Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Unterfranken"
   

Aidhausen (VG Hofheim i.Ufr., Kreis Hassberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
 (erstellt unter Mitarbeit von Christine Fuhl, Pflegerin des Gemeindearchivs Aidhausen) 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Aidhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. 1595 werden erstmals Juden am Ort genannt. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1814 41 jüdische Einwohner (7,2 % von insgesamt 571 Einwohnern), 1867 82 (11,8 % von 697), 1880 65 (9,1 % von 711), 1900 53 (7,8 % von 680). Durch Aus- und Abwanderung ging die Zahl der jüdischen Einwohner seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.
 
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Samson Isaac Katzher (Auszüger), Samson Aron Kohn (Viehschlachten), Abraham Samson Kohn (Viehschlachten), Mardechaeus Maenlein Straus (Lichterziehen), Abraham Hirsch Franker (Schnitthandel), Anschel Löw Stern (Schnitthandel), Maier Emanuel Marxer (Schmusen und weniger Handel), Moises Isaac Kahn (Schmusen), Samuel Löw Löwer (Schnitthandel), Witwe Baierlein Ehrreich (Schnitthandel), Löw Baermann Ehrenreich, Selig Stern (Feldbau).   
   
An Einrichtungen waren vorhanden: eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule mit Lehrerwohnung, seit 1847 neben der Synagoge; das Schulhaus hatte der jüdische Arzt Dr. Joseph Samuel der Aidhäuser Gemeinde in seinem Testament gestiftet) und ein rituelles Bad (im Garten bei Haus Nr. 67, wo die jüdische Familie Gerst wohnte). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kleinsteinach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Unter den Lehrern hat in besonderer Weise Lehrer Julius Rosenfelder das jüdische Gemeindeleben geprägt: er war von 1878 bis 1930 Lehrer und Vorbeter der jüdischen Gemeinde (s.u. Artikel zu seinem Dienstjubiläum 1921, seiner goldenen Hochzeit und seinem Tod 1930).  
   
Um 1924
, als 37 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (5,3 % von insgesamt etwa 713 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Abraham Kuhn I und Gerson Kleinhäuser. Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkte Julius Rosenfelder (bis zu seiner Zurruhesetzung am 1. August 1930, s.u.). Er unterrichtete an der jüdischen Religionsschule damals noch fünf Kinder. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Burgpreppach. 1932 war 1. Vorsteher der Gemeinde Max Ackermann, Schriftführer und Schatzmeister Josef Kleinhäuser. Als Kantor war inzwischen Nathan Kuhn angestellt. Sein Nachfolger wurde nach 1933 Felix Kuhn.
 
1933 lebten noch 23 jüdische Personen in Aidhausen (3,4 % von insgesamt 678). Ihre Zahl ging bis 1939 nur geringfügig zurück auf 19 Personen (2,0 % von 626). Drei waren inzwischen emigriert. Bereits vor dem Novemberpogrom 1938 kam es zu gewaltsamen Aktionen gegen die jüdischen Familien am Ort. Am 10. Oktober 1938 wurden die Fensterscheiben ihrer Häuser eingeworfen. Vier der an dieser Ausschreitung Beteiligten brachen anschließend in die Synagoge ein, zerschlugen Fenster und schändeten einen Teil der Ritualien. Von den letzten im Februar 1942 noch hier wohnhaften 16 jüdischen Einwohnern wurden elf im April 1942 über Würzburg nach Izbica bei Lublin deportiert. Am 24. Juni 1942 wurden die letzten fünf Aidhauser Juden nach Schweinfurt eingewiesen (Angabe von Elisabeth Böhrer) und von dort aus im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt.  
   
Von den in Aidhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolf Ackermann (1875), Babette Ackermann geb. Rosenfelder (1884), Bella Ackermann (1939), Brunhilde (Hilde) Ackermann geb. Luchs (1915), Herbert Ackermann (1907), Lane Ackermann (1941), Max Ackermann (1876), Lane Ackermann (1941), Regina Baruch geb. Stern (1868), Rebekka (Ricka) Blättner geb. Stern (1856), Irma Brühl geb. Ackermann (1906), Rosa Jacob geb. Sacki (1882), Edgar Kleinhäuser (1932), Josef Kleinhäuser (1894), Paula Kleinhäuser geb. Stein (1902), Max Kohn (1863), Moritz Kohn (1864), Abraham Kuhn (1866 oder 1868), Malchen Kuhn geb. Schloss (1878), Nathan Kuhn (1904), Ottilie (Tilly) Kuhn (1898), Louis Stein (1872), Adolf Stern (1874), Julius Stern (1869), Philipp Stern (1872), Regine Weglein geb. Gerst (1868), Betty Weil geb. Kuhn (1907).  
   
