Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rhina (Gemeinde Haunetal, Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
   
In Rhina bestand eine große jüdische Gemeinde bis 1938/39. Es war die bedeutendste jüdische Gemeinde der Region. Zeitweise lebten in Rhina mehr jüdische als christliche Einwohner: 1860 bis 1905 war Rhina der einzige Ort in Preußen, in dem Juden die Mehrheit der Ortsbevölkerung ausmachten. Die Entstehung der Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. 1631 werden erstmals Juden in Rhina genannt. 1682 gab es eine organisierte Gemeinde am Ort. Dieses Jahr wurde als Gründungsjahr der festgehalten: 1932 wurde das 250jährige Jubiläum der Gemeinde gefeiert. Unter den in Rhina zugezogenen jüdischen Familien dürfte einige aus dem Bistum Fulda stammen, wo Juden 1671 ausgewiesen worden waren.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1829 40 jüdische Familien mit 190 Personen, 1835 177 jüdische Einwohner, 1855 68 jüdische Familien mit 322 Personen (171 männliche und 161 weibliche, davon 60 Schulkinder, 53 vorschulpflichtige Kinder), 1861 319 jüdische Einwohner (52,2 % von insgesamt 611 Einwohnern), 1871 312 (52,4 % von 595), 1885 314 (55,8 % von 563), 1895 297 (52,2 % von 569), 1900 298, 1905 296 (50,7 % von 584), 1919: 59 Familien mit 253 Personen, davon  44 Schulkindern.    
    
An Einrichtungen bestanden insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Volksschule (seit 1862, zuvor eine Talmud-Tora-Schule), ein rituelles Bad (im Keller des Schulgebäudes) und (seit 1837) ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren in der Gemeinde zeitweise neben dem Elementar- und Religionslehrer auch ein Schochet und ein Synagogendiener tätig. Unter den Lehrern waren in der Gemeinde angestellt:  Moses Jakob Bishart (Frank s. Lit. nennt ihn Lisshardt - gest. 1824 im Alter von 70 Jahren, in der Haune ertrunken); Emanuel Fauerbach (auch Feuerbach; 1824 bis zu seinem Tod 1863); Isaak Emmerich (geb. 1835 in Gudensberg, erste Anstellung in Jesberg, von 1862 bis 1902 in Rhina); Abraham Sonn (geb. 1873 in Mainstockheim, zuvor Lehrer in Theilheim/Bayern, von 1903 bis 1919 in Rhina, danach in Fulda), Siegfried Oppenheim (geb. in Nentershausen, zunächst Lehrer in Höringhausen und Wehrda, 1919 bis 1938 in Rhina), 1938/39 noch Berthold KatzDie Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Fulda. 
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Salomon Bacharach (geb. 9.10.1898 in Rhina, gef. 30.8.1918), Herrmann Buxbaum (geb. 25.12.1884 in Rhina, gef. 28.5.1917), Joseph Geis /geb. 18.3.1897 in Rhina, gef. 26.9.1915), David Katz (geb. 24.3.1877 in Rhina, gef. 29.4.1915), Gustav Katz (geb. 26.5.1899 in Rhina, gef. 10.1.1920), Joseph Katz (geb. 14.11.1884 in Rhina, gef. 15.7.1918), Leopold Katz (geb. 11.11.1896 in Rhina, gef. 2.12.1917), Marcus Katzenstein (geb. 7.2.1891 in Rhina, gef. 20.8.1914), Gefreiter Sally Katzenstein (geb. 26.5.1896 in Rhina, gef. 28.11.1917), Salomon Klebe (geb. 6.11.1890 in Rhina, gef. 12.4.1918), Samuel Klebe (geb. 18.6.1888 in Rhina, gef. 4.10.1918), Gefreiter Julius Viktor Pfifferling (geb. 5.9.1891 in Rhina, gef. 21.9.1917), Gefreiter Leopold Viktor (geb. 22.6.1892 in Rhina, gef. 12.10.1914). Ihre Namen stehen auf einer Tafel an der Friedhofshalle auf dem christlichen Friedhof. Viele andere jüdische Kriegsteilnehmer kamen mit hohen Auszeichnungen von ihrem Kriegseinsatz zurück. Aus der Gemeinde Rhina sind außerdem gefallen: Hermann Adler (geb. 1.6.1880 in Rhina, vor 1914 in Bad Kreuznach wohnhaft, gest. 1.7.1916), Adolf Adler (geb. 30.1.1884 in Rhina, vor 1914 in Düsseldorf wohnhaft, gef. 18.8.1918), David Katzenstein (geb. 28.12.1877 in Rhina, vor 1914 in Aschaffenburg wohnhaft, gef. 10.7.1916).  
  
Unter den jüdischen Gewerbetreibenden gab es zahlreiche Handelsleute (Getreidehandel, Leder- und Viehhandel) und einige Handwerker (z.B. Schuhmachermeister Salomon Simon, der ein Schuhgeschäft innehatte). Mehrere Läden, Geschäfte, Gasthäuser am Ort waren in jüdischem Besitz. Moses Blumenthal, dem eines der beiden jüdischen Gasthäuser gehörte, betrieb auch eine Mazzenfabrik (siehe Anzeige unten). Viele jüdische Familien hatten im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft.
  
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 225 Personen gehörten (42,6 % von 528), waren die Gemeindevorsteher Josef Klebe III und Meier Wetterhahn. Als Lehrer war weiterhin Siegfried Oppenheim tätig, als Schochet Samuel Buxbaum, als Synagogendiener Leopold Metzger. Die jüdische Volksschule wurde von 34 Kindern besucht. An jüdischen Vereinen gab es einen Talmud-Tora-Verein (1924/32 unter Leitung von Josef Katz I mit 15 Mitgliedern), den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1897, 1924/32 unter Leitung von Johanna Katzenstein mit 54 beziehungsweise 48 Mitgliedern; Ziel: Krankenunterstützung, Altershilfe, Waisenfürsorge), den Verein Matan B'seser (gegründet 1920; 1924/32 unter Leitung von Josef Katz I und 60 Mitgliedern, 1932 42 Mitglieder; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung von in Not geratenen Gemeindemitgliedern), eine Agudas-Jisroel-Jugendgruppe (1924 unter Leitung von Frl. Tea Katz mit 22 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Lehrer Oppenheim); außerdem gab es sechs Lernvereine. 1932 waren die Gemeindevorsteher Josef Klebe III (1. Vorsitzender), Josef Pfifferling (2. Vorsitzender) und Schatzmeister Ferdinand Katzenstein. Lehrer Oppenheimer unterrichtete im Schuljahr 1931/32 noch 22 Kinder.   

1933 lebten noch 172 jüdische Personen in Rhina (Zählung im Juni 1933).
In den folgenden Jahren ist der Großteil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert: 1934 wurden 158 jüdische Einwohner gezählt, am 1. Januar 1937 noch 121, am 1. Januar 1938 noch 87 jüdische Einwohner (22,1 % von 393 Einwohnern). Die Abwanderung wurde vor allem durch Ausschreitungen und dem ständigen Terror von Nationalsozialisten beschleunigt, der bereits 1935 bedrohliche Ausmaße angenommen hatte (s.u. bei der Synagogengeschichte). Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude mit der Schule durch Brand völlig zerstört (s.u.). Die jüdischen Einwohner wurden in Haft genommen, 13 Männer wurden in den folgenden Tagen in das KZ Buchenwald deportiert und dort mehrere Wochen festgehalten. Der Unterricht der jüdischen Kinder wurde noch in einem Privathaus weiter erteilt, zuletzt waren es nur noch zwei Kinder. Bis Februar 1939 sind fast alle jüdischen Einwohner weggezogen. Am 1. März 1939 wurde kein jüdischer Einwohner mehr in Rhina gezählt.     
  
Von den in Rhina geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; weitere Namen im Buch von Elisabeth Sternberg-Siebert s.Lit. S. 245-252): Helene Karoline Adler geb. Mansbach (1876), Lina Adler geb. Klebe (1898), Sally (Sußmann) Adler (1880), Hermann Bacharach (1859), Levi Bacharach (1867), Levi Bacharach (1901), Max Bacharach (1902), Jettchen Daniel geb. Katzenstein (1885), Hilda Friedrich geb. Klebe (1892), Jenny (Henni) Goldschmidt geb. Katz (1887), Henle Hahn (1863), Simon Hahn (1871), Amalie Hesse geb. Mansbach (1867), Gitta (Giedchen) Höflich geb. Blumenthal (1888), Jettchen Jäckel geb. Katz (1876), Bernhard (Baruch) Katz (1874), Bertha Katz geb. Stern (1889), Emma (Esther) Katz geb. Plaut (1875), Frieda Katz (1899), Leopold Katz (1886), David Katzenstein (1880), Gitta (Gietha) Katzenstein geb. Nussbaum (1891), Leo Katzenstein (1871), Moritz Katzenstein (1897), David Klebe (1873), Helene Klebe (1880), Josef Klebe (1917), Salomon Klebe (1877), Senta Klebe (1925), Lina (Lydia) Lehrberger geb. Vicktor (1901), Bernhard Levi (1898), Jakob Levi (1883), Jenny Meir geb. Bacharach (1900), Rosalie Meyer geb. Adler (1886), Helene Neuberger geb. Klebe (1894), Meta Neuberger geb. Klebe (1896), Jette Neumann geb. Michelluft (1875), Paula Neustädter (1896), Bella Nussbaum (1894), Benedix Nussbaum (1876), Hermann (Hertz) Nussbaum (1867), Jenny Nussbaum geb. Katz (1894), Emanuel (Mendel) Nussbaum (1881), Aron Oppenheim (1898), Else Oppenheim (1923), Emma Oppenheim (1886), Jenny Oppenheim geb. Hahn (1882), Max Oppenheim (1893), Sali (Sally) Oppenheim (1884), Samuel Oppenheim (1884), Selma Oppenheim (1893), Helene Oppenheimer geb. Klebe (1855), David Pfifferling (1893), Henny Pfifferling geb. Bacharach (1897), Josef Pfifferling (1881), Julia (Julchen) Pfifferling geb. Wallach (1886), Natalia Pfifferling (1924), Fanny Plaut geb. Katz (1871), Frieda Rosenberg geb. Katzenstein (1885), Flora Rosenbusch geb. Katzenstein (1894), Bilha Schwarz (1941), Berta Stern geb. Blumenthal (1907), Jettchen Stein geb. Hahn (1866), Delfine Stern geb. Katzenstein (1888), Ida Stern geb. Wetterhahn (1906), Minna Stockhausen geb. Nussbaum (1876), Jenny Strauß geb. Katz (1888), Jenny Straus geb. Levi (1893), Gella Lina Strauss geb. Buxbaum (1872), Rosa Wiesenfelder geb. Klebe (1896), Isak Würzburger (1900).        
Eine Erinnerungstafel auf dem jüdischen Friedhof in Burghaun nennt die Namen von 145 jüdischen Personen aus dem ehemaligen Kreis Hünfeld, die in der NS-Zeit umgekommen sind, darunter auch viele Namen aus Rhina.   
Keinen Erfolg hatte eine 1984 von privater Seite initiierte Einladung an ehemalige jüdische Einwohner aus Rhina (siehe unten Literatur).       
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Allgemeine Berichte aus der Gemeinde 

Kurzer Gemeindebericht (1905) 

Rhina JuedRundschau 29121905.jpg (84060 Byte)Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 29. Dezember 1905: "Während es in Russland und Österreich eine große Anzahl von Städten und Dörfern gibt, in denen die Juden die Mehrheit der Einwohner bilden, dürfte ein solcher Ort in Mitteldeutschland seltsam und deshalb der Erwähnung wert sein. Es ist das Dorf Rhina in der Provinz Hessen-Nassau, das (nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900) unter 569 Einwohnern 297 Juden zählte. Der Grund für den hohen prozentualen Anteil der Juden dürfte darin zu suchen sein, dass die Juden in Hessen früher nur ein örtlich sehr beschränktes Wohnrecht hatten und dass gerade die Ritterschaft, zu der der Ort Rhina gehörte, den Juden zum Wohnen freigegeben war. Die Mehrzahl der Juden in Rhina beschäftigt sich mit Viehhandel: im Gemeinderate sind unter zwölf Mitgliedern neun Juden."

  
"Aus der Ritterschaft" von Lehrer Siegfried Oppenheim (1927)  
Anmerkung: der Beitrag erschien in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" im Juli 1927 und beschäftigt sich mit der Geschichte vor allem der jüdischen Gemeinden Rhina, Wehrda und Langenschwarz. Auf dieser Seite zu Rhina wird der vollständige Beitrag von Siegfried Oppenheim wiedergegeben, auf den Seiten zu Wehrda und Langenschwarz nur der gekürzte Beitrag.     

Rhina JuedWZKassel 01071927.jpg (378930 Byte)  Rhina JuedWZKassel 01071927a.jpg (189742 Byte)   Rhina JuedWZKassel 08071927.jpg (264652 Byte) Rhina JuedWZKassel 08071927a.jpg (45854 Byte) 
Artikel vom 1. Juli 1927      Artikel vom 8. Juli 1927  
      
   Rhina JuedWZKassel 15071927a.jpg (247835 Byte)    Rhina JuedWZKassel 22071927.jpg (299563 Byte)     Rhina JuedWZKassel 22071927a.jpg (149693 Byte)
Artikel vom 15. Juli 1927       Artikel vom 22. Juli 1927 
Text: "Aus der Ritterschaft. Von Lehrer S. Oppenheim, Rhina. Weißt du, lieber Leser, wo 'die Ritterschaft' liegt? Es ist die Gegend, die heute den Kreis Hünfeld etwa umfasst. Wo die Hanne ihre Fluten durch ein enges Tal windet, wo die Rhön in zahllose Kuppeln und Kegel ausläuft, haben in früheren Jahrhunderten eine große Zahl von Rittern ihre Burgen erbaut. Vom Stoppelsberg schaute stolz und kühn die Stoppelsburg ('Schloss Hauneck') herab, von wo die Herren von Haune als 'Heckenreiter und Buschklopper' die friedlich ihres Weges ziehenden Kaufleute überfielen. Am schlimmsten trieb es der 'wilde Haune'. Da erhob sich die ganze Gegend gegen ihn. Auch des Landgraf von Hessen zog heran und belagerte ihn in seiner Burg. Er musste sich ergeben. Im Kerker zu Hersfeld starb er; seine Burg wurde zerstört. 
Von ihrer Burg an der Haune aus (Burghaun) beherrschten die Herren von Burghaun die von Frankfurt nach Thüringen führende Straße. In nicht allzu großer Entfernung von Burghaun saßen die Ritter von Langenschwarz, in Wehrda die Herren von Trümbach (ursprünglich von Trübenbach genannt), deren großer Waldbesitz heute der Familie von Kleydorff gehört. Der letzte Major von Trümbach starb 1905 als Badedirektor in Bad Soden bei Salmünster und wurde in Wehrda begraben. Die ebenfalls in Wehrda ansässigen Herren von Stein zu Nord- und Ostheim sind vor etwa 250 Jahren durch Heirat nach Wehrda gekommen. Auch in Buchenau waren zwei Adelsfamilien begütert: von Seckendorff, Gutend und von Schenk zu Schweinsberg. Die erstere existiert noch heute; der letzte Schenk machte vor einigen Jahren durch Erschießen seinem Leben ein Ende. Im Schenkschen Schloss ist ein (Lietzsches) Landerziehungsheim untergebracht. Und wo jetzt im 'Union-Gestüt' zu Mansbach Pferdezucht getrieben wird, saßen früher die Herren von Mansbach; in Holzheim die Herren von Romrod. (Von der in der Nähe von Rhina im Hauntale gelegenen Sinzigburg sind geschichtliche Daten nicht vorhanden; nur die Sage weiß von ihr zu berichten.) Wenn nun die Bewohner dieser 'Ritterschaft' das Sprüchlein prägten: 
'Vor Mansbach, Wehrda, Buchenau   Behüt' mich Gott und meine Frau,   Und dass ich nicht komm zu korz,   Behüt mich auch vor Langenschworz', 
dann wussten sie wohl auch 'ein Liedlein' von den Herren Rittern zu singen. 
Die Bewohner der Ritterschaft waren den Rittern zu allerlei Diensten und Abgaben verpflichtet, deren Ursprung sich nur selten mit absoluter Sicherheit nachweisen lässt. Die Ritter nahmen gern Juden in ihr Gebiet auf. Diese zahlten nicht nur Steuern, Leibzoll und andere Abgaben an die Ritter (worauf ich später noch zurückkomme), sondern sie versorgten auch deren Höfe mit allerlei Waren, die die Juden von ihren Handelsreisen mitbrachten. Jüdische Niederlassungen befanden sich in 1. Langenschwarz, 2. Hechelmannskirchen, 3. Burghaun, 4. Hünfeld, 5. Mackenzell, 6. Steinbach, 7. Mansbach, 8. Eiterfeld, 9. Buchenau, 10. Erdmannrode, 11. Rothenkirchen, 12. Rhina und 13. Wehrda. In Nr. 2, 5, 6, 11 wohnen keine Juden mehr; in Langenschwarz seit kurzem wieder eine Familie, in Erdmannrode eine, Mansbach, Eiterfeld und Wehrda sind bis auf wenige Familien zusammengeschmolzen. Nur Rhina und Burghaun haben heute noch größere Gemeinden. Die Juden der Ritterschaft unterstanden dem Rabbiner zu Fulda. Im Februar 1799 war Rabbiner Isaak Salomon Wormser in Langenschwarz zur Vornahme von Amtshandlungen anwesend. Er hat in Langenschwarz mehrere Protokolle unterfertigt. – Die Beschäftigung der Juden war in der Hauptsache der Handel. Sie kamen weit über die Grenzen des Heimatkreises hinaus bis auf die einzelnen Höfe in der Hohen Rhön. (Auf einem solchen Hofe wurde im Februar 1878 der Handelsmann Maier Plaut von Wehrda ermordet und beraubt.). 
Vielen Beschränkungen und Belästigungen waren die Juden als Handelsleute unterworfen. Von einer solchen 'l'sikorann' (zur Erinnerung) niedergeschriebenen 'Verbietung' weiß Jausef bar Schimann aus Langenschwarz zu berichten. Er schrieb am Sonntag, den 12. Nissan 5581: 
'Will ich unsere Nachkemlungen zu wissen tun, dass eine Verbietung ist gewesen ist der Schlitzer Medineh (= Gegend um Schlitz) vom 16. August 1799, dass keiner hat derf in der Medineh handeln als Dienstag und Donnerstag bei 5 fl. Straf, welcher ist angetrofin worn hat missen 5 fl. zahlen und 40 Kronen Kosten. Alsdann hat es mich auch einmal betroffen , so hab ich mich gleich gewend nach Gießen und hab gleich rausbekommen, dass die Gesero mit Gottes Hilf botel ist und hob gleich meine 5 fl. wieder bekommen. Nach dieser Sach ist keiner gegangen als ich und Simel (Bronzell) – und der Mélitz von dieser Sach wahr der Oberinspektor Strach in Schlitz und in Gießen war der Mélitz mit Namen Meier. Solches habe ich l'sikorann hier in Khalsbuch (Gemeindebuch) geschrieben. Josef bar Schimann.' 
Neben dem Handel beschäftigten die Juden sich auch mit Landwirtschaft – einzelne sogar im Hauptberuf, sodass sie als 'Bauer und Handelsmann' bezeichnet sind. Besonders von Wehrda ist mir bekannt, dass dort viele Familien großen Grundbesitz besaßen und selbst bestellten. (Wertheim, Katzenstein, Plaut, Lehrer Weinberg u.a.). Heute haben nur noch wenige Juden Land und dies in so geringem Maße, dass von Landwirtschaft nicht mehr die Rede sein kann. – Von 'zeitiger Not der Landgemeinden' wusste man ehemals in der Ritterschaft nichts. Von den dazu gehörigen 13 Gemeinden hatten 10 einen eigenen Lehrer, die anderen Gemeinden lagen vom nächsten Synagogenort nur wenige Minuten entfernt, sodass die Kinder die jüdische Schule des nächsten Ortes besuchen konnten. Da sie auch im 'T'chum schabbos' lagen, konnten die Alten Synagoge und Chewra besuchen. Heute sind noch drei öffentliche und eine Religionslehrerstelle im Bezirk vorhanden. In zwei Gemeinden (Wehrda und Mansbach) wird Religionsunterricht durch Lehrer der Nachbargemeinden erteilt. Aber ohne Religionsunterricht ist auch heute noch kein Kind. - 
Der gemeinsame 'gute Ort´(Friedhof) für alle Juden der Ritterschaft war in Burghaun. Nach und nach legten einzelne Gemeinden eigene Friedhöfe an. In Langenschwarz kauften die Juden als 'Privatgesellschaft' am 16. Juli 1832 von Heinrich Schmidt einen Acker zum Totenhof. Ebenso erwarben die Juden Rhinas am 9. Juli 1837 von David Levi Reif einen Acker zum gleichen Zweck. Die damals 26 Familien starke Gemeinde Wehrda kaufte am 11. August 1853 von Abraham Weinberg aus Mackenzell für 153 Taler im 'Hessengraben' den Friedhof, der aber 1860 erst in Gebrauch genommen wurde. 
  
