Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Heilbronn (Stadtkreis) 
Jüdische Geschichte / Synagogen bis 1938

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

Geschichte: Mittelalter. In der ehemaligen freien Reichsstadt Heilbronn bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Vermutlich lebten seit der Mitte des 11. Jahrhunderts Juden in der Stadt. Bei der Judenverfolgung 1298 wurden 143 Juden ermordet. Durch die Verfolgung während der Pestzeit 1349 wurde die Gemeinde vernichtet. Um 1359 ließen sich Juden wieder in Heilbronn nieder, bis 1437/38 durch eine erste Ausweidung alle Juden die Stadt verlassen mussten. Nach ihrer Wiederzulassung 1439 war noch bis zur endgültigen Vertreibung 1476 jüdisches Leben in Heilbronn möglich.
 
19./20. Jahrhundert. Eine neue Gemeinde entstand im 19. Jahrhundert. Offizielle Neubegründung der Gemeinde war 1864. Binnen weniger Jahre sind damals viele Juden überwiegend aus Dörfern der weiteren Umgebung zugezogen. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1885 mit 994 Personen erreicht. Nach der Verlegung des Lehrensteinsfelder Rabbinats 1867 war Heilbronn Sitz eines Bezirksrabbinates.
Nach den Deportationen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Heilbronn wohnhaften 790 jüdischen Personen mindestens 235 ums Leben.

Nach 1945: siehe Seite zum neuen jüdischen Betsaal (2005)
   
   
 

Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen

Mittelalter: Die erste mittelalterliche Synagoge (aus der Zeit um 1050?) befand sich wahrscheinlich am Platz der heutigen Einhorn-Apotheke Ecke Lohtorstrasse/Sülmerstrasse 17 (südöstliche Ecke). Sie wurde vermutlich 1298 oder 1349 zerstört. 

Die zweite Synagoge stand an der Stelle des Hauses Lohtorstrasse 22. Mit ihrem Bau wurde im Monat Adar (Februar/März) des Jahres 1357 durch Mose, Sohn des Eljakim begonnen. Sie ersetzte die 1349 verbrannte Synagoge. Nach der Vertreibung der Juden aus Heilbronn kaufte die Stadt 1490 von Kaiser Friedrich die Synagoge und den jüdischen Friedhof für 250 Gulden. 

Rituelle Bäder sind nachweisbar an der Stelle des Hauses Kieselmarkt 1, zu dem eine unterirdische Verbindung zum Haus der (zweiten) Synagoge Lohtorstrasse 22 bestand, und in dem früheren Eckhaus Lammgasse/Lohtorstrasse 33. Da sich das erstgenannte Bad nahe des ersten jüdischen Friedhofes am Kieselmarkt befand, könnte es sich dabei zuerst um einen Totenwaschraum gehandelt haben, der nach Stillegung des Friedhofes 1415 in ein rituelles Bad umgewandelt wurde.
 
19./20. Jahrhundert: Zunächst gehörten die seit 1831 in Heilbronn zugezogenen jüdischen Personen zur israelitischen Gemeinde in Sontheim und besuchten die dortige Synagoge. 1857 schlossen sich sieben Familien unter Leitung von Liebmann Strauß zu einem Verein unter dem Namen "Israelitischer Wohltätigkeitsverein" zusammen. Ein erster Betsaal wurde in einem Haus des Gustav Meinhold in der Rappenstrasse eingerichtet. Die Sontheimer Gemeinde protestierte zunächst gegen diese Einrichtung, doch wurde wenig später von der Israelitischen Oberkirchenbehörde der Filialgottesdienst in Heilbronn genehmigt. Nachdem der Betsaal in der Rappenstrasse sich schnell als zu klein erwies, bekam die neu entstehende Gemeinde die Erlaubnis, in einem Raum im Mittelbau des Deutschhofes ihre Gottesdienste zu feiern (Trakt III, in dem sich heute die Volkshochschule befindet). Für ihre Gottesdienste bekamen die Heilbronn zwei Torarollen, eine aus Sontheim, eine aus Grombach. Auch dieser Betsaal war nur ein Provisorium, da in diesem Teil des Deutschhofes der Schwurgerichtssaal eingebaut wurde. Vorübergehend stellte die Stadt einen Raum in der Klosterkirche (Klara-Kloster) zur Verfügung und später erlaubte das Justizministerium die Abhaltung der Gottesdienste im Schwurgerichtssaal.     
 
