Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

 
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
zur Übersicht "Synagogen im Landkreis Alzey-Worms  
   

Heßloch mit Monzernheim (Gemeinde Dittelsheim, Kreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Kennkarten aus der NS-Zeit  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)           
          
In Hessloch lebten Juden bereits im 15., 16. und wiederum seit Anfang des 17. Jahrhunderts (Vertreibung der Juden aus Worms nach 1600). 1710 werden namentlich die Juden Mosche und Mayer genannt. Ein jüdische Gemeinde entstand noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (um 1740: acht jüdische Familien am Ort). 
   
Um 1800 wurden 34 jüdische Einwohner gezählt, 1829-30 waren es 56 beziehungsweise 59 jüdische Einwohner. Die höchsten Zahlen wurden 1861 mit 67 Personen erreicht (7,2 % der Gesamtbevölkerung von 943 Personen) beziehungsweise 1871 mit 77 Personen. Zur jüdischen Gemeinde Hessloch gehörten im 19. Jahrhundert auch die in Monzernheim lebenden jüdischen Einwohner (1824: 9, 1830: 14 Personen). Die Zahl der jüdischen Einwohner ging seit den 1870er-Jahren durch Aus- und Abwanderung zurück (1880 55, 1900 47 jüdische Einwohner). 1910 wurden 46 jüdische Einwohner gezählt (4,8 % von 953 Einwohnern). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (jüdisches Schulhaus in der Sackgasse 4 bis heute erhalten), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Die Gemeinde war dem Rabbinat in Worms unterstellt.  
    
Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel mit Manufakturwaren, Saat-, Getreide- und Düngemittelhandel sowie Weinbau und Weinhandel. Das größte Wein- und Getreidegeschäft der Umgebung war die Firma S. Herzog & Co. (Inhaber war ab 1925 Henry Herz, der das Geschäft bis zu seiner Auswanderung 1937 innehatte). Im Vereins- und Gemeindeleben des Ortes waren die jüdischen Einwohner völlig integriert. Der eben genannte Henry Herz war ab 1918 im Vorstand des Turnvereins. Bei der Einweihung der Turnhalle wurde er für seine Verdienste um die Errichtung der Halle geehrt. An jüdischen Vereinen gab es einen Wohltätigkeitsverein und nach dem Ersten Weltkrieg einen "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten". Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Worms.
     
Um 1925, als 36 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (3,79 % von insgesamt etwa 950 Einwohnern) waren die Vorsteher der Gemeinde Sigmund Krautkopf und Abraham Sedel. Sigmund Krautkopf war auch Vorsteher des Wohltätigkeitsvereins. In Monzernheim lebten damals sieben zur Gemeinde in Heßloch gehörende jüdische Personen (1932 noch fünf). 1932 waren die Vorsteher Sigmund Krautkopf, Josef Schaffner und Abraham Sedel. 
   
Nach 1933 konnte ein Großteil der in diesem Jahr noch gezählten 30 jüdischen Einwohner auswandern. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet (s.u.).   
   
Von den in Heßloch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolph Dreifuß (1859), Salomon Dreyfuss (1866), Johanna Koßmann (1906), Rudolf Nathan Koßmann (1933), Helene Krautkopf (1871), Johanna Krautkopf geb. Isaak (1877), (Joseph Krautkopf 1875), Klara Krautkopf (1868), Sigmund Krautkopf (1873), Betty Lövi (1889), Clara Lövi (1890), Therese Lövi geb. Scheuer (1854), Rosa Mayer geb. Lövy (1898), Frieda Schaffner (1874), Joseph Schaffner (1875), Abraham Sedel (1876), Albert Sedel (1910), Frieda Sedel geb. Kahn (1906), Helene Sedel geb. Lieber (1884), Jakob Sedel (1881), Lugu Sedel 1942!).  
  
Von den in Monzernheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Heinrich Lövi (1865), Gustav Neuhäuser (1984), Hildegard Reinhardt geb. Sender (1912), Leo Reinhardt (1932), Edith Alma Sender (1916), Heinrich Wolff (1878).   
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1892 / 1897 / 1900 / 1901 / 1902 / 1903    
Anmerkung: Auch in Heßloch gab es in einer Person einen Religionslehrer, Vorbeter (Kantor) und Schochet. Die Stelle wurde immer wieder neu besetzt. Aus den nachfolgenden Anzeigen gehen die Vorstände der jüdischen Gemeinde am Ende des 19. Jahrhunderts hervor: Markus Krautkopf (in der Anzeige aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1892) beziehungsweise Bernhard Dreifuß (in den Anzeigen aus der Zeitschrift "Der Israelit" zwischen 1897 und 1903).

