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Wallertheim mit
Armsheim (beide VG Wörrstadt,
Landkreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Wallertheim sind Juden seit Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisbar
(1555/56 zwei Juden am Ort genannt). Ende des 17. Jahrhunderts finden
sich unter den Namen der jüdischen Einwohnern auch solche von sefardischen, d.h. aus Spanien stammenden Juden
(Familie Mann, ursprünglich Mannelos; vermutlich auch die Familie Isaac).
Die Zahl
der Juden am Ort blieb zunächst gering (1824 36, 1830 33 Personen). Um die
Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten der jüdischen Gemeinde immerhin etwa 70
Personen an. 1893 wurden 75 jüdische Gemeindeglieder in 12 Familien gezählt,
1896 72 Gemeindeglieder in weiterhin 12 Familien. Die jüdischen Familien in Wallertheim lebten in wirtschaftlich guten Verhältnissen und betätigten sich vor allem im
Vieh-, Getreide und Weinhandel.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl.
Ausschreibungen der Stelle unten). Als Religionslehrer werden genannt: um
1864/65 J. Mock ("Der Israelitische Lehrer" vom 15.9.1864 S.1 und
19.1.1865 S.12), um 1887/92 L. Marx (Kantor). Um 1893/95 erteilte Lehrer
Aron Salomon aus Sprendlingen den damals
12 (1895 14) jüdischen Kinder den Religionsunterricht; um 1896 war H. Berkowitz
als Lehrer und Kantor angestellt (noch zehn Kinder im Religionsunterricht); um 1901/03
war es Lehrer B. Bravmann, der auch die jüdischen Kindern in
Erbes-Büdesheim (1903 3 Kinder) und
Wendelsheim (1903 4 Kinder)
unterrichtete; um 1903/04 A. Morgenroth (u.a. "Israelit. Familienblatt" 9.
Februar 1904 S. 12), um
1906 Louis Uhlfelder, um 1912 Lehrer Maier ("Israelit. Familienblatt" 19.
September 1912 S. 7, Bericht über Silberne Hochzeit Maier unten 1914). Nach
dem Ersten Weltkrieg war es laut dem Bericht unten (von 1928) nicht mehr
möglich, einen eigenen Lehrer anzustellen. Die Vorbeterdienste wurden ehrenamtlich von
Gemeindegliedern übernommen (vgl. dazu unten Bericht vom 30.8.1928). Die Gemeinde Wallertheim und die Gemeinde von
Gau-Bickelheim hatten sich an Schawuot (Wochenfest) 1917 (siehe Bericht
unten von 1917) zu einer gemeinsamen Gemeinde verbunden (Israelitische
Religionsgemeinde Wallertheim - Gau-Bickelheim). 1928 wurde von Lehrer
Rosenberg aus Mainz der Unterricht in Wallertheim und der weiteren Umgebung
übernommen (siehe Bericht unten). 1929 wurde das Gesuch der jüdischen Gemeinden
Wallertheim, Wörrstadt und
Nieder-Saulheim um die Einrichtung
einer gemeinsamen Lehrerstelle vom Oberrat der israelitischen Gemeinden nur
eingeschränkt befürwortet (siehe Bericht unten).
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Alzey.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1863 Joseph Isaak; um
1864/64 Ludwig Beckhardt, um 1887 B. Samuel; um 1893/1903 Martin Isaak und J.
Baum; um
1909 Moses Isaak.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Alfred Baum
(Kaufmann; siehe
Artikel unten; geb. 16.7.1881 in Wallertheim, eingezogen am 8.8.1914, gef.
28.10.1915, siehe Artikel unten), Insp.Stellv. Berthold
Isaac (Kaufmann; geb. 23.1.1885 in Wallertheim, eingezogen am 10.8.1915, gef. 5.4.1918),
Gustav Isaak (geb. 20.4.1883 in Wallertheim, eingezogen am 4.8.1914). Außerdem ist gefallen:
Julius Baum (geb. 13.4.1883 in Wallertheim, vor 1914 in
Biebrich wohnhaft, eingezogen am 10.3.1915, gef.
2.1.1916). Für ihren Kriegseinsatz ausgezeichnet wurden u.a. ausgezeichnet:
Gefreiter der Reserve/Vizefeldwebel usw. Fritz Beckhardt (Sohn von Abraham Beckhardt,
im Reserveregiment Nr. 86) mit den Eisernen Kreuzen II und I sowie mit
der hessischen Tapferkeitsmedaille ("Frankfurter Israelitisches
Familienblatt" 15.10.1915 S.3, siehe unten, auch Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Beckhardt); Gefreiter Alfred Baum mit dem Eisernen Kreuz
II ("Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 26.11.1915), ebenso
Unteroffizier Josef Isaac (Sohn von Moses Isaac) mit dem Eisernen Kreuz II ("Israelitisches
Familienblatt" 18.4.1918 S.2).
Mitte der 1920er-Jahre wurden noch 48 jüdische Einwohner gezählt (3,5 %
von insgesamt 1.350 Einwohnern). Zur Wallertheimer Gemeinde gehörten inzwischen
auch die in Gau-Bickelheim und Armsheim lebenden jüdischen Einwohner (12 bzw. 4
Personen, 1932 10 bzw. 4 Personen). Dem jüdischen Gemeindevorstand gehörten damals an:
Emil Isaac, Isaac Oppenheimer (aus Gau-Bickelheim) und August Baum. Abraham Mann
war Rechner der Gemeinde. Rabbiner Dr. Julius Lewit aus Alzey
hielt den Religionsunterricht für zwei jüdische Kinder der Gemeinde, die an
höheren Schulen waren. Anfang der 1930er-Jahre hielt den Religionsunterricht in
Wallertheim Lehrer M. Rosenberg aus Mainz. Inzwischen bildeten den
Gemeindevorstand: Emil Isaac (1. Vorsitzender), August Baum und Moritz Berger.
An jüdischen Vereinen gab es eine Chewra Kadischa (Bestattungs-
und Wohltätigkeitsverein, Vorsitzender
Max Baum, vgl. unten noch Bericht 1930) und den Wohltätigkeitsverein Gemilus Chesed (Chevroh
Gmiluth Chesed, seit 1852,
zusammen mit Gau-Bickelheim und
Rommersheim, siehe Berichte
unten zum 70-jährigen Bestehen 1922, Bericht zum 76-jährigen Bestehen 1928 usw.)
sowie seit 1917 einen Frauen-Wohltätigkeitsverein (siehe Bericht unten).
Nach 1933 (36 jüdische Einwohner) wurde durch die zunehmende
Entrechtung und die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts die Situation der jüdischen
Einwohner alsbald schlechter. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die
Synagoge und jüdische Geschäfte demoliert; der fast 94-jährige Abraham Mann kam
bei diesen Aktionen ums Leben. Bis 1940 verließen alle jüdischen Einwohner die
Gemeinde, wurden jedoch teilweise von anderen Orten deportiert.
Von den in Wallertheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Flora (Florentine) Andorn geb. Isaac
(1889), Rosalie Aumann geb. Marx (1861), August Baum (1878,
Stolperstein in Offenbach), Elisabeth Baum geb.
Isaac (1887), Emil Baum (1871), Kathinka Baum geb. Andorn (1884,
Stolperstein in Offenbach), Lina Baum geb. Isaak (1889), Richard Baum (1873),
Salomon Baum (1875), Abraham Beckhardt (1854), Caroline Bender
geb. Isaac (1886), Emil Isaak (1855), Julius Isaac (1873), Joseph Rudolph Isaac
(1883),
Martha Koch geb. Beckhardt (1892), Katharina Kohlmann (1887), Johanna Krautkopf geb. Isaac
(1877), Frieda Marum (1892), Paula Marum (1890), Elisabeth (Lisbet) Mayer geb.
Bing (1894), Paula Meyer geb. Mann (1860), Johanna Samuel geb. Isaac (1883),
Adolf Stern (1878), Hedwig Mathilde Stern geb. Mann (1879), Thekla Stern geb. Marum
(1893), Constanze Trum geb. Mann (1887).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1862 /
1863 / 1864 /
1865 / 1894 / 1902 / 1907 / 1909 / 1911 / 1919 / 1920
Anmerkung: zwischen 1862 und 1865 war die Stelle immer wieder mehrere Wochen
ausgeschrieben und es fand sich kein Bewerber, der längere Zeit in Wallertheim
als Lehrer wirken wollte.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelitische Lehrer" vom 15. August 1862:
"Erledigt (= unbesetzt) ist:
Die israelitische Religionslehrer- und Vorbeterstelle zu Wallertheim,
Kanton Wörrstadt in Rheinhessen: Gehalt 200 fl., freie Wohnung und Heizung.
Nebeneinkünfte; der Schächterdienst trägt 60 fl. Meldungen bei Herrn
Rabbiner Dr. Rothschild in Alzey." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1863:
"Lehrer-Stellen-Vakanz.
In der israelitischen Gemeinde zu Wallertheim bei Wörrstadt in
Rheinhessen wird ein Religionslehrer und Vorsänger gesucht. Fester Gehalt
200 fl. nebst freier Wohnung. Sollte der anzustellende Lehrer zugleich
Schochet sein, so betragen die Schechitah-Akzidentien circa 70 fl.
jährlich. Meldungen sind zu richten an Joseph Isaak."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1864:
"Die Gemeinde zu Wallertheim (Großherzogtum Hessen) sucht einen noch
unverheirateten Lehrer sofort anzustellen. Der fixe jährliche Gehalt
beträgt nebst freier Wohnung, Heizung und Emolumenten 220 Gulden.
Bewerbern, die im Französischen unterrichten können, wird außerdem für
ein Nebeneinkommen von 100 Gulden und solchen, welche zur Übernahme der
Schächterfunktionen befähigt sind, für weitere 70 Gulden garantiert.
Der Vorstand: Ludwig Beckhardt." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1865:
"Lehrer gesucht! In der israelitischen Gemeinde zu Wallertheim
(Rheinhessen) ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und
Schochet vakant und soll baldmöglichst besetzt werden. Fixer Gehalt 220
Gulden, Nebeneinkünfte 100 Gulden; außerdem freie Wohnung und Heizung.
Bewerber wollen sich wenden an den Vorsteher Ludwig Beckhardt." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der
Israelit vom 1. Februar 1894: "Die israelitische Gemeinde Wallertheim
sucht einen jungen respektive unverheirateten Lehrer, welcher Schächten
und auch vorbeten kann. Fixes Gehalt Mark 600. Schächten und
Nebenverdienste trägt ca. 400 Mark ein. Offerten unter Nr. 724 befördert
die Expedition dieses Blattes." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1902: "In hiesiger
Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Chasan und Schochet
per sofort zu besetzen. Das Gehalt beträgt inkl. Nebeneinkommen 1500 Mk.
nebst freier Wohnung. Seminaristisch gebildete Bewerber bevorzugt.
Wallertheim, im Juni.
Der Vorstand: Martin Isaak." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1907:
"Wir suchen per sofort einen Religionslehrer, Vorbeter und
Schochet, jährliches fixes Gehalt 700 Mark nebst freier Wohnung.
Nebeneinkommen inklusive Schechito circa 600 Mark. Seminaristisch
gebildete Bewerber wollen sich wenden an den Vorstand der israelitischen
Kultusgemeinde Wallertheim (Rheinhessen).
Auch suchen wir zu den bevorstehenden Feiertagen einen Vorbeter;
Bewerber wollen sich bei dem Vorstand melden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1909:
"Die Religionslehrer-, Kantoren- und Schachet-Stelle soll in
unserer Gemeinde sofort besetzt werden. Das Gehalt nebst freier Wohnung
beträgt 900 Mark und zirka 800 Mark Nebeneinkommen. Seminaristisch
gebildete Bewerber belieben ihre Zeugnisse einzureichen an den
Vorsteher
Moses Isaak Wallertheim (Rheinland)." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. Juni 1911: "Die Lehrer-,
Kantoren- und Schochetstelle
in hiesiger Gemeinde wird zum 1. August besetzt. Das Gehalt mit
Nebeneinkommen beträgt 1700 Mk. und freie Wohnung. Bewerber müssen
seminaristisch gebildet und stimmbegabt sein. Bewerbungen mit Zeugnissen
sind sofort einzureichen an den
Vorstand Moses Isaac Wallertheim, Rheinhessen."
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 17. Juli 1919: "Die Stelle
eines
Religionslehrers, Vorbeters und Schochets
soll sofort besetzt werden; seminaristisch Gebildete bevorzugt. Gehalt Mk.
1800. Nebenverdienst
vor dem Kriege ca. 800 Mark. Angebote erbeten an den Vorsteher Moses
Isaac.
