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Weiden in
der Oberpfalz (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Weiden lebten Juden bereits im Mittelalter.
Ihre Zahl blieb vermutlich gering, sodass es nicht zu der Bildung einer
jüdischen Gemeinde kam. 1359 wird ein Jude aus Weiden in Nürnberg genannt,
1378 einer in Regensburg, 1388 war wenigstens ein Jude (beziehungsweise eine
jüdische Familie) in der Stadt wohnhaft. 1416 werden im Abgabenverzeichnis
keine Juden in der Stadt genannt. Damals hätte jeder in Weiden oder in der
Herrschaft siedelnde Jude jährlich 10 Gulden Schutzgeld zahlen müssen.
Zwischen 1465 und 1488/89 waren etwa vier jüdische Familien in der Stadt (Isaac
und Sohn Leb mit Familie, Israel und Sohn mit Familie), die die vorgeschriebenen
Abhaben und Steuern bezahlten. 1470 wird ein Juden aus Weiden in Neustadt am
Kulm erwähnt. Die jüdischen Familien lebten vom Geld- und wohl auch
Warenhandel. Nach 1489 finden sich keine Nachrichten mehr über Juden in
Weiden.
Erst im 17. Jahrhundert konnten - in der Zeit des Dreißigjährigen
Krieges - vorübergehend einige jüdische Familien in der Stadt zuziehen.
Zwischen 1636 und 1640 waren es bis zu 40 Personen in neun Familien.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1867 5 jüdische Einwohner (0,1 % von insgesamt 3.184 Einwohnern),
1871 18 (0,5 % von 3.670), 1880 76 (1,6 % von 4.858), 1890 101 (1,7 % von
5.818), 1900 124 (1,2 % von 9.959), 1910 156 (1,0 % von 14.921).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde seit 1887/89 einen Betsaal
beziehungsweise ein Gemeindezentrum mit einer Synagoge (s.u.), und Räumen für den
Religions- und Schulunterricht sowie für die Gemeindeverwaltung. Von 1889
bis 1939 bestand eine Israelitische Elementarschule (Israelitische
Volkshauptschule) in Weiden (bis 1902 als Privat-Elementarschule, danach als
öffentliche Elementarschule, siehe Bericht von 1902 unten). Ein
rituelles Bad war vor 1938 in Floss nicht vorhanden, es wurde die Mikwe
in Floss mitbenutzt. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden zunächst in Floss
beigesetzt, bis 1901 ein eigener Friedhof
in Weiden angelegt werden konnte. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war
ein jüdischer Elementarlehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schächter tätig war (siehe Ausschreibungstext von 1889), zeitweise wurde für das
Schächten eine weitere Person angestellt (siehe Anzeige von 1921). Erster
Elementarlehrer der Gemeinde war W. Hirnheimer (ab 1889). Ihm folgte 1897 Emanuel Strauß, der bis nach
1936 in der
Gemeinde als Lehrer tätig war. 1930 ist er zum Oberlehrer befördert worden
(siehe Berichte unten).
Jüdische Gewerbetreibende trugen wesentlich zur
wirtschaftlichen Entwicklung in Weiden bei. Sie waren u.a. im Immobilienbereich
tätig sowie im Handel mit Stoffen, Pech, Hopfen und Glasprodukten.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Paul Klein (geb.
3.8.1893 in Nürnberg, gef. 28.3.1915). Sein Name stand von 1928 bis 1954 auf
dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in der Bahnhofstraße,
das 1955 durch ein neues Denkmal ohne namentliche Nennungen ersetzt
wurde.
Um 1924 als etwa 150 Gemeindeglieder gezählt wurden (0,7 % der
Gesamteinwohnerschaft von etwa 22.000 Personen), waren die Vorsteher der
jüdischen Gemeinde Gustav Rebitzer, H. Baum, Anton Spitz, L. Sterzelbach und H.
