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Jahrestagungen von Alemannia Judaica Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (Frühere und bestehende) Synagogen Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region Bestehende jüdische Gemeinden in der Region
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinden und ihrer Betsäle/Synagogen Übersicht: I. Mittelalter
In Stuttgart bestand eine kleine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. 1343 wird der Jude Loew genannt, der unter Graf Ulrich III. eine bedeutende Stellung einnahm. Die Judenverfolgung während der Pestzeit vernichtete im November 1348 die kleine Gemeinde. Einige Jahrzehnte später (seit 1393) werden wieder Juden in der Stadt genannt, die nun in der St.-Leonhards-Vorstadt ansässig waren. 1488/98 wurden die Stuttgarter Juden ausgewiesen. Synagogen im Mittelalter. Die jüdischen Familien wohnten zunächst im
Bereich der Dorotheenstrasse, wo sie auch eine "Judenschule" (Synagoge;
vermutlich auf dem Gelände des heutigen Innenministeriums Dorotheestrasse 6)
hatten. Seit Ende des 14. Jahrhunderts war die jüdische Ansiedlung in der
heutigen Brennerstrasse, die bis zum 19. Jahrhundert "Judengasse" hieß. Auch
hier konnte wieder eine Synagoge eingerichtet werden. Zusammen mit einem
rituellen Bad befand sie sich auf dem Anwesen Brennerstrasse 12. Es sind keine
Spuren dieser mittelalterlichen Gemeinde mehr erhalten.
Unter Herzog Friedrich I. wurden 1598 jüdische Kaufleute der Firma Gabrieli
& Co. in Stuttgart aufgenommen, deren Gründer Maggino Gabrielli eine
hervorragende Persönlichkeit war. Trotz des Einspruches der Landstände und des
Hofpredigers wurden Gabrieli und sieben Genossen in Stuttgart aufgenommen. Als
sie in dem ihnen angewiesenen "Armbrustschützenhause" am Marktplatz einen
Betsaal einrichteten, entstand jedoch eine große Erregung, sodass sich der
Herzog entschloss, Gabrieli den Kammerschreiberei-Ort Neidlingen bei Kirchheim
unter Teck als Wohnort zuzuweisen. Dort freilich war das Unternehmen nicht
lebensfähig, Gabrieli und Genossen zogen nach drei Monaten wieder ab und ließen
sich mit besserem Erfolg in Lothringen nieder.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde Stuttgart geht in die Zeit Anfang
des 18. Jahrhunderts zurück. Wie an fast allen Fürstenhöfen Europas hatten
auch in Stuttgart sogenannte Hofjuden und Hoffaktoren eine Anstellung gefunden.
1710 wird ein erster Hofjude genannt, 1712 vier weitere. 1721 waren es sieben
Hofjuden, unter denen sich David Uhlmann besondere Verdiente erwarb. Bis zu
seinem Tod 1782 stand er 55 Jahre im Dienst des Herzogs. Weitere unter dem persönlichen
Schutz des Herzogs stehenden Juden waren bis um 1800 zugezogen, darunter
Hofbankier Jakob Kaulla aus Hechingen. Von der Familie Kaulla wurde 1802 die Württembergische
Hofbank gegründet. Betsaal im 18. Jahrhundert. Die Niederlassung der Hofjudenfamilien wurde in Stuttgart insbesondere von den Kirchenvertretern misstrauisch beobachtet. Konsistorialdirektor Johannes Osiander empfahl beim Synodus des Jahres 1715, darauf Acht zu geben, ob die Juden beabsichtigten, eine Synagoge zu errichten. Anfang 1717 kamen dem Konsistorium Gerüchte zu Ohren, dass die Juden, die in Stuttgart beim Hirschwirt wohnten, dort Gottesdienste abhielten. Die Untersuchung der Angelegenheit brachte jedoch kein Ergebnis. Da es sich offenbar im Laufe der Jahre nicht verhindern ließ, dass die Juden in bescheidenem, privatem Rahmen ihre Gottesdienste feierten, wurde von der Kirche alsbald nur noch darauf geachtet, dass deren Religionsausübung möglichst unauffällig vonstatten ging. So wurde 1748 erst reagiert, als die Lautstärke des jüdischen Gottesdienstes zur Folge hatte, dass die Menschen auf der Strasse vor einem jüdischen Haus stehen blieben und zuhörten. Einzelne württembergische Theologen konnten dem jüdischen Gottesdienst damals sogar positive Aspekte abgewinnen. Konsistorialrat Christian Friedrich Faber berichtete 1737 in einer Predigt über einen jüdischen Gottesdienst: "Wie andächtig sind sie bei ihrem Gottesdienst. Keiner unter ihnen verlässt die Versammlung mutwilliger Weise. Sie beten mit großer Andacht und lassen sich durch nichts irre machen. Es mag in ihre Synagogen kommen, wer da will, sie sehen sich nicht einmal um..."
