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Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Buchen bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im
Mittelalter. Zwischen 1337 und 1470 werden Juden in der Stadt genannt. Bei den
Verfolgungen 1337 (sogenannte Armleder-Verfolgung) und 1348/49 (Pestzeit) wurden auch Buchener Juden ermordet.
1359 bis 1385 werden wieder Juden in der Stadt genannt, auch danach dürften
einige in der Stadt gelebt haben, bis sie mit den Juden aus dem gesamten
Erzstift Mainz 1470 ausgewiesen wurden.
Die
Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges waren wohl etliche Juden aus
Landgemeinden in die Stadt geflohen. 1649 mussten allerdings alle, die keinen
kurfürstlichen Schutzbrief in Buchen hatten, innerhalb von drei Wochen die
Stadt verlassen. 1668 lebten fünf jüdische Familien in Buchen, 1695
waren es 12 Familien mit etwa 50 Personen in der Stadt. 1701 wird ein Rabbiner
in Buchen genannt. Auch 1743 lebten 12 jüdische Familien in der Stadt. Um 1700
befanden sich die jüdischen Wohnungen/Häuser vor allem in der Kellereigasse,
in der Haaggasse (früher Oberes Kellereigäßlein), hier auch Rabbiner-Wohnung
und in der Wilhelmstraße (früher Obere Gasse). Das "Judengäßlein"
(früher "Judengänglein", zuvor Gerbersgäßlein war damals nicht von
Juden bewohnt. Der Name entstand erst einige Jahrzehnte später; das
Judengäßlein verbindet noch heute die Obere Gasse mit der Marktstraße.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1824 125 jüdische Einwohner (5,4 % von insgesamt 2.314), 1842 136, 1862
150, 1864 140, 1875 108 (4,8 % von 2.252), 1900 63 (3,1 % von 2.005). Die
jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh, Getreide,
Grundstücken und Textilien. Einige eröffneten in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts Handlungen und Gewerbebetriebe.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule (1834 - 1877 eine Israelitische Volksschule in
der ehemaligen Wirtschaft "Sonne" in der Pfarrgasse 13/Ecke
Haagstraße; Gebäude besteht nicht mehr) und ein rituelles Bad (Linsengasse 9,
seit 1864 in der Synagoge).
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war bis 1812 ein Rabbiner
in der Stadt, danach jeweils ein Lehrer, der zugleich als Vorbeter und
Schächter tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Merchingen.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Berthold Bär und Gustav
Böttigheimer. Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal bei der Stadtkirche.
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden jüdischen Gewerbebetrieben
sind bekannt: Öl-, Fett- und Landesproduktenhandlung Jakob Bär (Marktstraße
34), Manufakturwaren-, Konfektions- und Schuhgeschäft Herbert Levi (Marktstraße
12), Viehhandlung und Gemischtwarengeschäft Leo Meyer (Vorstadtstraße 13),
Manufakturwarenhandlung Adolf Oppenheimer (Wilhelmstraße 1) Textilgeschäft Joseph
Oppenheimer und Hausierhandel Albert Oppenheimer (Marktstraße 21), Handelsmann
Adolf Strauß (Walldürner Straße 10), Mehlhandlung Julchen Strauß (Amtsstraße 3),
Manufakturwaren Leopold Strauß (Marktstraße 28), Textilgeschäft Max Sichel
(Marktstraße 36).
Um 1924, als noch 35 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten, waren
die Vorsteher Leopold Bär, Leopold Strauß und Adolf Strauß. An jüdischen
Vereinen bestanden der Israelitische Männerverein (1861 gegründet,
Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege,
Bestattung, 1924 Leitung Abraham Wolf mit 8 Mitgliedern, 1932 Leitung Willi
Wertheimer mit 10 Mitgliedern), der Israelitische Frauenverein (Zweck und
Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege und Bestattung,
1924/32 unter Leitung von Jeanette Bär mit 8 Mitgliedern) und eine Ortsgruppe
des Central-Vereins (1932 Leitung Jacob Mayer). 1932 waren die
Vorsteher der Gemeinde Jacob Mayer, Leopold Strauß (2. Vors.) und Herbert Levi
(3. Vors. und Schmatzmeister). Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkte Willy Wertheimer.
Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 neun jüdische Kinder in Religion.
1933 lebten noch 34 jüdische Personen in der Stadt. Auf Grund der zunehmenden
Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verarmten sehr schnell
viele der jüdischen Familien. In den folgenden Jahren sind 13 Personen in andere Orte
in Deutschland verzogen, 12 konnten in die USA, England oder Südrhodesien emigrieren, vier
sind in Buchen verstorben. Die letzten fünf jüdischen Einwohner wurden im
Oktober 1940 über Mosbach nach Gurs deportiert.
Von den in Buchen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Amalie Adler geb.
