Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Georgensgmünd (Kreis Roth bei Nürnberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

 
Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen und andere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
bulletLinks und Literatur   

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Georgensgmünd bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1542 der Jude Jacob sowie 1564 ein weiterer Jude in Georgensgmünd genannt: in diesem Jahr ließ sich der Apotheker Samuel, ein Bruder des Jakob von Roth mit seiner Familie in Georgensgmünd nieder. Ein Hinweis für die frühe Bedeutung der Gemeinde ist insbesondere der noch im 16. Jahrhundert angelegte große jüdische Friedhof am Ort. Seit Ende des 16. Jahrhunderts zogen mehrere jüdische Familie nach Georgensgmünd: 1603 waren es 54 jüdische Einwohner. Im Dreißigjährigen Krieg kamen weitere jüdische Familien dazu, sodass 1630 40 % der Ortsbevölkerung Juden waren (etwa 80 bis 100 Personen). 1631/32 wurde Georgensgmünd durch kaiserliche Söldner verwüstet. Der Ort war danach einige Zeit unbewohnt. Spätestens nach Kriegsende zogen wieder jüdische Familien zu und beteiligten sich am Wiederaufbau des Ortes. 1665 wurde in einer Gemeindeordnung das Zusammenleben von Christen und Juden am Ort geregelt. 1714 lebten sechs jüdische Familien in Georgensgmünd. Bis 1766 steigt die Zahl auf 28 Familien.  
   
Weitere genaue Zahlen zur Größe der jüdischen Gemeinde liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: 1809/10 70 jüdische Einwohner (11,8 % von insgesamt 592 Einwohnern), 1811/12 62 /10,3 % von 604), 1867 101 (7,8 % von 1.301), 1880 120 (8,7 % von 1.386), 1900 78 (4,9 % von 1.580), 1910 78 (4,7 % von 1.660). 
    
Die jüdische Gemeinde hatte seit 1524 einen Friedhof, spätestens 1735 ein (neues) jüdisches Gemeindezentrum mit einer Synagoge (s.u.), einer jüdischen Schule und einem rituellen Bad (1907 renoviert, siehe Bericht unten) und der Lehrerwohnung. Ein Lehrer war jeweils angestellt, der zugleich als Schächter und Vorsänger tätig war. Bei anstehenden Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben (s.u.).   
  
Im Krieg 1870/71 war Kriegsteilnehmer aus der jüdischen Gemeinde Heinrich Lewy, im Ersten Weltkrieg fiel Offz.St. Heinrich Gern (geb. 7.3.1878 in Georgensgmünd, gef. 15.4.1918). Die beiden Namen stehen auf den Kriegerdenkmalen in der Ortsmitte links der Brücke über die Fränkische Rezat.   
  
Um 1925, als noch 45 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (2,57 % von insgesamt 1.750 Einwohnern), waren die Vorsteher J. Neumark und  Abraham Heidecker. Den Religionsunterricht für das damals nur eine schulpflichtige jüdische Kind erteilte Lehrer Sally Cohn aus Thalmässing. An jüdischen Vereinen bestanden der Israelitische Frauenverein unter Leitung von Rosa Sohn (14 Mitglieder) und der Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa unter Leitung von Carl Gern (6 Mitglieder). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Schwabach. 1932 gab es noch 41 jüdische Gemeindeglieder. Die beiden Vorsteher waren inzwischen Karl Gern (1. Vorsteher) und Abraham Heidecker (2. Vorsteher). Auch im Schuljahr 1931/32 gab es nur ein schulpflichtiges jüdisches Kind in der Gemeinde, das durch Lehrer M. Schuster aus Ellingen unterrichtet wurde.  
   
1933 wurden 35 jüdische Einwohner gezählt. Bis Mitte 1938 verließen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der ständigen Repressalien etwa zwei Drittel der ortsansässigen Juden den Ort. Die meisten wanderten nach Palästina/Israel und in die USA aus oder verzogen innerhalb Deutschlands. 1935 wurde am Ortseingang eine Tafel angebracht mit dem Text: 'Unser Bedarf an Juden ist hinreichend gedeckt'. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Fenster der jüdischen Wohnungen zerschlagen; einige der jüdischen Einwohner vorübergehend inhaftiert. Zwei Tage später wurden im Rahmen einer örtlich begrenzten "Einzelaktion" die letzten 12 jüdischen Einwohner, fast nur alte Menschen aus dem Ort vertrieben, sodass Georgensgmünd am 1. Januar 1939 in der NS-Sprache "judenfrei" war. Von den vertriebenen Juden konnten vier noch in die USA emigrieren.   
  
Anmerkung: Hinweis auf die "Liste der aus Georgensgmünd deportierten Juden" (pdf-Datei der an den International Tracing Service von der Gemeinde Georgensgmünd über das Landratsamt Schwabach am 28.11.1962 mitgeteilten Liste mit 12 Namen aus Georgensgmünd).
   
Von den in Georgensgmünd geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namen auf dem Gedenkstein vor der ehemaligen Synagoge): Selma Aufhäuser geb. Heidecker (1887), Irma Dreyfuss geb. Neumark (1897), Rosa Eisen geb. Neumark (1876), Fanny Elias (1879), Emma (Emmy) Emanuel geb. Gern (1906), Berta Friedmann geb. Neumark (1870), Louis Gern (1877), Justin Gerstle (1892), Rosalie Gerstle geb. Heidecker (1860), Emma Grossmeyer geb. Wahle (1876), Herbert Grossmeyer (1907), Emmanuel Heidecker (geb. ?), Emma Heidecker (1873), Jakob Heidecker (1869), Jette Heidecker (1860), Siegmund Heidecker (1879), Sophie Heidecker (1878), Karoline Kaufmann geb. Neumark (1868), Emma Kohlmann geb. Heidecker (1884), Emilie Lämmle geb. Neumark (1874), Karoline (Lina) Landecker geb. Wild (1877), Sofie Maier geb. Gutmann (1870), Frieda Meyer geb. Apfel (1873), Emmy Michelbacher (geb. ?), Martha Neumark geb. Neumark (1872), Robert Neumark (1877), Recha Oppenheimer geb. Tachauer (1888), Rosa Pindrik geb. Großmayer (1883), Therese Platz geb. Apfel (1871), Zilly Sämann geb. Schloss (1885), Pauline (Paula) Scharf geb. Schloss (1896), Hanna Schloss (1892), Selma Schloss (1889), Josef Löb Selling (1861), Rosa Sohn (1864), Bella Steinhardt (1878), Simon Tachauer (1881), Louis (Loy) Wild (1873), Babette Wittkowsky geb. Lewy (1876).
  
   
Nach dem Krieg ließen sich einige Überlebende aus Konzentrationslagern, die jedoch nicht aus Georgensgmünd stammten, vorübergehend am Ort nieder (Displaced Persons). Georgensgmünd war eine "Außengemeinde/Sub Community" des "Jüdischen Kreis-Komitees/Jewish District Committee" in Schwabach. Im Mai 1946 lebten 23 jüdische Personen in Georgensgmünd. Spätestens im Zusammenhang mit der Gründung Israels 1948 verließen sie den Ort.
Informationen zum "Jüdischen Kreis-Komitee" Schwabach mit Foto: "Jüdische DPs in der alten Georgensgmünder Synagoge":  https://www.after-the-shoah.org/schwabach-juedisches-kreis-komitee-jewish-district-committee/

    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorsängers / Schächters 1870 / 1871 / 1872 / 1879 / 1884 / 1886 / 1891 / 1893 / 1897 / 1904 / 1922-23 / 1924  

Georgensgmuend Israelit 26011870.jpg (40035 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1870: "Es ist in Georgensgmünd, Bezirksamt Schwabach, die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters erledigt, mit einem Jahresgehalt von 450 Gulden und Nebenverdiensten, nebst freier Wohnung und drei Klafter Schulholz. Inländische Bewerber, welche sich über ihre Befähigung ausweisen können, wollen sich bei den Unterzeichneten baldigst melden.  Heidecker & Selling."
 
