Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg  
  

  Aktuell: Bemühungen zur Sanierung des Betsaales in Horb durch die 
                Förderstiftung "Jüdischer Betsaal Horb" (interner Link)


Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Horb      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

        

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In der bis zum Anfang des 19. Jahrhundert zur Grafschaft Hohenberg gehörenden Stadt Horb bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter, die während der Judenverfolgung am 20. Dezember 1348 vernichtet wurde. Bei der 1351 genannten Flur "Judengrube" könnte es sich um eine Erinnerung an den Ort der Verbrennung oder Beisetzung der umgebrachten Juden handeln. 
Zu neuen Ansiedlungen kam es zwischen 1396/98 und 1456. Auch seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1628) lebten Juden in Horb (1633: 52 Personen), jedoch wurden sie Anfang des 18. Jahrhundert (1708) wieder ausgewiesen. 
  
Eine erneute Niederlassung war erst nach 1862 möglich. Zunächst bildeten die jüdischen Familien eine private Vereinigung; am 1. April 1903 wurde eine selbständige Gemeinde gegründet. Sie bestand bis 1939. 
    
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1864 6 jüdische Einwohner (0,3 % von insgesamt etwa 1.880 Einwohnern), 1880 65 (2,9 % von 2.237), 1890 101 (4,6 % von 2.187), 1900 134 (5,3 % von 2.527), Höchstzahl 1905 mit 138 Personen; 1925 109 (4,1 % von 2.655). 
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (Betsaal, s.u.), eine Religionsschule und seit 1904 ein eigener Friedhof. 1913 bis 1936 war Horb Sitz eines Rabbinats, das die israelitischen Gemeinden des Bezirks Horb (dazu Tuttlingen) und die Gemeinden Rottweil und Reutlingen-Tübingen-Rottenburg umfasste.   
Der einzige in Horb tätige Rabbiner war Dr. Abraham Schweizer (geb. 1875 in Schopfloch, gest. 1942 KZ Maly Trostinec/Polen): 1900-1913 Rabbiner in Weikersheim (Rabbinat 1914 aufgelöst), 1913 bis 1936 Rabbiner in Horb, 1936 Ruhestand, nach Stuttgart übergesiedelt, 1938 KZ Dachau, 1941 nach Oberdorf eingewiesen, von hier 1942 nach Theresienstadt, später nach Maly Trostinec (vgl. Wikipedia-Artikel).   
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Eugen Eßlinger (geb. 5.2.1894 in Horb, gef. 23.10.1918), Hugo Stern (geb. 15.10.1887 in Dettensee, gef. 20.9.1916) und Siegfried Stern (geb. 9.6.1896 in Dettensee, gef. 17.9.1918). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal an der Kirchenmauer der Stiftskirche.
 
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde etwa 110 Personen gehörten, waren die Vorsteher der Gemeinde L. Schwarz sen., H. Tannhauser, Max Schwarz und Willy Gideon. Zur jüdischen Gemeinde Horb gehörten inzwischen auch die noch in Mühlen und in Nordstetten wohnhaften jüdischen Personen (1924 8 beziehungsweise 15 Personen). Rabbiner Dr. Schweizer erteilte den Kindern der jüdischen Gemeinde den Religionsunterricht. 1932 war Gemeindevorsteher Siegfried Stern. Zur Gemeinde gehörten nun auch die im weiteren Umkreis in Calw, Freudenstadt, Herrenalb und Wildbad lebenden jüdischen Personen. An jüdischen Vereinen gab es einen Israelitischen Frauenverein. Dieser war besonders rührig im Blick auf Aktivitäten zugunsten eines Synagogenneubaus (s.u.). Im Schuljahr 1931/32 wurde der Religionsunterricht der Gemeinde von 20 Kindern besucht.              
    
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Textilhaus Fa. Carl Augsburger, Inh. Jakob Wolfsheimer (Neckarstraße 17), Textilgeschäft Mina Augsburger (Marktstraße 5), Seifen-, Öl- und Fetthandlung Hermann Bernheim (Marktstraße 3), Koschere Metzgerei Emil Dampf, dann Leopold Liebmann (Neckarstraße), Textilgeschäft Josef und Viktor Eßlinger (Schulstraße), Öl- und Fettgroßhandlung Hermann Gideon (Dammstraße, abgebrochen), Seifenfabrik, Dampftalgschmelze Willy Gideon (Mühlener Torweg 19-23), Textilgeschäft, Bettwäsche Salo Gundelfinger (Markstraße 9), Dentist Albert Hanhart (Neckarstraße 49), Kolonialwarengeschäft Adolf Landauer (Neckarstraße), Viehhandlung Karl Lemberger (Gutermannstraße , abgebrochen), Wollhandlung Heinrich Levi (Saarstraße 10), Lederhandlung Gebr. Feigenheimer, Inh. Simon Liebmann (Ihlinger Straße 17), Manufakturwaren- und Weißwarenhandlung Gustav Schwarz (Schillerstraße), Jüdisches Café, Gastwirtschaft und Viehhandlung Sigmund Levi (Schillerplatz, abgebrochen), Viehhandlung Louis Schwarz (Gutermannstraße 14, abgebrochen), Viehhandlung Max Schwarz (Mühlener Straße), Mechanische Kleiderfabrik L. Stern KG., Inh. Heinrich, Sally und Siegfried Stern (Mühlener Torweg 3), Schuhhandlung und Reparaturwerkstätte Hans, Hermann und Julius Tannhauser (Neckarstraße, abgebrochen), Viehhandlung Viktor Wälder (Neckarstraße, abgebrochen), Bankgeschäft Karl Weil (Schillerstraße).          
         
