Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schweinfurt (Kreisstadt, Unterfranken) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 
(Die Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer)  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Mittelalter  
19./20. Jahrhundert  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

  

Hinweis: es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Schweinfurt   
   
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version) 
         
Mittelalter   
  
In Schweinfurt bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. 1212 wird eine Jude namens Abraham aus Schweinfurt in Würzburg genannt. 1243 zahlt der Nürnberger Butigler an die Juden zu Schweinfurt den Betrag von 50 Mark. In den folgenden Jahrzehnten hört man über Juden in der Stadt anlässlich von Verfolgungen: durch die Banden des "Ritters Rintfleisch" 1298 und während der Pestzeit 1348/49. Jakob von Schweinfurt, der 1357 zu den Neubegründern der Erfurter Gemeinde gehörte, wird ein Überlebender gewesen sein. 1368 erhielt Schweinfurt von Kaiser Karl IV. die Erlaubnis, erneut Juden aufzunehmen. Von ihnen wurden hohe Steuern gefordert. Unter der Obhut von König Sigismund genossen die Juden Schweinfurts einige Rechte. So konnten sie sich Anfang des 15. Jahrhunderts relativ frei bewegen. Sie lebten vor allem von der Geldleihe, einige trieben Handel mit Waren, insbesondere mit Wein. Die Gerichtsbarkeit unter ihnen hatte ein dafür bestimmter "Judenrat". 1555 wurden die Juden aus Schweinfurt ausgewiesen.     

Erinnerung an die mittelalterliche
 jüdische Geschichte: die Judengasse 
Schweinfurt Judengasse 101.jpg (77064 Byte) Schweinfurt Judengasse 104.jpg (65562 Byte)
  Hinweistafel: "Bis zur Vertreibung nach dem Stadtverderben von 1554 Wohnsitz der damals 
aus 16 Familien bestehenden jüdischen Gemeinde. Als Straßenname erstmals 1436 belegt."
   
Schweinfurt Judengasse 102.jpg (95989 Byte) Schweinfurt Judengasse 100.jpg (103586 Byte) Schweinfurt Judengasse 103.jpg (90913 Byte)
Ansichten der Judengasse 

 
19./20. Jahrhundert  
  
Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durften sich Juden wieder in Schweinfurt niederlassen. Zwischen 1818 und 1820 (Info: E. Böhrer) sind - mit Erlaubnis der großherzoglich würzburgischen Landesdirektion vom 15. Juli 1814, aber unter entschiedenem Protest der Stadt Schweinfurt, die den Ruin ihres eigenen Kaufmannsstandes befürchtete, die ersten beiden Familien zugezogen (Familien des Michael Moises Kleemann und Kusel Michael Kleemann aus Schonungen, Weinhandel und Ökonomie).   
   
Am 26. April 1863 beschlossen - nach der Darstellung von Rabbiner Dr. Stein (s. Lit.) - die in der Stadt "ansässigen und wohnhaften Israeliten die Gründung einer Gemeinde und vereinbarten Statuten zunächst provisorischen Charakters ohne obrigkeitliche Genehmigung". Der Antrag auf Bildung einer Kultusgemeinde folgte am 11. Juli 1864 beim Stadtmagistrat und wurde durch die Königliche Regierung am 8. August 1864 verfügt. Wenig später wurde Schweinfurt Sitz eines Bezirksrabbinates (Verlegung des Bezirksrabbinates Niederwerrn). Erster Rabbiner wurde der seit 1840 in Obbach, seit 1841 in Niederwerrn tätige Distriktrabbiner Mayer Lebrecht (1808-1890). 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1837 16 jüdische Einwohner (0,2 % von insgesamt 7.330 Einwohnern), 1852 27, 1867 200 (2,0 % von 9.748), 1875 380 (3,4 % von 11.233), 1880 490 (3,9 % von 12.601), 1890 352 (2,8 % von 12.472), 1900 415 (2,7 % von 15.302), 1910 428 (1,9 % von 22.194), 1912 468 (1,9 von 25.125). Von jüdischen Kaufleuten/Gewerbetreibenden wurden in der Stadt zahlreiche, teilweise für die weitere Entwicklung der Stadt bedeutende Handlungen und Handelsbetriebe, Läden, Kaufhäuser, Fabriken usw. eröffnet. Es gab jüdische Rechtsanwälte und Ärzte in der Stadt.   
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Auch war eine Gemeindebibliothek vorhanden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war (neben dem Rabbiner) ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Ludwig Breitenbach (geb. 4.1.1871 in Heidingsfeld, gef. 22.7.1917), Ludwig Fleischmann (geb. 17.9.1898 in Schweinfurt, gef. 9.4.1917), Benzion Forchheimer (geb. 2.4.1886 in Thüngen, gef. 15.10.1916), Justin Gutmann (geb. 29.10.1891 in Niederwerrn, gef. 13.3.1915), Unteroffizier Hermann Hahn (geb. 27.11.1896 in Schweinfurt, gef. 19.8.1917), Erich Holländer (gef. 3.9.1916), Samuel Neumann (geb. 9.5.1896 in Oberelsbach, gef. 8.8.1916), Moritz Nordschild (geb. 7.4.1887 in Schweinfurt, gef. 17.9.1917), Gefreiter Sally Nordschild (geb. 4.2.1888 in Niederwerrn, gef. 30.9.1915), Alfred Rosenau (geb. 16.7.1887 in Schweinfurt, gef. 22.9.1914), Isaak Rothschild (geb. 18.9.1894 in Schlüchtern, gef. 21.11.1915), Unteroffizier Meinrad Schloß (geb. 14.8.1893 in Mellrichstadt, gef. 18.7.1918), Unteroffizier Moritz Selka (geb. 5.5.1886 in Posen, gest. an der Kriegsverletzung 1.2.1919), Theodor Silberstein (geb. 22.12.1888 in Schweinfurt, gef. 7.5.1915), Max Ullmann (geb. 24.3.1897 in Schweinfurt, gef. 3.3.1920). 
Außerdem sind gefallen: Simon Weil (geb. 30.7.1882 in Schweinfurt, vor 1914 in Hanau wohnhaft, gef. 18.2.1915), Leo Salzer (geb. 16.6.1879 in Schweinfurt, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 10.11.1916).
Hinweis: der in einigen Listen zu den Gefallenen in Schweinfurt genannte Offizierstellvertreter Alexander Hanauer (geb. 23.2.1883 in Schluchtern, gest. an Verwundung 23.11.1918 im Reservelazarett Osnabrück) hat nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer nie in Schweinfurt gelebt, wurde aber auf dem Friedhof in Schweinfurt im Grab seiner Schwiegermutter beigesetzt.                
   
