Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Alzey (Kreis Alzey-Worms)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Alzey wurden in jüdischen Periodika gefunden. Bei Gelegenheit werden weitere Texte ergänzt. 
Neueste Einstellung am 1.4.2015.
   
    
    
 Übersicht  

Aus der Geschichte des Rabbinates  
Aus der Zeit des Rabbiners Dr. Samuel Adler (1842-1857)  
Über den Philosophen Felix Adler, Sohn von Rabbiner Dr. Adler (1851 in Alzey - 1933 in New York)    
Aus der Zeit des Rabbiners Dr. David Rothschild (1862-1891) 
Aus der Zeit des Rabbiners Dr. Joseph Levi (1891-1904)
Aus der Zeit des Rabbiners Dr. Julius Lewit (1905-1933) 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kantoren     
Ausschreibungen der Stelle des Kantors / Vorbeters 1853 / 1866 / 1877 / 1880 / 1886  
Ü
ber die Unterrichtsverhältnisse in der jüdischen Gemeinde (1859)  
Lehrer Ferdinand Heinbach unterhält eine Lehr- und Erziehungsanstalt zur Vorbereitung für die Real- oder höhere Töchterschule (1859 / 1862) 
Lehrer und K
antor Ferdinand Heinbach möchte nach Amerika auswandern (1864)  
Anzeige von Lehrer Wertheim für eine junge Lehrerin (1877)    
Einrichtung eines jüdischen Lehrerseminars in Alzey (Einweihung Anfang November 1880)  
Aufnahmen im jüdischen Lehrerseminar (1911)  
Zum 25jährigen Dienstjubiläum von Lehrer und Kantor Abraham Stern in Alzey (1914)  
Aus dem jüdischen Vereinsleben  
Der "Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" hat seinen Sitz in Alzey - 1864"  
Über den Israelitischen Armenverein in Alzey (1874)   
J
ahresbericht des Israelitischen Armenvereins in Alzey (1877)  
50-jähriges Jubiläum des Israelitischen Frauenvereins und weitere Mitteilungen (1893)  
Gründung eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur unter Rabbiner Dr. Levi (1903)  
V
ersammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur mit Vortrag von Rabbiner Dr. Moritz David aus Bochum (1904)   
Kleine Meldungen aus dem jüdischen Gemeindeleben - in chronologischer Reihenfolge   
Abschaffung des zweiten Feiertages zu Sukkot (1846)  
"Auswanderungsfieber" aus der Pfalz - auch aus dem Bezirk Alzey (1847)   
Trennung einiger orthodoxer Familien von der Hauptgemeinde (1849)   
"Ökumenische" Schulandacht (1864)   
- "Strafrede" der Alzeyer Zeitung (1872)   
Verkauf von Torarollen und anderen Ritualien" (1879)   
Anschläge gegen jüdische Weinbergbesitzer (1881)   
Der Antisemitismus macht sich auch in Alzey bemerkbar (1890)   
V
ortrag von Rabbiner Dr. M. David im Verein für jüdische Geschichte und Literatur (1904)   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Fräulein Cahn aus Alzey wird als Lehrerin an die Volksschule nach Gießen berufen (1904)  
Z
um Tod von Abraham Koch (1921)  
Z
um Tod von Richard Kahn, gestorben auf Grund einer durch einen Nationalsozialisten zugefügten Verletzung (1930)    
Anzeigen und Dokumente zu jüdischen Gewerbebetriebe 
Anzeigen der Firma M. Kahn & Co. (1890 / 1900) 
Anzeige der Metzgerei und Wurstfabrik Simon Hirsch (1921)  
Historische Ansichtskarte (vermutlich aus den 1920er-Jahren) - "Leder-Gutmann"  
Kennkarten aus der NS-Zeit     

  
  
Texte zur Geschichte der Synagoge finden sich auf der Seite zur jüdischen Geschichte/Synagogengeschichte in Alzey  
Texte zur Geschichte der Friedhöfe finden sich auf der Seite der jüdischen Friedhöfe in Alzey   
   
   
   
Aus der Geschichte des Rabbinates            
 
Alzey war von 1842 bis 1933 Rabbinatssitz (unter den Rabbinern: 1842 bis 1857 Dr. Samuel Adler aus Worms, 1862 bis 1891 Dr. David Rothschild, 1891 bis 1904 Dr. Joseph Levi aus Freudental, 1905 bis 1933 Dr. Julius Lewit).
Bereits vor 1842 gab es Rabbiner in der Stadt, u.a. Rabbiner Joseph Mengburg (geb. ca. 1758, gest. 1824 in Alzey), war zunächst Rabbiner in Bingen, seit 1804 Rabbiner in Alzey (dem Oberrabbiner in Mainz unterstellt). 
  
  

Aus der Zeit des Rabbiners Dr. Samuel Adlers (Rabbiner von 1842 bis 1857)   
Rabbiner Dr. Samuel Adler (geb. am 3. Dezember 1809 in Worms, gest. am 9. Juni 1891 in New York): studierte seit 1831 an der Universität Bonn, dann in Gießen, wurde 1836 an der Universität Gießen in Philosophie promoviert; 1836 zunächst Religionslehrer, Prediger und Dajan in Worms, wirkte als Reformer; seit 1. Oktober 1842 Rabbiner in Alzey; im Herbst 1856 wanderte er in die USA aus, nachdem er einen Ruf der jüdischen Gemeinde Temple Emanu-El in New York erhalten hatte. Er wurde in der Folgezeit Oberhaupt der führenden jüdischen Reformgemeinde der USA. Adlers Bibliothek ist weitgehend erhalten im Hebrew Union College in Cincinatti/USA. 

Rabbiner Dr. Samuel Adler profiliert sich in der Rabbinerversammlung in Magdeburg (1846) 
Alzey AZJ 13071846.jpg (76187 Byte)Nach dem "Leitenden Artikel" in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Juli 1846 profilierte sich bei der "dritten Rabbinerversammlung" in Marburg 1846 Rabbiner Dr. S. Adler aus Alzey u.a. mit einem "Referat über die Frage bezüglich der Sektion israelitischer Leichen".
  
Über den Stand der Reformen in Alzey unter Rabbiner Dr. Samuel Adler (Bericht in einer liberal-jüdischen Zeitung 1848)  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit im 19. Jahrhundert" vom 2. Januar 1848: "Der Bruder des Herrn A. Adler in Worms, Herr S. Adler in Alzey ist durch seinen Konservatismus hinlänglich bekannt. Allein dieser ist, wenn man Herrn Adler näher kennt, nicht so schlimmer Natur, namentlich in Bezug auf praktische Reform, da er das einmal von ihm Ausgesprochene mit Energie in die Praxis zu bringen sich bemüht. So ist von ihm schon lange der Chor eingeführt, die Doppelfeier der Festtage, das CHMSCH (?) am 8. Pessachtage, für vergangen erklärt worden. Eine neue Synagogenordnung, die von demselben abgefasst und nun der höheren Behörde zur Genehmigung vorliegt, stellt weit Mehres in Aussicht, auch wird dieselbe die Einführung des dreijährigen Zyklus bewirken. Dabei ist nicht zu vergessen, dass der Rabbinats-Distrikt Alzey lange völlig ungepflegt, ja verwahrlost war, dadurch auf einer Seite unwissende Orthodoxen, auf der anderen kalte Indifferentisten entstanden, die beide jetzt dem wahren Judentums näher gebracht wurden, da erstere allmählich einer erleuchteten Auffassung des Judentums Ohr und Herz leihen, letztere mehr Interesse am väterlichen Glauben nehmen, mehr Sinn für Religion bekommen. Diejenigen, die keinen Fingerbreit von den Grenzen des Schulchan Aruch weichen wollen, werden so immer kleiner, und ihr moralisches Gewicht täglich unbedeutender. Aber auch diese wenigen versagen Herrn S. Adler ihr Zutrauen und Liebe nicht und wird derselbe von den Stadt- wie von den Landgemeinden geschätzt und geliebt. Seine Predigten sind sehr gediegen und gehaltvoll un din der Regel extemporiert. Die Synagoge befindet sich in sehr schlechtem, für Alzey höchst ungenügendem Zustande, es ist jedoch ein Neubau in Projekt. Der Chor in derselben wird größtenteils durch Commis und Erwachsene in Ausführung gebracht. 
Was das Verhältnis betrifft, in welchem die Israeliten Alzeys mit ihren christlichen Brüdern stehen, so kann dasselbe ein höchst befriedigendes genannt werden. Die Juden haben sogar mit den Christen einen gemeinschaftlichen Begräbnisplatz und die 2 in Alzey wohnenden Ärzte erfreuen sich gleichfalls einer starken Teilnahme seitens der Christen. Die Admonition des Eides wird auf Betrieb des Herrn Adler in der Behausung des Letzteren vorgenommen."     
      
Rabbiner Dr. Samuel Adler ist "wegen politischer Vergehen" im Revolutionsjahr 1848 angeklagt (1849)      
Anmerkung: bei den genannten beiden Brüdern Adler handelt es sich sehr wahrscheinlich um die im obigen Abschnitt genannten Brüder A. Adler in Worms und Rabbiner Dr. Samuel Adler in Alzey  
Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 12. Oktober 1849: "Worms am Tag vor Jom Kippur (= 25. September 1849). Prediger Adler ist eben mit vier Gendarmen nach dem Gerichtshof in Mainz transportiert worden. Es wird ihm dort Zeit gegönnt sein, über sein gotteslästerliches Wirken als Jude und über seine republikanisch-sozialistische Ideen nachzudenken. Auch sein Bruder in Alzey ist wegen politischer Vergehen angeklagt worden. - Ich behalte mir es vor, über Ersteren Nächstens ausführlicher zu reden, zumal ich die religiösen Verhältnisse hiesiger Stadt Ihnen zur Musterkarte mitteilen werde."   
  
