Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ellingen (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Zur jüdischen Geschichte in Ellingen siehe die Seiten des "Freundeskreises Barockstadt Ellingen e.V." unter  
www.juden-in-ellingen.de/ 

  
Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Weitere Dokumente      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur   

          
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version)   
   
In Ellingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1540 Juden am Ort genannt. Zwischen 1694 und 1752 werden Juden aus Ellingen in den Leipziger Messbüchern genannt. Ein 1730 angelegtes Memorbuch der Gemeinde war im Archiv der Gemeinde vorhanden. 1796 gab es 13 jüdische Familien in der Stadt. Um 1800 wurden nur drei der jüdischen Familien als "gut bemittelt" beschrieben. Auf Grund zahlreicher Abgaben und Steuern brachten es die meisten zu keinem Wohlstand. Die jüdischen Familien hatten damals außer 13 Gulden jährliches Schutzgeld (an die Deutsch-Ordens-Verwaltung) zu bezahlen: Hundshafergeld, Dienstgeld, Botenpferdgeld, Schutzerneuerungsgeld sowie weitere Gebühren an den (Deutsch-Ordens-)Oberamtmann, den Stadtpfarrer und den Obergerichtsverwalter. Dazu kamen ihre Kultusabgaben. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809/10 67 jüdische Gemeindeglieder (5,3 % von insgesamt 1.273 Einwohnern), 1867 63 (4,9 % von  1.278), 1871 82 (5,6 % von 1.467), 1880 die Höchstzahl von 103 (6,7 % von 1.534), 1890 78 (4,9 % von 1.577), 1900 47 (2,9 % von 1.631).
  
Ellingen war bis Anfang des 19. Jahrhundert Sitz eines Bezirksrabbinates, zu dem auch das später württembergische Lauchheim gehörte. Nach Auflösung des Rabbinates Ellingen kam die Gemeinde zum Distriktsrabbinat Ansbach. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Pappenheim, Treuchtlingen und Georgensgmünd beigesetzt. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule mit Lehrerwohnung und ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war nach Auflösung des Rabbinates ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte (siehe Ausschreibungstexte unten). Um 1900 wird als Lehrer Jos. Goldschmidt genannt. Nach der Ausschreibung von 1908 gehörte zum Dienstauftrag des Lehrers auch der Religionsunterricht für die jüdischen Schüler an den Mittelschulen in Weißenburg. In den 1920er-Jahren hatte Ellingen gemeinsam mit Georgensgmünd einen Lehrer angestellt (vgl. Ausschreibungen unten). 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Albert Schönwalter (geb. 19.12.1875 in Ellingen, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 30.6.1918).    
  
Um 1925, als  noch 40 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (2,22 % von insgesamt ca. 1.800 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Bernhard Bermann und Leopold Schönwalter. Als Religionslehrer und Schochet kam nach Ellingen Lehrer Bernhard Oppenheimer aus Treuchtlingen. Er erteilte damals drei Kindern in der Jüdischen Volksschule Unterricht. 1932 wurden 38 jüdische Gemeindeglieder gezählt. Gemeindevorsteher waren Bernhard Bermann. 2. Vorsteher, Lehrer und Schochet war M. Schuster. Er hatte im Schuljahr 1931/32 acht schulpflichtigen jüdischen Kindern den Religionsunterricht zu erteilen. An jüdischen Vereinen bestanden eine Ortsgruppe der Agudat Jisrael und eine Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens

1933 lebten noch 33 jüdische Personen in Ellingen (2,1 % von insgesamt 1.580 Einwohnern). Bis 1938 Jahren wanderten auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechung und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts 9 jüdische Einwohner aus (sechs in die USA, drei nach Palästina/Israel). 16 verzogen innerhalb von Deutschland, zwei verstarben in diesen Jahren in ihrem Heimatort.  Am 27. Oktober 1937 wurde der Gemeindevorsteher Bernhard Bermann, der vor 1933 dem Stadtrat angehört hatte, verhaftet, weil es sich angeblich abfällig über zwei prominente Nationalsozialisten geäußert hatte. Vor den Hohen Festtagen 1938 (Ende September/Anfang Oktober) waren die Juden gezwungen worden, ihre Häuser und Besitzungen aufzugeben.  
     