Georgensgmuend Israelit 08031871.jpg (64128 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1871: Wegen Rücktritt des hiesigen Herrn Lehrers vom Schulfache ist die hiesige Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schochet vakant, und ist die Stelle bis 1. Mai diesen Jahres, eventuell bis 1. Juli, zu besetzen. Der fixe Gehalt beträgt 450 Gulden nebst 4 Klafter Schulholz, freie Wohnung und nicht unbedeutende Nebenverdienste. Bewerber wollen ihre Zeugnisse an die unterzeichnete Kultusverwaltung baldmöglichst einsenden. 
Georgensgmünd (Bayern), am 26. Februar 1871. Die Vorstände der Kultusgemeinde."
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1872: "Offene Stelle
Wegen Rücktritt unseres bisherigen Lehrers vom Schulfache wird die Stelle als Religionslehrer, Vorsänger und Schächter bis 1. Juli eventuell August dieses Jahres erledigt. Jährliches Einkommen 450 Gulden, freie Wohnung, 4 Klafter Schulholz und ansehnliche Nebenverdienste. Bewerber wollen ihre Zeugnisse über ihre Qualifikation an die Unterzeichneten einsehen. 
Georgensgmünd, den 11. April 1872. Die Vorsteher der Kultusgemeinde: Ellinger & Selling."     
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1879: "Offene Lehrer-Stelle
Die hiesige israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle soll bis 8. Dezember dieses Jahres wieder besetzt werden. Das Jahresgehalt beträgt M. 1000 fix nebst freier Wohnung im Schulhause und 12 Ster Schulholz. Zur Erteilung von Privatunterricht ist vielfache Gelegenheit geboten. Bewerber um diese Stelle, welche in einem bayerischen Seminar ihre Ausbildung erlangt haben, erhalten den Vorzug und belieben dieselben ihre Gesuche mit nötigen Zeugnissen versehen portofrei innerhalb 4 Wochen an die unterzeichnete Verwaltung einsenden. Georgensgmünd, den 17. August 1879.  Emanuel Neumark.  Moritz Wild."
   
Georgensgmuend Israelit 17011884.jpg (88730 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1884. "Offene Lehrerstelle.  
In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Schächters in Erledigung gekommen und soll sofort wieder besetzt werden. 
Der fixe Gehalt beträgt das Jahr als Lehrer und Vorsänger Mark 800, als Schächter Mark 400, in Summa Mark 1.200, sowie freie Wohnung im Schulhause und 12 Ster Schulholz, außerdem stehen nicht unbedeutende Nebenverdienste in Aussicht. 
Nur gut qualifizierte, seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Anmeldungen mit den nötigen Zeugnissen sofort portofrei an unterzeichnete Verwaltung einsenden. 
Ausländische Bewerber werden nicht berücksichtigt. 
Georgensgmünd, den 8. Januar 1881. Emanuel Neumark, Bermann Gern. Vorstand."
   
Georgensgmuend Israelit 13051886.jpg (55044 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1886: "Offene Lehrerstelle. 
Die hiesige israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle soll innerhalb 2 Monate wieder besetzt werden, der fixe Gehalt für diese 3 Funktionen beträgt 1.200 Mark nebst freier Wohnung im Schulhause und 12 Ster Schulholz, außerdem stehen nicht unbedeutende Nebenverdienste in Aussicht. Nur gut qualifizierte, seminaristisch gebildete Bewerber wollen ihre Anmeldungen mit den nötigen Zeugnissen sofort portofrei einsenden. 
Georgensgmünd, den 2. Mai 1886.  Die israelitische Kultusverwaltung."
  
Georgensgmuend Israelit 19031891.jpg (62215 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1891: "Offene Lehrer-Stelle
In Folge Erkrankung unseres bisherigen Herrn Lehrers hat sich die hiesige Religionslehrer-, vorsänger- und Schächterstelle erledigt und soll diese Stelle sofort wieder besetzt werden. Das fixe Gehalt als Religionslehrer und Vorsänger beträgt Mark 800, das der Schächterfunktion ca. Mark 300, bei freier Wohnung, 4 Klafter Brennholz und nicht unbedeutenden Nebenverdiensten. Nur seminaristisch Gebildete wollen ihre Zeugnisse an Unterzeichneten einsenden, und wird bemerkt, dass den zur Probe Berufenen die Reisespesen vergütet werden. Ausländer sind von der Bewerbung ausgeschlossen. Georgensgmünd, 15. März 1891. B. Gern, Kultus-Vorstand."
   
Georgensgmuend Israelit 14081893.jpg (97337 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1893: "Offene Lehrerstelle. Infolge anderweitiger Berufung unseres seitherigen Herrn Lehrers wird die hiesige Lehrer-, Chasan- und Schochetstelle vom 1. September dieses Jahres an vakant. 
Der Gehalt beträgt Fixum 750 Mark, mit Worten siebenhundertfünfzig Mark, freie Wohnung im Schulhause und 9 Meter Schulholz. Außerdem diesem das Erträgnis der Schechitah mit ca. 300 Mark, wofür jedoch keine Garantie geleistet wird und die üblichen Nebenverdienste. Nur seminaristisch gebildete Bewerber, mit guten Stimmmitteln begabt und ledigen Standes werden berücksichtigt. 
Gesuche, mit den nötigen Zeugnissen versehen, sind sofort an die unterzeichnete Kultusverwaltung einzureichen. Georgensgmünd, 6. August 1893. Die Kultusverwaltung: Welsch."
Hierauf hat sich Lehrer (Dr.) Ernst Fränkl beworben, der bis 1896 in Georgensgmünd blieb und danach 40 Jahre lang in Augsburg tätig war. Zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum in Augsburg erschien eine Würdigung zu seiner Lebensarbeit. Auch die Jahre in Georgensgmünd sind darin erwähnt (s.u.).
  
Georgensgmuend Israelit 30121897.jpg (72862 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1897: "Offene Lehrerstelle
Wegen Mangel geeigneter Kandidaten wird die Stelle nun ausgeschrieben. 
Es ist hier die Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle bis 1. Februar 1898 neu zu besetzen. Fixer Gehalt Mark 750. Sicherer Nebenverdienst Mark 600 nebst freier Wohnung und 12 Ster Brennholz. Bewerber müssen seminaristisch gebildet, gute Zeugnisse besitzen und Inländer sein. 
Georgensgmünd, 27. Dezember. Die Kultusverwaltung: Josef Heidecker." 
       
Georgensgmuend Israelit 24031904a.jpg (71994 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Offene Lehrerstelle
Wegen Beförderung des bisherigen Herrn Lehrer ist dahier die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle vakant geworden. 
Es ist mit dieser Stelle ein fixes Gehalt von Mark 750. - Schächterdienst ca. Mark, Nebenverdienst circa 400 Mark nebst freier Wohnung und Beheizung verbunden.  
Bewerber, welche seminaristisch gebildet, unverheiratet sind, über gute Zeugnisse und tüchtige Stimmmittel verfügen, werden gebeten, sofort beglaubigte Abschriften ihrer Originalzeugnisse anher einzusenden. Dem Gewählten werden Reisekosten vergütet. Es werden nur Inländer berücksichtigt.  
Georgensgmünd in Bayern, 20. März. Die Kultusverwaltung: Jacob Neumark, Vorstand."     
 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1922: "Offene Lehrer-, Schochet- und Vorbeterstelle! In unserer Gemeinde ist diese Stelle per sofort zu besetzen. Entsprechend den Leitsätzen des Verbandes Bayerischer israelitischer Gemeinde beträgt das Gehalt 3/4 der staatlichen Sätze (mit Zuschuss des Verbandes). Die Wohnung wird neu renoviert, außerdem ist größerer Wurzgarten vorhanden. Herren mit eigenem Haushalt wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse alsbald melden. Kultusverwaltung Georgensgmünd bei Nürnberg."    
Vermutlich war die Stelle nicht zu besetzen. Nach dem Tod des Lehrers Kaufmann in Ellingen 1922/23 haben sich die Gemeinden Ellingen und Georgensgmünd entschlossen, gemeinsam einen Lehrer anzustellen:
Ellingen Israelit 10051923.jpg (48856 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1923: "Die Kultusgemeinden Ellingen und Georgensgmünd suchen gemeinschaftlich zum sofortigen Antritt einen Chasan, Schochet und Religionslehrer streng religiöser Richtung. Gehalt nach Tarif. Wohnsitz ist Ellingen. Günstige Bahnverbindung nach Georgensgmünd. Reflektiert wird wegen Wohnungsfragen auf ledigen jungen Mann. Pension vorhanden. Gefällige Offerten erbeten an Kultusgemeinde Ellingen."
      
