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Zur Übersicht über die
Synagogen im Kreis Fulda
Langenschwarz (Gemeinde
Burghaun, Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Langenschwarz bestand noch im 19. Jahrhundert eine relativ
große jüdische
Gemeinde. Ihre Entstehung geht mindestens in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. 1799 wird Rabbiner Isaak Salomon Wormser in Langenschwarz genannt, der
auch für die Gemeinden in der Umgebung (Burghaun) zuständig war. Wie
in anderen Orten auch, hatten die jüdischen Familien Schutzgelder und Abgaben
an die Ortsherrschaft zu bezahlen. Als Besonderheit galt in Langenschwarz
die Regelung, dass die Juden für die Küche der Freiherrenfamilie (an die
Ritter von Langenschwarz; ab 1819 an
die Küche der Haushaltung des Schlosses des Kurfürsten Wilhelm I. von
Hessen-Kassel) sämtliche Zungen des von ihnen geschächteten Viehs abzugeben.
Erst durch mehrfache Einsprache der Juden und ein gerichtliches Urteil in Fulda
wurde die Bestimmung am 9. November 1841 aufgehoben.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie
folgt: 1835 114 jüdische Einwohner, 1855 29 jüdische Familien, 1861 116
Personen, um 1900 noch fünf jüdische Familien. In den folgenden Jahren sind die meisten der jüdischen Familien aus
Langenschwarz verzogen. Mehrere Familien verzogen nach Schlitz.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, die erstmals 1798 genannt wird,
eine jüdische Volksschule (Israelitische Elementarschule; bis 1887) und ein von 1832 bis um 1900 belegter eigener
Friedhof
(vor 1832 wurde der Friedhof Burghaun benutzt). Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war. Von 1800 bis 1829 wird als Lehrer Hirsch
Lazarus Fürth genannt, danach Lehrer Hecht und Lehrer Elias Rothschild. Mit der
Pensionierung des Lehrers Windmüller 1887 wurde die Schule
geschlossen.
1902 wurde die Gemeinde aufgelöst, als es nur noch zwei jüdische Familien
mit zusammen fünf Personen am Ort gab. Die letzten hier noch lebenden
jüdischen Personen gehörten zur jüdischen Gemeinde in Burghaun.
Von den in Langenschwarz geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Reuben
Bachrach (1871), Julius Frank (1890), Johanna (Hannchen) Frankenthal geb.
Bachrach (1868, Gedenkseite),
Berthe Hammerschlag geb. Bachrach (1876), Susmann Rothschild (1873), Rudolf
Schiff (1884), Caroline Schlesinger geb. Wolff (1868), Paula Stemmler geb. Windmüller
(1890), Aron Stern (1872), Abraham Strauss (1869), Jette Strauss geb. Strauss
(1872), Nanny Wertheim geb. Windmüller (1888).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Wie der Pfarrer von Hünfeld ein jüdisches Mädchen aus Langenschwarz dem christlichen Glauben
zuführen wollte (1867)
Anmerkung: auf Grund eines Lesefehlers steht im
Artikel "Langenschwang" statt "Langenschwarz"
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1867: (aus einem
längeren Bericht:) "...Gehen wir nun zur Sache selbst über. Eine
glücklich vereitelte Mortarageschichte ist es, über die ich heute zu
berichten habe. Ich erkläre zugleich, dass ich meine Angaben von einem
amtlich beteiligten Mitgliede des israelitischen Vorsteheramtes der
Provinz Fulda auf schriftlichem Wege erhielt. Herr Simon Heßdörfer aus
Fulda ist der Biedermann, der im Verein mit anderen Gesinnungsgenossen
keinen Aufwand an Zeit und Geld scheute, um die Pläne eines fanatischen
Seelenhaschers zu vereiteln. Ich lasse hier den mir zugekommenen Bericht wortgetreu
folgen:
'Schirmmacher Levi von Langenschwarz, 66 Jahre alt, verlor im Dezember
1866 seine Frau, die Söhne sind auswärts verheiratet; so blieb bei ihm
nur eine Tochter von 15 1/2 Jahren. Levi musste zur Ausübung seines
Geschäftes auf die Reise gehen und also das Mädchen allein unter Obhut
der Juden in Langenschwarz zurücklassen. Vor der Abreise erbot sich die
Frau Pfarrer Westphal in einem sehr liebevollen Briefe an ihren 'lieben
alten Levi' zu seiner Beruhigung, auf das 'brave jungfräuliche Mädchen'
Acht zu geben und es im Nähen und Sticken zu unterrichten. Als der Vater
vor 4 Wochen nach Hause kam, fand er sein Kind, das ihm mehrmals liebevoll
geschrieben, zuhause, dasselbe war aber tags darauf verschwunden. - Nach
vielem Forschen ergab sich, dass das Mädchen zum Pfarrer von Stark nach
Hünfeld gebracht worden war. Dieser, ein exzentrischer Mann, der, wie er
angibt, schon mehrfachen Umgang mit dem Teufel hatte, verkündete von der
Kanzel am 14. April das Wunder der Bekehrung einer Jüdin und dass die
feierliche Taufe am ersten Ostertag vor sich gehen werde.
