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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Sontheim (Stadt
Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts dem Deutschen
Orden gehörenden Sontheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre
Entstehung geht bis in mittelalterliche Zeiten zurück: 1298 wird eine
Judenverfolgung in "Sontheim" genannt ("Rintfleisch-Verfolgung"), wobei es sich wahrscheinlich um dieses
Sontheim handelte. Bei der Verfolgung während der Pestzeit 1348/49 hat nach der
Überlieferung im Ort der Ortsgeistliche die Juden unter seinen Schutz genommen.
Daher erhielt der jeweilige katholische Ortspfarrer noch in den 1920er-Jahren am
Neujahrstag drei Gulden als Dankesgabe der jüdischen Gemeinde überreicht.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht auf
das 17. Jahrhundert zurück. Seit ca. 1660 sind wieder Juden in Sontheim
genannt. 1710 waren es sieben, 1750 15 und 1792 elf Familien. 1710 werden als
Namen der jüdischen Familienväter genannt: 1. Itzig, 2. Marx, 3. Moyses
genannte Veitle/Veistle, 4. Hertz, David, 5. Abraham, Isac, 6. Simon, 7.
Abraham, Emanuel.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1822 88 jüdische Einwohner, 1832 103, 1855 80, 1861
72, 1870 46, 1900 46. Zur Gemeinde zählten jedoch um die Mitte des 19.
Jahrhunderts noch mehr Personen, da bis zur Gründung einer selbständigen
jüdischen Gemeinde in Heilbronn auch die in Heilbronn und Horkheim lebenden
jüdischen Personen ihr angehörten. 1846 waren dies insgesamt 113 Personen,
1856 sogar 220 Mitglieder. Die jüdischen Familien lebten bis ins 19.
Jahrhundert hinein vor allem vom Vieh-
und Pferdehandel sowie vom Frucht- und Wollhandel.
Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten jüdischen Familien mehrere Handels- und Gewerbebetriebe
sowie offene Läden am Ort. Dazu gab es Industriebetriebe im Besitz jüdischer
Personen wie die Mechanische Zwirnerei Dr. Ackermann (ab 1873 Karl Ackermann und
Cie.) und vor allem die "Mechanische Schuhfabrik Wolf und Comp."
(Inhaber Hermann Wolf mit Anfang des 20. Jahrhunderts über 800
Arbeitsplätzen).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
israelitische Schule (1835-1926; Volksschule, dann Religionsschule) (im nicht
mehr bestehenden Gebäude Hauptstraße 25), ein rituelles Bad (zunächst im
Gebäude der Schule, seit 1864 im Gebäude Hauptstraße 39 gegenüber der
Synagoge am Deinenbach; Gebäude um 1985 abgebrochen) und ein Friedhof.
An jüdischen Lehrern waren insbesondere am Ort tätig: Hirsch Immanuel
Rothschild aus Mühringen (bis 1829,
danach in Archshofen), Jakob Stern aus Laudenbach
(spätestens seit 1835, siehe Berichte unten, gest. 1892), Jakob Löwenstein aus
Bonfeld (gest. 1884), Max Eichberg (vor
1899), Moritz Kulb aus Hösbach
(1901-1926). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Lehrensteinsfeld,
später Heilbronn.
Als überregionale - für ganz Württemberg bedeutsame - Einrichtung bestand
seit 1907 in Sontheim das Israelitische Altersheim (bzw. Landesasyl)
"Wilhelmsruhe" (1924: 34 Plätze, später mehrfach erweitert
(zuletzt 1937 mit einer Erweiterung von 30 Plätzen);
1939/40 waren 160 Personen untergebracht). Träger war der "Israelitische
Landes-Asyl und Unterstützungsverein für Württemberg e.V." (1924 unter
Vorsitz von Hermann Simon, Stuttgart; die Hausleitung hatte 1924 das Ehepaar S.
Leopold inne). Aufgenommen werden konnten im Haus - nach den Bestimmungen -
"erwerbsunfähige alte Württemberger; in Ausnahmefällen Reichsdeutsche
oder Ausländer".
Um 1924, als zur Gemeinde noch 80 Personen gehörten (2,6 % von insgesamt
3.125 Einwohnern; dazu 5 Personen in Horkheim), waren die Vorsteher der Gemeinde
Moritz Kulb, Dr. J. Picard, Hermann Wolf. Moritz Kulb war zugleich Lehrer der
Gemeinde. An jüdischen Vereinen bestanden damals ein Synagogenbauverein
(1924 unter Leitung von M. Kulb mit 12 Mitgliedern), ein Männerwachverein
(1924 unter Leitung von M. Kulb mit 12 Mitgliedern) sowie ein Israelitischer
Frauenverein (1924 unter Leitung von Frau Kulb mit 12
Mitgliedern).
Bis nach 1933 bestanden an Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Familien:
Viehhandlung Ludwig Maier (Hauptstraße 25), Kaufmann Emil Strauß (Deinenbachstraße
26), Kaufmann Julius Strauß (Deinenbachstraße 5).
1933 lebten in Sontheim (ohne das Landesasyl) noch 65 jüdische
Personen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge großenteils zerstört. Ende November 1940 musste das
Israelitische Altersheim zwangsgeräumt werden; die Insassen wurden in andere
Altersheime oder Orte gebracht. In der "Wilhelmsruhe" brachte man
Familien von (nichtjüdischen) Schwerbeschädigten unter (seit 1946 war hier die
Städtische Frauenklinik, danach eine Nachsorgeklinik, 2001 wurde die
"Wilhelmsruhe" zu einer Schule für Erziehungshilfe umgebaut; im Foyer
wird der Geschichte der ehemaligen jüdischen Altersheimes gedacht;
Hermann-Wolf-Straße 31).