Rabbiner Dr. Samuel Adler verzichtet auf die Annahme der Rabbinatsstelle in Lemberg (1856)  
Alzey AZJ 14011856.jpg (25520 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Januar 1856: "Alzey, 28. Dezember (1856). Unser trefflicher Rabbiner Dr. S. Adler wird uns erhalten bleiben. Familien-Schicksale und andere Verhältnisse zwingen ihn, definitiv auf Lemberg zu verzichten."
  
Dr. Samuel Adler wird Rabbiner in New York - Mitteilung vom Januar 1857 
Alzey AZJ 05011857.jpg (31226 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Januar 1857: "Dr. Adler, bisher Rabbiner in Alzey, geht an Herzbachers Stelle nach New York. Adler nimmt die Achtung und Liebe seiner Gemeinde, sowie seiner zahlreichen Freunde mit sich. Er geht kommenden März von Alzey an".
   
Abschiedspredigt von Rabbiner Dr. Samuel Adler (1857)  
Alzey AZJ 16031857.jpg (166060 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1857: "Alzey, 25. Februar (1857): Verwichenen Samstag, den 21. dieses Monats, hielt der bisherige Rabbiner, Herr Dr. Adler, vor seiner Abreise nach New York, wohin ein sehr ehrenvoller Ruf als Prediger der Emanu-El-Gemeinde ihn berief, seine Abschiedspredigt, welche die Gemüter der anwesenden zahlreichen Zuhörer der verschiedenen Konfessionen tief ergriff. Die hiesige israelitische Gemeinde verliert an ihm einen Mann, der während seines vierzehnjährigen Wirkens hier stets durch Wort und Tat in der uneigennützigsten Weise bemüht war, in seiner Gemeinde das geistige Wohl zu fördern, den geläuterten Glauben unserer erhabenen Religion zu erheben und zu veredeln, und er hatte die Genugtuung, dieses Streben allgemein anerkannt und gewürdigt zu sehen. Schon seit einiger Zeit waren alle hiesigen Israeliten von dem ihnen drohenden Verlust schmerzlich berührt und in einer an den würdigen Seelsorger von seiner Gemeinde gerichteten Adresse, begleitet von vier schönen silbernen Leuchtern, gaben sie ihren Gefühlen den sprechendsten Ausdruck. Nicht minder wurde ihm von sämtlichen Institutionen, in denen er den Religionsunterricht erteilte, sowie von verschiedenen Privaten ehrende Anerkennung zuteil; demselben folgt nicht allein die Liebe und Achtung seiner Glaubensgenosse, sondern auch von den Bekennern anderer Konfessionen, von Allen, die ihn näher zu kennen Gelegenheit hatten, in reichlichem Maße; so wurde ihm am Tage vor seiner Abreise von der Direktion der höheren Bildungsschule (Realschule) in einer herzlichen Adresse das tiefe Bedauern über sein Scheiden ausgedrückt.
Möge der neue Wirkungskreis, wohin die göttliche Vorsehung ihn berufen, ihm Gelegenheit geben, seinem edlen Streben durch die besten Erfolge die Krone aufzusetzen; möge aber auch die hiesige Rabbinatsstelle durch einen Gleichgesinnten Mann besetzt werden, damit die edle Saat, die er ausgestreut, noch den spätesten Enkeln segensreiche Früchte trage."  
   
Ankunft von Rabbiner Dr. Samuel Adler in New York Ende März 1857
Alzey AZJ 01061857.jpg (48869 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1857: "Dr. Adler, früher Rabbiner in Alzey, kam nach einer beschwerlichen Seereise Ende März in New York an und hielt am 4. April seine Antrittsrede. Leider begegnete ihm, laut brieflichen Mitteilungen von dort, das Malheur, dass ihm auf dem Schiff sein sämtliches Silber gestohlen wurde."  
Ergänzung zur obigen Mitteilung  
Alzey AZJ 13071857.jpg (28939 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Juli 1857: "Einer frühern Nachricht von hier folge die Ergänzung, dass die auf dem Schiffe vermissten Gegenstände des Dr. Adler in New York später wieder gefunden wurden."  
  
Rabbiner Dr. Samuel Adler erhält eine finanzielle Zuwendung seiner Gemeinde in New York (1866)  
Alzey Ben Chananja 06061866b.jpg (18911 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Ben Chananja" vom 6. Juni 1866: "New York, im Mai (1866). Dr. Adler, Rabbiner der hiesigen Gemeinde 'Emanuel', hat von derselben zehn Tausend Dollar zum Geschenke erhalten."  
    
Bericht über Rabbiner Dr. Samuel Adler und seine erfolgreiche Tätigkeit in New York (1869)    
Worms AZJ 23021869.jpg (297905 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Februar 1869:  "Die hervorragenden jüdischen Geistlichen in Amerika. [Nach dem Phrenological Journal.]  
Rev. Dr. Samuel Adler ist der Sohn des Jakob J. Adler, Rabbiners der Gemeinde zu Worms am Rhein, wo er auch im Jahre 1810 geboren wurde. Schon in frühem Alter begann er das Studium der hebräischen Sprache, der Bibel und des Talmuds. das er dann mit großem Fleiße unter der freundlichen und sorgfältigen Leitung seines Vaters fortsetzte. Bei dem frühen Tode dieses Letzteren jedoch verließ der Gegenstand unserer Skizze, damals ein Knabe von vierzehn Jahren, zum ersten Male das elterliche Haus und ging nach Frankfurt am Main, um dort seine Studien auf der talmudischen Hochschule fortzusetzen. Nach einiger Zeit kehrte er wieder nach seiner Vaterstadt zurück, um unter dem Rabbiner Bamberger weiter zu studieren, und sich zugleich durch selbstständiges Arbeiten für die Universität vorzubereiten. 1831 bis 1836 besuchte er die Universitäten in Bonn und Gießen und widmete sich mit großem Eifer der orientalischen Philologie. Als er im Frühjahr 1836 wieder nach Worms zurückkehrte, wurde er sofort als Prediger und Religionslehrer der Gemeinde angestellt, zu welchem Amte bald noch das des Inspektors aller jüdischen Schulen des Distrikts hinzugefügt wurde. In dieser Stellung trat er zuerst als Vorkämpfer der Reform auf und tat die ersten Schritte zur Klärung und Verbesserung des öffentlichen Gottesdienstes unter den Juden jenes Distrikts. Im Spätherbst des Jahres 1842 erhielt Dr. Adler den Ruf als Rabbiner des Distriktes Alzey, ein weites und bis dahin noch unbebautes Feld der Arbeit, aber eines, das seine Arbeit wohl vergalt, sodass die kleine Gemeinde in wenigen Jahren sich durch ganz Deutschland einen Namen erworben hatte, welcher sich mit dem der reichsten und größten Gemeinden messen konnte. Diese Gemeinde gestattete auch ihrem Geistlichen, die Rabbinerversammlungen von 1844-46 zu besuchen, zu deren tätigsten Mitgliedern er gezählt werden muss. Im Jahre 1854 nahm Dr. Adler eine Berufung als Rabbiner und Prediger der jüdischen Gemeinde zu Lemberg in Galizien an, aber wegen unvorhergesehener und ernstlicher Familienstörungen konnte er ihr nicht folgen. Im Spätherbst des Jahres 1856, nach dem Tode des betrauerten Dr. Merzbacher, erhielt er einen Ruf als Rabbiner an den Tempel Emanuel in New York, welchem er gern folgte, und noch jetzt fungiert er in dieser Stellung und hat die Freude, seine Anstrengungen mit dem besten Erfolge gekrönt zu sehen.   
Dr. Adler's Gemeinde ist eine der wohlhabendsten im ganzen Lande. Sie gehört zu der neuen Reformschule des Judentums. Der Prachtbau einer neuen Synagoge an der Ecke der 43. Straße und 5. Avenue wird im künftigen Herbste beendet sein.
In der äußeren Erscheinung ist Dr. Adler durchaus geistlich, und obgleich im Allgemeinen von ernstem Aussehen, hat er doch seine Augenblicke der Heiterkeit und der 'Bonhommie'. Er zeichnet sich durch seine rhetorischen Fähigkeiten sein, seine Predigten hält er ganz ex tempore, doch sind sie stets in reinem, edlem Stil. Nur gelegentlich trägt er in englischer Sprache vor."        
  
Über die beiden Brüder Rabbiner Dr. Samuel Adler und Prediger A. Adler in Worms (1885)   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1885:  "Der Aufmerksamkeit würdig waren auch die Brüder S. Adler, Kreisrabbiner in Alzey und A. Adler, Prediger in Worms. Ähnlichkeit besaßen diese Brüder weder in ihrer äußeren Erscheinung, noch in ihren Ansichten; aber in ihren Gesinnungen und in ihrer Charakterfestigkeit kamen sie überein. Der erstere der beiden huldigte damals noch der gemäßigten Reform und wollte sie überall nur aus dem Talmud selbst herleiten und begründen. Darum kümmerte sich der zweite wenig, und verteidigte eine durchgreifende Reform mit großer Schärfe und gewandter Dialektik, der er oft einen überraschenden Sarkasmus einzufügen wusste, und zwar gerade da, wo man diesen gar nicht vermutete, und wo er deshalb wie ein Blitz einschlug. S. Adler gewann gerade durch seine Richtung bald eine gewisse Autorität unter seinen Kollegen, die er durch ein freundliches, liebenswürdiges Benehmen steigerte. A. Adler hatte ein hässliches Organ, das er jedoch durch seine kräftige Redeweise leicht vergessen machte. Von ihm ist mir nur eine polemische Schrift 'das Judentum und die Kritik, ein Sendschreiben an Herrn Dr. Frenkel ' (Mannheim 1845) bekannt, und einem weiteren Wirken setzte ein frühzeitiger Tod ein Ende. Von S. Adler, der später nach New York berufen ward, wo er eine lange sehensreiche für das amerikanische Judentum bedeutende amtliche Wirkung bis zum heutigen Tage ausübte, ist mir kein literarisches Produkt bekannt."      
  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Samuel Adler (1891)     
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Juli 1891: "Herr Dr. Samuel Adler, früher Rabbiner in Alzey (Hessen) und dann langjähriger Rabbiner der New Yorker Emanuel-Gemeinde, ist im Alter von 82 Jahren verschieden. Derselbe war ein Sohn des Rabbiners Adler in Worms."        
 