Hessloch Israelit 28031892.jpg (52477 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1892: "Die hiesige israelitische Religionslehrer- und Vorbeterstelle ist den 1. Mai dieses Jahres anderweitig zu besetzen. Der mit dieser Stelle verbundene Gehalt beträgt bei freier Wohnung und Heizung 600 Mark ausschließlich reichlicher Nebenverdienste. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Gesuche baldigst unter Vorlage ihrer Zeugnisse an unterzeichnete Stelle einsenden. Unverheiratete Inländer werden bevorzugt. Heßloch (Rheinhessen). W. Krautkopf, Vorstand."
    
Hessloch Israelit 11111897.jpg (45177 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1897: "Die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters hier ist bis den 12. Dezember dieses Jahres neu zu besetzen. Seminaristisch gebildete Lehrer wollen gefälligst Zeugnisse einschicken. Gehalt jährlich Mark 600 nebst freier Wohnung und Heizung. Nebenverdienste werden zugesichert. Heßloch, 5. November. Der Vorstand: Bernhard Dreifuß."
 
Hessloch Israelit 22111900.jpg (49568 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1900: "Die Gemeinde Heßloch bei Worms sucht per ersten Januar einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer, Chasan und Schochet. Fixer Gehalt 600 Mark nebst freier Wohnung und Heizung. Nebenverdienste werden zugesichert. Musikalisch gebildete unverheiratete Bewerber bevorzugt. Bernhard Dreifuß, Vorstand."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: "Da der hiesige Lehrer ausgetreten ist, weil er eine staatliche Stelle erhalten hat, so kann jetzt ein tüchtiger seminaristisch gebildeter Lehrer, der auch einen Chor leiten kann und Schochet ist, sogleich eintreten. Gehalt 650 Mark, freie Wohnung und Heizung. Nebenverdienste werden zugesichert. Bewerber wollen ihre Zeugnisse einschicken. Der Vorstand: Bernhard Dreifuß, Heßloch Kreis Worms."       
    
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: "Durch staatliche Anstellung unseres seitherigen Lehrers ist die Stelle als Lehrer, Kantor & Schochet frei geworden. Fixer Gehalt 650 Mark, freie Wohnung und Heizung. Nebenverdienst ca. Mark 350.- Bedingung: Seminaristisch gebildet. Bewerber wollen sich melden an den 
Vorstand der israelitischen Gemeinde, Heßloch, Rheinhessen."         
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1902: "Die Stelle eines 
Religionslehrers
 
soll bis zum 1. Januar 1903 anderweitig besetzt werden. Diejenigen, welche das Seminar besucht haben und gleichzeitig Schochet sind, werden bevorzugt. Betreffender muss Kantor und so musikalisch gebildet sein, dass er einen Chor leiten kann. Gehalt per Jahr Mark 70. Nebenverdienste werden zugesichert. Leistungsfähige können sich bei dem unterzeichneten Vorstand melden. 
Bernhard Dreifuß, Heßloch (Rheinhessen)."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Wir suchen einen seminaristisch gebildeten 
Lehrer, Chasan und Schochet

Fixer Gehalt Mark 700 bei freier Wohnung und Heizung. Nebenverdienste werden zugesichert. Der Betreffende kann gleich, eventuell auch in 14 Tagen, eintreten. Näheres bei 
Bernhard Dreyfuß
, Vorstand Heoßloch bei Worms."         
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1903
"Die Gemeinde Heßloch bei Worms sucht einen seminaristisch gebildeten 
Religionslehrer
 
per sogleich, oder in 3-4 Wochen, Gehalt 700 Mark, bei freier Wohnung und Heizung, Nebenverdienste werden zugesichert, je nach Leistung. Dem Angenommenen wird die Reise vergütet. Meldungen erbittet 
Der Vorstand. J.V.: B. Dreyfuss
."        