Wann sich die ersten Juden in der Ritterschaft niederließen, konnte ich bisher nicht feststellen, und es ist fraglich, ob es sich überhaupt mit Sicherheit ermitteln lässt. Vielleicht datierten die erste Ansiedlungen schon aus den Jahren 1349/50, als die raubgierigen Geißlerscharen und andere Elemente über die Juden Deutschlands sengend und brennend herfielen. Nach Buttes 'Judenverfolgungen und die Juden Hersfelds im Mittelalter' war 1347 die erste Judenniederlassung in Hersfeld entstanden, die nach einer Urkunde vom 15. Juli 1350 des Abtes Johann von Eiben ein Opfer fanatisierter Volkswut wurde. 1362 nahm Abt Johann wieder mehrere jüdische Familien auf, versprach ihnen, dass sie zu keinerlei Abgabe gezwungen werden sollten, und dass er sie beschützen werde. Im Jahre 1365 macht Abt Johann sein Versprechen wahr, indem er seine Hersfelder Juden in Schutz nahm gegen einen durch ihre eigenen Glaubensgenossen in Erfurt gegen sie ausgesprochenen Bann. Die Juden von Hersfeld werden 1371 erwähnt, als ihre Abgabe mit den übrigen Einkünften des Abtes vom kaiserlichen Hofgericht beschlagnahmt wird; wie auch 1348, als der Schöffe Brückenmüller die Bürger vor den Eichhof hinausführte und sie dort den Reinigungseid schwören ließ. Zuletzt traten daher drei Juden, Bürger zu Hersfeld, die Hände eingelegt in ihr Buch, das sie nannten Moses Buch, und schwuren bei allen Stücken, nach ihrem jüdischen Gesetze, dass sie und jeder von ihnen aller der vorher aufgezählten Beschuldigungen des Abtes unschuldig zu sein.' Auch in späteren Jahren fanden noch wiederholt Judenvertreibungen aus Hersfeld statt – Hersfeld galt stets als 'Geresch mokaum' – und es ist wahrscheinlich, dass die Vertriebenen Aufnahme und Schutz bei den in der Nähe Hersfelds ansässigen Rittern suchten und fanden. In einem Kirchenstandsverzeichnis des Kirchenbuches von Wehrda vom Jahre 1762 ist als Eigentümer des Kirchenstandes Nr. 61 der Jud Affrom und als Eigentümer von Nr. 74 der Jud Herz Levi genannt. Und im Kirchenbuch von Langenschwarz unter 'Pfarrbesoldung im Jahre 1780, nämlich 19 Malter Korn' usw. erscheint unter den 'Hochadeligen Langenschwarz'schen Untertanen' neben vielen Hüttner usw. 'Jud Auscher modo cono Ellenberger', der '1 Maß Haber' in Raßdorfer Gemäß zu entrichten hat. 
 
Gemeinsame Gottesdienste hielten die Juden Wehrdas in dem noch stehenden Hause des Metzgers Plaut ab. Eine Stube in diesem Hause heißt noch heute die 'Schul'. Im Jahre 1804 ist die Synagoge erbaut und eingeweiht worden. Auf einem einfachen Brettchen, das sich über dem Haupteingang an der Außenwand befindet, ist noch zu lesen: Erbaut und eingeweiht Chanukka 5565. Das für die Synagoge benötigte Bauholz haben die Herren von Trümbach gespendet. Aus Dankbarkeit wurde über dem Oraun-hakaudesch (Toraschrein) das Trümbachsche Wappen angebracht: ein Wappenschild mit drei Rosen, das von zwei Löwen gehalten wird. 
Für die Armen Wehrdas - sowohl für Juden als auch für Christen – hatte ein aus Wehrda stammender Jude eine 'Stiftung für Arme', insbesondere aber 'für arme Kranke' ins Leben gerufen. Der Vater des Gründers, Aron Moses, war in früher Jugend aus Wehrda ausgewandert. Als die Juden sich Familienzunamen zulegen mussten, behielt er seinen Vornamen Aron und seines Vaters Namen Moses bei und nannte sich Aron Moses Arensberg. Er verheiratete sich nach Alverdissen bei Detmold (Lippe). Sein Sohn Jakob Arensberg blieb – da er in seiner Jugend schwächlich war – unverheiratet. 1888 zog er von Alverdissen nach Detmold, wo er 1895 – 80 Jahre alt – starb. Seine zugunsten jüdischer und christlicher Armen Wehrdas errichtete Stiftung, deren Zinsen jährlich vom Synagogenältesten und Ortspfarrer verteilt wurden, ist durch die Inflation leider wertlos geworden. Als Religionslehrer wirkte in Wehrda bis 1837 Reb Elie Liebschütz. Von ihm geht noch heute das Wort von Mund zu Mund (wenn man sagen will, dass jemand oder etwas verloren sei): ''s es en pißche pesser, aber kapore es se doch!' Über die Entstehung dieses Wortes erzählt man sich in Wehrda: Reb Elies dritte Frau war sehr krank, Er ging zum Arzt nach Burghaun, Als er durch Rothenkirchen ging, wurde er von teilnehmenden Juden gefragt: 'Reb Elie, wie geht's eurer Frau?' 's es en pißche pesser, aber kapore es se doch', gab Reb Elie zur Antwort. 
Als erster staatlich angestellter Lehrer wirkte Josef Weinberg aus Mackenzell, der 1884 starb. Ihm folgten die Lehrer Samuel Löwenstein aus Reichensachsen 1885-1901, Nathan Ehrenreich aus Höchberg (Bayern) 1891-1901, der Schreiber dieses Aufsatzes aus Nentershausen 1901-1919. Mit meiner Versetzung nach Rhina wurde die staatliche Stelle wegen Mangel an Schülern aufgelöst. Heute hat Wehrda noch sieben Familien und ein Schulkind. Religionsunterricht wird von Rhina aus erteilt.' 
   
8. Juli 1927: "(Fortsetzung). Eine größere Gemeinde als Wehrda war Langenschwarz. Bereits am 27. Juni 1798 wurde der Bau einer Synagoge beschlossen, zu der eine kleine Wohnung für den Lehrer und Vorsänger gehörte. Am 10. Mai 1855 genehmigte die Gemeinde die Aufnahme eines Darlehens zum Bau einer Schule und Lehrerwohnung. Der Beschluss ist von 29 Gemeindemitgliedern unterzeichnet. In der Zeit von 1850 bis 1870 sind viele jüdische Familien von Langenschwarz nach Amerika ausgewandert (Benjamin Greif, Jakob Gans und andere). Sie zahlten ein 'Abzugsgeld' und mussten der Gemeinde ihre Synagogenplätze, die Eigentum der Gemeindemitglieder waren, ohne Bezahlung zuschreiben. – Auch die Aufnahme von Gemeindemitgliedern war durch Statut auf Grund eines Ministerialerlasses vom 31.12.1839 und einer Regierungsverfügung vom 8.1.1840 (in ganz Hessen) geregelt. Es sollten zahlen: 1. Ein Ausländer 15 Taler (+ 2 Gulden Beitrittsgeld für den Friedhof, der kein Gemeindeeigentum war); 2. Eine Ausländerin 7 ½ aller (+ 2 Gulden Beitrittsgeld für den Friedhof); 3, ein Inländer 7 ½ Taler (+ 2 Gulden Beitrittsgeld für den Friedhof); 4. Eine Inländerin 3 ½ Taler (und ebenfalls 2 Gulden für den Totenhof). Außerdem hatte jeder für je 100 Gulden Vermögen oder 'Heiratsgut von seiner Frau' 15 Kreuzer zu zahlen. Nicht so billig kam Süßkind Rothschild weg, der 1833 seine Aufnahme beantragte: 'Heute dato ist bei der Israelitischen Gemeinde festgestellt worden, in dem Süßkind Rothschild seine Aufnahme habe will, hat er ihn mit der Bedingniß bekommen, dass er die alte Wittib Moses Sprinz lebenslänglich in allen Stücken und nötigen Bedürfnissen unterstützen und ernähren will. Süßkind Rothschild hat sich daher im Beisein des Synagogenältesten und mehrerer Mitglieder fest und verbindlich gemacht, dass er die gedachte Witwe Sprinz lebenslänglich, sowohl in Nahrung und Wohnung und all ihr nötiges beschaffen will, ohne dem dass er an der israelitische Gemeinde ein Anspruch um Beisteuer zu dessen Verpflegung machen darf. Geschehen Langenschwarz, den 23. Uni 1833. Nach Verlesung hat sich eigenhändig unterschrieben 0 0 0 (Handzeichen des Süßkind Rothschild, weil er nicht schreiben kann), Herz Stern Synagogenältester, Isac Stiebel als Zeuge. Elias Rothschild Lehrer als Zeuge.' – Feist Wertheim und seine Frau Lea brauchten mein Einkaufsgeld zu zahlen, dafür musste sich Wertheim verpflichten, in den Jahren unentgeltlich Chassen (Vorbeter) zu sein, nämlich 'er gibt nichts und nehmt nichts!' Viele Gemeindeversammlungen beschäftigten sich mit der Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den Gemeindemitgliedern. Das von Rabbiner Isac Salomon Wormser am 23.2.1799 geschriebene Protokoll beginnt: 'Auf wiederholter Bitte der hiesigen Judenschaft, die durch Ermahnungen und selbst des Zankes müde, nun endlich die Einigkeit lieben, und mich daher ersucht, ihnen alles gütlich in Ordnung zu bringen…' Am 5. August 1821 beschäftigte Khal (Gemeindeversammlung) folgender 'Fall': 'Ist vor der israelitische Gemeinde allhier vorgebracht worden, als Vogel Greif und Mayer Grünenbaum den dritten dieses (Monats) ein Vermächtnis gemacht haben in der armen Gasse allhier, nämlich Erster behauptet, als er dem Zweiten eine Geise abgekauft habe, der Mayer Grünenbaum behauptet, als er dem Greif die Geise zu 6 Fl. 40 Kr. verkauft hätte, wen der Letztere, nämlich Mayer Grünenbaum beweist, als er dem Greif die Geise zu 6 Fl. 40 verkauft habe, so muss der Vogel Greif ein Pfund Wachs in der Armenkasse geben, nie nicht Er weisen soll, muss der Mayer Grünenbaum ein Pfund Wachs zahlen, es regel richtig vorgebracht, und bezahlt Einer von den zwei, der bezahlen muss. Die Zeugen, die dabei waren haben sich unterschrieben: Samuel Goldschmidt, Hertz Steyn. - -' Wer von uns in Kleingemeinden gewohnt hat und noch wohnt, wo kein Bäcker ansässig ist, kennt die Sorgen, die das Berchesbacken den Hausfrauen und eventuell auch den Männern bereitet. Abgesehen davon, dass das 'Anhitzen' im Winter viel Holz kostet, war auch jedermann besorgt, dass außer Brot nichts mit den Berches zusammen in den Ofen kam. Es ist also zu begreifen, dass viele Tekonauß (Bestimmungen) das Berchesbacken betreffen. (4. April, 26. April 1823). Ein Beschluss soll wörtlich folgen: 'Geschehen Langenschwarz, den 2ten März 1856. Bei versammelter Gemeinde wurde der Vertrag im Betreff des Berchesbackens vom 4ten April 1823 erneuert und in Kraft gesetzt mit dem Hinzufügen, dass vor dem Berchesbacken keine Kuchen und Blätz gebacken werden dürfen, und der Synagogenälteste soll berechtig sein, jeden Übertretungsfall mit Ein Pfund Wachs zu bestrafen, welches in der Gemeindekasse fließt. Wer diesen Vertrag nicht unterschreibt, soll ausgeschlossen sein. Auch kein Kaffee, Gerste etc. darf nicht dabei geröstet werden.' Folgen 22 Unterschriften. - Wie man den Besuch des Gottesdienstes, der wohl manchmal allerlei zu wünschen übrig gelassen hat, zu heben sucht, zeigen aus zwei Vereinbarungen vom 30.4.1848 und 22.6.1856. Es verpflichtet sich darin jeder Bli neder ubeli schewuoh, dass die Tekonauß (Bestimmungen), das Schulengehen betreffend, wieder in Kraft gesetzt werden. Danach soll 1. Jeder, der daheim ist und nicht zu Schachris (Morgengebet) und Maariv (Abendgebet) ins Beshakneses (Synagoge) kommt, 2. Kr. Strafe zahlen, 2. Niemand vor Kaddisch d'rabbonim aus dem Beshakneses gehen. 3. 1/4jährlich Jaumkippurkoton sein. Im Winter wird ganz gefastet, wozu dich jeder verpflichtet. Wer nicht daheim bleibt, zahlt ¼ Pfund Wachs oder 12 Kr. Wenn aber Jaumkippurkoton aus einen Mittag fällt, soll er am Sonntag vorher gehalten werden. 4. Jeder Vater verpflichtet sein, dafür zu sorgen, dass die Knaben regelmäßig zum Beshakneses gehen. Wie wäre es, wenn wir in der 'Ritterschaft' jene Tekonauß (Bestimmungen), die das Synagogengehen betreffen, erneuern würden!? Es würde sich den Gemeinden eine gute Einnahmequelle öffnen!!' 
 
15. Juli 1927: '(Fortsetzung). Als Lehrer und Vorsänger, sowie als 'Judenbeglaubigter' wird zu Anfang 1800 bis etwa 1818/19 Hirsch Lazarus erwähnt, der auch als Hirsch Fürth bezeichnet ist, wohl nach seinem Heimatort. Obwohl er am Mauzoe Schabbos P. Wajigasch 5581 Khal 'zu wissen tut', dass er bald abziehe, 'wonach Khal sich zu achten hat, dass sie sich nach einem anderen Chasan umsehen', blieb er noch viele Jahre in Langenschwarz im Amt. Ihm folgte Lehrer Hecht und später Elias Rothschild, der 1830 zum ersten Mal erwähnt wird. Die staatliche Volksschule ging am 1.1.1887 mit der Pensionierung des Lehrers Windmüller ein. Windmüller starb im Mai 1889. Im Jahre 1902 wurde die Gemeinde aufgelöst und die Auflösung 1906 vom Minister genehmigt. Es blieben, nachdem die letzten Familien nach Schlitz verzogen waren, nur noch drei einzelne Männer in Langenschwarz zurück. Wolf Rothschild, der viele Jahre Botengänge zwischen Langenschwarz - Wehrda - Hersfeld besorgte, zog nach Frankfurt am Main, nachdem sein Schwager Baruch Breitenbach das Zeitliche gesegnet hatte. Baruch Breitenbach war ein weithin bekannter 'Landstraßenveteran', dessen 'Arbeitsfeld' sich aber nicht weit über die Grenzen der Ritterschaft hinaus erstreckte. Er bot zwar 'Noodeln' (Nadeln) an, die er aber gewöhnlich behielt, wenn er seinen Obulus kassiert hatte. In den letzten Jahren kam er stets mit verbundenen Backen. Zum Schluss noch ein Wort der Erinnerung dem 'Meyerche von Langenschwarz'; Meyer Ehrenreich, der schon auf seinen 'Geschäftsreisen' durch ganz Hessen kam, 'Mein Name ist Ehrenreich – hätt'r was, so geht mers gleich', mit diesen Worten stellte er sich gewöhnlich vor, jahrelang kam er täglich nach Wehrda, wo er Kosttage aß. Gelbe Rüben wollte er nicht, denn 'die wachsen net off mei'm Acker', dagegen bestellte er sich oft 'Pucki' (Pudding). 
Wenn ich hier auf die Abgaben zu sprechen komme, die von den Juden den 'Rittern' zu leisten waren, so geschieht dies aus folgendem Grunde: Die Juden von Langenschwarz waren verpflichtet, an die Küche derer von Langenschwarz und später an die Landgräfliche bzw. kurfürstliche Küche alle Zungen von geschlachtetem Rindvieh abzuliefern. Als am 11. Januar 1821 der allerdurchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Wilhelm I., Kurfürst und souveräner Landgraf von Hessen, Großherzog von Fulda, Fürst zu Hersfeld, Hanau, Fritzlar und Ysenberg, Graf zu Katzenellenbogen-Dietz, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg etc.' der Judenschaft von Langenschwarz eine Parzelle des herrschaftlichen Obstgartens (Par.Lit.K. von 20 Ruten 70 Schuh) für 45 Gulden verkaufte, verlangten die Juden Aufhebung der 'Zungengabe'. Eine gütliche Einigung kam zunächst nicht zustande. Daher klagten die Juden zu Langenschwarz, Herz Stern und Genossen, gegen den Staatsanwalt der Provinz Fulda, namens der Kurfürstlichen Renterei zu Burghaun, 'wegen Aufhebung der Zungenabgabe von geschlachtetem Rindvieh'. Der Rechtsstreit beschäftigte lange Jahre die Gerichte. Am 9. November 1841 kam folgender Vergleich zustande, der vom Kurfürstlich-Hessischen Obergericht, Zivilsenat (Vorsitzender: Warnsdorff) bestätigt wurde. Er lautet: 
Vergleich zwischen der Kurhessischen Staats-Finanzverwaltung – durch den Staatsanwalt der Provinz, Rath Zahn, ermächtigt durch Beschluss der Kurfürstlichen Oberfinanzverwaltung vom 29.X.C. Nr.23/382 und der Israelitischen Gemeinde zu Langenschwarz – Herz Stern und Genossen in Akten genannt, durch deren Bevollmächtigten, Obergerichtsanwalt Wolf dahier, ist nachstehender Vergleich abgeschlossen worden: 
§ 1. Der beim Kurfürstlichen Obergericht zwischen den kontrahierenden Teilen wegen Bezug der Zungen von geschlachtetem Rindvieh anhängige und dermalen durch Bescheid vom 11. August Nr. 48 J.P. bis zum Beweisverfahren gediehene Rechtsstreit wird beiderseits für beruhend erklärt, dagegen 
§ 2 auf Seiten der Kurhessischen Staats-Finanzverwaltung von nun an auf die fragliche Zungenabgabe der israelitischen Gemeinde Langenschwarz hiermit Verzicht geleistet, 
§ 3 bestimmt, dass jede Partei ihre Kosten selbst trägt, dass dagegen die Gerichtskosten geteilt werden sollen. 
§ 4 fordert die obergerichtliche Bestätigung. 
Geschehen Fulda, am 9.11.1841. gez. Rath Zahn; gez. Obergerichtsanwalt Wolf. Unterm 31.1.1842 bescheinigt der Obergericht-Pedell Brenzell, dass er dem p.H. Wolf und dem H. Zahn den 'vorstehend insinuierten Vergleich abschriftlich behändigt' habe, nachdem er am 12.1.1842 vom Obergericht (Warnsdorff) genehmigt sei.
   
