Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Mittelfranken"   
    
  

Georgensgmünd (Kreis Roth bei Nürnberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

 
Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen und andere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Georgensgmünd bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1564 ein Jude in Georgensgmünd genannt: in diesem Jahr ließ sich der Apotheker Samuel, ein Bruder des Jakob von Roth mit seiner Familie in Georgensgmünd nieder. Ein Hinweis für die frühe Bedeutung der Gemeinde ist insbesondere der noch im 16. Jahrhundert angelegte große jüdische Friedhof am Ort. Seit Ende des 16. Jahrhunderts zogen mehrere jüdische Familie nach Georgensgmünd: 1603 waren es 54 jüdische Einwohner. Im Dreißigjährigen Krieg kamen weitere jüdische Familien dazu, sodass 1630 40 % der Ortsbevölkerung Juden waren (etwa 80 bis 100 Personen). 1631/32 wurde Georgensgmünd durch kaiserliche Söldner verwüstet. Der Ort war danach einige Zeit unbewohnt. Spätestens nach Kriegsende zogen wieder jüdische Familien zu und beteiligten sich am Wiederaufbau des Ortes. 1665 wurde in einer Gemeindeordnung das Zusammenleben von Christen und Juden am Ort geregelt. 1714 lebten sechs jüdische Familien in Georgensgmünd. Bis 1766 steigt die Zahl auf 28 Familien.  
   
Weitere genaue Zahlen zur Größe der jüdischen Gemeinde liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: 1809/10 70 jüdische Einwohner (11,8 % von insgesamt 592 Einwohnern), 1811/12 62 /10,3 % von 604), 1867 101 (7,8 % von 1.301), 1880 120 (8,7 % von 1.386), 1900 78 (4,9 % von 1.580), 1910 78 (4,7 % von 1.660). 
    
Die jüdische Gemeinde hatte seit 1735 ein jüdisches Gemeindezentrum mit einer Synagoge (s.u.), einer jüdischen Schule, dem rituellen Bad (1907 renoviert, siehe Bericht unten) und der Lehrerwohnung. Ein Lehrer war jeweils angestellt, der zugleich als Schächter und Vorsänger tätig war. Bei anstehenden Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben (s.u.).   
  
Im Krieg 1870/71 war Kriegsteilnehmer aus der jüdischen Gemeinde Heinrich Lewy, im Ersten Weltkrieg fiel Offz.St. Heinrich Gern (geb. 7.3.1878 in Georgensgmünd, gef. 15.4.1918). Die beiden Namen stehen auf den Kriegerdenkmalen in der Ortsmitte links der Brücke über die Fränkische Rezat.   
  
Um 1925, als noch 45 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (2,57 % von insgesamt 1.750 Einwohnern), waren die Vorsteher J. Neumark und  Abraham Heidecker. Den Religionsunterricht für das damals nur eine schulpflichtige jüdische Kind erteilte Lehrer Sally Cohn aus Thalmässing. An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische Frauenverein unter Leitung von Rosa Sohn (14 Mitglieder) und der Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa unter Leitung von Carl Gern (6 Mitglieder). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Schwabach. 1932 gab es noch 41 jüdische Gemeindeglieder. Die beiden Vorsteher waren inzwischen Karl Gern (1. Vorsteher) und Abraham Heidecker (2. Vorsteher). Auch im Schuljahr 1931/32 gab es nur ein schulpflichtiges jüdisches Kind in der Gemeinde, das durch Lehrer M. Schuster aus Ellingen unterrichtet wurde.  
   
1933 wurden 35 jüdische Einwohner gezählt. Bis Mitte 1938 verließen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der ständigen Repressalien etwa zwei Drittel der ortsansässigen Juden den Ort. Die meisten wanderten nach Palästina/Israel und in die USA aus oder verzogen innerhalb Deutschlands. 1935 wurde am Ortseingang eine Tafel angebracht mit dem Text: 'Unser Bedarf an Juden ist hinreichend gedeckt'. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Fenster der jüdischen Wohnungen zerschlagen; einige der jüdischen Einwohner vorübergehend inhaftiert. Zwei Tage später wurden im Rahmen einer örtlich begrenzten "Einzelaktion" die letzten 12 jüdischen Einwohner, fast nur alte Menschen aus dem Ort vertrieben, sodass Georgensgmünd am 1. Januar 1939 in der NS-Sprache "judenfrei" war. Von den vertriebenen Juden konnten vier noch in die USA emigrieren.   
   