1865 entschied sich der Vorstand der Israelitischen Gemeinde zum Erwerb eines Platzes für den Bau einer Synagoge. Sechs Jahre später konnte man ein geeignetes Grundstück an der Allee kaufen und fasste am 21. Juni 1871 den Beschluss, hier eine Synagoge zu errichten. Der Plan von Baurat Adolf Wolff aus Stuttgart wurde 1873 genehmigt. Mitte August dieses Jahres konnte die Grundsteinlegung vorgenommen werden. Am 23. November 1874 wurde Richtfest gefeiert; die weiteren Arbeiten zogen sich jedoch bis Ende Mai 1877 hin, sodass schließlich am Freitag, 8. Juni 1877 die Einweihung der Synagoge feierlich begangen werden konnte. Dazu fand zunächst ein Abschiedsgottesdienst in der alten Synagoge statt. Um 11 Uhr erfolgte der Umzug der Torarollen in die neue Synagoge. Die Festpredigt und das Weihegebet hielt Rabbiner Dr. Moses Engelbert. Um 13 Uhr mittags versammelte man sich in der "Rose" zu einem Festessen, an dem die Vertreter der Heilbronner Behörden, der Vorstand des Oberamtes und viele andere geladene Gäste teilnahmen. Das Fest endete um 6 Uhr abends, ihm folgte bei den Klängen der städtischen Kapelle ein Ball in der Harmonie, bei dem der Synagogenchor und der Jugendverein auftraten. Der Bauaufwand für die neue Synagoge erforderte im ganzen 372.778 Mark.    
 
Das in maurischem Stil mit einer großen Kuppel erbaute Gebäude galt als eines der schönsten Bauwerke Heilbronns. Es war der architektonische Eckpfeiler der oberen Allee und stand hier in Richtung von Nordwest nach Südost. Die Synagoge bestand aus einem dreischiffigen Langbau mit hohem Mittelschiff und niedrigeren Seitenschiffen; das Mittelschiff war überragt von der gewaltigen, mit 12 Rundbogenfenstern versehenen Kuppel. Die vier weiteren kleineren Kuppeln saßen auf den Ecken des Baus zur Verziehung. Zwei turmartige, vorspringende Anbauten an der Vorderseite trugen ebenfalls kleinere Kuppeln auf den Laternen. Das Gebäude betrat man von der Westseite durch drei maurische Bögen und eine etwas niedere, von mehreren hintereinanderstehenden Säulen getragene Vorhalle. Von hier führten drei Türen in den Innenraum. Über dem Portal stand eine vergoldete hebräische Inschrift mit den Worten aus Jesaja 56,7: "Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden". Ein schönes, großes, reichornamentiertes Rosenfenster war in der Mitte der Vorderseite. Zwei weitere, kleinere und einfachere Portale führten von Süden und Norden in das Innere der Synagoge; auch über diesen Portalen waren große Rosenfenster. Innen trug eine über der genannten Vorhalle liegende Empore die Orgel; zwei weitere Emporen waren in den Seitenschiffen. Nach Osten öffnete sich hinter dem hohen Hufeisenbogen ein gewölbter, polygonaler Chor. Die hohe Kuppel in der Mitte wurde von starken, säulengeschmückten Pilastern getragen. An den Seiten waren zwei Fensterreihen übereinander, die unteren Fenster kleiner als die oberen. Der Synagogenplatz war mit eisernen Gittern umgeben.
   