Wallertheim (Rheinhessen), im Juli 1919."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1920:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeter und Schächter
ist in unserer Gemeinde zu besetzen. Gehalt 2.000 Mark. Nebenverdienst
etwa 1.000 Mark bei freier Wohnung. Außerdem Nebenerwerb vorhanden.
Wallertheim (Rheinhessen). Der Vorstand Moses Isaac." |
| Erneute Ausschreibungen im Mai 1920.
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Ausschreibungen der Stelle eines
Hilfsvorbeters für Jom Kippur bzw. die Hohen Feiertage (1916 / 1918)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 10. August 1916: "Für Jom Kippur
suchen wir einen
Hilfsvorbeter
Angebote wolle man einreichen an den Vorsteher
Moses Isaak. Wallertheim (Rheinhessen)" |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. Juli 1918:
"Wir suchen für die hohen Feiertage einen
Hilfsvorbeter, evtl. auch nur für Jom Kipur.
Angebote mit Gehaltsansprüchen bitten an den
Vorstand Moses Isaak. Wallertheim (Rheinhessen)." |
Lehrer Louis Uhlfelder - Artikel im
"Israelitischen Familienblatt (1909)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" (vom 7.Juni 1909: "Zur Methode des
Übersetzungs-Unterrichtes. Von Louis Uhlfelder,
Wallertheim.
Den Beratungsgegenstand der diesjährigen Versammlungen, sowie den
Mittelpunkt der gegenwärtigen pädagogischen Bewegung innerhalb der jüdischen
Lehrerkreise, bildet die Reform des hebräischen Übersetzungsunterrichtes.
Dass eine Verbesserung der seitherigen Methode einem Bedürfnis entspricht,
wer wollte dem widerstreiten! Allein, wie bei allen Fragen von fundamentaler
Bedeutung, berühren sich auch hier Gegensätze, welche die Klarheit nicht
fördern, sondern nur Verwirrung an-richten.
Während eine Seite die Notwendigkeit einer Verbesserung überhaupt nicht
anerkennen will, wird von anderer Richtung eine vollständige Umwälzung
angestrebt; man will die Übersetzungen durch philologische
Unterrichtstätigkeit gewinnen.
So schön diese Bestrebungen find, so viele Unmöglichkeiten stehen ihrer
Verwirklichung gegenüber. Da diese nicht innerhalb des Schulbereichs
begründet sind, kann dem Lehrerstande ihre Beseitigung nicht zur Aufgabe
gemacht werden.
Die hebräische Sprache ist eine tote Sprache; infolge von tief zu
beklagenden Verhältnissen ist das ihr entgegengebrachte Interesse auf ein
Minimum herabgesunken; ihre Anwendung findet nur beim Gebete statt.
Diese Tatsachen lehren uns, dass wir unmöglich, selbst mit Ausschaltung der
Entschuldigung der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit, die Übersetzung vom
Hebräischen ins Deutsche lediglich auf Grund der Sprach- und Sprechübungen
gewinnen können. Ein solcher Unterricht wäre auch vornehmlich an die oberen
Stufen gebunden, für die mittleren und noch mehr für die untere Stufe wäre
er gegenstandslos. Dazu kommt noch, dass er Gemüts- und Charakterbildung,
welche durch das Gebetübersetzen mitgefördert werden sollen, in ihren
Rechten bedeutend verkürzen würde.
Uns muss der Übersetzungsmodus Mittel zum Zweck sein; er hat nur das
mittelbare Interesse, der Übersetzung, d.h. dem stofflichen Inhalte muss
sich das unmittelbare Interesse zuwenden.
Mein Unterrichtsverfahren (namentlich für die untere Stufe) ist
nachstehendes:
Ich lege meinem Unterrichte eine sorgfältig ausgesuchte Stoffauswahl
zugrunde. Der jeweilige Stoff erleidet dann eine wohl angebrachte
Gliederung; jedes Glied besteht wiederum aus einer Anzahl von Sinnganzen.
Deren Umfang richtet sich nach der geistigen Reife der Schüler und der
bereits gewonnenen Fertigkeit im Übersetzen.
Der Unterricht beginnt nicht mit der Übersetzung, der sich dann erst die
Erläuterung anschließt; damit wäre dem Interesse kein Dienst geleistet. Die
erste Tätigkeit bildet vielmehr die inhaltliche Besprechung!; das Ergebnis
derselben wird sprachlich so formuliert, dass diese Zusammenfassung die
wortgetreue oder annähernd wörtliche Übersetzung wiedergibt. Auf jeden Fall
aber ist sie so beschaffen, dass durch sie die Übersetzung der Wörter, auf
denen der Gedanke ruht, leicht von selbst gefunden werden kann.
Dies Verfahren ist ebenso leicht anwendbar, wie es interessant ist, und
bereitet dem mechanischen Übersetzen ein Ende. Dieses wird hier auf Grund
der Apperzeption gewonnen; der Begriff ist schon vorhanden, bevor das Wort
eintritt.
Diese Methode ist keine neu erfundene; im Gegenteil, schon Comenius hat sie
für Erlernung der Sprachen empfohlen. — Es ist überhaupt nicht nötig, uns um
Aufsuchen einer 'neuen' Methode zu bemühen; die Ergebnisse der Pädagogik und
der mit ihr verknüpften Schwesterwissenschaften, wie sie für die anderen
Disziplinen Geltung haben, finden auch im jüdischen Religionsunterrichte
analoge Verwendung. Sie bewahren uns einerseits vor Mechanismus und
andererseits vor methodischen Spielereien und Künsteleien — beide gleich
gefährlich für das stetige, ruhige, und interessante Fortschritten des
Unterrichtes." |
Antrag von Isaac Oppenheimer auf Sitz eines Lehrers in Wallertheim in einer
Sitzung des Oberrates des Landesverbandes der israelitischen
Religionsgemeinschaften in Hessen (1927)
Aus
einem Abschnitt im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes der israelitischen
Religionsgemeinschaften in Hessen" von 1928 S. 1: "Herr Oppenheimer,
Gau-Bickelheim, wünscht, dass Wallertheim als Sitz eines Lehrers, Schochet
und Vorbeters bestimmt werde; einen namhaften Beitrag stellt er hierfür in
Aussicht und weist darauf hin, dass Wohnung bereitstehe." |
Lehrer
Rosenberg (Mainz) übernimmt den Religionsunterricht in Nieder-Saulheim,
Wallertheim, Vendersheim, Wörrstadt, Sprendlingen, Bodenheim, Essenheim,
Hahnheim, Nieder- und Ober-Olm, Weisenau, Gonsenheim und Mombach (1928)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes Israelitischer Gemeinden in Hessen"
vom Mai 1928 S. 6: "5.
Der Unterricht in Wöllstein,
Eich,
Heßloch mit Monzernheim und
Wachenheim wird Herrn Lehrer Salomon - Worms und der in
Nieder-Saulheim, Wallertheim mit
Vendersheim,
Wörrstadt,
Sprendlingen,
Bodenheim,
Essenheim,
Hahnheim,
Nieder- und
Ober-Olm,
Weisenau, Gonsenheim und Mombach Herrn
Lehrer Rosenberg - Mainz übertragen." |
Das gemeinsame Gesuch der israelitischen Gemeinden
Wallertheim, Wörrstadt und Nieder-Saulheim für die Anstellung eines
Verbandslehrers wird vom Oberrat nur eingeschränkt befürwortet (1929)
Mitteilung
im "Mitteilungsblatt der Landesverbandes der israelitischen
Religionsgemeinden Hessens" von 1929 12 S. 2 - Ergebnisse der Sitzung des
Oberrats vom 12. November 1929: "26. Auf das erneute Ersuchen des
Oberratsmitgliedes Oppenheimer, Mainz, für die drei Gemeinden Wallertheim,
Wörrstadt,
Nieder-Saulheim einen
Verbandslehrer anzustellen, wird erwidert, es sei Aufgabe dieser
leistungsfähigen Gemeinden für die Besoldungen aufzukommen, der Verband sei
jedoch eventuell bereit, einen mäßigen Beitrag zu leisten." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Ergebnisse von Spendensammlungen in
der Gemeinde
Anmerkung: In den jüdischen Gemeinden wurde regelmäßig für die
unterschiedlichsten Zwecke gesammelt. Die Ergebnisse wurden in jüdischen
Zeitschriften veröffentlicht. Nachstehend nur eine Auswahl der veröffentlichten
Spendenergebnisse für Wallertheim.
Aus
der Spendenliste in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August
1865 -
Sammlung angesichts einer "Hungersnot im Heiligen Land": "Durch Bernhard
Haas, Vorsteher der vereinigten Vereine zu
Gau Bickelheim, Wallertheim
und Eichloch bei Jom Kippur
Katan gesammelt 22 fl." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1869 - Sammlung "Zur
Unterstützung der notleidenden Glaubensgenossen in West-Russland":
"Durch Jos. Isaak in Wallertheim: Bernhart Samuel 1 fl. 16 kr., Sal.
Isaak 42 kr., Joseph Baum 30 kr., Simon Isaak 36 kr., Sal. Marx 18 kr.,
Martin Isaak 30 kr., Moritz Marx 12 kr., Jos. Isaak 56 kr., zus. 5 fl." |
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Mitteilung
in "Blätter - hrsg. vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der
Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland" vom 18. August
1921 - Sammlung "für ukrainische Waisenkinder": "Wallertheim:
Sammlung in der Israelitischen Gemeinde Wallertheim: Karl Isaak 30, Isaak
Oppenheimer 50, Moritz Berger 15, Hermann Berger 20, Richard Baum 30, Aug.
Baum 30, K. Baum 30, Mann 20, Abraham Bernhardt 20, Ludwig Isaak 10, Julius
Baum 15, Julius Isaak 25, Joseph Marum 20. Karl Isaak II 30, Moses Isaak 20.
Israel. Frauenverein 100, Otto Kostmann 20, Albert Berger 20, Max Baum 20,
Joseph Forst 20, Rosalie Isaac 2,50." |
50-jähriges Bestehen des
Wohltätigkeitsvereines Gemilus Chesed (1902)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Mai 1902: "Gau Bickelheim
(Rheinhessen). Unsere Chewra, die im Jahre
1852 gegründet und sich aus Mitgliedern der Gemeinden: Eichloch (= seit 1931
Rommersheim),
Gau Bickelheim: und Wallertheim zusammensetzt, verfolgt in erster Linie den
Zweck, Gemilos Chosed = Wohltätigkeit) auszuüben; bei Sterbefällen ist jedes Mitglied
verpflichtet, bei der Taharah (rituelle Waschung) zugegen zu sein, ebenso dem Gottesdienste
beizuwohnen; da die Chewra sich aus 3 Orten zusammensetzt, wird jedes Mal die
betr. Person bestimmt, die beim Minjan (= Zehnzahl der Männer beim
Gottesdienst) zugegen sein muss; alljährlich wird
zweimal Jom Kippur Katan gefeiert, und wird der Gottesdienst abwechselnd an der betr.
Gemeinde abgehalten; vor dem Beginn des Gottesdienstes findet
General-Versammlung mit gleichzeitiger Abrechnung statt, und wird regelmäßig
eine Geldspende vorgesehen, die an Bedürftige abgeführt wird. Da die Chewra
am 1. September dieses Jahres ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, wurde beschlossen,
dies festlich zu begehen; es wurde bestimmt, den Tag durch ein solennes
Festessen zu feiern." |
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Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. September 1902: "Gau
Bickelheim. Am 1. d. M. beging unsere Chewra in Wallertheim
ihr 50jähriges Jubiläum. Von den 33 Mitgliedern, die den Gemeinden Eichloch
(= Rommersheim),
Gau Bickelheim und Wallertheim
zugehören, waren 30 anwesend. Bei dem Festessen nach dem Gottesdienst gab
der Präsident der Chewra, Herr Martin Isaac, der einzige noch lebende
Mitbegründer der Chewra, in herrlichen Worten ein Bild des Zweckes und des
Wirkens des Vereins und spendete zum Andenken an diesen Jubiläumstag eine
größere Summe, deren Zinsen alljährlich für Wohltätigkeitszwecke verwendet
werden sollen. Um das Gelingen des Festes machte sich besonders Herr W.
