|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Untergrombach (Stadt Bruchsal,
Kreis Karlsruhe)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Hochstift
Speyer gehörenden Untergrombach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938, deren
Entstehung in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückgeht. 1640
waren jüdische Familien bereits im Besitz eigener Häuser und Grundstücke:
"Jud Leßer" wird in diesem Jahr als Angrenzer eines Gartens in der
Mezlergasse genannt. 1688 besaß "Dauit (David) Jud" einen Weingarten.
1689 wurden
acht jüdische Familien am Ort gezählt, 1745 waren es elf Familien, von denen
neun in eigenen Häusern lebten. Vier dieser Häuser standen am Ende der
"Judengasse" am Grombach. 1712 war der Salzhandel für das
baden-durlachische Unterland an den speyerischen Schirmjuden Kauffel in
Untergrombach verpachtet.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1825 78 jüdische Einwohner (5,9 % von insgesamt 1.329 Einwohnern), höchste Zahl um
1852 mit 151 Personen (8,4 %), 1864 130, 1875 116 (6,3 % von 1.851), 1895 124
(6,1 % von 2.070), 1900 106 (5,0 % von 2.139), 1910 67 (2,1 % von 2.378). Seit
Auflösung der jüdischen Gemeinde in Obergrombach
1888 gehörten die hier noch lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in
Untergrombach (1924 5 Personen, 1932 3).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein
jüdische Schule mit der Lehrerwohnung (neben der Synagoge; bis 1876 jüdische
Konfessionsschule; Gebäude ist als Wohnhaus erhalten, Synagogenstraße 6) und
ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof bei
Obergrombach beigesetzt. 1827 wurde die jüdische Gemeinde dem
Rabbinatsbezirk Bruchsal zugeteilt.
Die jüdischen Haushaltsvorstände
verdienten im 17./18. Jahrhundert ihren Lebensunterhalt als Kauf- und
Handelsleute.
Nach einem Verzeichnis von 1887 wohnten in folgenden Häusern jüdische Familien mit dem Nachnamen
"Bär": Weingartener Straße 4, 9, 26, 17, 21, 22, 36, 46 und Bachstraße
39.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 55 Personen gehörten (2,2 % von insgesamt
2.980 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Philipp Meerapfel, Nathan
Baer und Gustav Oppenheimer. Als Lehrer und Kantor war Moritz David tätig. Er
erteilte damals drei jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen
gab es den Männerverein (1924/32 unter Leitung von Maier Meerapfel;
1924/32 jeweils 20 Mitglieder) sowie einen Frauenverein (1924/32 unter
Leitung von Jeanette Karlebach; 1924 24, 1932 26 Mitglieder). 1932 waren
die Gemeindevorsteher Gustav Oppenheimer (1. Vors.) und Nathan Baer (2. Vors.).
Als Lehrer wird Herr Godlewsky genannt
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Viehhandlung Aaron Bär
(Weingartener Straße 10), Viehhandlung Berthold Bär (Weingartener Straße 46), Eisenwarengeschäft Berthold Bär
(Weingartener Straße 36), Viehhandlung Nathan Bär (Weingartener Straße 17), Stoffhandlung Baruch
(Weingartener Straße 1), Metzger Isak Falk (Schulstraße 7), Krämerladen
Gerson/Markus Kirnus (Weingartener Straße 38), Lederhandlung Benjamin Joseph (Bruchsaler
Straße 36), Kistenfabrik Joseph Karlebach (Bruchsaler Straße 43; geschlossen um 1918); Handlung Jeanette Karlebach
(Weingartener Straße 2), Krämerladen Kaufmann (Weingartener Straße 10), Tabakhandel Maier Meerapfel
(Büchenauer Straße 24)/Philipp Meerapfel (Büchenauer Straße 41; gest.
1926)/Ernst Meerapfel (Büchenauer Straße 44); Viehhandlung Schajer
(Weingartener Straße 9), Hopfen-, Vieh- und Tabakhandel Schajer (Weingartener Straße
4), Baubeschläge und Glas Gustav Oppenheimer (Weingartener Straße 21), Handelsvertreter Siegfried Schrag
(Schulstraße 9).
Bis nach 1933 war das größte jüdische Unternehmen die weithin
bekannte Tabakgroßhandlung Meerapfel Söhne.