Von den in Sontheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fanny Eichtersheimer geb.
Mändle (1863), Clara Freund geb. Kulb (1906), Friederike Hirsch geb. Stern
(1871), Julie Israel (1871), Bertha Kahn geb. Strauß (1880), Rosa Kulb (1908),
Emma Ledermann (1883), Berta Mändle (1867), Cäcilie Siegler geb. Stern (1872),
Emil Strauß (1883), Julius Strauß (1886), Selma Strauß (1891), Adelheid Zwick
geb. Stern
(1898).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Anmerkung: Jakob Stern ist am 10. Februar 1803 in Laudenbach
geboren. Er studierte von 1825 bis 1828 am Lehrerseminar in Esslingen.
1876 feierte er seine 50-jährige Amtstätigkeit in Sontheim. Hier war er seit
mindestens 1835 als Lehrer tätig, zuvor vermutlich jedoch noch an anderen
Orten.
50-jährige Amtstätigkeit von
Lehrer Jacob Stern in Sontheim (1876)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1876: "Sontheim
am Neckar. Am zweiten Tage des Schawuothfestes feierte der 72-jährige
Lehrer und Vorsänger Jacob Stern hier das Jubiläum seiner 50-jährigen
Amtstätigkeit. Auf dem Rathause übergab ihm der Regierungsrat
Oberamtmann Maurer die silberne Verdienstmedaille in feierliche Weise in
Gegenwart der bürgerlichen und kirchlichen Ortsbehörden, die dem Jubilar
von Seiner Majestät dem König auf Vorschlag der Oberschulbehörde war
verliehen worden. Der Vorstand verlieh ihm im Namen des Gemeinderats und
des Bürgerausschusses das Ehrenbürgerrecht durch ein schönes Diplom und
eine Delegation des israelitischen Lehrerstandes, bestehend aus dem
Oberlehrer Liebenau a.D. von Stuttgart und Lehrer Löwenstein von Heilbronn, überreichten eine prächtige Adresse, worin die Verdienste des
ergrauten Lehrer hervorgehoben und anerkannt waren. Unter Teilnahme der
ganzen Einwohnerschaft bewegte sich der Zug in die Synagoge, wo noch das
Mussafgebet gebetet und eine Festrede vom Bezirksrabbiner gehalten wurde.
Beim Bankett erhielt der Jubilar von seinen jetzigen und ehemaligen
Schülern viele und reichliche Geschenke, und die Toaste würzten die
Tafelfreuden in geist- und herzerhebender Weise und der Jubilar selbst
wusste seine Lebensgeschichte in humoristischer und pädagogischer
Hinsicht höchst humoristisch vorzutragen. Hervorzuheben sind das Beispiel
voller Eintracht zwischen Christen beider Konfessionen und den Israeliten
und die Trinksprüche des Regierungsrats auf die israelitischen Gemeinden Sontheim,
Horkheim und Heilbronn, deren Zusammenwirken diesen schönen Tag
ermöglicht haben." |
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
Turnuspredigt von Bezirksrabbiner Dr. Engelbert mit
Überraschungen (1876)
Anmerkung: Der liberal eingestellte Bezirksrabbiner Dr. Engelbert
ging in großzügiger Weise mit traditionellen Bestimmungen zum
Laubhüttenfest um, was ihm diesen kritisch gemeinten Artikel in der konservativ-orthodoxen
Zeitschrift "Der Israelit" einbrachte.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1876: "Sontheim
bei Heilbronn. Am zweiten Tag von Sukkot (Laubhüttenfest) hielt der Herr
Bezirksrabbiner Dr. Engelbert hier seine Turnuspredigt, wobei der gewiss
sonderbare Fall vorgekommen, dass - während die Gemeinde das Gebot des
Lulaw (Feststraußes) beim Gottesdienste, wie üblich, erfüllte - der
Rabbiner ohne diesen Feststrauß, über welchen er nachher gepredigt, in
der Synagoge gestanden und sogar das Lulaw (Feststrauß), welches ihm
vorher von einem Gemeindemitglied dargeboten wurde, zurückwies, 'weil er
nach seinen Grundsätzen zu Hause Lulaw gebenscht habe'." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum 100. Todestag von Rabbi Mosche Tuwjes aus
Sontheim (1930)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1930: "Zum
hundertjährigen Todestage Rabbi Mosche Tuwjes - das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen - aus Sontheim.
Am 4.
Tischri dieses Jahres (= 26. September 1930) rundete sich ein Jahrhundert seit dem Tode des
letzten Gaon aus Hanau, Rabbi Mosche Tuwje aus Sontheim. Eine ausführlich
Biographie dieses großen Rabbi an der Schwelle unseres Jahrhunderts ist
anlässlich der Herausgabe eines kleinen Teiles seiner Responsen unter dem
Titel Or Penei Mosche im Jahre 1927 im 'Israelit' erschienen. Es
sei hier noch kurz registriert, dass Rabbi Mosche Tuwje am 28. Teweth 1753
in Sontheim bei Heilbronn das Licht der Welt erblickt hat und seine erste
Erziehung beim damaligen Rabbiner von Mergentheim, Rabbi Naftali Hirsch
Katzenellenbogen - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - erhalten
hat. Nach seiner Verheiratung ging er in jungen Jahren nach Fürth, wo er
zu Füßen von Rabbi Josef Steinhardt, zusammen mit dem späteren
berühmten Oberrabbiner von Nickolsburg, Rabbi Mordechai Banett, saß. Er
war erst Rabbiner in Leiman (Leimen?), verließ die Gemeinde, nachdem
eines seiner Gemeindemitglieder seinem Proteste zum Trotz das Geschäft am
Sabbat öffnete, und wurde dann Oberrabbiner von Hanau, wo er am 4.
