Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Fürth (Mittelfranken)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
  
Hinweis: bitte besuchen Sie auch die von Gisela Naomi Blume erstellte Website: www.juedische-fuerther.de
    

Zu Fürth finden sich bei www.alemannia-judaica.de derzeit  

Eine Seite zur Israelitischen Bürgerschule / Realschule in Fürth (interner Link)  
Eine Seite zur Israelitischen Waisenanstalt in Fürth (interner Link)  
Eine Seite über das jüdische Krankenhaus ("Israelitisches Hospital") in Fürth (interner Link)   
Eine Seite zu den jüdischen Friedhöfen der Stadt (interner Link) 
Eine Seite mit Berichten aus den jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben (interner Link)     
Eine Seite mit Berichten zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde sowie Berichte und Anzeigen zu Gewerbebetrieben in jüdischem Besitz (interner Link)   
Eine Seite mit Berichten über Rabbiner, Lehrer und weitere Kultusbeamte der Gemeinde (interner Link)       
Auf dieser Seite: einige Texte aus jüdischen Periodika zur Synagogengeschichte in Fürth  
sowie einige Fotos zur jüdischen Geschichte der Stadt (siehe unten, Bilduntertexte sind noch teilweise zu ergänzen) 
dazu einzelne Presseberichte:   
- Bericht vom November 2009 über Henry Kissinger, die jüdische Geschichte in Fürth und das Jüdische Museum  

Ansonsten verweisen wir auf weitere Informationen über folgende Links: 

Website der Stadt Fürth mit Informationsseite zur jüdischen Geschichte in der Stadt    
Website "1000 Jahre Fürth" mit zahlreichen Unterseiten, auf denen sich Bezüge zur jüdischen Geschichte finden - unter anderem: 
Seite zu Jakob Henle in der Website "1000 Jahre Fürth"
  
Die bestehende jüdische Gemeinde in Fürth hat - soweit bekannt - noch keine Website  
Seite zur jüdischen Geschichte in Fürth bei www.br-online.de 
Link zum Jüdischen Museum Franken in Fürth & Schnaittach    
Seiten des Altstadtvereins St. Michael in Fürth zu den Synagogen in Fürth und zu den Juden in Fürth 1792-1914 
Seite zur Synagoge in Fürth ("Tagebuch der Stadt Fürth")
Fotoseite zur Pogromnacht in Fürth im November 1938  

   
   
   
Texte zur Geschichte der Synagogen in Fürth  
aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts  
   
Über die ältesten Einrichtungen der jüdischen Gemeinde in Fürth (kurzer Bericht von 1936)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1936: "1582 wohnten 200 jüdische Seelen in Fürth. 1607 bestand ein jüdischer Friedhof. 1616 wurde die Haupt- oder Altschul erbaut. Diese Synagoge hatte mancherlei wechselvolle Schicksale. Im Schwedenkrieg wurde sie in einen Pferdestall verwandelt. Feuer suchte sie wiederholt heim. 1680 schlug der Blitz ein. Bereits 1697 musste eine zweite Synagoge - die Kahalschul - erbaut werden. Schon 1640 bestand ein Judenspital".  

    
    
Hauptsynagoge   
Die Einrichtung einer Orgel in der Synagoge wurde genehmigt (1848) 
     

Fuerth AZJ 20031848.jpg (134973 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. März 1848: "Aus Bayern, 2. März (1848). Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zu Fürth hat auf sein Ansuchen von dem Kultusministerium die Erlaubnis zur Aufstellung einer Orgel in der dortigen großen Synagoge, der sogenannten Altschule, erhalten. Die gegebene Genehmigung hat zwei erfreuliche Seiten: 1)  berechtigt dieser spezielle Fall zu dem Schlusse, dass jetzt - wie gern die Partei des Zionswächters es sich und anderen verhehlen möchte - ein ganz anderer, freierer und besserer Geist bei den obersten Verwaltungsbehörden rücksichtlich der Reform des Judentums walte, als dies in dem letzten Jahrzehnt der Fall gewesen; 2) dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, es habe im Allgemeinen eine liberale und duldsame Gesinnung gegen die Synagoge oder deren öffentliche Stellung im Staate Platz gegriffen. Das Ministerium Wallerstein selbst war es, welches vor ungefähr 15 Jahren auf die intolerante Anklage der protestantischen Generalsynode den Rabbinen das Tragen eines Baretts und weiten Chorrockes untersagte. Und auf welche Gesetz stützte sich dieses Verbot? Auf den § 25 des Religionsedikts, welcher wörtlich lautet: 'Den Privatkirchengesellschaften ist aber nicht gestattet, sich der Glocken oder sonstiger Auszeichnungen zu bedienen, welche Gesetze oder Gewohnheit (sic!) den öffentlichen Kirchen angeeignet haben.' Ließe sich nicht und vielleicht mit noch größerem Rechte und geringerer Sophistik aus diesem Gesetze das Verbot einer Orgel in der Synagoge ab-      
Fuerth AZJ 20031848a.jpg (213722 Byte)leiten? Die Orgel wurde gestattet und wir freuen uns mit diesem Beweise einer freisinnigern Gesinnung gegen die Synagoge umso inniger, als nach den Berichten politischer Zeitungsorgane das erwähnte Religionsedikt einer Umarbeitung unterworfen werden soll und dann hoffentlich manches die Synagoge drückende und herabwürdigende Gesetz aufgehoben werden mag. Der Staat muss zur Einsicht kommen, dass die religiös-sittliche Wirksamkeit innerhalb der Synagoge vielfältig gestört und gelähmt ist, so lange das Judentum nur als eine geduldete Privatkirchengesellschaft ohne alle korporative Rechte betrachtet und behandelt wird. - Wenn wir nicht zweifeln, dass der Vorstand des Fürther Kultusvereins in baldiger Zeit zur Aufstellung der Orgel in dortiger Synagoge Anstalt treffen werde, so möge man uns den Wunsch nicht verargen, es möchte endlich einmal für bessere Erbauung und Belehrung der Synagogengemeinde durch Einführung deutscher Gebete und öfteres Predigen Sorge getragen werden. Unter dem Ministerium Abel stand in Fürth auf Antrage der Ultra-orthodoxen der Einführung deutscher Gebete wie jeder liturgischen Reform überhaupt der höchste Befehl entgegen, dass der status quo aufrecht zu halten sei. Möglich, dass während dieser Periode dem Rabbiner Dr. Löwi auch die Lust zu predigen vergangen sei. Dem ist abgeholfen und es ist höchste Zeit, dass dem deutschen Elemente in dem Kultus ein weiterer Boden bereitet werde. In einer so zahlreichen Gemeinde wie Fürth, in welcher der bei Weitem größte Teil sich der Reform anhänglich zeigt und die Gegner der Reform ihre eigenen Synagogen besuchen, sollen das ganze Jahr nur 10-15 Predigten gehört werden, obwohl die Gemeinde in dem Rabbinen einen anerkannten Redner besitzt und dem Rabbinen in der Person des Talmudlehrers Heidegger ein Gehilfe beigegeben ist.! Es muss wiederum dahin kommen, wie es in alten Zeiten seit Esra's Tagen Sitte war, dass in allen Synagogen sabbatlich ein Vortrag gehört werde, damit die Belehrung nie zurückstehe, und dass Gebete in der Landessprache eingeführt werden. Freilich muss dann der Gottesdienst auf andere Weise abgekürzt werden, wozu aber die gesetzlichen Mittel gegeben sind. Genug für heute über diese Materie! - Seitens des Fürther Magistrats soll, wie nicht anders zu erwarten stand, ein sehr günstiger Bericht über die politische und bürgerliche Stellung der Juden ab-    
Fuerth AZJ 20031848b.jpg (80259 Byte)gegeben worden sein. Übrigens hat die dortige Gemeinde ihre Wünsche und Vorschläge in sehr umfassender Darstellung auch unmittelbar den Ministerien vorgelegt. - Auch das Landgericht Werneck in Unterfranken soll sich sehr human ausgesprochen haben. Dagegen soll leider der Bericht des Landgerichtes Sulzbach in der diesseitigen Pfalz sehr intolerant lauten. Der Referent dieses Gerichtes, der nie Etwas umsonst - tut, hatte auch hier seine guten Gründe. Männer dieses Schlags verlieren Nichts bei dem Fortbestand der Exzeptionsgesetze für Juden. Besser - denken diese Herren - der Jude gebe recht, als dass ihm Rechte gegeben werden..."   

