Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dieburg (Kreis Darmstadt - Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
     
In Dieburg, das von ca. 1300 bis Anfang des 19. Jahrhunderts zum Erzstift Mainz gehörte, lebten Juden bereits im Mittelalter. Erstmals sind sie in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisbar. Gemeinsam mit den Juden in Aschaffenburg und Seligenstadt zahlten sie ihre Steuern an den Erzbischof von Mainz. An Einzelpersonen wird der Jude Vivis (= Fivelin), Sohn Heydorns aus Dieburg genannt, der 1328 in Frankfurt aufgenommen wurde. Sein Schwiegersohn Samuel lebte vermutlich auch in Frankfurt. 1346-48 werden Bela (Belta) und Gumpert von Dieburg genannt. Durch die Judenverfolgung während der Pestzeit 1348/49 wurde auch in Dieburg jüdisches Leben ausgelöscht.    
   
Nach der Pestzeitverfolgung wird erstmals 1369 wieder ein  Jude in Dieburg genannt. Seitdem lebten vermutlich ununterbrochen bis 1452 Juden in der Stadt. 1401 und 1429 dürften es sieben bis zehn Familien gewesen sein, sodass es zur Bildung einer Gemeinde mit einen Einrichtungen kommen konnte. Im 15. Jahrhundert erscheinen in Frankfurt, Babenhausen, Heidelberg, Bingen, Pfeddersheim, Worms und einigen anderen Orten Juden, die aus Dieburg zugezogen waren. Eine "Judengasse" wird erstmals 1376 genannt (1451 platea iudaeorium). Diese lag zwischen dem Steinweg (Hauptachse der Stadt) und der östlichen Stadtmauer (heute Teil der Klosterstraße innerhalb der Altstadt). Hier wohnten jedoch auch christliche Familien. 1514 erhielten Juden die Erlaubnis, auch außerhalb der Judengasse zu wohnen. Die jüdischen Familien lebten großenteils vom Geldverleih. Oberhaupt der Gemeinde war ein vom Erzbischof eingesetzter "Judenmeister". 1429 wurden die Juden des Oberstifts gefangen genommen und ihre Güter beschlagnahmt.       
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in Dieburg auf das 17./18. Jahrhundert zurück. Um 1800 war die Zahl der jüdischen Einwohner noch klein (1802: 36 Personen, um danach schnell anzusteigen (1828: 107 Personen, d.h. 3,6 % der Gesamteinwohnerschaft) und von etwa 1850 bis ins 20. Jahrhundert hinein insgesamt stabil zu bleiben (1849: 139, 1880: 169, 1900 und 1905: 133). Die jüdischen Familien lebten bis ins 19. Jahrhundert hinein vom Handel mit Vieh und Waren aller Art. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die jüdischen Haushaltsvorstände Inhaber von zahlreichen für das wirtschaftliche Leben der Stadt wichtigen Handels- und Gewerbebetrieben.    
    
Die jüdische Gemeinde hatte an Einrichtungen eine Synagoge (s.u.), ein rituelles Bad (im Gebäude der Synagoge), eine Religionsschule und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Als Lehrer werden genannt: Mordechai Kunreuther (1847 bis 1879, gest. 1882), Rosenberg (1879 bis 1882), David Kaufmann (1882 bis nach 1932, gestorben 1935 s.u.), Joseph Zucker (nach 1930). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Josef Bender (geb. 13.4.1884 in Seligenstadt, vor 1914 in Dieburg wohnhaft, gef. 6.8.1916), Oberjäger Abraham Kahn (geb. 6.4.1886 in Hergershausen, vor 1914 in Dieburg wohnhaft, gef. 10.10.1914) und Gefreiter Leopold Lorch (geb. 5.1.1886, gef. 3.10.1918).  Außerdem fiel Jakob Heinrich Heil (geb. 23.1.1878 in Dieburg, vor 1914 in Saarbrücken wohnhaft, gef. 24.6.1915).       
      
Um 1925, als 169 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (2,6 % von ca. 6.500 Einwohnern), gehörten dem Gemeindevorstand an: Abraham Loeb, Max Baer und Jakob Fuchs. Als Lehrer, Kantor und Schochet war David Kaufmann tätig. An jüdischen Vereinen gab es eine Männerchewra (Israelitischer Männerverein, gegründet 1873; Ziele: Krankenwache, Unterstützung Hilfsbedürftiger) und eine Frauenchewra (Israelitischer Frauenverein, gegründet 1873, Ziele: Krankenwache, Unterstützung Hilfsbedürftiger; 56 Jahre war Frau Henriette Loeb Vorsteherin, siehe Berichte zu deren 80. Geburtstag unten) sowie eine Ortsgruppe des Centralvereins. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Rabbinat Darmstadt II. 1932 wurden 271 Gemeindeglieder gezählt (von insgesamt ca. 6.600 Einwohnern). Gemeindevorsteher waren inzwischen Max Bär, M. Hain und S. Lorch.  Als Lehrer wird weiterhin David Kaufmann genannt, als Kantor, Lehrer und Schochet Joseph Zucker. Damals gab es 16 schulpflichtige jüdische Kinder, denen der Lehrer Religionsunterricht erteilte.   
   
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 159 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1937 lebten noch 65 jüdische Personen in der Stadt, darunter acht Kinder. Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 gegen die Synagoge s.u.. Noch während der Pogromnacht und dem darauffolgenden Tag (10. November) wurden in der Stadt durch SA-Leute und weitere Nationalsozialisten zahlreiche jüdische Wohnungen überfallen und geplündert, jüdische Einwohner misshandelt und neun jüdische Männer verhaftet und für einige Wochen in das KZ Buchenwald verschleppt: Julius Freudenreich, Siegfried Lorch, Ludwig Katz, Siegbert Lorch, Max Krämer, Julius Strauss, Simon Lorch II, Samuel Lorch und Simon Lorch III. Letzterer wurde im KZ Buchenwald am 19. November 1938 im Alter von 57 Jahren ermordet. Bis Mai 1939 war die Zahl jüdischer Einwohner auf 29 zurückgegangen. Die letzten 14 wurden 1942 aus Dieburg in die Vernichtungslager deportiert.    
   
Von den in Dieburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Julius Adler (1883), Betty Altheimer (1867), Johanna Altheimer geb. Mayer (1891), Jettchen Arnsberg geb. Westheimer (1877), Julius Baer (1918), Rosa (Rosalie) Bär geb. Kahn (1888), Ricka Bender geb. Grünebaum (1887), Martha Birnbaum geb. Loeb (1892), Albert Blum (1917), Johanna Blum geb. Heil (ca. 1880), Moritz Blum (1864), Toni Blum (1909), Zacharias Frohmann (1873), Heinrich Goldschmidt (1863), Isaak Heil (geb. ?), Babette Kahn geb. Neustädter (1889), Bertha Kahn geb. Strauss (1892), David Kahn (1883), Jakob Kahn (1922), Johanna Kahn geb. Lorch (1897), Lotte Kahn (1928), Arthur Katz (1901), Hermann Katz (1876), Ludwig Katz (1902), Sara Katz geb. Liebmann (1874), Josef Kaufmann (1885), Berta Keller geb. Fuchs (1906), Max Krämer (1873), Rudolf Krämer (1898), Adolf Lehmann (1878), Julie Lehmann geb. Karlebach (1883), Mathilde Löwenstein (1875), Ida Lorch geb. Wolf (1884), Ilse Lorch (1919), Lina Lili Lorch (1908), Mathilde Lorch (1892), Max Lorch (1883), Meta Lorch geb. Amram (1902), Recha Lorch geb. Wartenberg (), Rosa Lorch geb. Simon (1876), Selma Lorch (1906), Sigrid Lorch (1923), Siegfried Lorch (1896), Simon Lorch (1875), Simon Lorch (1881), Beate Marx geb. Lehmann (1891), Henriette Mayer geb. Lehmann (1874), Erna Morgenstern (1908), Isaak Morgenstern (1874), Cäcilia (Cilly) Morgenstern geb. Friedmann (1881), Lina Rothschild geb. Lorch (1884), Minna Rothschild geb. Kaufmann (1885), Else (Elsa) Stein geb. Siegel (1901), Frieda Vogel geb. Schiff (1885), Regina Wiesenfelder geb. Löb (1878), Selig Wiesenfelder (1877).   
 
Zum Gedenken an die jüdische Gemeinde besteht ein Gedenkstein im Fechenbach-Park (Schloss Fechenbach). 
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schächters 1878 / 1927  

Dieburg Israelit 05061878.jpg (34118 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1878: "Die Stelle eines Religionslehrers für die hiesige Gemeinde ist mit einem jährlichen Gehalt vom 900 bis 1.000 Mark samt Nebenverdienste zu besetzen. (Russen und Polen werden nicht berücksichtigt.). Dieburg, 12. Mai 1878. Der Vorstand: Joseph Lorch, Abraham Heil, H. Goldschmidt." 
   
Dieburg Israelit 24111927.jpg (71077 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1927: "Ausschreiben. Wir suchen eine tüchtige Kraft als Lehrer, Vorbeter und Schochet. Das Einkommen regelt sich nach zuständiger Gehaltsgruppe. Gesetzestreue Bewerber belieben ihre Mitteilung unter Beifügung von Zeugnissen usw. dem Unterzeichneten einsenden zu wollen. Die Gemeinde besteht aus ca. 50 Familien. Die Stelle ist eine angenehme und einträgliche, es wirkten hier seit 95 Jahren im Ganzen nur zwei Lehrer. 
Dieburg [Hessen], 22. November 1928. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Abraham Löb."

   
Zum 25-jährigen Ortsjubiläums von Lehrer David Kaufmann (1907) 

Dieburg Israelit 11041907.jpg (98810 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1907: "Aus Hessen, 7. April (1907). Vergangene Woche waren es 25 Jahre, dass Herr Lehrer Kaufmann in Dieburg sein Amt daselbst angetreten hat. Aus diesem Anlass veranstaltete die Gemeinde am 2. Tag von Pessach im Anschluss an den Gottesdienst eine Feier, der der nach einigen hübschen Chorgesängen Herr Abraham Löb dem Jubilar die Glückwünsche der Gemeinde aussprach. Der 2. Vorsteher, Herr Bachrach, überreichte in Vertretung des erkrankten 1. Vorstehers einen silbernen Pokal als Ehrengabe der Gemeinde. Auch der Frauenverein und die Schulkinder erfreuten Herrn Kaufmann durch Geschenke. Herr Schulrat Gunderloch sprach Herrn Kaufmann die Anerkennung der Schulbehörde für seine fruchtbare Lehrtätigkeit aus. Tief bewegt dankte derselbe für die ihm erwiesene Ehrung. Herr Rabbiner Dr. Marx, der wegen der Feiertage nicht persönlich anwesend sein konnte, hatte seine Glückwünsche brieflich übermittelt. Nach dem Gottesdienst erschien in der Wohnung des Herrn Kaufmann eine Deputation des Stadtrats mit dem Herrn Bürgermeister an der Spitze, um ebenfalls dem Jubilar herzlichst zu gratulieren. Möge es Herrn Kaufmann vergönnt sein, auch das goldene Amtsjubiläum in gleicher Frische und Rüstigkeit zu begehen."

    
40-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Kaufmann (1922)  

Dieburg Israelit 06041922.jpg (52482 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1922: "Dieburg, 26. März (1922). Am 1. April sind es 40 Jahre, dass Herr Kaufmann in Dieburg seines Amtes waltet. Die Gemeinde rüstet sich, das Jubiläum des allgemein geschätzten und beliebten Mannes gebührend zu feiern. Am Sonntag, den 2. April, nachmittags 4 Uhr, findet ein Festakt in der Synagoge statt, wozu Herr Landesrabbiner Dr. Marx sich einfinden wird und eine zahlreiche Beteiligung von Nah und Fern zu erwarten ist. Wir werden über den Verlauf der Feier näher berichten."  
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. März 1922: "Dieburg. Am 1. April sind es 40 Jahre, dass Lehrer Kaufmann in Dieburg seines Amtes waltet. Aus diesem Grunde wird dem geschätzten und beliebten Manne Sonntag, den 2. April, eine Ehrung zuteil, die in der Synagoge stattfindet und wozu der Landesrabbiner Dr. Marx sein Erscheinen zugesagt hat. - Herr K. zählt zu jenen, die stets für Emuno mit aller Kraft eintraten."      
  
Dieburg Israelit 11041922.jpg (244489 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922: "Dieburg, 4. April (1922). Am 1. April waren es 40 Jahre, dass Herr David Kaufmann in Dieburg als Lehrer und Kantor seines Amtes waltet. Aus diesem Grunde wurden dem allverehrten Manne Ehrungen in großer Zahl zuteil. Schon am Freitag erschien der Gesamtvorstand der Gemeinde, um die von Freunden und Schülern des Jubilars gestiftete Ehrengabe zu überreichen, wofür Herr Kaufmann tief gerührt in herzlichen Worten dankte. Am Schabbat ließen es sich die Gemeindemitglieder nicht nehmen, in edlem Wetteifer Mizwaus zu erstehen und ihrem treuen Lehrer durch Mischeberach aufmerksam zu sein. Herr Lehrer Möller aus Fulda - Schwager des Jubilars - vertrat die Stelle des Herrn Kaufmann und der erste Vorsteher, Herr A.M. Löb, hielt eine dem Tag entsprechende, auf den Inhalt der Sidro sich stützende Ansprache, die ihre Wirkung auch nicht verfehlte. Herr Landesrabbiner Dr. Marx war aus dienstlichen Gründen verhindert, zu dem am Sonntag Nachmittag stattgehabten Festakt zu erscheinen. Er ließ es sich aber nicht nehmen, Sonntag in aller Frühe herüberzukommen und hielt am Schlusse des Morgengebetes in bekannter Meisterschaft eine Rede, in der er seine herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck brachte und ein getreues Bild des musterhaften Lehrers entwerfend, bezeichnete er Herrn Kaufmann als Vorbild für den jüdischen Lehrer, der dem ganzen Stande zur Ehre und Zierde gereiche. 
Am Sonntag Nachmittag 4 Uhr war der offizielle Festakt in der Synagoge, die bis zum letzten Platz überfüllt war. Der Jubilar wurde bei seinem Eintritt in das Gotteshaus, in dem plötzlich alle Lichter aufflammten und das mit Blumen und Blattpflanzen reich geschmückt war, durch das von Herrn Möller herrlich vorgetragene Boruch Habo begrüßt. Alsdann ergriff der erste Vorsteher, Herr A.M. Löb, das Wort und schilderte in herzlichen und zutreffenden Worten der Werdegang des Jubilars, sein Wirken als Lehrer und freund jedes Einzelnen, in der Gemeinde und überbrachte die Grüße der Gemeinde, Herrn Kaufmann einen sonnigen, glücklichen Lebensabend im Kreise der Seinen wünschend. Hierauf überbrachte der Vertreter der Schulbehörde, Herr Schulrat Gunderloch, die Glückwünsche der vorgesetzten Behörde. Auch dieser Redner rühmte die vorbildliche Pflichttreue, Wesen des Jubilars und seine wahrhaft herzlichen Worte machten auf die Versammlung tiefen Eindruck. Im Namen der Stadt Dieburg gratulierte Herr Beigeordneter Coy und betonte besonders, in welch' hohem Ansehen Herr Kaufmann in allen Schichten der Bevölkerung sich erfreue. Herr Oberlehrer Josef Kaufmann aus Frankfurt am Main überbrachte als Neffe mit Ernst und Humor den Glückwunsch der Familie. Ein Solovortrag des Herrn Möller, sowie ein Knaben-Chor schloss sich an, man verrichtete dann das Minchogebet und ein von der Gemeinde gesungener Jisgadal beschloss die würdig verlaufene Feier, die allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird, (Alles Gute) bis 120."  
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. April 1922: "Dieburg: Die Jubiläumsfeier des Lehrers Kaufmann gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Freitag überreichte der Vorstand der Gemeinde dem Jubilar eine Ehrengabe. Samstag wurde der Gottesdienst von Lehrer Möller - Fulda, dem Schwager des Jubilars, abgehalten. A. M. Loeb, der 1. Vorsteher, hielt eine der Sidro sich anpassende Ansprache. Sonntag morgen hielt nach dem Morgengebet Landesrabbiner Dr. Marx - Darmstadt eine Ansprache.   
Um 4 Uhr nachmittags fand in der überfüllten Synagoge der eigentliche Festakt statt. Bei seinem Eintritt in das Gotteshaus wurde der Jubilar durch Lehrer Möller mit einem Boruch habo begrüßt. A. M. Loeb überbrachte sodann die Glückwünsche der Gemeinde. Schulrat Gunderloch gratulierte im Namen der vorgesetzten Schulbehörde. Für die Stadt Dieburg überbrachte Beigeordneter Coy deren Gratulation. Er betonte und hob hervor, welch hohen Ansehens Herr Kaufmann sich in der ganzen Stadt erfreue und wie sehr er geschätzt werde. Oberlehrer Kaufmann - Frankfurt sprach als Neffe für die Familie des Jubilars."     

