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Alzey (Landkreis Alzey-Worms)
Jüdische Geschichte / Synagoge
vgl. Seite mit Texten zur
Geschichte der jüdischen Gemeinde in Alzey (interner
Link; Texte zur Synagogengeschichte siehe unten)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In mittelalterlichen, zur Kurpfalz gehörenden Alzey werden Juden erstmals
1305 genannt. Die Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 zerstörte
zunächst das
jüdische Leben in dieser Stadt. Danach hört man erst 1377 wieder von Juden in
Alzey. In dieser Zeit werden auch in Frankfurt am Main und in Mainz
"Juden aus Alzey" genannt. Bis 1391 lebten höchstens vier jüdische Familien in
der Stadt. In diesem Jahr wurden sie wie die gesamte Judenschaft der Kurpfalz
vertrieben. An die mittelalterliche Ansiedlung erinnert die bis heute bestehende
"Judengasse" (1389 erstmals genannt).
Erst nach 1650 waren wieder Juden in der Stadt; zur Bildung einer Gemeinde kam
es nicht vor 1700. 1743 waren elf, 1789 21 jüdische Familien in der Stadt. Um
1804 wurden 137 jüdische Einwohner gezählt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm
ihre Zahl bis zu einer Höchstzahl von 364 im Jahr 1855 zu. Die
jüdischen Familien spielten im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben
der Stadt eine große Rolle. Es gab jüdische Vieh- und Pferdehandlungen,
Metzgereien, Manufakturwarenhandlungen, Wein- und Landesproduktenhandlungen,
Kleinkaufleute, eine Gerberei, eine Eisenhandlung, einen Arzt, drei
Rechtsanwälte.
Alzey war von 1842 bis 1933 Rabbinatssitz (unter den
Rabbinern: bis 1857 Dr. Samuel Adler aus Worms, danach vierjährige Vakatur, 1861/62-1891 Dr. David
Rothschild aus Aachen,
1891-1904 Dr. Joseph Levi aus Freudental, 1905-1933 Dr. Julius Lewit). Am Volksschullehrerseminar
der Stadt gab es eine jüdische Abteilung, in der alle jüdischen Lehrer Hessens
ausgebildet wurden. Eine jüdische Volksschule bestand bis um 1920. Mehrere
Jahrzehnte prägte das jüdische Gemeindeleben neben dem Rabbiner der Lehrer
und Kantor Abraham Stern. Er war seit 1889 in Alzey, feierte hier 1914 sein
25jähriges Ortsjubiläum und war noch 1932 im Amt.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Alfred Koch, Erwin
Strauß (Bericht), Paul Küchler, Max und Ludwig Schwarz, Jakob J. Schaffner, Paul
und Hugo Weinmann. Zum ehrenden Gedenken an sie wurden 1921 zwei Tafeln
mit den Namen in der Synagoge angebracht.
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde etwa 240 Personen gehörten (2,9 %
von insgesamt etwa 8500 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde
Jakob Küchler, Sanitäts-Rat Dr. Mainzer, Manfred Weinmann, Moses Kahn, Josef
Bär, Karl Kahn und Dr. Ludwig Baum. Damals unterrichtete Lehrer Abraham Stern
16 Kinder in Religion, teilweise an den höheren Schulen (1932: 25 Kinder). An jüdischen
Vereinen gab es einen Israelitischen Wohltätigkeitsverein (gegründet
1820, 1924 unter Leitung von Ludwig Koch II mit 50 Mitgliedern, 1932 unter
Leitung von Josef Baer mit 65 Mitgliedern; Ziele: Unterstützung ortsansässiger
Hilfsbedürftiger und Kranker), den Israelitischen Armenverein
(gegründet 1820, 1924 unter Leitung von Rabbiner Dr. Lewit mit 70 Mitgliedern,
1932 unter Leitung von Moses Bronne mit 69 Mitgliedern; Ziel: Wanderfürsorge),
den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1823, 1924 unter Leitung von
Alma Koch mit 70 Mitgliedern, 1932 unter Leitung der Frau von Ferdinand
Schaffner mit 50 Mitgliedern; Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und
Kranker), einen Jüdischen Jugendverein (1924 unter Leitung von Dr. Baum
mit 70 Mitgliedern), eine Ortsgruppe des Central-Vereins (1924 unter
Leitung von Karl Kahn mit 60 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Moses Bronne)
sowie eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1932
Leitung: Moses Bronne). Es gab mehrere Stiftungen: Alfred Koch-Stiftung
(Zweck: Unterstützung junger Kaufleute), Abraham Koch-Stiftung (Zweck
Unterstützung von Armen), Lina Koch-Stiftung (Zweck: Unterstützung von Armen).
1932 gehörten dem Vorstand sechs Mitglieder an, darunter weiterhin Jakob
Küchler (1. Vorsitzender), Josef Baer (2. Vorsitzender) und Sally Neu (3.
Vorsitzender).
1933 wurden noch 197 jüdische Einwohner gezählt. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Über die Ereignisse in der NS-Zeit informiert nach gründlichsten Recherchen
ausführlich das Buch von Dieter Hoffmann: '...wir sind doch Deutsche.' - Zu Geschichte
und Schicksal der Landjuden in Rheinhessen."
1942 und 1943 wurden die bis dahin in Alzey noch verbliebenen jüdischen
Einwohner deportiert und ermordet. Andere sind aus den Städten, wohin sie
verzogen sind, deportiert worden.