Von den in Ellingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Braun geb. Levy (1898), Max Gutmann (1885), Rosa Heussinger geb. Neuburger (1874), Clothilde Hutzler geb. Weiss (1891), Heinrich Löwenstein (1886), Hilde Löwenstein geb. Pfeiffer (1894), Martha Löwenstein (1920), Wilhelm Löwenstein (1885), Sella Neuburger geb. Neumark (1884), Michael Neumark (1877), Hanna Oppenheimer geb. Bermann (1878), Meta Sämann geb. Gutmann (1872), Lina Schloss geb. Neuburger (1873), Julia Schwartz (1903), Justin Sondheim (1891), Josef Weiß (1881), Leopold Weiß (1879).        
     
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochet 1891 und 1923 / 1924

Ellingen Israelit 11051891.jpg (54314 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Die Kantor-, Schochet- und Religionslehrerstelle in hiesiger Gemeinde ist erledigt und soll innerhalb 6 Wochen besetzt werden. Bei freier Wohnung ist ein Gehalt von 800 Mark mit einem Nebeneinkommen von sicher 200 Mark sowie alljährlich 40 Mark für Heizung des Schulzimmers verbunden. Franco-Anmeldungen nebst Prüfungs- und Führungs-Zeugnissen von nur ledigen Bewerbern deutscher Nationalität werden entgegen gesehen. 
Ellingen, Mittelfranken, 7. Mai 1891. 
Die israelitische Kultusverwaltung: Simon Schülein."
    
Nach dem Tod des Lehrers Kaufmann (s.u.) haben die Gemeinden Ellingen und Georgensgmünd gemeinsam einen Lehrer angestellt:
Ellingen Israelit 10051923.jpg (48856 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1923: "Die Kultusgemeinden Ellingen und Georgensgmünd suchen gemeinschaftlich zum sofortigen Antritt einen Chasan, Schochet und Religionslehrer streng religiöser Richtung. Gehalt nach Tarif. Wohnsitz ist Ellingen. Günstige Bahnverbindung nach Georgensgmünd. Reflektiert wird wegen Wohnungsfragen auf ledigen jungen Mann. Pension vorhanden. Gefällige Offerten erbeten an Kultusgemeinde Ellingen."
    
Ellingen Israelit 14021924.jpg (51640 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1924: "Die Lehrer-, Chasen- und Schochetstelle Ellingen-Georgensgmünd ist sofort zu besetzen. Es wird auf tüchtigen, orthodoxen, ledigen Herrn gesehen. Fixum jährlich 1.200 Mark und Nebenverdienste. Angebote wollen an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Ellingen (Bayern) gerichtet werden."  
 
Ellingen Israelit 25061908.jpg (95887 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1908: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochet-Stelle ist per 1. August dieses Jahres neu zu besetzen. 
a. Jährliches Gehalt 1.000 Mark nebst freier schöner Wohnung; inbegriffen sind hierin 180 Mark für Erteilung des Religionsunterrichtes an den beiden Mittelschulen in Weißenburg in Bayern. 
b. Garantiertes Erträgnis der Schechitah 350 Mark ohne sonstiges nicht unbeträchtliches Nebeneinkommen. Seminaristisch gebildete, gut qualifizierte Bewerber wollen ihre diesbezüglichen Gesuche und Zeugnisse innerhalb 14 Tagen an den unterzeichneten Vorstand einsenden. 
Ellingen (Mittelfranken), den 21. Juni 1908. Amson Neuburger, Kultusvorstand". 

