Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Untergrombach (Stadt Bruchsal, Kreis Karlsruhe) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Hochstift Speyer gehörenden Untergrombach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938, deren Entstehung in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückgeht. 1640 waren jüdische Familien bereits im Besitz eigener Häuser und Grundstücke: "Jud Leßer" wird in diesem Jahr als Angrenzer eines Gartens in der Mezlergasse genannt. 1688 besaß "Dauit (David) Jud" einen Weingarten. 1689 wurden acht jüdische Familien am Ort gezählt, 1745 waren es elf Familien, von denen neun in eigenen Häusern lebten. Vier dieser Häuser standen am Ende der "Judengasse" am Grombach. 1712 war der Salzhandel für das baden-durlachische Unterland an den speyerischen Schirmjuden Kauffel in Untergrombach verpachtet.
     
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 78 jüdische Einwohner (5,9 % von insgesamt 1.329 Einwohnern), höchste Zahl um 1852 mit 151 Personen (8,4 %), 1864 130, 1875 116 (6,3 % von 1.851), 1895 124 (6,1 % von 2.070), 1900 106 (5,0 % von 2.139), 1910 67 (2,1 % von 2.378). Seit Auflösung der jüdischen Gemeinde in Obergrombach 1888 gehörten die hier noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Untergrombach (1924 5 Personen, 1932 3).  
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein jüdische Schule mit der Lehrerwohnung (neben der Synagoge; bis 1876 jüdische Konfessionsschule; Gebäude ist als Wohnhaus erhalten, Synagogenstraße 6) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof bei Obergrombach beigesetzt. 1827 wurde die jüdische Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bruchsal zugeteilt. 
 
Die jüdischen Haushaltsvorstände verdienten im 17./18. Jahrhundert ihren Lebensunterhalt als Kauf- und Handelsleute. 
  
Nach einem Verzeichnis von 1887 wohnten in folgenden Häusern jüdische Familien mit dem Nachnamen "Bär": Weingartener Straße 4, 9, 26, 17, 21, 22, 36, 46 und Bachstraße 39.
  
Um 1924, als zur Gemeinde noch 55 Personen gehörten (2,2 % von insgesamt 2.980 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Philipp Meerapfel, Nathan Baer und Gustav Oppenheimer. Als Lehrer und Kantor war Moritz David tätig. Er erteilte damals drei jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es den Männerverein (1924/32 unter Leitung von Maier Meerapfel; 1924/32 jeweils 20 Mitglieder) sowie einen Frauenverein (1924/32 unter Leitung von Jeanette Karlebach; 1924 24, 1932 26 Mitglieder). 1932 waren die Gemeindevorsteher Gustav Oppenheimer (1. Vors.) und Nathan Baer (2. Vors.). Als Lehrer wird Herr Godlewsky genannt
   
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Viehhandlung Aaron Bär (Weingartener Straße 10), Viehhandlung Berthold Bär (Weingartener Straße 46), Eisenwarengeschäft Berthold Bär (Weingartener Straße 36), Viehhandlung Nathan Bär (Weingartener Straße 17), Stoffhandlung Baruch (Weingartener Straße 1), Metzger Isak Falk (Schulstraße 7), Krämerladen Gerson/Markus Kirnus (Weingartener Straße 38), Lederhandlung Benjamin Joseph (Bruchsaler Straße 36), Kistenfabrik Joseph Karlebach (Bruchsaler Straße 43; geschlossen um 1918); Handlung Jeanette Karlebach (Weingartener Straße 2), Krämerladen Kaufmann (Weingartener Straße 10), Tabakhandel Maier Meerapfel (Büchenauer Straße 24)/Philipp Meerapfel (Büchenauer Straße 41; gest. 1926)/Ernst Meerapfel (Büchenauer Straße 44); Viehhandlung Schajer (Weingartener Straße 9), Hopfen-, Vieh- und Tabakhandel Schajer (Weingartener Straße 4), Baubeschläge und Glas Gustav Oppenheimer (Weingartener Straße 21), Handelsvertreter Siegfried Schrag (Schulstraße 9).
 
Bis nach 1933 war das größte jüdische Unternehmen die weithin bekannte Tabakgroßhandlung Meerapfel Söhne. 
 