Von den in Alzey geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem; ergänzt durch Namen aus der Liste von D. Hoffmann
s.Lit. S. 365-369): Margot Althof (geb. 1929), Clementine Badt (geb. 1879), Emil
Badt (geb. 1899), Albert Baum (geb. 1880), Antonia Baum geb. Haas (geb. 1873), Clara Baum geb. Fink (geb. 1878), Elise Baum
(geb. 1873), Emilie Baum (geb. 1879), Frieda Baum (geb. 1882), Günter Baum (geb.
1882), Günter Baum (geb. 1923), Hannelore Baum (geb. 1922), Johanna Baum geb.
Strauss (geb. 1891), Karl Baum (geb. 1882), Louis Baum (geb. 1869),
Ludwig Baum (geb. 1860), Ludwig Baum (geb. 1886), Max Baum (geb. 1857), Melanie
Baum (geb. 1893), Rosa Baum geb. Oppenheimer (geb. 1884), Arthur Decker (geb.
1881), Emmy Fränkel geb.
Neuberger (geb. 1861), Bertha Franken geb. Koch (geb. 1881), Selma Goldstein
geb. Hirsch (geb. 1894), Karl Gutmann (geb. 1892), Jakob Heumann (geb. 1872),
Alice Hirsch geb. Wachenheimer (geb. 1893), Berta Hirsch (geb. 1874), Elisabeth
Hirsch (geb. 1889), Emma
Hirsch geb. Levy (geb. 1899), Gerhard Hirsch (geb. 1921), Hermann Hirsch (geb.
1888), Karoline Hirsch geb. Blum (geb. 1866), Louise Hirsch (geb. 1922), Salomon
Hirsch (geb. 1884), Rudolphine Honig (geb. 1889), Bertha Kahn (geb. 1882), Ida
Kahn (geb. 1885), Karoline Kahn (geb. 1873), Erich Keller (geb. 1925), Flora
Keller geb. Strauss (geb. 1888), Johanna Keller geb. Baum (geb. 1864), Helene
Koch geb. Wolf (geb. 1866), Ludwig Koch (geb. 1864), Ludwig Koch (geb. 1890),
Martha Koch geb. Beckhardt (geb. 1892), Otto Koch (geb. 1897), August Küchler
(geb. 1883), Ella Laemle geb. Koch (geb. 1889), Klara Lessing (geb. 1876), Johanna Levi (geb. 1881), Martin
Levi (geb. 1857), Gustav Levy (geb. 1878), Hedwig Lewit geb. Neuberger (geb.
1878), Jakob Löser (geb. 1874), Johannette Löser geb. Goldmann (geb. 1875),
Bertel Mainzer (geb. 1902), Eugenie Mainzer geb. Kahn (geb. 1876), Wilhelmine (Minnie)
Maertesheimer
geb. Baum (geb. 1889), Helene Marx geb. Liebmann (geb. 1869), Ida Mayer geb.
Weiner (geb. 1887), Malchen Mayer geb. Wertheimer (geb. 1880), Mathilde (Meta)
Mayer (geb. 1912), Marianne Mayer (geb. 1933), Max Mayer (geb. 1912), Mina Mayer (geb. 1885),
Minna Mayer geb. Wertheimer (geb. 1880), Erna Mendel
geb. Schauzer (geb. 1888), Heinrich Mendel (geb. 1882 oder 1883), Leo Mendel
(geb. 1884), Paula Mendel (geb. 1886), Settchen Mendel geb. Rosenthal
(geb. 1886), Bina Nathan geb. Grünenbaum (geb. 1869), Mathilde Neuhof geb. Küchler (geb. 1880),
Henriette Oppenheimer geb. Schwarz (geb. 1880), Simon Oppenheimer (geb. 1880), Helene Rosenthal geb.
Schaffner (geb. 1896), Max Rosenthal (geb. 1893), Cäcilie Rothschild geb. Wolf
(geb. 1863), Amalie Sanders (geb. 1869), Heinrich Schwarz (geb. 1883), Johanna
Schwarz (geb. 1891), Berta Siegel geb. Bernheim
(geb. 1879), Jakob Siegel (geb. 1869), Marcus Siegel (geb. 1861), Emma
Sonnenberger geb. Koch (geb. 1861), Hedwig Stern
geb. Koch (geb. 1898), Isaak Stern (geb. 1896), Jette Stern geb. Würzburger
(geb. 1869), Albert Strass (geb. 1911), Anna Strass (geb. 1910), Ida
Strauss geb. Rosenthal (geb. 1892), Jakob Strauss (geb. 1878) Johanna Strauss
(geb. 1883), Kurt Moses Strauß (geb. 1905), Marianne Strauss (geb. 1927), Max Moses Strauss (geb. 1869),
Pauline Strauss (geb. 1890), Richard Strauss (geb. 1872), Helene (Ella) Vogel
geb. Strauss (geb. 1881), Ilse Weiner (geb. 1925), Sofie Weiner (geb. 1889), Elisabeth
Weinmann (geb. 1922), Hedwig Weiner geb. Stein (1894).
Fotos - Erinnerungen an die jüdische Geschichte in der Stadt
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2005)
| Erinnerung an die mittelalterliche
Geschichte |
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Die Alzeyer
"Judengasse" |
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| Erinnerungen an jüdisches Leben im
18./20.Jahrhundert |
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Die jüdische
Abteilung im städtischen Museum Alzey birgt zahlreiche Erinnerungen |
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Zur Geschichte der Synagogen
Im Mittelalter wird eine "Juden Schul" erstmals 1427
genannt. Über sie weiß man nichts Näheres. Vermutlich wurde sie seit der
Vertreibung der Juden 1391 als Wohnhaus genutzt.