Fuld. Als Hauptlehrer und Kantor war Emanuel Strauß (auch 1932) tätig, als
Synagogendiener und Hausmeister Gottfried Krauß. Die Israelitische
Volkshauptschule wurde von 11 Kindern besucht (1932: 14 Kinder). An den
öffentlichen Schulen der Stadt erhielten 17 Kinder Religionsunterricht (1932:
16 Kinder). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat in Regensburg
(beziehungsweise Bezirksrabbinat Regensburg-Neumarkt). 1932 war Vorsteher
der Gemeinde Gustav Rebitzer. Als Schatzmeister war Anton Spitz tätig. Zur
jüdischen Gemeinde gehörten inzwischen auch die in Erbendorf lebenden
jüdischen Einwohner (28 Personen). An jüdischen Vereinen bestanden: der
1910 gegründete Israelitische Frauenverein (Heilige Schwesternschaft,
1932 Vorsitzender Luise Bloch; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung
hilfsbedürftiger Frauen sowie Bestattungswesen, 1932 61 Mitglieder), die 1890
eingerichtete Israelitische Unterstützungskasse (Kupat Zedaka,
Träger: Israelitische Kultusgemeinde, Vorsitzender Emanuel Strauß, Zweck und
Arbeitsgebiete: Wanderfürsorge, Subventionierung der Wohlfahrtsanstalten) sowie
Ortsgruppen des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
(Vorsitzender Emanuel Strauß), der Zionistischen Vereinigung und des Jüdischen
Nationalfonds Keren Kajemet le Jisrael.
1933 lebten 168 jüdische Personen in Weiden (0,8 % von insgesamt 22.775
Einwohnern). Bereits im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen
Machtübernahme wollte der SA-Sonderkommissar die jüdischen Gutachten auf den
städtischen Banken beschlagnahmen, was jedoch vom bayerischen Innenministerium
im April 1933 untersagt wurde. Restrikte Maßnahmen richteten sich jedoch
alsbald gegen alle jüdischen Einwohner, angefangen vom Verbot des Besuches der
städtischen Bäder im Juli 1934 usw. Im Dezember 1934 wurden die
Schaufenster jüdischer Geschäfte zertrümmert. Mehrfach kam es zu organisiertem
Boykott jüdischer Geschäft, organisiert durch die örtliche NSDAP. Zwischen
1933 und 1939 verließen 140 jüdische Einwohner Weiden, 87 konnten emigrieren
(20 nach England, 17 in die USA, 14 nach Palästina, elf in die Tschechoslowakei,
sieben nach Ostafrika, fünf nach Argentinien, vier nach Kuba, einzelne in
andere Länder), 53 verzogen in andere deutsche Orte (München, Berlin,
Frankfurt am Main, Nürnberg, Regensburg). Neun jüdische Einwohner verstarben
bis 1939 in Weiden. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Wohnungen
zerstört; die Plünderung wurde durch den Bürgermeister untersagt. 30 bis 40
jüdische Einwohner wurden zum Rathaus geschleppt und dort brutal verprügelt.
Am 23. Oktober 1939 wurden nur noch 16 jüdische Einwohner gezählt. Sie wurden
in einem der Stadt gehörenden Haus zwangsweise untergebracht. Von den zwölf
jüdischen Einwohnern, die im Oktober 1941 noch anwesend waren, wurden am 2.
April 1942 neun nach Piaski bei Lublin deportiert, die drei letzten am 23.
September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.
Von den in Weiden geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; Liste ist vermutlich unvollständig - bei den Angaben von Yad Vashem
gibt es einzelne Verwechslungen mit Weiden bei Aachen oder Wieden in
Österreich; diese Namen sind hier nicht aufgenommen): Ludwig Blech (1882),
Johanna Boscowitz
geb. Oppenheimer (1886), Fritz Friedmann (1912), Emma Grünebaum geb. Bloch
(1870), Edgar Gutmann (1884), Hermann Hausmann (1925), Otto Hausmann (1891),
Rosa Hausmann geb. Plaut (1901), Wilhelm (Willi) Hausmann (1927),
Elisabeth (Liesel) Heimann geb. Adler (1898), Hannelore Kahn (1929), Frieda Katzenstein geb. Bloch
(1871), Mina Klein geb. Kupfer (1870), Adelheid Kohner geb. Reis (1885), Adolf
Kohner (1926), Eduard Kohner (1882 oder 1884), Elisabeth Kohner (1856 oder
1860), Irma Kohner geb. Pollak (1900), Karl Kohner (1875), Luise Kohner (1921),
Rosa Kohner geb. Lusberger (1880), Siegfried Kohner (1909), Otto Kupfer (1873),
Babette Lebrecht geb. Strauss (1873), Luise Maienthau geb. Sterzelbach (1883), Ernestine
Rebitzer geb. Boschkowitz (1874), Gustav Rebitzer (1869), Hanetta Rubens geb.
