Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Fulda (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
 

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
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Es bestehen weitere Seiten zur jüdischen Geschichte in Fulda   

Textseite zur Geschichte des Rabbinates, der jüdischen Lehrer, weiterer Kultusbeamten und der Schule
Textseite mit Berichten aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Textseite mit Berichten zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Seite zu den jüdischen Friedhöfen in Fulda  

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
     
In Fulda bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Anlässlich eines angeblichen Ritualmordes 1235 findet sich eine erste Erwähnung einer jüdischen Gemeinde. Vermutlich gab es jedoch bereits seit der Gewährung des Marktrechts (1019) Juden in der Stadt. Der katholische Gelehrte Rabanus Maurus erwähnt bereits im 9. Jahrhundert "jüdische Zeitgenossen". 
     
Bei der Judenverfolgung am 28. Dezember 1235 wurden etwa 34 Personen der Gemeinde wegen eines angeblichen Ritualmordes von drei oder gar fünf Kindern erschlagen. Im Juli 1236 wurden die Fuldaer Juden jedoch auf Grund des Urteils einer Untersuchungskommission vom Kaiser, den Fürsten und der Geistlichkeit von der gegen sie erhobenen Beschuldigung freigesprochen. Bis Ende des 13. Jahrhunderts fehlen Nachrichten über Juden in der Stadt. 1301 werden jedoch Juden in Fulda genannt, die gemeinsam mit den in Hammelburg und Hünfeld lebenden - zum Herrschaftsbereich des Kloster Fulda gehörenden - Juden von König Albrecht dem Kloster verpfändet wurden. Am 22. März 1349 kam es zur Judenverfolgung während der Pestzeit. Bürger der Stadt und die Amtleute des Abtes fielen über die Juden her und ermordeten sie (nach Schützungen ist von etwa 180 Toten auszugehen). Einige konnten wohl entkommen wie Abraham von Fulda, der 1357 zu den Neugründern der Gemeinde Erfurt gehörte, und Joseph, der 1359 in Nürnberg aufgenommen wurde. 
  
1367 werden wieder zwei Juden in der Stadt genannt, die in der in diesem Jahr erstmals genannten "Judengasse" wohnten. Diese Judengasse war verhältnismäßig breit und lag gegen den Stadtrand hin, aber keineswegs unmittelbar an der Mauer. Hier stand vermutlich die Synagoge der Gemeinde. An dem zur Innenstadt gerichtete Teil der Gasse war ein eigener Brunnen, der "Judenborn". Von den beiden 1367 genannten Juden war einer aus Mellrichstadt zugezogen. Im 15./16. Jahrhundert lebten nur relativ wenige jüdische Familien in der Stadt, doch kam es spätestens um 1500 wieder zur Bildung eines Gemeinde. 1492 nahm Fürstabt Johann II. von Henneberg den Arzt Jakob in der Stadt auf. Er wurde verpflichtet, die Stiftsuntertanen gegen eine angemessene Bezahlung zu behandeln. 1507 wurden alle Juden der Stadt für mehrere Wochen aus nicht geklärten Gründen mehrere Wochen im Gefängnis festgehalten. 1514 wird der jüdische Arzt Lipman genannt, der für das Hofgesinde zuständig war und zugleich einen Arznei- und sonstigen Handel betrieb. 1516 widersetzte sich Fürstabt Hartmann II. der Forderung nach der Vertreibung der Juden aus der Stadt.    
 
Zu einer Blüte jüdischen Gemeindelebens kam es im 16./17. Jahrhundert, obwohl in dieser Zeit der Gegensatz zwischen der Bürgerschaft und den Juden der Stadt immer stärker wurde. Die Zahl der jüdischen "Hausgenossen" (offenbar Familien) stieg von 18 im Jahr 1567 auf 28 (1586) auf 50 (1601), 80 (1623). 1591 wurde die jüdische Bevölkerung von durchziehenden Söldnern vollständig ausgeplündert. Die Fuldaer hatten sich entgegen der Aufforderung der Regierung geweigert, die Juden der Stadt zu schützen. 1603 wurde Fulda Sitz eines jüdischen Gerichtshofes. In der Stadt gab es eine Jeschiwa (Talmudschule), die unter Rabbiner Maharam Schiff (1605 Frankfurt - 1644 Prag; von 1622 bis 1640 Rabbiner in Fulda) Weltruhm erlangte. Vor Maharam Schiff waren u.a. als Rabbiner in der Stadt tätig: 1565 bis 1588 David ben Isak aus Litauen, bis 1598 Ruben ben Salomon, 1598 bis 1604 Natphatli ben David Bacharach ("Herz aus Fulda"), 1604 bis 1609 Elia ben Mosche Loans (ein Enkel des Joselmann von Rosheim), 1615 bis 1920 Aron Samuel ben Mosche Schalom aus Krzeminiec.                    
   
1671 wurden alle Juden aus Fulda (und dem Fürstbistum) ausgewiesen bis auf fünf Familien, die weiterhin in der Judengasse wohnen konnten. Ihre Namen waren Hirsch auf der Trepp (nach den Stufen des "Judenbergs" so genannt, daraus entstand später der Familienname Trepp u.ä.), Löser Seligmann auf der Tanzhütte (dem Gemüsemarkt), Lemble Geys sowie die Witwe Koppelen und ihr Sohn.     
 
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien in der Stadt wieder langsam zu, doch war das jüdische Leben in der Stadt auf Grund zahlreicher Verordnungen und Restriktionen nur eingeschränkt möglich. Erst nach der Französischen Revolution (1789) setzte ein Prozess ein, der schließlich nach den Gesetzen von 1833 zur rechtlichen Gleichstellung der Juden mit den Christen führte.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1802 237 jüdische Einwohner (2,8 % von insgesamt 8.559 Einwohnern), 1811 jüdische 47 Familien (35 Familienväter mit Familie, 9 Witwen mit Kindern und 3 Ledige ohne Angehörige), 1827 324 jüdische Einwohner (3,5 % von 9.266), 1854 291 (3,3 % von 9.547), 1861 281 (3,0 % von 0.339), 1871 295 (3,1 % von 9.423), 1885 440 (3,6 % von 12.284), 1895 566 (3,9 % von 14.528), 1905 861 (4,2 % von 20.419), 1910 957 (4,3 % von 22.487).   

