeit der Unterbringung auswärtiger
jüdischer Schüler in einem Pensionat: |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juli 1893:
"Städtische Real- und Handelsschule Marktbreit am Main. (Pensionat).
Die Abgangs-Zeugnisse berechtigen zum Einjährig-Freiwilligen
Militärdienst. Gute Verpflegung, strenge Beaufsichtigung. Das neue
Schuljahr beginnt am 19. September. Wegen israelitischer Zöglinge wende
man sich gefälligst an L. Adler, Lehrer an der städtischen Real- und
Handelsschule". |
Aus der Geschichte der Lehrer
/ Kantoren
von 1864 bis 1939 sowie zur Israelitischen Religionsschule und Volksschule
Rücktritt und Tod des seit 1864 in Marktbreit wirkenden
Religionslehrers und Kantors J. Regensburger im Januar / Mai 1900
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1900 zum Rücktritt
von J. Regensburger und zur Neuausschreibung der Stelle: "In Folge Rücktrittes unseres Herrn
J. Regensburger,
erledigt sich dessen Stelle als Religionslehrer und Kantor in hiesiger Gemeinde.
Seminaristisch und musikalisch gebildete Bewerber um dieselbe, im Besitze guter
Stimme und Befähigung zum Kantordienste, sowie zu religiösen Vorträgen,
wollen ihre Gesuche mit Angabe ihrer Familienverhältnisse und unter Anlage der Abschriften
ihrer Prüfungs- und Befähigungszeugnisse, die nicht retourniert werden, bis
längstens 15. Februar anher einreichen. Die bare Besoldung beträgt jährlich
Mark 1000 bei freier Wohnung und gutem Nebeneinkommen, für welches jedoch nicht
garantiert wird. Reisekosten werden nur dem Gewählten vergütet. Marktbreit
i.B., den 1. Januar 1900. Der Kultusvorstand: S. Weinberg." |
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Nachruf zum Tod von J. Regensburger in der Zeitschrift
"Der Israelit" am 11. Juni 1900: "Marktbreit, 28. Mai
(1900). Ein unabsehbarer Trauerzug, unter Beteiligung der Angehörigen aller
Konfessionen, bewegte sich heute durch die Straßen hiesiger Stadt. Galt es doch
dem verdienten, langjährigen, hiesigen Lehrer J. Regensburger seligen
Angedenkens die letzte Ehre zu erweisen. Rasch und unerwartet hauchte er in
einem Alter von 67 Jahren seine edle Seele aus. Mit Beginn dieses Jahres war er
in den wohlverdienten Ruhestand getreten, und seine dankbare Gemeinde hatte ihm
freiwillige einen Ruhegehalt ausgesetzt. Nach Gottes weisem Ratschluss sollte
ihm jedoch der Genus desselben versagt sein. Über 36 Jahre wirkte er als
Religionslehrer und Kantor in hiesiger Gemeinde mit Ehre und Auszeichnung.
Zahlreiche Schüler saßen zu seinen Füßen und die Liebe und Hochachtung, die
ihm dieselben allenthalten entgegenbrachten, sind ein beredtes Zeugnis für
dessen verdienstliches Wirken. Besonders verdient waren seine Leistungen als
Kantor. Als solcher verstand er es durch seine herrliche Vortragsweise, sein
inniges Vertrautsein mit Inhalt und Bedeutung der Gebete seine Zuhörer für den
Gottesdienst zu begeistern und zur Andacht zu stimmen. Am Trauerhause gab
zunächst Herr Distriktsrabbiner Adler von Kitzingen dem allgemeinen Schmerze
über den Heimgang dieses Frommen beredten Ausdruck. Er pries ihn als wahrhaften
Jehudi und als Ben Tora (Sohn der Tora), der es sich angelegen sein ließ, einen
seiner Söhne dem Lehrberufe zuzuführen. Im Anschluss hieran widmete Herr
Lehrer Goldstein aus Heidingsfeld, als Vorstand des israelitischen Lehrervereins
dem hingeschiedenen Freunde und Kollegen, der zu den Gründern des Vereins
gehörte, warme Worte des Nachrufes." |
Der
Nachfolger von J. Regensburger war Lehrer Strauß, der bis 1911 in Marktbreit
blieb und dann nach Nördlingen wechselte.
Die Neuausschreibung der Stelle
des Religionslehrers, Vorbeters, Schochets und Gemeindeschreibers erschien am
22. Juni 1911 in der Zeitschrift "Der Israelit":
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"Vakanz.
Durch die Berufung unseres seitherigen Lehrers Herrn Strauß nach Nördlingen,
ist die hiesige Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters, Schochets und
Gemeindeschreibers bis zum 1. September neu zu besetzen. Die bare
Gesamtbesoldung beträgt jährlich Mark 1500 bei freier Wohnung und gutem
Nebeneinkommen. Landes- respektive Reichsangehörige, seminaristisch und
musikalisch gebildete, streng religiöse Bewerber, die bereits die
Anstellungsprüfung gemacht haben oder sich verpflichten, solche innerhalb 2
Jahre abzulegen, im Besitze guter Stimme, sowie befähigt sind, religiöse
Vorträge zu halten, wollen ihre Gesuche mit Angabe ihrer Familienverhältnisse
unter Anlage der Abschriften ihrer Prüfungs- und Führungszeugnisse - die nicht
zurückgesandt werden - bis längstens 1. Juli an den Unterzeichneten
einreichen. Marktbreit (Bayern), den 9. Juni 1911. Der Kultusvorstand S.
Weinberg.
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Als Nachfolger von Lehrer Strauß wurde Simon Brückheimer (geb. 1889 in
Külsheim, gest. 1950 bei einem
Verkehrsunfall in England) bestimmt. Er kam noch 1911 nach Marktbreit. 1920
wurde er nach der Begründung der Israelitischen Volksschule in Marktbreit
zum Volksschullehrer ernannt. Im Juli 1920 starb sein Vater Lazarus
Brückheimer in Külsheim; Simon Brückheimer hielt die Trauerrede - siehe
Bericht auf Seite zu Külsheim.
Brückheimer machte sich in den folgenden Jahren einen Namen als Erforscher der
Geschichte der jüdischen Landgemeinden. Er hatte vom Landesverband der
Israelitischen Gemeinden (München) den Auftrag, viele kleine Gemeinden
aufzulösen, wo oft nur noch wenige ältere Menschen zurückgeblieben
waren, nachdem die Jüngeren entweder ausgewandert oder verzogen waren.
Ein weiterer Auftrag bestand darin, ein Inventar von allen Ritualien in
etwa 150 kleinen Gemeinden zu erstellen. Das Inventar ist erhalten und
befindet sich im Archiv von Yad Vashem in Jerusalem.
Am 10. November 1938 (Novemberpogrom) war Simon Brückheimer mit
dem Auto unterwegs, vermutlich, um wieder eine kleine Gemeinde
aufzulösen. Nachdem er mehrere brennende Synagogen gesehen hatte, gab er
seine Reise auf und flüchtete nach Frankfurt, wohin auch seine Frau und
die Kinder geflohen waren. Am Hauptbahnhof Frankfurt wurde er vor den
Augen seiner Frau und seinen Kindern verhaftet und in das KZ Buchenwald
eingewiesen.
(Weitere Informationen im Bericht von Lassar Brueckheimer in: Martin Gilbert,
Kristallnacht. Prelude to Destruction. 2006 (Taschenbuch-Ausgabe 2007). S. 103-106).
Familie Brückheimer emigrierte 1939 nach London. Simon Brückheimer kam
1949 in die Rheinprovinzen als Rabbiner für die zurückkehrenden Juden.
Anfang 1950 reiste er nach London zurück und wurde bei dieser Reise von
einem Auto überfahren und getötet. Sohn Lassar Brueckheimer wanderte
1988 von England nach Israel zu seinen Kindern und Enkeln aus.