Haas und Frau Bekkard verdient, die für Trank und Speise bestens
sorgten." |
Sechs jüdische Wallertheimer
wurden zu Unteroffizieren befördert (1908)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1908:
"Wallertheim, 29. November (1908). Im Zeitraum einiger Jahre dienten
aus unserer Gemeinde sechs jüdische Leute beim Militär, die alle den
Familiennamen Isaac führen. Alle sechs wurden trotz diesem kaum
förderlichen Namen zu Unteroffizieren befördert." |
Vereinigung der Synagogengemeinden Wallertheim und Gau Bickelheim (1917)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juni 1917: "Wallertheim
(Rheinhessen). (Vereinigung zweier Synagogengemeinden.) Das
diesjährige Schawuoth-Fest war für unsere Gemeinde als auch für die von
Gau Bickelheim ein besonderer
Festtag insofern, als sich beide Gemeinden vereinigt haben. Im
Hinblick auf die Bedeutung dieser Begebenheit begrüßte der Vorsteher der
Gemeinde Wallertheim, Herr Moses Isaac, in zündenden Worten
die Gemeindemitglieder Gau Bickelheims,
worauf der derzeitige Vorsteher der Gemeinde
Gau Bickelheim, Herr Isaac
Oppenheimer, das Wort ergriff, um für die Begrüßung der Mitglieder den
Dank abzustatten und zum Ausdruck zu bringen, dass der Anschluss umso
freudiger erfolgt sei, da die Gemeinde Wallertheim unter fast allen
jüdischen Landgemeinden Rheinhessens einen ersten Platz einnimmt, weil hier
der Gottesdienst in streng orthodoxer Weise und regelmäßig stattfindet. Mit
der Bitte zu Gott, dass der Anschluss zum Segen und zur Stärkung der
heiligen Sache unserer Religion gereichen möge, schloss die Anrede." |
Gründung eines
Frauen-Wohltätigkeitsvereins (1917)
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 23. August 1917: "Wallertheim
(Rheinhessen). Hier wurde ein Frauen-Wohltätigkeitsverein ins Leben
gerufen, dem fast sämtliche Frauen der Gemeinden Wallertheim und
Gau Bickelheim als Mitglieder
beigetreten sind." |
Vortragsabende der Ortsgruppe des "Central-Vereins"
("Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", 1922)
Mitteilung in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 30.
Juni 1922: "Wallertheim (Rheinhessen). 21.5. Bezirksrabbiner Dr.
Lewit, Alzey: 'Selbstlose und
selbstsüchtige Menschen'. Referendar Freund -
Darmstadt: 'Der Kampf ums Recht.'" |
70-jähriges Bestehen des Wohltätigkeitsvereins "Chevroh Gmiluth Chesed"
(1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1922: "Wallertheim
(Rheinhessen), 3. Oktober (1922). Am Vorabend zum Beginn des Monats Elul
(das war Donnerstag, 24. August 1922), beging der Verein Gemilus Chesed
der vereinigten Gemeinden Wallertheim, Gau-Bickelheim und
Armsheim (statt Arnsheim), die Feier seines 70-jährigen Bestehens. Vor
dem Gottesdienste begaben sich die Mitglieder unter Führung des
Präsidenten, Herrn Moses Isaak, zu dem einzigen noch lebenden
Mitbegründer des Vereins, dem 90-jährigen Ehrenpräsidenten Herrn Martin
Isaak, um ihm die Glückwünsche zu überbringen. In ehrenden Worten
gedachte Herr Moses Isaak der vielen Verdienste des Jubilars, die dieser
sich als ehemaliger Rechner und Präsident erworben habe. Dann begab man
sich zum Gottesdienst. Nach Schluss desselben fanden sich die Mitglieder
im Hause des Herrn Adolf Isaak zur gemütlichen Feier, die angesichts der
heutigen Zeitverhältnisse im engsten Rahmen gehalten wurde, zusammen. Als
erster ergriff Herr Präsident Moses Isaak das Wort und gab einen
Rückblick über die Entstehung und seitherige Tätigkeit des Vereins. Mit
einem kräftigen Appell an die jüngeren Mitglieder, dem Beispiel der
älteren Generation zu folgen in Treue und Pflichtbewusstsein, schloss er
seine interessanten Ausführungen. Herr Karl Isaak II schloss sich diesen
Ausführungen an und Herr Julius Haas, Bingen, gedachte seines Großvaters
als Mitbegründers und und ersten Präsidenten und seines Vaters. Sodann
ermahnte das Vorstandsmitglied Herr Isaak Oppenheimer die Mitglieder in
eindringlichen Worten, Treue dem Glauben zu wahren und stets das Erbe
unserer Väter durchzuhalten. Er gedachte ferner der im Weltkriege
gefallenen Mitglieder Alfred Baum und Bertold Isaak. Der Präsident dankte
allen für das gute Gelingen der schlichten Feier und gab noch bekannte,
dass der Verein noch drei Jubilare habe, nämlich die Herren Karl Isaak 1,
Adolf Isaak und Abraham Beckhard, die heute vor 50 Jahren dem Verein als
Mitglieder beigetreten seien. Auch ihnen sprach er seine Glückwünsche
aus. Herr Adolf Isaak dankte hierfür namens der Jubilare. Herr Karl Isaak
I bat die Versammlung daraufhin, die Feiert nicht vorübergehen zu lassen,
ohne auch heute praktisch Gemilus Chesed (Wohltätigkeit) geübt zu
haben. Eine vorgenommene Tellersammlung ergab eine größere Summe. Mit
Worten des Dankes an alle schloss daraufhin der Präsident, Herr Moses
Isaak, die schön verlaufene Feier." |
75-jähriges Bestehen des Wohltätigkeitsvereins "Chevroh Gmiluth Chesed"
sowie Ergebnis der Vorstandswahlen (1927)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessen" 1927 Nr. 4: "Wallertheim. (75-jährige Jubiläumstagung des
Wohltätigkeitsvereins der vereinigten Gemeindemitglieder Wallertheim,
Gau-Bickelheim, Armsheim). Die heutige Tagung gestaltete sich zu einem
wahren Festtage. Um den feierlichen Verlauf, um Gottesdienst, Vorträge und
Bewirtung machten sich in selbstloser, nacheiferungswürdiger Weise verdient:
Rabbiner Dr. Lewit, Alzey, J. Oppenheimer,
K. Isaac, L. Bronne, M. Isaac, I. Isaac, H. Berger. Die in schönster
Harmonie verlaufene Tagung wird allen Teilnehmern in steter Erinnerung
bleiben.
Wallertheim. Zum Vorstand der israelitischen Gemeinde wurden die
Herren J. Oppenheimer und A. Baum wiedergewählt." |
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Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 24. März 1927: "Wallertheim
(Rheinhessen). (75-jähriges Stiftungsfest.) Der Wohltätigkeits-Verein
(Chewroh Gemiluth Chesed) der vereinigten Gemeindemitglieder
Wallertheim, Gaubickelheim,
Armsheim feierte am Jom Kippur Kotaun sein 75-jähriges
Stiftungsfest, zu welchem alle Brüder fast vollzählig erschienen waren.
Die Mitglieder versammelten sich im Hause des Bruders Bronne in Armsheim,
wo zum ersten Male Gottesdienst abgehalten wurde. Der Präsident Moses Isaac
begrüßte die Brüder, wonach Bezirksrabbiner Dr. Lewit -
Alzey die Festrede hielt. Bruder
Oppenheimer, Gaubickelheim,
hatte ein Referat übernommen, das den Zweck der Chewrah schilderte
und in einen Appell an die Jugend ausklang, die bestrebt sein sollte, das,
was die Alten geschaffen, zu ehren und weiter zum Nutzen der Allgemeinheit
auszubauen.
Wallertheim. (Gemeindewahlen.) Bei der Neuwahl in der Gemeinde
wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder Isaac Oppenheimer,
Gaubickelheim, und August Baum,
Wallertheim, wiedergewählt." |
Feier des Verfassungstages,
Mitteilungen aus dem Wohltätigkeitsverein "Chevroh Gmiluth Chesed"
und weitere Mitteilungen (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1928: "Wallertheim,
27. August (1928). Am Samstag, den 11. August wurde beim
Frühgottesdienste durch eine feierliche Ansprache des Vorstandsmitgliedes
Oppenheimer, Gau-Bickelheim, des Verfassungstages
gedacht.
Der Wohltätigkeitsverein 'Chevroh Gmiluth Chesed', der auf ein
76-jähriges Bestehen zurückblicken kann, hielt anlässlich des Jom
Kippur Katan Erev Rosch Chodesch Elul, Gottesdienst mit nachfolgender
General-Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ergriff das
Mitglied des Vorstands, Herr Oppenheimer,
Gau-Bickelheim, das Wort, um dem
Präsidenten Moses Isaac, anlässlich seines 77-jährigen
Geburtstages im Namen der Brüder die Glückwünsche zu übermitteln. Herr
Moses Isaac steht seit 50 Jahren im Dienste des Vereins. Bis zum Jahre
1922 versah er die Ehrenstelle als Rechner, und von da ab wurde er
einstimmig zum Präsidenten gewählt. Er hat während den langen Jahren
des Bestehens des Wohltätigkeitsvereins fast nie bei den Tagungen
gefehlt. Dem Vorstand gehören seit 1901 an: Isaac Oppenheimer, Gau-Bickelheim,
Max Baum,
Wallertheim, der derzeitige Rechner ist Josef Marum in Wallertheim. Seit dem Kriege ist es der Israelitischen
Religionsgemeinde Wallertheim - Gaubickelheim noch nicht möglich
gewesen, wieder einen Lehrer anzustellen. Die Gemeinde ist jedoch
in der glücklichen Lage, dass ehrenamtlich die Vorbeterdienste
seit Jahren durch Herrn Oppenheimer Gau-Bickelheim, im Verhinderungsfalle
durch Herrn Max Baum versehen werden. Seit der Zeit, woselbst die Gemeinde
keinen Lehrer besitzt, wird die Tora-Vorlesung durch Herrn Karl Isaac
besorgt." |
Die jüdische Gemeinde gratuliert einem katholischen Priester zum 90. Geburtstag
(1928)
Anmerkung: Pfarrer Christoph Hüfner ist am 7. August 1838 geboren. Er wurde 1887
katholischer Pfarrer in Gau-Weinheim. Im November 1910 wurde ihm das Ritterkreuz
I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Hüfner starb
1933 im Alter von 95 Jahren und wurde an der Mauer der Kirche in Gau-Weinheim
bestattet.
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
in Hessen" vom September 1928 S. 9: "Wallertheim. Der Vorstand
unserer Gemeinde, Herr Emil Isaac, sandte dem 90jährigen Priestergreis,
Herrn Geistlicher Rat Pfarrer Hüfner in Gauweinheim folgendes
Glückwunschschreiben: Anlässlich der Vollendung Ihres 90. Lebensjahres
gestatten wir uns, Ihnen unsere herzlichsten Glück- und Segenswünsche zu
entbieten. Dankbar gedenken wir dabei Ihrer priesterlichen Tätigkeit, die
das Wort, 'Ein Fürst Gottes sei er in Eurer Mitte' wahrmachte. Unvergessen
bleibt Ihnen bei uns Ihr wahrhaft priesterlichfriedliches Auftreten in den
vergangenen antisemitischen Zeitläuften, in denen Sie gegen Unverstand und
Bosheit energisch Front machten.
Die Israeliten hiesiger Gemeinde werden nur mit Verehrung und Liebe von dem
lieben 'alten Weinheimer Pfarrer' sprechen.
Ihnen noch recht viele Jahre glücklichen Alters wünschend, begrüßen wir Sie
ergebenst
Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde." |
Links: Pfarrer Christoph Hüfner im Alter von 91 Jahren - zum Geburtstag
erschien eine Postkartenserie, einzelne Karten werden online immer wieder
angeboten. |
Aktivitäten des Wohltätigkeits- und
Bestattungsvereines "Chevroh Kadischo" um 1930
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessens" 1930 9 S. 7: "Wallertheim. Regelmäßig zweimal im Jahre, Erev
Rosch Chaudesch Adar und Elul (= am Vorabend zum 1. Adar und 1. Elul)
tritt die Generalversammlung des Wohltätigkeit-Verein Chevroh Kadischo
zusammen. Der Gottesdienst wird abwechselnd in Wallertheim und
Gau-Bickelheim abgehalten. Dem Vorstand gehören an: Moses Isaac, Max
Baum, Isaac Oppenheimer, früher Gau-Bickelheim, jetzt in Mainz wohnhaft.