Tischri 1830, verehrt von der gesamten Diaspora, seine Seele aushauchte.
Die größten Männer seiner Zeit, u.a. Rabbi Mosche Sofer aus Preßburg,
bezeichneten ihn als 'Gaon und Fürst, eine Zierde seiner Generation'.
Neben dem genannten erschienenen Werke harrt sein ungemein reiches
geistiges Erbe auf dem Gebiete der Halacha wie der Homiletik noch der
Veröffentlichung. Erst wenn diese Werke im Lichte des Druckes allgemein
bekannt werden, wird der Name Rabbi Mosche Tuwjes, eines kongenialen
Zeitgenossen von 'Chatam Sofer' und Rabbi Akiba Eger, zu seiner vollen
Geltung in der jüdischen Welt gelangen.
Ein Wort Rabbi Mosche Tuwjes zu Bereschit (1. Buch Mose) sei hier
wiedergegeben: 'Die Gottesfurcht ist der Anfang der Erkenntnis'. Dieser
Satz in Mischli 1,7 erklärt, warum die Tora mit Bereschit (am Anfang)
anfängt und nicht, wie die Übersetzer der Septuaginta es ändern
mussten, mit Elohim (Gott).
Im Talmud wird wiederholt betont, dass man bei einem Gelübde, das man
für G'tt gelobt, nicht zuerst G'tt sage, wie es auch immer heißt
Korban Le... (Opfer für Gott) und nicht umgekehrt. Das dürfte auch der Grund sein, warum
unser Lehrer Moses, als er die Tora niederschrieb, nicht gleich mit G'tt
beginnen wollte.
Nun aber wird an mehreren Stellen im Talmud derjenige als
wahrer Gottesfürchtiger dahingestellt, der peinlich auf die Ehrung des
g'ttlichen Namen bedacht ist, ihn nicht unnütz ausspricht. Der Sinn des
angeführten Satzes wäre danach: Anfang der Erkenntnis. Wenn Erkenntnis,
das ist die Tora, mit Beginn beginnt und nicht mit dem Gottesnamen, so
geschah dies, wie zu Anfang gesagt wird, aus Gottesfurcht, um uns
Gottesfurcht einzuprägen, die sich darin ausdrückt, dass man in
höchster Ehrerbietung mit dem Namen Gottes
umgeht." |
Über den aus Sontheim stammenden Bildhauer Albert
Güldenstein (1886)
Anmerkung: Albert Güldenstein (geb. 1922 in Sontheim, gest.
1891 in Stuttgart), Bildhauer: machte sich in Stuttgart durch etliche Werke (zum
Beispiel Tiergruppen in der Wilhelma und im Rosensteinpark, in Heilbronn durch
die allegorische "Heilbronnia" (am Fleinertorbrunnen von 1860-1904)
einen Namen; die "Güldenstein-Straße" ist nach ihm benannt.
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1886: "Vom Neckar,
im Februar (Neckar-Zeitung) [Kunstgeschichtliches.] Ein jüdischer
Bildhauer. In einem Bericht aus Laupheim
über die im Monat Januar dieses Jahres daselbst abgehaltene
Mendelssohn-Feier wird auch darauf hingewiesen, dass sich dessen
Portrait-Medaillon auf der östlichen Giebelseite des dortigen neuen
israelitischen Schulhauses vorfinde. Dieses gelungene Werk stammt aus den
Händen eines Künstlers, welcher am 3. Januar 1822 in Sontheim bei
Heilbronn geboren wurde. Sein Name ist Albert Goldenstein und sein
Aufenthaltsort schon seit 1849 Stuttgart. Er war zuerst Graveur in der
Bruckmann’schen Silberwarenfabrik. Nach mehreren Jahren begab er sich
als Ziseleur nach München in das Atelier des berühmten Professors
Schwanthaler daselbst, welcher ihn zur Ausführung von Bildhauerarbeiten
verwendete. 1843 kehrte Güldenstein nach Stuttgart zurück und
modellierte in der dortigen Kunstschule unter Professor Theodor von Wagner
ein Relief, eine Szene aus der Sintflut darstellend, was ihm ein
Staatsstipendium zu einer Reise nach Berlin verschaffte, die er zur
Bewerbung um den von Michael Beer für Bildhauer israelitischer Religion
behufs ihrer weiteren Ausbildung in Italien ausgesetzten Preis unternahm.
Er erhielt solchen im Jahr 1845 und trat 1847 die Reise nach Rom an. In
Italien vollendete er eine Tiergruppe, wozu er den Auftrag von König
Wilhelm erhalten hatte. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: drei durch große
Naturwahrheit ausgezeichnete Tiergruppen für die Wilhelma bei Stuttgart,
(Hirsch, von Wölfen angefallen, Bären- und Schweinehatz), eine
Triumphfonthaine des Kaisers Napoleon III., Skulpturen der Kreditbank in Zürich
und der Figurenschmuck des Brunnens für die Villa des Kronprinzen bei
Berg-Cannstatt).