1933 lebten noch 100 jüdische Personen in Horb. Die nationalsozialistische Hetze wirkte sich in Horb schlimm aus. Schikanen, Beleidigungen und Repressionen waren alsbald an der Tagesordnung. Fabrikant Willy Gideon, schwerverwundeter und hochdekorierter Frontoffizier, wurde am 3. Januar 1934 von der Gestapo völlig willkürlich verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis verbracht, musste jedoch vier Tage später auf Druck der empörten Bevölkerung wieder freigelassen werden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Betsaal geschändet und demoliert. Die Schaufenster jüdischer Geschäftshäuser wurden eingeschlagen. Es kam zu Plünderungen. Seit Ende 1938 wurden die Lebensbedingungen für die jüdischen Einwohner unerträglich. 1941 wurden die letzten jüdischen Einwohner nach Rexingen umgesiedelt. Von hier aus wurden bei den Deportationen seit Ende 1941 25 jüdische Horber deportiert, insbesondere nach Riga und Theresienstadt.    
   
Nach den Deportationen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Horb lebenden 100 jüdischen Personen mindestens 28 ums Leben.   
    
Von den in Horb geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mina Augsburger (1884), Pauline Bernheim (1864), Rosalie Dampf geb. Ettlinger (1869), Selma Emanuel geb. Landauer (1891), Adolf Esslinger (1891), Alice Esslinger geb. Stern (1905), Helmut Esslinger (1936), Viktor Esslinger (1897), Fanny Fröhlich geb. Landauer (1872), Selma Gumbel geb. Frank (1882), Amanda Gundelfinger geb. Augsburger (1881), Mina Interstein geb. Fried (1867), Johanna Landau geb. Stern (1902), Erich Lemberger (1935), Hilde Lemberger (1909), Lothar Lemberger (1933), Siegfried Lemberger (1935), Friedrich Levi (1870, unklar ob dieses Horb oder Horb am Main), Sidonie (Toni) Levi geb. Frank (1897), Sigmund Levi (1873), Wilhelm Levi (1884), Hemos (Hemor) Neumann (1839), Bonna Schorsch geb. Schwarz (1876), Ludwig Schwarz 1905), Abraham Schweizer (1875), Heinrich Stern (1875), Hilda (Hildegard) Stern (1905), Lotte Stern (1914), Siegfried Stern (1872), Hermine Strauß geb. Rothschild (1886), Fanny Wälder geb. Hirsch (1894), Heinz Wälder (1925), Ruth Wälder (1922), Viktor Wälder (1884), Anna Zimmern geb. Schwarz (1877).                                
  
  
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
 
Aus der Geschichte des Rabbinates in Horb 

Überlegungen, den Rabbinatsbezirk Mühringen aufzulösen (1911)  
Die Planungen, den Rabbinatssitz der klein gewordenen Gemeinde Mühringen nach Horb zu verlegen, stießen verständlicherweise auch auf entschiedene Ablehnung und Kritik, wie aus dem nachfolgenden Beitrag in der konservativ-orthodox geprägten Zeitschrift "Der Israelit" hervorgeht. 

Horb aN Israelit 04051911.jpg (113347 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1911: "Horb am Neckar, 28. April (1911). Kaum ist der Ruf nach Sparsamkeit auch innerhalb des Israelitischen Kirchenregimentes erklungen, als auch schon hier eine Besprechung von einigen Lehrern des Rabbinatsbezirkes Mühringen und einiger Kirchenvorsteher stattgefunden hat, die nichts weniger bezweckt, als die Aufhebung des Rabbinats Mühringen. Wer den Herren Lehrern Vollmacht gegeben hat, die Versammlung einzuberufen und im Namen ihrer Gemeinden Beschlüsse zu fassen, müsste noch nachgewiesen werden. Wahrscheinlich beruht die Bevollmächtigung der Herren auf ihrem eigenen Tatendrang und auf ihrer Lust, sich selbst zum Range von Rabbinern erheben zu sehen. Die Gemeindegenossen wollen aber in Ansehung des Niederganges des religiösen Lebens in rabbinerlosen Gemeinden und Bezirken nichts von der Aufhebung des Rabbinates Mühringen oder von dessen Angliederung an ein weit entferntes Rabbinat und gar noch an ein neologes irgend etwas wissen, und sie verurteilen die Voreiligkeit derer, die immer etwas Neues haben wollen und sich zur Vertretung unberechtiger Wünsche gebrauchen lassen. Wir wollen nicht mit Kaninen nach Spatzen schießen, weshalb in eine ausführliche Besprechung der Affäre vorläufig nicht eingetreten werden soll. Aber nochmals sei es gesagt: das Rabbinat lässt sich der in seiner Mehrheit gut konservativ gesinnte Bezirk nicht rauben, zumal seine Gemeinden nicht abnehmen, sondern stark zunehmen. Dem übereifrigen Führer der Herren Lehrer aber empfehlen wir, etwas mehr Zurückhaltung zu bewahren. Wir bedürfen seiner Vormundschaft nicht."   

       
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  

Die Bildung einer selbständigen israelitischen Gemeinde ist genehmigt (1903)
  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1903: "Horb (Württemberg). Dem Antrag der hier ansässigen Israeliten entsprechend, hat das Königliche Ministerium des Kirchen- und Schulwesens mit Wirkung vom 1. April dieses Jahres ab die Bildung einer selbständigen israelitischen Kirchengemeinde in der Stadtgemeinde Horb genehmigt."   

                
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
  
Dr. Rosenfeld wird zum Sanitätsrat ernannt (1911)  

Horb aN FrfIsrFambl 10031911.jpg (20180 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. März 1911: "Stuttgart. Dr. Rosenfeld in Horb wurde zum Sanitätsrat und Stadttierarzt Erlanger in Buchau zum Veterinäroffizier ernannt."

