Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sontheim (Stadt Heilbronn) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Über das Israelitische Landesasyl "Wilhelmsruhe"    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Texte zur Diskussion um den Abbruch der Synagoge 1982/84 
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts dem Deutschen Orden gehörenden Sontheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht bis in mittelalterliche Zeiten zurück: 1298 wird eine Judenverfolgung in "Sontheim" genannt ("Rintfleisch-Verfolgung"), wobei es sich wahrscheinlich um dieses Sontheim handelte. Bei der Verfolgung während der Pestzeit 1348/49 hat nach der Überlieferung im Ort der Ortsgeistliche die Juden unter seinen Schutz genommen. Daher erhielt der jeweilige katholische Ortspfarrer noch in den 1920er-Jahren am Neujahrstag drei Gulden als Dankesgabe der jüdischen Gemeinde überreicht.  
      
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Seit ca. 1660 sind wieder Juden in Sontheim genannt. 1710 waren es sieben, 1750 15 und 1792 elf Familien. 1710 werden als Namen der jüdischen Familienväter genannt: 1. Itzig, 2. Marx, 3. Moyses genannte Veitle/Veistle, 4. Hertz, David, 5. Abraham, Isac, 6. Simon, 7. Abraham, Emanuel.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1822 88 jüdische Einwohner, 1832 103, 1855 80, 1861 72, 1870 46, 1900 46. Zur Gemeinde zählten jedoch um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch mehr Personen, da bis zur Gründung einer selbständigen jüdischen Gemeinde in Heilbronn auch die in Heilbronn und Horkheim lebenden jüdischen Personen ihr angehörten. 1846 waren dies insgesamt 113 Personen, 1856 sogar 220 Mitglieder. Die jüdischen Familien lebten bis ins 19. Jahrhundert hinein vor allem vom Vieh- und Pferdehandel sowie vom Frucht- und Wollhandel. 

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten jüdischen Familien mehrere Handels- und Gewerbebetriebe sowie offene Läden am Ort. Dazu gab es Industriebetriebe im Besitz jüdischer Personen wie die Mechanische Zwirnerei Dr. Ackermann (ab 1873 Karl Ackermann und Cie.) und vor allem die "Mechanische Schuhfabrik Wolf und Comp." (Inhaber Hermann Wolf mit Anfang des 20. Jahrhunderts über 800 Arbeitsplätzen).   
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine israelitische Schule (1835-1926; Volksschule, dann Religionsschule) (im nicht mehr bestehenden Gebäude Hauptstraße 25), ein rituelles Bad (zunächst im Gebäude der Schule, seit 1864 im Gebäude Hauptstraße 39 gegenüber der Synagoge am Deinenbach; Gebäude um 1985 abgebrochen) und ein Friedhof. An jüdischen Lehrern waren insbesondere am Ort tätig: Hirsch Immanuel Rothschild aus Mühringen (bis 1829, danach in Archshofen), Jakob Stern aus Laudenbach (von 1829 bis 1881, siehe Berichte unten, gest. 1892), Jakob Löwenstein aus Bonfeld (geb. 1819, gest. 1884), Max Eichberg (nach 1887 bis vor 1899, genannt im Bericht zur Beisetzung von Lehrer Jakob Stern s.u.), Moritz Kulb aus Hösbach (1901-1926).  Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Lehrensteinsfeld, später Heilbronn.   
 
Sontheim Wilhelmsruhe01.jpg (83994 Byte)Als überregionale - für ganz Württemberg bedeutsame - Einrichtung bestand seit 1907 in Sontheim das Israelitische Altersheim (bzw. Landesasyl) "Wilhelmsruhe" (1924: 34 Plätze, später mehrfach erweitert (zuletzt 1937 mit einer Erweiterung von 30 Plätzen); 1939/40 waren 160 Personen untergebracht). Träger war der "Israelitische Landes-Asyl und Unterstützungsverein für Württemberg e.V." (1924 unter Vorsitz von Hermann Simon, Stuttgart; die Hausleitung hatte 1924 das Ehepaar S. Leopold inne). Aufgenommen werden konnten im Haus - nach den Bestimmungen - "erwerbsunfähige alte Württemberger; in Ausnahmefällen Reichsdeutsche oder Ausländer". 
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch 80 Personen gehörten (2,6 % von insgesamt 3.125 Einwohnern; dazu 5 Personen in Horkheim), waren die Vorsteher der Gemeinde Moritz Kulb, Dr. J. Picard, Hermann Wolf. Moritz Kulb war zugleich Lehrer der Gemeinde. An jüdischen Vereinen bestanden damals ein Synagogenbauverein (1924 unter Leitung von M. Kulb mit 12 Mitgliedern), ein Männerwachverein (1924 unter Leitung von M. Kulb mit 12 Mitgliedern) sowie ein Israelitischer Frauenverein (1924 unter Leitung von Frau Kulb mit 12 Mitgliedern).   
 
Bis nach 1933 bestanden an Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Familien: Viehhandlung Ludwig Maier (Hauptstraße 25), Kaufmann Emil Strauß (Deinenbachstraße 26), Kaufmann Julius Strauß (Deinenbachstraße 5).     

1933 lebten in Sontheim (ohne das Landesasyl) noch 65 jüdische Personen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge großenteils zerstört. Ende November 1940 musste das Israelitische Altersheim zwangsgeräumt werden; die Insassen wurden in andere Altersheime oder Orte gebracht. In der "Wilhelmsruhe" brachte man Familien von (nichtjüdischen) Schwerbeschädigten unter (seit 1946 war hier die Städtische Frauenklinik, danach eine Nachsorgeklinik, 2001 wurde die "Wilhelmsruhe" zu einer Schule für Erziehungshilfe umgebaut; im Foyer wird der Geschichte der ehemaligen jüdischen Altersheimes gedacht; Hermann-Wolf-Straße 31).     
  
Von den in Sontheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Fanny Eichtersheimer geb. Mändle (1863), Clara Freund geb. Kulb (1906), Friederike Hirsch geb. Stern (1871), Julie Israel (1871), Bertha Kahn geb. Strauß (1880), Rosa Kulb (1908), Emma Ledermann (1883), Berta Mändle (1867), Cäcilie Siegler geb. Stern (1872), Emil Strauß (1883), Julius Strauß (1886), Selma Strauß (1891), Adelheid Zwick geb. Stern (1898).                       
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Über den Lehrer Jakob Stern     
Anmerkung: Jakob Stern ist am 10. Februar 1803 in Laudenbach als Sohn von Isaak Stern und der Merle geb. Levi geboren. Er studierte von 1825 bis 1828 am Lehrerseminar in Esslingen. 1876 feierte er seine 50-jährige Amtstätigkeit in Sontheim. Hier war er vermutlich seit 1829 in der Nachfolge von Lehrer Rothschild als Lehrer tätig (die Angabe 1826 im Bericht zu seinem Tod wird ein Fehler sein, da Jakob Stern in dieser Zeit noch in Esslingen studierte). .       
      
