Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Orb (Main-Kinzig-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In (Bad) Orb lebten Juden bereits im Mittelalter. Nach einem Verzeichnis aus dem 14. Jahrhundert fielen die Juden in Orb einer Judenverfolgung zum Opfer, womit vermutlich die Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 gemeint ist. 1387 wird ein aus Mainz zugezogener Jude in Orb genannt, der vom Mainzer Erzbischof Adolf I. von Nassau einen auf drei Jahre befristeten Aufnahmebrief erhalten hatte. Im 15. Jahrhundert lebten unter dem damaligen Schutz der Grafen von Hanau gleichfalls jüdische Personen beziehungsweise Familien am Ort, zwischen 1457 und 1493 vermutlich kontinuierlich. Sie lebten zumindest teilweise vom Handel mit Geld (1465 wird ein Orber jüdischer Geldhändler genannt). Von einer Vertreibung ist nichts bekannt. 1525 wird ein jüdischer Einwohner in Orb genannt.

Die neuzeitliche Gemeinde dürfte im 17./18. Jahrhundert entstanden sein. 1801 werden acht jüdische Familien genannt, 1817 waren es bereits 14 Familien (zusammen 75 Personen). Die jüdischen Familien lebten bis ins 19. Jahrhundert hinein überwiegend vom Textil- und Eisenhandel. Im Laufe des 19. Jahrhunderts blieb die Zahl der jüdischen Einwohner auf relativ gleichbleibendem Stand: 1830 87 jüdische Einwohner, 1871 73 (2 % von insgesamt 3.589 Einwohnern), 1885 76 (2,3 %), 1895 75 /2,2 %), 1905 86 (2,2 % von insgesamt 3.925 Einwohnern). 

An Einrichtungen hatte die Gemeinde außer der Synagoge (s.u.) eine Religionsschule, ein rituelles Bad und seit 1932 einen Friedhof. Der für die religiöse Betreuung der Gemeinde angestellte Religionslehrer, der zugleich Vorbeter und Schächter war, war Ende des 19. Jahrhunderts auch für die in Wächtersbach lebenden jüdischen Einwohner zuständig. Die Stelle war bei anstehenden Neubesetzungen immer wieder neu auszuschreiben (siehe Ausschreibungen unten). Die Gemeinde unterstand auf Grund der Zugehörigkeit der Stadt zu Bayern im 19./20. Jahrhundert dem Bezirksrabbinat in Aschaffenburg (siehe Anzeige vom 7. Dezember 1885 rechts unten). 
  
Anfang des 20. Jahrhunderts war das Verhältnis zwischen den jüdischen und den nichtjüdischen Einwohnern der Stadt sehr gut, wofür spricht, dass 1904 aus den damals nur 16 jüdischen Familien drei jüdische Männer in den Stadtrat gewählt wurden (siehe Bericht unten). 
    
Seit etwa 1900 war in Bad Orb der vor allem in der ärmeren Bevölkerung hoch angesehene Arzt Dr. Rudolf Weinberg tätig (1873 in Schenklengsfeld - 1941 in Frankfurt am Main; musste nach 1938 Bad Orb verlassen; nach ihm ist [nach 1945] die "Dr.-Weinberg-Anlage" in Bad Orb benannt worden).  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Sally Mainz (geb. 27.1.1990 in Friedberg, gef. 25.9.1915), Leutnant Adolf Max Schottländer (geb. 8.1.1883 in Frankfurt am Main, gef. 15.8.1916), Siegfried Wolfeiler (geb. 23.11.1898 in Bad Orb, gef. 28.6.1917).  
   
Jüdischen Familien gehörten bis nach 1933 eine Pension, ein Restaurant, ein Hotel (Adler in der Würzburger Str. 19), Metzgereien, Viehhandlungen und Einzelhandelsgeschäfte. 
   
1925 wurden 79 jüdische Einwohner gezählt. Damals waren die Vorsteher der Gemeinde Siegmund Seliger und Michel Silberthau. Den Religionsunterricht der damals fünf schulpflichtigen jüdischen Kindern erteilte Lehrer Marx aus Gelnhausen. An jüdischen Vereinen bestand der Wohltätigkeitsverein (Chewra) unter Leitung von Carl Wolfeiler.   
     
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 70 bis 80 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bereits im Sommer 1933 war in den Werbeprospeklten der Kurstadt "Juden sind unerwünscht" zu lesen. Mehrere der jüdischen Einwohner wanderten in die USA aus, andere nach Australien (u.a. die Familie Silberthau mit vier Personen). Nach Frankfurt verzogen mindesten 14 der jüdischen Einwohner (hier starb 1941 der Arzt Dr. Rudolf Weinberg). 1938 waren nur noch 20 jüdische Personen am Ort. Die letzten Vorsteher der Gemeinde waren die Kaufleute Josef Goldschmidt und Moritz Lichtenstädter (beide in die USA emigriert). 
    
Von den in Bad Orb geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Else Cohn geb. Eisenmann (1895), Fanny Coopmann geb. Eisenmann (1862), Clara Eisenmann geb. Adler (1858), Hermann Eisenmann (1929), Irma Eisenmann (1935), Max Eisenmann (1906), Michael Eisenmann (1894), Robert Eisenmann (1932), Selma Eisenmann (1925), Simon Eisenmann (1899),  Blanka Frank geb. Wolfeiler (1894), Meta Goldmann geb. Seliger (1883), Auguste Goldschmidt geb. Seliger (1881), Eleonore Goldschmidt geb. Seliger (1875), Leo Goldschmidt (1889), Moritz Goldschmidt (1879), Johanna Hamburger geb. Silberthau (1895), Karl Lichtenstädter (1894), Bella Mainz (1907), Ida Mainz geb. Seliger (1878), Alfred Mannheimer (1935), Friedrich (Frederich) Mannheimer (1931), Irene Klara Mannheimer (1926), Max Mannheimer (1892), Leo Seliger (1876), Siegmund Seliger (1879), Nelly Silberthau (1909), Rosa Strauss geb. Seliger (1874), Elsbeth Weinberg (1919).  
 