  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  
Lehrlingssuche des Leder- und Rohwarengeschäftes Gebr. Feigenheimer (1890)  

Horb aN Israelit 25091890.jpg (41001 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September 1890: "Offene Lehrlingsstelle! In unserem Leder- und Rohwarengeschäft findet ein junger Mann aus achtbarem Hause, der gute Schulkenntnisse besitzt, eine Lehrstelle. Das Geschäft ist samstags und an den Festtagen geschlossen. 
Gebrüder Feigenheimer, Horb a.N., Württemberg."   
 

   
Anzeige der Firma Adolf Neckarsulmer (1890)  

Horb aN Israelit 30101890.jpg (41424 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1890: "Stellengesuch als Konditor-Gehilfe
Für einen jüdischen Konditor-Lehrling, der am 1. Dezember dieses Jahres aus seiner Lehre tritt, wird eine Gehilfenstelle bei einem Konditor oder Feinbäcker gesucht durch 
Adolf Neckarsulmer, Horb am Neckar (Württemberg)."  

  
L. Stern sucht eine Köchin für sein Hotel (1898)  

Horb aN Israelit 11101898.jpg (40614 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1898: "Für mein Hotel suche ich eine israelitische Köchin, welche sich aber auch willig den bes. Hausarbeiten zu unterziehen hätte. Dauernde Stellung und Lohn nach Übereinkunft. Eintritt 1.-15. November. Offerten erbittet 
L. Stern, Horb am Neckar."  

   
Anzeige von Max Stern (1916)  

Horb aN FrfIsrFambl 01091916.jpg (45009 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. September 1916: "Ich suche für meine Töchter, welche die höhere Töchterschule besuchte, kaufmännische Lehre in größerer Eisenhandlung, womöglich mit Kost und Wohnung im Hause. 
Max Stern, Horb am Neckar
(Württemberg)."  

   
Anzeige der Firma Gideol-Werke Horb am Neckar - Firma Bernheim & Cie. (1921)  

Horb aN Israelit 03021921.jpg (58769 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1921: "Wir versenden direkt an Private unter Nachnahme und zum billigsten Tagespreis ‚GIDEOL Ia koschere Pflanzenbuttermargarine in 1/1 Pfd. Erzeugnis der Gideol-Werke Horb a.N. hergestellt unter Aufsicht von Bezirks-Rabbiner Dr. Schweizer, Horb a.N.  
Bernheim & Cie., Horb a.N.  Telefon Nr. 101."

      
Anzeige der Firma M. Berlinger, München (1925)  
Die die "Plochina-Pflaumen" anbietende Firma hatte ein Zeugnis (Hechscher) des Rabbiner Dr. Schweitzer (Horb)  

Horb Israelit 19021925.jpg (57328 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1925: "Für Wiederverkäufer!  Plochina-Pflaumen.   Koscher al Pessach (Koscher auch zu Pessach). Großstückige 50/60er Pflaumen in Kosten von 40 Paketen à 1 Pfd. Mit Hechscher Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Schweitzer, Horb (Neckar). Verlangen Sie bitte Offerte! 
M. Berlinger, München. Liebherrnstraße 19. Verkaufsstelle: Berlin NO. 55, Prenzlauer Allee 238."

  

  
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge 

Über das mittelalterliche Wohngebiet und Einrichtungen dieser Zeit ist nichts bekannt. Das Wohngebiet des 17./18. Jahrhundert lag im Bereich der heutigen "Alten Nordstetter Steige". Auch aus dieser Zeit wird nichts über Einrichtungen wie einen Betsaal oder eine Synagoge berichtet. 

Im 19. Jahrhundert wurden zunächst die Einrichtungen der umliegenden jüdischen Gemeinden, insbesondere Nordstettens benutzt. Früh gab es in den jüdischen Familien Horb Bemühungen, eigene Gottesdienste in den Privathäusern abhalten zu können. So suchte L. Stern 1872 per Anzeige eine Torarolle, möglicherweise damit in seinem Hotel oder Privathaus Gottesdienste stattfinden konnten:   

L. Stern sucht eine Torarolle (1872)  

Horb aN Israelit 08011872.jpg (21381 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1872: "Eine noch gut erhaltene, wenn auch schon gebrauchte Sefer Tora (Torarolle), wird zu kaufen gesucht. Franko-Offerten erbittet L. Stern zur Stadt in Horb (Württemberg)."  

1903 oder schon zuvor konnte ein Betsaal in Horb im Gebäude Fürstabt-Gerber-Straße 2 (Haus des Viehhändlers Schwarz, frühere Adresse Ihlinger Straße 2) eingerichtet werden konnte (1903 oder schon zuvor). Dazu wurden in diesem Haus zwei Zimmer in einen kleinen Betsaal verwandelt, über dessen Aussehen und gottesdienstliches Leben eine Beschreibung aus den Lebenserinnerungen von Fritz Frank vorliegt. Dieser ist 1886 in Horb geboren und konnte 1935 in das damalige Palästina emigrieren: "Aus etwa 30 Familien bestehend, besaß die kleine jüdische Gemeinde Horb nichts, was sich gleichwertig an Größe und Schönheit einer Kirche gegenüberstellen ließ. Ihre Synagoge, das sind zwei ineinandergehende Stuben über dem Stall des Viehhändlers Schwarz. Das Gemuhe mischt sich in den Gottesdienst, ohne dass dies von den Beters, die mit dem Vieh sozusagen groß geworden sind, als Störung empfunden oder überhaupt wahrgenommen wird. Der Männersaal hat zur Einrichtung den Schrank mit den Torarollen an der Ostwand, das Betpult mit einer samtenen Decke und zehn Schulreihen. Rechts und links vom Betpult ist je eine schmale Bank für die Kinder, die auf diese Weise unter dem Auge gehalten werden und nicht stören. Der Frauensaal  daneben, mit einem türbreiten Durchbruch, gibt den Blick frei auf Betpult, Vorbeter und Toraschrank. Einfache Stuhlreihen sind auch hier die ganze Ausstattung. Die Nüchternheit und Ärmlichkeit beeinträchtigen nicht den Ernst des Gottesdienstes. So wenig wie die Geräusche aus dem Stall, so wenig lenkt das Leben auf der Gasse, das in den Betsaal hereindringt, ab, besteht es doch höchstens aus Kinder- und Weibergeschrei, Bauernfuhren oder dem Doktorswagen. Stimmen und Geräusche, von denen jeder der Beter, wenn er ihnen Achtung schenkte, wusste, wem sie zugehören. Jedes Mitglied der Gemeinde hat seinen bestimmten Platz. Hindert Krankheit oder Reise am Besuch; so bleibt der Platz unbesetzt und nimmt als solcher gewissermaßen Anteil am Gottesdienst...". Der Betsaal diente am Samstagnachmittag auch dem Religionsunterricht der jüdischen Kinder der Stadt, die ansonsten die allgemeinen Schulen besuchten.   
     