Notiz zum Sontheimer Lehrer und Vorsänger Jakob Stern, dessen Sohn als Buchhändler gelobt wird (1869)  
Anmerkung: es ist dem Webmaster unklar, was mit dem "Schandbild" bzw. "Schmachbild" gemeint ist, das Buchhändler Stern (in Worms) nach Karlsruhe zurückschickte. Bitte gegebenenfalls Hinweis an die Adresse des Webmasters, siehe Eingangsseite.       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1869: "Aus Württemberg. Das 'deutsche Volksblatt' vom 12. August Nr. 175 enthält einen Artikel: 'Vom Vaterlande' (welcher eine weitere Verbreitung auch in israelitischen Blättern verdient): 'Es liegt eine Predigt vor mir, welche von Kaplan Fehr in Worms am Sonntag nach der bekannten Versammlung deutscher Protestanten gehalten wurde.  
Der Redner kommt auch auf das berüchtigte Schandbild zu sprechen, das vom badischen Nachbarlande aus so eifrig verbreitet wird, und sagt: 'Es wurde auch zu Hunderten von Exemplaren in verschiedenen Buchhandlungen an den Mann gebracht. 
Bloß eine Buchhandlung war rücksichtsvoll genug, dieses Schmachtbild nicht zu verkaufen, obwohl ihr 200 Exemplare zugeschickt waren. Das war die Buchhandlung des Israeliten Stern, welcher sie alle wieder nach Karlsruhe zurückschickte.' 
Herr Stern war bürgerlich in Laudenbach, Oberamts Mergentheim, und ist der Sohn des Lehrers und Vorsängers Jakob Stern in Sontheim bei Heilbronn, von wo er vor einigen Jahren nach Worms auswanderte. Ehre, wem Ehre gebührt.'      

 
50-jährige Amtstätigkeit von Lehrer Jacob Stern in Sontheim (1876)    

Sontheim Israelit 12071876.JPG (167289 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1876: "Sontheim am Neckar. Am zweiten Tage des Schawuothfestes feierte der 72-jährige Lehrer und Vorsänger Jacob Stern hier das Jubiläum seiner 50-jährigen Amtstätigkeit. Auf dem Rathause übergab ihm der Regierungsrat Oberamtmann Maurer die silberne Verdienstmedaille in feierliche Weise in Gegenwart der bürgerlichen und kirchlichen Ortsbehörden, die dem Jubilar von Seiner Majestät dem König auf Vorschlag der Oberschulbehörde war verliehen worden. Der Vorstand verlieh ihm im Namen des Gemeinderats und des Bürgerausschusses das Ehrenbürgerrecht durch ein schönes Diplom und eine Delegation des israelitischen Lehrerstandes, bestehend aus dem Oberlehrer Liebenau a.D. von Stuttgart und Lehrer Löwenstein von Heilbronn, überreichten eine prächtige Adresse, worin die Verdienste des ergrauten Lehrer hervorgehoben und anerkannt waren. Unter Teilnahme der ganzen Einwohnerschaft bewegte sich der Zug in die Synagoge, wo noch das Mussafgebet gebetet und eine Festrede vom Bezirksrabbiner gehalten wurde. Beim Bankett erhielt der Jubilar von seinen jetzigen und ehemaligen Schülern viele und reichliche Geschenke, und die Toaste würzten die Tafelfreuden in geist- und herzerhebender Weise und der Jubilar selbst wusste seine Lebensgeschichte in humoristischer und pädagogischer Hinsicht höchst humoristisch vorzutragen. Hervorzuheben sind das Beispiel voller Eintracht zwischen Christen beider Konfessionen und den Israeliten und die Trinksprüche des Regierungsrats auf die israelitischen Gemeinden Sontheim, Horkheim und Heilbronn, deren Zusammenwirken diesen schönen Tag ermöglicht haben."    

    
Zum Tod von Lehrer Jakob Stern (1892)     
Anmerkung: Jakob Stern starb am 25. Oktober 1892 und wurde am 28. Oktober im jüdischen Friedhof Sontheim beigesetzt.        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. November 1892: "Heilbronn, 4. November (1892). Letzte Woche starb in dem benachbarten Sontheim im 91. Lebensjahre Lehrer Jakob Stern. Derselbe war den 10. Februar 1803 in Laudenbach geboren und war ein Schüler des um das vaterländische Schulwesen hochverdienten Seminarrektors Prälaten von Dengel in Esslingen. Vom Jahre 1826 - 1881 bekleidete er die israelitische Schulstelle daselbst (sc. in Sontheim). Aus Anlass seines 50-jährigen Dienstjubiläums wurde er von Seiner Majestät dem König Karl, durch die silberne Verdienstmedaille ausgezeichnet: die politische Gemeinde verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht. Erst im 73. Lebensjahre zog er sich in den wohlverdienten Ruhestand zurück, verschönt durch die Verehrung und Hochachtung der Gemeinde und seiner großen Anzahl dankbarer Schüler. Er durfte sich bis zu seinem Ende seltener Rüstigkeit erfreuen. Er wurde unter zahlreicher Beteiligung zur Erde bestattet. Vor dem Hause und am Grabe trug der Gesangverein passende Gesänge vor. Lehrer Eichberg von Sontheim, sein Nachfolger im Amte, hielt die Leichenrede, während Lehrer Dreifuß von hier namens des israelitischen Lehrervereins und Bankier Stern von hier namens der Schüler des Verstorbenen demselben warme Nachrufe widmeten. Das hiesige israelitische Kirchenvorsteheramt war durch eine Abordnung bei der Beerdigung vertreten. - Der Antisemitenapostel Dr. Böckel beglückt nun auch Württemberg mit seinen Agitationen. Derselbe sprach letzten Sonntag vor einer zahlreichen Versammlung der württembergischen Antisemiten im Kugelschen Saal in Esslingen. Die Statuten des neuen antisemitischen Vereins wurden beraten, und Herr Welker in Ulm, der vor Kurzem auch in Biberach einen dreistündigen Vortrag hielt, zum Vorstand gewählt. Bis jetzt bestehen in Württemberg 50 antisemitische Ortsgruppen."    

      
      
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Turnuspredigt von Bezirksrabbiner Dr. Engelbert mit Überraschungen (1876) 

Anmerkung: Der liberal eingestellte Bezirksrabbiner Dr. Engelbert ging in großzügiger Weise mit traditionellen Bestimmungen zum Laubhüttenfest um, was ihm diesen kritisch gemeinten Artikel in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" einbrachte.   

Sontheim Israelit 15111876.jpg (62674 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1876: "Sontheim bei Heilbronn. Am zweiten Tag von Sukkot (Laubhüttenfest) hielt der Herr Bezirksrabbiner Dr. Engelbert hier seine Turnuspredigt, wobei der gewiss sonderbare Fall vorgekommen, dass - während die Gemeinde das Gebot des Lulaw (Feststraußes) beim Gottesdienste, wie üblich, erfüllte - der Rabbiner ohne diesen Feststrauß, über welchen er nachher gepredigt, in der Synagoge gestanden und sogar das Lulaw (Feststrauß), welches ihm vorher von einem Gemeindemitglied dargeboten wurde, zurückwies, 'weil er nach seinen Grundsätzen zu Hause Lulaw gebenscht habe'." 

       
       
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum 85. und zum 100. Todestag von Rabbi Mosche Tuwjes aus Sontheim bzw. Rabbi Moses Tobias Sontheimer (1915 / 1930) 
Anmerkung: Rabbiner Mose Tobias (Tubia) Sontheimer (geb. 1755 in Sontheim, gest. 1830 in Hanau): studierte in Fürth (Jeschiwa), 1783 Rabbiner in Leimen und Dajan der Kurpfalz; seit 1795/98 Landesrabbiner der damaligen Grafschaft Hanau, 1824 erster Provinzialrabbiner in Hanau.      