Die Chevroh ist eine der ältesten der Landgemeinden Rheinhessens. Der
derzeitige Präsident Moses Isaac gehört der Ehevroh jetzt 60 Jahre an. Bei
der letzten Tagung wurde durch das Vorstandsmitglied Isaac Oppenheimer
den Brüdern bekannt gegeben, dass der Präsident seinen 80. Geburtstag
feierte, und hat er bei dieser Gelegenheit die Verdienste gewürdigt, die
sich der Jubilar um die Chevroh besonders erworben hat. Der Chevroh gehören
u. a. folgende noch rüstige Brüder an: Abraham Mann 86 Jahre,
versieht noch das Amt als Gemeinderechner, Moses Isaac, 79 Jahre,
Präsident, Adolf Isaac, 76 Jahre, Abraham Beckhard, 76 Jahre,
Josef Marum, 72 Jahre, derzeitig Rechner der Chevroh, Karl Isaac,
77 Jahre, Moritz Isaac, 73 Jahre, Mainz, Emil Isaac, 75 Jahre,
Frankfurt. Die Chevroh wird - so Gott will – im Jahre 1932 ihr 80jähriges
Bestehen feiern." |
Christlich-jüdisches Miteinander - zum 25jährigen Amtsjubiläum von Pfarrer
Weisel (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1931:
"Wallertheim, 18. Mai (1931). Am 6. Mai feierte Herr Pfarrer Weisel
in Wallertheim und Gau-Weinheim sein 25jähriges Amtsjubiläum. Dem
beliebten Seelsorger wurden an diesem Tage vielfache Ehrungen zuteil. In
einem Überblicke über seine Amtstätigkeit in der 'Wallertheimer
Heimatzeitung' schreibt nun Herr Pfarrer Weisel u.a.: 'Eine ganz besondere
Freude bereitete dem Jubilar die persönliche und auch schriftliche Teilnahme
der jüdischen Gemeinde und ihrer zahlreichen Glieder. Ich sehe in der
außerordentlichen Teilnahme gerade auch von dieser Seite eine
Anerkenntnis meiner Tätigkeit. Meine lieben jüdischen Mitbürger
zeichnen sich durch soviel hervorstechende Züge in ihrem Charakterbilde
aus, dass es ein großes Unrecht wäre, sie aus dem Volksleben als
unbequeme Elemente ausschalten zu wollen. Sie haben wie die anderen auch
ihre Söhne dem Vaterlande zur Verfügung gestellt. Und ihrer sind nicht
wenige auf dem Felde der Ehre gefallen. Antisemitismus ist eine
Pflanze, die sollte im deutschen Vaterlande, wo immer sie wächst, als
eine Giftpflanze ausgerottet werden." |
| Ähnlich der Bericht im
"Mitteilungsblatt..." |
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Verbandes israelitischer Religionsgemeinden in
Hessen" 1931 6 S. 6-7: "Wallertheim i. Rheinhessen. Anlässlich des
25jährigen Dienstjubiläums des Herrn Pfarrer Ludwig Weisel sprach dieser
ehrwürdige geistliche Herr Worte des Dankes für alle ihm zuteil gewordenen
Ehrungen, die verdienen, auch in jüdischen Kreisen bekannt zu werden. Dem
Bericht, welcher in der 'Wallertheimer und Gau-Weinheimer Heimat-Zeitung'
erschienen ist, entnehmen wir folgenden Absatz:
'. . . . Das Pfarrhaus in Wallertheim ist schon immer so eine Art
Bienenstand. Das ist an jedem Tag ein Kommen und Gehen. Was aber an dem
fraglichen 6. Mai alles ein- und ausgegangen ist, das ist ohne Zahl. Eins
reichte dem anderen die Hand. Junge und Alte, Männer und Frauen! Eine ganz
besondere Freude bereitete dem Jubilar die persönliche und auch schriftliche
Teilnahme der jüdischen Gemeinde und ihrer zahlreichen Glieder. Ich
sehe in der außerordentlichen Teilnahme gerade auch von dieser Seite eine
Anerkenntnis meiner Tätigkeit. Meine lieben jüdischen Mitbürger zeichnen
sich durch so viel hervorstechende Züge in ihrem Charakterbilde aus, das; es
ein großes Unrecht wäre, sie aus dem Volksleben als unbequeme Elemente
ausschalten zu wollen. Sie haben wie die anderen auch ihre Söhne dem
Vaterlande zur Verfügung gestellt. Und ihrer sind nicht wenige auf dem Felde
der Ehre gefallen. Antisemitismus ist eine Pflanze, die sollte im deutschen
Vaterlande, wo immer sie wächst, als eine Giftlanze ausgerottet werden.'"
|
Generalversammlung des Wohltätigkeits-
und Bestattungsvereines "Chevroh Kadischo" (März 1931)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Verbandes israelitischer Religionsgemeinden in
Hessen" 1931 3 S.8: "Gau-Bickelheim (Rheinhessen) Am Jom Kippur
Katan fand hier die Generalversammlung des Wohltätigkeitsvereins
der vereinigten Gemeinden Wallertheim,
Gau-Bickelheim und Armsheim 'Chewroh
Kadischo' in dem gastlichen Hause des Herrn Hermann Berger,
Gau-Bickelheim, statt. Den Vorsitz
führte der Präsident, Herr Moses Isaac, Wallertheim. Nach
Eröffnung der Versammlung ergriff das Vorstandsmitglied Herr Isaac
Oppenheimer, Mainz, das Wort zu einem Nachruf auf das am 28 . September
1930 verstorbene Mitglied Karl Isaac seligen Andenkens.
Eingehend ließ er nochmals das Bild dieses echten Jehudi vor dem geistigen
Auge der Versammlung aufleuchten, seine großen Verdienste um die Chewroh und
die jüdische Gemeinde Wallertheim hervorhebend. Mit einem Appell an
die Mitglieder, diesem teuren Entschlafenen im Eifer um die Erfüllung der
Mizwaus (religiösen Gebote) und Erhaltung unserer Kehilloh (Gemeinde)
nachzueifern, schloss er mit der Feststellung, dass sich die Versammlung zu
Ehren des verstorbenen Bruders Karl Isaac von den Sitzen erhoben
habe. Daran anschließend bat Herr Oppenheimer den Präsidenten, der - so
Gott will - dieses Jahr seinen 80. Geburtstag begehen kann, von seinem
Entschluss, den Vorsitz aus Gesundheitsrücksichten niederzulegen, abzusehen,
und würdigte die Verdienste des Herrn Moses Isaac, der jetzt 60 Jahre
Mitglied des Vereins ist, in anerkennenden Worten. Einstimmig machte sich
die Versammlung diesen Wunsch zu eigen und erreichte, dass Herr Moses
Isaac weiter das Amt des Vorsitzenden beibehält. Herr Moses Isaac
gab dann den Jahresbericht und erwähnte, dass der Verein demnächst - mit
Gottes Hilfe - sein achtzigjähriges Jubiläum feiern kann. Die Versammlung
wählt auf Vorschlag des Herrn Moses Isaac die Herren Isaac Oppenheimer,
Mainz, Otto Kohlmann, Wallertheim und Max Baum,
Wallertheim, als Kommission zur Vorbereitung des Jubiläums. Herr Emil
Isaac, Wallertheim, sprach Herrn Oppenheimer, seinen Dank aus für
den warm empfundenen Nachruf auf seinen Vater und machte dem Verein zum
ehrenden Gedächtnis an seinen Vater Karl Isaac eine Stiftung. Nach
Erledigung verschiedener Fragen schloss Herr Moses Isaac die Versammlung." |
Generalversammlung des
Wohltätigkeits- und Bestattungsvereines "Chevroh Kadischo" (September 1931)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinden
Hessens" 1931 9 S. 10: "Wallertheim (Rheinhessen). Am Erev Rosch
Chodesch Elul (am Vorabend zum 1. Elul) fand hier anschließend an den
Jom Kippur Katan - G'ttesdienst eine Trauerkundgebung für die
verstorbenen drei Mitglieder der Chewra Kadischa statt. Die
Kundgebung wurde durch das Vorstandsmitglied Bruder Isaak Oppenheimer
- Mainz veranlasst, der auch die Gedenkreden auf die Brüder Moses und
Karl Isaak seligen Angedenkens und Otto Kohlmann
seligen Angedenkens hielt. Er übergab anschließend an seine
Gedächtnisworte der Gemeinde eine gestiftete Gedenktafel zum ehrenden
Gedächtnis an das Ehepaar Karl und Rosa Isaac seligen
Angedenkens — Nach dem Kaddisch-Gebet der Hinterbliebenen
versammelten sich die Brüder im Hause des Bruders Max Baum, woselbst
die Generalversammlung des Wohltätigkeitsvereins Wallertheim,
Gau Bickelheim und Armsheim
stattfand. Ursprünglich war geplant, diese Versammlung anlässlich des 80
jährigen Bestehens der Chewra feierlich zu begehen. Doch durch den
Tod des Präsidenten und zweier Mitglieder war tiefe Trauer anstelle der
Freude getreten und man beging den Tag im Gedenken an die verstorbenen
Mitglieder. In seiner Rede ermahnte Bruder Oppenheimer die Jugend, sich das
Wirken der Brüder Moses und Karl Isaac s. A. für die religiöse Gemeinschaft
als Vorbild zu nehmen und in ihrem Sinn zu leben, damit der Fortbestand der
Gemeinde gesichert sei. Nach Abwicklung der Tagesordnung schritt man zur
Neuwahl des Vorstandes. Gewählt wurden: Bruder Max Baum als
Präsident, Bruder Isaak Oppenheimer als Vizepräsident, Bruder
Albert Berger als 3. Vorstandsmitglied, Bruder Josef Marum als
Rechner. Anwesend bei der Feier waren außer den hiesigen Mitgliedern die
auswärtigen aus Frankfurt, Grünstadt,
Mainz und Worms. Bruder Emil Isaac - Wallertheim stiftete
einen weiteren Beitrag zu der bestehenden Karl und Rosa Isaac-Stiftung,
während Bruder Josef Isaac -
Grünstadt zum Andenken an seine Eltern eine Moses und Helene
Isaac-Stiftung und Ehrenmitglied Emil Isaac - Frankfurt zur
Ehrung seines an diesem Tage seinen 77. Geburtstag feiernden Bruders eine
Adolf und Berta Isaac-Stiftung errichteten. Bruder Karl Isaac -
Worms stiftete ferner anlässlich seiner 30-jährigen Mitgliedschaft einen
Betrag für wohltätige Zwecke. Bruder Max Baum sprach noch seinen Dank
aus für das ihm durch seine Wahl erwiesene Vertrauen, worauf Herr
Oppenheimer die schön verlaufene Versammlung schloss." |
Berichte zu einzelnen Gemeindegliedern
Zum Tod von Josef Hermann Baum (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1911: "Wallertheim,
21. März. Letzten Samstag verschied hier im Alter von 69 Jahren Herr Jos.
Herm. Baum, wenige Monate nach dem Tode seiner teuren Gattin. Durch die
Geradheit und Bescheidenheit seines Charakters hat sich der Dahingeschiedene
zahlreiche Freunde erworben und neben seinen Angehörigen trauern viele, die
ihm durch geschäftlichen und privaten Verkehr nahe standen. Welch großer
Hochachtung und Wertschätzung sich der Verblichene in allen Kreisen der
hiesigen Bevölkerung erfreute, bewies das große Trauergefolge, das sich aus
allen Konfessionen zusammensetzte. Am Grabe schilderte der Bezirksrabbiner
in ergreifenden Worten die Verdienste des wackeren Mannes, der als Mensch
und als Jude gleich vorbildlich dastand, und gab dem Gefühle allgemeiner
Trauer und dem herben Verlust, dm Familie und Ort erlitten, einen tief
empfundenen Ausdruck.
Alle, die den Verstorbenen kannten, werden ihm ein gutes Andenken bewahren.
Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Dr. Max Duschinsky verlegt seine
Praxis wieder von Mainz nach Wallertheim (1913)
Artikel
in "Das jüdische Blatt" vom 6. Juni 1913: "Wallertheim (Rheinhessen).
Der praktische Arzt und Zahnarzt, Herr Dr. Max Duschinski in Mainz,
der vor seiner Niederlassung in Mainz mehrere Jahre hier praktizierte,
verlegte seinen Wirkungskreis nun wieder nach dem schönen Wallertheim.
Die Einwohner begrüßen diesen Schritt des tüchtigen und angesehenen Arztes
aufs lebhafteste, war doch die Stelle hier seit seinem Weggang verwaist
geblieben. O.J." |
Silberne Hochzeit von Karl Isaac I
und Rosa geb. Mayer (1913 / 1914)
Artikel
in "Das jüdische Blatt" vom 15. Oktober 1913: "Wallertheim
(Rheinhessen). Herr Karl Isaac I und Frau Rosa geb. Mayer können Baruch
HaSchem (gepriesen sei G"tt) am zweiten Tag von Sukkot
(Laubhüttenfest) das Fest ihrer silbernen Hochzeit feiern. Beide
erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. Herr Isaac ist seit 1877
ununterbrochen Bal Tokeah (Schofarbläser) hiesiger Gemeinde." |
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Artikel
in der "Neuen jüdischen Presse" ("Frankfurter Israelitisches Familienblatt")
vom 12. Juni 1914: "Wallertheim (Rheinhessen). Am Schabbos vor
Schewuaus (Wochenfest) übernahm der Vorstand der hiesigen Gemeinde, den von
Karl Isaac I. und seiner Gemahlin Frau Rosa Isaac geb. Mayer
anlässlich ihrer silbernen Hochzeit gestifteten Toraschmuck. Der
Vorstand dankte namens der Gemeinde.