Ellingen Israelit 14021924.jpg (51640 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1924: "Die Lehrer-, Chasen- und Schochetstelle Ellingen-Georgensgmünd ist sofort zu besetzen. Es wird auf tüchtigen, orthodoxen, ledigen Herrn gesehen. Fixum jährlich 1.200 Mark und Nebenverdienste. Angebote wollen an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Ellingen (Bayern) gerichtet werden."
     
Ausschreibung der Friedhofdiener-Stelle 1902  
Georgensgmuend Israelit 03041902.jpg (70700 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1902: "Friedhofdiener-Stelle. Die durch Ableben erledigte Stelle eines Friedhofsdieners in Georgensgmünd soll wieder besetzt werden. Der fixe Gehalt beträgt 400 Mark etwaige Nebenverdienste ungefähr 200 Mark, außerdem kann die Stelle eines Gemeindedieners der Kultusgemeinde in Georgensgmünd gegen entsprechende Bezahlung mit übernommen werden.
Bewerber, welche kleine Familie haben und nebenbei ein Handwerk, wie Buchbinderei, Glaserei etc. betreiben können, erhalten den Vorzug. Gesuchen wollen bis spätestens 1. Mai unter Angabe der bisherigen Lebensstellung und unter eventueller Beilegung von Zeugnissen an den unterfertigten eingereicht werden.
Der Kreisvorstand der vereinigten Friedhofsgemeinden: Ludwig Herrmann, Schwabach."

  
Lehrer Vorchheimer sucht eine Vertretung für einige Monate (1890) 
 

Georgensgmuend Israelit 04121890.jpg (47169 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1890: "Ich suche per sofort auf einige Monate einen Vertreter für meine Lehrerstelle in Georgensgmünd (Mittelfranken). Gehalt nach Übereinkunft. Bewerber, welche auch Vorbeter und Schächter sein müssen, wollen ihre Offerten an Lehrer Vorchheimer, israelitisches Spital in Würzburg, richten."     

     
Dienstjubiläum des ehemaligen jüdischen Lehrers Dr. Ernst Fränkl 1936 in Augsburg, 1893-1896 Lehrer in Georgensgmünd

Georgensgmuend Bayr GZ 15021936.JPG (208180 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1936: "Dr. Ernst Fränkl 40 Jahre Lehrer in Augsburg. 
Am 1. Februar war es unserem lieben Freunde Dr. Ernst Fränkl vergönnt, sein 40jähriges Dienstjubiläum als Lehrer in Augsburg zu feiern. Für Dr. Fränkl war diese Dienstzeit eine Zeit des Erfolges, errungen durch eigene Kraft; es waren Jahre des Aufstieges, erreicht durch unaufhörliche, ernsteste Arbeit an sich. Der Jubilar hat allen Grund, mit innerer Befriedigung auf sein Werk zurückzublicken; denn seine Arbeit war nicht vergebens. Nicht nur Wissen vermittelte er seinen Schülern, sondern er verstand es auch religiöses Gefühl bei ihnen zu erwecken, weil er selbst von aufrichtiger Religiosität erfüllt ist. Als guten Lehrer ist ihm auch die Macht des Beispiels bekannt und so wirkt er durch gutes Beispiel durch Unermüdlichkeit, durch Pflichttreue und durch vorbildliche Berufsauffassung auf Schüler und Erwachsene gleichmäßig stark und anhaltend sein. 
Wer so wirken kann, wie es dem Jubilar vergönnte ist, der ist ein wahrer Lehrer. Der Fränkl hat offenbar die Grundbedingungen zu seinem Beruf als Lehrer und Erzieher in die Wiege gelegt bekommen. Sein seliger Großvater Aron Fränkl war, wie Kollege rose Altenstadt in seiner 1931 erschienen Schrift 'geschichtliches der Israelitischen Kultusgemeinde Altenstadt' nachweist, der erste vorschriftsmäßige vorgebildete Volksschullehrer der israelitischen Volksschule in Altenstadt (laut Urkunde vom 11.10.1828 über die feierliche Installation des Lehrers Aron Fränkl an der deutschen Judenschule zu Altenstadt durch das Distriktsschulinspektorat Illertissen 'nach allerhöchster Verordnung'). 'Unser erster Sohn muss Lehrer werden', das war der Lieblingswunsch des Vaters unseres Jubilars. So durfte dieser den für seine seelische Einstellung allein zu voller Beglückung führenden Lebensweg beschreiten. 
Dr. Ernst Fränkl wurde am 4. August 1874 in Altenstadt geboren; nach dem Besuch der Talmud-Tora-Schule in Burgpreppach war er 1890-1893 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, die er 1893 mit gutem Erfolge absolvierte. Von 1893-1896 amtierte er in Georgensgmünd und seit 1. Februar 1896 ununterbrochen in Augsburg. Im Jahre 1897 legte er die Anstellungsprüfung in Augsburg ab, unterzog sich 1901-1904 philosophischen Studien in Augsburg, München, Zürich und Bern und promovierte mit magna cum laude in Bern auf Grund der Dissertation: *Über Vorstellungselemente und Aufmerksam
keit, ein Beitrag zur experimentellen Psychologie' (254 Seiten). 
Im Jahre 1907 erhielt er die goldene Fortschrittsmedaille auf der Ausstellung 'Das Kind', Wien, für hervorragende Leistungen auf psychologischem gebiete. Im Jahre 1929 wurde der jüdische Religionslehrer Dr. Ernst Fränkl vom Rektor eines protestantischen Gymnasiums in Augsburg während seines Urlaubs als Rektoratsvertretung bestellt.
Der Ernst Fränkl nahm auch stets regen Anteil an der Arbeit unseres Lehrervereins. Es bedeutete daher nur eine Anerkennung dieser Tatsache, wenn ihn die Vereinsleitung anlässlich der 50jährigen Jubiläumstagung des Vereins zum Festredner bestimmte. Seit 1933 ist Freund Fränkl auch Obmann unserer Schwäbischen Bezirkskonferenz.
So hat denn der Jubilar seine Arbeitskraft nicht nur seiner Gemeinde geweiht, sondern er hat darüber hinaus treue Mitarbeit an vielen gemeinnützigen Bestrebungen geleistet und überall befruchtend und anregend gewirkt. Darum nehmen an seinem Jubelfeste nicht nur die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg teil, sondern auch vor allem seine Berufsgenossen in Stadt und Land. Wir wünschen dem Jubilar weiterhin gesunden Optimismus und Befriedigung in seinem Beruf und seiner Arbeit."