Pläne für einen Synagogenneubau gab es vermutlich schon wenige Jahre nach der Einrichtung des kleinen Betsaals in der Ihlinger Straße. Ein entsprechendes Bauvorhaben wurde zunächst durch den 1. Weltkrieg verzögert und danach durch die inflationsbedingte Geldentwertung zunichte gemacht. Mit den Beschlüssen einer Gemeindeversammlung am 13. November 1926, die Kaufmann Siegfried Stern geleitet hatte, wurde ein neuer Anlauf genommen. Sobald als möglich wollte man die Synagoge bauen, zu der bereits Pläne der Stuttgarter Architekten Dr. Bloch und Guggenheimer vorlagen. Man hatte als Bauplatz das städtische Grundstück Parzelle 666/10 an der Ecke Karl- und Lindenstrasse in Aussicht genommen und bat die Stadt um eine unentgeltliche Abtretung dieses Platzes. Nach den vorgelegten Planentwürfen sollte das Bauwesen knapp 22 m lang, die breiteste Stelle etwa 9,2, die sonstige Breite 7,3 und die Höhe 8,1 m betragen. Die Baukosten wurden auf 25 000 RM geschätzt und sollten teils durch die Gemeinde, teils durch eine Sammlung bei auswärtigen Gemeinden aufgebracht werden. Der Horber Gemeinderat beschloss, die Parzelle Nr. 660/120 an die Israelitische Gemeinde zum Bau eines Gotteshauses zu geben und übertrug es der Gemeinde Ende 1926 als Schenkung. Als sich jedoch die Amtskörperschaft Horb ebenfalls für das Grundstück interessierte, um eine Autohalle für das Sanitätsauto und andere Zwecke zu errichte, bat der Gemeinderat die jüdische Gemeinde, auf die Schenkung zu verzichten. Im Gegenzug erhielt die jüdische Gemeinde die Parzelle Nr. 1205/02 im Mühlener Torweg.  
     
Nachdem die Bauplatzfrage geklärt war, konnte die Gemeinde an die Verwirklichung des Synagogenbaus denken. Die Synagoge sollte ein "Schmuck der Stadt werden" (GZ IV 16 S. 500). Vorübergehend dachte man 1927 darüber nach, die Steine der vor dem Abbruch stehenden Synagoge in Dettensee nach Horb zu fahren und dort beim Bau der neuen Synagoge zu verwenden. Doch wurde dieser Plan aus Kostengründen fallen gelassen. Man bemühte sich um Spender, unter anderem durch Zeitungsannoncen (vgl. Gemeindezeitung IV,15 vom 1.11.1927 S. 449) und hatte damit auch einigen Erfolg: der aus Horb stammende Fabrikant Hermann Schwarz in Kreuzlingen überwies als erster 500 Mark nach Horb. Die Gemeinde organisierte auch Veranstaltungen zu Gunsten des Synagogenneubaus. Dazu gehörte der vom Israelitischen Familienverein Horb durchgeführte "Unterhaltungsabend" am 31. Dezember 1927, dessen Reinerlös dem Synagogenneubau zugute kommen sollte. Im Hotel "Lindenhof" wurden an diesem Abend Theaterstücke und Gesangsvorträge dargeboten. Eine große Anzahl jüdischer Gemeindeglieder aus Horb und der weiteren Umgebung, auch viele christliche Mitbürger aus Horb waren gekommen und sorgten dafür, dass ein erfreulich großer Betrag zusammengekommen ist. Trotz solcher Aktivitäten hat sich der Baubeginn noch um einige Jahre verzögert.
     
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 hat die Verwirklichung der Pläne zunichte gemacht. Mitte Oktober 1934 teilte das israelitische Vorsteheramt dem Bürgermeisteramt mit, dass das Vorhaben der Erbauung eines Gotteshauses aufgegeben worden sei. Man wolle einen Betsaal in einem anderen inzwischen erworbenen Anwesen in der Ihlinger Straße einrichten. Doch auch dazu ist es nicht mehr gekommen.    
      
Am Morgen des 10. November 1938 wurde der bisherige Betsaal demoliert, die Inneneinrichtung zerstörte. SA-Männer hatten den Raum ausgeräumt und die Einrichtung auf der Straße verbrannt. Auch eine Schulklasse der Oberschule beteiligte sich auf Geheiß ihres Lehrers an den Zerstörungen und dem Heraustragen und Zertrampeln von Schriften und Leuchtern.
      
Das Gebäude des ehemaligen Betsaales ist bis heute erhalten. Die Lage des Betsaales ist an den Fenstern immer noch deutlich erkennbar. Eine Gedenktafel ist angebracht. Eine Restaurierung des ehemaligen Betsaales ist durch die 2005 gegründete "Förderstiftung Jüdischer Betsaal Horb" geplant.
    


Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den Webmaster von "Alemannia Judaica": 
Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1965
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 63)
Horb Synagoge 090.jpg (110388 Byte)   
   Recht das Haus des Betsaals,
 stadteinwärts gesehen
  
     
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
       
Horb Synagoge 003.jpg (82715 Byte) Horb Synagoge 001.jpg (56228 Byte) Horb Synagoge 002.jpg (74282 Byte)
Das Haus Fürstabt-Gerber- Straße 2. 
Der Betsaal war im Erdgeschoss hinter 
den Fenstern ohne Fensterläden
Das Gebäude 
stadteinwärts gesehen
Hinter diesen Fenstern im 
Erdgeschoss lag der Betsaal
     
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn)
Horb Synagoge 150.jpg (50652 Byte) Horb Synagoge 151.jpg (54974 Byte)
  Ansicht wie 1985 Eine Gedenktafel ist angebracht
     
Horb B021.jpg (56346 Byte) Horb Synagoge 152.jpg (52545 Byte) Horb Synagoge 153.jpg (52206 Byte)
Vermutlich Abschrankung zwischen 
Frauen- und Männerbereich im Betsaal 
(auf dem Dachboden des Gebäudes)
Das Gebäude 
von der Straßenseite
Blick stadteinwärts
     
      
Foto Februar 2008 
(Foto: Hahn)
Horb Synagoge 270.jpg (79418 Byte)    
        
     
Fotos Anfang September 2011 
(erhalten von Heinz Högerle) 
   
Horb ETJK 2011 012.jpg (123044 Byte) Horb ETJK 2011 010.jpg (204176 Byte) Horb ETJK 2011 011.jpg (202544 Byte)
Fotos vom "Tag der Europäischen Kultur" am 4. September 2011, als der Platz vor dem Haus des ehemaligen Betsaales 
nach dem 1942 umgekommenen früheren Horber Rabbiner Dr. Abraham Schweitzer benannt wurde (vgl. Berichte unten).
     

   
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Februar 2009: Bald auch Stolpersteine in Horb?  
Artikel von Gabriele Weber in der "Neckar-Chronik" vom 3. Februar 2009 (Artikel)   
"Bald auch Stolpersteine in Horb? Lebendige Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein könnten so wachsen
Der Rexinger Synagogenverein und Bürgermeister Peter Rosenberger zeigen sich interessiert, auch in Horb eine Stolperstein-Initiative in Erinnerung an Opfer des Naziregimes zu gründen. Jupp Klegraf vom Initiativkreis Stuttgart-Nord informierte am Sonntagabend vor 80 Gästen in der ehemaligen Synagoge in Rexingen über die Aktion. 
Rexingen. Rüdiger Vitt vom Nordstetter Ortsarchiv war am Sonntag in Rexingen anwesend. Er hatte einst die Vita des gebürtigen Nordstetter Juden Ludwig Levi ermittelt. Gegen das Vergessen wurde für Levi im Oktober in der Stuttgarter Leuschnerstraße, seinem letzten selbst gewählten Wohnort, ein solcher Betonstein mit Messingplatte und eingravierten Daten ebenerdig auf öffentlichem Grund eingelassen. Harald Weiß aus Tübingen dokumentierte in einem in Rexingen auch gezeigten Film, wie der Kölner Künstler Gunter Demnig, der ursprüngliche Begründer der 'Stolperstein'-Aktion, den Stein einmauert. Zugegen waren bei der Aktion in Stuttgart Rosenberger, Vitt und Barbara Staudacher vom Synagogenverein. Das Stolpern ist im Sinne von Innehalten und Erinnern zu verstehen. 'Wenn du es lesen willst, musst du eine Verbeugung machen,' so Demnig. Zur kurzen Vita auf der Platte gehören die Ergebnisse der Recherchen, die in einem Archiv zusammengetragen sind und beim Verlegungsakt verlesen werden. Jupp Klegraf, ehemaliger Bezirksvorstand Stuttgart-Nord: 'Wir wissen viel über abstrakte Zahlen, von sechs Millionen Opfern.' Doch die Info über das Einzelschicksal, am ehemaligen Wohnort verlesen, bringe unschätzbare neue Erfahrungen, 'was man mit der abstrakten Zahl von sechs Millionen nicht vermitteln kann'. Dies beweise die Resonanz mit zunehmendem Zulauf. Es waren Juden, politisch Andersdenkende, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Behinderte, die in zwölf Jahren Rassenideologie, Ausgrenzung und NS-Terror ermordet wurden. Für sie gibt es meist kein Grab. Mit den Steinen sollen sie 'aus der Vergessenheit geholt werden und einen Platz mitten unter uns erhalten'. 
Synagogen-Vereinsvize Heinz Högerle informierte, es seien in Horb über 120 Personen zu recherchieren; von zehn liegen Biografien vor. 'Es ist ein riesiger Berg zu bewältigen. Wir brauchen Helfer.' Er legte eine Liste für Ehrenamtliche aus, die sich zu einem ersten Austausch treffen sollen. Klegraf meinte auf Anfrage von Högerle, dass Gunter Demnig wohl binnen einem halben Jahr für eine erste Verlegeaktion kommen könnte. 100 Euro kostet ein in der Regel von Spendern finanzierter Stein, davon gehen 95 Euro an Demnig für seine Arbeit. Högerle möchte bei Interesse einen offiziellen Antrag an den Gemeinderat auf Verlegung auf öffentlichem Raum (Gehweg) stellen. In Stuttgart förderte OB Schuster und die Stadtverwaltung bereits die Anfänge. Freunde, Nachbarn, Mitschüler der Opfer, Hausbesitzer und Schulen initiieren und engagieren sich. Geschichtsbewusstsein und lebendige Erinnerungskultur wachsen. 99 % der Hausbesitzer sind mit der Verlegung einverstanden. Nur drei Farbschmierereien waren bisher zu verzeichnen. 
Demnig ('Kunstprojekt für Europa') hat seit 2003 über 16 500 Steine in über 350 Kommunen in Deutschland, 12 in Österreich, in den Niederlanden und Ungarn verlegt. Bald sollen die Ersten in Tschechien, Polen, Norwegen, Frankreich und der Ukraine folgen. In Stuttgart wurden dank 15 Initiativkreisen (für 23 Stadtteile) in den vergangenen 5 Jahren in 218 Aktionen rund 400 Steine verlegt."
 
