Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schweinfurt (Kreisstadt, Unterfranken)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Schweinfurt wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Weitere Berichte werden bei Gelegenheit ergänzt. Neueste Einstellung am 14.4.2015.  
   
   
Übersicht:       

Allgemeine Berichte zum jüdischen Gemeindeleben in Schweinfurt    
-   Kritische Schilderung der Gemeindeverhältnisse in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" (1875) 
-   Vorstandswahlen der Gemeinde (1908)   
-   Wahl der Ausschussmitglieder der Gemeinde (1908)   
-   "Jüdischer Bahnhof" in Schweinfurt (1912)   
-   Verhandlung gegen den "Volksschullehrer Streicher aus Nürnberg" (gemeint: Julius Streicher; 1922)    
-   Vorstandswahlen der Gemeinde (1929) 
-   Feier in Schweinfurt anlässlich der Heirat des Theilheimer Lehrers Weinstock (1931)
Aus dem jüdischen Vereinsleben   
-   Veranstaltung im "Verein für jüdische Geschichte und Literatur" (1901)  
-   S
tellungnahme des Schweinfurter Lokalkomitees der Alliance Israélite Universelle (1913)   
-   Zum 50. Jahrestag der Stiftung der Chewra Gemillus Chasodim (1932)  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und weiterer Kultbeamten  
-   Samuel Hommel von Gersfeld, bisher Religionslehrer in Baiersdorf, wechselt nach Schweinfurt (1867)   
-   Empfehlung für den Beschneider Aron Ledermann (1877)   
-   Besondere Beschneidung durch Aron Ledermann (1879)     
-   Ausschreibung der Stelle des Schächters und Kultusdieners (1925)   
-   Zum Tod von Lehrer Moses Weigersheimer (1925)
-   Todesanzeige für Lehrer Moses Weigersheimer (1925)   
-   Ausschreibung der Stelle des Schächters und Kultusdieners (1927)   
-   Toraschreiber Isak Kurzmann bietet eine Torarolle und weitere Leistungen an (1902)  
-   80. Geburtstag des Sofer (Toraschreibers) Isak Kurzmann (1928)        
-   Zum Tod des Sofer Isak Kurzmann (1931)    
-   Kultusbeamter (Schächter und Fleischbeschauer) Isak Lubinski verlässt Schweinfurt (1933)            
Aus der Geschichte des Distriktrabbinates in Schweinfurt   
-   70. Geburtstag von Rabbiner Maier Lebrecht (1878)  
-   Z
um 50-jährigen Amtsjubiläum von Distriktsrabbiner Maier Lebrecht (1890)   
-   Zum Tod von Rabbiner Maier Lebrecht (1890)    
-   Ausschreibung der Distriktsrabbinerstelle (1890)    
-   Dr. Salomon Stein wird zum Rabbinatsverweser in Schweinfurt ernannt (1890)   
-   Dr. Salomon Stein wird einstimmig zum Rabbiner gewählt (1890)    
-   Veröffentlichungen von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein (1902)  
-   Zum Tod von Karoline Stein, der Mutter von Rabbiner Dr. Stein (1903)  
-   Zum Tod von Dr. Samuel Dessau in Schweinfurt, ehemaliger Direktor der Israelitischen Bürgerschule in Fürth (1904, Schwiegervater von Rabbiner Dr. Stein)  
-   Patriotische Veröffentlichung von Distriktsrabbiner Dr. Stein (1915)   
-   60. Geburtstag von Rabbiner Dr. Salomon Stein (1926)     
-   Ausschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1934) 
-   Z
ur Verabschiedung von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein in den Ruhestand (1934)     
-   Gründung einer Bezirkswirtschaftshilfe (1934)   
-   70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Salomon Stein (1936)  
-   Zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. Salomon Stein (1938)     
-   Zum Tod von Anna Köhler, der Frau von Rabbiner Dr. Max Köhler (1937)  
Schweinfurt als Tagungsort von überregionaler Bedeutung    
-   30. Generalversammlung des Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern in Schweinfurt (1909)   
-   Einladung zum "Bundestag" des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns (1928)  
-   Bericht über den "Bundestag" des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns (1928) 
-   Bericht über die Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns (1928)  
-   Generalversammlung des "Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns" in Schweinfurt (1931)     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
-   Zum Tod von Rebecka Heinemann (1879)  
-   D
r. H. Rose wird 3. Staatsanwalt in Schweinfurt (1890)   
-   Zum Tod von Fanny Frank geb. Heinemann (1896)   
-   Beleidigungsklage des Getreidehändlers Uri Seligstein gegen den antisemitischen Redakteur Anton Memminger (1897)   
-   Zum Tod von Moses Straußer (1898)    
-   Die jüdischen Reichstagswähler setzen sich für den nationalliberalen Kandidaten ein (1903)    
-   Der Inhaber der Firma S. Mohrenwitz wird "königlich bayerischer Hoflieferant" (1904)   
-   Zum Tod von Julius Hahn (1911)   
-   Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Emil Heimann (1915)   
-   Zum Tod von Philipp Salzer, langjähriger Kassier und zweiter Vorstand der Gemeinde (1915)   
-   Beförderung des Juristen Silberschmidt zum 1. Staatsanwalt beim Landgericht Schweinfurt (1919)   
-   Zum Tod von Jette Kurzmann geb. Baumann (1925)    
-   Zum Tod von Siegmund Heußinger (1925)  
-   Zum Tod von Siegfried Sonnenberger (1927)  
-   L
udwig Mohrenschütz - Schatzmeister des "Central-Vereins", Ortsgruppe Schweinfurt - wurde "Vogelkönig" der Schützengesellschaft Schweinfurt (1928)    
-   Zum 60. Geburtstag von Justizrat Dr. Moses Hommel (1929)   
-   Zum Tod von Laura Straußer geb. Gutmann (1931)  
-   E
rfolgreiche Klage eines jüdischen Rechtsanwaltes (1934)     
-   Abschiedsfeier für Justizrat Dr. Moses Hommel anlässlich seiner Auswanderung (1934)  
-   Zum Tod von Marianne Heinemann (1936) 
-   Tod des Kultusvorstandes Ludwig Silberstein (1937)   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen sowie Berichte zu jüdischen Gewerbebetrieben 
-   Der Toraschreiber (Sofer) B. Federlein zieht von Maßbach nach Schweinfurt (1867)    
-   Anzeige der Metzgerei L. Blumenthal (1885)   
-   A
nzeige des Glas- und Porzellan-Engros-Geschäftes M. Salzer (1886)  
-   Lehrlingssuchen des Engros- und Exportgeschäftes M. Salzer (1900 / 1907)  
-   Anzeige des Rohprodukten-, Alt-Eisen- und Metallgeschäftes Julius Hahn (1901)    
-   Anzeige von L.Lehmann (1903)         
-   Metzgermeister S. Straußer sucht einen Gesellen (1903)  
-   Lehrlingssuche der Brot- und Feinbäckerei K. Sachs (1904) 
-   Anzeige des Restaurants Strausser (1906)     
-   Frau Heussinger sucht eine Haushaltshilfe (1908)     
-   Neujahrsgrüße von Familie Jacob Ullmann (1915)    
-   Übersicht über einige rituelle Gaststätten in Unterfranken (1922)    
-   Restaurateur in Schweinfurt gesucht (1924) 
-   V
erlobungsanzeige von Hedwig Grünberg und Gustav Salzer (1924)  
-   V
erlobungsanzeige von Marta Schäler und Fritz Hermann (1924)    
-   Geschäftseröffnung eines rituellen Restaurant im Restaurant zum Burgfrieden (1927)  
-   Hochzeitsanzeige von Klara Stein und Dr. Hermann Galewski (1933)    
-   "Arisierung" einer jüdischen Firma (1936)  
-   N
ach 1945: Todesanzeige für Ida Keller geb. Stern (USA 1949)    
Weitere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
-   Brief der Gebr. Hofmann aus Altenkunstadt an Jonas Nordschild in Schweinfurt (1868)   
-   Geschäftliche Karte an die Weinhandlung H. Gundersheimer (1882) 
-   Karte von Jakob und H. Stern in Niederstetten an die Eisenhandlung Fa. Eisenheimer in Schweinfurt (1889)  
-   Karte von Marie Brandis (Schweinfurt) nach Bamberg (1902)   
-   Postkarte an die Weingroßhandlung Mohrenwitz und Söhne (1906)   
-   Postkarte an den Apotheker Sigo Bernheimer in Schweinfurt (1909)    
-   Briefkopf der Fa. L. Hirsch, Weinbrennereien usw. (1930)  
-   Briefumschlag an Ilse Mohrenwitz auf der Überfahrt nach Palästina (1935) 

    
    
Allgemeine Berichte zum jüdischen Gemeindeleben in Schweinfurt 
Kritische Schilderung der Gemeindeverhältnisse in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" (1875)  
Anmerkung: Hintergrund der orthodoxen Kritik waren die unter Rabbiner Maier Lebrecht (siehe unten) liberal geprägten Gemeindeverhältnisse. Charakteristisch hierfür waren die Reformgottesdienste in der mit einer Orgel ausgestatteten, 1874 eingeweihten neuen Synagoge sowie der mit dem allgemeinen Stadtfriedhof unmittelbar verbundene jüdische Friedhof. Erst unter Rabbiner Dr. Salomon Stein (Rabbiner seit 1890) erfuhr die Schweinfurter Gemeinde ein traditionell orthodoxes Gepräges.

Schweinfurt Israelit 24111875.jpg (88822 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1875: "Aus dem Schweinfurter Gau. Ende Oktober (1875). Erst heute, geehrter Herr Redakteur, komme ich dazu, meinem Artikel über die Metropole unseres gesegneten Gaues einen weiteren folgen zu lassen. Aber auch mein heutiger Brief bringt leider für die Leser dieser Blätter keine erwünschten Mitteilungen. Dass der religiöse Sinn in Schweinfurt immer mehr schwindet, dass die Zahl der an Sabbat- und Feiertagen geschlossenen Läden immer kleiner wird, das ist ein Umstand, für den nur die Betreffenden selbst verantwortlich erklärt werden können. Dass aber die noch konservativ-religiösen Elemente so müßig die Hände in den Schoß legen und es über sich ergehen lassen, dass ihnen die praktische Betätigung des religiösen Lebens zur Unmöglichkeit gemacht wird, das ist eine sehr traurige Sache. Die jüngsten Ehrfurchtgebietenden Tage waren für die orthodoxen Besucher der Schweinfurter Synagoge wahre ‚furchtbare’ Tage. Der Orgel-Gottesdienst, der neben seiner unjüdischen Begründung hier an Abgeschmacktheit nichts zu wünschen übrig lässt, musste für den gesetzestreuen Israeliten wahrhaft zur Karikatur herabsinken. Die Ablesung der Stein’schen Liturgie durch den Rabbiner Lebrecht konnte am heiligen Jom Kippur doch nicht verhindern, dass der Gottesdienst fast ½ Stunde vor 
Schweinfurt Israelit 24111875a.jpg (234886 Byte)Nacht beendet wurde und somit Tür und Tor geöffnet war zur Entweihung des Jom Kippur.  
Freilich hat die israelitische Gemeinde in Schweinfurt in sozialer Beziehung manchen Fortschritt gemacht. So hat sie es durchgesetzt, eine Piece des allgemeinen Friedhofes für sich zu erhalten. Allein, keine Mauer, kein Zaun scheidet zwischen jüdischen und christlichen Gräbern, und in einer Reihe von Jahren können die jüdischen Gräber von Symbolen nichtjüdischer Religionsgebräuche umgeben sein und den Besuchern der jüdischen Gräbern das Beten auf den Gräbern ihrer Angehörigen unmöglich machen. Bis jetzt birgt dieser jüdische Friedhof nur erst einige Kinder. Denn bei einigen erwachsenen Personen kam es vor, dass sie ausdrücklich testierten, nicht in Schweinfurt zur Erde bestattet sein zu wollen. So geschah dies namentlich von Seiten eines auch in diesen Blättern unter den jüdischen Wohltätern oft genannten Mannes, namens David Ehrlich. Derselbe, durch Todesfälle in seiner Familie allein stehend, zog von Lohrhaupten hinweg zu seinen Kindern nach Schweinfurt, woselbst er aber schon nach einigen Monaten verstarb. Dieser biedere Mann, zu seiner Ehre sei’s gesagt, hat die Orgelsynagoge nicht betreten und stets lieber sein Gebet im Verborgenen verrichtet. Darum aber hatte seine irdische Hülle beim Verbringen in einen auswärtigen Friedhof, sich nicht der Ehre einer großen Begleitung zu erfreuen!* Ja, solch’ ein wahrhaft frommer Jehudi hätte in Schweinfurt noch viel des Guten stiften können, und namentlich hätte derselbe sicherlich seinen Vorsatz, sich ein Privat-Minjan, wo nach Gesetz und Tradition gebetet worden wäre, noch zur Ausführung gebracht, wenn der himmlische Wille ihn nicht so rasch abberufen hätte. – Möchten doch die übrigen konservativen Elemente in dieser und anderer Beziehung erstarken, damit es auch dem wahren Jehudi möglich werde, seinen Wohnsitz nach der handelsreichen und wahrhaft liberalen Stadt Schweinfurt zu verlegen. – 
Weiteres über manche religiösen Institutionen Schweinfurts für einen späteren Artikel vorbehaltend, sei für heute nur noch eines interessanten Prozesses erwähnt, der nächstens vor sich gehen soll: Der Metzger einer benachbarten, nicht zum Schweinfurter Rabbinate gehörenden Gemeinde nahm zur Befriedigung seiner Kunden Fleisch in Schweinfurt. Als dies zur Kenntnis des betreffenden Rabbiners kam, tat derselbe Schritte, welcher der Ehre des Schweinfurter Schochet (Schächter) zu nahe gingen, dass er mit einer Klage auf Ehrenkränkung drohte. Sollte derselbe zur Verherrlichung seiner eigenen Ehre sich nicht noch eines Besseren besonnen haben, so dürfte man sich jedenfalls auf eine cause célèbre gefasst machen. 
*) Ob die mir gewordene Mitteilung, wonach eine gewisse Persönlichkeit in Schweinfurt bei dem Tode Ehrlichs geäußert haben soll: ‚Hat doch sterben müssen, wenn er die Orgelsynagoge auch nicht besucht hat’, wahr oder nicht, soll hier nicht untersucht werden."

  
Vorstandswahlen der Gemeinde (1908)   

Schweinfurt FrfIsrFambl 11121908.jpg (30972 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Dezember 1908: "Schweinfurt. Bei den Vorstandswahlen der israelitischen Gemeinde wurden Kommerzienrat Emil Heimann als erster Vorsteher, Fabrikant Philipp Salzer als zweiter Vorsteher und Privatier Stern als Kassierer gewählt." 

  
Wahl der Ausschussmitglieder der Gemeinde (1908)   

Schweinfurt FrfIsrFambl 18121908.jpg (40326 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1908: "Schweinfurt, 14. Dezember (1908). Bei der gestrigen Wahl der israelitischen Kultusgemeinde wurden zu Ausschussmitgliedern gewählt: Dr. Hommel, Jul. Lehrmann, Ludw. Mohr, Jakob Ullmann und als Ersatzleute: Phil. Mars, Isidor Mohrenwitz und Sigm. Heusinger."   
   
Schweinfurt Israelit 24121908.jpg (19765 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1908: "Schweinfurt, 14. Dezember (1908). Bei der gestrigen Wahl der israelitischen Kultusgemeinde wurden zu Ausschussmitgliedern gewählt: Dr. Hommel, Jul. Lehmann, Ludw. Mohr, Jakob Ullmann; als Ersatzleute: Phil. Mars, Isidor Mohrenwitz, Sigm. Heusinger."

      
"Jüdischer Bahnhof" in Schweinfurt (1912) 

Schweinfurt FrfIsrFambl 28061912.jpg (54974 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1912: "Schweinfurt. Als jüngst ein katholischer Arbeiterverein eine Fahnenweihe veranstaltete, wurde der hiesige Hauptbahnhof festlich beflaggt. – Der Volksmund nennt seitdem den Hauptbahnhof kurzweg den ‚katholischen Bahnhof’; der Bahnhof Schweinfurt – Sennfeld ist wegen seiner Umgebung, in der fast nur Protestanten wohnen, zum ‚evangelischen Bahnhof’ umgetauft worden, und Schweinfurt – Stadtbahnhof, auf welchem fast alle Geschäftsreisenden ankommen, heißt jetzt der ‚jüdische Bahnhof’."

  
Verhandlung gegen den "Volksschullehrer Streicher aus Nürnberg" (gemeint Julius Streicher; 1922)  

Schweinfurt Israelit 26101922.jpg (134639 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1922: "Schweinfurt, 18. September (1922). Am 5. dieses Monats fand vor dem hiesigen Schöffengericht die Verhandlung gegen den Volksschullehrer Streicher aus Nürnberg, einen bekannten völkischen Agitator statt. Streicher hatte im März dieses Jahres in Schonungen in Einer Rede folgende Äußerung getan: ‚Der Ritualmord ist bei den Juden noch heute üblich; alljährlich verschwinden um die jüdische Osterzeit soundsoviel Kinder, Wo kommen die hin?’ Für diese aufreizende Rede bekam Streicher einen Strafbefehl über 1.000 Mark, gegen den er Berufung einlegte. In der Verhandlung suchte Streicher durch einen Riesenwortschwall den beweis für seine ungeheuerlichen Behauptungen zu erbringen und scheute auch nicht vor einiger Beleidigung der deutschen Richter zurück. Das Gericht ließ sich auch durch seine Verteidigung, die durch grobe Beschimpfungen das zu ersetzen suchte, was ihr an Beweiskraft fehlte und einen für einen deutschen Lehrer geradezu  des Strafgesetzbuches ungeheuerlichen geistigen Tiefstand enthüllt, nicht beirren. Es erblickte in dem Vorwurf des Ritualmords eine schwere Beleidigung einer in Deutschland staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft im Sinne des § 166 und verurteilte Streicher entsprechend dem Antrag des Amtsanwalts zu 14 Tagen Gefängnis. Es ist nur die deutsche Jugend zu bedauern, in deren Seele durch solche Erzieher schon frühe die Saat des Hasses gepflanzt wird." 

  
Vorstandswahlen der Gemeinde (1929)   

Schweinfurt BayrGZ 01021930.jpg (44143 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1930: "Schweinfurt. Bei der am 1. Dezember 1929 erfolgten Wahl der Vorstandschaft der israelitischen Kultusgemeinde wurde die alte Vorstandschaft, bestehend aus den Herren Justizrat Dr. M. Hommel, Nathan Stern, Salin Mars wieder gewählt. Am 15. Dezember 1929 erfolgte die Wahl der Verwaltungsmitglieder. Wiederwahl sämtlicher Mitglieder der vergangenen Wahlperiode: Justizrat Dr. B. Heßlein, Ludwig Silberstein, Isidor Mohrenwitz, Kommerzienrat J. Hirsch, Bernhard Schwarzenberger, Alfred Schelzer."  