   
Zum 70. Geburtstag des Lehrers David Kaufmann (1929)  

Dieburg Israelit 14021929.jpg (96457 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1929: "Dieburg, 6. Februar (1929). Die Feier des 70. Geburtstages des Herrn Lehrer Kaufmann gestaltete sich zu einer Ovation, die den lebhaften Beweis erbrachte, welcher großen Beliebtheit der alte Herr sich in allen Kreisen der Bevölkerung erfreut. Schabbos Jethro (Schabbat mit der Toralesung Jethro) war das Sefer (Torarolle) hübsch geschmückt und die Gemeindemitglieder ließen alle Herr Kaufmann Mischeberach machen. Nach dem Einheben gratulierte in herzlichen Worten der Vorsteher Abraham Loeb. Während des Tages ward die Wohnung der Herrn Kaufmann von Gratulanten nicht leer. Während ein Wetteifer im Übersenden von Geschenken schon Tage vorher eingesetzt hatte. Sonntagvormittag ward Herr Kaufmann nebst Familie zu den Räumen des Cafes Goldschmidt geleitet, die zur Feier des Tages besonders geschmückt waren. Dort empfing ihn beim Eintritt ein von Herrn Möller - Fulda (Schwager des Gefeierten) wunderschön vorgetragener Boruch habo. Marta Lorch – als Schülerin – sprach hierauf einen von Herrn Loeb verfassten Prolog in ansprechender Weise, worauf Herr Abraham Loeb im Namen der Gemeinde in einer zu Herzen gehenden, dabei mit Humor durchsetzten Rede die Glückwünsche derselben zum Ausdruck brachte. – Er überreichte die Hagada von Lehmann und eine von Schülerinnen, Schülern und anderen Freunden gestiftete Summe.
Herr Kaufmann, sichtbarlich ergriffen, dankte in tief empfundenen Worten für alle Liebe, die man ihm entgegengebracht habe. Lebhaften Beifall erntete Herr Möller, dessen herrlich gesungenes Lied Zadik katamar jifrach (der Gerechte sprosst wie eine Palme) die Feier beschloss.
Viel Verwandte und Freunde versammelten sich nachmittags zu einem Festessen in der Wohnung des Herrn Kaufmann; während dessen Verlauf der hochwürdige Dekan Ebersmann erschien und in seinem und der katholischen Gemeinde Namen Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen; ebenso die Vertreterinnen vom St. Rochus-Krankenhaus.
Die kulinarischen Genüsse, die geboten waren, machten Küche und Keller des Hauses Kaufmann alle Ehre und allzu rasch verflossen die schönen Stunden. Möge es Herrn Kaufmann vergönnt sein, sich eines zufriedenen und glücklichen Lebensabends an der Seite seiner Gattin und im Kreise seiner Familie zu erfreuen. (Alles Gute) bis 120 Jahre."  
  
Dieburg Israelit 24011929.jpg (26451 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1929: "Dieburg, 20. Januar (1929). Am 2. Februar Schabbat Jitro begeht Herr Lehrer Kaufmann, hier, seinen 70. Geburtstag. Dem allbeliebten Manne wird es an Aufmerksamkeiten und Gratulationen gewiss nicht fehlen, die er während seiner 46-jährigen Dienstzeit in reichem Maße verdiente hat."   
  
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 15. Februar 1929: "Dieburg (Hessen). (70. Geburtstag). Der seit 47 Jahren hier amtierende Religionslehrer D. Kaufmann feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag und wurde von den Gemeindemitgliedern und anderen Freunden durch mancherlei Aufmerksamkeiten geehrt".   
  
Zum Tod von Frau Selma Kaufmann siehe Bericht unten (1932)  

    
 75. Geburtstag von Lehrer David Kaufmann (1934)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1934: "Dieburg, 30. Januar (1934). Herr Lehrer David Kaufmann feiert am kommenden Schabbat seinen 75. Geburtstag. Wir wünschen dem verdienten Manne weiteren heiteren Lebensabend im Dienste seines Gottes und seiner Gemeinde. (Alles Gute) bis 120 Jahre."    

   
 Zum Tod von Lehrer David Kaufmann (1935)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1935: "Unsere Gemeinde hat durch das Hinscheiden unseres allverehrten 
Herrn Lehrer David Kaufmann 
einen schmerzlichen Verlust erlitten. Wir trauern um einen wahrhaft Frommen, einen gütigen Lehrer, einen lieben, väterlichen Freund, einen jederzeit treuen und pflichtbewussten Beamten. das Andenken an seine Person, sein Wirken wird immer in uns lebendig bleiben. 
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Dieburg
Gedenkfeier: Sonntag, 5. Mai, nachmittags 4 Uhr, in der Synagoge zu Dieburg."   
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1935: "Lehrer David Kaufmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Dieburg, 6. Mai. Einen schweren Verlust erlitt die Gemeinde Dieburg durch den Heimgang ihres Lehrers, der über fünfzig Jahre ihr geistiger Führer war. Lehrer David Kaufmann verließ seine Gemeinde zu Pessach, am 7. Nissan, da ihr infolge des Festmonats auch der Trost der Träne versagt blieb. So kam die ganze Liebe, Verehrung und Dankbarkeit der Gemeinde in der Gedenkfeier, die am Sonntag, den 5. Mai, in der hiesigen Synagoge stattfand, zum spontanen und ergreifenden Ausdruck.     
Schon vor der festgesetzten Zeit war die feierlich beleuchtete Synagoge oben und unten voll gefüllt von den Gemeindemitgliedern und vielen auswärtigen Gästen. Nach dem feierlichen Minchohgebet ergriff der erste Vorsitzende, Herr Lehmann, das Wort, um die Hauptphasen der zweiundfünfzigjährigen Wirksamkeit des ehrwürdigen Lehrers und Vorbeters von den ersten Kämpfen und Erfolgen bis zum stimmen Gruße, mit dem ihn die Gemeinde am 9. Nissan zur letzten Ruhe hinausgeleitete, in prägnanten Worten zu zeichnen.   
Nachdem Herr Lehrer Zucker das Zadick KeTamar (der Gerechte, wie eine Palme... nach Psalm 92,13) vorgetragen hatte, bestieg Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, die Kanzel, um in einer geistvollen Gedenkrede den Menschen, den Jehudi und den treuen Beamten David Kaufmann zu schildern. Ein wahrer Gerechter, wie eine Palme entfaltete er seine ganze Kraft, um Schutz und Schatten und Früchte den Anderen, seinen kleinen und großen Jüngern in der Gemeinde zu spenden, ohne für sich etwas zu beanspruchen. Er war einer, der sich genau an die religiösen Vorschriften hielt, dem alles im religiösen Pflichtenleben gleich wichtig und heilig war. Er schritt mit seiner Frömmigkeit, seiner Toraliebe und seiner Gastfreundschaft seiner Gemeinde beispielgebend voran und die von ihm ausgestreuten Saaten werden reiche Früchte für die Gemeinde tragen.  
Herr Lehrer Zucker dankte in bewegten Worten für alle Belehrung und Unterweisung und kollegiale Freundschaft, die er beim heimgegangenen Vorgänger genossen hat. Darauf überbrachte Herr Lehrer Kahn, Höchst, letzte Grüße des Bundes jüdischer Lehrer in Hessen und des Lehrerbundes Chisuk Emuna (Befestigung des Glaubens).  
Herr Hermann Seckbach entbot die warmen Grüße der Insassen des Gumpertz'schen Siechenhauses in Frankfurt am Main, deren warmer Freund der Heimgegangene war. Darauf ergriff Herr Studienrat Josef Kaufmann, Frankfurt am Main, das Wort, um als Neffe im Namen der gesamten Familie dem verewigten Dank für alle Liebe und Treue, die er für jedes Mitglied der Familie hatte, zu sagen. Er werde in der Familie als Verkörperung und Vorbild eines friedliebenden Menschen weiterleben. 
Zum Schluss dankte noch Herr Heinz dem ehemaligen Lehrer im Namen auch der früheren Schüler für alle seine liebevolle Arbeit, die junge Generation in der Tora zu verwurzeln. Erst vor vierzehn Tagen habe sich hier eine Aguda-Jugendgruppe gebildet, die im Sinne des heimgegangenen Lehrers zu wirken und ihm so das sinnigste Denkmal zu erreichten gedenke.  
Es war eine ergreifende Feierstunde, in der eine Gemeinde ihren verdienten Führer gefeiert und neue Anregungen für das Gemeindeleben in der Zukunft erhalten hat.  Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    
 
Dieburg Israelit 06061935.jpg (188900 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1935 (leicht abgekürzt zitiert): "David Kaufmann - er ruhe in Frieden. 
Bei der am 2. Ijar (5. Mai 1935) in der Synagoge zu Dieburg veranstalteten Trauerfeier sprach der Vorsitzende der 'Vereinigung gesetzestreuer Lehrer Hessens' Herr Kahn, Höchst i.O. folgende Worte. 
'In den weiten Kreis der Trauernden um den Heimgang des lieben Verklärten, des langjährigen religiösen Führers der Gemeinde Dieburg, des treuen Freundes und Kollegen tritt auch die 'Vereinigung gesetzestreuer Lehrer Hessens' sowie der 'Bund gesetzestreuer Lehrer Deutschlands', in deren Namen ich in tiefer Ergriffenheit dem Heimgegangenen die letzten Abschiedsgrüße widme, den letzten Dank bringe für alles, was er all denen, die ihm im Leben nahe gestanden, gewesen. Was wir an einem Menschen besaßen, kommt uns erst voll zum Bewusstsein, wenn wir ihn verloren haben. Und so empfinden wir erst heute den großen Verlust, den das Scheiden David Kaufmanns für uns bedeutet, sehen wir erst heute die ungeheure Lücke, die sein Weggang in unserem Lebensbau hinterlassen. War doch seine Persönlichkeit eine seltene Vereinigung all der hohen Lebenswerte, von denen einst die Schüler Rabbi Jochanans ben Sakkai ihrem Meister kündeten; eine herzgewinnende, liebenswürdige Persönlichkeit, die keinen Feind besaß. Ihm war jenes gute Auge zu eigen, das der erste Schüler als erstrebenswerte Tugend bezeichnete, jenes gute Auge, das ihn alle Dinge und Menschen im besten Lichte sehen ließ, eine Eigenschaft, die ... es ihm ermöglichte, als ein Friedensliebender und dem Frieden Nachstrebenden lange Jahre seiner Gemeinde in Frieden zu dienen und sie in wahrer Menschenliebe aus der Mitte zur Tora zu sein. Uns Lehrern aber ward er über den Kreis der Gemeinde hinaus ein guter Freund, jene vom zweiten Schüler gerühmte Tugend, der von allen als gerade, schlichter, echter, bescheidener und aufrichtiger Freund und vorbildlicher Kollege geliebt, geschätzt und verehrt wurde. Bis zu seinem höchsten Lebensalter ein eifriger Besucher aller Konferenzen, an denen er regen Anteil nahm, gedenken wir mit besonderer Genugtuung, verbunden mit Wehmut der letzten Tagung des Vereins und Bundes, zu der er sich, schon zitternd und altersschwach, noch führen ließ, um nur wieder einige Stunden im kreise der Kollegen weilen zu können. Uns Kollegen aus der näheren Umgebung Dieburgs aber war ein ein guter Nachbar, der sich herzlich freuen konnte, wenn Kollegen in seinem stets gastfreundlichen Hause einkehrten, um Stunden froher Geselligkeit mit ihm zu verbringen, ... auch um Worte der Tora mit ihm zu besprechen. Dort konnten wir feststellen, dass er auch jemand war, der in kluger Voraussicht keine Handlung, sei es in dienstlicher, kollegialer oder menschlicher Hinsicht unternahm, ohne sich deren Auswirkungen vorher gründlich überlegt zu haben, um ja seinem Gottes, seinen Kollegen, seiner Gemeinde und der Menschheit im allgemeinen keinen vermeidbaren Schmerz zu bereiten. Und so vollendet sich sein Lebensbild in dem großen, gütigen liebevollen Herzen, dem guten Herzen, dem Herzen voll Menschenliebe, das er sein Eigen nennen konnte. So leuchtet sein Bild ... wie ein heller Stern vor uns auf und so soll es weiter leuchten und uns leiten für uns für, bis auch wir den Weg zu Ewigkeit gehen, den er durch sein Verdienst uns ebnete. Amen."   

      
      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
50-jähriges Jubiläum der Frauen- und Männer-Chevro (1922)  

Dieburg Israelit 28091922.jpg (166755 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1922: "Dieburg, 3. September (1922). Vor wenigen Wochen waren es 50 Jahre, dass Frauen- und Männer-Chevro hier gegründet wurden. - Der Gedenktag wurde in einfacher und würdiger Weise begangen. Die Chevro fastete am Vortag zum 1. Elul, ging zum Jom Kippur Katan und am darauffolgenden Sonntag vereinigten sich beide Chevros mit noch anderen Gemeindemitgliedern und Gästen im 'Weißen Ross', um bei Kaffee und Kuchen einige Stunden gemütlich zu verbringen. 
Es war eine stattliche Zahl von Teilnehmern erschienen und in dem freundlich geschmückten 'großen Saal' entwickelte sich ein lebhaftes Treiben. Der Vorsteher der Chevro H.A.M. Loeb begrüßte Mitglieder und Gäste mit herzlichen Worten und erteilte alsdann Herrn Lehrer Kaufmann das Wort zu einer Rede. - Herr Kaufmann verstand es in sehr zutreffenden, zu Herzen gehenden Worten die Bedeutung der Feier zu schildern und gedachte der entschlafenen Mitglieder. - Später ergriff Herr A.M. Loeb das Wort, um über die vergangenen 50 Jahre einen Rückblick zu werfen und auch des Mannes zu gedenken, durch dessen Initiative die Chevro gegründet wurde, seines Vaters Kaufmann Loeb - er ruhe in Frieden. - Alsdann sprach Frau Stadtrat Lehmann für die Frauenchevro und überreichte in einer herzlichen Ansprache der Gründerin derselben, Frau Kaufmann Loeb Witwe, die 50 Jahre im Vorstand wirkt, einen reizend geschmückten und wohl gefüllten Delikatessenkorb. - Frau Loeb - tief ergriffen - dankte für die erwiesene Aufmerksamkeit und versprach, soweit es ihre Kräfte gestatten, sich nach wie vor der Chevro zu widmen. - Herr Lehrer Bär aus Buer (Westfalen) als Gast anwesend, verlieh seiner Freude über die würdig und gelungen verlaufene Feier, in herzlichen Worten, lebhaften Ausdruck. - Die Zwischenpausen wurden durch ernste und heitere Gesangvorträge und Rezitationen ausgefüllt und gab es ganz prachtvolle Leistungen. - Es zeichneten sich besonders aus die Damen: Frau Josef Heil, Frl. Martha Krämer, Bertel und Rösel Schilklaper. - Das Benschen wurden amerikanisch versteigert und brachte 1.836 Mark ein, die der Palästina-Zentrale überwiesen wurden. So vergingen in ungezwungenem, gemütlichen Beisammensein die wenigen Stunden und bildeten nach 50 Jahren eine kurze angenehme Unterbrechung der sonst so ernsten Tätigkeit der beiden Vereine."   