Anmerkung: Ein Bruder dieses Bildhauers war der verstorbene Rabbiner Güldenstein
in Buchau am Federsee, ein wahrhaft humaner und tüchtiger Seelsorger. Er
nahm an der Rabbinerversammlung zu Frankfurt am Main (1845) tätigen
Anteil. In unserer Erinnerung lebt er als unser erster Korrespondent, der
gleich nach Erscheinen des ersten Heftes unseres ‚Israelitischen
Predigt- und Schulmagazins’ einen begeisterten Brief an uns richtete. Er
studierte damals (1834) jüdische Theologie in Tübingen. Wie oft sprach
er seine Freude über die schönen Erfolge seines Bruders, des Bildhauers,
aus! Redaktion." |
Spende des Salomon Israel'schen
Ehepaares für gemeinnützige Zwecke (1912)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1912. "Sontheim
bei Heilbronn. Anlässlich seiner goldenen Hochzeit übergab das Salomon
Israel’sche Ehepaar dem Schultheißenamte 2.200 Mark für gemeinnützige
Zwecke." |
Über Hermann Wolf
| Hermann Wolf (1862-1926),
langjähriger Teilhaber der Mechanischen Schuhfabrik Wolf & Co.; die
Firma wurde 1889 von Salomon Israel in Öhringen gegründet; 1891 nach
Sontheim übergesiedet; Anfang des 20. Jahrhunderts über 800 Arbeitern
(1906), 1928 1.110 Arbeiter. 1938 "Arisierung" der Firma; die
Firma bestand bis Ende der 1960er-Jahre. Die Straße zum ehemaligen
jüdischen Altersheim "Wilhelmsruhe" trägt heute seinen Namen.
Die Gebäude der Firma wurden seit 1977 abgebrochen; das Grundstück ist
heute mit Einfamilien-Reihenhäusern bebaut
(Hofgartenstraße). |
| Hinweis: bei Wikipedia besteht ein Artikel
über die Schuhfabrik Wolko (Sontheim) |

Über das Israelitische Landesasyl "Wilhelmsruhe" in Sontheim
Rechenschaftsbericht des
"Israelitischen Landesasyl- und Unterstützungsvereins"
(1900)
Anmerkung: In diesem Rechenschaftsbericht ist erstmals davon
die Rede, dass das Landesasyl in Heilbronn oder Umgegend errichtet werden
soll.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1901: "Aus Württemberg. Der
‚Israelitische Landesasyl- und Unterstützungsverein’ in Stuttgart hat
seinen Rechenschaftsbericht pro 1. Januar bis 31. Dezember 1900’
versandt. Darnach ist das Vereinsvermögen in dieser Zeit von Mark
61.584,17 auf Mark 80.047,58 angewachsen. Die ordentlichen Jahresbeiträge
belaufen sich auf Mark 5.370,590. Der Verein wurde auch durch Zusendungen
von Ihren Majestäten dem König und der Königin gnädigst unterstützt.
In nicht allzu ferner Zeit soll das Asyl erstellt werden. Eine
Kommission hat zu dem Zweck in Heilbronn und Umgegend Einsicht von einigen
Anwesen genommen. Der allgemeine Wunsch geht dahin, es möchte möglich
werden, das Asyl in Heilbronn selbst, aber ja nicht in einer absterbenden
Kleingemeinde seiner Umgebung unterzubringen.
Die Generalversammlung und Ergänzungswahl des Ausschusses findet
am kommenden Sonntag, den 31. März, in Stuttgart statt.
Die Loge in Stuttgart und der Wohltätigkeitsverein in Heilbronn
haben Aufrufe an alle Gemeinden ergehen lassen, in denen sie israelitische
Mädchen suchen, die sich zu Krankenpflegerinnen ausbilden lassen wollen.
Bis jetzt hatten die Aufrufe noch sehr geringen Erfolg. Und doch wäre es
zu wünschen, dass sich israelitische Mädchen in größerer Zahl dem
edlen Berufe der Krankenpflegerin zuwenden würden, insbesondere, da auch
ausreichende Versorgung versprochen ist. S."
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Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Landesasyls (1902)
Anmerkung: Nach diesem Bericht stand im April 1902 der
Beschluss, das Landesasyl in Sontheim zu bauen; ein Baufonds zur Sammlung der
Gelder war angelegt worden.
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1902: "Stuttgart, 6. April
(1902). Gestern Abend fand in den schönen Sälen des Königsbaues zum
besten des Baufonds für das israelitische Landesasyl in Sontheim, ein
sehr zahlreich besuchtes Wohltätigkeitsfest statt, um dessen Gelingen
sich eine große Anzahl Damen und Herren bereitwilligst bemühten. Prof.
Dr. Gerstmann*, der Dramaturg unseres Hoftheaters, hatte hierzu einen
schwungvollen Prolog gedichtet. Das herrliche Fest nahm einen schönen
Verlauf, und der finanzielle Erfolg wird wohl ein recht beträchtlicher
sein. Ihre Majestäten der König und die Königin erfreuten den Verein
durch einen huldvollen Beitrag von je 100 Mark." |
| *Anmerkung
über den genannten Prof. Dr. Gerstmann: Dr. Adolf Gerstmann (geb. 31.