Da Rhina ein Teil der Trümbachschen Besitzungen – ein Vorwerk von Wehrda – war, haben sich hier wohl zu gleicher Zeit wie in Wehrda Juden niedergelassen. Wie alt diese Ansiedlung überhaupt sind, sieht man daraus, dass Rhina ('Rhinaha') bereits im Jahre 980 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und 1336 als ein Teil der Trümbachschen Besitzungen bezeichnet wird. Die Rhinaer Juden waren den Herren von Trümbach und von Stein lehens- und zinspflichtig. Als am 26.8.1848 ein neues Lehensgesetz erschien, klagte 'Die Revenüen-Verwaltung der Gutsherrschaften von Trümbach und von Stein zu Wehrda (namens Ißbrücker, der im jetzigen Altmüllerschen (Wartmann) Hause zu Wehrda wohnte), als: 
I. Die Witwe des Freiherrn Gustav von Trümbach, Maria, geb. Koppel zu Hersfeld, als Vormünderin ihrer minderjährigen Kinder: 1. Sophie Karoline Emilie, 2. Friedrich Wilhelm Siegmund. 
II. Die Maria Charlotte, Mathilde von Trümbach zu Hersfeld. 
III. Der Kammerherr, Freiherr Siegmund Christian von Stein zu Nord- und Ostheim als väterlicher Gewalthaber seiner Kinder: 2. Friedrich von Stein, 2. Fanny von Stein 
IV. Die Freifrau Sophie von Doney, geb. von Trümbach zu Ludwigsburg Prokuranten gegen die israelitische Gemeinde zu Rhina, bestehend aus nachfolgenden Personen: 1. Aron Oppenheim, 2. Herz Katzenstein usw. und 48 Genossen (10 waren nicht mitverklagt, weil sie 'vergessen' waren), Provokaten auf Anerkennung eines Entschädigungskapitals für lehns- und gutsherrliche Abgaben und Eintrag der Forderungen innerhalb 14 Tage durch Kurfürstliches Justizamt Burghaun auf die betreffenden Grundstücke, denn 'diese waren uns, als Besitzern der ehemals dem kurhessischen Staate lehnbaren von Trümbachschen Rittergüter zu Wehrda, mit denen wir von dem Landesherrn belehnt worden sind, lehn- und zinsbar, und zwar das Haus zu zwei Drittel. Diese Lehn- und Zinsbarkeit äußerte sich darin, dass dem Haus bei Besitzveränderungen 5 Prozent des wahren resp. Kaufwertes als ein Lehngeld, - und außerdem 2 Gld. 30 Kr. Dienstgeld jährlich – von dem Acker ebenfalls bei Besitzveränderungen 5 Prozent Lehngeld, und alljährlich eine, unter dem Namen 'Grundzins' vorkommenden Abgabe von 20 Kr. entrichtet wurden. 
Es beruhten diese Verhältnisse auf unvordenklicher Verjährung, Herkommen und Vertrag. Über Menschengedenken nämlich und ohne Erinnerung eines gegenteiligen Zustandes haben nämlich die Besitzer der fraglichen Immobilien alljährlich respektive so oft die Voraussetzungen eines Entrichtungsfalles vorlagen, die in Rede stehenden Leistungen mit Bewusstsein der rechtlichen Verbindlichkeit und das dieser korrespondierenden Rechts an uns und unseren Lehnvorfahren entrichtet hinsichtlich der ständigen Leistungen ist dies mindestens während 10, 20 und 30 Jahren der Fall gewesen.' 
22. Juli 1927: 
 
'Auch besteht zu Rhina ein Herkommen, wonach die Besitzer lehnbarer Immobilien bei Besitzveränderungen stets 5 Prozent des Wertes als Lehngeld und namentlich die Besitzer von Häusern alljährlich 2 Gld. 30 Kr. über Menschengedenken und ohne Erinnerung eines gegenteiligen Zustandes, mit dem Bewusstsein der Zwangsverbindlichkeit entrichtet haben. 
Endlich hat die Israelitische Gemeinde zu Rhina, vertreten durch ihre Ältesten, die fraglichen Immobilien nach vorgängig von uns respektive unseren Vorfahren einbehaltenen lehnsherrlichen Konsense erworben, die Lehnbarkeit ausdrücklich anerkannt, und die Entrichtung der ständigen Leistungen versprochen. Nach Aufhebung des lehnsherrlichen und gutsherrlichen Verbandes sind an die Stelle unserer Rechte Entschädigungs-Ansprüche getreten, die sich wie folgt berechnen: 
Für die ständigen Leistungen zu 1 Rth. 18 Sgr. ergibt sich ein Kapital von 32 Rth. 20 Sgr. 
Die Grundstücke selbst sind nach Anlage B auf 440 Rth. geschätzt. 
Dies ergibt, dass ein Grundstück zu zwei Drittel lehnbar, angenommen für einen Entrichtungsfall 15 Rth. 20 Sgr. nach Maßgabe des Lehngesetzes vom 26.8.1848 § 7 Satz A 1 und B 1a und D Schlusssatz 5 ½ Fälle für das Jahrhundert, demnach ein Kapital 16 Rth. 26 Sgr., wobei bemerkt wird, dass die Zinsen der ständigen Abgaben von Michaelis laufenden Jahres, die des Lehngeldes vom 1.10.1848 an zurückstehen, wonach unser Interesse über 50 Rth. beträgt.' 
Am 2. Februar 1853 erging folgender Bescheid: 'Wird nachdem die Parteien sich vereinigt haben, der Betrag der von den Provokaten als Besitzer von einem zu Rhina gelegenen Haus, welches im oberen Stockwerk deren Synagoge und in dem unteren die Wohnung für den Schullehrer enthält, für die weggefallene Leistungen aus dem aufgehobenen Lehns- und gutsherrlichen Verband, als 
1. ständige Abgabe 2 Rht. 30 Kr. jährlich Haus- und Dienstgeld 
2. unständige Abgabe 5 Prozent Lehnsgelds von dem wahren Wert der Immobilien bei Besitzveränderungen zu entrichtenden Entschädigung auf 40 Rth. festgestellt mit der Auflage an die Prokuranten diesen Betrag nebst 5 Prozent Zinsen seit dem 1. Januar dieses Jahres bezahlen und den Prokuranten die Hälfte der Kosten zu ersetzen mit Vergleichung der übrigen.' 
Die Gemeinde hatte die Zahlung verweigert und es auf einen Prozess ankommen lassen mit der Begründung, dass 'die Synagoge einschließlich eines Schulhauses im Jahre 1782 aus einen alten Schäferhause, welches der damaligen Lehnsherrschaft gehörte und in Wehrda gestanden, für einen gewissen Kaufbetrag und gegen eine jährliche Abgabe von 2 Gld. 30 Kr. erbaut, welcher im Voraus wusste, dass dieser Bau, welcher zwar vor 19 Jahren etwas erweitert wurde, nie veräußert werde, mithin auch nie lehnbar werden kann, und was der Totenhof betrifft, so ist bei Erlangung des Konsensus zwischen der damaligen Lehnsherrschaft respektive dem damaligen Revenüenverwalter und dem Synagogenältesten Anschel Adler und Lehrer Fauerbach ausdrücklich vereinigt worden, dass, weil dieser Acker nie wieder lehnbar wird, die Gemeinde eine jährliche Grundzins von 20 Kr. zu bezahlen.' 
Die 'Aufnahme' in die Gemeinde Rhina war ähnlich geregelt wie in den anderen Gemeinden der Ritterschaft. Als sich 1851 P.B. wegen 'Nichtaufnahme' gegen den Synagogenältesten B.L. beschwerte, erwiderte L.: 'dass nach Mitteilung des Herrn Landrats vom 11. März 1851 laut Anlage von dem Synagogenältesten und Bürgermeister die Aufnahme gemeinschaftlich zu erteilen sei. Aus dem Grund, den Streit zu vermeiden unter den Gemeindegliedern, indem die Israeliten ihre Armen selbst unterstützt haben und der christlichen Gemeinde nicht zur Last gefallen sind, wodurch der Bürgermeister bei Aufnahme der Israeliten dem Synagogenältesten eingeräumt habe, und zwar aus dem Grunde, dass der Synagogenälteste den Israeliten ihre Geschäfte besser kennt, ob derselbe von seinem Geschäft eine Familie ernähren kann, und dass P.B. erklärte, er betreibe Vieh- und Fellhandel und mir bekannt ist, dass derselbe kein Vermögen besitzt und nach seiner eigenen Angabe von seinem Vater mein Vermögen angeben kann, sowie nicht von seiner Braut, weshalb ich demselben keine Aufnahme erteilen kann und bemerke, dass derselbe nur einfach mit einer Kuh und einzelne Felle handelt, wovon er eine Frau nicht zu ernähren vermag und nicht eine eigene Wohnung besitzt, und dann die Gemeinde im Jahre 1829, dem 17. August, Statuten festgesetzt, wonach Jeder Einzug in die Israelitische Gemeinde zu zahlen hat, welche vom vorhinnigen Kreisamt am 3. Juli 1834 genehmigt worden, und die Gemeindemitglieder selbst einzeln darüber abgefragt, wo nach dem Vermögensverhältnis der Einzug in die Gemeinde bezahlt werden soll, und der Genannte sowohl von sich als von seiner Braut kein Vermögen angibt, und nach den Statuten denselben der diese Angabe macht, keine Angabe gebühret und bis jetzt nach den Statuten gehandelt worden ist, deshalb habe ich dem genannten P.B. die Aufnahme verweigert, indem solcher mit einem starken Vermögen von Vieh- und Fellhandel keine Familie ernähren kann, viel weniger mit einem geringeren Vermögen, und wird derselbe ohne Vermögen und ohne reelles Geschäft der Gemeinde zur Last fallen.' 
Das ''tolle Jahr' 1848, brachte auch in der Ritterschaft mehrfache Unruhen. In Wehrda tat sich besonders 'Brenners Cost' als Unruhestifter hervor, Der Einwohner Schilderoth, der in der Schlossgasse zu Wehrda überfallen und übel zugerichtet worden war, konnte sein Leben nur dadurch retten, dass er sich zur Erde warf und sich tot stellte. – Die jüdischen Einwohner Rhinas sahen sich zur Errichtung einer Sicherheitswache vom abends 10 Uhr bis früh 2 Uhr veranlasst. Es mussten jede Nacht sechs Mann wachen. Die Gemeindemitglieder waren verpflichtet, die Wache selbst auszuführen oder 'einen annähmlichen Wächter' zu stellen, 'der wenigstens 20 Jahre alt ist'. Zuwiderhandlungen sollte der Synagogenälteste mit 5 Sgl. bestrafen, 'wer sich ausschließt, soll in allen gemeinheitlichen Dingen ausgeschlossen bleiben', und 'wer einen ausgeschlossenen Berches backt, den soll der Synagogenälteste mit 10 Sgl. bestrafen.' 
Zur Franzosenzeit 1812 gehörte der größte Teil der Ritterschaft zum Canton Holzheim (Departement und Distrikt Werra-Hersfeld). Der Syndikus des Cantons wohnte in Riena (Rhina). Nach Horwitz, 'die Juden in Hessen' zählte der Canton Holzheim 113 jüdische Familien. 
Eine kurze Statistik möge die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Rhina zeigen. Es wohnten dahier im Jahre 1829 40 Familien mit 190 Seelen, im Jahre 1855 63 Familien mit 322 Seelen (171 männlich, 151 weiblich); davon waren 60 schulpflichtige und 53 vorschulpflichtige Kinder), im Jahre 1861 81 Zensiten, im Jahre 1919 59 Familien mit 253 Seelen, im Jahre 1927 52 Familien mit 211 Seelen. 
1844 zählte die Religionsschule 63 Kinder. Seinen 'Ruhm', 'der einzige Ort Preußens mit überwiegend israelitischer Bevölkerung' zu sein, hat Rhina im Jahr 1923 verloren. 

Bei dieser Gelegenheit dürfte ein Wort über die Entvölkerung der jüdischen Landsgemeinden zu reden sein. Als ich 1902 bis 1903 in der Schule zu Rhina vertreten musste, hatte die Schule 63 Kinder, als ich 1919 die Stelle übertragen bekam 44, und heute sind noch 25 schulpflichtige Kinder da. Für die kommenden sechs Jahre sind 22 bis 24 der Durchschnitt. Von den 42 Seelen, die es heute gegen 1919 weniger sind, entfallen allein 19 auf Kinder des schulpflichtigen Alters. 
Der Geburtenrückgang hat auch auf dem Lande verheerend um sich gegriffen – und zwei Kinder pro Familie ist zur Regel geworden. Es ziehen auch meist jüngere Familien in die Städte, die einige Kinder mitnehmen (Seit 1919 von hier drei solche Familien). Die jungen Leute, soweit sie noch auf dem Lande – meist im Elternhaus – wohnen, ziehen bei ihrer Verheiratung in die Stadt. Daher bleiben in den Landgemeinden vielfach nur 'die Alten' zurück, mit deren Tod (oder weil sie im hohen Alter zu einem ihrer Kinder ziehen) die Familie erlischt. Auf diese Weise sank z.B. die Familienzahl in Wehrda in einem Zeitraum von kaum 10 Jahren von 15 auf 7 Familien. Die gleiche Beobachtung mache ich auch hier, und nach menschlicher Voraussicht wird die Familienzahl Rhinas und auch vieler anderer mir bekannter Landgemeinden in den nächsten 10 bis 15 Jahren sich weiter stark verringern, wenn nicht eine unvorhergesehene 'Reaktion' eintritt. 
Dass eine Sesshaftmachung der jüdischen Landbewohner durch Berufsumschichtung – Zuführung der Jugend zur Landwirtschaft und zum Handwerk, Einführung von Heimarbeit usw. – erreicht werden wird, halte ich auf Grund vieljähriger Erfahrung für aussichtslos. Außerdem handelt es sich nicht um einen Rückgang der Seelenzahl der Landgemeinden, sondern um eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung überhaupt. Wohnten ums Jahr 1800 in der Ritterschaft 'bei adligen Gütern 800 Juden', so ist heute die Zahl auf 508 gesunken. Die Ursachen des Rückgangs sind allgemein so bekannt, dass es sich erübrigt, an dieser Stelle noch weiter darüber zu sprechen. 
Das im Jahre 1782 erworbene 'Schäferhaus', das der Israelitischen Gemeinde Rhina als Synagoge und Lehrerwohnung diente, wurde durch Beschluss der Gemeinde 1829 vergrößert und umgebaut. Die Einweihung fand am 10.1.5594 statt. Infolge Zunahme der Gemeinde und der Schülerzahl wurde am 7.8.1855 ein Neubau beschlossen, obgleich in einer am 3.5.1855 stattgehabten Gemeindeversammlung sowohl der Neubau als auch die Anstellung eines zweiten Lehrers abgelehnt worden waren, indem '5 Mann dagegen' stimmten und 'die übrigen alle Stillschweigen'. Der Neubau zögerte sich hin, und erst 1862 (statt 1826) war man soweit, dass man an Stelle der bisherigen Religionsschule eine Volksschule errichtete, die am 1.11.1862 eröffnet wurde. Aus den ältesten Zeiten ist der Name des Religionslehrers und Vorbeters Jakob Lißhart bekannt, der am 8.12.1824 im Alter von 70 Jahren in der Haune ertrunken ist, Ihm folgte Manuel (Emanuel) Fauerbach aus Gelnhausen. Mit Eröffnung der Volksschule war Lehrer Isaak Emmerich auf Jesberg (geb. zu Gudensberg) nach hier berufen worden. Er wirkte mit Fauerbach bis zu dessen Tode – Dezember 1863 – gemeinsam als Lehrer und Vorbeter. Emmerich übernahm die Knabenklasse mit 40 Kindern, während Fauerbach 35 Mädchen zu unterrichten hatte. Emmerich ging am 1.9.1902 in Pension und nach siebenmonatlicher Vakanz folgte ihm Lehrer A. Sonn aus Theilheim, dessen Nachfolger ich am 1.8.1919 wurde. 
Damit schließe ich einstweilen meine Mitteilungen 'Aus der Ritterschaft'. Sollte im Leserkreise dieser Zeitung der Wunsch vorhanden sein, auch von anderen Gemeinden näheres zu erfahren, und es mir gelingen, weiteres Material – das mir in Aussicht gestellt ist – zu erlangen, dann Fortsetzung so Gott will, in nicht allzu ferner Zeit."  

    
 "Berlin oder Rhina" von Bernhard Traubenberg (1927)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 8. Juli 1927: 
"Berlin oder Rhina? Von Bernhard Traubenberg. 
Auf die Frage nach der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands wird jeder zweifelsohne ohne langes Zögern und Besinnen Berlin zur Antwort geben. 
Und doch kann eine andere Gemeinde mit starker Aussicht auf Erfolg um die Palme ringen. Die Gemeinde, die die Kühnheit besitzt, Berlin den Lorbeer streitig zu machen, und sich vermisst, an der Spitze der deutschen Judenheit zu marschieren, ist - - - Rhina in Hessen-Nassau, Rabbinatsbezirk Fulda. Die meisten Leser werden zum ersten Mal in ihrem Leben den Ortsnamen Rhina vernehmen und begierig sein, die Beweise zu hören, auf Grund deren Rhina einen derartigen Anspruch rechtfertigen kann. 
Nun, Rhina hat 269 Juden unter einer Einwohnerschaft, die sich insgesamt auf 540 beläuft. Der Prozentsatz der jüdischen Einwohner beträgt somit 49,8 und nur einer einzigen Seele bedarf es noch, um den Anteil der Juden auf 50 Prozent zu erhöhen. So gesehen, die jüdische Bevölkerung an der allgemeinen gemessen, gebührt Rhina der Vorzug und nicht Berlin. 
Berlin hat zwar rund eine Viertelmillion Juden, aber unter 4 ¼ Millionen machen sie erst den 17. Teil der Gesamtbevölkerung aus, während in Rhina schon jeder zweite Mensch ein Jude ist. Berlin hat 6 Prozent, Rhina jedoch 50 Prozent Juden. Rhina besitzt also – immer den prozentualen Maßstab angelegt – mehr als achtmal so viel Juden als Berlin. 
Und dabei hat sich während der letzten 25 Jahre die Anzahl der Juden in Rhina ständig verringert. Damals zählte das Örtchen 332 Juden unter 563 Bewohnern, und die Juden bildeten statt der heutigen 50 Prozent sogar volle 60 Prozent, und damit die Mehrheit der Bevölkerung. Und diesen Zustand hat die Welt ertragen, sie ist dabei nicht untergegangen, und auch Rhina steht noch auf dem alten Fleck, ohne nach der Theorie des überängstlichen Verfassers der 'Weisen von Zion' unterminiert, mit Sprengstoff gefüllt und in die Luft geflogen zu sein. 
Es wäre freilich recht interessant, etwas Genaueres über das Zusammenleben der Konfessionen in Rhina zu erfahren. Aber auch ohne eingehende Kenntnis dieser Verhältnisse wird man behaupten können, dass die bisherige jüdische Mehrheit und ihre Ortsvertretung sich gegenüber ihren andersgläubigen Mitbürgern keinerlei Übergriffe erlaubt hat. Wäre es anders, die antisemitischen Spatzen hätten es längst von allen Dächern gepfiffen. Man muss festhalten, dass Rhina der einzige Ort in Deutschland ist, an dem die Juden außer der politischen und juristischen auch noch die numerische Parität besitzen. 
Bei dieser Gelegenheit sollen noch zwei andere jüdische Gemeinden namhaft gemacht werden, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung den sonstigen Anteil erheblich überschreitet: Gailingen, das unter 1800 Seelen 500 jüdische zählt, und Haigerloch, wo sich 225 Juden unter 1400 Einwohnern befinden. Wie in Rhina ist auch in diesen Gemeinden der Stand der jüdischen Bevölkerung im letzten Vierteljahrhundert stark gesunken. Damals hatte Gailingen noch 604 Juden unter 1740 Seelen und sie bildeten 38 Prozent, und Haigerloch zählte 295 Juden unter 1250 Einwohnern, was einem prozentualen Anteil von 24 entspricht, während sie jetzt nur noch 16 Prozent ausmachen. 
Das rapide Schwinden der Juden in Dörfern und Kleinstädten ist eine der bedenklichsten Erscheinungen im jüdischen Leben der Gegenwart und beschwört Gefahren heraus, deren Bekämpfung die besten Köpfe unter uns lebhaft beschäftigt. (Jüdisch liberale Zeitung)."    