Das hiesige israelitische Vorsteheramt bekam am 14. April Kenntnis von der
Sache und war sofort entschlossen, nach Kassel zum Administrator und
nötigenfalls nach Berlin zu reisen, wenn die Königliche Regierung hier
das Landratsamt Hünfeld nicht sofort veranlasst, seinen Anträgen zu
entsprechen. Der Herr Regierungsdirektor erklärte uns, dass
Mortara-Geschichten nicht geduldet würden. Es war uns jedoch darum zu
tun, das Kind sofort zu bekommen; deshalb reisten wir nach Hünfeld, wo
uns von dem Königlichen Landratsamt bereitwilligst die Akten-Einsicht
gestattet wurde. Es ergab sich aus den Akten, dass der Pfarrer von stark
amtlich angab, das Mädchen sei über 18 Jahre alt, also nach dem Religionsgesetz
von 1848 ermächtigt, seine Religion zu wechseln, außerdem sei es von
seinem Vater verstoßen, also aus der väterlichen Gewalt. Es fiel nicht
schwer, beide Angaben als Lügen nachzuweisen, und so wurde die
Auslieferung des Mädchens sofort verfügt und dem Vater der Kreisbereiter
zur Abholung des Mädchens mitgegeben. Der Pfarrer war nicht zuhause, und
das Mädchen war glücklich, aus dem Hause zu kommen.
Die Abwesenheit des exzentrischen Pfarrers, der uns, jedoch zu später,
nach der Bahn folgte, war gut, sonst wäre es zu Exzessen gekommen, worauf
wir aber vorbereitet waren und nichts fürchteten.'
Ehre und Anerkennung diesen Biedermännern, die so handelten, wie
jüdischer Männer würdig ist! Hirsch Grünebaum." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge war in Wehrda seit 1798 vorhanden. Das Gebäude
wurde bei Auflösung der jüdischen Gemeinde (um 1901-1902)
verkauft.
Fotos
| Es sind noch keine
Fotos/Darstellungen zur Geschichte des jüdischen Lebens in Langenschwarz vorhanden; über Hinweise freut sich der Webmaster von
"Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 104-105; Bd. II S. 348-350 (innerhalb
des Abschnittes zu Wehrda) |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S. 9-10. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 393-394.482. |
 | Elisabeth
Sternberg-Siebert: Jüdisches Leben im Hünfelder Land: Juden in
Burghaun. Verlag Michael Imhof, Petersberg 2008. ISBN
978-3-932526-14-5 (2. erweitere Auflage). 320 Seiten mit zahlr.
Abb. Weitere
Informationen auf pdf-Datei.
vgl. auch Website von
Elisabeth Sternberg-Siebert.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Wehrda (now part
of Haunetal) Hesse-Nassau. The Jewish community dedicated a synagogue in 1804,
maintained an elementary school from 1837 to 1919, and numbered 130 (16 % of the
total) in 1861, dwindling to 34 in 1933. The Jews of nearby Langenschwarz
(numbering 116 in 1861) hat disappeared by 1925 and Nazi pressure forced the
Wehrda community to disband in 1936. On 5 September 1942 the last two Jews were
sent to death camps.

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