Sontheim FrfIsrFambl 15101915.jpg (757435 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Oktober 1915: 
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. 
Auszug: "Rabbi Moses Tobias war zu Sontheim (bei Heilbronn) geboren und kam schon als kleines Kind zur Erziehung zum bekannten Rabbiner Rabbi Naftali Hirsch Katzenellenbogen in Mergentheim, dem späteren Rabbiner der Hamburger Gemeinde. Dort blieb der Knabe bis zu seinem 16. Lebensjahre und ging dann nach Fürth, wo er in der berühmten Jeschiwah des großen Rabbi Joseph Steinhard sich in seinen talmudischen Kenntnissen vervollkommnete..."   
 
Sontheim Israelit 17101930.jpg (230125 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1930: "Zum hundertjährigen Todestage Rabbi Mosche Tuwjes - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - aus Sontheim.    
Am 4. Tischri dieses Jahres (= 26. September 1930) rundete sich ein Jahrhundert seit dem Tode des letzten Gaon aus Hanau, Rabbi Mosche Tuwje aus Sontheim. Eine ausführlich Biographie dieses großen Rabbi an der Schwelle unseres Jahrhunderts ist anlässlich der Herausgabe eines kleinen Teiles seiner Responsen unter dem Titel Or Penei Mosche im Jahre 1927 im 'Israelit' erschienen. Es sei hier noch kurz registriert, dass Rabbi Mosche Tuwje am 28. Teweth 1753 in Sontheim bei Heilbronn das Licht der Welt erblickt hat und seine erste Erziehung beim damaligen Rabbiner von Mergentheim, Rabbi Naftali Hirsch Katzenellenbogen - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - erhalten hat. Nach seiner Verheiratung ging er in jungen Jahren nach Fürth, wo er zu Füßen von Rabbi Josef Steinhardt, zusammen mit dem späteren berühmten Oberrabbiner von Nickolsburg, Rabbi Mordechai Banett, saß. Er war erst Rabbiner in Leiman (Leimen), verließ die Gemeinde, nachdem eines seiner Gemeindemitglieder seinem Proteste zum Trotz das Geschäft am Sabbat öffnete, und wurde dann Oberrabbiner von Hanau, wo er am 4. Tischri 1830, verehrt von der gesamten Diaspora, seine Seele aushauchte. Die größten Männer seiner Zeit, u.a. Rabbi Mosche Sofer aus Preßburg, bezeichneten ihn als 'Gaon und Fürst, eine Zierde seiner Generation'. Neben dem genannten erschienenen Werke harrt sein ungemein reiches geistiges Erbe auf dem Gebiete der Halacha wie der Homiletik noch der Veröffentlichung. Erst wenn diese Werke im Lichte des Druckes allgemein bekannt werden, wird der Name Rabbi Mosche Tuwjes, eines kongenialen Zeitgenossen von 'Chatam Sofer' und Rabbi Akiba Eger, zu seiner vollen Geltung in der jüdischen Welt gelangen.
Ein Wort Rabbi Mosche Tuwjes zu Bereschit (1. Buch Mose) sei hier wiedergegeben: 'Die Gottesfurcht ist der Anfang der Erkenntnis'. Dieser Satz in Mischli 1,7 erklärt, warum die Tora mit Bereschit (am Anfang) anfängt und nicht, wie die Übersetzer der Septuaginta es ändern mussten, mit Elohim (Gott). 
Im Talmud wird wiederholt betont, dass man bei einem Gelübde, das man für G'tt gelobt, nicht zuerst G'tt sage, wie es auch immer heißt Korban Le... (Opfer für Gott) und nicht umgekehrt. Das dürfte auch der Grund sein, warum unser Lehrer Moses, als er die Tora niederschrieb, nicht gleich mit G'tt beginnen wollte. 
Nun aber wird an mehreren Stellen im Talmud derjenige als wahrer Gottesfürchtiger dahingestellt, der peinlich auf die Ehrung des g'ttlichen Namen bedacht ist, ihn nicht unnütz ausspricht. Der Sinn des angeführten Satzes wäre danach: Anfang der Erkenntnis. Wenn Erkenntnis, das ist die Tora, mit Beginn beginnt und nicht mit dem Gottesnamen, so geschah dies, wie zu Anfang gesagt wird, aus Gottesfurcht, um uns Gottesfurcht einzuprägen, die sich darin ausdrückt, dass man in höchster Ehrerbietung mit dem Namen Gottes umgeht."    
Weitere Artikel auf der Textseite zu den Rabbinern in Hanau

     
Über den aus Sontheim stammenden Bildhauer Albert Güldenstein (Berichte von 1847 / 1859 / 1886)  
Anmerkung: Albert Güldenstein (geb. 1822 in Sontheim, gest. 1891 in Stuttgart), Bildhauer: machte sich in Stuttgart durch etliche Werke (zum Beispiel Tiergruppen in der Wilhelma und im Rosensteinpark, in Heilbronn durch die allegorische "Heilbronnia" (am Fleinertorbrunnen von 1860-1904) einen Namen; die "Güldenstein-Straße" ist nach ihm benannt. 
Vgl. Wikipedia-Artikel zu Albert Güldenstein.       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. September 1847: "Stuttgart, im September (1847). Je weniger bis jetzt sich Juden in der Bildhauerkunst ausgezeichnet haben, desto erfreulicher ist es, gegenwärtig einen Solchen in dem Herrn Albert Güldenstein, dem Bruder des Rabbiners Güldenstein in Buchau, nennen zu können. Soeben hat er wieder einen ehrenvollen Auftrag von Seiner Majestät dem Könige erhalten, eine kolossale Tiergruppe auszuführen".     
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Mai 1859: "Jebenhausen, April (1859). (Kunstbericht von Alexander Elsäßer). Albert Güldenstein wird immer mehr und mehr unter dem Volke als tüchtiger Künstler gefeiert. Unsere gelesenste schwäbische Zeitung, der Merkur, brachte in seinen Spalten schon mehrere rühmende Berichte über seine Leistungen. Freiherr von Wiesenhütten ließ durch Güldenstein seiner im vorigen Jahre verstorbenen Gemahlin ein Denkmal fertigen; dasselbe ist in gotischem Stile ausgeführt, 10' hoch und trägt zwei Marmortafeln. Die eine Tafel ist der Erinnerung an seine Gattin geweiht, die andere hat der Freiherr sich selbst vorbehalten, da er dereinst an der Seite derselben das müde Haupt niederzulegen gedenkt. - Es ist erfreulich, dass einem Künstler von jüdischem Bekenntnis es vorbehalten blieb, diesem edlen Paare das Denkmal zu fertigen, da der Freiherr von Wiesenhütten durch seine Humanität gegen Israeliten sich besonders auszeichnet. So hat er in Frankfurt Hunderttausende zur Gründung einer Sanitätsanstalt gespendet, mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass kein konfessioneller Unterschied bei der Aufnahme in dieselbe gelten darf. - Von Heidenheim lässt der schwäbische Merkur unter dem 21. März berichten: 'Am gestrigen Sonntag Nachmittag ist das zum ehrenden Gedächtnis des seligen Dekans Wurm durch freiwillige Liebesgaben der Gemeinde und Diözese errichtete Grabmonument durch eine feierliche Rede der Gemeinde übergeben worden. Dieses Denkmal wird fortan eine wahre Zierde unseres schön gelegenen Gottesackers bilden und macht den Stiftern wie dem kunstgeübten Meister, Bildhauer Güldenstein in Stuttgart, alle Ehre. Der wackere Künstler hat uns ein Werk geschaffen, das in seiner wahrhaft edlen Form seiner Aufgabe trefflich entspricht und die allgemeinste Zufriedenheit und Bewunderung erregt.' - Für Reutlingen fertigte Güldenstein ein Grabdenkmal, das besonders seiner schönen Auffassung wegen Bewunderung verdient. Ein Friedensengel bewacht das Grab, auf seinem Gesicht ruht göttlicher Frieden, der Finger deutet gegen den Himmel und die Schwingen sind zur Himmelfahrt gehoben. Aus dem ganzen Bilde spricht glaubensfrohe Frömmigkeit und nicht die sonst so oft durch Meisel und Pinsel dargestellte kränkelnde Sentimentalität. - Es ist zu bedauern, dass unser jüdisches Publikum zu wenig Interesse an Kunstproduktionen nimmt, wenn sie durch seine Unterstützung ausgeführt werden sollen. Durch die Eisenbahnen ist die Versendung von Skulpturen so erleichtert, dass Aufträge aus allen deutschen wie fremden Staaten von Güldenstein gern ausgeführt werden könnten und auf seine Gefahr an Ort und Stelle gebracht würden."         
 