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in Untergrombach. Zu antijüdischen
Ausschreitungen kam es bereits 1933, als nach den Reichstagswahlen SA-Leute
Jakob Meerapfel die Fenster einwarfen, worauf dieser mit Frau und Bruder ins Elsass
flüchtete. Auf Veranlassung von Prof. Meissner, dem Leiter des deutschen
Tabakpflanzerverbandes, kehrte er jedoch wieder nach Deutschland zurück und
ließ sich in Karlsruhe nieder. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge demoliert (siehe unten). Bis 1939 waren 19 jüdische Einwohner in die
USA, nach Argentinien und England emigriert. Die letzten fünf jüdischen
Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.
Von den in Untergrombach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Arthur Bär (1883),
Betti Bär (1891), Friedrich Nathan (Fritz) Bär (1889), Helena Milla Bär (1905),
Hugo Bär (1885), Julius Bär (1881), Regina Bär (195), Robert Bär (1881),
Rosa Bär (1891), Arthur Alfred Baruch (1891), Sofie Becker geb. Baruch (1884), Berthold Falk
(1887), Elsa Sofie Falk (1895), Friedrich Falk (1891), Julius Josef Falk (1889), Leopold
Falk (1864), Clara Kahn geb. Meerapfel (1875), Julie Lehmann geb. Karlebach (1883), Helene Löwenstein
geb. Bär (1881),
Karoline Marx geb. Baruch (1881), Frieda (Friederike) Oppenheimer geb. Bär
(1877), Karl Rath (1897), Berty (Betty) Reichmann (1905), Thekla Reichmann geb.
Bär (1875), Sophie Schlesinger geb. Bär (1875), Lili
Sulima geb. Rosenberg (1901).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1889 /
1892
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1889: "Die
mit einem festen Gehalt von 700 Mark und Nebeneinnahmen im Betrage von
etwa 400 Mark verbundene Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und
Schächters in Untergrombach soll, da der seitherige Inhaber derselben
demnächst in den Ruhestand tritt, baldigst wieder besetzt werden.
Meldungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift sind zu senden an die
Bezirks-Synagoge. Bruchsal, 8. Oktober 1889." |
| Anmerkung: bei der Bezirkslehrerkonferenz
1891 in Bruchsal wird als Referent Lehrer Kahn aus Untergrombach
genannt. |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1892: "Die
mit freier Wohnung, einem festen Gehalte von 700 Mark und Nebeneinnahmen
in ungefähr gleichem Betrage verbundene Stelle eines Lehrers, Vorsängers
und Schächters in Untergrombach soll baldigst mit einem seminaristisch
gebildeten Lehrer wieder besetzt werden. Den Meldungen sind nur solche
Zeugnisse beizulegen, die nicht zurückgeschickt zu werden brauchen.
Dieselben sind zu richten an Die Bezirkssynagoge. Bruchsal, den 21.
November 1892." |
Lehrer Jakob Lorch wird Verwalter der Rothschild'schen Lungenheilstätte in
Nordrach (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember
1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des
Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen
in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch
nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim
nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim
nach Eubigheim, Kantor Simon Metzger
von Sulzburg nach Bretten,
Samuel Strauß von Berlichingen
nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim
nach Malsch bei Ettlingen. Auf
Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen
und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach, letzterer
behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d. Rothschild'schen
Lungenheilstätte in Nordrach." |
Berichte aus dem
jüdischen Gemeindeleben
Eine arme jüdische Frau wird reich beschenkt - auch die
Synagoge erhält eine bedeutende Spende (1850)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. November
1850: "Untergrombach (bei Bruchsal), 29. Oktober (1850). Die
'Karlsruher Zeitung' teilt einen hübschen Zug aus dem Leben der jetzt in Deutschland
so viel gefeierten und so viel getadelten Rachel mit. In dem oben
genannten Orte lebte nämlich eine alte von der Gemeinde ernährte
Judenfrau, welche sich vor einigen Tagen der Pariser Künstlerin als Muhme
(= Tante, Schwester der Mutter) vorstellte. Diese nahm sie sehr
liebreich auf, schenkte ihr alsbald ihre kostbare goldene Uhr, auf der
alle ihre Hauptrollen kunstreich in emaillierter Arbeit genannt sind;
besuchte sie darauf in ihrer Heimat, und setzte ihre schließlich einen
Jahresgehalt von 400 Gulden aus, wobei sie noch außerdem der dortigen
Synagoge ein Geschenk von 150 Gulden überwies. Ob Vater Felix wohl mit
solcher 'Verschwendung' einverstanden ist?" |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Zunächst war ein
Betsaal vorhanden. Er befand sich mit des 18. Jahrhunderts in einem Gebäude in
der Nähe der Kirche (Angabe im Untergrombacher Schatzungsbuch 1745). 1811
wurde eine Synagoge in der Judengasse erbaut, die seitdem den Namen
"Synagogenstraße" annahm. Die hebräische Portalinschrift der
Synagoge war ein Zitat aus Psalm 118,20, übersetzt: "Dies ist die
Pforte des Ewigen, Gerechte treten da ein".