Februar 2010: Auch in Horb werden mit Beschluss des Gemeinderates "Stolpersteine" verlegt  
Artikel in der "Neckar-Chronik" vom 25. Februar 2010 (Artikel): "Die Horber sollen stolpern - Stadt unterstützt das Projekt 'Stolpersteine' und übernimmt die Grabarbeiten. 
Horb möchte die Erinnerung an von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager deportierte Einwohner bewahren. Der Gemeinderat hat dem 'Stolpersteine'-Projekt mehrheitlich zugestimmt. 
Horb.
Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Gemeinderat am Dienstag beschlossen, das Projekt 'Stolpersteine' zu unterstützen. Die Stadt wird die Grabarbeiten für die Einbringung der Steine in die Gehwege übernehmen. 'Mit den Stolpersteinen sollen die Opfer des Nationalsozialismus zurückgeholt werden in die Gemeinden, wo sie zum letzten Mal freiwillig gelebt haben', sagte Heinz Högerle vom Rexinger Synagogenverein, der das Projekt im Gemeinderat vorgestellt hat. 
Stolpersteine erinnern an von den Nationalsozialisten ermordete Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Widerstandskämpfer und politisch Andersdenkende, sagte Högerle. Der Initiator des Projekts, der Künstler Gunter Demnig, hat in über 480 Gemeinden in Europa bisher über 16 500 Stolpersteine verlegt. Stolpersteine sind Betonwürfel mit einer Länge von zehn Zentimetern, die in den Gehweg eingelassen werden. Auf der Messingoberfläche sind der Name, das Geburtsjahr und das Schicksal des ermordeten früheren Bewohners eingraviert. 
Voraussetzung für die Herstellung von Stolpersteinen sind Bürger, die die Biografien von NS-Opfern recherchieren und Kontakt zu den Angehörigen aufnehmen. Die Steine werden von Privatpersonen gestiftet und gehen in das Eigentum der Gemeinde über. Bei der Verlegung eines Stolpersteins werde die Biografie des ehemaligen Bewohners verlesen. 'Jede Verlegung ist deshalb eine kleine Gedenkstunde für den Deportierten', sagte Högerle. Ein 'Erinnerungsbuch' im Internet soll alle biografischen Angaben sammeln. 
Stolpersteine seien eine gute Möglichkeit zur Erinnerung, sagte Oberbürgermeister Peter Rosenberger, der bereits bei einer Steinlegung in Stuttgart dabei war. 'Die Stolpersteine zwingen den Betrachter zum Innehalten', sagte Rosenberger. Diese Entschleunigung stehe Horb gut. 'Das ist ein hervorragendes Projekt, das Einzelschicksale in den Mittelpunkt stellt', sagte CDU-Stadtrat Andreas Bronner im Namen seiner Fraktion. Für informativ, wichtig und sinnvoll halte die FD/FW die Stolpersteine, sagte der Fraktionsvorsitzende Dr. Alfred Seifriz. 'Das Bedürfnis in der Bevölkerung zur Aufarbeitung der Geschichte ist da', sagte er. 
'Die Stolpersteine setzen auch ein Zeichen gegen Rechtsextremismus', ergänzte Stadtrat Thomas Mattes für die SPD-Fraktion. Mit der Unterstützung des Projekts leiste Horb einen Beitrag dafür, dass das furchtbare Leid, das der Nationalsozialismus verursacht habe, nicht in Vergessenheit gerate. 'Es ist wichtig, dass Schüler in das Projekt eingebunden werden und Geschichte anhand von Einzelschicksalen erfahren', meinte FD/FW-Stadträtin Dr. Margarete Rebholz. Die Stolpersteine seien eine Möglichkeit, aus der Geschichte zu lernen. Seiner Stimme enthalten hat sich Cihan Polat. 'Ich kann nicht sagen, ob dieses Projekt richtig oder falsch ist', sagte der OGL-Stadtrat.  
Gegen die Unterstützung des Projekts hat 'Republikaner'-Stadtrat Rodolfo Panetta gestimmt...
Die Umsetzung des Projekts hat in Horb bereits begonnen: Seit Ende Januar recherchieren mehrere Rexinger die Biografien von Juden aus Rexingen. Auch in anderen Ortsteilen gibt es Nachforschungen. Das Stadtarchiv recherchiert zu NS-Opfern, die in der Kernstadt gelebt haben. Parallel dazu erstellen Schüler des Martin-Gerbert-Gymnasiums, die bei der Gemeinderatssitzung anwesend waren, seit Anfang des Schuljahres Seminararbeiten zu deportierten Horbern. 'Insgesamt werden derzeit die Biografien von mehr als 40 Personen recherchiert', sagte Heinz Högerle. Das Projekt habe eine große Dynamik. Problematisch sei, dass man über die Schicksale vieler NS-Opfer nur wenig wisse. Die ersten Stolpersteine sollen 2011 im Rahmen des Grünprojekts verlegt werden.'" 
   
