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"Synagogen im Kreis Hersfeld-Rotenburg"
Schenklengsfeld
(Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Zur jüdischen Geschichte in Schenklengsfeld
siehe auch die Seiten von
www.judaicamuseum.de
(Website des JudaicaMuseums in Schenklengsfeld)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Schenklengsfeld bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./17. Jahrhunderts zurück.
Ein erster Beleg für die Anwesenheit von Juden findet sich aus dem Jahr 1494,
wonach Jud Joseph und seine Familie Wohnrecht für sechs Jahre am Ort erhielten.
Im 17. Jahrhundert werden seit 1622 Juden am Ort genannt: 1622 Jud Jacob zu
Schenklengsfeld, 1678 acht Schutzjuden (mit Familien): Bonus, Nathan, Itzig,
Israel, Leckes, Wolf, Löwe und Meyer, 1700 auf Grund starker Erhöhungen der
"Schutzgelder" nur noch fünf jüdische Personen (mit Familien)
genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: um 1800 sieben jüdische Familien, 1819 65 jüdische Einwohner (7,9 % von insgesamt 819 Einwohnern),
1833 99 (8,8 % von 1.122), 1850 140 (10,2 % von 1.173), 1861 144 (10,7 % von
1.343), 1871 142 (12,7 % von 1.121), höchste Zahl 1885 mit
188 Personen (17,0 % von 1.108), 1895 155 (14,0 % von 1.108), 1905 168 (17,9 %
von 938).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Schule (Israelitische Konfessionsschule seit mindestens 1845 bis
1936/38), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet fungierte. Die folgenden Lehrer unterrichteten an der
Israelitischen Konfessionsschule: Herz Spiro (von 1845 bis 1874, auch
"Rabbi Spiro" genannt, der einen kabbalistischen Kreis um sich
scharte, vgl. Bericht zu
seinem Tod 1892 unten; unter Lehrer Spiro hatte es 1867 26, 1869 22 Schulkinder), Salomon Strauß aus
Lichenroth (1875 bis 1879, dann nach
Bergen), Jacob Spiro (Sohn von Herz Spiro, 1879 bis 1899/1900, dann nach
Fulda; unter Lehrer Spiro gab es 1886 48, 1895 41 Schulkinder), Jacob Grünewald
(1900 bis 1932), nach ihm noch seit August 1932 Lehrer Joseph Eschwege (bis
1936) und Lehrer Manfred Levisohn aus Frankfurt (bis 1938). Die Gemeinde gehörte zum
Rabbinatsbezirk in Fulda.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Hermann
Abraham (geb. 10.7.1887 in Schenklengsfeld, vor 1914 in Niedenstein wohnhaft,
gef. 20.10.1914), Heinemann
Katzenstein (geb. 1.2.1885 in Schenklengsfeld, gef. 2.1.1915) und Jakob Katz
(geb. 17.5.1877 in Erdmannsrode, gef. 20.12.1917). Eine ehemals in der Synagoge angebrachte
Gedenktafel, die von der Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten (RJF)
gestiftet worden war, ist noch erhalten (JudaicaMuseum). Ein Gedenkstein für
die Gefallenen befindet sich im jüdischen Friedhof
der Gemeinde.
Um 1925, als noch etwa 150 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (12,7 %
von insgesamt 1.169 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde
Bernhard Löwenberg und Louis Nussbaum. Lehrer Grünwald unterrichtete an der
Jüdischen Volksschule die damals noch 14 jüdischen Kinder. An jüdischen
Vereinen bestand eine Chewra Kadischah (Beerdigungs- und Unterstützungsverein),
eine Chewras Bachurim (Unterstützung Hilfsbedürftiger, siehe Berichte
zum 50-, 75- und 100-jährigen Bestehen dieses Vereins unten), eine Chewra Noschim
(Frauen- und Unterstützungsverein), eine Chewra Limud Tora bzw. Chewras
Talmud-Torah (Torastudienverein) und ein 1827 gegründeter Jugendverein. Um
1932 war erster Gemeindevorsteher Louis
Nussbaum. Lehrer war inzwischen der bereits genannte Joseph Eschwege.
Zu Beginn der NS-Zeit (1933) gehörten 127 Personen der jüdischen Gemeinde
an. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sowie der Folgen
des wirtschaftlichen Boykotts ist ein großer Teil von ihnen in den folgenden
Jahren von Schenklengsfeld verzogen oder ausgewandert. 1937 wurden noch 64, 1938
29 jüdische Einwohner gezählt. Die antijüdischen Maßnahmen hatten in
Schenklengsfeld sehr schnell eingesetzt. Bereits am 17. März 1933 wurden
jüdische Geschäfte und Wohnhäuser angezündet. Im Mai 1933 wurde die
jüdische Schule geschlossen. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge auf Grund des Einschreitens von Kreisleiter Kriep nicht
abgebrannt. Dieser befürchtete ein Übergreifen der Flammen auf ein daneben
stehendes Gehöft. Neun jüdische Männer wurden in "Schutzhaft"
genommen und nach Kassel überführt, von dort kam ein Teil in das KZ
Buchenwald. Ende 1939 gab es nur noch zwei jüdische Einwohner am Ort (Isaak
Goldschmidt und Julius Weinberg).
Von den in
Schenklengsfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namen, die auf dem Gedenkstein des
Friedhofes stehen, s.u.): Bernhard Abraham (1871), Fanni Atzel geb. Tannenberg
(1887), Meta Buchsbaum geb. Abraham (1883), Bertha Cohn geb. Tannenberg
(1876), Hermann Eichhorn (1889), Irma Eichhorn (1900), Zerline (Cäcilie) Eppstein geb.
Weinberg (1868), Gerhard Goldschmidt (1923),
Elsa Goldschmidt (1887), Fredy Salomon Goldschmidt (1914), Gerhard Goldschmidt
(1923), Isaak Goldschmidt
(1891), Johanna Goldschmidt geb. Löwenberg (1887), Menachem Goldschmidt (1885),
Minna Goldschmidt geb. Abraham (1875), Jakob Grünewald (1869), Irma Grünewald (1903),
Jakob Katz (1876), Karl Katz (1925), Max Katz (1891), Emma Katzenstein geb.
Oppenheim (1885), Moritz Lauchheimer (1890), Johanna Levi geb. Löwenberg
(1878), Recha Levi geb. Nathan (1878), Bernhard Löwenberg (1880), Emma Löwenberg
geb. Plaut (1888), Fritz Löwenberg (1934), Kurt Löwenberg (1934), Sally
Löwenberg (1882), Johanna Levy geb. Löwenberg (?), Klara Löwenberg (1892),
Leopold Nathan (1887), Jette (Jettchen) Nußbaum geb. Vogel (1858), Susanne (Sußme)
Nußbaum (1891), Magnus Oppenheim (1867), Mathilde (Male) Oppenheim geb.
Tannenberg (1875), Rosa Oppenheim (1893),
Siegfried (Isaak) Oppenheim (1893), Sara Seligmann geb. Weil (1885), Irma Sichel geb. Grünewald (1903), Johanna
Sommerfeld geb. Oppenheim (1877), Sara Selma Spiro (1887), Abraham Tannenberg
(1874), Arthur Tannenberg (1900),
Betti Tannenberg geb. Oppenheim (1882), Isaak Tannenberg (1865), Jonas
Tannenberg (1878), Klara Tannenberg (1909), Levi Tannenberg (1879), Leopold Weil
(1878), Hermann Weinberg
(1876), Julius Weinberg (1901), Leopold Weinberg (1874), Dr. Magnus Weinberg (1867),
Mathilde Weinberg (1890), Max Weinberg (1877), Eva Wolff geb.
Tannenberg (1878).