Auch Lehrer Maier nahm Veranlassung, in von Herzen kommenden Worten
den Spender als einen Mann zu feiern, bei dem Theorie und Praxis in schöner
Harmonie übereinstimmten. Immer wieder müsse er, wenn er sich mit Herrn
Isaac unterhalte, das große jüdische Wissen, über das dieser verfüge,
bewundern. Er bedauere nur, dass Herr Isaac, der schon so unendlich viel für
das religiöse Leben in der Wallertheimer Gemeinde geleistet habe, und den
leider seine Krankheit infolge des Bahn-Unglücks bei Mainz ans Bett fessele,
seine Gabe der Gemeinde nicht selber überreichen konnte." |
Zum Tod von Alfred Baum - gefallen 1915
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1915:
"Wallertheim (Rheinhessen), 1. November 1915. In tiefe Trauer
ist die hiesige jüdische Gemeinde durch den Verlust eines ihrer Besten
versetzt worden. Alfred Baum hat auf dem Felde der Ehre den Heldentod
fürs Vaterland erlitten. Um ihn weinen eine edle Gattin und Kinder,
Verwandte und Freunde in großer Zahl. Die heißesten Wünsche all derer,
die ihn kannten, begleiteten ihn, als er zu Beginn des Krieges hinauszog,
um mit wahrhaft jüdischer Pflichttreue seinem Vaterlande zu dienen. Wie
überall in seinem Leben, so erwarb er sich auch draußen in hohem Maße
das Vertrauen seiner Vorgesetzten und Kameraden, ohne seine Pflichten als
strenger Jehudi zu vernachlässigen. Kurz vor Rosch Haschana
(Neujahrsfest) wurde er schwer verwundet und nach zwei Monaten hauchte er
seine edle Seele aus, zum tiefsten Schmerze seiner Familie, seiner Freunde
und seiner Gemeinde! Schien er doch dazu berufen, in seiner Heimat Tora
und Gottesfurcht zu erhalten und fortzupflanzen. Im Hause Bondi, Mainz,
hatte er in seiner Jugend Gelegenheit neben seiner kaufmännischen
Ausbildung auch seinen jüdischen Charakter zu befestigen, mit dem er ein
Segen seiner Umgebung wurde. Wie verstand er es, die Gemeinde in seinem
Gebete hinzureißen, als er noch am letzten Pessach, auf Urlaub weilend,
für den abwesenden Chassen (Vorbeter) vor den Omed
(Lesepult) trat und mit seiner wohlklingenden Stimme die Gebete so
verständnisvoll und innig vortrug. Von seinem echt jüdischen Hause ging
ein warmer Strahl echter Gottesfurcht aus, der Licht und Wärme ringsherum
in seinem kleinen Kreise verbreitete. Das sag man so recht am vergangenen Rosch Haschana, als bei Anlass der Einweihung des von ihm gestifteten
Toramäntelchens der Vorsteher, Herr Isaak, des Schwerverwundeten in
warmen, rührenden Worten gedachte, und die ganze Gemeinde unter Tränen
um seine Genesung betete. Wer das innige Familienleben kannte, in welchem
sich des Verblichenen leider so kurze Laufbahn bewegte, der wird den
Schmerz der schwer geprüften Gattin und Verwandten ermessen können. Die
ganze Gemeinde trauert um ihn und wird ihm ein ewiges, ehrendes Andenken
bewahren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Über den Kriegseinsatz von Fritz Beckhardt (ausgezeichnet u.a. mit dem Eisernen
Kreuz I, Artikel von 1936)
Siehe Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Beckhardt (ausführlich, auch zum
weiteren Lebenslauf bis zu seinem Tod 1962 in Wiesbaden, mehrere Fotos).
Genealogie:
https://www.geni.com/people/Fritz-Joseph-Beckhardt/6000000003342803162. Die
Eltern von Fritz Beckardt waren Abraham Beckhardt (geb. 27. Juli 1854 in
Wallertheim, gest. 9.März 1939 in Alzey auf Grund der Misshandlungen beim
Novemberpogrom 1938) und Franziska geb. Meyer (geb. 14. November 1856 in
Ober-Olm, gest. 17. Februar 1940 in Alzey).
Artikel
in der Zeitschrift "Der Schild" vom 7. Februar 1936: "Kamerad Fritz
Beckhardt.
Fritz Beckhardt aus Wallertheim in Hessen. Sohn des Herrn
Abraham Beckhardt, ist im Juli 1914 noch als Kaufmann in Marseille. Schon
war das heraufziehende Weltgewitter zu spüren, unter Schwierigkeiten gelangt
er aus Frankreich nach Deutschland und ist am ersten Mobilmachungstag schon
in Altona. Als Freiwilliger macht er den Krieg von Anfang an an der
Westfront mit. Mit Mörserbatterien nach Belgien — Verwundung —
Patrouillenführer. Dann Ausbildung zum Flugzeugführer bei der
Fliegerschule Hamburg. Zunächst Kommando zum Flugpark 4 nach Gent, von da zu
AOK. Abt. 3: Fernaufklärung. — Artillerieschutzstaffel 1, beim
Jagdgeschwader 3. Jagdstaffel 11.
Nach einem glücklich verlaufenen Absturz und Erringung der 60 Punkte für das
Flugzeugführer-Abzeichen zur Jagdfliegerschule Valencienne. Berühmte
Namen tauchen auf: Loerzer. Bäumler, Göring — Jagdstaffel 26. Die blutigen
Kämpfe in Flandern werden lebendig: Huthoulster Wald, Kemmel Fliegerglück
und Fliegerpech.
Beckhardt gelingen im ganzen
17 anerkannte Abschüsse
feindlicher Flieger und Fesselballons.
Einmal gelingt es ihm, an einem Tage drei Fesselballons abzuschießen.
Aber ein andermal muss er sich selbst aus dem brennenden Flugzeug
durch Fallschirm-Absprung retten.
Nach wohlverdientem Erholungsurlaub wird Beckardt zu den Fliegern nach
Lahr-Dinglingen versetzt, um die Heimat vor den zunehmenden feindlichen
Fliegerangriffen zu schützen. Es gelingen ihm Abschüsse von Bombenfliegern,
die Rottweil unerwünschten Besuch abgestattet hatten. Die Demobilmachung
setzt seiner Fliegertätigkeit ein Ende.
Sechs Auszeichnungen bringt er mit heim: Den Hausorden von Hohenzollern
mit Schwertern, das Eiserne Kreuz I., das Eiserne Kreuz II. die
Hessische Tapferkeitsmedaille. den Hessischen Ernst-Ludwig Orden. das
Flugzeugführer- und das Verwundeten-Abzeichen. Und außerdem einen für
Tapferkeit im Luftkampf gestifteten Ehrenbecher.
Das ist unser Kamerad Fritz Beckhardt." |
80. Geburtstag von Isaac Mayer (1916)
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. März 1916: "Wallertheim
(Rheinhessen). Eines der ältesten Mitglieder unserer Chewroh Gmiluth
Chessed, Herr Isaac Mayer, wohnhaft in Worms, wird am Sonnabend,
den 25. März, achtzig Jahre alt." |
Anzeige zum Tod von Rosa Isaac geb. Mayer (1865-1923)
Anmerkung: vgl. oben zur Silbernen Hochzeit 1913.
Grabstein in der Seite zum Friedhof
abgebildet.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1923:
"Statt Karten. Todes-Anzeige.
Meine herzensgute, innigstgeliebte
Frau, unsere liebe fürsorgliche Mutter, Schwiegermutter, Schwester,
Schwägerin, Tante und Cousine
Frau Rosa Isaac geb. Mayer
hat nach
Gottes unerforschlichem Ratschluss nach langem schwerem, mit unendlicher
Geduld ertragenem Leiden heute Abend 8 Uhr im Alter von 58 Jahren das
Zeitliche gesegnet. Wallertheim (Rheinhessen),
Ober-Olm bei Mainz, den 16.
September 1923.
In tiefer Trauer: Karl Isaac Emil
Isaac Otto Isaac
Alex Abraham und Frau
Johanna geb. Isaac Emma Mayer Rosalie
Isaac.
Die Beerdigung hat am 18. September in
Wallertheim stattgefunden." |
Zum 50-jährigen Jubiläum des Baal Tokeah (Schofarbläsers)
von Karl Isaac (1926)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1926:
"Wallertheim, 20. August (1926). Am nächsten Rosch Haschonoh
(= jüdisches Neujahrsfest) begeht
- so Gott will - der 73jährige Herr Karl Isaac, Senior der
Getreidehandlung Karl Isaac und Co., ein seltenes Jubiläum. 50 Jahre sind
es, dass der Jubilar Baal Tokeah (= Schofarbläser) der hiesigen
Religionsgemeinde ist. Als Nachfolger seines Onkels, der ebenfalls lange
Jahre Baal Tokeah war, mahnt er nun schon 50 Jahre durch des Schofars
(https://de.wikipedia.org/wiki/Schofar)
Stimme die Gemeinde zur heiligen Einkehr und Selbstbesinnung. Außerdem
wirkt er bereits ununterbrochen von Beginn des Krieges 1914, seit der
'lehrerlosen' Zeit, als Baal Koreh (Vorleser,
https://de.wikipedia.org/wiki/Toravorlesung), immer in dem Bestreben, die Institutionen
der Gemeinde hochzuhalten, die leider auch schon unter dem Einfluss des
Zeitgeistes gelitten hat. Dies lässt ihn trotzdem nicht zurückschrecken,
in seinem Bestreben die Heilighaltung der Tora in der Gemeinde zu
vertiefen. Unser Wunsch zu seinem Ehrentage, dem namens des
Wohltätigkeitsvereins Wallertheim -
Gau-Bickelheim - Armsheim am
vergangenen Jom-Kippur-Katan anlässlich der General-Versammlung bereits
das Vorstandsmitglied Herr Isaac Oppenheimer
Gau-Bickelheim beredten
Ausdruck verlieh, ist der. Mögen seine Bemühungen von Erfolg gekrönt
sein, und seine Kraft noch lange Jahre der Gemeinde erhalten
bleiben." |
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Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
in Hessen" 1926 10 S. 6: "Wallertheim (Rheinhessen). Der Senior der
Getreidehandlung Karl Isaac & Co., der 73-jährige Herr Karl Isaac
konnte am Rosch-Haschonoh-Feste ein seltenes Jubiläum begehen. War
doch ein halbes Jahrhundert verflossen, seit Herr Isaac die ehrenamtliche
Funktion eines Baal Tokeah in der hiesigen Religionsgemeinde ausübt.
Aus diesem Anlass hatte die Gemeinde an dem Ehrentage den Synagogenplatz des
Jubilars mit einem schönen Blumenarrangement mit der aus Blumen bestehenden
Zahl 50 geschmückt und das stellvertretende Mitglied des Oberrates unseres
Landesverbandes, Herr Isaac Oppenheimer,
Gau-Bickelheim, feierte in
herzlichen Worten den Jubilar, der nicht nur ein umsichtiger und
arbeitsfreudiger Kaufmann sei, sondern der neben seiner beruflichen
Tätigkeit die Zeit gefunden, für die Erhaltung unserer heiligen Emunah (=
Wahrheit, Religion) auf dem Lande zu wirken. So sei er nicht nur schon
50 Jahre Baal Tokeah, sondern versehe auch seit der 'lehrerlosen'
Zeit die Funktion eines Baal Koreh, immer in dem Bestreben, die
Institutionen der Gemeinde hochzuhalten. Herr Isaac dankte, indem er die
Gemeinde bat, wenn sie ihm eine Ehre erweisen wolle, dann sollten die
Mitglieder wieder regelmäßig zum Minjan kommen. Somachti b’omrim li bes
ad. nelech (Psalm 122,1 Ich freue mich mit denen, die zu mir sprechen: Ins
Haus des Ewigen lasset uns gehen). Er wies auf die Vergangenheit der
Kehillo (jüdischen Gemeinde) Wallertheim hin, die immer unter den
rheinhessischen Landgemeinden mit an erster Stelle gestanden habe. Die
Mitglieder sollen nicht unter der Berufslast die hohen, sittlichen Ideale
der Religion vergessen gemäß der Mahnung: 'W'chesef w'sohof lo jarbe -lo
m’od! Unser Wunsch: Möge Herr Karl Isaac noch lange Jahre in Gesundheit
seine hohe Funktion versehen zu Ehren unserer heiligen Religion."