  
Zum Tod des Lehrers Kaufmann (1923)   

Ellingen Israelit 18011923.jpg (136310 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1923: "Ellingen, 15. Januar (1923). Die Israelitische Kultusgemeinde Ellingen hat einen schweren Verlust erlitten. Nach schwerem Leiden verschied Lehrer Kaufmann, der 14 Jahre als Religionslehrer und Kultusbeamter in unserer Gemeinde wirkte. Hervorgegangen aus dem israelitischen Lehrerseminar Würzburg, war er 25 Jahre in Reckendorf tätig, um dann dem Rufe nach Ellingen Folge zu leisten. Hier erwarb er sich durch sein bescheidenes, liebenswürdiges Wesen sehr rasch die Sympathien seiner Gemeinde und erfreute sich der Liebe und Verehrung weiter Kreise. besonders errang sein stark ausgeprägtes Pflichtgefühl, das ihn bis in seine letzten Wochen hinein schwer krank und unter Schmerzen den Unterricht erteilen ließ, die Achtung aller deren, die ihn kannten und schätzten. Seine Beerdigung gab Zeugnis von der allgemeinen Verehrung und Liebe, deren sich der Heimgegangene erfreute. Distriktsrabbiner Dr. Brader, Ansbach, würdigte den Verstorbenen als pflichtbewussten Lehrer und Beamten, edlen Menschen und wahrhaften Jehudi. Kultusvorstand Bermann - Ellingen dankte dem Lehrer der Jugend und dem Freunde der Erwachsenen im Namen der Gemeinde. Auf dem Friedhof in Treuchtlingen sagte nach Abschiedsworten des Herrn Dr. Brader, Oberstudiendirektor Dr. Witz - Weißenburg, dem Verstorbenen im Namen der Realschule nochmals herzlichen Dank für sein treues Wirken. Hauptlehrer Fulder - Treuchtlingen und Lehrer Adler - Altenmuhr widmeten dem treuen Kollegen tiefempfundene Worte des Gedenkens. Seine Seele sei eingebunden im Bund des Lebens."

    
Zum Tod der Witwe von Lehrer Kaufmann - Lina Kaufmann (1934)   

Ellingen Israelit 07061934.jpg (104976 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1934: "Ellingen i.B.  Theilheim bei Schweinfurt, 28. Mai 1934. Am 22. Mai verstarb unerwartet im Alter von 62 Jahren Frau Lina Kaufmann - sie ruhe in Frieden -, Gattin des vor einem Jahrzehnt verstorbenen Lehrers Karl Kaufmann, Ellingen i.B.. Bei der Beerdigung in Treuchtlingen würdigte Herr Bezirksrabbiner Dr. Munk, Ansbach die edlen Eigenschaften der Verstorbenen und sprach von der herben Tragik dieses Todesfalles. Die Dahingeschiedene wollte ihren Lebensabend im Kreise ihrer Kinder in Theilheim verbringen und erkrankte sofort bei ihrer Übersiedlung so schwer, dass sie nach 10tägigem Krankenlager im Israelitischen Krankenhaus in Würzburg verschied. - Im Auftrag der Kultusgemeinde Ellingen sprach Herr Lehrer Schuster von dort und brachte zum Ausdruck, welch schweren Verlust diese durch das Ableben des treuen und anhänglichen Mitgliedes erlitten. Möge das Verdienst der gültigen Frau, dieser wackeren Frau im wahrsten Sinne des Wortes uns beistehen."