An Einrichtungen bestanden insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde gab es neben dem Rabbiner (Provinzialrabbiner s.u., zeitweise zwei Rabbiner beziehungsweise zusätzlich ein Rabbinatsassessor [Dajan]) jüdische Lehrer, die auch den Vorbeterdienst in der Synagoge übernahmen, Schochetim (Schächter) und weitere Bedienstete (Synagogendiener). Die jüdische Schule befand sich seit 1898 im Gebäude Von-Schildeck-Straße 10/Ecke Rangstraße. Damals (und bis 1910) war Lehrer an der Schule Jakob Spiro.      
 
Fulda war im 19./20. Jahrhundert Sitz eines Provinzialrabbinates. Der Rabbinatsbezirk umfasste um 1925 die Kreise Fulda, Hünfeld, Hersfeld und Schmalkalden. Auch der Kreis Gersfeld gehörte zum Rabbinat Fulda. Als Provinzialrabbiner waren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts tätig:  
 

Dr. Jakob Rosenberg (Rabbiner in Fulda von 1843 bis 1852): geb. 1806 als Sohn des Kaufmannes David Rosenberg in Düsseldorf; nach seiner Zeit in Fulda, die ihn in mancherlei Konflikte mit der Gemeinde brachte (siehe Bericht auf Textseite), wählte ihn am 7. September 1852 die Gemeinde im niederländischen Groningen zum Rabbiner, wo er bis Ende 1860 beziehungsweise bis zum Dezember 1861 verblieb (Link: Rabbiner in Groningen); 1864 verzog er nach Frankfurt, wo er im April 1868 starb.  
Dr. Samuel Enoch (Rabbiner in Fulda von November 1855 bis Dezember 1876), geb. 8. Oktober 1814 in Hamburg, Studium in Würzburg (Schüler von Abraham Bing) und Erlangen; bereits 1832 Rabbinatsassistent in Kassel, 1839 Schuldirektor der Bürgerschule (beziehungsweise Freischule; private orthodoxe Lehranstalt) in Altona; seit 1845 mit Jacob Ettlinger Herausgeber der Zeitschrift "Der treue Zionswächer", später "Redakteur der Jüdischen Presse"; 1854 Berufung nach Fulda - die Stelle trat er im November 1855 an (siehe Berichte auf Textseite); gestorben 31. Dezember 1876 in Fulda. 
Dr. Michael Cahn (Rabbiner in Fulda von 1877 bis 1918): geb. 1847 in Rüdesheim am Rhein, gest. 1920 in Fulda; Studium in Mainz und Berlin, Promotion 1874 in Straßburg, Rabbinerdiplom 1876 in Berlin,  Rabbiner in Samter (Provinz Posen), seit 1877 in Fulda; war im Religiösen streng orthodox, politisch war er patriotisch, national und kaisertreu eingestellt.       
Dr. Leo Cahn (Rabbiner in Fulda von 1919 bis 1939), geb. 1889 in Fulda; war zunächst Rabbinatsassessor, ab 1919 als Nachfolger seines Vaters als Provinzialrabbiner in Fulda; emigrierte mit seiner Familie nach der Pogromnacht 1938 nach England, von dort im folgenden Jahr nach Palästina/Erez Israel; gest. 1959 in Bnei Brak/Israel).  

Neben den Provinzialrabbinern gab es mehrere Rabbinatsassessoren, darunter:  

Baruch Kunstadt (von 1909 bis 1939 in Fulda), der als Leiter der Talmudlehranstalt (Schass Chewrah) in Fulda tätig war. Nach seiner Auswanderung gründete er in Palästina die Jeschiwa "Kol-Torah" (Stimme der Torah). Er starb 1967 in Jerusalem.  

Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Julius Birnbaum (geb. 11.5.1893 in Fulda, gef. 8.8.1918), Eugen Eschwege (geb. 7.7.1885, gef. 29.7.1916), Josef Eschwege (geb. 19.4.1877 in Fulda, gef. 14.4.1916), Julius Flörsheim (geb. 25.1.1881 in Flieden, gef. 18.4.1917), Isfried Freund (geb. 28.5.1897 in Fulda, gef. 25.7.1917), David Goldschmidt (geb. 5.7.1897 in Fulda, gef. 7.10.1916), Johann Julius Greif (geb. 3.11.1878 in Fulda, gef. 7.10.1916), Alfred Herrmann (geb. 25.4.1896 in Richlawo, gef. 21.4.1916), Moritz Kamm (geb. 10.6.1886 in Hettenhausen, gef. 5.10.1917), Siegfried Katzmann (geb. 6.4.1894 in Flieden, gef. 27.7.1916), Adolf Nußbaum (geb. 16.4.1898 in Fulda, gef. 17.10.1917), Gefreiter Artur Nußbaum (geb. 28.12.1889 in Fulda, gef. 6.11.1914), Siegmund Simon Plaut (geb. 4.3.1877 in Hünfeld, gef. 29.10.1918), Siegfried Seligstein (geb. 18.9.1892 in Fulda, gef. 18.11.1918), Friedrich Moritz Sichel (geb. 5.2.1888 in Fulda, gef. 16.3.1915), Simon Strauß (geb. 24.4.1878 in Obermoss, gef. 20.9.1916).  
 
Um 1925, als zur Gemeinde 1.137 Personen gehörten (4,3 % von insgesamt 26.140 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Emanuel Stern, Max Kugelmann und Mendel Wertheim. Neben Provinzialrabbiner Dr. Leo Cahn wird als Rabbinats-Assessor B. Kunstadt genannt. Als Lehrer war Iwan Möller angestellt, als Lehrer und Schriftführer der Gemeinde (seit 1919) Abraham Sonn (geb. 1873 in Mainstockheim, zuvor Lehrer in Theilheim und Rhina), als Schochet C. Lassmann, als Synagogendiener M. Fuchter. An der Israelitischen Volksschule gab es damals 69 Kinder, unterrichtet durch die genannten Lehrer Möller und Sonn. An den höheren Schulen der Stadt erteilte Rabbiner Dr. Cahn den Religionsunterricht.  
  
1932 waren die Gemeindevorsteher M. Kugelmann (1. Vors.), M. Wertheim (2. Vors.) und Dr. L. Herz (3. Vors.). Es gab in der Gemeindeleitung einen Finanzausschuss (Vorsitzender Dr. L. Herz) und einen Kaschruth-Ausschuss (Vorsitzender S. Ansbacher). Weiterhin waren die Lehrer Iwan Möller und Abraham Sonn in der Gemeinde und der Israelitischen Volksschule tätig. In drei Klassen wurden 92 Kinder unterrichtet. Weitere 60 Kinder erhielten Religionsunterricht. 

