Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Erdmannrode (Gemeinde Schenklengsfeld, Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen          
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
   
In Erdmannrode bestand eine jüdische Gemeinde bis 1927. Ihre Entstehung geht vermutlich in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1835 142 jüdische Einwohner, 1861 129, 1905 82. Um 1886/87 gab es es noch 21 jüdische Steuerzahler am Ort. 
  
Im Revolutionsjahr 1848 kam es in Erdmannrode zu schweren Ausschreitungen, bei denen vier Häuser jüdischer Familien überfallen und ausgeraubt wurden. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Elementarschule, ein rituelles Bad sowie ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein jüdischer Lehrer (Elementarlehrer) angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Provinzialrabbinat Fulda. 
Über die Geschichte der jüdischen Elementarschule liegen folgende Informationen vor: 1867 gab es 20 Schüler in zwei Abteilungen, 1878 noch 13 Schüler, von 1890 bis um 1900 wieder 20 Schüler, danach ging die Zahl zurück. Von den jüdischen Lehrern ist bekannt: Levi Wertheim (geb. 1812, Lehrer von 1838 bis 1878, beigesetzt im jüdischen Friedhof), Liebmann Braunschweiger (um 1900 bis zu seiner Versetzung 1904 nach Hünfeld). Im Mai 1904 wurde die Elementarschule aufgelöst (Pressemitteilung siehe unten). Im August 1904 wurde die Lehrerstelle jedoch noch einmal als "Privat-Elementarlehrerstelle" ausgeschrieben. Ob sie nochmals besetzt wurde, ist nicht bekannt.
  
Um 1924 lebten noch zwei jüdische Familien am Ort, die zur Gemeinde Eiterfeld gehörten. 1929 verzog die letzte jüdische Familie am Ort nach Eiterfeld. 
  
Von den in Erdmannrode geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sara Klara Adler geb. Katz (1883), Bernhard Gutmann (1883), Bertha Hahn geb. Katz (1883), Jakob Katz (1876), Karl Kurt Katz (1925), Leiser Katz (1869), Liebmann Katz (1873), Manuel Katz (1878), Max Katz (1891), Meier Katz (1874), Regine (Rickchen) Katz geb. Braunschweiger (1867), Selma Katz geb. Kaufmann (1889), Berta Nussbaum geb. Oppenheim (1885), Moritz Oppenheim (1895), Simon Oppenheim (1888), Lina Schwab geb. Katz (1872), Berni Speier geb. Oppenheim (1898), Lina Spiegel geb. Katz (1880), Irma Stern (1897), Bernhard Weinberg (1871), Bella Weinberg (1904), Bernhard Weinberg (1873), Emma Weinberg geb. Lebrecht (1871). 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters /Schächters 1879 / 1895 / 1904

Erdmannrode Israelit 17091879.jpg (42273 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1879: "Die israelitische Elementarlehrer- und Vorbeterstelle in Erdmannrode, Kreis Hünfeld, ist sofort zu besetzen. Das Einkommen beträgt Mark 750 und Mark 90 Feuerungsvergütung  neben freier Dienstwohnung, sowie ansehnliches Nebeneinkommen für Schächterdienst. Bewerber haben ihre Gesuche und Zeugnisse an die unterzeichnete Stelle zu richten. 
Fulda, 4. September 1879. 
Vorsteheramt der Israelit Dr. M. Cahn, vt. Tannenbaum."
   
Erdmannrode Israelit 31121879.jpg (34573 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1879: "Fulda, 10. Dezember 1879. Die israelitische Elementarlehrer- und Vorbeterstelle in Erdmannrode, Kreis Hünfeld, ist sofort zu besetzen. Das Einkommen beträgt Mark 750 und Mark 90 Feuerungsvergütung neben freier Wohnung, sowie ansehnliches Nebeneinkommen für Schächterdienst. Bewerber haben ihre Gesuche und Zeugnisse an die unterzeichnete Stelle zu richten. 
Vorsteheramt der Israeliten. Dr. M. Cahn, vt. Tannenbaum."
  
Erdmannrode Israelit 11031895.jpg (63864 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1895: "Durch die Versetzung des seitherigen Inhabers der israelitischen Schulstelle in Erdmannrode ist diese Stelle mit dem 1. dieses Monats vakant geworden. Das Einkommen der genannten Schulstelle beträgt neben freier Wohnung, aber einschließlich der Feuerungs-Entschädigung jährlich 940 Mark. Hierzu kommt noch das Einkommen durch die Ausübung des Schächterdienstes.  
Bewerbungsgesuche und Zeugnisse - letztere zunächst in unbeglaubigter Abschrift - sind bis zum 20. dieses Monats an die unterzeichnete Behörde zu richten. 
Fulda, den 6. März 1895. Vorsteheramt der Israeliten. 
Dr. M. Cahn, Provinzial-Rabbiner."    
   
Erdmannrode Israelit 08081904.jpg (50544 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1904: "Die Privat-Elementarlehrerstelle in Erdmannrode (Kreis Hünfeld) ist durch einen staatlich geprüften Lehrer sofort zu besetzen. Das Einkommen beträgt 500 Mark nebst freier Wohnung. Neben-Einkommen ca. 200 Mark und Einkommen aus dem Schächterdienst 200 Mark. Meldungen nebst Zeugnissen sind alsbald an die unterzeichnete Behörde zu richten. 
Fulda, 1. August. 
Vorsteheramt der Israeliten."