Sontheim AZJ 16031886.jpg (192658 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1886: "Vom Neckar, im Februar (Neckar-Zeitung) [Kunstgeschichtliches.] Ein jüdischer Bildhauer. In einem Bericht aus Laupheim über die im Monat Januar dieses Jahres daselbst abgehaltene Mendelssohn-Feier wird auch darauf hingewiesen, dass sich dessen Portrait-Medaillon auf der östlichen Giebelseite des dortigen neuen israelitischen Schulhauses vorfinde. Dieses gelungene Werk stammt aus den Händen eines Künstlers, welcher am 3. Januar 1822 in Sontheim bei Heilbronn geboren wurde. Sein Name ist Albert Goldenstein und sein Aufenthaltsort schon seit 1849 Stuttgart. Er war zuerst Graveur in der Bruckmann’schen Silberwarenfabrik. Nach mehreren Jahren begab er sich als Ziseleur nach München in das Atelier des berühmten Professors Schwanthaler daselbst, welcher ihn zur Ausführung von Bildhauerarbeiten verwendete. 1843 kehrte Güldenstein nach Stuttgart zurück und modellierte in der dortigen Kunstschule unter Professor Theodor von Wagner ein Relief, eine Szene aus der Sintflut darstellend, was ihm ein Staatsstipendium zu einer Reise nach Berlin verschaffte, die er zur Bewerbung um den von Michael Beer für Bildhauer israelitischer Religion behufs ihrer weiteren Ausbildung in Italien ausgesetzten Preis unternahm. Er erhielt solchen im Jahr 1845 und trat 1847 die Reise nach Rom an. In Italien vollendete er eine Tiergruppe, wozu er den Auftrag von König Wilhelm erhalten hatte. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: drei durch große Naturwahrheit ausgezeichnete Tiergruppen für die Wilhelma bei Stuttgart, (Hirsch, von Wölfen angefallen, Bären- und Schweinehatz), eine Triumphfonthaine des Kaisers Napoleon III., Skulpturen der Kreditbank in Zürich und der Figurenschmuck des Brunnens für die Villa des Kronprinzen bei Berg-Cannstatt).    
Anmerkung: Ein Bruder dieses Bildhauers war der verstorbene Rabbiner Güldenstein in Buchau am Federsee, ein wahrhaft humaner und tüchtiger Seelsorger. Er nahm an der Rabbinerversammlung zu Frankfurt am Main (1845) tätigen Anteil. In unserer Erinnerung lebt er als unser erster Korrespondent, der gleich nach Erscheinen des ersten Heftes unseres ‚Israelitischen Predigt- und Schulmagazins’ einen begeisterten Brief an uns richtete. Er studierte damals (1834) jüdische Theologie in Tübingen. Wie oft sprach er seine Freude über die schönen Erfolge seines Bruders, des Bildhauers, aus! Redaktion."  

  
Spende des Salomon Israel'schen Ehepaares für gemeinnützige Zwecke (1912)  

Sontheim FrfIsrFambl 28061912.jpg (21335 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1912. "Sontheim bei Heilbronn. Anlässlich seiner goldenen Hochzeit übergab das Salomon Israel’sche Ehepaar dem Schultheißenamte 2.200 Mark für gemeinnützige Zwecke."

      
Über Hermann Wolf   

Hermann Wolf (1862-1926), langjähriger Teilhaber der Mechanischen Schuhfabrik Wolf & Co.; die Firma wurde 1889 von Salomon Israel in Öhringen gegründet; 1891 nach Sontheim übergesiedet; Anfang des 20. Jahrhunderts über 800 Arbeitern (1906), 1928 1.110 Arbeiter. 1938 "Arisierung" der Firma; die Firma bestand bis Ende der 1960er-Jahre. Die Straße zum ehemaligen jüdischen Altersheim "Wilhelmsruhe" trägt heute seinen Namen. Die Gebäude der Firma wurden seit 1977 abgebrochen; das Grundstück ist heute mit Einfamilien-Reihenhäusern bebaut (Hofgartenstraße).  
Hinweis: bei Wikipedia besteht ein Artikel über die Schuhfabrik Wolko (Sontheim)  

   
  

Über das Israelitische Landesasyl "Wilhelmsruhe" in Sontheim  
Rechenschaftsbericht des "Israelitischen Landesasyl- und Unterstützungsvereins" (1900)   
Anmerkung: In diesem Rechenschaftsbericht ist erstmals davon die Rede, dass das Landesasyl in Heilbronn oder Umgegend errichtet werden soll. 

Sontheim Israelit 28031901.jpg (107944 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1901: "Aus Württemberg. Der ‚Israelitische Landesasyl- und Unterstützungsverein’ in Stuttgart hat seinen Rechenschaftsbericht pro 1. Januar bis 31. Dezember 1900’ versandt. Darnach ist das Vereinsvermögen in dieser Zeit von Mark 61.584,17 auf Mark 80.047,58 angewachsen. Die ordentlichen Jahresbeiträge belaufen sich auf Mark 5.370,590. Der Verein wurde auch durch Zusendungen von Ihren Majestäten dem König und der Königin gnädigst unterstützt.   
In nicht allzu ferner Zeit soll das Asyl erstellt werden. Eine Kommission hat zu dem Zweck in Heilbronn und Umgegend Einsicht von einigen Anwesen genommen. Der allgemeine Wunsch geht dahin, es möchte möglich werden, das Asyl in Heilbronn selbst, aber ja nicht in einer absterbenden Kleingemeinde seiner Umgebung unterzubringen.  
Die Generalversammlung und Ergänzungswahl des Ausschusses findet am kommenden Sonntag, den 31. März, in Stuttgart statt.   
Die Loge in Stuttgart und der Wohltätigkeitsverein in Heilbronn haben Aufrufe an alle Gemeinden ergehen lassen, in denen sie israelitische Mädchen suchen, die sich zu Krankenpflegerinnen ausbilden lassen wollen. Bis jetzt hatten die Aufrufe noch sehr geringen Erfolg. Und doch wäre es zu wünschen, dass sich israelitische Mädchen in größerer Zahl dem edlen Berufe der Krankenpflegerin zuwenden würden, insbesondere, da auch ausreichende Versorgung versprochen ist. S."    