Über den Philosophen Felix Adler, Sohn von Rabbiner Dr. Adler (1851 in Alzey - 1933 in New York) 
(Bericht übernommen und überarbeitet aus einem Artikel im  "Humanistischen Pressedienst"  
Alzey FAdler 010.jpg (7542 Byte)Amerikanischer Philosoph, in Alzey geboren. Er ist der Begründer der für einen säkularen Humanismus eintretenden "Society for Ethical Culture", die er bis zu seinem Tod leitete. Sein Vater Dr. Samuel Adler wanderte mit ihm 1856 in die USA aus. Er studierte an der Columbia University in New York, ging 1870 an die Universität Heidelberg, wo er1874 promovierte. Anschließend war er für zwei Jahre als Professor für hebräische und orientalische Literatur an der privaten Cornell University in Ithaca, New York tätig. Zurück in New York City predigte er eine kurze Zeit in der Synagoge in der sein Vater der Chefrabbiner war. Die Tatsache, dass er sich in seinen Predigten niemals auf Gott bezog, machte ihn der jüdischen Gemeinde suspekt, entsprechend endete diese Tätigkeit schnell wieder. 1876 rief er mit der "Gesellschaft für Ethische Kultur" eine neue religiöse Bewegung ins Leben. Diese basierte auf der Vorstellung, dass nicht eine Gottheit und dogmatische Glaubensbekenntnisse sondern ethische und moralische Werte die Grundlage religiösen Empfindens bilden sollen. Diese religiöse Haltung solle dann durch konkrete Taten, durch humanitäres Handeln zum Ausdruck kommen. In diesem Sinne entwickelte die Gesellschaft für ethische Kultur zwei wegweisende Projekte. 1877 rief sie einen medizinischen Besucherdienst ins Leben, der ans Bett gefesselte, sozial schwache Kranke betreute und später ins öffentliche Gesundheitssystem von New York übernommen wurde. Im folgenden Jahr gründete die Gesellschaft einen kostenlosen Kindergarten zur Betreuung von Kindern armer, arbeitender Familien. Dieser wurde dann 1880 zur Schule ausgebaut, aus der schließlich die heute noch bestehende "Ethical Culture Fieldstone School" hervorging. Adler selbst publizierte Schriften zu religiösen, ethischen und pädagogischen Fragen und wurde 1902 Professor für "Politische und Soziale Ethik" and der Columbia University in New York. Er setzte sich auch für Völkerverständigung und die Selbstbestimmung von Völkern ein und kritisierte die imperialistische Ausrichtung der US-Außenpolitik. Adlers Ideen wurden in Deutschland aufgegriffen und führten 1892 zur Gründung der "Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur". 
Zitat: "For more than three thousand years men have quarrelled concerning the formulas of their faith. The earth has been drenched with blood shed in this cause, the face of day darkened with the blackness of the crimes perpetrated in its name. There have been no dirtier wars than religious wars, no bitterer hates than religious hates, no fiendish cruelty like religious cruelty; no baser baseness than religious baseness. It has destroyed the peace of families, turned the father against the son, the brother against the brother.

    
Prof. Dr. Felix Adler (geb. 1851 in Alzey) liest als Austausch-Professor an der Berliner Universität (1908)        

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Juni 1908: "New York. Dr. Felix Adler, Professor für politische und soziale Ethik an der Columbia-Universität, der im nächsten Wintersemester als dritter amerikanischer Austauschprofessor an der Berliner Universität lesen wird, wird sich bereits in Kürze nach Europa begeben. Dr. Adler wurde 1851 in Alzey (Rheinhessen) als Sohn des damaligen Rabbiners Dr. Samuel Adler geboren und besuchte 1870-72 die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin."              

      
      
Aus der Zeit des Rabbiners Dr. David Rothschild (Rabbiner von 1862 bis 1891)  
Rabbiner Dr. David Rothschild (geb. 16. November 1816 in Hamm (Westfalen), gest. 28. Januar 1892 in Aachen): studierte 1837 bis 1838 in Bonn, war zunächst Prediger in Hamm; seit 1850 Rabbiner in Aachen, seit 1861 Rabbiner in Alzey; war Teilnehmer an der liberalen Kasseleer Rabbiner-Versammlung. Im Juni 1891 trat er in den Ruhestand. Er starb in Aachen, wo er auf dem dortigen jüdischen Friedhof beigesetzt wurde.        

Schwierigkeiten zwischen Alzey und den Landgemeinden zur Finanzierung des Rabbinergehaltes (1861)

Alzey AZJ 19031861.jpg (182064 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. März 1861: "Aus Rheinhessen, Februar (Privatmitteilung). Endlich ist es der Religionsgemeinde Alzey gelungen, in Herrn Dr. Rothschild aus Aachen einen Mann für den seit Abgang Herrn Dr. Adlers - also jetzt vier volle Jahre - vakanten Rabbinatssitz zu gewinnen, vorausgesetzt, dass nicht in letzter Stunde abermals ungeahnte Zwischenfälle und Schwierigkeiten auftreten. Mit den Landgemeinden, die in den Alzeyer Rabbinatssprengel gehören, werden allerdings einzelne Querells nicht zu vermeiden sein. Die Stadtgemeinde behandelt diese nur so obenhin, da sie angeblich nur ein Sechstel zum Gehalte zahlen. Die Landgemeinden geben dagegen vor, dass sie für dieses Sechstel eigentlich auch gar keinen Genuss hätten, da religiöse Anfragen, wie vor Alters, hier nur selten mehr vorkommen, und für Schulvisitation und einzelne Predigten, die als etwas nur gleichsam sporadisch Auftretendes an und für sich gar keinen Wert hätten, Extrahonorare gezahlt werden müssen. das ist freilich wahr. Aber ob hier wie dort wirklich nur das religiöse Interesse gewahrt, ob der zum Vertreter der Landgemeinden in dieser Angelegenheit Gewählte imstande ist, den Gedanken festzuhalten, dass anständige Besoldung und Honorierung der Religionsbeamten schon darum nötig ist, weil sonst für diese Ämter keine Bewerber mehr da sein werden, und erweislich nur äußerst selten noch sich junge Männer dem Religionslehramte widmen, das wird abzuwarten sein. Wir glauben es nicht. Es ist leider nur zu wahr, dass bei allen solchen Angelegenheiten gemeine Interessen sich vordrängen. So lange z.B. eine Gemeinde keinen Religionslehrer hat, ist der Lamentation kein Ende. Sobald sich aber eine geeignete Persönlichkeit meldet, ist der Enthusiasmus verraucht, und man wahrt angeblich die Interessen der Gemeinde, indem man dem Religionsbeamten in den Staub drückt, und um einige Gulden Gehalt mehr oder weniger tagelang feilscht."  
    
Über eine Predigt von Rabbiner Dr. David Rothschild (1864)  
Alzey AZJ 12041864.jpg (94380 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. April 1864: "'Israels Glaube. Predigt über 2. Mose 14,31. Bei Gelegenheit einer Sepher-Tora-Einweihung (sc. Einweihung einer Torarolle). Von Dr. v. Rothschild, Kreisrabbiner in Alzey. (Preis 2 Sgr., der Reinertrag ist der Unterstützungskasse für israelitische Lehrer in Deutschland zugewiesen).' Diese Predigt hat unsern ganzen Beifall, denn sie ist ebenso geist- wie gemütreich, hat eine einfache und doch schöne Form und eine, wenn auch nicht schwungreiche, doch ergreifende Sprache. Der Inhalt ist: Der Glaube Israels ist ein Glaube der Überzeugung und ein Glaube der Tat. (Wir hätten hier statt 'Glaube' lieber Religion gesagt, da die spezifische Bedeutung des Wortes Glaube mit 'Tat' nicht gut verbunden werden kann und der Redner also das Wort nur in seinem allgemeinen Sinne für Religion verstanden hat.)."
   