           
Bildung eines Unterrichtsbezirkes Hessloch - gemeinsam mit Monzernheim, Eppelsheim, Gundersheim und Westhofen (1904)

Alsheim usw FrfIsrFambl 05021904.jpg (87661 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Februar 1904: "Worms. Das Großherzogliche Ministerium plant die definitive Anstellung israelitischer Religionslehrer, welche ein den Volksschullehrern gleiches Gehalt beziehen und dieselben Rechte genießen sollen, sobald sie wöchentlich 20 Stunden Religionsunterricht erteilen. Die nötigen Mittel sollen von den Gemeinden, die zu dem betreffenden Bezirk gehören, aufgebracht werden. An die Vorstände der israelitischen Gemeinden des Kreises Worms ist bereits der ausgearbeitete Plan gesandt worden. Nach ihm sind die Gemeinden in vier Unterrichtsbezirke eingeteilt und zwar: 1. Alsheim, Gimbsheim, Eich und Hamm; 2. Osthofen, Rhein-Dürkheim, Herrnsheim, Abenheim und Gundheim; 3. Hessloch, Monzernheim, Eppelsheim, Gundersheim und Westhofen; 4. Monsheim, Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim, Wachenheim, Mölsheim, Pfeddersheim und Pfiffligheim. Die Gemeinden Heppenheim a.d.W. und Offstein sollen der Gemeinde Worms zugeteilt werden. Bis zum 1. Februar müssen die Gemeinden dem Kreisamte Worms Bericht erstattet haben."   

  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben

Veranstaltung des Synagogenchores zum Pessachfest (1895)   

Hessloch Israelit 29041895.jpg (91742 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1895: "Heßloch, 16. April (1895). Der hiesige Synagogenchor veranstaltete am letzten Tag Pessach unter zahlreichem Besuch eine theatralische und musikalische Abendunterhaltung, welche den Besuchern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Das reichhaltige Programm ließ es an Mannigfaltigkeit nicht fehlen, sodass der Beifall ein reicher war. Alle Mitwirkende besonders die Damen verdienen volles Lob; auch wurde Herrn Rothenberg für Vortragen einiger Lieder reicher Beifall zuteil. Charakteristisch wurden die beiden Schwänke 'Einträchtige Hausgenossen' und 'eine angenehme Überraschung' wiedergegeben. Nach beendeter Aufführung wurde die frohe Stimmung noch durch einige Toaste auf die zahlreich anwesenden christlichen Mitbürger, erhöht. Unter stürmischem Jubel aller Anwesenden feierte Herr Bürgermeister Kiefer aus F. den Verein und die Gemeinde als ein wahres Beispiel des Friedens und der Eintracht. der herrliche Abend war ein Ehrenzeugnis nicht allein für den Verein und seinen Dirigenten, sondern für die ganze Heßlocher Gemeinde. Und ist es ein schönes Zeichen, dass es auch noch Leute, nein Gemeinden gibt, die mit Ehre und Achtung der jüdischen Gemeinde entgegenkommen."

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Goldene Hochzeit des Ehepaares Aron Herzig (1898) 

Hessloch Israelit 20011898.jpg (46217 Byte)Der nachstehende Artikel gibt einen Hinweis auf die Auswanderung innerhalb der Heßlocher Familie Herzog. Drei der Kinder von Aron Herzog und Helene geb. Lambert waren nach Amerika ausgewandert: 
Artikel in der Zeitschrift der Israelit vom 20. Januar 1898: "Heßloch (Kreis Worms). Gestern feierte Aron Herzog und Frau das Fest der goldenen Hochzeit und waren sämtliche Kinder des Jubelpaares darunter drei aus Amerika und viele Enkel anwesend. Die Feier wurde durch eine gediegene Festrede des Rabbiners Dr. Stern aus Worms in der Synagoge eröffnet, wozu sich viele Bürger in der Gemeinde eingefunden hatten. Unter den eingelaufenen Depeschen und Glückwunschschreiben findet sich auch ein solches von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzoge nebst Photographie mit eigenhändiger Unterschrift. Das Jubelpaar ist körperlich und geistig noch sehr rüstig."

      

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Heßloch geboren sind
 
 Hessloch KK MZ Schaffner Joseph.jpg (91368 Byte)  Hessloch KK MZ Sedel Alobert.jpg (90128 Byte)  Hassloch KK MZ Dreifuss Salomon.jpg (87618 Byte)
   Kennkarte (Mainz) für Joseph Schaffner 
(geb. 25. September 1875 in Heßloch
später wohnhaft in Mainz), deportiert am 
27. September 1942 ab Darmstadt in das Ghetto
 Theresienstadt, hier April 1944 umgekommen  
 Kennkarte (Mainz) für Albert Sedel 
(geb. 18. Juni 1910 in Heßloch, später 
wohnhaft in Mainz), Hausangestellter, deportiert
 am 30. September 1942 ab Darmstadt 
vermutlich nach Treblinka, umgekommen  
 Kennkarte (Mainz) für Jakob Sedel 
(geb. 21. Juni 1881 in Heßloch, später 
wohnhaft in Mainz), deportiert am 
30. September 1942 ab Darmstadt 
vermutlich nach Treblinka, umgekommen   
       