   
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Anzeigen der Israelitischen Roth'schen Wohltätigkeitsstiftung in Ellingen 1876 / 1879

Ellingen Israelit 05071876.jpg (72547 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1876: "Bekanntmachung. (Die israelitische Roth'sche Wohltätigkeitsstiftung Ellingen betr.). 
Bei der rubrizierten Stiftung ist alljährlich in Folge Zinsenanhäufung (außer dem Brautschatze von 40 Gulden oder 68 Mark und 57 Pfennig) noch eine Summa von ca. 109 Mark wörtlich Einhundert neun Mark an würdige Armen gleichheitlich zu verteilen und sollen die Verwandten des Stifters bevorzugt werden. Es ergeht deshalb der Auftrag, dass nur solche Bewerber zulässig sind, die über die Verwandtschaft beglaubigten Stammbaum sowie auch ein amtlich bestätigtes Armutszeugnis nachweisen können; diese Atteste mit Anmeldungen haben dieses Jahr bis 15. Oktober 1876 an unterzeichneter Verwaltung franco einzulaufen, alle anderen Jahre jedoch müssen die Gesuche durch Anmeldungen vom 1. bis 30. Juni erneuert werden, andernfalls dieselben bei der Verteilung nicht berücksichtigt werden können.
Ellingen (Mittelfranken), den 4. Juli 1876.   Simon Schülein, Kultusvorstand."    
   
Ellingen Israelit 26031879.jpg (65422 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1879: "Bekanntmachung. Die israelitische Roth'sche Wohltätigkeitsstiftung in Ellingen betr. 
Bei unterzeichneter Verwaltung werden bis längstens 1. Juli 1879 Anmeldungen der Bewerber aus der Verwandtschaft der rubrizierten Stiftung mit einem Brautschatze von 68 Mark 57 Pfennig entgegengenommen. Hierbei sei besonders bemerkt, dass jedes Jahr nur ein Bewerber nach Vorrang der Verehelichungszeit zur Auszahlung gelangen kann, jedoch nur gegen seinerzeitige Stempelquittung. 
Berücksichtigt werden nur solche Bewerber, welche beglaubigte Trauungsscheine bis obigen Termin franco hier einsenden. 
Ellingen (Mittelfranken), 14. März 1876*.  Simon Schülein. Kultus-Vorstand."
* muss 1879 heißen, da die Anzeige im März 1879 erschienen ist.

  
  
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Über Siegwart Friedmann, Student der Medizin in München (1838)  

Ellingen AZJ 19071838.jpg (62608 Byte) Unter den ersten jüdischen Studenten der Medizin in München war Siegwart Friedmann aus Ellingen. Er wird in der Ausgabe der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" am 19. Juli 1838 lobend erwähnt: "München, 1.Juli (1838). Bei der am 26. vorigen Monats stattgefundenen Feier des Stiftungstages der Ludwig-Maximilians-Universität wurde von der medizinischen Fakultät einem jüdischen Kandidaten unter sechs Bewerbern der Preis für die glückliche Lösung einer sehr schwierigen Aufgabe zuerkannt, ein anderer jüdischer Kandidat rühmlichster Erwähnung wert geachtet. Die amen dieser beiden strebsamen Jünglinge sind: Siegmund Feldmann von hier und Siegwart Friedmann aus Ellingen. - So bewährt es sich immer mehr, dass auch in Bayern den jüdischen Jünglingen Ernst ist in jedem Fache, das sie ergreifen, und dass sie mit allem Fleiße dem Berufe obliegen, den sie gewählt haben." 

    
 85. Geburtstag von Moritz Schönwalter (1929)  

Ellingen Israelit 31011929.jpg (49560 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929: "Ellingen, 29. Januar (1929). Am 28. Januar feierte Herr Moritz Schönwalter, Ellingen (Mittelfranken), im Kreise seiner Familie den 85. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich einer seltenen Geistesfrische und Gesundheit, so betete derselbe am letzten Jomkippur wie alle Jahre sein Kol-Nidre-Gebet als Vorbeter seiner Gemeinde vor. An diesem Feste nimmt seine Familie wie die Gemeinde tiel. Mögen dem Jubilar noch viele schöne Jahre gegönnt sein.  (Alles Gute) bis 100 Jahre."   