Unzufriedenheit der Orthodoxen mit der Amtsführung von Rabbiner Dr. David Rothschild, der darauf seine Kündigung einreicht (1890)   
Alzey Israelit 16101890.jpg (182412 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1890: "Alzey, im Oktober (1890). Der bekannte Ausspruch Ben Akiba's findet bei unserer Reform keine Bestätigung. Denn seit ihrer Inszenierung sind wir gewohnt, in kurzen Zwischenräumen 'nie da gewesene' Überraschungen an ihren Führern und Leitern zu erleben- Der Gottfried von der trefenen (= nicht koscheren) Bouillon oder das am Sabbat sein Pfeiflein schmauchende Rabbilein sind zwar nicht mehr imstande, uns Rufe des Staunens zu entlocken, dagegen dürfte es neu sein, dass ein Schochet die Kaboloh (Befähigungszeugnis zum Schächten) erhält, der nicht ein Wort Hebräisch lesen kann. Sie fragen, wer denn dies Ungeheuerliche zustande gebracht habe? Wenden Sie  sich bitte an unseren Herrn Rabbiner Dr. Rothschild, er wird Ihnen nähere Auskunft darüber geben können. 
Ein armer, 16 1/2 jähriger Lumpensammler in dem benachbarten Pfennersheim ist der Bevorzuge, der mit der Kaboloh unseres Herrn Rabbiners in der Tasche uns mit 'Koscherfleisch' beglücken will. Man nimmt natürlich allenthalben Anstand, diesen jungen Mann, der weder eine höhere jüdische oder nichtjüdische Schule, noch ein Seminar besucht hat, vom Schächtfache selbstredend keine Ahnung hat, und der nicht mehr Bildung besitzt, wie der erste beste Hausbursche, die Schächtfunktion ausüben zu lassen; dennoch soll er an einem kleinen Orte in der Nähe bereits geschächtet haben. 
Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel, und auch der Unwille gegen unser geistliches Oberhaupt hat einen solchen Höhepunkt erreicht, dass dasselbe sich genötigt sag, ein Entlassungsgesuch einzureichen. Wenn man auch hier nicht den orthodoxen Prinzipien huldigt, so wünscht man doch nicht, dass der Rabbiner sich rasiert oder am Sabbat per Eisenbahn die seinem Bezirke unterstellten Ortschaften aufsucht, um den Leuten von der Kanzel aus zu sagen, wie sie Gottes Gebot halten sollen. Herr Dr. Rothschild hat nun Muße, seinem Freunde Rahmer Betrachtungen über die "starre Neuorthodoxie und die Finsternis um sich her verbreitende Muckertum" zu liefern. Unserem Rabbinate aber wünsch wir, dass, entgegen dem bekannten Spruche, bald  etwas Besseres nachkomme."   
  
Rabbiner Dr. David Rothschild ist in den Ruhestand getreten (1891)    
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Juli 1891: "Herr Rabbiner Dr. David Rothschild in Alzey ist am 1. Juli in den Ruhestand getreten und hat in Burtscheid bei Aachen seinen Wohnsitz genommen."      
  
Meldung des Todes von Rabbiner Dr. David Rothschild (1892)   
Alzey Israelit 04021892.jpg (14222 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1892: "Alzey. Der frühere Rabbiner von Alzey, Herr Dr. David Rothschild, ist in Burtscheid-Aachen im 76. Lebensjahre gestorben".

   
   
Aus der Zeit des Rabbiners Dr. Joseph Levi (1891-1904)    
Anmerkung: Rabbiner Dr. Joseph Levi (geb. 13. Februar 1865 in Freudental, gest. 1. Juni 1930 in Krefeld): studierte von 1884 bis 1892 in Breslau, wurde 1888 in Tübingen promoviert; war von Oktober 1891 bis 1904 Rabbiner und Religionslehrer am Lehrerseminar in Alzey, seit Oktober 1904 Oberrabbiner in Krefeld; um 1917 Feldrabbiner im Westen; im Januar 1928 trat er in den Ruhestand. 
Link: Guide to the Papers of Joseph Levi (1865-1930), 1901-1914.    

Probevortrag von Rabbiner Dr. Levi (1891)  
Alzey Israelit 14101891.jpg (62011 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1891: "Aus Rheinhessen. Um die vakante Rabbinerstelle in Alzey haben sich, soviel wir wissen, 18 Bewerber gemeldet. Herr Rabbiner Dr. Levi aus Freudental (Württemberg), der seine Ausbildung auf dem Breslauer Seminar erhalten, wurde für Rosch Haschana (Neujahrstag) zum Probevortrag berufen. Derselbe hat auf die Gemeinde einen so guten Eindruck gemacht, dass er nach Rosch Haschana sofort als Rabbiner gewählt wurde. Es war vorauszusehen, dass Herr Dr. Levi, der einer sehr religiösen Familie entstammt, nicht alle Reformen der Gemeinde Alzey akzeptiere und so hören wir denn mit Vergnügen, dass man dorten manchen Wünschen Dr. Levis bereits entsprochen hat."
  
Wahl von Rabbiner Dr. Levi (1891)   
Alzey AZJ 23101891.jpg (16144 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Oktober 1891: "In Alzey ist Herr Dr. Levi, ein Zögling des Breslauer Seminars, zum Rabbiner gewählt worden."
    
Wahl von Dr. Levi zum Oberrabbiner in Krefeld (1904)  
Alzey FrfIsrFambl 05081904.jpg (99527 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Mai 1904: "Krefeld. Der Vorstand und die größere Vertretung der hiesigen israelitischen Gemeinde hat anstelle des auf seinen Wunsch zum Herbste dieses Jahres in den Ruhestand tretenden Herrn Oberrabbiner Dr. Horowitz den jetzigen Bezirksrabbiner in Alzey (Rheinhessen), Herr Dr. Levi, einstimmig zum Oberrabbiner gewählt. Diese Wahl wird von der ganzen israelitischen Gemeinde mit lebhafter Freude begrüßt, da die von Herrn Dr. Levi in seiner Probepredigt dargelegten Anschauungen und Grundsätze allseitigen Anklang fanden. Herr Dr. Levi ist am 13. Februar 1865 in Freudental, Königreich Württemberg geboren. Nach Absolvierung des Königlichen Karlsgymnasiums in Heilbronn, wurde er zum Beginn des Wintersemesters 1884 als ordentlicher Hörer des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau aufgenommen, hörte von derselben Zeit an die Vorlesungen der philosophischen Fakultät der dortigen Universität und promovierte Januar 1888 in Tübingen. Von Oktober 1890/1891 genügte er in München seiner Militärpflicht. Nach bestandener Abgangsprüfung am Seminar in Breslau übernahm er die Stelle eines großherzoglichen Bezirksrabbiners in Alzey."
   
Rabbiner Dr. Levi wechselt nach Krefeld (1904)   
Alzey Israelit 28071904.jpg (12804 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit": "Aus Rheinhessen. Rabbiner Dr. Levi in Alzey wurde zum Rabbiner der Gemeinde Krefeld ernannt."  

  
  
Aus der Zeit des Rabbiners Dr. Julius Lewit (1904-1933)  
Rabbiner Dr. Julius Lewit (geb. 26. Februar 1866 in Samter, Posten, gest. 23. Februar 1934 in Alzey): studierte seit 1889 in Breslau, wurde 1895 in Erlangen promoviert; 1895 bis 1898 Studien in Berlin, 1898 bis 1900 Rabbiner, Prediger und Leiter einer Religionsschule in Stolp, Pommern; 1900 Hilfsprediger und Religionslehrer in Berlin-Spandau; seit Juli 1901 liberaler Landesrabbiner in Hoppstädten, Birkenfeld; seit April 1905 Rabbiner in Alzey; trat 1931 in den Ruhestand; war verheiratet mit Hedwig geb. Neuberger (geb. 17. März 1878, deportiert 11./12. November 1941 von Frankfurt/Main nach Minsk).      

Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1904)  
Alzey FrfIsrFAmbl 28101904.jpg (16126 Byte)Ausschreibung der Rabbinatsstelle im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Oktober 1904: "Alzey (Rheinhessen, 7.000 Einwohner, 80 jüdische Familien). Rabbiner 4.000 Mark Einkommen und Kasualien".  
   

Rabbiner Dr. Lewit kommt zum 1. April 1905 nach Alzey  

Alzey FfIsrFambl 20011905.jpg (21563 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Januar 1905: "Hoppstädten. Landrabbiner Dr. Levis (verschrieben für Levit) verlässt am 1. April nach vierjähriger Tätigkeit seinen hiesigen Wirkungskreis, um die Stelle als Rabbiner des Großherzoglichen Rabbinatsbezirks Alzey zu übernehmen."
   
Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. März 1905: "Alzey. Die hiesige Rabbinerstelle wird am 1. April von Herrn Rabbiner Dr. Levit - Hoppstädten besetzt".  
   
Rabbiner Dr. Lewit hat das Rabbinat Alzey übernommen (1905)     
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. April 1905: "Alzey, 14. April (1905). Herr Landesrabbiner Dr. Lewit übernahm mit Beginn dieses Monats das hiesige Rabbinat. Das Anstellungsdekret erhielt Dr. Lewit durch das Ministerium und wurde durch den großherzoglichen Kreisrat hierauf eidlich verpflichtet. Am Samstag fand die feierliche Einführung des neuen Rabbiners in der mit Blumen und Pflanzen festlich geschmückten Synagoge statt. Zu Anfang sang der Synagogen-Chor das Lied: 'Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre', worauf Dr. Lewit seine Antrittspredigt hielt. Er sprach die Hoffnung aus, auch in der hiesigen Gemeinde die Liebe und die Treue in den Herzen der Menschen zu finden, wie es ihm in seinem seitherigen Wirkungskreise zuteil geworden. Er legte seiner Predigt den 15. Psalm zu Grunde, nachdem nur derjenige religiös zu nennen ist, der in Unschuld wandelt und Recht übt und Wahrheit redet in seinem Herzen, der mit seiner Zunge nicht verleumdet und keinem Menschen ein Leid zufügt. Auf dieser Grundlage wolle er als Künder des Gotteswortes wirken, wobei er auf das Entgegenkommen der Gemeindemitglieder rechne und den Segen Gottes erflehe. Die Gemeindemitglieder sind von dem Wunsche erfüllt, dass es Herrn Dr. Kewit in hiesger Gemeinde und in den Bezirksgemeinden eifrig zu wirken beschieden sei und dass seine Tätigkeit den Gemeinden und der heranwachsenden Jugend zum Segen gereichen möge."          
 