Von den in das Ghetto Theresienstadt verschleppten jüdischen Einwohnern hat Frieda Stein geb. Rau (geb. 1875) die NS-Zeit überlebt; sie war mit dem in der Liste oben genannten Louis Stein (1872) verheiratet (Ausk. Elisabeth Böhrer nach Recherchen im Bundesarchiv).     
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 

Aidhausen Israelit 29111876.jpg (33142 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1876: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorsänger und Schächterstelle wird mit dem 1. Dezember laufenden Jahres vakant. Fixer Gehalt 500 Reichsmark nebst schöner Wohnung, Garten und freier Beheizung. Die Schechita (Schächten) beträgt 300 Mark mit nicht unbedeutendem Nebenverdienste. Qualifizierte Bewerber wollen sich baldigst an den Unterzeichneten wenden.  
Aidhausen (Post Hofheim), im November 1876. Nathan Kuhn, Vorstand".

 
Zum 50-jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Julius Rosenfelder im November 1921  

Aidhausen Israelit 03111921.jpg (45909 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1921: "Aidhausen (Unterfranken), 1. November. Samstag, den 19. November, begeht Herr Lehrer Rosenfelder seinen 70. Geburtstag und sein 50jähriges Dienstjubiläum. Als Erzieher der Jugend, als Vorbild der Gemeinde und als Berater und Helfer für jedermann, hat er sich in 43jähriger selbstloser Wirksamkeit am hiesigen Orte die Liebe und Achtung der gesamten Bevölkerung erworben. Möge es dem wackeren Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische zum Segen seiner Gemeinde seines Amtes zu walten."

 
Ankündigung der Goldenen Hochzeit von Lehrer Julius Rosenfelder (1930) 

Aidhausen BayrGZ 15051930.jpg (43141 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1930: "Goldene Hochzeit. Am 25. Mai begeht Lehrer Julius Rosenfelder in Aidhausen das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Rosenfelder war in den 70er-Jahren in Rodheim und Crainfeld (Hessen) angestellt. Seit 1878, also seit 52 Jahren wirkte der Jubilar segensreich in Aidhausen und erfreut sich heute noch geistiger und körperlicher Frische. Die Gemeinde ist um ihn her zusammengeschmolzen. Aber wacker hält der Senior der aktiven bayerischen Lehrer auf seinem Posten aus. Mögen dem fast 80jährigen Jubilar an der Seite seiner Gattin noch viele Jahre in Gesundheit und Glück beschieden sein!"
  
Aidhausen Israelit 08051930.jpg (58527 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1930: "Aidhausen, 2. Mai (1930). Am 25. Mai begeht Lehrer Julius Rosenfelder in Aidhausen das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr Rosenfelder war in den 70er-Jahren in Rodheim und Crainfeld (Hessen) angestellt. Seit 1878, also seit 52 Jahren, wirkt der Jubilar segensreich in Aidhausen und erfreut sich heute noch geistiger und körperlicher Frische. Wacker hält der Senior der aktiven bayerischen Lehrer auf seinem Posten aus. Mögen dem fast 80-jährigen Jubilar an der Seite seiner Gattin, die ihm stets eine wackere Lebensgefährtin war, noch viele Jahre in Gesundheit und Glück beschieden sein."   