 
Ein Grundstück für das Israelitische Landesasyl konnte gefunden werden (1901)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1901:  "Stuttgart, 14. November (1901). Israelitisches Landesasyl. Gemäß eines in der letzten Ausschusssitzung des 'Israelitischen Landes-Asyl- und Unterstützungsvereins' einstimmig gefassten Beschusses wurde ein in herrlicher und gesunder Lage befindliches, fünf Morgen großes Areal auf der Gemarkung Sontheim bei Heilbronn angekauft, wodurch die längst als Bedürfnis empfundene Errichtung eines Asyls für alte und erwerbsunfähige Israeliten Württembergs ihrem Ziele näher gerückt ist. Mit dem Bau selbst soll erst begonnen werden, wenn das Grundstücks-Vermögen die statuarisch heirfür vorgeschrieben Höhe erreicht hat. Zu diesem Zwecke sei an alle Freunde und Gönner in sTadt und Land die Bitte gerichtet, dem Vereine weitere Beiträge und Spenden zuzuwenden."       

 
Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Landesasyls (1902)  
Anmerkung: Nach diesem Bericht stand im April 1902 der Beschluss, das Landesasyl in Sontheim zu bauen; ein Baufonds zur Sammlung der Gelder war angelegt worden. 

Sontheim Israelit 14041902.jpg (73547 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1902: "Stuttgart, 6. April (1902). Gestern Abend fand in den schönen Sälen des Königsbaues zum besten des Baufonds für das israelitische Landesasyl in Sontheim, ein sehr zahlreich besuchtes Wohltätigkeitsfest statt, um dessen Gelingen sich eine große Anzahl Damen und Herren bereitwilligst bemühten. Prof. Dr. Gerstmann*, der Dramaturg unseres Hoftheaters, hatte hierzu einen schwungvollen Prolog gedichtet. Das herrliche Fest nahm einen schönen Verlauf, und der finanzielle Erfolg wird wohl ein recht beträchtlicher sein. Ihre Majestäten der König und die Königin erfreuten den Verein durch einen huldvollen Beitrag von je 100 Mark." 
*Anmerkung über den genannten Prof. Dr. Gerstmann: Dr. Adolf Gerstmann (geb. 31. Juli 1855 in Ostrowo, Provinz Posen, gest. 30. Oktober 1921 in Stuttgart und beigesetzt im Israelitischen Teil des Pragfriedhofes war von 1893 bis 1908 und von 1914 bis 1916 Dramaturg des Königlichen Hoftheater in Stuttgart; er war bereits seit 1891 Professor und Geheimer Hofrat; verfasste viele Bühnenwerke, Romane und Novellen" 

   
Wohltätigkeitsfest für das Landesasyl - im Herbst 1904 sollen die Bauarbeiten beginnen (1904)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904: "Stuttgart, 12. April (1904). Der israelitische Landes-Asylverein für Württemberg gedenkt in Sontheim ein israelitisches Landesasyl zu errichten; kommenden Herbst wird mit den Grabarbeiten begonnen werden. Zur Stärkung des Baufonds fand Samstagabend im Königsbau ein Wohltätigkeitsfest statt, das von weit über 1000 Personen besucht war und eine große Summe für den Verein erzielte."       

  
Die Fertigstellung des Landesasyls steht bevor (1906)
  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. November 1906: "Stuttgart. Das Landesasyl in Sontheim bei Heilbronn, das dazu bestimmt ist, alten und erwerbsunfähigen Israeliten des Landes Aufnahme zu gewähren, ist so weit im Bau vorangeschritten, dass die Einweihung nächstes Frühjahr stattfinden dürfte. Das Gebäude ist von einem abgeschlossenen Garten umgeben und ist zweckentsprechend eingerichtet. In einem dem Vereinsvorstand zugegangenen Kabinettschreiben hat der König bestimmt, dass das Asyl den Namen 'Wilhelmsruh' führen soll. Eine Reihe von Gönnern der Anstalt hat bereits die Mittel für die Einrichtung einzelner Zimmer zur Verfügung gestellt."      

   
Rechenschaftsbericht des "Israelitischen Landesasyls" (1907)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. März 1907: "Sontheim am Neckar. Nach dem eben erschienenen Rechenschaftsbericht des 'Israelitischen Landesasyls' beträgt der Wert der Immobilien des Asyls 'Wilhelmsruhe' Mark 85.374.46. Die gegenwärtige Finanzlage gestattet für den Anfang nur die Aufnahme einer beschränkten Anzahl von Pfleglingen. Die Einweihung steht bis zum Frühjahr in sicherer Aussicht. An einzelnen Asylantenzimmern sind 33 vorhanden."       

 
Einweihung des Württembergischen Landesasyls Wilhelmsruhe (1907)  

Sontheim Israelit 30051907.jpg (234050 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1907: "Sontheim, 22. Mai (1907). An die israelitische Waisenanstalt Wilhelmspflege in Esslingen hat sich nunmehr ein weiteres humanitäres jüdisches Institut, das Württembergische Landesasyl Wilhelmsruhe in Sontheim, würdig angereiht. Die Einweihung desselben gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Nachdem nach 12-jähriger rühriger Tätigkeit des Ausschusses des israelitischen Landesasyls der Gedanke, ein Altersheim in Württemberg für württembergische ältere erwerbsunfähige Israeliten männlichen und weiblichen Geschlechts zu gründen, vor einigen Tagen durch die Vollendung eines auf einer Anhöhe mit weithin schauender Aussicht in nächster Nähe des hiesigen Ortes gelegenen schönen Baues sich verwirklicht hatte, versammelten sich jetzt die Mitglieder des Ausschusses, viele geladenen Gäste und ein zahlreiches Publikum aus Nah und Fern, um die Feier der Einweihung festlich zu begehen. In goldenen Buchstaben leuchten am Hauptportale die Worte: (hebräisch und deutsch: ‚In euren Versammlungen soll ihr ihn loben und in dem Asyl der Alten sollt ihr ihm Lob singen’). Gegen 12 Uhr mittags wurde die Feier im Anstaltsgebäude durch Gesang und Ansprachen eröffnet. Zunächst richtete Herr Architekt Früh, der Erbauer des Asyls, einige entsprechende Worte an die Versammlung. Darauf sprach Herr Vorsteher Spiegelthal Worte des Danks für alle, die mit Rat und Tat zur Erstellung des Baus beigetragen haben. Nach dem Eintritt in das Gebäude begrüßte Kirchenrat Dr. Kroner Herrn Regierungsrat Dr. Krauß als Vertreter des Ministers, ferner den Vertreter der Zentralstelle für Wohltätigkeit, Oberregierungsrat Falch, den Präsidenten des Medizinalkollegiums Nestle, den Oberregierungsrat Lang, den Ortsschultheißen von Sontheim, die Gemeindekollegien von Sontheim, die Geistlichen des Orts, den Rabbiner des Bezirks, sowie alle anderen Erschienenen. Darauf übermittelte Regierungsrat Dr. Krauß die Grüße und Glückwünsche des Königs, der lebhaft bedaure, an dem Feste nicht selbst haben teilnehmen zu können. Das gemeinnützige Bestreben, das sich in der Errichtung der Anstalt offenbare, habe die lebhafte Anerkennung des Königs gefunden, als Ausdruck dieser Anerkennung habe Seine Majestät dem Vorstand Spiegelthal die Olga-Medaille, und dem Architekten Früh den Titel Baurat verliehen. Auch sei er beauftragt, die Grüße und Glückwünsche des Ministers zu übermitteln. Oberregierungsrat Lange, Heilbronn, gratuliert ebenfalls und wünscht, dass das Haus den heimatlosen ein sicherer Hafen nach den Stürmen des Lebens werden möge. Als Vorstand der bürgerlichen Kollegien Sontheims verlieh Schultheiß Lutz seiner Frede beredten Ausdruck, dass Sontheim als Sitz des Asyls gewählt wurde, er übernehme das Haus in seine Obhut. Die Geistlichen überbrachten die Glückwünsche ihrer Gemeinden. Herr Kirchenrat Dr. Kroner gab dann in großen Zügen ein Bild dessen, was man gewollt und erreicht habe. Die Herren Spiegelthal und Früh dankten für die überlieferten Orden. Mit einem Hoch auf den König war dieser Teil der offiziellen Feier beendigt. Der Rabbiner Dr. Kahn und Lehrer Kulb nahmen die Einweihung des Betsaales vor. Mit einem Rundgang durch das Gebäude schloss die Feier." 