Um 1924, als zur Gemeinde 414 Personen gehörten (1,1 % von insgesamt 36.336 Einwohnern), bildeten den Gemeindevorstand Justizrat Dr. Hommel, Nathan Stern und Ludwig Mohr. Verwaltungsmitglieder waren: Ludwig Silberstein, Isidor Mohrenwitz, Salin/Sallo Mars, Ignatz Hirsch, Siegfried Sonnenberger und Alfred Schelzer. Als Lehrer und Kantor war Arthur Berlinger angestellt, als weiterer Kultusbeamter Moses Weigersheimer. Religionsunterricht erhielten damals 24 Kinder der jüdischen Gemeinde. An jüdischen Vereinen gab es die Israelitische Armen- und Wandererunterstützungskasse (bzw. Wandererunterstützungsverein, gegr. 1.11.1864, 1932 unter Leitung von Dr. Hommel), der Israelitische Wohltätigkeitsverein (Chewra Gemilus Chassodim e.V. (gegründet 1882; 1924/32 unter Leitung von Ludwig Klau mit 80/110 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Kranker und Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1864, 1924/32 unter Leitung der Frau von Rabbiner Dr. Stein mit 136/140 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenfürsorge, Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen), der Verein für Jüdische Geschichte und Literatur (1924/32 unter Leitung von Dr. Hommel mit 80 Mitgliedern), der Jüdische Jugendverein (1918 gegründet, 1924/32 unter Leitung von Lehrer Berlinger mit 100 Mitgliedern), der Verein Concordia (Pflege der Geselligkeit, 1924 unter Leitung von Ludwig Aurich), eine Ortsgruppe des Centralvereins (1924 unter Leitung von Dr. Hommel, 1932 unter Leitung von Rechtsanwalt S. Mendle), eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1924 unter Leitung von Jakob Stein mit 35 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Dir. L. Silberstein). 
  
Zu Beginn der NS-Zeit (1932/33) bestand der Gemeindevorstand aus sechs Personen, insbesondere Dr. Moses Hommel (1. Vors.), Nathan Stern (wohnt Gymnasiumstraße, 2. Vors.) und Salomon Mars (wohnt Steinweg 7, 3. Vors. und Schatzmeister). Das Bezirksrabbinat hatte (von 1890 bis 1934) Dr. Salomon Stein inne, 1934 folgte ihm im Amt Dr. Max Köhler (geb. 1899 in Kassel; emigrierte 1939 nach England; starb 1987 in Jerusalem). Als Lehrer und Kantor wirkte weiterhin Arthur Berlinger. Von ihm wurden im Schuljahr 1932/33 noch 31 Kinder unterrichtet.  
    
1933 wurden 363 jüdische Einwohner gezählt (0,9 % von insgesamt 40.176). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien ist in den folgenden Jahren ein Teil von ihnen aus Schweinfurt verzogen oder ausgewandert. Andere jüdische Personen (von Landgemeinden) sind teilweise noch in Schweinfurt zugezogen. Am 1. April 1935 wurden 318 jüdische Einwohner gezählt, im Januar 1936 319, im Januar 1937 308, im Januar 1938 260.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Einwohner - unter ihnen auch Kranke und Alte - aus ihren Häusern geholt und unter Beschimpfungen und Steinwürfen durch die Straßen der Stadt geschleppt. In den jüdischen Wohnungen und Gebäuden wurde erheblicher Schaden angerichtet. 1942 wurde die Gemeinde aufgelöst. Bis dahin hatten ca. 225 (Hinweis des Webmasters: diese Zahl ist eine grobe Schätzung und muss noch genauer überprüft werden) der 1933 hier wohnenden oder seitdem zugezogenen Juden auswandern können. 1942 wurden 30 Juden über Würzburg in die Durchgangslager Krasniczyn bzw. Izbica bei Lublin deportiert. Im September 1942 kamen 60 Juden nach Theresienstadt. Drei jüdische Personen konnten in Schweinfurt auf Grund ihrer "privilegierten Mischehe" überleben. 
  