Von den in Georgensgmünd geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namen auf dem Gedenkstein vor der ehemaligen Synagoge): Selma
Aufhäuser geb. Heidecker (1887), Irma Dreyfuss geb. Neumark (1897), Rosa Eisen geb. Neumark (1876), Fanny Elias (1879), Emma (Emmy) Emanuel geb. Gern (1906), Berta Friedmann geb. Neumark (1870), Louis Gern (1877), Justin Gerstle (1892), Rosalie Gerstle geb. Heidecker (1860), Emma Grossmeyer geb. Wahle (1876), Herbert Grossmeyer (1907), Emmanuel Heidecker (geb. ?), Emma Heidecker (1873), Jakob Heidecker (geb. ?), Jette Heidecker (1860), Siegmund Heidecker (1879), Sophie Heidecker (1878), Karoline Kaufmann geb. Neumark (1868), Emma Kohlmann geb. Heidecker (1884), Emilie Lämmle geb. Neumark (1874), Karoline (Lina) Landecker geb. Wild (1877), Sofie Maier geb. Gutmann (1870), Frieda Meyer geb. Apfel (1873), Emmy Michelbacher (geb. ?), Martha Neumark geb. Neumark (1872), Robert Neumark (1877), Recha Oppenheimer geb. Tachauer (1888), Rosa Pindrik geb. Großmayer (1883), Therese Platz geb. Apfel (1871), Zilly Sämann geb. Schloss (1885), Pauline (Paula) Scharf geb. Schloss (1896), Hanna Schloss (1892), Selma Schloss (1889), Josef Löb Selling (1861), Rosa Sohn (1864), Bella Steinhardt (1878), Simon Tachauer (1881), Louis (Loy) Wild (1873), Babette Wittkowsky geb. Lewy (1876).  
   
Nach dem Krieg ließen sich einige Überlebende aus Konzentrationslagern, die jedoch nicht aus Georgensgmünd stammten, vorübergehend am Ort nieder (Displaced Persons). Im Mai 1946 waren es 23 Personen. Spätestens im Zusammenhang mit der Gründung Israels 1948 verließen sie den Ort.

    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorsängers / Schächters 1870 / 1871 / 1872 / 1879 / 1884 / 1886 / 1891 / 1893 / 1897 / 1904 / 1922-23 / 1924  

Georgensgmuend Israelit 26011870.jpg (40035 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1870: "Es ist in Georgensgmünd, Bezirksamt Schwabach, die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters erledigt, mit einem Jahresgehalt von 450 Gulden und Nebenverdiensten, nebst freier Wohnung und drei Klafter Schulholz. Inländische Bewerber, welche sich über ihre Befähigung ausweisen können, wollen sich bei den Unterzeichneten baldigst melden.  Heidecker & Selling."
 
Georgensgmuend Israelit 08031871.jpg (64128 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1871: Wegen Rücktritt des hiesigen Herrn Lehrers vom Schulfache ist die hiesige Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schochet vakant, und ist die Stelle bis 1. Mai diesen Jahres, eventuell bis 1. Juli, zu besetzen. Der fixe Gehalt beträgt 450 Gulden nebst 4 Klafter Schulholz, freie Wohnung und nicht unbedeutende Nebenverdienste. Bewerber wollen ihre Zeugnisse an die unterzeichnete Kultusverwaltung baldmöglichst einsenden. 
Georgensgmünd (Bayern), am 26. Februar 1871. Die Vorstände der Kultusgemeinde."
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1872: "Offene Stelle
Wegen Rücktritt unseres bisherigen Lehrers vom Schulfache wird die Stelle als Religionslehrer, Vorsänger und Schächter bis 1. Juli eventuell August dieses Jahres erledigt. Jährliches Einkommen 450 Gulden, freie Wohnung, 4 Klafter Schulholz und ansehnliche Nebenverdienste. Bewerber wollen ihre Zeugnisse über ihre Qualifikation an die Unterzeichneten einsehen. 
Georgensgmünd, den 11. April 1872. Die Vorsteher der Kultusgemeinde: Ellinger & Selling."     
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1879: "Offene Lehrer-Stelle
Die hiesige israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle soll bis 8. Dezember dieses Jahres wieder besetzt werden. Das Jahresgehalt beträgt M. 1000 fix nebst freier Wohnung im Schulhause und 12 Ster Schulholz. Zur Erteilung von Privatunterricht ist vielfache Gelegenheit geboten. Bewerber um diese Stelle, welche in einem bayerischen Seminar ihre Ausbildung erlangt haben, erhalten den Vorzug und belieben dieselben ihre Gesuche mit nötigen Zeugnissen versehen portofrei innerhalb 4 Wochen an die unterzeichnete Verwaltung einsenden. Georgensgmünd, den 17. August 1879.  Emanuel Neumark.  Moritz Wild."
   
Georgensgmuend Israelit 17011884.jpg (88730 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1884. "Offene Lehrerstelle.  
In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters in Erledigung gekommen und soll sofort wieder besetzt werden. 
Der fixe Gehalt beträgt das Jahr als Lehrer und Vorsänger Mark 800, als Schächter Mark 400, in Summa Mark 1.200, sowie freie Wohnung im Schulhause und 12 Ster Schulholz, außerdem stehen nicht unbedeutende Nebenverdienste in Aussicht. 
Nur gut qualifizierte, seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Anmeldungen mit den nötigen Zeugnissen sofort portofrei an unterzeichnete Verwaltung einsenden. 
Ausländische Bewerber werden nicht berücksichtigt. 
Georgensgmünd, den 8. Januar 1881. Emanuel Neumark, Bermann Gern. Vorstand."
   