   
In der Hauptsynagoge wurde eine Orgel aufgestellt (1851)   

Fuerth AZJ 15121851a.jpg (69960 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Dezember 1851: "Aus Mittelfranken, Ende November (1851). Seit den letzten Festtagen befindet sich in der Hauptsynagoge zu Fürth eine Orgel, bei deren erstmaligen Gebrauche Rabbiner Dr. Löwi ein sehr erhebendes deutsches Weihegebet verrichtet haben soll. Die dortigen Gemeindewahlen sind ganz im Sinne und nach dem Willen der Fortschrittspartei, die dabei mit vieler Umsicht verfahren, ausgefallen. Der neue Vorstand soll mit allerlei Planen bezüglich der Leistungen in Synagoge und Schule schwanger gehen. - Auch bayerische Israeliten, die Häuser Heilbronn und Hechinger in Fürth, sind von der Preisjury der Londoner Industrieausstellung mit Medaillen für Glasarbeiten bedacht worden."           

  
In der Hauptsynagoge soll eine "rechte" Orgel aufgestellt werden (1852)  

Fuerth AZJ 22031852.jpg (183487 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. März 1852: "Aus Bayern, Anfangs März (1852). Aus der Hauptsynagoge zu Fürth ist die Orgel oder eigentlich das Elodikon (= Harmoniuminstrument) - denn das war es nur - weil die Gemeindebevollmächtigten den Ankauf nicht genehmigten, wieder entfernt worden. Sie wollen eine rechte Orgel, zu deren Aufstellung es jedoch an Raum, wenngleich nicht an Mitteln fehlen wird. Denn durch die Übersiedlung reicher Landbewohner dorthin wachsen die Einnahmen an und der Wohlstand ist dort an sich in erfreulicher Zunahme. Gelegenheitlich will ich erwähnen, dass die dortige Gemeinde ganz nach dem allgemeinen Gemeindeedikt organisiert und von den Behörden behandelt wird, während alle anderen israelitischen Kultusgemeinden sich selbst überlassen und von unten und oben rein willkürlich behandelt werden. Man weiß schlechterdings nicht, was Rechtens ist. - Die Kantor- und Religionslehrerstelle wird Herrn Ebert aus Bayreuth zuteil werden, auf den es von vornherein allseitig abgesehen war, und er ist ihrer würdig. Nur hätten die Fürther vielen anderen Bewerbern Mühe und Kosten ersparen sollen. 
Bezüglich des Güter- und Unterhandels dabei hat die Regierung von Schwaben und Neuburg ein neues beschränkendes Reskript erlassen, das die von Unterfranken zur Nachachtung bekannt gab. In der nächsten Zeit muss die allerhöchste Stelle in einem vorkommenden Fall die Frage auf dem Administrativwege definitiv entscheiden. 
Die von gewisser Seite bei der allerhöchsten Stelle angeregte und mehreren Rabbinen zur Begutachtung vorgelegte Frage: ob die Religionslehrer künftig ein Seminar besuchen sollen? ist von vielen derselben entschieden bejaht worden. Die Bambergers werden sie verneinen...
In den Kammerverhandlungen fiel kürzlich, freilich aus dem Munde einer gewissenlosen Persönlichkeit, unerwidert von zwei Abgeordneten jüdischen Glaubens, in bekanntem verächtlichen Sinn, der Ausdruck 'Judenwirtschaft', welche die Landbewohner mit zu Grunde richte. Wir meinen, man sollte nie ungerügt das Wort Jude gleichbedeutend mit Betrüger etc. oder gar im Gegensatz zu Christ gebrauchen lassen. Die Allgemeine Zeitung des Judentums hat mit Riessers 'Juden' hier Bahn gebrochen. .."         