        
Feier in Schweinfurt anlässlich der Heirat des Theilheimer Lehrers Weinstock (1931)   

Schweinfurt Israelit 09071931.jpg (62827 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1931: "Schweinfurt, 1. Juli (1931). Eine erhebende Feier fand am 29. Juni 1931 in Schweinfurt am Main, Hotel Burgfrieden statt. Es galt, dem verdienstvollen, von der ganzen Bevölkerung überaus verehrten und geliebten Lehrer Weinstock aus Theilheim in Unterfranken, anlässlich seiner Vermählung mit Fräulein Hedwig Kaufmann aus Ellingen in Bayern. In tief durchdachter Rede dankte Herr Bezirksrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, Herrn Lehrer F. Weinstock für seine herrlichen Leistungen auf allen Gebieten und für sein 16-jähriges Wirken und Streben in der Gemeinde Theilheim. Sein einziger Wunsch bestünde darin, dass die Kinder im Geist ihres Lehrers ihr Judentum lieben und bekunden mögen. Auf diesem Anlass verlieh Seiner Ehrwürden Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Stein, Herrn Lehrer Weinstock die Würde eines Chower."

   
   
Aus dem jüdischen Vereinsleben  
Veranstaltung im "Verein für jüdische Geschichte und Literatur" (1901)  

Schweinfurt Israelit 11021901.jpg (95746 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1901: "Schweinfurt, 7. Februar (1901). In dem vor drei Jahren dahier gegründeten ‚Verein für jüdische Geschichte und Literatur’, der sich einer erfreulichen Wirksamkeit rühmen darf und dem das tiefernste Interesse nahezu der ganzen Gemeinde zuteil wird, wurde am 15. vorigen Monats ein Rezitationsabend veranstaltet, zu welcher der jugendliche Herr Alfred Auerbach, Mitglied des Stadttheaters zu Frankfurt am Main, vom Verein eingeladen worden war. Der überaus begehrte Künstler verstand es, seine Zuhörerschaft sowohl durch ernste Deklamationen ernst zu stimmen und durch tragische zu erschüttern, als auch durch heitere zum Lachen hinzureißen.
Dem ersten Teil des Ernstes legte er Dichtungen von und über Jehuda Helevi zu Grunde, wobei er durch die zwischen die einzelnen Piecen eingestreuten biographischen und literarischen Erläuterungen das Verständnis der Zuhörer für den Gegenstand förderte. Im zweiten Teil brachte er die mit psychologischer Feinheit entwickelte Novelle von M.A. Goldschmidt, ‚Maser’, sehr wirksam zum Vortrag     
Herr Auerbach hat einen durchschlagenden Erfolg dahier erzielt: der Wunsch, ihn in kommender Saison wieder hier begrüßen zu können, ist ein allgemeiner."

  
Stellungnahme des Schweinfurter Lokalkomitees der Alliance Israélite Universelle (1913)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Januar 1913:  
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken. 
   

  
Zum 50. Jahrestag der Stiftung der Chewra Gemillus Chasodim (1932) 

Schweinfurt Israelit 04021932.jpg (74234 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1932: "Schweinfurt, 24. Januar (1932). Am vergangenen Sabbat war unsere Gemeinde Zeuge einer selten erhebenden Feier. Unser Männer-Wohltätigkeitsverein, die Chewra Gemillus Chasodim, konnte das Fest der 50. Wiederkehr ihres Stiftungstages begehen. Bei der schweren geschäftlichen Depression und politischen Beklemmung war die Feier auf das Gotteshaus mit Absicht beschränkt worden. Unter dem Motto ‚Die Welt wird durch Liebe erbaut’ schilderte Bezirksrabbiner Dr. Stein die beglückende Kraft der Liebe, sowohl der mit unseren Geldmitteln, als auch der durch Einsetzung unserer Person betätigten Liebe. Redner gab einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Chebroh (= Chewra, d.i. Verein) und schilderte, wie die Vorstände des Vereins in seltener Hingabe zu Verständigen, die viele zur Gerechtigkeit führten (vgl. Daniel 12,3) geworden seien, denen die Gemeinde zu uneingeschränktem Dank verpflichtet sei. Für die derzeitigen Leiter, die Herren Ludwig Klau, Abraham Schloß, Bernhard Neumann, sowie den 20-jährigen Kassierer, Herrn Adolf Stein, erflehte er den Segen Gottes. Die Feier hinterließ einen tiefen Eindruck."

  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und weiterer Kultbeamten     
Samuel Hommel von Gersfeld, Religionslehrer in Baiersdorf, wechselt nach Schweinfurt (1867)      

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 4. Mai 1867: "Durch Regierungs-Entschließung vom 25. April laufenden Jahres Nr. 20643 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrer- und Vorsänger-Stelle an den Religionslehrer Samuel Hommel von Gersfeld, zur Zeit in Baiersdorf, genehmigt worden."       

 
Empfehlung für den Beschneider Aron Ledermann (1877)   

Schweinfurt Israelit 18041877.jpg (68823 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1877 (abgekürzt wiedergegeben): "Öffentliche Anerkennung und Empfehlung. Herr Aron Ledermann Schochet und Fleischbeschauer in Schweinfurt, hat vor kurzem bei Herrn Benjamin Niederhofheim - bekannt ist sein Name in vielen Toren zum Ruhme und zum Schmucke - als Mohel (Beschneider) gelernt, und legte er bereits hier und in der Umgegend schon zahlreiche Proben seiner vorzüglichen Gewandtheit und Tüchtigkeit in einer Weise ab, die seinem Großmeister alle Ehre macht. Möge dessen Wunsch dass er würdig sei, zu versammeln die Kinder in Israel im Bund unseres Vaters Abraham recht oft in Erfüllung gehen, und verdient Herr Ledermann in der Tat bei seiner Anspruchslosigkeit und seinem ruhigen und sicheren Vorgehen bei der ganzen Operation auch in weitere Kreise bestens empfohlen zu werden." 

  
Besondere Beschneidung durch Aron Ledermann (1879)  

Schweinfurt Israelit 21051879.jpg (99894 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1879: "Aus Unterfranken, im Mai (1879). Kürzlich vollzog Herr Aron Ledermann, Mohel (Beschneider) in Schweinfurt, eine Beschneidung an einem 31-jährigen Manne in Frankfurt (Nichtjude), der somit zum Judentum übertrat, weil er eine jüdische Ehe nach dem Gesetz Moses mit einer israelitischen Dame schließen wollte. Letzterer unterzog sich diesem Akte willig und gerne. 
Herr Ledermann, der extra hierzu beordert war, vollzog diese Operation mit der äußersten Genauigkeit und Fertigkeit, mit der größten Ruhe und Kaltblütigkeit, sodass er allgemein die Bewunderung der umstehenden Zeugen – wenn wir nicht irren – waren die Notabeln der Stadt Frankfurt vertreten – in großem Maße hervorrief und ihm der reichste Beifall gespendet wurde. 
Der Schüler hat seinem großen Lehrer und Meister, Herrn Niederhofheim, große Ehre gemacht!  
Herr Ledermann, selbst noch Anfänger, der erst wenige Jahre praktiziert, dessen Ruf die Grenzen des Landgerichts noch nicht überschritten, dürfte sich hierdurch ein größeres Renommé verschafft und das Vertrauen seiner jüdischen Glaubensgenossen bald erworben haben. Ehre, dem Ehre gebühret!  M.En."  

   
Ausschreibung der Stelle des Schächters und Kultusdieners (1925)  

Schweinfurt Israelit 03121925.jpg (63117 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1925: "Die Stellung eines Schächters und Kultusdieners in der Gemeinde Schweinfurt am Main ist zu vergeben. Die Gehaltsverhältnisse werden je nach Vorbildung durch Vereinbarung geregelt und bleiben keinesfalls hinter den jeweils geltenden Normen der Besoldungs-Ordnung des Verbandes bayerischer Israelitischer Gemeinden zurück. Bewerber mit Autorisation orthodoxer Rabbiner werden ersucht, sich unter Vorlage von Zeugnissen und eines Lichtbildes und unter Mitteilung ihrer seitherigen Tätigkeit bis zum 20. Dezember 1925 bei dem Unterzeichneten zu melden. 
Die Kultusverwaltung. Justizrat Dr. Hommel, 1. Vorstand."

   
Zum Tod von Lehrer Moses Weigersheimer (1925)  
Lehrer Moses Weigersheimer stammte aus Heßdorf.  

Schweinfurt Israelit 24121925.jpg (206314 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1925: "Schweinfurt, 20. Kislew. Unsere Gemeinde ist in tiefe Trauer versetzt worden. Nach längerem Leiden ist am letzten Schabbos unser allverehrter Kultusbeamter, Lehrer Moses Weigersheimer, im Alter von 48 Jahren uns entrissen worden. Geliebt und verehrt von seiner Gemeinde, wie von seinen Fachgenossen, die in ihm einen erprobten Berater und Führer sahen, hat er durch sein tägliches eifriges und gewissenhaftes Toralernen sich frühzeitig den Chober-Titel und ein reiches Wissen, das Tora mit einem respektvollen Umgang umschloss, erworben, sodass er den Durchschnitt seiner Berufskollegen weit überragte. Seine im Verein für jüdische Geschichte und Literatur gehaltenen wissenschaftlichen Vorträge, gediegen im Inhalt, anmutig in der Form, fanden stets den größten Beifall. Als Lehrer wirkte er in Goßmannsdorf und in Pfungstadt und nachdem er hier sein Amt als Schochet übernommen hatte, in den Nachbargemeinden Hochsheim, Schemmingen, Niederwerrn und nach der Erkrankung des früheren Lehrers dahier auch hier zwei Jahre. Das Amt des Schochet betrachtete er in wahrer Gottesfurcht als ‚Gottesdienst’ und gar viele Jünglinge, Lehramtsgenossen, hat er mit großer Geschicklichkeit und Gründlichkeit für dieses Amt ausgebildet. Als Vorbeter wirkte er durch seinen von tiefem Verständnis zeugenden Vortrag und die Palme erwarb er sich durch seine korrekte Lesung der Tora. Von unermüdlichem Fleiß, unnachsichtiger Strenge gegen sich selber, von wohltuender Menschenfreundlichkeit und Höflichkeit, hatte er frühzeitig die Herzen aller Mitglieder der Gemeinde sich erobert, zumal die echte Bescheidenheit, das Merkzeichen wahrer Gottesfurcht, seiner Persönlichkeit das Gepräge gab. So kam denn auch heute bei der Beerdigung die tiefe Sympathie, die Verehrung und Liebe zu vollem Ausdruck. Aus allen Reden, des Rabbiners, des Kultusvorstandes, des Lehrervertreters, der beiden Schwäger, Lehrer Morgenroth und Schloß wurde die hohe Wertschätzung und Liebe für den Verblichenen herausgehört. Wie sehr aber Weigersheimer in seiner schlichten Art für die Heiligung Gottes gesorgt hatte, das sprach der Meister der Fleischerinnung in einfachen, bewegten Worten aus, indem er den Verblichenen vom Standpunkte der Christen aus als einen Menschenfreund schilderte, der in seiner Liebestätigkeit keinen Unterschied der Konfession kannte, wie er denn zum Beispiel nach dem Kriege einem alten, am Hungertuch nagenden christlichen Ehepaare aufhalf und durch sein Eingreifen den Verkauf seines Häuschens verhindert. Die Mitglieder der Verwaltung trugen den Sarg selbst zum Grabe. Das Bitten und Beten aller Beteiligten ging dahin, dass Gott der Witwe und der verwaisten Tochter Trost und Beistand gewähren möge, und die Überzeugung und Empfindung aller war und ist es, dass wir eine Perle in die Erde betteten, gleich groß an Werk als Jehudi und Mensch, als Lehrer und Beamter. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."                    

  
Todesanzeige für Lehrer Moses Weigersheimer (1925)  

Schweinfurt Israelit 10121925.jpg (85936 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1925: "Nachruf
Tief bewegt bringen wir zur Kenntnis, dass am Samstag, den 5. Dezember unser treu bewährter Kultusbeamter 
Herr Lehrer Moses Weigersheimer 
uns durch den Tod entrissen wurde. Der leider zu früh Verstorbene hat sich durch unübertreffliche Pflichttreue und Arbeitsfreudigkeit, durch hervorragende Geistesgaben, umfassendes Wissen, eine seltene Herzensbildung und durch sein biederes, menschenfreundliches bescheidenes Wesen größte Verehrung und Liebe erworben; wir trauern aufrichtig um den lieben, treue Beamten. Sein Andenken wird bei uns allzeit in Dankbarkeit fortleben. 
Schweinfurt, den 8. Dezember 1925. 
Die israelitische Kultusverwaltung Dr. Hommel. 
Das Distriktsrabbinat Dr. Stein."

  
Ausschreibung der Stelle des Schächters und Kultusdieners (1927)   

Schweinfurt BayrGZ 15041927.jpg (95866 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1927: "Die Stellung eines Schächters und Kultusdieners in der Gemeinde Schweinfurt am Main ist, da unser derzeitiger Kultusbeamter nach seinem früheren Wohnsitz berufen wurde, neuerlich zu vergeben. Die Gehaltsverhältnisse werden je nach Vorbildung durch Vereinbarung geregelt und bleiben keinesfalls hinter den jeweils geltenden Normen der Besoldungs-Ordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zurück. Bewerber mit Autorisation orthodoxer Rabbiner werden ersucht, sich durch Vorlage von Zeugnissen und eines Lichtbildes und unter Mitteilung ihrer seitherigen Tätigkeit bis zum 25. April bei dem Unterzeichneten zu melden. Dr. Hommel."     

   
Toraschreiber Isaak Kurzmann bietet eine Torarolle und weitere Leistungen an (1902) 
(Hinweis: vgl. Berichte zu Isak Kurzmann, der zunächst als Lehrer tätig war, auf den Seiten zu Thundorf, Maroldsweisach und Burghaslach

Schweinfurt Israelit 11081902.jpg (55826 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1902: "Bei dem Unterzeichneten ist eine neue, prachtvoll geschriebene Torarolle preiswert abzugeben. Größe 53 cm hoch. Gleichzeitig empfehle mich bei promptester Bedienung im Schreiben von Torarollen, sowie Mesussot und Tefilin Grabschriften, Wimpeln malen etc. etc. und alle Arten von Reparaturen. 
I. Kurzmann, Sofer in Schweinfurt am Main."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1902: "Unterzeichneter empfiehlt sich zum Anfertigen von Megilot, Torarollen, Mesussot und Tefilin, Zeichnen von Grabschriften, Jahrzeitstabellen, Wimpeln malen usw., sowie alle Arten Reparaturen in schönster Ausführung bei billigster Berechnung.  
I. Kurzmann, Sofer,
Schweinfurt am Main."    

  
80. Geburtstag des Sofer (Toraschreiber) Isak Kurzmann (1928)   

Schweinfurt Israelit 07061928.jpg (21545 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Schweinfurt, 3. Juni (1928). Der in weiten Kreisen wohl bekannte und beliebte Sofer Herr Isak Kurzmann feiert am Schabbat Schelach Lecha in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. (Alles Gute) bis 120."
   
Schweinfurt BayrGZ 15061928.jpg (20703 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1928: "Schweinfurt. Am 15. Juni (28. Siwan) Sabbath Schelach Lecho, feiert der in weiten Kreisen wohl bekannte und allseits verehrte Sofer, Herr Isak Kurzmann, seinen 80. Geburtstag in vollster körperliche und geistiger Frische."  

        
Zum Tod des Sofer Isak Kurzmann (1931)   

Schweinfurt BayrGZ 15021931.jpg (112130 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1931: "Isak Kurzmann, Schweinfurt – seligen Andenkens -. Ein schweres Geschick raubte unserem Verein in den letzten Monaten eine erschreckende Zahl unserer Veteranen, die wir stolz zu den Unseren zählten. Und wieder hat der Tod ein liebes Mitglied aus unserer Mitte gerissen – Herr Isak Kurzmann, Schweinfurt, hat das Zeitliche gesegnet. Er war einer der ersten Mitglieder vor fünf Jahrzehnten und hielt dem Verein unerschütterlich die Treue. Er war in früheren Jahren Religionslehrer in Thundorf und Maroldsweisach, wirkte dann lange Zeit in Burghaslach und verbrachte die letzten 25 Jahre seines Lebens als Thoraschreiber und allzeit hilfsbereiter Beamter in Schweinfurt. Wer ihn kannte, bewunderte und liebte ihn wegen seines reinen, lauteren Charakters, wegen seiner stillen felsenfesten Frömmigkeit, seiner edlen Bescheidenheit und menschenfreundlichen Gesinnung halber. Er starb im patriarchalischen Alter von 83 Jahren. Die tiefe Anteilnahme weiter Kreise an seinem Begräbnisse zeigte deutlich die allgemeine Wertschätzung, deren sich der Verblichene erfreuen konnte. Nachdem Herr Bezirksrabbiner Dr. Stein einen tief empfundenen Nachruf gehalten, widmete Kollege Berlinger namens unseres Vereins dem lieben Mitgliede Worte der Anerkennung, des Dankes und des treuen Gedenkens. Ein wahrer Zaddik (sc. Gerechter, Frommer)  ist dahingegangen. Er wird auch in unseren Reihen unvergessen bleiben. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen."   

   
Kultusbeamter (Schächter und Fleischbeschauer) Isak Lubinski verlässt Schweinfurt (1933)  

Bad Kissingen Israelit 29061933a.jpg (92673 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juni 1933: "Bad Kissingen, 21. Juni (1933). Anfangs Mai verließ Herr Isak Lubinski seine Stelle als Schächter und Fleischbeschauer und Kultusbeamter in Schweinfurt, wo er 7 Jahre zur vollsten Zufriedenheit der dortigen Gemeinde amtierte. Herr Lubinski, der als tüchtiger Schochet und großer Toragelehrter bekannt ist, gehörte mit zu den Gründern des Bayerischen Schochtimverbandes und war seit dieser Zeit Vorstandsmitglied des genannten Verbandes, für den er erfolgreich gearbeitet und sich durch seine wissenschaftlichen Referate bei Verbandsversammlungen die Anerkennung und Hochschätzung weitester Kreise, besonders der Kollegenerworben hat. Sein Wegzug wird deshalb allgemein bedauert. Herr Rabbiner Dr. Stein hat dies ganz besonders anlässlich einer Abschiedsrede hervorgehoben. Wir wünschen Herrn Lubinski von Herzen, dass es ihm gelingen möge, bald wieder eine Stelle zu finden, die seinen Fähigkeiten und seiner wahren Frömmigkeit entspricht."  


    
    
Aus der Geschichte des Distriktrabbinates in Schweinfurt  

70. Geburtstag von Rabbiner Maier Lebrecht (1878)    
Anmerkung: Meyer Lebrecht (geb. 1808 in Memmelsdorf, gest. 1894 in Schweinfurt): studierte in Würzburg; 1836 Gesuch um Rabbinatsbildung in Unterfranken; am 11. Juni 1840 wurde Lebrecht Distriktrabbiner mit Sitz in Obbach; von Rabbiner Lazarus Adler am 28. Juni 1841 in Schwanfeld getraut mit Karoline Dreschfeld aus Niederwerrn, wohin Lebrecht nun den Rabbinatssitz verlegte. 1864 erneute Verlegung des Sitzes nach Schweinfurt. Meyer Lebrecht befürwortete gemäßigte Reformen. Er war Großvater mütterlicherseits des amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau Jr. (1891-1967), der 1944 den nach ihm benannten Plan zur Deindustrialisierung Deutschlands ausarbeitete.     