  
Kaufmann Julius Spiegelthal wird ausgezeichnet (1907)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juni 1907: "Heilbronn. Anlässlich der Einweihung des israelitischen Landesasyls Wilhelmsruhe in Sontheim wurde dem Kaufmann Julius Spiegelthal die Karl-Olga-Medaille in Silber verliehen."          


Chanukkafeier im Landesasyl (1910)  

Sontheim Israelit 05011911.jpg (101508 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1911: "Sontheim – Heilbronn, 26. Dezember (1911). Im Landesasyl ‚Wilhelmsruhe’ fand heute eine würdige Chanukka-Feier statt, die in allen Teilen harmonisch verlief. Eröffnet wurde die Festlichkeit durch einen schön gesprochenen Prolog des Herrn Gerhard Wolf, Sontheim. Musikalische Vorträge wechselten mit humoristischen und ernsten Rezitationen ab und wurde nach inhaltsreicher Ansprache des Herrn Israel sen. das zahlreich erschienene Publikum mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Nachdem sodann im Betsaal die Chanukkalichtlein angezündet und das altehrwürdige Moaus-Zur angestimmt wurde, harrte der Insassen eine Überraschung. Auf Tischen geordnet lagen zahlreiche nützliche Geschenke, die den alten Leuten durch Frau Fabrikant Hermann Wolf überreicht wurden. Um das Gelingen der schönen Veranstaltung, die von annähernd 200 Personen besucht war, machten sich außer Herrn Israel sen. Noch das Ausschussmitglied Herr Rentner Louis Reis, der mit Eifer für die gute Sache tätig war, sehr verdient. Ganz besonderes Lob sei noch Herrn und Frau Verwalter Schloß gespendet, die in unermüdlicher Tätigkeit mit Lust und Liebe alle Vorbereitungen aufs beste getroffen hatten."

  
Spende des württembergischen Königspaares zugunsten des Israelitischen Asyl- und Unterstützungsvereines (1911)  

Sontheim Israelit 13071911.jpg (35978 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1911: "Stuttgart, 5. Juli (1911). Unser Königspaar hat von der gelegentlich seiner silbernen Hochzeit gesammelten und den Majestäten als Ergebnis des Blumentages zur Verfügung gestellten Spende im Betrage von 540.000 Mark die Summe von 10.000 Mark für den Israelitischen Asyl- und Unterstützungsverein in Württemberg bestimmt."   
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juli 1911: "Aus Stuttgart wird gemeldet: Der König hat im Einverständnis mit der Königin von dem Erträgnis des Blumentags in Württemberg 18.000 Mark dem jüdischen Altersasyl in Sontheim bei Heilbronn zugewendet und damit die gleich paritätische Praxis beobachtet, wie bei der bereits gemeldeten Verwendungsbestimmung über die Silberhochzeitsspende des Königspaares". " 

  
Das Landesasyl sucht einen Verwalter/eine Verwalterin (1911)  

Sontheim Israelit 14091911.jpg (94402 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1911: "Israelitisches Landesasyl 'Wilhelmsruhe' in Sontheim bei Heilbronn (Württemberg).   
Die Stelle eines Verwalters oder einer Verwalterin ist an unserer Anstalt durch ein Ehepaar oder eine Oberin auf 1. Dezember dieses Jahres oder später neu zu besetzen.   
Bewerber beziehungsweise Bewerberinnen müssen mit der Führung der rituellen Küche und des übrigen gesamten Hauswesens sowie mit der Krankenpflege vertraut sein und sollen schon ähnliche Stellungen bekleidet haben.   Schriftliche Bewerbungen unter Beilage von Zeugnissen und kurzer Beschreibung des Lebenslaufs sind bis spätestens Ende September dieses Jahres an die Adresse unseres Schriftführers Herrmann Simon, Stuttgart, Olgastraße 107, einzusenden. Der Ausschuss."  
  
Sontheim AZJ 15091911.jpg (23352 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1911: "Für das Israelitische Landesasyl 'Wilhelmsruhe' in Sontheim bei Heilbronn (Württemberg) wird zum 1. Dezember dieses Jahres ein Verwalter oder Verwalterin gesucht. Näheres hierüber ist im Inseratenteil dieser Nummer angegeben."  

  
Rechenschaftsbericht des Landesasyl- und Unterstützungsvereins (1917)  

Sontheim AZJ 24051918.jpg (90389 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Mai 1918: "Stuttgart, 16. Mai. Der Unterstützungsverein für arme Israeliten im Lande, dessen Asyl in Sontheim bei Heilbronn ist, versendet seinen 21. Rechenschaftsbericht über das Jahr 1917. Die Anstalt hat 22 Insassen und sind im Betriebsjahre 2 verstorben und 2 ausgetreten. Neuaufnahmen fanden nicht statt. Der Betrieb konnte, wenn auch mit Schwierigkeiten wegen der Lebensmittel, aufrecht erhalten werden. Der Kassenbericht stellt sich günstig und schließt Toraspenden ein und 11.238 Mark aus Stiftungen und außerordentlichen Zuwendungen an den Verein. Es ist dem Ausschuss auffällig, dass manche Gemeinden so wenig leisten und ersucht die betreffenden Gemeindegenossen, dem edlen Zwecke des Vereins ihre Hilfe angedeihen zu lassen. 15 Personen im Lande erhielten gleichfalls Unterstützung im Betrage von 860 Mark. Verschiedene Personen aus Heilbronn, Sontheim und Stuttgart gaben Geschenke an Lebensmittel, Weil, Möbel und Geld für arme Israeliten."  