  
"Mein Heimatbuch" von Lehrer Siegfried Oppenheim (1931)  
Anmerkung: das Original des Heimatbuches konnte von Siegfried Oppenheim bei seiner Auswanderung nach Palästina mitgenommen und dadurch gerettet werden. Später war es (nach Frank s. Lit. Abschnitt 8) im Besitz des "in Haifa lebenden, inzwischen verstorbenen Walter Oppenheim". 

Rhina Israelit 05031931a.jpg (450619 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1931: "Mein Heimatbuch. Von Siegfried Oppenheim, Lehrer, Rhina (Kreis Hünfeld). 
'Die Heimat ist der Schlüssel zur Seele des Menschen'.  
Soll unser Unterricht bodenständig sein, so muss er sich auf heimatlicher Grundlage aufbauen. Darum bildet nach den 'Richtlinien' die Heimatkunde auch einen wesentlichen Bestandteil des Unterrichts in der Volksschule. Dabei ist allerdings Voraussetzung, dass der Lehrer die Heimat selbst kennt. Den Stoff hierzu findet man wohl kaum in einem 'Lehrbuch' gesammelt. Die vorhandenen Heimatbücher sind immer für einen größeren Bezirk (Kreis usw.) zugeschnitten. Sie bieten dem Lehrer für seinen Ort nur wenig. Eine Heimatkunde in wirklichem Sinne muss sich der Lehrer erst schaffen. Mit Hammer und Spaten, mit Lupe und – klarem Blick muss er die ihn umgebende Heimat und Natur durchforschen. Aus diesen Gedanken heraus ist mein Heimatbuch entstanden. Über Heimatsagen, die heimatliche Flora und Fauna, über Boden- und Gesteinsarten belehren Sagen- und Heimatbücher und unterrichtliche Ausgänge. Letztere, von vielen Eltern als 'Spaziergänge' betrachtet, halte ich für besonders wertvoll. Dort lernen unsere Kinder im Lesebuch des Lebens blättern und lesen; sie sind – richtig ausgeführt – Entdeckungsfahrten. Wie eine Mutter liebt, das sahen wir vor dem Schulhaus, wo unter dem Dach Schwalbenmütter für ihre Jungen sorgten und auf dem Hühnerhof, wo eine Henne ihre Küchlein verteidigte und unter ihre schützenden Flügel barg. Eiche und Buche im Walde wurden zur Gaststätte, wo Tiere und Vögel Nahrung und Wohnung fanden, der Apfelbaum an der Landstraße zum freundlichen Wirt. Und dehnten wir unseren Unterrichtsgang bis in die Gemarkung des nächsten Ortes aus, dann standen wir am 'Steinmal', der uns Gerichts- und Opferstätten der Chatten (sc. germanischer Volksstamm) wurde. An 'der alten Mauer' erstand vor unserem Auge wieder das von einem tiefen Wassergraben umgebene Schloss derer von Trümbach, denen einst unser Heimatort tribut- und zinspflichtig war. Eine für einfache Schulverhältnisse ausreichende Steinsammlung haben wir bei den Ausgängen zusammengetragen: Basalt und Schiefer, Kalk, Kies und Feldspat, Sandsteine verschiedener Färbung und Körnung, Ton und Lehm lernten die Kinder auf diese Weise kennen und unterscheiden. Und wertvolle Funde brachten wir mit heim, wenn wir altes Gerümpel auf einem Hausboden durchsuchen durften: eine alte Krämerwaage, ein Spinnrad mit allem Zubehör, einen ledernen Hauseimer, eine Lichtputzschere, alte Laternen usw. Das alles sind Fenster, durch die unser Blick in die Vergangenheit schaut. – Schwerer wurde die Arbeit, als es um die Erforschung der Geschichte des Heimatortes, die ich gern in Form von Geschichten kleide, sich handelte. Woher ich da den Stoff erhielt? Überall habe ich gesucht – und auch überall etwas gefunden. Zunächst las ich die alten Akten der Orts- und auch der Synagogengemeinde. Überall stieß ich auf wertvolle Aufzeichnungen, die mich zum Teil fast 1 ½ Jahrhunderte zurückführten. Aus alten Rechnungen, Steuerkataster, Prozessakten usw. konnte ich die Geschichte unserer Schule, der Synagoge und Lehrerwohnung bis 1782 verfolgen. Flurkarten, Flurbuch und Flurnamen zeigten, welche Beschäftigung die Bewohner des Heimatortes ehemals hatten, wo Wüstungen sich befinden. Auch über die Bodenarten (ob Sumpf, Wald, Weide usw.) geben sie Auskunft. Im 'Illergarten' (iller-irden) wurden irdene Töpfe, Schüsseln, Krüge gebrannt, die Rerwiesen (Rer = althochdeutsch risc = Binsen) sind mit Binsen bestandene Sumpfwiesen und im Sinzig (althochdeutsch sinidi = Viehweide) führte der Hirte sein Vieh zur Weide. An die Zeiten, wo in jedem Bauernhause noch ein Webstuhl stand, erinnert der Hehrberg, (Hehr oder her von haru = Lein) wo Lein (Flachs) gezogen wurde.       
Mit Erlaubnis des Pfarrers konnte ich die Kirchenakten durchstöbern. Da fand ich, dass bereits 1762 dem Jud Affrom der Kirchenstand Nr. 61 und dem Jud Hertz Levi Stand Nr. 74 gehörte. Über die von den Juden zu leistende Abgaben fanden sich viele Notizen.     
Unsere Lokalpresse (Hersfelder und Fuldaer Zeitungen) bringt wöchentliche beziehungsweise monatliche 'Heimat'—blätter. Im Orte werden natürlich die verschiedensten Zeitungen gehalten. Die Kinder sammeln die heimatlichen Beiladen für die Schule. Viel Wertvolles für unser Heimatbuch fand sich darin. Ebenso gehören die in der engeren Heimat (Regierungsbezirk) erscheinenden Heimatkalender bei mir zu den Lehrmitteln. Geschichte und Sage, Schilderungen von kulturellem und kulturellem Leben, von Sitten, Gebräuchen, Sprichwörtern und Redensarten, Bauernregeln usw., aus Vergangenheit und Gegenwart finden sich darin und lassen sich für das Heimatbuch auswerten.  Aus mündlichen Berichten der älteren Einwohner, aus alten Akten und privaten Aufzeichnungen bekamen wir den Stoff für folgende Aufsätze: Wie 1. Rhina Post, 2. Eisenbahn, 3. Wasserleitung, 4. elektrisches Licht erhielt, 5. wie Rhinas Gemarkung zusammengelegt (verkoppelt) wurde. Mit den Kindern der Oberklasse bin ich von Haus zu Haus im ort gewandert, und wir haben alle Hausinschriften, die sich in großer Zahl fanden, aufgeschrieben. Eine hebräische Inschrift lautet: 'Gebaut im Jahr 5575 (=1814/15")'. 
Überhaupt haben sich meine Schüler als fleißige Mitarbeiter bewährt. In Bauern- (und auch Juden-)Häusern sammelten sie die hier bekannten Bauernregeln. Von manchen interessanten Volksbräuchen und Aberglauben wussten sie zu berichten, wenn sie zurückkamen: Beim Gewitter legen die Bauern Salz auf die Ecken des Tisches, die Juden legen ein Chumesch (sc. 5 Bücher Moses, Tora)) auf den Tisch und schlagen Bereschis auf (= 1. Buch Mose) – dann schlägt's nicht ein! Bei uns backen die Leute fast ausnahmslos ihr Brot selbst. Damit nun der Teig gut säuert, machen die Christen drei Kreuze auf den Teig, die Juden schreiben 'Massel ubrocho' (sc. Glück und Segen) darauf. Kleinen Kindern macht man Wachs ins Haar, dass sie nicht 'berufen' werden. Bei den Juden nahm man Hawdolohwachs (sc.: von der Hawdalahkerze der Schabbatausgangszeremonie). Und die Kinder fanden überall freundliches Entgegenkommen und bereitwillige Hilfe. Aber die Kinder haben auch den größten Nutzen von ihrer Tätigkeit, da sie 'Heimat' erleben und innerlich erfassen.    
Und nun noch ein Wort darüber, welche besonderen jüdischen Stoffe in meinem Heimatbuch stehen. Abgesehen davon, dass es die Geschichte der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Schule enthält, berichtet es ausführlich über die Beteiligung der Juden Rhinas am Weltkrieg. Es nennt alle Kriegsteilnehmer, zählt die Verwundeten, Gefallenen, in Kriegsgefangenschaft geratenen auf und berichtet über Auszeichnungen unserer Krieges (ein eisernes Kreuz 1. Klasse). Es berichtet über Spenden und Sammlungen in der jüdischen Gemeinde für die Frontsoldaten, fürs Rote Kreuz, für Ludendorff- und Hindenburgspende usw. Es nennt die hier bekannten jüdischen Sprichwörter: Wa'j'chi (gemeint: in den Tagen um den Schabbat mit der Toralesung Wajechi: Ende Dezember oder Januar) schlacht mer die alten Küh; Es kratzt sich keiner umchinem, entweder hat er Dajes oder Kinem. Besondere Aufsätze behandeln folgende Themen: Wenn ein Kind geboren wurde  -  Brismiloh (Beschneidung)  - Chaulgraisch  - Verlobung und G'lilemahl – Hochzeit  - Tod und Begräbnis  - T'kufe (sc. siehe dazu die unten wiedergegebenen Beiträge der Schüler).    
Den Stoff hierzu sammelten sich die Kinder bei den ganz Alten.   Der Sammeleifer der Kinder übertrug sich allmählich auch auf die Alten. So brachte mir voriges Jahr Herr N.N. ein Heftchen 'Der Wink'. Darin war das Bild des Frankfurter Malers Jakob Nussbaum, der am 8. Januar
Rhina Israelit 05031931b.jpg (820220 Byte)1873 daher geboren wurde und die hiesige Volksschule von Ostern 1879 bis dahin 1882 besuchte. Sein Bild mit einer Biographie ist in unserem Heimatbuch 'verewigt'. 
Und als die im Heimatbuch des Öfteren genannte Frau Jettchen Bacharach ihren 95. Geburtstag feierte, entnahmen wir einer Lokalzeitung ihr Bild fürs Heimatbuch und eine Urenkelin schrieb einen Text dazu: Meine Urgroßmutter.   
Bis auf wenige Aufzeichnungen, die ich naturgemäß selbst ausarbeiten musste, (z.B. die Erklärung der Flurnamen), sind sämtliche Niederschriften Kinderaufsätze. Was unter meiner Anleitung von den Kindern zusammengetragen und in gemeinsamer Arbeit von ihnen gesichtet und geformt war, haben sie – immer ein anderes Kind – ins Heft eingetragen, mit Datum und ihrer Unterschrift versehen.    
Auch die nichtjüdische Bevölkerung stellte sich gern in unseren Dienst (siehe oben). Und als ich seinerzeit das Thema stellte: Unsere Gemarkung wird zusammengelegt (verkoppelt), waren mit der Sache vertraute Bauern der Kinder Berater und Helfer. Und der Nebenkostenrechner brachte erst vor einigen Tagen die Abrechnung für 1929, ohne dass er darum gebeten worden war.
Nun wäre noch ein Wort über die äußere Ausstattung des Buches zu sagen. Ein von Kinderhand gezeichnetes Titelblatt ist die erste Seite. Die weiteren Seiten sind mit Randleisten, Illustrationen, Zierschriften von Kindern geschmückt. Es enthält bereits über 100 Seiten Text und wird noch weiter fortgeführt.    
Wenn auch unser Heimatbuch zunächst im Dienste der Schule steht, so habe ich doch die feste Überzeugung, dass wir auch der Allgemeinheit einen wichtigen Dienst leisten: Alte Sitten und Bräuche, Sprichwörter, Redensarten usw., die in unserer 'aufgeklärten' schnelllebigen Zeit – im Zeitalter der Elektrizität – nicht  mehr beachtet werden, entreißen wir der Vergessenheit. Dafür wird uns vielleicht einmal ein späteres Zeitalter dankbar sein.     
Von der jüdischen Gemeinde Rhina.   Die ältesten Aufzeichnungen der jüdischen Gemeinde beginnen mit dem Jahre 1824. Durch das Judengesetz von 1823 wurden die Juden mit allen anderen Bürgern gleichgestellt. Das geschah schon zur Franzosenzeit 1804 bis 1812. Zu dieser Zeit gehörte Rhina zum Kanton Holzheim im Departement und Distrikt Werra-Hersfeld. Der Syndikus des Kantons Holzheim, (d.i. der Aufseher und Verwalter über die jüdischen Gemeinden) wohnte in Rhina. Zu diesem Kanton gehörten im Jahre 1912 insgesamt 113 Familien. 1824 wurde ein Sterbe-, Geburts- und Heirats-Register angelegt. Vom Jahre 1829 ist noch eine Grundliste vorhanden, nach der es hier 40 Familien mit 190 jüdischen Personen gab. Die Gemeinde hatte einen Religionslehrer und Vorbeter. Aus der ältesten Zeit ist uns der Name des Lehrers Moses Jakob Bishart gekannt, der am 8. Dezember 1824 im Alter von 70 Jahren in der Haune ertrunken ist. Nachdem seine Leiche gefunden war, wurde sie am 15. Dezember begraben. Die Leichen der Juden wurden damals nach Burghaun gebracht (und zwar aus Rhina, Wehrda, Burghaun, Langenschwarz, Mansbach, Steinbach, Eiterfeld, Rothenkirchen, Buchenau, Erdmannrode, Mackenzell und Hechelmannskirchen). Bisharts Nachfolger war Emanuel Feuerbach, der am 22. Dezember im Alter von 67 Jahren 1863 hier starb. (Näheres folgt im Aufsatz 'Unsere Schule'). Der israelitische Friedhof wurde im Jahre 1837 angekauft, aber erst später in Gebrauch genommen. Die erste Beerdigung fand am 14. Kislew 5598 (1838) statt. Die Volksschule, Lehrerwohnung und Synagoge sind 1860 erbaut. Soweit als möglich soll hier eine kurze Statistik über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde folgen. Es wohnten hier in: 1829 40 jüdische Familien mit 190 Seelen. 1855: 68 jüdische Familien mit 322 Seelen (171 männliche und 151 weibliche, davon 60 Schulkinder, 53 vorschulpflichtige Kinder). 1861: 81 Zensiten.  1900: 298 Seelen (aber nur 276 Christen).  Am 1.8.1919: 59 Familien mit 253 Seelen mit 44 Schulkindern.  1927: 52 Familien mit 211 Seelen mit 25 Schulkindern  (+ 3 nach Hersfeld = 28). 1928: 52 Kinder mit 183 Seelen mit 23 Schulkindern. (+ 3 nach Hersfeld = 26).   
1844 wurden 66 Schulkinder namentlich aufgeführt (im Hauptbuch der Einnahmen von 1832). Bis etwa 1923 ist Rhina der einzige Ort in Preußen mit überwiegend jüdischer Bevölkerung gewesen.  Berta Klebe (8. Schuljahr 1928).       
Unsere Schule. Die meisten israelitischen Gemeinden Hessens machten von dem Recht, eigene Volksschulen zu gründen, frühzeitigen Gebrauch (Nentershausen bereits 1822). Es ist daher ganz merkwürdig, dass hier, obwohl eine große Zahl jüdischer Kinder vorhanden war und obgleich die Gemeinde groß war, erst am 1. November 1862 unsere jüdische Volksschule eröffnet wurde. Wahrscheinlich lag es daran, dass kein geeigneter Schulsaal vorhanden war; denn das vor 1860 vorhandene Gebäude mag wohl eine Art Brühlscher Schulpalast gewesen sein. Aus den bei den Gemeindeakten befindlichen Prozessakten ergibt sich, dass 'von den Juden in Rhina die Synagoge einschließlich eines Schulhauses im Jahre 1782 aus einem alten Schäferhause, welches der damaligen Lehensherrschaft gehörte und in Wehrda gestanden' gekauft war, 'welches im oberen Stockwerk deren Synagoge und in dem unteren die Wohnung für den Schullehrer enthält.' 1831 bis 1832 war die Synagoge umgebaut und am 10. Januar 5594 eingeweiht worden. Im Jahre 1860 wurden Synagoge, Lehrerwohnung und Schulsaal, wie sie noch vorhanden sind, gebaut. Bis Dezember 1863 erteilte Lehrer Fauerbach in der Mädchenklasse (35 Mädchen) und der am 1. November 1862 neu angestellte Lehrer Emmerich (1835 in Gudensberg geboren, erste Anstellung in Jesberg) in der Knabenklasse (40 Knaben) den Unterricht. Nach Fauerbachs Tod wurde eine einklassige Schule gebildet, wie sie heute noch besteht. Nach der Pensionierung des Lehrers Emmerich am 1. Oktober 1902 wurde vom 1. März 1903 ab der Lehrer A. Sonn aus Theilheim (Bayern) angestellt. Er wurde am 1. Juli 1919 nach Fulda versetzt und der Lehrer S. Oppenheim (geb. zu Nentershausen), bisher in Höringhausen und Wehrda tätig, wurde zum 1. August 1919 nach hier berufen. Damals waren 44 Schulkinder vorhanden. Zurzeit wird unsere Schule von 23 Kindern (12 Mädchen, 11 Knaben) besucht.      Berthold Katz (7. Schuljahr).   
T'kufo. Viermal im Jahr fällt die T'kufo. T'kufo heißt Sonnenwende. In Rhina schließt sich folgender Brauch daran an. Die T'kufo wird durch den Chassen am Schabbos vorher bekannt gegeben. Er sagt z.B. 'Samstag um 1.10 fällt die T'kufo'. Die Leute legen das Fleisch, das sie haben, in ein Fass, an dem ein eiserner Reif befestigt ist. Hat man kein Fleischfass, so lässt man das Fleisch in einer Schüssel, in einem irdenen Topf oder in einem anderen Gefäß liegen und legt einen eisernen Schlüssel oder ein anderes Stück Eisen darauf. Es besteht hier die Meinung, dass zur Zeit der T'kufo ein Blutstropfen vom Himmel fällt, der aufs Fleisch fallen könnte, wenn kein Eisen am Aufbewahrungsgerät ist oder Eisen nicht auf dem Fleisch liegt. Wer dann davon genießt, muss sterben. W. Oppenheim, UIIIb (= Unterterzia b) des Gymnasiums zu Hersfeld.     
Wenn ein Kind geboren wurde. Die alte Frau Jettchen Bacharach, die Ende Dezember 94 Jahre alt wird, hat mir folgendes erzählt: Ist früher ein Kind geboren worden, so wurden alsbald Scheimaus (= Namen) geschrieben und an die vier Wände gehängt. Wollte man sie nicht an die Wand hängen, weil dadurch leicht Aweraus geschehen könnte, durch Herabwerfen usw., so legte man sie in den Tischkasten. Dann wurde die Wöchnerin 'bekrast'. Eine Frau nahm ein Messer oder eine Sichel und schwang sie dreimal im Kreis um die Wöchnerin. Das Messer oder die Sichel legte man dann der Wöchnerin ins Bett (ans Kopfende). Da konnte sie nicht bekischuft (behext) werden. Ehe die Wöchnerin eingeschlafen ist, hat sie auch erst mit dem Kinde durch einen Sprach 'bekrast' und folgendes gesagt: 'Ich will mich und mein Kind bekrasen, dass der liebe Gott soll wasen so viel Ziegel auf dem Dach, viel Engel sollen bei mir und meinem Kinde wach.' Diese Bräuche sind allmählich in Vergessenheit gekommen. Eine andere Frau, Marianne Klebe, erzählte mir, dass vor ihrer Niederkunft die Frauen wochenlang vorher ein Messer in der Tasche trugen.   Frieda Klebe.    
Sochor.  Am ersten Freitagabend nach der Geburt eines Knaben ist Sochor. Früher wurde die ganze Gemeinde eingeladen. Der Herr Lehrer machte am Schluss des Freitagabendgottesdienstes bekannt: 'Herr N.N. lässt Kollekahl (= die ganze Gemeinde) zum Sochor einladen. Jetzt werden nur noch Verwandte, Freunde und die Chewera (sc. Wohltätigkeitsverein) eingeladen, zu der des Kindes Vater gehört. Freitagabend bekommt das neu geborene Kind in der Synagoge einen 'Malchuscho' gesungen. Beim Sochor wird mit Minjan gelajent und zwar wird die Brocho, der 1. Abschnitt von Schma und Chamaloch hagoel gesagt. Die Gäste werden mit frischem und eingemachtem Obst, mit Bier, Schnaps usw. bewirtet. Ein hässlicher Brauch ist es, dass viele Leute die Nüsse, Äpfel und dergleichen in die Taschen stecken und mit heimnehmen.   
Brismiloh. Wird ein Knabe geboren, so ist am 8. Tage die Brismiloh (Beschneidung). Am Abend vorher geht der Lehrer und der Mohel (Beschneider) in das Haus des Neugeborenen. Hier wird gelernt. Dieses nennt man hier 'Wachnacht'. Am Morgen des Brismilohtages gehen die dazu eingeladenen Frauen zum Kindbaden. Das Kind bekommt ein Halsband an mit einer dreieckigen Kemeo. An der Kemeo sind Goldstücke befestigt, und darin ist Erde, die man in der Synagoge zusammenkehrt (am besten von der Treppe zum Oraun Hakaudesch), 'Schuldreck'. Die Gevatterin trägt das Kind zur Synagoge, wo die meisten Brismilohs stattfinden. Hier wird die Brismilohkerze angesteckt, die drei Tage, die Schloschomiloh, brennen bleibt. Es werden auch kleine Kerzchen angesteckt, die von Kindern gehalten werden. Man nennt diese Kerzchen Schwotimchen. Die Verwandten und andere Balabatim stehen daneben, weil sie auch eine Mizwoh tun wollen. Sie halten Messer, Mezizoröhrchen, Wein usw. Beim 'Briss' setzt sich der Gevatter auf die Brismilohbank und hält das Kind. Daneben steht noch ein Stuhl der für den Propheten Eliha Hanowi bereitsteht. Wenn das Kind gemallt ist, so trägt es die Gevatterin nach hause. Alle, die beim Bris anwesend waren, begleiten sie und werden mit Brismilohbrot bewirtet (Brot mit Branntwein und Zucker). Am Mittag wird eine Sude gehalten, wozu auch der Mohel eingeladen wird. Drei  Tage nach der Brismiloh ist 'Schlischumiloh'. An diesem Tage steht die Wöchnerin zum erstenmal auf. Die Frauen werden noch einmal geladen. Es gibt Kaffee und Kuchen. Es findet auch noch einmal ein Kindbaden statt.    
Holekrasch (Chaul Kraisch). Ist ein Kind geboren worden, so wird in Rhina nach 3-4 Wochen an einem Schabbos Holekrasch gehalten. Die Mutter des Neugeborenen geht zum ersten Mal in die Synagoge. Sie bekommt einen Semechim bezesom gesungen, und ihr Mann wird zur Tora aufgerufen. Ist die Synagoge aus, so gehen die Kinder in das Haus des Neugeborenen. Das Kind liegt in einem geschmückten Korbe oder in einem Bettchen. Ist es ein Junge, so bekannt er einen Tallis umgelegt. Die Kungen stellen sich um den Korb. Ist ein Junge dabei, der den gleichen Namen hat, den das Kind bekommen soll, so stellt dieser sich ans Kopfende. Der Lehrer sagt folgende Verse aus dem Chumesch = (Fünf Bücher Moses) vor: I (1,1 und 2,1) II 1,1, III 1,1, IV 1,1 V (1,2 und 33,1 und 34,12) und zuletzt Hamaloch hagoel. Die Kinder sagen Wort für Wort nach. Dann wird das kleine Kind dreimal hoch gehoben und mit seinem deutschen Namen genannt. (Chaul-kraiisch). Wir Knaben sagen: 'Chaul kraisch, wie soll das Kindchen heißen? 'Max!' – Die Mädchen sagen Folgendes: 'Wie wir hier beisammen stehn und das liebe Kindlein sehn, wollen loben, danken jetzt, Gott, ders in die Welt gesetzt. Wollen auch nach alter Weise dreimal sagen wie es heiße. Chaul kraisch, wo soll das Kindchen heißen?' 'Silwa'. Dann gibt es Limonade, Bier und gekochtes Obst. Hat jedes Kind davon bekommen, dann gibt's noch eine Tüte, worin Nüsse, Äpfer, Bonbons, Schokolade und Plätzchen sind.     
G'lile-Mahl. Der Bräutigam wird als Chosen aufgerufen. Freitagabend singt ihm der Vorbeter einen Malchußcho. Ihm zu Ehren singt man auch an einem gewöhnlichen Schabbos das Aus- und Einheben. Mit hohem 'Jaamaub' wird der Chosen aufgerufen, und nach dem Mischeberach bekommt er einen 'Echad Jochid' gesungen. Da die Mizwaus hier verkauft werden, haben Freunde und Verwandte des Chosen am Freitagabend schon G'lile für ihn gekauft. Dafür lädt er sie am Schabbat Mittag zu G'lile-Mahl ein. In der Wirtschaft spendet er Bier, Schnaps oder andere Getränke. Früher fand bei jeder Verlobung G'lile-Mahl statt, (wenn der Chosen von hier war) und die ganze Gemeinde wurde eingeladen. In letzterer Zeit ist G'lile-Mahl oft ganz unterblieben.   Josef Klebe.   
Meine Urgroßmutter. Sie ist am 28. Dezember 1834 ist Waltersbrück bei Zimmersrode geboren. Als sie zwei Jahre alt war, starb ihr Vater Seligmann Alexander, und mit zwölf Jahren verlor sie ihre Mutter Frommet geb. Stern. Im Trauerjahr kam sie zu Simon Rotschild in Waltersbrück und musste dort arbeiten. Diese Familie hatte sieben kleine Kinder. Dann kam sie nach Jesberg, wo sie neun Jahre blieb. So musste sie ihre liebe Heimat auf immer verlassen. Von Jesberg kam sie als Magd nach hier zu Herrn Meier Hahn, wo sie alle Arbeit verrichten musste. Oft erzählt sie davon, wie Hahn das große Haus Nr. 20 gebaut haben. In einer Butte musste sie Sand an der Haune holen. Sie musste mitarbeiten wie ein Handlanger. Hier in Rhina lernte sie ihren Mann Salomon Bacharach kennen. Am 27. August 1862 heirateten sie. Sie waren 35 Jahre verheiratet. Ihr Mann starb am 16. Oktober 1897 im Alter von 69 Jahren. Sie hatten sieben Kinder, wovon ein Mädchen und ein Knabe gestorben sind. Jetzt hat sie noch eine Tochter und vier Söhne im Alter von 55-67 Jahren. Sie hat 26 Enkel und 22 Urenkel. Sie hat bis zu ihrem 95. Jahre weder Arzt noch Apotheke gebraucht. Edith Oppenheim, 6. Schuljahr." 