Beim Novemberpogrom 1938 zogen SA-Männer zur
Synagoge, um sie anzuzünden. Auf den energischen Widerspruch eines Nachbarn,
dessen Scheune an die Synagoge angrenzte, unterblieb die Brandstiftung. Dafür
wurde das Innere um so gründlicher demoliert. Die zerstörte Einrichtung wurde
auf die Straße geworfen. Die Tora-Rolle wurde entwendet. Das Synagogengebäude
wurde später bis auf einige Reste der Umfassungsmauern im Erdgeschoss
abgebrochen. Diese fanden Verwendung in dem Nachfolgegebäude Synagogenstraße
7.
Die Synagogenstraße wurde nach 1933 in "Sonnwendstraße"
umbenannt. Eine Rückbenennung erfolgte um 1990.
Fotos
Historische Fotos:
|
Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
 |
 |
| |
Im
Bereich der Gebäude Synagogenstraße 6 und 7: die alten Mauern sollen
Reste von Synagoge und Judenschule sein |
| |
|
|
|
|
| |
|
Die weiße Mauer soll zur ehemaligen jüdischen Schule gehört haben. Im
Schulsaal befindet sich heute eine Wohnung
|
| |
|
|
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 15.0.2003) |
 |
| |
Straßenschild
"Synagogenstraße" |
| |
|
 |
 |
 |
| Die Gebäude im
Bereich der früheren Synagoge und jüdischen Schule; das Gebäude in der
Mitte ist das auf den Überresten der Synagoge erstellte Wohnhaus. |
| |
Gedenkstein im Ortszentrum:
(Fotos: J. Krüger, Karlsruhe, Aufnahmen vom Frühjahr
2004) |
 |
 |
| Text des
Gedenksteines: "Was den Juden geschah, geht uns alle an. Zum Gedenken
an die am 22.10.1940 aus Untergrombach nach Gurs/Pyrenäen deportierten
Mitbürger. Sie wurden im August 1942 in das KZ Auschwitz gebracht. Dort
starben sie eine gewaltsamen Todes... (es folgen die Namen und Lebensdaten
von 7 Personen aus Untergrombach)... Erinnern - nicht vergessen!" |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 277-278. |
 | Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990. |
 | Josef Lindenfelser: Juden in Untergrombach (mschr.; Hg.
Heimatverein Untergrombach). |
 | ders.: Ein Dorf im Wandel der Zeit. Hg. Heimatverein Untergrombach.
Ubstadt-Weiher 1995. Link
zum Verlag |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 223-224. |
 | Jürgen
Stude: Geschichte der Juden in Bruchsal. Veröffentlichungen
zur Geschichte der Stadt Bruchsal Band 23. Verlag Regionalkultur 2007. (umfassende
Darstellung zur jüdischen Geschichte der Stadt und der Stadtteile) |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Untergrombach
Baden. Jews were present during the Thirty Years War (1618-48). Most left the
region under the severe restrictions imposed by Bishop August Karl Philip in the
1770s. A new settlement was organized in the early 19th century. A synagogue in
1815 and Jewish public school were opened. The Jewish population grew to a peak
of 124 (total 2,070) in 1895 and then dropped steadily to 32 in 1933. Fifteen
emigrated by 1938, including the Meerapfel family, ohne of the largest cigarette
wholesalers in Germany. Of those who remained, five were deported to the Gurs
concentration camp on 22 October 1940 and from there to Auschwitz in 1942.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|