Von den in Schweinfurt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bernhard Adler (1869), Elise Adler geb. Ledermann (1872), Herbert Aron (1896), Karola Aron geb. Heussinger (1897), Anni Fanny Bär (1925), Hilde Bär geb. Sondhelm (1892), Robert Bär (1881), Rosa Baer geb. Friedmann (1872), Rosa Baum geb. van Wien (1878), Emma Baumblatt geb. Mohrenwitz (1874), Heinrich Bergmann (1866), Michael Bergmann (1862), Arthur (Asur) Berlinger (1889), Bertha Berlinger geb. Braunhold (1891), Adolf Bildstein (1928), Hermann Bildstein (1870), Manfred Bildstein (1924), Mina Bildstein geb. Schwarzmann (1876), Salli Birn (1890),Hanna Blenke geb. Weil (1895), Ignatz Bloch (1878), Hanna Blümlein (1876), Frieda (Friederike) Böhm geb. Weil (1868), Karl Brandis (1890), Berta Breitenbach geb. Mohrenwitz (1873), Samuel Brungäßer (1857), Therese Ehrenstein geb. Weil (1866), Doris Einstein (1928), Dina Eisenhardt geb. Baumblatt (1879), Wilhelm (Willi) Eisenheimer (1867), Elsa Fenster geb. Herschmann (1891), Selma Fischer geb. Blumenthal (1887), Lina Forchheimer geb. Sichel (1882), Louis Forchheimer (1876), Paula Forchheimer geb. Löwenstein (1884), Adele Fränkel geb. Hüchberger (1878), Paula Fränkel (1920), Wolf Fränkel (1869), Pauline Frank geb. Silbermann (1859), Eduard Gärtner (1877), Emma Gärtner (1872), Marianne Gerst geb. Mars (1887), Herbert Götz (1927), Frieda Goldstein geb. Geißenberger (1867), Clara Gutmeyer geb. Engel (1880), Max Hahn (1905), Emma Heilbrunn geb. Oppenheim (1883), Lothar Herrmann (1922), Simon Heußinger (1869), Gustav Hirsch (1882), Hans Werner Hirsch (1910), Herbert Hirsch (1917), Ludwig Hirsch (1901), Jenny Hirschfeld geb. Hanauer (1878), Paula Jacob geb. Silberstein (1885), Lina Jungmann geb. Dreschfeld (1870), Richard Kaufmann (1924), Lotte Klingelhöfer geb. Kann (1908), Emilie Lamm geb. Strauß (1880), Helene Landau geb. Liebenthal (1873), Philipp Last (1910), Berta Lefkovits geb. Schönfeld (1889), Lisbet Lefkovits (1922), Melita Lefkovits (1924), Nathan Lefkovits (1890), Adelheid Lehmann geb. Frank (1864), Norbert Nathan Lehmann (1900), Max Lewinsohn (1903), Hermine Loew geb. Weil (1893), Julie Lublinski geb. Halle (1870), Berta Mars geb. König (1884), Siegmund Mars (1874), Clara (Klara) May (1876), Elisabeth Sabine Mayer (1882), Julius Mayer (1870), Nanny Mayer geb. Fleischmann (1878), Fritz Mohr (1900), Kurt Mohr (1891), Paul Mohr (1897), Bettina Mohrenwitz geb. Höchheimer (1877), Augusta Mosenthal geb. Mohrenwitz (1876), Hirsch Neuburger (1876), Ida Neuburger geb. Löwenthal (1889), Bernhard Neumann (1868), Sophie Neumann geb. Schloß (1875), Max Nordschild (1876), Babette Oppenheimer geb. Blümlein (1882), Klara Oppenheimer geb. Oppenheimer (1907), Sigmund Oppenheimer (1877), Wilhelm Oppenheimer (1885), Berta Engelinchen Oster geb. van Wien (1885), Hilde Ottensoser (1933), Tilly Ramsfelder (1898), Julie Rheinfelder geb. Mohr (1874), Kurt Rheinfelder (1898), Johanna Rosenau (1882), Sally Rosenau (1883), Leopold (Leo) Rosenbusch (1903), Emmy Rosenthal geb. Lehmann (1901), Leopold Rosenthal (1882), Recha Rosenthal geb. Katzenberger (1883), Paula Rychwalski geb. Blumenthal (1885), Mindel (Minna) Saalfeld (1892), Helga Salomon (1934), Ilse Salomon (1933), Jakob Salomon (1898), Martha Lina Salomon geb. Wolf (1898), Henriette Sänger geb. Schreiber (1873), Hedwig Salzer geb. Grünberg (1886), Fanni Schäler geb. Kaufmann (1881), Lotte Scheige geb. Rosenwald (1923), Sabine Schelzer geb. Eisenheimer (1885), Willi Scherl (1912), Hasso Schlorch (1921), Max Schlorch (1886), Recha Schlorch geb. Haas (1891), Frieda (Friederike) Schloss geb. Heinemann (1878), Regina Schloss geb. Jochsberger (1864), Alfred Schreiber (1879), Isidor Schulchan (1888), Bernhard Schwarzenberger geb. Katzenberger (1869), Meta Schwarzenberger (1870), Cecile Silberbusch geb. Federlein (1866), Alfred Silberstein (1876), Olga Singer (1883), Clara Sittenmann geb. Strupp (1890), Else Solinger geb. Silberstein (1884), Grete (Gretel) Sonnenberger (1925), Karolina Spitzer geb. Strauss (1879), Heinrich Stark (1883), Jettchen Stark geb. Schiff (1887),  Leopold Stern (1875), Wilhelmine (Mina) Stern geb. Schnurmann (1878), Nanette (Netta) Stern geb. Silberstein (1862), Emma Strauß (1877), Ingeborg Theilhaber (1933), Hildegard Tittel geb. Jaffé (1907), Clementine Urbach geb. Silberstein (1873), Ludwig Veilchenblau (1892), Helene Walter geb. Nordschild (1865), Jakob Weglein (1896), Alfred Weil (1881), Betty (Bertha) Weil (1895), Erna Weil geb. Stern (1890), Hedwig Weil geb. Mars (1878), Ludwig B. Weil (1884), Marie Weil geb. Löw (1888), Siegfried Weil (1882),  Marx van Wien (1880), Otto van Wien (1886), Isbert Ludwig Wolf (1935). Sali Wolfromm geb. Blümlein (1874).
   