   
In Fürth bestehen sechs Synagogen (1866)     

Fuerth Israelit 29081866.jpg (201148 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1866: "Fürth (Bayern), im August (1866). Zu meinem jüngsten Berichte über die hiesige Waisenanstalt habe ich Folgendes zu ergänzen: Abschnitt auf Seite zur Geschichte der Waisenanstalt wiedergegeben.   
Zum Synagogenwesen übergehend, bemerkte ich, dass der Andacht sechs israelitische Gotteshäuser offen stehen, wovon die Hauptsynagoge, gleichzeitig der Sitz des Herrn Rabbiners und dessen Substituten, und die Spital-Synagoge ihren Gottesdienst in ziemlich neolo0ger Weise und mit Weglassung der Piutim verrichten, während die übrigen nach orthodoxem Ritus beten. Durch die bedeutende Vermehrung der hiesigen Gemeinde in Folge der Erleichterung in der Ansässigmachung und der damit verbundenen größeren Anzahl von Heiraten ergab sich die Notwendigkeit zur Erweiterung der Hauptsynagoge. Diese Umgestalten wurde denn auch im ausgedehnten Maße vorgenommen, und mit einem Kostenaufwande von circa 50.000 Gulden ein prachtvolles, auch in seinem Innern in jeder Hinsicht stattliches Gebäude hergestellt, welches jedoch mehrere architektonische Mängel, die sich teils erst während des Baues herausstellen, aufzuweisen hat, und unter welchen besonders hervorzuheben, dass dasselbe ziemlich finster ist; im Winter muss man sich sogar bei Abhaltung des Morgen-Gottesdienstes des Gaslichtes bedienen. Ich will jedoch diese Gehler übergehen, denn sie verschwinden gegen den Hauptfehler, es fehlt der Synagoge an - Besuchern. Außer bei den nicht allzu häufigen Predigten des Herrn Dr. Löwi, die wegen allgemein bekannter feuriger Beredsamkeit, verbunden mit einem schönen Vortrage, viele Besucher anlocken, ist das Gottesdaus nur noch an den höheren Festtagen gut besetzt; an gewöhnlich Sabbaten sind die Besucher der 324 Männer- und 310 Frauen-Sitze fassen-    
Fuerth Israelit 29081866b.jpg (169849 Byte) den Synagoge recht spärlich vorhanden, und an Wochentagen finden sich fast nur Trauernde und gedungenes Minjan darin. Diese Teilnahmslosigkeit so bald eintreten zu sehen, hätte man bei der am 15. September vorigen Jahres feierlichen und wahrhaft glänzenden Einweihung nicht vermutet, als vor einer dicht gedrängten, aus allen Konfessionen bestehenden Menschenmasse unter zahlreicher Beteiligung sämtlicher Gerichts- und Magistratsbehörden, der Geistlichkeit und sonstiger Honoratioren, Herr Dr. Löwi die später dem Drucke übergebene Einweihungspredigt hielt, und die erhebenden Klänge von Musik und Gesang, sowie die herrliche Gasbeleuchtung von circa 300 Flammen die Begeisterung der Anwesenden hervorriefen. 
Doch, nicht der pompöse, erhabene Weiheakt, nicht der prächtige Tempel. nicht der schöne Chorsang, nicht der klangvolle erhebende Vortrag des Kantors, nicht die Ausschmückung mit aller Pracht und Glorie beredte Predigt - kurz Alles, was die moderne Synagoge bietet - vermag den Zweck des Gotteshauses zu erreichen, sondern in der Tat wird ein Gottestempel erst dann erhebend sein, wenn er besucht ist, wenn Männer, Frauen, Greise, Kinder seine Räume füllen, die Alle einstimmig und andächtig Ihre Gebete, zum Throne Gottes aufsteigen lassen die Alle ihren Dank an seinen Altären niederlegen in Tagen der Freude, ihren Grab dort ausschütten in Stunden der Betrübnis, bald den Gesang von ihren Lippen, bald die Träne aus ihrem Auge fließen lassen, und sich in gottergebenem Gemüte zur Andachtsstätte herangezogen fühlen: 'nicht mit Macht noch mit Gewalt, sondern durch meinen Geist habe ich gesprochen, der Herr Zebaoth
Die Eröffnung der längere Zeit geschlossenen Eissig-Schule durch Veranlassung der Herrn Isaac David Heumann (Tachauer), eines Mannes, der durch seine innige, ungeheuchelte Frömmigkeit, unerschütterliche Glaubenstreue, unbegrenzte Wohltätigkeit und seine Gastfreundschaft überall die größte Achtung genießt, wurde in ihrem geschätztem Blatte früher Erwähnung getan. Möge der Allgütige diesen würdigen Mann unserer Gemeinde, für deren Wohl er Tag und Nacht rastlos arbeitet, noch viele Jahre erhalten. S.H."      

   
Trauergottesdienst für den verstorbenen König Ludwig I. in der Hauptsynagoge (1868)
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1868: "(Fürth). In der hiesigen Haupt-Synagoge fand am 19. März ebenfalls ein feierlicher Trauergottesdienst für den verstorbenen König Ludwig I. von Bayern statt, welcher mit einem einleitenden Gesang begann, worauf dann Herr Kantor Ebert ein gut gewähltes, passendes Solo rezitierte, und Herr Dr. Levi die Trauerpredigt hielt. S.H."    