   
Prozess gegen ehemalige SA-Leute aus Dieburg (August 1933)
 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1933: "Darmstadt. Zehn ehemalige SA-Leute aus Dieburg, die wegen ihrer Vergehen aus der SA ausgestoßen wurden, hatten sich vor der Großen Strafkammer Darmstadt zu verantworten, weil sie versucht hatten, als Hilfspolizisten bei Juden Autos zu beschlagnahmen. Der Hauptangeklagte hatte zuvor Kreisamtssiegel entwendet und zusammen mit zwei anderen Angeklagten unter Fälschung der Unterschrift des Kreisleiters ein Schreiben angefertigt, das sie angeblich zu solchen Beschlagnahmungen ermächtigte. Das Gericht verurteilte den Hauptangeklagten wegen Einbruchdiebstahls, einfachen Diebstahls, Fälschung einer öffentlichen Urkunde, Amtsanmaßung und Betrugsversuchs zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis."   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Goldene Hochzeit der Eheleute Josef Losch (1916)  

Dieburg FrfIsrFambl 15121916.jpg (10158 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1916: "Dieburg. Die Eheleute Josef Losch feierten das Fest ihrer goldenen Hochzeit."   

  
Zum Tod von Ida Löb geb. Metzger (1921)   

Dieburg Israelit 06101921.jpg (128519 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1921: "Dieburg, 28. September (1921). Am vergangenen Samstag verstarb in Frankfurt am Main an den Folgen einer Operation Frau Ida Löb geb. Mainzer, die Gattin des weit über seine Heimat allgeschätzten Herrn Abraham Löb, im Alter von erst 49 Jahren. Der Schmerz und die Teilnahme versetzte Gemeinde und Bevölkerung in höchste Erregung und selten dürften die Straßen Dieburgs ein solches Ehrengeleite gesehen haben wie am letzten Dienstag. Zu der Tragik dieses frühen Todes kam die allgemeine Wertschätzung, die die Verstorbene wegen ihres edlen Wesens, goldreinen Charakters und als treue Gefährtin und Mitarbeiterin ihres auf gemeinnützigem Gebiete im Interesse der Stadt, der jüdischen Gemeinde und des Judentums sehr verdienten Gatten allgemein genoss, die den Verlust jeden so schwer empfinden ließ. Auf dem Friedhofes zu Dieburg, wo neben der gesamten Gemeinde und auswärtigen Trauergästen, die Spitzen der Stadt und eine große Schar aus allen Teilen der nichtjüdischen Bevölkerung die Bahre umringten, entwarf Herr Rabbiner Dr. M. Marx, Darmstadt, in großen markanten Zügen ein Bild der edlen Frau und schilderte in beredten Worten die Größe des Verlustes, dabei an Hand von Bibel- und Talmudstellen die Quellen des Trostes auch in diesem Unglücke aufdeckend. Als Verwandter richtete dann Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt am Main, ein kurzes Wort des Trostes an den gebeugten Gatten, der seine Aufrichtung finden möge auf dem Gebiete, wo es kein Sterben und kein Vergehen gibt, auf dem Gebiete des geistigen Schaffens und der ideellen Betätigung als Spender für Viele. Mit rührenden Worten nahm darauf der Gatte selbst Abschied von der treuen Gefährtin seines Lebens. Möge ihr Verdienst dem Manne, ihren Töchtern und deren Häusern beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

      
Zum Tod von Zerline Darmstädter (1923)   

Dieburg Israelit 04011923.jpg (70869 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1923: "Dieburg, 23. Dezember (1922). Am 23. Kislew wurde hier Frau Zerline Darmstädter zu Grabe getragen, unter großer Beteiligung der ganzen jüdischen und christlichen Bevölkerung Dieburgs und vieler auswärtiger Freunde. Bei dieser Frau konnte man nicht sagen: ‚Im engen Kreis verengert sich der Sinn’, denn sie verkörperte den Typus des ‚Esches Chail’ (wackere Frau) nach jeder Richtung. Sie war stark im Wollen und groß im Können. Sie war immer versöhnend und den Frieden suchende. Sie war geliebt und verehrt von Mann und Kindern und Schwiegerkindern, die ihr in der Gottesfurcht nachstreben. Herr Lehrer Kaufmann und Herr Löb in Dieburg, welche Frau Darmstädter in ihrem täglichen Wirken und in ihrem vollendeten Sein schon immer erkannten, sprachen an ihrer Bahre ergreifende und tief empfundene Worte und des Abschiedes. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1911: "Zerline Darmstädter seligen Andenkens. Dieburg. Nach kurzer schwerer Krankheit verschied Montag, 21. Kislew 5683 den 11. Dezember 1922 Frau Zerline Darmstädter, Dieburg. Mit ihrem Heimgang verlieren Gatte und Kinder die aufopfernde und treu besorgte Gattin und Mutter, die Freunde eine jederzeit tatkräftig bereite Beraterin, die Armen die unermüdliche Helferin und auch die große Schar der ihr Fernerstehenden trauern um den Verlust einer wahren wackeren Frau, die wie wenige ihr Haus zu einem echten kleinen Heiligtum zu gestalten verstand. und es gilt von ihr das Wort 'Sie arbeitet mit munteren Händen' (Sprüche 31,13). Sie war der Fleiß und die Tätigkeitslust selbst und sie suchte und fand ihre Lebensaufgabe und Befriedigung in erster Linie darin, ihre Kinder zu wackeren frommen Menschen zu erziehen, die die Lehren, die sie im Elternhaus empfangen haben, in die Tat umzusetzen bemüht. Möge ihr Verdienst dem gebeugten Gatten und den trauernden Kindern beistehen. Uns bleibt der Wunsch: 'es sei ein solcher (Tod) mein Ende' (4.Mose 23,10).  
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1922: "Heute verschied nach kurzer schwerer Krankheit meine liebe Frau, unsere überaus gute Mutter, Schwester und Großmutter   
Frau Zerline Darmstädter geb. Rapp 
in ihrem 70. Lebensjahre. 
Dieburg, Groß-Umstadt, Frankfurt/Main 
den 11. Dezember 1922.  
Die trauernden Hinterbliebenen:  Marx Darmstädter  Albert Rapp und Frau geb. Darmstädter  
Zeno Darmstädter und Frau   Max Wimpfheimer und Frau geb. Darmstädter  Ludwig Darmstädter und Frau   
Fritz Darmstädter und Frau   Karl Darmstädter und Frau  Karoline Aumann geb. Rapp und 12 Enkelkinder."   

  
Zum Tod von Marx Marx (1923)  

Dieburg Israelit 28061923.jpg (100673 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1923: "Dieburg, 25. Juni (1923). Im Alter von fast 94 Jahren starb hier Marx Marx, der vor Jahresfrist aus seiner Heimat Königheim in Baden hergezogen ist, um den letzten Teil seines heiteren Lebensabends im Hause seiner Tochter, Witwe Goldschmidt, zu verleben. Ein rüstiger und äußerst geistesfrischer Greis, so schritt er in unseren Reihen, allbeliebt, anspornend und beispielgebend in seiner schlichten Frömmigkeit, mit seinem Eifer für die Religion, seiner Freude an jeder Mizwo-Tat. Zu den ersten gehörte er stets in der Synagoge, von der ihn Wind und Wetter nicht abhielten, so wie ihn das hohe Alter nicht daran hinderte, alle Fastentage gewissenhaft zu halten. Ein ehrwürdiger Patriarch, der auf ein langes Leben reiches Tätigkeit und echter Jüdischkeit zurückblickte, ist mit ihm von uns gegangen, und bei der Überführung nach Königheim, die seinem letzten Wunsche gemäß am Sonntag vor sich ging, fehlte keiner von der hiesigen jüdischen Gemeinde, und auch die nichtjüdische Bevölkerung war stark vertreten. Herr Lehrer Kaufmann, sowie der erste Gemeindevorsteher, Herr Abraham Löb, sprachen ergreifende Worte des Abschiedes und der Verehrung an den Heimziehenden, dessen Andenken uns unvergesslich bleibt. Die Bestattung fand am Montag in Königheim, ebenfalls unter großes Beteiligung statt."

     
Zum Tod von Settchen Löb geb. Darmstädter (1925)  

Birkenau Israelit 14051925.jpg (85033 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1925: "Birkenau bei Weinheim, 3. Mai (1925). Vergangene Woche kam hier Frau Settchen Löb geb. Darmstädter, zur Beerdigung, nachdem sie das letzte Jahr ihres Lebens bei ihren Angehörigen in Dieburg - ihrer Heimat - geweilt hatte. Zu früh für ihre Kinder und Verwandten war das Ende ihrer Tage, für sie selbst eine Erlösung von schweren Leiden. Nun kehrte sie an den Ort zurück, der ihr zur zweiten Heimat geworden war. In glücklicher Ehe, und auch, nachdem ihr der Gatte viel zu früh entrissen worden war, lebte sie ein stilles Witwenleben, das nur der Erziehung ihrer Töchter galt, ein leben, getragen von Gottesfurcht und umsonnt von Menschenliebe. Am Grabe gedachte Herr Lehrer Friedmann - Heppenheim - der Verstorbenen und ließ das freud- und leidvolle Dasein der Toten noch einmal vor den trauernden Kindern, Angehörigen und Freunden vorüberziehen. 'Das Andenken der auch für unsere kleine Gemeinde allzu früh Dahingeschiedenen wird unter uns lebendig bleiben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
Max Baer wird in die Industrie- und Handelskammer Offenbach gewählt (1928) 

Dieburg Israelit 02021928.jpg (17503 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1928: "Dieburg, 16. Januar (1928). Die Wahl des Herrn Max Baer in Firma Kahn und Baer, hier, in die Industrie- und Handelskammer, Offenbach am Main, ist vom Ministerium bestätigt worden."

 
Zum 80. Geburtstag von Henriette Löb (Jettchen, 1929) 

Dieburg Israelit 24041929.jpg (55094 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1929: "Dieburg, 18. April (1929). Frau Henriette Löb begeht am 7. Tag von Pessach (= 1. Mai 1929) ihren 80. Geburtstag in seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. Eine Frau von großen geistigen Interessen und wahrem Herzensadel, ein Muster tiefer schlichter Frömmigkeit, war sie die treue Lebensbegleiterin des unvergesslichen Kaufmann Lob - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Mit großer Verehrung sehen Verwandte und Freunde zu der Altersjubilarin hinauf und wünschen ihr einen weiteren frohen Lebensabend."
    
Dieburg Israelit 30051929.jpg (187586 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1929: "Dieburg, 27. Mai (1929). Wie man ein verdienstvolles Mitglied zu ehren versteht, hat die Frauen-Chevro (Israelitischer Frauenverein) Sonntag Abend bewiesen. Frau Henriette Loeb Witwe beging vor mehreren Wochen ihren 80. Geburtstag, zu welchem die Chevro damals einen gemütlichen Abend projektiert hatte, der aber durch bei Grau Loeb eingetretene Familientrauer nicht stattfinden konnte und nun gestern Abend in ruhiger, würdiger Weise begangen wurde. Sie ehrte Frau Loeb in sinnigster Weise durch Errichtung einer 'Henriette Loeb-Stiftung', deren Zinsen guten Zwecken dienen soll. Frau Loeb hat die ihr gewordenen Ehrungen reichlich verdient, denn was sie in der langen Zeit geleistet hat, geht über das Maß des Gewöhnlichen weit hinaus. Sie hatte vor 56 Jahren die Chevro gegründet und war Vorstand bis vor wenigen Wochen; sie war es, deren echt jüdischer Geist bei jeder Gelegenheit durchdrang und die in selbstloser Weise stets und überall zur Verfügung war, wenn es galt zu helfen. Dass man dies würdigt, bewies die gestrige Feier, zu der sich die ganze Gemeinde im oberen Saal des 'Weißen Ross' eingefunden hatte. Frau Lehrer Kaufmann und Frau Martin Lehmann hatten sich der Mühe unterzogen und der Jugend Vorträge eingeübt, die alle in vorzüglicher Weise durchgeführt wurden. Herr Lehrer Kaufmann hielt eine der Feier entsprechende tief empfundene Ansprache, gratulierte und wünschte der Jubilarin ein glückliches Leben ad meo weesrim Schono (bis 120 Jahren). Herr Abraham Loeb, als Vorsteher und als Sohn, wusste in einer folgenden Ansprache beiden Eigenschaften gerecht zu werden und dankte schließlich im Namen seiner Mutter für alle Liebe und Güte und Aufmerksamkeit, die man ihr heute erwiesen hat. Frau Loeb war zu ergriffen, um selbst dies zu tun und Herr Loeb verstand es, dieser Aufgabe in humorvoller Weise gerecht zu werden. Von den Gründern leben noch zwei Damen: Frau Karoline Lorch Witwe und Frau Loeb Witwe. Frau Lorch erhielt einen reizenden Delikatesskorb überbracht, denn auch sie ist seit 56 Jahren vorbildliches Mitglied und im Vorstand. So verlief in würdiger Weise dieser Abend, der allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird und auf den ganz besonders die beiden Damen Frau Loeb und Frau Lorch mit Befriedigung zurückblicken können. Den dichterischen Teil des Abends hatten Frau Darmstädter, Frankfurt am Main und Herr Abraham Loeb bestritten."    

   
Zum Tod von Sara Koch (1929)  

Dieburg Israelit 23051929.jpg (99213 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1929: "Dieburg, 15. Mai (1929). Sanft wie ihr ganzes Wesen war, hat eine der ältesten Frauen der Religionsgesellschaft Mainz, Frau Sara Koch, ihre Augen für immer geschlossen. Schmerzlos schlummerte sie hinüber in jene Gefilde, in denen ewiger Frieden Herren. ... (hebräisch unklare Angabe) trug man sie zu Grabe. - Abhold allen geräuschvollen Ehrungen, lebte sie auch im höchsten Alter nur der Pflichterfüllung und in ihrer Eigenschaft als Vorsteherin der Chewra Kadischa erwarb sie sich, die 85-jährige Greisin, unsterbliche Verdienste! Aus einem vorbildlich frommen, echt jüdischen Hause stammend, in dem man Großspurigkeit und Selbstüberhebung nicht kannte, hat sie Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit von da mit ins Leben genommen und Wohltätigkeit und Gastfreundschaft allzeit vorbildlich betätigt.  
Solche Gestalten sind selten und wenn eine aus der Mitte ihrer Familie, aus ihrer Gemeinde herausgerissen wird, so bleibt die Lücke unausfüllbar. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. A.L."  