Strauß (1863), Hedwig Bär geb. Rosenberg (1901), Jacob Bär
(1883), Martha Bayer geb. Strauss (1905), Sophie Brückheimer geb. Wolf (1860), Michael Eisenmann (1894), Mina
Freudenberger geb. Rosenthal (1858), Betty Idstein geb. Wolf (1863), Ida (Hilda)
Kaufmann geb. Wolf (1876), Mina Levy geb. Ries (1856), Jakob
Mayer (1866), Helene Oppenheimer geb. Stern (1878), Joseph Oppenheimer (1876),
Anton Rehbock (1878), Johanna Rehbock geb. Oppenheimer (1885), Ernestine Rosenberg geb. Leib (1875), Ferdinand Rosenberg (1868),
Amalie Rothschild geb. Dilsheimer (1861), Friedrich (Fritz) Strauß (1873), Sara Strauss geb. Fulder (1867),
Selma Strauß geb. Klau (1882), Sigmund Strauß (1867), Bertha Weilheimer geb. Wolf (1857), Maria
(Marie) Wolf (1899).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schächters 1877 /
1882 / 1920
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1877: "Die Gemeinde
hier wünscht einen Vorsänger und Schächter aufzunehmen, der die Fähigkeiten,
den Religionsunterricht zu erteilen, besitzt.
Das jährliche Einkommen ist nebst geräumiger Wohnung mit schönem Garten
circa 1000 Mark; dann steht demselben die Übertragung des
Religionsunterrichts an der gemischten Schule von wöchentlich 6 Stunden
gegen eine Vergütung von 240 Mark in Aussicht und ist, da hier ein
Amtssitz und höhere Bürgerschule, Privatunterricht zu geben, Gelegenheit
geboten. Bewerber wollen sich gefälligst wenden an den Synagogenvorstand
Leopold Wolf. Buchen (in Baden)." |
Bis 1882 war Daniel Levy als Vorsänger in Buchen tätig. Er suchte
mit der nachfolgenden Anzeige 1882 einen Nachfolger für sich: |
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1882: "Buchen in Baden.
Vorsänger-, Religionslehrer- und Schächter-Stelle. In der Heimatgemeinde meiner Frau ist mir die Stelle als Vorsänger,
Religionslehrer und Schächter übertragen. Ich hätte die hiesige Stelle
vertragsmäßig noch 1 ½ Jahre zu bekleiden, jedoch will mich die hiesige
Gemeinde mit der Bedingung von meinem Vertrag in wohlwollender Weise
entbinden, wenn in nächster Zeit ein tüchtiger Nachfolger gefunden ist.
Das Einbringen hiesiger Stelle ist:
Fixer Gehalt Mark 700,
für den Religionsunterricht Mark
240
Nebenverdienste inkl. Schächten Mark
300
Schöne Dienstwohnung nebst Garten. Die Stelle ist längstens bis 15. Juni
dieses Jahres anzutreten.
Daniel Levy, Kantor.
In Bezugnahme auf obiges Ausschreiben der hiesigen Stelle wird bemerkt: 1.
Buchen ist Amtsstadt und hat eine höhere Bürgerschule; 2. ist Aussicht
vorhanden, dass das Einkommen um ca. Mark 250 erhöht werden kann, jedoch
wird hierfür keine Garantie geleistet; 3. Seminaristisch gebildete
Religionslehrer, insbesondere Badenser, werden bevorzugt. Gesuche sind
sofort einzureichen.
Buchen, 9. April 1882. Der Synagogenrat Joseph Oppenheimer,
Vorsteher." |
| Bis 1910 war einige Jahre Sally Rosenfelder
aus Aidhausen Lehrer in Buchen und
Bödigheim, danach folgte Lehrer Weingarten (unten genannt bei der
Gründung des Israelitischen Jugendvereins Hainstadt-Buchen (1911). |
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1920: "Die
Religionslehrer, Vorbeter und Schächterstelle dahier ist, da der
bisherige Inhaber der Stelle wegen höheren Einkommens dieselbe verlassen
hat, sofort neu zu besetzen. Der feste Gehalt beträgt Mark 2.700.- nebst
schöner, freier Wohnung und großem Gemüse- und Obstgarten.
Seminaristisch gebildete, verheiratete Bewerber wollen sich mit
beglaubigten Zeugnisabschriften an uns wenden.
Buchen, 13. Januar 1920. Der Synagogenrat: Leopold Bär." |
Lehrer Sally Rosenfelder kommt nach Buchen (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember
1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des
Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen
in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch
nach Randegg, Sally Rosenfelder
in Eubigheim nach Buchen,
Nathan Adler von Külsheim nach Eubigheim,
Kantor Simon Metzger von Sulzburg nach
Bretten, Samuel Strauß von Berlichingen
nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim
nach Malsch bei Ettlingen. Auf
Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen
und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach,
letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d.
Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach." |
Lehrer Weingarten wechselt von Buchen nach Sinzig (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. April
1912: "Buchen-Hainstadt
(Baden). Der Israelitische Jugendverein konnte vergangenen Schabbos
Rabbiner Dr. Löwenstein - Mosbach als
Redner begrüßen. Der allverehrte Herr Rabbiner sprach über das Thema
'Jüdisch-deutsche Volkslieder.' Unser Verein hat sich in der kurzen Zeit
seines Bestehens durch die rührige Tätigkeit seines Gründer, Lehrer S.