 Kennkarte zu Personen, 
die in Monzernheim geboren sind
 
 Monzernheim KK MZ Wolff Heinrich.jpg (97762 Byte)   Hassloch KK MZ Krautkopf Siegmund.jpg (93522 Byte)
  Kennkarte (Mainz 1939) für Heinrich Wolff 
(geb. 25. März 1878 in Monzernheim, später 
wohnhaft in Mainz), am 25. März 1942 
ab Mainz - Darmstadt deportiert in 
das Ghetto Piaski, umgekommen   
  Kennkarte (Mainz 1939) für Siegmund Krautkopf
 (geb. 22. Juni 1873 in Heßloch), Kaufmann, 
wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942 
deportiert ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt,
 wo er am 6. Februar 1944 umgekommen ist  

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge          
    
1740 lebten inzwischen acht jüdische Familien am Ort. Gemeinsam mit dem vier in Gabsheim lebenden jüdischen Familien gelang es Ihnen, bei der Ortsherrschaft die Genehmigung für die Einrichtung einer "Judenschule" zu bekommen. In diesem Gebäude, das nach dem Bau der Synagoge 1836 jüdisches Gemeindehaus wurde, waren vermutlich ein Betsaal und das Schulzimmer für den Unterricht der Kinder (möglicherweise waren die Räume identisch) vorhanden. 
  
1836 konnte eine neue Synagoge erbaut werden. In ihr befand sich auch ein rituelles Bad (Mikwe). Die Kosten für den Bau betrugen 1.400 Gilden, dazu kamen 55 Gulden für Stühle, Pult, Leuchter und Kronleuchter sowie 20 Gulden für den Kessel und die Pumpe im rituellen Bad. Die Synagoge war aus Bruchsteinen erbaut und verputzt. Zur Straßenseite gab es zwei Eingänge (Männereingang mit der Jahreszahl 1836, auf der anderen Seite der Fraueneingang im Bereich des nach 1945 eingebrochenen Scheunentors), zwischen den sich zwei Rundbogenfenster befanden (noch erhalten).   
   
Bis in die 1930er-Jahre hinein war die Synagoge in Hessloch Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von Nationalsozialisten geschändet und verwüstet.  1939 versuchte der letzte Gemeindevorsteher Siegmund Krautkopf, das Gebäude für 600 RM an die politische Gemeinde zu verkaufen. Diese zahlte (bei einem Brandversicherungswert von 3.150 RM) für den Kauf 400 RM.  1942 verkaufte die Gemeinde das Gebäude für 700 RM an Privatpersonen. Im Zusammenhang mit dem Restitutionsverfahren nach 1945 hatte der neue Besitzer den Betrag von 1.400 DM und eine Vermittlungsgebühr von 140 DM an die jüdische Gemeinde in Mainz zu bezahlen. Der neue Besitzer ersetzte den Fußboden durch einen Betonfußboden und brach an Stelle des Fraueneingangs ein breites Tor in den Bau. Im Inneren sind bis heute zahlreiche Spuren erhalten (Toranische, Balkenlöcher für die Frauenempore, Farbspuren usw.).
 
am 9. November 1986 wurde - im Zusammenhang mit dem Gedenken an das 150-jährige Bestehen des Synagogengebäudes in Heßloch - eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge angebracht (Einladung zur Veranstaltung 1986). Die (im Besitz der bürgerlichen Gemeinde befindliche) Tafel wurde jedoch vom Besitzer des Gebäudes später wieder entfernt. 
     
     
     
Adresse/Standort der SynagogeSackgasse 1  
   

   
Fotos 
(Aufnahmen von 1991; Quelle: Landesamt s.Lit. S. 138-139)  

Das ehemalige 
Synagogengebäude 1991 
Hessloch Synagoge 120.jpg (74295 Byte) Hessloch Synagoge 121.jpg (78708 Byte) 
Die ehemalige Synagoge 
von Norden 
  Die ehemalige Synagoge 
von Nordwesten 
     
Das ehemalige Synagogengebäude 2008
(Fotos: Brendan Botheroyd, Anfang Dezember 2008) 
 
Hessloch Synagoge 170.jpg (54354 Byte) Hessloch Synagoge 171.jpg (43765 Byte) Hessloch Synagoge 172.jpg (25323 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge  Die Rundbogenfenster geben dem 
Äußeren des Gebäudes bis heute 
einen besonderen Charakter 
 