Ende Februar 2012 beschlossen die Bad Orber Stadtverordneten geschlossen die Verlegung von "Stolpersteinen" in Bad Orb. 
Für den in der Liste genannten Leo Seliger (geb. 1876 in Bad Orb, 1942 ermordet in Sobibor bei Lublin) wurde in Halle vor dem Grundstück Großer Berlin 8 (ehemaliges Altenheim der jüdischen Gemeinde Halle) bereits ein "Stolperstein" verlegt. Link zu einer Übersicht über die Stolpersteine Großer Berlin 8 in Halle.     
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Ausschreibungen der Lehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle 1868 / 1871 / 1878 / 1882 / 1885 / 1903 / 1909 / 1920 / 1921 / 1924 / 1930           

Bad Orb Israelit 30121868.jpg (55189 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1868: "Die israelitische Kultusgemeinde Orb sucht einen Religionslehrer, welcher auch als Vorsänger und Schächter zu fungieren hat. Der Gehalt beträgt: 
a. Fixum 180 Gulden, b. Nebenverdienste 40 Gulden, c. Einkommen an Schechitah-Gebühren 175 Gilden  Summa 395 Gulden oder ca. 225 Thaler nebst freier Wohnung und Holz zur Beheizung des Schul-Lokals. 
Bewerber wollen sich wenden an den israelitischen Kultusvorstand Abraham Seliger."  
 
Bad Orb Israelit 08031871.jpg (46168 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1871: "Durch Versetzung des seitherigen Lehrers A. Weil ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters in Erledigung gekommen. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Gesuche binnen 3 Wochen an den Unterzeichneten einreichen.
Fixer Gehalt mit freier Wohnung 180 Gulden, garantierte Nebenverdienste 50 Gulden, Schächterfunktion circa 150 Gulden. 
Orb, den 1. März 1871. Der Kultusvorsteher Lippmann Wolfeiler."
  
Bad Orb Israelit 01111871.jpg (33244 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1871: "Gut qualifizierte Bewerber um die hiesige Religions-, Vorsänger und Schächterstelle werden aufgefordert, ihre Gesuche innerhalb 14 Tagen beim Unterzeichneten einzureichen. 
Ertrag der Stelle 400 Gulden nebst freier Wohnung. Orb, im Oktober (1871). Lippmann Wolfeiler, Vorstand."
  
Bad Orb Israelit 13031878.jpg (57234 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1878: "Vakanz. Qualifizierte Bewerber um die hiesige israelitische Lehrer- und Vorsängerstelle, womit ein fixer Gehalt von Mark 900 neben freier Wohnung verbunden ist, wollen ihre deshalbige frankierte Gesuche an den Unterzeichneten richten. Bewerber, welche die Schächterfunktion übernehmen können, erhalten den Vorzug. Letztere Funktion erträgt ca. Mark 300.  
Orb, im März 1878. Der Kultusvorstand Seligmann Seliger."
Auf die Ausschreibung 1878 wird sich erfolgreich Lehrer Herrmann beworben haben, der 1879 Torarollen anbietet (siehe Anzeigen unten)
Bad Orb Israelit 02081882.jpg (37587 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1882: "Die hiesige Lehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle mit einem jährlichen Einkommen von ca. M. 900 nebst freier Wohnung und Heizung ist vom 1. September (1882) an erledigt und wollen sich Bewerber um dieselbe an den unterzeichneten Kultusvorstand wenden. 
Israelitische Kultusverwaltung in Orb.
Löb Seliger, Kultusvorstand. 
    
Bad Orb Israelit 07121885.jpg (43817 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1885: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter und Schächterstelle, verbunden mit der Filiale Wächtersbach (Religionslehrer- und Schächterfunktion) ist vakant und wollen sich geeignete, seminaristisch geprüfte Bewerber melden. Jährliches Einkommen 1.400 Mark.
Israelitische Kultusgemeinde Orb, (Rabbinatsbezirk Aschaffenburg), Lichtenstädter, Kultus-Vorstand. 
   
Bad Orb Israelit 10121903.jpg (67796 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1903: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle mit einem Gehalte von 1350 Mark nebst freier Wohnung und eventuellen Nebenverdiensten während der Kurzeit, ist sofort zu besetzen- Geeignete, seminaristisch gebildete Bewerber, welche Kabbala (Autorisation) von streng orthodoxen Rabbinen besitzen, wollen ihre Meldungen nebst Zeugnissen und ausführliche Personalangaben an den unterzeichneten Vorstand baldmöglichst senden. Israelitische Kultusgemeinde Bad Orb (Hessen-Nassau): Der Vorstand: Max Lichtenstädter."
  
Bad Orb Israelit 18031909.jpg (50983 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1909: "Bad Orb. In unserer Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters vom 15. April 1909 ab zu besetzen. Das Jahresgehalt beträgt 1.350 Mark bei freier Dienstwohnung und guten Nebeneinnahmen. Offerten mit Zeugnissen sind bei unterzeichnetem Vorstande einzureichen. 
Bad Orb, den 8. März 1909. Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Karl Wolfeiler."
  
Bad Orb Israelit 30121920.jpg (42579 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1920: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines Vorbeters, Religionslehrers und Schochets neu zu besetzen. Fester Jahresgehalt 6.000 Mark nebst 2.000 Mark garantiertem Nebenverdienst bei freier Dienstwohnung. Angebote von seminaristisch gebildeten Bewerbern - Reichsdeutscher - erbittet der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Bad Orb. Karl Wolfeiler."
   