  
Rechenschaftsbericht des Landesasyl- und Unterstützungsvereins (1919)  

Sontheim Israelit 10061920.jpg (152452 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1920: "Stuttgart, 31. Mai (1920). Der 23. Rechenschaftsbericht des Israelitischen Landesasyl- und Unterstützungsverein für Württemberg e.V., über das Jahr 1919 gelangt soeben in vereinfachter Form zur Ausgabe. Es ist dies das 13. Jahr seit Eröffnung des Heims zu Sontheim bei Heilbronn und hatte auch dieses Haus unter dem Elend des wirtschaftlichen Lebens zu leiden. Nur mit Mühe konnten die Schwierigkeiten überwunden werden. Gesuche um Neuaufnahmen wurden zahlreich gesandt, doch zufolge der Zustände konnten nur vier berücksichtigt werden, sodass die Zahl der Pfleglinge 25 beträgt. Gestorben ist eine Einwohnerin des Hauses im Alter von 79 Jahren, nachdem sie sich acht Jahre hier aufgehalten. Im Ausschuss sind viele Änderungen erfolgt, fünf Mitglieder sind freiwillig zurückgetreten und machten jüngeren Kräften Platz. Die Zurückgetretenen wurden zu Ehrenmitgliedern beziehungsweise zum Ehrenvorstand ernannt. Aus der Betriebsrechnung ist hervorzugeben: Jahresbeiträge gingen ein 8.116 Mark, Toraspenden 8618 Mark, Verpflegungsbeiträge 16150 Mark, Zinsen 5629 Mark, dagegen betrugen die Ausgaben: 62.194 Mark, darunter die Lebensmittel mit 27,858 Mark, Dampfheizung 9.931 Mark, Gehälter 5.488 Mark, Zentralverwaltung 2.176 Mark und Unterstützungen 645 Mark, sodass sich ein Abmangel von 23.601 Mark ergibt. Zur Deckung desselben soll eine außerordentliche Sammlung veranstaltet werden. Die Vermögensaufstellung ergibt am 31. Dezember 1919 255.307 Mark, wobei das Grundstück mit 70.000 Mark berechnet ist, das Kassenkonto sich auf 15.519 Mark beläuft, ein Bankkonto von 43.503 Mark vorhanden ist und Wertpapiere im Werte von 126.282 Mark sich vorfanden."  

    
    
Sonstiges 

Umschlag eines Briefes des Israelitischen
 Kirchenvorsteher-Amtes Sontheim (1893) 
 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim / Ries)  
Sontheim Dok 140504.jpg (231259 Byte) Sontheim Dok 140504a.jpg (206323 Byte)

Der Brief (nur Umschlag erhalten) wurde an die Verwaltung der israelitischen Central-Kirchenkasse  vom Israelitischen Kirchenvorsteher-Amt Sontheim am 25. Januar 1893 verschickt. Zum Geschäftsbereich der 1832 errichteten Israelitischen Oberkirchenbehörde gehörte auch die Verwaltung der zur gleichen Zeit errichteten Israelitischen Zentralkirchenkasse.
vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Israelitische_Religionsgemeinschaft_Württembergs und https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=17569.  

      
      
      

Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge      
   
Betsaal im Ort. Eine Synagoge (Betsaal) bestand bereits 1672 im Haus des Juden David. Als Erbauer oder Stifter dieser Synagoge wird in dem 1732/33 geschriebenen Memorbuch der Gemeinde Wolf, Sohn des Simchah Josef, genannt, der am 18. Siwan 5462 (1702) in Sontheim gestorben ist.  
   
1773 wurde am "Judengängle" (zwischen Deinenbachstraße und Hauptstraße) eine neue Synagoge erbaut. Es war Simon, Sohn des Josef Wolf, der in seinem Haus eine Synagoge einbauen ließ und sie als Stiftung der israelitischen Gemeinde übergab. 1827 wurde das Gebäude abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Da in den 1850-Jahren auch die in Horkheim und Heilbronn lebenden Juden zur Sontheimer Gemeinde gehörten, wurden im Sommer 1857 bauliche Veränderungen am Synagogengebäude vorgenommen, die die Gemeinde 600 Gulden kostete. Dazu gehörte auch ein Neuanstrich des gesamten Holzwerkes. Sie erhielt dafür einen staatlichen Zuschuss von 60 Gulden. 
    
Noch einmal wurde 1910 das Synagogengebäude gründlich renoviert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Kriegsgefangenenlager zweckentfremdet, nach 1949 als Wohnhaus. Anfang 1985 wurde es im Zusammenhang mit der "Ortssanierung" abgerissen.
   
Betsaal im Landesasyl. In dem 1907 eingeweihten Altersheim (bzw. "Landesasyl") "Wilhelmsruhe" wurde gleichfalls ein Betsaal eingerichtet. 1937 erhielt das Landesasyl einen stattlichen Erweiterungsbau für weitere 30 Bewohner, in dem auch ein neuer Betsaal eingerichtet wurde. Die Architekten Oskar Bloch (gest. 6. Januar 1937) und Regierungsbaumeister Ernst Guggenheim hatten den Bau geplant. Der Betsaal war "ein besonderer Glanzpunkt des Neubaus" (Gemeindezeitung vom 1.10.1937). Er wurde "in heller, warmer Holztönung" gehalten "mit matten Glasfenstern, die in Reliefschliff die Worte aus Psalm 103 wiedergeben: ‚Preise meine Seele den Ewigen, und vergiss nicht alle seine Wohltaten". Die Halle des Neubaus und der Betsaal waren durch eine Schiebetüre miteinander verbunden und konnten zu einem großen Raum vereint werden. 
   
In der Pogromnacht 1938 wurde die Inneneinrichtung des Altersheimes von Heilbronner NSDAP-Mitgliedern zerschlagen. Sämtliche Beleuchtungskörper wurden heruntergeschlagen und das Geschirr zertrümmert, sodass am folgenden Tag für 100 Personen nur noch drei Tassen zu Verfügung standen. 30 Gläser mit Eingemachtem wurden auf einen Haufen geschüttet. 
     
Ende November 1940 musste das Heim zwangsgeräumt werden; die Insassen wurden in andere Altersheime oder Orte verbracht. 36 der Insassen kamen nach den Deportationen ums Leben, teilweise schon im Zusammenhang mit den "Euthanasie"-Aktionen. In der "Wilhelmsruhe" brachte man Familien von Schwerbeschädigten unter, seit 1946 war hier die Städtische Frauenklinik, danach eine Nachsorgeklinik. 2001 wurde die "Wilhelmsruhe" zu einer Schule für Erziehungshilfe (die heutige Alice-Salomon-Schule) umgebaut; im Foyer wird der Geschichte des ehemaligen jüdischen Altersheimes gedacht (Hermann-Wolf-Straße 31). 
 