  
Der Einbau einer Orgel in die Hauptsynagoge ist entschieden (1872)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1872: "Fürth, 23. September (1872). Die seit längerer Zeit schwebende Frage wegen Einführung der Orgel in hiesiger Hauptsynagoge (Altschul) ist nunmehr zu Gunsten derselben entschieden worden. Man hatte aus Opportunitätsgründen davon abgesehen, aus Gemeindemitteln die Kosten aufzubringen; diese würden von einem hierzu bereits konstituierten Komitee gedeckt werden. Die Orgel wird bis künftigen Pessach aufgestellt werden. Somit wäre der Gottesdienst, zu dessen Verherrlichung an Feiertagen bisher Chor mit Musikbegleitung mitwirkte, ein geregelter, den Ansprüchen der Zeit entsprechender, ohne dass dabei zu befürchten wäre, dass durch die Einführung dieses Instruments ein größerer Zwiespalt zwischen den beiden Parteien, eine Gefahr für die Einheit der Gemeinde entstehen werde, welche Gefahr bei etwaiger Anschaffung der Orgel aus Gemeindemitteln nicht unwahrscheinlich hätte sein können.
Unsere Gemeinde hatte dieser Tage einen schmerzlichen Verlust um ein würdiges Gemeindeglied. Herr Dr. Carl Feust, Regierungsadvokat und Ritter des Verdienstordens vom heiligen Michael erster Klasse, verstarb im 74. Lebensjahre. Derselbe, einer der ersten jüdischen Rechtsanwälte in Bayern, war wegen seiner eminenten Kenntnisse und der Makellosigkeit und Größe seines Charakters eine auch in weiteren Kreisen hochgeschätzte Persönlichkeit. Ein Beweis, in welchem hohen Ansehen der Verblichene in allen Kreisen hiesiger Bevölkerung stand, war die zahlreiche Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse, dem auch die Spitzen der städtischen und königlichen Behörden in Amtstracht beiwohnten. In der von Herrn Dr. Neubürger, dem Substituten des Herrn Rabbiners Dr. Löwy, gehaltenen Leichenrede wurden gleichfalls die Verdienste des Dahingeschiedenen genugsam gewürdigt, und so viel mir aus zuverlässiger Quelle bekannt ist, wir ein ausführlicher Nekrolog Feust's demnächst erscheinen.  
Von den zur Verteilung gelangenden Kriegsdenkmünzen für Zivilpersonen kamen drei an den Zweighilfsverein in Erlangen, darunter eine an Universitätsprofessor Dr. Herz, welche wegen seines inzwischen erfolgten Ablebens an dessen Erben ausgehändigt wird."         


Die neue Orgel in der Hauptsynagoge wird eingeweiht (1873)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1873: "Fürth, im April (1873). In Nummer 40 der Allgemeinen Zeitung des Judentums von 1872 berichtete ich über die Einführung der Orgel in hiesiger Hauptsynagoge. Freitag, den 11. dieses Monats erklangen nun zum ersten Male die Töne derselben beim öffentlichen Gottesdienste, und siehe da - die Synagoge ist nicht nur nicht eingestürzt, sondern war vielmehr sowohl an diesem Vorabende des Pessach, als auch an den beiden folgenden Festtagen, stärker als je um diese Zeit gefüllt. Ob dieser Frequenz eine Dauer zu prognostizieren ist, wird erst die Zeit lehren müssen, wir sind nicht allzu optimistisch dafür gestimmt. 
Besonderes Verdienst um die zur Erweckung religiöser Gefühle und zur Verherrlichung des Gottesdienstes dienende Orgel hat sich der Mitvorstand, Herr Bernhard Ullmann, erworben, durch dessen rastlose Tätigkeit die schon so lange schwebende Orgelfrage einem gedeihlichen Ziele zugeführt wurde. Herr Substitut Dr. Neubürger benützte diese Gelegenheit, um demselben und Allen, die das Werk gefördert haben, in der am ersten Tage des Pessach gehaltenen Predigt gebührenden Dank zu zollen, und sprach dann anknüpfend in sehr gelungener Weise über 'die gedankliche Durchdringung des Judentumes mit der fortgeschrittenen Entwicklung der Neuzeit', besonders betonend, dass der Kultus des Idealen die Hauptaufgabe der Religion sei, und es Aufgabe der Jetztzeit wäre, diese große, schwierige Arbeit zu vollziehen. Redner will den ewigen Lehr- und Sittengehalt des Judentums mehr gepflegt und gefördert wissen, bezeichnet ihn als dessen Wesen und Ziel, statt, wie dies vielfach geschieht, zur Erhaltung desselben die unbedingte Beobachtung von Zeremonien etc. zu betonen. Die am zweiten Tage des Pessach gehaltene Predigt schloss sich der ersten würdig an, und handelte von der 'Wiedereinführung der Grundlagen früherer Zeit im öffentlichen Gottesdienste.'
Man wird nun jetzt mit Reform des Letzteren hier vorgehen müssen. In unserer Zeit hat sich in religiöser Anschauung und in ihrer Geschmacksrichtung Großes verändert, und so muss auch der Kultus notwendig andere Formen annehmen, um für die Beteiligten den rechten Ausdruck ihrer Überzeugung darzubieten. Verkürzung des Gottesdienstes und Verbindung der hebräischen mit der Landessprache im Letzteren werden die leitenden Grundsätze sein müssen, von denen man dabei auszugehen hat, und wir hoffen von unseren strebsamen Vorständen, dass sie in diesem Sinne wirken werden, und dadurch zwischen den Ideen, die sich innerhalb des Judentumes in der Gegenwart immer mehr Raum schaffen, und der wirklichen Erscheinung des Judentumes, die Übereinstimmung und den Zusammenhang auch in hiesiger Gemeinde immer mehr herstellen."            

 

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Januar 1884: "Fürth, 31. Dezember 1883). Um in die hiesige Hauptsynagoge zu gelangen, muss man eine Vorhalle passieren, durch welche der Eingang in das eigentliche Gebäude führt. An dieser Vorhalle ist ein Opferstock angebracht, der dieser Tage, so diebesfest er auch schien, von ruchloser Hand erbrochen und des Inhalts beraubt worden ist. Die Leerung erfolgt gewöhnlich um die Chanukka-Zeit, als Inhalt ergab sich bisher etwa einige hundert Mark. Der gleiche Betrag dürfte auch diesmal in die Büchse von Wohltätern gelegt worden und den Dieben, die selbst vor der Heiligkeit des Ortes nicht zurückschreckten, in die Hände gefallen sein."        