Juli 1855 in Ostrowo, Provinz Posen, gest. 30. Oktober 1921 in Stuttgart
und beigesetzt im Israelitischen Teil des Pragfriedhofes war von 1893 bis
1908 und von 1914 bis 1916 Dramaturg des Königlichen Hoftheater in
Stuttgart; er war bereits seit 1891 Professor und Geheimer Hofrat;
verfasste viele Bühnenwerke, Romane und Novellen" |
Einweihung des Württembergischen Landesasyls Wilhelmsruhe (1907)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1907: "Sontheim, 22. Mai
(1907). An die israelitische
Waisenanstalt Wilhelmspflege in Esslingen hat sich nunmehr ein
weiteres humanitäres jüdisches Institut, das Württembergische
Landesasyl Wilhelmsruhe in Sontheim, würdig angereiht. Die Einweihung
desselben gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Nachdem nach 12-jähriger
rühriger Tätigkeit des Ausschusses des israelitischen Landesasyls der
Gedanke, ein Altersheim in Württemberg für württembergische ältere
erwerbsunfähige Israeliten männlichen und weiblichen Geschlechts zu gründen,
vor einigen Tagen durch die Vollendung eines auf einer Anhöhe mit weithin
schauender Aussicht in nächster Nähe des hiesigen Ortes gelegenen schönen
Baues sich verwirklicht hatte, versammelten sich jetzt die Mitglieder des
Ausschusses, viele geladenen Gäste und ein zahlreiches Publikum aus Nah
und Fern, um die Feier der Einweihung festlich zu begehen. In goldenen
Buchstaben leuchten am Hauptportale die Worte: (hebräisch und deutsch: ‚In
euren Versammlungen soll ihr ihn loben und in dem Asyl der Alten sollt ihr
ihm Lob singen’). Gegen 12 Uhr mittags wurde die Feier im
Anstaltsgebäude durch Gesang und Ansprachen eröffnet. Zunächst richtete
Herr Architekt Früh, der Erbauer des Asyls, einige entsprechende Worte an
die Versammlung. Darauf sprach Herr Vorsteher Spiegelthal Worte des Danks
für alle, die mit Rat und Tat zur Erstellung des Baus beigetragen haben.
Nach dem Eintritt in das Gebäude begrüßte Kirchenrat Dr. Kroner Herrn
Regierungsrat Dr. Krauß als Vertreter des Ministers, ferner den Vertreter
der Zentralstelle für Wohltätigkeit, Oberregierungsrat Falch, den Präsidenten
des Medizinalkollegiums Nestle, den Oberregierungsrat Lang, den
Ortsschultheißen von Sontheim, die Gemeindekollegien von Sontheim, die
Geistlichen des Orts, den Rabbiner des Bezirks, sowie alle anderen
Erschienenen. Darauf übermittelte Regierungsrat Dr. Krauß die Grüße
und Glückwünsche des Königs, der lebhaft bedaure, an dem Feste nicht
selbst haben teilnehmen zu können. Das gemeinnützige Bestreben, das sich
in der Errichtung der Anstalt offenbare, habe die lebhafte Anerkennung des
Königs gefunden, als Ausdruck dieser Anerkennung habe Seine Majestät dem
Vorstand Spiegelthal die Olga-Medaille, und dem Architekten Früh den
Titel Baurat verliehen. Auch sei er beauftragt, die Grüße und Glückwünsche
des Ministers zu übermitteln. Oberregierungsrat Lange, Heilbronn,
gratuliert ebenfalls und wünscht, dass das Haus den heimatlosen ein
sicherer Hafen nach den Stürmen des Lebens werden möge. Als Vorstand der
bürgerlichen Kollegien Sontheims verlieh Schultheiß Lutz seiner Frede
beredten Ausdruck, dass Sontheim als Sitz des Asyls gewählt wurde, er übernehme
das Haus in seine Obhut. Die Geistlichen überbrachten die Glückwünsche
ihrer Gemeinden. Herr Kirchenrat Dr. Kroner gab dann in großen Zügen ein
Bild dessen, was man gewollt und erreicht habe. Die Herren Spiegelthal und
Früh dankten für die überlieferten Orden. Mit einem Hoch auf den König
war dieser Teil der offiziellen Feier beendigt. Der Rabbiner Dr. Kahn und
Lehrer Kulb nahmen die Einweihung des Betsaales vor. Mit einem Rundgang
durch das Gebäude schloss die Feier." |
Chanukkafeier im Landesasyl (1910)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1911: "Sontheim –
Heilbronn, 26. Dezember (1911). Im Landesasyl ‚Wilhelmsruhe’ fand
heute eine würdige Chanukka-Feier statt, die in allen Teilen harmonisch
verlief. Eröffnet wurde die Festlichkeit durch einen schön gesprochenen
Prolog des Herrn Gerhard Wolf, Sontheim. Musikalische Vorträge wechselten
mit humoristischen und ernsten Rezitationen ab und wurde nach
inhaltsreicher Ansprache des Herrn Israel sen. das zahlreich erschienene
Publikum mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Nachdem sodann im Betsaal die
Chanukkalichtlein angezündet und das altehrwürdige Moaus-Zur angestimmt
wurde, harrte der Insassen eine Überraschung. Auf Tischen geordnet lagen
zahlreiche nützliche Geschenke, die den alten Leuten durch Frau Fabrikant
Hermann Wolf überreicht wurden. Um das Gelingen der schönen
Veranstaltung, die von annähernd 200 Personen besucht war, machten sich
außer Herrn Israel sen. Noch das Ausschussmitglied Herr Rentner Louis
Reis, der mit Eifer für die gute Sache tätig war, sehr verdient. Ganz
besonderes Lob sei noch Herrn und Frau Verwalter Schloß gespendet, die in
unermüdlicher Tätigkeit mit Lust und Liebe alle Vorbereitungen aufs
beste getroffen hatten." |
Spende des württembergischen Königspaares zugunsten des Israelitischen Asyl-
und Unterstützungsvereines (1911)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1911: "Stuttgart,
5. Juli (1911). Unser Königspaar hat von der gelegentlich seiner
silbernen Hochzeit gesammelten und den Majestäten als Ergebnis des
Blumentages zur Verfügung gestellten Spende im Betrage von 540.000 Mark
die Summe von 10.000 Mark für den Israelitischen Asyl- und
Unterstützungsverein in Württemberg bestimmt." |
Das Landesasyl sucht einen Verwalter/eine Verwalterin (1911)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1911:
"Israelitisches Landesasyl 'Wilhelmsruhe' in Sontheim bei Heilbronn
(Württemberg).