Anmerkung: der in einigen Listen genannte Max Marx (1887) ist nach den Recherchen von E. Böhrer nicht umgekommen, sondern konnte emigrieren und ist 1950 in New York gestorben.   
    
   
   
   
Zur Geschichte der Synagogen    
   
Eine Synagoge bestand zunächst im Mittelalter. Sie wurde erstmals anlässlich einer Erneuerung des Gebäudes 1479 genannt. Sie stand in der heute noch sogenannten "Judengasse" im südlichen Viertel der Altstadt, wahrscheinlich an ihrem südwestlichen Ende gegen die Petersgasse zu, an der Stelle der heutigen Häuser Judengasse Nr. 25 und 27. Sie hatte drei Straßenfronten. Unter oder neben ihr befand sich das rituelle Bad. Bereits 1500 ließ sich die Stadt von König Maximilian I. den Besitz der Synagoge bestätigen für den Fall, dass Juden über kurz oder lang nicht mehr in Schweinfurt wohnen. Im Zusammenhang mit der Vertreibung der Juden 1555 wurde die Synagoge geschlossen.      
      
Die seit 1864 wieder bestehende jüdische Gemeinde hatte zunächst einen Betsaal. Am 4. September 1874 konnte man im Innenhof des Grundstückes Siebenbrückleingasse 14 eine neue Synagoge einweihen. Die Einweihung nahm Distriksrabbiner Lebrecht vor. Aus der - liberal geprägten - "Allgemeinen Zeitung des Judentums" liegen zwei Berichte von 1874 vor, in der auf den Einbau der Orgel und die Einführung von Gesang (gemeint Chorgesang) als "Fortschritt" hervorgehoben wurde ("die Gemeinde ... trägt dem Zeitgeiste Rechnung"):  .   
  
In der Synagoge wird eine Orgel eingebaut (1874)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. August 1874: "Schweinfurt am Main, 22. Juli (1874). Bekanntlich wuchert in Unterfranken die Hyperorthodoxie und der Obskurantismus in üppigster Blüte fort, und nirgends zeigt sich auf religiösem Gebiete auch nur eine Spur von Fortschritt; nur die Gemeinde Schweinfurt trägt dem Zeitgeiste Rechnung; denn in der in wenigen Wochen vollendeten neuen Synagoge wird Orgel und Gesang eingeführt. Dass es hier ermöglicht wurde, in so kurzer Zeit eine neue Synagoge mit Orgel herzustellen, verdanken wir neben der Bereitwilligkeit der Kultusmitglieder, die mit wenigen Ausnahmen diesen Fortschritt freudig begrüßen, dem energischen Eingreifen und den rastlosen, uneigennützigen Bemühungen des Vorstandes, Herrn Hirsch, sowie den liebevollen Anschauungen des Herrn Rabbiners Lebrecht
Die Fortschritte und Errungenschaften der hiesigen Gemeinde fallen schon deshalb doppelt in die Waage, wenn man bedenkt, dass vor circa 15 Jahren den Juden der Aufenthalt hier gar nicht gestattet war; tempora mutantur!  A..."      