    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet   

Rhina Israelit 08091902.jpg (67444 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1902: "Lehrerstelle
Die Stelle eines Elementarlehrers und Vorbeters in der israelitischen Gemeinde Rhina, Station Neukirchen, der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn, ist zum 1. Oktober wieder zu besetzen. Grundgehalt 1.000 Mark, Einheitssatz der Alterszulage 120 Mark, Dienstwohnung vorhanden. Die Gemeinde hat eine Gehaltserhöhung um 200 Mark in Aussicht gestellt. 
Meldungen mit beglaubigten Zeugnis-Abschriften sind sofort an die unterzeichnete Behörde zu richten. 
Fulda, 1. September. Vorsteheramt der Israeliten. (gez.) Dr. Kohn".

   
Über Lehrer Meier Rothschild (Lehrer in Rhina bis 1831, danach in Treysa, gest. 1896)  

Treysa Israelit 24081896.jpg (172560 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1896: "Treysa, Bezirk Kassel. Am 10. August dieses Jahres starb dahier nach nur zweitägigem Krankenlager der pensionierte Lehrer Meier Rothschild im Alter von 91 Jahren und 23 Tagen. – Geboren am 18. Juli 1805 zu Steinbach Kreis Hünfeld, als Sohn einfacher, aber sehr religiöser Eltern, widmete er sich von frühester Jugend an dem Studium von unserer heiligen Tora. Nachdem er sich längere Zeit in Fulda bei dem Rabbiner und einem Privatgelehrten vorbereitet hatte, besuchte er die unter Leitung des R. Hirsch Levi Kunreuther in Gelnhausen stehende Jeschiwa und zwar mit einem solchen Erfolge, dass ihm sein Lehrer den Chower-Titel verlief. Nachdem er alsdann einige Jahre in Rhina Kreis Hünfeld, als Privatlehrer gewirkt, trat er am 1. September 1831 bei der hiesigen Gemeinde die Stelle eines Religionslehrers an; der Verstorbene hat somit nahezu 65 Jahre in der hiesigen Stadt gelebt. – Im Jahre 1835 bestand Rothschild die Prüfung als Elementarlehrer und wurde daraufhin am 21. Dezember desselben Jahres an der inzwischen dahier errichteten öffentlichen Schule als Elementarlehrer angestellt; diese Stelle hat er bis zu seiner am 1. April 1886 erfolgten Pensionierung bekleidet. Doch nicht lange sollte er sich der wohlverdienten Ruhe in körperlicher Rüstigkeit erfreuen, da ihn ein Schlaganfall bald an den Rand des Grabes brachte; zwar erholte er sich wieder, doch blieb er auf einer Seite vollständig gelähmt. – Obgleich körperlich gebrochen, war er geistig so frisch, dass er sich bis in die späte Nacht hinein mit dem Lernen unserer heiligen Tora befassen konnte; desgleichen hatte er sich ein lebhaftes Interesse für die Vorgänge in der Welt bewahrt und erfreute sich eines sehr guten Gedächtnisses. – Rothschild war ein äußerst bescheidener Mann, ein Lehrer voll Sanftmut und Geduld, ein gewissenhafter Beamter (und zwar Lehrer, Vorsänger, Schochet und Beschneider), ein vorzüglicher Jehudi, ein Mensch, dem Jeder gut war und dem Niemand gram sein konnte. Welcher Liebe und Verehrung sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, zeigte sich bei der Feier seines 50jährigen Jubiläums (1885), seiner goldenen Hochzeit (1888), seine 90-jährigen Geburtstages (1896) und bei seiner Beerdigung. Bei derselben hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg, der langjährige Vorgesetzte des Verstorbenen, eine wohl durchdachte, tief ergreifende Rede, während ihm sein Amtsnachfolger, Herr Lehrer Oppenheim, Namens der anwesenden Lehrer recht herzliche Abschiedsgrüße über das Grab hinaus nachrief. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Isaak Emmerich (1887)  

Rhina Israelit 17111887.jpg (193056 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1887: "Aus Hessen. Gestatten Sie mir, in Ihrem geschätzten Blatte von einem Feste zu berichten, das ein beredtes Zeugnis bildet, wie man auch auf dem Lande die erzieherische Tätigkeit eines gewissenhaften Lehrers zu schätzen und anzuerkennen weiß. Sind doch solche Berichte geeignet, dem mühevollen Lehrberufe ein etwas freudigeres Gepräge zu verleihen und den Kollegen im Amte Muht und Berufsfreudigkeit zu spenden.  Am vergangenen Sonntag, den 6. November (1887) feierte die Gemeinde Rhina bei Neukirchen das 25jährige Dienstjubiläum ihres Lehrers Emmerich in erhebender Weise. Schon 14 Tage vor dem feste entwickelte die Gemeinde und zwar jung und alt  eine Rührigkeit und einen Eifer, der lobend anzuerkennen ist. Nur der Gedanke, die herbstliche Witterung könnte den Verlauf des Festes stören, dämpfte die Vorfreude. Doch der Himmel zeigte sich besonders gütig, die Sonne vergoldete den Ehrenakt der Gemeinde und locke zahlreiche die Festgäste herbei. Den Beginn des Festes eröffnete die Rhinaer Schuljugend, eine Schar von 80 Kindern, die unter Führung des ehemaligen Schülers des Jubilars, des Lehramts-Kandidaten K. Bacharach zur Schule zogen und ihrem Lehrer ihre Gratulationen brachten, ein erhebender Anblick für die Anwesenden. Daran schloss sich die Überreichung der Geschenke seitens der ehemaligen Schüler, der jetzigen Schüler, der verschiedenen Vereine in Rhina, der Freunde und Kollegen, eine herrliche und reiche Kollektion. Nach 10 Uhr traf Herr Provinzial-Rabbiner Dr. M. Cahn aus Fulda ein und nun erst begann das eigentliche Fest mit dem Festgottesdienste in der Synagoge. Diese war von den Einheimischen und Festgästen dicht besetzt. Nach dem Eintritt des Jubilars sangen die Kollegen desselben aus dem Fuldaer Rabbinat, die fast alle anwesend waren, das Baruch Haba. Nachdem nun vom Chor und Herrn Bacharach das Hallel in feierlicher Weise vorgetragen wurde, und nachdem auch der Sologesang des Psalms 112 seitens eines Lehrers die Anwesenden entzückte, trug Herr Dr. Cahn einen eigens für das Fest verfassten Mischeberach für den Jubilar das Gebet für den Kaiser vor. Herr Bacharach sang einen Mischeberach für die Gemeinde und der Chor … - Alsdann bestieg Herr Rabbiner Dr. Cahn die Kanzel, um in herrlicher Rede die Ver-  
Rhina Israelit 17111887a.jpg (182449 Byte)dienste des Jubilars um die Gemeinde Rhina und deren Jugend zu feiern und Glück und Segen, Friede und Freude für den Jubilar von Gott zu erbitten. Es würde zu weit führen, wollte man den Inhalt der 3/4stündigen weihevollen Rede wiedergeben. – Ein Kollege des Jubilars brachte dann die Glückwünsche der Kollegen in gut gewählter Ansprache zum Ausdrucke und verglich das 'aber die Verständigen werden glänzen...' (Daniel 12,3) zum Sternenheere, da hier wie dort düstere Umwölbung mit heerem Glanze wechselt! - Nun wurde vom Chor in musterhafter Weise Mismor leTora vorgetragen, alsdann das Minchah-Gebet verrichtet, und zum Schluss Halleluja, der Psalm 150 gesungen. 
Es folgte alsdann die Aufstellung zum Festzuge, an welchem die Schuljugend, die verschiedenen Vereine, Rabbiner Dr. Cahn, die Lehrer des Fuldaer Rabbinats und die Festgäste sich beteiligten. Unter den Klängen der Musik bewegte sich der farbenprächtige Zug in musterhafter Ordnung durch das Dorf und nahm vor dem Schulhause Aufstellung. Nach einem von der Musik gebrachten Ständchen erschien der Jubilar und dankte in erregten schönen Worten und schloss mit einem 'Hoch' auf die Gemeinde Rhina. Herr Rabbiner Dr. Cahn erwiderte mit einem 'Hoch' auf den Jubilar, worauf die Schuljugend 'Heil Dir, Du Jubilar!' sang. Ein 'Hoch' auf Seine Majestät, den Kaiser, unsern Schutz- und Schirmherrn, seitens des Herrn Rabbiner Dr. Cahn und 'Heil Dir im Siegerkranz' von allen Anwesenden gesungen bildeten den Schluss dieser Ovation. 
Bei dem köstlichen Festmahle, welches hierauf beim Jubilar stattfand, bildeten Toaste und Tischreden des Herrn Rabbiner Dr. Cahn und der Anwesenden, insbesondere auch die musikalischen und jovialen Vorträge des Lehrers Spiro aus Schenklengsfeld eine ununterbrochene Kette der köstlichsten Unterhaltung, bis bei eingetretener Dunkelheit ein herrlicher Fackelzug den schönen Akt der Dankbarkeit nochmals beleuchtete. 
Wir wiederholen den allseitig gebrachten Wunsch: 'Möge der biedere und treue Lehrer Emmerich auch das Glück des goldenen Jubelfestes genießen. Amen.  H."  

   
Lehrer Emmerich wird ausgezeichnet (1902)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1902: "Fulda, 28. Oktober (1902). Dem hochverdienten, nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch weit über deren Grenze hinaus als echt frommer Jehudi und Talmid Chacham (Toragelehrter) bekannten Lehrer, Herrn Emmerich in Rhina, ist anlässlich seines erbetenen Rücktritts von seinem ca. 40 Jahre lang stets mit vollem Eifer versehenen Amte als Lehrer, der 'Adler der Königlichen Hausordens von Hohenzollern' Allerhöchst verliehen worden."        
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. November 1902: "In Rhina hat der Lehrer der israelitischen Gemeinde, Emmerich, der nach 48-jähriger treuer Schularbeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten, den Adler der Inhaber des Hohenzollernschen Hausordens erhalten."        