Oktober 2010: Der Platz vor dem Haus mit dem Betsaal soll in "Dr.-Abraham-Schweizer-Platz" umbenannt werden   
Artikel von Andreas Ellinger in der "Neckar-Chronik" vom 21. Oktober 2010 (Artikel): "Ein Platz in der Stadtgeschichte
Zu Ehren des Rabbis Dr. Abraham Schweizer. 
Der Platz vor dem ehemaligen jüdischen Betsaal in Horb soll nach Dr. Abraham Schweizer benannt werden. Doch wer ist Abraham Schweizer? Dass er den Mitgliedern des Städtebau- und Sanierungs-Ausschusses am Dienstag kein Begriff war, bestätigte Barbara Staudacher und Heinz Högerle von der Förderstiftung 'Jüdischer Betsaal' in ihrem Vorhaben, Abraham Schweizer mit der Platz-Benennung wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Högerle: 'Der Mann ist heute nicht mehr bekannt – in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war er stadtbekannt.' In der Festschrift zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt sei Schweizer mit einem Beitrag über 'Die Israeliten in Stadt und Bezirk Horb' vertreten gewesen. Jahrzehnte lang habe er zu den Honoratioren gehört. Högerle stellte fest: 'Er ist aus der Öffentlichkeit verschwunden. Heute haben wir nicht einmal mehr ein Bild von ihm. Das ist das, was die Nazis wollte: Auslöschen.'
Abraham Schweizer war von 1913 bis 1936 Rabbiner in Horb. Er war der erste und letzte Rabbiner der Stadt. Nachdem die jüdische Gemeinde in Mühringen geschrumpft und die Horber Gemeinde gewachsen war, kam der Rabbinats-Sitz 1913 nach Horb.
Schweizer wohnte in seiner Horber Zeit gegenüber dem Betsaal, in der Isenburger Straße 5. 'Als Rabbiner des größten Rabbinatsbezirks in Württemberg gehörte er über 20 Jahre zu den geistlichen Würdenträgern von Horb, er hat das religiöse Leben der Stadt mitgeprägt.' Das schreiben Barbara Staudacher und Heinz Högerle in ihrer Bitte an Oberbürgermeister Peter Rosenberger, den Platz zwischen Betsaal und ehemaligem Wohnhaus nach dem Rabbiner zu benennen.
Abraham Schweizer war am 3. Februar 1875 in Schopfloch bei Dinkelsbühl als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er besuchte die Lyzeen in Schwabach und Esslingen sowie nach einem weiteren Umzug das Karls-Gymnasium in Stuttgart. Nach dem Abitur im Jahr 1896 studierte er in Würzburg und Berlin, im Juli 1900 promovierte er in Tübingen. Als Rabbiner und zuvor als Vikar war er bis 1913 in Weikersheim tätig.
Abraham Schweizer war Vorstandsmitglied im Verein Württembergischer Rabbiner und Mitglied der Stuttgart-Loge. 1917 erhielt er das Charlottenkreuz. Das Internet-Lexikon 'Wikipedia' schreibt über diese Auszeichnung: 'Das Charlottenkreuz wurde am 5. Januar 1916 von König Wilhelm II. von Württemberg gestiftet und konnte allen Personen verliehen werden, die sich im Felde oder in der Heimat besondere Verdienste um die Pflege der Verwundeten und Erkrankten oder auf dem Gebiet der allgemeinen Kriegsfürsorge erworben hatten.'
Verheiratet war der Rabbiner mit Zerline Schweizer, geborene Bamberger. Sie lebte von 1880 bis 1913. Der Sohn des Ehepaars, Arno, wurde in Auschwitz getötet.
1936 wurde Abraham Schweizer pensioniert. Er blieb in Horb, bis ihn Nazis am 10. November 1938 verhafteten – am Tag nach der 'Reichspogromnacht'. Vom 12. bis 29. November war er nach Recherchen von Heinz Högerle und Barbara Staudacher im Konzentrationslager Dachau gefangen. Nach seiner Entlassung zog er nach Stuttgart. 'Im Herbst 1941 wurde er nach Oberdorf am Ipf zwangsevakuiert und von dort am 23. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 29. September kam er ins Vernichtungslager Maly Trostinek in Polen und wurde dort ermordet.'
Der Städtebau- und Sanierungs-Ausschuss sowie der Verwaltungs- und Technische Ausschuss des Gemeinderats haben empfohlen beziehungsweise beschlossen, dass der Platz vor dem jüdischen Betsaal Horb künftig 'Dr. Abraham Schweizer Platz' heißen soll. Auswirkungen auf die Postanschrift der umstehenden Gebäude gibt es keine. Eine Tafel mit seinen Lebensdaten soll an Abraham Schweizer erinnern."    
Hinweis: Die öffentliche Benennung des Platzes wird am "Europäischen Tag der jüdischen Kultur" am 4. September 2011 um 14 Uhr sein.     
  
August 2011: Veranstaltungen zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur am 4. September 2011 in Horb und Umgebung  
Horb PA ETJK 2011a.jpg (51664 Byte)Foto links von Schülke: Das Haus des Betsaals in Horb wird derzeit renoviert- am Europäischen Tag der jüdischen Kultur am 4. September kann man den einstigen Betsaal in Horb besichtigen.  
Artikel in vom August 2011 (Artikel): "Einblicke in "Erbe und Modernität".
Horb/Rottenburg-Baisingen. Unter dem Motto "Erbe und Modernität" findet am Sonntag, 4. September, der Europäische Tag der Jüdischen Kultur statt.
Seit mehr als zehn Jahren findet am ersten Sonntag im September ein internationaler Gedenktag statt, an dem sich Synagogen, Gedenkstätten, Friedhöfe und Museen in rund 30 Ländern beteiligen.
In Baden-Württemberg und im Elsaß erinnern auch dieses Jahr am 4. September zahlreiche Veranstaltungen an die Geschichte und die Traditionen und Bräuche der jüdischen Gemeinden auf beiden Seiten des Rheins, wobei auch Einblicke in das aktive Leben der jüdischen Gemeinden heutzutage, wie zum Beispiel der jüdischen Gemeinde Ulms, gewährt werden.
Baisingen und Horb beteiligen sich ebenfalls an dem Gedenktag. So wird der Förderverein Synagoge Baisingen zwischen 14 und 16 Uhr Führungen in der Synagoge veranstalten und zwischen 15.30 und 17.30 Uhr über den jüdischen Friedhof mit seinen über 400 Grabsteinen führen.
In Horb wird der Platz, der sich vor dem in diesem Jahr renovierten jüdischem Betsaal befindet, um 14 Uhr nach dem letzten Horber Rabbiner, Abraham Schweizer, umbenannt. Des weiteren steht der Betsaal zur Besichtigung offen."  
  