An jüdischen Vereinen gab es u.a. die Armenkasse für hiesige Arme der Israelitischen Gemeinde (Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung hilfsbedürftiger Gemeindemitglieder), die Chewra Bikkur-Cholim, Verein zur Unterstützung armer jüdischer Kranker (gegründet 1927, 1932 Vorsitzender Moritz Oppenheimer mit 90 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenunterstützung), die Chevra Kadischa (1932 unter Vorsitz von Isak Wertheim, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung, Bestattungswesen), den Israelitischen Frauenverein e.V. (gegründet 1900, 1932 unter Vorsitz von Ida Nußbaum mit 260 Mitgliedern), der Verein "Rituelle Küche im Landkrankenhaus" (gegründet 1927, 1932 unter Vorsitz von Rabbiner Dr. Cahn; Zweck und Arbeitsgebiet: Versorgung jüdischer Kranker im Landkrankenhaus mit ritueller Kost). An weiteren Vereinen gab es die Maharam Schiff-Loge U.O.B.B. (1932 Vorsitzender Isak Wertheim), den Ostjüdischen Verein, die Schass-Chevra (1932 Vorsitzender S. Ansbacher). An besonderen Einrichtungen ist die Jüdische Abteilung mit 15 Plätzen im Lioba-Siechenhaus zu nennen. Mit einem "Gemeindeblatt" hatte die jüdische Gemeinde ein eigenes Publikationsorgan für ihre Mitglieder.     
  
1933 lebten 1.058 jüdische Personen in der Stadt (3,89 % von insgesamt 27.753 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der Boykott vom 1. April 1933 hatte über 100 Geschäfte und Unternehmen betroffen, deren Inhaber in den folgenden Jahren zur Geschäftsaufgabe gezwungen waren. Am 11. Juli 1935 wurde ein brutaler Überfall über den bis dahin vor allem von jüdischen Viehhändlern beschickten Viehmarkt in Fulda verübt. Der Überfall wurde von dem damaligen Kreisbauernführer Fang und weiteren Bauern geplant. Mit Knüppeln bewaffnete Schlägertrupps - vor allem aus Dipperz, Dietershausen und Friesenhausen - überfielen den Viehmarkt, schlugen auf die jüdischen Händler und auf das Vieh ein, jagten die Tiere durcheinander und lösten die Stricke.  Am 1. April 1937 wurden noch 852 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 kam es bereits am 9. November zu Übergriffen auf jüdische Geschäfte und Wohnungen. Die Jüdische Volksschule wurde von fanatisierten Jugendlichen überfallen, die Einrichtung zertrümmert; alter und neuer jüdischer Friedhof wurden schwer geschändet. Am Morgen des 10. November wurde die Synagoge unter Anleitung des SS-Standortkommandanten Otto Grüner und seinen Helfershelfern die Synagoge niedergebrannt. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und in das Katholische Gesellenhaus in der Florengasse gesperrt; die meisten wurden anschließend in das KZ Buchenwald verbracht. Die jüdischen Wohnungen wurden durchsucht. Während aus Fulda bis Ende 1938 ein Großteil der jüdischen Einwohner von 1933 verzogen beziehungsweise ausgewandert sind, zogen andere Familien vom Land in die Stadt Fulda nach. Ende 1940 mussten die jüdischen Familien in sogenannten "Judenhäusern" zusammenziehen (u.a. Mittelstraße 25 und 28, Am Stockhaus 2 und 10; Karlstraße 32 und 37, Petersberger Straße 25, Rhönstraße 6, im Jüdischen Altersheim Schildeckstraße 10). Vor Beginn der Deportationen waren am 30. September 1941 248 jüdische Personen in der Stadt. Ein Jahr wurde keine jüdische Person mehr gezählt - Fulda war in der NS-Sprache durch die Deportationen "judenfrei" geworden.    
  
Zu den in Fulda geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen, die in in der NS-Zeit umgekommen sind, siehe die - mehrere hundert Namen umfassenden - Angaben im "Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"). Nach Unterlagen im Stadtarchiv gelang von den 1.545 jüdischen Personen, die in Fulda gemeldet waren - unter ihnen auch diejenigen, die aus umliegenden Dörfern nach Fulda gezogen waren oder nur kurze Zeit bei Verwandten wohnten - 940 die Flucht ins Ausland. Etwa 600 Kinder, Frauen und Männer wurden in Konzentrationslager deportiert und ermordet. 
   
Auf einem im Oktober 2010 eingeweihten Gedenkstein am früheren Synagogenplatz (siehe Pressebericht unten) stehen die Namen von 252 jüdischen Einwohnern, die 1940 bis 1942 aus Fulda deportiert wurden.         
   
Über die jüdische Gemeinde nach 1945 siehe weitere Seite (interner Link)          
   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge      
   
Im Mittelalter befand sich eine Synagoge in der "Judengasse" (heute "Am Stockhaus"), wahrscheinlich bereits auf dem Grundstück der bis ins 20. Jahrhundert bestehenden Synagoge. Sie wird als "Judenschul" 1423 und 1508/09 genannt, doch gab es eine Synagoge sicher bereits vor der Verfolgung in der Pestzeit. 
  
Um 1550 war die Fuldaer Synagoge die einzige im Hochstift Fulda. 1575 wurde ein neuer "Lehnbrief über die Judenschule" erteilt. Damals wird ihre Lage beschrieben als "oben an der Ecken gegen Anton Holzscheren Behausung über und auf der anderen Seite an Hans Kochen stoßend" beschrieben. Andere Lagebeschreibungen waren: die "Judenschule hinter der Treppe" oder am "Judenberg", womit jedoch immer dasselbe Grundstück gemeint war.   
    
Um 1850 war die Zahl der Gemeindeglieder bereits so angewachsen, dass die Plätze in der alten Synagoge nicht mehr ausreichen. Der Bau einer neuen Synagoge wurde geplant. Ende 1857 oder Anfang 1858 konnte man die Torarollen in einem feierlichen Umzug in ein provisorisch eingerichtetes Betlokal verbringen, die alte Synagoge abbrechen und an ihrer Stelle mit dem Bau der neuen Synagoge beginnen.  
    