   
Lehrer Emmerich tritt in den Ruhestand - Lehrer Abraham Sonn wird sein Nachfolger (1902)  

Rhina FrfIsrFambl 05121902.jpg (128140 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Dezember 1902: "Rhina, Rabbinatsbezirk Fulda. Als nach 40jähriger segensreicher Wirksamkeit in der hiesigen Gemeinde Herr Lehrer Emmerich in den wohl verdienten Ruhestand trat, war die Frage der Neubesetzung der mit dem Vorbeteramte verbundenen Stelle zu einer brennenden geworden. Im Regierungsbezirk Kassel war es bis vor einigen Jahren gang und gäbe, dass die jüdischen Gemeinden den Lehrer wählten, die Vorsteherämter den betreffenden Kandidaten bei Königlicher Regierung in Vorschlag brachten und dieselben in den meisten Fällen den Gewählten bestätigte. Von diesem Brauche war seit ungefähr 2 Jahren zur Bestürzung der Gemeinden und Vorsteherämter die Behörde abgegangen, indem sie ohne weiteres Lehrer ernannte. Die Furcht, dass auch dieser Fall hier eintreten könnte, bemächtigte sich der Gemeindemitglieder und veranlasste sie, einen Beschluss herbeizuführen, nach welchem der Vorbeterdienst von dem Lehramte getrennt werden sollte, falls der von der Gemeinde gewählte Lehrer nicht bestätigt werden würde. Nach einem glänzenden Probevortrage des Herrn Lehrers A. Sonn aus Theilheim in Bayern, der alle Hörer in Begeisterung zu versetzen wusste, wurde derselbe einstimmig als Lehrer gewählt. In banger Erwartung harrte man der Bestätigung; diese traf am 3. Dezember zur allgemeinen Freude der Gemeinde ein." 

  
Lehrer Abraham Sonn kommt von Theilheim nach Rhina (1903)  

Theilheim Israeit 26021903.jpg (94081 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1903: "Nachruf. Heute verließ unser hochgeehrter und sehr beliebter Herr Lehrer Abraham Sonn nach zwölfjähriger Tätigkeit, als Stellvertreter seines geehrten Vaters, die Religionslehrerstelle Theilheim, um als Elementarlehrerstelle nach Rhina (Hessen) sein segensreiches Wirken fortzusetzen. Mit ihm verlieren wir einen wahrhaft liebenswürdigen und edlen Charaktermenschen, einen eifrigen und streng religiösen Lehrer der Kinder und Führer der Gemeinde. Seine so gut begabte und angenehme Stimme, als Kantor, verherrlichten am Sabbat und Festtagen in höchstem Grade unseren Gottesdienst, sein Andenken wird bei uns nie erlöschen. Möge es ihm in seinem neuen Heim gut gefallen und bald gelingen, das volle Vertrauen zu gewinnen, das er bei der ganzen Gemeinde dahier, voll und ganz genoss. 
Theilheim, den 22. Februar 1903. Die Kultusgemeinde."

  
Danksagung von Lehrer Abraham Sonn an seine bisherige Gemeinde in Theilheim (1903)  

Rhina Israelit 02031903.jpg (58886 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1903: "Danksagung. Für die vielen Beweise der Liebe und Freundschaft, die mir die sehr verehrliche Kultusgemeinde zu Theilheim bei meinem Wegzuge von dort erwiesen, spreche ich auf diesem Wege meinen tiefgefühltesten Danke aus. Das Andenken an die Gemeinde, in deren Mitte ich so gerne weilte, und wirkte, wird nie meinem Gedächtnisse entschwinden. Möge die israelitische Kultusgemeinde Theilheim emporblühen und der Segen des Höchsten sie beglücken. 
Rhina, den 1. März 1903. A. Sonn, Lehrer."

   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Levi Emmerich (Tarnowitz), Sohn von Lehrer Isaak Emmerich (1905)
 
Ergreifender Trauergottesdienst in der Synagoge Rhina.     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. April 1905:  "Rhina, den 4. April (1905). Als Rabbi Chija, der Sohn Awjas, zu Grabe getragen wurde, bat man Rabbi Jochanan, er möge die Leichenrede halten. Dieser lehnte es ab mit den Worten: 'Bittet Resch Lokisch darum, der des Heimgegangenen Lehrer gewesen und die Geistes- und Charaktergröße des Verblichenen besser zu schildern vermag.' An diesen Midrasch wurden wir erinnert, als Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn heute Abend die Kanzel betrat, um seinem Schmerze über den Verlust des teuren, unvergesslichen Schülers, des Herrn Rabbiner Dr. Levi Emmerich - Tarnowitz, vor der vollzählig erschienenen Gemeinde Ausdruck zu geben. Es war ein erschütternden Augenblick, als der Vater des Entschlafenen, der emeritierte Lehrer Herr Emmerich in die Synagoge trat, um dem Trauerakte beizuwohnen. In der Männerreihe wie auf der Frauenempore vernahm man lautes Schluchzen und kein Auge blieb tränenleer, als der gebeugte Greis, dessen Herz unnennbares Weg erfüllt, sich auf die Erde setzte, um an geweihter Stätte das Andenken des einzigen, geliebten Sohnes, der des Vaters Freude und Hoffnung, der Familie Stolz gewesen, zu ehren. Vom Schmerze überwältigte schilderte Herr Dr. Cahn das Leben und Wirken des gottbegnadeten Mannes, der allzu früh den Seinen und ganz Israel entrückt worden sei. An der Hand zahlreicher Zitate aus Midrasch und Talmud wies der Redner nach, dass der Verlust eines Großen nicht nur den engeren Verwandtenkreis, sondern die Gesamtheit treffe und dass jeder Jehudi zu trauern verpflichtet sei, wenn ein Zaddik ins Grab sinke, Und ein Zaddik in des Wortes wahrster Bedeutung sei Herr Dr. Emmerich gewesen. Die Rede machte auf alle Hörer einen tiefen Eindruck.   
Als Herr Dr. Cahn an den schwergeprüften, gramgebeugten Vater des unvergesslichen Entschlafenen Worte des Trostes richtet und mit tränendem Auge hervorhob, dass es schwer sei, andere zu trösten, wenn man selbst des Trostes bedürfe, da unterbrach ein herzzerreißendes Schluchzen die bisher lautlos lauschende Versammlung. Wohl selten steigt die Bitte aufrichtiger und inniger zum Lenker der Geschicke empor, dass Er die Trauernden trösten möge, wie es hier der Fall gewesen. Dem Stimmungsbilde angepasst war der zu Tränen rührende Vortrag des El mole rachamim durch Herrn Lehrer Sonn."   

    
Zum Tod von Lehrer Isaak Emmerich (1907)  

Rhina Israelit 14031907.jpg (116741 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1907: "Rhina. Ein treues Lehrerherz hat zu schlagen aufgehört. Am 5. dieses Monats starb nach kurzem Krankenlager Herr Lehrer H. Emmerich im 72. Lebensjahre. Länger als 48 Jahre hatte er amtiert und der größte Teil der großen Rhinaer Gemeinde bildet seine Schülerschar. Seit 4 Jahren pensioniert, hat er auch seine Ruhezeit am Orte seiner Wirksamkeit verlebt. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung von Nah und Fern am 7. dieses Monats statt. Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn - Fulda schilderte in halbstündiger Rede die Vorzüge des Verstorbenen, oft unterbrochen von dem Schluchzen der Zuhörer. Herr Lehrer Sonn, Nachfolger des Dahingeschiedenen und Herr Lehrer Neuhaus - Harmuthsachsen, ein Seminarbruder von ihm, riefen ihm herzliche Abschiedsworte zu. Am Grabe sprach Herr Lehrer Löwenstein - Fulda namens des Bundes gesetzestreuer Lehrer Deutschlands und des Vereins 'Jeschurun', dessen treues Mitglied der Verstorbene seit der Gründung war. Etwa 15 Lehrer, darunter ein Vorstandsmitglied der 'Hessischen Lehrer-Konferenz' folgten dem Sarge des Verblichenen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.". 

    
Vortragsabend der Agudas Jisroel in Fulda mit Lehrer Oppenheim aus Rhina (1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 14. Februar 1930: "Fulda. Auf Einladung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas-Jisroel sprach Sonntagabend vor vollbesetztem Saale Herr Lehrer Oppenheim (Rhina) über Kadisch. Die eineinviertelstündigen Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall aufgenommen. Die Herren Provinzialrabbiner Dr. Cohn, sowie Synagogenältester Dr. Herz sprachen dem Redner den Dank der Versammlung aus."        


Jahresbericht zur 50. Jahresversammlung der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens - erstellt durch dessen Schriftführer Lehrer Siegfried Oppenheim in Rhina (1933)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1933: "Protokoll der 59. Jahresversammlung der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens (Schluss). 
Der Jahresbericht des Vorsitzenden begann mit der bedauerlichen Erwähnung des Stellenabbaues; von 39 öffentlichen jüdischen Volksschulen verfielen 5 (Merzhausen, Flieden, Sontra, Felsberg und Baumbach der Auflösung. Anderen droht ähnliche Gefahr, da die Hetze aus rechtsradikalem Lager stetig zunimmt. Eine rege Aussprache, an der sich außer mehreren Mitgliedern, Studienrat Dr. Heß und Lehrer Steinmetz beteiligten, bewies die Wichtigkeit des Themas. Wenn letzterer betonte, dass die Auflösungsfrage nicht nur mit dem Rechenstift, sondern auch unter Berücksichtigung anderer Momente zu lösen sei, so dürften seine mit starkem Beifall aufgenommenen Worte den Kern der Sache getroffen haben. Des Vorsitzenden ernste Mahnung galt den Abseitsstehenden und denen, die ihrer Beitragspflicht nur zögernd oder gar nicht nachkommen, die aber im Notfalle nach dem Retter rufen, wenn sie ihn auch bei normaler Entwicklung der Dinge nicht kennen wollen. Erwähnung fand außerdem die später in längerer Aussprache behandelte 'Trennung der Vereinigten Schul- und Kirchenämter.'  
Manche Gemeinden, genannt wurden Oberaula und Langenselbold haben beim Abschluss freier Verträge ihrem Vorbeter wenig Entgegenkommen gezeigt. Das Verhalten des Kollegen Heilbrun - Oberaula, der sich durch den Konflikt mit seiner Gemeinde zur Antragstellung der Pensionierung als Vorsänger genötigt sah, fand die einmütige Billigung der Versammlung. Der Vorsitzende gedachte der verstorbenen Mitglieder, Alexandrowitsch - Herleshausen, Bacharach - Reichensachsen, Dannenberg - Felsberg, Perlstein - Berlin (Gudensberg), Berlinger - Burghaun, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde, der Pensionäre Gans, Glauberg, Grünewald und Stiefel, denen er nach treuer Schularbeit einen ungetrübten Ruhestand wünschte. Besonderer Dank wollte er dem Kollegen Gans, dessen eifriges Wirken im Vereinsvorstand seine innige Verbundenheit mit den Standesgenossen dokumentierte.
Zuletzt wurde im Jahresbericht von den finanziellen Schwierigkeiten gesprochen, die sich auch bei den beiden Landesverbänden geltend machten und die Hilfeleistung für leistungsschwache Gemeinden erschwerten.    
Rosenbusch (Bebra) beleuchtete die Kassenverhältnisse, die mit 1727 Mark abschlossen; seinem von Godlewsky und Katz (Kassel) geprüften Bericht folgte die erbetene Entlastung. Nach der Mittagspause, die zu gemeinsamem Mahl benutzt worden war, erstattete Jäckel (Kassel) Bericht über die Hilfskasse 'Esra', für die er tatkräftige Unterstützung verlangte. Über interne Vereinsfragen referierte zusammenfassend Moses (Kassel), und das Thema 'Beschäftigung nicht vorgebildeter Personen als Religionslehrer' rief noch eine sehr lebhafte Debatte hervor, in der die Entrüstung über die von maßgebenden Stellen erteilte Genehmigung zur Erteilung des Religionsunterrichts besonders deutlich in Erscheinung trat. Kommissionen sollen in den einzelnen Bezirken die Angelegenheit überwachen. Die Ausschusswahl erbrachte die Wiederwald des Vorsitzenden, und des Ausschusses. 
Die 60. Jahresversammlung soll voraussichtlich Pfingsten 1933 in Bebra stattfinden. Katz (Kassel) übernimmt das Referat über  'Psychoanalyse im Religionsunterricht.' mit dem Dank an den Vorsitzenden für die umsichtige Leitung und an die Teilnehmer für das treue Ausharren, fand die Tagung in der 6. Nachmittagsstunde ihren Abschluss.  
Die Schriftführer: Moses - Kassel    Oppenheim - Rhina."      

  
 
Provinzialrabbiner Dr. Leo Cahn empfiehlt einen vom Bruder von Lehrer Oppenheim konstruierten Sabbatofen (1935)    

Fulda Israelit 03101935.jpg (79756 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1935: "Fulda, 2. Oktober (1935). Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Leo Cahn schreibt uns: Da in vielen Orten die Frage der Möglichkeit selbsttätiger Entzündung eines Ofens am Schabbos, die dem Din (Rabbinatsgericht) entspricht, aktuell geworden ist, sei darauf hingewiesen, dass Herr Lehrer Oppenheim - Rhina, einen von seinem Bruder konstruierten Apparat besitzt, der einen am Freitag mit Brandmaterial gefüllten Ofen zu gewünschter Zeit am Sabbat Vormittag in Brand setzt. Der Apparat kostet 2.- bis 3.- Mark und kann bei jedem Ofen, dessen Verschlusstüre eine kleine Öffnung hat, verwertet werden. Notfalls ist eine derartige Türe neu anzubringen. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen kleinen Raum mit einer Grude zu beheizen. Keinesfalls darf ein Jehudi, außer bei Lebensgefahr, selbst am Schabbat Feuer anmachen."         

 
Lehrer Siegfried Oppenheim tritt in den Ruhestand (1938)  

Rhina Israelit 01091938.jpg (104285 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1938: "Rhina, 30. August (1938). Am 1. September (1938) tritt Herr Lehrer und Vorbeter Siegfried Oppenheim in den Ruhestand. Es war ein Tag tiefer Ergriffenheit, als Lehrer Oppenheim in der Synagoge der Gemeinde offiziell sein Scheiden aus dem Amt bekannt gab. – Es trat in dieser Stunde allen nochmals in voller Stärke ins Bewusstsein, was er seiner Kehilloh (sc. Gemeinde) in zwanzigjähriger Wirksamkeit geleistet hat. Er hat hier, wie auch in seinen früheren Wirkungsorten die Fahne der Emunoh (sc. Wahrheit) mit fester Hand hoch gehalten. Taurohwissen (Tora-Wissen) bei Erwachsenen und Jugendlichen verbreitet, den Kindern eine gediegene Volksschulbildung und echtjüdische Grundanschauungen fürs Leben mitgegeben. Besonders tief aber ist in aller Herzen das Gefühl der Dankbarkeit eingegraben, dadurch, dass er durch klugen Rat und bis zur Selbstaufopferung gehende Hingabe allen Gemeindemitgliedern unterschiedslos zur Seite stand. Mit rastloser Energie bannte er die mannigfachsten Notstände und fand immer wieder neue Wege, um die Jugend der Berufsausbildung zuzuführen und Auswanderungsmöglichkeiten zu eröffnen. In diesem Teil seiner Tätigkeit, der weit über den kreis seines jetzigen Wirkungsortes hinausdrang, möge er mit Gottes Hilfe auch weiterhin Erfolgreiches leisten."

      
      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  

Gründung einer Ortsgruppe von "Sabbatfreunden" (1907)  

Rhina Israelit 19091907.jpg (75489 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1907: "Berlin, 18. September (1907). Der Verband der Sabbatfreunde hat seine Propagandatätigkeit sofort nach Beendigung der Ferienzeit wieder aufgenommen. So fanden am vergangenen Sonntag Versammlungen in Hersfeld und Rhina statt, die in beiden Orten zur Bildung von Ortsgruppen führten. In Hersfeld erfolgten über 60, in Rhina gegen 50 Anmeldungen als Mitglied. Das einleitende Referat in beiden Versammlungen hielt der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe, Herr Moritz A. Loeb. An gleichem Tage wurde durch Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. Bamberger – Hanau in Sterbfritz eine Ortsgruppe ins Leben gerufen. Der Gesamtverband umfasst jetzt über 80 Ortsgruppen mit mehr als 4.000 Mitgliedern." 

   
Abendunterhaltung des Synagogenchores (1907)  

Rhina FrfIsrFambl 08111907.jpg (38707 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. November 1907: "Rhina. Am vergangenen Samstagabend veranstaltete der hiesige Synagogenchor eine kleine Abendunterhaltung. Bei dem Festmahl, das aus diesem Anlass stattfand, wechselten heitere Vorträge mit von Humor gewürzten Toasten ab. Zuletzt wurde das Tischgebet versteigert und der respektvolle Betrag von 110 Mark erzielt. Die Summe soll zu wohltätigen Zwecken verwendet werden."

        
Erinnerungen an jüdisches Leben und Bräuche in Gudensberg und Orten der Umgebung von Dr. Samuel Blach (1924) 
Anmerkung: im Abschnitt wird über jüdische Bräuche bei Geburt und Beschneidung (Bris), Verlobung, Hochzeit und Tod berichtet. Auch auf Synagogengebräuche und Hausgebräuche wie Ess-Sitten wird eingegangen. Neben Gudensberg wird auch von Bräuchen aus Reichensachsen, Rhina, Meimbressen und Braunfels berichtet.     

Artikel in der Zeitschrift "Menorah" 
Jahrgang 1926 Heft 10 Seiten 583-590 
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Über eine Gemeindeversammlung im Januar 1927 (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 14. Januar 1927:  
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Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 21. Januar 1927: 
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Vortrag des Sekretärs der Agudas-Jisroel in Rhina und Hersfeld (1927)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 26. August 1927:  
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Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zum Tod des Fellhändlers Rabbi Rephoel Geis (1885)  

Rhina Israelit 15101885a.jpg (338346 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1885 (der Inhalt der Ansprache des Bezirksrabbiners wird nur abgekürzt wiedergegeben): "Rhina, 2. Marcheschwan. Der heutige Tag wird in unserer Gemeinde auf lange Zeit hinaus unvergessen bleiben. Er war dem Gedächtnis eines Mannes gewidmet, welcher vor 3 Wochen zum ewigen Frieden eingegangen ist. Rabbi Rephoel Geis ist am Tage vor Erew Jom Kippur zum ewigen Leben einberufen worden. Dieser Mann war ein Gottesdiener in des Wortes herrlichster Bedeutung. Er erreichte ein Alter von 83 Jahren. In diesem langen Leben war er von der Kindheit bis zur Scheidestunde sich stets gleich in Erfüllung der Gebote Gottes. Sein Eifer zur Erforschung von unserer heiligen Tora, seine Bemühung zu lernen und zu lehren, zu beachten und zu tun, seine Friedensliebe, die aus einem guten Herzen von himmlischer Reinheit hervorquoll, seine makellose Charakterhoheit, seine streng Rechtschaffenheit im geschäftlichen Leben – er war Fellhändler -, sein ruhiges, mildes Wesen, seine Geduld und rückhaltslose Ergebung, die sich ganz besonders während seiner 3jährigen Krankheit in wahrhaft rührender Art offenbarte, alle diese und noch viele der herrlichsten Eigenschaften zeichneten diesen edlen Jehudi aus: Er war die Krone der hiesigen Gemeinde.    In den letzten Jahren war leider die Hoffnung immer mehr geschwunden, den geliebten Mann wieder von seinem Schmerzenslager aufstehen zu sehen. Über seine Lippen kam keine Klage, teilnahmsvoll blieb er immer noch in Beziehung zu Allem, was in seiner Umgebung geschah; auch als sein Augenlicht erloschen war, verließ ihn jene Heiterkeit des Herzens nicht, welche die gottesinnige Lebensauffassung allein zu gewähren vermag.     Heute hielt unser Provinzial-Rabbiner, Seiner Ehrwürden Herr Dr. Cahn aus Fulda, in unserer Synagoge eine Trauerrede um den teuren Dahingeschiedenen. Die Synagoge war dicht gefüllt. Nicht allein alle Glieder unserer hiesigen Gemeinde, welche 60-70 Familien zählt, Alt und Jung, Männer und Frauen, waren erschienen, sondern auch Viele waren von den Nachbargemeinden herbeigeeilt, um der Erinnerung an den allverehrten Mann den Tribut zu zollen.    Der Redner entwarf in großen Zügen das Lebensbild des Verewigten und verstand es, dessen Eigenschaften so wahrheitsgetreu und wirkungsvoll vorzuführen, dass Alles aufs Tiefste sich erschüttert fühlte….
Unsere Gemeinde möge ihn und sein leuchtendes Vorbild, das unsterblich weiterwirke, in ewig getreuer Erinnerung bewahren, ihm nacheifern, ein Jeder an seinem Teile, das sei das ehrendste Denkmal, das ihm gesetzt werden könne….
Rhina Israelit 15101885b.jpg (41282 Byte)Mit dem Aufruf des Allheiligen, dessen Schechina voll Wohlgefallen sich darbiete, wo Seiner Frommen gedacht wird, schloss der Redner auffordernd zu brüderlicher Eintracht und treuem Gotteswandel, indem er den Heimgegangen 'mit dem Gewande der Gottesgelehrten' schmückte und ihm den Morenu-Titel verlieh. Möchten die ermahnungsreichen Worte ihre Wirkung auf alle Herzen unserer Gemeinde immerdar bewahren, Amen!".