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| Von zahlreichen Artikeln des
Lehrers Simon Brückheimer in der Zeitschrift "Der Israelit"
seien vier genannt: "Die neue Lehre" (in "Der
Israelit" vom 1. Mai 1924), "Lehrerelend" (in "Der
Israelit" vom 10. Februar 1921), "Ein seltsamer Chanukogast"
(in "Der Israelit" vom 15. Dezember 1927), "Schir-haschirim"
(in: "Der Israelit" vom 17. April 1924). |
| Leseproben |
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"Erez-Jisroel-Erde"
(In: Der Israelit vom 10. Dezember 1925) |
Über "Chajim Löb"
(In "Der Israelit" vom 14. Juni 1923) |
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| Leseproben aus den "Mescholim"
von Simon Brückheimer (Geschichten über jüdische Charaktere aus Wertheim,
Külsheim usw.; Texte 15 und 19 bei Külsheim
abgeschrieben) |
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Artikel in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925 |
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| Beitrag "Schatten
'...und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten' 1. Die alte
Tefiloh von S. Brückheimer in Marktbreit (aus der
"Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September
1936) |
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Der Beitrag von
Simon Brückheimer schildert ihn bei seiner langjährigen Tätigkeit im
Besuch jüdischer Gemeinden, teils nicht mehr benutzter Synagogen. Auf
Grund des im Artikel angegebenen Namens von Mirjam Neugass besuchte er
vermutlich die Synagoge in Rieneck -
nur in der dortigen Gemeinde gab es im Unterfränkischen über mehrere
Generationen eine Familie Neugass (von Matrikelliste 1817 bis nach
1933). |
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Neubegründung der Israelitischen
Volksschule (1920)
Bis 1920 bestand nur eine Israelitische Religionsschule in Marktbreit.
1920 wurde eine Israelitische Volksschule eröffnet. |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1920:
"Marktbreit, 25. Oktober (1920). Vor Kurzem wurde hier die
neugegründete jüdische Volksschule mit einer kleinen Feier eröffnet.
Kultusvorstand H. S. Weinberg betonte in seiner Begrüßungsansprache an
die zahlreich erschienenen Eltern- und Gemeindemitglieder das innige
Zusammenarbeiten zwischen dem bisher als Religionslehrer amtierenden und
nun zum Volkschullehrer ernannten H. S. Brückheimer und der hiesigen
Kultusgemeinde und wünschte, dass dieses gedeihliche Verhältnis auch
weiterhin bestehen möge. Herr S. Brückheimer entwickelte sein
Schulprogramm dahingehend, dass er die Schüler zu aufrechten Juden, zu
guten Deutschen und zu gesinnungstüchtigen Menschen erziehen wolle. Herr
Schul- und Stadtrat Karl Zimmermann wünschte der neuen Schule frohes
Blühen und bemerkte, indem er H. Brückheimer in sein neues Amt einwies,
dass er der neuen Schule die gleich Obsorge zukommen lassen wolle, wie den
übrigen Schulen seines Bezirks. Die würdige Feierlichkeit hinterließ
bei allen Anwesenden den tiefsten Eindruck". |
Beitrag von Lehrer Brückheimer über "jüdische Nationalspeisen"
(1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September
1934: "Jüdische Nationalspeisen.
Von S. Brückheimer in Marktbreit.
Die Besinnung auf jüdische Art und Sitte veranlasst mich, in ein dem
Manne sonst etwas abgelegenes Gebiet, in den ureigensten Bezirk der
Hausfrau einen Einfall zu wagen. Nicht als Sachverständiger im Koch oder
gar als räsonierender Feinschmecker!
In stetem Bemühen, die ländliche, jüdische Weise und Gewohnheit der
vergangenen Jahrzehnte festzuhalten, scheint es mir, als ob die jüdischen
Nationalgerichte nicht nur zu Gaumen und Magen sprächen. Sind sie doch
verwoben in die Geschichte der länglichen Gemeinden und erzählen von
ungestörtem Feiertagsfrieden, stillen, von der Schabboslampe beschiedenen
Freitagabenden, von engen Gassen und von zufriedenen, mit Gott und der
Umwelt im Einklang lebenden menschen. Wenn im Winter die 'Gänsekuggel',
braun glänzend und nach Zimt duftend, auf dem Teller hin- und herschwang,
wenn die im Backofen 'gesetzte' Bohnen oder Grünkernsuppe wohlig den
Magen wärmte, dann waren der blaue Warenpacken, der die Schulter wund
drückte, und die oft groben Worte der Bauern bald vergessen. Das in Oel
gebackene 'Buwele', die in Mickerfett schwimmende 'Krautkuggel'
entschädigten hinreichend für die kargen Bissen an den Werktagen
draußen auf den Weilern und Gehöften.
Manche unter den jüdischen Nationalspeisen beziehen ihre
Daseinsberechtigung, ja ihre Existenz überhaupt aus religiöser Anordnung
oder aus der jüdischen Geschichte. Die aus Mazzoh bereiteten, in
Zwetschenbrühe aufgekochten 'Krimsel' und die mit 'jonteftigem'
Sauerkraut gereichten 'Mazzohklöße' sind aus dem Pessachfeste heraus
geboren. Der 'Käsekuchen' am Schowuaus ist zwar nur die Belohnung für
den, der während der sieben Wochen niemals das Omern vergessen hat. Aber
der geflochtene, mit Milch und Rosinen bereitete 'Koletsch' stellt nach
mancher Meinung die Erinnerung her an die zwei im Tempel aus neuem
Weizenmehl dargebrachten Schwingungsbrote. Am Erew-Jom-Kippur mag der in
Süddeutschland beliebte 'Nudelschalet' bei der Schlussmahlzeit dem
Fastenden für den 'langen Tag' den nötigen Rückhalt geben. Die am
Hochanoh-Rabbo als Gemüse aufzutischenden roten Birnen spielen aber
hinein in das Geheimnis dieses in mancher Beziehung dem Versöhnungstage
gleichgestellten Festes. Der 'Haman', der am Purim den Kindern gebacken
wird, bedarf keiner Ausdeutung. Wohl aber das an diesem Tage
obligatorische Rauchfleisch. Dagegen mögen der freitägige
'Zwiebelkuchen' und die mit Knoblauch gewürzte 'Einmachsauce' in der
Freitag-Nacht im Zusammenhang stehen mit der Anordnung Esras, die in der
10. Mischnah des dritten Pereks im Traktat Nedarim erwähnt
wird.
Die, durchaus nicht vollständig ausgezählten Gerichte, sind durch eine
lange Reihe jüdischer Generationen gegangen. Sie sind so im Laufe der
vielen Jahre in gewissem Sinne zu einer Art von Verpflichtung geworden.
So, dass man auf dem Lande nicht selten den als 'schlechten' Juden
betrachtet, der diese seit altersher bekannten Nationalgerichte nicht
liebt. Mag dies als grotesk und ungerecht erscheinen. Und doch liegt ein
Körnchen Wahrheit in solchem Urteil. Denn wenn auch alle Völker
sogenannte Nationalgerichte haben, so führen sie doch nur beim,
jüdischen, über die Befriedigung des körperlichen Bedürfnisses hinaus,
in seine Geschichte, in sein Geistesleben, in seine
Kultur." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Simon Brückheimer (1936)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Oktober 1936: "Ortsjubiläen. I. Am 1. Oktober dieses Jahres
konnte Kollege Simon Brückheimer auf eine 25jährige segensreiche
Tätigkeit in Marktbreit zurückblicken. Dieser Tag bedeutete nicht nur
einen Feiertag für seine Gemeinde, sondern es ist auch Anlass gegeben,
dass man darüber hinaus in weiten jüdischen kreisen in Bayern und
besonders in Kollegenkreisen der unermüdlichen Tätigkeit und des
ersprießlichen Wirkens des Jubilars gedenkt.
Als Brückheimer im Jahre 1911 die Religionslehrerstelle in Marktbreit
antrat, war Marktbreit eine schöne, aufstrebende jüdische Gemeinde. Eine
Berufung dorthin bedeutete damals für diesen jungen Lehrer eine ganz
besondere Auszeichnung. Denn vor 25 Jahren hatten unsere jüdischen
Gemeinden noch nicht den Ehrgeiz und das Streben, nur ganz junge Lehrer
anzustellen. Brückheimer hat sich des ihm durch seine Berufung
entgegengebrachten Vertrauens stets würdig gezeigt. Er ist nicht nur ein
vorbildlicher, pflichteifriger und tüchtiger Lehrer der Jugend, der schon
vor 15 Jahren mit Erfolg für die Umwandlung seiner Religionsschule in
eine Volksschule tätig war, er war und ist auch ein wahrer Volkslehrer,
ein Lehrer seiner Gemeinde. die intensive und erfolgreiche Arbeit in
seiner Gemeinde fand insbesondere darin Anerkennung, dass man ihn - schon
im Gründungsjahre des Verbandes - in die Tagung des Verbandes Bayerischer
Israelitischer Gemeinden berief. In uneigennütziger Weise widmet er sich
seitdem den Aufgaben der jüdischen Gesamtheit, und in den letzten Jahren
benutzte er jeden freien Tag, um in den jüdischen Gemeinden die noch
vorhandenen Kultgegenstände, alte Akten usw. zu sammeln und zu
registrieren.