Schereschewski - Hainstadt, günstig
entwickelt. Zu seinem größten Bedauern verliert er das Vorstandsmitglied
Lehrer Weingarten - Buchen, der mit dem 1. Mai eine Lehrerstelle in
Sinzig am Rhein
antritt." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Schwierigkeiten mit dem Schächten (1867)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. April 1867: "Aus
Baden, 28. März (1867). Ein ähnlicher Vorgang, wie eben in der Schweiz,
beschäftigt auch die Gemüter am Fuße des Odenwaldes. In dem Städtchen Buchen, wo nur christliche Metzger wohnen, die das Fleisch für die ganze
israelitische Umgegend liefern, wird das Fleisch von einem besonders dazu
Bestellten im Schlachthause am Stücke geporscht, und dann im hause der
Metzger verkauft. Nun hat das dortige Großherzogliche Bezirksamt die
Absicht zu erkennen gegeben, den Verkauf des geporschten Fleisches aus
sanitätspolizeilichen Gründen zu verbieten. Dieses würde die Israeliten
Buchens und der Umgegend nötigen, entweder ihren Fleischbedarf unter großen
Umständen von weither zu beziehen, oder auf den Fleischgenuss ganz und
gar zu verzichten. Der dritte mögliche Fall ist bei der religiösen
Anschauung der dortigen Israeliten nicht zu erwarten. Wenn auch mit dem
fraglichen Verbote kein direkter Gewissenszwang auferlegt werden will, so
würde es doch die Gewissenhaftigkeit stark belasten und zugleich den
dortigen Metzgern einen nicht unerheblichen Schaden zufügen. Dieses Alles
hat das Bezirksrabbinat Merchingen, wohin Buchen gehört, dem Großherzoglichen
Bezirksamte in einem gutachtlichen Bericht des Weiteren auseinandergesetzt
und zugleich den Nachweis zu liefern versucht, dass das Belassen der größeren
Adern mit ihrer Blutfülle der Gesundheit schädlicher sei, als das
Herausnehmen derselben. Man gibt sich der Hoffnung hin, dass diese
Einsprache von Erfolg sein werde." |
Gründung des Israelitischen Jugendvereins Hainstadt -
Buchen (1911)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1911: "Hainstadt
(Baden), 4. Dezember (1911). Unter Vorsitz des Herrn Benjamin Lißberger
wurde am 29. November dieses Jahres ein ‚Israelitischer Jugendverein
Hainstadt-Buchen’ Gegründet. Seine Begründung hat der Verein Herrn
Lehrer Schereschewski zu verdanken. Der Verein bezweckt, das jüdische
Wissen der jüdischen Jugend von Hainstadt-Buchen zu bereichern und ihr
Interesse für das Judentum durch Vorträge und geeignete jüdische Lektüre
zu wecken." |
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Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1911: "Hainstadt
in baden. Israelitischer Jugendverein Hainstadt – Buchen. – Unter
diesem Namen ist hier ein Jugendverein ins Leben gerufen worden, der den
Zweck hat, jüdische Literatur zu pflegen und ideale Interessen des
Judentums zu wecken. Um dieses zu erreichen, sind für das Winterhalbjahr
neben der reichhaltigen jüdischen Leihbibliothek und jüdischen Zeitungen
im Vereinslokal Vorträge und Vorlesungen vorgesehen. Die
Mitgliederversammlung wählte folgenden Vorstand: Benjamin Lißberger (1.
Vors.), Lehrer Schereschewski (2. Vors. Und Bibliothekar), Lehrer
Weingarten – Buchen (Schriftführer), Albert Neuberger –
Hainstadt (Kassierer) und Josef Neuberger (Beisitzer).
Bei der ersten Zusammenkunft, welche Freitagabend (1. Dezember) stattfand,
erschien eine stattliche Zahl der aktiven und passiven Mitglieder, sodass
das große Lokal kaum die Menge fasste. Benjamin Lißberger hielt die Eröffnungsrede.
Lehrer Schereschewski sprach über die Ziele und Zwecke des Vereins und
gab einen klaren Überblick über die Entstehung der Jugendvereine im
Deutschen Reiche. Derselbe ging von der Begründung des ‚Montefiore-Vereins’
in Frankfurt am Main aus und führte uns bis zum Delegiertentag der
Jugendvereine in Berlin. Darauf las der Vorsitzende ein schönes Gedicht
‚Beruria’ von Berthold Feiwel (sc. Zionist und Dichter, lebte
1875-1937), und zum Schlusse las Lehrer Schereschewsky noch einiges in
prosaischer und dichterischer Form über dasselbe Thema vor. – Der Abend
fand ungeteilt Befriedigung, und alle gingen froh und vergnügt nach
Hause. Ein großes Verdienst um das Zustandekommen des Vereins hat sich
Frau Sophie Neuberger – Hainstadt erworben, die dem Verein ein Zimmer
als Vereinslokal unentgeltlich zur Verfügung stellte."