  
Goldene Hochzeit von Simon Hahn und seiner Frau (1903)
  

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Juni 1903: "Rhina. Das weit und breit geachtete und angesehene Simon Hahn'sche Ehepaar feierte vorige Woche ihre Goldene Hochzeit."    
  
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Juni 1903: "Rhina. Am 9. Juni vollzog sich in unserer Gemeinde eine zwar stille, aber nichtsdestoweniger erhebende Feier. Das Simon Hahn'sche Ehepaar beging an diesem Tage in wohltuend körperlicher und geistige Frische das Fest des 50-jährigen Ehejubiläums. Aus dem Geheimkabinett Seiner Majestät des Königs ging dem Jubelpaare ein Glückwunschschreiben zu. Der königliche Landrat zu Hünfeld hatte an Seine Ehrwürden, den Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn in Fulda die von höchster Stelle verliehene Ehejubiläumsmedaille mit der Bitte gesandt, diese Medaille in feierlicher Weise dem genannten Ehepaare zu überreichen. Der Herr Provinzialrabbiner begab sich hierher und entledigte sich mustergültig seiner Aufgabe. Um den feierlichen Akt mit einer Mizwah zu verbinden, wurde das Minchah-Gebet verrichtet. Nach Schluss desselben erschien der Herr Landrat, begleitet von seiner Frau Gemahlin, im Hause des Herrn Hahn und brachte dem sichtlich überraschten Jubelpaare in tief empfundenen Worten seinen persönlichen Glückwunsch dar. Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn hielt eine aus dem Herzen kommende und zum Herzen dringende, nach Inhalt wie Form gleich ausgezeichnete Ansprache, in der er auf die Gnade des Höchsten hinwies, die bisher über des Ehepaars Leben sichtbarlich waltete. Ferner gedachte er in seiner Rede der Huld Seiner Majestät unseres geliebten Kaisers und Königs, dessen Liebe alle seine Untertanen umfasst. Die Ansprach klang in die Bitte aus, dass der Allgütige auch fernerhin eine schützende Hand über das Greisenpaar halten möge. Die Rede machte einen überwältigenden Eindruck und in manchem Auge der Beteiligten sah man eine Träne erzittern. Nachdem Herr Dr. Cahn seine Ansprache geschlossen, nahm der königliche Herr Landrat das Wort, um seine Anerkennung für das stete pflichtgetreue Wirken des Herrn Hahn, der seit einer langen Reihe von Jahren das Amt eines Kreisvorstehers verwaltet, zum Ausdruck zu bringen. Hierauf sang unser Lehrer, Herr Sonn, den 150. Psalm. Damit hatte die offizielle Feier ihr Ende erreicht. Nun ging es zum gemütlichen Teile über und manches Glas wurde auf das Wohl des Jubelpaares geleert.
Möge es dem Jubelpaare vergönnt sein, noch recht lange in Gesundheit und Kraftfülle sich des Daseins zu freuen."   

     
50-jähriges Jubiläum von Levi Buxbaum als Kultusbeamter/Synagogendiener der Gemeinde (1910) 

Rhina FrfIsrFambl 11111910.jpg (62180 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. November 1910: "Rhina. Sein 50jähriges Jubiläum als Kultusbeamter beging Herr Levi Buxbaum. Der Jubilar hat es verstanden, durch sein bescheidenes, treues und hingebungsvolles Wirken sich die Liebe und Wertschätzung aller Gemeindemitglieder zu erwerben. Mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit wandelte er stets den geraden Weg der Pflicht, dabei zuvorkommend, freundlich und gefällig gegen jedermann, nach seines Lebens Wahlspruch 'Auhew scholaum, weraudef scholaum' (liebe den Frieden, und strebe ihm nach)."
   
Rhina Israelit 24051911.jpg (24297 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1911: "Rhina, 15. Mai (1911). Herrn Levi Buxbaum dahier, der auf eine 50jährige Tätigkeit als Synagogendiener zurückblicken kann, ist aus diesem Anlass das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Zahl 50 verliehen worden."

   
Auszeichnung für den Sanitätsgefreiten Samuel Katz (1916)  

Rhina FrfIsrFambl 01121916.jpg (12769 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Dezember 1916: "Rhina. Sanitätsgefreiter Samuel Katz von hier, Reserve-Infanterie-Regiment 53, erhielt das Eiserne Kreuz, 1. Klasse."  
  
Rhina FrfIsrFambl 15121916.jpg (21197 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. Dezember 1916: "Rhina, Kreis Hünfeld. Samuel Katz, Sanitätsgefreiter im Reserve-Infanterie-Regiment 53, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, Sohn der Witwe Frau Karoline Katz, erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse."     

     
Zum Tod des Kultusbeamten Levi Buxbaum (1919)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Januar 1919:  "In Rhina starb nach kurzer Krankheit im Alter von 77 Jahren der Kultusbeamte Levi Buxbaum, der länger als 58 Jahre im Dienste seiner Gemeinde stand und sich durch seltene Treue und Opferwilligkeit auszeichnete."       

 
Zum Tod des aus Rhina stammenden Anselm Geis (gest. 1921 in Nürnberg)   

Rhina FrfIsrFambl 08041921.jpg (197916 Byte)Artikel in "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. April 1921: "Nürnberg. Am 16. Adar I. (24. Februar (1921) verschied hier, wohin er seit drei Jahren seinen Wohnsitz verlegt hatte, um 80. Lebensjahre und im 49. Jahre seiner glücklichen Ehe Anselm Geis, einer jener Treuen, die bewusst ihr Leben nach den Sinai-Worten gestalten.  
Geboren in Rhina bei Fulda als jüngster Sohn eines Mannes, der, nachdem seine Kinder versorgt waren, den materiellen Beruf des Erwerbens mit der ideellen Lebensaufgabe des Lernens und Lehrend vertauscht und so die letzten 25 Jahre seines Lebens der Erforschung und der Verbreitung des Gotteswortes weihte, wurde er von dem Vater, bei dem auch dessen Neffe Oberrabbiner Stern - Hamburg gelernt hatte, in die Edelschächte unseres Schrifttums eingeführt und setzte sodann seine Studien bei Rabbiner Henoch - Fulda fort. Sabbathut und Treue zur Vätersitte, Freude am Vertiefen in die Gedankengänge jüdischer Welt- und Lebensanschauung, lautere musterhafte Rechtschaffenheit, Bescheidenheit und Pflichtenstrenge, was seine Person betraf, Güte, Milde und die Hilfsbereitschaft gegen andere waren die jüdischen Werte, die der Jüngling mit ins Leben hinausnahm, die der Mann als Haupt und Ernährer einer zahlreichen Familie stets hochhielt. 
In Magdeburg, dem von ihm erwählten Wohnsitze, war sein Haus ein Hort des traditionstreuen Judentums. Als er nach Magdeburg zog, waren dort die Gemeinde-Institutionen noch traditionell; dies änderte sich noch unter Rabbiner Dr. Rahmer ins Umgekehrte mit dem Bau einer neuen Synagoge. So musste denn der nun Heimgegangene - gemeinsam mit Paul Spiegel, einem Schwager des Wieer Oberrabbiners Dr. Güdemann - einen eigenen Gottesdienst errichten, mit materiellen Opfern Jahrzehnte hindurch erhalten und als Toravorleser fungieren, musste die rituellen Nahrungsmittel von auswärts beziehen usw. Doch all diese Opfer sind noch gering gegenüber denen, die in Orten wie Magdeburg die Kinder verursachen, wenn sie dem Milieu des Elternhauses erhalten werden sollen. Wahrlich, wieviel Heldengröße hat dieses allem Flittertand des Äußerlichen und der Selbstsucht abholde Leben verdeckt!"      

  
S. Bacharach kann wieder als Mohel (Beschneider) tätig sein (1921)  

Rhina Israelit 11081921.jpg (43217 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1921: "Von schwerer Krankheit genesen – gepriesen sei Gott – habe ich meine Tätigkeit als Mohel (Beschneider) wieder aufgenommen, was ich Freunden und Bekannten hierdurch mitteile. 
S. Bacharach. Rhina, Kreis Hünfeld.
"

  
Auscher Klebe ist 50 Jahre Mitglied im Kriegerverein (1925)  

Rhina Israelit 18061925.jpg (22963 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925: "Rhina, 14. Juni (1925). In einer Mitgliederversammlung des hiesigen Kriegervereins wurde dem Veteran Auscher Klebe aus Rhina mit einer ehrenden Ansprache des Vorsitzenden eine Gedenkmünze für 50-jährige Mitgliedschaft überreicht."

    
David Kaufmann II wurde in der Nachfolge von Meier Wetterhahn zum Synagogenältesten ernannt (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 18. März 1927: "Rhina (Kreis Hünfeld). Herr David Katzenstein II. ist an Stelle des verstorbenen Herrn Meier Wetterhahn zum Synagogenältesten ernannt worden."           


Zum Tod der aus Rhina stammenden Jettchen Strauß geb. Katz, Frau des Lehrers Siegfried Strauß (1928)  

Geroda Israelit 14061928.jpg (145352 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1928: "Geroda, 10. Juni (1928). Am Erew Schawuoth (Tag von der Wochenfest Schawuoth = 24. Mai 1928) verschied, nachdem sie einige Tage vorher ihrem ersten Kinde, einem Jungen, das Leben gegeben, Frau Jettchen Strauß - sie ruhe in Frieden, die Gattin des Lehrers Siegfried Strauß in Geroda. Eine Stunde vor Beginn des Festes der Tora hauchte sie, deren ganze Lebenstätigkeit auf die Formel eingestellt war: 'alles, was Gott gesagt hat, wollen wir tun und darauf hören' ihre edle Seele aus und einige Stunden, nachdem eine fromm betende Gemeinde die Verbindlichkeit der 613 Gebote anerkannte, wurde das, was sterblich an ihr, deren Lebensziel auf das 'Aufrichten aller Worte der Tora' gerichtet war, dem kühlen Boden anvertraut. 
Frau Jettchen Strauß - sie ruhe in Frieden - entstammt dem als fromm bekannten Hause Katz in Rhina. Ihr Gottvertrauen und ihre Frömmigkeit war ein Erbteil ihres Vaterhauses. Die frommen Lehren, die ihr von ihrer frühestens Kindheit an zuteil wurden, das fromme Leben, das sie stets vor sich sah, gruben sich tief in ihr empfängliches Herz und bildeten einen Menschen, der in Freud und Leid, im Glück und Unglück, in Gottesfurcht und Liebe sein Leben verbrachte. Die drei Geschenke, die dem jüdischen Volk geworden:  Barmherzige, Verschämte, Wohltätige - besaß sie in großem Maße. Dass sie besonders zu den Wohltätigen gehörte, das werden viele Arme bestätigen, die sie in Liebe verpflegt und unterstützt hat, das werden alle die sagen, die mit ihr je in Berührung gekommen waren. Ihre Liebe zu Gott und zu den Menschen blieb nicht Theorie, sondern sie wurde zur heiligen Tat. Nie fehlte sie, wo es galt, Tränen zu trocknen, Leid zu trösten, Liebestaten an Lebenden und an Toten zu vollbringen. Die gottgewollte Tat leitete und beeinflusste ihr ganzes Leben. Den Gerechten wird der reinste Lohn in jener Welt zuteil, dort werden sie die Früchte ihrer guten Taten genießen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
Zum Tod der aus Rhina stammenden Marianne Stern geb. Emmerich (in Burghaun 1929; vermutlich Tochter von Lehrer Emmerich s.o.)  

Burghaun Israelit 18041929.jpg (85460 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1929: "Burghaun, 2. April (1929). Frau Marianne Stern, dem echt jüdischen Haus Emmerich, Rhina, entstammend, hauchte im Alter von 63 Jahren ihre fromme Seele aus. Je mehr ihr Körper dahinsiechte, um so mehr wuchs ihre an sich schon überaus große Seele. Kein Wort der Klage kam aus ihrem Munde, so sehr ihr auch der Ausgang ihres Leidens vor Augen schwebte. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes eine wackere Frau, deren segensreiches Leben sich auf der breiten Basis von Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit bewegte. Diese frommen Tugenden erleichterten ihr auch die Erziehung ihrer Kinder zu guten Jehudim. Vor dem Trauerhause zeichnete Herr Lehrer Berlinger ein treffendes Lebensbild der Dahingeschiedenen, während Herr Lehrer Katz, Gersfeld, namens der Verwandten, der tiefen Frömmigkeit und edlen Tugenden der Heimgegangenen gedachte. Möge der Verblichenen Verdienst den trauernden Hinterbliebenen beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
60. Geburtstag von Samuel Viktor II (1929)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 8. November 1929:        

 
92. / 93. / 94. Geburtstag von Jettchen Bacharach (1926 / 1927 / 1928
)  

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 7. Januar 1927:    
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 6. Januar 1928:    
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1928: "Bad Kissingen, 7. Dezember (1928). Am 27. Dezember feiert Frau Jettchen Bacharach in Rhina in selten geistiger und körperlicher Frische 94. Geburtstag. (Alles Gute) bis 120 Jahre."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 21. Dezember 1928:     

  
95. / 96. / 97 Geburtstag von Jettchen Bacharach (1929 / 1930 / 1931)  

Rhina Israelit 24121929.jpg (82658 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1929: "Rhina, 19. Dezember (1929). Frau Jettchen Bacharach feiert am 27. Dezember den 95. Geburtstag. Frau Bacharach, in der ganzen Gegend unter dem Namen 'Löbs Jettchen' bekannt, erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und Hochschätzung in allen Kreisen. Wohl selten ist in Rhina ein fremder, noch weniger ein ehemaliger Rhinaer zu Besuch, ohne dass er 'Löbs Jettchen' besucht; wie sehr sie sich mit jedem Einzelnen freut, lässt sich nicht aussprechen… Sie fastet noch die wichtigsten Fasttage ohne Beschwerden, nimmt regen Anteil an allen Vorgängen in der Kehila (sc. Gemeinde). Möge sie in der bisherigen Frische des Körpers und des Geistes noch viele Jahre der Stolz und die Freude ihrer Familie, zu der vier Söhne, eine Tochter, 28 Enkel und 21 Urenkel gehören, sein."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. Dezember 1929:    
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 19. Dezember 1930:     
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 30. Dezember 1931:    

  
Zum Tod von Kaufmann Felix Nußbaum (1931)      

  Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 21. Mai 1931:           


Zum 99. Geburtstag von Jettchen Bacharach (1933)
    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1933: "Bad Kissingen, 13. Dezember (1933). In Rhina feiert Frau Jettchen Bacharach am 28. dieses Monats gesund und frisch an Körper und Geist ihren 99. Geburtstag. Frau Bacharach versieht noch heute ihren Haushalt, fastet noch die wichtigen Tage und versäumt keine Tefilloh."    

   
100. Geburtstag von Jettchen Bacharach geb. Alexander (1934)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1934: "Rhina, 14. November 1934. EIn Jubiläum, wie es nur ganz wenigen Menschen zu feiern vergönnt ist, begeht in Rhina bei Hersfeld am 26. Kislew Frau Jettchen Bacharach geb. Alexander. Frau Bacharach ist am 26. Kislew 5595 (28. Dezember 1834) zu Waltersbrück geboren, wird also 100 Jahre alt. In früher Jugend beider Eltern beraubt, kam sie nach Rhina, um dort ihr Brot zu verdienen. In geradezu rührender Weise erzählt die noch sehr rüstige Greisin von ihrer harten Jugendzeit, wie sie durch ihr unbegrenzter Gottvertrauen eine schwere Dienstzeit durchzumachen in der Lage war, und wie sie später, als Gattin des nunmehr 37 Jahre verewigten Mannes, noch in guter Erinnerung stehenden Salomon Bacharach, und als Mutter von 5 Kindern - der jüngste Sohn starb in diesem Jahre, 64 Jahre alt, der jüngste Sohn wanderte vor wenigen Wochen, 71 Jahre alt, zu seinen Kindern nach Amerika aus - zu kämpfen hatte. Etwa 30 Enkel und 25 Urenkel schauen mit Verehrung und Dankbarkeit über eine echtjüdische Gastfreundschaft und Familienanhänglichkeit auf diese Patriarchin, die noch regen Anteil an den Ereignissen der Familie nimmt. Wenn die Greisin auch geistig, noch vollkommen auf der Höhe ist, so haben Gesicht und Gehör in letzter Zeit, doch sehr nachgelassen; aus diesen Gründen und mit Rücksicht auf ihre harten Erlebnisse des letzten Jahres soll sich die Feier in ganz besonderen Grenzen bewegen".     

  
101. Geburtstag von Jettchen Bacharach (1935)  

Rhina Israelit 19121935.jpg (30139 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1935: "Rhina, 15. Dezember (1935). Am ersten Tag Chanukka wird Frau Jettchen Bacharach 101 Jahre alt. Der Gesundheitszustand der Greisin hat in ihrem vergangenen Lebensjahre sehr oft bedenklich geschwankt. In geistiger Beziehung ist sie dagegen jugendlich und elastisch geblieben. (Alles Gute) bis 120 Jahre."

    
Zum Tod von Jettchen Bacharach (1936)         

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1936:  "Rhina, 4. August (1936). Kurz vor Eintritt der Nacht zum 9. Aw hauchte Frau Jettchen Bacharach in Rhina ihre reine Seele aus. Wir hatten an dieser Stelle - zum 80., 90. und 100. Geburtstag - Gelegenheit, aus dem Leben dieser frommen Frau zu berichten. Als arme Vollwaise von 13 Jahren kam sie vor fast 90 Jahren aus Waltersbrück im Kreis Fritzlar hierher, um sich ihr Brot zu verdienen. Hart und steinig war der Weg, wie sie ihren Angehörigen oft erzählte. Im Verein mit dem Gatten, der ihr um 39 Jahre im Tode vorausging, gründete sie hier in Rhina ein echtjüdisches Haus, in dem die Traditionen des Judentums streng gehalten wurden. Erwähnt sei ganz besonders, dass sie vor etwa zwei Jahren, als 100-jährige, nicht nur am Jomkippur den ganzen Tag fastete, sondern auch den ganzen Tag von früh 7 Uhr bis zum Schofarblasen in der Synagoge war, und dass sie, da das Augenlicht längst erloschen, alle Gebete und Tehillim auswendig sagte. Ihr innige Bitochaum (Gottvertrauen) verließ sie bei den herben Schicksalsschlägen, von denen sie besonders in den letzten Jahren heimgesucht wurde, nicht. Die große Verehrung und Liebe, die ihr zu Lebzeiten, besonders an ihren Geburtstagen, in den letzten Jahrzehnten entgegengebracht wurden, gestaltete sich bei ihrer K'wuroh (Beisetzung) zu einer imposanten Kundgebung. 
Im Trauerhause tiefen der Mann einer Enkelin, Herr G. Neustädter, Bad Kissingen, und Herr Kantor Bacharach in Eschwege, ein Sohn der Verstorbenen, der Mutter und Großmutter Worte der Verehrung und des Dankes nach. Möge die Verstorbene, die drei Söhne, eine Tochter, 28 Enkel und 29 Urenkel hinterlässt, uns allen ein rechtes Vorbild sein".      