Schweinfurt AZJ 05111878.jpg (110504 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. November 1878: "Man schreibt uns aus Schweinfurt vom 30. November (1878). Gestern feierte der Distriktsrabbiner Herr Maier Lebrecht dahier, der bereits 38 Jahre sein Amt versieht, seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse verehrte demselben die hiesige Kultusgemeinde einen silbernen Tafelaufsatz mit eingravierter Widmung, sowie ein Album, das von der Meisterhand des Malers Herrn Martin Fischer schön ausgeführt wurde, und welches Bezug nimmt auf des Gefeierten verdienstvolles Wirken in Synagoge und Schule, auf die Erbauung und Einweihung einer eigenen Synagoge in hiesiger Stadt und deren innere Einrichtung, auf die Konfirmation, auf den Leichenhof und auf so manches andere, was durch Herrn Lebrechts segensreiches Bemühen im laufe der Jahre den hiesigen Israeliten neu zu schaffen, zu regenerieren, zu verbessern, im fortschreitenden Geist der Zeit zu veredeln gelungen ist. Beide wertvolle Ehrengaben wurden dem freudig Überraschten durch den Ausschuss der hiesigen Kultusgemeinde unter passender Ansprache überreicht, wofür derselbe tief gerührt seinen Dank aussprach. Wie sehr Herr Lebrecht von seinen Religionsgenossen geachtet und geliebt ist, davon zeugten eine Menge Telegramme auswärtiger Gemeinden denen sich zahlreiche Glückwünsche und Geschenke von hiesigen und auswärtigen Privaten anreihten. Auch viele Mitglieder anderer Religionsgesellschaften sprachen dem in unserer Mitte so lange Zeit schon anspruchslos und still lebenden und wirkenden Manne ihre Hochachtung durch Gratulationen aus. Am Abend hatte ihm die Gesellschaft ‚Concordia’ ein schönes Fest bereitet, auf welchem dem Jubilar ein Lorbeerkranz überreicht wurde."  

  
Zum 50-jährigen Amtsjubiläum von Distriktsrabbiner Maier Lebrecht (1890)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1890:   noch auszuschreiben      

 
Zum Tod von Rabbiner Maier Lebrecht (1890)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Mai 1890: "In Schweinfurt starb am 14. Mai der älteste bayerische Distriktsrabbiner Lebrecht, einer der frühesten Vertreter der Reformbestrebungen im Judentum. Erst vor einigen Wochen hatte er sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum gefeiert."      
 
Schweinfurt Israelit 02061890.jpg (138293 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1890: "Aus Unterfranken, 30. Mai (1890). Am 18. dieses Monats schied Herr Distrikts-Rabbiner M. Lebrecht in Schweinfurt aus dem Leben, nachdem wenige Wochen vorher erst sein 50-jähriges Amtsjubiläum feierlichst begangen wurde. Herr Lebrecht erreichte das hohe Alter von 82 Jahren. Das Leichenbegängnis fand – unter großer allseitiger Beteiligung – am 21. dieses Monats statt. Von Seiten der Kultusverwaltung Schweinfurt wurde eine Anzahl Rabbiner Bayerns hierzu geladen, welche auch, soweit dieselben nicht verhindert waren, der Einladung Folge leisteten. Der offizielle Trauerakt wurde Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. Werner von Bamberg übertragen. Derselbe hielt die Trauerrede unter Zugrundlegung des Verses 6, Kapitel 2 in Malachie (Prophetenbuch Maleachi). Auch Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Deutsch von Burgpreppach sprach im Namen der Rabbiner Unterfrankens – ohne aber, wie ich höre, von diesen beauftragt gewesen zu sein – dem Verblichenen Worte der Anerkennung nach. Zum Schlusse sprach noch ein ehemaliger Schüler Lebrecht’s, Herr Dr. Stein von Nordheim, wohl durchdachte, tief empfundene Worte des Dankes.   
Lebrecht huldigte der Reform, wovon schon Synagoge und Friedhof zu Schweinfurt Zeugnis geben. Möchte das Rabbinat Schweinfurt – eines der größten Unterfrankens – mit einem glaubenstreuen Rabbiner besetzt werden. Es gäbe hier ein schönes Feld zur Entfaltung segensreicher Tätigkeit für Tora und Gottesdienst.  Sch."    
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Juni 1890: "Schweinfurt, 23. Mai (1890). Die Beerdigung des Herrn Distrikts-Rabbiners Lebrecht, dessen Ableben die 'Allgemeine Zeitung des Judentums' in ihrer vorigen Nummer gemeldet hat, gestaltete sich zu einer imposanten Ehrenkundgebung der gesamten hiesigen Bürgerschaft. Außer den vollzählig erschienenen israelitischen Kultusmitgliedern der Gemeinde Schweinfurt und zahlreichen Vertretern der Bezirksgemeinden beteiligten sich an derselben: der Magistrat, die städtischen Lehrerkollegien, die Geistlichen und zahlreiche Honoratioren der Stadt und Umgebung. Am Friedhofe widmete namens der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt Herr Distriktsrabbiner Dr. Werner aus Burgebrach dem dahingeschiedenen Amtsbruder tiefgefühlte Worte des Nachrufs. Hierauf ergriff Herr Distriktsrabbiner Deutsch aus Burgpreppach der Wort, um für die Rabbiner des Regierungsbezirkes Unterfranken der Hochachtung und Verehrung für den Dahingeschiedenen einen Ausdruck zu geben. Redner nahm für seine begeisterte und begeisternde Rede zum Ausgangspunkte Jeremias Kap. 3 Vers 15 und schloss mit Hinweis auf die dem Verblichenen erst vor wenigen Wochen anlässlich seines Amtjubiläums erwiesenen Ehren mit einer Ausdeutung von Psalm 73,24. Nachdem noch ein ehemaliger Schüler des Verewigten dem scheidenden Lehrer Worte trauernder Liebe gespendet, wurden die irdischen Teile des ältesten der bayerischen Rabbiner zur ewigen Ruhe gebettet."      


Ausschreibung der Distriktsrabbinerstelle (1890)   

Schweinfurt Israelit 12061890.jpg (93357 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1890: "Wiederbesetzung der Distriktsrabbinerstelle in Schweinfurt. Die durch den Tod des bisherigen Inhabers erledigte Stelle eines Rabbiners für den aus 26 Kultusgemeinden bestehenden Distrikt Schweinfurt ist alsbald wieder zu besetzen. Bewerbungen um diese Stelle, mit welcher ein Gesamtdiensteinkommen von 2.428 Mark 79 Pfennig verbunden ist, sind bis längstens 1. Juli dieses Jahres bei dem unterfertigten Magistrate einzureichen. Die Gesuche müssen mit den erforderlichen Zeugnissen über die Erfüllung der gesetzlichen Vorbedingungen belegt sein. Schließlich wird bemerkt, dass nur gründlich gebildete Rabbinatskandidaten, welche sich durch ein von der zuständigen Distriktspolizeibehörde ausgestattetes Zeugnis über tadellosen Lebenswandel ausweisen, die Bestätigung erlangen können. 
Schweinfurt, 7. Juni 1890. Der Stadtmagistrat: von Schulte."

    
Dr. Salomon Stein wird zum Rabbinatsverweser in Schweinfurt ernannt (1890)  

Schweinfurt Israelit 07071890.jpg (35383 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1890: "Schweinfurt, 2. Juli (1890). Herr Dr. Salomon Stein, Schüler des Rabbinerseminars zu Berlin, ist durch die Königliche Regierung als Verweser des erledigten Distriktsrabbinats in Schweinfurt bestätigt worden, nachdem das Königliche Ministerium des Innern den Dispens von der bayerischen Rabbinatsprüfung gewährt hatte auf Grund des Befähigungszeugnisses des Rabbinerseminars zu Berlin." 
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1890: "Mit der Leitung des durch den Tod des Herrn Rabbiner Lebrecht vakanten Distrikts-Rabbinats Schweinfurt ist Herr Rabbiner Dr. Salomon Stein provisorisch betraut worden."     

  
Dr. Salomon Stein wird einstimmig zum Rabbiner gewählt (1890)  

Schweinfurt Israelit 08091890.jpg (36981 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1890: "Schweinfurt, 21. August (1890). Herr Dr. Salomon Stein, welcher seine Ausbildung im Rabbiner-Seminar des Herrn Dr. J. Hildesheimer zu Berlin erhalten, ist bei der heute vollzogenen Wahl einstimmig, mit allen angegebenen 276 Stimmen zum Rabbiner der Stadt und Bezirk Schweinfurt gewählt worden."
     
Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1890: "Herr Dr. Salomon Stein, welcher seit einigen Monaten interimistisch das Bezirksrabbinat in Schweinfurt verwaltete, ist nunmehr definitiv zum Rabbiner der Stadt und des Bezirks Schweinfurt gewählt worden."   

    
Veröffentlichungen von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein (1902)  

Schweinfurt Israelit 07081902.jpg (49479 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1902: 
"In meinem Verlage erschien:
 Schulverhältnisse, Erziehungslehren und Unterrichtsmethoden im Talmud. 
Zwei Vorträge von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein. Preis 60 Pfr.  
---  
Geschichte der Juden in Schweinfurt.
 
Zwei Vorträge von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein. Preis Mark 1.20.  
J. Kauffmann, Verlag, Frankfurt am Main."     

      
Zum Tod von Karoline Stein, der Mutter von Rabbiner Dr. Stein (1903)    

Schweinfurt Israelit 29101903.jpg (129581 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1903: "Nordheim v.d. Rhön. Am 1. Cheschwan hauchte die Mutter des Herrn Rabbiners Dr. Stein – Schweinfurt, Frau Karoline Stein, in der letzten Zeit in Schweinfurt wohnhaft, nach langem schweren Leiden, im Alter von 68 ½ Jahren, ihre Seele aus. Mit ihr ist eine der edelsten Frauen, ein Biederweib in des Wortes wahrster Bedeutung, dahin gezogen. Die selig Entschlafene war ein Muster unter den Frauen. (hebräisch und deutsch:) von den Frauen im Zelte gesegnet. Ihr Haus war ein Tempel, getragen von der Weihe religiöser Gesinnung. Was die Selige gewesen, ihre wahre Frömmigkeit, ihre Herzensgüte, ihre edle Bescheidenheit, lässt sich kaum in Worten ausdrücken. Als ein wahres Vorbild kann uns diese dahingeschiedene treue Mitschwester in Gemilus Chesed (Wohltätigkeit) voranleuchten. Mit Freuden unterstützte sie die Armen und Dürftigen, und zwar im Geheimen; bei ihr hieß es: wer hungrig ist, komme und esse mit.    
Eine noch weitere schöne Perle verherrlicht das musterhafte Leben der Frau K. Stein. In vereinter Kraft mit ihrem schon vor neun Jahren zu letzten Ruhe vorausgegangenen, gottesfürchtigen Gatten erzog sie ihre Kinder mit klugem Geschick und wirklichem Herzens- und Geistesadel zu echten Jehudim und zu tüchtigen, braven Menschen. Allgemeiner Beliebtheit erfreute sich die treue Verblichene, der Krone des guten Namens; ihr Andenken wird darum in uns fortleben als eine wahrhaft Fromme und Redliche.   
Möge diese teure, verblichene Mitschwester für ihre Hinterbliebenen und für uns alle eine Fürsprecherin sein vor dem Throne des richtenden Königs." 

  
Zum Tod von Dr. Samuel Dessau in Schweinfurt, ehemaliger Direktor der Israelitischen Bürgerschule in Fürth (1904, Schwiegervater von Rabbiner Dr. Stein)  
Anmerkung: Im Text werden genannt: Rabbiner Dr. Salomon Stein in Schweinfurt, der Schwiegersohn von Dr. Samuel Dessau. 
Prof. Dr. Hermann Dessau (geb. 6. April 1856 in Frankfurt am Main; gest. 12. April 1931 in Berlin): war von 1900 bis 1922 wissenschaftlicher Beamter beim Corps Inscriptionum Latinarum und ab 1917 Honorarprofessor an der Universität Berlin.  
Prof. Dr. Bernhard/Bernardo Dessau (geb. 13. August 1863 in Offenbach am Main, gest. 17. November 1949 in Perugia): italienischer Physiker: war von 1904 bis 1935 Professor für Physik an der Universität Perugia; weitere Informationen siehe Wikipedia-Artikel "Bernardo Dessau".       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. März 1904: "Fürth, 11. März (1904). Unsere Gemeinde beklagt den Verlust eines ausgezeichneten Mannes. In Schweinfurt, wohin er sich in den letzten Jahren zurückgezogen, ist Dr. Samuel Dessau, ein geborener Hamburger, der ein Vierteljahrhundert Direktor der 'Israelitischen Bürgerschule' hier war, mach schweren Leiden im hohen Greisenalter verschieden. Sein Verdienst war es, dass die königliche Regierung die Anstalt als vollberechtigte Realschule anerkannte und die Reichsbehörden 1882 dem Leiter der Anstalt das Recht zur Ausstellung von Zeugnissen für den Einjährig-Freiwilligendienst verliehen. Vorher war Dessau acht Jahre lang Lehrer an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main, wo er den naturwissenschaftlichen Unterricht leitete. Ein Sohn des Verblichenen ist der Historiker Professor Dr. (sc. Hermann) Dessau in Berlin, ein anderer ist Professor (sc. Bernardo Dessau) in Florenz, ein Schwiegersohn Rabbiner Dr. Stein in Schweinfurt. Wie sehr der Heimgegangene auch selbst seine Verdienste und Leistungen verbarg, so wusste man doch auch in fernerstehenden Kreisen das Wesen und Wirken des Mannes nach seinem wahren Wert zu schätzen. Dessau gehörte zu den seltenen Männern, die arbeiten und schaffen nicht um des Lohnes und der Anerkennung willen, sondern in der Pflichterfüllung selbst ihre Befriedigung finden, zu den Männern, die der ihm erwählten guten Sache mit Überzeugung dienen, ohne sich durch persönliche Rücksichten leiten zu lassen. Das Leichenbegängnis fand hier, auf den eigenen Wunsch des Verblichenen, ohne jede Anzeige und Grabrede, aber unter sehr zahlreicher Beteiligung statt. Aber das Andenken an den vortrefflichen Mann wird in dem Kreise, den er ausgefüllt, in dankbarer Erinnerung fortleben."      

 
Patriotische Veröffentlichung von Distriktsrabbiner Dr. Stein (1915)  

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Februar 1915: "Gottesdienstliche Vorträge während der Kriegswochen des Jahres 1914 von Dr. Salomon Stein, Distriktsrabbiner in Schweinfurt. Verlag von J. Kauffmann, Frankfurt am Main. Druck der Fr. J. Reichardts Buchdruckerei, Schweinfurt." 
  
Schweinfurt Israelit 21091915.jpg (114906 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1915: "Gottesdienstliche Vorträge aus dem Kriegsjahr 1915. Von Dr. Salomon Stein, Distriktsrabbiner in Schweinfurt. Verlag von J. Kauffmann, Frankfurt am Main, 102 Seiten. (2 Mark).   Obige Kriegsreden, die eine Fortsetzung der bereits veröffentlichten Sammlung _Gottesdienstlicher Vorträge während der Kriegswochen des Jahres 1914’ bilden, rechtfertigen den guten Ruf, den der Verfasser als gediegener Redner genießt, in glänzender Weise. In edler Sprache und streng durchgeführter Gedankenfolge werden die verschiedensten Fragen, wie sie durch die welterschütternden Ereignisse nahe gelegt wurden, unter Anwendung treffender Texte oder Ausdeutung ganzer Psalmen vom Standpunkte des überlieferten Judentums erörtert und in sachkundiger, die Geschlossenheit einer gediegenen Weltanschauung und Lebensanschauung bekundenden Weise behandelt. Wenn auch in diesen Vorträgen, wie die Einleitung darauf hinweist, mehr das Gedankenmäßige überwiegt, so ist doch die ganze Beweisführung so klar und eindringlich, von solcher Überzeugungskraft und Glaubenssicherheit getragen, dass sie auch den Weg zum Herzen finden und sicherlich von keinem ohne Befriedigung an der Händen gelegt werden. Für mein Urteil Beweise anzuführen, muss ich  mir versagen, da mir bei dem durchwegs Gediegenen die Wahl schwer wird. Ich möchte aber hier doch auf die behandelten Psalmen 120, 126 und 127 wie auf die Predigten am Passah- und Wochenfest hinweisen und zum Schlusse dieser Sammlung recht viele Leser wünschen.   Dr. M.L. in Wt."  

   
60. Geburtstag von Rabbiner Dr. Salomon Stein (1926)    

Nordheim vdRhoen Bayr GZ 02041926.jpg (95856 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeit" vom 2. April 1926: "60. Geburtstag von Rabbiner Dr. Stein. Rabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, dessen Feder wir wieder einmal einen in dieser Nummer veröffentlichen Aufsatz verdanken, hat am 27. März seinen 60. Geburtstag begangen. Aus Nordheim v.d. Rhön stammend hat Dr. Stein seine rabbinischen und akademischen Studien am Hildesheimer Rabbinerseminar und an den Universitäten Berlin und Würzburg durchgemacht. In jungen Jahren schon wurde er seines ehemaligen Lehrers, des Distriktsrabbiners Dr. Lebrecht, Schweinfurt, Nachfolger, erst als Verweser, dann als der Rabbiner von Schweinfurt, als welcher er nun schon seit 35 Jahren segensreich wirkt. 
Seine Tätigkeit an dieser Stelle zu schildern erübrigt sich, zu bekannt sind seiner Verdienste um das religiöse Leben nicht nur in seiner Gemeinde. Über ihre Grenzen hinaus reicht seine Arbeit und als 2. Vorsitzender der bayerischen Rabbinerkonferenz, als Mitglied des Rates bayerischer israelitischer Gemeinden, als Vorsitzender des Verbandes bayerischer gesetzestreuer israelitischer Gemeinden wird er nicht müde, in Wort und Schrift zu wirken. Seiner von wahrhafter Religiosität erfüllten vornehmen Natur, seiner warm und menschlich fühlenden Persönlichkeit wird in allen Lagern des deutschen Judentums Vertrauen und Verehrung entgegengebracht, und so ist es denn auch oft sein Amt, Gegensätze auszugleichen und das kostbare Gut des Friedens zu erhalten. 
Dem verehrten Jubilar seien auch an dieser Stelle herzliche Glückwünsche dargebracht."  
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1926: "Schweinfurt, 4. April (1926). Rabbiner Dr. Stein - Schweinfurt, Mitglied des Rates bayerischer israelitischer Gemeinden und Vorsitzender des Verbandes bayerischer gesetzestreuer Gemeinden, beging am 27. März seinen 60. Geburtstag. Dr. Stein hat am Hildesheimer Rabbiner-Seminar und an den Universitäten Berlin und Würzburg studiert. Seit 35 Jahren ist er als Rabbiner von Schweinfurt eine Stütze des gesetzestreuen Judentums in Bayern. (Alles Gute) bis 100 Jahre."     

    
Ausschreibung der Stelle des Bezirksrabbiners (1934)
  

Schweinfurt BayrGZ 15011934.jpg (58182 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1934: "Herr Rabbiner Dr. Stein tritt nach 43-jähriger Amtstätigkeit mit dem 1. April 1934 in den Ruhestand. Es ist deshalb das Amt des Bezirksrabbiners für den Rabbinatsbezirk Schweinfurt neu zu besetzen. Bewerber um dieses Amt wollen ihre Meldungen an den unterzeichneten Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt bis spätestens 15. Februar 1934 einreichen. 
Kultusgemeinde Schweinfurt: Dr. Hommel."   
    