Georgensgmuend Israelit 13051886.jpg (55044 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1886: "Offene Lehrerstelle. 
Die hiesige israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle soll innerhalb 2 Monate wieder besetzt werden, der fixe Gehalt für diese 3 Funktionen beträgt 1.200 Mark nebst freier Wohnung im Schulhause und 12 Ster Schulholz, außerdem stehen nicht unbedeutende Nebenverdienste in Aussicht. Nur gut qualifizierte, seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Anmeldungen mit den nötigen Zeugnissen sofort portofrei einsenden. 
Georgensgmünd, den 2. Mai 1886.  Die israelitische Kultusverwaltung."
  
Georgensgmuend Israelit 19031891.jpg (62215 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1891: "Offene Lehrer-Stelle
In Folge Erkrankung unseres bisherigen Herrn Lehrers hat sich die hiesige Religionslehrer-, vorsänger- und Schächterstelle erledigt und soll diese Stelle sofort wieder besetzt werden. Das fixe Gehalt als Religionslehrer und Vorsänger beträgt Mark 800, das der Schächterfunktion ca. Mark 300, bei freier Wohnung, 4 Klafter Brennholz und nicht unbedeutenden Nebenverdiensten. Nur seminaristisch Gebildete wollen ihre Zeugnisse an Unterzeichneten einsenden, und wird bemerkt, dass den zur Probe Berufenen die Reisespesen vergütet werden. Ausländer sind von der Bewerbung ausgeschlossen. Georgensgmünd, 15. März 1891. B. Gern, Kultus-Vorstand."
   
Georgensgmuend Israelit 14081893.jpg (97337 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1893: "Offene Lehrerstelle. Infolge anderweitiger Berufung unseres seitherigen Herrn Lehrers wird die hiesige Lehrer-, Chasan- und Schochetstelle vom 1. September dieses Jahres an vakant. 
Der Gehalt beträgt Fixum 750 Mark, mit Worten siebenhundertfünfzig Mark, freie Wohnung im Schulhause und 9 Meter Schulholz. Außerdem diesem das Erträgnis der Schechitah mit ca. 300 Mark, wofür jedoch keine Garantie geleistet wird und die üblichen Nebenverdienste. Nur seminaristisch gebildete Bewerber, mit guten Stimmmitteln begabt und ledigen Standes werden berücksichtigt. 
Gesuche, mit den nötigen Zeugnissen versehen, sind sofort an die unterzeichnete Kultusverwaltung einzureichen. Georgensgmünd, 6. August 1893. Die Kultusverwaltung: Welsch."
Hierauf hat sich Lehrer (Dr.) Ernst Fränkl beworben, der bis 1896 in Georgensgmünd blieb und danach 40 Jahre lang in Augsburg tätig war. Zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum in Augsburg erschien eine Würdigung zu seiner Lebensarbeit. Auch die Jahre in Georgensgmünd sind darin erwähnt (s.u.).
  
Georgensgmuend Israelit 30121897.jpg (72862 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1897: "Offene Lehrerstelle
Wegen Mangel geeigneter Kandidaten wird die Stelle nun ausgeschrieben. 
Es ist hier die Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle bis 1. Februar 1898 neu zu besetzen. Fixer Gehalt Mark 750. Sicherer Nebenverdienst Mark 600 nebst freier Wohnung und 12 Ster Brennholz. Bewerber müssen seminaristisch gebildet, gute Zeugnisse besitzen und Inländer sein. 
Georgensgmünd, 27. Dezember. Die Kultusverwaltung: Josef Heidecker." 
       
Georgensgmuend Israelit 24031904a.jpg (71994 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Offene Lehrerstelle
Wegen Beförderung des bisherigen Herrn Lehrer ist dahier die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle vakant geworden. 
Es ist mit dieser Stelle ein fixes Gehalt von Mark 750. - Schächterdienst ca. Mark, Nebenverdienst circa 400 Mark nebst freier Wohnung und Beheizung verbunden.  
Bewerber, welche seminaristisch gebildet, unverheiratet sind, über gute Zeugnisse und tüchtige Stimmmittel verfügen, werden gebeten, sofort beglaubigte Abschriften ihrer Originalzeugnisse anher einzusenden. Dem Gewählten werden Reisekosten vergütet. Es werden nur Inländer berücksichtigt.  
Georgensgmünd in Bayern, 20. März. Die Kultusverwaltung: Jacob Neumark, Vorstand."      
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1922: "Offene Lehrer-, Schochet- und Vorbeterstelle! In unserer Gemeinde ist diese Stelle per sofort zu besetzen. Entsprechend den Leitsätzen des Verbandes Bayerischer israelitischer Gemeinde beträgt das Gehalt 3/4 der staatlichen Sätze (mit Zuschuss des Verbandes). Die Wohnung wird neu renoviert, außerdem ist größerer Wurzgarten vorhanden. Herren mit eigenem Haushalt wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse alsbald melden. Kultusverwaltung Georgensgmünd bei Nürnberg."    
Vermutlich war die Stelle nicht zu besetzen. Nach dem Tod des Lehrers Kaufmann in Ellingen 1922/23 haben sich die Gemeinden Ellingen und Georgensgmünd entschlossen, gemeinsam einen Lehrer anzustellen:
Ellingen Israelit 10051923.jpg (48856 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1923: "Die Kultusgemeinden Ellingen und Georgensgmünd suchen gemeinschaftlich zum sofortigen Antritt einen Chasan, Schochet und Religionslehrer streng religiöser Richtung. Gehalt nach Tarif. Wohnsitz ist Ellingen. Günstige Bahnverbindung nach Georgensgmünd. Reflektiert wird wegen Wohnungsfragen auf ledigen jungen Mann. Pension vorhanden. Gefällige Offerten erbeten an Kultusgemeinde Ellingen."
      