Die Einweihung der Synagoge (1874)      

Schweinfurt AZJ 22091874.jpg (137571 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. September 1874: "Schweinfurt, 5. September (1874). Die Einweihung der neuerbauten Synagoge in Schweinfurt fand gestern Nachmittag von 4 1/2 Uhr an statt, und zwar genau nach dem ausgegebenen Programm. Zur Feierlichkeit waren erschienen: die städtischen Kollegien, Vertreter des Königlichen Bezirksamts, das königliche Studienrektorat, die Geistlichen beider christlichen Konfessionen und eine große Anzahl hiesiger Einwohner und wurden von der israelitischen Gemeinde auf das Zuvorkommendste empfangen. Die Einweihungsfeierlichkeit fand in erhebender, sehr würdiger Weise statt. Es wechselten Chorgesänge mit Gesang des Vorsängers, und gab die Orgelbegleitung den Gesängen eine ganz besondere Weihe. Die Festpredigt wurde von Herrn Distriktsrabbiner Lebrecht gehalten und sich über den ihr zu Grund gelegten Text (1. Könige 8,56-58) in sehr passendem allgemein ansprechendem und gründlichem Vortrage verbreitet. Nach dem Einweihungsgottesdienst folgte der erste Gottesdienst zum Eingang des Sabbats. Die Synagoge ist sehr hübsch und geschmackvoll gebaut, es ist alles Überflüssige daran und darin in Bau und Ausstattung vermieden und doch bei aller Einfachheit harmonisch und den Gesetzen der Ästhetik entsprechend. Auch diese Synagoge ist mit einem schönen Orgelwerke versehen. Es ist in hiesiger Stadt wieder ein neues Gotteshaus erstanden, das als ein Zeichen der Duldung und der brüderlichen Nächstenliebe gelten kann. Mögen die Worte des Herrn Rabbiner auch in den weitesten Kreisen bekannt und befolgt werden, möge der Geist der Gerechtigkeit und der Liebe, der Duldung und des Friedens bei allen Menschen, gleichviel welcher Religion, einkehren und Früchte tragen."       

1888 wurde vor der Synagoge ein jüdisches Gemeindehaus (Schul- und Wohnhaus) erstellt. Zunächst wurden in der Synagoge während der Zeit des Rabbiners Maier Lebrecht Reform-Gottesdienste mit Orgelbegleitung abgehalten, doch während der Amtszeit von Rabbiner Dr. Salomon Stein kehrte man zur traditionellen Liturgie zurück. Rabbiner Stein war zugleich Vorsitzender des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. Dadurch fanden in Schweinfurt auch regelmäßig dessen Jahrestagungen statt. Aus der Geschichte der Synagoge gibt es einzelne Berichte zu besonderen Anlässen wie z.B. zur Stiftung von Toraschmuck:  
  
Geschenke für die Synagoge (1886)  

Schweinfurt Israelit 20051886.jpg (58125 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1886: "Schweinfurt am Main, im Mai. Eine seltene Überraschung wurde uns am verflossenen Pessachfeste zuteil, indem Herr Emil Heimann, Schuh-Fabrikant und Kultus-Vorsteher dahier, der hiesigen Gemeinde ein prachtvolles Geschenk machte, nämlich ein Ez Chaiim und Tass zur Zierde der Tora, welche einen Wert von 900-1000 Mark repräsentieren. Herr und Frau Heimann sind sowohl im engeren als auch im weiteren Kreise als große Wohltäter bekannt und verdienen hiermit öffentliche Anerkennung."

1928 wurde die Synagoge renoviert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden sämtliche Einrichtungsgegenstände und die Ritualien zertrümmert, Torarollen in den Schmutz geworfen und zertrampelt. Die Polizei beschlagnahmte eine Anzahl von Ritualien und Torarollen, darunter wertvolle Gegenstände, die aus den Gemeinden Arnstein, Gochsheim und Ebelsbach nach Schweinfurt überführt worden waren. Nur einige Gebetbücher und Toramäntel konnten gerettet werden. 
        
1939 musste die Gemeinde das Synagogengebäude und das Gemeindehaus zu einem sehr niedrigen Preis an die Stadtverwaltung verkaufen. Die ehemalige Synagoge wurde als Feuerwehr-Depot verwendet. Bei Bombenangriffen 1943 wurde das Gebäude total zerstört; nur eine Seitenwand blieb stehen. Das frühere jüdische Gemeindehaus wurde nur beschädigt und konnte wieder für Wohnzwecke instandgesetzt werden. 1945 wurde das Grundstück beschlagnahmt und der Jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übertragen, die es später an die Städtische Sparkasse verkaufte. Das frühere jüdische Gemeindehaus wurde abgebrochen. Auf dem Grundstück von Gemeindehaus und Synagoge befindet sich heute der zur Städtischen Sparkasse Schweinfurt gehörende Parkplatz (Siebenbrückleingasse). Ein Gedenkstein ist vorhanden. 2008 wurde eine Erläuterungstafel ergänzt (siehe Fotos unten).    
     
     
Adresse/Standort der Synagoge: Siebenbrückleingasse 
     

     
Fotos
(Fotos: obere Zeile Jürgen Hanke, Kronach; darunter Hahn, Aufnahmedatum 9.4.2007)  

Schweinfurt Synagoge 120.jpg (46027 Byte) Schweinfurt Synagoge 121.jpg (56417 Byte)  
Am Synagogenplatz befindet sich
 heute ein Parkplatz 
  
Gedenkstein für die 1938 zweckentfremdete 
und 1943 bei einem Bombenangriff 
zerstörte Synagoge
 
       
Schweinfurt Synagoge 100.jpg (110316 Byte) Schweinfurt Synagoge 101.jpg (110723 Byte)   
        
      
Gedenkveranstaltung am Platz der ehemaligen Synagoge am 9. November 2008 
mit Enthüllung einer Erläuterungstafel 
(Fotos von Elisabeth Böhrer, untere Zeile links von Manfred Fuchs)
 