     

Das ehemalige Synagogengebäude im Sommer 2011 
(Fotos: Michael Ohmsen, Aufnahmen Anfang Juli 2011; vgl. Website von M. Ohmsen mit Fotoseite zu Heßloch)     

Hessloch Synagoge 191.jpg (82311 Byte) Hessloch Synagoge 192.jpg (80201 Byte) Hessloch Synagoge 321.jpg (143844 Byte)
Blicke auf die ehemalige Synagoge Die Rundbogenfenster
     
Hessloch Synagoge 190.jpg (96669 Byte) Hessloch Synagoge 320.jpg (107120 Byte)    Hessloch Synagoge BeKu 124.jpg (75692 Byte)
Der ehemalige Eingang mit der Jahreszahl "1836" (Foto rechts: Bernhard Kukatzki)  
 
Das Gebäude der ehemaligen 
jüdischen Schule
 
(Sackgasse 4, Fotos vom Mai 2013: 
Michael Ohmsen) 
Hessloch Juedische Schule 021.jpg (57019 Byte)   Hessloch Juedische Schule 020.jpg (79762 Byte)
     
 Das Denkmal für die Gefallenen 1870/71  
(Fotos Mai 2013: Michael Ohmsen)  
    
Hessloch Kriegerdenkmal 1870 012.jpg (368759 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal 1870 010.jpg (137052 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal 1870 011.jpg (194631 Byte)
Ansicht des Denkmals  Unter den Namen der Gefallenen das jüdische Gemeindeglied Nathan Schaffner   
     
Das Denkmal für die Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg 1914/18  
(Fotos Mai 2013: Michael Ohmsen)  
 
Hessloch Kriegerdenkmal WK I 028.jpg (370336 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal WK I 020.jpg (191516 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal WK I 022.jpg (203372 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal WK I 025.jpg (187907 Byte)
Hessloch Kriegerdenkmal WK I 021.jpg (221013 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal WK I 023.jpg (213437 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal WK I 024.jpg (179093 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal WK I 026.jpg (209936 Byte) Hessloch Kriegerdenkmal WK I 027.jpg (55576 Byte)
Unter den Namen 
Siegfr. Dreifuss  
Unter den Namen: 
Jos. Krautkopf, Sigm. Lövi  
Unter den Namen: Jos Schaffner und 
Alb. Schaffner sowie Karl Seelig  
          
          
Gedenken an die in der NS-Zeit 
umgekommenen jüdischen Heßlocher 
(Fotos Mai 2013: Michael Ohmsen)  
    
Hessloch Gedenktafel 203.jpg (317284 Byte) Hessloch Gedenktafel 201.jpg (322824 Byte) Hessloch Gedenktafel 202.jpg (453424 Byte)
Gedenken an der Friedhofshalle, unter anderem "unseren jüdischen Mitbürgern. Begegnen werden sich Gnad und Treue, Recht und Friede 
umarmen einander. Psalm 84,11." Die dunkle Tafel im Hintergrund (Foto links) ist die Gedenktafel für die aus der jüdischen Gemeinde 
Heßloch Umgekommenen 
     
 Rechts: Namenstafel 
der Umgekommenen 
Hessloch Gedenktafel 200.jpg (188585 Byte)  
     

     
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Dittelsheim-Heßloch    
Informationen zum jüdischen Friedhof in Heßloch (interner Link) 
Fotoseite von Michael Ohmsen: http://www.panoramio.com/user/2867083/tags/Heßloch     

Literatur:     

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 361-362. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 182-183.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 139-140 (mit weiteren Literaturangaben).
Hessloch Synagoge 122.jpg (42060 Byte)Wilfried Menger/Guido Rotfuß: 150 Jahre Synagoge Heßloch. 1836-1986. Dittelsheim-Heßloch 1986. Eingestellt als pdf-Datei (ohne die nicht Heßloch betreffenden Beiträge von Alfred Mertens über "Die Wiederentdeckung verloren-geglaubter Ursprünge der Kirche" und von Eckhard von Nordheim "Das christlich-jüdische Gespräch - Wiederentdeckung vergessener Wurzeln").    

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 

Hessloch.  Jews lived there from the 15th century and numbered 67 (7 % of the total) in 1861. Most were engaged in commerce. By 1933, only 30 Jews remained and the (largely Catholic) population tended to ignore Nazi boycott regulations. The synagogue was vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938), and all the Jews left before Worldwar II. Some emigrated to the United States, but 15 perished in the Holocaust.    
        
         

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

       

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. März 2016