Im 18. Jahrhundert ist von einer Betstube in einem Privathaus am
Eingang der Judengasse die Rede (im Haus der heutigen Löwenapotheke). 1791 konnte eine von Elias Simon (Elias
Belmont) gestiftete Synagoge in der "Zwerchspießgaß" gegenüber dem
ehemaligen "Lewenbrunnen" als Synagoge eingeweiht werden. Diese
Synagoge war ein längsrechteckiger Bau, der bis 1854 als jüdisches Gotteshaus
diente und danach als Lagerraum verwendet wurde. 1976 sind die Reste dieses Baus
abgebrochen worden.
Da die alte Synagoge angesichts der stark gewachsenen Gemeinde um 1850 nicht
mehr ausreichte und überdies sehr schlecht gebaut war, baute die jüdische Gemeinde
auf dem Grundstück Augustinerstraße 9 1853/54
eine neue Synagoge. Die neue Synagoge verfügte über 220 Sitzplätze, hatte eine über drei Seiten
verlaufende Frauenempore und eine Orgel. Die Einrichtung stammte teilweise aus
der alten Synagoge. Geprägt war der neue Synagogenbau überwiegend von einer
maurischen Formensprache. Die Fassade war geprägt von einer dreiteiligen
Fensterreihe, die wie das Eingangsportal und dessen Seitenfenster von
orientalisierenden Kielbögen abgeschlossen wurden. Den Giebel der Fassade
prägte ein abgetreppter Bogenfries und zwei polygonale Ecktürmchen auf
Konsolen.
Am 20./21. Oktober 1854 war die feierliche Einweihung der Synagoge.
Zahlreiche weitere Informationen können den nachfolgenden zeitgenössischen
Berichten entnommen werden.
Texte zur Geschichte der Synagogen
Finanzierungsschwierigkeiten um den Synagogen-Neubau 1852
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelitische Volksschullehrer" vom Februar 1852: "Aus
Alzey, in Rheinhessen, wird uns die erfreuliche Anzeige, dass daselbst im
verwichenen Herbst eine Anzahl gesinnungstüchtiger israelitischer Männer
sich vereinigt, um den ins Stocken geratenen Synagogen-Neubau durch
bedeutende Opfer aus eigenen Mitteln zu ermöglichen und damit die
Beschaffung und Einrichtung einer Wohnung für den dortigen Rabbiner zu
verbinden. Diese schöne Handlung ist besonders als Akte der Pietät und
Anhänglichkeit für den jetzigen Rabbiner daselbst, Herrn Dr. S. Adler zu
würdigen, welcher auf diese Weise durch sein echt priesterliches Wirken
und Lehren seiner Gemeinde diese Wohltat verursacht hat." |
Zur Einweihung der Synagoge 1854
Zunächst
kurzer Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Oktober 1854:
"In Alzey ist am Samstag, den 21. Oktober 1854 die neu erbaute
Synagoge eingeweiht worden."
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Ausführlicher
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1855: "Alzey,
den 10. November 1854. Wenn Referent sich gedrungen fühlt, in folgenden
schwachen Zügen die jüngsten religiösen Vorgänge seiner Gemeinde zur
öffentlichen Kenntnis zu bringen, so bestimmt ihn dazu das ihm hierdurch
werdende Gefühl der eigenen Befriedigung – erzeugt durch die öffentliche
Aussprache dessen, was das Herz trägt und bewegt – wie nicht minder die
zur Pflicht werdende offene Anerkennung, auf die eine für religiöse
Interessen opferbereite Gemeinde zu machen berechtigt ist, und der Danke
gegen die Öffentlichkeit, die ja auch ihrerseits anregend und belebend
auf uns gewirkt hat. -
Unsere 50-60 Glieder zählende Gemeinde feierte nämlich am 20. Oktober
auf eine wahrhaft erhebende Weise die Einweihung einer neuen Synagoge und
Tora, ein Fest, welches eine beträchtliche Anzahl Fremder aus der Nähe
und Ferne als Zeugen der frommen Feier herbeiführte, deren Eindruck auf
die Genossen unserer Gemeinde wie auf alle Teilnehmer auf lange Zeit in
erhebendem Andenken bleiben wird. Die Israeliten hiesiger Gemeinde hatten
bislang ein schlechtes, in einem Stadtwinkel gelegenes Gotteshaus, der
Gottesdienst selbst lag bis zur Ankunft unseres Rabbinen, des Dr. Adler
aus Worms, noch ziemlich im Argen; die halb Verwahrlosung blieb nicht ohne
Folge fürs Leben. Der religiöse Indifferentismus fand an Wurzel zu
schlagen, selbst die Heiligkeit der Sabbate und der Festtage hatte
teilweise bereits zu weichen begonnen. Von einem gedeihliche,
fruchtbringenden Religionsunterrichte kein Gedanke. So fand unser Rabbiner
das Feld seiner Wirksamkeit. Die Verwirklichung der von diesem gleich
anfangs intendierten Bessergestaltung des Kultus hatte indessen an dem
Mangel einer geeigneten Synagoge bedeutenden Widerstand. Zwar
verwirklichte die Gemeinde, soweit tunlich, die Resultate der
Rabbinerversammlung innerhalb ihrer Mitte ohne weiteren Kampf; sie hatte
Herrn Dr. Adler mit dem Religionsunterrichte in der Volks- und Realschule
sowie in dem Privatinstitute betraut, in der Person des Herrn Heinbach
einen tüchtigen Kantor erworben, der zugleich die Kinder hebräisch
lehrt, nebst dem freiwilligen, unentgeltlichen Privatunterricht des
Rabbiners im Urtexte der Bibelabschnitte der Väter und dergleichen; sie
hatte noch außerdem getan, was in ihren Kräften stand, z.B. zwei Vereine
errichtet, deren jeder bereits einen Kapitalstock von 1.000 Gulden besitzt
und für alle wohltätige Zwecke wirksam ist, immer aber fehlte das
Wichtigste, eine würdige Synagoge. Da traten denn einzelne für die Sache
begeisterte Männer unserer Gemeinde auf, kauften auf eigene Kosten den
Bauplatz, zugleich ein anstoßendes Gebäude mit Hof und Garten für den
geliebten Rabbinen, Anfangs nur auf die Dauer seiner hiesigen Wirksamkeit,
auf Anstehen desselben aber für jeden Nachfolger und das Ganze der
Gemeinde zum Geschenk machten. Am Erew
Pessach hatte der Bau seinen Anfang genommen.