Ehrung für Bezirksrabbiner Dr. Julius Lewit (1905)  
Alzey FfIsrFambl 15091905.jpg (68607 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1905: "Alzey. Der hiesige Bezirksrabbiner Dr. Julius Lewit wurde am 30. August im Schlosse zu Darmstadt von unserm Großherzog in Audienz empfangen. Seine Königliche Hoheit erkundigte sich bei Herrn Dr. Lewit über einige Verhältnisse der Bezirksgemeinde und über die Art der rabbinischen Tätigkeit in den Gemeinden. Hierauf wurde Herr Dr. Lewit im Staatsministerium empfangen, wo Herr Ministerialrat Braun mit ihm eingehend über den neuen Gesetzentwurf für die jüdischen Gemeinden sprach, nach welchem die Stellung der Rabbiner besser geregelt und auch die Religionslehrer in Hessen staatlich angestellt werden sollen. Der Herr Ministerialrat nahm bestimmt an, dass der Gesetzentwurf bereits dem nächsten Landtag vorgelegt werden wird, und er sodann in den beiden Kammern zur Annnahme gelangen werde."

  
Beitrag von Rabbiner Dr. Lewit über "Soziale Ethik im Judentum" (1914)   

Alzey AZJ 23011914.jpg (426524 Byte) Alzey AZJ 23011914a.jpg (470938 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1914 
- zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken       

    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Kantoren     
    
Neben dem Rabbiner hatte die jüdische Gemeinde einen Kantor angestellt.  
   
Ausschreibungen der Stelle des Kantors (Vorbeters) 1853 / 1866 / 1877 / 1880 / 1886        

Alzey AZJ 11071853.jpg (39037 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1853: "Offene Kantorstelle. Bis zum September diesen Jahres ist in hiesiger Gemeinde die Kantorstelle zu besetzen. Gehalt 250 Gulden und Einkünfte durch hebräischen Sprachunterricht 100-150 Gulden. Außerdem bleibt mehr als die Hälfte der Zeit zur freien Disposition. Musikalisch und  sprachlich gebildete und gut beleumundete Bewerber haben sich in portofreien Zuschriften zu wenden an den Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Alzey."  
   
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Januar 1866: "Die Darmstädter Zeitung No. 6 enthält folgende Bekanntmachung
Die Stelle eines Kantors, mit einem jährlichen Gehalte von 350 Gulden ist bei der israelitischen Gemeinde in Alzey erledigt. Außerdem diesem fixen Gehalte hat derselbe Gelegenheit, sich durch Privatunterricht in der hebräischen Sprache ein Neben-Einkommen von etwa 200 Gulden zu erwerben, und wird ihm ein solches im Betrage von 100 Gulden garantiert. Bewerber wollen ihre Gesuche unter Vorlage ihrer Zeugnisse über ihre Kenntnisse in der Musik und hebräischen Sprache, sowie ihr sittliches Verhalten binnen 4 Wochen bei uns einreichen. 
Alzey, den 28. Dezember 1865. Großherzogliches Kreisamt. gez. Wolf."   
 
Alzey AZJ 17071877.jpg (36768 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juli 1877: "Wegen eventueller Übernahme einer anderen Stelle, soll der hiesige Kantorposten baldigst neu besetzt werden. Forderungen: musikalische und pädagogische Fähigkeiten. Gehalt 1.200 Mark fix, die sich durch Emolumente und Lehrtätigkeit an der Töchterschule bis zu 2.000 Mark steigern. Definitive Anstellung, wie bisher, in Aussicht. Schleunige Meldungen erbittet sich
Alzey (Rheinhessen).  Kantor Wertheim."
   
Alzey AZJ 14121880.jpg (77920 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Dezember 1880: "Die Kantorstelle in hiesiger Gemeinde ist bis zum 1. April nächsthin neu zu besetzen. Das Gehalt ist auf Mark 1.200 fixiert und die Nebeneinkünfte können durch Privat-Unterricht und namentlich durch das jüngst eröffnete Seminar für Lehrerzöglinge aller Konfessionen ansehnlich erhöht werden, indem dem Betreffenden Gelegenheit geboten ist, israelitische Seminaristen bei sich aufzunehmen und ihnen Unterricht im Kantorfach privatim zu erteilen.
Musikalisch gebildete Bewerber, die auch den hebräischen Sprachunterricht zu erteilen imstande sind, wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse baldigst bei uns melden.
Alzey, Rheinhessen. Der israelitische Gemeindevorstand."
  
Alzey AZJ 16031886.jpg (46769 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1886: "Offene Kantorstelle. Wir suchen per sofort einen musikalisch gebildeten Kantor. Seminaristisch gebildete Elementarlehrer erhalten den Vorzug. Der fixe Gehalt beträgt Mark 1.200. Bewerber wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse alsbald melden. Alzey, den 3. März 1886. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde."   

    
Über die Unterrichtsverhältnisse in der jüdischen Gemeinde (1859)      

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Mai 1859:  "... Auch Alzey hat noch keinen Rabbiner gefunden. Es ist neulich dieser Gemeinde in Kleins Schul- und Jugendbibliothek der Vorwurf gemacht worden, gleichgültig gegen das heiligste Interesse einer Religionsgemeinde, gegen den religiösen Jugendunterricht zu sein; es möchte ihr schwer werden, diesen Vorwurf von sich abzuwälzen. Zur Zeit des Herrn Dr. Adler wurde von demselben in wöchentlich einigen Stunden Religionsunterricht in den öffentlichen Schulanstalten erteilt. Der dortige Kantor, Herr Heinbach (der übrigens ein qualifizierter Lehrer), erteilte und erteilt auch jetzt den Unterricht im Hebräischen in Privatstunden gegen besondere Zahlung. Einem solchen Privatunterricht im Hebräischen wird aber immer die rechte Weihe, das religiöse Moment abgehen, das diesem Unterricht Gedeihen gibt. Zudem werden für Unbemittelte die Ausgaben für den Privatunterricht eine schwere Bürde sein. Der Religions- und Konfirmandenunterricht st seit dem Abgang des Herrn Dr. Adler - nun zwei Jahre! - ganz sistiert. Sollten die Mitglieder dieser Gemeinde, die den Letztern in seinen Bestrebungen so nachdrucksvoll unterstützten, seinen letzten Mahnruf vergessen haben? Sollten sie die erste Pflicht einer Gemeinde, die Grundlage alles religiösen Lebens nicht kennen? Was wird, nachdem 3 oder 4 Jahresklassen nicht konfirmiert wurden, diese hehre Feier für einen Eindruck mehr machen! Wird sie nicht eine leere Charade?"      

 
Lehrer Ferdinand Heinbach unterhält eine Lehr- und Erziehungsanstalt zur Vorbereitung für die Real- und höhere Töchterschule (1859 / 1862)
Anmerkung: durch solche Lehr- und Erziehungs-Anstalten hatten jüdische Lehrer oft ein Nebeneinkommen. Von Interesse ist, dass die Lehranstalt des jüdischen Lehrers (und seiner Frau)  offenbar vor allem von christlichen Mädchen besucht wurde.   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Juli 1859: "Herr Heinbach in Alzey hat seit längerer Zeit ein Institut zur Vorbereitung für die Real- und höhere Töchterschule. Dasselbe wird vorzüglich von Kindern aus den ersten und gebildetsten christlichen Familien frequentiert. Um die Konzession hierzu, die ihm erst seit Kurzem geworden, musste er seit beinahe 3 Jahren supplizieren, obwohl sowohl er als auch seine Frau für den Lehrerberuf qualifiziert, und die betreffenden Prüfungen bestanden haben. Es ist nicht zu zweifeln, dass eben die Geistlichkeit hemmend im Wege stand."        
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1862: "In unserer Lehr- und Erziehungsanstalt beginnt mit dem 20. Oktober dieses Jahres ein neuer Kursus. Wir bitten zur Aufnahme von Pensionärinnen um gefällige frühzeitige Meldung. Nähere Auskunft erteilen außer an Leitern die Anstalt die Herren Rabbiner Dr. Rothschild und Gebrüder Neuberger. 
Alzey (Rheinhessen), 31. August 1862. 
Ferdinand Heinbach, Lehrer. Frau Heinbach."

       
Kantor Ferdinand Heinbach möchte nach Amerika auswandern (1864)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. November 1864: "Alzey, 3. November (1864). Unserer Gemeinde droht ein Verlust. Herr Heinbach, Kantor hiesiger Gemeinde, scheidet aus seinem Amte, um nach Amerika überzusiedeln. Nicht, wie leider so oft in Israels Gemeinden, Missverhältnisse mit den Kultusbeamten haben dieses Scheiden veranlasst, sondern die allwärts mächtige kirchliche Partei hat sich sonderbarer Weise auch bei diesem Ereignisse geltend gemacht. Herr Heinbach nämlich unterhielt hier eine Schule, welche von jüdischen und christlichen Kindern besucht wurde. Das war jener Partei ein Dorn im Auge und sie suchte diese Schule zu untergraben. Der Mann geht diesen europäischen Zuständen aus dem Wege, da er nicht mächtig genug ist, sie zu bekämpfen. Von der Gemeinde scheidet er im besten Einverständnisse, nicht ohne bedeutungsvolle Zeichen der Anerkennung für sein mehr als 20-jähriges Wirken. Sein Scheiden vom Amte wird umso mehr bedauert, als es nicht leicht sein wird, eine so tüchtige musikalische Kraft zu ersetzen. Sein dereinstiger Nachfolger wird einen geübten (gemischten) Synagogenchor vorfinden. Der Gesang des Kantors wie des Chors wird von dem Spiel eines gewandten Organisten unterstützt".   .         