Die Stelle eines Verwalters oder einer Verwalterin ist an unserer
Anstalt durch ein Ehepaar oder eine Oberin auf 1. Dezember dieses Jahres
oder später neu zu besetzen.
Bewerber beziehungsweise Bewerberinnen müssen mit der Führung der
rituellen Küche und des übrigen gesamten Hauswesens sowie mit der
Krankenpflege vertraut sein und sollen schon ähnliche Stellungen
bekleidet haben. Schriftliche Bewerbungen unter Beilage von
Zeugnissen und kurzer Beschreibung des Lebenslaufs sind bis spätestens
Ende September dieses Jahres an die Adresse unseres Schriftführers Herrmann
Simon, Stuttgart, Olgastraße 107, einzusenden. Der
Ausschuss." |
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Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September
1911: "Für das Israelitische Landesasyl 'Wilhelmsruhe' in Sontheim
bei Heilbronn (Württemberg) wird zum 1. Dezember dieses Jahres ein
Verwalter oder Verwalterin gesucht. Näheres hierüber ist im
Inseratenteil dieser Nummer angegeben." |
Rechenschaftsbericht des Landesasyl- und Unterstützungsvereins
(1917)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Mai 1918:
"Stuttgart, 16. Mai. Der Unterstützungsverein für arme
Israeliten im Lande, dessen Asyl in Sontheim bei Heilbronn ist, versendet
seinen 21. Rechenschaftsbericht über das Jahr 1917. Die Anstalt hat 22
Insassen und sind im Betriebsjahre 2 verstorben und 2 ausgetreten.
Neuaufnahmen fanden nicht statt. Der Betrieb konnte, wenn auch mit
Schwierigkeiten wegen der Lebensmittel, aufrecht erhalten werden. Der
Kassenbericht stellt sich günstig und schließt Toraspenden ein und
11.238 Mark aus Stiftungen und außerordentlichen Zuwendungen an den
Verein. Es ist dem Ausschuss auffällig, dass manche Gemeinden so wenig
leisten und ersucht die betreffenden Gemeindegenossen, dem edlen Zwecke
des Vereins ihre Hilfe angedeihen zu lassen. 15 Personen im Lande
erhielten gleichfalls Unterstützung im Betrage von 860 Mark. Verschiedene
Personen aus Heilbronn, Sontheim und Stuttgart gaben Geschenke an
Lebensmittel, Weil, Möbel und Geld für arme
Israeliten." |
Rechenschaftsbericht des Landesasyl- und Unterstützungsvereins
(1919)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1920: "Stuttgart,
31. Mai (1920). Der 23. Rechenschaftsbericht des Israelitischen
Landesasyl- und Unterstützungsverein für Württemberg e.V., über das
Jahr 1919 gelangt soeben in vereinfachter Form zur Ausgabe. Es ist dies
das 13. Jahr seit Eröffnung des Heims zu Sontheim bei Heilbronn und hatte
auch dieses Haus unter dem Elend des wirtschaftlichen Lebens zu leiden.
Nur mit Mühe konnten die Schwierigkeiten überwunden werden. Gesuche um
Neuaufnahmen wurden zahlreich gesandt, doch zufolge der Zustände konnten
nur vier berücksichtigt werden, sodass die Zahl der Pfleglinge 25
beträgt. Gestorben ist eine Einwohnerin des Hauses im Alter von 79
Jahren, nachdem sie sich acht Jahre hier aufgehalten. Im Ausschuss sind
viele Änderungen erfolgt, fünf Mitglieder sind freiwillig
zurückgetreten und machten jüngeren Kräften Platz. Die
Zurückgetretenen wurden zu Ehrenmitgliedern beziehungsweise zum
Ehrenvorstand ernannt. Aus der Betriebsrechnung ist hervorzugeben:
Jahresbeiträge gingen ein 8.116 Mark, Toraspenden 8618 Mark,
Verpflegungsbeiträge 16150 Mark, Zinsen 5629 Mark, dagegen betrugen die
Ausgaben: 62.194 Mark, darunter die Lebensmittel mit 27,858 Mark,
Dampfheizung 9.931 Mark, Gehälter 5.488 Mark, Zentralverwaltung 2.176
Mark und Unterstützungen 645 Mark, sodass sich ein Abmangel von 23.601
Mark ergibt. Zur Deckung desselben soll eine außerordentliche Sammlung
veranstaltet werden. Die Vermögensaufstellung ergibt am 31. Dezember 1919
255.307 Mark, wobei das Grundstück mit 70.000 Mark berechnet ist, das
Kassenkonto sich auf 15.519 Mark beläuft, ein Bankkonto von 43.503 Mark
vorhanden ist und Wertpapiere im Werte von 126.282 Mark sich
vorfanden." |
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Betsaal im Ort. Eine Synagoge (Betsaal)
bestand bereits 1672 im Haus des Juden David. Als Erbauer oder Stifter
dieser Synagoge wird in dem 1732/33 geschriebenen Memorbuch der Gemeinde Wolf,
Sohn des Simchah Josef, genannt, der am 18. Siwan 5462 (1702) in Sontheim
gestorben ist.