Grundsteinlegungsfestlichkeiten fanden nicht statt, die Gemeinde
beschloss, die bei derlei Veranlassungen gebräuchlichen Feierlichkeiten gänzlich
zu unterlassen. Obige Schenkgeber vereinigten sich, aus ihren Mitteln die
etwa auf 80 Gulden belaufenden Unkosten zur Anfertigung einer Sefer Tora (Torarolle) zu bestimmen, die jetzt gleichfalls unsere
Synagoge ziert; die Restsumme für die Anschaffung dieser Gesetzrolle
wurde durch einen Verein von Frauen mit ungefähr 50 Gulden gedeckt.
Schon nach anderthalb Jahren stand das Prachtgebäude, etwa 10.000 Gulden
kostend – eine für die in ihrer Mehrzahl wenig bemittelte Gemeinde
nicht unbeträchtliche Summe, auf dem Platze, den früher ein
Augustinerkloster deckte, fertig da. |
Selten
mag wohl ein Gegenstand die Gemüter unserer Gemeinde mehr im Voraus beschäftigt
haben, als jene Feier, die den Freunden unseres gottentstammten Glaubens
ein lohnender Kranz ward und ihren Herzerhebenden Eindruck auch auf
Schreiber dieses noch fortdauern lässt. Schon am Freitag Nachmittag beim
Abschiedsgottesdienste im alten Gebäude betätigte die große Zuhörerschar,
zu der auch die Beamten der Verwaltung und der Justiz, sowie die
protestantische Geistlichkeit gehörte, den innigsten Anteil, welchen sie
dem neuen Gotteshause widmete, schon da war es die freudigste Rührung,
die sich der Herzen Aller bemeisterte, als unser Rabbiner, dem zuvor von
mehreren Frauen ein kostbarer Ornat zum Geschenk war gemacht worden,
begeistert und begeisternd, gerührt und rührend das alten Gotteshaus mit
der alten, das neue mit der neuen zeit verglich und die der Lade
entnommene Tora als das köstlichste und alleinige Kleinod pries und
schilderte, das uns auf allen Zügen durchs Leben begleiten müsse. Nach
vorausgegangenen, abwechselnd von Vorbeter und Gemeinde vorgetragenen
Psalmgebeten setzte sich der Festzug unter Anleitung der hierzu Beorderten
und dem Voranschreiten der Ältesten mit den Gesetzrollen, still und
feierlich, die zahlreichen Beamten in ihrer Staatsuniform an der Spitze,
nach der neuen Synagoge in Bewegung. Die ganze Stadt war auf den Beinen,
die Straßen gedrängt voll Menschen, die Fenster der Häuser, vor denen
der Zug vorbeiging, mit Neugierigen besetzt und Alles verriet durch Miene
und Haltung die höchste Ehrerbietung. An der neuen Synagoge angekommen,
empfing der Gr. Kreisrat vom Gr. Baumeister unter Ansprache des Letztern
den auf einem Kissen im Zuge Vorangetragenen Schlüssel, überreichte ihn
mit feierlicher Anrede dem ersten Vorsteher, das Hauptportal wurde
erschlossen und die Teilnehmer traten in das Gebäude, das einen
herzerquickenden Anblick bot.
Der Stil des Gebäudes ist zum Verhältnis der Kosten kunstvoll zu nennen.
Schon das Äußere macht einen vorteilhaften Eindruck. Die Sitze sind
bequem, die Räume hell, in akustischer Hinsicht ganz vorzüglich, von den
Vorträgen des Rabbiners und des Kantors geht auch nicht eine Silbe
verloren. Die nach altjüdischer Sitte von dem Männerplatze abgesonderten
Frauensitze erheben sich oberhalb des Schiffes amphitheatralisch und gewähren
nach allen Seiten einen freien Überblick. Der Vorhang, die Kanzel, der
Tisch mit rotem Sammet und prachtvollen Goldstickereien verziert, das
Geschenk eines hiesigen Damen-Vereins, die Kronleuchter und Kandelaber,
ebenfalls Geschenk eines Männer-Vereins, sind von wahrhafter Pracht. An
den Wänden befinden sich mehrere Inschriften und, was zur Nachahmung zu
empfehlen, zwei schöne Tafeln, die eine mit der Zeitbestimmung zum
jedesmaligen Gottesdienste, die andere das Stück der Tora-Vorlesung nach
dem dreijährigen Zyklus und die Haftorot bezeichnend. Die festliche
Beleuchtung erhöhte noch den schönen und würdigen Eindruck in nicht
geringer Weise.