      
Über die Feier der Goldenen Hochzeit von Julius und Karoline Rosenfelder (1930)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1930: "Aidhausen, 25. Mai (1930): Unter lebhafter Teilnahme der hiesigen Gesamtbevölkerung ohne Unterschied der Konfessionen, sowie von Freunden von Nah und Fern fand heute das seltene Fest der Goldenen Hochzeit der Lehrersehegatten Julius und Karoline Rosenfelder statt. Am Vorabend des Festes wurde das Jubelpaar mit einer Ovation beehrt, an welcher die Ortskapelle und der Gesangverein beteiligt waren, dessen Ehrenmitglied der Jubilar ist. Vormittags 10 Uhr fand eine Synagogenfeier statt, in welcher Herr Bezirksrabbiner Dr. Ephraim in einer tiefdurchdachten Ansprache die edlen Tugenden des Jubelpaares, insbesondere des Jubilars als Lehre rund Führer seiner Gemeinde seit 52 Jahren eingehend würdigte und demselben namens der Kultusgemeinde, des Rabbinatsbezirks und des Bezirksausschusses des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Dank und Grüße zum Ausdruck brachte. Namens der Nachbargemeinde Kleinsteinach sprach der Kultusvorstand Emanuel Grünbaum unter Überreichung eines praktischen Geschenkes ehrende Worte. Lehrer Blumenthal aus Hofheim beglückwünschte das Jubelpaar im Namen der Kultusgemeinde Hofheim-Lendershausen, Königshofen im Grabfelde und Oberlauringen, sowie im Auftrage der aktiven und pensionierten Amtsbrüder des Rabbinatsbezirks unter gleichzeitiger Überreichung einer Glückwunschadresse. Schön und feierlich umrahmt waren diese Ansprachen durch die von Lehrer Heller-Adler aus Königshofen dirigierten klangvollen Solo-Chorgesänge des Königshofener Synagogenchors. Mit bewegten Worten dankte sodann Lehrer Rosenfelder aus Ladenburg namens seiner gefeierten Eltern für die zahlreichen Ehrungen. Unter den zahlreich eingelaufenen Glückwünschen sind besonders hervorzuheben die Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten Dr. Held, der unterfränkischen Kreisregierung, des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg usw. Möge es dem verehrlichen Jubelpaare vergönnt sein, noch lange Jahre hindurch in einem heiteren und sonnigen Lebensabend sich dieser feierlichen und erbebenden Stunden zu erinnern. (Alles Gute) bis 120 Jahre."      
 
Aidhausen BayrGZ 15071930.jpg (51566 Byte)Artikel ebd. vom 15. Juli 1930 unter den "Vereinsmitteilungen" des Lehrervereins: "Vor kurzem beging unser Kollege Rosenfelder, Aidhausen, das Fest der goldenen Hochzeit. Welch großer Beliebtheit sich das Jubelpaar erfreute, das beweisen die Menge der Gratulanten, die sich zur Feier einfanden. Besonders erfreulich war die rege Teilnahme der nichtjüdischen Bevölkerung an diesem Ehrentag. Auch Reichspräsident von Hindenburg, Ministerpräsident Held und der Regierungspräsident von Unterfranken sandten Glückwunschschreiben. In einem Dankschreiben an uns schließt der greise Jubilar mit den Worten: 'Möge Gott in den Herzen der Obrigkeit aller Länder gleiche Gefühle erwecken, auf dass wir einer besseren Zukunft entgegensehen mögen.'"     

       
Zum Tod des jüdischen Lehrers, Kantors und Schächters Julius Rosenfelder (Oktober 1930)  

Aidhausen Israelit 13111930.jpg (44359 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1930: "Nachruf!  Aidhausen (Unterfranken). Am 10. Oktober wurde Kollege Julius Rosenfelder unter Beteiligung der gesamten Ortsbevölkerung und vieler auswärtiger Freunde im Alten von 80 Jahren zu Grabe getragen. In kleinem Kreise hat der Entschlafene Großes gewirkt und durch seine Persönlichkeit und sein vielfältiges Wissen sich hohe Achtung erworben. Im Mai war es ihm noch vergönnt, die Goldene Hochzeit zu feiern und am 1. August wurde er in den Ruhestand versetzt. Mit dem Abschluss seiner Lebensarbeit betrachtete der sonst lebensfrohe Mann seine Lebenszeit für beendet. Er sehnte sich heimwärts und entschließ sanft zur ewigen Ruhe. Ehre seinem Andenken!"    
   
Aidhausen BayrGZ 15111930.jpg (50379 Byte)Links derselbe Bericht in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1930.