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Vortragsabend des Israelitischen Jugendvereins
(1912)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. April 1912: "Buchen-Hainstadt
(Baden). Der Israelitische Jugendverein konnte vergangenen Schabbos
Rabbiner Dr. Löwenstein – Mosbach als Redner begrüßen. Der
allverehrte Herr Rabbiner sprach über das Thema ‚Jüdischdeutsche
Volkslieder’. Unser Verein hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens
durch die rührige Tätigkeit seines Gründers, Lehrer S. Schereschewski
– Hainstadt, günstig entwickelt. Zu seinem größten Bedauern verliert
er das Vorstandsmitglied, Lehrer Weingarten – Buchen, der mit dem 1. Mai
eine Lehrerstelle in Sinzig am Rhein antritt." |
Wahl zum Synagogenrat (Gemeindevorstand) 1932
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1932: "Buchen
(Baden), 27. November (1932). Bei der unterm 27. dieses Monats
stattgefundenen Synagogenratswahl wurden die seitherigen Synagogenräte
Jacob Mayer und Herbert Levi wieder gewählt. An Stelle des aus
Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Synagogenrats Leopold Strauß
trat Herr Max Sichel. Gleichzeitig sei auch an dieser Stelle wärmsten
Dank ausgesprochen allen edlen Spendern und Mitarbeitern anlässlich der
Renovierung unseres kleinen Betsaales. Der Raum wirkt in seiner jetzigen
Ausgestaltung recht harmonisch und stimmungsvoll und erfüllt so in jeder
Richtung hin – sei es als Bet-, Lehr- und Gemeindesaal – seinen
vielseitigen religiösen Zwecken. Ein allegorisch wirkende und
eindrucksvolle Kohlezeichnung des Künstlers und Malers Ludwig
Schwerin-Berlin (ein geborener Buchener Lehrersohn) gibt dieser Stätte
noch eine ganz besondere Note." |
Lichtbildvortrag durch Lehrer Willi Wertheimer 1932
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1932: "Hainstadt-Buchen, 15. Februar (1932). Angenehme Abwechslung in das
Gemeindeleben brachte ein Lichtbildvortrag, den Herr Religionslehrer Willi
Wertheimer, Buchen, nacheinander in den Gemeinden Hardheim, Buchen und
Hainstadt über ‚Das biblische Palästina’ mit der Zeit nach der Zerstörung
des Tempels (70 n.Chr.) als geschichtlichen Hintergrund, hielt. Ausgehend
von der allgemein und namentlich jüdisch-kulturellen Bedeutung des
heiligen Landes, führte der Vortragende durch eine Reihe prächtiger
Aufnahmen in die landschaftliche Eigenart des alten Palästina mit seinen
Strömen und Seen (Jordan, Tiberias, rote Meer z.B.), Bergen und Städten
ein. Altehrwürdige Kulturstätten – wie Jerusalem, Bethel, Nazareth –
der Geburtsort des Judentums und seiner Tochterreligionen (Islam und
Christentum) erstanden in ihrem Glanz und ihrer schicksalsreichen
Vergangenheit vor dem geistigen Auge. Aufmerksamkeit mussten insbesondere
die heiß umstrittene Klagemauer und ein Rekonstruktionsversuch des alten
Tempels erregen. Eine besondere Bilderserie gewährte einen tiefen
Einblick in die Sitten und Gebräuche des alten Palästina, in denen trotz
aller Gemeinsamkeit eines Orientalismus die früheren Gegensätze in
Religion, Kultur und Lebensweise unter den verschiedenen Bewohnertypen
(Araber, Juden und Christen) sich widerspiegelten. Diese Gegensätze
machen auch die heutigen Kämpfe im heiligen Lande erklärlich. Auffiel
auch die Primitivität in der Lebensweise und in dem Berufsleben,
besonders auf dem Gebiete der Landwirtschaft. Der Vortragende, der es
verstand, seine Darbietungen mit seinen tiefgründigen jüdischen
Kenntnissen zu durchwirken, fand zum Schluss herzlichen Dank und
Beifall". |
Gemeindewahl 1936
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1936: "Berichtigung.
Bei der Notiz über eine Gemeindewahl, bei der die Herren Adolf Strauß,
Lehrer Wertheimer und Leo Meyer zu Synagogenräten gewählt wurden,
handelt es sich nicht, wir irrtümlich angegeben, um Wertheim,
sondern um Buchen in Baden." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Verdienstmedaille für Gerichtsschreiber Oppenheimer - Tod von
Zerline Strauß (1887)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1887: "Buchen
(Baden). Unser Gemeinde- und Synagogenratsmitglied, Herr Gerichtsschreiber
Oppenheimer, wurde in Anbetracht seiner treuen 25jährigen Amtsführung
mit der goldenen Verdienst-Medaille ausgezeichnet.
Jüngst starb dahier die älteste Person des Städtchens, Frau Zerline
Strauß, im Alter von 92 Jahren." |
Ehrung von Josef Oppenheimer und Jakob Wolf für
25jährige Mitgliedschaft bei der freiwilligen Feuerwehr (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1891: "Aus Baden.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden hat im Jahr 1879
Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste als Mitglieder der freiwilligen
Feuerwehren gestiftet. Wie in früheren Jahren, so können wir auch
diesmal wieder mit freudiger Genugtuung berichten, dass auch Israeliten
ausgezeichnet wurden, ein Beweis, dass dieselben nie zurückstehen, wenn
es gilt für das öffentliche Interesse, wohltuend mitzuwirken. In dem
Verzeichnisse bemerkten wir, als uns bekannt, die Herren: Kaufmann Josef
Oppenheimer und Handelsmann Jakob Wolf in Buchen, Kaufmann August Bloch,
Kaufmann Adolf Darnbacher und Metzger Max Maier in Bühl und Handelsmann
Max Tiefenbronner in Königsbach, Handelsmann A. Adler in
Neckarbischofsheim und Handelsmann Moses Guggenheim in Tiengen." |
Auszeichnung für Jakob Wolf (1903)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Februar 1903:
"Aus Baden. Vom Großherzoglichen Oberrate der Israeliten wurde der
Michel Weil'sche Tugendpreis für das Jahr 1902 im Beitrage von 635 Mark
dem Jakob Wolf in Buchen, für das Jahr 1903 im Betrage von 420
Mark der Frau Maier Alexander Witwe in Adelsheim
verliehen". |
Silberne Hochzeit von Leopold Bär und Frau (1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1904: "Buchen
(Baden). Verflossenen Mittwoch, 1. Adar (= 17. Februar 1904), beging das
Leopold Bär'sche Ehepaar dahier das Fest der silbernen Hochzeit. Da Herr
Bär schon lange aus ausgezeichneter Baal Tefilo (ehrenamtlicher
Vorbeter), Baal Tokea (Schofarbläser) und als Mohel
(Beschneider) unschätzbare Dienste leistete, so ließ die hiesige
Gemeinde diese seltene Gelegenheit nicht vorüber gehen, ohne dem
Jubelpaare ihre Sympathie und Dankbarkeit zu bezeigen. Im Laufe des Tages
hatten Gemeindevertretung und Lehrer ihre Glückwünsche dargebracht und
das silberne Brautpaar zu einer kleinen Feier in das Restaurant Wittemann
eingeladen. Abends 8 Uhr hatten sich daselbst alle Gemeindemitglieder samt
Frauen und erwachsenen Familienangehörigen eingefunden. Herr Vorstand A.