Umzug von der alten Synagoge in ein provisorisch eingerichtetes Betlokal (Ende 1857 / Anfang 1858)   

Fulda AZJ 18011858c.jpg (63661 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Januar 1858: "In Fulda wird dem längst gefühlten Bedürfnisse eines der Zeit so wie den numerischen Verhältnissen der dortigen Synagogengemeinde entsprechenderen Gotteshauses nunmehr durch einen bereits vor geraumer Zeit in Angriff genommenen Synagogenbau abgeholfen. Der Zug aus der alten, nunmehr abgebrochenen Synagoge in das provisorisch eingerichtete Betlokal fand auf sehr feierliche Weise statt, wobei jedes Gemeindeglied eine brennende Wachskerze trug."  

Noch im Frühjahr 1859 - am 7. Juni 1859 - konnte die neue Synagoge eingeweiht werden, die in neu-orientalischem Stil erbaut wurde. Für den Berichterstatter der liberal geprägten "Allgemeinen Zeitung des Judentums" hätten allerdings die "Verzierungen der inneren Räume" etwas einfacher ausfüllen dürfen. Zur Zeit der Einweihung herrschte offenbar eine gemäßigt liberale Gesinnung in der Gemeinde. Der neue Synagogen-Chorgesang wurde als "sehr erfreulicher Fortschritt" gepriesen, wobei jedoch nicht angegeben wird, ob es sich damals um einen Männerchor oder um einen von liberaler Seite befürworteten gemischten Chor gehantelt hat.   

Die Einweihung der neuen Synagoge steht bevor (1859)   

Fulda AZJ 20061859.jpg (74009 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Juni 1859: "Der Bau der neuen Synagoge in Fulda ist bereits so weit vollendet, dass deren Einweihung noch vor Pfingsten stattfinden soll. Es ist dieses ein sehr stattlicher Bau in schönen Verhältnissen, welcher der Gemeinde und der Stadt zur Zierde gereicht. Den räumlichen Bedürfnissen der Zukunft, sowie größerer Einfachheit hinsichtlich der Verzierungen der inneren Räume hätte vielleicht mehr Rechnung getragen werden dürfen. Man ist jetzt mit der Einübung eines Synagogen-Chors beschäftigt, indem in die neue Synagoge Chorgesang eingeführt werden soll. Es ist dieses ein sehr erfreulicher Fortschritt, der nicht ohne segensreiche Folgen auch für andere Gemeinden bleiben wird; denn da Fulda die Metropole zahlreicher, nicht unbedeutender Landgemeinden ist, in welchen der Gottesdienst noch der Erlösung von alter Unordnung entgegenharrt, so wird das Beispiel Fuldas dort nicht ohne Nachahmung bleiben."     

       
Die Einweihung der Synagoge (1859)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1859: "Fulda, 8. Juni (1859). Gestern fand hierselbst die feierliche Einweihung des neu erbauten israelitischen Gotteshauses statt, woran sich die städtische Behörde, viele Bürger und Mitglieder der Zivil- und Militärstellen beteiligten. Die Feier machte in jeder Beziehung einen günstigen Eindruck und gab Zeugnis von der hier herrschenden gegenseitigen Achtung der Konfessionen und davon, dass die zelotische Agitation der jüngsten Zeit doch hier keinen Boden gewinnen kann. Die vom Rabbiner im echten Geist der Demut, der Duldsamkeit, der Gleichberechtigung aller Menschen vor Gott und darum der Nächstenliebe gehaltene Rede verdient besonders hervorgehoben zu werden und dürfte manchem christlichen Zeloten zum Muster dienen. Das Schlussgebet für Gedeihen des religiösen Lebens in der Gemeinde, für das Vaterland und die Vaterstadt, sowie den Landesherrn hat gewiss aller Herzen bewegt."        

   
Schon wenige Jahrzehnte nach der Einweihung der Synagoge war auf Grund der weiter stark gestiegenen Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in der Stadt die Synagoge zu klein geworden. Man plante den Bau einer neuen Synagoge, wofür man im Sommer 1914 für 40.000 Mark ein Grundstück kaufen konnte. Der Erste Weltkrieg und die nachfolgende Inflationszeit verhinderten jedoch die Ausführung der Pläne der Gemeinde. Weiterhin wurden die Gottesdienste in der bisherigen Synagoge abgehalten.          


Ein Grundstück für eine neue Synagoge wird gekauft (1914)   
Anmerkung: das Grundstück für die neue Synagoge lag an der Dalbergstraße.   

Fulda Frf IsrFambl 17071914.jpg (10950 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Juli 1914: "Fulda. Die jüdische Gemeinde kaufte ein Grundstück für etwa 40.000 Mark, um eine neue Synagoge zu erbauen."     

   
Einweihung einer durch den Aurach-Chajim-Verein gestiftete Torarolle (1920)    

Fulda Israelit 02121920.jpg (153391 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1920: "Ein durch ein Gottesgebot veranlasstes Festmahl vereinigte heute die Mitglieder des Aurach-Chajim-Vereins, die im Festeskleide erschienen waren. Eine feierliche, weihevolle Stimmung herrschte. Der Verein hat in opferfreudiger, von Liebe zur Tora zeugender Weise eine Torarolle erstanden, die ihrer Bestimmung übergeben wurde. Eingeleitet wurde die Feier nach vorangegangenem Mincha-Gebete durch Gesang des hiesigen Synagogenchores. Nach Rezitation mehrerer Psalmen hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn eine die Bedeutung des Tages würdigende Rede. Als dann unter dem vom Synagogenchor meisterhaft vorgetragenen 'Wajehi Binesoa...' ('und es geschah, als die Lade aufbrach..., sc. Chorgesang nach 4. Mose 10,35) die in reichem Blumenschmuck prangende, vom Kerzenlicht umstrahlte heilige Lade geöffnet und ihr die Torarolle entnommen wurde, erreichte die Weihe ihren Höhepunkt. Nach Beendigung der religiösen Feier trugen mehrere Kinder ernste und heitere Gedichte und Kouplets lokalen Charakters vor. Nach den geistigen Genüssen bot man den Mitgliedern des Vereins ein lukullisches und mit trefflichen Reden gewürztes Mahl. Der erste Vorsitzende, Herr Bankdirektor Birkenrut, begrüßte die Erschienenen, gab einen Rückblick auf die seit Gründung des Vereins durchlebte Zeit und wünschte ihm ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. Der zweite Vorsitzende, Herr Gabriel Eschwege, richtete unter Zugrundlegung der Haftara des Toraabschnittes Wajeze einen warmen Appell an die Mitglieder des Vereins, den Tora-Geist zu pflegen und die Standarte der heiligen Gotteslehre in allen Lebenslagen hochzuhalten. Herr Sanitätsrat Dr. Stern gab in bewegten, zündenden Worten seiner Freude Ausdruck, über die sich in aller Blicken wiederspiegelnde Freude über die Erfüllung des Gottesgebotes und wünschte dem Verein ein weiteres erfolgreiches Ergehen. Noch lange wird die Erinnerung an die erhebende Feier in den Herzen der Beteiligten nachhallen."       