Die Einweihungsfeier selbst begann nach dem Präludium mit der Orgel durch
den Gesang des Ma towu von einem
aus der männlichen und weiblichen Jugend zusammengesetzten ziemlich
starken Chor. Alle, mitunter künstlerisch ausgearbeiteten Gesangpiecen
wurden exakt vom Chore exekutiert. Auch die Solostücke hatte unser Kantor
ganz befriedigend und erhebend ausgeführt. Der Glanzpunkt der Feier war
die bereits im Druck erschienene Predigt unseres Herrn Rabbiners, die
nicht bloß die Objekte, sondern auch die wirkenden Subjekt der Synagoge
seiner scharfsinnigen und taktvollen Betrachtung unterwarf und in
wohltuendster Wärme, Klarheit und überzeugender Kraft alle Punkte,
welche die Feier darbieten konnte, mit einem Scharfblick erkannte und
durchführte. Auch die am Sabbatmorgen gehaltene Predigt war mit derselben
Meisterschaft zur vollsten Befriedigung der Zuhörer vorgetragen. Die Rede
dauerte über eine Stunde und doch zum das ‚Amen’ einem Juden zu früh.
In heiliger und fröhlicher Stimmung wurde der ganze festliche Tag
verlebt.
So besitzt denn nun unsere Gemeinde eine herrliche Synagoge, die, wenn
auch nicht an Größe, doch an Zweckdienlichkeit und verhältnismäßiger
Schönheit allen andern derartigen bauten zur Seite sich stellen kann; sie
besitzt eine der Bildungsstufe der Gemeinde vollkommen entsprechende und
ansprechende Liturgie, einen abgekürzten Perikopen-Zyklus, von deutschen
Übersetzungen und Erklärungen des Rabbinen begleitet, deutsche Haftorot,
einige deutsche Gebete in Verbindung mit den hebräischen und dann, was
wesentlich zur Belebung des Gottesdienstes beiträgt, häufige Abwechslung
der Gemeinde mit dem Kantor durch Responsorien. Das Gute, aus der
Wirksamkeit eines dem Gemeindeinteresse mit ernster Sorgfalt obliegenden
und mit dem Rabbiner Hand in Hand gehenden, sowie auf eine tüchtige
Anzahl wohlgesinnter Gemeindeglieder sich stützenden Vorstandes,
entstammend, hat auf den in Kultussachen sonst nur der Gewohnheit lebenden
Teil der Gemeinde so mächtig gewirkt, dass nirgends ein Widerspruch
dagegen sich erhebt, vielmehr Alles seine herzliche Freude mit den
Errungenschaften der Gemeinde ausdrückt. Namentlich verdient das uneigennützige,
eifrige Bemühen des ersten Vorstehers, des Herrn Simon Mayer, die rühmlichste
Anerkennung und ist ihm auch diese vor einem Jahre bei Gelegenheit der
Feier seiner silbernen Hochzeit durch einen von mehreren Gemeindegliedern
angeschafften und überreichten, mit Inschriften versehenen Pokal nebst
Widmungsschreiben äußerlich zuteil geworden, eine Tatsache, die unter
Juden leider! nicht sehr häufig vorkommen dürfte." |
Einführung der Gasbeleuchtung und Verkauf der
alten Leuchter 1878
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1878 und in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1878: "Wegen einzuführender
Gas-Einrichtung beabsichtigen wir die in unserer Synagoge vorhandenen: 1
Kronleuchter für 42 Kerzen, 4 Kronleuchter für 12 Kerzen, sämtlich in
Bronze, elegant und gut erhalten, zu verkaufen.
Alzey (Rheinhessen). Der
israelitische Gemeindevorstand".
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Anzeige der Firma Zulauf & Co., die für die
Synagogenbeleuchtung in Alzey sorgte (1886)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1886: "Zulauf & Co.
Inhaber: Wilh. Und Jos. Reinach. Mainz
& Höchst am Main. Fabrik in allen Gas- und Wasserartikeln, Luster,
Lampen, Ampeln, Suspensions, Hähnen, Klosets, Badewannen etc. etc.
Spezialität:
Synagogenbeleuchtung.
Eingerichtet wurden von uns in allerletzter Zeit die Synagogen Zweibrücken,
Saargemünd, Alzey, Oberstein, Tübingen, Meiningen etc. etc." |
Synagogenjubiläum 1904
Am
3. Oktober 1904 feierte die jüdische Gemeinde nach vollendeter
gründlicher Renovierung den 50. Jahrestag der Einweihung der Synagoge.
Darüber liegen mehrere Berichte vor.
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| Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. August 1904 (links) und
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1904 (rechts): "Alzey,
6. August (1904). In diesem Jahre kann die hiesige israelitische
Religionsgemeinde das 50-jährige Fest ihres Synagogenbaues begehen. Schon
seit Wochen wird im Inneren fleißig gearbeitet, um das Gotteshaus fast
vollständig neu und in schönster Weise herzurichten. Nach beendigter
Fertigstellung soll, wie man hört, eine entsprechende Einweihungsfeier
stattfinden. Aus Anlass des 25jährigen Jubiläums fand am 10. und 11.