Ellingen Israelit 14021924.jpg (51640 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1924: "Die Lehrer-, Chasen- und Schochetstelle Ellingen-Georgensgmünd ist sofort zu besetzen. Es wird auf tüchtigen, orthodoxen, ledigen Herrn gesehen. Fixum jährlich 1.200 Mark und Nebenverdienste. Angebote wollen an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Ellingen (Bayern) gerichtet werden."
     
Ausschreibung der Friedhofdiener-Stelle 1902  
Georgensgmuend Israelit 03041902.jpg (70700 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1902: "Friedhofdiener-Stelle. Die durch Ableben erledigte Stelle eines Friedhofsdieners in Georgensgmünd soll wieder besetzt werden. Der fixe Gehalt beträgt 400 Mark etwaige Nebenverdienste ungefähr 200 Mark, außerdem kann die Stelle eines Gemeindedieners der Kultusgemeinde in Georgensgmünd gegen entsprechende Bezahlung mit übernommen werden.
Bewerber, welche kleine Familie haben und nebenbei ein Handwerk, wie Buchbinderei, Glaserei etc. betreiben können, erhalten den Vorzug. Gesuchen wollen bis spätestens 1. Mai unter Angabe der bisherigen Lebensstellung und unter eventueller Beilegung von Zeugnissen an den unterfertigten eingereicht werden.
Der Kreisvorstand der vereinigten Friedhofsgemeinden: Ludwig Herrmann, Schwabach."

  
Lehrer Vorchheimer sucht eine Vertretung für einige Monate (1890) 
 

Georgensgmuend Israelit 04121890.jpg (47169 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1890: "Ich suche per sofort auf einige Monate einen Vertreter für meine Lehrerstelle in Georgensgmünd (Mittelfranken). Gehalt nach Übereinkunft. Bewerber, welche auch Vorbeter und Schächter sein müssen, wollen ihre Offerten an Lehrer Vorchheimer, israelitisches Spital in Würzburg, richten."     

     
Dienstjubiläum des ehemaligen jüdischen Lehrers Dr. Ernst Fränkl 1936 in Augsburg, 1893-1896 Lehrer in Georgensgmünd