  
Spende aus Amerika für den Synagogenbauverein (1926)  

Fulda Israelit 04021926.jpg (38597 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1926: "Fulda, 26. Januar. Herr Abraham und Julius Stern in Amerika, Söhne des kürzlich hierher verzogenen Loeb Stern, übermittelten der hiesigen jüdischen Gemeinde den Betrag von 1000 Dollars für den Synagogenbauverein. Die Gemeinde, welche vor einem unaufschiebbaren Erweiterungsbau ihrer Synagoge steht, hat den Betrag mit größtem Dank angenommen."   
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 19. Februar 1926: "Fulda. (Synagogenbau). Dem hiesigen Synagogenbauverein wurden von den Amerikanern Abraham und Julius Stern, den Söhnen des jetzt hier wohnenden Löb Stern, 1000 Dollar für Bauzwecke übermittelt."      

   
Einweihung einer Gefallenengedenktafel in der Synagoge (1926)   

Fulda CVMonat 061926.jpg (129651 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Monatsgabe der Zeitschrift des "Central-Vereins") vom Juni 1926. "Gedenkfeier für unsere Gefallenen. In der Synagoge in Fulda fand am 30. Mai eine stimmungsvolle Gedächtnisfeier zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten der Stadt Fulda statt. Gleichzeitig wurde die Gefallenengedächtnistafel, die auf schwarzem Marmor in goldenen Buchstaben in Deutsch und Hebräisch die Namen der 18 Mitglieder der jüdischen Gemeinde verzeichnet, die den Heldentod gestorben sind, eingeweiht. Zur Gedächtnisfeier waren neben den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden erschienen. Außerdem nahmen Abordnungen von Krieger- und Frontkämpfervereinigungen (darunter der Stahlhelm) an der Feier teil. Provinzialrabbiner Dr. Cahn hielt die außerordentlich weihevolle und ernste Gedenkrede. Alsdann brachte Landrat Freiherr von Gagern in einer Ansprache zum Ausdruck, dass die Trauer der Gemeinde die Trauer des ganzen Volkes sei. Für Artillerieregiment Nr. 5 sprach Oberstleutnant Scheffel, der nebst Oberst Kraus und anderen Offizieren erschienen war. Scheffel betonte, dass es im Kriege keinen Unterschied der Konfessionen gegeben habe, und in dieser Einigkeit die Quelle der deutschen militärischen Großtaten liege. Studienrat Eschelbach redete für das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Beigeordneter Arnd überbrachte in Vertretung des Oberbürgermeisters den Dank der Stadt für den Opfertod der jüdischen Krieger. Namens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sprach Kamerad F. Schuster, der auf die insgesamt 12.000 gefallenen Juden hinwies, und Synagogenältester Dr. Herz sprach als letzter im Namen des Synagogenvorstandes ehrende Worte für die Gefallenen."    
  
Fulda Israelit 01071926.jpg (95200 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1926: "Fulda, 1. Juni (1926). Am Sonntag Vormittag fand in der hiesigen Synagoge eine Gedächtnisfeier zu Ehren der gefallenen Soldaten unserer Gemeinde statt. Sie knüpfte sich an die Einweihung der Gedächtnistafel an der inneren Nordwand der Synagoge. Die Tafel ist aus schwarzem Marmor und verzeichnet in goldenen Buchstaben deutsch und hebräisch die Namen der 18  gefallenen Helden der Gemeinde. Zu der Feier waren neben den Gemeindemitgliedern die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden und Abordnungen der Krieger- und Frontkämpfervereinigungen (darunter der Stahlhelm) erschienen. Nach dem Chorgesang des Psalms 108, V. 18-19 hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn die Gedenkrede, die einen tiefen Eindruck hinterließ. Ferner sprachen Landrat Freiherr von Gagern, Oberstleutnant Scheffel, der mit anderen Offizieren in Uniform erschienen war, Studienrat Eschelbach, Beigeordneter Arnd, der mit Beigeordnetem Wißler den in Urlaub befindlichen Oberbürgermeister vertrat, Ferdinand Schuster und Gemeindeältester Dr. Herz. Chorgesang des Psalms Michtam von David (Psalm 16), Verse 9-11 beendete die würdige Gefallenen-Gedächtnisfeier."  

   
Eine Erweiterung der Synagoge wird vorgenommen (1926)   

Fulda Israelit 02091926s.jpg (82249 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1926: "Fulda, 11. August (1926). Da der geplante Neubau einer Synagoge, für den die jüdische Gemeinde dahier einen Bauplatz in der Dalbergstraße besitzt, infolge der Geldverhältnisse in der Nachkriegszeit nicht ausführbar ist, wird jetzt eine Erweiterung der jetzigen Synagoge vorgenommen, nachdem sich die Gemeinde so sehr vergrößert hat, dass der Raum nicht mehr ausreicht. Nach Beschloss der Vorsteheramtes soll nun ein Erweiterungsbau nach der Mittelstraße ausgeführt werden. Geplant ist eine Verlängerung des Hauptraumes mit Emporen für Frauen und Chor, sowie des Treppenhauses. Der Erweiterungsbau wird vollständig unterkellert und birgt im Keller die Garderobe und Toiletten für Männer und Frauen. Die Arbeiten zum Erweiterungsbau werden in den nächsten Tagen beginnen. Man hofft, dass die Vergrößerung bis Rausch haschonoh (jüdisches Neujahrsfest) fertigt ist."   

  
Die Erweiterung der Synagoge geht ihrer Vollendung entgegen (1927)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1927: "Fulda, 11. Juli (1927). Der Erweiterungsbau der hiesigen Synagoge geht seiner Vollendung entgegen. Die Innenausstattung der Synagoge selbst, wie auch des neu angelegten Treppenhauses und einiger neu geschaffener Nebenräume ist geschmackvoll und künstlerisch ausgeführt. Die Anzahl der Plätze in der Männer wie in der Frauen-Synagoge konnte mehr als verdoppelt werden. Es ist damit einem sehr dringenden Bedürfnis abgeholfen, da unsere Gemeinde in den letzten Jahrzehnten starb gewachsen ist. Man rechnet mit einer Einweihung am Schabbat Nachamu".    (sc. das wäre der 13. August gewesen, der dem 9. Aw folgende Schabbat).   
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 29. Juli 1927:  
Dieselbe Mitteilung wie in der Zeitschrift "Der Israelit" siehe oben.     