1773 wurde am "Judengängle" (zwischen
Deinenbachstraße und Hauptstraße) eine neue Synagoge erbaut. Es war
Simon, Sohn des Josef Wolf, der in seinem Haus eine Synagoge einbauen ließ und
sie als Stiftung der israelitischen Gemeinde übergab. 1827 wurde das Gebäude
abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Da in den 1850-Jahren auch die in
Horkheim und Heilbronn lebenden Juden zur Sontheimer Gemeinde gehörten, wurden
im Sommer 1857 bauliche Veränderungen am Synagogengebäude vorgenommen, die die
Gemeinde 600 Gulden kostete. Dazu gehörte auch ein Neuanstrich des gesamten
Holzwerkes. Sie erhielt dafür einen staatlichen Zuschuss von 60 Gulden.
Noch einmal wurde 1910 das Synagogengebäude gründlich
renoviert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge zerstört. Im
Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Kriegsgefangenenlager zweckentfremdet,
nach 1949 als Wohnhaus. Anfang 1985 wurde es im Zusammenhang mit der "Ortssanierung"
abgerissen.
Betsaal
im Landesasyl. In dem 1907 eingeweihten Altersheim (bzw. "Landesasyl")
"Wilhelmsruhe" wurde gleichfalls ein Betsaal eingerichtet. 1937 erhielt das Landesasyl einen stattlichen
Erweiterungsbau für weitere 30 Bewohner, in dem auch ein neuer Betsaal
eingerichtet wurde. Die Architekten Oskar Bloch (gest. 6. Januar 1937) und
Regierungsbaumeister Ernst Guggenheim hatten den Bau geplant. Der Betsaal war "ein
besonderer Glanzpunkt des Neubaus" (Gemeindezeitung vom 1.10.1937). Er wurde "in
heller, warmer Holztönung" gehalten "mit matten Glasfenstern, die in
Reliefschliff die Worte aus Psalm 103 wiedergeben: ‚Preise meine Seele den
Ewigen, und vergiss nicht alle seine Wohltaten". Die Halle des Neubaus und der
Betsaal waren durch eine Schiebetüre miteinander verbunden und konnten zu einem
großen Raum vereint werden.
In der Pogromnacht 1938 wurde die Inneneinrichtung
des Altersheimes von Heilbronner NSDAP-Mitgliedern zerschlagen. Sämtliche
Beleuchtungskörper wurden heruntergeschlagen und das Geschirr zertrümmert,
sodass am folgenden Tag für 100 Personen nur noch drei Tassen zu Verfügung
standen. 30 Gläser mit Eingemachtem wurden auf einen Haufen geschüttet.
Ende November 1940 musste das Heim zwangsgeräumt werden;
die Insassen wurden in andere Altersheime oder Orte verbracht. 36 der Insassen
kamen nach den Deportationen ums Leben, teilweise schon im Zusammenhang mit den "Euthanasie"-Aktionen.
In der "Wilhelmsruhe" brachte man Familien von Schwerbeschädigten unter, seit
1946 war hier die Städtische Frauenklinik, danach eine Nachsorgeklinik. 2001
wurde die "Wilhelmsruhe" zu einer Schule für Erziehungshilfe umgebaut; im Foyer
wird der Geschichte des ehemaligen jüdischen Altersheimes gedacht
(Hermann-Wolf-Straße 31).
Fotos
Historische Fotos
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932.
S.122f:
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| Außenansicht: Blick zum Eingang von der Westseite |
Innenansicht: Blick zum Almemor und Toraschrein |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1983:
(Fotos: Hahn) |
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Außenansicht auf das inzwischen heruntergekommene Gebäude |
Der alte Eingangsbereich |
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Ausschnitt aus dem Primär-Kataster Sontheim: das
Synagogengebäude liegt zwischen Deinenbach und "Judengängle" |
Die Synagoge befand sich in dem linken Gebäude |
Im alten "Judengängle" am ehemaligen
Synagogengebäude |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn) |
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Ähnliche Blickrichtung wie
oben. Das Synagogengebäude war an Stelle der Bäume links des erhaltenen
Hauses |
Das Synagogengrundstück als
terrassenförmige Anlage am Deinenbach |
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| Der Gedenkstein |
Die Gedenkinschrift |
Das "Judengängle" ist
geblieben |
Texte zur Diskussion um den
Abbruch der ehemalige Synagoge 1982/84
Im Osten ermordet: Die letzten Eigentümer des Sontheimer Gebetshauses
- Artikel von Siegfried Schilling in: Heilbronner Stimme vom 31.12.1983:
" Über die Zukunft des früheren jüdischen Gebetshauses im Heilbronner
Stadtteil Sontheim, das vor drei Jahren von der Stadt gekauft und momentan zum
Wohnen an ein türkisches Ehepaar vermietet ist, wurde noch keine endgültige
Entscheidung gefällt. Derzeit prüft das Regierungspräsidium Stuttgart die von
der Stadt Heilbronn beantragte Abbruchsgenehmigung.