     
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Liebmann Braunschweiger 1929 in Hünfeld mit Erwähnung seiner Zeit in Erdmannrode  

Huenfeld Israelit 28021929.jpg (82224 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929: "Hünfeld, 8. Februar 1929. Lehrer Braunschweiger hier feierte letzte Woche sein 25jähriges Ortsjubiläum. Vorher war er 14 Jahre in Godesberg (Rhein) und Erdmannrode tätig. Die Feier zeigte, welche großer Liebe und Achtung Herr Braunschweiger sich im Kreise seiner Gemeinde und Kollegen erfreut. Die vielen Geschenke und Blumenspenden legten Zeugnis hierfür ab. - Beim Sabbatgottesdienst feierte Synagogenältester Katz in einer längeren Ansprache Herrn Braunschweiger als Lehrer und Führer der Gemeinde. Am Sonntagnachmittag fand ein Festgottesdienst statt, bei der Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn - Fulda die Festrede hielt. Lehrer Oppenheimer - Rhina überbrachte die Grüße und Gratulation der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens und des Jeschurun; Herr Berlinger - Burghaun gratulierte im Namen seiner Gemeinde (der Heimatgemeinde des Jubilars). Ihnen allen dankte Herr Braunschweiger. Abends fanden theatralische Aufführungen und ein Festessen statt."

   
Auflösung der Elementarschule 1904 nach Versetzung von Lehrer Liebmann Braunschweiger nach Hünfeld  

Erdmannrode FrfIsrFambl 19051904.jpg (27998 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1904: Hünfeld. Die israelitische Schule zu Erdmannrode ist mit der Versetzung des seitherigen Lehrers wegen allzu geringer Frequenz von der Königlichen Regierung zu Kassel aufgelöst worden. Dieser Beschluss wurde vom Minister genehmigt."

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
  
Freispruch für die wegen den Ausschreitungen von 1848 in Erdmannrode angeklagten Personen (1850)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. April 1850: "Kassel, 1. April (1850). Die wegen der Verheerungs- und Raubszenen von 1848 an vier Judenhäusern zu Erdmannrode Angeklagten sind von den Geschworenen zu Fulda mit acht gegen vier für nichtschuldig erklärt worden, obwohl mehrere Zeugen Einzelne derselben bestimmt erkannt und die Handlungen bezeichnet hatten."        


Dokument eines Viehhandels von 1868
(Quelle: Private Website zu Widdershausen, dortige Quelle: Buch von Karl Honikel s.Lit.) 

Erdmannrode IuA 26081868.jpg (43628 Byte)Artikel aus dem "Hersfelder Intelligenz- und Anzeigenblatt" vom 26. August 1868: "Ich Endunterschriebener Peter Eizert in Widdershausen bekenne hiermit, dass ich von dem Handelsmann Aron Katz von Erdmannrode eine gelbe Kuh mit vorschlägigen Hörnern gegen eine Ziege und ein Ziegenlamm getauscht habe und verspreche dem gedachten Katz eine Zugabe mit 32 Talern (schreibe Dreißig zwei Taler). Diese Summe verspreche ich Eizert die Hälfte diesen Herbst, die andere Hälfte in einem Jahre ohne die geringste Einrede zu bezahlen; aber zur Sicherheit behält sich der benannte Katz die obererwähnte Kuh zum Eigentum, bis der letzte Heller bezahlt ist. Diese Kuh bleibt auf Gefahr und Kosten der Peter Eizert, solange bis der Kaufschilling getilgt ist. Diese Kuh ist mir sogleich überliefert worden und bescheinige den richtigen Empfang. - Diesen Schein selbst gelesen und eigenhändig unterschrieben. 
Geschehen Widdershausen, den 19. August 1868. Peter Eizert. Zeugen: Lorenz Brill und Conrad Mötzing."  

   
Die Synagogengemeinde Erdmannrode wird aufgehoben (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 15. Juli 1927: "Aus Erdmannrode (Kreis Hünfeld). Der Regierungspräsident hat zunächst auf die Dauer von drei Jahren angeordnet, dass vom 1. Juli 1927 ab die Synagogengemeinde Erdmannrode aufgehoben und die Verwaltung des Vermögens der Synagogengemeinde Eiterfeld übertragen wird."      

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge         
    
Über die Geschichte der Synagoge in Erdmannrode ist wenig bekannt. Das Gebäude wurde nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1927 und nach Wegzug der letzten ansässigen jüdischen Familie 1930 verkauft und abgebrochen.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge  Rasengrundstück an der Ecke der Straßen Hohlweg und Ottegasse (Auskunft von Karl Honikel)      
    
    
Fotos   

Grundstück der 
ehemaligen Synagoge
  
(Foto von Karl Honikel - erhalten von 
Raaya und Izchak Nadel) 
 Erdmannrode Ort 120.jpg (199895 Byte)  
     
     

   
   
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Schenklengsfeld  
Website von Elisabeth Sternberg-Siebert zu Erdmannrode   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Erdmannrode (interner Link) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Erdmannrode 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Erdmannrode    
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Erdmannrode sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,150  Geburtsregister der Juden von Erdmannrode  1825 - 1902   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250804     
HHStAW 365,152  Sterberegister der Juden von Erdmannrode  1825 - 1903   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4449172       
HHStAW 365,151  Trauregister der Juden von Erdmannrode  1827 - 1882    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4971245   

Literatur:     

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 165-166 und bei Eiterfeld 153-154.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 363-364 (Kurznotiz innerhalb dem Artikel zu Eiterfeld).    
Karl Honikel: Geschichte der jüdischen Gemeinde Schenklengsfeld. Christlich-jüdischer Arbeitskreis Schenklengsfeld 1988.  

     
       

                   
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Stand: 07. Mai 2016