Im Mai 1927 konnte mit einem großen Fest das 50jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden, wozu Dr. Oskar Mayer aus Heilbronn eine Festschrift zur Geschichte der Juden in Heilbronn schrieb. Am 21. Mai 1927 war ein Festgottesdienst in der Synagoge, danach ein Festabend in der Harmonie. In seiner Festrede bedauerte Rechtsanwalt Dr. Siegfried Gumbel den Judenhass, der sich immer wieder zeige und einer vollkommenen staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichberechtigung entgegenstehe. Ein Festspiel von Kaufmann Hermann Wolf (Heilbronn) zeigte in sechs Bildern Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Heilbronner israelitischen Gemeinde.   
   
Eine schwierige Situation ergab sich in unmittelbarer Nähe der Synagoge im Frühjahr 1928. Auf dem Nachbargrundstück Ecke Allee/Titotstraße beabsichtigte die Post einen fünf Stockwerke hohen, modernen Neubau zu erstellen, der den Blick auf die Synagoge empfindlich beeinträchtigt hätte. Intensive Verhandlungen zwischen der Israelitischen Gemeinde, der Stadt und der Post führten dazu, dass die Post auf einen geplanten Winkelvorbau verzichtete, die Bauflucht um zwei Meter zurücksetzte und die Dächer des Neubaus ganz flach hielt. Im Februar 1931 konnte das Postamt feierlich eingeweiht werden. Bei der Feier hierzu sprach auch Rabbiner Dr. Max Beermann und lobte, dass durch den Neubau der Post die Synagoge in ihrer imposanten Erscheinung nicht beeinträchtigt werde. Tatsächlich zeigten in den folgenden Jahren verschiedene Postkarten der Stadt nebeneinander das neue Postamt und die Synagoge. 

Im Juli 1928 wurde auf Antrag der städtischen Bauabteilung der Verbindungsweg zwischen der Gymnasiumstrasse und der Allee verbreitert und nun offiziell als "Synagogenweg" bezeichnet, nachdem unter den Heilbronnern dieser Weg schon viele Jahre "Synagogengässle" genannt wurde.   
   
Am Morgen des 10. November 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Bereits kurz nach Mitternacht hatten SA-Leute mit den Vorbereitungen zur Brandstiftung begonnen. Benzinkanister wurden in die Synagoge getragen. Zwischen 3 und 5 Uhr wurde die Feuerwehr von der bevorstehenden Aktion informiert. Gegen 5 Uhr waren in der Stadt zwei heftige Detonationen zu hören. Wenig später stand die Synagoge in Flammen und brannte in wenigen Stunden völlig aus. Die Kuppel fiel glühend in das Innere des Hauses. Die Feuerwehr löschte vor allem im Blick auf den Schutz der Nachbargebäude.  Zahlreiche Anwohner und Neugierige verfolgten das Geschehen. Auch der Oberbürgermeister, der Polizeidirektor und andere Amtspersonen waren an der Brandstätte. Nachdem die ausgebrannte Ruine gelöscht war, blieb sie lange Zeit unberührt. Erst am 16. Februar 1940 begann der Abbruch, der am 16. März 1940 abgeschlossen wurde. Ein Teil der Kultgegenstände wurde vor der Brandstiftung am 10. November 1938 offensichtlich aus dem Gebäude getragen. Über ihren Verbleib ist jedoch nichts mehr bekannt geworden.   
   
Nach 1945 wurde das Grundstück der Synagoge neu überbaut. 1966 wurde ein Gedenkstein beim Platz der Synagoge aufgestellt. Eine aus der Synagoge gerettete Tora-Rolle befindet sich in einer Synagoge in Baltimore/Maryland, USA.
  