"Die Verwaltung ging bisher weiterhin davon aus, dass das ehemalige
jüdische Gebetshaus in Sontheim, Hauptstraße 36/1, entsprechend den
Festlegungen im bebauungsplan abgebrochen wird." So lautet die Antwort des
städtischen Amtes für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung, zuständig
für die Bodenpolitik im Zusammenhang mit der Sontheimer Ortskernsanierung, auf
eine Anfrage von SPD-Stadtrat Friedrich Niethammer im Gemeinderat. Nicht erteilt worden sei die "bereits vor längerer Zeit beantragte
Abbruchsgenehmigung der Gebäude Hauptstraße 36 und 36/1", da das
Regierungspräsidium nach einem Einwand des Landesdenkmalamtes von der Stadt
erst noch eine Aussage über den Bauzustand und die erforderlichen Aufwendungen,
die zur Wiederherstellung notwendig wären, angefordert habe. So berichtet das
Amt weiter und erklärt, das frühere Gebetshaus würde dann abgebrochen, wenn
das Stuttgarter Präsidium seine Zustimmung erteile. Und: "Sollte dies
nicht der Fall sein, wird die Verwaltung wieder berichten." |
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| Leserbrief in der "Heilbronner
Stimme" vom 7. Januar 1984 von Dr. Joachim Hahn: "Stadtgeschichte.
Zu: Die Zukunft der ehemaligen Sontheimer Synagoge; vom 31.12.83: Das Gebäude der früheren Sontheimer Synagoge am Deinenbach sollte
unbedingt erhalten bleiben. Es ist eines der letzten Häuser, das an die lange
Geschichte der Juden aus Heilbronn und seiner unmittelbaren Umgebung erinnern
kann. Gedenktafeln (wie in Heilbronn an der Allee) sind für den Betrachter
lange nicht so eindrucksvoll wie ein Gebäude, in dessen alten Mauern
jahrzehntelang Gottesdienste gefeiert wurden. Andere Bauten in Sontheim, die
diese Rolle des Erinnerns übernehmen könnten - die ehemalige jüdische Schule
oder die reizvollen Häuser mit den hebräischen Inschriften an der Hauptstraße
-, sind ja leider bereits Opfer der Planierraupe geworden. Stellvertretend für
diese schon abgerissenen Häuser des alten Sontheims kann die ehemalige Synagoge
ein bedeutendes Stück Geschichte für die Zukunft bewahren. Es dürfte
zahlreiche Möglichkeiten geben, das Haus zu nutzen. Im ehemaligen Betsaal
könnte ein Gemeinschaftsraum (z.B. Seniorentreff, Teestube o.ä.) eingerichtet
werden, wo Bilder an der Wand an das alte Sontheim und seine (vor allem auch
jüdische) Geschichte erinnern. Ein wunderschönes Vorbild für eine mögliche
Restaurierung des Inneren könnte die zur Zeit noch in Wiederherstellung
befindliche ehemalige Synagoge in Michelbach/Lücke sein. Dass sich die
sozialdemokratische Fraktion im Heilbronner Rat für die Restaurierung der
Synagoge in Obersulm-Affaltrach engagieren will, ist zwar begrüßenswert, aber
Obersulm ist nicht Heilbronn und gerade im Stadtgebiet Heilbronns bedarf es des Engagements
für Gebäude, die die so reiche Geschichte der Stadt und ihrer Stadtteile
bewahren können. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg
und Hohenzollern. 1966. S. 101ff. |
 |
Wolfram Angerbauer, Hans Georg Frank: Jüdische
Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 213-221. |
 |
Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in
Heilbronn. 1962. Zu Sontheim insbesondere Seite 168-181. |
 |
Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Sontheim Wuerttemberg.
The early Jewish settlement was attacked in the Rindfleisch massacres of 1298
and again in 1304. The permanent settlement dates from the second half of the
16th century, when seven families expelled from Heilbronn lived there. The Jews
prospered in the 18th century as cattle and horse traders though still under the
yoke of the Teutonic Order with its heavy taxation. Under Wuerttemberg rule from
1805, the Jews expanded their economic base, setting up a spinning mill and shoe
factory. The Jewish population reached a peak in 1903 (10 % of the total) with
accelerated emigration setting in in the second half of the 19th century. The 60
Jews of neighboring Horkheim were
also part of the community from 1832 (dwindling to 17 in 1910). a Jewish school
was founded in the 1830s and in 1907 the Wilhelmsruhe Old Age Home opened. When
the Nazis came to power in 1933, 31 Jews remained in Sontheim, immediately
subjected to severe persecution. The old age home became a rufuge for pensioners
throughout southwest Germany, sometimes housing as many as 150. It was seriously
vandalized by the SA on Kristallnacht (9-10 November 1938) and in
November 1940 its residents were expelled, most perishing in the camps. Of the
town's Jews, 22 emigrated by 1940; the other nine were sent to Riga and
Theresienstadt ghettoes and perished.

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