Schweinfurt Synagoge 200816.jpg (125237 Byte) Schweinfurt Synagoge 200815.jpg (120442 Byte)   
Rabbiner Jakov Ebert aus Würzburg  links Stadtdekan Fries (katholisch), 
rechts Dekan Bruckmann (evangelisch) 
mit "Worten der Besinnung" 
  
  
         
Schweinfurt Synagoge 200805.jpg (77419 Byte) Schweinfurt Synagoge 200818.jpg (108797 Byte) Schweinfurt Synagoge 200817.jpg (59721 Byte)
Der Gedenkstein mit der Erläuterungstafel   Erläuterungstafel (2013 durch Stelen ersetzt)
       

Pressebericht zur Gedenkfeier und Enthüllung der Gedenktafel

  
Bericht in der "Main-Post" vom 9.11.2008 (Artikel)   
Schweinfurt.  Wüten der Nazis eine Schande.  Beeindruckende Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Pogroms – Tafel enthüllt
Nationalsozialisten haben in Schweinfurt am 10. November 1938 jüdische Bürger der Stadt bedroht, misshandelt, sie durch die Straßen getrieben, die Einrichtung des jüdischen Gemeindehauses und der Synagoge in der Siebenbrückleinsgasse demoliert. Ein Gedenkstein am einstigen Standort – die Synagoge wurde 1943 von Bomben zerstört – erinnert seit 1973 an das Pogrom. Seit Sonntag klärt eine Tafel über die Gemeinde und die Schreckenszeit auf. 
Rund 300 Bürger wohnten am gestrigen 9. November einer beeindruckenden Gedenkfeier bei. Schon der von Josef Krug (Bad Brückenau) geschriebene und von Laura Reusch (IG-Metall-Jugend) vorgetragene Text "Fahrpläne, Dienstpläne" ging unter die Haut. Krug beschrieb darin die Todeszüge in die Konzentrationslager, das "Herausprügeln aus den Waggons" und das "Aussortieren" an den Bahnrampen, wo Mädchen die "Puppen entrissen" wurden. 
Beeindruckend auch Rabbiner Jakov Ebert (Würzburg). In vielen Einladungen an ihn zum 70. Jahrestag sei von Erinnerungs-, dann wieder von Gedenktag die Rede. Es scheine nur, dasselbe zu sein: Wer sich nämlich erinnern müsse, der habe etwas vergessen. Die Opfer, die auch in Schweinfurt in ihrer Synagoge geweint und gebetet hätten, "die werden wir nicht vergessen", sagte er. Der 9. November sei Gedenktag, an dem "wir daran denken müssen, dass sich ein solches Verbrechen nicht wiederholt", warnte der Rabbiner vor aktuellem Rechtsradikalismus durch "Banditen", die "den Kopf heben" und Fremdenhass schürten. Gedenkort und Tafel sollen vor allem der Jugend helfen zu erfahren, "was hier passiert ist", seien Aufforderung, "dafür zu kämpfen, dass das nie mehr geschieht". 
OB Gudrun Grieser, die die Tafel zuvor enthüllt hatte, erinnerte an das Wüten der Nazis am 10. November 1938, einem Tag, "den wir nur als eine Schande für unsere Stadt empfinden" und wie für die Verbrechen am jüdischen Volk "nur um Vergebung bitten können". Die Tafel solle an die einst "lebendige jüdische Gemeinde" erinnern und bewusst machen, wie erschreckend schnell sich Menschen durch eine rassistische Ideologie verführen lassen. Der katholische Dekan Reiner Fries drückte seine Hoffnung aus, dass die Geschehnisse die Bereitschaft erhöht haben, "etwas gegen fehlgeleitete Menschen zu tun". Sein evangelischer Kollege Oliver Bruckmann bedauerte, dass unsere Vorfahren das "wahnsinnige Rasen der Nationalsozialisten" nicht verhindert und millionenfachen Tod unschuldiger, besonders der jüdischen Menschen, nicht aufgehalten hätten. Auch die Kirchen hätten sich schuldig gemacht, geschwiegen und seien nicht unerheblich an der Hetze gegen das Judentum beteiligt gewesen. Sie hätten die Kirchenbücher verweigern und den Irrsinn "arischer Rassennachweise" damit zumindest sehr erschweren können, sagte er. 
Bruckmann erinnerte an den Berliner Rabbiner Leo Baeck, der den Holocaust als einziger seiner Familie überlebte und sich trotzdem nach dem Krieg um Versöhnung und Dialog zwischen Juden und Christen bemühte. "Baeck hat auch mich beeindruckt, sein Denken war der Grund, dass ich zurückgekommen bin", sagte Margarita Calvary am Rand der Veranstaltung. Sie wurde vor 86 Jahren als Gretl Silberstein in Schweinfurt geboren und wohnte der Gedenkfeier tief gerührt bei. Sie war vor den Nazis geflohen und 2004 nach Jahrzehnten im Ausland nach Schweinfurt zurückgekehrt. Beeindruckend auch die Musik der Klezmerband "Schmitts Katze". Der abschließenden Führung zu Orten jüdischen Lebens in Schweinfurt durch Klaus Hofmann von der Initiative gegen das Vergessen folgten rund 50 Besucher der Feier.  
       