      
Hedwig Kaufmann heiratet des Theilheimer Lehrer Weinstock (1931)   

Schweinfurt Israelit 09071931.jpg (62827 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1931: "Schweinfurt, 1. Juli (1931). Eine erhebende Feier fand am 29. Juni 1931 in Schweinfurt am Main, Hotel Burgfrieden statt. Es galt, dem verdienstvollen, von der ganzen Bevölkerung überaus verehrten und geliebten Lehrer Weinstock aus Theilheim in Unterfranken, anlässlich seiner Vermählung mit Fräulein Hedwig Kaufmann aus Ellingen in Bayern. In tief durchdachter Rede dankte Herr Bezirksrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, Herrn Lehrer F. Weinstock für seine herrlichen Leistungen auf allen Gebieten und für sein 16-jähriges Wirken und Streben in der Gemeinde Theilheim. Sein einziger Wunsch bestünde darin, dass die Kinder im Geist ihres Lehrers ihr Judentum lieben und bekunden mögen. Auf diesem Anlass verlieh Seiner Ehrwürden Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Stein, Herrn Lehrer Weinstock die Würde eines Chower."

  
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   

Lehrlingsstellensuche von Lehrer Goldschmidt (1900) 

Ellingen Israelit 05071900.jpg (40923 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1900: "Suche für meinen Bruder, Absolvent der israelitischen Realschule in Fürth mit einjährig-freiwilliger Berechtigung Stelle als Lehrling, in einem Schabbat und Feiertag streng geschlossenen größeren Geschäfte; Kost und Logis im Hause wäre sehr erwünscht. Lehrer Jos. Goldschmidt, Ellingen bei Nürnberg."  

  
Neujahrswünsche zu Rosch Haschana im Herbst 1923   

Ellingen Israelit 07091923.jpg (33395 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1923: 
"Zum Jahreswechsel herzliche Wünsche (hebräisch wörtlich: gute Einschreibung und Versiegelung [sc. im Buch des Lebens]") von 
Bernhard Bermann, Max Oppenheimer, Simon Gutmann und Max Gutmann. 
Ellingen."

       
Verlobungsanzeige von Herta Gutmann und Justin Richard (1933)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1933: 
"Statt Karten - Gott sei gepriesen - Herta Gutmann - Justin Richard - Verlobte. 
Ellingen i.B.  -  Ellingen / Altenmuhr.  Chanukka 5694". 

     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1934: 
"Statt jeder besonderen Anzeige! Gott sei gepriesen
Justin Richard - Herta Richard geb. Gutmann. Vermählte.
 
Ellingen in Bayern. Lag BaOmer 5694 ( = 3. Mai 1934)".     

     
  
Weitere Dokumente 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)  

 Brief der 
Firma Bermann & Oppenheimer,
Ellingen
(1922) 
Ellingen Dok 028.jpg (93990 Byte)
   Firma Bermann & Oppenheimer war eine Viehhandlung in Ellingen - der Brief wurde Ende 1922 oder Anfang 1923 verschickt [25 Mark Briefporto zu Beginn der Inflationszeit]). 
     
Karte von Lazarus Eisen, 
Ellingen
(1928)  
Ellingen Dok 170.jpg (136918 Byte) Ellingen Dok 170a.jpg (131717 Byte)
   Die Karte der Woll- und Hopfenkommission chem.-techn. Artikel, Ellingen i.Bay. mit der Bitte um Zusendung einer Preisliste wurde am 2.5.1928 an die Seifenfabrik Firma Ribot in Schwabach geschickt. 
     

  

      
      

Zur Geschichte der Synagoge

Wann erstmals ein Betsaal beziehungsweise eine Synagoge in Ellingen eingerichtet wurde, ist nicht bekannt, vermutlich bereits im 17. Jahrhundert.