Ein Betsaal der seit 1911 in Heilbronn bestehenden orthodox-jüdischen Gemeinde (Israelitische Religionsgemeinschaft Adass Jeschurun) befand sich zunächst in einem alten Haus in der Siebeneichgasse, dann in einem zuvor gewerblich genutzten Hintergebäude des Hauses von Max Rosenstein in der Uhlandstrasse 7. Im Erdgeschoss des Vordergebäudes wurde eine Dienstwohnung für den orthodoxen Rabbiner eingerichtet. Später wohnte er in der Kaiserstrasse. Im Juli 1918 erwarb die Israelitische Religionsgemeinschaft das Hintergebäude Bismarckstrasse 3a. Hier wurde eine neue Rabbiner-Wohnung und ein rituelles Bad eingerichtet (fertiggestellt 1920).   
  
Der Betsaal in der Uhlandstrasse 7 war nach der Beschreibung der Arthur Reis "etwa 80 qm groß. [...] Die Männerabteilung enthielt 50 Sitzplätze, die durch einen durchsichtigen Vorhang getrennte Abteilung für Frauen weitere 20. [...] Mehrere Torarollen mit ihrem Schmuck, der Toraschrank, der Almemortisch zum Vorlesen der Tora, das Vorbeterpult, die samtenen, goldbestickten Mäntelchen, Vorhänge und Decken, die handbemalten bunten Wimpel sowie die Sitzbänke mit ihren Pulten bildeten das Inventar des Gotteshauses". Ein besonderes Ereignis war der 11. Januar 1933, da in der festlich geschmückten Synagoge die Neueinweihung einer Torarolle gefeiert werden konnte. Sie war von verschiedenen Personen, insbesondere dem damaligen Vorsteher Heinrich Scheuer und Moses Reis gespendet worden. 1933 gehörten der Religionsgesellschaft etwa 60 Mitglieder an (1935 noch etwa 40 bis 45), darunter auch einige ostjüdische Familien, die in Heilbronn keinen eigenen Betsaal hatten.   
  
In der Pogromnacht im November 1938 wurde der Betsaal der Religionsgesellschaft verwüstet, 1944 kriegszerstört. Das Grundstück ist 1952 neu überbaut worden. Auch die Einrichtung des Hauses Bismarckstrasse 3a wurde in der Pogromnacht zerstört.

Zur Seite über den neuen Betsaal in der Gegenwart


Fotos 
Historische Fotos / Plan 
(Quelle: Karten aus Sammlung Hahn; Foto Innenansicht: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg 1932 S.84): 

Heilbronn Plan01.jpg (122389 Byte) Heilbronn Synagoge 908.jpg (62323 Byte)
Ausschnitt aus einem Stadtplan Heilbronn vor 1933 mit der Lage der Synagoge Historische Ansicht
     
Heilbronn Synagoge 395.jpg (52530 Byte) Heilbronn Synagoge 702.jpg (21538 Byte) Heilbronn Synagoge 909.jpg (67062 Byte)
Historische Ansichtskarten; die kolorierte Karte links von 1908
 
  Heilbronn Synagoge 710.jpg (51782 Byte)  
  Karte oben: Aus Sammlung Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries  
     
Heilbronn Synagoge101.jpg (78955 Byte) Synagoge Heilbronn.jpg (43912 Byte) Heilbronn Synagoge 405.jpg (82896 Byte)

 Synagoge Heilbronn Außenansichten

  
Heilbronn Synagoge 904.jpg (76367 Byte) Heilbronn Synagoge 903.jpg (58453 Byte) Heilbronn Synagoge 907.jpg (67396 Byte)
Luftaufnahme mit der Synagoge - rechts Ausschnittsvergrößerung   
  

Heilbronn Synagoge 191.jpg (53776 Byte)

Heilbronn Karte01.jpg (63000 Byte)

Heilbronn Synagoge 190.jpg (98198 Byte)
Innenansicht: 
Blick zum Toraschrein
Die Synagoge neben dem Neuen Postamt Heilbronn
(Quelle des Fotos rechts: M. Ritter, Synagoge in Affaltrach S. 121)
     