Im jüdischen Lehrerverein gehört Brückheimer zu den bekanntesten und
aktivsten Mitgliedern. Kurz nach dem Kriege gründete er mit
gleichgesinnten Freunden die 'Arbeitsgemeinschaft jüdischer Junglehrer',
die er bis zu ihrem seligen Entschlafen mit jugendlichem Feuer und
vorbildlicher Energie leitete. Pädagogische und methodische Weiterbildung
der Junglehrer, Einrichten von Bezirkskonferenzen usw. war ihr Ziel. Seit
1920 gehört Brückheimer der Verwaltung des Jüdischen Lehrervereins als
eifriges Mitglied an und ist hier besonders unermüdlich für
Volksschullehrer und Lehrer in Kleingemeinden tätig. An unserem
diesjährigen Fortbildungskurs hielt er das sehr instruktive Referat über
'Die ungeteilte Schule', das wir in der nächsten Zeit zu veröffentlichen
gedenken.
Neben seiner schulischen, gemeindlichen und standespolitischen Arbeit
entfaltet er auch eine äußerst fruchtbare literarische Tätigkeit. Die
Gemeindezeitung hat erst in ihrer letzten Nummer eine Arbeit von
Brückheimer veröffentlicht, unsere 'Mitteilungen', der 'Israelit' und
andere jüdische Zeitschriften zählen ihn zu ihren
Mitarbeitern.
Wir beglückwünschen den Jubilar und seine Gemeinde und wünschen von
Herzen, dass er die Kraft habe, seine ersprießliche Tätigkeit im
gleichen Tempo und mit gleichem Erfolge noch recht viel Jahre
fortzusetzen.
- Am 4. Oktober fand im Anschluss an den Nachmittagsgottesdienst in der
Synagoge zu Marktbreit eine kleine Feier statt. Bezirksrabbiner Dr.
Hanover - Würzburg beglückwünschte den Jubilar und die Gemeinde.
Studiendirektor Stoll - Würzburg überbrachte die Grüße der
Lehrerbildungsanstalt und des Jüdischen Lehrervereins für
Bayern." |
Aus
der Geschichte der Schächter / Gemeindediener / Hilfsvorbeter
Ausschreibungen der Stelle(n) des Schächters /
Gemeindedieners / Hilfsvorbeters 1878 /1891 / 1922
Ausschreibung
der Stelle des Schächters in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26.
Februar 1878: "Vakanz. In der hiesigen israelitischen Gemeinde
erledigt sich mit Ende Juli dieses Jahres die Stelle eines Schochet
(Schächters), mit welcher ein jährliches Einkommen von 1.000 Mark und
zwar: 800 Mark aus dem Ertrage der Schechita und 200 Mark aus der
Gemeindekasse nebst freier Wohnung verbunden ist. Gut qualifizierte
Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse und genauer Angabe
ihres Alters und Familienstandes an den unterzeichnete Vorstand
wenden.
Marktbreit a.M., im Februar 1878. Wohl."
Die Anzeige erschien gleichlautend auch in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 27. Februar 1878. |
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Ausschreibung
der Stelle des Schächters und Gemeindedieners in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 6. August 1891: "Vakanz. In
hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Schächters, womit die Funktion
eines Gemeindedieners verbunden ist, in Erledigung gekommen. Ein
jährliches Einkommen von mindestens Mark 1.200 - bei freier Wohnung -
wird zugesichert. Bewerber mit guten Zeugnissen und der Befähigung zum
Hilfsvorsängerdiensten belieben sich bis längstens 1. September dieses
Jahres an den Unterzeichneten zu wenden.
Marktbreit am Main, 3. August 1891. Der Kultusvorstand: S.
Wohl". |
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Ausschreibung
der Stelle des Schächters, Kultusdieners und Hilfsvorbeters in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juli 1922: "Wir
suchen einen Schochet, Kultusdiener und Hilfsvorbeter, der befähigt ist,
Religionsunterricht zu erteilen. Der Dienst erstreckt sich noch auf zwei
nahe Filialgemeinden. Das Gehalt richtet sich nach Klasse V der B.B.O.
(vermutlich Bayerische Beamtenordnung) vom 1.4.1922. Pensionierung in
gleicher Höhe. Reflektiert wird auf jüngere Bewerber (Reichsdeutsche).
Der Vorstand: A Goldbach.
Marktbreit, 1. Juli 1922." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung einer Ortsgruppe der "Freien
Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums"
(1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30.April 1908: "Marktbreit,
26. April (1908). Heute Abend hatten wir das Vergnügen, einen
vorzüglichen Propaganda-Redner in unserer Mitte zu hören. Im Saale 'zum
Löwen' hatte sich eine stattliche Zahl von Interessenten eingefunden, um
den Darlegungen des Herrn S. Ehrmann - München zu lauschen, der als
Sendbote der 'Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen
Judentums' die Gründung einer Ortsgruppe befürwortete. Trotz aller pessimistischen
Voraussagen gelang es den vortrefflichen Ausführungen des Referenten,
alle von der Notwendigkeit eines Zusammenschlusses zu überzeugen und zu
beweisen, dass Einigkeit aller am Fortbestand des Judentums und der
Judenheit interessierten Glieder die Forderung des Tages geworden sei. Der
Redner konnte am Schlusse der Versammlung mit Befriedigung konstatieren,
dass außer den bereits der Vereinigung angehörigen 20 neue Mitglieder
sich eingezeichnet hatten. Als Vertrauensmann der hiesigen Ortsgruppe
wurde Herr Lehrer Strauß bestimmt, der die Versammlung geleitet
hatte." |
Zum 50jährigen Bestehen des Israelitischen Frauenvereins
(1928)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
1. Mai 1928: "Marktbreit. Am 15. April (1928) feierte der
israelitische Frauenverein sein fünfzigjähriges Bestehen. In der
Festrede gab Herr Lehrer Brückheimer einen Überblick über die
Entwicklung des Vereins, der außer den üblichen Aufgaben auch noch die
übernommen hat, die Armen der Umgebung zu Pessach und Rosch-haschonoh
zu unterstützen. Er überreichte dann den acht noch bei der Gründung
beteiligten Damen eine Urkunde, worin sie zu Ehrenmietgliedern ernannt
wurden. Die erste Vorsitzende, Frau Berta Rosenfeld, übergab dem
geladenen Gemeindevorstand zu Erinnerung an das Jubiläum eine prachtvoll
gearbeitete Schulchon-Decke und betonte, dass dieser Tag weiterhin
festgehalten werden soll durch die Gründung eines Fonds, aus welchem im
Bedürfnisfalle an die Mitglieder Beihilfen abgegeben werden können.
Frühere Mitglieder hatten durch Übersendung von reichen Spenden ihr
altes Interesse bezeugt und durch den hier geborenen Herrn Strauß
(London) war anlässlich der Feier ein herrlich verziertes Toramäntelchen
gestiftet worden. Anschließend feierte der Bezirksrabbiner, Herr Dr.
Wohlgemuth (Kitzingen), die nur der Frau eigenen Gefühle der
Mütterlichkeit und des Mitleidens." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1928: Außer dem
Schlussabschnitt identisch mit dem Artikel in der "Bayerischen
Israelitischen Gemeindezeitung". Der Schlussabschnitt: "...Bei
dem sich anschließenden Kaffeekränzchen feierte der Bezirksrabbiner,
Herr Dr. Wohlgemuth - Kitzingen, die nur der Frau eigenen Gefühle der
Mütterlichkeit und des Mitleidens. Dann erstattete die zweite
Vorsitzende, Frau Sänger, den Rechenschaftsbericht. Durch weitere
Ansprachen kam auch noch eine heitere Note in den Tag, der von allen
Teilnehmern als ein echt jüdisches Erlebnis empfunden
wurde." |
Gründung einer Nähstube (1932/33)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1933:
"Marktbreit. Durch die Initiative und nach den Vorschlägen der Herrn
Hauptlehrers Brückheimer wurde nach den Herbstferientagen vom hiesigen
israelitischen Frauenverein eine Nähstube eingerichtet, durch welche
Mittel herbeigeschafft werden sollten, um der Not der Zeit begegnen zu
können. Durch eine Sammlung, durch Ausbesserungsarbeiten und
Neuerstellungen war bis Chanukka schon eine so große Menge von Wäsche-
und Bekleidungsstücken vorhanden, dass die Bedürftigen hieraus und in
der näheren Umgebung sowie jüdische Anstalten reichlich bedacht werden
konnten. Die Leitung der Nähstube liegt in den Händen der 1.