1724-25 baute die jüdische Familie Amson ein im Kern 1683 errichtetes Gebäude um und richtete im ersten Stock - vermutlich nach Plänen des Ordensbaumeisters Franz Joseph Roth - einen großen Barocksaal ein, der der jüdischen Gemeinde in Ellingen als Betsaal zur Verfügung gestellt wurde. 1741 verkaufte die Familie Amson das Gebäude an die Familie des jüdischen Bankiers und Handelsherr Samuel Landauer. 
Von der Familie Landau erwarb das Gebäude 1776 Ferdinand Kugler, der den Gasthof "Römischer Kaiser" einrichtete. Nach häufigen Eigentumswechseln stand das Haus im 20. Jahrhundert lange im Eigentum des Fürsten von Wrede. Im Jahr 2001 erwarb das inzwischen stark vernachlässigte Gebäude Hubert Graf von Kerssenbrock. Er sanierte das Gebäude von Grund auf. Der Saal steht seit einiger Zeit den Ellinger Bürgern  wieder zu Festlichkeiten zur Verfügung.

1756-57 erstellte der Deutschordens-Baumeister Matthias Binder für die jüdische Gemeinde in Ellingen die Pläne zum Bau eines jüdischen Gemeindezentrums in der Neuen Straße 14. Im Gebäude - ein schöner barocker Mansardendachbau - befanden sich neben der Synagoge auch das rituelle Bad und die Lehrer-/Vorbeterwohnung.
1929 wurde die Synagoge umfassend renoviert und am 17. August 1929 durch Bezirksrabbiner Dr. Munk aus Ansbach wieder eingeweiht.

Ellingen BayrIsrGZ 15091929.jpg (106907 Byte) Bericht in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1929: "Ellingen. Am vergangenen Schabbat Nachamu (= Schabbat mit der Prophetenlesung/Haftara aus dem Buch Jesaja 40,1ff, die mit Nachamu = 'Tröstet...' beginnt, 1929 am 17. August) wurde die neurenovierte Synagoge ihrer Bestimmung übergeben. Zu der am drauffolgenden Sonntag, 18. August, nachmittags 14 1/2 Uhr, angesetzten offiziellen Feier waren erschienen: Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Munk (Ansbach) und Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumayer, Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der seinen Erholungsurlaub unterbrach um die Gemeinde Ellingen mit seiner Anwesenheit zu beehren. 
Nach beendetem Mincha-Gebet (Mittags-Gebet, das jedoch auch noch am Abend sein kann) begrüßte Herr Bermann, Vorstand der Gemeinde, die Gäste aufs herzlichste, worauf dann Herr Rabbiner Dr. Munk das Wort ergriff zu einer sinnreichen und zu Herzen gehenden Ansprache, die in Lob ausklang auf den  re... (Textfehler) . Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer legte in kurzer Ausführung die Bedeutung des Verbandes insbesondere für die kleinen Gemeinden dar und brachte auch seine Freude zum Ausdruck über die so wohlgelungene Renovierung. 
Zum Schlusse dankte Herr Lehrer Schuster den Herren für die zu Herzen gesprochenen Worte.
Einige Psalmen beendeten die schlichte, erhebende Feier. 
Der späte Nachmittag vereinte die Gäste im Hause des Herrn Bermann zu gemütlichem Beisammensein.
Die kleine Gemeinde Ellingen hat dank der Opferfreudigkeit der Mitglieder und dank der bereitwilligen Unterstützung des Verbandes dem Gotteshaus ein würdiges Aussehen verliehen." 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Bethaus durch ein aus der Umgebung (Weißenburg, Höttingen) gekommenes SS-Kommando gestürmt, geschändet und das Inventar zerschlagen. Am 17. November 1938 wurde das Gebäude "arisiert" und kam in den Besitz einer nichtjüdischen Familie. Die Ritualien (Synagogensilber) wurde 1945 in der Scheune des Ortsgruppenleiters Engelhard gefunden, verschwand jedoch anschließend wieder. Nach 1960 wurde die Synagoge in ein Wohnhaus umgebaut. Als solches ist das ehemalige Synagogengebäude bis heute erhalten.
  