Das ehemalige Haus des jüdischen Lehrers (1912/13 an der
Gemarkungsgrenze zu Oberlengsfeld erbaut) ist erhalten. Im Erdgeschoss dieses
Hauses wurden nach der umfassenden Bausanierung 1996-1998 das "JudaicaMuseum"
Schenklengsfeld und die "Begegnungsstätte für Geschichte und
Kultur" eingerichtet.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Elementar- beziehungsweise Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1875 /
1878 / 1900 / 1932
und eines Hilfsvorbeters 1923
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1875:
"Die hiesige vakante Elementar-, Religionslehrer-, Vorbeter- und
Schächterstelle soll besetzt werden.
Fixer Gehalt 900 Mark für erstere und 90 Mark garantiert für letztere
Funktion, nebst freier Wohnung.
Bewerber werden ersucht, ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen an
Unterzeichneten einzusenden. Bemerkt wird, dass die mit 90 Mark
garantierte Schächterfunktion bedeutend mehr einträgt. Reisekosten
werden nur demjenigen, der die Stelle übertragen bekommt,
vergütet.
Schenklengsfeld (Preußisch Hessen-Nassau), den 26. Oktober 1875. H.
Weinberg, Kreisvorsteher." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1878:
"Die Stelle eines Elementarlehrers und Kantors in der israelitischen
Gemeinde zu Schenklengsfeld ist sofort zu besetzen. Jährliches Gehalt
Mark 810 neben freier Wohnung und Feuerung und Mark 90 für den
Schochetdienst. Bewerber haben ihre Gesuche und Zeugnisse alsbald anher
einzureichen.
Fulda, 25. Oktober 1878.
Vorsteher-Amt der Israeliten: Dr. M. Cahn. vt.
Tannenbaum." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1900:
"Die Lehrerstelle an der israelitischen Volksschule zu Schenklengsfeld,
Kreis Hersfeld, ist zum 1. April dieses Jahres zu besetzen. Das
Grundgehalt beträgt 1.100 Mark, der Einheitssatz der Alterszulage 130
Mark; Dienstwohnung ist vorhanden. Vorbeter und Schächterdienst ist mit
der Stelle verbunden; das Erträgnis derselben kann erfahrungsgemäß auf
ca. 500 Mark veranschlagt werden.
Nach Verfügung der Königlichen Regierung werden zur Bewerbung nur solche
Lehrer zugelassen, die bereits im diesseitigen Regierungsbezirke an
Volksschulen angestellt sind.
Meldungen sind nebst beglaubigten Zeugnisabschriften alsbald an die
unterzeichnete Stelle zu richten.
Fulda, im Januar 1900. Das Vorsteheramt der Israeliten: Dr. M. Cahn." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1923:
"Hilfsvorbeter für Jaum-Kippur (Schachris und Minchoh)
gesucht.
Offerten erbittet J. Grünewald, Lehrer, Schenklengsfeld (Kreis
Hersfeld)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1932:
"Für die durch Pensionierung des bisherigen Inhabers am 1. April
dieses Jahres frei werdende Stelle an der öffentlichen israelitischen
Volksschule (Staatsstelle) zu Schenklengsfeld (Kreis Hersfeld) wird ein
orthodoxer Lehrer gesucht. Nebeneinkommen durch die Älter als Schochet
und Chasan (Vorbeter), die gleichzeitig mit zu versehen sind. Freie
Wohnung und schöner Garten. Reichsangehörige Bewerbungen mit Lebenslauf,
Referenzen und Zeugnisabschriften sind alsbald einzureichen an das Vorsteheramt
der Israeliten, Fulda." |
Lehrer Spiro sucht eine Lehrstelle für einen
Gymnasiasten (1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1884: "Für
einen Gymnasiasten, welcher zu Ostern dieses Jahres das Reifezeugnis für
Ober-Sekunda erhält, wird eine Stelle als Lehrling, am liebsten in
einem Bankgeschäfte, das Schabbat und Feiertag geschlossen,
gesucht.
Offerten erbittet I. Spiro, Lehrer, Schenklengsfeld,
Regierungsbezirk Kassel." |
Zum Tod des Lehrers / Rabbiners Spiro, Vater von Lehrer Spiro (1892)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1892: "Schenklengsfeld.
Am 7. Ab (31. Juli 1892). haben wir einen Mann zu Grabe getragen, der eine
Zierde unserer Gemeinde gewesen. Unser teurer Lehrer und väterlicher
Freunde - Morenu HaRaw R. Spiro (Rabbiner Spiro) - ist nicht mehr;
der unerbittliche Tod hat ihn uns entrissen. Groß ist der Schmerz und die
Trauer um den edlen Heimgegangenen, dessen Leben nur dem Dienste Gottes
geweiht gewesen. Fast 40 Jahre lang hat er hier als Lehrer und M"Z
(= Lehrer der Gerechtigkeit, Rabbiner) gewirkt. Sein bescheidenes
Wesen ist geradezu sprichwörtlich geworden. Man konnte dem gebrochenen
Greise nicht ansehen, welch großer Geist die schwache Hülle barg.
Unbegrenzt war sein Wissen im Talmud und in den Sammlungen
rabbinischer Entscheidungen. Es gab wohl keine Stelle in der Gemara,
die er nicht sofort mit der Angabe des Blattes bezeichnen konnte.
Und nun die lautere Frömmigkeit dieses Mannes! Seit einigen Jahren war er
infolge eines schweren, schmerzlichen Leiden ans Zimmer gefesselt, und
ungeachtet dessen hat er keinen Fastentag versäumt. Es war ein zu
Tranen rührender Anblick, ihn am verflossenen Jom Kippur in seinem
Sterbekleide auf seinem Sessel zu sehen, wie er mit einer begeisternden
Stimme sein Beten verrichtete. In des geliebten Lehrers Nähe vergaß man
der Sorgen und Schmerzen. Verstand er es doch, wie selten einer, das
gebeugte Gemüt aufzurichten. Nun weilt er im Garten Eden und wir
rufen klagend aus: 'Wehe um die, welche dahinschwinden und nicht mehr
aufzufinden sind'. Von zarter Jugend an widmete sich Herr Spiro dem
Studium der Tora. Bis zum 14. Lebensjahre lernte er beim Rabbinen
Seckel Worms in Fulda, seiner Geburtsstätte, und besuchte 5 Jahre
hindurch die Jeschiwa in Gelnhausen,
woselbst er Lieblingsschüler des Rabbinen Kunreuter gewesen. Dann lernte
er wieder in Fulda und übernahm, durch die Not dazu gedrängt, die
hiesige Lehrerstelle, die er bis 1874 verwaltete, um dann in Folge eines
unheilbaren Leidens in den Ruhestand zu treten. Man fand ihn stets in
seinem Stübchen, nur mit Lehren und Lernen beschäftigt. Die Hochachtung
und Verehrung, die allseitig dem großen Gelehrten und Frommen (Gerechten)
entgegengetragen worden, zeigte sich bei der Beisetzung. Nie hat unser Ort
ein gleiches Leichenbegängnis gesehen. Ein unabsehbares Gefolge gab dem
teuren Lehrer und Freunde das Geleite zur letzten Ruhestätte. In
Abwesenheit unseres Herrn Rabbinen Dr. Cahn in Fulda - derselbe weilt in
einem Seebade -, berief die Gemeinde Herrn Rabbiner Dr. Munk zur Abhaltung
einer Trauerrede. In ergreifender Weise schilderte der geehrte Redner am
Grabe die Tugenden des verklärten Rabbi und beleuchtete die Bedeutung des
Verlustes eines Gerechten für die Gesamtheit. Dann widmete Herr Lehrer
Nußbaum aus Hersfeld dem verblichenen Freunde und Lehrer ehrende Worte
des Nachrufs und als hierauf unser hoch verehrter Lehrer, Herr Spiro, mit
tränenerstickter Stimme von dem geliebten Vater und unermüdlichen Lehrer
Abschied nahm, da ward jedes Auge zu Tränen gerührt. Wir werden dem
edlen Entschlafenen ein dauerndes und dankbares Andenken bewaren. Das
Gedenken an den Gerechten ist zum Segen." |
Lehrer Spiro eröffnet ein Pensionat in Fulda (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1900: "Am 1.