      
Lehrer Salomon Adler wird zum Lehrer an die Präparandenschule Burgpreppach berufen (1904)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Georgensgmünd, 18. März (1904). Unser Herr Lehrer Adler ist zum Lehrer in der Präparanden-Schule (Talmud-Thora) in Burgpreppach berufen und bereits von der königlichen Regierung bestätigt worden. Da er es verstanden hat, durch treue Pflichterfüllung und leutseliges Wesen sich die ungeteilte Wertschätzung der ganzen Gemeinde zu erringen, so wird das Scheiden dieses strebsamen Beamten von hier allgemein bedauert. Sei erfolgreich und betreibe die Sache der Wahrheit".  
    
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Burgpreppach. Als Nachfolger des an die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main berufenen Herrn K. Ochsenmann ist, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, Herr Salomon Adler, zur Zeit in Georgensgmünd, zum Lehrer an der Israelitischen Präparandenschule zu Burgpreppach gewählt worden. Die Wahl hat bereits die Bestätigung der Königlichen Kreisregierung zu Würzburg erhalten. Herr Adler ist gleich seinem Vorgänger ein ehemaliger Schüler der Burgpreppacher Schule."     
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1904: "Nachruf
Wir sehen uns hiermit veranlasst, Herrn Lehrer S. Adler, der nahezu 4 3/4 Jahre in hiesiger Gemeinde wirkte, und nunmehr plötzlich zu unserm Bedauern, durch seine Berufung nach Burgpreppach, die Gemeinde verlässt, für sein Schaffen und Wirken unsern besten Dank abzustatten. Derselbe war uns, war hier noch besonders konstatiert sein möge, stets ein lieber Freund, er verstand es, wie selten einer durch sein stets taktvolles und leutseliges Benehmen, gerechtes Wesen, sich in allen Kreisen einzubürgern, und sich überall allgemeine Achtung zu verschaffen. 
Wir wünschen ihm in seinem neuen Heim viel Glück und Segen. Möge es ihm stets gut ergehen. 
Georgensgmünd
, 9. April 1904. 
I.A. der Gemeinde: Die Kultusverwaltung J. Neumark, Vorstand."       

         
        
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Judenhetzer machen sich bemerkbar (1881)   

Diespeck Israelit 05011881.jpg (69650 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1881: "Neustadt an der Aisch (24. Dezember). Auch die hiesige Gegend hat einen Judenhetzer in der Person des Pfarrers Brügel von Gutenstetten aufzuweisen. Der Tätigkeit dieses Predigers ist es bereits gelungen, in dem nahen Dorfe Diespeck, wo derselbe wegen Krankheit des dortigen Pfarrers die Verwesung (= Vertretung) führt, die christlichen Bewohner derart gegen die Juden aufzuhetzen, dass in einer Nacht an der Behausung des Zigarrenhändlers Bauers sämtliche Fenster eingeworfen wurden. Größere Exzesse von Seiten der erregten rohen Gemüter sollen nach offener Aussage Einzelner in sicherer Aussicht stehen. (Auch aus Georgensgmünd wird von der unerfreulichen Tätigkeit einiger Judenhetzer berichtet, jedoch mit dem Hinzufügen, dass sie bei der Bevölkerung wenig Gehör fänden."      

 
Reparatur der Mikwe (1907)  

Georgensgmuend Israelit 13061907.jpg (21724 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1907: "Georgensgmünd, 10. Juni (1907). Auf Anregung aus der Mitte der Gemeinde hat der Vorstand das Ritualbad, das der Reparatur recht dürftig war, wieder in Stand setzen lassen. Der 'Landes-Verein' leistete einen namhaften Zuschuss zu den Kosten."

    
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Zum 1. Jahrzeittag des Lehrers Selig Wißmann (geboren in Georgensgmünd; 1892 bis 1927 Lehrer in Künzelsau)   

Kuenzelsau Israelit 09021928.jpg (165769 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Künzelsau, 5. Februar (1928). Am 16. Februar jährt sich zum ersten Male der jüdische Todestag des am 25. Schewat 5687 verschiedenen Religionslehrers Selig Wißmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in Künzelsau
Da im vorigen Jahre an dieser Stelle eine ausführliche Schilderung seiner Persönlichkeit und seines Wirkens unterblieb, sei dies jetzt nachgeholt. 
Selig Wißmann wurde am 1. Main 1869 als Sohn des Rabbiners Salomon Wißmann ( das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in Georgensgmünd (Bayern) geboren. Schon mit dem sechsten Jahre war er Vollwaise geworden, sodass er bei seinem Onkel, Rabbiner Löb Wißmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - Schwabach, erzogen wurde. Mit großem Eifer widmete er sich an der dortigen Talmud-Tora-Schule dem Studium unserer heiligen Schrift und nichts bereitete ihm mehr Freude als Tag und Nacht forschen zu können. Nach dreijährigem Besuch des Israelitischen Lehrerseminars Würzburg trat er in noch jugendlichem Alter eine Hilfslehrerstelle in der Gemeinde Thüngen an, wo er seine Kenntnisse im Jüdischen bei Hauptlehrer Eschwege - (Alles Gute) bis 120 Jahre - der jetzt in Frankfurt weilt, erweiterte. Dort lernte er auch seine künftige Gattin kennen, die ihm auf allen seinen Wegen in seinem Beruf eine treue Begleiterin war. Drei Jahre war er dann Lehrer in Alzenau (Unterfranken) und hierauf wählte ihn die Gemeinde Künzelsau im Jahre 1892 zu ihrem Lehrer und Führer. Bis zu seinem so plötzlichen und unerwarteten Tode war es sein Streben, die Gemeinde zu Thauro (Tora), Awaudo (Gottesdienst) und Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit) zu erziehen, gerade so wie es sein Streben war, seinen sieben Kindern die gleich innige Liebe zu Gott und seinen Geboten einzupflanzen, die ihn beherrschte. Sein stetes Streben war auf Frieden gerichtet. Dadurch verstand er es auch, sich bei Juden und Nichtjuden gleich große Achtung und bei seiner vorgesetzten Behörde die allergrößte Wertschätzung zu erwerben. Das zeigte sich bei seiner Beerdigung, bei welcher nicht weniger als dreizehn Nachrufe gehalten wurden. Die Gemeinde hatte nach 35 Jahren ihren treuen Führer, das Land Württemberg einen seiner besten Lehrer, das Judentum einen seiner treuesten Anhänger, der mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Vermögen seinem Gotte diente, verloren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
  
Anzeigen und andere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
H. Herrmann bietet eine Torarolle an (1882)

Georgensgmuend Israelit 15031882.jpg (26135 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1882: "Eine Sefer Tora, (Torarolle) fast noch neu, ist sehr billig mit Garantie zu verkaufen bei H. Herrmann, Georgensgmünd, Bayern."

     
Dokument aus der Firma Heidecker & Koch (1919) 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)    

Karte der Firma Heidecker & Koch, 
Stahl-, Bürsten-, Papier-, Kurzwaren 
en gros (1919)  
Georgensgmuend Dok 20090301.jpg (78200 Byte) Georgensgmuend Dok 20090301a.jpg (79681 Byte)
   Auf der Karte wird der Besuch eines Herrn A. Stolbinger angekündigt, der im Auftrag der Firma Heidecker & Koch Bestellungen entnehmen kann. Die Karte wurde am 2. August 1919 nach Waldmünchen verschickt. Die Fa. Heidecker & Koch wurde 1908 von Wilhelm Heidecker und Hans Koch gegründet und bestand vermutlich bis 1931/32. Firmensitz war zuletzt im Gebäude Bahnhofstraße 11.

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge          
    
Seit Ende des 16. Jahrhunderts war eine erste Synagoge vorhanden. Bei der Verwüstung des Ortes durch kaiserliche Söldner am 21. Oktober 1631 brannte die Synagoge vollständig ab.   
   