Adresse/Standort der SynagogeAlter Betsaal im "Römischen Kaiser": Weißenburger Straße 17; Synagoge: Neue Straße 14.

Fotos
(Historische Außenaufnahme von www.barockverein.de - vergrößert;  Innenaufnahme von Theodor Harburger, Aufnahmedatum 19. August 1928; Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in The Encyclopedia of Jewish Life Bd. 1 S. 361, Pinkas Hakehillot s.Lit. S. 267 und Th. Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. 1998 S. 173; Neue Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2006)
 

Historische Fotos der 
Ellinger Synagoge
Ellingen Synagoge 100.jpg (50037 Byte) Ellingen Synagoge 100.jpg (86055 Byte)
  Außenansicht auf die Synagoge Blick zum Toraschrein
     
Das Synagogengebäude 2006    
Ellingen Synagoge 122.jpg (56851 Byte) Ellingen Synagoge 121.jpg (58540 Byte) Ellingen Synagoge 123.jpg (58207 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge mit Eingangsbereich (vgl. historische Ansicht oben) - nur der Eingang ist geblieben Eingangtür
   
Ellingen Synagoge 120.jpg (46753 Byte) Ellingen Synagoge 124.jpg (74456 Byte) Ellingen Synagoge 125.jpg (58067 Byte)
Die Hinweistafel Blick von Osten auf das Gebäude Westseite zur Neuen Straße
       
     
        
      
Betsaal im Haus der Familien Amson / Landauer, erbaut 1724-25
vgl. Stammbaum der Familie Landauer von Ellingen: Landauer Family of Ellingen 
  
(rechts: Fotos von Th. Harburger, Quelle s.o. S. 174-175) Ellingen Landauer 101.jpg (69525 Byte) Ellingen Landauer 100.jpg (76912 Byte)
  Der ehemalige Betsaal (Barocksaal) im ehemalige Haus des Samuel Landauer
  Neue Fotos siehe Sonderseite und Prospekt von www.barockverein.de  
(Sonderseite; Prospekt: direkt: pdf-Datei)

 

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Ausstellung "Juden in Ellingen" vom 9. November 2008 - 1. Februar 2009  

Veranstaltung zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 9. November 2008 um 16 Uhr - Einladungskarte Ellingen Ausstellung 2008011.jpg (49787 Byte) Ellingen Ausstellung 2008010.jpg (48357 Byte)

 

 

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Ellingen 
Website von www.barockverein.de (Freundeskreis Barockstadt Ellingen e.V.) mit Seite zum Barocksaal im "Römischen Kaiser" und Seite zur Synagoge in Ellingen mit Gutmann-Haus 
vgl. Stammbaum der Familie Landauer von Ellingen: Landauer Family of Ellingen (interner Link, pdf-Datei, erstellt von Rolf Hofmann)

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 171-174.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 151.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 267-268.
Ellingen Lit 010.jpg (82748 Byte)Hermann Seis / Simone Ott / Evely Pfliegel - unter Mitarbeit von Manfred Specht und Walter Schlott: Juden in Ellingen 1540-1938. Ellingen 2008. ISN 978-3-00-025954-8.   240 S., zahlreiche Abbildungen
Die Dokumentation erschien als Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung des Freundeskreises Barockstadt Ellingen e.V. im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen vom 9. November 2008 bis zum 1. Februar 2009. 
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Ellingen S. 180-189. 

   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ellingen  Middle Franconia. Jews are first mentioned in 1542. A synagogue was built in 1730 and the Jewish population reached 103 in 1880 (total 1.534); in 1933 it stood at 33. All left in 1933-38, the last two families escaping during Kristallnacht (9-10 November 1938), when their homes were wrecked and the synagogue was vandalized.    
              

   

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                

 

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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Januar 2012