1832 konnte eine neue Gemeinde gegründet werden, die im Laufe der folgenden
Jahrzehnte eine stürmische Entwicklung nahm. Von gerade 126 Gemeindegliedern im
Jahr 1833 stieg deren Zahl bis zum Jahr 1875 auf 2.291 an. Die starke Zunahme
war bedingt durch einen nicht aufzuhaltenden Zuzug der Juden aus zahlreichen jüdischen
Landgemeinden. Bis 1925/33 sollte die Zahl der jüdischen Einwohner Stuttgarts
auf ca. 4.500 Personen anwachsen, um danach zunächst langsam und infolge der
1933 erfolgten Machtübernahme durch die Nationalsozialisten immer schneller zurückzugehen.
Betsäle/Synagogen im 19./20. Jahrhundert Die
Synagogen der Gesamtgemeinde Im 19. Jahrhundert wurden die Gottesdienste zunächst in Privathäusern abgehalten, vor allem in der Häusern des Hoffaktors Seligmann in der Kronprinzstrasse und der Familie Kaulla (Schmale Strasse 11 bzw. Königstrasse 35; alle Gebäude bestehen nicht mehr). 1808 wurde ein Betsaal im "Alten Waldhorn" gemietet. Nachdem Ende 1832 eine neue Gemeinde in Stuttgart offiziell gegründet worden war (am 11. Dezember 1832 wurde erstmals ein Vorsteheramt gewählt), bemühte sie sich um die Einrichtung eines Betsaales. Ein Baukomitee wurde gegründet, das zunächst nach einem geeigneten Grundstück suchte. Im April 1837 konnte man ein geeignetes Gebäude kaufen und in dessen Hintergebäude in der Langen Gasse 16 einen Betsaal beziehungsweise eine erste Synagoge einrichten. Im Oktober 1837 wurde der Betsaal feierlich eingeweiht. Damals betrug die Zahl der jüdischen Familien erst 15. Bei der Einweihung des Betsaales wirkten neben Vorsänger Eichberg im musikalischen Teil auch Mitglieder der Hofkapelle mit. 1845 machte man den Betsaal heizbar. Durch das schnelle Anwachsen der Gemeinde war nach wenigen Jahren zunächst ein Mangel an Frauenplätzen in diesem Betsaal entstanden, da dieser im ganzen nur 220 bis 230 Sitzplätze hatte. Bereits 1850 musste man an den Neubau einer Synagoge denken und wählte eine neue Baukommission in der Gemeinde. Eine Erweiterung der bisherigen Synagoge wurde in einer Gemeindeversammlung im Oktober 1852 angelehnt. 1856 stand das der
Witwe des Legationsrates Reuß gehörige Haus Hospitalstrasse
36 samt
dem dazugehörigen Garten zum Verkauf frei. In diesem Haus hatte von 1851 bis
1855 auch der Dichter Eduard Mörike gelebt. Der jüdische Weinhändler Heinrich
Hirsch wollte zunächst das Anwesen erwerben. Als er vom Wunsch der jüdischen
Gemeinde hörte, auf diesem Grundstück gegebenenfalls eine Synagoge zu bauen,
trat er von dem Kauf zugunsten der Gemeinde zurück. Die jüdische Gemeinde
kaufte das Anwesen mit Kaufvertrag vom 9. Mai 1856. Für den Bau der Synagoge waren vier Baupläne eingegangen. Unter
ihnen wurde derjenige des Baurates Gustav Breymann ausgewählt. Am 26. Mai 1859
konnte der Grundstein zur neuen Synagoge in der Hospitalstrasse gelegt werden.
Nach dem frühen Tod von Architekt Breymann im August 1859 setzte sein Schüler
Adolf Wolff den Bau fort. Neuislamische Elemente prägten das Äußere und
Innere der Synagoge. Die zur Hospitalstrasse gerichtete Ostfassade war von
maurischen Zinnen gekrönt. Diese fanden sich auch auf den kleinen Pavillons,
durch die der Weg zu den Eingängen führte. Im mittleren Teil der Fassade
zeigte eine Apsis den Standort des Toraschreines an; darüber erhob sich ein mit
islamischen Pflanzenornamenten reich geschmückter Rundbogen. Im Inneren waren
die Säulen und Bögen nach dem Vorbild der Alhambra im spanischen Granada
gestaltet. Vor allem fielen die Kapitelle mit den gezackten Bögen und den
Pflanzenornamenten auf, die Stilelemente des Löwenhofs der Alhambra imitierten.