Georgensgmuend Bayr GZ 15021936.JPG (208180 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1936: "Dr. Ernst Fränkl 40 Jahre Lehrer in Augsburg. 
Am 1. Februar war es unserem lieben Freunde Dr. Ernst Fränkl vergönnt, sein 40jähriges Dienstjubiläum als Lehrer in Augsburg zu feiern. Für Dr. Fränkl war diese Dienstzeit eine Zeit des Erfolges, errungen durch eigene Kraft; es waren Jahre des Aufstieges, erreicht durch unaufhörliche, ernsteste Arbeit
an sich. Der Jubilar hat allen Grund, mit innerer Befriedigung auf sein Werk zurückzublicken; denn seine Arbeit war nicht vergebens. Nicht nur Wissen vermittelte er seinen Schülern, sondern er verstand es auch religiöses Gefühl bei ihnen zu erwecken, weil er selbst von aufrichtiger Religiosität erfüllt ist. Als guten Lehrer ist ihm auch die Macht des Beispiels bekannt und so wirkt er durch gutes Beispiel durch Unermüdlichkeit, durch Pflichttreue und durch vorbildliche Berufsauffassung auf Schüler und Erwachsene gleichmäßig stark und anhaltend sein. 
Wer so wirken kann, wie es dem Jubilar vergönnte ist, der ist ein wahrer Lehrer. Der Fränkl hat offenbar die Grundbedingungen zu seinem Beruf als Lehrer und Erzieher in die Wiege gelegt bekommen. Sein seliger Großvater Aron Fränkl war, wie Kollege rose Altenstadt in seiner 1931 erschienen Schrift ‚geschichtliches der Israelitischen Kultusgemeinde Altenstadt’ nachweist, der erste vorschriftsmäßige vorgebildete Volksschullehrer der israelitischen Volksschule in Altenstadt (laut Urkunde vom 11.10.1828 über die feierliche Installation des Lehrers Aron Fränkl an der deutschen Judenschule zu Altenstadt durch das Distriktsschulinspektorat Illertissen ‚nach allerhöchster Verordnung’). ‚Unser erster Sohn muss Lehrer werden’, das war der Lieblingswunsch des Vaters unseres Jubilars. So durfte dieser den für seine seelische Einstellung allein zu voller Beglückung führenden Lebensweg beschreiten.
Dr. Ernst Fränkl wurde am 4. August 1874 in Altenstadt geboren; nach dem Besuch der Talmud-Tora-Schule in Burgpreppach war er 1890-1893 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, die er 1893 mit gutem Erfolge absolvierte. Von 1893-1896 amtierte er in Georgensgmünd und seit 1. Februar 1896 ununterbrochen in Augsburg. Im Jahre 1897 legte er die Anstellungsprüfung in Augsburg ab, unterzog sich 1901-1904 philosophischen Studien in Augsburg, München, Zürich und Bern und promovierte mit magna cum laude in Bern auf Grund der Dissertation: *Über Vorstellungselemente und Aufmerksam
keit, ein Beitrag zur experimentellen Psychologie’ (254 Seiten).
Im Jahre 1907 erhielt er die goldene Fortschrittsmedaille auf der Ausstellung ‚Das Kind’, Wien, für hervorragende Leistungen auf psychologischem gebiete. Im Jahre 1929 wurde der jüdische Religionslehrer Dr. Ernst Fränkl vom Rektor eines protestantischen Gymnasiums in Augsburg während seines Urlaubs als Rektoratsvertretung bestellt.
Der Ernst Fränkl nahm auch stets regen Anteil an der Arbeit unseres Lehrervereins. Es bedeutete daher nur eine Anerkennung dieser Tatsache, wenn ihn die Vereinsleitung anlässlich der 50jährigen Jubiläumstagung des Vereins zum Festredner bestimmte. Seit 1933 ist Freund Fränkl auch Obmann unserer Schwäbischen Bezirkskonferenz.
So hat denn der Jubilar seine Arbeitskraft nicht nur seiner Gemeinde geweiht, sondern er hat darüber hinaus treue Mitarbeit an vielen gemeinnützigen Bestrebungen geleistet und überall befruchtend und anregend gewirkt. Darum nehmen an seinem Jubelfeste nicht nur die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg teil, sondern auch vor allem seine Berufsgenossen in Stadt und Land. Wir wünschen dem Jubilar weiterhin gesunden Optimismus und Befriedigung in seinem Beruf und seiner Arbeit."

      
Lehrer Salomon Adler wird zum Lehrer an die Präparandenschule Burgpreppach berufen (1904)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Georgensgmünd, 18. März (1904). Unser Herr Lehrer Adler ist zum Lehrer in der Präparanden-Schule (Talmud-Thora) in Burgpreppach berufen und bereits von der königlichen Regierung bestätigt worden. Da er es verstanden hat, durch treue Pflichterfüllung und leutseliges Wesen sich die ungeteilte Wertschätzung der ganzen Gemeinde zu erringen, so wird das Scheiden dieses strebsamen Beamten von hier allgemein bedauert. Sei erfolgreich und betreibe die Sache der Wahrheit".  
    
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Burgpreppach. Als Nachfolger des an die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main berufenen Herrn K. Ochsenmann ist, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, Herr Salomon Adler, zur Zeit in Georgensgmünd, zum Lehrer an der Israelitischen Präparandenschule zu Burgpreppach gewählt worden. Die Wahl hat bereits die Bestätigung der Königlichen Kreisregierung zu Würzburg erhalten. Herr Adler ist gleich seinem Vorgänger ein ehemaliger Schüler der Burgpreppacher Schule."     
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904: "Nachruf
Wir sehen uns hiermit veranlasst, Herrn Lehrer S. Adler, der nahezu 4 3/4 Jahre in hiesiger Gemeinde wirkte, und nunmehr plötzlich zu unserm Bedauern, durch seine Berufung nach Burgpreppach, die Gemeinde verlässt, für sein Schaffen und Wirken unsern besten Dank abzustatten. Derselbe war uns, war hier noch besonders konstatiert sein möge, stets ein lieber Freund, er verstand es, wie selten einer durch sein stets taktvolles und leutseliges Benehmen, gerechtes Wesen, sich in allen Kreisen einzubürgern, und sich überall allgemeine Achtung zu verschaffen. 
Wir wünschen ihm in seinem neuen Heim viel Glück und Segen. Möge es ihm stets gut ergehen. 
Georgensgmünd
, 9. April 1904. 
I.A. der Gemeinde: Die Kultusverwaltung J. Neumark, Vorstand."       