Bad Orb Israelit 29091921.jpg (35811 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1921: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines seminaristisch gebildeten Religionslehrers, Vorbeters und Schauchets baldigst zu besetzen. Festes Jahresgehalt 10.000 Mark, freie Wohnung, Nebeneinkommen ca. 3 bis 4.000 Mark. 
Bad Orb (Hessen-Nassau). Der Kultusvorstand Isidor Seliger."
 
Bad Orb Israelit 03071924.jpg (37711 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1924: "Israelitische Kultusgemeinde, Bad Orb. Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochets in hiesiger Gemeinde ist neu zu besetzen. Freie Dienstwohnung. Gehalt nach Übereinkunft. Bewerbungen sind zu richten an den unterzeichneten Vorstand Isidor Seliger."   
Bad Orb Israelit 23041925.jpg (42897 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1925: "Die Vorbeter-, Schochet- und Religionslehrer-Stelle ist zu besetzen. Gehalt nach preußischen Beamten-Besoldungsordnung. Seminaristisch gebildete, streng religiöse, reichsdeutsche Reflektanten wollen sich an unterzeichneten Vorstand wenden. 
Israelitische Kultusgemeinde Bad Orb (Hessen-Nassen). Max Lichtenstädter, Vorstand."   
 
Waechtersbach Israelit 27031930.jpg (82366 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März 1930: "Die Bezirksstelle Wächtersbach - Bad Orb soll tunlichst zum 15. Mai besetzt werden. - Gesucht wird ein tüchtiger Lehrer, stimmbegabter Chasan (Kantor) und ein in Theorie und Praxis gut durchgebildeter Schochet, der zur Ausübung der Schechita von gesetzestreuen Rabbinern autorisiert ist. Der Anzustellende (Inländer) soll während der Sommermonate in Bad Orb, während der Wintermonate in Wächtersbach wohnen. Die Orte liegen 6 km voneinander entfernt und haben Bahnverbindung. An beiden Plätzen sind Beamtenwohnungen. Gehaltszahlung in Höhe der früheren Gruppe VII der preußischen Staatsbeamten. Bewerbungen mit beglaubigten Zeugnisabschriften sind alsbald einzureichen beim Vorsteheramt der Israeliten zu Hanau."  

     
Lehrer Herrmann bietet Torarollen zum Verkauf an (1879)

Bad Orb Israelit 14051879.jpg (19275 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1879: "Eine neue Sefer Tora (Torarolle) ist billig zu verkaufen durch Lehrer Herrmann, Orb, Kreis Gelnhausen"
  
Bad Orb Israelit 05111879.jpg (19031 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1879: "Sifrei Tora (Torarollen) - eine ganz neue sowie eine gebrauchte, sind billig zu verkaufen bei Lehrer Herrmann in Bad Orb, Kreis Gelnhausen". 

     
Lehrer Kahn aus Orb wechselt nach Groß-Umstadt (1913)    

Grossumstadt Frf IsrFambl 05091913.jpg (30411 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. September 1913: "Aus Hessen. Jüngst verschied in Wenings der sehr beliebte Lehrer Baruch Stern, 70 Jahre alt. - In Groß-Umstadt ist als Nachfolger des verstorbenen Lehrers Stein, der in der Synagoge plötzlich verschied, Lehrer Kahn aus Orb gewählt worden."

  
Hinweis auf Lehrer Seelig in Bad Orb (1920)  
Lehrer Seelig redet zur Beerdigung seiner Mutter Klara Seelig (Artikel auf einer Seite zu Bad Kissingen)    
    
Gustav Rosemann wechselt als Kantor nach Bremen (1933)   

Bad Orb Bremer BGBl 15121933.jpg (43918 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Bremen" vom 15. Dezember 1933: "Bremen. Neuer Lehrer und Kantor. Zum Nachfolger des seligen Oberkantors Mehrgut ist Herr Gustav Rosemann, ein gebürtiger Hamburger, berufen worden. Bis Mitte November in den Spessartgemeinden Orb und Wächtersbach tätig, hat Herr Rosemann sein Amt am 1. Dezember angetreten und den Unterricht in der Religionsschule begonnen. Die schulentlassene Jugend wird in Kantor Rosemann einen eifrigen Förderer finden. Wir wünschen dem neuen Beamten ein zufriedenes und segensreiches Wirken."    
Gustav Rosemann war seit 1934 verlobt mit Minni geb. Strauss aus Weiden:   
Weiden Israelit 23081934.jpg (34391 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1934
"Statt Karten   Minni Strauss - Gustav Rosemann. Verlobte.   
Weiden (Oberpfalz) / Fürth in Bayern, Mathildenstraße 40  -  Hamburg Rappstraße 20 / Bremen, Kleine Allee 19."    

 
Lehrer Siegfried Wechsler aus Wächtersbach unterrichtet auch die Kinder in Bad Orb (1934)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1934: "Wächtersbach, 15. Januar (1934). Als Nachfolger des nach Bremen berufenen Religionslehrers Rosemann ist zur Erteilung des jüdischen Unterrichts in den Gemeinden Wächtersbach, Bad Orb, Salmünster und Romstal Herr Lehrer Siegfried Wechsler aus Hamburg bestellt worden."     