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1934: derselbe Ausschreibungstext wie oben.      

    
Zur Verabschiedung von Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein in den Ruhestand (1934)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1934: "Schweinfurt, 3. April (1934). Am 1. April verließ Herr Distriktsrabbiner Dr. Salomon Stein, Schweinfurt, sein Amt, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Nur mit größtem Bedauern sehen wir Herrn Dr. Stein von uns ziehen. Was der Scheidende während seines 43-jährigen überaus segensreichen Wirkens geleistet hat, kann hier nicht im Entferntesten zur Darstellung gelangen. Diese wenigen Zeilen sollen nur eine kurze Würdigung seiner hervorragenden Persönlichkeit und eine Versicherung der Treue bedeuten.   
Herr Rabbiner Dr. Stein hat sich durch sein gewinnendes, herzliches Wesen und sein besonnenes, von jedem Radikalismus entferntes, aber stets nachdrückliches Handeln viele Freunde erworben, weit über die Grenzen seines Rabbinatsbezirkes hinaus. Seine große Bescheidenheit, seine Güte, seine seltenen guten Eigenschaften und sein Verständnis für alle und alles mussten jedermann für ihn einnehmen. Seine geistvollen, rhetorisch vorzüglichen Predigten und Vorträge bildeten stets ein Erlebnis und hinterließen nachhaltigen Eindruck. Immer war dieser populärste bayrische Rabbiner auch außerhalb seiner Amtsobliegenheiten vielseitig in Anspruch genommen, da man seinen Rat in jüdischen Belangen nie missen wollte.  
Herr Dr. Steins ganzes Wirken stand unter dem Leitsatz all dein Tun geschehe zur Ehre Gottes, gleichviel, ob er sich lehrend, mahnend oder karitativ mühte oder ob er sich den Angelegenheiten des Judentums widmete. Mit welcher Hingabe und feinfühlenden Rücksichtnahme übte er, unterstützt von seiner verdienstvollen Gemahlin, die Weisung zur Wohltätigkeit in weitestem Maße aus! Nie gab es für ihn andere als ideale Motive. Auch in jenen Kreisen, die seinen religiösen oder weltanschaulichen Standpunkt nicht teilen, stand deshalb Herr Dr. Stein von jeher in hohem Ansehen. 
In väterlicher Sorge um seine Gemeinde zog er sich von seinem rastlosen Schaffen erst zurück, als die Gewissheit für ihn bestand, dass ein von gleichem Geiste getragener Nachfolger sein Werk fortsetzen wird. Zu seinem künftigen Wohnsitz hat sich Herr Dr. Stein Frankfurt am Main ausersehen. Er gedenkt, frei von den Bindungen des Berufes, dort nach seinem Herzenswunsche weiter zu lernen und zu leben. Wir werden sein erhabenes Vorbild auch aus der Ferne auf uns wirken lassen.  
Wir wünschen Herrn Dr. Stein - er möge lange, gute Tage erleben - und seiner geschätzten Gemahlin - (alles Gute) bis 120 Jahre."        

    
Gründung einer Bezirkswirtschaftshilfe (1934)  

Schweinfurt Israelit 12071934.jpg (86542 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1934: "Schweinfurt, 4. Juli (1934). Hier wurde zur Linderung der Not in Stadt und Land die Bezirkswirtschaftshilfe gegründet und dem Bezirksrabbinate angeschlossen. In der Bezirksgemeindevertreterversammlung am 24. Juni 1934 legte Bezirksrabbiner Dr. Köhler in einer ausführlichen Rede die Grundsätze fest, nach denen er die soziale Arbeit leiten wolle. Kein Jude, auch im kleinsten Dorfe, soll vergessen bleiben und Not leiden. Der Vorstand der Kultusgemeinde, ein Vertreter der Lehrerschaft und der Wohlfahrtsvereine erklärten sich bereit, nur im Rahmen der Wirtschaftshilfe zur Hilfe bei der Heranbildung der jungen Generation und zur Linderung der Not beizutragen. Jede Familie in der Stadt und auf dem Lande muss durch Monatsbeiträge nach der Kraft des Vermögens zur Erhaltung der Wirtschaftshilfe beitragen. Die praktische Arbeit hat bereits mit dem 1. Juli 1934 begonnen. Auch die bereits bestehende Darlehenskasse wird eingegliedert."    

    
70. Geburtstag von Rabbiner Dr. Salomon Stein (1936)  

Schweinfurt GblIsrGF April1936 263f.jpg (53373 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom April 1936 S. 236-237: "Rabbiner Dr. Salomon Stein zum 70. Geburtstag. Am 27. März vollendete Herr Rabbiner Dr. Salomon Stein sein siebzigstes Lebensjahr. Rabbiner Dr. Stein war bis vor wenigen Jahren Bezirksrabbiner in Schweinfurt am Main und hat sich dann in unsere Stadt und in unsere Gemeinde zurückgezogen. Mit allen Kreisen seiner ihm in Verehrung und Liebe anhängenden Gemeinde nehmen auch die Mitglieder unserer Gemeinde, denen es vergönnt ist, dem edlen und vornehmen Mann hier zu begegnen, von Herzen gern den freudigen Anlass wahr, dem Jubilar ihre Wünsche zu entbieten. Sie wünschen ihm noch ungezählte Jahre in Gesundheit, damit er mit Gottes Hilfe den Segen seines Lebens für Judentum und Judenheit, seiner Aufopferungsfähigkeit und seiner Liebe geniesen möge! Ghr." 

  
Zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. Salomon Stein (1938)    

Schweinfurt Israelit 23061938.jpg (303998 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1938: "Bezirksrabbiner Dr. Salomon Stein – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.    
Im 73. Lebensjahre ist am 14. Siwan Rabbiner Dr. Stein in Bad Ems, wo er einige Tage zur Erholung weilte, in die Ewigkeit eingegangen. Am 16. Siwan geleitete eine große Trauerversammlung auf dem Friedhof der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main, was irdisch an ihm war, zur letzten Ruhestätte, wobei innige Worte des Dankes und der Würdigung dem edlen Verblichenen gewidmet wurden. Ein weit größerer Kreis von Männern und Frauen, zerstreut über das ganze Erdenrund, trauert um den Verlust dieses Mannes von eigener Art und Prägung.    
In Nordheim v.d. Rhön als Kind einer Familie geboren, in der Glaubenstreue, Familiensinn und Ehrbarkeit fest verankert waren, hat er sich auf dem Gymnasium in Schweinfurt als glänzender Schüler bewährt. Nach seiner Reifeprüfung studierte er an den Universitäten Würzburg und Berlin. Aber bei allem Fleiße, den er auf das Studium verwandte, war ihm das ‚Lernen’ die Hauptsache. Auf dem Rabbinerseminar in Berlin unter Hildesheimer – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - und Hoffmann – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – war ihm Gelegenheit geboten, sein talmudisch-rabbinisches Wissen zu vertiefen. Im Alter von 24 Jahren wurde ihm das Distriktsrabbinat Schweinfurt übertragen, dem er 44 Jahre bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand die Treue hielt, indem er die verschiedensten glänzenden Berufungen ablehnte.   Von seltenstem Pflichtgefühl und strengster Gewissenhaftigkeit beseelt, verwaltete er sein Amt in vorbildlicher Weise, sorgte er in selbstloser Hingabe für alle religiösen Belange. Wer zu ihm kam, dem fiel seine rührende Liebenswürdigkeit, seine innere Bescheidenheit wie Sonnenschein ins Gemüt. In Freud und Leid fühlte er sich fest und innig mit seinem Bezirke verbunden. Er kannte kein Misstrauen und keine Verbitterung, und auch nach den herbsten Erfahrungen bewahrte er sich den festen Glauben an den Adel der menschlichen Natur.    
Weil jeder, der mit Dr. Stein zu tun hatte, herausfühlte, dass bei diesem schlichten und anspruchslosen Manne, dem alles Glänzen und Gleißen fremd war, eine jede Handlung aus Lauterkeit und Wahrhaftigkeit, aus einer Seele ohne Arg herausquillt, dass bei ihm Religion mit allen Betätigungen seines Lebens schlechthin verschmolzen ist, darum gelang es ihm, auch Andersdenkende für seinen Standpunkt zu gewinnen. Man vergalt ihm Treue mit Treue und Liebe mit Liebe. So wirkte er als ein echter Seelsorger, der sich in die Psyche der seiner Leitung Anvertrauten hineinzuleben verstand und durch sein Wesen zeigte, wie man gut sein kann ohne Schwäche, weich und doch voll Rückgrat, lenksam und doch leitend.    
Der jüdischen Erziehung galt sein besonderes Interesse. Mit dem Gefühl der tiefen und beglückenden Andacht kam er in die arbeitenden Schulklassen und erlebte dort Stunden des Erfassens und Verstehens unter den jungen Menschenkindern. Den Lehrern als Berater, den Kindern als Freund erscheinend, stellte er sich nicht als Schulbeamter über das Leben, sondern als menschlich fühlender, Lebenssuchender, Leben anerkennender und Leben weckender Schulpfleger mitten in das Leben hinein.    Er beschränkte seine pädagogische Tätigkeit nicht nur auf die Schule. Schon lange, bevor das Wort geprägt wurde, trieb er ‚Erwachsenenbildung’ in des Wortes bester Bedeutung. Durch geistreiche Vorträge insbesondere über die Psalmen und geschichtliche Themen senkte er Saatkörner religiösen Wissens und jüdischen Bewusstseins in die Herzen der ihm gerne Lauschenden. Die Ergebnisse dieser Vorträge sind uns zum größten Teil als wissenschaftliche Arbeiten in den Jahrbüchern der Jüdisch-literarischen Gesellschaft und in selbständigen Geschichtsdarbietungen überliefert.   
Es ist klar, dass der Ruf einer solchen Persönlichkeit weit über die Grenzen seines Bezirkes hinaus drang und seine Arbeitskraft für alle möglichen Organisationen in Anspruch genommen wurde, in Rabbinervereinigungen, im Landesverband, im Dienste der Lehrerbildung und Lehrerfortbildung, auf dem Gebiete der Wohltätigkeit. Überall arbeitete er mit feinem Takte, im eiste der Versöhnlichkeit unter unverrückbarem Festhalten am gesetzestreuen Prinzip. Wo es aber um die Reinheit der jüdischen Lehre ging, kämpfte er mit Mut und Unerschrockenheit.    
Nach seiner Pensionierung vor vier Jahren siedelte Dr. Stein nach Frankfurt am Main über, um hier seinen Lebensabend, umhegt und gepflegt von seiner treuen, ihm verständnisvoll zur Seite stehenden Gattin, zu verbringen. Die Verbindung mit seinem Bezirk bestand weiter. Wer von den von ihm ehemals Betreuten ein Anliegen auf dem Herzen hatte, wandte sich vertrauensvoll an Rabbiner Dr. Stein, der daher auch im Ruhestande einen ausgedehnten Schriftverkehr zu bewältigen hatte. Hier wich er allen ihm zugedachten Ehrungen aus. In vornehmer Zurückhaltung lebte er in seiner Frankfurter Zeit der Erfüllung der Gebote, der Beschäftigung mit der Tora. Aus der Lehre schöpfte er der die Wahrheit, deren Erkenntnis ihm die Kraft gab, viel Schweres zu ertragen, das die Vorsehung ihm auferlegte.   
Auf Dr. Salomon Stein lässt sich das Mischle-Wort anwenden: ein Mann voll der Treue ist voll des Segens. Er war ein Mann der Treue, treu sich selbst und treu den anderen. Darum trug er den Segen in sich, und sein Wirken wurde zum Segen für andere, Das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen."      
  
Schweinfurt Israelit 23061938a.jpg (73565 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1938: "Nachruf
Wir beklagen in tiefstem Schmerze das Hinscheiden unseres früheren Rabbiners, des Herrn 
Dr. Salomon Stein - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen
(1866-1938). 
Der Heimgegangene war 44 Jahre lang, von 1890-1934, unser geistlicher Führer. An allem, was bei uns Gutes und Schönes geschah, war er Antrieb und Anteil. Er war der gerechte, mit Liebe hingegebene Geschichtsschreiber seiner Gemeinde. Unauslöschlich ist so durch Leben und Wirken sein erhabenes Andenken.
Israelitische Kultusgemeinde  -  Schweinfurt  -  Bezirks-Rabbinat 
Dr. Frank - Dr. Köhler 
   
Schweinfurt Israelit 30061938.jpg (171558 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1938: 
"Trauerfeier für Rabbiner Dr. S. Stein - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen
Schweinfurt, 27. Juni (1938). 
Am Sonntag, den 26. Juni, fand in der Synagoge zu Schweinfurt eine Trauerfeier für den in diesen Tagen verstorbenen früheren Bezirksrabbiner Dr. Salomon Stein statt. Sämtliche Gemeinden des Rabbinatsbezirkes hatten Vertreter entsandt, auch die benachbarten Rabbiner waren als Ehrengäste erschienen. Denn Rabbiner Dr. Stein war die Verkörperung der Gemeinde und des Rabbinatsbezirkes, wirkte er doch unermüdlich hier fast 44 Jahre. Sein besonders gutes Herz, seine Menschenliebe und sein unbeugsamer Charakter verschafften ihm die Zuneigung jedes einzelnen Bezirksmitgliedes. Seine Frömmigkeit und sein Torawissen machten ihn zu einer Persönlichkeit, die weit über den Kreis seiner Gemeinden hinausging. So ward er Mitbegründer des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und war führend tätig in den Kuratorien von Lehr- und Fürsorgeanstalten, sowie vielen Organisationen. 
Wurde zwar schon bei der Trauerfeier in Frankfurt am Main, wo Rabbiner Dr. Stein fern seines früheren Wirkens am 15. Juni 1938 beigesetzt wurde, durch Vertreter seiner Gemeinden, seinen Amtsnachfolger und seine Kollegen dem Schmerze Ausdruck verliehen, so gestaltete sich die Trauerfeier in Schweinfurt zu einer unvergesslichen Ehrung für den verdienten Verklärten. 
Diesen Gefühlen gab Herr Bezirksrabbiner Dr. Köhler beredten Ausdruck, indem er die Persönlichkeit des Verewigten mit der aufrechten Palme verglich, die ohne Krümmung war. Auch der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt, Herr Amtsgerichtsrat Dr. Frank, schloss sich den Gefühlen der Trauer und des Schmerzes um den lieben Entschlafenen mit wirkungsvollen Worten an. Im Auftrage des benachbarten Rabbinatsbezirkes Burgpreppach, den Dr. Stein vertretungsweise zeitweise verwaltet hatte, sprach Herr Bezirksrabbiner Saul Munk. Der Synagogenchor Scheinfurt unter der Stabführung des Herrn Lehrer Berlinger gab der Feier einen würdigen und eindrucksvollen Rahmen. 
Wie im ganzen Judentum wird Bezirksrabbiner Dr. Stein besonders in seiner Gemeinde und seinem Bezirke fortleben als eine einmalige seltene Persönlichkeit, als der wahre Seelsorger und Menschenfreund, als das Vorbild und Beispiel des Rabbiners."      

  
Zum Tod von Anna Köhler, der Frau von Rabbiner Dr. Max Köhler (1937)  
Anmerkung: die Verlobung- und Hochzeitssanzeigen von Dr. Max Köhler und Anna geb. Köhler findet sich auf der Seite zu Merzig
Weiteres zur Biographie von Rabbiner Dr. Max Köhler siehe auf einer Seite "Gegen das Vergessen" - ein Schülerprojekt zum Schicksal jüdischer Familien in Borken (Westfalen) zur Zeit des Nationalsozialismus: Seite zu Dr. Max Köhler   
Ein Foto von Rabbiner Dr. Max Köhler findet sich auf einer Seite der Website joods-leven.net       

Schweinfurt Israelit 08071937.jpg (114330 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1937: "Schweinfurt, 5. Juli (1937). In tiefe Trauer versetzt wurde unsere Gemeinde und der ganze Bezirk durch den unerwarteten Heimgang der Frau Anna Köhler, der Gemahlin unseres verehrten Rabbiners Dr. M. Köhler. Am 19. Tammus (= 28. Juni 1937) hauchte diese edle Frau bei der treuen Erfüllung ihrer Mutterpflichten ihr junges Leben aus. Nach kaum siebenjähriger, überaus glücklicher Ehe schenkte sie einem dritten Kinde das Leben und gab das ihre dafür. Mit ihr verlor der Gatte die treueste Lebensgefährtin, die dem Rabbinerhause Schönheit und Glanz verlieh, verloren die unmündigen Kinder die fürsorgendste Mutter. In tiefer Erschütterung teilen weite Kreise den Schmerz der Familie. Die herzliche Anteilnahme kam ergreifend bei der Beerdigung im Beth-chajim (Friedhof) zu Würzburg zum Ausdruck, wobei die Herren Rabbiner Dr. Hanover, Würzburg, Dr. Munk, Burgpreppach und Lehrer Reiter, Gerolzhofen, ein treues Lebensbild der edlen Heimgegangenen zeichneten. Möge der Allgütige den schwergeprüften Gatten Trost in den hohen Pflichten seines heiligen Amtes finden lassen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

    
    
Schweinfurt als Tagungsort von überregionaler Bedeutung   
30. Generalversammlung des Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern in Schweinfurt (1909)  

Schweinfurt AZJ 15101909.jpg (255346 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Oktober 1909: "München, 29. September (1909). Die 30. Generalversammlung des Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern tagte vor kurzem in Schweinfurt. Sie war äußerst zahlreich besucht; etwa 120 Lehrer beteiligten sich daran. Rechtsanwalt Dr. Hommel begrüßte die Versammlung namens der israelitischen Kultusgemeinde, und der Ortskollege Adler namens der Lehrer Schweinfurts und Umgebung. Der Vereinsvorstand Lehrer Goldstein (Heidingsfeld) erstattete Bericht über die Arbeiten und Sorgen der Verwaltung im verflossenen Jahre. Translateur (Miltenberg) begründete eingehend seinen Antrag über Bearbeitung eines Normal-Anstellungsvertrages. Der Antrag wurde einer Kommission überwiesen. Oppenheimer (Laudenbach) und Dingfelder (München) erstatteten gemeinsam ein Referat über die Bedeutung der Revision des Judenedikts vom Jahre 1813 für die Gemeinden und für die Lehrer. Die Referenten hatten folgende Thesen aufgestellt: Eine gesetzliche Revision des Judenedikts ist notwendig und unaufschiebbar: Für die Gemeinden im Interesse der Gewissensfreiheit, der finanziellen Durchführung der gemeindlichen Aufgaben, der Errichtung einer Zentralkasse. Den Mitgliedern der Großgemeinden ist unter Berücksichtigung wohlerworbener Rechte die Trennungsmöglichkeit zur Bildung mehrerer Kultusgemeinden zu geben. Als gemeindliche Aufgaben sind außer den in der Ministerial-Entschließung vom 29. Juni 1863 genannten Einrichtungen noch anzusehen die Rabbiner- und Lehrerbildung, die Unterstützung sozialer und wirtschaftlicher Bestrebungen. Die Zentralkasse ist eine Pflicht- und Rechtskasse für alle Kultusgemeinden in Bayern. Ihre Einnahmen bestehen aus staatlichen und kultusgemeindlichen Beiträgen. Die Leistung jeder Kultusgemeinde wird nach dem Staatssteuersoll berechnet. Jede Kultusgemeinde kann diesen Beitrag autonom aufbringen. Für die Lehrer: Bei der vorzunehmenden gesetzlichen Revision des Judenedikts sind Bestimmungen aufzunehmen im Interesse der Gründung und Erhaltung jüdischer Volksschulen und der Religionslehrer, und zwar Bestimmungen über Vorbildung, Anstellung, Grundgehalt, Dienstalterszulagen, Pensionsverhältnisse und Reliktenversorgung konform den jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen für bayerische Volksschullehrer. Ein den Referaten entsprechender Gesetzentwurf war vorzulegen. Die darauf folgende lebhafte Debatte ergab Zustimmung zu den Ausführungen der Referenten. Hervorzuheben ist die energische Stellungnahme gegen die Anstellung ungeprüfter, nicht ordnungsmäßig vorgebildeter Personen im Religionsschuldienste. Zum Schlusse wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: 'In Übereinstimmung mit den Ausführungen und Forderungen der beiden Referenten Oppenheimer und Dingfelder hält die Generalversammlung im Interesse der israelitischen Kultusgemeinden und ihrer Beamten eine Revision des Judenedikts vom Jahre 1813 mit Trennungsmöglichkeit und Errichtung einer Zentralkasse für notwendig und unaufschiebbar. Die Generalversammlung wählt eine Kommission mit dem Rechte der Zuwahl, beauftragt dieselbe, Material zu einem Gesetzentwurf auf Grundlage der erstatteten Referate vorzubereiten und den maßgebenden Faktoren, insbesondere der königlichen Staatsregierung und den beiden hohen Häusern des Landtages in Vorlage zu bringen.' Die nächste Generalversammlung voll am 18. Juli 1910 in Würzburg stattfinden."      

