Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

 
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
zur Übersicht "Synagogen im Landkreis Alzey-Worms und Stadtkreis Worms  
  

Pfeddersheim (Stadt Worms, Rheinland-Pfalz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In der mittelalterlichen Stadt Pfeddersheim lebten bereits vor 1444 Juden. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt durch Geldverleih. 1470 wurden die Juden vertrieben.
 
Seit Mitte des 16. Jahrhunderts zogen wiederum einige jüdische Personen zu. Seit 1648 lebten bis in die 1930er-Jahre kontinuierlich jüdische Personen am Ort (1722 4 Familien, 1806 9 Familien, Höchstzahl um 1861 mit 75 Personen, 3,5 % der Gesamteinwohnerschaft). Um 1650, vermutlich 1652 wurde von fünf jüdischen Männern aus Pfeddersheim die jüdische Gemeinde Mannheim gegründet. Die Zahl der Juden in Pfeddersheim blieb insgesamt gering. Anfang des 19. Jahrhundert gehörten sie zur Wormser Gemeinde. 

Erst 1834 beantragten die Pfeddersheimer Juden die Bildung einer eigenen Religionsgemeinde. 

1832 wurde ein Friedhof angelegt, 1843/44 eine Synagoge erbaut. Seitdem gehörten die in Pfiffligheim lebenden jüdischen Einwohner zur Gemeinde in Pfeddersheim. In der Anzeige von 1891 wird von der "Israelitischen Gemeinde Pfeddersheim-Pfiffligheim" gesprochen. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Worms. 
 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner am Ort stark zurück, sodass die Gemeinde um 1920 aufgelöst werden musste: 1900 wurden noch 34, 1929 noch 15 jüdische Einwohner gezählt. Die jüdischen Familien lebten von Handel und mehreren Gewerbebetrieben (Lebensmittelgeschäft, Getreidehandlungen, Manufakturwarengeschäft). Nach Schließung der Pfeddersheimer Synagoge gingen die Juden des Ortes abwechselnd nach Monsheim oder nach Wachenheim zum Gottesdienst. Nach dem Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung gehörten die Pfeddersheimer Juden um 1925 offiziell zur Gemeinde Osthofen.
   
Nach 1933 verzogen die meisten Pfeddersheimer Juden vom Ort oder wanderten aus. 
   
Von den in Pfeddersheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Anny Blank (1895), Auguste Herzog (1864), Friederike Isenberg geb. Leopold (1889), Selma Jacob geb. Jacob (1891), Samuel Kehr (1859), Bertel Mainzer (1902), Adolf Mandel (1875), Martha Weismann (1903), Henriette Wiener geb. Fuld (1870).
   
   
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1885 / 1887 / 1891

Pfeddersheim Israelit 12111885.jpg (52734 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1885: "Wir suchen einen Religionslehrer für unsere Gemeinde, welcher gleichzeitig als Vorsänger und Schächter den Dienst versehen muss. Gehalt 250 Mark, der Schächterdienst beträgt 350 Mark.
 J. Mandel, Vorstand der israelitischen Gemeinde Pfeddersheim."
 
Pfeddersheim Israelit 05121887.jpg (45147 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1887: "Die hiesige israelitische Gemeinde sucht zum sofortigen Eintritt einen Religionslehrer, Vorsänger und Schochet. Fixierter Gehalt 350 Mark, der Schächterdienst trägt 400 Mark ein. Pfeddersheim (Rheinhessen). 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: J. Mandel. Abraham Fuld"
 
Pfeddersheim Israelit 20071891.jpg (71369 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1891: "Bekanntmachung! Die Stelle eines Lehrers und Schächters bei der israelitischen Gemeinde Pfeddersheim, Kreis Worms, ist sofort zu besetzen, womit ein Einkommen von circa 750 Mark, nebst freier Wohnung verbunden ist. - Verheirateter wird vorgezogen. 
Bewerber um diese Stelle wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden, der nähere Auskunft gerne erteilt. 
Pfeddersheim, 12. Juli 1891. 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. J. Mandel."
 