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Eine Erinnerung an den Provinzial-Rabbiner Dr. Bamberger (Hanau) zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 im Kriegsgefangenenlager bei Bad Orb

Bad Orb Israelit 02121920.jpg (214383 Byte) Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1920: "Nicht 'taitsch', sondern 'harzig'. Eine Erinnerung an Provinzial-Rabbiner Dr. Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in Hanau. 
Unvergesslich bleibt mit ein Erlebnis im Herbst 1914, da ich Rabbiner Bamberger ins Gefangenenlager bei Bad Orb begleiten durfte, wo er zum ersten Mal die Seelsorge auszuüben hatte. Die Sache war damals noch ganz neue. Gefangene hatte man auf der Straße noch nicht gesehen und von jüdischen Gefangenen sprach man noch im Tone eines Märchens. In Hanau stieg Rabbiner Dr. Bamberger zu mir in das Abteil 3. Klasse, obwohl er im Heeresauftrage Anspruch auf 2. und 1. Klasse hatte, und in anregender Unterhaltung waren die Stunden der Fahrt rasch verflossen. 
Nach einstündiger, nicht gerade angenehmer Wagenfahrt von Bad Orb aus, waren wir im Lager. Wir wandelten durch die aufgeweichten Zeltstraßen und sahen uns das bunte Leben der fremden Soldaten an. Zum größten Teil Russen, zum kleineren auch Franzosen. Die Wachtmannschaft verwies uns auf eine große Baracke. Dort waren alle jüdischen Gefangenen untergebracht und harrten unser. Zum ersten Male sahen wir unsere Brüder, die 'in Not und Gefangenschaft' geraten waren, von Angesicht zu Angesicht. Es waren etwa 100 an der Zahl, halb Kinder noch, aber auch ergraute Köpfe, in allen möglichen Monturen, aus allen Schlachtfeldern des östlichen Kampfgebietes und aus allen Gegenden des weiten Zarenreiches. Zumeist Überlebende von Tannenberg, denen die ganzen Schrecken des schaurigen Abgrundes in Masurien noch deutlich in den Augen saß. Wie eine aufgeschreckt Herde drückten sich die Leute aneinander und misstrauisch schauten sie auch zu dem großen stämmigen Mann hinauf, in dem sie etwas wie einen preußischen Hauptmann in Zivil vermuteten. Ich sprach zu ihnen so gut es ging, in den Sprachen ihrer Heimat und klärte sie auf, und ich sehe noch, wie sie sich um die mitgebrachte Torarolle scharten und sie mit Küssen bedeckten, als gelten diese Küsse der Heimat und all dem, was dort lieb und teuer und heilig ist.
Und nun sprach Rabbiner Bamberger von einer ad hoc zusammengestellten Kanzel zu den Gefangenen in der einfachsten, schlichtesten Weise, nach den leichtesten, verständlichsten Ausdrücken gerade angelnd. Er sprach von der Heimat und von der Pflicht, und ich musste bewundern, mit welchem Mut und welch feinem Takte - die deutsche Wachtmannschaft mit mit dabei - er auch von ihrer für ihr Vaterland treu erfüllten Pflicht sprach und von ihren Rechten im Feindeslande und dann von ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Ganzen. Tröstend sprach er von Frieden und von froher Heimkehr. Und viele, viele ehrliche Tränen sah ich in dieser aus Juden Kaukasiens, Sibiriens, Polens und Litauens zusammengewürfelten, durch eine Laune des Krieges eigenartig geschaffenen neuen Gemeinde des Hanauer Rabbinatsbezirks fließen. 
Ich frage nach der Predigt einen jungen Litauer, ob er die Rede verstanden hätte. 'Barwoß nit?' (warum nicht), gab er mit einer Gegenfrage zurück. 'Aber er sprach doch deutsch'? bezweifelte ich. 'Taitsch? harzig hat er geredet' (sc. harzig im Sinne von herzlich, von und zu Herzen gehend). 
 
Das Wort blieb mir in Erinnerung. Und wenn ich heute den Menschen Bamberger - abgesehen von seiner Bedeutung als Rabbiner und Lehrer, als Mehrer der jüdischen Wissenschaft - gerecht werden will, so denke ich nur an jenes Wort des litauischen Gefangenen. Es war das Geheimnis seines großen Menschentums, dass alles, was er sprach, was er unternahm und war er tat, mit dem Herzen tat."
  
Weiterer Bericht - nicht ausgeschrieben - in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1915: 
"Bei den jüdischen Kriegsgefangenen in Bad Orb". 
Bad Orb Israelit 15041915.jpg (856109 Byte)  Bad Orb Israelit 15041915a.jpg (144658 Byte)    

  
Ein Bericht über Bad Orb aus jüdischer Sicht (1933)

Bad Orb Israelit 18051933.jpg (188352 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1933: "Bad Orb, die Perle des Spessart. Es rückt die Zeit heran, da der eine oder der andere, der es leider haben muss, sich vor die Frage gestellt sieht: wohin dieses Jahr? Die Verhältnisse zwingen, weite Reisen, allzu große Kosten, Grenzüberschreitungen mit den damit verbundenen Formalitäten usw. zu vermeiden. Da taucht u.a. aus den Wäldern zwischen den Bergzügen des Spessart Bad Orb lockend und einladend hervor.
Es erübrigt sich, die vielen Naturschönheiten des lieblichen Orbtales, denen sich die badetechnischen Einrichtungen so zweckmäßig und unter Vermeidung von großem Komfort harmonisch anpassen zu schildern. Ob man auf der Kurhausterrasse im Schatten der uralten Bäume ausruht, oder sich in der Platanenallee im Kurpark ergeht, ob man sinnend vor der Blumeninsel am Weiher steht, oder dem Rausche des Wasserfalles im Parke lauscht, ob man tief atmend über die Holzgestelle der Saline holpert oder sich gar mit Kennerblick die niedlichen Bürgerhäuschen aus dem 16. Jahrhundert ansieht, überall die gleiche Tendenz, überall die gleiche geruhige innere Geschlossenheit und wohltuende Harmonie eines Badeplatzes, der nicht den Ehrgeiz hat, mondän zu sein, sondern in stiller Bescheidenheit Dienst an der Menschheit leistet. Alles, Natur und Kunst, streben dem einen gemeinsamen Ziele zu, dem Menschen in der Bedrängnis seines Körpers und seiner Seele, der sich hierher flüchtet, die Ruhe, die Kraft und die Nerven wiederzugeben, die er für den schweren Kampf in elf Monaten des Jahres braucht. 
Was für den jüdischen Kurgast als Plus hinzukommt, das ist die Tatsache, dass sich in Bad und Stadt Orb eine wohlorganisierte jüdische Gemeinde befindet, die mit ihrer schönen Synagoge, in der täglich Gottesdienst in alter frommer Weise abgehalten wird, wie mit all ihren anderen jüdischen Einrichtungen ihm alle von Haus aus gewohnten jüdischen Lebensmöglichkeiten bietet. Sodann aber findet er im Hotel Adler ein wahrhaft gastliches Heim, in dem ihm alles in höchstem Maße geboten wird, was er zu seiner Erholung braucht: Ruhe, vortreffliche Verpflegung, aufmerksame Bedienung, bei Preisen, die sich der Zeit möglichst anpassen. 
Das Orbtal und das Bad insbesondere bilden eine wahre Ruheinsel jenseits allen politischen Getriebes. man atmet die würdige Luft in Gemeinschaft mit angenehmen, lieben Menschen, die auch ihrerseits Ruhe und Erholung suchen und sie anderen gönnen. Unter den einheimischen Bädern, die man erst recht dieses Jahr berücksichtigen soll, müsste auch Bad Orb in erster Reihe genannt werden." 
Anmerkung: Im Sommer 1933 war in den offiziellen Werbeprospekten der Kurstadt zu lesen: "Juden sind unerwünscht".