  
Zum Tod von Abraham Löb (1929)  

Dieburg Israelit 29081929.jpg (311548 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1929: "Trauer in der Dieburger Synagoge. Und wieder brannten die Lichter im heiligen Raume. Alles wie damals, als wir uns vor etwa zehn Wochen zur Einweihung versammelten. Unten im Männerraume und oben auf den Frauengalerien Kopf an Kopf. Die Vertreter der Behörden, die Geistlichen der beiden Konfessionen auf ihren Ehrenplätzen. Dazu noch die Feuerwehrleute in ihren blinkenden Helmen und Vereine mit ihren Fahnen. Unten aber vor den Stufen zur heiligen Lade die schwarzbedeckte Bahre, darin der Mann ruhte, der vor zehn Wochen oben die ganze Feier leitete, der die Synagoge mit Selbstaufopferung ohnegleichen seiner Gemeinde gegeben, der seine Gemeinde durch Jahre geleitet. Ihm, Abraham Löb, halt am Freitag die zweite erhebende Feier in diesem geweihten Raume. 
Am Dienstagabend verließ er, wie immer, nach der Andacht als letzter das Gotteshaus, schloss die Türen ab, ging nach Hause und erledigte noch einige dringende Arbeiten für seine Gemeinde. Unterschrieb den Vertrag mit dem neuen Lehrer, der nun verpflichtet wurde, schrieb dann noch eine launige Karte an den Baumeister nach Friedberg, mit dem noch einiges abzuwickeln war. Das letzte Wort, das aus seiner Feder kam, hieß: 'Wer zuletzt lacht...'. Dann ging er zu Bett und schlief ein - für immer. 
Wer die Bedeutung Abraham Löbs in seiner Gemeinde, in seiner Heimatstadt und weit darüber hinaus, noch nicht kannte, dem musste sie bei dieser Feier aufgehen. Es sprach als erster Herr Provinzialrabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt. In seiner eigenen zu Herzen gehenden Art schilderte er, wie jeder Stein und jede Säule dieses Baues Zeugnis ablegte für das Lebenswerk des Mannes. Ein Satz aus dem Prophetenabschnitt fügte sich in das Bild, als sei er eigens dazu geprägt. Abraham Löb wird eine Anklage sein für alle, die meinen, man könne heute in der kritischen Zeit und in einer kleinen Gemeinde nicht ganz seinem Judentum leben. Ging er doch keinen Abend zu Bett, ohne einen Abschnitt aus dem Buche, aus dem schon der Vater schöpfte, zu lernen. Treue und Liebe waren Hauptbestandteile seines Wesens, sein Leben eine Heiligung des Gottesnamens. Sein Namen und sein Andenken werden im Mittelpunkt seines Kreises leitend und belebend ewig nachwirken. 
Herr Lehrer Kaufmann, der ein Menschenalter mit Löb für das Gedeihen der Gemeinde gearbeitet hat, sprach nun Worte herzlichen Gedenkens und  ehrender Würdigung. Der zweite Vorsteher, Herr Max Bär, dankte für Vorstand und Gemeinde, und legte Gelöbnis ab, sein Werk fortzusetzen. Im Namen der Starkenburgloge in Darmstadt entbot Herr Dr. Stern letzten Brudergruß und Herr Mayer würdigte die Verdienste Löbs im Gesetzestreuen Verbande der Hessischen Gemeinden. Vertreter des Einzelhandels, des Turnvereins usw. kamen noch zu Worte. 
Darauf sprach tief bewegt Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt, Worte des Abschieds vom Freunde und Verwandten. Abraham Löb war einer der Begnadeten, die Sonne im Herzen tragen. In seinem Auge wohnte die Güte, auf seinen Lippen das einnehmende Lächeln und im Munde hatte er stets das heitere Wort, voll Witz und Geist, mit dem er sich und andere über die schwierigsten Situationen hinwegsetzte. Aus Einzelzügen aus der erst vor kurzem gemeinsam verlebten Ferienzeit formte Redner das Charakterbild. Wie begnadet und auserwählt muss doch der Mann gewesen sein, dem es beschieden war, mit solcher Lebenskrönung (Synagogenbau) von dannen zu scheiden. Noch rauschte in seiner Seele die Siegesfreude ob des Gelingens des Werkes, die Freude der unvergesslichen Einweihungsfeier, als sie, getragen von diesem Gesange, hinüberschlummerte. Wie der große Führer Moses, nach Midraschwort, mit Lied, Segenswort und Gebet von seinem Volke scheidet, die in ihren Anfangsbuchstaben Schabbat ergeben, so war Abraham Löbs Leben ein Schabbat. Eine Schira (Lied): Harmonie und innere Ausgeglichenheit, Bracha: Segen für Gemeinde und Gemeinschaft und zuletzt Tefila (Gebet): die Errichtung dieser Heimstätte für die Andacht seiner Gemeinde. In den ewigen Sabbat kehret die Sabbatseele, geleitet von Lecha Dodi in seiner Synagoge, vom Boi Beschalom seiner Gemeinde.  
Stille bewegte sich nun der endlose Zuge der Trauernden über den Marktplatz und durch die Straßen des sauberen Städtchens, angeführt von den Vereinen mit umflorten Fahnen, gefolgt von der ganzen Gemeinde, allen Teilen der Bürger, der Geistlichkeit, der Behörden und Vertretern vieler Organisationen und Institutionen auch in Frankfurt und Darmstadt. Auch der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ehrte seinen hoch verdienten Obmann durch Anwesenheit seines Syndikus für Hessen-Nassau. Der Männergesangverein von Dieburg ließ es sich nicht nehmen, nach altem Vereinsbrauch, vor dem Portale des Friedhofs (es ist ein altehrwürdiger Sammelfriedhof für eine große Anzahl von Gemeinden der Umgebung) ein Trauerlied zu singen. Dann brachte man die irdischen Reste Abraham Löbs durch die Hallen des 'Lebenshauses' und in aller Einfachheit, unter den vorgeschriebenen Gebeten, zur ewigen Ruhe. Still, voller Wehmut, zerstreute sich die Menge. 
Ein Mann von Führerqualitäten ist aus seinem Kreise geschieden. Möge Gott neben den Töchtern und der greisen Mutter seine verwaiste Gemeinde trösten."

    
Zum Tod von Kusel Lorch (1930)  

Dieburg Israelit 04091930.jpg (37976 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. September 1930: "Dieburg, 1. September (1930): "Dieburg, 1. September (1930). Mit Frau Kusel Lorch, die hier am 27. Aw zu Grabe betragen wurde, ist eine unserer Besten von uns gegangen. Der Wohltätigkeitssinn dieser Frau kannte keine Grenzen, sie konnte ihr Letztes für Arme und Bedürftige hergeben. So lebte und wirkte sie in alter jüdischer Frömmigkeit mustergültig für die neue Generation. Ihr Andenken wird im Kreise ihrer Familie, aber auch in der ganzen Gemeinde zum Segen fortleben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
Zum Tod von Max Darmstädter (1930)  

Dieburg Israelit 08011931.jpg (162722 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1931: "Dieburg, 4. Januar (1931). Als in der Woche von wajechi (Toralesung wajechi = 1. Mose 47,28 - Ende, zum Schabbat Paraschat Wajechi am 3. Januar 1931) am 30. Dezember (1930) hier in Frankfurt Max Darmstädter aus Dieburg als 83-jähriger Greis nach einem Leben unermüdlichen, emsigen Schaffens verschied, da dachten wohl viele, die die Trauerkunde hörten, an die Worte der Sidroh, wo von hohem Alter und mannigfachem Lebensschicksal, von guten und schweren Tagen, von Kindersegen und Enkelfreude, von Rückschau und Ausschau gesprochen wird. Und so war es naheliegend, dass bei der Beisetzung, die auf dem heimatlichen Friedhof unter überaus zahlreicher Beteiligung stattfand, auch die Sidroh (Wochenabschnitt) den Ausgangspunkt bildete sowohl für den greisen Lehrer der Gemeinde, Herrn Kaufmann, der mit dem Verstorbenen wieder ein Stück seiner Gemeinde ins Grab sinken sah, als auch für Herrn Prof. Freimann, der im Namen des Frankfurter Familien- und Freundeskreises in ehrenden Worten dem Heimgegangenen einen letzten Gruß zurief. Verlor die Landgemeinde ein treues altes Mitglied, so entschwindet auch aus Frankfurt ein lieber und gern gesehener Gast, dessen Greisenjahre von Kinderliebe hier umhegt waren, bis es notwendig wurde, die Wochen des Leidens zu lindern und dem Greis die letzten Liebesdienste zu erweisen. Die größte Liebestat dem Verstorbenen gegenüber ist aber die, die im Hause seiner Kinder geübt wird: Dienst für Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit, und diesen Dienst ausüben zu dürfen, das ist gewiss den Hinterbliebenen ein sichtbares Zeichen, dass sie mit dem Verstorbenen verknüpft, und zugleich ein Trost, der den Schmerz lindert und vom frischen Grab zurückruft ins Leben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    
   
Dieburg Israelit 08011931b.jpg (42663 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1931: "Für die uns anlässlich des Ablebens unseres geliebten Vaters Herrn Max Darmstädter aus Dieburg erwiesene wohltuende Teilnahme danken herzlich. 
Die trauernden Hinterbliebenen. Tewet 5691 - Januar 1931."

     
Zum Geburtstag von Selma Kaufmann geb. Möller (1932)  

Dieburg Israelit 27101932.jpg (120197 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1932: "Dieburg (Hessen), 25. Oktober (1932). In der Frühe des Jom Kippur, etwa um die Zeit da man in der Synagoge die ergreifenden Piutim von Ruach (Geist) und Näfasch (Körper) sprach, hauchte Frau Selma Kaufmann, die Gattin des seit über 50 Jahren dort weilenden und amtierenden Lehrers David Kaufmann, nach langem, schwerem, in Geduld und Ergebenheit getragenem Leiden ihre reine Seele aus. Dem bekannten Hause Möller in Hamburg entstammend, war sie eine aufrechte und gute Jüdin im vollsten Sinne des Wortes, ihr ganzes Leben hingegeben der Erfüllung von Geboten, der Ausübung von Awaudoh (Gottesdienst) und G'milus Chesed (Wohltätigkeit). Es fiel ihr nicht schwer, sich von der Weltstadt aus in dem viel kleineren, ganze andere Aufgaben an sie stellenden Dieburg zurechtzufinden. Ihr mit so viel Güte ausgestattetes Herz, der ihr eigene Takt und vor allem ihre eiserne Willenskraft wiesen ihr den zu beschreitenden Weg und halfen ihr, in kürzester Frist das verwaiste Haus ihres Mannes, das sie als wackere Frau mit ihrer Liebe und Fürsorge beseelte, zum Mittelpunkte wahrhaft jüdischen Lebens und weitreichender Gastlichkeit zu machen. Ob ihres gütigen Wesens, dank ihrer steten Hilfsbereitschaft erfreute sie sich allgemeiner Beliebtheit bei allen Teilen und Schichten der Einwohnerschaft, was sich nicht zum wenigsten während ihres langen Krankseins, besonders aber bei ihrer am Tage nach Jom Kippur erfolgten Beerdigung in erhebendster Weise kundtat, als zahlreiche nichtjüdische Miteinwohner, darunter auch die Geistlichkeit, ihr die letzte Ehre erwiesen. Das Andenken dieser Frommen gereiche der Allgemeinheit zum Segen! Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Henriette (Jettchen) Loeb (1934)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1934: "Dieburg bei Darmstadt, 3. April (1934). Noch kurz vor den Feiertagen verließ uns Frau Jettchen Loeb, eine würdige Matrone, eine Mutter in Israel in mancherlei Beziehung, im Alter von 85 Jahren. Frau Loeb war die Frau des schon vor mehreren Jahren heimgegangenen Kaufmann Loeb - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, der zu den besten Männern der hessischen Judenheit gehörte, und es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass die Frau, die ihn um fast zwei Jahrzehnte überlebte und in diesen Jahrzehnten den Glanz des Hauses nicht nur erhielt, sondern auch vermehrte, es war, die die Seele und der gute Geist des Mannes bei seinem sozialen Aufstiege war. Das Loeb'sche Haus blieb bis zuletzt ein Heiligtum der Jüdischkeit und der Wohltätigkeit. Mit ihrem Sohne Abraham Loeb - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, der der erste Führer der Gemeinde Dieburg und eine der prominentesten Persönlichkeiten der Stadt gewesen ist, dem Manne, der früh von dannen gegangen ist, nachdem es ihm gelungen war, sein Lebenswerk, das herrliche Gotteshaus, in seiner Gemeinde zu errichten, verband sie ein so inniges mütterliches Verhältnis, dass es der Außenstehende gar nicht ahnen konnte, dass er nicht Kind ihres Blutes, sondern Sohn ihres Mannes aus erster Ehe war. Die Liebe, die diese Frau beseelte, strahlt in die Gemeinde und in die Umgebung aus und machte sich auf allen Gebieten der Wohlfahrt und Liebestätigkeit bemerkbar. Sie war Begründerin und auch erste Leiterin der Frauenchewrah, sie, die Greisin, war es, die noch bis zuletzt mit jugendlichem Eifer alle Mitglieder zur Erfüllung der Frauenpflichten und Ausübung der Liebestaten geradezu hinriss. Sie war Muster und Beispiel für alle, für Alt und Jung, ein Wahrzeichen aus alter guter Zeit, an dem sich eine neue Generation emporranken konnte. Zum zweiten Male nach dem Tode von Abraham Loeb steht die Gemeinde an der Bahre ihrer Seniorin verwaist da. Mögen die Töne des Trostes, die uns das Pessachfest brachte, nachhallen und sich zur wahren Tröstung für die Familie und für uns alle auswirken. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   

Lehrlingssuche des Manufakturwaren-, (Möbel-) und Ausstattungsgeschäftes Loeb (1897)  

Dieburg Israelit 05101897.jpg (35613 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1897: "Für mein Manufakturwaren- und Ausstattungsgeschäft suche ich einen Lehrling mit guter Schulbildung. Schabbat und Feiertag geschlossen; Kost und Logis im Hause.  
Kaufmann Loeb, Dieburg."
  
Dieburg Israelit 08081901.jpg (38033 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: "Zum 1. Oktober suche für mein an Schabbat und Feiertag geschlossenes Manufaktur-, Möbel- und Ausstattungs-Geschäft einen Lehrling, mit guter Schulbildung. Kost und Logis im Hause. 
Kaufmann Loeb, Dieburg."  

    
Anzeige der Maschinen- und Mehlhandlung Strauß & Dernburg (1903)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1903: "Wir suchen per sofort 
1-2 Lehrlinge 
aus achtbarer Familie, mit guter Schulbildung. 
Strauß & Dernburg
, Maschinen- und Mehlhandlung, Dieburg (Hessen)."   

   
Anzeige des Metzgermeisters Kusel Lorch (1904)
  

Dieburg Israelit 24031904.jpg (19975 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Ein braver Metzgerlehrling auf sofort gesucht. 
Kusel Lorch, Dieburg."     

   
Anzeigen des Mehl-, Frucht- und Futterartikelgeschäftes Wilhelm Heil (1902 /1904) 
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1902
"Lehrling
mit guter Schulbildung, per sofort oder per Januar in meinem Mehl- und Fruchtgeschäft gesucht. Samstags geschlossen. Kost und Logis frei. 
Wilhelm Heil,
Dieburg, Hessen."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1904
"Für mein Mehl-, Frucht- und Futterartikelgeschäft suche einen tüchtigen jungen 
Commis

für Comptoir, Lager und Reise. Samstags und Feiertage geschlossen. Branchekundige Bewerber bevorzugt. 
Wilhelm Heil,
Dieburg (Hessen)."    