Wolf überreichte hier mit kurzen, herzlichen Worten dem Jubilar im Namen
der Gemeinde zum Zeichen der Anerkennung ein schönes Geschenk in Form
eines prachtvollen Ruhesessels. Lehrer Schwerin schilderte in wohl
durchdachter, gewandter Rede das mustergültige, wackere Leben und Streben
des Jubelpaares und hob hervor, in welch edler Weise Herr Bär sich schon
seit vielen Jahren der Gemeinde in hohem Grade nützlich, ja unentbehrlich
gemacht habe. Gesänge, Klaviervorträge und Couplets wechselten
miteinander ab und gestalteten den Abend bis weit nach Mitternacht zu
einem einzig schönen und äußerst harmonisch verlaufenen Geste.
Möge das Jubelpaar das Verdienst haben, einst in gleicher Gesundheit und
Rüstigkeit auch das goldene Ehejubiläum zu
feiern." |
Weitere Berichte zu Gemeindevorsteher Leopold
Bär
40jährige Tätigkeit von Leopold Bär als
Gemeindevorsteher und 70. Geburtstag von Abraham Wolf 1921
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1921: "Buchen, 2.
November (1921). Auf 40jährige unermüdliche Tätigkeit kann Herr Bär,
der hochverdiente Vorsteher der hiesigen Gemeinde zurückblicken. Herr Bär
hat auch in diesem Zeitraum in selbstloser und uneigennütziger Weise den
Dienst eines Chasan
(ehrenamtlichen Vorbeters) an den hohen Feiertagen und eines Mohel
(Beschneiders) versehen und er war stets eifrig bemüht, die Geschicke der
Gemeinde ganz besonders in den schweren Zeiten des Krieges, vorbildlich zu
leiten. Möge es unserm Jubilar gegönnt sein, noch recht lange an
heiliger Stätte für unsere Gemeinde zu wirken.
In selten körperlicher und geistiger Frische feierte am 1. November Herr
Abraham Wolf dahier, seinen 70. Geburtstag im Kreise seiner Kinder und
Enkel." |
| Zum Tod des Gemeindevorstehers Leopold Bär 1928
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Artikel in
der "CV-Zeitung" vom 24. August 1928: "Am 14. August fand unser
treues, bewährtes Mitglied Leopold Bär (Buchen, Baden) durch einen
Unfall kurz vor Vollendung seines 77. Lebensjahres den Tod. Herr Bär, der
Vorstand der dortigen israelitischen Gemeinde, hat stets im Sinne der
Heiligen Schrift gelebt und gewirkt. Wir bedauern seinen tragischen Tod
aufs tiefste!" |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1928: "Buchen
(Baden), 19. August (1928). Einen tief schmerzlichen Verlust hat die
allseitig geschätzte Familie Bär hier und mit ihr die ganze
Gemeinde erlitten. Ihr Haupt, Leopold Bär, ist infolge eines tragischen
Unfalls plötzlich aus dem Leben geschieden. Ein treubesorgter
Familienvater und außerdem ein Mann, dem das Wohl der Gesamtheit und des
Judentums am Herzen lag, ist mit ihm der Zeitlichkeit entrückt. Seinen
weisen Rat, die Güte seines Herzens und die Liebe für alles, was die Wahrheit
betrifft, stellt er in den Dienst der Gemeinde. Er kümmerte sich um
alles, was ihrem Gedeihen förderlich war und der leitende Gedanke bei
seinen Bestrebungen war die Hebung des religiösen Lebens. Dem Auftauchen
von Reformideen begegnete er durch sein mannhaftes Eintreten für
altjüdische Gesetzestreue. Wie schön verstand er an Schabbos und
Festtagen vorzubeten; wenn er mit seinem lieblichen Organ durch das Reich
der Töne wandelte, dann merkte jeder, hier singt das fromme jüdische
Herz. Seinen Beruf als Mohel (Beschneider) betätigte er mit
Gewandtheit und einer Simchoh schel Mizwoh (= Freude, dass er ein
religiöses Gebot erfüllen durfte), dass man sein Erscheinen überall mit
Freude begrüßte. Auch in der Vereinigung für die Interessen des
gesetzestreuen Judentums in Baden hat der seligen Leopold Bär wacker
seinen Mann gestellt. Es ist noch nicht lange her, da er seine Stimme
erhob und mit eindringlichen Worten an die Jugend appellierte, wieder um
das Banner der Tora sich zu scharen, weil es ihm ins Herz schnitt, dass
die altjüdische Echtheit und Frömmigkeit immer seltener anzutreffen war.