     
Zynischer Artikel in der NS-Zeit gegen Werbung für jüdische Hotels usw. in allgemeinen Zeitungen - am Beispiel von Bad Orb - 
und Stellungnahme des "Israelit" (1935)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1935: "Rituelle Häuser in Kurorten. Die 'Rheinische Landeszeitung Volksparole' in Düsseldorf schreibt:   'Es hat sich allmählich herumgesprochen, dass sich Nichtarier in Deutschland mindestens ebenso wohl fühlen können, wie in anderen Kulturlängern - wahrscheinlich sogar noch sicherer, seitdem Deutschland das Land des inneren Friedens, das Land ohne Tumulte, ohne Aufruhr und ohne Klassenkampf geworden ist. Man weiß auch, dass viele ausgewanderte Juden lieber heute als morgen zurückkehren würden, wenn nicht ihr großes Sündenregister und eine ansehnliche Fluchtsteuerschuld ihnen im Wege ständen. Mit der grundsätzlichen Einstellung der staatstragenden Bewegung gegenüber dem Judentum hat das alles gar nichts zu tun, und wirklich unterrichtete Ausländer haben selbst in den Monaten der schlimmsten Emigrantenhetze loyal zugegeben, wie korrekt gerade im neuen Deutschland die Behörden die Bevölkerung und damit auch die jüdische Minderheit behandelten. Takt im Umgang mit Menschen sit jedoch eine auf Gegenseitigkeit beruhende Angelegenheit und leider mehren sich die Zeichen, die es erforderliche erscheinen lassen, dass an diese Gegenseitigkeit erinnert wird. So sollte man meinen, dass die Zeiten endlich vorüber sind, da in den Werbeschriften der deutschen Kurorte für die 'rituellen Häuser' aufdringliche Reklame gemacht wird. Niemand wendet sich gegen die rituelle Lebensweise eines Angehörigen der jüdischen Rasse. Wenn aber ein Bad den Schriftleitungen der deutschen Zeitungen zur Saison von 1935 Listen sendet, in denen sogar mehrere Häuser ausdrücklich als 'rituell' bezeichnet sind, so darf man eine solche Werbung doch wohl als instinktlos zurückweisen. Wenn man in Bad Orb im Spessart noch nichts davon wahrgenommen hat, dass für die Anpreisungen 'ritueller Häuser' in den allgemeinen Werbeschriften eines deutschen Kurortes kein Verständnis mehr vorhanden ist, so ist das mehr als ein persönliches Pech eines sehr rückständigen Werbechefs. Ganz besonders dann, wenn dieser Werbechef es zulässt, dass beispielsweise das Hotel Adler in Bad Orb sein rituelles Aushängeschild auch noch mit einem vielsagenden Ausrufungszeichen schmückt.'      
Wir können die Angaben des Blattes über die absolute Sicherheit und störungslose Kurmöglichkeit auch für Nichtarier in deutschen Bädern und Erholungsorten, sofern diese nicht durch Schilder und andere Bekanntmachungen ausdrücklich die Anwesenheit von Juden als unerwünscht erklärten, nur bestätigen. Im übrigen erscheint es nicht recht verständlich, was die Zeitung an der Nennung der rituell geführten jüdischen Häuser in denjenigen Kurorten, denen der Besuch jüdischer Badegäste erwünscht ist, auszusetzen hat. Unerwünscht ist doch auf alle Fälle - vom Standpunkte der 'Volksparole' aus wie von dem unsrigen - dass die jüdischen Besucher solcher Orte nichtjüdische Hotels aufsuchen, wenn ein jüdisches am Platze ist, in dem die Juden unter sich sein können. Also liegt die Aufführung dieser rituellen Hotels im allseitigen Interesse. 
Auf alle Fälle dürfte es heute keinen Juden mehr geben, der würdelos genug ist, in nichtjüdischen Restaurants zu speisen, auch wenn es ihm sein religiöses Gewissen nicht verbieten sollte. Das Verzeichnis des Hamburger Speisevereins bietet dafür einen untrüglich Wegweiser für jedermann."    



Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
   

Über die Lebensgeschichte des 1805 in Orb geborenen und 1888 in Steinbach bei Lohr verstorbenen Lehrers Lazarus Eisemann  
siehe auf der Seite Lohr am Main mit Steinbach   
   
  
Weiteres öffentliches Amt für den Kultusvorstand Max Lichtenstädter (1903) 

Bad Orb Israelit 26031903.jpg (53547 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1903: "Bad Orb, 22. März (1903). Unser Kultusvorstand, Herr Max Lichtenstädter, wurde zum Schiedsrichter des ersten Bezirks hiesiger Stadt gewählt. Es ist dies ein neuer Beweis, welches friedliche Einvernehmen unter den verschiedenen Konfessionen unseres Ortes besteht, und welcher allgemeinen Beliebtheit sich unser Vorstand erfreut, der bereits seit Jahren auch das Amt eines Stadtverordneten begleitet."

     
Wahl von drei jüdischen Gemeindegliedern als Stadtverordnete (1905)   

Bad Orb FfIsrFambl 13011905.jpg (39686 Byte)Das "Frankfurter Israelitische Familienblatt" berichtete am 13. Januar 1905: "Bad Orb (Hessen-Nassau). Aus der Kommune. In unserem bekannten Badestädtchen, das unter seinen 4.000 Einwohnern nur 16 jüdische Familien zählt, haben wir seit den letzten städtischen Wahlen unter den 18 Stadtverordneten drei jüdischen Glaubens und zwar die Herren Emanuel Goldschmidt, Max Lichtenstädter und Carl Wolfeiler, welch' letzterer erst dieser Tage einstimmig gewählt wurde. Herr Lichtenstädter verwaltet nebenbei auch das Amt als Schiedsrichter." 
Neben den genannten Ämtern war Max Lichtenstädter auch Aufsichtsratsmitglied der Kurverwaltung in Bad Orb. 

    
Zum Tod von Max Lichtenstädter und Michel Silberthau (1933)  

Bad Orb Israelit 28071933.jpg (58668 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1933: "Bad Orb, 24. Juli (1933). Die Wochen der nationalen Trauer werden in diesem Jahre hier doppelt schwer empfunden, da wir am Sonntag Max Lichtenstädter und Michel Silberthau zur letzten Ruhe betteten. Zu den Beisetzungen, die kurz nacheinander stattfanden, waren viele auswärtige Freunde und nichtjüdische Mitbürger erschienen, um ihre Verehrung für die Heimgegangenen auszudrücken. In den verschiedenen Grabreden wurden die allseits anerkannten Leistungen der Verstorbenen, ihre Verdienste für unsere Gemeinde, deren Vorstand sie viele Jahre angehörten, und ihr Wirken für die Allgemeinheit rühmlichst hervorgehoben. Mögen sie in dieser schweren Zeit für ihre Hinterbliebenen und uns alle Melize-Jauscher sein und ihr Andenken uns Trost und Segen spenden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Rechts - Gräber auf dem jüdischen Friedhof von Bad Orb: Links Grab für Max Lichtenstädter (1857-1933), Mitte für Feist Michael Cohn Silberthau (1862-1933). Bad Orb Friedhof 172.jpg (113405 Byte)

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige des Manufakturwarengeschäftes Max Lichtenstädter (1901)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1901: "Für meinen Sohn suche eine Stelle als 
Lehrling
in einem Schabbat und Feiertag geschlossenen Manufakturwaren-Geschäfte. 
Max Lichtenstädter,
Bad Orb."  

   
Verlobungsanzeige von Sara Kulp und Dr. med. Rudolf Weinberg (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1901: 
"Statt jeder besonderen Anzeige! 
Sara Kulp - Dr. med. Rudolf Weinberg. Verlobte. 
Frankfurt am Main - Bad Orb. 13. Oktober 1901."    

   
Anzeigen des rituell geführten Hotels Adler (1901 / 1903)  

Bad Orb Israelit 25071901.jpg (60135 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1901: "Bad Orb, Sol- und Sprudelbäder. Zweigbahn Wächtersbach (Frankfurt - Bebra) nach Orb 10 Minuten. Koscheres Hôtel Adler, neu erbaut vis-à-vis dem Kurhaus, eigene Molkerei, streng rituelle Küche, beste Referenzen. Telephon im Hause. 
Die Besitzer: Goldschmidt & Adler."    
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1903: "Bad Orb. Koscheres Hotel Adler. 
Neuerbaut vix-à-vis dem Kurhaus. Großer schattiger Garten am Hotel Sool- und Sprudelbäder. - Eigene Molkerei. - Streng rituelle Küche. - Ia Referenzen. - 30 elegant eingerichtete Fremdenzimmer. 
Besitzer: Goldschmidt und Adler. Telefon Nr. 10."   
  
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Juli 1903:  "Hotel Adler, Bad Orb.  
Inhaber Goldschmidt & Adler.  
Neuerbaut vis-a-vis dem Kurhaus. - 30 elegant neu eingerichtete Fremdenzimmer. 
Eigene Molkerei. - Streng rituelle Küche.  
Ia Referenzen. - Telefon No. 10. - Hausdiener zu jedem Zuge am Bahnhof."   

   
Anzeigen der rituell geführten Pension mit Restaurant Reis (1901 / 1902 / 1903 / 1906)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1901: "Solbad & Luftkurort Orb im Spessart (Bahnstation).
Pension Reis
, streng koscher Restaurant. 
Altbewährte gute Küche, billige Preise. Telephon im Hause."   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: "Koscher - Bad Orb - Koscher
Pension und Restaurant Reis, altrenommierte, gute Küche, billige Preise. 
Telephonruf 16. - Bertha Reis, Besitzerin."    
    
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Juli 1903: "Bad Orb. Pension, Restaurant Reis. 
Das ganze Jahr geöffnet. Streng koscher, altbewährte gute Küche. Telefonruf 16.  
= Billige Preise. = Besitzerin: Frau Bertha Reis.  Referenzen streng orthodoxer Rabbiner."    
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1906: "Solbad Orb. 
Pension Reis. - Telephon 6. - 
Koscher Restaurant. 
Altbewährte, gute Küche, Referenzen von orthodoxen Rabbinern. 
Inhab.: Berta Reis."    
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1907:  "Solbad Orb
Pension Reis
. - Telephon 6. - 
Koscher
Restaurant.  
Altbewährte, gute Küche, Referenzen von Orthodoxen Rabbinern. 
Inhab.: Berta Reis."   