     
Einladung zum "Bundestag" des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns (1928)  

Schweinfurt Israelit 01111928.jpg (74689 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1928: 
"Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. 
Am Sonntag, den 11. November 1928, Nachmittag 2 Uhr findet in Schweinfurt, 'Restaurant zum Burgfrieden', Theresienstraße 19, wieder ein 
Bundestag
 
statt, zu welchem wir alle glaubentreuen Juden aus Stadt und Land freundlichst einladen. 
Programm: 1. Begrüßung durch den Vorsitzenden. 
2. Vortrag des Herrn Bezirksrabbiner Dr. Bamberger, Bad Kissingen: 'Der Einfluss der jüdischen Frau und Mutter auf die Familie.' 
3. Vortrag des Herrn Bezirksrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt: 'Psalmenlektüre'. 
Die Vorstandschaft des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. Bezirksrabbiner Dr. Stein: 1. Vorsitzender."    

  
Bericht über den "Bundestag" des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns (1928)  

Schweinfurt Israelit 15111928.jpg (185584 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1928: 
"Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Bayerns. Schweinfurt, 13. November. 
Am Sonntag, den 11. November fand in Schweinfurt a.M. eine gute besuchte Tagung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns statt. In der Vormittagssitzung gab der erste Vorsitzende des Bundes, Herr Bezirksrabbiner Dr. S. Stein - Schweinfurt einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr, dem die Fürsorge für lehrerlose Gemeinden und solche, in in absehbarer Zeit der Lehrerlosigkeit entgegensehen, eine besondere Note gab. Die mit Erfolg unternommenen Schritte, geeignete Privatpersonen, besonders Jugendliche zu Vorbetern auszubilden, sollen im neuen Jahre mit Intensität fortgesetzt werden. Die Anstellung eines 'Landessofers' (sc. Landes-Toraschreibers) wurde allgemein als eine dringende Notwendigkeit anerkannt und steht in allernächster Aussicht. Als ein besonders erfreulicher Erfolg muss bezeichnet werden, dass es dem Bunde mit Unterstützung des Rabbinerverbandes und des Verbandes israelitischer Gemeinden gelang, bei der Staatsbehörden zu erreichen, dass bei den juristischen Staatsprüfungen die Sabbate freigehalten werden. Trotz der geringen finanzielle Mittel des Bundes konnte einer Anzahl Gemeinden Subventionen für die Renovierung von Torarollen und Mikwoaus (sc. rituellen Bädern) bewilligt werden. 
Das Problem der Schulbefreiung der Volksschüler an den Sabbaten fand in der Generaldiskussion eingehende Erörterung. Die Herren Rabbinen Dr. Bamberger - Bad Kissingen und Dr. Hanover - Würzburg sowie die Herren Dr. Hommel - Schweinfurt, Dr. Münz - Nürnberg, Felsenstein - Fürth und Saalheimer -Würzburg, haben zahlreiche sehr beachtenswerte Anregungen. Herr Saalheimer - Würzburg trat in sehr temperamentvoller Weise für die Interesse der traditionell lebenden Geschäftsreisenden ein, Herr Rabbiner Dr. Hanover plädierte für eine große allgemeine konservative Tagung aller traditionell gerichteten Kreise Bayerns. 
Nach der Mittagspause begann die öffentliche Tagung, in der die Herren Bezirksrabbiner Dr. Bamberger - Bad Kissingen über den 'Einfluss der jüdischen Frau und Mutter auf die Familie' und Bezirksrabbiner Dr. Stein - Schweinfurt über 'Psalmenlektüre' referierten. beide Vorträge fanden bei dem zahlreichen Publikum freudigste Aufnahme. (J.U.)."        


Bericht über die Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns (1928)  

Schweinfurt Israelit 29111928.jpg (287420 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1928: 
"Bund gesetzestreuer Gemeinden Bayerns. Schweinfurt, 20. November (1928). 
Die Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns und der sich anschließende Bundestag fanden am 11. November hier statt. Beide Veranstaltungen nahmen einen erfreulichen Verlauf. Der von dem Vorsitzenden erstattete Jahresbericht erbrachte den Beweis, dass die Vorstandschaft an der Erfüllung der von der vorjährigen Generalversammlung erteilten Aufträge eifrig arbeitet. In der Frage der Versorgung lehrerloser Gemeinden mit Unterricht und religiöser Belehrung der Erwachsenen hat der Bund einige vielversprechende Erfolge erzielt. In einer vom Bunde veranlassten Versammlung am 29. Januar dieses Jahres haben sich 14 Lehrer, voran Herr Lehrer Brückheimer, Marktbreit, für diese Arbeit zur Verfügung gestellt. Nunmehr hat der Verband bayerischer israelitischer Gemeinden unter Danksagung an den Bund diese Aufgabe zu lösen übernommen, indem er von den Lehrern verlangt, dass sie sich bis zum Höchstmaß von insgesamt 28 Dienststunden bereit finden mögen, lehrerlose Nachbargemeinden mit zu versehen. Wir sehen der Entwicklung der Angelegenheit, die nun in Händen des Verbandes liegt, mit Vertrauen entgegen. 
Zur Anstellung eines Sofer hat sich der Verband bayerischer israelitischer Gemeinden bereit erklärt, Mittel zur Verfügung zu stellen. Sobald es uns gelingt, für den anzustellenden Sofer noch einen weiteren Posten, etwa als Hilfsschächter oder Aufsichtsbeamter oder dergleichen zu erlangen, können wir unseren diesbezüglichen Plan zur Ausführung bringen. Es ergeht an die größeren Gemeinden des Landes hiermit die Aufforderung, dass sie dem Bunde und seiner Vorstandschaft nach dieser Richtung hilfreich an die Hand gehen mögen.   
Die Anleitung der Jugend zur Erlernung der Tora-Vorlesung ist in einer Reihe von Gemeinden dank der Tätigkeit der Herren Lehrer bereits zur Tatsache geworden und sie soll durch Prämien an die Lehrenden und Lernenden weiter gefördert werden. Der Erfolg des Bundes, den er durch Unterstützung der Rabbiner-Konferenz und des Verbandes erzielt hat, dass nämlich die juristischen Staatsprüfungen künftig unter Freihaltung der Sabbate stattfinden werden, wurde freudigst begrüßt. Zur Unterstützung notleidender Gemeinden in der Reparatur ihrer Torarollen und Ausgestaltung der rituellen Tauchbäder hat der Verein im verflossenen Jahre ca. 1.000 Mark verausgabt. Es wurde der Vorstandschaft anheim gegeben, den rechten Zeitpunkt ausfindig zu machen, um durch eine Eingabe bei der Staatsregierung die Befreiung der jüdischen Volksschüler an den Sabbaten vom Schulbesuch sicherzustellen.   
Sodann berichtete der Vorsitzende über einige, die jüdische Öffentlichkeit zur Zeit bewegende wichtige Fragen des religiösen Lebens. Ferner gibt er bekannt, dass er bei der Beratung der Mustersatzungen des Verbandes für die Gemeinden von einigen Gemeinden um Aufklärung und Mitarbeit angegangen wurde und diese gerne geleistet hat. Auch hob er das von Vertrauen getragene Verhältnis bei der Arbeit zwischen Verband und Bund gebührend hervor.   
Des weiteren wurde eine Kommission ernannt, die auf eine Zusammenfassung der konservativen Juden Bayerns hinarbeiten soll, deren Mitglieder alsdann im Bunde gesetzestreuer israelitischen Gemeinden auf Grund geänderter Statuten als Förderer mit dem Recht der Antragstellung und beratender Stimme wirken können. Der Kassenbericht ergab einen erfreulich gesunden Stand der Kasse.  
An die Generalversammlung schloss sich alsdann der Bundestag an. Er wurde durch eine besonders herzliche Ansprache des Herrn Justizrat Dr. Himmel als Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt und durch eine Begrüßungsrede des Bundesvorsitzenden eingeleitet. Letzterer schilderte im Anschluss an den Gegensatz zwischen Esau und Jakob den Widerstreit zwischen der idealistischen und materialistischen Lebensanschauung, die die beiden Pole des menschlichen Strebens darstellen, und forderte die Mitglieder des Bundes auf, in diesem Kampfe sich zu Schildträgern Gottes, als Verfechter des Idealismus zu bewähren, in Befolgung des Prophetenwortes: 'Reiniget Euch, Ihr Schildträger Gottes!'    
Schweinfurt Israelit 29111928a.jpg (53755 Byte)Mit größter Aufmerksamkeit und freudiger Zustimmung wurden die beiden nun folgenden Referate von der Versammlung hingenommen. Das erste erstattete Herr Bezirksrabbiner Dr. Bamberger, Kissingen. Es behandelte das Thema: 'Der Einfluss der jüdischen Frau und Mutter im religiösen Leben der Gegenwart'. Das zweite Referat, erstattet von Bezirksrabbiner Dr. Stein, Schweinfurt, behandelte die rechte Art der Psalmenlektüre. Zahlreiche, wohl ausgewählte Proben gaben eine sachgemäße Anleitung zum richtigen Verständnis der Psalmen, die mehr wie jedes andere Buch der heiligen Schrift der Anregung eines geläuterten religiösen Sinnes und einer praktischen Frömmigkeit dienen. Aus der Mitte der Versammlung heraus wurde die Anregung zur Drucklegung der Referate gegeben."      

  
Generalversammlung des "Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinde Bayerns" in Schweinfurt (1931)  

Schweinfurt Israelit 12021931.jpg (45910 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1931: 
"Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. 
Die diesjährige ordentliche Generalversammlung findet am Sonntag, den 22. Februar, vormittags 11 Uhr 
n Schweinfurt, Restaurant Burgfrieden statt. 
Die Vorstandschaft des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. Bezirksrabbiner Dr. Stein, 1. Vorsitzender."     
  
Schweinfurt BayrGZ 15031931.jpg (200222 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1931: 
"Tagung des Bundes gesetzestreuer Israelitischer Gemeinden. 
Die diesjährige Tagung des Bundes gesetzestreuer Israelitischer Gemeinden fand am 22. Februar in Schweinfurt statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Stein, konnten die Teilnehmer wieder erfahren, welche Fülle von Arbeit der Bund im abgelaufenen Jahre geleistet hat. Bei welcher Angelegenheit auch immer Interessen des bayerischen gesetzestreuen Judentums zu vertreten waren, immer war der Bund auf dem Plan, und dank seiner zielbewussten Arbeit hatte er - Gott sei Dank - in der Regel Erfolg zu verzeichnen. Es liegt in der Natur der Sache, dass über diese Tätigkeit und deren Bedeutung immer nur ein kleiner Teil informiert ist; die Generalversammlung war deshalb dem Vorsitzenden dankbar, dass er hier Gelegenheit gab, auch einmal von dieser Seite der Bundesarbeit zu erfahren. Der Redner referierte ferner über die Tätigkeit des  Bundes in der Schechito-Angelegenheit und zur Versorgung mit Koscherfleisch, über die ausgedehnte Tätigkeit des vom Bunde aufgestellten Sofers (Toraschreiber), über Versorgung von lehrerlosen Gemeinden und Subventionen für Instandsetzungen von Mivoaus (rituelle Bäder) usw.   
Auch im vergangenen Jahre arbeitete der Bund mit der Leitung des Verbandes bayerischer Israelitischer Gemeinden in allen das bayerische Judentum betreffenden Fragen einträchtig zusammen. die an das Referat des Vorsitzenden anschließend Diskussion brachte noch verschiedene Anregung und unter dem Beifall der Anwesenden wurde noch zum Ausdruck gebracht, dass der Bund gesetzestreuer Israelitischer Gemeinden in den zehn Jahren seines Bestehens eine Fülle von Segen dem bayerischen Judentum gestiftet habe und aus ihm nicht mehr wegzudenken sei.
Am Nachmittage versammelte ein Bundestag eine große Schar von Zuhörern. Justizrat Dr. Hommel (Schweinfurt) richtete im Namen der Kultusgemeinde Schweinfurt eine überaus warme Begrüßung an den Bund, dessen Arbeit gerade für die Gesamtheit (sc. des Judentums) er gerade angesichts der gegenwärtig drohenden Gefahren für besonders wertvoll erachtet. Bezirksrabbiner Dr. Stein beleuchtete die Bedeutung des Bundes, der auf der einen Seite berufen ist, die Interessen des bayerischen gesetzestreuen Judentums innerhalb des Verbandes bayerischer Israelitischer Gemeinden zu wahren, der aber darüber hinaus, wie Redner im Anschluss an einen Midrasch ausführte, im Sinne der Philosophie des Ben-Asai praktische religiöse Tat als Ausgangspunkt religiösen Lebens pflegt. In seinem groß angelegten Referat über: 'Der Sabbat, seine Idee, seine Forderung, seiner Verwirklichung', entrollte Bezirksrabbiner Dr. Ephraim (Burgpreppach), ein fein gezeichnetes Bild von der Schönheit und Bedeutung des Sabbats. Das besondere Verdienst des Redners war es aber, dass er die Probleme, die der Sabbat der gegenwärtigen Generation stellt, mit Ausführlichkeit behandelte und die Wege zeigte, die deren Lösung erfordert. Das zweite Referat: 'Die portugiesischen Marannen' von Bezirksrabbiner Dr. Stein vermittelte den Anwesenden ein ergreifendes Bild vom Heroismus unserer verfolgten Brüder, die mehr als 400 Jahre allen Gefahren zum Trotz im Herzen Juden geblieben sind und nun heute mit einem ungeheuren Opfermut wieder die volle Vereinigung mit der jüdischen Gesamtheit erstreben. Mit reichem Beifall dankten die Hörer den Rednern für die weihevollen Stunden, die sie ihnen gespendet und deren Labsal in der Not der Gegenwart doppelt wohltuend empfunden wird."       

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  

Zum Tod von Rebecka Heinemann (1879)  

Schweinfurt Israelit 12031879.jpg (202883 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1879: "Aus Unterfranken. Einer wackern Frau, einer Eschet Chajil (= wackere Frau) in des Wortes wahrem Sinn haben wir am letzten Freitag das letzte Geleite gegeben, es galt wahrlich einem tugendhaften Weibe, der Frau Rebecka Heinemann in Schweinfurt. Als die Nachricht sich unter ihren vor ihrem Ableben zahlreichen Freunden und Freundinnen verbreitete, brach alles in lautes Schluchzen und Weinen aus. Niemand wollte es glauben, denn die Verblichene stand bei Jung und Alt in hohem Ansehen. Nicht nur im engeren Circle (Kreis) der Familie hat dies erschütternde Ereignis die aufrichtigste Teilnahme und Gefühle wachgerufen, nein, die ganze Gemeinde trauerte an dem Sarge der edlen Frau. Und mit Recht. Wer die Verklärte in ihrem Leben kannte, wer jemals näheren Umgang mit ihr gehabt, fand, dass sie jeden mit einem freundlichen Gesichtsausdruck empfing, eine herzgewinnende, liebevolle, kluge Persönlichkeit, die aller Verleumderei abseits, jeden nach seinem Verdienst beurteilte. Im Frühjahr 1875 feierte sie noch das seltene Fest der goldenen Hochzeit mit ihrem Manne, doch nicht lange darauf wurde ihr der Gatte entrissen. Erst vor wenigen Jahren war dieselbe von Obereuerheim in die Stadt gezogen; sie ließ sich von dem Strom der Neuzeit nicht verleiten, vom Althergebrachten wie dem Zehnten und der Challa (sc. Sitte der Absonderung eines Teigstückes) geben, von der so trauten Schabbeslampe zu lassen, zahlte bis zum letzten Augenblick ihre jüdische Steuer nach obiger Gemeinde, wenngleich sie es nicht verpflichtet war, kurz, sie war nach allen Seiten tätig in der Ausübung der religiösen Weisungen (Mizwot). Und was sie als Wohltäterin war, das werden am besten die Armen zu sagen wissen, denn sie gab aus vollen Händen und gern. Bis zum letzten Moment bewahrte sie Frömmigkeit und Bescheidenheit stets gepaart mit Gottvertrauen, stand auch beim Nichtjuden in hohem Ansehen, welches sich deutlich am Leichen-Kondukt zu erkennen gab, denn ein überaus großer Zug bewegte sich vom Fischerrain durch die Stadt. Die Leiche wurde nach Gerolzhofen in den Friedhof überführt, denn es war der lebhafteste Wunsch der Verklärten, neben ihrem Manne zu ruhen. Auch als Familienmutter war sie jederzeit bemüht, ihren Kindern eine streng religiöse Erziehung zu geben und Gottlob! konnte sie in ihrem hohen Alter mit Zufriedenheit auf das Getane blicken, es trug die schönsten Früchte. Möge nun das Verdienst, das sich dies fromme Weib in so hohem Maße erworben, ihren Söhnen und Töchtern, ihren zahlreichen Enkeln und Urenkeln zum Segen gereichen und die Erde ihr leicht sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. E."     

  
Dr. H. Rose wird 3. Staatsanwalt in Schweinfurt (1890)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. November 1890: "Herr Dr. H. Rose zur Zeit Rechtspraktikant und Konzipient in Nürnberg, (ist) zum 3. Staatsanwalt in Schweinfurt ernannt worden."    
 
Schweinfurt Israelit 04121890.jpg (27037 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1890: "München. Der bisherige 2. Staatsanwalt und Privatdozent Dr. Harburger ist als Landgerichtsrat am Landgericht München II., Herr Dr. H. Rose, zur Zeit Rechtspraktikant und Konzipient in Nürnberg, zum 3. Staatsanwalt in Schweinfurt ernannt worden."   