Oktober im Jahre 1879 eine kirchliche und weltliche Feier statt, die
damals in schöner und würdiger Weise unter allgemeiner Beteiligung aller
Konfessionen verlief." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Oktober 1904: "Alzey, 10. Oktober. Die hiesige israelitische Gemeinde beging am 3. dieses
Monats das 50-jährige Jubelfest ihres Synagogenbaues unter sehr starker
Beteiligung. Am Vormittag fand in der schön renovierten Synagoge ein
Festgottesdienst statt. Rabbiner Dr. Levy weiht hierauf nach einer sehr
erbauenden und eindrucksvollen Ansprache das neu hergerichtete Gotteshaus wieder
ein. Am Abend fand in dem festlich dekorierten Saalbau die weltliche Feier,
verbunden mit Abschiedsfest zu Ehren des von hier scheidenden Rabbiners Dr. Levy
statt. Rabbiner Dr. Levy hielt die Festrede, in welcher er in meisterhafter
Weise die jüdische Geschichte Alzeys beleuchtet. Hierauf richtete der weltliche
Gemeindevorstand warme Abschiedsworte an den Scheidenden." |
Einweihung von zwei Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
in der Synagoge (1921)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 5. August 1921:
"In der Synagoge zu Alzey wurden zwei Gedenktafeln für die im
Weltkriege gefallenen Söhne der dortigen Gemeinde - Alfred Koch, Erwin
Strauß, Paul Küchler, Max und Ludwig Schwarz, Jakob J. Schaffner, Paul
und Hugo Weimann - eingeweiht. Sanitätsrat Dr. Mainzer hielt die
Begrüßungsansprache und Rabbiner Dr. Lewit die Weiherede." |
Bis Mitte der 1930er-Jahre wurde die Synagoge genutzt, danach versammelte sich
die kleiner gewordene Gemeinde in einem Raum eines Privathauses (Haus von Willy
Straß), den man als
Betsaal eingerichtet hatte.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde
sowohl dieser Betsaal wie auch die Synagoge zerstört (ausführlich dazu s. D.
Hoffmann Lit. S. 248-273). Die Ritualien wurden mit
Ausnahme einer Torarolle und Torarollenfragmenten verbrannt. Am 8. Mai 1939
kaufte die Stadt die zerstörte Synagoge für 600 Reichsmark. Im Laufe des
Krieges verfiel das Gebäude. Nach 1945 standen nur noch die Außenmauern, die
1955 abgebrochen wurden. Am Standort der Synagoge wurde 1966 eine Gedenktafel
aus weißem Marmor angebracht. Vor einigen Jahren wurde die Gedenktafel mit
weiteren Tafeln, unter anderem mit den Namen der aus Alzey deportierten und
ermordeten Juden ergänzt.
Adresse/Standort der Synagoge: Die neue Synagoge stand in
Augustinerstraße (heute Gedenkstätte)
Fotos zur Synagogengeschichte
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2005; die historischen
Aufnahmen aus dem Buch: "...und dies ist die Pforte des Himmels"
s.Lit.)
| Die alten Synagogen |
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Bis 1791 befand sich die
Synagoge im Haus der Löwenapotheke (Ecke Judengasse/Spießgasse) |
Die 1791 erbaute und 1976
abgebrochene Synagoge in der Spießgasse |
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| Die 1853 eingeweihte Synagoge
in der Augustinerstraße (Aufnahme von 1925) |
Die 1938
zerstörte Synagoge - als Ruine vor dem Abbruch 1955 |
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| Gipsmodell der Fassade der
Synagoge im Museum der Stadt |
Bauinschrift der Synagoge:
"Es soll aufgeschrieben sein für die zukünftigen Generationen, dass
dies das erste Gotteshaus ist, das gebaut hat die Gemeinde mit Hilfe des
Allerhöchsten. Angefangen wurde das Werk im Januar 1852. Es geschah die
Vollendung im Oktober 1854" |
Die rechte der Gebotstafeln
vom Giebel der Synagoge (Museum der Stadt) |
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| Die aus der Alzeyer Synagoge
gerettete Torarolle |
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Erinnerung an die Zerstörung
der Synagoge auf der Geschichtstafel am Rathaus |
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| Die heutige
Gedenkstätte am Synagogenplatz mit den Namen der ermordeten Alzeyer Juden |
Die Gedenktafel von 1966 |
Hinweis: Das Museum der Stadt Alzey befindet sich in Alzey in der Antoniterstraße 41 (Telefon 06731/498896, E-Mail)
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Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Bericht
| Juni 2009:
Neuer Gedenkstein zur Erinnerung an die Synagoge
ist geplant |
Artikel in der "Allgemeinen
Zeitung" vom 29. Juni 2009 (Artikel):
Verein bittet um Spenden.
ALZEY. (red). Der Altstadtverein möchte als Erinnerung an die alte Alzeyer Synagoge von 1791 einen Gedenkstein errichten und sucht Sponsoren und Spender für das Projekt. Der Gedenkstein soll eine Inschrift enthalten, die an den berühmten Rabbiner der Stadt, Dr. Samuel Adler erinnert und außerdem dem Betrachter die, im Zuge der Stadtsanierung 1976 abgerissene Synagoge vor Augen führen. Eine große Steinplastik, die die Nord-Ansicht der Synagoge darstellt soll an der Ecke Hospitalstraße/Untere Löwengasse aufgestellt werden. Damit Bildhauer Florian Geyer mit der Herstellung und Aufstellung des Monuments zum Preis von
12.000 Euro beauftragt werden kann, sammelt der Altstadtverein Spenden. Diese können auf das Deutsche-Bank-Konto mit der Nummer 3506508, Bankleitzahl: 54570094 sowie auf das Konto der Sparkasse Alzey-Worms mit der Nummer 4065084, Bankleitzahl 55350010. Die Ausstellung einer Spendenquittung ist möglich. |
| Link
zur Website des Altstadtvereins in Alzey
Spendenaufruf
des Altstadtvereins als pdf-Datei |
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Foto
links: Die Arbeiten am Denkmal für die Synagoge. Foto: Axel
Schmitz.