Vorsteherin, Frau Jenny Klein". |
Christlich-jüdisches Miteinander vor Ort
und antisemitische Agitationen seit 1900
Um 1900 scheint das Verhältnis zwischen Christen und Juden
in Marktbreit überwiegend sehr positiv gewesen zu sein. Hinweis darauf ist
sowohl der Beschluss des Magistrates der Stadt, einem pensionierten Rabbiner
(unklar, wer gemeint ist) 400 Mark Pensionszuschuss aus Gemeindemitteln zukommen
zu lassen, wie auch die Tatsache, dass im Vorstand des evangelischen
Krankenvereines der Stadt auch jüdische Mitglieder saßen. Beides war Anlass zu
einer heftigen Attacke im antisemitischen "Deutschen Volksblatt" in
München:
Artikel in der Zeitschrift "Die Welt" vom 25. Mai 1900: "In
Marktbreit in Bayern hat der Magistrat beschlossen, dem pensionierten
Rabbiner 400 Mark Pensionszuschuss aus Gemeindemitteln zukommen zu
lassen".
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Artikel
in der Zeitschrift "Im Deutschen Reich" vom Mai 1900:
"Marktbreit, 2. Mai (1900). Das antisemitische Münchener 'Deutsches
Volksblatt' hatte seinerzeit berichtet: 'In Marktbreit, ehemals ein
wohlhabendes Bauernstädtchen, jetzt ein veritables Judennest, ist ein
'evangelischer Krankenverein', in dessen Vorstandschaft 1 Jude und 2
Judenfrauen sitzen! Daher der Name 'evangelischer'. Ebendortselbst hat der
Magistrat beschlossen, dem pensionierten Rabbiner jährlich 400 Mark
Pensionszuschuss aus Gemeindemitteln zu bewilligen!'. - Dies veranlasste
den Vorstand des Ausschusses Herrn kgl. Pfarrer J. Schußer Nachstehendes
zu veröffentlichen: 'Nach den Statuten des evangelischen Krankenvereins
können alle volljährigen Einwohner der Stadt Marktbreit Mitglieder des
Vereins werden, welche sich zur Entrichtung eines Jahresbeitrages von 3
Mark verpflichten. Unter den 204 Mitgliedern des Vereins gehören 42 der
israelitischen Religion an. Während nun die 162 Mitglieder der
christlichen Religion im ganzen circa 800 Mark pro anno aufbringen,
leisten die 42 Mitglieder der israelitischen Religion circa 200 Mark. Es
war mithin nur eine Forderung der Gerechtigkeit und Billigkeit, dass schon
bei der Gründung des Vereines von Seiten der Generalversammlung
einstimmig den Mitgliedern israelitischer Religion eine Vertretung im
Ausschuss mit beschließender Stimme eingeräumt werde, ohne dass von
israelitischer Seite ein solcher Antrag gestellt wurde. Unrichtig ist in
dem Artikel die Angabe über die Zahl der israelitischen weiblichen
Ausschussmitglieder. Nicht zwei, sondern eine Frau israelitischer Religion
gehört dem Ausschuss mit beratender Stimme an. Übrigens schadet sich der
evangelische Krankenverein ebenso wenig in seiner Würde und an seiner
Ehre, wenn er seine evangelischen Diakonissen anweist zur Pflege bei
katholischen oder israelitischen Kranken, wie wenn katholische
Elisabethenvereine ihre barmherzigen Schwestern absenden an die
Krankenlager evangelischer Christen oder israelitischer
Religionsangehöriger". |
Vorboten der NS-Zeit (1922)
Artikel
in der CV-Zeitung (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 16. November 1922:
"Die völkische Hetze im Maindreieck. Im Maindreieck der Gegend von
Kitzingen, Marktbreit und Kleinlangheim, grassiert die völkische
Hetze zurzeit besonders heftig. Wir erhalten aus Kleinlangheim den Bericht
über eine sozialdemokratische Versammlung, in dem es u.a. heißt. Zu
dieser Versammlung war auch der Stoßtrupp der Hakenkreuzler und als
Wortführer war der Zahnarzt Dr. Hellmuth aus Marktbreit
erschienen. Dieser Herr hielt sich besonders lange damit auf, den
ermordeten Minister Dr. Rathenau zu beschimpfen. Derartiges kann sich
diese Sorte von Leuten nur in Bayern leisten, wo ja das Schutzgesetz nicht
existiert. Die Bemühungen der Reichsregierung, politische Attentate zu
verhindern, werden wohl illusorisch sein, solange derartige Hetzen
ungestraft in Volksversammlungen gehalten werden dürfen. Ein Vorschlag
des Hetzredners ging dahin, den Juden das Geld abzunehmen und damit die
Kriegsschulden zu bezahlen. Derartiges erlebt man hier fast alltäglich.
Frau Ellen Arendt (sc. gemeint wohl: Andrea Ellendt) reist von Dorf
zu Dorf, um ihre giftige Saat auszustreuen und als die einzig Schuldigen
am Elend der Gegenwart die Regierung und die Republik zu bezeichnen. Man
muss fürchten, dass in Bayern der Regierung die Erleuchtung erst kommt,
wenn es zu spät ist." |
| Anmerkung: Der im Artikel genannte
Zahnarzt Dr. Otto Hellmuth in Marktbreit war in der NS-Zeit
gefürchteter Gauleiter der NSDAP und Regierungspräsident von
Mainfranken. Er betrieb seit 1922 eine zahnärztliche Praxis in
Marktbreit und wurde 1924 in der Stadtrat gewählt. Er war lebenslang
überzeugter Nationalsozialist. 1951 wurde er zum Tod durch den Strang
verurteilt; das Urteil wurde jedoch in einem Revisionsverfahren in eine
"lebenslange" Haftstrafe umgewandelt. Bereits 1955 wurde er
entlassen. 1958 ließ er sich in Reutlingen als Zahnarzt nieder. 1968
starb er an Suizid. Er wurde im Familiengrab in Marktbreit
beigesetzt. vgl. Wikipedia-Artikel
zu Otto Hellmuth |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Notiz über einen aus Marktbreit stammenden Emanuel Cohn (1774-1827)
Aus
dem familiengeschichtlichen Artikel in der "Bayerischen
Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1931: Anmerkung 2:
"Ich darf bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass ich vor
kurzem auf einem verlassenen, aber jetzt vom Preußischen Landesverband
jüdischer Gemeinden betreuten Friedhof der Provinz Brandenburg in
Wusterhausen a.d. Doße das Grab eines Emanuel Cohn entdeckte, der am 31.
Oktober 1774 in Marktbreit geboren wurde und am 15. Oktober 1827 in
Wusterhausen starb." |
Zum Tod des Gemeindevorstehers Elias Mosbacher am 1. Januar
1886
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1886: "Marktbreit.
Die hiesige Gemeinde erlitt durch das am Vorabend zum Heiligen Schabbat
(Freitag) mit der Lesung (= 1. Januar 1886) erfolgt plötzliche
Ableben des Elias Mosbacher einen herben Verlust. Ausgezeichnet mit einem
erleuchteten Verstande war es dem Verlebten eine Freude, seinen Mitmenschen mit
Rat und Tat in Leid und Freud beizustehen. Der selig Entschlafene war von
Glücksgütern reichlich gesegnet; dabei mache es ihm das größte Vergnügen,
verschämten Armen mit reichlichen Darlehen wieder empor zu helfen. Schon seit
einer langen Reihe von Jahre ehrte ihn das Vertrauen seiner jüdischen
Mitbürger durch einen Sitz im israelitischen Gemeindevorstande. Das am Sonntag
Morgen 8 1/2 Uhr stattgehabte Leichenbegängnis gestaltete sich zu einem
äußerst imposanten. Alle Schichten der Bevölkerung, sowohl Israeliten als
Nichtisraeliten, waren vertreten; selbst die protestantische Geistlichkeit war,
trotzdem sie um 9 Uhr ihren Gottesdienst hatten, anwesend. Seine Seele sei
eingebunden in das Bündel des Lebens." |
Zum Tod von Ester Eisenmann (1887)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1887: "Marktbreit,
1. März (1887). Heute haben wir unter der allgemeinen Teilnahme sowohl
der israelitischen als nichtisraelitischen Bevölkerung unserer Stadt eine
Frau zu Grabe geleitet, die es umso mehr verdient, dass ihrem Andenken
einige Worte gewidmet werden, je seltener jene Frauen aus früheren Zeiten
noch zu uns herüber ragen, die wie die Entschlafene - Friede sei mit
ihr - mit einer tiefen Liebe zu ihrem Schöpfer und seinen heiligen
Geboten die größte Demut und Anspruchslosigkeit verbinden.