  
Junger Mann für den Mehl- und Getreidegroßhandel Kahn & Bär gesucht (1922)    

Dieburg CV-Ztg 23111922.jpg (61738 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (des Central-Vereins) vom 23. November 1922: "Für unseren Mehl- und Getreidegroßhandel suchen wir einen durchaus tüchtigen, intelligenten jungen Mann, der den Chef in seiner Abwesenheit vertreten kann, bei hohem Gehalt. Für diesen Posten eignet sich auch berufwechselnder jüngerer Lehrer, der Lust und Liebe fürs Geschäft hat. 
Bewerbungen an Kahn & Bär, Dieburg (Hessen)."

  
Anzeige von Metzgermeister Simon Lorch (1928)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1928: "Suche per sofort jüngeren 
Metzgerburschen

evtl. auch Lehrling, der seine Lehrzeit unterbrechen musste, nicht ausgeschlossen. 
Simon Lorch  Dieburg/Hessen."   

     
Hochzeitsanzeige von Julius Freudenreich und Anni geb. Wiesenfelder (1929)  

Dieburg Israelit 19091929.jpg (30685 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1929: "Julius Freudenreich - Anni Freudenreich geb. Wiesenfelder. Vermählte
Dieburg (Hessen). Trauung am 25. September, 12.30 Uhr Synagoge zu Dieburg".    

      
Nach der Emigration: Heiratsanzeige von Sol. Schwarz und Hansi geb. Lorch (1942)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 16. Januar 1942: 
"Statt Karten   
Sol. Schwarz  Hansi Schwarz geb. Lorch. 
Vermählte. 10. Januar 1942.  
1131 President Str.  Brooklyn, N.Y.  
(fr. Neunkirchen-Saar)  (fr. Dieburg)."         

      
Nach der Emigration: Todesanzeige für Mina Lorch geb. Salomon (1945)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 20. Juli 1945: 
"Tiefbetrübt geben wir unseren Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass unsere geliebte Mutter 
Mina Lorch geb. Salomon
(früher Dieburg
im Alter von 83 Jahren am 10. Juli nach langem Leiden sanft entschlafen ist. 
Im Namen der trauernden Kinder: 
Hugo Lorch  
35-10  35th Street  Astoria, L.I., N.Y."       

      

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Einige Kennkarten zu Personen, 
die in Dieburg geboren sind
 
 Dieburg KK MZ Birnbaum Martha.jpg (92512 Byte)  Dieburg KK MZ Dernburg Ludwig.jpg (103876 Byte)  Dieburg KK MZ Fuchs Adolf.jpg (94444 Byte)
   Kennkarte (Leipzig) für Martha Birnbaum geb. 
Loeb
(geb. 23. August 1892 in Dieburg, später 
wohnhaft in Leipzig): emigrierte im November 
1939 nach Belgien; am 19. Mai 1944 ab Mechelen
 (Malines) nach Auschwitz deportiert, ermordet. 
 Kennkarte (Darmstadt) für 
Ludwig Dernburg (geb. 7. März 1895 
in Dieburg), Kaufmann  
 Kennkarte (Heidelberg) für 
Adolf Fuchs (geb. 18. Dezember 1886
 in Dieburg), Kaufmann 
   
       
Dieburg KK MZ Fuchs Friederike.jpg (89729 Byte) Dieburg KK MZ Goldschmidt Heinrich.jpg (100283 Byte) Dieburg KK MZ Goldschmidt Siegfried.jpg (98130 Byte) Dieburg KK MZ Hirsch Goldschmidt Julia.jpg (102735 Byte)
 Kennkarte (Frankfurt) für 
Dr. Friederike Fuchs (geb. 10. Januar 1893 
in Dieburg), Lehrerin 
Kennkarte (Buchen) für Heinrich Goldschmidt (geb. 
2. Dezember 1863 in Dieburg, später wohnhaft in
 Adelsheim und Buchen), wurde am 22. Oktober 1940
 in das Internierungslager Gurs deportiert, am 21. Mai
1941 im Internierungslager Recebedou umgekommen 
Kennkarte (Darmstadt) für 
Siegfried Goldschmidt (geb. 
30. Mai 1894 in Dieburg), Kaufmann   
Kennkarte (Leipzig) für 
Julia Hirsch geb. Goldschmidt 
(geb. 23. Februar 1898 in Dieburg)  
      
       
Dieburg KK MZ Kahn Berta.jpg (94416 Byte) Dieburg KK MZ Kahn Lotte.jpg (89133 Byte) Dieburg KK MZ Kraemer Bertold.jpg (90926 Byte) Dieburg KK MZ Krämer Rudolf.jpg (97270 Byte)
 Kennkarte (Frankfurt) für Bertha Kahn geb. 
Strauss
(geb. 9. Januar 1892 in Dieburg, später
 wohnhaft in Frankfurt), wurde am 20. Oktober 1941
 ab Frankfurt in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz)
 deportiert, umgekommen 
 Kennkarte (Dieburg) für Lotte Kahn 
(geb. 16. April 1928 in Dieburg), wurde 
am 25. März 1942 ab Mainz - Darmstadt in 
das Ghetto Piaski deportiert, umgekommen. 
  
 Kennkarte (Frankfurt) für
 Bertold Krämer (geb. 24. Juli 1901 
in Dieburg), Kaufmann  
 Kennkarte (Frankfurt) für Rudolf Krämer (geb. 
2. August 1898 in Dieburg, später wohnhaft in
 Frankfurt), wurde ab Berlin am 17. März 1943 in 
das Ghetto Theresienstadt deportiert, im Oktober
 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz, ermordet 
  
        
Dieburg KK MZ Lehmann Adolf.jpg (92716 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Ilse.jpg (85240 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Lina Lilli.jpg (90383 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Marx.jpg (99836 Byte)
 Kennkarte (Dieburg) für Adolf Lehmann 
(geb. 9. Mai 1878 in Dieburg), Kaufmann, 
deportiert am 25. März 1942 ab Mainz 
über Darmstadt in das Ghetto Piaski, 
umgekommen 
 Kennkarte (Frankfurt) für Ilse Lorch (geb. 25. Mai
 1919 in Dieburg, später in Dieburg und Frankfurt
 wohnhaft), Schneiderin, deportiert am 25. März 
1942 ab Mainz über Darmstadt in das Ghetto Piaski,
 umgekommen  
 Kennkarte (Dieburg) für Lina Lilli Lorch 
(geb. 15. August 1908 in Dieburg) deportiert
 am 25. März 1942 ab Mainz über Darmstadt 
in das Ghetto Piaski, umgekommen  
  
Kennkarte (Dieburg) für Marx Lorch (geb. 
30. August 1883 in Dieburg), Metzger, 
deportiert am 25. März 1942 ab Mainz über 
Darmstadt in das Ghetto Piaski, später KZ 
Majdanek, umgekommen.  
       
Dieburg KK MZ Lorch Mathilde.jpg (91201 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Max.jpg (96585 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Samuel.jpg (99752 Byte)   Zeilhard Reinheim KK MZ Brueckmann GB Dernburg Ludwig.jpg (102263 Byte)
 Kennkarte (Dieburg) für Mathilde Lorch (geb. 
2. November 1892 in Dieburg, später in Dieburg
 und Frankfurt wohnhaft), Hausangestellte, 
deportiert am 20. Oktober 1941 ab Frankfurt in das
 Ghetto Litzmannstadt (Lodz), umgekommen  
 Kennkarte (Dieburg) für 
Max Lorch (geb. 22. Mai 1886 
in Dieburg), Metzger  
 Kennkarte (Dieburg) für 
Samuel Lorch (geb. 3. August 1883
 in Dieburg), Metzger 
  Kennkarte (Darmstadt-Stadt 1939) 
für Ludwig Dernburg
 
(geb. 7. März 1895 in Dieburg), 
Kaufmann 
  
    
       
Dieburg KK MZ Lorch Selma.jpg (92531 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Siegfried.jpg (96068 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Sigrid Silvia.jpg (93925 Byte) Dieburg KK MZ Lorch Simon.jpg (94752 Byte)
 Kennkarte (Frankfurt) für Selma Lena Lorch
 (geb. 27. Oktober 1906 in Dieburg, später 
wohnhaft in Frankfurt), Hausangestellte, 
1942 deportiert und umgekommen. 
 
 Kennkarte (Dieburg) für Siegfried Lorch (geb. 
3. März 1896 in Dieburg, später wohnhaft in 
Dieburg und Frankfurt), Metzger, am 24./26.
 September 1942 ab Frankfurt über Berlin deportiert
 zur Tötungsstätte Raaasiku (b. Reval)
Kennkarte (Dieburg) für 
Siegrid Silvia Lorch (geb. 
15. September 1923 in Darmstadt)  
 Kennkarte (Dieburg) für Simon Lorch II (geb. 
11. November 1875 in Dieburg, später wohnhaft
 in Dieburg und Frankfurt), Metzger und Viehhändler,
 am 22. November 1941 ab Frankfurt nach Kowno
 (Kauen) deportiert, umgekommen  
  
       
Dieburg KK MZ Marx Berta.jpg (97788 Byte) Dieburg KK MZ Mayer Henriette.jpg (94357 Byte) Dieburg KK MZ Miltenberg Adelheid.jpg (100580 Byte) Dieburg KK MZ Rothschild Lina.jpg (100134 Byte)
 Kennkarte (Heidelberg) für Berta Marx geb.
 Lehmann
(geb. 6. Juli 1891 in Dieburg, später
 wohnhaft in Heidelberg), deportiert am 22. 
Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs, 
im August 1942 in das Vernichtungslager 
Auschwitz, ermordet  
 Kennkarte (Heppenheim) für Henriette Mayer 
geb. Lehmann
(geb. 24. Dezember 1874 in 
Dieburg, später wohnhaft in Heppenheim, 
Reichenbach und Darmstadt), deportiert am 27.
 September 1942 in das Ghetto Theresienstadt, 
dort im Januar 1942 umgekommen 
 Kennkarte (Bad Homburg) für 
Adelheid Miltenberg
geb. Lorch
 (geb. 7. Juni 1879 in Dieburg)  
Kennkarte (Dieburg) für Lina Rothschild 
geb. Lorch
(geb. 18. August 1884 in Dieburg),
 deportiert am 25. März 1942 ab Mainz über
 Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen. 
   
  
       
Dieburg KK MZ Rothschild Minna.jpg (94820 Byte) Dieburg KK MZ Salomon Klara.jpg (105731 Byte) Dieburg KK MZ Simon Jeanette.jpg (102072 Byte) Dieburg KK MZ Spanier Rosa.jpg (98958 Byte)
 Kennkarte (Fulda) für Minna Rothschild geb.
Kaufmann
(geb. 5. Mai 1885 in Dieburg, später
 wohnhaft in Fulda), deportiert am 9. Dezember 
1941 ab Kassel in das Ghetto Riga, umgekommen. 
 Kennkarte (Mannheim) für 
Klara Salomon geb. Lorch
 (geb. 2. Februar 1888 in Dieburg) 
  
Kennkarte (Köln) für 
Jeanette Simon geb. Lehmann 
(Frau von Moses Simon)
(geb. 15. Oktober 1864 in Dieburg)  
 Kennharte (Mannheim) für 
 Rosa Spanier geb. Lorch 
(geb. 21. März 1892 in Dieburg) 
  
       
Dieburg KK MZ Sternberg Ida.jpg (100237 Byte) Dieburg KK MZ Strauss Rosa.jpg (90910 Byte) Dieburg KK MZ Wahl Mina.jpg (95516 Byte) Dieburg KK MZ Wertheimer Mathilde.jpg (95273 Byte)
 Kennkarte (Herborn) für
 Ida Sternberg geb. Fuchs 
(geb. 28. Juni 1885 in Dieburg) 
  
 Kennkarte (Heppenheim) für 
Rosa Strauß geb. Strauß 
(geb. 25. März 1870 in Dieburg)  
  
 Kennkarte (Heidelberg) für Mina Wahl geb. Lorsch
 (geb. 14. Juni 1873 in Dieburg, später wohnhaft 
in Sandhausen, deportiert am 22. Oktober 1940 in 
das Internierungslager Gurs, umgekommen)  
 Kennkarte (Berlin) für
 Mathilde Wertheimer geb. Goldschmidt
 (geb. 20. Dezember 1886 in Dieburg) 
   
        

Weitere Karten, Dieburg betreffend: siehe bei Arheilgen,  zwei Karten bei Diemerode
je eine Karte bei Sulzbürg, Darmstadt, Schotten. Sommerhausen, Untergrombach und Kirch-Brombach (nachstehend):
    

  
Suelzbuerg KK MZ Kahn Babette.jpg (93122 Byte)  Darmstadt KK MZ Keller Bertha.jpg (88724 Byte)  Kirch-Brombach KK MZ Katz Hermann.jpg (89304 Byte) Babenhausen KK MZ Kahn David.jpg (100258 Byte) 
KK (Dieburg 1939) für Babette Kahn geb. Neustädter
 (geb. 29. Januar 1889 in Sulzbürg), wohnhaft in 
Dieburg, am 25. März 1942 deportiert ab Mainz -
 Darmstadt in das Ghetto Piaski,
 umgekommen  
  
KK (Dieburg 1939) für Bertha Keller geb. Fuchs 
(geb. 8. Juli 1906 in Darmstadt, wohnhaft in Dieburg,
im September 1943 deportiert in das 
Vernichtungslager Auschwitz, ermordet  
  
   
Kennkarte (Dieburg 1939) für Hermann Katz (geb. 
6. September 1876 in Kirch-Brombach), Kaufmann,
 wohnhaft in Dieburg, am 27. September 1942
 deportiert ab Darmstadt in das Ghetto 
Theresienstadt, wo er am 15. März 1943 
umgekommen ist.    
Kennkarte für David Kahn 
(geb. 24.11.1883 in Babenhausen
Kaufmann in Dieburg)
(deportiert 1942 ab Mainz - Darmstadt 
in das Ghetto Piaski, ermordet  
  
        
        
Schotten KK MZ Lorch Recha.jpg (88629 Byte)  Sommerhausen KK MZ Lichtenstein Ernestine.jpg (93967 Byte)  Untergrombach KK MZ Lehmann Julie.jpg (97159 Byte)  
KK (ausgestellt in Dieburg 1939) für Recha Lorch 
geb. Wallenstein
(geb. 13. Oktober 1880 in Schotten),
 wohnhaft in Frankfurt und Dieburg; am 22. November 1941 deportiert ab Frankfurt nach Kowno (Kauen), 
Fort IX, umgekomme
n            
Kennkarte (Dieburg 1939) für Ernestine Lichtenstein geb. Buchmann (geb. 26. August 1870 in Sommerhausen),
 wohnhaft in Dieburg und Frankfurt, am 
22. November 1941 deportiert ab Frankfurt 
nach Kowno (Kauen), Fort IX, umgekommen     
Kennkarte (Dieburg 1939) für Julie Lehmann
 geb. Karlebach
(geb. 25. April 1883 in 
Untergrombach, wohnhaft in Dieburg, am 
25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt 
in das Ghetto Piaski, umgekommen  
 

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge(n)   
    
Eine Synagoge gab es bereits im Mittelalter: 1389 wird erstmals eine Synagoge ("Judenschule") erwähnt. Sie befand sich in der "Judengasse" (heute Klosterstraße); bei ihr lag der sogenannte "Schulgarten" (1389 genannt). 1429 wird als Bediensteter der jüdischen Gemeinde ein "Schuleklopper" genannt, der die jüdischen Familien auf die Gebets- und Gottesdienstzeiten aufmerksam machte. Wie lange die mittelalterliche Synagoge benutzt wurde, ist nicht bekannt.   
      