Der maurische Stil war in Stuttgart schon von einem anderen Bauwerk her bekannt:
1842-1845 hatte König Wilhelm I. das Schloss Wilhelma in Cannstatt in
maurischem Stil nach dem Vorbild der Alhambra in Granada erbaut.
Synagogenarchitekt Adolf Wolff besuchte häufig die Wilhelma, um deren Form und
Zeichnung zu studieren. Auch die in Mannheim und Frankfurt am Main erbauten
Synagoge besuchte er, um Anregungen zur Ausführung der Stuttgarter Synagoge zu
bekommen. Auf dem Hintergrund dieses Synagogenbaus ist die jüdische Gemeinde in
Stuttgart zu sehen, die überwiegend den Willen nach einer völligen Integration
hatte und ihr Judentum vielfach als Konfession auffasste, doch beim Wissen um
eine Akzeptanz und Gleichberechtigung in der Umwelt auch ihren eigenen Charakter
zu betonen wusste. Stuttgart war für die jüdische Gemeinde Heimat beworden. An
einer Stelle der vorderen Synagogenkuppel war Psalm 132,14 zitiert: "Das
ist für immer der Ort meiner Ruhe; hier will ich wohnen, ich habe ihn mir
erkoren". Bei der Synagogeneinweihung am 3. Mai 1861 endete das
Schlussgebet der Einweihungspredigt des Rabbiners Dr. Maier mit den Worten:
"Ja, dir, geliebtes Stuttgart, unserem Jerusalem, wünschen wir Heil!".
Rabbiner Dr. Maier schuf für den neuen Gottesdienst auch eine neues Gebetbuch.
Die Verlesung der Tora wurde auf drei Jahre verteilt; traditionell wird die Tora
in einem Jahr gelesen. Das Prophetenwort (Haftara) sollte deutsch vorgetragen
werden. Eine Orgel und ein Synagogenchor gehörten alsbald zur Verschönerung
der Gottesdienste dazu. Die Baukosten der Synagoge betrugen über 110.000
Gulden, die überwiegend von den Gemeindegliedern erbracht wurden. Von
staatlicher Seite wurde eine Unterstützung von 2.500 Gulden bewilligt. Wie schnell die Stuttgarter Gemeinde auch in der 2. Hälfte des 19.
Jahrhunderts gewachsen ist, zeigt die Tatsache, dass die Synagoge in der
Hospitalstrasse bereits 1875 nicht mehr für die Gemeinde ausreichte. Der
Gedanke eines Umbaus wurde erwogen und zu diesem Zweck eine Reihe Nachbargrundstücke
erworben. Als Notbehelf wurden seit 1894 an den Hohen Festtagen (Neujahrstag und
Versöhnungstag) Zweitgottesdienste im Festsaal des
Königsbaus (Königstraße 28), einige Jahre später im 1910-12
erbauten Gustav-Siegle-Haus (Leonhardsplatz 28) eingerichtet. Noch im
Herbst 1938 wurden auch am letztgenannten Ort zu den Hohen Feiertagen
Gottesdienste gefeiert. Die Rabbiner der Stadt teilten sich dabei die
Gottesdienste auf. Beispielsweise predigte am 1. Neujahrstag, 10. September 1934
in der Stadtsynagoge Rabbiner Dr. Rieger, im Gustav-Siegle-Haus Rabbiner Dr.