Link zur Website der "Alice-Salomon-Schule"        
   
   
   
Fotos 
Historische Fotos 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S.122-123) 

Sontheim Synagoge 002.jpg (88153 Byte) Sontheim Synagoge 001.jpg (84581 Byte)
Außenansicht: Blick zum Eingang 
von der Westseite
Innenansicht: Blick zum Almemor 
und Toraschrein

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1983:
(Fotos: Hahn)
Sontheim Synagoge 100.jpg (65427 Byte) Sontheim Synagoge 101.jpg (75405 Byte)
    Außenansicht auf das inzwischen
 heruntergekommene Gebäude
Der alte 
Eingangsbereich
     
Sontheim Plan01.jpg (94372 Byte) Sontheim Synagoge 102.jpg (85978 Byte) Sontheim Synagoge 103.jpg (81848 Byte)
Ausschnitt aus dem Primär-Kataster
 Sontheim: das
Synagogengebäude liegt zwischen
 Deinenbach und "Judengängle" 
Die Synagoge befand sich in 
dem linken Gebäude
Im alten "Judengängle" am
 ehemaligen Synagogengebäude
      
     
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn)
Sontheim Synagoge 151.jpg (78699 Byte) Sontheim Synagoge 152.jpg (91479 Byte)
   Ähnliche Blickrichtung wie oben. Das
 Synagogengebäude war an Stelle der
 Bäume links des erhaltenen Hauses 
Das Synagogengrundstück als
 terrassenförmige Anlage 
am Deinenbach 
     
Sontheim Synagoge 153.jpg (96665 Byte) Sontheim Synagoge 150.jpg (76022 Byte) Sontheim Synagoge 154.jpg (61161 Byte)
Der Gedenkstein  Die Gedenkinschrift  Das "Judengängle" ist geblieben 

    
    
Texte zur Diskussion um den Abbruch der ehemalige Synagoge 1982/84  

Im Osten ermordet: Die letzten Eigentümer des Sontheimer Gebetshauses -  Artikel von Siegfried Schilling in der "Heilbronner Stimme" vom 31.12.1983: "Über die Zukunft des früheren jüdischen Gebetshauses im Heilbronner Stadtteil Sontheim, das vor drei Jahren von der Stadt gekauft und momentan zum Wohnen an ein türkisches Ehepaar vermietet ist, wurde noch keine endgültige Entscheidung gefällt. Derzeit prüft das Regierungspräsidium Stuttgart die von der Stadt Heilbronn beantragte Abbruchsgenehmigung.
"Die Verwaltung ging bisher weiterhin davon aus, dass das ehemalige jüdische Gebetshaus in Sontheim, Hauptstraße 36/1, entsprechend den Festlegungen im bebauungsplan abgebrochen wird." So lautet die Antwort des städtischen Amtes für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung, zuständig für die Bodenpolitik im Zusammenhang mit der Sontheimer Ortskernsanierung, auf eine Anfrage von SPD-Stadtrat Friedrich Niethammer im Gemeinderat. Nicht erteilt worden sei die "bereits vor längerer Zeit beantragte Abbruchsgenehmigung der Gebäude Hauptstraße 36 und 36/1", da das Regierungspräsidium nach einem Einwand des Landesdenkmalamtes von der Stadt erst noch eine Aussage über den Bauzustand und die erforderlichen Aufwendungen, die zur Wiederherstellung notwendig wären, angefordert habe. So berichtet das Amt weiter und erklärt, das frühere Gebetshaus würde dann abgebrochen, wenn das Stuttgarter Präsidium seine Zustimmung erteile. Und: "Sollte dies nicht der Fall sein, wird die Verwaltung wieder berichten.
"  
   
Leserbrief in der "Heilbronner Stimme" vom 7. Januar 1984 von Dr. Joachim Hahn: "Stadtgeschichte. Zu: Die Zukunft der ehemaligen Sontheimer Synagoge; vom 31.12.83: Das Gebäude der früheren Sontheimer Synagoge am Deinenbach sollte unbedingt erhalten bleiben. Es ist eines der letzten Häuser, das an die lange Geschichte der Juden aus Heilbronn und seiner unmittelbaren Umgebung erinnern kann. Gedenktafeln (wie in Heilbronn an der Allee) sind für den Betrachter lange nicht so eindrucksvoll wie ein Gebäude, in dessen alten Mauern jahrzehntelang Gottesdienste gefeiert wurden. Andere Bauten in Sontheim, die diese Rolle des Erinnerns übernehmen könnten - die ehemalige jüdische Schule oder die reizvollen Häuser mit den hebräischen Inschriften an der Hauptstraße -, sind ja leider bereits Opfer der Planierraupe geworden. Stellvertretend für diese schon abgerissenen Häuser des alten Sontheims kann die ehemalige Synagoge ein bedeutendes Stück Geschichte für die Zukunft bewahren. Es dürfte zahlreiche Möglichkeiten geben, das Haus zu nutzen. Im ehemaligen Betsaal könnte ein Gemeinschaftsraum (z.B. Seniorentreff, Teestube o.ä.) eingerichtet werden, wo Bilder an der Wand an das alte Sontheim und seine (vor allem auch jüdische) Geschichte erinnern. Ein wunderschönes Vorbild für eine mögliche Restaurierung des Inneren könnte die zur Zeit noch in Wiederherstellung befindliche ehemalige Synagoge in Michelbach/Lücke sein. Dass sich die sozialdemokratische Fraktion im Heilbronner Rat für die Restaurierung der Synagoge in Obersulm-Affaltrach engagieren will, ist zwar begrüßenswert, aber Obersulm ist nicht Heilbronn und gerade im Stadtgebiet Heilbronns bedarf es des Engagements für Gebäude, die die so reiche Geschichte der Stadt und ihrer Stadtteile bewahren können. 

    

Links und Literatur   

Links:    

Website der Stadt Heilbronn  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Sontheim   

Literatur 

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 101ff.

Wolfram Angerbauer, Hans Georg Frank: Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. 1986. S. 213-221.

Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. 1962. Zu Sontheim insbesondere Seite 168-181. 

synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 

  
   
Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Sontheim 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Sontheim (teilweise mit Horkheim und Talheim) sind vorhanden:  
J 386 Büschel 521: Sterberegister 1842 bis 1925  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446741 
J 386 Büschel 522: Familienbuch 1812 bis 1869:  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446742 
J 386 Büschel 523: Familienbuch 1811 bis 1861:  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446743  
J 386 Büschel 524: Leichenregister für den Friedhof Sontheim 1893 bis 1902: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446744 
J 386 Büschel 525: Geburtsregister Sontheim und Horkheim 1856 bis 1918: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446745 
J 386 Büschel 526: Familienbuch 1811 bis 1922:  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446746  
J 386 Büschel 527: Familienbuch 1786 bis 1869:  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446747  
J 386 Büschel 528: Sterberegister Sontheim - Talheim - Horkheim 1842 bis 1892:  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446748  
J 386 Büschel 529: Leichenregister für den Friedhof Sontheim 1843 bis 1892: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446749 
J 386 Büschel 530: Trauungsregister Sontheim und Horkheim 1856 bis 1922 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446750   

      
  
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   

Sontheim  Wuerttemberg. The early Jewish settlement was attacked in the Rindfleisch massacres of 1298 and again in 1304. The permanent settlement dates from the second half of the 16th century, when seven families expelled from Heilbronn lived there. The Jews prospered in the 18th century as cattle and horse traders though still under the yoke of the Teutonic Order with its heavy taxation. Under Wuerttemberg rule from 1805, the Jews expanded their economic base, setting up a spinning mill and shoe factory. The Jewish population reached a peak in 1903 (10 % of the total) with accelerated emigration setting in in the second half of the 19th century. The 60 Jews of neighboring Horkheim were also part of the community from 1832 (dwindling to 17 in 1910). a Jewish school was founded in the 1830s and in 1907 the Wilhelmsruhe Old Age Home opened. When the Nazis came to power in 1933, 31 Jews remained in Sontheim, immediately subjected to severe persecution. The old age home became a rufuge for pensioners throughout southwest Germany, sometimes housing as many as 150. It was seriously vandalized by the SA on Kristallnacht (9-10 November 1938) and in November 1940 its residents were expelled, most perishing in the camps. Of the town's Jews, 22 emigrated by 1940; the other nine were sent to Riga and Theresienstadt ghettoes and perished.  
       
        

                   
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Stand: 21. Mai 2014