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Zum 70. Geburtstag von Karl Isaac (1923)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1923: "Wallertheim
(Rheinhessen), 9. August (1923). Am Schabbat Debarim (= Schabbat
mit der Toralesung Debarim = 5. Mose 1,1 - 3,22; 21. Juli 1923)
vollendete der Seniorchef der Getreidefirma Karl Isaac und Co., Herr Karl
Isaac, sein 70. Lebensjahr. Herr Isaac ist seit 1877 ununterbrochen Bal Tokeah (Schofarbläser) der hiesigen Gemeinde und seit der 'lehrerlosen'
Zeit vollzieht er auch die Funktion des 'leienens' (Vorlesen aus der
Tora). Seine Verdienste um das synagogale Leben der Kehillo (Gemeinde) hob
der Gemeindevorsteher unter gleichzeitiger Danksagung namens der Gemeinde
hervor. Möge ihm ein hohes Alter beschieden sein und er sich der
Segnungen erfreuen, die von ihm ausgehen." |
Umzug von Isaac Oppenheimer von
Gau-Bickelheim / Wallertheim nach Mainz (1929)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
in Hessen" 1928 6 S. 7: "Mainz. Das Mitglied unseres Oberrats, Herr
Isaac Oppenheimer aus Gau-Bickelheim,
hat seinen Wohnsitz von Wallertheim nach Mainz verlegt. Bei dem
anlässlich des Einzuges in die neue Wohnung veranstalteten Lernen kam sowohl
das Bedauern der Gemeinde Wallertheim über den Fortzug des Herrn Oppenheimer
zum Ausdruck, wie auch die Hoffnung der Mainzer Gemeinde, dass Herr
Oppenheimer in seiner bekannten Begeisterung für jüdische Angelegenheiten
nunmehr sich dem Landesverbande der israelitischen Religionsgemeinden
Hessens, wenn möglich, noch intensiver zur Verfügung stellen wird." |
Zum 85. Geburtstag von Abraham Mann
(1929)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer
Religionsgemeinschaft in Hessen" 1929 7-8 S. 7: "Wallertheim. Am 24.
Mai dieses Jahres vollendete Herr Abraham Mann als ältester Bürger
Wallertheims sein 80. Lebensjahr. Ein Beweis für seine körperliche und
geistige Rüstigkeit dürfte die Tatsache sein, dass er die zu seinem
Geburtstage eingelaufenen 185 Glückwunschschreiben in 1 1/2 Tagen mit
eigenhändiger vorzüglicher Schrift beantwortete." |
Zum Tod von Karl Isaac (1930)
Artikel
im Israelitischen Familienblatt" vom 1. Oktober 1930: "Wallertheim
(Rheinhessen). Am ersten Tag Rausch Haschonoh (Neujahrsfest) starb
der frühere Vorstand unserer Gemeinde, Herr Karl Isaaac, im 77.
Lebensjahre. Herr Isaac gehörte mehr als zwei Jahrzehnte dem
Gemeindevorstand an und hat sich in dieser Zeit unschätzbare Verdienste um
den Bestand der Gemeinde erworben. Aber nicht nur bei seinen jüdischen
Mitbürgern, auch bei den Nichtjuden, weit üb den engen Umkreis seiner
Gemeinde hinaus, war er hoch geachtet. Rabbiner Dr. Lewit aus Alzey,
hob an seinem Grabe seine Verdienste hervor." |
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Ähnlicher
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 8. Oktober 1930.
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Artikel
im "Mitteilungsblatt des Verbandes israelitischer Religionsgemeinden" 1930
10 S11-13: "Wallertheim (Rheinhessen): Am 1. Tag von Rosch
Haschana (Neujahrsfest) verschied dahier nach schwerem Leiden Herr
Karl Isaac Senior der Getreidehandlung Karl Isaac & Co. Die Beerdigung
am Zaum Gedaljah (https://de.wikipedia.org/wiki/Zom_Gedalja)
fand unter überaus starker Beteiligung statt. Der Krieger- und
Soldatenverein und die Turngemeinde Wallertheim begleiteten mit ihren Fahnen
unter Vorantritt der Kapelle des Kriegervereins ihr verstorbenes Mitglied
auf dem letzten Wege. Die evangelische Kirchengemeinde gab ihrer
Wertschätzung durch Läuten der Glocken Ausdruck. Herr Bezirksrabbiner Dr.
Lewit, Alzey, schildert die hervorragenden
Eigenschaften des Verblichenen: seine Frömmigkeit, seinen Fleiß und seine
unermüdliche Wirksamkeit im Dienste der israelitischen Gemeinde Wallertheim.
Fünfzig Jahre hindurch hat der Entschlafene die ehrenamtliche Funktion eines
Baal Tokeah (Schofarbläser) ausgeübt; 16 Jahre lang war er Baal
Koreh (Vorleser der Tora im Gottesdienst) und hat durch sein Eingreifen
die Abhaltung des Gottesdienstes nach orthodoxem Ritus ermöglicht. Jede
Gelegenheit benutzte er, um die Gemeindemitglieder anzuspornen zum treuen
Festhalten an unserer Ueberlieferung und nichts lag ihm mehr am Herzen, als
das Minjan in unserer Gemeinde zu erhalten. Somachti b’omrim li bes
ad. nelech (Psalm 122,1 Ich freue mich mit denen, die zu mir sprechen: Ins
Haus des Ewigen lasset uns gehen), das war der Wunsch, den er aussprach,
als ihn die Gemeinde am Rosch haSchanah (Neujahrsfest) 1926
anlässlich des 60jährigem Jubiläums als Baal Tokeah ehren wollte.
Aber auch als deutscher Staatsbürger stellte er seinen Mann. Er war mit Leib
und Seele Soldat. Schon im zweiten Dienstjahr wurde er bei dem
Leibdragonerregiment in Darmstadt zum Unteroffizier befördert, was bei der
damaligen Einstellung in einem so feudalen Regiment und als
Nicht-Einjähriger schon etwas bedeutete. Er war der Liebling des Prinzen von
Battenberg, der ihn bei seiner Wahl zum Fürsten von Bulgarien (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_I._(Bulgarien)) bewegen
wollte, mit nach Bulgarien zu gehen. In seinem militärischen Führungszeugnis
wurde er sowohl dienstlich als auch moralisch als 'Muster' bezeichnet. — Am
Grabe dankte noch in formvollendeter Rede Herr I. Oppenheimer, Mainz
(früher Gau Bickelheim) dem
Dahingeschiedenen namens der Kehilloh (Gemeinde) für die
unschätzbaren Dienste, die er für die Gemeinde geleistet hat. Sein Heimgang
bedeutet für das jüdische Leben in der Gemeinde Wallertheim einen
unersetzlichen Verlust. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod von Moses Isaac (1931)
Artikel
in "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
in Hessen" vom Juni 1931 S. 7: "Wallertheim (Rheinhessen). Am 18. Mai
verschied Herr Moses Isaac im 80. Lebensjahr, nachdem ihm 8 Tage
vorher sein Teilhaber und Schwiegersohn Herr Otto Kohlmann im Tode
vorangegangen war. Mit ihm ging ein Mann von starker Aktivität und
unermüdlichem Fleiß in das Reich des ewigen Friedens ein. Ausgestattet mit
reichen Gaben des Geistes, hat er es verstanden, gemeinsam mit seinem
Bruder, Herrn Karl Isaac seligen Andenkens, der vor einem halben
Jahre das Zeitliche segnete und dessen vorbildliches Wirken für das jüdische
Leben in unsrer Gemeinde bereits in diesen Blättern gewürdigt wurde, seine
Stammfirma M. u. K. Isaac zu hoher Blüte und großem Ansehen zu bringen. Aber
es genügte ihm nicht, sich nur geschäftlich zu betätigen. Er suchte und fand
seine Befriedigung auch im Wirken für die Religionsgemeinde. 45 Jahre stand
er an den Jomim Noroim (= Hohe Feiertag im Herbst) als Dolmetsch der
Gemeinde im Vortrag des Schachrithgebetes vor seinem Gotte. 30 Jahre, — bis
zum Jahre 1921 — davon 12 Jahre als Vorsitzender, war er im Vorstand der
Gemeinde und förderte vortrefflich deren Belange. Es sei nur daran erinnert,
dass auf sein Betreiben hin im Zusammenwirken mit Herrn Isaac Oppenheimer (Gaubickelheim)
der Zusammenschluss der Gemeinden Wallertheim und
Gaubickelheim erfolgte. Er war 60
Jahre Mitglied der Chewrah Kadischah (Wohltätigkeitsverein), deren
Präsident er war, nachdem er vorher jahrelang das Amt des Rechners versah.
Er war, um ein Wort der letztwöchigen Sidroh zu gebrauchen, ein Isch al
diglau, ein Mann, der auf seinem Posten war, der auf dem Platze, auf dem
er stand, seine Aufgabe restlos erfüllte. Die Beerdigung am 15. Mai legte
Zeugnis ab von seinem Ansehen. Wiederum brachte die evangelische Gemeinde
unter ihrem vorurteilsfreien Pfarrer ihre Wertschätzung durch Läuten der
Kirchenglocken zum Ausdruck. Am Grabe würdigte Herr Rabbiner Dr. Levi,
Mainz, die Persönlichkeit des Verstorbenen. Die formvollendete Grabrede
weckte starken Widerhall in den Herzen der Leidtragenden und hinterließ —
und das muss in der heutigen Zeit hervorgehoben werden — einen tiefen
Eindruck, besonders bei den vielen christlichen Teilnehmern an der
Bestattung. Namens der Chewrah Kadischah und des Gemeindevorstandes
brachte in ergreifenden Worten Herr Isaac Oppenheimer (Mainz) die
Trauer um den Dahingeschiedenen zum Ausdruck. Möge das Vorbild des
Verstorbenen seinem Neffen und Nachfolger in dem Vorsitz der Gemeinde, Herrn
Emil Isaac, der Wegweiser sein, die einst blühende Gemeinde vor dem
Verfall zu schützen." |
Zum Tod von Adolf Isaak (1927)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes der israelitischen
Religionsgemeinden Hessens" 1932 3 S.5: "Wallertheim (Rheinhessen).
Im Alter von nahezu 78 Jahren starb am 4. Februar Herr Adolf Isaak
nach einem arbeitsreichen Leben. Bei der Beerdigung am 7. Februar gab Herr
Rabb. Dr. Levi, Mainz, in Vertretung des zuständigen Kreisrabbiners,
da wegen des Neumondfestes keine Trauerrede gehalten werden durfte, eine
kurze Würdigung von der Persönlichkeit des Verstorbenen und wies auf das
schöne Verhältnis hin, das den Dahingeschiedenen während vier Jahrzehnten in
seinem Beruf als Metzger mit einem nichtjüdischen Kollegen verband. In
herrlichen Worten rief der Herr Rabbiner der Trauergemeinde jene vergangenen
Zeiten ins Gedächtnis zurück, in denen die Verwilderung der Sitten noch
nicht herrschte und wo man in jedem Menschen noch seinen Nächsten sah. Mit
seinen trefflich gewählten Worten hinterließ der Herr Rabbiner einen tiefen
Eindruck, besonders bei den vielen nichtjüdischen Teilnehmern an der
Bestattung." |
Gemeindevorsteher Emil Isaac wird
Mitglied im Oberrat des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessens (1931)
Aus
dem Protokoll im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer
Religionsgemeinden Hessens" 1931 7 S. 3: "An Stelle des Herrn Küchler,
Alzey, der eine Wiederwahl abgelehnt hat,
schlägt Herr Isaak Oppenheimer, Mainz, Herrn Emil Isaac,
Erster Vorsteher der Gemeinde Wallertheim, vor. Herr Oppenheimer
begründet seinen Vorschlag mit der orthodoxen Gesinnung des Herrn Isaac und
dem Wunsche, die paritätische Behandlung der Orthodoxie zum Ausdruck zu
bringen. Dementgegen beantragt Lehrer und Rechner Stern, Alzey, den Sitz dem
neuzubildenden Vorstand der Israel. Gemeinde
Alzey zu reservieren. Moritz Berney, Mainz, beantragt die Wahl des Herrn
Isaac, Wallertheim, und demnächst Kooptierung eines Mitgliedes des Alzeyer
Gemeindevorstandes. Herr Emil Isaac wird hierauf einstimmig gewählt.
Auf Vorschlag des Rabbinerverbandes wird an Stelle des in den Ruhestand
getretenen Herrn Rabbiner Dr. Lewit,
Alzey, Herr Rabbiner Dr. Bienheim,
Darmstadt, und auf Vorschlag des
Lehrerverbandes wird Lehrer Kaufmann,
Schotten, an Stelle des nach Nürnberg übergesiedelten Herrn (Hirsch)
Sulzbacher (Groß-Bieberau)
gewählt. Auf Vorschlag des Vorsitzenden werden alle übrigen Mitglieder des
Oberrats und deren Stellvertreter en bloc wiedergewählt." |
Zum Tod von Emma Marum geb. Isaak
(1932)
Anmerkung: Ein Foto des Grabsteines für Emma Marum geb. Isaak (1861-1932)
findet sich in der Seite zum jüdischen
Friedhof Wallertheim.