1734/35 wurde die bis heute bestehende Synagoge erbaut, unter der sich eine Mikwe (rituelles Bad) befand. Am 6. Adar 5495 (4./5. März 1735) wurde die Synagoge vom markgräflichen Landesrabbiner eingeweiht. 1836/37 wurde L-förmig an das Synagogengebäude mit einem staatlichen Zuschuss für insgesamt 800 Gulden die jüdische Schule angebaut mit einer Wohnung für den Lehrer/Vorbeter. In dieser Zeit dürfte auch die zweite Mikwe eingerichtet worden sein, die heizbar war. Zum Bau der Schule erschien nachstehende Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums.   

Georgensgmuend AZJ 18111837.jpg (25081 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. November 1837: "In Petersgmünd (= Teil des heutigen von Georgensgmünd) im Rezatkreise erbaute die jüdische Gemeinde ein neues Schulhaus. Auf Verwenden des königlichen Landrichters Wunder erhielt dieselbe durch die Gnade Seiner Majestät 300 Gulden. Das ganze Gebäude kostet 800 Gulden."

Die Ritualien der Synagoge wurden im Oktober 1938 nach München verbracht, wo sie beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurden. Das Synagogengebäude wurde bereits zuvor - im August 1938 - an einen benachbarten Bäcker verkauft. Dennoch wurde beim Novemberpogrom 1938 die Inneneinrichtung der ehemaligen Synagoge teilweise zerstört. Das Gebäude wurde in der Kriegszeit als Lagerhaus zweckentfremdet. 
  
Nach 1945 wurde die Synagoge noch für einige Zeit von Holocaust-Überlebenden (Displaced Persons) wieder als Synagoge verwendet. Nach Auflösung des DP-Lagers in Georgensgmünd wurde die ehemalige Synagoge zunächst als Turnhalle benutzt. Später war sie Holzlege in Privatbesitz, die ehemalige Schule wurde für Wohnzwecke verwendet. 1988 kaufte die Gemeinde Georgensgmünd das Gebäude und begann mit der Restaurierung. Dabei wurden an der Südseite im Inneren auch die ursprünglichen Wandmalereien teilweise freigelegt, die dem polnischen Synagogenmaler Elieser Sussmann zugerechnet werden. Bei der Restaurierung fand sich eine Genisa, ein Aufbewahrungsort für nicht mehr brauchbare Schriften und Gegenstände aus der Synagoge, worin sich zahlreiche alte religiöse Bücher, Gebetsriemen (Tefillin), Gebetsmäntelchen (Tallit Katan) und andere Gegenstände aus dem religiösen Leben befanden. Seit 1997 ist das Gebäude für Besucher zugänglich. Im April 2000 wurde neben der ehemaligen Synagoge ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Umgekommenen der NS-Zeit im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach errichtet. Die vier Seiten des Gedenksteines des Untersteinbacher Künstlers Reinhart Fuchs tragen die Namen der ermordeten Juden aus Schwabach, Thalmässing, Roth und Georgensgmünd.   
    
Adresse/Standort der Synagoge: Am Anger 9 (Jüdisches Museum & Synagoge)
Nähere Informationen: Rathaus Georgensgmünd, Bahnhofstraße 4, 91166 Georgensgmünd, Telefon: 09172/703-0, Telefax: 09172/703-50.  
          
          

         
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30. Juli 2006)

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Der Weg zur ehemaligen Synagoge 
ist im Ort ausgeschildert 
Hinweistafel  Von allen Seiten ist das Gebäude 
elektronisch gesichert 
  
     
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Blick zur 1736 
erbauten Synagoge 
Fenster des 
Betsaales 
Die L-förmig an die Synagoge angebaute
 Schule mit Lehrerwohnung  
     
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Ostseite: der Standort des Aron Hakodesch (Toraschrein) ist von außen klar erkennbar  Eingangstor, darüber Portalinschrift 
   
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Die Portalinschrift "Öffnet mir die Tür, 
denn ich komme durch sie herein") 
Der im April 2000 
errichtete Gedenkstein 
Hinweistafel am 
Gedenkstein 
     
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Namen der aus Thalmässing
 umgekommenen Juden
Namen der aus Schwabach und 
Thalmässing umgekommenen Juden
Namen der aus Georgensgmünd
 umgekommenen Juden 
     
  Georgensgmuend Synagoge 106.jpg (94247 Byte)  
  Namen der aus Roth und Schwabach
 umgekommenen jüdischen Personen
 

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

Mai 2015: Führung über "Markgräfliche Spuren in Georgensgmünd"  
Artikel von Eva Schultheiß im "Donau-Kurier" vom 27. Mai 2015: "Historische Reise durch Georgensgmünd. Führung mit Irene Heckel zum heimatkundlichen Jahresthema 600 Jahre Markgraftum Brandenburg-Ansbach.
Georgensgmünd (evs) Knapp 20 Interessierte sind zur Führung 'Markgräfliche Spuren in Georgensgmünd' gekommen, die von der Kreisheimatpflege des Landkreises Roth im Rahmen des Jahresthemas '600 Jahre Markgraftum Brandenburg-Ansbach' veranstaltet worden ist. 'Die Herrschaftszeit der Ansbacher Markgrafen reichte bis 1791', informierte Gästeführerin Irene Heckel, 'bis Markgraf Alexander die Fürstentümer Bayreuth und Ansbach an Preußen verkaufte. Somit wurden nicht nur die Georgensgmünder Untertanen preußisch, bis 1805 das Königreich Bayern entstand. Heckel zitierte dazu den Markgrafen Alexander: 'Wir trennen Uns von Unseren geliebten Unterthanen nicht ohne das zärtlichste Gefühl der herzlichsten Dankbarkeit für die Uns erwiesene Treue und Ergebenheit. So werden Wir auch in Zukunft an den Schicksalen dieser Lande allezeit Anteil nehmen.' Bereits im Jahr 1666 ließ Markgraf Albrecht V. von Brandenburg-Ansbach unweit des Rezatufers ein Jagdschlösslein erbauen. Hier residierte der markgräfliche Wildmeister. Um das Schlösslein herum gruppierten sich Nebengebäude sowie Häuser, in denen neben dem Wildmeister und dem Bergwerks- und Eisenverwalter die markgräflichen Arbeiter und Eisenschmelzer mit ihren Familien lebten. Da nach den Jagden stets Trinkgelage stattfanden, bekam der Verwalter auch das Brau- und Schankrecht zugesprochen. Um 1700 gab es neben dem ursprünglich ein Stockwerk höheren Schlösslein eine kleine Brauerei. Nach Friedrich, dem damals minderjährigen Sohn des Erbauers, wurde dieser neue Ortsteil Friedrichsgmünd benannt, erläuterte Irene Heckel. Georgensgmünd westlich der Fränkischen Rezat und Petersgmünd östlich der Schwäbischen Rezat seien hingegen nach den Patronen der jeweiligen Kirche benannt. Im Jahr 1712 wurde die Jagdverwaltung nach Petersgmünd verlegt und für das Schlösslein begann eine bewegte Geschichte. Das Gasthaus 'Zur Krone' wurde eingerichtet, es war Wohnhaus, und zeitweise war dort auch der Kindergarten untergebracht. 1995 erwarb die Gemeinde das historische Gebäude und sanierte es mit staatlicher Hilfe zu einem unverwechselbaren Schmuckstück. 'So kommen unsere Steuermittel wieder in die Gemeinden zurück. Im Schlösslein finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Im Erdgeschoss ist ein Trauzimmer. Im zweiten Obergeschoss befinden sich eine Künstlerwohnung und das kleine Museum Saazer Stuben', so Heckel. Nächstes Ziel der Führung war der Gedenkstein vor der Synagoge. Dieser wurde im Jahr 2000 als Gemeinschaftsaktion der Städte Schwabach und Roth, der Gemeinden Georgensgmünd und Thalmässing sowie der evangelischen Kirchengemeinde Thalmässing errichtet. Der Künstler Reinhart Fuchs wählte als Grund einen Davidstern, aus dem ein Jura-Kalkstein erwächst, auf dem die Namen der vielen ermordeten Juden aus den vier Orten eingemeißelt sind. An den hellen Stein angelehnt ist ein dunkler Granitstein aus Flossenbürg, der den Nationalsozialismus symbolisiert. Dieser könne das Judentum aber nicht zerbrechen, erläuterte Heckel. Die erste Synagoge sei im 30-jährigen Krieg vollständig niedergebrannt und die bestehende erst 1734/35 errichtet worden. Dies verdankte die arme jüdische Landgemeinde Georgensgmünd der Freigiebigkeit der Schwabacher Glaubensgenossen. Die hebräische Inschrift über dem Portal nennt das jüdische Jahr 494 (1734) und den Psalm 'Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit'. Heckel wies in der Synagoge auf die erste Wandmalerei hin, die bei der Restaurierung im Jahr 1990 entdeckt wurde. Höchstwahrscheinlich stammt sie vom polnischen Wandermaler Elieser Sussmann, einem berühmten Synagogenmaler, der weitere fränkische Synagogen ausmalte. Die Gemeinde, die 1988 die Synagoge erwarb, ließ ein Gebet für den damaligen Markgrafen – der die Erlaubnis zum Bau der Synagoge gegeben hatte – und seine Gattin freilegen sowie eine Kartusche mit Bibelvers über der Almosenbüchse. Nur dem Raum angemessene Veranstaltungen wie Konzerte oder Vorträge fänden hier statt. Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß bedankte sich bei Irene Heckel für die lebendige Führung und lud die Teilnehmer auch zu den weiteren Veranstaltungen im Rahmen des Jahresthemas ein."
Link zum Artikel   
 