Wo bis Ende des 18. Jahrhunderts der Betsaal der jüdischen Gemeinde war, ist nicht bekannt. 1803 richtete die jüdische Gemeinde im Hinterhaus des Gebäudes Zuckerstraße 17/Ecke Badgasse einen Betsaal ein (Zugang von der Badgasse), der allerdings im Laufe der Jahrzehnte für die wachsende Gemeinde zu klein war. 
  
Am 8. Juni 1868 kaufte die jüdische Gemeinde ein altes Patrizierhaus am Markt (Markt 22, später 17; gekauft wurde das gesamte Grundstücke: Hofreite 5,63 ar und Garten 8,09 ar sowie ein Teil des Verbindungswege). Dieses Gebäude war früher im Besitz des Freiherrn von Berberich ("Berberich-Schlösschen"). Das Gebäude wurde 1868/69 nach Plänen von Callmann Lehmann in eine Synagoge mit einer Lehrerwohnung umgebaut. Die Einweihung war am 5./6. Februar 1869. Der Bau war verbunden mit großen finanziellen Opfern der Gemeinde. Noch jahrelang hatte sie die Schulden abzutragen.
    
Mitte der 1920er-Jahre war das zur Synagoge umgebaute ehemalige "Berberich-Schlösschen" allerdings in einen stark baufälligen Zustand geraten:  

Dieburg Israelit 11021926.jpg (17589 Byte)Die Zeitschrift "Der Israelit" meldete am 11. Februar 1926: "Dieburg, 5. Februar (1926). Wie wir erfahren, ist die hiesige Synagoge von der Behörde als baufällig bezeichnet worden. Die schwere Aufgabe, einen Neubau herstellen zu lassen, (Umbau ist nach fachmännischem Urteil unzweckmäßig) ist die vornehmste Sorge der Gemeinde beziehungsweise ihres Vorstandes".  
 
  Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung vom 5. März 1926: "Dieburg. (Synagogenneubau). Die hiesige Synagoge musste wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Die Gemeinde hat daher die Ausführung eines Neubaues vorgesehen, weil die Renovierungsarbeiten sehr umfangreich sein würden und außergewöhnlich hohe Kosten erfordern".   

Der Zustand der Synagoge brachte die jüdische Gemeinde in Dieburg allerdings in größte Bedrängnis. Nochmalige Besichtigungen des Zustandes der Synagoge durch die Behörden ergaben, dass eine Schließung des Gebäudes aus baupolizeilichen Gründen nur eine Frage der Zeit war. Der Gemeindevorsteher Abraham Löb bemühte sich sehr schnell und mit großem Engagement um eine Spendensammlung zugunsten eines Neubaus. Davon berichtete er selbst in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1926.  

Dieburg Israelit 09041926a.jpg (114319 Byte)"Wie bringt man es fertig, heutzutage eine Synagoge zu bauen?"  Der Zahn der Zeit hatte im Stillen seine Wühlarbeit vollbracht und vor einigen Wochen ward der Unterzeichnete in seiner Eigenschaft als Gemeindevorsteher in Dieburg, Hessen, von einer baupolizeilichen Mitteilung überrascht: Die Synagoge ist baufällig!
Unerwartet war nach einer längeren Pause die Feuervisitationskommission wieder erschienen und bei dieser Gelegenheit wurde obige Erscheinung festgestellt. ich konnte mich bei dieser Erklärung nicht beruhigen, ging zu meiner vorgesetzten Behörde, an das Kreisamt und die beauftragte das Bauamt, ein Gutachten auszufertigen. Nachdem die Synagoge von Baurat und Inspektor gründlichst geprüft war, erstattete das Bauamt folgendes Gutachten:
"Wenn auch nicht gerade augenblicklich die Schließung der Synagoge erforderlich erscheint, war doch bei der erfolgten Besichtigung festzustellen, dass das Gebäude baulich so vernachlässigt ist, dass in absehbarer Zeit mit dem Eintritt der Notwendigkeit dieser Maßnahme gerechnet werden muss. Jedenfalls bedarf das Gebäude fortwährender Beobachtung. Am Dachfuß über dem Straßengiebel wäre eine besonders schadhafte Stelle jetzt schon zu sichern. Eine durchgreifende Instandsetzung der Synagoge wird sich nach ihrem schlechten Zustand nicht lohnen, sodass die Gemeinde sich mit dem Gedanken eines baldigen Neubaus vertraut machen muss."
Das Kreisamt verfügte wie folgt: "Von dem durch den Bausachverständigen des Regierungsbaurates bei der Kreisverwaltung Dieburg anlässlich der Besichtigung der Synagoge festgestellten Befund geben wir Ihnen in Abschrift nachstehend Kenntnis. Wir beauftragen Sie, die darin erwähnte schadhafte Stelle am Dach über dem Straßengiebel alsbald sichern zu lassen. Da nach dem Ergebnis der Besichtigung im Hinblick auf den baulichen Zustand der Synagoge mit einer Schließung demnächst gerechnet werden muss, empfehlen wir Ihnen, wegen Beschaffung einer Wohnung für den Lehrer sowie eines Saales für Abhaltung des Gottesdienstes sich mit der Bürgermeisterei ins Benehmen zu setzen."
Dieburg Israelit 09041926b.jpg (130235 Byte)Was tun? Die Synagoge kann nicht mehr repariert, sie kann nicht mehr umgebaut werden; sie ist nur einzig und allein Bauplatz, auf dem eine neue errichtet werden muss. Dies aber kostet Geld, vieles Geld! Wie dies üblich, gingen ich und noch andere Gemeindemitglieder zu befreundeten Stellen, von denen Hilfe zu erwarten war und erhielten zusammen ca. Mk. 12.000. War dies für die heutige Zeit ein schöner Erfolg, so bleib immerhin noch ein mindestens vierfacher Betrag, den wir zusammenbringen müssen, ohne die bedeutende Summe, die die Gemeinde draufzulegen beziehungsweise selbst aufzubringen gezwungen ist.
Ich ging von dem Gedanken aus: Viele wenige geben ein Viel; vereinte Kräfte führen zum Ziel! und bat in einem kurzen, aber überzeugenden Zirkularschreiben versuchsweise über 300 Stellen (Einzelpersonen), die als ideal und verständnisvoll anzusprechen waren; verständnisvoll und hilfreich schon durch ihre Zugehörigkeit zu verschiedenen jüdischen Korporationen, die auf besondere Beachtung Anspruch erheben, appellierte an das Zusammengehörigkeitsbewusstein und bat um eine bescheidende Spende. Das Resultat war mehr als kläglich: Von 300 Stellen schickten 6 Beiträge im ganzen Mk. 42.-. Wenn nur Jeder mir Mk 5.- gesandt hätte, so wären ca. Mk. 1.500 eingegangen.
Wo, so frage ich, wo ist das jüdische Herz, das sonst so gepriesene? ... Kann man kalt und unberührt bleiben, wenn man wahrheitsgetreu einen solchen Fall vorgetragen erhält! Denkt jeder nur an sich selbst?  Zuzugeben ist, dass jeder Einzelne heute mehr Last hat als sonst; aber dessen ungeachtet lassen Theater und Kinobesuch nicht nach, und die Vergnügungsplätze werden nach wie vor frequentiert.
Wenn nur jeder Einzelne einen Theaterbesuch schwinden ließe und den Betrag dafür meinem beziehungsweise unserem hervorragend guten und idealen Zweck zuwenden würde, wäre uns geholfen? Die gesammelten Erfahrungen sind tieftraurig und beschämend. Vielleicht öffnet diese kleine Betrachtung manchem unserer Glaubensgenossen die Augen, greift an sein Herz und trägt dazu bei, auch seine Börse zu öffnen. Die gefälligen Zuwendungen bitte an das Postscheckkonto 61385 Synagogenbaufonds der Israelitischen Gemeinde Dieburg bei dem Postscheckkonto Frankfurt am Main richten zu wollen.    Abraham Loeb.
   
In den folgenden Monaten veranstaltete die Gemeinde weitere Sammlungen für einen Synagogenneubau; man veröffentlichte Hilferufe in Zeitschriften. Auch bei ehemaligen, nach Amerika ausgewanderten Gemeindegliedern bat man um Spenden. Die orthodoxe Zeitschrift "Der Israelit" engagierte sich beim Sammeln von Spenden, doch waren bis Oktober 1926 noch keine ausreichenden Mittel vorhanden, um den Baubeschluss fassen zu können. Über den "Stand der Dinge" wird in einem Artikel in der Zeitschrift der Israelit vom 8. Oktober 1926 berichtet: 
   
Dieburg Israelit 08101926a.jpg (129793 Byte)Eine sterbende Synagoge. "Und für die Männer des Saron betete er /der Hohepriester im Allerheiligsten am Versöhnungstage): Möge es o Gott dein Wille sein, dass nicht ihre Häuser zu ihren Gräbern werden". Wie lebendig und greifbar nahe muss ihm am letzten Jom Kippur bei der Asodah (Gottesdienst) dieser Gebetsatz gewesen sein, dem Vorbeter der Synagogengemeinde zu Dieburg in Hessen nämlich. Musste er doch dabei an seine Synagoge, an seine Gemeinde denken, an seine eigene Behausung, die mit dem Synagogenbau im Versinken begriffen ist. 
Vor einigen Monaten erschien ein Aufruf im "Israelit", der Hilferuf einer Gemeinde, der Notschrei einer Synagoge, die im Sterben ist, aber leben möchte und es ohne Hilfe von Außen nicht kann. Ein Aufruf, wie viele andere. Man las ihn und legte ihn zu den vielen anderen Akten der Not in dieser kritischen Zeit. Worte in Druckerschwärze vermögen wenig zu besagen über die Tragik des Gotteshauses in einer lebenskräftigen Gemeinde, das nicht leben kann und nicht sterben mag.
Dieburg Israelit 08101926b1.jpg (148055 Byte)Nun war ich an einem der Halbfeiertage selbst dort und sah den siechen Steinbau, aus dem eine wunde Seele um Hilfe, um Rettung fleht! Eine graue Fassade, wie das trübe schmerzverzerrte Gesicht eines Todkranken, schaut zur Straße. Dahinter im Hofe die Innenmauern brüchig und bröckelnd an allen Ecken. Dach und Decke senken sich hilflos wie nach letztem Halt suchend. Überall Risse und Spalten, vom Schornsteine bis zur Grundmauer. Das Siechtum hat alle Organe des ganzen hundertjährigen Baues so erfasst, dass örtliche Heilprozesse zwecklos, eine Renovierung unmöglich ist. Eine neue Synagoge muss an Stelle der alten erstehen, soll nicht anders die noch pulskräftige Gemeinde, ohne Zentrum, ohne Lebensnerv selbst in Verfall geraten. Die Baupolizei wacht bereits mit scharfem Auge über die Gefahr und völlige Schließung ist nur eine Frage von Wochen oder Tagen. Was soll geschehen? Die Gemeinde Dieburg zählt heute noch einige und vierzig Familien, unter denen die Steuerzahler, oder gar die kräftigen Steuerzahler gezählt sind. Diese wollen mit ihrer Opferleistung bis zum Äußersten gehen. Sie wollen 25-30.000 Mark aus eigenen Mitteln für den Synagogenbau aufbringen. Das ist ungefähr ein Drittel von den Gesamtkosten. Wer leistet den großen Rest?
Es handelt sich, das sei besonders bemerkt, nicht etwa um eine Gemeinde, die sich eine Synagoge zum Luxus auf Anderer Kosten errichten möchte. Es ist eine Gemeinde, die mit täglichem Gottesdienst, mit gutem Religionsunterricht, mit einer zuverlässigen Schechita, mit fast ungeteilter Sabbatheiligung, mit einem Lehrer, der, aus der alten Würzburg-Höchberger Schule hervorgegangen, seit 35 Jahren im Sinne dieser Schule lehrt und wirkt, mit allen Einrichtungen und Attributen einer frommem Gemeinde, ein Stützpunkt der orthodoxen Landbezirkes von Darmstadt ist. Wie sollte aber der heute noch kräftige Körper weiter leben und gesund bleiben, wenn mit seiner Synagoge das Herz zu schlagen aufhört?!
Dieburg Israelit 08101926b2.jpg (93750 Byte)Wir wissen, es gibt in der großen Stadt näherliegende Not zu lindern, es muss vielfach mit dem Nötigsten ausgeholfen werden. Aber darum sollte uns der Schrei einer guten, ihre Pflicht tuenden Gemeinde nach dem geistigen Brot des Tages nicht unberührt lassen. Wir haben noch Bevorzugte, die von ihrer Zedokoreserven (sc. Zedoko = Wohltätigkeit) ein Mehr für Bleibendes erübrigen. Hier wäre für ein jüdisches Mäzenatentum Gelegenheit geboten, an einem jüdischen Kulturdenkmal mitzuarbeiten, das nicht aus totem Erz und Stein besteht, sondern von dem Leben ausgeht für Land und Stadt. 
Es werden heute alte Synagogen ausgegraben, in Persien, in Kleinasien, sogar in China, man lässt sich etwas dafür kosten. Es wäre am Ende eine ebenso edle Tat, eine noch bestehende Synagoge in noch blühender Gemeinde vor der Verschüttung zu retten. Auch wenn sie in Dieburg bei Darmstadt liegt und nicht in Hongkong in China.
Aber es soll hier kein Vorwurf erhoben, sondern nur die Aufmerksamkeit aller, die es können, auf diesen Punkt gelenkt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass es nur dieser Anregung bedurfte. In Dieburg hat ein tatkräftiger Vorstand, an dessen Spitze auch ein in Frankfurt und anderswo wohlklingender Name steht, die Sache in der Hand. Damit ist auch die Stelle gezeigt, an die materiell begüterte und ideal veranlagte Interessenten zum Zwecke dieser Wiederaufbauarbeit im schönsten Sinne sich wenden möchten.  