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessens" 1932 12 S. 3: "Wallertheim. Ein großer Leichenzug bewegte
sich am Donnerstag. den 24. November, durch unsern Ort nach dem
israelitischen Friedhof. Frau Emma
Marum geb. Isaak wurde im Alter von 72 Jahren zur letzten Ruhe
bestattet. Von der allgemeinen Wertschätzung und Beliebtheit der
Verblichenen zeugte die große Anteilnahme an ihrer Beerdigung. Herr
Rabbiner Dr. Lewit, Alzey, entwarf in
trefflichen Worten ein Lebensbild der Heimgegangenen." |
92. Geburtstag von Abraham Mann
(1936)
Anmerkung: beim Novemberpogrom 1938 in Wallertheim kam es zu Misshandlungen
jüdischer Einwohner. Der fast 94jährige Abraham Mann ist auf Grund der
Misshandlungen an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben.
Mitteilung
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessens" Nr. 7 1936 S. 124: "Wallertheim. Am 24. Mai feierte Herr
Abraham Mann in Frische und Rüstigkeit seinen 92. Geburtstag. Er
interessiert sich für alle Ereignisse des Tages, und ist noch in der Lage,
Zeitungen zu lesen. Wir wünschen ihm einen weiteren beschaulichen
Lebensabend." |
Zum Tod von Emma Mayer (1938)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1938: "Wallertheim
(Rheinhessen), 2. März (1938). Im Alter von 70 Jahren starb Emma Mayer.
Wenn sich auch ihr Wirken nur auf ihre eigene Familie beschränkte, so
muss man doch ihre aufopfernde Tätigkeit registrieren. Sie bewährte sich
sowohl als treue Tochter ihres der Gattin so früh beraubten Vaters
Salomon Mayer s.A. in Weisenheim am Sand, als auch später im Hause ihrer
Schwester und ihres Schwagers Karl Isaac s.A. in Wallertheim. In frischer Erinnerung
ist es noch bei allen, mit welcher unendlicher Hingabe und Aufopferung sie
ihren Schwager pflegte. Sie lebte und wirkte nur für das Wohl ihrer
Angehörigen. Ihr Andenken sei zum Segen. Ihre Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen
Anzeige von J. H. Baum Stellensuche
(1885)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1885: "Für meinen
Sohn, 14 Jahre alt, mit guten Schulkenntnissen, suche ich eine Lehrstelle in
einem Samstag und Feiertage geschlossenen Geschäfte, womöglich mit Kost und
Logis. J. H. Baum, Wallertheim, Rheinhessen" |
Anzeigen des Metzgermeisters Adolf Isaak (1893 / 1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1893:
"Ich suche per sofort einen Lehrling aus braver Familie für meine Metzgerei.
Adolf Isaak, Wallertheim, Rheinhessen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901:
"Suche per sofort einen tüchtigen
Metzgergesellen, aus achtbarer Familie bei dauernder Arbeit.
Adolf Isaak, Wallertheim, Rheinhessen." |
Anzeigen des Metzgermeisters Josef
Forst (1906 / 1913)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Februar 1906: "Ein kräftiger
Junge
kann die Metzgerei und Wurstlerei bei sofortigem Eintritt gründlich
erlernen. Lehrgeld ist nicht zu entrichten.
Josef Forst, Wallertheim (Rheinhessen)." |
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Anzeige
in "Das jüdische Blatt" vom 12. September 1913: "Ich suche sofort einen
braven
Jungen
für meine Metzgerei u. Wurstfabrikation.
Josef Forst, Wallertheim (Rheinhessen)." |
Mitarbeitersuchen des Manufakturwaren- und
Konfektionsgeschäftes / Warenhauses J.H. Baum
(1904 / 1911 / 1921)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1904: "Lehrling.
Suche per sofort für mein Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft, Schabbos
und Jomtof (= Feiertag) geschlossen, einen Lehrling mit guter
Schulbildung, aus achtbarer Familie. Offerten an J. H. Baum,
Wallertheim (Rheinhessen)." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. April 1911:
"Lehrling.
Zum baldigen Eintritt suche ich einen gewandten
Lehrling sowie eine jüngere tüchtige
Verkäuferin.
Kost und Logis
im Hause. Samstag und israelitische Feiertage geschlossen.
Warenhaus J. H. Baum, Wallertheim, Rheinhessen". |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 26. Mai 1921: "Lehrling
mit guter Schulbildung für mein Manufakturwarengeschäft sofort gesucht. Kost
und Logis im Hause.
J. H. Baum Wallertheim (Rheinhessen)" |
Mitarbeitersuchen des
Manufakturwarengeschäftes M. & K. Isaac (1911 / 1915)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. Mai 1911: "Für unser
Manufakturwaren-Geschäft suchen wir einen
jungen Mann
zum sofortigen Eintritt.
M. & K. Isaac,
Manufaktur u. Landesproduktengeschäft,
Wallertheim (Rheinhessen)." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. Dezember 1915: "Zum 1. April
suchen wir einen
Lehrling
mit guter Schulbildung, bei freier Station. Sabbat geschlossen.
M. & K. Isaac, Wallertheim, Rheinhessen.
Manufaktur u. Landesprodukte." |
Anzeige von A. Baum, Warenhaus
(1921)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 10. November 1921: "Suche per sofort
eine tüchtige Person als
Stütze der Hausfrau
Familien-Anschluss. Dienstmädchen
vorhanden. Vierköpfige Familie, Kinder erwachsen.
A. BAUM
Kaufhaus Wallertheim Rheinhessen." |
Verlobungsanzeige von Johanna Isaac und Alex Abraham
(1922)
Anmerkung (nach den Recherchen von H. Schmitt): Alexander genannt Alex
Abraham ist am 26. April 1898 in Ober-Olm geboren, war als Handelsmann tätig und
führte den Betrieb seines Vaters weiter (Ludwig Abraham & Sohn, Ober-Olm:
Düngemittel, Futtermittel und Saat-Artikel). Er heiratete Johanna geb. Isaac
(Isaak), geb. 11. März 1901 in Wallertheim. Die beiden hatten eine Tochter
Hilde, geb. am 16. Mai 1924. 1934 verzog die Familie zu den Cousins nach
Klein-Winternheim in die dortige Bahnhofstraße 29. Tochter Hilde wurde
1938 zu Verwandten nach Antwerpen geschickt. 1939 kamen die Eltern nach. Sie
konnten von hier aus in die USA emigrieren. Hilde heiratete 1947 Fred Wolf aus
Hochstätten. Die Familie lebte in Denver/Colorado.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1922: "Gott
sei gepriesen.
Johanna Isaac - Alex Abraham. Verlobte.
Wallertheim (in Rheinhessen) - Ober-Olm (bei Mainz).
Am Schabbat Ekew". (das war Schabbat mit der Toralesung Ekew
= 5. Mose 7,12 - 11,25; 12. August 1922). |
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Grab
von Alex/Alexander Abraham (Natanael bar Elieser, 26. April 1898 -
25. Juni 1971) und von Johanna geb. Isaac (Chana hat Jizchak, geb.
11. März 1900 - 13. Juni 1979) im Mount Nebo Memorial Park, Aurora, Arapahoe
County, Colorado, USA. Links zu findagrave (von hier auch das Foto):
https://de.findagrave.com/memorial/83342718/alexander-abraham;
https://de.findagrave.com/memorial/83343663/johanna-abraham
auffallend das Schofar auf dem Grabstein. Alexander Abraham hat dieses in
der Synagoge geblasen (Baal tokea). |
Hochzeitsanzeige von Emil Isaac und
Fritzi geb. Einstein (1925)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 21. August 1925:
"Statt Karten!
Emil Isaac - Fritz Isaac geb. Einstein
Vermählte:
Wallertheim (Rheinhessen) - Buchau
(am Federsee)
24. August 1925 / 4. Elul 5685
Trauung: Ratskeller-Restaurant Gottschall, Mainz" |
Verlobungs- und Hochzeitsanzeige
von Lilly Flehinger und Otto Isaac (1927)
Anmerkung: Otto Isaac ist am 5. August 1893 in Wallertheim geboren. Er heiratete
Lilly (Lily) geb. Flehinger, die 1905 in Mainz geboren ist. Die beiden bekamen
einen Sohn Eic Eliezer. Otto Isaac starb am 4. Juni1980 in Tel Aviv, Lily Isaac
starb 1999 ebd.https://www.geni.com/people/Otto-Isaac/6000000034262347857
und
https://www.geni.com/people/Lily-Isaac/6000000052974138870
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Januar 1927:
"Statt Karten - Gott sei gepriesen -
Lilly Flehinger - Otto Isaac
Verlobte
Mainz - Mainz/Wallertheim Januar
1927". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1927:
"Statt Karten - Gott sei gepriesen -
Otto Isaac - Lilly Isaac geb. Flehinger
Vermählte
Mainz, den 12. Juni 1927.
Trauung in Wallertheim (Rheinhessen)" |
Hochzeitsanzeige von Erwin Baum und
Herta geb. Plaut (1931)
Anmerkung: Herta geb. Plaut ist am 22.
Januar 1911 in Kirtorf geboren als Tochter
von Siegmund Plaut und seiner Frau. Sie konnte mit ihrem Mann Erwin (in den USA:
Irving) Baum (geb. 7. November 1906 in Wallertheim als Sohn von Maximilian Baum
und seiner Frau Johanna) und ihrem Kind in die USA emigrieren. 1943 lebte die
Familie in New York. Irving Baum starb am 23. September 1992. Herta Plaut starb
am 3. Oktober 2004 in Chevy Chase Maryland. Genealogie:
https://www.geni.com/people/Herta-Plaut/6000000000591147032
https://www.geni.com/people/Irving-Baum/6000000000608274046
Grab:
https://de.findagrave.com/memorial/275069996/irving-baum
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 5. November 1931:
"Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen
Erwin Baum - Herta Baum geb. Plaut
Wallertheim Rheinhessen – Kirtorf
Oberhessen
Trauung: Sonntag, den 8. November 1931 Pension Levi, Giessen." |
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Links: Grab für Irving (Erwin) Baum im
Cedar Park Cemetery Paramus, Bergen County, New Jersey, USA
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Verlobungsanzeige von Selma
Brodreich und Ludwig Berger (1936)
Anmerkung: Selma
geb. Brodreich ist am 21. März 1914 in
Einartshausen geboren, Ludwig Berger am 29. Juli 1905 in Wallertheim
als Sohn von Albert Berger (1874 Vendersheim
- 1957 Scranton) und der Caroline geb. Baum (1878
Bosen - 1955 Cranton).
Ludwig und Selma Berger konnten emigrieren; nach der amerikanisch-jüdischen
Zeitung "Aufbau" vom 9. Oktober 1981 S. 26 konnten sie am 18. Oktober 1981 ihren
45. Hochzeitstag feiern, damals wohnhaft in Scranton PA. Selma starb am 27.
November 1983 in Scranton, Lackawanna County PA.Grab
https://de.findagrave.com/memorial/231695511/selma-berger Ludwig
Berger starb am 28. September 1993 in Voorhes, Somerset County NJ, Grab
https://de.findagrave.com/memorial/231695710/ludwig-berger. Gräber der
Eltern von Ludwig
https://de.findagrave.com/memorial/208650771/albert-berger
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. August 1936:
"Selma Brodreich - Ludwig Berger
Verlobte
Einartshausen Oberhessen
- Wallertheim Rheinhessen August 1936" |
Verlobungsanzeige von Ruth Baum und
Fritz Bender (1937)
Anmerkung: Ruth Baum ist 1915 in Wallertheim geboren als Tochter von
August Baum (gest. vor 1939) und Katinka geb. Andorn aus
Niederrodenbach (geb. 1884, ermordet nach
Deportation ins KZ Treblinka 1942, Stolperstein in Offenbach). Fritz (später
Fred) Bender ist am 19. September 1911 in
Winnweiler geboren als Sohn von Julius Isaak Bender (1880 - ermordet
Auschwitz 1942) und seiner Frau Caroline geb. Isaac (1886 - ermordet Auschwitz
1942). Vgl. Informationen auf der Seite zum
Friedhof Wallertheim.
Fred Bender starb am 27. Januar 2009 in Highland Park, Lake County Ill./USA;
seine Frau Ruth Bender geb. Baum starb am 5. Juli 2011 in Lincolnwood, Cook
County Ill./USA.
Genealogische Informationen:
https://www.geni.com/people/Fred-Bender/6000000031463180487
https://www.geni.com/people/Julius-Bender/6000000004941487005 usw.