  
Einweihung der erweiterten Synagoge am 9. September 1927 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1927: "Fulda, 22. August (1927). Der Erweiterungsbau der hiesigen Synagoge ist jetzt so weit fortgeschritten, dass die Einweihung auf Freitag, den 9. September festgesetzt wurde. 
Die Eröffnung der koscheren Küche im hiesigen Landeskrankenhaus findet voraussichtlich am 1. September statt. 
Die Küche steht unter Aufsicht des hiesigen Provinzial-Rabbiners Herr Dr. L. Cahn."     
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 9. September 1927: "Fulda. Am kommenden Sonnabend, den 13. Elul findet die verschobene Einweihung der erweiterten Synagoge statt. Am Sonntag, den 14. Elul, schließt sich eine gemütliche Feier an. Zu beiden Veranstaltungen werden viele auswärtige Gäste erwartet. Wir werden in unserer nächsten Nummer so Gott will ausführlich über die Veranstaltungen berichten."     
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. September 1927: 
"Synagogen-Weihe in Fulda
. Die neuerbaute Fuldaer Synagoge wurde dieser Tage ihrer künftigen Bestimmung übergeben. Am Sabbatvorabend hatte der erste feierliche Gottesdienst stattgefunden. Sonntagvormittag war eine große Zahl von Vertretern der Behörden und Körperschaften der Einladung zu einem offiziellen Festakt gefolgt. Erschienen waren die Spitzen der Staatsbehörden, der Stadtverwaltung, Abordnungen von Magistrat und Stadtverordneten, Landtagsabgeordneter Rhiel (Fulda), Schulvorstände, gerner Vertreter von Industrie, Handel und Gewerbe. Auch aus den israelitischen Nachbargemeinden waren zahlreiche Gäste zugegen. Nach mehrstimmigem Chorgesang hielt in Verhinderung des Provinzialrabbiners Dr. Cahn Rabbiner Kunstadt eine eindrucksvolle Ansprache, in der er über die Würde und Bedeutung des Gotteshauses sprach. Landrat Freiherr von Gagern überbrachte die Glückwünsche der Staatsbehörde. Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni sprach namens der Stadt Fulda. Er wies darauf hin, dass die Fuldaer jüdische Gemeinde stets an allem Guten treu mitgewirkt habe. Für die Synagogenältesten sprach deren Mitglied Dr. Herz. Er legte in wohldurchdachten Ausführungen dar, wie das Gotteshaus die Aufgabe hat, die menschliche Seele zu bilden und so die Pflanzschule werden kann für die Menschen, die der Gemeinde, dem Staat und der gesamten Menschheit wertvolle Dienste zu leisten in der Lage sind."    

  
Einbruch in der Synagoge (1929)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 1. November 1929: "Fulda. In der Nacht zum Dienstag wurde in der Synagoge eingebrochen und die Armenbüchse gestohlen, die über Sukkaus nicht geleert und annähernd 600 Mark enthielt. Man ist dem Dieb auf der Spur."       

   
   
Nach der Einweihung der erweiterten Synagoge 1927 war das Gotteshaus nur noch elf weitere Jahre Mittelpunkt des jüdischen Lebens in der Stadt.
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
am Morgen des 10. November unter Anleitung des SS-Standortkommandanten Otto Grüner und seinen Helfershelfern niedergebrannt. Die Feuerwehr war anwesend und musste sich auf den Schutz der umliegenden Wohnhäuser beschränken. Ende Januar 1939 begann der Abbruch der Brandruine. Die Kosten wurden der jüdischen Gemeinde auferlegt. An der Stelle der Synagoge blieb ein Baulücke. Erhalten ist neben der Synagoge das Gebäude des Gemeindesekretariat, in dem sich auch die Jeschiwa (Toralehranstalt) und das rituelle Bad (Mikwe) befanden.    
    
Eine Neugestaltung des Synagogengrundstückes wurde 2010 durchgeführt (siehe Presseberichte unten).  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge         Judengasse (frühere Adresse: Obere Judengasse Nr. 2; heute "Am Stockhaus)   
  
   
Fotos
(Quelle: historische Fotos u.a. aus Arnsberg Bilder s.Lit. S. 64; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 10.4.2009)   

Historische Fotos  Fulda Synagoge 110.jpg (206251 Byte) Fulda Synagoge 111.jpg (156075 Byte)
    Blick auf die ehemalige Synagoge, 
rechts des Gebäudes führt die 
"Judengasse" entlang; das Gebäude 
der ehemaligen Synagoge 
Innenaufnahme mit Blick zum Toraschrein;
 links an der Nordwand ist die 1926
 eingeweihte Marmortafel für die 18
 Gefallenen der jüdischen Gemeinde zu sehen
     
Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge im Frühjahr 2009
   
Fulda Synagoge 176.jpg (64123 Byte) Fulda Synagoge 177.jpg (66574 Byte) Fulda Synagoge 173.jpg (76053 Byte)
Die Fotos zeigen das Grundstück der ehemaligen Synagoge; die Blickrichtung des Fotos in der Mitte entspricht der Blickrichtung des historischen Fotos oben; die Inschrift der Gedenktafel: "Zum Gedenken an die Mitbürger jüdischen Glaubens, deren Synagoge hier einst stand, wurde diese Gedenkplatte errichtet. Bis 1920 war die Fuldaer jüdische Kultusgemeinde auf fast 1200 Mitglieder gewachsen. 1938 lebten in Fulda noch 658 Juden, die das schwere Los der Diskriminierung und Verfolgung zu erdulden hatten. Viele von ihnen verloren ihr Leben in den Vernichtungslagern der Gewaltherrschaft. Wir wahren das Andenken an unsere jüdischen Mitbürger und ehren ihre Toten. Die Bürgerschaft der Stadt Fulda". 
              