Weil (1863), Irma Spitz geb. Steiner (1912), Alfred Steiner (1889), Walter Steinhart
(1880), Selma
Wilmersdörfer geb. Marx (1880), Walter Wilmersdörfer (1909), Max Zeilberger (1891), Selma Zeilberger geb.
Wilmersdörfer (1895).
Nach 1945 wurde durch Überlebende von Konzentrationslagern
eine neue Gemeinde begründet. Im Sommer 1945 hielten sich in der Stadt etwa
1.000 jüdische Überlebende des KZ Flossenbürg auf. Im Dezember 1946 wurden
643 jüdische Personen in Weiden gezählt. Nach Gründung des Staates
Israel wanderten die meisten von ihnen dorthin oder in die USA aus. Ein
kleinerer Teil blieb in Weiden und gründete 1953 eine neue jüdische Gemeinde,
die "Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Weiden". Die Zahl der
Gemeindeglieder nahm in den folgenden Jahrzehnten zunächst kontinuierlich ab,
im Januar 1976 waren es noch 59, um 1990 nur noch 36 Personen, die meisten von ihnen über 60 Jahre alt.
Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Weiden war über 40 Jahre lang Hermann
Zwi Brenner (1916 in Chrzanow bei Krakau - 2004), der sechs
Konzentrationslager überlebte und 1945 nach Weiden kam, wo er als Buchhändler,
später als Textilkaufmann tätig war. Neben dem Vorsitz der IKG Weiden war er
mehr als 30 Jahre im Präsidium des Landesverbandes der Israelitischen
Kultusgemeinden in Bayern. Ein Sohn von Hermann Zwi Brenner ist der seit 1997 an
der Ludwig-Maximilians-Universität München (Historisches Seminar, Abteilung
für jüdische Geschichte und Kultur) lehrende Professor für Jüdische
Geschichte Dr. Michael Brenner (geb. 1964 in Weiden, lehrte 1994-1997an
der Brandeis University in Waltham Mass./USA; Artikel
bei wikipedia).
Durch Zuwanderung aus den GUS-Ländern ("Jüdische
Kontingentflüchtlinge") stieg die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder seit
1994/95 stärker an. Ende 2001 gehörten 291 Personen zur jüdischen
Gemeinde, davon 269 aus dem Personenkreis der Kontingentflüchtlinge mit 170
nichtjüdischen Familienangehörigen, die gleichfalls von der Gemeinde betreut
wurden. Ende 2002 wurden 310 jüdische Gemeindeglieder gezählt.
Seit 1995 war Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gabriele Brenner; die
derzeitige Vorsitzende (Oktober 2007) ist Irina Plischuk.
Anfang März 2003 erhielt Weiden in der Person von Gesa Schira Ederberg eine
Rabbinerin (studierte und wurde ordiniert am Solomon Schechter Institute
Jerusalem). Diese ist zugleich Leiterin des Masorti-Zentrums (Verein zur
Förderung der jüdischen Bildung und des jüdischen Lebens) in Berlin (Link
zum Masorti-Zentrum). Rabbinerin Ederberg war in Weiden bis September 2006.
Im Juni 2007 wurde sie als Rabbinerin an die Synagoge Oranienburger
Straße in Berlin berufen.