Eingestelltes Dokument: "Zur Benennung des Platzes vor dem Jüdischen Betsaal in Horb nach Rabbiner Dr. Abraham Schweizer am Sonntag, 4. September 2011. Rede von Michael Theurer, MdEP, erster Vorsitzender des Träger- und Fördervereins Ehemalige Synagoge Rexingen". 
Eingestellt als pdf-Datei.       
 
September 2011: Auch im Geburtsort von Rabbiner Dr. Abraham Schweizer wird die Benennung des Platzes in Horb wahrgenommen  
Horb FLZ 22092011.jpg (180660 Byte) Artikel in der "Fränkischen Landeszeitung" (Lokal: Dinkelsbühl) vom September 2011: "Platz-Benennung nach gebürtigem Schopflocher. Schopfloch / Horb (pm/bi) - In der am östlichen Rand des Schwarzwalds liegenden Stadt Horb am Neckar wurden Leben und Wirken des aus Schopfloch stammenden Juden Dr. Abraham Schweizer auf besondere Weise gewürdigt, denn der Platz vor der dortigen ehemaligen Synagoge trägt jetzt seinen Namen (Foto)...." Zum weiteren Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken.     
 
November 2011: In Horb und Stadtteilen wurden "Stolpersteine" verlegt    
Artikel von Marion Tischbein im "Schwarzwälder Boten" vom 28. November 2011: "Stolpersteine erinnern an Juden. 
Horb
- Zum 70. Jahrestag der Deportation von 53 Rexinger Juden 1941 nach Riga wurden am Samstag an verschiedenen Orten im Horber Stadtgebiet die ersten Stolpersteine für die in der NS-Zeit ermordeten Bürgerinnen und Bürger gelegt..."   
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei      
Zum selben Ereignis liegt auch ein Artikel aus der "Neckar-Chronik" vom 28. November 2011 vor: "Gegen das Vergessen - Stolpesteine erinnern an das Schicksal einstiger jüdischer Mitbürger..."   
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.   
 
März 2012: Jahreshauptversammlung des Träger und Fördervereins "Ehemalige Synagoge Rexingen"     
Artikel von Peter Morlok im "Schwarzwälder Boten" vom 16. März 2012: "Synagogenverein setzt Zeichen. 
Horb-Rexingen
. Auf ein Jahr voller Aktionen blickte der Träger- und Förderverein 'Ehemalige Synagoge Rexingen' bei seiner Jahreshauptversammlung zurück..." 
Link zum Artikel      
   

 

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Horb am Neckar
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Horb (interner Link)
Horb Betsaal Israel Museum.jpg (71718 Byte)Anmerkung: Horb am Neckar sollte nicht verwechselt werden mit Horb am Main in Oberfranken (Marktzeuln), wo sich eine von Elieser Sussmann um 1730 ausgemalte Synagoge befand, die heute im Israel Museum in Jerusalem zu sehen ist (Foto links). 
Seite zur Synagoge in Horb am Main (interner Link)
Zur Seite Förderstiftung "Jüdischer Betsaal Horb" (interner Link)

Horb: Kultur- und Museumsverein, Postfach 1147, 72151 Horb, E-Mail, Internet.   

Internetseite der Grund- und Hauptschule Horb-Altheim - Wandertag "Auf den Spuren der Landjuden - von Altheim nach Eyach"; Adresse der Schule: Horb-Altheim: Grund- und Hauptschule, Hindenburgstraße 53, 72160 Horb-Altheim, E-Mail, Internet.

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 108-110.
Germania Judaica III,1 S. 573-574.
Artikel zum Horber Synagogenbau in: Gemeindezeitung (GZ) für die israelitischen Gemeinden Württembergs. 3. Jg. Nr. 17 vom 1.12.1926 S. 392; 4. Jg. Nr. 16 vom 16.11.1927 S. 499-500; 4. Jg. Nr. 19 vom 1.1.1928.  
Hans Peter Müller: Die Juden in der Grafschaft Hohenberg, in: Der Sülchgau 25 (1981) S.36-43.
Fritz Frank: Verschollene Heimat, in: Jüdisches Leben in Deutschland. Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte im Kaiserreich. Stuttgart 1979. 
Martin-Gerbert-Gymnasium Horn / Otto-Hahn-Gymnasium Nagold (Hg.): Schattenrisse. Eine Annäherung an die Geschichte der jüdische Gemeinde von Horb am Neckar 2000.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 76-79.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

  


    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.     

Horb  Wuerttemberg. The 14th century community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. The Jewish settlement was renewed in the second half of the 19th century and numbered 134 (5 % of the total) in 1900. Jewish merchants controlled factories, business establishments, and a bank and were a dominant factor in the town's commercial life while social relations with the local population were satisfactory. In 1933, 100 Jews remained. Window were broken and the house of prayer desecrated by Hitler Youth on Kristallnacht (9-10 November 1938). Sixty Jews managed to emigrate; 25 were expelled to their deaths in Riga* and the Theresienstadt and the rest died locally.** 

*Encyclopedia reads "Kiev"
**Encyclopedia ends with the notice: "After the war the richly designed wooden synagogue dating to 1733 was moved from Horb to the Städtisches Museum in Bamberg, which loaned it to the Israel Museum, Jerusalem". 
This wooden synagogue ist not from this Horb am Neckar, but from Horb am Main!

  

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge

           

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. März 2012