Eine solche, schon während ihres langen, an Freuden und Leiden reichen
Lebens, mit der Krone des gute Namens geschmückte Greisin war Frau Ester
Eisenmann, die am 4. Adar, gerade an ihrem 82. Geburtstage dahier
verschied und ihrem schon 20 Jahre ihr vorhergegangenen, braven und
religiösen Ehemanne ins ewige Leben folgte. Von Jugend auf fromm
und gottesfürchtig, erzog sie ihre Kinder und Enkel zu wahren und
gottesfürchtigen Jehudim und wie sie nur für die ihrigen lebte und
sorgte und keine andere Freude kannte, als die, welche ihr in ihrem
glücklichen Familienleben erblühten und die an Geboten und guten
Taten, ebenso hingen ihre Kinder und Kindeskinder in rührender Liebe
an ihr, denn sie war in der Tat die Zierde ihres Hauses, und die Zierde
ihrer Söhne und ihrer Töchter.
Nicht geringer als ihre Liebe zu ihrer Familie war ihre unermüdliche
Hingabe in der Ausübung von Wohltätigkeit. Kein Armer ging
ungesättigt aus ihrem Hause, keine Träne konnte sie sehen, die sie nicht
zu trocknen suchte, kein Leid vernehmen, ohne ihre Teilnahme auszudrücken
und wo eine Krankheit, irgend eine Not herrscht, da war sie Tag und
Nacht besorgt und bemüht zu helfen, zu trösten, zu wachen, und auf das
Sterben zu warten und so durfte sie mit vollem Rechte kurz vor ihrem
Hinscheiden sagen: 'ich kann ruhig sterben, denn ich habe keinen
Feind'.
Nein, Freinde ließ sie nicht zurück, sondern nur gute Freunde und
dankbare Herzen, und die überaus zahlreiche Begleitung hier und auf den
Friedhof in Rödelsee bezeugte die ihr nachfolgende Ehre, Liebe und
Anerkennung. An ihrem Grabe sprach ihr Enkel, Herr Salomon Eisenmann,
Lehrer an dem Dr. Joel'schen Institute in Pfungstadt, ebenso von Herzen
kommende als zu Herzen gehende, erhebende und tröstende Worte, anknüpfen
an die Schriftstelle: "Die Zahl deiner Tage werde ich voll machen"
(2. Mose 23,26). Ihre Kinder und Enkel, die würdig in den Wegen ihrer
Eltern wandeln, finden gewiss in dem Verdienst ihrer frommen Mutter Trost
und Beruhigung, ihr Andenken aber bleibt zum Segen. -r." |
Würdigung der Arbeit des Vorstehers Salomon Weinberg durch einstimmige
Bestätigung durch eine Gemeindeversammlung (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. April
1903: "Marktbreit. Das verdienstvolle Wirken eines für die
Förderung der religiösen Interessen seine ganze Kraft einsetzenden
Mannes anerkannt zu sehen, ist eine wohltuende Erscheinung in der Zeiten
Flucht. Seit mehreren Jahren bekleidet Herr Salomon Weinberg hier das Amt
eines ersten Vorstehers. Dank seinem rastlosen Eifer ist es ihm gelungen,
den religiösen Sinn in unserer großen Gemeinde, in deren Mitte sich
viele neologen Elemente befinden, zu beleben und zu kräftigen. So ist
z.B. unter Herrn Weinbergs Verwaltung eine Mikweh (rituelles Bad)
errichtet worden, die geradezu mustergültig genannt zu werden verdient.
Trotz der uneigennützigsten Hingebung für die gedeihliche Entwicklung
unseres Gemeindelebens kam es vor einigen Wochen zu
Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kultusverwaltung, und der erste
Vorsteher Herr Weinberg, sah sich infolgedessen veranlasst, sein Amt
niederzulegen. Die Bekanntgabe dieses Entschlusses weckte allseitig tiefes
Bedauern. Wie verlautet, hat Herr Distrikts-Rabbiner Adler in Kitzingen,
zu dessen Rabbinatsbezirk unsere Gemeinde gehört, Herrn Weinberg in einem
ihn sehr ehrenden Schreiben gebeten, seine Demission zurückzuziehen. In
einer Gemeindeversammlung wurde einstimmig der Beschluss gefasst und von
sämtlichen Gemeindemitgliedern unterschrieben, Herrn Weinberg unter
Anerkennung seiner großen Verdienste um die Hebung und Förderung der
religiösen Interessen unserer Gemeinde zu bitten, auch fernerhin an der
Spitze der Kultusverwaltung zu verbleiben. Diese Bitte hatte, wie wir zu
unserer Freude mitteilen können, den erwünschten
Erfolg." |
90. Geburtstag von Mathilde Kissinger (1909)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1909:
"Marktbreit am Main, 4. Juli (1909). Im Kreise ihrer Familie und
Freunde, zu denen wohl alle, die sie kennen, gehören, feierte Frau
Mathilde Kissinger, dahier ihren 90. Geburtstag in körperlicher und
geistiger Frische. Unter den vielen Gratulationen befand sich auch der
Magistrat, der der Greisin ein ansehnliches Ehrengeschenk
überreichte." |
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Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Juli 1912:
"Marktbreit. Witwe Kissinger feierte am 5. Juli den 90.
Geburtstag." |
Zum Tod von Emma Flamm geb. Eisenmann aus Marktbreit, gestorben in Nenzenheim (1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1911: "Nenzenheim
(Mittelfranken), 29. Oktober (1911). Letzten Donnerstag haben wir Frau
Emma Flamm - sie ruhe in Frieden - zur Beisetzung gebracht.
Ein Herzschlag hatte ihrem Leben plötzlich ein Ende bereitet. Die
außergewöhnlich große Beteiligung bei der Beerdigung legte von
der sehr großen Beliebtheit der Verklärten beredtes Zeugnis ab.
Hervorgegangen aus der schon seit Jahrhunderten durch wahre Frömmigkeit
berühmt gewordene Familie Eisenmann in Marktbreit, war sie stets bestrebt,
auch in ihrem Familienkreis Gottesfurcht zu verbreiten, und so ist
es ihr gelungen, vereint mit ihrem Manne, ihre sämtlichen Kinder zu
wahren Jehudim zu erziehen. Hervorragendes hat die Verklärte besonders
auf dem Gebiete der Wohltätigkeit geleistet. Freiwillige
Krankenpflege und die Gebote bei (im Umgang mit) Toten waren
bei ihr etwas Selbstverständliches. Stets war ihr Haus den Armen
geöffnet, und wurden diese daselbst nach jüdischer Art gespeist. Wohl
niemals hat ein Hungriger bei ihr umsonst bittend vorgesprochen. Dass in
einem solchen Hause jedermann gerne verkehrte, bedarf keiner weiteren Erwähnung.