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des Kaufmanns Heinrich Walter (1897)

Aidhausen Israelit 11031897.jpg (93995 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1897: "Aidhausen bei Hofheim. 'Mit dem Eintritt des Monats Adar häufe man Freuden'. Die hiesige Gemeinde konnte diesmal leider dieser Aufforderung zur Freude keine Folge leisten. Am 16. Februar verschied nach kaum 5tägiger Krankheit an Diphteritis, in noch nicht vollendetem 42. Lebensjahre, der in weiten Kreisen beliebte und geachtete Kaufmann Heinrich Walter. Durch seinen Tod erlitten nicht nur die trauernden Hinterbliebenen, die Frau mit 5 unmündigen Kindern einen harten Schlag und unersetzlichen Verlust, sondern es verlor in ihm die ganze Gemeinde ein teueres Mitglied, ein Mitglied, das ihr zur Ehre und Zierde gereichte. Bei ihm hieß es: 'ich freue mich, wenn man zu mir sagt: Lasst uns ins Gotteshaus gehen, denn er versäumte fast keinen Gottesdienst. Seine Freude zur Ausübung von Gerechtigkeit und Wohltätigkeit gab er bei jedem Anlass kund. Aber auch der Welt gegenüber zeigte er sich als edler Charakter. Jedermann, ohne Unterschied der Konfession, suchte und fand bei ihm in uneigennützigster Weise Rat und Hilfe und Jeder, der mit ihm in Geschäftsverbindung stand, lobte seine große Redlichkeit und Ehrlichkeit. Möge der Allgütige der nun alleinstehenden Witwe Trost und Beruhigung senden und weitere Unglücksfälle von unserer Gemeinde abwenden. Amen". 

       
Hinweis auf den aus Aidhausen stammenden Lehrer Sally Rosenfelder (geb. 1882 in Aidhausen, gest. 1969 in den USA)  
   
Aus Aidhausen stammt der nach seinen Studien in Burgpreppach und Würzburg bis 1910 in Buchen und von 1910 bis 1939 in Ladenburg tätige Lehrer Sally Rosenfelder (geb. 1882 in Aidhausen), ein Sohn des Lehrers Julius Rosenfelder (vgl. die Berichte oben; bei der Goldenen Hochzeit seiner Eltern 1930 war Sally Rosenfelder anwesend). Weitere Informationen auf der Seite zu Ladenburg.   

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige des Warengeschäftes C. Rosenfelder (1902)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1902: 
"Suche für mein gut eingeführtes Warengeschäft einen tüchtigen 
Detailreisenden
 
für kleine Touren. Wandergewerbeschein erhält er auch, wenn er noch nicht das 25. Lebensjahr erreicht hätte. Schabbos und Jomtof (Feiertag) streng geschlossen. Kost und Logis im Hause. Offerten, belegt mit Zeugnissen und Gehaltsansprüchen, an C. Rosenfelder, Aidhausen (Unterfranken)."   

 
 
Weitere Dokumente  

Korrespondenzkarte (Spendenaufruf) 
von Rabbiner Osias Krohn - 
Skala, Galizien (1888) 
(aus der Sammlung von Aribert Elpelt, 
Website heimat-unterfranken.de)  
Aidhausen Dok 13010a.jpg (227865 Byte) Aidhausen Dok 13010.jpg (166420 Byte)
Korrespondenz-Karte (Spendenaufruf) an "Wohlgeborenen Herrn S. Kleinhäuser (statt Kleinhauter) in Aidhausen Bayern Deutschland" von Rabbiner Osias Krohn: "Euer Wohlgeboren. Der äußerste Notfall zwingt mich nochmals um Ihre edle Spende anzuflehen. Eine arme von Russland infolge der Judenverfolgungen hierher geflüchtete Rabbinerfamilie steht vor Sie und bittet um Erbarmen. Es kommt ein neues Jahr, der Allvater wird Sie dafür ins Lebebuch einschreiben. Nachdem Geldsendungen in Briefen mir mehrfach nicht zugekommen sind, so bitte nur per Postanweisung zusenden...".  Unterzeichnet von Rabbiner Osias Kron  Skala a/Z ([Skala am Zbruch] Galizien." 
Die Karte wurde Ende August 1888 von Skala am Zbruch (Zbrucz, Збруч, Fluss) nach Aidhausen verschickt; zu Skala siehe Wikipedia-Artikel Skala-Podilska, ukrainisch Скала́-Поді́льська, Wikipedia-Artikel)    
Weitere Karte von Rabbiner Krohn, aber nicht Aidhausen betreffend.  