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in Untergrombach. Zu antijüdischen Ausschreitungen kam es bereits 1933, als nach den Reichstagswahlen SA-Leute Jakob Meerapfel die Fenster einwarfen, worauf dieser mit Frau und Bruder ins Elsass flüchtete. Auf Veranlassung von Prof. Meissner, dem Leiter des deutschen Tabakpflanzerverbandes, kehrte er jedoch wieder nach Deutschland zurück und ließ sich in Karlsruhe nieder. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (siehe unten). Bis 1939 waren 19 jüdische Einwohner in die USA, nach Argentinien und England emigriert. Die letzten fünf jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.   
      
      
Von den in Untergrombach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Arthur Bär (1883), Betti Bär (1891), Friedrich Nathan (Fritz) Bär (1889), Helena Milla Bär (1905), Hugo Bär (1885), Julius Bär (1881), Regina Bär (195), Robert Bär (1881), Rosa Bär (1891), Arthur Alfred Baruch (1891), Sofie Becker geb. Baruch (1884), Berthold Falk (1887), Elsa Sofie Falk (1895), Friedrich Falk (1891), Julius Josef Falk (1889), Leopold Falk (1864), Clara Kahn geb. Meerapfel (1875), Julie Lehmann geb. Karlebach (1883), Helene Löwenstein geb. Bär (1881), Karoline Marx geb. Baruch (1881), Frieda (Friederike) Oppenheimer geb. Bär (1877), Karl Rath (1897), Berty (Betty) Reichmann (1905), Thekla Reichmann geb. Bär (1875), Sophie Schlesinger geb. Bär (1875), Lili Sulima geb. Rosenberg (1901).      
    
   
     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1889 / 1892  

Untergrombach Israelit 21101889.jpg (56260 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1889: "Die mit einem festen Gehalt von 700 Mark und Nebeneinnahmen im Betrage von etwa 400 Mark verbundene Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters in Untergrombach soll, da der seitherige Inhaber derselben demnächst in den Ruhestand tritt, baldigst wieder besetzt werden. Meldungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift sind zu senden an die 
Bezirks-Synagoge. 
Bruchsal, 8. Oktober 1889." 
Anmerkung: bei der Bezirkslehrerkonferenz 1891 in Bruchsal wird als Referent Lehrer Kahn aus Untergrombach genannt.    
 
Untergrombach Israelit 24111892.jpg (57645 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1892: "Die mit freier Wohnung, einem festen Gehalte von 700 Mark und Nebeneinnahmen in ungefähr gleichem Betrage verbundene Stelle eines Lehrers, Vorsängers und Schächters in Untergrombach soll baldigst mit einem seminaristisch gebildeten Lehrer wieder besetzt werden. Den Meldungen sind nur solche Zeugnisse beizulegen, die nicht zurückgeschickt zu werden brauchen. Dieselben sind zu richten an Die Bezirkssynagoge. Bruchsal, den 21. November 1892."  

  
Lehrer Jakob Lorch wird Verwalter der Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach (1905)
  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim nach Eubigheim, Kantor Simon Metzger von Sulzburg nach Bretten, Samuel Strauß von Berlichingen nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim nach Malsch bei Ettlingen. Auf Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach, letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d. Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach."   

  
      
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Eine arme jüdische Frau wird reich beschenkt - auch die Synagoge erhält eine bedeutende Spende (1850)

Untergrombach AZJ 11111850.jpg (92629 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. November 1850: "Untergrombach (bei Bruchsal), 29. Oktober (1850). Die 'Karlsruher Zeitung' teilt einen hübschen Zug aus dem Leben der jetzt in Deutschland so viel gefeierten und so viel getadelten Rachel mit. In dem oben genannten Orte lebte nämlich eine alte von der Gemeinde ernährte Judenfrau, welche sich vor einigen Tagen der Pariser Künstlerin als Muhme (= Tante, Schwester der Mutter) vorstellte. Diese nahm sie sehr liebreich auf, schenkte ihr alsbald ihre kostbare goldene Uhr, auf der alle ihre Hauptrollen kunstreich in emaillierter Arbeit genannt sind; besuchte sie darauf in ihrer Heimat, und setzte ihre schließlich einen Jahresgehalt von 400 Gulden aus, wobei sie noch außerdem der dortigen Synagoge ein Geschenk von 150 Gulden überwies. Ob Vater Felix wohl mit solcher 'Verschwendung' einverstanden ist?" 

   

    
     

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge 

Zunächst war ein Betsaal vorhanden. Er befand sich mit des 18. Jahrhunderts in einem Gebäude in der Nähe der Kirche (Angabe im Untergrombacher Schatzungsbuch 1745). 1811 wurde eine Synagoge in der Judengasse erbaut, die seitdem den Namen "Synagogenstraße" annahm. Die hebräische Portalinschrift der Synagoge war ein Zitat aus Psalm 118,20, übersetzt: "Dies ist die Pforte des Ewigen, Gerechte treten da ein". 