Heilbronn Synagoge 1938.jpg (29974 Byte) Heilbronn Briefmarke.jpg (46565 Byte) Heilbronn Synagoge 125.jpg (49464 Byte)
Die brennende Heilbronner Synagoge in der Pogromnacht Nov. 1938 (Quelle: H. Franke s.u. Lit. S. 127)  Briefmarke des Staates Israel von 1988 zum Gedenken an die Pogromnacht mit der Heilbronner Synagoge Die ausgebrannte Synagoge am 10. November 1938
(Quelle: Stadtarchiv Heilbronn)

   
Fotos nach 1945/Gegenwart: 

Fotos um 1985: 
(Fotos: Hahn)
   
Heilbronn Synagogenweg.jpg (23092 Byte) Heilbronn Synagoge Denkmal01.jpg (65668 Byte) Heilbronn Synagoge Denkmal02.jpg (78314 Byte)
  Das Denkmal für die Synagoge an der Allee/Synagogenweg
   
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.9.2003)
Heilbronn Synagoge 153.jpg (48366 Byte) Heilbronn Synagoge 152.jpg (55844 Byte)
Standort der Synagoge an der Allee/Synagogenweg Straßenschild
     
Heilbronn Synagoge 150.jpg (37536 Byte) Heilbronn Synagoge 151.jpg (61903 Byte)
Blick vom Synagogenweg auf den Gedenkstein Der Gedenkstein für die Synagoge


Erinnerungen an die jüdische Geschichte
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)

Zeitungsstreifband von 1885 Heilbronn Karte 014.jpg (26309 Byte)
  Die von dem Band eingehüllte Zeitschrift wurde am 21. März 1885 von Stuttgart nach Heilbronn geschickt. Empfänger war Samuel J. Stern, einer der ersten israelitischen Kirchenvorsteher der durch ein Reskript der Königlichen Oberkirchenbehörde am 21. Oktober 1861 errichteten "Israelitischen Kirchengemeinde Heilbronn"
   
Aus dem Geschäftsverkehr jüdischer Firmen Heilbronn Karte 013.jpg (40342 Byte) Heilbronn Karte 012.jpg (35010 Byte)
Karte von 1884 an Nathan Stein. Er wird im Adressbuch Heilbronn 1855 als Fruchthändler in der Lohtorstr. 21 genannt. Karte von 1911 von Nathan Adler an eine Bopfinger Lederfabrik. Fa. Nathan Adler war eine Häute- und Fellhandlung Cäcilienstr. 52
     
Vor der Deportation Heilbronn Karte 010.jpg (46094 Byte) Heilbronn Karte 011.jpg (61074 Byte)
Die Karte wurde von Helene Würzburger geb. Uri (geb. am 3. Dezember 1864 in Hechingen) am 9. April 1941 an ihre Enkel nach Lissabon geschickt, von dort aus vermutlich nach Brooklyn weitergeleitet. Helene Würzburger wohnte in Heilbronn in der Klarastr. 21. Sie wurde am 22. August 1942 von Haigerloch aus nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 14. September 1942 umgekommen ist.
"Heilbronn, 8.4.1941. Meine liebe Fridele (?)! Habe vielen Dank für deine liebevolle Aufmerksamkeit, mit der du mich erquickt hast, doch sollst du kein Geld für uns mehr ausgeben, ist es mir immer leid, deswegen. Ich hoffe, dass Ihr alle wohl seid, werdet Ihr noch länger dort bleiben? Jetzt, so das Frühjahr kommt, ist es gewiss sehr schön dort. Mir geht es gesundheitlich ordentlich, in einigen Tagen ist Kurts und deiner lieben Mutters Geburtstag, nie hätte ich gedacht, dass wir ein Mal so lange voneinander getrennt würden. Von hier ist wenig zu berichten, eine Woche geht dahin wie die andere. Mit innigem Gruß und Kuß! Eure Oma Helene. "

 

 

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Heilbronn
Artikel in der "Heilbronner Stimme" zur Synagoge: hier anklicken und zum Pogrom 1938: hier anklicken 
Website des Stadtarchivs Heilbronn
Überblick des Stadtarchivs Heilbronn zur Chronologie der Stadt: hier anklicken   
Mehrere Informationsseiten zur Jüdischen Geschichte in Heilbronn 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Heilbronn (interner Link): hier anklicken 
Zum Synagogenarchitekten Adolf Wolff (interner Link)

Literatur:

Heilbronn Buch01.jpg (28816 Byte)Oskar Mayer: Die Geschichte der Juden in Heilbronn. Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Synagoge in Heilbronn. 1927.