Auerbach, am 2. Neujahrstag war es umgekehrt. Bei den immer wieder notwendigen Renovierungen der Synagoge verursachte der
spätere Einbau einer Heizungsanlage größere Schwierigkeiten, bis 1911 eine
technisch befriedigende Lösung gefunden wurde. Auch die Beleuchtung des Gebäudes
veranlasste mancherlei Sorgen, bis 1899 die Einrichtung der elektrischen
Beleuchtung durchgeführt wurde. Während für die Gottesdienste an den hohen Feiertagen die Synagoge nicht
ausreichte, konnten die Werktagsgottesdienste in einem im Gemeindehaus
Hospitalstrasse 34 eingerichteten Betsaal abgehalten werden. 1936/38 waren in
diesem Betsaal die Gottesdienste der Israelitischen Religionsgesellschaft (siehe
unten). Nach deren Auszug im Juni 1938 konnte dieser Betsaal renoviert und
einige Bänke neu angeschafft werden. Er wurde nun wieder für den täglichen
Gottesdienst der Gemeinde genutzt. Da dieser Betsaal im November 1938 nicht
zerstört wurde, konnten in ihm noch bis 1943 Gottesdienste stattfinden. 1944
wurde das Gemeindehaus bei einem Bombenangriff völlig zerstört. In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge in der Hospitalstraße bereits um 3 Uhr in der Frühe des 10. November angezündet. Eine Stunde zuvor war von SA-Leuten in Zivil und anderen Nationalsozialisten das Synagogentor gewaltsam aufgebrochen worden. Im Inneren sind nach einem Augenzeugenbericht mehrere Bänke übereinandergeschichtet, mit Benzin übergossen und angezündet worden. Bei der Brandstiftung war die Feuerwehr bereits anwesend, möglicherweise waren Feuerwehrleute an der aktiven Brandstiftung beteilt. Die Feuerwehr beschränkte sich auf einen Schutz der Nachbargebäude und konnte, nachdem die Synagoge ausgebrannt und die Ruine gelöscht war, bereits gegen 5 Uhr unter Zurücklassen einer Brandwache abrücken. Die Synagoge musste wenige Tage später abgebrochen werden. Unter der Leitung des Architekten Ernst Guggenheimer verrichteten 15 Juden, die man aus Konzentrationslagern geholt hatte, dieses zugleich gefährliche und bedrückende Geschäft. Die Abbruchsteine der Synagoge wurden an Weingärtner aus dem Remstal zum Bau von Weinbergmauern verkauft. Den Gelderlös strich die Gestapo ein. Von der Synagoge blieben nur die Gebotstafeln vom Dach des Gebäudes und das Gefallenendenkmal erhalten, die in der 1952 erbauten Synagoge aufgestellt wurden. Fotos der Synagoge Hospitalstraße Zur Seite über die neue Synagoge in Stuttgart (1952) an derselben Stelle: hier
anklicken
Die
Synagogen der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft Am 15. Juni 1878 wurde von einer Reihe toratreuer (orthodoxer) Juden die "Israelitische
Religionsgemeinschaft" gegründet. Ihnen war die Treue zu der von
Torageboten bestimmten Tradition wichtiger als die von der liberalen Gemeinde in
vielen Bereichen vollzogene Assimilation, vor allem im Bereich des
Gottesdienstes. Die Gründer der Religionsgesellschaft
waren zunächst zehn Männer, zu denen bald zwei weitere kamen. Zu ihrem
ersten Vorstand bestimmten sie Hermann Gutmann. Der erste Gottesdienst wurde am
Sabbat nach Schawuot (Laubhüttenfest) 1878 in einem Betsaal in der Holzstrasse
abgehalten. Dieser erwies sich jedoch nach kurzer Zeit als zu klein, worauf ein
Betsaal in der Olgastrasse 68 bezogen wurde. Bald stellte die
Religionsgesellschaft einen eigenen Lehrer an, der für den Unterricht, das
Vorbeten und die Schechita (koschere Schlachtung) zuständig war. Jahre später
hatte man auch einen eigenen Rabbiner (Dr. Ansbacher von 1919-1935, danach Dr.
Bamberger seit 1925). Ende der 1920er-Jahre umfasste die Religionsgesellschaft
etwa 50 Familien der Stuttgarter Gemeinde. Zu keiner Zeit kam es zu einer
Trennung von der Gesamtgemeinde; die Mitglieder der Religionsgesellschaft
blieben Mitglieder der großen Stuttgarter Gemeinde. Die Betsäle scheinen
mehrfach gewechselt zu haben, als Adressen werden auch Urbanstrasse 6 und
Alexanderstrasse 52 angegeben (Zelzer), bis spätestens in der Zeit nach
dem Ersten Weltkrieg der Betsaal im Erdgeschoss des Hinterhauses der Rosenstrasse
35/37 eingerichtet wurde (davon haben sich keine Spuren erhalten; hier ist