Zum Tod des Kunstmalers Jakob Nußbaum aus Rhina (1937)  
Anmerkung: der 1873 in Rhina geborene Maler, Zeichner, Graphiker und Lithograph Jakob Nussbaum war bis zu seiner Emigration nach Palästina 1933 eine der führenden Künstlerpersönlichkeiten in Frankfurt am Main. Hier leitete er ein Meisteratelier an der Städelschule. Als Vorsitzender des Frankfurter Künstlerbundes und Initiator der Frankfurter Künstlerhilfe war er kulturpolitisch sehr engagiert. Er wurde mit Landschaften, Stadtansichten und Porträts bekannt.  

Rhina Israelit 07011937.jpg (86947 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1937: "Ein großer Künstler starb am Kinerethsee! In seinem Künstlerheim am Kinereth bei Tiberias starb dieser Tage der weltberühmte Kunstmaler Jakob Nussbaum. Nussbaum genoss neben Liebemann und Lesser Ury als Impressionist Weltruf. Berühmt und allbekannt sind u.a. seine Palästinabilder, die er vor 13 Jahren aus Anlass seiner ersten Palästinareise gezeichnet hat und die nicht wenig zur Weckung der Liebe für die palästinensische Landschaft beigetragen haben.   
Jakob Nussbaum, der 1873 im hessischen Städtchen Rhina geboren wurde, war recht eigentlich ein Frankfurter Kind. Hier lebte er nach Vollendung seiner Studien und hier schuf er seine ewigen Meisterwerbe bis er sich vor wenigen Jahren entschloss, sein Heim am Kinnerethsee in Palästina zu beziehen. Er war auch in Palästina eine überaus beliebte und von Künstlern und Kunstfreunden gesuchte Persönlichkeit."     
   
1933 war der Maler auf dem Höhepunkt seiner Karriere:   
Rhina Israelit 12011933.jpg (29763 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1933: "Jakob Nußbaum, der bekannte Frankfurter Kunstmaler, wird aus Anlass seines 60. Geburtstages in der Tages- und Fachpresse als einer der größten Künstler unserer Zeit gefeiert." 
  
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 13. Januar 1933: "Jakob Nussbaum 60 Jahre. Jakob Nußbaum, geboren am 8. Januar 1873 in Rhina bei Kassel, eine der charakteristischsten Persönlichkeiten der europäischen Malerei, Vorsitzender des Künstlerbundes seines Wohnortes Frankfurt am Main, ist zum Ehrenmitgliede des Bundes ernannt worden als der 'echte, sich selbst und der Heimat treue Künstler', der 'durch Werk und Wirksamkeit um Frankfurt, seine Kunst und seine Künstler' sich bleibende Verdienste erworben hat. Berühmt sind Nußbaums farbig frohe Monumentalbilder 'Hauptwache in Frankfurt', 'Winterlandschaft', 'Schillerplatz in Frankfurt' u.a.m.- In den letzten Jahren ist er als hervorragender Porträtist vielbeschäftigt."    
        

Rechts: Selbstbildnis - Brustbild - Öl auf Karton von 1898 mit 
Signatur auf Rückseite; das Bild war vor einiger Zeit b
ei eBay angeboten. Es wurde von der Gemeinde 
Haunetal zur Ausstellung in Rhina erworben.

Nussbaum Rhina 01.jpg (46113 Byte) Rhina Nussbaum 05.jpg (91507 Byte) 
       
Foto rechts: 
Jakob Nussbaum; 
Quelle: Arnsberg, Bilder 
s. Lit. S. 181
Rhina Nussbaum 01.jpg (54313 Byte) Hinweis auf Literatur:  
Claudia C. Müller: Jakob Nussbaum (1873-1936). Ein Frankfurter Maler im Spannungsfeld der Stilrichtungen. Studien zur Frankfurter Geschichte Bd. 47. Frankfurt am Main 2002. Informationsseite.
studien_47.jpg (14134 Byte)
        
Hinweis: Das Jüdische Museum Frankfurt führte von Januar bis Juli 2006 eine Ausstellung mit Werken von Jakob Nussbaum durch: Seite zu dieser Ausstellung.  

   
        
Das Schicksal des aus Rhina stammenden Erfurter Zahnarztes Sally Oppenheim  
(Quelle:  http://www.erfurt-web.de/OppenheimSally

Sally Oppenheim, Zahnarzt: geb. am 15. April 1884 in Rhina, gest. 1944. Approbiert am 22.05.1906 in München. Promoviert am 25.07.1913 zum Dr. phil. in Marburg. Ließ sich am 15.05.1918 in der Meyfartstraße 4 nieder. Veröffentlicht 1933 in der "Zahnärztlichen Rundschau" sein zum Patent angemeldetes Verfahren "Wurzelbehandlung mit Wurzelstift aus Edelmetallen". Dieses Patent erwirbt die Leipziger Firma C.A. Lorenz. Wird von den Nazis gezwungen, seine Praxis zu schließen. Wird mit den letzten Erfurter jüdischen Bürgern in ein Konzentrationslager nach Polen deportiert und musste dort in einem Steinbruch arbeiten. Verstirbt dort an den Folgen einer Lungenentzündung. 

      
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Dr. Cahn hat die Aufsicht über die Mazzenbäckerei in Rhina (1909)   

Rhina Israelit 18021909.jpg (48615 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1909: 
"Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, dass in meinem Rabbinatsbezirk nur die 
Mazzobäckerei in Rhina
, nicht aber 
die Mazzobäckerei in Fulda unter meiner Aufsicht steht. 
Dr. M. Cahn, Provinzialrabbiner."

      
Verlobungsanzeige für Selma Klebe und Bernhard Hess (1920)         

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. März 1920: 
"Statt Karten.   
Selma Klebe  -  Bernhard Hess. 
Verlobte.  
Rhina  -  Birstein.
"      

 
Anzeige von Victor Victor (1921)  

Rhina Israelit 16061921.jpg (48106 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1921: 
"Nonplusultra
Ia Enthaarungsmittel nach vielfach begutachteter Zusammensetzung, hellfarbig, stellt her und versendet in großen Büchsen, 12 Mark ab hier. 
Victor Victor, 
Rhina, Kreis Hünfeld
."  

  
Verlobungsanzeige von Jenny Nussbaum und Friedrich Höchster (1922)  

Rhina Israelit 11051922.jpg (25392 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1922: 
"Jenny Nussbaum - Friedrich Höchster
Verlobte. Rhina (Hessen) - Nürnberg Marienstr. 20.     
Mai 1922."

   
Verlobungsanzeige von Selma Stahl und David Katzenstein (1925)  

Gilserberg Israelit 02071925.jpg (25189 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1925: 
"Statt Karten. Selma Stahl - David Katzenstein. Verlobte.  
Gilserberg
, Bezirk Kassel. Juni 1925. Rhina Kreis Hünfeld."   

    
Verlobungsanzeige von Else Sichel und David Katzenstein (1925)  

Rhina Israelit 03121925.jpg (26613 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1925: 
"Statt Karten: Else Sichel - David Katzenstein 
Verlobte.  Grünsfeld (Baden) - Rhina (Kreis Hünfeld. Dezember 1925."

  
Verlobungsanzeige von Irma Rosenthal und Moritz Viktor II. (1928) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1928: 
"Irma Rosenthal - Moritz Viktor II. Verlobte. 
Fischborn Kr. Gelnhausen - Rhina Hessen Nassau. Halbfeiertag von Sukkot"

    
Verlobungsanzeige von Gerta Katz und Max Bamberger (1929)  

Rhina Israelit 11041929.jpg (32459 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1929: "Statt Karten - Gott sei gepriesen
Gerta Katz - Max Bamberger
Verlobte. 
Rhina (Kreis Hünfeld) - Wiesenfeld (Unterfranken). April 1929."    

       
Werbung für die "Rhinaer Mazzen" von Moses Blumenthal (1931)      

Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 23. Januar 1931: 
"Rhinaer Mazzen - stets frisch, in bekannt erstklassiger Güte!
  
In Kassel zu haben bei: Siebert, Hohenzollernstraße 2  v.d. Emde, Königstor 50   Bartolomäus, Germaniastr. 14  Jentsch, Wilhelmsh. Allee 33   Küllmer, Frankfurter Straße 75  Hartmann, Müllergasse 17   Jentsch, Marktgasse   Jungclas, Entengasse 5  Reibert, Hohentorstraße. 
Bestellung zu Pessach franko Kassel direkt durch: Moses Blumenthal, Rhina. Hünfeld - Land."          

       
    
Sonstiges 
(aus der Sammlung von Peter K. Müller, Kirchheim/Ries)   

Zahlungserinnerung von 
M. J. Nussbaum in Rhina (1928)   
Rhina Dok 1928.jpg (236098 Byte)
  Die Zahlungserinnerung wurde von M. J. Nussbaum Inhaber Josef Nussbaum am 
20. Januar 1928 an Bäckermeister Joh. Schill in Frankershausen verschickt.  

         
         
     
   
Zur Geschichte der Synagoge      
         
Zunächst wurden die Gottesdienste im Betraum eines jüdischen Hauses abgehalten. 
 
1782 konnte eine Synagoge eingerichtet und eingeweiht werden. Beim Synagogengebäude handelte es sich um ein umgebautes Schäferhaus, das den Herren von Trümbach und Stein gehörte und ursprünglich in Wehrda gestanden hatte. Nachdem es in Rhina aufgebaut worden war, wurden im oberen Stockwerk die Synagoge und im unteren die Wohnung für den Lehrer eingerichtet. 1829 plante die Gemeinde den Neubau einer Synagoge, der jedoch nicht ausgeführt werden konnte. Doch wurde in den folgenden Jahren die Synagoge vergrößert umgebaut. Am 10. Januar 1834 (5594) erfolgte die Wiedereinweihung. Seit 1855 wurde wiederum über den Neubau einer Synagoge nachgedacht. Damals (1860) wurde wiederum "nur" eine Vergrößerung vorgenommen und ein Schulhaus angebaut. Aus der Geschichte der Synagoge liegen nur wenige Berichte vor: Ende August 1867 wurde eine neue Torarolle feierlich eingeweiht. 
 
Einweihung einer Torarolle (1867)   

Rhina Israelit 25121867b.jpg (73112 Byte)Aus einem längeren Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1867 - der Artikel setzt sich mit der liberal-kritischen Berichterstattung über Rabbiner Dr. Enoch auseinander: "Die Gemeinde Rhina im Rabbinat Fulda, welche etwa neunzig fast ausschließlich streng religiöse Familien zählte, feierte am vergangenen Rosch Chodesch Elul (Schabbat, 31. August 1867), der auf einen Sabbat fiel, die Einweihung einer Torarolle. Herr Dr. Enoch wurde ersucht, das Programm zu dieser Festlichkeit zu entwerfen. Nachdem in demselben die zu dieser Feier sich eignenden Gesänge angeordnet waren, bemerkte der Rabbiner, dass, wenn der Zug am Schabbat stattfinden sollte, die musikalische Begleitung zu unterbleiben habe, und dass er es überhaupt nicht zugeben könne, dass am Schabbat bei dieser Freude über eine Weisung Tanzunterhaltung stattfinden solle..." 

Spende von Clara Bartuch geb. Nußbaum für die Synagoge (1922)  

Rhina Israelit 06071922.jpg (26652 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juli 1922: "Rhina, 20. Juni (1922). Frau Clara Bartuch geborene Nußbaum, aus New York spendete aus Anhänglichkeit an ihren Geburtsort Rhina der israelitischen Gemeinde 100 Dollar zur Renovierung und Anlage des elektrischen Lichtes in der Synagoge." 


Am 22. Januar
1933 konnte das 150jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden, worüber die Zeitschrift "Der Israelit" berichtete: 

Rhina Israelit 02021933.jpg (82087 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1933: "Rhina (Hünfeld-Land), 29. Januar (1933). Die hiesige israelitische Gemeinde konnte auf das 150jährige Bestehen ihrer Synagoge zurückblicken. Aus diesem Anlass fand am Sonntag, den 22. Januar in der Synagoge ein Festgottesdienst statt, zu dem sich viele Gäste - darunter zahlreiche Nichtjuden - eingefunden hatten. Die festlich geschmückte Synagoge war dicht besetzt. Nach dem Minchogottesdienst sang Herr Kantor (Levi) Bacharach, Eschwege (ein geborener Rhinaer) 'Somachti b'aumrim li'. In einer mehr als halbstündigen Rede sprach Herr Lehrer Oppenheim über die Bedeutung der Gotteshäuser im allgemeinen sowie über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Rhina und ihres Gotteshauses. Zum Schluss sang - nach dem Mischeberach von Lewandowsky - der Chor Psalm 100. Abends fand eine öffentliche Feier statt."        

In der NS-Zeit kam es alsbald zu Ausschreitungen von Nationalsozialisten. So versuchten SA-Leute am 22. März 1935, die zum Gottesdienst versammelten Juden vor der Synagoge mit Gummiknüppeln zu schlagen. Die Nazis hatten ihre Gesichter verschmiert und das Nummernschild ihres LKWs unkenntlich gemacht. Da die Rhinaer Juden sich wehrten, kehrten die SA-Schläger einige Tage später zurück, zerschlugen Fenster und Türen von Häusern, in denen jüdische Familien wohnten. 
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge mit der jüdischen Schule und der Wohnung des Lehrers angezündet. Das gesamte Gebäude brannte bis auf den Grund nieder. Dabei wurde die gesamte Inneneinrichtung mit den 15 Torarollen und wertvollen Ritualien vernichtet. Die jüdische Gemeinde wurde gezwungen, 1.800 Mark an die Ortsverwaltung für die Säuberung das das Abräumen der zerstörten Überreste der Synagoge zu bezahlen. Für einen Spottpreis von 65 Mark kam das abgeräumte Grundstück in den Besitz der Gemeinde.   
  
1965 wurde auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge das Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht.    
    
    
Adresse/Standort der Synagoge       Platz des Dorfgemeinschaftshauses.   
    
    
Fotos  

Die Synagoge in Rhina 
(Quelle Foto rechts: 
Yad Vashem, Jerusalem,
 Photo Archive) 
Rhina Synagoge 100.jpg (32705 Byte)  Rhina Synagoge 020.jpg (27062 Byte) 
  Außen- und Innenansicht der Synagoge in Rhina  
     

   
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Marktgemeinde Haunetal    
Website der Gemeinde Rhina (von hier das Foto oben) 
Hier auch: Namensliste der Juden in Rhina 1935 
Website von Elisabeth Sternberg-Siebert zu Rhina   
Über den Maler Jakob Nussbaum (1873-1936) findet sich eine Dokumentation auf der Website von www.hassia-judaica.de: desgleichen findet sich hier auch das fiktive Tagebuch "Die Judeneiche" von Walter Oppenheim (Zev Katelev) mit Kapiteln zur Geschichte der Rhinaer Juden (beides über Stichwort "Lebenswege" zu erreichen).  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Rhina (interner Link)   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Rhina    

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Rhina 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Rhina sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,686 Geburtsregister der Juden von Rhina (Haunetal) 1824 - 1833   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3271675   
HHStAW 365,688 Trauregister der Juden von Rhina (Haunetal) 1824 - 1838   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v290044    
HHStAW 365,690 Sterberegister der Juden von Rhina (Haunetal) 1824 - 1841  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319776      
HHStAW 365,685 Mitgliederliste der jüdischen Gemeinde in Rhina (Haunetal) 1829 - 1830; enthält eine Mitgliederliste mit Angaben zu Geburts- und Traudaten, Familienstand, Gewerbe sowie Grund- und Immobilienbesitz  
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924726 
HHStAW 365,687 Geburtsregister der Juden von Rhina (Haunetal) 1834 - 1938  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126667      
HHStAW 365,689 Trauregister der Juden von Rhina (Haunetal) 1840 - 1927     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126668      
HHStAW 365,691 Sterberegister der Juden von Rhina (Haunetal) 1842 - 1897  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319777   
HHStAW 365,692 Sterberegister der Juden von Rhina (Haunetal) 1897 - 1938  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250817     

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 220-222.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 181.   
Brunhilde Miehe: Rhina, einstmals Brennpunkt jüdischer und christlicher Religion und Lebensart. Kirchhain 1970.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 60-61.    
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 583-585.   
Peter O. Chotjewitz: Saumlos. Roman eines Dorfes. Hamburg 1982. Berlin 2004   (Roman mit einer eindringlichen Schilderung der Vertreibung der Juden aus Rhina). 
Renate Chotjewitz-Häfner: "Juden haben keinen Zutritt". Die Auflösung der jüdischen Landgemeinden in Osthessen. In: Ulrich Schneder (Hg.): Hessen vor 50 Jahren - 1933. Frankfurt 1983.   
Renate Chotjewitz-Häfner / Peter O. Chotjewitz: Die Juden von Rhina aus der Chronik eines osthessischen Dorfes. Oberellenbach 1988. 
dieselben: Die mit Tränen säen. Bodenheim 1983.  
Elisabeth Sternberg-Siebert: Jüdisches Leben im Hünfelder Land - Juden in Burghaun. Michael Imhof Verlag. Petersberg 2001. 
Abraham Frank: Geschichte der Juden in Rhina. Online zugänglich.  
Harald Neuber: Rhina im Spiegel seiner christlich-jüdischen Vergangenheit. Haunetal 2005.  
Interview von 2008 (englisch) mit Rafael Klebe (geb. 1921 in Rhina): "When Israel won independence, Denver's Rafael Klebe helped make it happen" by Chris Leppek. pdf-Datei.  
Gerhardt Maul: "Alles war gut, bist es nicht mehr gut war......" Dokumentation einer gescheiterten Einladung an die Juden aus Rhina (1984).  Online zugänglich (pdf-Datei).         

   
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Rhina (now part of Haunetal) Hesse-Nassau. Encouraged to settle there around 1650, Jewish immigrants from Bavaria established a community in 1682 but only acquired a permanent synagogue 100 years later. They maintained a talmud torah and an elementary school (1782-1938), but could not afford to build a new synagogue and had the old one renovated in 1834. A Jewish civil gard was organized in Rhina during the 1848 revolution. By 1885 these strictly Orthodox Jews numbered 314 (56 % of the total). Affiliated with the rabbinate of Fulda, the community shrank from 225 (43 %) in 1925 to 87 (22 %) in October 1938. Nazis burned the synagogue on Kristallnacht (9-10 November 1938) and by 1 March, Rhina was officially 'free of Jews' (judenrein). A total of 76 Jews emigrated (50 to United States) and about the same number perished in the Holocaust. 
       
         

                   
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Stand: 22. Mai 2016