Im Sterbehause schilderte Herr Lehrer Sichel aus Kleinsteinach in
meisterhafter Weise die hohen Verdienste und das Wirken der Verstorbenen;
auf dem Begräbnisplatz im nahen Hüttenheim nahm Herr Oppenheimer aus
Marktbreit das Wort, um die Tugenden der Verstorbenen hervorzuheben. Möge
der schwer geprüfte Gatte und die ihrer Mutter beraubten Kinder in dem guten
Namen der Verblichenen Trost finden. Auch wir werden ihr Andenken in
Ehren halten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod vom Ephraim Eisemann (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1915:
"Marktbreit, 15. Februar (1915). Am letzten Freitag ist Ephraim
Eisemann im 79. Lebensjahre gestorben. Er war ein wahrer Zadik,
ein Gerechter, dem die Bitternis des Lebens nicht erspart blieb. Musste er
doch die sterben sehen, die ihn nach natürlichen Gesetzen überleben
mussten, die er in wahrhaft jüdischem Sinne erzogen, seine Kinder, welche
sein Pflichtgefühl in weitere Kreise zu tragen befähigt waren. Zwei
blühende Söhne - der eine Arzt, der andere Lehrer - sah er zu Grabe
tragen, seine einzige Tochter hat er betrauert, seine Gattin verloren. Er
aber hat, wie sein Schwiegersohn, Herr B. Oppenheimer, am Grabe sagte, das
Problem vom Frommen, dem es im Erdenleben schlecht geht, dahin gelöst,
dass er, ein Zadik, den Leiden sein ganzes Gottvertrauen
entgegenstellte, das ihn dann zu einer Höhe erhob, von der aus auch die
Leiden sich als ein Teil der Liebe des Allmächtigen erweisen.
Am 1. Tag des Monats Adar wurde er unter zahlreicher Beteiligung
aus Nah und Fern zu Grabe getragen. In Anerkennung und Würdigung der echt
jüdischen Gesinnung des Verstorbenen und seiner vielen guten Taten war
auch Herr Rabbiner Dr. Wohlgemuth aus Kitzingen erschienen. Ephraim
Eisemann war ein Gottesfürchtiger, dessen fast ängstliches Bestreben
darauf gerichtet war, so, wie es vorgeschrieben ist - zu leben, ein
Beschützer der Armen im Sinne der wahren Menschenliebe. Die hiesige Armenunterstützungskasse
ist seine Gründung, die er auch lange Zeit selbst geleitet hat.
Am Grabe dankte Herr Lehrer Brückheimer namens der Gemeinde, deren Schofarbläser
der Verstorbene 42 Jahre lang gewesen, im Namen der Chewra Kadischa (Wohltätigkeitsverein),
die er 43 Jahre als Vorsteher in vorbildlicher Weise geführt, für den Frauenverein,
dem er als Berater zur Seite gestanden. - Mit Eisemann ist das älteste
Mitglied unserer Gemeinde geschieden, die ihn als Führer aufs tiefste betrauert.
Möge den Hinterbliebenen Trost werden. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Zum Tod des langjährigen Kultusvorstandes und Stadtrates
Salomon Weinberg (1928)
Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 4. September
1928: "Marktbreit. Am 14. August (1928) verschied nach
längerem Leiden der frühere Kultusvorstand und Ehrenvorsitzende der
hiesigen Gemeinde Salomon Weinberg. Er entstammte einem religiösen Hause
und brachte somit durch seine gut jüdische Einstellung die erste
Voraussetzung mit für dieses Führeramt, das er über zwei Jahrzehnte in
aller Treue verwaltete. Während seiner Amtsperiode wurde das Mikwoh
(rituelles Bad) neuzeitlich umgebaut und im Jahre 1920 die jüdische
Volksschule errichtet. Der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer
Gemeinde gehörte er als Mitglied an. Im Stadtrat wurde seine die
Gegensätze überbrückende Gewandtheit allseits geschätzt. Die
Beerdigung fand unter starker Beteiligung auch von Seiten der christlichen
Bevölkerung statt. Vor dem Trauerhause zeichnete Herr Bezirks-Rabbiner
Dr. Wohlgemut das vielseitige Wirken des Verstorbenen. Dr. Weinberg (Neumarkt),
ein Bruder des Verklärten, beklagte den Hingang des Familienältesten,
der von allen wegen seiner Hilfsbereitschaft und Güte als zweiter Vater
geschätzt worden war. Kultusvorstand Goldbach dankte namens der Gemeinde
und Seminar-Oberlehrer Stoll für die freudige Mitarbeit, die er als
Mitglied der konservativen Fraktion dieser und dem Gemeindeverband
geleistet hat. Vor dem Abendgebete im Trauerhause weihte Lehrer
Brückheimer dem Geschiedenen in einem Schiur Worte des Gedenkens
und der Erinnerung. Br." |
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Derselbe
Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23.
August 1928. |
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Todesanzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 4.
September 1928: "Am 14. August verschied nach langer, schwerer
Krankheit der Ehrenvorstand unserer Gemeinde Herr Salomon Weinberg.
Wir beklagen tief den Heimgang dieses seltenen Mannes, der in 30jährigem
Wirken unser Führer war. Ausgestattet mit reichem Wissen und großer
Lebenserfahrung stellte er seine ganze Persönlichkeit in den Dienst
unserer Gemeinde deren Wohl zu fördern mit sein Lebenswerk war. Die
Kultusgemeinde wird ihm allezeit ein treues und dankbares Gedenken
bewahren.
Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Marktbreit. A.
Goldbach." |
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Todesanzeige in der Zeitschrift
des "Central-Vereins" vom 31. August 1928: "Nachruf! Nach
längerem Krankenlager verschied unser früherer Vorsitzender Herr Salomon
Weinberg. Seine selbstlose Hingabe für unsere Sache sichert ihm ein
bleibendes Andenken. Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen
Glaubens. Ortsgruppe Marktbreit am Main". |
Zum 92. Geburtstag von Sofie Liebenstein (1933)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1933:
"Marktbreit, 6. Januar (1933). Ganz in der Stille feiert Frau Sofie
Liebenstein, die älteste Einwohnerin Marktbreits, am 5. Tage Chanukka
ihren 92. Geburtstag. Früher in Mainbernheim
wohnhaft, zog sie nach dem Tode ihres Mannes zu ihrer Tochter nach
Marktbreit. Die Jubilarin, eine Frau nach alter jüdischer Sitte, übte
jahrzehntelang in beispielgebender Weise Wohltätigkeit, am letzten Jom
Kippur weilte sie noch von früh bis abends ind er Synagoge und fastete
ganz. Sie ist geistig und körperlich noch vollkommen rüstig und erfreut
sich heute noch in allen Kreisen der Bevölkerung größter Beliebtheit,
nicht zuletzt durch ihre ausgedehnte Wohltätigkeit. (Alles Gute) bis 120
Jahre." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen
Anzeige von Sara Grünewald - Verkauf einer Metzgerei
(1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1891: "Für
Metzger (Fleischer). In Folge Sterbefalles ist in Marktbreit (Bayern) ein
schönes Haus in bester Lage, worin bisher eine flotte Fleischerei
betrieben wurde, zu verkaufen. Einem tüchtigen Metzger, der zugleich
Wurstler ist, bietet sich eine sichere Existenz und würden einem soliden
Israeliten besonders günstige Bedingungen gestellt. Anfragen beantwortet
Frau Sara Grünewald, Marktbreit (Main)." |
Spendenaufruf für einen in Not geratenen Talmudisten (1897)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1897: |
Lehrer Pollak verkauft Torarollen (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1900: "Zwei
mit noch gut erhaltenem Pergamente, etwas reparaturbedürftige Tora
Rolle(n), deren Erlös zu religiösen Zwecken verwendet werden soll,
sind zu jedem annehmbaren Preise abzugeben. Lehrer Pollack,
Marktbreit am Main." |
Stellensuche eines 18-jährigen Mädchens (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: "Ein
nettes Mädchen, aus guter Familie, 18 Jahre alt, kräftig, welches
im bürgerlichen Kochen und sämtlichen Hausarbeiten ausgebildet, wünscht
im religiösen hause, bei guter Behandlung, auf besserem Platze
Süddeutschlands passende Stelle. Offerten unter D.S.50 postlagernd
Marktbreit am Main erbeten." |
Anzeige von Frau M. Benario (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1901:
"Für einen größeren Haushalt suche per 1. Juli ein
tüchtiges
Mädchen,
welches die bürgerliche Küche versteht.
Frau M. Benario, Marktbreit am Main." |
Anzeige der Eisenhandlung Sigmund Klein (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1901:
"Suche zum Eintritt bis 1. Oktober dieses Jahres einen mit der
Branche vertrauten
jüngeren Commis für Lager und Comptoir.
Sigmund Klein, Eisenhandlung,
Marktbreit am Main." |
Anzeigen des Schuh-, Hut- und Herrenkleidergeschäftes Leopold Putzel
(1900/1921)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900: "Schuhbranche.