Leopold Bär war eine Zierde des Judentums, deren Glanz in Aulom Haboh
(in der kommenden Welt) fortleuchten wird. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Zum 70. Geburtstag von Leopold Strauß (1930)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1930: "Buchen
(Baden), 19. Dezember (1930). Am 31. Dezember vollendet Herr Leopold Strauß
sein siebzigstes Lebensjahr. Der Jubilar – einer alten jüdischen
Buchener Familie entstammend – erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und
Wertschätzung in den weitesten und verschiedensten Kreisen der Bevölkerung.
Herr Strauß ist bereits 10 Jahre Synagogenrat in unserer Gemeinde und war
auch ein Jahrzehnt als Stadtverordneter tätig. Wir wünschen dem Jubilar
einen heiteren Lebensabend, körperliche und geistige Gesundheit!
Bis 120 Jahre!" |
Zum Geburtstag von Jeanette Bär (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1935: "Buchen,
5. Juni (1935). Am 11. Juni feiert Witwe Jeanette Bär, die Gattin des vor
einigen Jahren verstorbenen Leopold Bär (Vorsteher unserer Gemeinde und
Mohel = Beschneider) ihren 80. Geburtstag in körperlicher und geistiger
Frische. Weit über die Gemeinde hinaus ist die Jubilarin wegen ihres
lauteren Charakters, ihrer wahren Frömmigkeit und ihres edlen
Wohltätigkeitssinnes bekannt. (Alles Gute) bis 120." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe
und Einzelpersonen
Isidor Oppenheimer empfiehlt seine koscheren Weine (1890/91)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1890: "Unser meiner
Aufsicht gekelterten und gebauten guten Tauberwein (koscher) empfehle ich
in Fässchen von 20 Liter an à 60 Pfennig per Liter ab hier. Isidor Oppenheimer, Buchen in Baden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1891:
"Selbst gekelterter prima 90er Pfälzer Wein (koscher) in Fässchen
von 30 Liter an à 50 Pfg. per Liter empfiehlt Isidor Oppenheimer, Buchen
(Baden)." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Der Standort eines
mittelalterlichen Betsaales oder einer Synagoge (vermutlich vorhanden) ist
unbekannt. Möglicherweise stand ein "Badbrunnen" in der Linsengasse mit einem
1415 erwähnten rituellen Bad in Zusammenhang.
Um 1700 befanden sich die jüdischen Wohnungen/Häuser vor
allem in der Kellereigasse, in der Haaggasse (früher: Oberes Kellereigäßlein,
hier auch Rabbiner-Wohnung) und in der Wilhelmstrasse (früher: Obere Gasse).
Das "Judengäßlein" (früher: "Judengänglein") war damals nicht von Juden
bewohnt. Der Name entstand erst einige Jahrzehnte später; das "Judengäßlein"
verbindet noch heute die Obergasse mit der Marktstrasse.
Eine erste Synagoge der neuzeitlichen Gemeinde wird
um 1700 genannt. Sie befand sich in der heutigen Haagstrasse und grenzte an die
seit 1791 in der Pfarrgasse 13 befindliche Judenschule. Dort befand sich nicht
nur ein Raum zur Abhaltung des Gottesdienstes, sondern auch ein Schulzimmer und
die Wohnung des Lehrers. Für die Benützung der Synagoge mussten jährlich 6
Gulden an den Landesherrn gezahlt werden. Durch einen Brand am 28. November 1861
wurde diese Synagoge schwer beschädigt; das dritte Stockwerk musste abgebrochen
und das zweite Stockwerk abgestützt werden.
Dieses Brandunglück sorgte dafür, dass man sich mit den
Gedanken eines Synagogenneubaus beschäftigte. Dazu konnte die jüdische
Gemeinde in der Vorstadtstrasse 35 ein Grundstück für 1.500 Gulden erwerben.
Zur Finanzierung des Vorhabens war eine Kapitalaufnahme von 3.000 Gulden
notwendig, die von Juden und Nichtjuden 15 Jahre lang zinslos überlassen
wurden. Die Synagoge wurde 1863/64 erbaut; am 19. und 20. August 1864 war die
feierliche Einweihung. Ein feierlicher Zug bewegte sich unter Musikbegleitung am
Freitagnachmittag, 19. August mit den Torarollen von der alten Synagoge zum
Neubau. Bezirksrabbiner Flehinger aus Merchingen und der Synagogenrat der
Buchener Gemeinde gingen an der Spitze. Es folgte Vertreter der staatlichen und
städtischen Behörden, die Lehrer, sämtliche Bauhandwerker und viele Einwohner
der Stadt. Die Buchener Synagoge galt als die schönste im Bezirk. In ihrem
Untergeschoss war auch ein rituelles Bad.
Im April 1889 kam es auch in der neuen Synagoge zu einem Brandunglück.
Alle Torarollen verbrannten (links Artikel in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 29.4.1889. Ein Schaden von 10 bis 12.000 Mark war
entstanden.
Brand in der Synagoge 1889
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1889: "Buchen, im
Bad Odenwald. Hier ist vor kurzer Zeit in der Synagoge ein Brand
ausgebrochen, wodurch alle heiligen Sifrei
Tora (Torarollen) verbrannt sind. Der Schaden beläuft sich im Ganzen
auf ca. 10 bis 12.000 Mark. Entstehungsursache unbekannt". |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1889: "Buchen (Baden),
12. Mai (1889). Wie in Ihrem Blatte bereits mitgeteilt, brach in der
unmittelbaren Nähe der Toralade am 1. April dieses Jahres bald nach dem
Frühgottesdienst auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus, durch
welches in einigen Minuten unsere sämtlichen Torarollen zerstört wurden.