April dieses Jahres eröffne ich in Fulda ein Pensionat für
Knaben, die die höheren Schulen besuchen sollen. Liebevolle Behandlung
und Nachhelfe in allen Schulfächern wird zugesichert. Auf Wunsch
Privatunterricht in hebräischen Disziplinen. Referenzen erteilen
gütigst Seiner Ehrwürden Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn in
Fulda und Herr Seminar-Direktor Dr. Hoffmann, Berlin.
Spiro, Lehrer, zur Zeit in Schenklengsfeld." |
Beitrag von Lehrer Grünewald über die Verleihung des Chower-Titels
(1931)
(Chower = Rabbiner ehrenhalber)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1931:
"Der Chower-Titel am Grabe. Man liest häufig in den jüdischen
Blättern, dass verdienstvollen Männern, namentlich Lehrern, der
Chower-Titel am Grabe erteilt worden sei: Die Verleihung der reichlich
verspäteten Chower-Würde mutet eigenartig an. Weil der amtierende Raw
doch schließlich zur Überzeugung gekommen ist, dass der Verstorbene
diese Würde längst verdienst hatte, soll die versäumte Pflicht noch
schnell nachgeholt werden und man gibt ihm den Titel mit in das Grab.
Männer, deren Verdienste wiederholt anerkannt worden, die Hervorragendes
in ihrer Schule und in ihrer Gemeinde geleistet, das Judentum erhalten
haben, erhalten den Chower-Titel nicht. Es werden 25-jährige, 40-jährige
Jubiläen gefeiert, man vernimmt aus dem Munde des Raw begeisternde,
anerkennende Worte über die großen Verdienste des Jubilars, der
Chower-Titel wird ängstlich vermieden, und er würde doch das kostbarste
Geschenk für den Jubilar bilden. Nur die Hoffnung bleibt ihm, dass er
nach dem Abschied aus dem Leben die Würde erhält. Wir Lehrer geizen
nicht nach solchen Auszeichnungen. Wir sind längst daran gewöhnt, uns
bei Verleihung von Titeln und Auszeichnungen bescheiden zurückzuhalten.
Aber dessen bin ich überzeugt, dass es nicht im Sinne der Entschlafenen
liegt, wenn man ihm eine Ehrung, die ihm im Leben vorenthalten wurde, erst
am Grabe verleiht. Warum ist man denn so vorsichtig, verdienstvollen,
frommen Männern den Chower-Titel zu verleihen? Wird hierdurch der Abstand
zwischen Rabbiner und Lehrer etwa verkleinert? Kann die Verleihung des
Chower-Titels am Grabe ein Äquivalent für versäumte Pflicht
bilden? Grünewald, Schenklengsfeld." |
Lehrer Grünewald geht in den Ruhestand (1932)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1932: "Schenklengsfeld,
15. März (1932). Mit Ende dieses Monats tritt unser Lehrer, Herr
Grünewald, in Pension, nachdem er die Altersgrenze erreicht hat. Auf
Anregung des zuständigen Schulrates und des Herrn Provinzialrabbiners Dr.
Cahn - sein Licht leuchte - in Fulda findet am 30. März, nachmittags 1/2
3 Uhr eine Abschiedsfeier statt, an der nicht nur die Gemeinde, sondern
auch seine Kollegen der näheren und weiteren Umgebung teilnehmen werden.
Eine Würdigung seines Wirkens als Lehrer und Führer seiner Gemeinde
bringen wir in einer der nächsten Nummern von 'Erziehung und
Lehre'." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1932: "Lehrers
Abschied. Notverordnungsgemäß ist Herr Lehrer Grünewald aus
Schenklengsfeld (Kreis Hersfeld) nach Erreichung des 62. Lebensjahres in
den Ruhestand getreten. Auf Anregung des zuständigen Herrn Schulrat
Wendling - Hersfeld und des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Cahn - Fulda
fand am 30. März eine in allen Teilen gelungene Abschiedsfeier statt. Im Schulsaal
waren neben der Gemeinde und den Schulkindern als Gäste erschienen: die
Herren Provinzialrabbiner Dr. Cahn, Schulrat Wendling, Landrat Graf Wedel,
Hauptlehrer Weppler als Vorsitzender des Kreislehrervereins und viele
andere Kollegen. Namens der Staatsregierung sprach Herr Schulrat Wendling
dem scheidenden Lehrer den Dank für seine segensreiche Tätigkeit aus
unter Hinweis auf die besondere Stellung und Wirksamkeit eines jüdischen
Lehrers in seiner Gemeinde, wo er der kulturelle Mittelpunkt sei. Herr
Landrat Graf Wedel sprach in ähnlichem Sinne. Er wies auf die Fürsorge
des Staates für die religiösen Minderheiten hin. Diese Fürsorge
gewährt auch den religiösen Minderheiten eigene konfessionelle Schulen,
solange das Volksschulwesen sich auf konfessioneller Grundlage aufbaut.
Für Rabbiner und Vorsteheramt sprach dann Herr Provinzialrabbiner Dr.
Cahn Worte des Dankes und der Anerkennung angelehnt an den Schriftvers 'Und
Moscheh und Aharon gingen hinein in das Stiftszelt und kamen heraus, und
segneten das Volk und es erschien die Herrlichkeit des Ewigen dem ganzen
Volke'. Er überreichte Herrn Grünewald das Buch Jesaja von Hirsch. -
Einen Kidduschbecher überreichte Herr Vorsteher Nußbaum für die
Gemeinde mit einem kurzen Dankeswort. Für den Kreislehrerverein sprach
Herr Hauptlehrer Weppler, für die Israelitische Lehrerkonferenz Hessens
Herr Gans - Niederaula und
für 'Bund und Jeschurun' Lehrer Oppenheim - Rhina.
Den Dank der ehemaligen Schüler sprach Herr Norbert Weil aus. Gedichte,
von Schülerinnen vorgetragen, umrahmten die Feier. Eine gemeinsame
Kaffeetafel im Hause Grünewalds hielt die Gäste noch lange beisammen.
S.O., R.." (vermutlich Lehrer Siegfried Oppenheim, Rhina). |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
50jähriges Jubiläum der Chewrah Bachurim (1877)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1877:
"Schenklengsfeld (Kurhessen). Dienstag, 1. Tammus (=
12. Juni 1877) fand hier eine erhebende Feier statt, die der Erwähnung in
diesem geschätzten Blatte würdig ist. Die Chebrah-Bechurim feierte
das Fest ihres fünfzigjährigen Bestehens. Bevor wir die Feier an und
für sich schildern, wollen wir erst den Zweck des Vereins etwas näher
beleuchten. Die Chebrah zählt ungefähr 20 Mitglieder, die sich jeden
Schabbat und Feiertag versammeln, um Worte der Tora zu hören. Die
Vorträge hält Herr Spiro, dessen tiefe Gelehrsamkeit schon von
vorzüglichen jüdischen Autoritäten anerkannt worden. Er versteht es,
die Zuhörer zu fesseln und so den Geist des wahren Judentums in unserer
Gemeinde aufrecht zu erhalten. Der weitere Zweck des Vereins ist, den
verschämten Armen auf die zarteste Weise zu unterstützen und hat er (der
Verein) schon manche Träne getrocknet, manch gebeugtes Gemüt wieder
aufgerichtet; ferner Wohltätigkeit zu üben als Krankenbesuche
und die Beschäftigungen mit Toten. Gott sei Dank, es stehen auch
Männer an der Spitze, die unserer Gemeinde zur wahren Zierde gereichen.