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 95-100.

Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. 1963.

Germania Judaica II,1 S. 346-350; III,1 S. 531-540.

Wolfram Angerbauer/Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 91-101.

Steffen Zürger u.a.: Die Synagoge in Heilbronn (1877-1938), Arbeit der 12. Klasse des Robert-Mayer-Gymnasiums Heilbronn im Rahmen des Schülerwettbewerbs Deutsche Geschichte 1992/93.
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Heilbronn  Wuerttemberg. A Jewish settlement existed in the mid-11th century. It was largely destroyed in the Rindfleisch massacres of 1298 and again in the Black Death persecutions of 1348-49. Subsequently the community received royal protection. In 1476 the Jews were expelled "perpetually" by the town council. 
The settlement was renewed in the first half of the 19th century and by 1857 included 20 families. Jews owned two textile factories. Another 17 families from the Rhineland joined them after the emancipation of Wuerttemberg Jews in 1861 and an independent community was constituted. In 1867, Heilbronn became the seat of the district rabbinate and in 1877 a synagogue was dedicated after a bitter controversy over installing an organ. A new controversy over cremation split the community in 1910 and resulted in the founding of the Jeshurun Congregation by Orthodox circles with separate community facilities. Jews were fully integrated in public life. They served on the city council and were socially accepted. They were also an important factor in the economic development of Heilbronn. In addition to textiles, Jews ran cigarette, furniture, shoe and hide-processing factories. Jews also operated major distilleries that won international prizes at Paris and Vienna.  They dominated the horse, cattle and sheep trade. In 1885 the Jewish population stood at 994 (total 27,758). Antisemitism began to be felt in the Weimar period, though most local residents opposed the National Socialist movement and an attempt was even made on Hitler's life when he appeared in Heilbronn in 1926. In 1933, the Jewish population was 790 (total 77,569), with ten other communities under the aegis of its rabbinate. Among the bodies represented were the Zionist Organization, B'nai B'rith, and ORT. Of the 534 factories and business establishments in Heilbronn, 149 were in Jewish hands and Jews were also prominent in the professional class. 
In the Nazi era, anti-Jewish propaganda was fostered in the vitriolic local press. Already in 1933, SA units rounded up Jews and beat them and Jewish children were isolated on separate benches in the public schools. Economic boycotts were instituted and Jews banned in various public places. In response, Jewish cultural and social life expanded within the community, with the Zionists increasing their activity significantly. In 1936 the community started its own school. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was set on fire and Nazis vandalized the Jeshurun Congretation's prayer house, the cemetery, the community center, and the Jewish school. Jewish homes and business establishments were also broken into and destroyed. Subsequently the Nazis impounded Jewish businesses and homes under their policy of "Aryanization". By November 1938, 353 Jews had emigrated to over 30 countries and by 1941 the number reached 603, including 238 to other countries in Europe, 170 to the United States and 105 to Palestine. Those remaining in the city were sent east in a number of stages: 49 to the Riga ghetto on 1 December 1941 (all perishing); 16 to Izbica in the Lublin district (Poland) in April 1942; and 52 to the Theresienstadt ghetto in August 1942 by way of Stuttgart. Another 56 were expelled from their various places of refuge throughout Germany and 22 were deported from the European countries where they had found shelter after these areas fell into German hands. After the war a number of Jews returned to Heilbronn and one of the Jewish distilleries was reopened, employing 360 workers and salesmen by 1961.
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. März 2010