Das Unglück trifft unsere Gemeinde umso härter, als dieselbe nicht zu
den reichbegüterten gehört und aus nur 18 Personen besteht. Wir
beabsichtigen nun zur Wiederherstellung eines geregelten Gottesdienstes
Torarollen anzuschaffen, natürlich in einem solchen Zustande, dass solche
nicht in den nächsten Jahren einer gründlichen Ausbesserung bedürfen
beziehungsweise sich in wohlerhaltenem Zustande befinden. Unser den Umständen,
wie sie leider bei uns vorwalten, sind wir darauf angewiesen, Torarollen
zu mäßigen Preisen zu erwerben, und hoffen wir von dem in ähnlichen Fällen
oft bewährten edlen Aufopferungssinn unserer Glaubensgenossen, dass wo
uns solche angeboten werden, ein mäßiger Preis gestellt werden wird. Wir
sehen deshalb gefälligen Mitteilungen in Bälde entgegen. G. Oppenheimer, Vorsteher." |
Am
11. August 1931 war die Synagoge erstmals Ziel eines rechtsradikalen
Anschlages, worüber die "CV-Zeitung" am 11. Dezember 1931 in einem
Jahresrückblick berichtete. Der Haupttäter wurde damals noch bestraft.
Artikel in
der CV-Zeitung vom 11. Dezember 1931: "Buchen in Baden. Am Verfassungstag (11. August 1931) wurde ein Fenster
der Synagoge von in der Stadt herumrandalierenden Rechtsradikalen
eingeworfen. Der Haupttäter Wittemann, der seit langem als
Nationalsozialist gilt, wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der
Oberstaatsanwalt hat wegen des ihm nicht ausreichend erscheinenden Strafmaßes
gegen das Urteil Berufung eingelegt." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1931: "Buchen.
Das Amtsgericht verurteilte zwei junge Burschen, die in der Nacht zum
Verfassungstage die Scheiben der hiesigen Synagoge einschlugen, zu vier
beziehungsweise 3 1/2 Monaten Gefängnis. ein Mithelfer kam mit Mark 50.-
Geldstrafe davon." |
Im Synagogengebäude war neben dem großen
auch ein kleiner Betsaal, der 1932 renoviert wurde. Dies geht aus
den im oben zitierten Artikel (Wahl zum Synagogenrat 1932) hervor, in dem es
heißt: "Gleichzeitig
sei auch an dieser Stelle wärmsten Dank ausgesprochen allen edlen Spendern und
Mitarbeitern anlässlich der Renovierung unseres kleinen Betsaales. Der Raum
wirkt in seiner jetzigen Ausgestaltung recht harmonisch und stimmungsvoll und
erfüllt so in jeder Richtung hin – sei es als Bet-, Lehr- und Gemeindesaal
– seinen vielseitigen religiösen Zwecken. Ein allegorisch wirkende und
eindrucksvolle Kohlezeichnung des Künstlers und Malers Ludwig Schwerin-Berlin
(ein geborener Buchener Lehrersohn) gibt dieser Stätte noch eine ganz besondere
Note." Eine Abbildung des Betsaales nach der Renovierung beziehungsweise der
genannten Zeichnung Ludwig Schwerins ist leider nicht erhalten.
Mitte der 1930er-Jahre war es durch die Abwanderung der jüdischen
Einwohner bereits schwierig geworden, regelmäßig Gottesdienste in der Synagoge
durchzuführen. Immerhin war das 75jährige Bestehen der Synagoge der
Zeitschrift "Der Israelit" am 21. Oktober 1937 noch ein Hinweis
wert:
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1937:
"Karlsruhe. Die Synagoge in Buchen (Baden) besteht am 31. Oktober 75
Jahre. Die Gemeinde zählt heute nur noch 25 Seelen." |
Im Sommer 1938 wurde die Synagoge geschlossen und am 31.
August 1938 für 6.000 RM verkauft. Dennoch wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge in der Pogromnacht am 10. November 1938 demoliert.
Verkauf der Synagoge im Sommer 1938
Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September
1938: "Buchen (Baden), 8. September (1938). Die Synagoge, eine der
schönsten im Kreis Mosbach, wurde verkauft. Unser Lehrer wird in aller
Kürze auswandern." |
1939 wurde das Gebäude
großenteils abgebrochen und an ihrer Stelle zunächst eine Autowerkstatt, später
ein Einkaufsmarkt errichtet. Bereits beim Umbau 1939 wurde das rituelle Bad im
ersten Untergeschoss zerstört. Eine Synagogen-Gedenktafel
wurde 1983 angebracht. Beim Abriss des ehemaligen Einkaufsmarktes und der
geplanten Anlegung eines Parkplatz auf dem Grundstück wurden im Herbst 2002 Überreste
der ehemaligen Synagoge (Erd- und zwei Untergeschosse; im zweiten Untergeschoss
ein Keller mit zwei Räumen und einem gewölbten Gang) freigelegt. Eine
bauhistorische Untersuchung schloss sich an, die zum Ergebnis hatte, dass die
gefundenen Gewölbe unter Denkmalschutz gestellt wurden. Anfang März 2004
beschloss der Gemeinderat der Stadt, auf dem Grundstück eine Gedenkstätte für
die Buchener Juden und 40 Parkplätze anzulegen. Auf den beiden erhalten
gebliebenen Gewölbekellern wird eine Grünanlage angelegt, für die Bürgermeister
Dr. Achim Brötel den Namen "Jakob-Mayer-Platz" zur Erinnerung an den
jüdischen Heimatdichter Jakob Mayer (1866-1939) vorschlug.