Ab Oktober 2017: Ausstellung "Die anderen - wie alles begann" sowie Präsentation einer neuen Publikation von Gerd Berghofer   
Ab dem 6. Oktober 2017 ist die Ausstellung in der ehemaligen Synagoge zu sehen: "Die Anderen - wie alles begann". Ausstellungseröffnung war am Freitag, 6. Oktober. Die Ausstellung handelt vom jüdischen Leben in einer Landjudengemeinde am Beispiel von Georgensgmünd. Bei der Veranstaltung zur Eröffnung wurde von Gerd Berghofer sein Buch, auf dem die Ausstellung beruht, vorgestellt (siehe unten Literatur). Die Ausstellung selbst zieht sich durch Synagoge und Lehrerwohnhaus. Auf 18 Tafeln im Hauptraum wird jüdische Geschichte - mit einer zusätzlichen Tafel über die Herren von Hausen, den frühen Grundherren - bis 1938 bzw. 1945 erzählt. Im Lehrerwohnhaus finden sich die Informationen über die einstigen jüdischen Georgensgmünder. Jede Familie hat eine eigene Tafel, die Informationen der alten Ausstellung von 2013 wurden ergänzt und viele neue Bilder aufgenommen. Einige ergänzende Tafeln gehen auf das religiöse Leben ein. Insgesamt kann der Besucher der Ausstellung 33 Tafeln vom Format 1 m x 1 m entdecken. Im Obergeschoss wird ein kleiner Film über die jüdischen Schätze Georgensgmünds gezeigt. Eine Besonderheit der neuen Ausstellung ist, dass etliche alte Landkarten, die bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wurden, zum ersten Mal gezeigt werden. 
Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten finden sich beispielsweise in der Website von Gerd Berghofer www.gerd-berghofer.de unter den "Terminen".
Im Zeitraum der Ausstellung finden auch Führungen für Gruppen, auch Schulklassen, statt. 
 
Artikel von Roland Unterburger im "Donaukurier.de" vom 9. Oktober 2017: "Gerd Berghofer hat gewichtiges Werk geschrieben - Buch und Ausstellung in Synagoge stoßen auf großes Interesse
"Schwere Geburt".
Georgensgmünd.
Absolut überfüllt war die Georgensgmünder Synagoge, als Bürgermeister Ben Schwarz und Gerd Berghofer die opulente Ausstellung zu Berghofers Buch 'Die Anderen 2 - Wie alles begann - vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg' eröffneten. Die Ausstellung spannt einen Bogen der jüdischen Geschichte Gmünds ab 1542, als der Jude Jacob das Friedhofsgrundstück erwarb, bis hin in die Zeit des Holocaust. Bürgermeister Ben Schwarz freute sich über das enorme Interesse. 'Was hier entstanden ist, ist absolut sehenswert und lesenswert', sagte er. 'Ich habe großen Respekt vor dem Buch und der Ausstellung.' Gerd Berghofer sei es gelungen, ein großes wissenschaftliches Standardwerk zu schaffen, das gut lesbar sei. Jeder, der sich für die jüdische Kultur interessiere, bekomme eine Fülle von Informationen. Die Ausstellung sei eine Mischung der Ausstellung von 2013, ergänzt durch Aspekte aus dem Band 2 'Die Anderen'. Auch für Schulklassen sei diese Ausstellung mit Führungen hervorragend geeignet. Gerd Berghofer stellte das neue Buch und die Ausstellung vor. 'Das Buch war eine schwere Geburt', sagte er, 'vier Jahre Arbeit, fast 500 Seiten, 725 Gramm schwer.' Für den zweiten Band sei es darum gegangen, Urkunden zu finden, doch die Quellenlage werde immer dünner. Den Beginn des jüdischen Lebens mit Jacob im Jahre 1542 nannte Gerd Berghofer 'nur eine Momentaufnahme'. Der Anfang der jüdischen Geschichte Gmünds falle in die Schlussphase der ersten Grundherren, der Familie von Hausen. Die Vorgeschichte Gmünds gehe zurück auf das Jahr 1250, als die ersten Hausener erwähnt werden. Als der letzte derer von Hausen stirbt, habe das jüdische Leben in Gmünd begonnen. Bis zum 30-Jährigen Krieg sei die jüdische Gemeinde zur Blüte gekommen. Berghofer wies darauf hin, dass er den Standort der erste Synagoge lokalisieren konnte. 'Sie war dort, wo heute die Diakoniestation steht', erklärte er. Ganz wichtig für die zweite Synagoge sei der polnische Wandermaler Elieser Sussmann geworden, der die Synagoge ausmalte. Bedeutend sei die Entwicklung des Landjudentums geworden. 'Juden stiegen auf bis zu Leitern von Weltkonzernen', sagte Berghofer, 'jedoch wurden über zwei Generationen hinweg die Juden gegängelt, ihre Zahl wurde begrenzt und etliche Juden wanderten aus.' Georgensgmünd sei geprägt vom Hopfenhandel und sei ein Ort der Hopfenjuden geworden, berichtete er weiter, 'allein dies wäre ein Thema für eine Bachelorarbeit.' Georg Berghofer dankte dem Heimatverein Georgensgmünd, dem Kulturamt und dem Bauhof der Gemeinde, Verleger Bruno Schnell, Landrat Herbert Eckstein, Fritz Volkert und anderen Heimatforschern sowie Axel Schwaiger für ihre Mithilfe. 'Die Ausstellung ist hervorragend gemacht', lobte Landrat Herbert Eckstein. Man könne aus der Geschichte lernen. Er dankte Gerd Berghofer für die Initiative und den vielen Helfern, die zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen hätten. Umfangreich wie das neue Buch Berghofers ist die begleitende Ausstellung in der Synagoge. So erzählen im Hauptraum 18 Tafeln die Geschichte der Juden in Georgensgmünd von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zum Ersten Weltkrieg. Die erste Tafel beschäftigt sich mit den frühen Grundherren, den Herren von Hausen. Diese Tafeln sind chronologisch im Uhrzeigersinn angelegt. Im Schulraum werden die früher in Georgensgmünd lebenden Familien vorgestellt. Der Besucher findet Informationen zu den Familien Apfel, Gern, Gerstle und Großmeyer. Eine Vitrine zeigt diverse Gegenstände und Dokumente. Vor der Mikwe, dem rituellen Tauchbad, informiert eine Tafel über den Schabbes (Sabbat). In der Mikwe zeigt eine Doppeltafel die jüdischen Speisegesetze und die Rolle der Frau im Judentum auf. Auf der Hauptempore schildern drei Tafeln die Zweige der Familie Heidecker. Die Vitrinen zeigen diverse Ausstellungsgegenstände, unter anderem originale Genisa-Fundstücke. Auf der Nebenempore stellen die restlichen sechs Tafeln die jüdischen Familien Mehler, Neumark, Schloss, Lewy, Sohn, Tachauer, Wild und Welsch vor. An der Stirnseite erinnert eine Gedenktafel an diese Familien. Auf der Sitzbank ausgelegt kann sich der Besucher über die schrittweise Entrechtung der Juden informieren. Im einstigen Lehrerwohnraum kann man einen Film über die jüdischen Schätze Georgensgmünds sehen. Zusätzlich findet man dort Informationsmaterial und man kann auch testen, wie viele jiddische Worte einem geläufig sind." 
Link zum Artikel   
 