Beim Novemberpogrom 1938 zogen SA-Männer zur Synagoge, um sie anzuzünden. Auf den energischen Widerspruch eines Nachbarn, dessen Scheune an die Synagoge angrenzte, unterblieb die Brandstiftung. Dafür wurde das Innere um so gründlicher demoliert. Die zerstörte Einrichtung wurde auf die Straße geworfen. Die Tora-Rolle wurde entwendet. Das Synagogengebäude wurde später bis auf einige Reste der Umfassungsmauern im Erdgeschoss abgebrochen. Diese fanden Verwendung in dem Nachfolgegebäude Synagogenstraße 7. 

Die Synagogenstraße wurde nach 1933 in "Sonnwendstraße" umbenannt. Eine Rückbenennung erfolgte um 1990.


Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985: 
(Fotos: Hahn)
Untergrombach Synagoge 010.jpg (71946 Byte) Untergrombach Synagoge 011.jpg (63290 Byte)
  Im Bereich der Gebäude Synagogenstraße 6 und 7: die alten Mauern sollen Reste von Synagoge und Judenschule sein
   
Untergrombach Synagoge 013.jpg (72621 Byte)  Untergrombach Synagoge 012.jpg (67048 Byte)  Untergrombach Synagoge 014.jpg (33996 Byte) 
      Die weiße Mauer soll zur ehemaligen jüdischen Schule gehört haben. Im Schulsaal befindet sich heute eine Wohnung 
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 15.0.2003)
Untergrombach Synagoge 150.jpg (45209 Byte)
  Straßenschild "Synagogenstraße"
   
Untergrombach Synagoge 151.jpg (41990 Byte) Untergrombach Synagoge 152.jpg (33379 Byte) Untergrombach Synagoge 153.jpg (32228 Byte)
Die Gebäude im Bereich der früheren Synagoge und jüdischen Schule; das Gebäude in der Mitte ist das auf den Überresten der Synagoge erstellte Wohnhaus. 
 
Gedenkstein im Ortszentrum:
(Fotos: J. Krüger, Karlsruhe, Aufnahmen vom Frühjahr 2004)
Untergrombach Gedenken 011.jpg (61433 Byte) Untergrombach Gedenken 010.jpg (40464 Byte)
Text des Gedenksteines: "Was den Juden geschah, geht uns alle an. Zum Gedenken an die am 22.10.1940 aus Untergrombach nach Gurs/Pyrenäen deportierten Mitbürger. Sie wurden im August 1942 in das KZ Auschwitz gebracht. Dort starben sie eine gewaltsamen Todes... (es folgen die Namen und Lebensdaten von 7 Personen aus Untergrombach)... Erinnern - nicht vergessen!"

    
     

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Bruchsal     
Heimatmuseum Untergrombach    
Genealogische Homepage einer jüdischen Familie aus Untergrombach: The Baer Family of Untergrombach: hier anklicken   
Es besteht ein Wikipedia-Artikel zur Synagoge in Untergrombach  

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 277-278.
Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990.
Josef Lindenfelser: Juden in Untergrombach (mschr.; Hg. Heimatverein Untergrombach).
ders.: Ein Dorf im Wandel der Zeit. Hg. Heimatverein Untergrombach. Ubstadt-Weiher 1995. Link zum Verlag 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 223-224.    
Bruchsal Lit 010.jpg (44912 Byte)Jürgen Stude:  Geschichte der Juden in Bruchsal. Veröffentlichungen zur Geschichte der Stadt Bruchsal Band 23. Verlag Regionalkultur 2007. (umfassende Darstellung zur jüdischen Geschichte der Stadt und der Stadtteile)
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    

   

 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Untergrombach  Baden. Jews were present during the Thirty Years War (1618-48). Most left the region under the severe restrictions imposed by Bishop August Karl Philip in the 1770s. A new settlement was organized in the early 19th century. A synagogue in 1815 and Jewish public school were opened. The Jewish population grew to a peak of 124 (total 2,070) in 1895 and then dropped steadily to 32 in 1933. Fifteen emigrated by 1938, including the Meerapfel family, ohne of the largest cigarette wholesalers in Germany. Of those who remained, five were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 and from there to Auschwitz in 1942.

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. Juli 2009