         
        
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Judenhetzer machen sich bemerkbar (1881)   

Diespeck Israelit 05011881.jpg (69650 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1881: "Neustadt an der Aisch (24. Dezember). Auch die hiesige Gegend hat einen Judenhetzer in der Person des Pfarrers Brügel von Gutenstetten aufzuweisen. Der Tätigkeit dieses Predigers ist es bereits gelungen, in dem nahen Dorfe Diespeck, wo derselbe wegen Krankheit des dortigen Pfarrers die Verwesung (= Vertretung) führt, die christlichen Bewohner derart gegen die Juden aufzuhetzen, dass in einer Nacht an der Behausung des Zigarrenhändlers Bauers sämtliche Fenster eingeworfen wurden. Größere Exzesse von Seiten der erregten rohen Gemüter sollen nach offener Aussage Einzelner in sicherer Aussicht stehen. (Auch aus Georgensgmünd wird von der unerfreulichen Tätigkeit einiger Judenhetzer berichtet, jedoch mit dem Hinzufügen, dass sie bei der Bevölkerung wenig Gehör fänden."      

 
Reparatur der Mikwe (1907)  

Georgensgmuend Israelit 13061907.jpg (21724 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1907: "Georgensgmünd, 10. Juni (1907). Auf Anregung aus der Mitte der Gemeinde hat der Vorstand das Ritualbad, das der Reparatur recht dürftig war, wieder in Stand setzen lassen. Der ‚Landes-Verein’ leistete einen namhaften Zuschuss zu den Kosten."

    
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Zum 1. Jahrzeittag des Lehrers Selig Wißmann (geboren in Georgensgmünd; 1892 bis 1927 Lehrer in Künzelsau)   

Kuenzelsau Israelit 09021928.jpg (165769 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Künzelsau, 5. Februar (1928). Am 16. Februar jährt sich zum ersten Male der jüdische Todestag des am 25. Schewat 5687 verschiedenen Religionslehrers Selig Wißmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in Künzelsau
Da im vorigen Jahre an dieser Stelle eine ausführliche Schilderung seiner Persönlichkeit und seines Wirkens unterblieb, sei dies jetzt nachgeholt. 
Selig Wißmann wurde am 1. Main 1869 als Sohn des Rabbiners Salomon Wißmann ( das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in Georgensgmünd (Bayern) geboren. Schon mit dem sechsten Jahre war er Vollwaise geworden, sodass er bei seinem Onkel, Rabbiner Löb Wißmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - Schwabach, erzogen wurde. Mit großem Eifer widmete er sich an der dortigen Talmud-Tora-Schule dem Studium unserer heiligen Schrift und nichts bereitete ihm mehr Freude als Tag und Nacht forschen zu können. Nach dreijährigem Besuch des Israelitischen Lehrerseminars Würzburg trat er in noch jugendlichem Alter eine Hilfslehrerstelle in der Gemeinde Thüngen an, wo er seine Kenntnisse im Jüdischen bei Hauptlehrer Eschwege - (Alles Gute) bis 120 Jahre - der jetzt in Frankfurt weilt, erweiterte. Dort lernte er auch seine künftige Gattin kennen, die ihm auf allen seinen Wegen in seinem Beruf eine treue Begleiterin war. Drei Jahre war er dann Lehrer in Alzenau (Unterfranken) und hierauf wählte ihn die Gemeinde Künzelsau im Jahre 1892 zu ihrem Lehrer und Führer. Bis zu seinem so plötzlichen und unerwarteten Tode war es sein Streben, die Gemeinde zu Thauro (Tora), Awaudo (Gottesdienst) und Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit) zu erziehen, gerade so wie es sein Streben war, seinen sieben Kindern die gleich innige Liebe zu Gott und seinen Geboten einzupflanzen, die ihn beherrschte. Sein stetes Streben war auf Frieden gerichtet. Dadurch verstand er es auch, sich bei Juden und Nichtjuden gleich große Achtung und bei seiner vorgesetzten Behörde die allergrößte Wertschätzung zu erwerben. Das zeigte sich bei seiner Beerdigung, bei welcher nicht weniger als dreizehn Nachrufe gehalten wurden. Die Gemeinde hatte nach 35 Jahren ihren treuen Führer, das Land Württemberg einen seiner besten Lehrer, das Judentum einen seiner treuesten Anhänger, der mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Vermögen seinem Gotte diente, verloren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
  
Anzeigen und andere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
H. Herrmann bietet eine Torarolle an (1882)

Georgensgmuend Israelit 15031882.jpg (26135 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1882: "Eine Sefer Tora, (Torarolle) fast noch neu, ist sehr billig mit Garantie zu verkaufen bei H. Herrmann, Georgensgmünd, Bayern."

     
Dokument aus der Firma Heidecker & Koch (1919) 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)    

Karte der Firma Heidecker & Koch, 
Stahl-, Bürsten-, Papier-, Kurzwaren 
en gros (1919)  
Georgensgmuend Dok 20090301.jpg (78200 Byte) Georgensgmuend Dok 20090301a.jpg (79681 Byte)
   Auf der Karte wird der Besuch eines Herrn A. Stolbinger angekündigt, der im Auftrag der Firma Heidecker & Koch Bestellungen entnehmen kann. Die Karte wurde am 2. August 1919 nach Waldmünchen verschickt. Die Fa. Heidecker & Koch wurde 1908 von Wilhelm Heidecker und Hans Koch gegründet und bestand vermutlich bis 1931/32. Firmensitz war zuletzt im Gebäude Bahnhofstraße 11.