     
Anzeige des Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäftes S. Lichtenstädter (1928)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1928: "Jüngerer Commis oder Volontär zum sofortigen Eintritt gesucht, Samstag geschlossen. Kost und Logis im Hause. Offerten mit Lichtbild erbeten. 
S. Lichtenstädter  Bad Orb   Manufakturwaren und Konfektion."     

        
Verlobungsanzeige von Helene Adler und Walter Nussbaum (1931)  

Bad Orb Israelit 08101931.jpg (24977 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1931: "Statt Karten - Gott sei gepriesen
Helene Adler - Walter Nussbaum. Verlobte.
Bad Orb Hotel Adler - Brüssel, Rue de la Commune 18. Simchat Tora 5692 

   
Hochzeitsanzeige von Walter Nussbaum und Helene geb. Adler (1931)   

Mainstockheim Israelit 03121931.jpg (37070 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1931: 
Gott sei gepriesen
. Walter Nussbaum - Helene Nussbaum geb. Adler.  Vermählte.   
Brussel, Rue Belliard 145 / Mainstockheim - Bad Orb, Hotel Adler.  
Trauung: Sonntag, den 6. Dezember, 2. Tag von Chanukka, 2 Uhr. Hotel Ulmann, Frankfurt am Main."  

    
    
   
 
Zur Geschichte der Synagoge           
   
Spätestens Ende des 18. Jahrhunderts dürfte ein Betsaal oder eine erste Synagoge eingerichtet worden sein. Um 1850 plante die jüdische Gemeinde den Neubau einer Synagoge. Da die Gemeinde keine ausreichenden Eigenmittel zur Verfügung hatte, wurde von der Bayerischen Regierung die Durchführung einer Kollekte in anderen Gemeinden genehmigt. Am Solplatz konnte für 400 Gulden ein Grundstück gekauft werden. 1869/70 wurde die neue Synagoge erbaut und vermutlich im Juni 1870 (nach anderen Angaben erst 1871) eingeweiht. 
  
Am 25./26. Juni 1920 stand das 50-jährige Synagogenjubiläum an. Dazu wurde die Synagoge renoviert. Über die Feier berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" am 8. Juli 1920:  

Bad Orb Israelit 08071920.jpg (47537 Byte)Bad Orb, 27. Juni (1920). Am vergangenen Schabbat feierte die hiesige jüdische Gemeinde das 50jährige Jubiläum der Synagoge. Aus diesem Anlass fand ein besonderer Festgottesdienst statt. Nachdem die Torarollen, getragen von den Ältesten der Gemeinde in die neu hergerichtete Synagoge unter Chorgesang gebracht wurden, sang der Kantor das Mah Towu ("Wie lieblich..."). Hierauf folgte die Festpredigt des Herrn Lehrer Seelig. Im Anschluss an die Worte "weasu li mikdasch weschachanti betocham" ("und ihr sollt mir machen ein Heiligtum und ich werde wohnen in eurer Mitte") betonte der Redner, dass es nicht allein auf die Schönheit des Gotteshauses ankäme, sondern auf den Geist der darin Betenden und ermahnt zu "jirat haelohim" (Gottesfurcht)."

Beim Synagogengebäude handelte es sich um einen zweigeschossigen Massivbau mit dem Haupteingang vom Solplatz. Vom Eingangsflur führte eine Treppe zur Empore und der Lehrerwohnung im Obergeschoss sowie zu einem rituellen Bad im Keller. Im Erdgeschoss war links vom Eingang die Schulstube, rechts befand sich der Betsaal.

In der NS-Zeit wurde die Synagoge im August 1938 für 6.000 RM im Zusammenhang mit der Auflösung der Gemeinde an eine nichtjüdische Familie verkauft und blieb dadurch von einer Zerstörung beim Novemberpogrom 1938 verschont. Die Kultgegenstände sollen gemäß der jüdischen Tradition bereits 1937 im Friedhof der Gemeinde beigesetzt worden sein. Das Synagogengebäude wurde zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut und ist als solches bis heute erhalten.
 
Gegenüber der Synagoge wurde auf dem Solplatz im November 2002 ein Gedenkstein aufgestellt (siehe Fotos unten).  
   
   
Adresse/Standort der SynagogeSolplatz 1    
   
   
Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder s. Lit. S. 177; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.3.2009)  

Die ehemalige Synagoge in 
den 1970er-Jahren 
Orb Synagoge 010.jpg (40053 Byte)  
  Das Gebäude der ehemaligen Synagoge nach
 1945 (Aufnahme aus den 1970er-Jahren)
 
      
Die ehemalige Synagoge 2009  Bad Orb Synagoge 174.jpg (75610 Byte) Bad Orb Synagoge 175.jpg (79074 Byte)
   Blicke auf das am Solplatz stehende ehemalige Synagogengebäude, an dem selbst 
keine Hinweistafel angebracht ist
     
Das Denkmal gegenüber der ehemaligen
 Synagoge auf dem Solplatz
Bad Orb Synagoge 170.jpg (105501 Byte) Bad Orb Synagoge 171.jpg (111023 Byte)
    Gedenkstein mit Text: "Wir gedenken der Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens, die in unserer Heimatstadt Bad Orb gelebt haben und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 zum Opfer gefallen sind. 
Viele der ehemaligen Nachbarn und Freunde mussten in Vernichtungslager ihr Leben lassen. 
Durch Vertreibung und Deportation fand die Geschichte der hiesigen Jüdischen Gemeinde 1938 ein grausames Ende. 
Stadt Bad Orb im November 2002."