Im Rahmen der Stadtsanierung wurde 2006 die Neugestaltung des Platzes bei der ehemaligen Synagoge abgeschlossen. Am
9. November 2006 wurde der Jakob-Mayer-Platz und die in den Kellerräumen der
Synagoge eingerichtete Gedenkstätte durch eine Gedenkfeier, verbunden mit der
offiziellen Übergabe eingeweiht. In der Gedenkstätte wird an die Geschichte
der jüdischen Gemeinde und die 1940 deportierten und ermordeten Juden aus
Buchen und den Stadtteilen Bödigheim, Eberstadt und Hainstadt erinnert.
Fotos
Historische Fotos und Zeichnungen:
(Quellen: die beiden Fotos zur
Synagoge Buchen sind in Originalabzügen im Hauptstaatsarchiv Stuttgart im
Bestand EA 99/001/Fotosammlung vorhanden; sie wurden schon mehrfach publiziert,
u.a. bei Hundsnurscher/Taddey und Trunk, Die jüdische Gemeinde... (s. Lit.);
aus dem Beitrag von Trunk sind die beiden Zeichnungen übernommen).

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| Synagoge mit Schule und rituellem Bad, Rückansicht |
Hofeingang zur Synagoge |
Grundstein der Synagoge Buchen von 1862, aufbewahrt im Bezirksmuseum
Buchen |
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In der Synagoge -
Lehrer Willi Wertheimer |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Grundstück der ehemaligen Synagoge in der
Vorderstadtstraße: Parkplatz und dahinter befindlicher
Einkaufsmarkt |
Gebäude neben dem Synagogengrundstück, an dem die
Gedenktafel angebracht ist |
Gedenktafel für die Synagoge |
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Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003; Pressebild aus
Fränkische Nachrichten; die mit*) markierten Fotos vom 11.5.2004) |
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Grabungen am Synagogenplatz im Frühjahr 2003; siehe Bericht in den
Fränkischen Nachrichten vom 8.5.2003: hier
anklicken |
Die Gedenktafel am Gebäude
beim Synagogenplatz* |
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Stand der
Ausgrabungen am Synagogenplatz Anfang September 2003; die Grundmauern der
ehemaligen Synagoge sind gut erkennbar |
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| Pläne März 2004 |
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Computer-Modell für
die geplante Grünanlage und die Parkplätze am Synagogenplatz
Quelle: Fränkische Nachrichten vom 3.3.2004: hier
anklicken |
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Stand der Grabungen im Mai 2004
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.5.2004) |
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Blick über das
Grundstück der ehemaligen Synagoge: Rückansicht wie historisches Foto
oben links. Durch die Ausgrabungen werden vor allem die Grundmauern der
beiden rückseitigen Vorbauten deutlich erkennbar. |
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| Teilansichten der
Ausgrabungen |
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| Raum der ehemaligen Mikwe mit
Rußspuren an der Wand zum Kamin (Warmwasserbereitung der Mikwe) |
Reste der Treppe vom
Erdgeschoss der Synagoge in das Untergeschoss |
Türbogen ins Untergeschoss |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 61-62. |
 | Germania Judaica III,1 S. 186-187. |
 | Rainer Trunk: Die jüdische Gemeinde Buchen, in: 700 Jahre Stadt
Buchen. Beiträge zur Stadtgeschichte. Buchen 1980. S. 83-98, 174-177. |
 |
ders. Jüdisches Buchen. Reihe: Orte jüdischer Geschichte und Kultur.
Haigerloch 2007. |
 | Helmut Brosch: Buchen in alten Ansichten. Bilder 24,55. 1979. |
 | Alfred und Ludwig Schwerin: Jahresringe (hg. von Helmut Brosch). 1988. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 262-264. |
 | Willi Wertheimer: Zwischen zwei Welten. Der Förster von Brooklyn.
Lebenserinnerungen des ehemaligen jüdischen Lehrers in Eubigheim und Buchen
in Baden. 1980². |
 | Verschiedene Artikel in den "Fränkischen Nachrichten"; zu den
Funden der Synagogenreste u.a. am 18. Oktober 2002 und am 8.
Mai 2003 ("Stück Buchener Geschichte soll wieder lebendig
werden"). |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Buchen Baden. A Jewish settlement existed in the early 14th
century. Some Jews were murdered in the Armleder massacres of 1336-37 and the
community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49, the few
survivors reestablising the community shortly thereafter. After the Thirty Years
War (1618-48) five Jewish families remained when those without letters of
protection were expelled. A new synagogue was built in 1864 and a Jewish
elementary school operated in 1834-76. Anti-Jewish riots caused serious damage
to Jewish homes and property during the 1848 revolution. The Jewish population
rose to 150 in 1862, declining steadily to 34 in 1933 (total 2,347). Eighteen
Jews remained by the end of 1938, five being ultimately deported to the Gurs
concentration camp from other places. Another ten were expelled to Gurs on 22
October 1940.

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