 
Anzeige von Lehrer Wertheim für eine junge Lehrerin (1877)
   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Oktober 1877: "Ein junges Mädchen, 18 Jahre alt, aus guter Familie, das die Prüfung für Lehrerinnen an höheren Töchterschulen bestanden und die besten Zeugnisse aufzuweisen hat, sucht Stellung. Es wird weniger auf Gehalt, als auf angenehme Stellung gesehen. Gefällige Offerten besorgt Lehrer Wertheim, Alzey, Rheinhessen."   

   
Einrichtung eines jüdischen Lehrerseminars in Alzey (Einweihung Anfang November 1880)  

Alzey AZJ 30111880.jpg (195207 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 30. November 1880: "Darmstadt, im November. Seit mehreren Jahrzehnten hat man unter den Israeliten des Großherzogtums hie und da das Bedauern ausgesprochen, dass an den beiden Lehrerseminarien des Landes, zu Bensheim und zu Friedberg, kein jüdischer Religionsunterricht erteilt und die Zöglinge jüdischer Konfession keine Gelegenheit fänden, sich die für ihren künftigen Beruf als Religionslehrer nötigen Kenntnisse erwerben zu können. Als nun vor ungefähr 2 Jahren in der 2. Kammer der Stände eine desfallsige Interpellation an die Regierung gerichtet wurde, gab diese die Erklärung ab: an dem neu zu begründenden Seminar zu Alzey werde der dortige Rabbiner behufs Erteilung des Religionsunterrichts angestellt und für dieselbe aus der Staatskasse honoriert werden. Dieses ist denn auch geschehen. Anfangs dieses Monats ist das Seminar feierlichst eingeweiht und eröffnet worden.  -  Unterdessen hat aber die orthodoxe Partei in Frankfurt am Main die Sache in die Hand genommen. Seit längerer Zeit sendet sie 2 mal wöchentlich einen Lehrer aus dem Hirsch'schen Lehrerpersonal nach Friedberg, um die dortigen Seminaristen zu unterrichten. Der Unterricht soll, wie man hört, im Rabbinischen bestehen. Auch sind voreinigen Wochen seitens der Orthodoxen bei der Regierung Schritte getan worden. dieselbe zu veranlassen, den in den Friedberger Seminar befindlichen Zöglingen den weiteren Aufenthalt daselbst zu gestatten. Denn nach der ursprünglichen Intention sollten sich alle jüdischen Zöglinge dem Alzeyer Seminar zuwenden. Wie man hört, soll die Regierung, weit entfernt, irgendeinen Zwang ausüben zu wollen, dem Gesuche willfahren haben. Ob aber auch Neuhinzutretende in Friedberg Aufnahme finden, ist noch eine offene Frage. Die Orthodoxen sollen ihr Gesuch damit gegründet haben. dass die Schulaspiranten sich meistes in Landgemeinden um eine Anstellung bewerben, diese seien durchweg orthodox und würden Anstoß nehmen,. wenn jene ihren Unterricht von einem der Neologie huldigenden Rabbiner erhalten hätte. Dem sei nun, wie es ihm wolle. So viel steht fest: bei der Krisis, die dem Judentume von außen droht, sind beide Parteien, die orthodoxe und die reformatorische, mehr denn je darauf angewiesen, Frieden unter sich zu erhalten, und wer diesen Frieden stört, ist ein Feind des Judentums.".  

       
Aufnahmen im jüdischen Lehrerseminar (1911)  

Alzey FrfIsrFambl 17031911.jpg (93927 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. März 1911: "Alzey (Rheinhessen). Mit Schluss des Schuljahres steht wiederum eine große Anzahl von jungen Leuten vor der wichtigen Lebensfrage der Berufswahl. Es seien deshalb diejenigen , die sich dem Lehrerstande zu widmen beabsichtigen, darauf aufmerksam gemacht, dass in dem hiesigen Großherzoglichen Schullehrer-Seminar auch Nichthessen Aufnahme finden. Die jüdischen Seminaristen erhalten durch den Rabbiner von Alzey Unterricht, sowohl in allen religions-wissenschaftlichen, als auch in den hebräisch-rabbinischen Lehrfächern, außerdem werden sie vom Gemeindekantor im Kantorate vorgebildet. Zur praktischen Betätigung ist den Seminaristen im Jugend- und Gemeindegottesdienste, sowie in der Religionsschule Gelegenheit geboten. Reichlich bemessene Stipendien stehen zur Verfügung. In den letzten Jahren fanden sämtliche jüdischen Abiturienten im Staatsdienste Verwendung. 
Die mit dem hiesigen Seminare in Verbindung stehenden Präparanden-Anstalt befindet sich in Wöllstein bei Alzey. Auch hier ist für Religionsunterricht und Stipendien Sorge getragen."   
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. März 1911: Derselbe Artikel wie oben    

            
Zum 25-jährigen Dienstjubiläum von Lehrer und Kantor Abraham Stern in Alzey (1914)   

Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juli 1914: "Herr Lehrer Stern im Alzey feierte am 15. dieses Monats sein 25-jähriges Ortsjubiläum als Lehrer und Kantor der dortigen Religionsgemeinde."  
  
Alzey AZJ 31071914.jpg (125492 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Juli 1914: "Alzey (Rheinhessen), 24. Juli. Am 15. dieses Monats waren es 25 Jahre, seitdem Herr Abraham Stern das Amt des Kantors und Lehrers in hiesiger Religionsgemeinde bekleidet. Die Gemeinde hatte diese Gelegenheit gern wahrgenommen, um dem Jubilar Anerkennung zu bezeigen. Eine große Zahl von Gratulanten hatte sich eingefunden. Am Vormittag erschienen der großherzogliche Rabbiner, Herr Dr. Lewit und der Gemeindevorstand. Herr Theodor Wolff hatte im Namen des Vorstandes ein wertvolles Ehrengeschenk der Gemeinde überbracht unter freundlichen Lobesworten besonders des friedlichen Wirkens. Herr Rabbiner Dr. Lewit führte in längerer, herzlicher Ansprache aus, dass Herr Stern als Kantor und Lehrer segensreich gewirkt, wie er sich die Sympathie der Gemeinde und der christlichen Bevölkerung erworben, wie er die jungen, angehenden Lehrer vom hiesigen großherzoglichen Lehrehrseminar für das Kantorat tüchtig vorbereite, sodass eine große Anzahl Lehrer, die nun in Amt und Würden sind, dankbar zu ihm aufblicken. Der Jubilar antwortete den Rednern mit verbindlichen, herzlichen Worten und dankte für das freundliche Entgegenkommen. Es bereit ihm eine große Befriedigung, dass der Vorstand die Pensions- und Reliktenversicherung geregelt und die Kosten gänzlich auf eigene Schultern genommen. - Auch der Synagogenchor, dessen Dirigent der Jubilar ist, hatte seine Glückwünsche mit einem Geschenk verbunden. Es waren viele Telegramme und Gratulationsbriefe von Kollegen, Freunden und früheren Schülern eingegangen. Der hessische Lehrerverein hatte 'dem verdienstvollen Vorstandsmitglied und wackeren Mitkämpfer' telegraphisch die Glückwünsche übermittelt."

   
   
   
Aus dem jüdischen Vereinsleben  
Der "Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" hat seinen Sitz in Alzey - 1864  

Alzey AZJ 14021865b.jpg (60258 Byte)Nach einem längeren Abschnitt über die Planungen und die Arbeit des Vereins die Unterschrift: "Alzey im Dezember 1864. Das Haupt-Komitee des Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwitwen und –Waisen in Deutschland: Rabbiner Dr. Rothschild in Alzey, Vorsitzender, Kaufmann Louis Neuberger in Alzey, Rechner, Dr. med. Cahn in Alzey, Gegenschreiber, Lehrer J. Klingenstein in Odernheim, Geschäftsführer, Lehrer K. Marx in Alsheim, Schriftführer, Dr. Leopold Stein in Frankfurt am Main, Hauptredakteur des Jahrbuchs. Kaufmann Louis Lehmann in Homburg v.d.H.  Weinhändler Simon Levi in Landau."

    
Über den Israelitischen Armenverein in Alzey (1874)      

Alzey AZJ 20101874.jpg (306621 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1874:     
Text ist noch auszuschreiben; bei Interesse bitte die Textabbildung anklicken.         

    
Jahresbericht des Israelitischen Armenvereins in Alzey (1877)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1877: "Alzey, im September (1877). Zu den Zielen, welche die 'Allgemeine Zeitung des Judentums' ausdauern verfolgt, gehört auch die Bessergestaltung unseres Armenwesens und durch diese die Beseitigung des Bettelwesens in seiner Entartung, wie sie unter unseren Glaubensgenossen eingerissen. Sie verschmäht hierzu nicht die Aufsammlung jedes einzelnen Steinchens, um doch endlich den schwierigen Bau durchzuführen, nämlich dass diese Verbesserung eine allgemeine werde. Heute liegt uns der Jahresbericht des hiesigen israelitischen Armenvereins vor, der aus 49 Mitgliedern besteht. Seine Einnahmen beliefen sich auf 1736 Mark, seine Ausgaben auf 1628 Mark. Hiervon wurden an verschämte Arme, Kranke und Witwen in Stadt und Umgegend 135 Mark, an 51 polnische 41 Mark verausgabt. Es geht hieraus hervor, dass nicht, wie es in anderen Städten geschieht, der größere Teil der Mittel an durchreisende Bettler verausgabt wird, und durchschnittlich auf jeden dieser nur eine Mark kommt, während die 45 hiesigen Unterstützten durchschnittlich 27 Mark erhielten. Außerdem behielt der Verein die Mittel dem Stipendienfond der Berliner Hochschule 40 Mark, den Abgebrannten in Brückenau und in Wolkimir je 30 Mark und für die bulgarischen Juden 30 Mark und ebenso viel der Achawa zu spenden. Eine solch musterhafte Verwaltung verdient wohl rühmende Erwähnung."              