Das jüdische Gemeindeleben in Weiden wurde in den Nachkriegsjahrzehnten immer
wieder überschattet von antisemitischen Vorfällen, unter anderem wurde um
2000/2002 mehrfach das von der Gesellschaft für christlich-jüdische
Zusammenarbeit errichtete Holocaust-Denkmal in der Weidener Innenstadt
geschändet. 2002 wurden Steine in die Synagoge und in das Geschäft von Familie
Brenner geworfen.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1889 und
1921
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1889: "Offene
Stelle. Für die unter Aufsicht der Königlichen Regierung stehende
israelitische Elementar- und Religionsschule Weiden (Bayern) wird ein
seminaristisch gebildeter, junger, lediger Mann mit guten Zeugnissen als
Lehrer, Schächter und Vorbeter gesucht. Eintritt per 1. August laufenden
Jahres. Gehalt bei freier Wohnung inklusive der Schächtergebühren Mark
1.000. Der Synagogen-Verein Weiden (anerkannter Verein). Josef
Wilmersdörfer, Vorstand".
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1921:
"Die israelitische Kultusgemeinde Weiden (Bayern) sucht per 1.1.1922
einen Schochet (evtl. auch Kantor), dem Gelegenheit geboten ist, sich
einen Nebenverdienst zu verschaffen. Angebote mit Gehaltsanspruch sofort
erbeten an die Verwaltung". |
Anzeige des ersten Lehrer der Gemeinde -
W. Hirnheimer (1892)
Anzeige
in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1892. |
Anzeige von Lehrer Emanuel Strauß (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1901: "Zwei
israelitische Knaben, welche die hiesige Real-, Latein- oder
israelitische Volksschule besuchen wollen, finden noch für das Schuljahr
1901/02 bei dem Unterzeichneten Aufnahme.
Strenge Aufsicht. Gute Verpflegung bei mäßigem
Pensionspreis.
Em. Strauß, Lehrer, Weiden, Oberpfalz." |
Die israelitische Privat-Elementarschule wird in eine
öffentliche Elementarschule umgewandelt (1902)
Anmerkung: mit Lehrer M. Strauß ist (verschrieben?) Lehrer Emanuel Strauß
gemeint.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 30. Dezember 1902: "Weiden, 26. Dezember (1902). Mit
hoher Entschließung der Königlichen Regierung der Oberpfalz und von
Regensburg vom 20. Dezember dieses Jahres wurde die hiesige israelitische
Privat-Elementarschule in eine öffentliche Elementarschule umgewandelt
und die definitive Lehrerstelle dem Lehrer M. Strauß
übertragen." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Hauptlehrer Emanuel Strauß (1922)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1922: "Weiden,
26. Oktober (1922). Am 1. November dieses Jahres werden es 25 Jahre, dass
Herr Hauptlehrer Emanuel Strauß, hier, in der Gemeinde Weiden tätig
ist." |
Beförderung des jüdischen Lehrers
Emanuel Strauß (1930)
Artikel in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 7. August 1930: "Weiden i. Pf., 3. August (1930).
Herr Hauptlehrer Emanuel Strauß, Lehrer an der hiesigen jüdischen
Volksschule, wurde von der Regierung der Oberpfalz ab 1. August zum
Oberlehrer etatsmäßig befördert." |
40-jähriges Amtsjubiläum und 60. Geburtstag von Oberlehrer Emanuel Strauß
(1936)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
15. November 1936: "Oberlehrer Strauß (Weiden) feierte vor kurzem in
aller Stille seinen 60. Geburtstag und gleichzeitig sein 40-jähriges
Amtsjubiläum. Auch ihm sei an dieser Stelle nochmals herzlichst
gratuliert." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen der Manufaktur- und
Konfektionshandlung Ludwig Heller (mit Filiale in Waldsassen) (1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1887: "Ich
suche bis zum 1. oder 15. August für meine Filiale in Waldsassen eine
tüchtige branchekundige Verkäuferin aus Bayern. Solche, die im
Kleidermachen, Weißzeugnähen tüchtig sind, werden bevorzugt. Auch ein
Lehrmädchen aus gutem Hause findet freundliche Aufnahme. Offerten mit
Zeugnisabschriften und Photographie nebst Gehaltsansprüchen sind direkt
an mich zu richten.