Vgl. zu den Stolpersteinen in Offenbach
https://www.offenbach.de/verzeichnisse/yellowpages/common/stolpersteine/wegweiser_81094.php
Gräber: Fred Bender
https://de.findagrave.com/memorial/126519355/fred-bender und Dr. Ruth Bender
https://de.findagrave.com/memorial/72960313/ruth_sara-bender
Anzeige
in der "Jüdischen Rundschau" vom 26. Februar 1937: "Ruth Baum -
Fritz Bender
Verlobte
Wallertheim (Rheinhessen) -
Winnweiler (Rheinpfalz)
Februar 1937." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge, vermutlich ein Betraum wird in Wallertheim erstmals 1851
genannt. Der Raum kann nicht groß gewesen sein. 1864 wurde eine
Gemeindeversammlung einberufen im Blick auf eine neue Platzverteilung. 1883/84
konnte eine Synagoge neu gebaut werden, möglicherweise handelte es sich auch um
einen umfassenden Umbau des bisherigen Gebäudes. Die Einweihung war am 5.
September 1884.
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| Einladung und
Programm zur Einweihungsfeier der Synagoge Wallertheim am 5. September
1884 (Quelle: Arnsberg Bilder S. 195) |
Beim Synagogengebäude handelte es sich um einen Backsteinbau in
der Nähe zur evangelischen Kirche. Fenster und der Eingang zeigten maurische
Formen (Kielbogen). Über dem Eingang befand sich als Portalinschrift ein Zitat
aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum Herrn, Gerechte ziehen durch es
hinein".
Aus den folgenden Jahren liegen zunächst nur wenige Berichte zum gottesdienstlichen
Leben in der Synagoge vor. 1909 konnte das 25-jährige Jubiläum der
Synagogeneinweihung gefeiert werden:
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1909: "Wallertheim,
18. August 1909. Am Schabbat Schofetim sind es 25 Jahre, dass die
hiesige Synagoge erbaut wurde. Anlässlich dieses Jubiläumstages wird ein
Festgottesdienst abgehalten. Von den Mitgliedern der Gemeinde Wallertheim
und Gau-Bickelheim wurde zu Ehren
des Jubiläums ein herrliches Parochet (= Toraschreinvorhang)
gestiftet, welches an dem Ehrentage seiner Bestimmung übergeben wird." |
| Anmerkung: - Schabbat Schofetim vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schoftim_(Parascha)
|
1914 wird von der Spende von Toraschmuck durch das
Ehepaar Isaac berichtet. Weitere Spenden erfolgten in den nachfolgenden Jahren:
Spenden von Toraschmuck und weiteren Gegenständen für
die Synagoge durch Gemeindeglieder (1914 / 1925 / 1929)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Juni 1914:
"Wallertheim (Rheinhessen). Am Schabbos vor Scheuaus (sc.
Laubhüttenfest) übernahm der Vorstand der hiesigen Gemeinde, den von
Karl Isaac I. und seiner Gemahlin Frau Rosa Isaac geb. Mayer anlässlich
ihrer silbernen Hochzeit gestifteten Toraschmuck. Der Vorstand dankte
namens der Gemeinde.
Auch Lehrer Maier nahm Veranlassung, in den Herzen
kommenden Worten den Spender als einen Mann zu feiern, bei dem Theorie und
Praxis in schöner Harmonie übereinstimmten. Immer wieder müsse er, wenn
er sich mit Herrn Isaac unterhalte, das große jüdische Wissen, über das
dieser verfüge, bewundern. Er bedauere nur, dass Herr Isaac, der schon so
unendlich viel für das religiöse Leben in der Wallertheimer Gemeinde
geleistet habe, und den leider seine Krankheit infolge des Bahnunglücks
bei Mainz ans Bett fessele, seine Gabe der Gemeinde nicht selber
überreichen konnte." |
| |
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Oktober 1925: "Aus Wallertheim
wird uns geschrieben: Zu den hohen Feiertagen wurde die hiesige Synagoge
besonders schön beschenkt. Es stifteten Herr Karl Isaac und Kinder,
Wallertheim, ein weißes Samt-Tora-mäntelchen, in Gold gestickt; Herr
Jsaac Oppenheimer, Gau Bickelheim, eine Gobelin-Schulchan-decke: Herr
August Baum, Wallertheim, einen großen Teppich. Es muss besonders
hervorgehoben werden, dass die Gemeinde Wallertheim regelmäßigen
Gottesdienst abhält, zu welchem an jedem Schabbos die Mitglieder fast
vollzählig erscheinen. Da seit dem Kriege ein Lehrer fehlt, so wird der
Vorbeterdienst im Ehrenamt versehen. |
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Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1929: "Wallertheim.
Die Synagogen-Gemeinde Wallertheim - Gau Bickelheim wurde am vergangenen
Sabbath mit einem wertvollen Geschenk überrascht. Herr Isaac Oppenheimer
überreichte der Gemeinde ein wunderbares Broches, das er dem Andenken
seiner verstorbenen Frau und Eltern anlässlich seines Wegganges nach Mainz
der Kultusgemeinde Wallertheim stiftete, deren Gottesdienst er oft
ehrenamtlich geleitet hatte." |
| Anmerkung: gestiftet wurde Toraschmuck
wie zum Beispiel eine Torakrone
https://de.wikipedia.org/wiki/Tora-Krone oder ein Toraschild
https://de.wikipedia.org/wiki/Toraschild; 1925 waren es ein Toramantel
https://de.wikipedia.org/wiki/Toramantel und eine Decke für den
Schulchan (Vorlesetisch / Bima -
https://de.wikipedia.org/wiki/Bima). 1929 ist die Rede von einem "Broches"
= Parochet
https://de.wikipedia.org/wiki/Parochet. |
Durch die Abwanderung der jüdischen Einwohner wurde es gegen
Ende der
1920er-Jahre immer schwieriger, die zum Gottesdienst notwendige Zehnzahl der
jüdischen Männer noch zusammen zu bekommen. Über die damalige Situation liegt ein Bericht in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 24. März 1927 vor:
Wallertheim,
2. März (1927). Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Wallertheim
erlässt an die Mitglieder der Gemeinde folgendes Rundschreiben: "Ich habe
Veranlassung als Vorstand unserer Kehilla (= Gemeinde) Ihnen folgendes zu
unterbreiten. Schon verschiedene Male mussten wir an Samstag Vormittagen die
Pforten unserer Synagoge schließen, ohne unsere heiligen Gebete verrichten zu
können. Ganz zu schweigen von den Freitag-Abenden, wo wir schon lange kein
Minjan (Zehnzahl der Männer) mehr bekommen.
Die einst so blühende jüdische Gemeinde Wallertheim, scheint demselben
Schicksal verfassen zu sein, wie ihre Schwestergemeinden in Rheinhessen.
Angesichts dieser betrübenden Tatsache ist es mir Bedürfnis, ein ernstes Wort
in letzter Stunde an Sie zu richte.
Wollt Ihr, dass Eure Kinder unserer heiligen Religion erhalten bleiben, dass die
stolzen Traditionen unseres jüdischen Volkes hochgehalten werden, dann besinnt
Euch auf Eure Pflicht! Legt ab die Gleichgültigkeit und geht Euren Kindern das
Beispiel von Menschen, die sich würdig ihrer Ahnen zeigen. Helft mit das Werk
erhalten, auf das wir Wallertheimer immer stolz waren. Es ist ja nicht viel, was
von Euch verlangt wird. Die paar Minuten, die der Gottesdienst erheischt, kann
jeder opfern im Hinblick darauf, dass er einer großen Sache dient.
Ich bin sicher, dass es nur dieses Hinweises bedurfte, um eine Änderung der
seitherigen Zustände eintreten zu lassen und ich würde mich freuen, wenn mein
Ruf nicht ungehört verhallt." - (Es ist tieftraurig, dass es so weit
kommen kann, und auf der anderen Seite erfreulich, dass es noch Männer in der
Gemeinde gibt, die so energisch zupacken, bevor noch alles verloren ist. D.
Red.)". |
Bei den Gottesdiensten in der Wallertheimer Synagoge kamen
auch die "vaterländischen
Gedenktage" vor, wie 1928 berichtet wurde:
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 23. August 1928: "Wallertheim.
In der hiesigen Religionsgemeinde ist es üblich, dass vaterländische
Gedenktage bei den regelmäßigen Gottesdiensten würdig gefeiert werden. So
wurde auch am Samstag, den 11. August, beim Frühgottesdienst durch eine
feierliche Ansprache des Vorstandsmitgliedes Oppenheimer
(Gau-Bickelheim) des Verfassungstages gedacht." |
Über das
gottesdienstliche Leben 1930 mit Max Baum als ehrenamtlichem Vorbeter und Emil
Isaac als Toraleser (Baal Kore)
Artikel
im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden
Hessens" 1930 9 S. 7: "Wallertheim. Über das Gemeindeleben ist zu
berichten, dass die israelitische Religionsgemeinde hierselbst noch einen
geordneten Gottesdienst unterhält. Seit dem Kriege versah das
Vorstandsmitglied Isaac Oppenheimer ehrenamtlich bis zu seinem
Wegzuge nach Mainz den Kantorendienst. In Ermangelung eines Lehrers ist
derzeitig Herr Max Baum ebenfalls ehrenamtlich der Nachfolger. Der
jetzige Vorsteher Emil Isaac ist bemüht, bei der Vorlesung der Thora,
der würdige Nachfolger seines Vaters Karl Isaac zu sein. Möge die
Jugend von Wallertheim sich ein Beispiel an den alten Hütern der
Religionsgemeinde nehmen und mögen die zahlreichen Jugendmitglieder der
Religionsgemeinde bestrebt sein, die alte Tradition hochzuhalten, zum Segen
der Gemeinde und unserer jüdischen Religionsgemeinschaft." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude demoliert und in
Brand gesetzt, jedoch scheint das Feuer gelöscht worden zu sein. Zunächst war
der Abbruch geplant. Nach einem Bericht des Kreisamtes vom Mai 1940 wäre
"für die Beseitigung ein Betrag von ungefähr 1000.- erforderlich".
Das Gebäude blieb vermutlich auf Grund dieser relativ hohen Abbruchkosten
stehen. Dokumente über den damals sogenannten "Einsatz der jüdischen
Vermögens" sowie die "Entjudung des Grundbesitzes,
Eigentumsübertragung der Israelitischen Religionsgemeinde Wallertheim an die
Gemeinde Wallertheim" finden sich heute im Landesarchiv Speyer (Bestand H
51).
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Das Finanzamt Wörrstadt
beziffert am
25. März 1939 des Einheitswert der
Grundstücke der jüdischen Gemeinde |
Verkauf des
Synagogengrundstücks durch
Emil Isaac und August Baum, die letzten
Vertreter der Jüdischen Gemeinde an die
bürgerliche Gemeinde
(beide wurden nach Deportation ermordet) |
Oktober 1940:
Bericht an den Landrat,
"dass das Vermögen der israelitischen
Religionsgemeinde (Synagoge u. zwei Hofreite)
von der Civilgemeinde kostenlos
übernommen wurde". |
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Nach Abschluss der
Restitutionsverhandlungen erwarb die Ortsgemeinde Wallertheim das Synagogengebäude
1952 und ließ es zum Rathaus umbauen. 2005/06 werden größere
Renovierungsarbeiten durchgeführt. Das ehemalige Synagogengebäude wird auch
künftig als Rathaus dienen. Eine Gedenktafel ist angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Neustraße 3.
Fotos
(Historische Aufnahmen aus: Synagogengedenkbuch
Rheinland-Pfalz s. Lit. S. 379; neuere Fotos Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2005)
Historische und neue Aufnahmen
der
ehemaligen Synagoge |
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Die ehemalige Synagoge
vor dem
Umbau zum
Rathaus um 1950 |
Gruppenbild vor dem Portal der
Synagoge (1929). Erkennbar ist der Schlussteil der hebräischen
Portalinschrift aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum Herrn,
Gerechte ziehen durch es hinein". |
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| Die ehemalige
Synagoge, seit 1952 Rathaus im Sommer 2005 |
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Erinnerung an den Umbau
zum
Rathaus 1952 |
Gedenktafel für die ehemalige
Synagoge am Eingang |
Blick in das Gebäude auf
Höhe
der früheren Frauenempore |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen.
Bd. II S. 341-343. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 195. |
 | "...und dies ist die Pforte des Himmels" Synagogen -
Rheinland-Pfalz. Saarland. Hg. vom Landesamt für Denkmalpflege
Rheinland-Pfalz mit dem Staatlichen Konservatoramt des Saarlandes und dem
Synagogue Memorial Jerusalem. 2005. S. 378-379 (mit weiterer Lit.) |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Wallertheim. Jews lived
there from 1690 and established a community numbering 61 (about 6 % of the
total) in 1861. By 1933 it had declined to 36, the Jews in Gau-Bickelheim and
Armsheim forming part of its membership. ... By 1940 all the Jews had left, 18
emigrating to the U.S.

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