Zum Tod von Fanny Frank geb. Heinemann (1896)   

Schweinfurt Israelit 16031896.jpg (75495 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1896: "Schweinfurt. Heute haben wir ein ehrbares Mitglied unserer Gemeinde zu Grabe getragen, eine Frau, die zu den ersten israelitischen Familien gehörte, die seit ca. 30 Jahren sich wieder in hiesiger Stadt niedergelassen. Es ist dies Frau Fanny Frank geb. Heinemann, welche nach eben vollendetem 68. Lebensjahr das Zeitliche segnete. Von einem echt religiösen Sinn beseelt, selbstlos in jeder Weise, hat sie von den ihr in reichem Maße verliehenen Erdengütern einen richtigen Gebrauch zu machen verstanden, sodass sie sich den Namen einer Wohltäterin in unserer Gemeinde und unter den Armen für alle Dauer zu sichern gewusst. Erst vergangenen Schawuot (Wochenfest) stiftete sie im Vereine mit ihrem Bruder eine neue Torarolle mit allem Zubehör, und noch manche schöne Gabe hat unser Gotteshaus von der Verewigten aufzuweisen. Möge ihr der himmlische Lohn für ihr Tun zuteil werden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
Beleidigungsklage des Getreidehändlers Uri Seligstein gegen den antisemitischen Redakteur Anton Memminger* (1897)  

Schweinfurt IndtReich 061897 S342.jpg (173538 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom Juni 1897 S. 342: "Schweinfurt, 10. Juni (1897). Hier wurde heute vor dem Schöffengericht die Beleidigungsklage des Getreidehändlers Seligsten in Schweinfurt und Landtagsabgeordneten Burger in Zeil gegen den antisemitischen Redakteur der "Neuen bayerischen Landeszeitung" Memminger in Würzburg verhandelt. Der Letztere hat in der 'Landeszeitung' von Uri Seligsten grundlos behauptet 'dieser Jude hat durch seine schlechte Ware den guten Ruf unserer fränkischen Gerste geschädigt und unseren Bauernstand schwer benachteiligt'. Weiter schrieb das Blatt: 'Die Direktion nahm die schlecht, nicht keimfähige Gerste des Handelsjuden, hierdurch wurde der bayerische Staat schwer geschädigt'. Die Benachteiligung des bayerischen Staates wurde deshalb hereingezogen, weil das Hofbräuhaus sich in eigener Verwaltung des Staates befindet. Dr. Sigl druckte diese Artikel in seinem 'Vaterland' ab. Wegen fortgesetzter Beleidigung - begangen an Seligstein und Burger, der ersteren an die Direktion empfohlen hatte, - hatte sich nun Memminger vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten, während der Abgeordnete Dr. Sigl zur Zeit noch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, da der Reichstag die nötige Zustimmung verweigert hat. Die Klage betraf verschiedene Artikel über Lieferung von unterfränkischer Gerste für das königliche Hofbräuhaus in München. Memminger wurde schuldig erkannt, je zweier
*Anmerkung 1: Bei dem Angeklagten handelte es sich um den antisemitischen Verleger, Autor und Politiker Anton Memminger (1846-1923, 1893 Gründer des antisemitischen "Fränkischen Bauernbundes"), weiteres siehe Wikipedia-Artikel zu Anton Memminger.  
**Anmerkung 2: Beim "Abgeordneten Dr. Ratzinger" handelte es sich um den Geistlichen, Sozialreformer, Publizist und Politiker Dr. Georg Ratzinger (1844-1899), dem mehrere pseudonym veröffentlichte antisemitische Hetzschriften zugeschrieben werden. Georg Ratzinger ist ein Großonkel des Papstes Benedikt XVI.   Weiteres siehe Wikipedia-Artikel zu Georg Ratzinger (Abgeordneter).  

  
Zum Tod von Moses Straußer (1898)  

Schweinfurt Israelit 20061898.jpg (113516 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1898: "Schweinfurt. Der Guten ist wieder einer weniger: am heutigen Tage wurde hier Herr Moses Straußer zu Grabe getragen, ein Mensch seltener Geistes- und Herzensgaben, ein Jünglingsherz mit dem Wissen und den Erfahrungen eines Greises, ein nicht starker Körper mit der Kraft eines Riesen, wo es galt, das Schöne und Edle zu verfechten, den Schwachen zu helfen. In der Blüte der Jahre, in denen er große Pläne zu verwirklichen gedachte, wurde er dahin gerafft durch tückisches Leiden, ein vollkommenes Brandopfer, wie Herr Rabbiner Dr. Stein in tief gefühlter Rede ausführte, ein zweiter Isaak, der mit Engelsgeduld und Gottergebenheit dem über ihn verhängten Schicksal ins Auge sah (sc. Rabbiner Dr. Stein brachte die Krankheit mit der 'Opferung' Isaaks nach 1. Mose 22 in Verbindung).    
Nach den aus Freundesherzen kommenden Worten des Herrn Dr. Stein, ergriff an der Bahre das Wort Herr M. Oppenheimer, Würzburg für den kaufmännischen Verein Phönix, den Verblichenen als Hort der Geselligkeit und Brüderlichkeit schildernd, hierauf sprach Herr Hermann Buxbaum - Würzburg und gedachte des Entschlafenen als Freund, zum Schluss schilderte Herr Fabrikant Hermann Reiß - Würzburg den Dahingeschiedenen als Mann der Rechtlichkeit und des Pflichtbewusstseins. Als die erschienenen Würzburger Freunde, die sich diesen letzten Dienst auserbeten hatten, sich gemeinschaftlich anschickten, den die irdische Hülle des teueren Freundes bergenden Sarg ans Grab zu tragen, blieb kein Auge tränenleer und jeder fühlte, dass ein Mensch dahin gegangen ist, der berufen gewesen wäre, einer der besten seiner Zeit zu werden. B-m."  

      
Die jüdischen Reichstagswähler setzen sich für den nationalliberalen Kandidaten ein (1903)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1903: "Schweinfurt. Es dürfte wohl neu sein, was hier zum ersten Male versucht wird: Geschlossenes Eintreten sämtlicher jüdischen Reichstagswähler unseres Wahlkreises Schweinfurt - Haßfurt -Ebern für einen Kandidaten. Im Wahlkreise sind vier Kandidaten aufgestellt: Zentrum, Bauernbund, Sozialdemokrat und Nationalliberal. Der Wahlkreis war früher liberal vertreten; in der letzten Periode war er dem Zentrum zugefallen, hauptsächlich durch die Unterstützung der israelitischen Wähler, die nur so verhüten konnten, einen Bauernbündler in die Stichwahl zu bringen. Die antisemitische Haltung des Zentrums im bayerischen Landtage hat es aber den Israeliten unmöglich gemacht, wieder Zentrum zu wählen; einen Sozialdemokraten zu wählen verträgt sich nicht mit der jüdischen Auffallung der Pflichten gegen Fürst und Obrigkeit., der antisemitische Bauernbund, der einen Memminger als Führer hat, scheidet von selbst aus. Es hat sich daher in Schweinfurt ein Komitee der angesehensten Glaubensgenossen gebildet, das eifrig dahinwirkt, es möchten alle israelitischen Wähler des Wahlkreises geschlossen für den nationalliberalen Kandidaten, Ökonom Schäfer in Geldersheim, eintreten, der in seiner Programmrede warm für die Gleichberechtigung der Konfessionen eingetreten ist. Es ist sehr wohl möglich, dass die israelitischen Wählen, 600 an der Zahl, de Ausschlag geben werden, wenn sie geschlossen für ihren Kandidaten eintreten. Jedenfalls währe solches, schon im Interesse der Selbstachtung und Selbsterhaltung, recht sehr zu wünschen. A."   


Der Inhaber der Firma S. Mohrenwitz wird "königlich bayerischer Hoflieferant" (1904)
  

Schweinfurt Israelit 17031904.jpg (27321 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1904: "München. Anlässlich des 83. Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold wurde der Firma S. Morgenwitz, Weingroßhandlung in Schweinfurt, sowie der Firma Lau und Oppenheimer, Pferdehandlung in Hamburg, der Titel eines königlich bayerischen Hoflieferanten verliehen."  

    
Zum Tod von Julius Hahn (1911)  

Schweinfurt Israelit 23111911.jpg (132384 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1911: "Schweinfurt, 20. November (1911). Ein schwerer Gang war es, von dem wir eben zurückkamen. Galt es doch der Besten einer die letzte Ehre zu erweisen. Herr Julius Hahn - er ruhe in Frieden - war groß als Jehudi und als Mensch. Als am Freitagabend kurz nach Eingang des Schabbat seine Seele heimkehrte zu ihrem himmlischen Vater, da fühlte jeder den großen Verlust, den die Familie und mit ihr die Gemeinde erlitten. Julius Hahn - er ruhe in Frieden - gehörte zu jenen leider so seltenen Männern, die in unerschrockener und tatkräftiger Weise ihr Judentum hochhalten und fern davon sind, auf Kosten der Religion dem Zeitgeiste Konzessionen zu machen. Sein Leben war beispielgebend für alle, die mit ihm in nähere Berührung kamen. Seine strikte Beobachtung des Schabbat, die ihm bei seinem weit ausgedehnten Geschäftsbetriebe manch schweres Opfer kostete, ebenso seine Wohltätigkeit, die allerdings nur zum allerkleinsten Teile an die Öffentlichkeit gelangte - denn Geben im Verborgenen war ihm Selbstverständlichkeit - waren allbekannt. An den ehrfurchtgebietenden Tagen verstand er es, als Schofarbläser und als ehrenamtlicher Vorbeter, durch seinen verständnisinnigen Vortrag die Herzen seiner Zuhörer zu Gott emporzuheben. Dass ein solcher Jehudi die wichtigste Pflicht, das Torastudium nicht vernachlässigte, braucht kaum gesagt zu werden; er hatte trotz seiner vielseitigen geschäftlichen Tätigkeit immer noch einige Stunden in der Woche für das Lernen übrig. In tief empfundener Rede würdigte Herr Rabbiner Dr. Stein all diese herrlichen Eigenschaften des edlen Verblichenen und indem er noch sein inniges Familienleben hervorhob, verlieh er ihm den Chowertitel (sc. Ehrenrabbiner). Möge Gott Trost spenden der trauernden Gattin, der greisen Mutter und den unmündigen Kindern. Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Emil Heimann (1915)  

Schweinfurt Israelit 12051915.jpg (140229 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1915: "Schweinfurt, 9. Mai (1915). Am Montag, 3. Mai, wurde unter außergewöhnlichen Ehren unser langjähriger 1. Vorstand, der Königliche Kommerzienrat und Handelsrichter, Herr Emil Heimann, Schuhfabrikant, zu Grabe getragen. Mit ihm verliert nicht nur die Großindustrie einen ihrer glänzendsten Vertreter, die Stadt Schweinfurt ein Magistratsmitglied, das seltenen Arbeitsgeist mit hohem, praktischem Sinn verband, sondern vor allem die hiesige Gemeinde einen Mann, der 33 Jahre lang die Gemeinde leitete und förderte, sodass sie heute wohlgeachtet dasteht und in allen Einrichtungen und Institutionen fast mustergültig zu nennen ist. Sein Hauptverdienst lag wohl darin, dass er es verstand, in unserer Gemeinde, trotz der Verschiedenheit der religiösen Ansicht ihrer Mitglieder stets den Frieden zu erhalten, in wirklich liberaler Weise für alle diejenigen Bedürfnisse zu sorgen, die für eine jüdische Gemeinde notwendig und wünschenswert sind. Diesen, seinen liberalen Grundsätzen entsprach auch, dass er, obwohl er selbst dem gesetzestreuen Judentume ziemlich ferne stand, zur Zeit der Richtlinienbewegung als einer der ersten die Aufforderung zum Anschluss an die Protesterklärung gegen die orthodoxen Rabbiner energisch zurückwies und, um noch ein Beispiel zu geben, auf Anregung unseres verehrten Rabbiners Herrn Dr. Stein, mit dem ihn ein überaus freundschaftliches Verhältnis verband, seinen ganzen Einfluss einsetzte, um unseren Friedhof, der bisher nur pachtweise der Gemeinde überlassen war, trotz großer Geldopfer, käuflich zu erwerben und so zu einem wirklichen Haus der Ewigkeit zu machen. So tragen alle Institutionen der Gemeinde die Spuren seiner Tätigkeit und sichern ihm innerhalb unserer Gemeinde ein dauerndes Andenken. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

  
Zum Tod von Philipp Salzer, langjähriger Kassier und zweiter Vorstand der Gemeinde (1915)  

Schweinfurt Israelit 10061915.jpg (107194 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1915: "Schweinfurt, 2. Juni 1915. Unsere Gemeinde hat innerhalb kurzer Zeit einen zweiten schweren Verlust zu beklagen. Ihr ältestes Mitglied, Herr Philipp Salzer, nahezu 50 Jahre in der Verwaltung tätig, zuerst fast 40 Jahre als Kassier, dann fast 10 Jahre als zweiter Vorstand und Synagogenkommissar, der mit an der Wiege der Gemeinde gestanden, ist rasch dem verehrten ersten Vorstand ins Grab gefolgt. Als Mensch in hohem Grade verehrungswürdig, auszeichnet mit den erhabensten Eigenschaften des Herzens und des Charakters, unermüdlich tätig im Dienste der Interessen der Gemeinde hat er sich außerordentlich viel Liebe und Verehrung erworben, die bei seiner Überführung und bei seiner Beerdigung zum Ausdruck kam. 39 Jahre hat er auch das Amt eines Kassiers für den Distrikts-Rabbinats-Fonds in selten gewissenhafter Weise und Treue inne gehabt. Bei seiner Beerdigung schilderte Distrikts-Rabbiner Dr. Stein ausführlich sein Leben und Wirken, sein Wesen und seinen Charakter, und der derzeitige Gemeindevorstand Rechtsanwalt Dr. Hommel dankte in bewegten Worten für die der Gemeinde geleisteten, unschätzbaren Dienste.  
Auch er wird für immer zu dankbarem Gedenken in den Annalen unserer Gemeinde verzeichnet sein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."        

       
Beförderung des Juristen Silberschmidt zum 1. Staatsanwalt beim Landgericht Schweinfurt (1919)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Februar 1919: "Der Rat am Landgericht Nürnberg, Oberlandesgerichtsrat Silberschmidt, wurde zum 1. Staatsanwalt beim Landgericht Schweinfurt befördert, der 2. Staatsanwalt beim Landgericht Nürnberg, Dr. Rosenwald, auf die Stelle eines Rates an diesem Gericht versetzt."            

 
Zum Tod von Jette Kurzmann geb. Baumann (1925)  
Hinweis: Jette Kurzmann geb. Baumann war die Frau des Religionslehrers beziehungsweise des Sofer Isaak Kurzmann (siehe Berichte oben).   

Schweinfurt Israelit 30041925.jpg (110216 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1925: "Schweinfurt, 19. April (1925). Vor kurzem wurde uns Frau Jette Kurzmann im Alter von 75 Jahren entrissen. Aus alt-jüdischer Familie stammend, mit den Tugenden tiefinnerster Zufriedenheit und wahrer Herzensfrömmigkeit ausgestattet, war sie in ihrem reichen Leben eine Heldin der Arbeit, kannte sie nichts als Pflichterfüllung im Dienste ihrer Familie und der Gesamtheit. Ihr echtes Gottvertrauen, das ihr in manch sorgenvollen Stunden Halt und Festigkeit gab, erfüllte ihr ganzes Wesen und einer Heiterkeit, die die reine Quelle einer herzlich-innigen Wohltätigkeit und einer echt-jüdischen Gastfreundschaft war. So erntete sie auch Achtung und Ehrerbietung im weiten Kreise ihrer Lebenstätigkeit; Anhänglichkeit und wohlverdiente Liebe im Kreise ihrer Kinder und Enkel verschönten ihren Lebensabend. Am Grabe gab Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein den schmerzlichen Empfindungen ob des Verlustes einer solch tugendhaften, frommen Frau Ausdruck, die die ganze Gemeinde erfüllen. Wie ihre Lebensarbeit eine gesegnete gewesen, so wird auch ihr Andenken ein gesegnetes sein und das sei ein Trost für den allein zurückgebliebenen Gatten, für die Kinder und Enkel. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

  
Zum Tod von Siegmund Heußinger (1925)  

Schweinfurt Israelit 03091925.jpg (139453 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Schweinfurt, 31. August (1925). Durch einen traurigen Unglücksfall, der sich in Nürnberg abspielte, hat unsere Gemeinde in Siegmund Heußinger einen ihrer Besten verloren. Vor etwa 30 Jahren aus Oberlauringen hierher übergesiedelt, wurde der weitausschauende, tatkräftige Mann zum bewährten Ratgeber der Gemeinde und jedes einzelnen ihrer Mitglieder. Ein streng konservativer Jehudi, hat er den Idealen der Awaudoh (Gottesdienst) und des Gemilus chassodim (Wohltätigkeit) sich in beispielgebender Art und Wiese gewidmet und die Idealforderung des Toralernens durch reiche Unterstätzung aller Schulen und Lehranstalten zu erfüllen gewusst. Sein ganzes Leben war eine Heiligung Gottes. In Bescheidenheit lehnte er die Ehrenämter in der Gemeinde ab; nur das Amt des Distriktsrabbinatskassiers hat er auf dringendes Zureden 8 Jahre lang vorbildlich verwaltet. Ganz besonders stellte er in Fragen der Abwehr seinen Kann. Die Armen der Stadt und des Umkreises, und zwar jüdische und nichtjüdische in gleicher Weise, erblickten mit Recht in dem Verstorbenen einen gütigen Vater. Zahllos sind die Mizwaus (religiöse Weisungen), die er erfüllt hat, nicht minder groß die Zahl derer, zu denen er angeregt hat. Um die Übertretung religiöser Gebote zu verhindern, hat er öfters große Summen hergegeben. Die Beerdigung fand in Nürnberg statt, woselbst der aus der Sommerfrische herbeigerufene Rabbiner Dr. Hein ein den Tatsachen entsprechendes Lebensbild in tiefer Ergriffenheit vor der überaus großen Trauerversammlung zeichnete. Die Gemeinde Schweinfurt ist sich bewusst, dass Siegmund Heußinger nicht leicht ersetzt werden kann, und wird in Dankbarkeit sein Andenken bewahren. 'Wehe um die, welche dahinschwinden, und nicht mehr aufzufinden sind!'.    