Ludwig Heller, Manufaktur und Konfektion. Weiden
(Bayern)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Oktober 1890:
"Ich suche per sofort eine religiöse, tüchtige Köchin, welche den
Haushalt selbstständig zu leiten hat. Auch findet ein Knabe mit guter
Schulbildung Stellung als Lehrling unter günstigen Bedingungen bei
Ludwig Heller, Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft, Weiden
(Bayern)." |
Verlobungsanzeige von Relly Strauss und Moritz Marx
(1928)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1929:
"Relly
Strauss - Moritz Marx. Verlobte.
Weiden / Oberpfalz - Kitzingen am Main - Dezember 1928 - Kitzingen am
Main." |
Verlobungsanzeige von Minni Strauss und Gustav Rosemann
(1934)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1934:
"Statt Karten Minni Strauss - Gustav Rosemann.
Verlobte.
Weiden (Oberpfalz) / Fürth in Bayern, Mathildenstraße 40 -
Hamburg Rappstraße 20 / Bremen, Kleine Allee 19." |
Verlobungsanzeige von Berta Sterzelbach und Dr. Kossy
Strauß (1934)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 8. November 1934:
"Statt Karten
Berta Sterzelbach - Dr. Kossy Strauß Dipl.Ing.
Verlobte
Weiden (Opf.) Birmingham 17 229 Quinton Road / Weiden (Opf.)"
|
Zur Geschichte der Synagoge
Aus dem Mittelalter und aus dem 17. Jahrhundert wird von keinem
Betsaal / einer Synagoge berichtet.
Die seit den 1860er-Jahren zugezogenen jüdischen Familien besuchten zunächst
die Gottesdienste in der Synagoge in Floß. Von
mindestens 1882 bis 1889 wurden die Gottesdienste in einem Betraum im Haus von
Joseph Wilmersdörfer abgehalten (siehe Fotos unten). 1889 konnte ein jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge und Schule erbaut
und eingerichtet werden. Die feierliche Einweihung der Synagoge fand am 20.
September 1889 (Freitag vor Rosch Haschana 5650) in Anwesenheit von Rabbiner
Wittelshöfer aus Floß statt.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November
1889:
"Floß, 21. Oktober (1889). Die Israeliten in Weiden, welche schon
seit zwei Jahren Synagoge und Schule in gemieteten Lokalitäten
unterhielten, besitzen nun ein eigenes Kultusgebäude. Am Freitag vor Rosch
Haschana (Neujahrstag) wurde die geräumige und hübsch ausgestattete
Synagoge eingeweiht. Die Einweihungs-Predigt hielt Herr Rabbiner
Wittelshöfer von Floß und den Gesang
führte Herr Lehrer Wetzler von da mit seinen Schülern aus, da Lehrer
Hirnheimer von Weiden zur Zeit zum Militär einberufen war. Dem jüdischen
Leben in Weiden ist nun eine Zukunft gesichert. Das Verdienst der
Israeliten in Weiden um diesen Bau ist um so anerkennenswerter, da sie
ganz bedeutende Opfer dafür brachten." |
An besonderen Ereignissen in der Geschichte der Synagoge wird 1903
von der Einweihung einer neuen Torarolle berichtet, die Heinrich Bloch
gestiftet hatte:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1903:
"Weiden, 7. Elul (= Sonntag, 30. August 1903). Eine heilige
Veranlassung versammelte heute unsere Gemeinde zu einem von der
Vorstandschaft anberaumten Festgottesdienst in der festlich geschmückten
Synagoge. Anlässlich der glücklichen Geburt eines Mädchens hatte Herr
Heinrich Bloch, der schon des öfteren unsere junge Gemeinde mit
hochherzigen Spenden bedacht, eine neue Sefer Thora (Torarolle)
gestiftet. Nach Beendigung des Morgengottesdienstes wurde die Feier durch
Rezitation des Psalms 19 eingeleitet. Anknüpfend an den Vers: 'Die
Tora hat uns geboten Mose, verehrt an die Gemeinde Jakobs' (5. Mose
33,4) sprach Herr Lehrer Strauß tief empfundene, der feierlichen Stunde
angepasste Worte, verbunden mit der herzlichen Danksagung für das edle
Geschenk. Das neue Sefer (Torarolle), von M. Grünbaum in Fulda
(geschrieben), verdient in jeder Beziehung die vollste Anerkennung." |
1905 musste ein größerer Umbau vorgenommen werden, um
die Sicherheit in dem Gebäude zu erhöhen, da sich zu besonderen Anlässen oft
mehr als 100 männliche und weibliche Personen in dem Betsaal versammelten und
nur eine relativ enge Treppe in den Betsaal führte. Man entschloss sich zur
Anlage eines Notausganges und einer eisernen Nottreppe an der Hofseite. Im
November 1905 war der Umbau beendet.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde von ortsansässigen Mitgliedern
der SA und der SS die Inneinrichtung der Synagoge und fast alle Ritualien zerstört.