50-jähriges Jubiläum des Israelitischen Frauenvereins und weitere Mitteilungen (1893)  

Alzey AZJ 22121893.jpg (99299 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Dezember 1893: "Alzey, 12. Dezember (1893). Anlässlich seines 50jährigen Jubiläums, welches der hiesige Israelitische Frauenverein am verflossenen Sabbat Chanukka beging, stiftete derselbe auf Initiative unseres Rabbiners Herrn Dr. Levi ein kostbares Proches (Toraschreinvorhang) nebst drei dazu passenden Toramänteln mit herrlicher reicher Goldstickerei, hervorgegangen aus der Fabrik des Herrn Rupp in Frankfurt am Main. Dieselben wurden gleichzeitig an diesem Tage ihrer Bestimmung übergeben und feierlich eingeweiht. Des Nachmittags wurde auch die Jugend im Jugendgottesdienste auf die Bedeutung des Tages aufmerksam gemacht. Diese Jugendgottesdienste finden schon seit diesem Frühjahre statt. Die hiesigen jüdischen Seminaristen fungieren als Vorbeter; Gesang der Kinder und eine passende Ansprache des Herrn Rabbiners verleihen dem Gottesdienste die nötige Weihe, sodass sich zu der stattlichen Zahl der andächtigen Schüler und Schülerinnen auch immer noch Erwachsene gesellen. – Leider hat unsere Gemeinde in den letzten Tagen durch den Tod des Herrn Simon Baum II einen Verlust erlitten. Welche Liebe und Achtung sich derselbe zu erringen gewusst hatte, davon zeugte die enorme Beteiligung bei seiner Beerdigung. Seine Verdienste wurden deshalb auch von den Herren Rabbiner Dr. Levi und Reallehrer Dr. Storch, dem Vorstande der hiesigen Loge, gebührend gewürdigt, während der Gesamtverein Sängerkranz durch Gesang die Feierlichkeit erhöhte. – Friede seiner Asche!"
  
Alzey Israelit 18121893.jpg (26940 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1893: "Alzey, 9. Dezember (1893). 50 Jahre sind es heute, seitdem der hiesige israelitische Frauenverein, der sich namentlich Pflege und Unterstützung bedürftiger und kranker Glaubensgenossen zur Aufgabe gemacht, gegründet wurde. Eine entsprechende Feier in der Synagoge wird dem Tage eine erhöhte Bedeutung geben."

   
Gründung eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur unter Rabbiner Dr. Levi (1903)  

Alzey AZJ 27021903.jpg (80048 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. Februar 1903: "Alzey, 20. Februar (1903). Erfreulicherweise regt sich auch in unserer Gemeinde wieder mehr das Interesse für das Judentum und seine Wissenschaft. Nicht wenig dazu beigetragen hat eine von der Religionsschule veranstaltete Chanukkafeier der Jugend, die in allen ihren Teilen erhebend auf Herz und Gemüt nicht nur der Kleinen, sondern auch ihrer anwesenden Eltern wirkte. Das Verdienst, aller Augen wieder mehr auf die jüdische Literatur und Wissenschaft hingelenkt zu haben, gebührt unserem Rabbiner Herrn Dr. Levi. Derselbe hielt vor kurzem einen Vortrag: Alexander von Humboldt, ein Vorkämpfer für die Emanzipation der Juden. Anschließend an den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag regte Herr Rabbiner Dr. Levi die Gründung eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur an. Alsbald war auch schon dessen Fundament gesichert, indem mehr als dreiviertel der hiesigen Gemeindemitglieder mit namhaften Beiträgen ihren Beitritt erklärten. Wir schließen mit dem Wunsche, dass der neue Verein seine hohe Aufgabe erfüllen möge."

   
Versammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur mit Vortrag von Rabbiner Dr. Moritz David aus Bochum (1904)  
Anmerkung: Rabbiner Dr. Moritz David (geb. 1875 in Gimbsheim, gest. 1956 in Manchester), studierte in Breslau und Erlangen; er war von 1901 bis 1934 Rabbiner in Bochum; danach zwar im Ruhestand aber weiter Aktivitäten bei Wohlfahrtsaufgaben; Juni bis Dezember 1938 Rabbiner in Dortmund; nach dem Novemberpogrom im KZ Sachsenhausen; Frühjahr 1939 nach England emigriert.     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1904: "Alzey, 21. April (1904). Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt dieser Tage eine Versammlung ab, die von etwa 120 Personen besucht war. Herr Rabbiner Dr. M. David aus Bochum hielt einen sehr interessanten Vortrag über 'jüdische Maler und Bildhauer aus dem vorigen Jahrhundert', sprach über deren Theorie und Praxis und erläuterte seine Ausführungen durch Lichtbilder. Die zahlreich Erschienenen lauschten mit großer Spannung den Worten des Redners, der großen Beifall fand. Worte des Dankes sprach Herr Rabbiner D. Levy hier namens der Zuhörer und schloss die Versammlung."      

   
   
   

Kleine Meldungen aus dem jüdischen Gemeindeleben - in chronologischer Reihenfolge   
Abschaffung des zweiten Feiertages zu Sukkot (1846)  

Alzey AZJ 02111846.jpg (73914 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. November 1846: "Alzey, 6. Oktober (1846). Die hiesige israelitische Religionsgemeinde, in welcher Sabbat und Festtage noch ihr ungeschmälertes Ansehen genießen und einen allseitigen Stillstand der Geschäfte mit sich führen, hat einen erfreulichen Beweis des faktischen, vollsten Vertrauens zu der Rabbinerversammlung an den Tag gelegt, indem sie deren jüngste Beschlüsse, bezüglich der bisherigen zweiten Feiertage, tatsächlich anerkannt und ausgeführt. Heute, als am zweiten Tage des Hüttenfestes, waren zum ersten male die Geschäftslokale der Israeliten geöffnet, und haben deren mitunter streng konservativ gesinnte und nach altem Herkommen religiös lebende Inhaber sich ganz der gewerblichen Beschäftigung überlassen."  

  
"Auswanderungsfieber" aus der Pfalz - auch aus dem Bezirk Alzey (1847)  

Alzey AZJ 08031847.jpg (91863 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. März 1847: "Aus der Pfalz, 6. Februar (1847). (Kölner Zeitung). Das Auswanderungsfieber greift stärker als zuvor um sich. Selbst eine nicht geringe Anzahl Israeliten rüstet sich zum Hinüberzuge nach dem freien Nordamerika. Diesem Triebe, der alle diejenigen anregt und aufstachelt, welche eine durchgreifende Verbesserung ihrer Lage wünschen, und der namentlich bei den Juden durchdacht und selbstbewusst geworden, - sollte ihm nicht eine bewegende Tatsache zu Grunde liegen? Wer möchte das wohl in Abrede stellen? Die Auswanderung wird vorzüglich stark aus der Gegend von Alzey, Worms, Osthofen, Oppenheim und Wörrstadt werden. Auch in Wöllstein, Fürfeld, Flonheim, Gauodernheim und anderen Orten rüsten sich mehrere Familien zum Abzuge. Unter allen diesen Familien befindet sich nicht eine, welche man geradezu ‚Arm’ nennen könnte. Die Meisten derselben haben ein Vermögen von 4 bis 5.000 Gulden. Ein Grundeigentümer in der Nähe von Armsheim hat durch den Verkauf seiner Besitzungen 12.000 Gulden zusammengebracht."

  
Trennung einiger orthodoxer Familien von der Hauptgemeinde (1849)  

Alzey Jeschurun 101854.jpg (43448 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" vom Oktober 1854: "…Man ist indessen nicht ohne Hoffnung, dass nach Vollendung der neuen Synagoge der Alten der Ausspruch dahin erfolgen werde, zumal unsere Regierung im Jahre 1849 einige glaubenstreue jüdische Familien in Alzey, welche sich von der dortigen, dem alten Judentume entfremdeten, Synagoge getrennt, von fernern Beisteuern zu der letztern freigesprochen hat."

   
"Ökumenische" Schulandacht (1864)   

Alzey Israelit 11051864.jpg (23423 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1864: "Alzey, 17. April (1864). Der hiesige Realschul-Direktor Dr. Winterstein hat bei dem Schlusse des Winterkursus die vorgeschriebene ‚gemeinsame’ Andacht diesmal von dem Rabbiner, welcher Religionslehrer an der Anstalt ist, abhalten lassen."

  
"Strafrede" der Alzeyer Zeitung (1872)     

Alzey Israelit 06111872.jpg (58334 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1872: "Mainz, 29 Oktober (1872). Sehr hübsch nimmt sich eine Strafrede aus, welche die ‚Alzeyer Zeitung’ vom 19. Oktober den dortigen Israeliten hält.
‚Warum,’ fragt diese liberale Zeitung, ‚verkauft Ihr am Sabbat, warum akzeptiert und honoriert Ihr Wechsel an diesem Tage, warum raucht Ihr Pfeifen und Zigarren am Ruhetage des Herrn, warum lasset Ihr Euch mit dem Scheermesser rasieren?’
Dann werden die jetzt lebenden Alzeyer Israeliten an ihre auf dem Friedhofe ruhenden Vorfahren gemahnt, welche alle diese von dem gegenwärtigen Geschlechte über Bord geworfenen Gesetze mit der größten Strenge und Frömmigkeit befolgt haben.
Es ist weit genug gekommen, dass Juden von Nichtjuden an ihre Pflichten erinnert werden müssen!"