Als erster Vorsteher entfaltet der sehr verehrte Herr Hirsch Weinberg eine
rührige Tätigkeit. Die allseitige Liebe und Achtung, die ihm von Seiten
der Gemeinde entgegengetragen wird, ist ein untrügliches Zeugnis der
Würdigung seiner Leistungen, ein warmes Anerkennen der Verdienste um die
segensreich wirkende Chewra. Ihm zur Seite steht der Vorsteher und
Mitbegründer des Vereins, Herr Auscher Löwenberg, dessen Haupt zwar die
Silberkrone zieret, dessen sprudelnder Humor jedoch die Jugend des Geistes
erkennen lässt. Es würde zu viel Raum beanspruchen, wollten wir die
biederen Männer all anführen, die dem Vereine als Mitglieder angehören.
Gehen wir zu eigentlichen Feier über. Nach Beendigung des
Morgengottesdienstes versammelten sich die Vereinsmitglieder in dem schön
restaurierten Lokale der Frau Karoline Plaut. Eine allgemeine heitere
Stimmung herrscht, und selbst der Himmel schien sich ob des Festes zu
freuen, kein Wolkchen trübte den Horizont. - Mittags 1 Uhr versammelte
man sich in der Synagoge. Herr Landrabbiner Dr. Kroner zu Stadtlengsfeld,
der zu diesem Zwecke berufen, hielt die Festrede. Wer vermag die Gefühle
zu schildern, die der Redner durch seinen hinreißenden, von echt
jüdischem Geiste getragenen Vortrag in dem Herzen der zahlreichen
Anwesenden - unter ihnen viele Nichtjuden - wachrief. Die Fülle der
Gedanken, die mannigfachen Zitate, die schwungreiche Sprache zeugten von
dem eminenten Wissen des in weiten Kreisen berühmten Redners. Nach
Beendigung des Gottesdienstes begaben sich die Festgenossen in erwähntes
Lokal, um auch dem Magen die frohe Stimmung zu geben, die das Herz bereits
eingenommen hatte. Man würde uns mit Recht des Undankes zeihen, wollten
wir nciht der vortrefflichen Küche lobend gedenken. Toaste und Toraworte
gesagt von Herrn Landrabbiner und von Herrn Spiro gaben dem Mahle die
schönste Würze. Erst gegen 12 Uhr, nachts, trennte man sich, mit dem
Bewusstsein, eine ergebende Feier begangen zu haben, die recht lange in
angenehmer Erinnerung bleiben wird." |
75-jähriges Bestehen der Cherath Bachurim
(1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1902:
"Schenklengsfeld, 30. Juli (1902). Die hiesige Chewra-Bachurim
feierte am Rosch-Chodesch Tamus (1. Tamus = Sonntag, 6. Juli 1902)
das seltene Jubiläum ihres 75jährigen Bestehens. Nachdem sich zu Minchah
die Vereinsmitglieder zu einem Gottesdienste zusammengefunden, hielt unser
hochverehrter Herr Lehrer Grünewald in ergreifenden Worten eine der
Bedeutung des Tages würdige Rede, in welcher er unter anderem der
wackeren Begründer der Chewra gedachte, die, wenn auch unter dem
Drucke der damaligen Zeit lebend, doch in heißer Liebe zum Judentum einen
Verein geschaffen, der sich die Pflege von Tora, Aboda
(Gottesdienst) und Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit) auf sein
Panier geschrieben, das auch dieser jederzeit getreu der Initiative seiner
Begründer hochgehalten. Nach dem Gottesdienste fanden sich die
Vereinsmitglieder zu einem Festessen im Schlitzer-Hof zusammen. Auch hier
erfreute Herr Grünewald die Anwesenden mit manchen schönen Divre
Thauroh (Toraworten). Eine Versteigerung des Birchas ha-Mosaun
(Tischgebet) ergab einen ansehnlichen Betrag für einen wohltätigen
Zweck, und trennte man sich erst spät nach längerem, gemütlichen
Beisammensein mit dem Bewusstsein le-Schem Schomaijim (zur Ehre
Gottes) einige freudige Stunden verlebt zu habe. Den Teilnehmern aber
möge es vergönnt sein, auch die Centenarfeier ihres Vereins zu begehen.
S.K." |
100jähriges Bestehen der Chewrath Bachurim (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1927:
"Schenklengsfeld, 15. Juni (1927). Der Tag des 100jährigen Bestehens
unserer Chewrath-Bachurim wurde am Sonntag, den 12. Juni in einer Weise
gefeiert, wie dieses eines so wichtigen Ereignisses würdig ist. Die Vorbereitung
zur Feier lag in den bewährten Händen des rührigen Vorstandes, der
Herren Sally Plaut und Sally Löwenberg, die sich in selbstloser Hingabe
ihrer Aufgabe unterzogen. Den Auftakt zu der schönen Feier bildete das
Aufrufen sämtlicher Chewrahmitglieder am vorausgegangenen Schabbat
Behaaalotecha (Schabbat mit der Toralesung Behaalotecha = 4.
Mose 8,1-12,16, das war 11. Juni 1927). wodurch die Gemeinde bereits in
Festesstimmung versetzt wurde. Am Sonntag, den 12. dieses Monats begann
die eigentliche Feier mit dem Festgottesdienst nachmittags 2.30 Uhr, an
dem sich die Gemeinde ausnahmslos beteiligte. Eifrige Chewrahmitglieder
wetteiferten miteinander, die Synagoge in einen blumengeschmückten Hain
zu verwandeln, der festtäglich beleuchtet war. Der Gottesdienst begann
mit dem Vortrag von Gebeten und Psalmen durch den vierstimmigen
Männerchor, dann bestieg Herr Lehrer Grünwald die prächtig geschmückte
Kanzel, um die Festpredigt zu halten, welche die Gemeinde bis zum letzten
Augenblick fesselte. Der Redner ging auf die Tage der Gründung der
Chewrah zurück, deutete den Namen Chewrat Bachurim, beleuchtete
die Aufgaben der Chewrah, forderte Chewrah und Gemeinde zur Eintracht und
Liebe auf und erflehte die Gnade und den SChutz des Allmöchtigen. Es
folgten Chorgesang und Sologesang des Herrn Grünwald. Nach dem
Gottesdienste begaben sich die Chewroh-Mitglieder nebst Damen, sowie die
als Gäste geladenen Miglieder der Chewroh-Kadischa nebst Frauen
geschlossen zur Kaffeetafel nach dem 'Landecker Hof'. Dort begrüßte Herr
Sally Plaut die Gäste mit herzlichen Worten, und Fräulein Blanka Plant
trug einen Prolog vor, der die Aufgaben der Chewroh: 'Lehre, Leben, Liebe'
zum Inhalte hatte. An der prächtig geschmückten Kaffeetafel, die
kunstverständige Frauenhände geschmackvoll hergerichtet und mit den
köstlichsten Backwaren reich besetzt hatten, vergingen die Stunden bei
angenehmster Unterhaltung und Tafelkonzert sehr schnell, und um 8 Uhr
abends begann das eigentliche Festessen. Die hier dargebotenen
lukullischen Genüsse wurden verschönt von Diwreh Thora
(Toraworten) des Herrn Lehrer Grünwald. Das erste Wort galt der Chewroh.