Artikel von Armin Burkart in der "Allgemeinen Zeitung" vom 23.
Juli 2009:
"Alzey: Gedenkstein soll ehemalige Synagoge ins Bewusstsein rufen.
ALZEY. Seit dem Abriss im Jahre 1976 im Rahmen der Altstadtsanierung erinnert in Alzey nichts mehr an die Synagoge von 1791. Der Altstadtverein möchte diese Erinnerung aus kultur- und baugeschichtlicher Sicht erhalten wissen und wird in der Löwengasse einen Gedenkstein errichten.
“Die Erinnerung an das bauhistorische Ensemble ist mit dem Abriss der Synagoge vollkommen aus dem Gesichtskreis der Alzeyer verschwunden", macht Vorsitzender Wulf Kleinknecht auf die Beweggründe aufmerksam, die zum Auftrag für den Gedenkstein führten. Er soll am 25. Oktober aufgestellt werden und zwar im
Einmündungsbereich an der Ostseite der Löwengasse. Der ursprünglich vorgesehene Standort an der Nordseite wurde wegen der ungünstigen Belichtung aufgegeben.
In dem Flomborner Künstler, Florian Geyer, fand der Altstadtverein sehr rasch einen Bildhauer, der sich für die Umsetzung des Themas begeistern ließ. Geyer, Schöpfer vieler Kunstwerke in Alzey, hat es auf hervorragende Weise verstanden, jüdische Symbolik und die bauhistorische Situation, wie sie bis zum Jahr 1976 im Bereich der Löwengasse bestand, umzusetzen. Nicht nur der Umgang mit dem Material Sandstein zeichnet den Flomborner Künstler aus, er hat auch die Gabe, Kunstwerke so zu gestalten, dass sie sich durch ausdrucksvolle Symbolik selbst erklären.
Dabei wird ein Gespräch mit Florian Geyer auch zwangsweise zum Geschichtsunterricht, denn gerne beleuchtet er kulturhistorische Hintergründe. Und Geyer ist ein absoluter Fachmann, wenn es um Sandstein geht, denn seine Materialien wählt er nicht zufällig aus. Den Gedenkstein für die Synagoge fertigt er aus Obernkirchner Sandstein. “Er ähnelt dem Flonheimer Sandstein, der leider nicht mehr gebrochen wird, hat aber eine außerordentliche Dichte und ist durch seinen hohen Quarzanteil sehr lange haltbar", begründet Geyer die Materialauswahl. Rund drei Tonnen wird der Gedenkstein insgesamt wiegen, die ursprünglichen Materialblöcke dürften doppelt so viel auf die Waage gebracht haben.
Den Gedenkstein bilden zwei stabile Sandsteinstelen, die durch eine Tafel, ebenfalls aus Sandstein, verbunden werden. Ein Sandsteinbogen, der die höhere Stele an der Rückseite stützt, könnte als Erinnerung den Rundbogenfenstern der ehemaligen Alzeyer Synagoge entliehen sein. Gebaut im Jahre 1791, wurde sie von der jüdischen Gemeinde später nach dem Neubau der Synagoge in der Augustinerstraße aufgegeben. |
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| Oktober 2009:
Die Einweihung des neuen Gedenksteines findet am 26. Oktober
2009 statt |
Foto
links wie oben.
Artikel von Katja Schäfer in der "Allgemeinen Zeitung" vom 19.
Oktober 2009 (Artikel):
"Gedenkstein erinnert an ehemalige Synagoge in Alzey
ALZEY. Wo bis vor kurzem noch Sträucher und Bäume das städtische Gelände besiedelten wird in wenigen Tagen der Gedenkstein zur Erinnerung an die einstige Synagoge enthüllt. Mit dem Gebilde will der Altstadtverein an die im Jahr 1976 abgerissene Synagoge erinnern. Schöpfer des Kunstwerks in der Hospitalstraße an der Einmündung zur Löwengasse ist Florian Geyer. Der Flomborner Bildhauer hat bereits viele Kunstwerke kreiert.
Sein neustes Werk verbindet künstlerisch sehr geschickt die bauhistorische Situation vor Ort mit der jüdischen Symbolik und Geschichte. Die Synagoge befand sich schräg gegenüber in der Löwengasse, an der Zehntscheune
'Ihr damaliger Standort lässt sich heute noch an der Zweifarbigkeit der Wand
erkennen', erklärt der Flomborner Künstler.
Zwei Sandsteinstelen, beide über eine Tafel hinweg miteinander verbunden, bilden den Kern des heutigen Gedenksteines. Neben der abgebildeten Synagoge erkennt der Betrachter auf der Tafel einen sieben-armigen Leuchter, die Menora, und einen Weinstock als Symbole für das israelische Volk. Gefertigt hat Geyer die Tafel nach dem Abbild einer Zeichnung des verstorbenen Alzeyer Künstlers Albert Cattarius. Der Rundbogen, an der Rückseite der höheren Stele, verkörpert das Rundbogenfenster der Synagoge.
Einweihung am 25. Oktober. Als Material wählte Geyer Oberkirchner Sandstein.