Die vielfältigen Bemühungen sollten Erfolg haben. Der mit der Dieburger Gemeinde verbundene Konsul a.D. Basch unternahm eine Reise nach Amerika, um persönlich Beiträge zu sammeln, die Stadtverwaltung sagte die kostenlose Lieferung des Bauholzes zu, weitere Spenden ging ein, sodass 1928 mit dem Bau begonnen und dieser 1929 abgeschlossen werden konnte. Ein Architektenwettbewerb war ausgeschrieben worden. Der Entwurf des Architekten Emanuel Josef Margold, der nicht verwirklicht wurde, ist 1929 in einem Artikel in der Zeitschrift "Menorah" (Jahrgang 1929, S. 279) vorgestellt worden:

Dieburg Synagoge 020.jpg (38418 Byte) Dieburg Synagoge 021.jpg (47192 Byte) Links: Der nicht verwirklichte Entwurf des Architekten Emanuel Josef Margold
   
Dieburg Menorah 1929 279f.JPG (109751 Byte)Erläuternde Bemerkungen zu dem Entwurf der Synagoge in Dieburg. Die Aufgabe, die diesem Projekt zugrunde liegt, lag darin, auf dem jetzigen Platz der alten Synagoge in Dieburg, einer kleinen Kreisstadt in Hessen, einen einfachen, aber immerhin repräsentativen Neubau erstehen zu lassen. Der Grundriss gliedert sich in der Hauptsache um den nach Osten gelegenen Großen Betraum, im Verfolg daran den Kleinen Betraum, anschließend die Schul- und Amtsräume der israelitischen Gemeinde. Es ist selbstverständlich, dass eine derartige Aufgabe nur nach dem Gesetz der Sachlichkeit gelöst werden kann. 
Der Große Betraum liegt vertieft, die Betreihen steigen emporenartig an. Der Almemor (= Toraschrein) nach Osten gerichtet, auf Stufen erhöht, dahinter die Orgel eingebaut, wodurch die Mystik gesteigert wird. Das Ganze in Gold mit roten und tiefblauen Farbabstufungen, Betreihen ebenfalls rot, der Fußboden in großen schwarz-weißen Marmorplatten, die teilweise durchbrochen sind für die Zuführung der im Keller befindlichen Warmluftheizung. Die Decke glatt gestuckt, mit Goldfolien belegt und schelllackiert. Garderoben und Waschräume sowie die Eingänge zur Synagoge getrennt nach Geschlechtern,  wobei für die Frauen eine eigene Galerie vorgesehen ist, die vom Betraum durch eine goldene Grillage abgetrennt ist. 
Der große Betraum ist durch zwei Stockwerke durchgeführt und befindet sich anschließend rechts der große Sitzungs- und Versammlungsraum der Gemeinde, links davon der Trausaal. Anschließend daran der kleine Betraum für Wochentage mit einer eigenen Abteilung für Frauen. In diesem Stockwerk befinden sich noch die Amtszimmer des Rabbiners, im zweiten Stockwerk die Wohnung desselben. Das Lehrzimmer befindet sich im Parterre.  
Die Architektur spricht ebenfalls eine einfache und würdige Sprache, wobei vorgeschlagen wurde, die Fassade Bockhorner Klinker, blau verfugt, auszuführen. Die beiden Eingänge werden durch silberne Laternen im Zeichen des Magen David besonders gekennzeichnet. 
Architekt Emanuel Josef Margold.

Ausgeführt wurde der Entwurf des Architekten Dipl.-Ing. Rudolf Joseph aus Wiesbaden. Er hatte eine Synagoge in modernstem Stil erstellt. 124 Männer und 80 Frauen sollten in dem Gebäude Sitzplätze haben. Der Architekt begründete den Stil seines Gebäudes so:

"Formal habe ich versucht, zeitlos und dennoch modern zu bauen. Jedes Ornament ist dem Wechsel der Zeiten unterworfen, darum ließ ich's weg. Ein Bau hängt in seiner Wirkung niemals vom Zierrat, sondern nur von anständigen Proportionen ab. Ob dies gelungen ist, darüber müssen andere urteilen, das ist nicht meine Sache".
(Weiteres zur Architektur und zur Diskussion bei Hammer-Schenk s.Lit.). 

Vom 7. - 9. Juni 1929 konnte mit einem großen Fest der ganzen Stadt die Einweihung der neuen Synagoge gefeiert werden.   

Dieburg Israelit 30051929a.jpg (76713 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1929: "Dieburg, 27. Mai (1929). Der Ehrentag der kleinen Gemeinde naht heran. Am Sonntag, den 9. Juni, wird die unter vielen Opfer neu errichtete schöne Synagoge eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Feierlichkeiten beginnen schon am Freitag Nachmittag mit der Überführung der Torarollen in das neue Gotteshaus und einer Weiherede des Herrn Rabbiner Dr. Merzbach aus Darmstadt. Am Samstag ist Festgottesdienst und Predigt. Die Akademische Feier, unter Mitwirkung des Synagogenchors der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft, zu der auch viele Gäste von auswärts erwartet werden, findet Sonntag, den 9. Juni, mittags 1 Uhr statt. Für Samstag- und Sonntagabend sind gesellschaftliche Zusammenkünfte vorgesehen."    
      
Dieburg Israelit 13061929.JPG (165065 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1929: Einweihung der neuen Synagoge in Dieburg. Dieburg, 9. Juni (1929). Das schöne, saubere Städtchen Dieburg feierte ein Fest, von dem noch Generationen in der Gemeinde und Umgebung sprechen werden. Schon Freitag Mittag ging die eigentliche Einweihung und Übergabe mit Festzug, Hakofaus und Festpredigt des Herrn Rabbiner vor sich. Am Sonntag fand man sich zum Akademischen Weiheakte.
Helle Sonne brach sich in den ersten Morgenstunden aus dem grauen Nebel. Der Marktplatz prangte im Fahnenschmuck. Auch die nichtjüdischen Häuser in der Nähe gaben auf diese Weise ihrer freudigen Teilnahme am Feste der Juden in Fahnen und Farben Ausdruck. Die Straßen trugen festliches Antlitz. Jeder Zug brachte neue Gäste und die Autos sausten in langen Reihen aus allen Zufuhrstraßen. Alles strömte dem neuen Gotteshause zu.
Ein schöner, schmucker Bau, nach allen Gesetzen der strengen Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit von Herrn Architekten Rudolf Joseph ausgeführt. Über der heiligen Lage vermitteln zehn steile, bunte Fensterstreifen das Sonnenlicht. Im Raume selbst keine Säulen und keine Seitenfenster, nichts, was ablenkt, alles ist auf Einheitlichkeit und Sammlung berechnet. Almemor in der Mitte, die Frauengalerie in Nischen geteilt. Ewige Lampen zum Andenken an die Gefallenen, prachtvoller Porauchesschmuck (= Toraschreinvorhänge) u.v.m. zeugen noch besonders vom Opfersinn der Gemeinde und einzelner Mitglieder.
Punkt 3 Uhr setzte der Synagogenchor der Frankfurter Israelitischen Religionsgesellschaft unter Leitung des Herrn Neumann mit einem brausenden Mah towu (= "wie lieblich...") ein. Die Synagoge, die oben und unten zusammen etwa 180 Plätze hat, ist bis zu den Ausgängen gesteckt voll. Die hellen Knabenstimmen und die prächtigen Tenöre und Bässe, abgetönt und im Schwunge gehalten vom Dirigentenstab, hüllen den ganzen Raum in eine Woge von Gesang und Andacht. Ein Solopsalmgesang des Herrn Kantor Frankfurt folgt, und weitere Chorgesänge des Aus- und Einhebens schließen den ersten Akt ab.
Dieburg Israelit 13061929an.JPG (342186 Byte)Nun betritt Herr Provinzialrabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, die Kanzel zu einer tief in die Herzen gehenden Weiherede. Die Bedeutung des Gotteshauses liege darin, dass man Gott hier finde und ihn ins Leben hinaustrage. Das "da lifnei mi ata omed" (= "erkenne, vor wem du stehst") sei ein Motto des Alltags. Die Tora, die auf dem Tische in der Mitte des Raumes vorgetragen werde, sei Mittelpunkt im Gottes- wie im Familienhause. Keine drei Tage ohne Tora, und bei jedem freudigen oder traurigen Anlass gibt es eine "Aliah", einen Aufstieg zur Torahöhe. Mit Hinweis auf die Bedeutung des ersten Siwan klingt die Weiherede in Segenswünschen für Gemeinde und Gemeinschaft aus. 
Der hochverdiente Vorsitzende, Herr Abraham Löb, der für den Synagogenbau Jahre hindurch seine beste Kraft einsetzte, hat das zweite Wort. Er dankt in bewegenden Worten zunächst Gott, dann verlas er eine große Liste von Namen in- und außerhalb der Gemeinde, (insbesondere auch den eines Herrn Konsul Basch, der in Amerika für den guten Zweck Geld gesammelt), denen die Gemeinde tiefen Dank schuldet. Er begrüßt die Ehrengäste, unter denen sich Vertreter der Regierung, der Staats- und der Stadtbehörden, der Geistlichkeit beider Konfessionen, der Lehrerschaft und vieler jüdischer Körperschaften befinden. Er denkt auch der gefallenen Helden, von denen flackernde Lichtflämmchen zeugen und schließt mit einem wirkungsvollen Appell zu Frieden und Eintracht innerhalb der Gemeinde und darüber hinaus unter den Konfessionen.
In tiefer Dankbarkeit spricht der Lehrerveteran, Herr Kaufmann, der beinahe ein halbes Jahrhundert in der alten Synagoge als Vorbeter gewirkt und die Gemeinde geistig geführt hat. Der für die Gemeinde und den Synagogenbau ebenfalls sehr verdiente zweite Vorsitzende, Herr Bär, zollt Herrn Abraham Löb Dank für seine beispiellose Aufopferung und erwähnt auch in Verehrung dessen Mutter, die ehrwürdige Matrone Henriette Löb, die vor kurzem ihren 80. Geburtstag gefeiert hatte und eine Mutter der Gemeinde, ein wahres mütterliches Interesse der neuen Synagoge zuwendet. Herr Baumeister Joseph dankte dem Vorstand und seinen Mitarbeitern und preist das Interesse der ganzen Gemeinde am wachsenden Bau. Ist doch ein Achtzigjähriger (Herr Löb Lorch), auf das Dach gestiegen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Er bittet die Behörden, der Gemeinde bei der Durchführung der weiter geplanten Bauten behilflich zu sein, was der Regierungsvertreter sofort in einer überaus herzlichen Ansprache verspricht. Ebenso herzlich spricht der Herr Bürgermeister von Dieburg, aus dessen Mund man erfährt, dass die Stadt Dieburg alles Holz für den Synagogenbau gratis geliefert hat. An dem schönen Frieden, der in Dieburg unter den Konfessionen herrscht, sagt er ferner, haben die Herren Abraham Löb und Lehrer Kaufmann den größten Anteil.
Nun erlebt man ein kleines Wunder. Auf der Kanzel steht ein katholischer Geistlicher, der Dekan der katholischen Gemeinde, ein älterer Herr mit guten Augen, den grauen Kopf mit einem Rabbikäppchen bedeckt, und spricht schlicht und ungezwungen, aber mit ehrlicher Begeisterung vom "Festhalten der jüdischen Gemeinde an der Tauroh" (er sagt nicht Tora, sondern "Tauroh"), vom Bekenntnis zu Haschem" (= Gott), von der symbolischen Bedeutung des "Jad" und des "Taß" an der Torarolle. Die Frömmigkeit und Gläubigkeit der jüdischen Gemeinde sei als Muster hervorzuheben usw. Und nach ihm, in Zylinder und Schwarzrock, der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, der Jakob-Israel nennt und dessen tiefes Erleben nach dem Traume, da er ruht: "Es ist dies ein Gotteshaus, und hier die Pforte des Himmels!", zum Erleben dieser Stunde macht. Als jetzt ein Frankfurter Laienredner (S. Schachnowitz) auf die Kanzel trat, die Worte der beiden Geistlichen auffing, sie zusammenfassend in ihrer allertiefsten Bedeutung gar mit einer schönen Midraschparabel illustrierte, erschollen spontane Beifallskundgebungen in den Ernst der Feierstunde. 
Es sprachen noch ferner ein Vertreter des Kreisschulamtes, ein am Bau beteiligter Handwerker, ein Delegierter der Starkenburg-Loge in Darmstadt und der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgesellschaft in Darmstadt, zugleich im Namen des Darmstädter Landesverbandes. Der Vorsitzende dankte noch Herrn Neumann und dem Synagogenchore, der diesen Dank mit einem herrlichen Jigdal-Gesang quittierte. Damit war der Weiheakt zu Ende.
Sonntag Abend fanden die Feierlichkeiten noch mit einer zweiten gesellschaftlichen Veranstaltung ihr Ende. Nun hat die Gemeinde ihre Synagoge, die täglich, morgens und abends, Sabbat für Sabbat, zu einem Feste läst. Möge die Gemeinde unter diesem Zeichen und unter ihren tapferen Führern wachsen und gedeihen!  
  
Weiterer Bericht zur Einweihung in der Zeitung des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.V,"
Dieburg CV Zeitung 14061929.JPG (61409 Byte)Bericht in der CV-Zeitung vom 14. Juni 1929: "Am Sonntag, 8. Juni, wurde in Anwesenheit der staatlichen Behörden, der Vertreter der drei Konfessionen und unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung die neue Synagoge in Dieburg eingeweiht, zu der die Mittel durch die unermüdliche Tätigkeit des Gemeindevorstehers, unseres langjährigen Ortsgruppenvorsitzenden Abraham Löb, aufgebracht worden waren. In allen Ansprachen kam das außerordentlich gute Einvernehmen zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung zum Ausdruck. Unser Landesverband Hessen-Nassau war durch seinen Syndikus bei der Feier vertreten. Besonders angenehm berührte der Hinweis des protestantischen Geistlichen, dass er die Nöte und unberechtigten Kämpfe der deutschen Juden seit Jahren aus unserem Organ kenne und verfolge."

Da über die gesammelten Spenden zur die Hälfte der Baukosten eingegangen war, musste die jüdische Gemeinde zur Finanzierung der Bauschuld verschiedene Hypotheken aufnehmen; von der Hessischen Landesbank bekam sie ein Darlehen. Da in der NS-Zeit die Restschulden nicht mehr zurückbezahlt werden konnten, beantragte die Bezirkssparkasse Groß-Umstadt eine Zwangsversteigerung der Synagoge. Die Stadt Dieburg ersteigerte das Gebäude für 2.000 Reichsmark. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch die Standarte 186 der SA-Brigade 50 (Starkenburg) demoliert. Das Gebäude wurde auf Grund der Eigentumsverhältnisse (inzwischen städtischer Besitz) nicht zerstört. Ein geringer Teil der Ritualien (Toramäntel) konnte sichergestellt und später in die USA gebracht werden. Im Februar 1939 wurde die Fassade der Synagoge verändert. Die zum Marktplatz vorspringende Apsis des Toraschreines wurde abgebrochen und an seiner Stelle Fenster eingefügt. Vor dem Gebäude wurden Pappeln gepflanzt, um das Gebäude dahinter zurücktreten zu lassen. Im März 1940 wurde das Gebäude von der Stadt für monatlich 125 RM an den Reichsarbeitsdienst vermietet. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde es als Magazin und für Werkstätten verwendet. 

Nach 1945 wurde die Synagoge für die im Bereich der Stadt Dieburg lebenden mehrere hundert jüdischen DPs (Displaced Persons) wiederum hergerichtet. Am 29. Juli 1947 wurde das Gebäude nach 50.000 Mark kostenden einer Renovierung wieder als Synagoge geweiht.  

Dieburg Synagoge 014.jpg (97769 Byte)Die Zeitung "Darmstädter Echo" berichtete am 2. August 1947 über die erneute Einweihung, an der etwa 2.000 Personen teilnahmen: Neue Synagoge in Dieburg. Dr. Newman und Prof. Bergsträßer bei der Einweihungsfeier. Die vierte Synagoge in Hessen wurde am Dienstag in Dieburg durch den jüdischen Armeegeistlichen W. Z. Dalin vom amerikanischen Luftwaffenhauptquartier in Wiesbaden eingeweiht. Neben den jüdischen Mitgliedern der Gemeinde Dieburg wohnten zahlreiche amerikanische und deutsche Ehrengäste der Feier bei. Der Direktor der Militärregierung für Hessen, Dr. Newman sagte in seiner Ansprache, die Mission der Amerikaner in Deutschland sei erfüllt, wenn alle Menschen gelernt hätten, tolerant gegeneinander zu sein. Der Berater General Clays in jüdischen Angelegenheiten, Richter Levintal, überbrachte die Grüße der in den Vereinigten Staaten lebenden Juden und des amerikanischen Volkes. In Vertretung des hessischen Ministerpräsidenten überbrachte Regierungspräsident Prof. Dr. Bergsträßer die Grüße und Glückwünsche der hessischen Regierung. Der Chef des Verschlepptenlagers Dieburg, Moritz Weinroth, dankte den deutschen Behörden für die tatkräftige Unterstützung, die sie der jüdischen Gemeinde beim Aufbau der Synagoge gewährten.