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge          
    
Seit Ende des 16. Jahrhunderts war eine erste Synagoge vorhanden. Bei der Verwüstung des Ortes durch kaiserliche Söldner am 21. Oktober 1631 brannte die Synagoge vollständig ab.   
   
1734/35 wurde die bis heute bestehende Synagoge erbaut, unter der sich eine Mikwe (rituelles Bad) befand. Am 6. Adar 5495 (4./5. März 1735) wurde die Synagoge vom markgräflichen Landesrabbiner eingeweiht. 1836/37 wurde L-förmig an das Synagogengebäude mit einem staatlichen Zuschuss für insgesamt 800 Gulden die jüdische Schule angebaut mit einer Wohnung für den Lehrer/Vorbeter. In dieser Zeit dürfte auch die zweite Mikwe eingerichtet worden sein, die heizbar war. Zum Bau der Schule erschien nachstehende Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums.   

Georgensgmuend AZJ 18111837.jpg (25081 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. November 1837: "In Petersgmünd (= Teil des heutigen von Georgensgmünd) im Rezatkreise erbaute die jüdische Gemeinde ein neues Schulhaus. Auf Verwenden des königlichen Landrichters Wunder erhielt dieselbe durch die Gnade Seiner Majestät 300 Gulden. Das ganze Gebäude kostet 800 Gulden."

Die Ritualien der Synagoge wurden im Oktober 1938 nach München verbracht, wo sie beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurden. Das Synagogengebäude wurde bereits zuvor - im August 1938 - an einen benachbarten Bäcker verkauft. Dennoch wurde beim Novemberpogrom 1938 die Inneneinrichtung der ehemaligen Synagoge teilweise zerstört.  
  
Nach 1945 wurde die ehemalige Synagoge zunächst als Turnhalle benutzt. Später war sie Holzlege in Privatbesitz, die ehemalige Schule wurde für Wohnzwecke verwendet. 1988 kaufte die Gemeinde Georgensgmünd das Gebäude und begann mit der Restaurierung. Dabei wurden an der Südseite im Inneren auch die ursprünglichen Wandmalereien teilweise freigelegt, die dem polnischen Synagogenmaler Elieser Sussmann zugerechnet werden. Bei der Restaurierung fand sich eine Genisa, ein Aufbewahrungsort für nicht mehr brauchbare Schriften und Gegenstände aus der Synagoge, worin sich zahlreiche alte religiöse Bücher, Gebetsriemen (Tefillin), Gebetsmäntelchen (Tallit Katan) und andere Gegenstände aus dem religiösen Leben befanden. Seit 1997 ist das Gebäude für Besucher zugänglich. Im April 2000 wurde neben der ehemaligen Synagoge ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Umgekommenen der NS-Zeit im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach errichtet. Die vier Seiten des Gedenksteines des Untersteinbacher Künstlers Reinhart Fuchs tragen die Namen der ermordeten Juden aus Schwabach, Thalmässing, Roth und Georgensgmünd.   
    
Adresse/Standort der Synagoge: Am Anger 9 (Jüdisches Museum & Synagoge)
Nähere Informationen: Rathaus Georgensgmünd, Bahnhofstraße 4, 91166 Georgensgmünd, Telefon: 09172/703-0, Telefax: 09172/703-50.  
          
          

          
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30. Juli 2006)

Georgensgmuend Synagoge 100.jpg (102354 Byte) Georgensgmuend Synagoge 107.jpg (83433 Byte) Georgensgmuend Synagoge 114.jpg (64956 Byte)
Der Weg zur ehemaligen Synagoge 
ist im Ort ausgeschildert 
Hinweistafel  Von allen Seiten ist das Gebäude 
elektronisch gesichert 
  
     
Georgensgmuend Synagoge 115.jpg (110865 Byte) Georgensgmuend Synagoge 111.jpg (84794 Byte) Georgensgmuend Synagoge 112.jpg (101760 Byte)
Blick zur 1736 
erbauten Synagoge 
Fenster des 
Betsaales 
Die L-förmig an die Synagoge angebaute
 Schule mit Lehrerwohnung  
     
Georgensgmuend Synagoge 110.jpg (70970 Byte) Georgensgmuend Synagoge 113.jpg (72993 Byte) Georgensgmuend Synagoge 109.jpg (72559 Byte)
Ostseite: der Standort des Aron Hakodesch (Toraschrein) ist von außen klar erkennbar  Eingangstor, darüber Portalinschrift 
   