Im Laufe der Abendstunden wechselten noch verschiedene Toaste des Lehrers
Grünwald mit Ansprachen und Schülervortragen ab. Frl. Bertel Tannenberg
brachte als Elfenkönigin der Chewroh ihre Huldigung dar. Herr Grünwald
toastete auf den Senior der Chewroh, den 82-jährigen Moses Nathan,
welcher der Chewrah bereits 60 Jahre als treues Mitglied angehört,
zeichnete in einem Toast auf die Damen besonders die anwesende Frauen der
dahingegangenen Mitglieder durch ehrende Worte aus, dankte im Namen der
Chewrah-Kadischa dem Geburtstagskinde für die Einladung und insbesondere
den Damen: Frau Referbach und Frl. Katz für die leiblichen Genüsse. -
Die Schüler und Schülerinnen: Max Abraham, Hans Löwenberg, Berti
Löwenberg und Käte Nußbaum leisteten das Bestmögliche durch Vorträge.
Das Benschen wurde in üblicher Weis veersteigert und ergab einen
erklecklichen Betrag. - In später Nachtstunde trennten sich die
Festteilnehmer in dem erhebenden Bewusstsein, einen Tag verlebt zu haben,
welcher wahrer Freude über eine göttliche Weisung (Simchat schäl
Mizwa) gewidmet war." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Die Lebensgeschichte von Meier Friede (geb. 1820 in
Schenklengsfeld als Sohn des damaligen Lehrers Friede, 1842 nach Amerika ausgewandert)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17.
Dezember 1867: "Meier Friede. Hatten wir es in der Schilderung
der beiden Abgeordneten Nr. 14 und 22 mit Männern zu tun, die ihrer
Geburt und gesellschaftlichen Stellung nach den Kreisen der amerikanischen
Aristokratie angehören - auch Amerika, das südliche vorzugsweise, hat
seine Aristokratie, und unter den Juden rechnen sich die von
portugiesischer Abkunft dahin, und wohl auch solche, die sich dem
portugiesischen Kultus angeschlossen haben und die nicht selten hochmütig
auf ihre deutsch redenden Brüder herabsehen, während sie selbst ihr
schlechtes Deutsch nur mit einem noch schlechteren Englisch vertauscht
haben - in dieser Skizze haben wir es mit einem Manne zu tun, der aus den
drückendsten und ärmlichsten Verhältnissen hervorgegangen, durch
Geistes- und Willenskraft, durch Flei8ß und Ausdauer zu stattlichen
Würden und materiellen Gütern gelangt ist, der im vollsten Sinne des
Wortes der Schmied seines eigenen Glückes geworden.
Meier Friede wurde um das Jahr 1820 in Schenklengsfeld,
einem kleinen Orte in Kurhessen, geboren, woselbst sein Vater die Lehrer-
und Vorsängerstelle bekleidete. Nur wenige Jahre zählte der Knabe, als
der Vater starb, der seine Familie - die gewöhnliche Hinterlassenschaft
der Lehrer - in Not und Armut zurückließ. Der geistvolle Knabe musste es
sich gefallen lassen, bei einem Buchbinder als Lehrling angedrungen zu
werden. Wie lange er dieses Handwerk getrieben, wissen wir nciht. Das Jahr
1842 findet ihn in Amerika. Den unvermeidlichen Hausiererbündel auf dem
Rücken, durchstreift er mehrere Jahre hindurch das Land 'nach seiner
Länge und nach seiner Breite', bis es ihm gelingt, einen 'store' zu
eröffnen. Der 'Store' ist in der Regel der Gegenstand der heißesten
Sehnsucht aller 'Peddlar' und der Schlussstein ihrer Wirksamkeit, nur dass
mit der Zeit der 'store' zu 'stores' und das 'Retail' zu einem 'whole-sale-business'
werden muss, dann ist das 'Goldland' erreicht. Nicht so bei unserem
Friede. Als er durch sein Geschäft sich einiges Vermögen erworben hatte,
verlegte er sich auf das Rechtsstudium, und nach wenigen Jahren finden wir
in in ST. Louis, in Missouri, die Advokatur ausüben und bald darauf als
Richter an einem dortigen Gerichtshofe (court). Er kaufte in jener Zeit
ein Stück |
Land
von 960 Ackern an, das in dem damals noch sehr dünn bevölkerten Missouri
um einen Spottpreis losgeschlagen wurde, das aber in Kurzem einen so hohen
Wert erreichte, dass es seinen Besitzer zu einem der wohlhabendsten
Männer des Staates machte.
Im Jahre 1860 wählte ihn die jüdische Gemeinde 'Bnai-El' zu St. Louis zu
ihrem Vorsteher, und seine Bemühungen waren es, die dieser Gemeinde einen
geregelten, mit Orgel und Chor begleiteten Gottesdienst verschafften. Am
6. August desselben Jahres (1860) wurde er mit großer Stimmenmehrheit von
Seiten der republikanischen Partei zur Staats-Legislatur von Missouri
erwählt. Hier, in Jefferson-City, dem Sitze des Missouri-Gouvernements,
fand Herr Friede bald Gelegenheit, nicht bloß seine Beredsamkeit zu
entfalten, sondern auch für seine Glaubensbrüder in die Schranken zu
treten. Wir lassen hier Herr Dr. Einhorn in seinem 'Sinai' (1861)
sprechen.
Der weitere Text ist noch nicht ausgeschrieben - bei Interesse bitte
anklicken. |
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Zum Tod von Joseph Plaut
(1871)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1871: "Nekrolog.
Am Schabbat Paraschat Sachor, den 4. März, entschlief dahier zu
einem besseren Jenseits der Jüngling Joseph Plaut aus Schenklengsfeld in
seinem 26. Lebensjahre und wurde am Taanit Ester (Fasten der
Ester), den 6. März, mit großer Ehre zur Ruhe bestattet. Im
elterlichen Hause zur Tora und Frömmigkeit angehalten, kam er
schon in seinem 10. Jahre nach Zell
bei Würzburg, woselbst er sich ca. 7 Jahre fleißig mit unserer
Heiligen Tora beschäftigte. Nachdem lernte er einige Jahre bei Herrn
Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz, später widmete er sich dem Handelsstande
und war seit 1870 hier im Geschäft seines Bruder tätig. In dieser
Stellung versäumte er nicht, täglich einige Stunden zu lernen, um sich
immer mehr in unserer Heiligen Tora zu vervollkommnen, sowie auch
sein stetes Bestreben Tora und Gottesdienst war und ein Erfüller
der Mizwot zu sein. Er war ein echter Jehudi und ein großer gottesfürchtiger
Mann und bewies die allgemeine Teilnahme bei seiner Beerdigung,
welch frommen Lebenswandel derselbe geführt. Möge er droben seinen Lohn
finden für sein edles gottgefälliges Bestreben und mögen besonders
seine Eltern und Geschwister sich mit dem Gedanken trösten, dass der
Verewigte bei all Denen, die ihn gekannt, einen guten Namen
hinterlassen und seine Seele nun im Garten Eden aufbewahrt
ist. Sein Andenken gereiche uns zum Segen. Seine Seele sei eingebunden
in den Bund des Lebens.
Frankfurt am Main, im März 1871. S.K.
(Auch wir weinen dem Dahingeschiedenen, der uns einst ein teurer Schüler
gewesen, eine Träne der innigsten Wegmut nach. Red., sc. Dr. Lehmann)." |
Zum Tod von Jisaschar (Isacher) Plaut (1871)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1871: "Nekrolog.
Kaum begegnen wir in der Beilage zu Nr. 16 des 'Israelit' der
Trauerbotschaft über den in Frankfurt am Main dahingeschiedenen frommen
Jüngling Joseph Plaut aus Schenklengsfeld, als wir auch den Tod seines
Bruders Jisaschar Plaut in Schenklengsfeld, zum unaussprechlichen Schmerz
seiner Eltern und Geschwister und zum Leid aller Verwandten und Bekannten
erfahren. Am Schabbat Chol HaMoed Pessach, den 8. April, entschlief
derselbe in seinem 25. Lebensjahre, als eben die 30 Tage Trauerzeit
um seinen Bruder zu Ende waren, zu einem besseren Leben und wurde den 3.