Die Hauptsynagoge wird wieder eingeweiht (1925)   

Fuerth JuedlibZtg 01051925.jpg (162620 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 1. Mai 1925: "Fürth in Bayern. Nach umfangreichen Erneuerungsarbeiten konnte die Hauptsynagoge am ersten Pessachtage wieder ihrer Bestimmung übergeben werden. Nach Einbau der Zentralheizung ist die gesamte Inneneinrichtung einer überaus verständnisvollen Renovierung unterzogen worden. Die Leitung lag in den Händen des Architekten Kohler, der sich seiner Aufgabe mit großem Geschicke entledigt hat. Die Farbengebung ist sorgfältig abgetönt. Estrade, Kanzel und heilige Lade haben besonders wirksame Gestaltung erhalten, und die Orgel hat ebenfalls reichere Modulationsfähigkeit empfangen. Am ersten Pessachtage erstrahlte die Synagoge im vollen Glanze ihres neuen Schmuckes. Mächtig durchbrausten die Klänge der Orgel die weiten Räume, und der auf der Grundlage des Nürnberger Gebetbuches reorganisierte Gottesdienst verfehlte seines tiefen Eindruckes nicht. Künstler und Mitarbeiter, Kantor, Chor und Organist verdienen hohe Anerkennung für ihr Werk. Besonders groß aber ist das Verdienst der Gemeindeverwaltung, die unter großen Opfern, unter liebevoller Hingebung an ihre Aufgabe, ein bleibendes Denkmal durch dieses Werk sich errichtet hat. Dem Dank über diese schöpferische Tat, über diese bedeutsame Stunde in der Geschichte der Gemeinde Fürth halt die Textpredigt des Rabbiners Dr. Behrens am 1. Pessachtage."    

    
    
Klaus-Synagoge   
Zur Geschichte der Klaus-Synagoge (1867)
  

Fuerth Israelit 18121867.jpg (267952 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1867: "Fürth. Wir haben letzthin angedeutet, dass uns Notizen über die Stiftung der hiesigen Claus-Synagoge vorliegen und schreiten nunmehr zu deren Veröffentlichung, die nicht ohne allgemeines Interesse sind, zumal nur wenige hievon unterrichtet sein dürften. Der Gründer der 'Claus-SynagogenÄ war Rabbi Bermann Fränkel, rabbinisch Gelehrter und Kabbalist, gestorben 5476 (1676) - der die Rabbinate Schnaittach und Schwabach bekleidete, - welch' letzterem alle jüdischen Gemeinden der früheren Markgraftums Ansbach, außer Fürth, einverleibt waren; jedoch in Fürth wohnte und als Vorstand und Lehrer der hiesigen Talmudschule sowie als Rabbinats-Vereser fungierte. Hebräischer Titel: Aw Bet Din - Vorsitzender des Rabbinatsgerichtes - und Vorstand der Jeschiwa.   
Fränkel war mit dem Besitze irdischer Güter reich begabt und im Gegensatze zu der heutzutage unter der Menschheit so sehr verbreiteten Ansicht, dass im Reichtum allein der Adel des Menschen liege, für die Fortbildung des Geistes und des Herzens, für das Wohl der menschlichen Gesellschaft sehr bedacht, indem er nicht nur den Unterhalt vieler Talmudschüler bestritt, sondern sich es angelegen sein ließ, auch in Zukunft Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit zu befürworten. Er stiftete zu diesem Zwecke ein geräumiges Haus, errichtete daselbst eine Synagoge nebst Wohnung für den Vorsänger und Diener, und stiftete in der Synagoge selbst mehrere Torarollen, kostbare Vorhänge, prachtvolle silberne Ritualien und dann noch ein besonderes Zimmer als Beth Hamidrasch. Gleichzeitig setzte er ein bedeutendes Kapital aus mit der Bestimmung, aus den Zinsen die Gebäude zu unterhalten, einen Vorsänger und Diener anzustellen, und Licht nebst Heizung für die im Beth HaMidrasch Studierenden herbeizuschaffen. Bis etwa zum Jahre 1837 sind daselbst in der Tat weder die Lichter bei Nacht erloschen, noch war während des Winters der Ofen erkaltet. Es ist dies auch die einzige Stiftung, welche in den bekannten Vorfällen der 30er-Jahre nicht geschlossen wurde, und ist dies nur der energischen Verwendung eines Urenkels des Stifters, Rabbi Wolf Hamburger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen zuzuschreiben, welcher sich mit außerordentlicher Mühe und Entschiedenheit für den Fortbestand der 'Claus-Synagoge' verwendete, und auch die dazu gehörige Bibliothek wesentlich bereicherte. letztere ist jedoch seit jüngster Zeit sehr defekt geworden. Ich ergreife diese Gelegenheit, Herrn Rabbiner Neckarsulmer, welcher mich bei meinen bezüglichen Forschungen bereitwilligst unterstützte, meinen aufrichtigsten Dank zu zollen und zugleich dessen Vorträge näher zu erwähnen, welcher derselbe seit ca. 3/4 Jahr in der 'Claus-Synagoge' hält. Diese sind exegetischen, religiösen und sittlichen Inhalts, basiert auf die mosaisch prophetischen Grundlehren, deren praktische Anwendung auf das Leben sie erörtern, hie und da von der Hagada getragen. Es ist bereits in hiesigen Zeitungen dieser Vorträge unter Ermunterung des bisherigen Strebens rühmlichst erwähnt worden, und indem ich auch an dieser Stelle die denselben gebührende Vollste Anerkennung hiermit ausspreche, glaube ich, besonders dabei hervorheben zu sollen, dass Herr Neckarsulmer ohne alle schriftliche Notiz in einem nur in Gedanken gefassten Entwurf frei vorträgt. Möge es diesem würdigen Priester im Dienste der Menschheit und der Nächstenliebe, den nur innerer Herzensdrang dazu bewegt, das Salböl der Weihe auszugießen, vergönnt sein, noch viele Jahre mit einem Herzen voll edler Pläne und gottgefälliger Vorsätze seine Kräfte diesen edlen Zwecken zu widmen. S.H."            