Pfeddersheim Israelit 03121891.jpg (53840 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1891: "Bekanntmachung! Bei der israelitischen Gemeinde zu Pfeddersheim-Pfiffligheim, Kreis Worms, ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters zu besetzen. 
Bewerber um diese Stelle, womit ein Diensteinkommen von ca. 750 Mark nebst freier Wohnung verbunden ist, - welche seminaristisch gebildet sind oder eine Prüfung vor einer kompetenten Behörde bestanden haben, wollen sich bei der unterzeichneten Stelle anmelden. 
Pfeddersheim, den 28. November 1891. 
Für den israelitischen Vorstand: J. Mandel"

    
  
Berichte aus dem Gemeindeleben  
Schlechte Erfahrungen mit einem "durchreisenden Vorbeter" (1901)

Pfeddersheim Israelit 22071901.jpg (144730 Byte)Hinweis in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1901: "Mitteilungen aus den jüdischen Armenvereinen und für dieselben. (Sämtliche jüdische Wanderbettelvereine und Kassen für Durchreisende sind gebeten, uns Mitteilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Tätigkeit machen, zukommen zu lassen.). Pfeddersheim, 18. Juli. Am 6. dieses Monats engagierten wir für die hiesige israelitische Gemeinde einen Chasan und Schochet, Abraham Jutkowitz aus Lodz. Derselbe war uns von Herrn Kantor Kowalsky aus Bingen zugeschickt, dem er sich als der betreffende junge Mann vorgestellt hatte, nach welchem er an Herrn Oskar Lehmann in Mainz geschrieben hatte. (Uns nichts davon bekannt. Red. d. 'Israelit'). Es gab an, vordem drei Monate in Mülhausen im Elsass als Hilfsschochet tätig gewesen zu sein. Außerdem habe Herr Lehmann für ihn im 'Israelit' Folgendes annonciert: 
Ein tüchtiger Chasan und Schochet, mit guten Referenzen, sucht für die Saison Stellung in einem Badeorte. Offerten unter 5262 an die Geschäftsstelle dieses Blattes.
Wir hatten also den Mann engagiert und nachdem er uns vorgab, er müsse seine Sachen in Köln holen, 20 Mark Vorschuss gegeben. Bis Dienstag, den 3. dieses Monats, wollte er wieder zurück sein. Er ist aber bis jetzt noch nicht wiedergekommen. Wir bitten Sie deshalb, die jüdischen Gemeinden vor diesem Individuum zu warnen und eventuell nach demselben zu fahnden. Es ist ein Mann von mittlerer Figur, hat dunkler Haar, rötlichen Vollhart, trägt ein Pincenez und ist bekleidet mit graukariertem Rock und West, nebst schwarzer Hose. Derselbe ist ungefähr 27 Jahre alt. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: Leo Leopold."

 
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zur Geschichte von Friederike geb. Leopold (1889-1942)

Exemplarisch für die Geschichte einer aus Pfeddersheim stammenden und in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Frau sei an Friederike (Friede) geb. Leopold erinnert: Sie ist am 21. Dezember 1889 in Pfeddersheim geboren und hat später den Lehrer Arnold Isenberg geheiratet. Dieser ist am 28. August 1891 in Regenwald/Pommern geboren und hatte am Lehrerseminar in Hannover studiert. Das Ehepaar Arnold lebte zuletzt in Esslingen am Neckar, wo Arnold Isenberg noch 1939 an der Israelitischen Schule des dortigen Waisenhauses "Wilhelmspflege" unterrichtete. Nach der erzwungenen Schließung der "Wilhelmspflege" verzog das Ehepaar am 28. Juni nach Rexingen. Von dort sind die beiden am 26. April 1942 nach Izbica deportiert worden. Beide wurden ermordet. 
Quelle: Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Esslingen. 1994 S. 472.

 
   
    

Zur Geschichte der Synagoge
 

Auch wenn die Pfeddersheimer jüdische Gemeinde erst 1834 gegründet wurde, sind Gottesdienste bereits seit 1830 in einem jüdischen Privathaus (Haus David Michel in der Leiselheimer Straße 18) abgehalten worden. 
   
Im April 1834 konnte die Gemeinde ein Anwesen mit Nebengebäuden erwerben, um hier eine Synagoge einzurichten. Der Plan konnte jedoch aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht werden. Im Oktober 1842 wurde eine Hofraithe mit Garten auf dem Grundstück in der heutigen Kleinen Amtshofstraße 9 erworben und hier 1842/43 eine Synagoge mit Lehrerwohnung erbaut. Bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges wurden in dem Gebäude Gottesdienste gefeiert, danach war die Zahl jüdischer Gemeindeglieder so stark zurückgegangen, dass regelmäßige Gottesdienste nicht mehr stattfinden konnten. 1921 wurde letztmals eine Trauung in der Synagoge gefeiert. 
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude nicht geschändet oder beschädigt. Im März 1941 ging es in Privatbesitz über. Es wurde als Stall und Fruchtspeicher genutzt. dazu wurde eine Beton-Zwischendecke eingezogen. Um 1980 kam das Gebäude an das Weingut Streuber. Nun wurde das Gebäude hergerichtet und zuletzt 2002/04 gründlich saniert. Der ehemalige Betsaal wird für kleinere gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt.
   