heute ein kleiner Spielplatz angelegt). Um 1928 reichte dieser Betsaal infolge der damals wachsenden Zahl der
Mitglieder jedoch nicht mehr aus. Man plante den Erwerb eines anderen Gebäudes
zur Einrichtung eines neuen Betsaales. Im Sommer 1930 konnte
Regierungsbaumeister Dr. Bloch in der jüdischen Abteilung der Stuttgarter
Ausstellung für kirchliche Kunst ein Modell einer neuen Synagoge für die
Israelitische Religionsgesellschaft in Stuttgart präsentieren. Zur Ausführung
eines Synagogenneubaus kam es jedoch erst 1933, als nach dem Plan von Architekt
Rasch in der Schlosserstrasse 2 "eine einfache, aber äußerst würdige
Synagoge entstand, deren Ausstattung ebenso stilvoll wie anheimelnd" war
(Beschreibung in der Gemeindezeitung vom 15.2.1934). Am 3. Februar 1934 wurde
dieser Betsaal mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Die Torarollen wurden
dabei eingebracht. Rabbiner Dr. Bamberger hielt die Festpredigt in dem ansonsten
von Vorbeter Moses Zanger gehaltenen Gottesdienst. Stadtrabbiner Dr. Rieger
hielt eine Ansprache. Ein Männer- und Knabenchor der Religionsgesellschaft
umrahmte die Feier. Aus nicht bekannten Gründen konnten die Gottesdienste der Religionsgesellschaft seit 1936/37 nicht mehr in der Schlosserstrasse gefeiert werden. Die Religionsgesellschaft benutzte für etwa anderthalb Jahre hierfür den Betsaal im jüdischen Gemeindehaus in der Hospitalstrasse 34. 1938 wurde ein neuer Betsaal im Haus Gartenstrasse 30 eingerichtet. Planung und Bauleitung lag in den Händen von Regierungsbaumeister Guggenheimer. Am 2. Juni 1938 war die feierliche Einweihung dieses Betsaales. Nach dem von Lehrer Roberg geleiteten Mah tauwu der Knaben wurden die Torarollen in die Heilige Lade eingebracht. Adolf Kulb hielt die Begrüßungsrede; Rabbiner Dr. Bamberger entzündete das ewige Licht. Von Oberrat war Präsident Dr. Siegfried Gumbel erschienen. Es schloss sich das Abendgebet an, das der Vorbeter der Religionsgesellschaft Moses Zanger leitete. In der Pogromnacht im November 1938 blieb dieser Betsaal unzerstört. Das Gebäude an der Ecke Gartenstrasse (heute Fritz-Elsas-Straße)/Hospitalstrasse wurde jedoch im Krieg völlig zerstört. Nach 1945 ist das Grundstück neu bebaut worden. Fotos
zu den Betsälen der Religionsgesellschaft
Der
Betsaal des ostjüdischen Vereins "Linath Hazedek" Um 1895 zogen in Stuttgart die ersten ostjüdischen Familien zu, darunter
Mendel Fußmann, der mit anderen ostjüdischen Glaubensgenossen den Verein "Linath
Hazedek" ("Stätte der Wohltätigkeit") begründete. Fußmann war jahrelang
der Vorsitzende dieses Vereins. Ein Betsaal befand sich bis Anfang 1928
in der Geißstrasse 1. Über die Geschichte dieses Betsaales nach 1933 ist nichts bekannt. Auf dem Grundstück der früheren Kasernenstrasse (heute Leuschnerstrasse) 30 haben sich keine Spuren erhalten. Das Grundstück wurde nach 1945 neu bebaut. Fotos
zum Betsaal von "Linath Hazedek"
Der
Betsaal des ostjüdischen Vereins "Esras Achim" 1908 wurde der Verein "Esras Achim" von einer Reihe russisch-jüdischer Zigarettenarbeiter und sonstiger Handwerker auf Veranlassung von Moses Rappoport (1874-1924) gegründet. Ziel des Vereins war, für die russischen Juden in Stuttgart "einen eigenen Gottesdienst nach heimatlicher Sitte einzurichten und kameradschaftliche Gemeinsamkeit zu pflegen" (Gemeindezeitung IV,24 vom 16.3.1928 S. 736). "Heimatliche Sitte" bedeutete das Festhalten an streng orthodoxen Traditionen, vor allem auch die Pflege des täglichen Gottesdienstes. Es wurden nur Mitglieder zugelassen, die die Sabbatvorschriften und rituellen Gebote streng beachteten. Rappoport stand bis zu seinem Tod an der Spitze des Vereines. Sein Nachfolger war Heinrich Scher, der freilich bereits 1925 starb. In den folgenden Jahren waren die Leiter des Vereins H. Wikler und S. Kleiners. Am 4. März 1928 konnte der Verein sein 20jähriges Bestehen mit einer Feier im Bürgermuseum gehen. Stadtrabbiner Dr. Rieger hielt dabei die Festrede. Der Betsaal von "Esras Achim" war im Erdgeschoss der Marienstrasse 3. Eigentümer dieses Betsaales war die Israelitische Religionsgesellschaft. Fotos zum Betsaal von "Esras Achim"
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