 
 
 
Zur Geschichte der Synagoge   
   
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1710/11 wurde eine erste Synagoge erbaut, wobei es sich um einen Fachwerkbau handelte.

Eine neue Synagoge wurde 1869 auf dem Grundstück der bisherigen Synagoge erbaut. Neben dem Gebäude war seit 1847 das durch den jüdische Arzt Dr. Josef Samuel gestiftete jüdische Schulhaus mit der Lehrerwohnung (siehe oben). In der Synagoge wurde u.a. ein Torawimpel von 1646 aufbewahrt. 

Bereits am 10. Oktober 1938 kam es zu Ausschreitungen gegen die jüdischen Familien am Ort, bei denen auch die Fenster der Synagoge eingeschlagen und ein Teil der Ritualien geschändet wurden. 

Nach 1945 kam das Synagogengebäude nach Klärung des Restitutionsverfahrens in Privatbesitz und wird seitdem als Wohnhaus mit Werkstatt verwendet. Aus der Zeit als Synagoge sind u.a. noch zwei Original-Türen vorhanden (Eingang für Männer und Frauen getrennt), zwei Original-Rundfenster (vorne und hinten) erhalten, ebenso vier Original-Korbbogen-Fenster (Schwierz 1987 S. 32).

Auf einer Grünfläche gegenüber der ehemaligen Synagoge findet sich eine Gedenktafel auf einem Felsbrocken mit dem Text: "In Aidhausen bestand bis 1942 eine Jüdische Kultusgemeinde. Synagoge in der Dorfstraße. Zur Erinnerung und zur Mahnung".  
   

Adresse/Standort der SynagogeFrankenstraße 30 (unweit des Rathauses, frühere Anschrift: Dorfstraße 100, beziehungsweise Haus Nr. 101/101a)
  
Fotos
(Historische Aufnahme vom 18. Juli 1929 durch Th. Harburger, veröffentlicht in ders.: Die Inventarisation jüd. Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern Bd. 2 S. 3).

Historisches Foto 
(Ritualie aus Aidhausen)
Aidhausen Synagoge 100.jpg (85666 Byte)
  Kohanim - Waschgerät aus dem ehemaligen Privatbesitz von Max Ackermann 
in Aidhausen
      
Die ehemalige Synagoge nach 1945
(Quelle: Schwierz S. 32)
Aidhausen Synagoge 101.jpg (72630 Byte) Aidhausen Synagoge 130.jpg (45582 Byte)
  Die ehemalige Synagoge 
(1987)
Der Gedenkstein gegenüber 
der ehemaligen Synagoge
     
Die ehemalige Synagoge 2007
(Fotos: Hahn Aufnahmedatum 27.5.2007)
Aidhausen Synagoge 210.jpg (81079 Byte) Aidhausen Synagoge 213.jpg (73441 Byte)
   Blick auf die westliche Fassade 
der ehemaligen Synagoge
Blick von 
Südwesten
     
Aidhausen Synagoge 214.jpg (65698 Byte) Aidhausen Synagoge 215.jpg (62483 Byte) Aidhausen Synagoge 218.jpg (89227 Byte)
Ehemals Eingangstüren für den Zugang zum Betsaal der Männer und zur Frauenempore Blick auf das Gebäude von Norden
   
Aidhausen Synagoge 216.jpg (67560 Byte) Aidhausen Synagoge 217.jpg (78961 Byte) Aidhausen Synagoge 219.jpg (99384 Byte)
Originale Eingangstür mit Schloss Blick auf das Gebäude von Süden
   
   Aidhausen Synagoge 211.jpg (125652 Byte) Aidhausen Synagoge 212.jpg (71280 Byte)
   Der Gedenkstein gegenüber der Synagoge

   
     

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Aidhausen  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 248-249.  
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 32.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 400.  
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 152-153.  

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Aidhausen  Lower Franconia. The Jewish community numbered 82 (total 697) in 1867 with a synagogue erected in 1869. In 1933, 23 Jews remained. The synagogue and Jewish homes were vandalized in October 1938. Ten Jews emigrated in 1935-39 and the rest were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) and the Theresienstadt ghetto in 1942.    
     
       

                   
  nächste Synagoge 

            

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 25. Dezember 2013