    
Verkauf von Torarollen und anderen Ritualien (1879)  

Alzey Israelit 27081879.jpg (40726 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1879: "Wir haben überflüssig gewordene 2 Torarollen, 2 silberne Torabehänge (antique), 1 messingener achtarmiger Leuchter (antique), mehrere Schulchan-Decken, Toramäntelchen (antique) etc. abzugeben.
Alzey, 24. August 1879.  Der israelitische Gemeindevorstand".

   
Anschläge gegen jüdische Weinbergbesitzer (1881)  

Alzey Israelit 08081881.jpg (74837 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1881: "Nieder-Saulheim (Rheinhessen). Nachdem vor etlicher Zeit einem hiesigen Israeliten eine Anzahl Bogreben von boshafter Hand abgeschnitten worden waren, wird uns heute die verbürgte Mitteilung, dass einem Anderen ein großes Stück Roggenfeld total ruiniert worden sei. Im benachbarten Stadecken hat man Anfangs dieser Woche den begüterten Israeliten Neumann und Haas ihre Weinberge total ruiniert. Der Sohn des Ersteren ist in Folge der Judenhetze von hier weggezogen. Ebenso berichtet man unterm 30. dieses Monats aus Alzey: Vergangene Nacht wurden die Reben von drei Viertel Morgen Wingert vor Gemärk, hiesiger Gemarkung, dem Simon Strauß gehörig, abgeschnitten. Jeder vernünftige Mensch verurteilt diese Bubenstreiche aufs Schärfste und wünscht nur, dass die Verüber dieser Rohheiten zur verdienten strengen Bestrafung gezogen werden könnten."  

           
Der Antisemitismus macht sich auch in Alzey bemerkbar (1890)  

Alzey Israelit 27111890.jpg (30669 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1890: "Alzey, 20. November (1890). Der antisemitische Hetzapostel, Herr Böckel, hat die Absicht, in aller Kürze auch den Wahlkreis Bingen-Alzey mit seiner Gegenwart zu beglücken. Wie wir indessen unsere Pfälzer kennen, wird Herr Böckel wenig Boden für seine Ansichten gewinnen."    

        
Vortrag von Rabbiner Dr. M. David im Verein für jüdische Geschichte und Literatur (1904)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1904: "Alzey, 21. April (1904). Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt dieser Tage eine Versammlung ab, die von etwa 120 Personen besucht war. Herr Rabbiner Dr. M. David aus Bochum hielt einen sehr interessanten Vortrag über 'jüdische Maler und Bildhauer aus dem vorigen Jahrhundert', sprach über deren Theorie und Praxis und erläuterte seine Ausführungen durch Lichtbilder. Die zahlreich Erschienenen lauschten mit großer Spannung den Worden des Redners, der großen Beifall fand. Worte des Dankes sprach der Rabbiner Dr. Levy hier namens der Zuhörer und schloss die Versammlung",     

    
  
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Fräulein Cahn aus Alzey wird als Lehrerin an die Volksschule nach Gießen berufen (1904)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1904: "Aus dem Großherzogtum Hessen. Unser Justizminister hat endlich einmal den Anfang mit der Anstellung eines stellvertretenden jüdischen Amtsrichters gemacht. Unser Schulministerium fährt in der Anstellung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen ordentlich fort. Nachdem die Gymnasien in Offenbach und Bingen jüdische Oberlehrer erhalten haben, wurde dieser Tage Herr Lehrer S. Eschelbacher, bisher Religionslehrer in Mainz, als ordentlicher Lehrer an das dortige Real-Gymnasium berufen und Fräulein Cahn aus Alzey an die Volksschule nach Gießen, ebenso Fräulein Weil aus Mainz an die Volksschule zu Mainz. Hoffentlich folgte das Justizministerium in ähnlicher Weise nach."      

   
Zum Tod von Abraham Koch (1921)         

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Februar 1921: "Alzey. Mit Abraham Koch ist eine der angesehensten Persönlichkeiten der hiesigen Judenheit verschieden. Er hatte in der jüdischen Gemeinde mehrere Ehrenämter inne. Der imposante Trauerzug der ihm die letzte Ehre erwies, zeigte, welche Achtung er in allen Schichten der Bevölkerung genoss."            

       
Zum Tod von Richard Kahn, gestorben auf Grund einer durch einen Nationalsozialisten zugefügten Verletzung (1930)   
Anmerkung: In der Nacht vom 30. zum 31. Dezember 1929 fielen in der Alzeyer Innenstadt, vermutlich in der Spießgasse, kurz nach Mitternacht mehrere Schüsse. Eine Kugel traf den Kaufmann Richard Kahn, der schwer verletzt zusammenbrach und seinen Verletzungen am 9. Januar 1930 im Kreiskrankenhaus Alzey erlag.    

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Januar 1930: "Ein jüdisches Blutopfer der nationalsozialistischen Verhetzung. Darmstadt (JTA). Aus Alzey kommt die Nachricht, dass der von dem Darmstädter Nationalsozialisten Rebhan nach vorausgegangenem Meinungsstreit um politische Fragen durch einen Revolverschuss verletzte 25-jährige Kaufmann Richard Kahn an den Folgen seiner Verwundung gestorben ist. Der junge Richard Kahn rang neun Tage lang mit dem Tode. Die Familie Karl Kahn in Alzey ist in tiefe Trauer versetzt."        


    
    
Anzeigen und Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben  

Anzeigen der Firma M. Kahn & Co. (1890 / 1900)      

Alzey Israelit 13111890.jpg (23645 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1890: "Wir suchen per Januar oder Februar nächsten Jahres eine durchaus tüchtige Verkäuferin. M. Kahn & Co., Alzey, Kurz-, Woll- und Modewaren."  
   
Alzey Israelit 16081900.jpg (42568 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1900: "100.000 Stück Herrennormalhemden, eisenfeste, vorzügliche Qualität, werden, um schnell damit zu räumen, zu 2 Mark per Stück abgegeben. Reeller Wert Mark 3.50. Bei Bestellung ist Angabe der Halsweite nötig. Nachnahme-Versand. Zurücknahme garantiert. Agentur gesucht. 
M. Kahn & Co., Alzey, Hessen."  

  
Anzeige der Metzgerei und Wurstfabrik Simon Hirsch (1921)   

Alzey AZJ 060119221.jpg (39633 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1921: "Streng koscher! 
Offeriere Ia Raufleisch, pro Pfund Mark 25.-, Ia Fleischwurst… Mark 20.-, Ia Leberwurst … Mark 12.-, Ia Schwartenmagen … Mark 20.-  
Versand gegen Nachnahme. 
Simon Hirsch, Metzgerei und Wurstfabrik, 
Alzey
(Rheinhessen)  Kirchplatz 4 Telefon 236."

      
 Historische Ansichtskarte (vermutlich aus den 1920er-Jahren) - "Leder-Gutmann"  
(Aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  
"Alzey - Partie am Roßmarkt"
mit dem Geschäft "Leder-Gutmann"
Alzey PK 150.jpg (104577 Byte) Alzey PK 150a.jpg (95464 Byte)

Anmerkung: Inhaber des Geschäftes war in der Zeit des Ersten Weltkrieges und danach Ludwig Gutmann (1878-1940). Er war von Beruf Schaftenstepper, ab ca. 1915 Lederwarenhändler mit Geschäft am Rossmarkt 8. In den 1920er-Jahren war er Vorsitzender des Alzeyer Schwimmvereins "Neptun 1894". In Anerkennung seiner großen Verdienste "um die deutsche Schwimmsache" wurde Gutmann 1927 Ehrenmitglied des Frankenthaler Schwimmvereins e.V. 
Quelle: Paul Theobald, Frankenthal vom 20.2.2017 nach Auskunft durch den Altertumsverein Alzey. 
Allerdings konnte noch nicht geklärt werden, ob Ludwig Gutmann jüdischer Konfessionszugehörigkeit war.
  

  
    

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Einige Kennkarten zu Personen, 
die in Alzey geboren sind 
 Alzey KK MZ Baum Hannelore.jpg (100240 Byte)  Alzey KK MZ Mayer Paul.jpg (92466 Byte)  Alzey KK MZ Scheuer Hugo.jpg (92350 Byte)
  Kennkarte für Hannelore Baum 
(geb. 3. November 1922 in Alzey) emigrierte 1937 
nach Luxemburg, im November 1940 nach Frankfurt; 
wurde am 7. September 1942 ab Drancy in das 
Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet   
 Kennkarte für Paul Mayer 
(geb. 25. April 1871 in Alzey) 
  
 Kennkarte für Hugo Scheuer
 (geb. 18. November 1877 in Alzey), 
Kaufmann und Getreidegroßhändler 
im Geschäft Heinrich Schwarz Nachf. Getreidegroßhandlung Mainz    
  
       
  Alzey KK MZ Siegel Adolf.jpg (94489 Byte) Alzey KK MZ Siegel Ludwig.jpg (89917 Byte)  
   Kennkarte für Adolf Siegel 
(geb. 4. Oktober 1873 in Alzey), später tätig als 
Kaufmann in Mainz; wurde am 27. September 1942 
ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt deportiert,
 wo er am 12. Februar 1943 umgekommen ist.   
 Kennkarte für Ludwig Siegel 
(geb. 19. Mai 1859 in Alzey), 
gestorben am 13. September 1942 
in Mainz (Suizid)  
  
 

   
    

    

    

    

    

 

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Stand: 21. Februar 2017