      
Das Gebäude des 
Gemeindesekretariates 
und der Mikwe
Fulda Synagoge 174.jpg (58603 Byte) Fulda Synagoge 175.jpg (63223 Byte)
        
      
Fulda Synagoge 170.jpg (85924 Byte) Fulda Synagoge 171.jpg (79847 Byte) Fulda Synagoge 172.jpg (77492 Byte)
Ansichten der ehemaligen Judengasse (heute "Am Stockhaus")
        

  
  
 Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2009: Gedenken am 71. Jahrestag des Novemberpogroms 1938  
Artikel von Wolfgang Hohmann  in der "Fuldaer Zeitung" vom 10. November 2009 (Artikel):  
"Gedenken an die Reichspogromnacht. 
FULDA. Von einem 'fest gefügten Kalenderdatum' sprach Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU) am Montagabend und meinte nicht den Fall der Mauer oder 60 Jahre Bundesrepublik. Er bezog sich auf das Gedenken an die Reichspogromnacht 'am 9. November vor 71 Jahren und an diesem Platz'..."       
 
März 2010: Das Grundstück der ehemaligen Synagoge wird umgestaltet    
Artikel in "Fuldainfo" vom März 2010 (Artikel): "Gestaltung des Platzes der ehemaligen Fuldaer Synagoge 
Fulda (fdi) - Die Stadtfraktion der Fuldaer Grünen begrüßen die geplante Umgestaltung des Ortes, an dem bis zum 10. November 1938 die Fuldaer Synagoge stand. Der Hintergrund dieser Pläne geht zurück auf den Antrag der Grünen, das Projekt Stolpersteine von Gunter Demnig auch in Fulda zu verwirklichen. Der Kölner Künstler erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten..."    
    
Oktober 2010: Eine neue Gedenkstätte wird eingeweiht    
Artikel von Volker Nies in der "Fuldaer Zeitung" vom 7. Oktober 2010 (Artikel): 
"Neue Gedenkstätte für 252 deportierte Fuldaer Juden. 
FULDA Regine Eschwege und Fritz Goldschmidt, Karl Strauss und Bea Weinberg – das sind vier von 252 jüdischen Bürgern, die 1940 bis 1942 aus Fulda deportiert wurden. Ein neuer Gedenkstein nennt alle Opfer jetzt erstmals mit Namen..."   
    
Weiterer Bericht mit Fotos in den "Osthessen-News" vom 8. Oktober 2010:
"Dem Vergessen entrissen" - Gedenkstätte mit Namen 252 deportierter Juden.  
  
November 2010: Vortrag über die Zerstörung der Synagoge beim Novemberpogrom 1938   
Artikel von Volker Nies in der "Fuldaer Zeitung" vom 10. November 2010 (Artikel): 
"Vortrag: Morgens um sechs brannte die Synagoge
Fulda In der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde die Synagoge in Fulda zerstört. 'Von der Zerstörung der Synagogen bis zum Massenmord an den Juden war es nur ein kurzer Weg', sagte der Historiker Dr. Walter Mühlhausen in der Marienschule..."   
 
November/Dezember 2012: Ausstellung "Jüdische Nachbarn - Wege von gestern" 
Das inhaltliche Konzept dieser Ausstellung wurde erarbeitet von Gabriel Müller, Fulda. Die Realisierung geschah in Kooperation mit dem Stadtarchiv, dem Vonderau Museum Fulda und der "Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Fulda".     
Fulda Ausstellung 2016.jpg (46038 Byte)Ausstellung "Jüdische Nachbarn - Wege von gestern" (Informationstext aus http://fulda.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-fulda-archiv-ausstellung
vom 8. November bis 3. Dezember 2012  
Laut Melderegister lebten am 31. Dezember 1933 in der Stadt Fulda 28.293 Einwohner, davon 1029 Juden. Juden prägten das Stadtbild mit. Sie führten beliebte Geschäfte, deren Sortiment auf die katholische Bevölkerung der Stadt und auf den Bedarf der umliegenden Dörfer abgestimmt war. Fast Alle – vom ärmsten Hausierer bis zum Fabrikbesitzer – waren selbstständig oder im Familiengeschäft tätig.
Soweit sie nicht bereits emigriert oder geflohen waren, wurden die noch verbliebenen Fuldaer Juden unter nationalsozialistischer Herrschaft schließlich in das Ghetto Riga und die Konzentrationslager Theresienstadt und Sobibor deportiert. Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte und das Schicksal der Fuldaer Juden in dieser Zeit, von denen lediglich 14 die Schoah überlebten.
Eingestellt als pdf-Dateien:  Info-Flyer zur Ausstellung    Ausstellung Teil 1 mit den ersten acht Bildtafeln      Ausstellung Teil 2 mit den zweiten acht Bildtafeln
 
November 2014: Gedenken zum Novemberpogrom 1938  
Artikel in den "Osthessen-News" vom 10. November 2014: "Pflicht zur Erinnerung"  Gedenkfeier an REICHSPOGROMNACHT- Bischof Algermissen: "schlimmes Erbe"
Er ist einer der geschichtsträchtigsten Tage im Jahr, der nie in Vergessenheit geraten darf: der 9. November. Im Jahr 1938 - der Reichspogromnacht - brannten in Deutschland die Synagogen. 1.400 Gotteshäuser wurden auf brutale Weise zerstört. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zertrümmert, 400 Menschen ermordet, jüdische Friedhöfe geschändet und 30.000 Juden verhaftet und in Vernichtungslager deportiert.."   
Link zum Artikel      

      
       
Links und Literatur  

Links: 

Website der Stadt Fulda  
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Fulda (interner Link) 
Artikel "Jüdisches Leben in Fulda" bei Fulda-Wiki  
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Fulda e.V.    
Jüdische Gemeinde Fulda       
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Fulda  

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Fulda 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Fulda sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"): 
HHStAW 365,345   Familien- und Geburtsregister der Juden von Fulda  1748 - 1899     

  Literatur:  