Text der Erläuterungstafel [ohne Spalte rechts, Zeittafel) - von Willy Adler (1904-1983), Sohn des jüdischen Lehrers Bernhard Adler: "Zur Geschichte der Synagoge und des Gemeindehauses der Israelitischen Kultusgemeinde.  
'Die Synagoge, ein in einfacher Weise erstellter Zweckbau, hatte an beiden Langhaus-Seiten Spitzbogenfenster. Der Haupteingang führte zur sogenannte Männersynagoge, d.h. in das Erdgeschoss. Von Westen kam man durch einen weiteren Eingang über eine Holztreppe zur Frauenempore, die drei Seiten umschloss und den Blick zu den Pulten des Vorbeters und des Schreins, in dem die Thorarollen aufgewahrt wurden, freigab. Thoraschrein, Vorlesepult (Almemor) und Kanzel befanden sich in einem ostwärtigen Vorbau, den ein Rundbogen bekrönte, dieser trug die hebräische Inschrift 'Wisse, vor wem Du stehst'. Platzmangel auf der Frauenempore veranlasste 1920 die Verlegung des Aufgangs - ebenfalls einer Holzkonstruktion - an die Außenwand; 50 neue Sitzplätze wurden damit gewonnen. Die Bestuhlung bestand aus Holzbänken und jeder Inhaber eines Synagogenplatzes hatte vor sich ein Fach, in dem er seine Gebetsbücher und seinen Gebetsmantel (Tallith) unterbringen konnte; die Fächer waren abschließbar;  
Nach dem Foto: 'Gemeindehaus der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt (Straßenfront)':
[...] Fotos zeigen in der Mitte der Straßenfront des Hauses ein rundbogiges Holztor, durch das man zum Hauseingang und zum Hof kam. An dessen Rückseite erhob sich die Synagoge. Vor dieser standen zwei große Kastanienbäume, hinter ihr ein ebenfalls großer Nußbaum [...]. Auf der rechten Hofseite befand sich das religiöse Tauchbad (Mikwe) und ein kleines Schlachthaus für Geflügel, an das sich ein Magazin anschloss, in dem alle dem Kultus dienenden Gerätschaften verwahrt wurden. Beim Nußbaum standen noch ein kleiner Schuppen und ein Stall für Kleintiere, in dem meine selige Mutter (als prima Köchin) Hühner und Gänse hielt. Anschließend hatten die sanitären Anlagen für die Besucher der Synagoge ihren Platz. Im Parterre des dreigeschossigen Hauses befand sich links das Schulzimmer, das gelegentlich auch als Betraum diente und in dem sich die Gemeinde versammelte. Ein großer Schrank enthielt die Bibliothek [...]. Neben dem Schulraum enthielt das Erdgeschoss noch das Sitzungszimmer für den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde und die sanitären Einrichtungen für die Schule. Eine Holztreppe führte zum ersten Stock, zur Wohnung des Religionslehrers, also meiner Eltern, in der mein Bruder und ich geboren wurden. Die Dreizimmerwohnung - Wohnzimmer, Schlafzimmer und sog. Gutes Zimmer (Salon), kleine Küche mit Kohlenofen - hatte kein Bad. Im Guten Zimmer wurden die Besucher empfangen [...], Familienfeste gefeiert und von meinen Eltern Angelegenheiten der Gemeinde oder der [von Willy Adlers Vater Bernhard Adler, 1904 gegründeten I. Schweinfurter Privat-]Handelsschule besprochen [...]. Im Erdgeschoss rechts wohnte der Kultusdiener und Schächter, zu meiner Zeit mein seliger Großvater Ledermann, dann dessen Nachfolger Moses Weigersheimer, mit Frau Fanny und Tochter Recha, meiner Jugendgefährtin. [...] Darüber befand sich im ersten Geschoss die Wohnung des Rabbiners, die auch das Amtszimmer des Distriktrabbinats mit wertvoller Bibliothek enthielt. Dieses Amtszimmer lag gerade über dem vorhin erwähnten Torbogen. Im Dachgeschoss waren mehrere Mansardenräume eingebaut: Das Schlafzimmer meines Bruders sowie die Unterkünfte für die Hausmädchen [...] Außerdem enthielt das Dachgeschoss Magazine, Abstellräume und einen großen Wäschetrockenplatz. Im mit Lattenverschlägen (je zwei für jeden Hausbewohner) unterteilten geräumigen Keller lagerten die Vorräte [...]. Im Hof - zwischen Synagoge und Gemeindehaus - hatten die Laubhütten ihren Platz, je eine für den Rabbiner, den Lehrer und den Kultusdiener; das Laubhüttenfest wurde nach dem Neujahrsfest und dem sog. Langen Tag (Jom Kippur) acht Tage lang gefeiert [...]_. - Willy Adler (1904-1983)."   
     