Georgensgmuend Synagoge 108.jpg (74065 Byte) Georgensgmuend Synagoge 102.jpg (102493 Byte) Georgensgmuend Synagoge 101.jpg (67572 Byte)
Die Portalinschrift "Öffnet mir die Tür, 
denn ich komme durch sie herein") 
Der im April 2000 
errichtete Gedenkstein 
Hinweistafel am 
Gedenkstein 
     
Georgensgmuend Synagoge 104.jpg (90787 Byte) Georgensgmuend Synagoge 103.jpg (117917 Byte) Georgensgmuend Synagoge 105.jpg (93903 Byte)
Namen der aus Thalmässing
 umgekommenen Juden
Namen der aus Schwabach und 
Thalmässing umgekommenen Juden
Namen der aus Georgensgmünd
 umgekommenen Juden 
     
  Georgensgmuend Synagoge 106.jpg (94247 Byte)  
  Namen der aus Roth und Schwabach
 umgekommenen Juden
 

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Georgensgmünd
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Georgensgmünd (interner Link)    
Die Namen der jüdischen Kriegsteilnehmer der Kriege 1870/71 und 1914-1918 auf einer Liste des Hauses der Bayerischen Geschichte  
Seite zu Familie Tachauer und Georgensgmünd (Fotos aus der Familie und Video über Besuch des Friedhofes, hebräische Kommentierung) 

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 187.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 159-160.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 287-288.    
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Georgensgmünd S. 334-349. 
Franken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Georgensgmünd S. 68-70.           
Georgensgmuend Lit 13010.jpg (51857 Byte)Gerd Berghofer: Die Anderen. Das fränkische Georgensgmünd und seine Juden vor und während des Dritten Reiches. Mit einem Vorwort von Axel Schwaiger. 394 S., über 100 Abb.  ISBN 978-3-934145-90-0.
wek-Verlag Treuchtlingen-Berlin
2013. 19,80 €. 
   
Handsignierte Exemplare beim Autor: Mail: gerd.berghofer[et]t-online.de 
   
Zum Inhalt: Der Autor Gerd Berghofer berichtet über eine anfangs nahezu intakt scheinende Gemeinschaft zwischen Juden und Nichtjuden, die sich zu verändern beginnt. Der 'Versailler Schmachfrieden', die verhasste Weimarer Republik, die aufkommende nationalsozialistische Agitation – all das dringt auch in das kleine Georgensgmünd. Sehr genau wird nachgezeichnet, wie der Ort politisch den Nationalsozialisten in die Hände gegeben wurde und wie die Juden zunehmend in die Defensive gerieten – bis 1933 der Wahnsinn zur Legalität erklärt wurde und viele den Ort bzw. Deutschland verließen. Berghofer betrachtet nicht nur die Juden, die bis zu Vertreibung 1938 im Ort lebten, sondern auch jene, die bereits lange vorher Georgensgmünd verlassen hatten, aber mit ihrer Verwandtschaft noch in regem Kontakt standen. In mühevoller Kleinarbeit rekonstruierte er die weiteren Lebenswege dieser Menschen. Der Autor erzählt nicht nur Geschichte, sondern beeindruckt auch durch das zusammengetragene Bildmaterial und viele Details. Damit hat er ein besonderes Geschichtsbuch geschaffen, das lesenswert ist für alle, die einen Einblick in eine ungeheuerliche Zeit bekommen möchten, für die Georgensgmünd letztlich nur ein Beispiel ist.   
 
Georgensgmuend Lit 2017.jpg (23451 Byte)Gerd Berghofer: Die Anderen - wie alles begann. Vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg. 490 S., Broschur, über 100 Bilder, ISBN 978-3-9816879-6-5. 19,80 €. Erscheint Ende September 2017.  

Zum Inhalt: In einem weiten Bogen, der bei den frühesten urkundlichen Erwähnungen und den ersten Grundherren beginnt und mit dem Ersten Weltkrieg endet, schildert Gerd Berghofer das Miteinander von Christen und Juden am Ort über die Jahrhunderte hinweg. Dabei beantwortet er die Frage nach einer Burg in Georgensgmünd ebenso plausibel, wie die nach dem Standort der ersten Synagoge vor dem Dreißigjährigen Krieg. Berghofer spürt dem Mysterium des Synagogenmalers Elieser Sussmann nach und überrascht den Leser mit verblüffenden Ergebnissen. Aber auch die Darstellungen der Auswanderungsbewegung im 19. Jahrhundert, des Vereinslebens und vor allem des jüdischen Hopfenhandels vermitteln einen bleibenden Eindruck von jüdischem Leben bis zum Ersten Weltkrieg.
Weitere Informationen: https://gerd-berghofer.wixsite.com/gerdberghofer     
  

   

     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Georgensgmuend Middle Franconia.  Jews were present in the late 16th century. A synagogue was built in 1723 and the Jewish population reached 120 in 1880 (total 1.386). In 1933, 35 remained. About two-thirds left from 1933 to mid-1938. The last 12, mostly old, were expelled towards the end of 1938.  
               

   

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

           

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 24. Juni 2017