Tag Chol HaMoed (3. Halbfeiertag von Pessach) zu Grabe getragen.
Nachdem die beiden älteren Söhne des Rabbi Juda Plaut von ihrem
Vater dem Tora-Studium gewidmet waren, wurde dieser dritte Sohn zur
Mitwirkung im väterlichen Geschäfte angehalten. So oft aber derselbe ein
Stündchen erübrigen konnte, wandte er solches zum Studium der Tora
an und suchte, unterstützt von seinen Eltern, soviel es ihm nur möglich
war, sich in dieser heiligen Wissenschaft zur Ehre Gottes Kenntnisse
anzueignen. Nach Vollendung seiner Tagesgeschäfte konnte man ihn gar oft
noch in der spätesten Nacht, ermüdet von des Tages Last, am Lerntische
beim Pentateuch mit Raschis Erklärungen oder Chaje Adam beschäftigt
sehen. Nie versäumte er das öffentliche Gebet und war stets einer
der Ersten und Letzten in der Synagoge. Mochte er noch so große Eile
haben und mochte noch so stark in ihn gedrungen werden, er wich nicht eher
aus der Synagoge, bis auch das Gebet vollständig zu Ende war. Auf
seinen Geschäftsgängen trug er stets sein kleines Gebetbuch bei
sich und betete so, gehend oder fahrend, das Tagesgebet. Wo es eine
Mizwa (Weisung) zu tun gab, fehlte er nicht; dies Alles war er, und
noch viel mehr umschloss sein reiches Herz. Unersättlich im Gutes tun,
war er immer nicht zufrieden mit sich selbst. Sein ganzes Leben und
Streben war nur Tora, Weisung und gute Taten. Möge er droben
seinen Lohn finden. Seine trauernden Eltern möge Gott trösten ob des
herben Verlustes zweier so frommer gottseligen Söhne. Wir aber können
nicht umhin, unsern Schmerz auszudrücken mit der Rufe: 'Wehe um die,
die dahinschwinden, und nicht mehr aufzufinden sind'.
Schenklengsfeld, im April 1871. Herz Spiro." |
| Anmerkung: Isacher Plaut war einer der
ersten auf dem jüdischen Friedhof Schenklengsfeld Beigesetzten (Grabstein
in der vom Eingang hintersten Reihe 1 Nr. 1) |
Zum Tod der Frau von Juda Plaut (1878)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1878: "Nekrolog.
Schenklengsfeld, den 21. Januar. Trauernd folgten wir heute dem
Sarge, der die Hülle einer edlen Frau in sich schloss. Frau Juda Plaut
ist nicht mehr. Die Dahingeschiedene, eine wackere Frau, verdient,
dass ihr Name in diesem Blatte genannt wird. Durch ihre gottgefällige
Handlungen hat sie sich ein bleibendes Denkmal in den Herzen derer, die
sie kannten, gesichert. Was sie ihrem frommen Gatten, ihren in Liebe zu
ihr erglühten Kindern gewesen, vermag diese Feder nicht zu schildern.
Zwei ihrer Söhne, von denen der eine leider nicht mehr, widmete sie dem Studium
der heiligen Tora, ihren im Wohl tun unermüdlichen Gatten
unterstützte sie nach besten Kräften, den Armen spendete sie mit vollen
Händen. - Die vielen schweren Prüfungen, die ihr die Vorsehung
auferlegte, ertrug sie mit unaussprechlicher Geduld, mit
unerschütterlichem Gottvertrauen. Als vor drei Jahren ein schweres Leiden
sie befiel, zog es Herr Plaut vor, den Ort, der so viel schmerzliche
Erinnerungen für ihn in sich barg, zu verlassen und nach Hersfeld zu
übersiedeln. Auch auch hier suchte ihn die Vorsehung heim. Gott tröste
ihn und die tieftrauernden in Schmerz aufgelösten Kinder. Möge die
Dahingeschiedene eingehen in die Tore der Frömmigkeit. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Hirsch Weinberg (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober
1905: "Fulda. Der vor einigen Jahren von Schenklengsfeld
nach hier verzogene Kaufmann Hirsch Weinberg, ein prächtiger Mensch im
traditionell jüdischem Sinne, verschied am Jaumkippur (Jom Kippur, das
war der 9. Oktober 1905)." |
Goldene Hochzeit von J. Weil und Johanna geb.
Löbenstern (1920)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juni 1920: "Schenklengsfeld,
20. Juni (1920). In körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische
feierten am 16. Juni dieses Jahres - am 1. Tammus - Rosch Chodesch
Tammus - die Eheleute J. Weil und Johanna geb. Löbenstern, das Fest
der goldenen Hochzeit im Kreise ihrer zahlreichen Kinder und Enkelkinder
und unter allgemeiner Beteiligung der Gemeinde. Eingeleitet wurde die
Feier in der schön geschmückten Synagoge durch einen erhebenden
Festgottesdienst, in welchem der Lehrer der Gemeinde, Herr Grünewald,
eine zu Herzen gehende Ansprache hielt und ein Bild von der aufopfernden
Wirksamkeit des Jubelpaares entwarf. Der Sohn des Jubelpaares, Herr Lehrer
Weil, Neustadt, gedacht in rührenden Worten der mühevollen Aufopferung
und selbstlosen Hingabe seiner Eltern zu ihren Kindern. Zur Verschönerung
und weihevollen Stimmung des Festgottesdienstes trug auch wesentlich der
gut geschulte Synagogenchor bei, der unter Leitung des Lehrers Grünewald
in ergreifender Weise Ma tauwu sang. Möge dem ehrwürdigen
Jubelpaar ein weiterer ungetrübter Lebensabend beschieden
sein." |
90. Geburtstag von Marianne Abraham geb. Lustig (1928)
Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1928:
"Schenklengsfeld, 14. August (1928). Ihren 90. Geburtstag
beging in größter Frische Frau Marianne Abraham geb. Lustig
dahier." |
Über Rabbiner Dr. Magnus Weinberg (1867 in
Schenklengsfeld - 1943 im Ghetto Theresienstadt)
| Dr. Magnus Weinberg ist am 13. Mai
1867 in Schenklengsfeld geboren. Er studierte in Fulda, Halberstadt und am
Rabbiner-Seminar in Berlin. Seit 1895 war der Bezirkrabbiner im
bayerischen bzw. oberpfälzischen Sulzbürg
(siehe die Artikel zu ihm), später in Neumarkt
in der Oberpfalz. 1931 wurde er mit der Zusammenlegung der Rabbinate
Rabbiner in Regensburg. Seit 1935
wohnte er im Ruhestand in Würzburg. Seine Frau Judith war die Tochter des
Rabbiner Nathan Bamberger in Würzburg. Von März 1938 an übernahm Dr.
Weinberg die geistliche Betreuung der Gemeinde Würzburg und wurde mit den
letzten jüdischen Einwohnern der Stadt im September 1942 nach
Theresienstadt deportiert. Seine Frau Judith starb Ende Dezember 1942 in
Theresienstadt, er selbst im März 19043. Dr. Magnus Weinberg publizierte
zahlreiche historische Beiträge. |
Über Dr. Rudolf Weinberg (1873 in Schenklengsfeld -
1941 in Frankfurt)
| Dr. med. Rudolf Weinberg ist 1873 in
Schenklengsfeld geboren. Etwa ab 1900 war er als Arzt in Bad
Orb tätig und besonders bei der armen Bevölkerung sehr angesehen.
Nach 1938 musste er Bad Orb verlassen. Er starb 1941 in Frankfurt am
Main und wurde auf dem jüdischen Friedhof an der Rat-Beil-Straße beigesetzt.
Die Stadt Bad Orb ließ nach 1945 auf seinem Grab eine Gedenktafel
anbringen. In Bad Orb wurde eine Straße nach ihm benannt (Dr.