November 2013: Neugestaltung der Gedenkstätte für die Synagoge  
Fotos von Elisabeth Böhrer, erstellt bei der Gedenkveranstaltung am 9. November 2013  
Schweinfurt Denkmal 111301.jpg (197117 Byte) Schweinfurt Denkmal 111304.jpg (262737 Byte) Schweinfurt Denkmal 111305.jpg (243006 Byte)
Blick auf den Gedenkstein mit den 
(insgesamt vier) Textstelen im Hintergrund 
Texttafel zur jüdischen Geschichte Schweinfurts 
   
     
Schweinfurt Denkmal 111306.jpg (255563 Byte) Schweinfurt Denkmal 111302.jpg (154817 Byte) Schweinfurt Denkmal 111303.jpg (185239 Byte)
Text zum Novemberpogrom 1938  Texte und Fotos zur Deportation 1942 
 

    

Weitere Presseberichte             

Weitere Berichte  
August 2011: Auf den Spuren der Vorfahren   
Artikel in der "Main-Post" vom 18. August 2011: "Auf den Spuren der Vorfahren" - Besuch von Ricardo Gartner aus Argentinien, Enkel von David Gärtner aus Unsleben / Schweinfurt. (Link zum Artikel; eingestellt als pdf-Datei).      
 
Februar 2014: Auf den Spuren der jüdischen Kindheit   
Artikel von Hannes Helferich in der "Main-Post" vom 20. Februar 2014: "Auf den Spuren einer jüdischen Kindheit. 
Mark Dornhelm aus den USA besuchte die Orte, an denen seine Vorfahren gelebt haben

Es war keine leichte Reise – und es gab viele bewegende Momente: 1937 konnte Mark Dornhelms Mutter Emmy in die USA fliehen und entkam so dem Holocaust. Nun besuchte der 69-jährige Mark die Orte der Kindheit seiner Mutter. Emmy ist 1914 in Schweinfurt geboren, als zweites Kind von Jakob und Paula Rosenstock. Bis 1940 gelang der kompletten Familie die Flucht nach Amerika. Emmy Rosenstock heiratete in den USA Salomon Dornhelm. Sohn Mark wurde 1945, sein Bruder Richard 1943 geboren. Diese Woche besuchte Mark erstmals Schweinfurt. Abstecher unternahm er auch nach Schwanfeld und Euerbach, den Wohnorten der Vorfahren..."  
Link zum Artikel         

   


  
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Schweinfurt  
Synagoge Spitzweg.jpg (26214 Byte)In Schweinfurt zu sehen: Das 1855-60 entstandene Gemälde "In der Synagoge" von Carl Spitzweg. Es wird in der Galerie Sammlung Georg Schäfer in Schweinfurt ausgestellt.  
Die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Schweinfurt und ihre Gedenkinschriften: hier anklicken 
Seiten auf der Website des Dekanates Schweinfurt zur jüdischen Geschichte der Stadt  
Dokumente zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Schweinfurt in den Central Archives in Jerusalem (pdf-Datei): hier anklicken  Link zu den Central Archives: hier anklicken  
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Schweinfurt 

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 756; III,2 S. 1353-1360.
Salomon Stein: Die israelitische Kultusgemeinde zu Schweinfurt am Main seit ihrer Neugründung 1864-1914. Schweinfurt 1914.
Ders.: Die israelitische Kultusgemeinde Schweinfurt. II. Teil 1914-1930. Eine Jubiläums-Widmung beim Ablauf des 40. Dienstjahres von Bezirksrabbiner Dr. Salomon Stein, Würzburg 1931.
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988. S. 83-84.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 398-401.
Uwe Müller/Bernhard Strobl: Dokumente jüdischen Lebens in Schweinfurt. Ausstellung des Stadtarchivs Schweinfurt (9. November 1988 bis 9. Dezember 1988) aus Anlass des 50. Jahrestages der sog. "Reichskristallnacht", in: Dokumente jüdischen Lebens in Schweinfurt, 1990, S. 21-96.
Verschickt und verschollen...1942. Reichspogromnacht 1938 und Judenverfolgung in Schweinfurt, hrsg. vom DGB-Bildungswerk e.V. Kreis Schweinfurt, Schweinfurt 1989.
Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken-Fürth & Schnaittach. Fürth 1998 Bd. 3 S. 703-705 (zu Schweinfurt).  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Schweinfurt Lower Franconia. Jews are known from the early 13th century and suffered greatly in the Rindfleisch massacres of 1298 and the Black Death persecutions of 1348-49. Under King Sigismund in 1420 the Jews were granted various rights but were forced to pay exorbitant taxes to the town. Conditions worsened under Emperor Ferdinand in the 16th century. In 1544 the municipality shut down the synagogue and in 1555 the Jews were expelled.
The modern community began to develop significantly in the 1860s, reaching a population of 490 (total 12,601) in 1880. Schweinfurt became the seat of the district rabbinate in 1864. Antisemitism intensified under the Weimar Republic. In 1933 there were 363 Jews in Schweinfurt. Many others from the surrounding villages settled there in the Nazi era. The community had local branches of the Central Union (C.V.) and Zionist Organization. A Jewish public school was also in operation. By 1937 many Jewish cattle traders had to liquidate their businesses in the wake of the economic boycott. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jews were attacked and their homes and shops damaged along with the synagogue. About 30 were sent to the Dachau concentration camp. In 1933-42, 225 Jews left Germany, including 110 for the U.S. Another 221 left for other German cities. Of those remaining in 1942, 30 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 24 April and 60 to the Theresienstadt ghetto in September 1942. 
   
    

                   
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Stand: 07. April 2014