   
   
   
Fotos  

Rathaus 
mit Hinweistafel 
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  Im Rundgang "Orte der Verfolgung und des Gedenkens" wird beim Rathaus darauf hingewiesen: "Während der NS-Zeit diente 
das Rathaus als Koordinationsstelle für antijüdische Maßnahmen. Von hier aus organisierte Stadtrat Hans Sandreuther die 'Arisierung' 
und Zwangsverkaufsbeurkundungen von rund 570 Liegenschaften in Fürth und Umgebung zu 10 % des Einheitswertes. 
Städtische Bedienstete verwerteten die persönliche Habe der deportierten Fürther Juden zugunsten des Reichs und versorgten 
Theater, Altersheim und Wohlfahrt mit günstigen Einrichtungsgegenständen". 
   
Helmstraße mit Erinnerungen 
an die jüdische Geschichte
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  Blick in die Helmstraße, links das Geburtshaus von Jakob Henle (s.u.) Spur einer Mesusa an einem ehemals jüdischen Wohnhaus
     
Gedenktafel am Geburtshaus von 
Jakob Henle in der Helmstraße 9
vgl. zu seiner Person 
Artikel bei Wikipedia 
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  Hinweistafel: "In diesem Hause wurde der große Anatom und Lehrer Robert Kochs Professor Jakob Henle am 19. Juli 1809 geboren. 
Er starb am 13.5.1885 in Göttingen".
Henle war Sohn einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie in Fürth. Er war Professor für Anatomie und Physiologie seit 1840 in Zürich, 
1844 in Heidelberg, 1852 Göttingen (hier Leitung des Instituts für Anatomie, zahlreiche Veröffentlichungen). 
Das KfH-Dialysezentrum Fürth ist nach ihm benannt: "Jakob-Henle-Haus".
         
 Das jüdische Museum       
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Das Jüdische Museum schräg gegenüber dem Rathaus mit Cafe und jüdischer Buchhandlung.
   
Der "Schulhof" - bis 1938 Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt   
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 Zwischen Mohren- und Königstraße lag mehr als 400 Jahre lang des Zentrum des jüdischen Lebens in Fürth. Der ursprünglich mit einer Mauer umgebene Schulhof umfasste vier Synagogen, Talmudlehrhäuser,
 ein rituelles Schlachthaus und Ritualbäder. Beim Novemberpogrom 1938 wurden drei der Synagogen niedergebrannt, die vierte demoliert. Bis Ende 1939 wurden die Ruinen beseitigt. 
Nach 1945 verkam das Grundstück zu einem Schuttabladeplatz und wurde schließlich zu einer Parkfläche umgestaltet. In den 1980 wurden Wohnungen auf dem Gelände erbaut.
 Seit 1986 erinnert das Denkmal des japanischen Bilderhaus Kunihiko Kato an den zerstörten Schulhof. 
     
    
Die ehemalige 
Israelitische Waisenanstalt
Weiteres siehe Unterseite 
Fuerth Stadt 124.jpg (78246 Byte) Fuerth Stadt 121.jpg (80942 Byte)
      Zur Geschichte der Israeltischen Waisenanstalt siehe Unterseite
     
  Fuerth Stadt 122.jpg (71400 Byte) Fuerth Stadt 123.jpg (63044 Byte)
  Eingangsportal   Hinweistafel: "Gegründet 1763 - 
Neu erbaut 1868 - Erweitert 1884"
   
     
Das Gebäude der ehemaligen
 Buchdruckerei von 
Albrecht Schröder 
in der Rosenstraße 12 
 Fuerth Stadt 120.jpg (77863 Byte)   Fuerth Schroeders Druckerei 120.jpg (169932 Byte)
    Bereits seit Ende des 17. Jahrhunderts gab es eine erste hebräische Druckerei in Fürth (1691 von Josef ben Salomon Fromm gegründet). 
Von 1737 bis 1868 bestand die Druckerei von Vater und Sohn Zirndorfer. Um 1868 übergab Itzig Zirndorfer seine Druckerei an Albrecht Schröder 
(zunächst in der Schindelgasse 10, später - siehe Foto oben) in der Rosenstraße 12.    
     
Das Gebäude der ehemaligen 
Israelitischen Realschule 
in der Blumenstraße 31
Weiteres siehe Unterseite  
Fuerth Stadt 126.jpg (77083 Byte) Fuerth Stadt 125.jpg (66795 Byte)
    Die Jüdische Realschule (später Israelitische Bürgerschule) wurde 1862 gegründet. 
1939 wurde sie zwangsweise geschlossen. Seit 1945 befinden sich in dem Gebäude 
Wohnungen und Büros der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth (IKG Fürth). 
Auf dem Foto rechts ist die Mesusa rechts der Eingangstüre zu sehen. 
      
      
Im jüdischen Museum      
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 Modell der 1617 erbauten und 1938 zerstörten Fürther Hauptsynagoge
 
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  Mittelalterliche Funde: Holzteller aus 
dem jüdischen Viertel in Nürnberg;
 Dreibeingefäß aus Bad Windsheim und
 Damenschuh aus Nürnberg 
  Grabstein aus Rothenburg ob der Tauber
 (1275; Leihgabe des Reichsstadtmuseums
 Rothenburg ob der Tauber)
  
Wiener Memorbuch der Fürther
 Klaus-Synagoge. Wien und Fürth 
1633-1932
  
     
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Tora-Aufsätze 
(Rimmonim)
Tora-Zeiger (Jadim) aus dem 
19. Jahrhundert 
 Hebräische Taschenkalender aus Fürth,
 Rödelheim und Sulzbach
 (18. und 19. Jahrhundert)  
     
     
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  Im Hintergrund Besamim-Büchsen,
 Hawdala-Kerzen, Kiddusch-Becker,
 darunter Berches-Teller 
Rinder-Schächtgerät aus Eisen 
(um 1925) - aus einer 
Zirndorfer Metzgerei   
 Einzelblatt eines Machsor (Gebetbuch) 
aus dem 15. Jahrhundert (aus 
der Genisa Reckendorf)
     