   
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 2.8.2005) 

Pfeddersheim Synagoge 112.jpg (37764 Byte) Pfeddersheim Synagoge 111.jpg (51680 Byte)  
Der Weg zur ehemaligen Synagoge ist ausgeschildert Hinweistafel am Eingang  
     
Pfeddersheim Synagoge 113.jpg (75451 Byte) Pfeddersheim Synagoge 108.jpg (74045 Byte) Pfeddersheim Synagoge 109.jpg (77798 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge Im linken Gebäudeteil befand sich die Wohnung des Lehrers und Vorsängers Im rechten Teil war der Betsaal
     
Pfeddersheim Synagoge 103.jpg (35041 Byte) Pfeddersheim Synagoge 107.jpg (41849 Byte) Pfeddersheim Synagoge 101.jpg (52244 Byte)
Im Erdgeschoss: Alter Eingang zum Betsaal Blick in den ehemaligen Betsaal - eine Zwischendecke ist auf Höhe der Frauenempore eingezogen Auf Höhe der Frauenempore: Blick zur Eingangstüre für die Empore vom Treppenhaus
     
Pfeddersheim Synagoge 106.jpg (57988 Byte) Pfeddersheim Synagoge 102.jpg (51594 Byte) Pfeddersheim Synagoge 104.jpg (45657 Byte)
Blick vom ehemaligen oberen Zimmer der Lehrerwohnung auf die zur Frauenempore führende Treppe Die zur Frauenempore führende Treppe Eingang zur Frauenempore (von der ehemaligen Empore aus gesehen)
     
Pfeddersheim Synagoge 105.jpg (57490 Byte) Pfeddersheim Synagoge 100.jpg (45938 Byte) Pfeddersheim Synagoge 110.jpg (42944 Byte)
Originalteile Auf Höhe der Zwischendecke. Am Boden unter dem Rundfenster ist der obere Teil des ehemaligen Toraschreines zu sehen. Seit 1980 gehört die ehemalige Synagoge zum Weinhaus Streuber und wird von dessen Inhaber betreut 
 
 

   
    

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

September 2008: Kultur-Historischer Rundgang durch Pfeddersheim  
Bericht in der "Wormser Zeitung" vom 5. September 2008 (Link zum Artikel): 
"Bausteine der Ortshistorie - Kulturhistorischer Rundgang durch Pfeddersheim mit Weinprobe 
woz. PFEDDERSHEIM "Für alle Zukunft erhalten!", lautete die Forderung des Hessischen Denkmalschutzgesetzes von 1902. Gemeint waren damit an die 20 Zeugnisse der Pfeddersheimer Stadtgeschichte, die bereits damals in großer Weitsicht als erhaltenswert eingestuft worden und nun Anlass für einen kultur-historischen Rundgang waren. 
Im Hof der ehemaligen Synagoge begrüßte Michaela Langner, Vorsitzende der Pfeddersheimer CDU, zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger und freute sich, dass neben vielen Einheimischen auch Bürger aus Herrnsheim und Pfiffligheim den Weg in die Kleine Amthofstraße gefunden hatten. 
Die Geschichte der Pfeddersheimer Synagoge von ihren Anfängen bis zum letzten Gottesdienst im Jahr 1921 ließ Felix Zillien vom Arbeitskreis für Kultur und Landschaftspflege lebendig werden. 
Nach gründlicher Restaurierung durch den jetzigen Eigentümer Herrn Streuber stellt sie ein weitgehend unverfälschtes Zeugnis einer typischen Landsynagoge Rheinhessens dar. Über den Amthof führte der Rundgang zu den Relikten der Pfeddersheimer Stadtbefestigung und ihrer wechselvollen Geschichte. Besonders Türturm und Pulverturm beeindruckten die Teilnehmer als prägende Elemente des Ortsbildes und Beispiele einer erfolgreichen Restaurierung unter privater Beteiligung. Die Geschichte des Aulturms als berüchtigtes Gefängnis untermauerte Felix Zillien mit Fakten: "Eineinhalb Laib Brot am Tag und in der Woche drei Teller Suppe und zwei Schoppen Wein - mehr gab´s nicht!" 
Über das barocke, katholische Pfarrhaus und das ehemalige evangelische Pfarrhaus mit seinem Gewölbekeller führte der Weg zum Kriegerdenkmal. Zur abschließenden Weinprobe in der ehemaligen Synagoge, dem heutigen Weinhaus Streuber konnte Langner auch die CDU-Landtagsabgeordnete Jeannette Wopperer begrüßen. Durch die Weinprobe führte Friedel Lahr vom Orden der Freunde des Pfeddersheimer Weins."  

   

    

Links und Literatur

Links

Website der Stadt Worms   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Pfeddersheim (interner Link)       

Literatur

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. II,196-198.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 407-408 (mit weiteren Literaturangaben).  

   

   

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge  

               

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. Januar 2010