    
Zum Tod von Siegfried Sonnenberger (1927)  

Schweinfurt Israelit 05051927.jpg (161628 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1927: "Schweinfurt, 22. April (1927). Ein großer, unersetzlicher Verlust hat eine echtjüdische Familie unserer Gemeinde betroffen. Am 10. Adar scheni (= 14. März 1927) verschied nach langem, mit echter Liebe (Ahawa) getragenem Kranksein Siegfried Sonnenberger im 51. Lebensjahre. Einem bekannten ´gutjüdischen Hause entstammend, in dem Tora und Gottesfurcht sich allezeit in vollendeter Harmonie einten, hat der Verstorbene es sein leben lang als vornehmste Aufgabe betrachtet, die heiligen Traditionen seiner Familie in gewissenhaftester Weise aufrecht zu erhalten, fortzupflanzen und seinen eigenen Angehörigen einzuschärfen 'und lehret sie euren Kinder' (5. Mose 11,19). Als ein echter Wohltäter und geradsinniger Mann, übte er alle leichten und strengen religiösen Weisungen mit gleicher Liebe und Sorgfalt und mit Freude aus, selbst dann noch als er auf ein schweres Krankenlager geworfen ward. Gerade hierin zeigte er sich als ein großer Zadik (frommer Mann), dem kein Laut der Klage und des Unwillens sich entrang, der vielmehr alle Leiden seiner Krankheit als Liebesschläge von Gott hinnahm. Was Wunder, als die Kunde vom Ableben Sonnenbergers sich verbreitete, dass unsere Gemeinde, in der er wegen seiner Verdienste um dieselbe hochgeschätzt und verehrt ward, in tiefste Trauer versetzt wurde. Dieser großen Trauer und allgemeinen Teilnehme verlieh bei der Beerdigung - die sich zu einer imposanten Trauerkundgebung für den Verstorbenen gestaltete . mit warm empfundenen Worten Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein, dem der Verstorbene ein treuer Schüler war, beredten Ausdruck. Der zweite Redner am Grabe, Herr Justizrat Dr. Hommel, hob die Verdienste des Heimgegangenen als Vorstandsmitglied in der Gemeinde mit trefflichen Worten hervor. Herr Max Oettinger, Frankfurt am Main, schilderte unter Tränen den unersetzlichen Verlust durch den frühen Heimgang Sonnenbergers. Schmerzbewegt und stillklagend schied eine große Trauerversammlung vom frischen Grabe eines echten und treuen Jehudi, eines allseits geachteten und geliebten guten Menschen, dessen Andenken in der Gemeinde und bei allen, die ihn kannten, fortleben wird. Möge Gott die Witwe und die Waisen aufrichten und stärken. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."       

         
Ludwig Mohrenschütz - Schatzmeister des "Central-Vereins", Ortsgruppe Schweinfurt - wurde "Vogelkönig" der Schützengesellschaft Schweinfurt (1928)     

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 7. September 1928:  "Der Schatzmeister unserer Ortsgruppe Schweinfurt, unser Freund Ludwig Mohrenwitz, wurde bei dem Hauptscheibenschießen der bürgerlichen Schützengesellschaft zum Vogelkönig proklamiert, da er den Meisterschuss getan hatte. Er wurde von allen Schützenfreunden herzlich gefeiert."        


Zum 60. Geburtstag von Justizrat Dr. Moses Hommel (1929)  

Schweinfurt BayrGZ 01061929.jpg (42200 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1929: "Justizrat Dr. Hommel in Schweinfurt, Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Landesverbandes und langjähriger Vorsitzender der Kultusgemeinde Schweinfurt, feiert am 15. Juni 1929 seinen 60. Geburtstag. Wir möchten dem um die Entwicklung des bayerischen Judentums und unseres Verbandes hochverdienten Manne unsere herzlichsten Glückwünsche darbringen und der Hoffnung Ausdruck geben, dass er noch viele Jahre in der Vollkraft seiner Leistung unserer Gemeinschaft erhalten bleibe."     
    
Schweinfurt Israelit 27061929.jpg (197502 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1929: "Schweinfurt, 17. Juni (1929). Am Geburtstagsfeste der Tora (gemeint beim Wochenfest/Schawuot, das war am 14./15. Juni 1929) konnte der in weiten Kreisen Bayerns und über die Grenzen Bayerns hinaus allgemein bekannte Justizrat Dr. Hommel seinen 60. Geburtstag feiern. Seit 1889 ist er Mitglied der Kultusverwaltung; im Jahre 1914 wurde er als Nachfolger von Kommerzienrat Heimann zum Vorsitzenden gewählt. Seit dieser Zeit hat er sich auf allen Gebieten der Gemeindearbeit erfolgreich betätigt. In verschiedenen Vereinen wirkt Dr. Hommel teils führend mit, so z.B. im Literaturverein, in dem er nicht nur die Verwaltungsgeschäfte führt, sondern auch gediegene wissenschaftliche Vorträge hält. Auch dem Synagogenchor widmet er Interesse und Förderung. Seit der Begründung des 'Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden' wirkt er als dessen zweiter Vorsitzender, und innerhalb des Verbandes wurden dem Jubilar die wichtigsten Referate und die Ausarbeitung bedeutsamer Gesetzentwürfe übertragen, so z.B. die Bezirksgemeindeordnung. An dem Zustandekommen der Mustersatzungen für die Gemeinden hat Dr. Hommel bedeutsamen Anteil. In Anbetracht seiner großen Verdienste um die Gemeinde ließ es sich Rabbinat und Gemeindeverwaltung nicht nehmen, dem hochverdienten Mann wohlverdiente Ehrungen an diesem Tage zuteil werden zu lassen. Vor dem Toravorlesen am 2. Schewuaustage wurde eine würdige synagogale Feier, eingeleitet durch Chorgesang, veranstaltet. Herr Rabbiner Dr. Stein würdigte den Jubilar als einen Mann voll warmer Menschlichkeit und von besonderem tätig-lebendem Interesse für alle Angelegenheiten des Judentums, denen er sich in immer größerem Umfang widmet. Als nach Beendigung des Gottesdienstes Rabbinat, Gemeindeverwaltung, Beamtenschaft und Vereinsvorsteher im Hause des Jubilars durch sinnvolle Ansprachen und Geschenke ihren Dank zum Ausdruck brachten, erwiderte Justizrat Dr. Hommel in tief bewegten Worten und hob hervor, dass er, wenn er trotz seines anstrengenden Berufes noch Zeit für die Klal-Angelegenheiten finde, sich immer von dem Hillelschen Grundsatze 'sondere dich nicht ab von der Öffentlichkeit' sich leiten ließ.  
Möge es dem sich um die öffentlichen Angelegenheiten sich kümmernden Mann vergönnt sein, noch recht viele Jahre in rüstiger Schaffenskraft zum Wohle seiner Gemeinde und der jüdischen Gesamtheit wirken zu dürfen. L."         

  
Zum Tod von Laura Straußer geb. Gutmann (1931) 

Schweinfurt Israelit 08101931.jpg (115095 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1931: "Schweinfurt, 5. Oktober (1931). Am 24. September verschied hier nach längerem Leiden Frau Laura Straußer geb. Gutmann, die in weiten Kreisen als ehemalige Leiterin des rühmlichst bekannten Centralhotels und als warmherzige, liebenswürdige Menschenfreundin allgemein geschätzt war. Um ihre Bahre versammelten sch am 1. Tage des Chol HaMoed (1. Halbfeiertag des Sukkot-Festes, am 28. September 1931) nicht nur die Familienangehörigen und Freunde von weit und breit, sondern auch fast die gesamte jüdische Bevölkerung von Schweinfurt und Nachbargemeinden. Ergreifend wirkte es, wie angesichts des Feiertags die Menge die Bahre schweigend umstand. Aus umwölktem Himmel brach ein Sonnenstrahl nach dem andern und strich wie schmeichelnd über die Verblichene dahin. Durch das herbstlich gefärbte Laub ging ein leises Säuseln wie der Abschied des Feiertags von einem sonnigen Menschenwesen, das es so gut verstanden hatten, andern Freude (statt: Friede) zu bereiten und besonders dem geliebten Gatten und dem einzigen Sohne das Leben heiter und glücklich zu gestalten. Herr Rabbiner Dr. Stein, der es lebhaft bedauerte, auf eine größere Trauerrede verzichten zu müssen, gab durch die meisterhafte Art, wie er einen Psalm vortrug, die tiefen Gefühle kund, die ihn beherrschten und die Wertschätzung für die Verdienste, die sich die zu früh Verblichene durch die musterhafte Führung einer echt jüdischen, vornehmen Gaststätte und auch eifrige Betätigung als Mitglied der Frauen-Chewra (Frauenverein) für die Allgemeinheit erworben hatte. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."        

   
Erfolgreiche Klage eines jüdischen Rechtsanwaltes (1934)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1934: "Schweinfurt. Ein hiesiger zugelassener jüdischer Rechtsanwalt klagte gegen einen Zollbeamten, der einen Brief an ihn und seinen Kollegen mit den Worten 'An den Juden usw.' adressierte, und erreichte, dass der Beklagte eine Geldstrafe von Mark 50.- erhielt. Die höhere Instanz, an die der Verurteilte appellierte, ermäßigte die Strafe auf Mark 25.-. An sich, heißt es in der Begründung, bedeute das Wort Jude keine Beleidigung, hier aber wurde es offensichtlich in beleidigender Absicht gebraucht."       

 
Abschiedsfeier für Justizrat Dr. Hommel anlässlich seiner Auswanderung (1934)   

Schweinfurt Israelit 09081934.jpg (171325 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1934: "Schweinfurt, 1. August (1934). Im Rahmen des feierlichen Schabosgottesdienstes fand im Monat Juli die Abschiedsfeier für Justizrat Dr. Hommel statt, der nach Palästina verzieht. Bezirksrabbiner Dr. Köhler hob in seiner Predigt die Verdienste hervor, die sich Justizrat Dr. Hommel um die Gemeinde und das allgemeine Judentum erworben hat. Seit 1901 gehörte er der Kultusverwaltung an, seit 1914 war er der erste Vorstand. Er hat es verstanden, so betonte der Rabbiner, mit Takt und Geschick, mit klugem Rat und eifriger Tat die Gemeinde zu leiten und für den religiösen Geist der Gemeinde zu wirken. Darüber hinaus hat er sich einen Namen im ganzen Judentum gemacht. Er war der Mitbegründer und stellvertretende Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in München und hat auch in den letzten Jahren mitgewirkt in der Reichsvertretung der Deutschen Juden. Der Rabbiner begrüßte zugleich am Schlusse den neu gewählten Vorstand, Herrn Direktor Ludwig Silberstein, Hierauf dankte Direktor Silberstein im Auftrage der Kultusverwaltung in herzlichsten Worten und hob nochmals die großen Verdienste des scheidenden Vorstandes hervor. Dann ergriff Justizrat Dr. Hommel selbst das Wort zum Abschied und ermahnte seine Gemeinde, im gleichen Gemein- und Opfersinn für das jüdische Wohl einzutreten. 
Am Schabbos Nachmittag fand im kleinen Kreise eine Ehrung für Frau Justizrat Hannchen Hommel statt. Bezirksrabbiner Dr. Köhler dankte im besonderen Auftrage der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, die Frau Justizrat Dr. Hommel im Jahre 1928 hier gegründet hat und überreichte ihr ein künstlerisch ausgefertigte Urkunde, durch die sie zum Ehrenmitglied des Frauenbundes ernannt wurde; er verlas auch ein herzlich gehaltenes Dankschreiben des Bayerischen Landesverbandes des Jüdischen Frauenbundes. Darauf sprach Frau Kommerzienrat Frieda Hirsch im Namen der Mitglieder der Ortsgruppe und übergab ein erinnerndes Ehrengeschenk. Frau Justizrat Dr. Hommel dankte und sprach die Hoffnung aus, dass es ihrer Nachfolgerin, der neuen Vorsitzenden, Frau Anna Köhler, gelingen möge, den Frauenbund geistig, gesellschaftlich und sozial weiter zu erhalten. Ein gemütliches Beisammensein schloss diese schlichte Feier.
Die Kultusverwaltung hat zur Erinnerung an ihren tüchtigen Vorstand sein Bild in würdiger Vergrößerung anfertigen und in ihrem Sitzungszimmer anbringen lassen."        

       
Zum Tod von Marianne Heinemann (1936)  

Schweinfurt Israelit 03121936.jpg (98540 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1936: "Im Altersheim zu Würzburg verstarb Frau Marianne Heinemann, die innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt viel Segensreiches gemeinsam mit ihrem vor 31 Jahren verstorbenen Gatten Carl Heinemann geleistet hatte. Carl Heinemann war der Begründer der Männer-Chewra Scheinfurt und bis zu seinem Tode in seltener Pflichttreue Synagogenvorstand. Viele Stiftungen religiöser und sozialer Art sind dem Ehepaare Heinemann zu verdanken. Frau Heinemann war mehr als 25 Jahre Vorstandsmitglied und Kassiererin des Israelitischen Frauenvereins Schweinfurt. Wegen dieser Verdienste war sie auch zum Ehrenmitglied des Israelitischen Frauenvereins ernannt worden. Bei der Beerdigung auf dem Friedhof in Gerolzhofen würdigte Bezirksrabbiner Dr. Köhler, Schweinfurt, ihre Verdienste, indem er ihre Leistung zugleich mit der jüdischen Tat ihres Gatten verglich. Er brachte den Dank der Gemeinde und der Institutionen zum Ausdruck, in denen Carl und Marianne Heinemann Hervorragendes gewirkt hatten, zum Besten unserer heiligen Tauroh (= Tora). Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."        
  
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1936: 
Derselbe Text wie in der Zeitschrift "Der Israelit", siehe oben.  

 
Tod des Kultusvorstandes Ludwig Silberstein (1937)  

Schweinfurt Bayr 15101937.jpg (108248 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1937: "Aus der Gemeinde Schweinfurt. Unsere Gemeinde wurde durch den Tod des 1. Kultusvorstandes in schwere Trauer versetzt. Ludwig Silberstein verstarb nach kurzer Krankheit und wurde hier unter großer Anteilnahme aller Kreise am 24. September 1937 beigesetzt. Es war ein Mann von seltener Herzensgüte und großem Idealismus, der gerade in den Zeiten des Zusammenbrechens immer wieder die Gemeinde mit allen seinen Kräften zusammenhielt und Segensreiches schaffen konnte für jeden Einzelnen in der Gemeinde. An der Bahre stand nicht nur die trauernde Gattin und um ihn weinten nicht nur die drei Kinder, die teilweise durch Meere getrennt dem Vater nicht das letzte Geleite geben konnten, sondern die Gemeinde und der Bezirk Schweinfurt. Dieser Trauer gab Herr Bezirksrabbiner Dr. Köhler, Schweinfurt, beredten Ausdruck. Nach ihm dankte für die Verwaltung der Kultusgemeinde Herr Amtsgerichtsrat Dr. Frank für den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und die Nachbargemeinde Würzburg Herr Justizrat Dr. Haas, Würzburg, für die Schule und die Jugend Herr Lehrer Berlinger, für die Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten und den Jüdischen Turnverein Herr M. Lehmann und für die Zionistische Ortgruppe und den Keren Hajessod Herr Dr. Justin Mohrenwitz.  
Das Andenken an diesen edlen Menschen und hilfsbereiten Juden wird nciht nur im Kreise seiner Lieben, sondern auch seiner Heimatgemeinde stets in Ehren fortleben."     

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen sowie Berichte zu jüdischen Gewerbebetrieben 
Der Toraschreiber (Sofer) B. Federlein zieht von Maßbach nach Schweinfurt (1867)  

Massbach Israelit 02011867.jpg (31281 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1867: "Ich zeige hiermit an, dass ich nicht mehr in Maßbach, sondern in Schweinfurt, Brückengasse Nr. 92, wohne und sind beständig Ritualien aller Art (Tefillot, Machsorim, Chamuschim, Talitim, Tefillin und Messusot) vorrätig bei mir zu haben. B. Federlein, Sofer (Toraschreiber)."  

     
Anzeige der Metzgerei L. Blumenthal (1885)
  

Schweinfurt Israelit 12011885.jpg (48399 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1885:   "Koscher   -  Koscher.   
Ich empfehle meine bekanntlich nur aus prima Qualität Ochsenfleisch gefertigte Fleischwurst (gut geräuchert) per Pfund 1 Mark 20 Pfennig, Cervelatwurst per Pfund 1 Mark 50 Pfennig, gut geräucherte (ausgebeinte) Ochsenbrust per Pfund 1 Mark 20 Pfennig, ausgezeichnetes Mikerfett (in Scheiben) per Pfund 65 Pfennig. 
Gefällige Aufträge werden in jedem Quantum prompt ausgeführt von 
L. Blumenthal, Metzger, Schweinfurt."  

   
Anzeige des Glas- und Porzellan-Engros-Geschäftes M. Salzer (1886)       

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1886: "Für mein Glas- und Porzellan-Engros-Geschäft suche einen mit der Branche vertrauten Commis 
sowie auch einen Lehrling mit guter Schulbildung. M. Salzer, Schweinfurt."        


Lehrlingssuchen des Engros- und Exportgeschäftes M. Salzer (1900 / 1907)   

Schweinfurt Israelit 16071900.jpg (42353 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1900
"Für mein Engros- und Exportgeschäft, Samstags und Feiertage streng geschlossen, suche zum baldigen Eintritt unter günstigen Bedingungen 
Lehrling 
mit einjährig-freiwilligem Berechtigungszeugnis. 
M. Salzer, Scheinfurt."    
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Januar 1907
"Für mein Engros- und Exportgeschäft, Samstag und Feiertage geschlossen, wird unter günstigen Bedingungen 
Lehrling
mit guter Vorbildung per sofort gesucht. 
M. Salzer,
Schweinfurt."      

     
Anzeige des Rohprodukten-, Alt-Eisen- und Metallgeschäftes Julius Hahn (1901)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1901: 
"Für mein Rohprodukten-, Alteisen- und Metall-Geschäft suche einen 
Lehrling
 
mit guter Schulbildung. Kost und Logis im Hause. Schabbat und Feiertag geschlossen. 
Julius Hahn

Schweinfurt."         

  
Anzeige von L. Lehmann (1903)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1903: 
"Lehrling
mit guter Schulbildung zum baldigen Eintritt gesucht. Schabbos und Jomtof (Feiertag) geschlossen. 
L. Lehmann, 
Schweinfurt.
"      


Metzgermeister S. Straußer sucht einen Gesellen (1903) 

Schweinfurt Israelit 07091903.jpg (28166 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1903: 
"Ein tüchtiger Metzgergeselle
der perfekter Wurstler ist, kann gegen hohen Lohn per 1. Oktober eintreten. 
S. Straußer, Schweinfurt a.M."     

    
Lehrlingssuche der Brot- und Feinbäckerei K. Sachs (1904)  

Schweinfurt Israelit 04021904.jpg (27732 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1904: 
"Ein ordentlicher 
Junge 
kann die Brot- und Feinbäckerei erlernen bei 
L. Sachs, Schweinfurt a.M., Oberestraße 16."   

  
Anzeige des Restaurants Strausser (1906) 
  

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 6. Juli 1906: 
"Eine perfekte Köchin 
bei hohem Lohn und gutem Nebenverdienst gesucht
Restaurant Strausser, Schweinfurt
."  

   
Frau Heussinger sucht eine Haushaltshilfe (1908)  

Schweinfurt FrfIsrFambl 04061908.jpg (39451 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Juni 1908: 
"Suche für kleinen Haushalt per August oder später ein braves tüchtiges 
Mädchen  
aus anständiger Familie für Küche und häusliche Arbeiten gegen guten Lohn. 
Frau Siegmund Heussinger, Schweinfurt, Spitalstraße".     

  
Neujahrsgrüße von Familie Jacob Ullmann (1915)  

Schweinfurt Israelit 08091915.jpg (32954 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1915: 
"Allen Verwandten und guten Freunden herzliche 
Neujahrs-Wünsche ('gute Einschreibung und Besiegelung'). 
Jacob Ullmann und Familie  Schweinfurt."     