Zwei Torarollen konnten gerettet und nach Regensburg verbracht werden. Das Gebäude wurde auf Einspruch des Bürgermeisters nicht niedergebrannt.
Später wurde es verkauft und in ein Geschäftshaus umgewandelt.
Im August 1948 standen fünf der an den Ausschreitungen im November 1938
Beteiligten vor dem Landgericht Weiden. Zwei Angeklagte erhielten
Gefängnisstrafen von einem Jahr und einem Monat beziehungsweise von einem Jahr,
drei wurden freigesprochen. Im Juni 1952 wurde ein weiterer Beteiligten zu einer
Strafe von zehn Monaten Gefängnis verurteilt.
1948 erhielt die jüdische Gemeinde ihren früheren Besitz zurück. Das
Synagogengebäude wurde restauriert. In ihm befindet sich im ersten Stock der
Betsaal mit 70 Plätzen und einer Frauensynagoge; im Erdgeschoss ist unter
anderem das Gemeindebüro und ein Gemeindesaal (für 100 Personen). Auch ein Schulzimmer,
eine koschere Küche und ein rituelles Bad befinden sich im Bereich des
Gemeindezentrums. Pläne für den Neubau eines Gemeindezentrums sind vorhanden.
Adresse/Standort der Synagoge: Ringstraße 17
Fotos
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica III,2 S. 1559-1560. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 198-200. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 289-290. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 156-157.
|
 | Michael Brenner: Am Beispiel Weiden. Jüdischer
Alltag im Nationalsozialismus. 1983. |
 | Sebastian
Schott: "Weiden a mechtige kehile".
Eine jüdische Gemeinde in der Oberpfalz vom Mittelalter bis zur Mitte des
20. Jahrhunderts (Taschenbuch). 631 S. 3. Aufl. 1999. |
 | Verschiedene Artikel aus dem "Mitteilungsblatt des
Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern"
(1986-2007).
|
 | Artikel von Irina Leytus: Portrait der
nordbayerischen Gemeinde Weiden, in der eine Frau auf der Bima steht. 2004. Online
zugänglich (pdf-Datei) oder als html-Seite
(Zentralrat der Juden in Deutschland) |
 | Artikel von Thomas Olivier: "Power unter der
Kippa. Deutschlands einzige Gemeinde-Rabbinerin lehrt und betet in Weiden in
der Oberpfalz vor - Über dem Betraum wölbt sich ein Sternenhimmel.
2005. Online
zugänglich (pdf-Datei). |
 | Paul Spiegel: Grußwort
zum Amtseinführung von Rabbinerin Ederberg.
|
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Weiden S. 309-319 (die Forschungsergebnisse
konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica" noch
nicht eingearbeitet werden).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Weiden Upper Palatinate. Jews
are mentioned in the 14th century and maintained a limited presence on a Jewish
street (Judengasse), still in existence in 1930, until their expulsion in
1640. The modern community dates from the second half of the 19th century. A
Jewish school was opened in 1884 and a synagogue was dedicated in 1889. Jews
dealt in real estate, textiles, pitch, hops, and glassware. In 1933 the Jewish
population numbered 168 (total 22.775). On Kristallnacht (9-10 November
1938) the synagogue was vandalized and dozens of Jews arrested. Between 1933 and
1939, 87 Jews emigrated and 53 moved to other German cities. Of the 12 Jews
remaining in 1941, nine were sent to Piaski in the Lublin district (Poland) on 2
April 1942 and threee to the Theresienstadt ghetto via Regensburg on 23
September 1942.

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