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Februar 2012: In Bad Orb sollen "Stolpersteine" verlegt werden   
Mitteilung im "Gelnhäuser Tageblatt" vom Februar 2012: "Gestern Abend: Stolpersteine für Bad Orb. 
BAD ORB.
(ez). Geschlossen stimmten die Bad Orber Stadtverordneten gestern Abend dem Beschlussvorschlag zur Verlegung von sogenannten 'Stolpersteinen' zur Erinnerung an Verfolgte des NS-Regimes auf dem Gebiet der Stadt Bad Orb zu. Stadtverordnetenvorsteher Heinz Grüll trug die Begründung des 'gemeinsamen Antrages von Dr. Jürgen Blumenthal und den Fraktionen' vor. Mit dem Buch von Helga Koch und Pfarrer Jochen Löber stehe eine hervorragende Grundlage für die Bad Orber Recherchen für die 'Stolpersteine', wie sie der Künstler Gunter Demnig entworfen hat, zur Verfügung. Das Projekt soll nicht nur den Leidensweg der ehemaligen jüdischen Gemeinde dokumentieren, sondern aller Opfer, die während der Diktatur des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Der Stadt Bad Orb entstehen durch das Projekt keine Kosten, da die Steine über Paten und Sponsoren finanziert werden."  
Link zum Artikel: Gestern Abend: Stolpersteine für Bad Orb (Gelnhäuser Tageblatt, 29.02.2012) 
  
April 2012: Das Projekt "Stolpersteine" kommt voran  
Artikel im "Gelnhäuser Tageblatt" vom 26. April 2012: "Bald auch 'Stolpersteine' für die Kurstadt. 
Bad Orb.
Arbeitsgruppe bereitet erste Verlegungen für Anfang 2012 vor. Erinnerung an während der Nazi-Zeit verfolgte Bürger..."  
Link zum Artikel: Bald auch „Stolpersteine“ für die Kurstadt (Gelnhäuser Tageblatt, 26.04.2012) .   
 
November 2012: Erste Verlegung von "Stolpersteinen in Bad Orb"   
Rechts: Flyer zur ersten Verlegung 
von "Stolpersteinen" in Bad Orb am 
11. November 2012 in der 
Hauptstraße 46 und 27 
(zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken) 
Bad Orb Stolpersteine fly01.jpg (289861 Byte) Bad Orb Stolpersteine fly02.jpg (258029 Byte)
  

    
      


Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Bad Orb  
Informationen zum jüdischen Friedhof in Bad Orb (interner Link) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Bad Orb 
Genealogische Angaben / Ortsfamilienbuch Bad Orb: http://www.online-ofb.de/bad_orb/ 
Anmerkung: in den Angaben zu den Personen werden auch verwandtschaftliche Beziehungen zu Orten außerhalb von Bad Orb, aufgezeigt; zu einigen Personen in Bad Orb erscheinen unter dem Link "Ereignisse" zusätzliche Informationen und Bilder. 

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Bad Orb 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Bad Orb sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,708   Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Bad Orb  1821 - 1874; Jüdisches Geburtsregister 1821 - 1874, Jüdisches Trauregister 1824 - 1864 und Jüdisches Sterberegister 1821 - 1872; 
 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900675        
HHStAW 365,709   Geburtsregister der Juden von Bad Orb  1837 - 1884   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289738    
Weiteres über die Sterbenebenregister Bad Orb siehe  http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsearch/sn/pstr?q=bad+orb&submit=LAGIS-Suche        

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 632; III,2 S. 1077-1078.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 187-188.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 177.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 147.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 134.
dies:  Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 326-327.
Jürgen Ackermann: Von der jüdischen Gemeinde Bad Orb. In: Mitteilungsblatt. Beiträge zur Heimatgeschichte. 13. Jg. Heft 5/1988 S. 170-185.
ders.: Von der jüdischen Gemeinde Bad Orb. In: Bad Orber Anzeiger 8,9,11,13  1988. 
ders.: Die jüdische Gemeinde Orb. Mitteilungsblatt. MKK Gelnhausen 1/1997. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 197.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 375-376. 
Bad Orb Lit 020.jpg (76561 Byte)Helga Koch / Jochen Löber: Jüdisches Leben in Bad Orb. Auf Spurensuche. Kommissionsverlag Orbensien 2009. 
Das Buch, das ein bisher wenig bearbeitetes Thema der Bad Orber Geschichte aufzeigt, wurde in mehrjähriger Arbeit von Pfr. Jochen Löber und Helga Koch mit vielfältiger Unterstützung erstellt und sollte noch im Jubiläumsjahr "950 Jahre Bad Orb" erscheinen. Es enthält Beiträge zur einst lebendigen jüdischen Gemeinde in Bad Orb, zurückgehend bis etwa 1850, sowie die Familiengeschichten der jüdischen Orber und ihrer Nachkommen. Dabei wurde auch versucht, die von Leid und Tod geprägten Schicksale nach der bis 1938 erfolgten Flucht der Juden aus der Badestadt zu klären und festzuhalten.
1. Auflage 2009, XII und 189 Seiten, Hardcover, mit zahlr. sw Fotos und Abbildungen.
ISBN13: 978-3-927176-26-3  29,80 €   www.orbensien.de.    

  
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bad Orb. Hesse-Nassau. Jews living there fell victim to the Black Death persecutions of 1348-49. Affiliated with the rabbinate of Aschaffenburg (Bavaria), the modern community numbered 70-80 (2 % of the total) in the 19th century. Members built a synagogue 1870 and opened guest houses for Jews visiting the local spa. Nazi persecution forced the community to disband before Kristallnacht (9-10 November 1938), when all the remaining Jews were expelled. Twelve emigrated after 1933; at least 22 who moved elsewhere in Germany perished in the Holocaust. 
  
    

                   
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Stand: 17. Januar 2017