Tüchtige Verkäuferin per 1. Juli gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen
und Photographie an
Leopold Putzel, Marktbreit am Main." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1921: "Für
mein Schuh-, Hut- und Herrenkleidergeschäft suche ich einen kräftigen
Lehrling mit guter Schulbildung. Samstag und Feiertage geschlossen.
Gute Ausbildung.
Leopold Putzel, Marktbreit." |
Anzeige des Manufakturwaren-Geschäftes M. Benario (1915)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1915: "Lehrlingsstelle.
Lehrling, nicht unter 15 Jahren, findet Aufnahme in meinem
Manufakturwaren-Geschäft per gleich oder bald. Kost und Wohnung außer
dem Hause. Samstag und Feiertage geschlossen.
Marktbreit am Main. M. Benario." |
Verlobungsanzeige von Tilde Ettlinger und Raphael Oppenheimer (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1922: Statt
Karten - Gott sei gepriesen -
Tilde Ettlinger - Raphael
Oppenheimer - Verlobte.
Marktbreit am Main". |
Verkauf von reparaturbedürftigen Torarollen durch die Gemeinde
(1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: "14
posule Sifre Thoros (unbrauchbare Torarollen), von denen einige
durch Überschreiben wieder brauchbar werden, hat abzugeben (nur an
Gemeinden oder vertrauenswürdige Sofrim).
Kultusgemeinde Marktbreit A. Goldbach." |
Hochzeitsanzeige von Lehrer Simon Brückheimer und Selma geb. Sonn (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1925:
"Simon
Brückheimer, Lehrer - Selma Brückheimer geb. Sonn.
Vermählte.
Marktbreit, 3. März 1925." |
Verlobungsanzeige von Bella Weikersheimer und Hermann Frank (1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1928:
"Bella
Weikersheimer - Hermann Frank - Verlobte.
Marktbreit - Nieder-Ohmen bei
Gießen. Purim 1928." |
Heiratsanzeige für Abraham (Awrohom) Oppenheimer und Lili geb. Klein (1936)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1936: "Gott
sei gepriesen.
Awrohom Oppenheimer - Lili Oppenheimer geb. Klein.
Vermählte.
Marktbreit / Petach-Tikwa - Berlin / Jerusalem (Schaarei
Zedek).
Jerusalem, 21. Adar 5696 (= 15. März 1936)" |
Hochzeitsanzeige von Nathan Sonn und Ruth geb. Kahn
(1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Statt
Karten - Gott sei gepriesen
Nathan Sonn - Ruth Sonn geb. Kahn.
Vermählte.
Berlin / Marktbreit - Köln. Trauung 11. Mai 1937 - Rosch
Chodesch Siwan.
Hotel Ulmann, Frankfurt am Main." |
Verlobungsanzeige von Nanny Rosenberg und Julius
Ritterband (1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1937:
"Gott sei gepriesen.
Nanny Rosenberg - Julius Ritterband. Verlobte.
Marktbreit am Main, Ückermünde i.P.
Frankfurt am Main, Schwanenstraße 12. Sukkot 5697." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine erste Synagoge wurde im 17. Jahrhundert unmittelbar neben dem
Seinsheimer Schloss erbaut. Mit dem Schutzbrief von 1642 hatten die in
Marktbreit lebenden Juden das Recht zur Abhaltung von Gottesdiensten erhalten. Das Gebäude
der ersten Synagoge brannte 1714 ab. Hierauf beschloss man
den Bau einer neuen Synagoge im damaligen jüdischen Wohnviertel. Das Gebäude
wurde weitgehend finanziert durch den Oberhoffaktor Samson Wertheimer. 1717
konnte die Synagoge eingeweiht werden. 1885 erfolgte eine umfassende Erneuerung
der Synagoge. Die Einweihung fand am 27. Juni 1885 durch den Kitzinger
Bezirksrabbiner Adler statt. Im südlichen Teil des Gebäudes, waren die Räume der jüdischen
Schule und der Lehrerwohnung untergebracht. Im Untergeschoss befand sich eine
Mikwe (rituelles Bad).
Über
die Einweihung der Synagoge liegt u.a. ein kurzer Bericht in der Zeitschrift
"Jeschurun" (Ausgabe Juli 1885) vor: "Marktbreit, 2. Juli
(1885). Am vorigen Samstag, 27. Juni, wurde die hiesige neuerbaute Synagoge
ihrer Bestimmung übergeben. Unser Distriktsrabbiner, Herr Adler von Kitzingen,
hielt die Festrede. Der Bau ist im byzantinischen Stile gehalten und seiner
Bestimmung in hohem Maße würdig. Es hat großer Opfer bedurft zur Herstellung
des Prachtbaues; umsomehr verdient die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder
die höchste Anerkennung". |
Der byzantinische oder "maurische" Stil der Synagoge
in Marktbreit wird auch in einem Bericht von 1934 hervorgehoben:
Aus
einem Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1.
September 1934: "Alte und neue Synagogen. Es ist merkwürdig, dass
verhältnismäßig viele Synagogen in früheren Jahren einem Brande zum
Opfer gefallen sind. Nur selten verdankt ein Neubau dem Anwachsen der
Gemeinde seine Entstehung. Man mag die neueren Synagogen schön finden.
Die in Theilheim etwa, wo die Anlage der Frauenempore und deren
Ausstattung mit farbigen Vorhängen an stille Theaterlogen erinnern; die
in maurischem Stil gehaltenen Synagogen in Marktbreit und Obbach oder
die in kirchenhaftes Düster getauchte in Gerolzhofen." |
1935 konnte das 50jährige Bestehen der Synagoge
gefeiert werden:
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Dezember 1935:
"Marktbreit. Es sind 50 Jahre verflossen, seitdem unsere Synagoge von
Grund auf umgebaut und erweitert worden ist. Dieses Jubiläums gedachte am
vergangenen Sabbat Herr Hauptlehrer Brückheimer in seiner religiösen
Ansprache, erinnert an die wechselvolle Geschichte unserer Gemeinde, die
nachweisbar schon über 5 Jahrhunderte besteht und ermahnte die
Mitglieder, opferbereit zu bleiben, damit die Institutionen der Gemeinde
weiterhin erhalten werden können." |
Beim Novemberpogrom 1938 wollten SS-Leute aus Kitzingen
am Morgen des 10. November mit Benzin, das aus einem jüdischen Geschäft
besorgt wurde, die Synagoge in Brand setzen. Auf Grund der engen Bebauung im
Bereich der Synagoge verhinderten jedoch der Bürgermeister, der
Polizeikommandant und die Feuerwehr die Ausführung des Planes. Daraufhin wurde von
den SS-Leuten die Inneneinrichtung der Synagoge und ein Teil der Ritualien (zwei
Chanukka-Leuchter, die Ewige Lampe) vernichtet, zwölf Torarollen auf den Boden
geworfen, der Silberschmuck zerbrochen. Mehrere ältere Juden wurden gezwungen,
Gebetbücher und andere Ritualien auf einen Wagen zu laden und sie durch die
Stadt in das leere Geschäft eines Gemeindemitglieds zu fahren. Nach einem
vorliegenden Bericht drangen auch Kinder in die Synagoge hinein und beteiligten sich an der Plünderung
des Inventars. Die jüdische Volksschule und die Lehrerwohnung blieben nach
Angaben von Lassar Brueckheimer unversehrt. Die Schülerbücherei, Lehrbücher, Geld aus
Sammelbüchsen u.a.m. waren ins Rathaus gebracht worden. Alle Juden von Marktbreit
wurden im Schulhaus zusammengetrieben und von dort zum Marktplatz gebracht, wo
sie von zahlreichen Bewohnern der Stadt beschimpft und verspottet
wurden.
Zu dem obigen Bericht eine Ergänzung von Lassar Brueckheimer (per E-Mail vom
17. Mai 2007): "Am 10. November war meine Mutter mit
uns drei Kindern zu Ihren Eltern geflüchtet, die weiter unten in der Pförtleinsgasse
wohnten. Sie wurde dort von zwei SS-Männern geholt, um die Schule aufzuschließen,
damit man nach angeblich geheimen Akten suchen konnte. Ich ging mit und ließ meine Mutter
nicht allein. Die Schule selbst blieb unversehrt und wurde nach der Suche, die
nichts erbrachte, verschlossen und versiegelt. Im späten Dezember 1938 stand
ich selbst Wache für meinen Vater, als er unter großer persönlicher
Gefahr nach seiner Rückkehr von Buchenwald im späten Dezember 1938 in die zerstörte Synagoge ging, um die Torarollen, die auf der Erde verschandelt
lagen, wieder in den Toraschrein zurückzustellen. Viele Ritualien waren
zerstört worden,
aber doch noch in der Synagoge vorhanden. Er kam zurück durch das Tor mit einer zerquetschten
kleinen silbernen Krone von einem Toraschild und sagte: 'Das ist alles, was ich
als Andenken mitnehmen werde' und ich habe dieses Krönchen noch heute. Die
Schule wurde nicht zerstört, kein Möbel etc. zertrümmert. Das ist sicher.