Germania Judaica I S. 113-114; II,1 S. 267-268;  III,1 S. 419-421.
Paul Horn/ Naftali Herbert Sonn: Zur Geschichte der Juden in Fulda. Ein Gedenkbuch. Tel Aviv 1969.  
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 221-235.   
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 63-67.   
Keine Abschnitte zu Fulda bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. und dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007².   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 13-19. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 527-534.  
Fulda Lit 010.jpg (87128 Byte)Heinz-Jürgen Hoppe: Das jüdische Fulda. Ein historischer Stadtrundgang. Hünfeld 1998.  
Fulda Lit 340.jpg (55461 Byte)Bert Wallace: Ketzerbriefe 79. Bert Wallace - Der Sturm zieht auf. € 9,-   Ahriman-Verlag Freiburg. Informations-Seite des Verlages
ISSN: 0930-0503. ISBN: 978-3-89484-219-2 (ISBN-10: 3-89484-219-9). April 1998.    
Zu diesem Buch und dem Autor: Bert Wallace (urspr. Wallach) wuchs in der Weimarer Republik als Sohn einer jüdischen Familie auf, die seit der Reformationszeit im Hessischen ansässig war; sein Vater besaß eine größere Gemischtwarenhandlung. Nach der Machtübernahme der Nazis konnte Bert Wallace 1934 nur noch unter schwerster Drangsalierung in Fulda das Abitur ablegen und versuchte dann, nachdem ihm wegen seiner jüdischen Herkunft Studium und sogar eine Lehre verwehrt worden waren, als "Praktikant" den Beruf des Werkzeugmachers zu erlernen. Zwischen 1934 und 1938 war er führendes Mitglied jüdischer Jugendorganisationen (v. a. der Habonim) in Fulda, Karlsruhe und Hamburg. Auf Druck der Nazis immer wieder selbst als Praktikant entlassen, ständig überwacht von der Gestapo, immer schärferer Verfolgung ausgesetzt, entging er mehrfach nur haarscharf Verhaftung und Konzentrationslager. Erst im Frühjahr 1939 flüchtete er nach England und entrann so in allerletzter Minute dem Schicksal seiner zurückbleibenden, in den folgenden Jahren ermordeten Angehörigen und Freunde. Bert Wallace emigrierte weiter in die USA, wo er eine Ingenieursausbildung nachholte und sich eine Existenz aufbaute. Er lebte bis zu seinem Tod am 11. Juni 2005 in New York.
Fulda Lit 140.jpg (118420 Byte) Juden in Deutschland und 1000 Jahre Judentum in Fulda
hrsg. von Michael Imhof.  Zukunft Bildung Region Fulda e. V. 
Erschienen im Michael Imhof Verlag Petersberg 2011.  
24 x 30 cm, 440 Seiten, 700 S/W und 200 Farbabbildungen, Hardcover. ISBN 978-3-86568-673-2 
(D) 44,00 €   CHF 62,90  (A) 45,25 € 
Die vorliegende Publikation ist ein umfangreiches Standardwerk zur Geschichte der Juden in Deutschland, unter besonderer Berücksichtigung der jüdischen Gemeinden im Raum Fulda. Die detaillierte Darstellung reicht von den Ritualmorden, der Kammerknechtschaft und den Pestpogromen im Mittelalter sowie den Einschränkungen durch die Judenordnungen und der jahrhundertelangen Vertreibung und Verfolgung bis hin zur Deportation in die Vernichtungslager zur Zeit des Nationalsozia­lismus. Dabei werden aber auch hoffnungsvolle Entwicklungen im Sinne einer Emanzipation und Integration im 19. Jahrhundert nicht ausgeklammert. Das Buch stellt die jüdischen Gemeinden im Raum Fulda anhand zahlreicher Abbildungen im Einzelnen vor und gibt einen Ausblick auf die Neuentwicklung jüdischen Lebens in der Region.

 
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Fulda  Hesse-Nassau. Although Jews may have lived there in the ninth century, their population only became substantial after the First Crusade (1096). A blood libel in 1235 led to the martyrdom of 32 Jews, and nearly 200 perished during the Black Death persecutions of 1348-49. Reestablished in 1367, the community established a synagogue in the Jewish quarter (Judengasse) in 1423 and, despite heavy taxation and restrictions, grew to number 77 families by 1653. Fulda became the seat of a regional religious court, (beit din), one of five in Germany. Its chief rabbis, who also headed the yeshiva, included Eliyahu Loanz (1604-09) and Meir ben Yaakov ha-Kohen Schiff (the 'Maharam'; 1622-40), a leading talmudist who was appointed at the age of 17. Although 2.000 Jews were expelled from the diocese in 1671, some returned shortly afterward and eventuelly opened one of the first German schools in 1784. French occupation anthorities compelled them to adopt surnames in 1812, but they only obtained civil rights in 1833. Abandoning their former occupations, the Jews became department store owners, textile and paint manufacturers, lawyers, and physicians. Catholics in Fulda discountenanced the rise of political antisemitism and the community built a larger synagogue in 1859 to accomodate new members from rural areas, growing from 237 (3 % of the total) in 1802 to 861 (4 %) in 1905. A district rabbi (1877-1919), Dr. Michael Cahn transformed Orthodox Fulda Jewry into a bastion of Agudat Israel, denouncing both Liberal Judaism and Zionism (including Mizrachi). Thanks to his initiative, phylacteries (tefillin) 'made in Fulda' were prized throughout Europe. In response to the Tiszaeszlar blood libel in 1882 Fulda's Catholic bishop circulated a declaration refuting the charge. East European refugees founded a congregation of their own during Worldwar I, but soon became an integral part of the community. During the Weimar Republic era, branches of the Central Union (Central-Verein), Jewish War Veterans Association, and B'nai B'rith were established. Leo Cahn succeeded his father as rabbi (1919-38) and at its height the community numbered 1.137 in 1925. The synagogue was further enlarged and with the aid of Kalman Kahana, a rabbi from Brody, Barukh Kunstadt reestablished a yeshiva. While the older generation remained anti-Zionist until 1933, members of the Blau-Weiss youth movement left for Palestine in the 1920s. Around that time a training farm (hakhsara) was established by the religious Zionist Bahad movement in Rodges, and its philosophy hat a great attraction for Orhtodox youth in neighboring Fulda. A larger training farm at Geringshof survived until 1938. Most of the graduates of these farms emigrated to Palestine, where they helped found religious kibbutzim such as Yavne and Tirat Tzevi. 
The Catholic Center Party in Fulda, which many Jews supported, retained an absolute majority (51,5 % as against the Nazis' 27 %) in March 1933, when Hitler war already chancellor. Nazi terror silenced the free press and deprived Jews of their livelihood. Even the rabbi's sermons were monitored by Gestapo agents. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue (with its ancient Memorbuch dating from 1550) war burned to ashes. One Jewish girl was raped and the men were sent to the Buchenwald or Dachau concentration camp. Of 1.058 Jews registered in Fulda at the beginning of 1933, 935 emigrated (195 to Palestine); virtually all the remainder were deported: 132 to the Riga ghetto (December 1941); 36 to the Lublin district (May 1942); and 75 to the Theresienstadt ghetto (September 1942). Among those who moved to Palestine, R. Barukh Kunstadt established the Kol Torah Yeshiva in Jerusalem while Dr. Kalman Kahana, a founder of Kibbutz Hafetz Hayyim, later served as Israel's deputy minister of education (1962-69). 
     
      

                   
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Stand: 30. Dezember 2016