'Jetzt wird es spannend', kommentiert der Schöpfer die Millimeterarbeit bei den Bauarbeiten, als der Bogen von den Arbeitern in das Fundament eingelassen wurde und die Edelstahldübel im Fundament verschwanden. Etwas später ist die Arbeit geschafft. Der Gedenkstein ist rechtzeitig für die Übergabe und Einweihung am kommenden Sonntag, 25. Oktober, um 11 Uhr fertiggestellt.
Der Standort für das gut zwei Meter hohe Werk ist gut gewählt. Gerade im
Morgen- und Abendlicht der Sonne entfaltet sich eine eindrucksvolle Wirkung auf die Passanten. Das Fundament wurde von den Mitarbeitern des Bauhofs gegossen." |
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| Oktober 2009:
Die Einweihung des neuen Denkmals am Synagogenstandort |
Foto
links: Rebstock, siebenarmiger Leuchter und die Konturen der ehemaligen
Synagoge erinnern an die religiösen Spuren der Juden in Alzey
(Photoagenten/Axel Schmitz)
Artikel von Armin Burkart in der "Allgemeinen Zeitung" vom 26.
Oktober 2009 (Artikel):
"Erinnerungen an Synagoge.
ALZEY. DENKMAL Stein trägt die künstlerische Handschrift von Florian Geyer.
An der Einmündung der Löwengasse auf die Hospitalstraße erinnert seit Sonntag ein Gedenkstein an die ehemalige Synagoge von 1791 und an den dort tätigen Rabbiner Dr. Samuel Adler. In Auftrag gegeben wurde das Denkmal vom Altstadtverein, geschaffen hat es der Flomborner Künstler Florian Geyer.
Die wesentliche Forschungsarbeit über Standort und Geschichte habe der Alzeyer Heimatforscher Dr. Eduard Berlet geleistet, sagte der Vorsitzende des Altstadtvereins, Wulf Kleinknecht, bei der Übergabe des Denkmals. Ergänzt werde das Wissen durch Forschungen des Alzeyers Dr. Dieter Hoffmann, der in seinem Buch, "Wir sind doch Deutsche" veröffentlichte, dass alleine Elias Simon aus seinem Vermögen den Bau der Synagoge bezahlte. Dr. Samuel Adler, er ging später als Reformrabbiner in die religiöse Geschichte der Juden ein, wirkte an dieser Synagoge in Alzey von 1842 bis 1854 und folgte 1857 einem Ruf als Rabbiner an die El-Emanu-El-Synagoge nach New York. Am 20. Oktober 1854 wurde die alte Synagoge in Alzey aufgegeben und das neue Gebäude in der Augustinerstraße bezogen. Am 27. November 1976 wurde die Synagoge auf dem ehemaligen Gelände der Firma Curschmann im Zuge der Altstadtsanierung abgerissen. So weit die Ausführungen von Wulf Kleinknecht.
"Die Entwicklung des Denkmals hat sich über einen längeren Zeitraum hingezogen", sagte Florian Geyer. Sein Kunstwerk besteht aus zwei tragenden Stelen, die von einer Steinplatte verbunden werden. Ein Rundbogen symbolisiert das Fenster in der Synagoge.
Klaus Hagemann, SPD-Bundestagsabgeordneter, erinnerte an den 9. November, der zum Schicksalstag für die Deutschen geworden sei. "Freude, Leid, Trauer und Scham liegen hier dicht beieinander", rief er er das Ende des Ersten Weltkrieges 1918, die Judenpogrome der Nazis 1938 und den Fall der Mauer 1989 in Erinnerung. Wer sich orientieren wolle, müsse sich erinnern, deshalb sei das Denkmal für die alte Synagoge ein Symbol, das mitten im Leben stehe.
Für den Beigeordneten Heiko Sippel (SPD) ist der Gedenkstein Ort der Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte von Alzey. Der Altstadtverein stelle mit zahlreichen Monumenten die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit her. Das Denkmal rufe Erinnerungen an die große Kultur des Judentums in Alzey wach und die Ziele von Dr. Samuel Adler zum friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher religiöser Kulturen. Die Bläsergruppe der Kreismusikschule trug zur musikalischen Umrahmung bei." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II/I S.12; III/I S.12-13. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen.
1971 Bd. I,39-42. |
 | Dieter
Hoffmann: "...wir sind doch Deutsche." Zu Geschichte und
Schicksal der Landjuden in Rheinhessen. Hg. Stadt Alzey 1992.
Auf dem Umschlageinband links: Abraham (genannt
"Alfred") Stern, Lehrer und Kantor des Großherzoglichen Rabbinats
Alzey vor der Rückseite der Synagoge zu Alzey, 1917. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 76-78 (mit weiteren Literaturangaben).
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Alzey. The medieval community, established before
1260, was shattered by the Black Death persecutions of 1348-49 and expelled in
1391. Jews returned about 300 years later and their number grew to over 350 (7 %
of the total) in 1861. Mostly successfull businessmen, they played an active
role in the town's social and cultural life. The modern community, which
embraced religious Reform, built a Moorish-style temple (1854) and its rabbi,
Dr. Samuel Adler (1842-57), went on to serve Congregation Emanuel in New York.
His son, Felix Adler (born in Alzey; 1851-1931), founded the Society for Ethical
Culture. Owing to the growth of antisemitism, the Jewish population declined
from 320 (3,8 %) in 1910 to 197 (2 %) in January 1933. From 1924 a branch of the
German Zionist Organization gained support. After the Nazis came to power, a
boycott campaign forced many Jews to emigrate and less than 100 remained on Kristallnacht
(9-10 November 1938), when their synagogue was burned down. The last 41 Jews
were deported in 1942-43.

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