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Machsor (Gebetbuch) für das
 Laubhüttenfest (Sulzbach 1836) mit
 Darstellung des Hochana-raba-Umzuges   
   Urkunde zur Verleihung des
 Ehrenbürgerrechts an 
Heinrich Berolzheimer (1904)  
Kommerzienrat Heinrich Berolzheimer  
(1836 - 1906), bekannter Fürther 
Unternehmer, großzügiger Stifter  
     
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 Historische Laubhütte im Museumsgebäude - das Dach ließ sich zu Fest öffnen, 
um im Freien sitzen zu können  
Charakteristische 
Sabbat-Lampe 
   
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 Der Tora-Schrank (um 1950) mit den von den "Löwen Judas" flankierten Gebotstafeln stand in der privaten Betstube des Rabbiners David Spiro. 
Der Toravorhand trägt die Inschrift "Geschenk des unverheirateten Jizchak Hillel Feuer aus Brooklyn zum Gedenken an die Seele 
seines Vaters Nachum Arieh, Sohn des Zeh, sein Andenken sei zum Segen, gestorben am 8. Nissan (5)712)" (= 3.4.1952)    
 
      
Die Mikwe im Keller 
des Gebäudes
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Einzelne Presseberichte  

November 2009: Bericht über Henry Kissinger, die jüdische Geschichte in Fürth und das jüdische Museum  
Artikel von Andreas Steibel in  den "Stuttgarter Nachrichten" vom 27. November 2009 (Artikel):     
"Damals in Fürth. Heinz war ein begeisterter Fußballspieler. Er bolzte und grätschte und versäumte kein einziges Spiel seiner Mannschaft. Selbst als er auswanderte in ein fernes Land, wo Fußball keine Rolle spielte, ließ er sich mit den aktuellen Ergebnissen seiner Jugendmannschaft versorgen. Pünktlich jeden Montag mussten sie auf dem Schreibtisch liegen und noch heute, mit über 85 Lebensjahren, schlägt sein Herz höher, wenn der Verein in Deutschland wieder einmal gespielt hat. 
Die Geschichte von Heinz, dem Fußballfan, wäre wohl eine unter vielen geblieben, wäre aus ihm in Amerika nicht Henry, der Außenminister, geworden: Henry Kissinger, Nobelpreisträger und Sohn jüdischer Eltern, musste im Juli 1938 mit seiner Familie die geliebte Heimatstadt Fürth verlassen. In den USA brachte er es bis an die Spitze der Weltpolitik, in Fürth immerhin zum Ehrenbürger und Ehrenmitglied der Spielvereinigung, die ihm vor zehn Jahren eine Dauerkarte auf Lebenszeit schenkte. Henry Kissinger ist der berühmteste aller Juden aus Fürth, aber beileibe nicht der einzige, der es im Leben zu etwas gebracht hat. Leopold Ullstein, der Verleger, Jakob Wassermann, der Schriftsteller, Adolph Ochs, der Gründer der New York Times: Sie alle haben in Fürth an der Pegnitz ihre Wurzeln. Hier, im Schatten der großen Reichsstadt Nürnberg, war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine der größten jüdischen Gemeinden Süddeutschlands entstanden.
Den Schatten des großen Nachbarn haben die Fürther nie ganz verdrängen können. Erst kürzlich hat ihnen im direkten Duell der 1.F.C. Nürnberg wieder einmal den Aufstieg in die erste Liga vermasselt, und deshalb muss Henrys Spielvereinigung eine weitere Saison in der zweiten Spielklasse ausharren. Zweitklassig sind die Fürther auch im touristischen Vergleich: Während die Besucher zu Hunderttausenden in die Nürnberger Altstadt strömen, verlieren sich in Fürth nur ein paar wenige. Erst vor gut zehn Jahren haben sie in der immerhin rund 120.000 Einwohner zählenden Stadt ein Fremdenverkehrsamt gegründet.
Fast überall liegt Nürnberg eine Nasenlänge vorn, nur in der jüdischen Geschichte nicht. 1499 warf der Nürnberger Magistrat die letzten jüdischen Bürger aus der Stadt und untersagte ihnen die Ansiedlung für Jahrhunderte. Erst 1850 sollte das Verbot wieder aufgehoben werden. In Fürth hatte sich derweil längst eine lebendige jüdische Gemeinde gegründet, die zu Spitzenzeiten ein Drittel der Einwohner ausmachte. Es waren gebildete Juden, wohlhabende Juden. "Hier", sagt Daniela Eisenstein, "war das jüdische Beverly Hills."
Daniela Eisenstein ist Direktorin des Jüdischen Museums Mittelfranken. Vor zehn Jahren wurde es in Fürth eröffnet, in einem alten jüdischen Bürgerhaus, in dem noch eine Laubenhütte und ein traditionelles jüdisches Ritualbad erhalten sind. Das Bad liegt im Keller, neun Meter unter der Erde und ist noch heute mit glasklarem Grundwasser gefüllt. Das Reinigungsritual war zentraler Bestandteil des jüdischen Lebens, die große Anzahl der Mikwe genannten Bäder Ausdruck des hohen Lebensstandards der Juden in Fürth. Das Jüdische Museum ist eine wichtige Station auf dem Weg durch das jüdische Fürth. Die Altstadt ist nicht groß, das meiste bequem zu Fuß zu erreichen, der Jüdische Friedhof kaum zehn Gehminuten entfernt. Er ist ein dichter Wald aus alten Bäumen und verwitterten Grabsteinen. Manche stehen schräg, andere ineinander verkeilt, ein paar wenige in geordneter Reih. Die, die in Reihe stehen, wurden nachträglich so platziert, nachdem die Nazis sie abräumen ließen. Von 20.000 Fürther Grabsteinen waren nach dem Holocaust noch 6.000 übrig, 300 Jahre jüdischer Friedhofsgeschichte wären in zwölf Jahren NS-Herrschaft beinahe ausgelöscht worden. Völlig ausgelöscht haben die Nazis das Zentrum des jüdisch-geistigen Lebens in der Stadt. Dort, wo heute ein Brunnen aus den achtziger Jahren plätschert und eine schmucklose Wohnsiedlung mit Betonbalkonen steht, gab es einst vier Synagogen. In der Hauptsynagoge war eine der bedeutendsten Talmudhochschulen Deutschlands, die Buchdruckerei zählte zu den Besten im Lande. In der Progromnacht am 9. November 1938 brannten die Nazis alles bis auf die Grundmauern nieder: In der Jahrhunderte lang von Toleranz geprägten Stadt Fürth sollte es den Juden nicht besser gehen als in jeder schäbigen Nazihochburg im Reich.