November 2018: Erinnerung an die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938   
Artikel von Robert Unterburger im "Donaukurier" vom 9. November 2018: "In der Reichspogromnacht vor 80 Jahren wurden jüdische Mitbürger in der Region übel drangsaliert - Gejagt und vertrieben
Hilpoltstein/Thalmässing/Georgensgmünd/Schwabach/Allersberg. In Thalmässing, Georgensgmünd und Schwabach kam es in den Morgenstunden des 10. November 1938 zu von Nazis organisierten Demonstrationen. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und geplündert, jüdische Mitbürger verhaftet und später, wie in Allersberg die Familie Geiershoefer, enteignet. Genau 80 Jahre ist es jetzt her, dass es bei der Reichspogromnacht - auch fälschlicherweise 'Reichskristallnacht' genannt - zu Übergriffen gegen jüdische Mitbürger gekommen ist. Auch der heutige Landkreis Roth und die Stadt Schwabach waren davon betroffen. Ein Rückblick.
Überall in Mittelfranken habe, wie in der Ausgabe der 'Rother Volkszeitung' vom 11. November 1938 zu lesen ist, die 'Bevölkerung ihrer Erregung endlich Luft gemacht, nachdem sie bis dahin geschwiegen und vorbildliche Disziplin gezeigt hatte'. In diesem Zeitungsartikel schwelgt das NS-Blatt im damaligen Parteijargon förmlich von dem 'hellhörig gewordenen Volk von Franken', das nun eine 'handgreifliche Warnung an das Judentum' gegeben habe. 'Als bekannt wurde, dass der deutsche Gesandtschaftsrat Ernst vom Rath den Verletzungen erlegen ist, die ihm der jüdische Mörder Herschel Seibel Grünspan beibrachte, bemächtigte sich der Schwabacher Bevölkerung eine starke Erregung, die um so verständlicher ist, als der jüdische Hass gegen alles Nichtjüdische gerade am 9. November, dem Gedenktag der Blutopfer in München, ein weiteres Blutopfer gefordert hat.' Damit spielt das Blatt auf den gescheiterten Hitler-Putsch am 9. November 1923 an. Weiter heißt es in diesem perfiden Artikel: 'Schon in den frühesten Morgenstunden des gestrigen Tages bildeten sich in den Straßen Schwabachs Demonstrationszüge, und die begreifliche Erregung der Bevölkerung machte sich in einer drohenden Haltung gegen die noch hiesigen Juden Luft. Aus diesem Grunde sah sich der Vorstand des Bezirksamtes in seiner Eigenschaft als Stadtkommissar veranlasst, die Juden durch die Polizei verhaften zu lassen und in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis einzuliefern. So wurden morgens um 6.30 Uhr die beiden Schwabacher Juden Levite und Graf in ihrer Wohnung verhaftet. Der Jude Krauß meldete sich in der ersten Morgenstunde bei der Polizei ab und reiste nach Ungarn, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt. Nicht nur in der Stadt Schwabach, sondern auch in Georgensgmünd und Röthenbach war die Bevölkerung über die Bluttat in Paris aufs äußerste aufgebracht, so dass der Vorstand des Bezirksamtes dort zu ähnlichen Maßnahmen greifen musste wie in Schwabach. In Georgensgmünd wurden zwei Juden und in Röthenbach ein Jude verhaftet. Einige Fensterscheiben in den von Juden bewohnten Häusern gingen in Trümmer. 'Misshandlungen sind keine vorgekommen.' Soweit die Nazi-Zeitung im O-Ton. [...]
Die Jahrhunderte alte eigenständige Geschichte des Georgensgmünder Judentums fand mit den Pogromen ihr Ende. 1933 lebten nur noch 35 jüdische Einwohner in der Gemeinde. Bis Mitte 1938 verließen laut Alemannia Judaica aufgrund des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der ständigen Repressalien etwa zwei Drittel der ortsansässigen Juden Georgensgmünd. Die meisten wanderten nach Palästina und in die USA aus oder verzogen innerhalb Deutschlands. 1935 wurde am Ortseingang eine Tafel angebracht mit dem Text: 'Unser Bedarf an Juden ist hinreichend gedeckt'. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Fenster der jüdischen Wohnungen zerschlagen; einige der jüdischen Einwohner vorübergehend inhaftiert. Obwohl das Synagogengebäude bereits zuvor - im August 1938 - an einen benachbarten Bäcker verkauft. Dennoch wurde beim Novemberpogrom 1938 die Inneneinrichtung der ehemaligen Synagoge teilweise zerstört. Zwei Tage später wurden im Rahmen einer örtlich begrenzten 'Einzelaktion' die letzten zwölf jüdischen Einwohner, fast nur alte Menschen aus dem Ort vertrieben, vier von ihnen konnten noch in die USA emigrieren. Am 21. Januar 1939 schrieb die Fränkische Tageszeitung: 'Die einstige Juden-Hochburg Georgensgmünd ist nunmehr ein Hort deutscher Art, seit der Wende des Jahres 1936 ist Georgensgmünd judenfrei ? Sie waren Güterzertrümmerer und Hopfengartenversteigerer. Die letzten noch in Georgensgmünd lebenden Juden - es sind 13 an der Zahl - wurden Ende 1938 kurzfristig ausgewiesen.'"   
Link zum Artikel    

   
  
Video verlinkt: "Wartesaal" zur Emigration – Juden in Georgensgmünd nach 1945
Quelle: https://player.vimeo.com/video/98328335  

  
    

Links und Literatur

Links:

bulletWebsite der Gemeinde Georgensgmünd   
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Georgensgmünd (interner Link)  
bulletWebsite von Gerd Berghofer  www.gerd-berghofer.de  
bulletSeite bei hagalil.com vom 1. September 2017 zu "Georgensgmünd - Friedhof, Synagoge und Tahara-Haus":  https://www.hagalil.com/2017/09/georgensgmuend/    
bulletDie Namen der jüdischen Kriegsteilnehmer der Kriege 1870/71 und 1914-1918 auf einer Liste des Hauses der Bayerischen Geschichte  
bulletSeite zu Familie Tachauer und Georgensgmünd (Fotos aus der Familie und Video über Besuch des Friedhofes, hebräische Kommentierung) 

Literatur:  

bulletBaruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 187.
bulletIsrael Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 159-160.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 287-288.    
bulletBayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)'Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Georgensgmünd S. 334-349. 
bulletFranken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Georgensgmünd S. 68-70.           
bullet
Georgensgmuend Lit 13010.jpg (51857 Byte)Gerd Berghofer: Die Anderen. Das fränkische Georgensgmünd und seine Juden vor und während des Dritten Reiches. Mit einem Vorwort von Axel Schwaiger. 394 S., über 100 Abb.  ISBN 978-3-934145-90-0.
wek-Verlag Treuchtlingen-Berlin
2013. 19,80 €. 
   