Denn die ganze Zeit, als wir noch in der Lehrerwohnung blieben (bis April 1939)
war ein SS-Siegel an der Türe der Schule. "
Das Gebäude der Synagoge blieb nach den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938
erhalten und wurde nach 1945 zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut.
Erhalten ist die Ostfassade mit dem Mauervorsprung für den Aron Hakodesch
(Toraschrein), darüber ein zugemauertes Rundfenster.
Adresse/Standort der Synagoge: Zwischen Schustergasse 12 und 14
(Zugang ausgeschildert)
Fotos
Ritualien der jüdischen Gemeinde
(Fotos aus der Sammlung Theodor Harburger: Quelle: Central
Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht
in "Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in
Bayern. Jüdisches Museum Franken. 1998 S. 381f) |
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Toraschild von 1737,
ursprünglich aus Obernbreit, nicht erhalten |
Toraschild aus dem 18.
Jahrhundert, heute im Israel-Museum Jerusalem |
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| Innenansicht |
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Gemälde der
Marktbreiter Synagoge - Innenansicht vor 1938
(Quelle: Lassar Brueckheimer) |
Das Synagogengebäude im Frühjahr 2006
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.5.2006) |
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| Wegweiser zur ehemaligen
Synagoge |
Hinteres
Tor zur ehemaligen Synagoge mit
Hinweistafel, Inschrift: "Ehemalige Synagoge, erbaut 1717, finanziert
durch Samson Wertheimer, Wien. Umfassend erneuert 1885. Zerstörung der
Inneneinrichtung. Einzig erhalten: Eingangsportal, Fassadenschmuck,
Gedenkstein für die jüdischen Gefallenen des 1. Weltkrieges". |
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| Oben: das hintere
Tor zur ehemaligen
Synagoge; dieses Tor wurde nur selten geöffnet, meist nur an hohen
Feiertagen, wenn mehr Menschen als zu normalen Gottesdiensten zu Synagoge
besuchten. Der normale Eingang mit einem großen Doppeltor war in dem
Korridor des Gemeindehauses (erstes linkes Gebäude in der
Pförtleinsgasse), das an die Synagoge angebaut war. Das große Tor
führte in einer Vorhalle, von wo die Treppe zur Frauenempore führte,
eine weitere Türe führte in den Betsaal der Männer.
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Die erhaltene Fassade an der
Ostwand der ehemaligen Synagoge mit byzantinischen Schmuckelementen |
Der Gedenkstein für die
jüdischen Gefallenen des 1. Weltkrieges |
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| Hinweistafel am (hinteren) Eingang |
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| Aus Marktbreit im Jüdischen
Museum Franken in Fürth |
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Giebel
eines Toraschreins (Marktbreit 1714, Sandstein, gefasst): 1714 brannte die
Synagoge von Marktbreit ab. Der Vorsteher der Landjudenschaft in der
Herrschaft Schwarzenberg Samson bar Isaak Wertheimer, stiftete daraufhin
ein neues Synagogengebäude, zu dem dieser Schrein gehörte. Der Stifter
war Onkel des Wiener Hofjuden Samson bar Josef Wertheimer (1658-1724) und
mit dessen Schwester Krönle verheiratet. Zwei Löwen flankieren die Tafel
mit den Zehn Geboten. Ab 1885 fand der Toraschrein in der neuen
Marktbreiter Synagoge als Türsturz Verwendung und kam nach 1945 in das
Mainfränkische Museum nach Würzburg
|
Stiftertafel
der Synagoge Marktbreit (1718): "Die Stiftertafel wurde 1718 im
Gedenken an den verstorbenen Stifter der Synagogeneinrichtung von
Marktbreit, Samson ben Isaak Wertheimer, und seiner Frau Krönle
angebracht. Die Inschrift lautet: '[Dies] soll sein zum Gedenken, zum
Zeichen, zur Erinnerung an den Verstorbenen, den ehrenwerten Schimschon,
Sohn des Jizchak, welcher Vorsteher der Land[judenschaft] Schwarzeburg
[Schwarzenberg] war. Und er war lobenswert, vollkommen und umsichtig bei
Angelegenheiten der Land[judenschaft] und tüchtig wie ein spitzer Stein
am Dreschschlitten [vgl. Jesaja 41,14]- Ferner [zum Gedenken] an seine
Gattin, Frau Krönle, Tochter unseres Lehrers, des Rav, Herrn [= Rabbiner]
Josef Wertheim, die Bescheidene unter den Frauen im Zelt [vgl. Richter
5,24], Maier und Schutzwand. Sie beteiligten sich gemeinsam an guten
Werken im Handwerk des Künstlers und Webers. Sie hinterließen als
Schenkung eine Summe von dreihundert Reichsthalern zum Anzünden von zwei
Dochten an einer Kampe, immer zum Brennen breit. Das Geld wurde in die
Hände von vertrauenswürdigen Personen gegeben, auf dass die Sache nie
dem Vergessen anheimfalle. Auch stifteten sie den Platz, auf dem diese
Synagoge errichtet wurde, damit in ihr emporsteigen unsere Gebete wie der
Duft des Speiseopfers. Die Gemeinde hat es sich zur Aufgabe gemacht, der
Seelen des oben genannten Paares zu gedenken an jedem Schabbat und an
jedem Feiertag, um sie in [ihrer] Ruhe zu erfreuen. Sie mögen ruhen auf
ihren Lagern [Jesaja 57,2]! Und im Bunde des Lebens sei[en] eingebunden
ihre Seelen. 5. Tammus 478 [4. Juli 1718] nach der kleinen
Zählung." |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 355-358. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 87. |
 | Johannes Wenzel: Die jüdische
Gemeinde von Marktbreit im 19. Jahrhundert. Beiträge zur Kultur, Geschichte
und Wirtschaft der Stadt Marktbreit und ihrer Nachbarschaft. Heft 12.
Marktbreit 1985. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 510-513. |
 | Richard Scharnagel: Religiöse Toleranz -
Hintergründe und Erfolge am Beispiel der Stadt Marktbreit. 2002. Online
zugänglich |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 200-201.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Marktbreit (in Jewish sources,
Bratt) Lower Franconia. Jews are first mentioned in 1487 and were expelled in
1553. They settled again from 1636 and in 1642 received a general letter of
protection from the emperor granting them religious freedom and other rights
which promoted the development of the community into one of the most important
in the principality, with the seat of the chief rabbinate established there
until 1806. From the late 17th century, Court Jews were active. Among the
prominent families were the Wertheimers, Oppenheimers, and Astruques. The
Wertheimers built a synagogue in Marktbreit and Samson Wertheimer was the chief
agent of the Viennese court. Also in the late 17th century Prince Ferdinand
restricted Jewish residence to 14 families (which remained in force until 1862).
From 1806, with annexation to Bavaria, the community was under the aegis of the
Wuerzburg district rabbinate, serving as its seat for a time. The Jewish
population reached a peak of 320 in 1890 (total 2,385) and then declined
steadily to 127 in 1933, with the communities of Obernbreit,
Marktsteft and Gnodstadt attached to it. A
Jewish public school was opened in 1920. Under Nazi rule, the economic boycott
quickly undermined Jewish livelihoods. Nevertheless, between 1933 and 1939 the
community was active in education, culture, and social welfare. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the Jewish public school and synagogue were vandalized,
including 12 Torah scrolls, 11 Jewish apartements were destroyed, and six men
were sent to the Dachau and Buchenwald concentration camps. Afterwards all the
Jews were evicted from their homes and ghettoized in the community center. In
1933-42, 54 additional Jews moved to Marktbreit and a total of 146 left, 83 of
them emigrating. Of the remaining Jews, 23 were deported to Izbica in the Lublin
district (Poland) via Wuerzburg on 24 March 1942 and nine were sent to the
Theresienstadt ghetto in September 1942.

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