Als die Hauptsynagoge brannte, waren die Kissingers schon nicht mehr da. Im Juli 1938 waren sie nach Amerika emigriert. Der Vater, ein bekannter Lehrer, hatte Berufsverbot bekommen und die Mutter Angst, dass alles noch schlimmer werden würde. Sie behielt Recht: Zwölf Mitglieder der Familie sollten die Nazi-Zeit nicht überleben, der Vater in der neuen Heimat nie richtig heimisch werden. Als man Walther Kissinger, den Bruder Henrys; in einem Interview einmal fragte, wie er es damals empfunden habe, als jüdische Kinder plötzlich nicht mehr mit ihren deutschen Freunden spielen durften, schwieg er und bat schließlich, das Gespräch abbrechen zu dürfen. 
In der Hallemannstraße 2 singen sie heute wieder in hebräischer Sprache. Wer an einem Samstag vorbeispaziert, kann hören, wie dort der Sabath gefeiert wird. Hinter einer unscheinbaren Sandsteinfassade liegen die Räume der einzigen Synagoge, die die NS-Zeit überstanden hat. Die dichte Bebauung und die Angst vor einem Übergriff der Flammen haben ihre Zerstörung verhindert. 200 Mitglieder zählt die jüdische Gemeinde Fürth inzwischen wieder, 1945 waren es nicht einmal mehr 20 gewesen.  
Das Gemeindezentrum ist ein paar Häuser weiter in der ehemaligen jüdischen Realschule. Auch Heinz-Henry hatte dort gepaukt, mit mittelmäßigem Erfolg wie so viele Geistesgrößen, deren Begabung sich nicht an Schulnoten ablesen lässt. Im Hauseingang der israelitischen Gemeinde sind zwei Gedenktafeln angebracht: eine für die Opfer des Holocausts und eine für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Hunderte Fürther Juden hatten tapfer und patriotisch für Deutschland gekämpft und sich im Laufe des 19. Jahrhunderts weitgehend in das bürgerliche Leben integriert. Das Leben in Fürth war lange Zeit ein anderes als das in Nürnberg: Eine kuriose dreigeteilte Herrschaft bestimmte die Stadt, ihre Besitzungen waren aufgeteilt zwischen Nürnberg, Bamberg und Ansbach. Das Kompetenzgerangel bot vielen eine Chance, unter anderem eben den Juden, die von den Bamberger und Ansbacher Herren gezielt angesiedelt worden waren, um die Stadt wirtschaftlich voranzubringen und den Konkurrenzkampf mit Nürnberg bestehen zu können. 
Das hatte funktioniert, und die Liste der Schenkungen Fürther Juden an ihre Stadt ist lang: Die Kinderklinik der Stadt ging aus einer jüdischen Stiftung hervor und die erste Leihbibliothek für die Allgemeinheit ebenfalls. Im sogenannten Berolzheimerianum ist heute die Comödie Fürth untergebracht, deren Betreiber in der Rolle von "Waltraud und Mariechen" einem älteren Fernsehpublikum bundesweit bekannt sind.
Der prächtige gelbe Jugendstilbau des Berolzheimerianums ist das krasse Gegenteil des Hauses in der Marienstraße 23. Hier, über der hässlichen Fassade eines gerade geschlossenen Tatoo-Studios, wurde am 27.Mai 1923 Heinz Alfred Kissinger geboren. Kein Hinweisschild erinnert an ihn, "Gedenktafeln", so die etwas eigenwillige Begründung der Stadt Fürth, gebe es erst für Tote.
Kann sein, dass die Gedenktafel Kissingers noch lange nicht gebraucht wird. Seine Eltern wurden 95 und 97 Jahre alt, und er selbst macht mit 86 noch einen außerordentlich frischen Eindruck. Gut möglich, dass er demnächst mal wieder in Fürth auftaucht. Um einer der zahlreichen Einladungen der Stadt zu folgen oder um seine Spielvereinigung anzufeuern. Fürth in der ersten und Nürnberg in der zweiten Liga, dagegen hätte auch Lokalpatriot Henry garantiert nichts einzuwenden.
Info 
Rundgänge auf den Spuren der jüdischen Geschichte gibt es bei der Stadt Fürth (Touristinformation, Telefon 09 11 / 2 39 58 70, www.fuerth.de/tourismus) oder beim Verein Geschichte für alle (Telefon 09 11 / 30 73 60, www.geschichte-fuer-alle.de). Der Verein hat in der Reihe "Historische Spaziergänge" auch einen Band herausgegeben über die "Geschichte der Juden in Fürth" (Katrin Bielefeldt, 6,80 Euro).

Das Jüdisches Museum Franken in Fürth fasst die gesamte Regionalgeschichte der Juden in Fürth und Umgebung zusammen (Tel. 0911 / 77 05 77, www.juedisches-museum.org, geöffnet Dienstag bis Sonntag, Königstraße 89). Die lohnenswerte Ausstellung wurde erst jüngst überarbeitet. Das Museum hat Außenstellen in Schnaittach (geöffnet Samstag und Sonntag) und Schwabach (nur nach Vereinbarung)."    

   
   
Einzelne Literaturhinweise zu Fürth  - eine Übersicht ist noch zu erstellen   

Michael Müller:  Seligman Bendit & Söhne - Spiegelglas- und Fensterglas-Fabriken.  Aufstieg und Niedergang einer jüdischen Unternehmer-Familie der Fürther Spiegelglas-Industrie. 2006.       Als pdf-Datei hier einzusehen
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Fürth S. 266-333 (mit Literaturübersicht).
Franken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Fürth S. 64-68.      

          
           

                   
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Stand: 11. Dezember 2014