Handsignierte Exemplare beim Autor: Mail:  gerd-berghofer@gerd-berghofer.de 
Zum Inhalt: Der Autor Gerd Berghofer berichtet über eine anfangs nahezu intakt scheinende Gemeinschaft zwischen Juden und Nichtjuden, die sich zu verändern beginnt. Der 'Versailler Schmachfrieden', die verhasste Weimarer Republik, die aufkommende nationalsozialistische Agitation – all das dringt auch in das kleine Georgensgmünd. Sehr genau wird nachgezeichnet, wie der Ort politisch den Nationalsozialisten in die Hände gegeben wurde und wie die Juden zunehmend in die Defensive gerieten – bis 1933 der Wahnsinn zur Legalität erklärt wurde und viele den Ort bzw. Deutschland verließen. Berghofer betrachtet nicht nur die Juden, die bis zu Vertreibung 1938 im Ort lebten, sondern auch jene, die bereits lange vorher Georgensgmünd verlassen hatten, aber mit ihrer Verwandtschaft noch in regem Kontakt standen. In mühevoller Kleinarbeit rekonstruierte er die weiteren Lebenswege dieser Menschen. Der Autor erzählt nicht nur Geschichte, sondern beeindruckt auch durch das zusammengetragene Bildmaterial und viele Details. Damit hat er ein besonderes Geschichtsbuch geschaffen, das lesenswert ist für alle, die einen Einblick in eine ungeheuerliche Zeit bekommen möchten, für die Georgensgmünd letztlich nur ein Beispiel ist.   
 
Georgensgmuend Lit 2017.jpg (23451 Byte)Gerd Berghofer: Die Anderen 2 - wie alles begann. Vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg. 490 S., Broschur, über 100 Bilder, ISBN 978-3-9816879-6-5. 19,80 €. September 2017.  

Zum Inhalt: In einem weiten Bogen, der bei den frühesten urkundlichen Erwähnungen und den ersten Grundherren beginnt und mit dem Ersten Weltkrieg endet, schildert Gerd Berghofer das Miteinander von Christen und Juden am Ort über die Jahrhunderte hinweg. Dabei beantwortet er die Frage nach einer Burg in Georgensgmünd ebenso plausibel, wie die nach dem Standort der ersten Synagoge vor dem Dreißigjährigen Krieg. Berghofer spürt dem Mysterium des Synagogenmalers Elieser Sussmann nach und überrascht den Leser mit verblüffenden Ergebnissen. Aber auch die Darstellungen der Auswanderungsbewegung im 19. Jahrhundert, des Vereinslebens und vor allem des jüdischen Hopfenhandels vermitteln einen bleibenden Eindruck von jüdischem Leben bis zum Ersten Weltkrieg.
Weitere Informationen:  www.gerd-berghofer.de      
 
Hinweis: Lieferbar ist über Gerd Berghofer die DVD "Die jüdischen Schätze Georgensgmünds". Den in der Ausstellung "Die Anderen - wie alles begann" gezeigten Film haben der 15-jährige Jonas Thurn und Gerd Berghofer überarbeitet, neu synchronisiert und um einige Szenen erweitert. Sie umfasst rund 40 Minuten. Die DVD kostet 10 € (evtl. zzgl. Versandkosten) und ist über Gerd Berghofer per Email gerd-berghofer@gerd-berghofer.de (oder über die Website www.gerd-berghofer.de) zu bestellen. 
bullet Gerd Berghofer: Wir werden geschoben wie Marionettenfiguren - Die Anderen 3. 296 S. Softcover. Oktober 2019. 19,80 €. Zu bestellen über den Buchhandel oder beim Autor per Email gerd-berghofen@gerd-berghofer.de und über die Website www.gerd-berghofer.de
Dieses Buch bildet den Abschluss der Trilogie "Die Anderen" und bietet nun einen Perspektivenwechsel, indem die Sicht der Betroffenen eingenommen wird. Dank der Nachkommen der Heidecker-Brüder Ludolf, Justin und Fritz-Joseph durfte ich die Briefe, die zwischen 1938 und 1943 geschrieben wurden, als Herausgeber veröffentlichen. Diese Briefe - geschrieben aus Deutschland heraus von den Eltern und von den Geschwistern in Israel - handeln vom Schicksal der in Deutschland zurückgebliebenen Verwandten und der Not, wie man diese am besten heraus bekommen könnte; andererseits ist auch zu lesen, mit welchen Problemen insbesondere Ludolf Heidecker in den USA konfrontiert wurde und wie sich die Verzweiflung immer weiter steigerte, Hoffnungen aufkamen und zerplatzten wie Seifenblasen. Gleichzeitig wurden in das Buch Briefe der Familie von Ruth Schmitt aus Hirschaid, der Frau von Ludolf Heidecker, aufgenommen und einige wenige Briefe der Rosa Sohn aus Georgensgmünd, später Kitzingen. Die Sammlung legt ein beredtes Zeugnis ab darüber, wie die Juden in Deutschland ihre Situation empfunden haben. Näher kann Literatur nicht kommen. Eine Zeitleiste mit den wichtigsten antijüdischen Maßnahmen begleitet den Leser. Die Lektüre ist nicht nur für jene interessant, welche ein Faible für Georgensgmünder Geschichte haben, sondern für alle, die sich mit der Situation der Juden in Deutschland in dieser Zeit auf andere Weise auseinandersetzen möchten: Die Vertreibung aus dem Heimatort, das Hin- und Hergeschoben werden in der Großstadt München, das Zusammenleben im Judenhaus und schließlich die Zusammenführung zur Deportation im Lager Milbertshofen sind wichtigte Stationen und dann die finalen, nur noch rudimentären Nachrichten aus den Transitlagern in Piaski bzw. Izbica.          
bullet ders.: Das jüdische Georgensgmünd - Häuser, Familien, Kurzbiografien. 120 S. Softcover mit markierten Plänen und vielen Abbildungen. Dezember 2020. 9,90 € zuzüglich Porto. Zu bestellen über den Buchhandel oder beim Autor per Email gerd-berghofen@gerd-berghofer.de und über die Website www.gerd-berghofer.de.
Zum Inhalt: fast 50 Gebäude und Plätze in Georgensgmünd lassen sich etwa zwischen 1700 und 1938 nachweislich jüdischen Besitzern zuordnen, fast zu gleichen Teilen auf Georgensgmünd und Friedrichsgmünd verteilt. Welche das sind? Davon berichtet mein neues Buch. Anhand eines "Spaziergangs" vom Bahnhof ausgehend führt der Auto an den Objekten vorbei. Anhand der Häuser werden per kurzem Steckbrief die wichtigsten Daten zu den jüdischen Bewohnern vermittelt und in einer kurzen Familiengeschichte vorgestellt. Die Ausgangssituationen sind sehr unterschiedlich: Manchmal dauerte das Besitzverhältnis nur wenige Jahre, in vielen Fällen hielt es über Generationen. Etliche Häuser stehen noch, andere wurden abgerissen, neu errichtet oder mehrfach umgebaut. Selten sind es heute nur noch leere Plätze, die dennoch eine Geschichte haben, und der vielleicht unspektakulärste Platz in Gmünd bietet vielleicht sogar das größte Geheimnis

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Georgensgmuend Middle Franconia.  Jews were present in the late 16th century. A synagogue was built in 1723 and the Jewish population reached 120 in 1880 (total 1.386). In 1933, 35 remained. About two-thirds left from 1933 to mid-1938. The last 12, mostly old, were expelled towards the end of 1938.  
   
    

                   
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Stand: 30. Juni 2020