Nach nur einem Jahr Wiederbenutzung wurde die Synagoge 1948 wieder geschlossen. Fast alle der Displaced Persons waren nach Gründung des Staates Israel ausgewandert. Wenig später wurde die Synagoge als Möbellager (nach 1952), für Wohnungen und als Kino. 1965 wurde die ehemalige Synagoge abgebrochen. An ihrer Stelle wurde ein Supermarkt erstellt. Die letzten Reste der ehemaligen Synagoge verschwangen mit dem Abbruch dieses Supermarktes 1986. Auf dem Synagogengrundstück wurde 1988 ein Gebäude der Sparkasse erstellt. An diesem Gebäude wurde eine Hinweistafel zur Geschichte des Grundstückes und der Synagogen angebracht (siehe Foto unten).  
  
  
Adresse/Standort der SynagogeSüdwestecke des Marktplatzes (Markt 17)   
   
   
Fotos
(Quellen: Die historischen Fotos sind veröffentlicht in: Arnsberg Bilder - Dokumente S. 45 (A); Hammer-Schenk Synagogen Bd. II Abb. 486-489 (H); Ehrhard usw. Internet mit Quellenangabe: Keim s. Lit. (K); die meisten Darstellungen/Fotos finden sich im Original im Stadtarchiv Dieburg und im Leo Baeck Institute New York; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009)

Gebäude mit Betraum von 1803-1869 in der Zuckerstraße 17  
Dieburg Synagoge 802.jpg (87225 Byte) Dieburg Synagoge 801.jpg (65862 Byte) Dieburg Synagoge 800.jpg (75262 Byte)
Das mittelalterliche Haus Zuckerstraße 17,
 in dessen Hinterhaus der Betsaal
 eingerichtet war
Gebäude mit Hinterhaus und Hinweistafel mit Text: "Zuckerstraße 17, 
erbaut um 1470... Während des 19. Jahrhunderts im Hinterhaus Stall, 
Schlachthaus und zwischen 1803 und 1869 jüdischer Betraum".  
        
Die alte Synagoge von 1868/69    
Dieburg Synagoge 006.jpg (22048 Byte) Dieburg Synagoge 005.jpg (31672 Byte) Dieburg Synagoge 0502.jpg (38196 Byte) Dieburg Synagoge 002.jpg (44448 Byte)
Die Baupläne für die 
Synagoge 1868 (K)
Die im Juni 1869 eingeweihte Synagoge 
(A, K) - umgebautes ehemaliges
 "Berberich-Schlösschen"
Abbruch der alten Synagoge 1929, im
 Hintergrund bereits der Neubau (K)
      
     
Bauplan und Modell 
der neuen Synagoge
Dieburg Synagoge 009.jpg (96684 Byte) Dieburg Synagoge 001.jpg (108708 Byte)
     Grundriss der Synagoge, links das
 Obergeschoss mit der Frauenempore (H)
Das von Architekt Rudolf Joseph erstellte 
erste Modell der neuen Synagoge (H, K)
     
Dieburg Israelit 13061929fo.jpg (101575 Byte) Dieburg Synagoge 003.jpg (36986 Byte) Dieburg Synagoge 0501.jpg (44808 Byte) Dieburg Synagoge 004.jpg (30765 Byte)
Die 1928/29 erbaute Synagoge - Blick von Osten auf die Apsis mit dem Toraschrein 
(rechts A, H, K, links Zeitschrift Israelit 13.6.1929)
Einweihung der 
Synagoge (K)
   
Dieburg Synagoge 007.jpg (29995 Byte) Dieburg Synagoge 008.jpg (37953 Byte) Dieburg Modell 01.gif (39640 Byte)
Innenansicht der Synagoge - Blicke zum Toraschrein (rechts H, beide bei K) Modell der Synagoge der
  Forschungsgemeinschaft für jüdische Architektur Bet Tfila  Modell  
 
       

Modell der Synagoge: im Februar 2009 wurde ein Modell der Dieburger Synagoge von dem Modellbauer Bastet nach Dieburg gebracht und dem Verein "Freunde und Förderer Museum Schloss Fechenbach Dieburg e.V." übergeben. Zu der Sonderausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg" wird das Modell offiziell vom Verein dem Museum als Geschenk übergeben werden und in einem der Dauerausstellungsräume seinen Platz finden. Quelle: Website des Vereins "Freunde und Förderer Museum Schloss Fechenbach Dieburg e.V."  

 
Dieburg Synagoge 455.jpg (31450 Byte) Dieburg Synagoge 456.jpg (28850 Byte) Dieburg Synagoge 452.jpg (57253 Byte)
Ansicht des Synagogenmodells (Synagoge von außen) Innenansicht
     
Dieburg Synagoge 451.jpg (52703 Byte) Dieburg Synagoge 450.jpg (31525 Byte) Dieburg Synagoge 454.jpg (33533 Byte)
Blick zum Toraschrein Im Betsaal der Männer
     
Nach 1945 (Quelle für obere Zeile: 
Digitales Archiv des Hessischen Staatsarchives Darmstadt)
   
Dieburg Synagoge 012.jpg (39510 Byte) Dieburg Synagoge 015.jpg (43321 Byte) Dieburg Synagoge 013b.jpg (51683 Byte)
Die Synagoge 1946 Programm der Einweihung der Synagoge in Dieburg am 29. Juli 1947 
   
Nach der endgültigen Schließung der Synagoge 
nach 1952 / nach 1965 
(Quelle: Keim s.Lit.)
Dieburg Synagoge 010.jpg (20226 Byte) Dieburg Synagoge 011.jpg (12900 Byte)
   1952: Aus der Synagoge wurde ein
 Möbelgeschäft - die Mauern der
 Synagoge sind noch sichtbar.
Der nach 1965 erbaute Einkaufsmarkt 
an Stelle der Synagoge 
(Foto um 1970). 
      
      
Das ehemalige Synagogengrundstück 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009)
Dieburg Synagoge 904.jpg (65121 Byte) Dieburg Synagoge 903.jpg (157032 Byte)
     

Text der Tafel: "Dieburg, Markt 17  -  Auszug aus der wechselvollen Geschichte dieses Platzes, die über Jahrzehnte durch das religiöse Leben der ehemaligen jüdischen Gemeinde geprägt wurde.  
vor 1760 Barockhaus des Kurmainzer Rates Haberkorn.   
bis 1793  Berberich-Schlösschen. Landsitz der kaiserlich-Taxisschen Oberpostmeister Freiherren von Berberich  
1868 Erwerb durch die Israelitische Gemeinde, Umbau zur Synagoge.   
9.6.1929  Einweihung des im Bauhausstil errichteten Synagogenneubaus. Die jüdische Gemeinde umfasste damals 175 Personen. 
Nach 1933 ging die Zahl unter dem Druck des Nationalsozialismus stark zurück.  
1937 Erwerb durch die Stadt Dieburg im Zwangsversteigerungsverfahren. Vermietung als Verwaltungs- und Lagergebäude.   
29.7.1947  Wiedereinweihung der Synagoge.  
1951 Übertragung des Eigentums auf die Nachfolgeorganisation jüdischer Gemeinden IRSO Inc. New York / Frankfurt  
1952 Verkauf, Umgestaltung zum Möbelgeschäft.  
1957 Weiterverkauf, Ausbau als Lichtspieltheater.  
1965 Abbruch, Neubau eines Supermarktes.   
1988 Neubau der Sparkasse Dieburg."

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
  

März 2009Ein "Gedankenstein" soll im Fechenbachpark als Erinnerung an die jüdischen Familien Dieburgs aufgestellt werden.    
Artikel vom 7. März 2009 im "Dieburger Anzeiger" (www.da-imnetz.de; Artikel)  
Gedankenstein erinnert an die jüdischen Familien Dieburgs. 
Dieburg - Eine Familie geht fort. Alle sind solide gekleidet, der Vater trägt Koffer und Regenmantel, die Mutter feste Schuhe und einen Rucksack. 
Aber wohin geht die Reise der vier Personen, von denen nur das kleine Kind auf dem Arm der Frau zurückblickt - dem Betrachter ins Gesicht?..."
 
Juni 2009: Vereinsgründung um Zusammenhang mit der Verwirklichung des "Gedankensteines geplant. 
Artikel vom 18. Juni 2009 im "Dieburger Anzeiger" (www.da-imnetz.de; Artikel)       
Relief soll im Fechenbachpark an vertriebene jüdische Familien Dieburgs erinnern. Schritte zum Gedankenstein.  
Dieburg -
(mj) "Unsere Vereinsgründung steht kurz bevor", sagt Michael Maschek und spricht damit die wichtigste Entwicklung der letzten Zeit an. "Hätten wir uns anderen Vereinen oder Gruppen angeschlossen, gäbe es vielleicht steuerliche Restrisiken wegen der Spendeneinnahmen."..."  
Wer sich am PC ein Bild machen will vom künftigen "Gedankenstein", hat dazu im Internet die Gelegenheit: http://www.gedankenstein-dieburg.de 
   
August 2009: Ausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg" wird am 2. September 2009 eröffnet   
Artikel im "Dieburger Anzeiger" (www.da-imnetz.de; Artikel)    Jüdisches Leben lebt wieder.   
Dieburg -
Am Mittwoch, 2. September, eröffnet Bürgermeister Dr. Werner Thomas die Sonderausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg" im Museum Schloss Fechenbach. Die als Wanderausstellung konzipierte Schau, die auch an Schulen und weitere Institutionen entliehen wird, soll die Bedeutung von über 600 Jahren jüdischen Lebens in der Stadt Dieburg veranschaulichen..."   
      
September 2009: Ausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg" ist eröffnet   
Artikel vom 5. September 2009 von Laura Hombach in www.da-imnetz.de:    
Im Lichtschein der Synagoge
Dieburg - Ein Grabstein mit hebräischer Inschrift zieht sich wie ein roter Faden - von der Einladung bis zu den Bildhintergründen der Texttafeln - durch die Ausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg", die am Mittwochabend im Museum Schloss Fechenbach eröffnet wurde..."    
   
Dezember 2009: Filmdokumentation im Rahmen der Ausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg"      
Artikel in der "Frankfurter Rundschau" (fr-online.de, Artikel): "Dieburg. Damals im Café Goldschmitt. 
Zur derzeitigen Ausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg" im Schloss Fechenbach gibt es jetzt auch eine Filmdokumentation zu sehen. Sie besteht aus Interviews, die vor allem den letzten Abschnitt jüdischen Lebens in Dieburg bis zur Vertreibung und Ermordung der jüdischen Mitbürger nach der Machtergreifung Hitlers 1933 behandeln..."   
  
Dieburg Ausstellung 020.jpg (50935 Byte)Plakat zur Ausstellung "Jüdisches Leben in Dieburg", die vom 3. September 2009 bis 6. Januar 2010 im Museum Schloss Fechenbach stattfand.

 

 
April 2016: Präsentation von Architekturmodellen der Synagogen und anderer Gebäude in Dieburg  
Artikel von Reinhard Jörs in echo-online.de vom 22. April 2016 (nur in Auszügen zitiert): "Einblick in die Geschichte der Juden in Dieburg. DIEBURG - Dieburg ist eine Stadt mit langer Geschichte, zu der über sechs Jahrhunderte jüdische Mitbürger gehörten. Sie hatten mittendrin, am Markt, ihr beeindruckendes Gotteshaus. In Modellen und einem Vortrag werden die Dieburger Synagogen und Teile des früheren Marktplatzes nun von Delp-Schülern und ihrem Lehrer wieder hergestellt.
Am Mittwoch, 27. April, um 19 Uhr wird im Museum Schloss Fechenbach eine kleine Präsentation mit Architekturmodellen eröffnet, die von Schülern der Alfred-Delp-Schule in Dieburg im Kunstunterricht angefertigt wurden. Die Schüler haben sich mit dem Dieburger Marktplatz beschäftigt und die Situation ums Jahr 1928/29 rekonstruiert...  Zu sehen gibt es die alte Synagoge (gestaltet von Henrik Becker), die wegen Baufälligkeit 1928 abgerissen werden musste und die neue Synagoge (Jan Hendrik Krumbach und Leon Schnaut), die die NS-Gewaltherrschaft und den Krieg überstanden hatte, allerdings nicht die spätere Nachkriegszeit...
In der Ausstellung der Schüler sind zudem Fachwerkhäuser (erstellt von Jan Hölschke) an der Stelle der heutigen Volksbank zu sehen, ferner der Mainzer Hof (Barbara Chan), die alte Schmiede und der „Kaufmann Loeb“ (Kristina Splanemann und Marcel Hussain), wo die heutige Bücherinsel ist. Fotos und Pläne aus Büchern zur Dieburger Geschichte, Recherchen im Dieburger Stadtarchiv mit hilfreicher Unterstützung durch Stadtarchivar Jona Ostheimer und im Internet waren die Grundlage für den Bau der Modelle aus drei Millimeter Finnpappe. André Gensert entwickelte am Computer ein dreidimensionales Bild des ersten Entwurfs für die neue Synagoge, von dem nur ein Modellfoto erhalten ist, und gestaltete das Plakat zur Veranstaltung... Kursleiter Rolf Peters wunderte sich bei den Recherchen, dass die Dieburger Synagogen ihren Platz direkt am Marktplatz hatten, wo doch Gotteshäuser anderer Religionen heutzutage oftmals eher in den Randzonen der Städte zu finden seien. Er ging dieser Frage nach und forschte auch über den Architekten der Neuen Synagoge Rudolf Joseph, der nahezu unbekannt ist. Joseph wurde 1893 in Pforzheim geboren, lebte und arbeitete in Wiesbaden und emigrierte 1933 über Paris nach New York, wo er 1963 starb. Seine Schwester Mely Joseph stellte 1914 in Darmstadt bei der letzten großen Ausstellung auf der Mathildenhöhe aus und tötete sich 1920 in Berlin selbst.
Wann und wo Die Ausstellung im Schloss Fechenbach beginnt am Mittwoch, 27. April, um 19 Uhr. Zur Eröffnung wird Kunstlehrer Rolf Peters die Ergebnisse seiner Recherchen in einem Vortrag vorstellen. Der Eintritt ist frei."
Link zum Artikel       

    

   
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Dieburg  
Jennifer Ehrhard/Mareike Dubbel/Andrea Koch: Präsentation zur Synagoge in Dieburg 
Digitales Archiv des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt mit Dokumenten und Fotos zu den jüdischen Flüchtlingen in Dieburg 1946/48
Seite zum jüdischen Friedhof in Dieburg (interner Link)
Artikel "Dieburg in der NS-Zeit" bei wikipedia 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Dieburg 

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 163; III,1 S. 225-229.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 1 S. 134-137.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 45.
Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Teil I S. 528-531; Teil II Abb. 486-489.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 125-126.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 110.
Günther Keim: Beiträge zur Geschichte der Juden in Dieburg. 1993.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 33-34.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 163-166. 
Dieburg Lit 150.jpg (41451 Byte)Günter Keim: Beiträge zur Geschichte der Juden in Dieburg. Hrsg. vom Magistrat der Stadt Dieburg. Dieburg 1993. 340 S. mit zahlr. hist. Photoaufnahmen.  

  
   


 
 
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Dieburg Hesse. Established in the 14th century, the community numbered 175 (3 % of the total) in 1910. Its new Orthodox synagogue (1929), registered as town council property, was not destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938). Of the 159 Jews living there in 1933, 90 had emigrated by May 1939; 16 others were eventually deported. A 1.000-strong community of Polish Jews existed in Dieburg after Wordwar II; most emigrated to Israel. 
    
      

                   
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Stand: 23. April 2016