  
Übersicht über einige rituelle Gaststätten in Unterfranken (1922)   

Schweinfurt Israelit 02031922.jpg (180957 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Schweinfurt, 20. Februar (1922). Aus der Reihe der rituell lebenden Geschäftsreisenden ist an den Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden in Bayern die Anregung ergangen, es mögen in einem Verzeichnis alle Orte zusammengestellt werden, in denen die Möglichkeit rituelles Verpflegung gegeben ist und speziell soll sich diese Liste auf Klein- und Mittelgemeinden erstrecken. Der 'Bund' hat diese Anregung durch Beschluss der jüngsten Generalversammlung stattgegeben und veröffentlicht hiermit eine erste Liste, zu deren Ergänzung er gleichzeitig alle in Betracht kommenden Faktoren, Vorstände, Lehrer, Schochetim, hiermit auffordert. Alle die hier angeführten Adressen, soweit es nicht Restaurants sind, verlangen eine jedesmalige Vorausbestellung des Essens. Wir bringen die Liste nach Rabbinatsdistrikten geordnet: 1. Rabbinatsdistrikt Aschaffenburg. Herr Rabbiner Dr. Breuer schreibt, dass die Herren Lehrer des Distrikts bereit sind, Reisende entweder selbst rituell zu verköstigen oder ihnen Häuser zu empfehlen, wo sie rituell verköstigt werden können.' 2. Rabbinatsdistrikt Bad Kissingen. Außer den ohnedies bekannten Restaurationen in Bad Kissingen, Bad Brückenau, Stadt Brückenau, werden genannt, Gemünden: Metzger Strauß. Geroda: Frau Moses Strauß. Heßdorf: Metzger Weichselbaum und Metzger Schild (Wurstwaren) und Frau Herz Forchheimer. Maßbach (statt Maßbrich): Metzger A.M. Marx. Oberthulba: Jakob Löwenfried. Poppenlauer: Frau Metzgermeister Sigmund Klein. Völkersleier: Heinrich Bergmann. Willmars: Lehrer Neumann und Siegfried Frank. (Diese unter 2. genannten Namen werden von den Vorständen und Lehrern als zuverlässig erklärt!). 3. Rabbinat Kitzingen. Kitzingen: Frau P. Adler Wwe., Landwehrstraße, L. Oppenheimer, Rosengasse, A. Schönfärber, Leidenhofstraße. 4. Rabbinat Neumarkt. Amberg: Lehrer Godlewsky, Sulzbürg (statt Sulzburg): Emanuel Regensburger.  5. Rabbinat Schweinfurt. Schweinfurt: Hotel Central (J. Straußer). Haßfurt: Metzger Cahn. Arnstein: Schochet Hermann Holländer.  6. Rabbinat Burgpreppach. Hofheim: Frau Strauß. Burgpreppach: Frau Steinhardt."     

   
Restaurateur in Schweinfurt gesucht (1924)  

Schweinfurt Israelit 20031924.jpg (65508 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1924: "Restaurateur gesucht! 
Seit Veräußerung des gutbekannten 'Hotel Central' besteht in hiesiger Gemeinde keine jüdische Restauration. 
Die Gemeinde hat nun geräumige 
Wirtschaftsräume mit Saal, Garten und Wurstküche
 
gepachtet und beabsichtigt diese an einen Restaurateur wieder zu verpachten. Tüchtigem Restaurateur ist damit die Möglichkeit zur Begründung einer guten Existenz geboten. Nur strengreligiöse Bewerber wollen sich ehestens melden und bei ihrer Bewerbung über seitherige Tätigkeit und Vermögensverhältnisse und auch darüber Mitteilung machen, ob sie allenfalls eine Tauschwohnung zur Verfügung stellen können. 
Schweinfurt, den 18. März 1924. Die Kultusverwaltung. Justizrat Dr. Hommel."     

   
Verlobungsanzeige von Hedwig Grünberg und Gustav Salzer (1924)     

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 3. April 1924: "Statt Karten.  
Hedwig Grünberg - Gustav Salzer.
Verlobte.  
Salzkotten (Westfalen) - Schweinfurt - Nürnberg, Wodanstraße 75. 
März 1924."     


Verlobungsanzeige von Marta Schäler und Fritz Hermann (1924)   

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 3. Juli 1924:
"Marta Schäler - Fritz Hermann. Verlobte.  
Schweinfurt
am Main - München Jacobsplatz 2. 
Juni 1924."    

 
Geschäftseröffnung eines rituellen Restaurant im Restaurant zum Burgfrieden (1927)  

Schweinfurt Israelit 02061927.jpg (78937 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2.Juni 1927: "Geschäftseröffnung
Dem sehr verehrlichen, reisenden Publikum die ergebenste Mitteilung, dass ich am 29. Mai in Schweinfurt-Main, Restaurant zum Burgfrieden, Theresienstraße 19, ein nach den strengsten Grundsätzen geführtes rituelles Restaurant und Wurstlerei- und Aufschnittgeschäft eröffnet habe. Referenz Rabbiner Dr. Stein, Schweinfurt. Zur Ausführung von Hochzeiten und anderweitigen Festlichkeiten, Gesellschaften und Kongressen stehen meine schönen Wirtschaftsräume zur Verfügung. Es wird mein Bestreben sein, mein Unternehmen nach den modernsten wirtschaftlichen Grundsätzen zu führen. An den Viehmärkten findet Verkauf warmer Würste auf dem Viehmarkt selber statt. Ich bitte das verehrliche Publikum um wohlwollende Unterstützung meines Unternehmens.  
Schweinfurt am Main, Mai 1927."    

  
Hochzeitsanzeige von Klara Stein und Dr. Hermann Galewski (1933)   

Schweinfurt Israelit 16031933.jpg (40071 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1933:  
"Klara Stein  -  Dr. Hermann Galewski   
beehren sich, ihre so Gott will am 22. März in Schweinfurt (Main) stattfindende Vermählung bekannt zu geben. 
Schweinfurt Schultestraße 54    -   Berlin-Charlottenburg 2  Mommsenstraße 66". 

    
"Arisierung" einer jüdischen Firma (1936)  

Schweinfurt JuedRundschau 23061936.jpg (33677 Byte)Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 23. Juni 1936: "Mit dem Sitz in Schweinfurt am Main und einer Zweigniederlassung in Düsseldorf ist laut 'Völkischem Beobachter' vom 20. Juni die Fränkische Weinessig- und Konservenfabrik G.m.b.H. gegründet worden. Die Errichtung der G.m.b.H. erfolgte, um die seit 1846 bestehende jüdische Firma L. Hirsch zu übernehmen, die in Schweinfurt und Düsseldorf die Gerstellung von Essig und Spirituosen betrieb; die in Leipzig bestehende Konservenfabrik wurde nicht mit übernommen."   

  
Nach 1945: Todesanzeige für Ida Keller geb. Stern (USA 1949)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom  22. April 1949: "Am 11. April entschlief nach langer Krankheit meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin, Tante, Cousine, Großmutter 
Ida Keller geb. Stern (früher Schweinfurt) im Alter von 69 Jahre. 
Im Namen aller Hinterbliebenen: Albert Keller   35 Ft. Washington Ave. New York 32, N.Y.  
Die Beerdigung hat in aller Stille stattgefunden. Es wird gebeten, von Kondolenzbesuchen abzusehen."      

 
 
Weitere Dokumente zu jüdischen Gewerbebetrieben und Privatpersonen  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; auch die Anmerkungen wurden erstellt auf Grund der Recherchen von Peter Karl Müller)       

Brief der Gebr. Hofmann aus Altenkunstadt 
an Jonas Nordschild in Schweinfurt (1868)
  
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Der Brief (nur Kuvert erhalten) der Gebrüder Hofmann aus Altenkunstadt wurde am 22. Dezember 1868 an Jonas Nordschild in Schweinfurt versandt.
Jonas Nordschild wurde am 12. April 1808 in Niederwerrn geboren und starb am 8. Oktober 1880 in Schweinfurt. Er war seit 1835 (in Niederwerrn) verheiratet mit Klara geb. Nordmann (geb. 8. Juli 1808 in Heßdorf, gest. 17. Mai 1865 und beigesetzt im jüdischen Friedhof in Euerbach, war die Witwe des Lehrers Salomon Kohn, der 1833 mit 32 Jahren an Typhus starb; die beiden hatten zwei Kinder, geb. 1830 und 1832 in Hessdorf). Das Ehepaar hatte unter anderem einen Sohn: Adolf Nordschild (geb. 31. Oktober 1844 in Niederwerrn). Jonas Nordschild kam als Wollhändler mit seiner Familie nach Schweinfurt. Noch 1856 wurde die Firma im Adressbuch als Wollenhandlung bezeichnet. Möglicherweise tätigte Jonas Nordschild damals bereits Wechselgeschäfte, später (wohl um 1861) gründete er dann das Bankhaus Jonas Nordschild in Schweinfurt - Am Markt 13/15. Im Bericht des St. Johannis - Zweigverein für freiwillige Armenpflege in Schweinfurt und das Waisen - und Rettungshaus Marienthal aus dem Jahr 1857 findet sich in der Liste der Wohltäter auch Jonas Nordschild.
Beim Absender handelt es sich um die Gebrüder Isaak und Leopold Hofmann von Altenkunstadt.  Der Tuchscherer Leopold Hofmann errichtete 1852 (1854) in der Steffelmühle (Wiesenmühle) eine Spinn- und Tuchfabrik, 1883 "Wollspinnerey und Färberwerkstätte" genannt, die später über die Erben an den Fabrikanten Silberstein überging. 1864 gibt es ein Gesuch der Gebrüder Leopold und Isaak Hofmann zur Erhöhung des Wehres in ihrer Fabrik in Weismain.
Quellen: http://www.geni.com/people/Jonas-Nordschild/6000000031254214178 (Hinweis: hier mehrere fehlerhafte Angaben)
http://www.pfiffikus.mainpost.de/regional/schweinfurt/Seit-100-Jahren-am-Marktplatz;art781,3279434 
http://www.gda-old.bayern.de/findmittel/ead/ansicht.php?fb=628&lft=109181&rgt=110974&alft=109393&argt=109430#ae 
http://www.obermain.de/lokal/altenkunstadt-burgkunstadt-weismain/art2415,58242,PRINT?_FRAME=33 
http://de.wikipedia.org/wiki/Steffelmühle 
http://www.obermain.de/lokal/altenkunstadt-burgkunstadt-weismain/art2415,223351    

     
Geschäftliche Karte an die 
Weinhandlung H. Gundersheimer (1882)
 
Schweinfurt Dok 734.jpg (121573 Byte) Schweinfurt Dok 734a.jpg (109739 Byte)

Die Karte an die Weinhandlung H. Gundersheimer wurde am 15. Mai 1882 aus Lichtenfels nach Schweinfurt geschickt. Hermann Gundersheimer (verheiratet mit Doris / Dorothea geb. Künstler) stammte aus Gochsheim, wo noch sein Sohn Samuel Gundersheimer (geb. 1874 in Gochsheim, gest. 1938 in Frankfurt) geboren ist. Letzterer war ab 1896 Inhaber der Großhandlung Samuel Gundersheimer in Würzburg.  

     
Karte von Jakob und H. Stern in
 Niederstetten an die Eisenhandlung 
Fa. Eisenheimer in Schweinfurt (1889)
 
Niederstetten Dok 179.jpg (93458 Byte) Niederstetten Dok 181.jpg (87465 Byte) Niederstetten Dok 180.jpg (28908 Byte)

Die Karte mit der Bestellung wurde von Niederstetten nach Schweinfurt am 4. Juli 1889 verschickt. Hinweis: auf etlichen Ortsseiten in der Website von "Alemannia Judaica" finden sich - allesamt aus der Sammlung von Peter Karl Müller - Karten, die an die Fa. Eisenheimer geschickt wurden; diese Karten werden - außer der obigen hebräisch geschriebenen Karte - nicht zusätzlich auf der Schweinfurter Seite wiedergegeben. Bei Interesse bitte über die Suchfunktion in der Eingangsseite "Eisenheimer" eingeben.   

      
Karte von Marie Brandis (Schweinfurt) 
nach Bamberg (1902)
  
Schweinfurt Dok 20130301.jpg (135184 Byte) 

Absender der am 6. Juli 1902 von Schweinfurt nach Bamberg verschickten Karte waren Marie Brandis und ihre Schwester, Empfängerin war eine Frau Heckel in Bamberg. 
Zur Absenderin und deren Schwester: Marie Brandis (geb. am  26. Juli 1865 in Mühlhausen, Mfr. als Tochter des Arztes Dr. Max Brandis, gebürtig aus Dormitz, Obfr. und der Babette Herzfelder, gebürtig aus Marktbreit). Die Familie Brandis zog noch vor 1900 von Mühlhausen nach Bamberg. Marie hatte noch fünf Geschwister. Marie Brandis war die Inhaberin einer Sprachschule in Bamberg, Vorderer Bach 7. Von 1911 bis zu ihrem Berufsverbot 1935 war Sie als Sprachlehrerin in Bamberg tätig. Am 9. September 1942 wurde Sie von Bamberg nach Theresienstadt deportiert und kam dort am 23. Januar 1943 ums Leben. Quellen: Gedenkbuch der Jüdischen Bürger Bambergs - S. 60;
http://www.franken-wiki.de/index.php/Gedenkstätten_für_die_Opfer_des_Nationalsozialismus_in_Franken (unter Bamberg, Vorderer Bach 7)

Die Schwester von Marie Brandis, die auf der Karte ebenfalls herzliche Grüße ausrichten lässt, ist mit ziemlicher Sicherheit Emma Brandis (geb. am 2. April 1860). Emma war die zweite Ehefrau des Witwers Markus Marx (Heirat 1897 Bamberg), der in Schweinfurt eine renommierte Weingroßhandlung betrieb (Weingroßhandlung Marcus Marx), die später sein Sohn mit zwei Neffen weiterführte bis zu deren "Arisierung". Das Ehepaar Marx verzog 1907 nach München. Emma Marx verstarb dort 1937. Quelle: Recherchen von Elisabeth Böhrer, Schweinfurt. 

     
Postkarte an die Weingroßhandlung
 Mohrenwitz und Söhne (1906)
  
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Die Postkarte mit Poststempel Pfreimd wurde an die Weingroßhandlung Mohrenwitz & Söhne in Schweinfurt verschickt am 5. August 1906 mit Ankunftsstempel Schweinfurt vom 5. August 1906. 
Die Weingroßhandlung Mohrenwitz & Söhne wurde 1828 in Sommerach gegründet. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts betrieben Isidor und Ludwig Mohrenwitz die vom Vater geerbte Weingroßhandlung und Likörfabrikation in Schweinfurt. Isidor Mohrenwitz war über viele Jahre hinweg aktives Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt. Bereits 1908 findet sich sein Name unter den gewählten Ersatzleuten zur Wahl der Ausschussmitglieder der israelitischen Kultusgemeinde. Auch noch 1929, in einem Zeitungsartikel zu den Vorstandswahlen ist bei der Wiederwahl sämtlicher Mitglieder der vergangenen Wahlperiode zur Wahl der Verwaltungsmitglieder der Name von Isidor Mohrenwitz zu finden. Ludwig Mohrenwitz lässt sich 1913 in den USA einen Heizungsapparat für Tafelware (Geschirr) patentieren. Er ist ebenfalls ein aktives Mitglied, sowohl als Schatzmeister im "Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in der Ortsgruppe Schweinfurt, wie auch als Mitglied der Schützengesellschaft Schweinfurt, bei der er 1928 beim Hauptscheibenschießen zum "Vogelkönig" - Schützenmeister 1928 der Schützengesellschaft Schweinfurt proklamiert wurde.
1935 übernahm Isidor Mohrenwitz's Sohn Rechtsanwalt Dr. Justin Mohrenwitz, durch das Berufsverbot der Nürnberger Gesetze an der Ausübung seines Berufes behindert, die Leitung der Weingroßhandlung. 1938 wurde Justin Mohrenwitz verhaftet und für 13 Monate ins KZ Buchenwald gebracht. Isidor Mohrenwitz (72 Jahre) wird Opfer der Pogromnacht in Schweinfurt und wird in Schutzhaft genommen. Isidor Mohrenwitz, von den Geschehnissen schwer mitgenommen (todkrank) und seine Frau Bettina blieben allein zurück, nachdem Tochter Anna zuvor noch die Auslösung ihres Bruders Justin aus der Haft im KZ Buchenwald gelang und beide ins Ausland emigrierten, Justin nach Großbritannien, Anna nach Australien. Die Jüngste der Geschwister, Ilse, war bereits 1935 nach Palästina/Israel ausgereist (siehe Dokument unten von 1935). Isidor Mohrenwitz starb 1941 in Schweinfurt. Seine Frau Bettina wurde am 22. April 1942 zuerst nach Würzburg und anschließend nach Krasnystaw deportiert, wo sie in Folge im KZ bei Izbica ermordet wurde. Vgl. für Quellen und weitere Informationen die Links unten beim Dokument von 1935.  

      
Postkarte an den Apotheker 
Sigo Bernheimer in Schweinfurt (1909)
 
Ichenhausen PK 113.jpg (91690 Byte) 
 'Die Postkarte wurde am 14. September 1909 an Sigo Bernheimer in Schweinfurt verschickt mit Glückwünschen zum (jüdischen) Jahreswechsel. 
   
Briefkopf der Fa. L. Hirsch, 
Weinbrennereien usw. (1930)
  
Schweinfurt Dok 735.jpg (146484 Byte) Schweinfurt Dok 735a.jpg (162152 Byte)

 Die Firma L. Hirsch, Weinbrennereien, Weinessig und Likörfabriken wurden 1845 gegründet; auf der Darstellung oben ist rechts die Fabrik in Schweinfurt abgebildet. 

     
Briefumschlag an Ilse Mohrenwitz 
auf der Überfahrt nach Palästina (1935)
  
Schweinfurt Dok 15064.jpg (141353 Byte) Schweinfurt Dok 15064a.jpg (109289 Byte)
Vgl. oben die Anmerkungen zur Postkarte an die Weingroßhandlung Mohrenwitz und Söhne (1906).
Der Brief von Bettina Mohrenwitz an ihre Tochter Ilse Mohrenwitz, Passagierin des Dampfers "Galilä" wurde versandt am 26. August 1935. Der Brief dokumentiert eine wichtige Station im Leben von Ilse Mohrenwitz. Am 25. August 1935 in Schweinfurt abgemeldet befindet sie sich einen Tag später bereits als Passagierin des Dampfers Galilä auf dem Weg nach Palästina, in Gedanken begleitet von ihrer Mutter Bettina Mohrenwitz, die Ihr bereits einen Tag nach der Abmeldung einen Luftpost-Brief sendet. Zum Schicksal von Bettina Mohrenwitz siehe oben.
Quellen: http://wir-wollen-uns-erinnern.de/wer_namen_id.php?eid=196 
http://www.histvereinwor.de/pdf2012/hvw_oase_schweinfurt_mohrenwitz.pdf 
http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Erinnerung-an-eine-Oase-des-Friedens;art742,6647831 
http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Ach-der-arme-Justin-sitzt-da-drin;art742,2028486 
http://www.kj-skrodzki.de/Dokumente/Text_010.htm 
Hinweis zu den Links: es gibt auch einen Bezug zu Else Lasker-Schüler, die wohl mit dem selben Dampfer einmal unterwegs war und dies literarisch festhielt.  
     

   
    
     

     

     

 

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Stand: 25. Juli 2017