Weinberg-Anlage). |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Eisen- und Dielenhandlung Wolf Katz
(1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1902: "Suche
einen Lehrling mit guter Schulbildung für meine Eisen- und
Dielenhandlung. Samstag und israelitische Feiertage geschlossen. Wolf
Katz, Schenklengsfeld." |
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes A. & S. Katz (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1904:
"Suchen für unser Schabbos und Jomtof (Feiertag) geschlossenes Manufakturwaren-Geschäft
einen tüchtigen Detailreisenden für kleinere eingeführte
Landtouren, bei angenehmer Stellung.
A. & S. Katz, Schenklengsfeld." |
Todesanzeige für Abraham Katz (1938)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1938: "Am
28. Januar verschied nach schwerem Leiden mein guter Gatte, unser lieber
Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Abraham Katz im 73. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen Clothilde Katz geb. Löbenberg.
Haifa, Schenklengsfeld." |
| Anmerkung: Abraham Katz (geb. 1865 in
Buchenau) lebte mit seiner Familie (Frau Clothilde geb. Löbenberg und den
Töchtern Frieda, Mally und Klara in einem 1962 abgebrochenen Haus an der
Straßenkreuzung Friedewalder Straße/Landecker Straße. Katz war Inhaber
eines weithin bekannten Geschäftes mit Eisenwaren, Baumaterialien und
Haushaltsgeräten. Abraham und Clothilde Katz sowie Tochter Mally (verh.
Gutmann) emigrierten im März 1936 über Frankfurt nach Palästina, wo
seit zwei Jahren bereits die Tochter Klara (verh. Westheimer)
lebte. |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betsaal, dann eine erste Synagoge
vorhanden.
1883 konnte eine neue Synagoge erbaut und eingeweiht werden. Sie war
über 50 Jahre Mittelpunkt des religiösen Lebens der jüdischen Gemeinde in
Schenklengsfeld. Dieses religiöse Leben in Schenklengsfeld war orthodox
geprägt.
Über einen besonderen Höhepunkt liegt ein Bericht von 1929 vor, in dem der festliche
Gottesdienst in der Synagoge in Schenklengsfeld anlässlich der Einweihung einer
neuen Torarolle in Anwesenheit von Provinzialrabbiner Dr. Cahn geschildert
wird:
Einweihung einer neuen Torarolle (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1929: "Schenklengsfeld,
1. Dezember (1929). Am Schabbos Lech Lecha fand die feierliche
Einweihung einer von Herrn Levi Tannenberg gestifteten neuen Sefer Tora
(Torarolle) statt. Nach Beendigung des Minchagebetes am Freitag
Nachmittag wurde die neue Torarolle durch die alten Torarollen,
welche durch die ältesten Gemeindemitglieder der neuen Torarolle
entgegengetragen wurden, eingeholt. Am Eingang der Synagoge nahm Herr
Provinzialrabbiner Dr. Cahn die Torarolle in Empfang. Beim Einzug wurde
sie durch das Boruch-Habboh des vierstimmigen Männerchores begrüßt.
Hierauf folgten die Umzüge unter Gesang des Ono Haschem. Die Torarollen
wurden unter Chorgesang Jehallalu und U'wenucho in die heilige Lade
zurückgebracht. Nach der sehr eindrucksvollen Ansprache des Herrn
Rabbiner sang der Chor En-Kelohenu, worauf das Abendgebet folgte. Den
Glanzpunkt des feierlichen Tages bildete die Rede unseres verehrten
Rabbiner beim Schabbosmorgengottesdienste. Seine herrlichen Worte, die von
glühendster Begeisterung für Tora und Wahrheit getragen waren, zogen
alle Hörer in Bann und versetzte die ganze Gemeinde in tiefste
Ergriffenheit. Nach Sabbatausgang versammelte sich die Gemeinde mit
ihren Gästen zu einem 'gemütlichen Abend' im Saale des Gasthofes 'Zur
Linde'. Der feierliche Abend wurde durch einen von Fräulein Tannenberg
vorgetragenen Prolog eingeleitet. Hierauf wurde ein gemeinsamer Imbiss
eingenommen, dem das Tischgebet folgte, welches versteigert wurde und
einen ansehnlichen Betrag für das Heilige Land ergab. Herr Lehrer
Grünewald hielt sodann eine Begrüßungsrede an die Festteilnehmer, in
welche er den dank der Gemeinde an die Stifter der Torarolle
einschloss und dem Wunsche Ausdruck verlieh, dass die Worte unseres
verehrten Herrn Rabbiner reichliche Früchte tragen und mit der neuen Torarolle
auch ein neuer jüdischer Geist in unsere Gemeinde, insbesondere in die
Herzen des heranwachsenden Geschlechtes einziehen möchte. Musikstücke,
theatralische Darbietungen und vorträge ließen die Stunden rasch
vorübergehen und in später Nachtstunde trennte man sich mit dem
Bewusstsein, einen Tag verbracht zu haben, der einer wirklichen - von
Gott gebotenen Freude - geweiht war." |
In der Synagoge wurden vermutlich bis
1937/Anfang 1938 Gottesdienste abgehalten. Dann war die Zahl der jüdischen
Einwohner so stark zurückgegangen, dass keine Gottesdienste mehr stattfinden
konnten.
Beim Novemberpogrom 1938 sollte die Synagoge angezündet werden, doch
wurde ein Brandanschlag durch den Kreisleiter Kriep verhindert, der ein
Übergreifen der Flammen auf ein nahe stehendes Gehöft befürchtete. Ende
Februar 1939 wurde
die Synagoge jedoch abgebrochen.
Aus dem Synagogengrundstück wurde nach 1945 ein Wohnhaus erbaut. Eine
Gedenktafel ist an der Mauer vor dem Synagogengrundstück
angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: hinter
Landecker Straße 17
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 7.4.2009; bei Angabe
JudaicaMuseum ist die Quelle www.judaicamuseum.de)
| Historische Ansichtskarte
mit der Synagoge in Schenklengsfeld |
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Zeichnungen / Skizze des
Synagoge
(Quelle: JudaicaMuseum) |
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Bau-Schnittzeichnungen der
Synagoge von 1883 |
Kolorierte Skizze der ehemaligen Synagoge |
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| Blick auf das
Grundstück der ehemaligen Synagoge (Blickrichtung wie bei der Skizze
rechts oben) |
Gedenktafel für die ehemalige
Synagoge |
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Die jüdische Schule in der
Landecker Straße 14 |
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Zeichnung des
Schulhauses
(JudaicaMuseum) |
Das völlig umgebaute
Schulhaus (2009) |
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| Die Mikwe / rituelles Bad |
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Das rituelle Bad befand
sich im Bereich des abgebildeten Wohnhauses |
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| Erinnerungen an die
jüdische Geschichte in Schenklengsfeld im "JudaicaMuseum",
ehemaliges Lehrerhaus der jüdischen Gemeinde |
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| Ansichten
des früheren jüdischen Lehrerhauses, heute JudaicaMuseum. Das Lehrerhaus
wurde 1912/13 erbaut und dann von den Lehrerfamilien Jakob Grünewald
(1913-32), Joseph Eschwege (1932-36) und Manfred Levisohn (1936-38)
bewohnt. |
Tafeln an der
Eingangstüre mit Hinweis auf die Auszeichnung durch den Hessischen
Denkmalpreis 1999 |
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| Original
aus der Zeit als Lehrerhaus: Eingangstüre, Treppenaufgang |
Fach-Bibliothek im
JudaicaMuseum |
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| Vitrinen im
Judaica-Museum |
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| Vitrinen im
JudaicaMuseum |
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Links in der
Mitte: Kennzeichen von Semi Katzenstein, der im Ghetto Theresienstadt als
Gerichtsdiener für die (jüdische) Lagerleitung arbeitete; darüber
(Ausschnitt rechts): der "gelbe Stern" von Martha Katzenstein,
den sie in Theresienstadt bis zur Befreiung am 8.Mai 1945 tragen musste. |
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| Tefillin |
Originaler
Matzenkorb zum Pessachfest der Familien Katz und Hirschfeld. Der Korb war
über 100 Jahre im Gebrauch und wurde dem JudaicaMuseum von Judith Stein
geb. Hirschfeld geschenkt. Die umlaufende hebräische Inschrift lautet:
"7 Tage sollt ihr Mazzot essen". |
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Lehrerfamilie Jakob Grünewald
im Jahr 1910 |
Lehrer Joseph
Eschwege und Frau Bertha geb. Adler; er war der letzte Lehrer der
jüdischen Schule; beide wurden nach Riga deportiert und sind dort
umgekommen. |
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Reisepass von Beate Nussbaum,
geb. 5.11.1919 in Schenklengsfeld |
Schulbuch von Lotte
Katzenstein |
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| Jüdisches Wohnhaus in
Schenklengsfeld, noch 1934 erbaut |
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Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne
Berichte
| Juli 2009:
Martin Löwenberg (geb. 1928 in Schenklengsfeld)
berichtet vor Schülerinnen und Schülern in der Lichtbergschule Eiterfeld |
Foto
links von Karl-Heinz Burkhardt: Viele Fragen hatten die Schüler, als
Martin Löwenberg von der Verfolgung durch die Nazis erzählt hatte.
Artikel von Victoria Bottin der "Fuldaer Zeitung" vom 5. Juli
2009 (Artikel):
Schenklengsfelder berichtet über KZ-Erlebnisse.
EITERFELD "Es geht mir immer noch durch den Kopf, und ich habe Alpträume", berichtet der KZ-Überlebende Martin Löwenberg den Schülern der Lichtbergschule Eiterfeld, und die Jugendlichen sind in diesem Moment mucksmäuschen still.
Das Schicksal des 81-Jährigen macht die Schüler sichtlich betroffen. 1928 wurde Löwenberg in Schenklengsfeld geboren. Dort wohnte er, bis seine Familie vor den Nazis fliehen musste. Seit 1946 lebt Löwenberg in den USA. Um Deutschland hat der dreifache Familienvater bis 2001 einen großen Bogen gemacht.
"Es hat lange gedauert, bis ich wieder hierher reisen konnte. Doch heute bin ich froh, wenn ich in Schenklengsfeld sein
kann", erzählt er. Trotzdem habe er unterschwellig immer noch ein komisches Gefühl.
"Warum hat man uns rausgeschmissen? Wir haben doch keinem was getan", sagt Löwenberg. Bis 1933 hätten er und seine Familie ein gutes Leben gehabt.
"Mir ging es prima. Ich habe Fußball gespielt wie ihr heute auch." Am 16. März 1933 änderte sich sein Leben schlagartig:
"Männer haben unser Haus angezündet, weil wir Juden waren." Auch in Zeitungsannoncen sei der Hass gegen Juden geschürt worden.
"Wir wurden als Blutsauger bezeichnet. Und auf dem Eiterfelder Marktplatz sollte ein Galgen für uns errichtet
werden." Sein Vater sei Getreidehändler gewesen, immer beliebt, doch 1935 musste er sein Geschäft schließen, weil niemand mehr etwas bei einem Juden kaufen wollte.
Grundlos in der Schule geschlagen. Auch in der Schule habe sich alles verändert. Grundlos wurde er 1936 geschlagen, bis er blutete.
"Ich konnte kaum noch laufen. Da war ich acht Jahre alt. Es war furchtbar. Das war das letzte Mal, dass ich in der Schule
war." Zwei Jahre später musste seine Familie in eine kleine Wohnung nach Fulda ziehen. Sie wurden gezwungen, alles was sie hatten zu verkaufen.
Fest verankert in seiner Erinnerung ist der 9. November 1938, die Reichspogromnacht:
"Sie haben Steine in unsere Fenster geworfen, die Fuldaer Synagoge brannte, auf der Straße haben sie uns geschlagen. Überall war Blut. Ich habe meine Ohren zugehalten, weil ich die Schreie nicht ertragen
konnte." Drei Jahre später hat seine Familie einen Brief bekommen, dass sie alles zurücklassen und nur einen Koffer mit warmer Kleidung packen sollen.
"Sie stopften uns mit 80 bis 100 Leuten in einen Zugwaggon und brachten uns nach Riga in
Lettland." Dort angekommen, wurden alte Menschen und Kinder in Fahrzeuge gebracht, in den Wald gefahren – und erschossen. Löwenberg und seine Familie wurden in ein Ghetto gebracht, wo sie jeden Tag schwer arbeiten mussten.
1943 trennten die Nazis die Familie: Seine Schwester Eva wurde mit anderen Frauen verschleppt, er selbst wurde ins Konzentrationslager Kaiserwald gebracht – und überlebte mit viel Glück. Seine Eltern und die Zwillingsbrüder kamen nach Auschwitz.
"An diesem Tag bin ich Waise geworden", sagt er leise.
Wiedersehen in Skandinavien. Nach dem Krieg brachten Befreier ihn mit anderen zur Erholung nach Dänemark und Schweden. Auch seine Schwester Eva traf er dort wieder. Beide wanderten 1946 zu ihrer Schwester Margot nach New York aus, die mittlerweile dort lebte.
Den Schülern brennen nach dem Vortrag viele Fragen unter den Nägeln. Was das schlimmste Erlebnis war, wollen sie zum Beispiel wissen.
"Wenn man sich von den Eltern verabschiedet und weiß, man sieht sie nie wieder, das ist
schrecklich", antwortet er. Ein anderer Schüler will wissen, wie er die Erlebnisse verkraftet. Löwenberg erzählt, dass er seit den 80er Jahren in den USA Vorträge über die Geschehnisse hält.
"Vorher konnte ich nicht darüber sprechen. Es hat zu weh getan." 2005 und 2007 hat er zum ersten Mal in Deutschland über die Erlebnisse gesprochen. Momentan ist er wieder zwei Wochen für Vorträge in der Region. Finanziert wird sein Aufenthalt von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.
Die Schüler sind nach den Schilderungen bedrückt. "Es ist kaum vorstellbar, wie schlimm das für ihn gewesen sein
muss", sagt Caroline Busold (15) aus Arzell. Sofia Waziri (14) aus Großentaft musste sogar weinen:
"Es ist sehr bewegend, wenn ein Betroffener auf diese Weise von seinem Schicksal erzählt." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 268-270. |
 | Keine Abschnitte zu Schenklengsfeld in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und in dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. |
 | Karl Honikel u.a.: Geschichte der jüdischen
Gemeinde Schenklengsfeld. Schenklengsfeld 1988. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 66-67. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 595-597. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schenklengsfeld
Hesse-Nassau. Established by 1673, the community was subject to various
restrictions and only developed in the 19th century. Commercial success enabled
the Jews to maintain an elementary school from 1843 to 1933. A new synagogue was
built in 1883, and the population grew from 65 (8 % of the total) in 1819 to 188
(17 %) in 1885. The Jews paid one-third of the local tax bill and provided the
village with seven of its 12 councilmen (1898), but their prominence and
prosperity aroused Christian resentment. After Wordwar I, branches of the
Central Union (C.V.) and the Jewish Was Veterans Association were active and the
community became affiliated with the rabbinate of Fulda. From March 1933 there
war recurrent Nazi violence. Through temporarily spared on Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue was demolished three months later. By
September 1940 all the Jews had left. Of the 127 (4 %) registered there in 1933
84 emigrated (mostly to the U.S.); at least 23 perished in the Holocaust.

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