Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Amberg (Oberpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagogen

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
Die mittelalterliche Gemeinde  
Vom Ende des 14. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts  
Die Gemeinde von 1894 bis 1942  
Die Gemeinde nach 1945  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Aus dem Gemeindeleben unmittelbar vor und in der NS-Zeit    
Zur Geschichte der Synagogen     
Mittelalterliche Synagoge 
19./20. Jahrhundert bis zur Gegenwart  
Wiedereinrichtung der Synagoge 1945  
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
Die mittelalterliche Gemeinde

In Amberg bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter.  Nach einem Privileg des Herzogs Rudolf I. von 1294 an die Stadt waren die hier lebenden Juden allein der Stadt untertan. 1298 wurden bei der sogenannten "Rindfleisch-Verfolgung" 13 Männer, Frauen und Kinder erschlagen. Die anderen Juden konnten durch den Rat der Stadt in Sicherheit gebracht werden. Auch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebten Juden in der Stadt. Nach 1320 werden die jüdischen Bürger Abraham von Amberg und David von Amberg in Nürnberg genannt. 1347 wurde die Zahl der Juden in Amberg auf sechs jüdische Familien beschränkt. Ob es während der Pestzeit 1348/49 zu einer Verfolgung in Amberg gekommen ist, ist nicht bekannt. 1355 werden jedenfalls wiederum Juden in der Stadt genannt. Zwischen 1357 und 1388 waren darunter auch einzelne Juden aus Bayreuth, Regensburg, Wien (?), Bingen, Velburg und Rothenburg (?). Die jüdischen Familien lebten insbesondere von den Einkünften aus dem Geldhandel und der Pfandleihe.  
  
An Einrichtungen der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde gab es im Bereich des mittelalterlichen jüdischen Viertels (um die jetzige Frauenkirche) eine Synagoge (s.u.). 1364 erhielt Rabbiner Süßmann das Recht zur Errichtungen eines jüdischen Schule (Jeschiwa) in Amberg, 1369 erhielt der Rabbiner Mosse von Wien (?) dasselbe Recht. Mit allen in der Pfalz lebenden Juden wurden auch die Amberger Juden 1391 auf Grund einer Weisung des Pfalzgrafen Ruprecht II. vertrieben. Zumindest ein Teil der Amberger Juden konnte sich in Nürnberg und Regensburg niederlassen.  
  
 
Vom Ende des 14. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts  

Fast 600 Jahre lang durften sich - zwischen 1391 und der Mitte des 19. Jahrhunderts - keine Juden in der Stadt niederlassen. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen regelmäßig in die Stadt nur einige der in Sulzbach lebenden jüdischen Händler. Näheres ist dem nachstehenden Artikel zu entnehmen.  

Sulzbach Orient 25061846a.jpg (105010 Byte)In den 1840er-Jahren wurde auch in Amberg die mögliche Aufhebung des Niederlassungsverbotes jüdischer Familien in Amberg diskutiert. In einem "offenen Schreiben" setzte sich der Sulzbacher Rabbiner Dr. Wolf Schlessinger im Juni 1846 mit einigen Behauptungen des (nichtjüdischen) Amberger Großhändlers, Magistratsrates und Abgeordneten im bayerischen Landtag Pfäffinger auseinander, der sich gegen die Niederlassung von Juden in Amberg ausgesprochen hatte.   
Teil eines Artikels in der Zeitschrift "Der Orient" vom 25. Juni 1846, worin Schlessinger den Abgeordneten Pfäffinger zitiert: "Sie sagen: 'Die Oberpfalz ist von diesem auserwählten Volke am meisten geplagt.' - Das begreife wer's vermag! Manche Kreise Bayerns zählen 15.000 jüdische Seelen, während in jenem Raum 800 wohnen. - 'Nach Amberg kommen alle Montage 8 patentisierte jüdische Kaufleute, und zum Teil auch deren Weiber, Söhne und Töchter, und bleiben daselbst auch bis Freitag, sie treiben allen möglichen Handel zum großen Nachteile aller übrigen Handelsleute.' - Tatsache aber ist, dass außer von Sulzbach kein patentisierter Jude nach Amberg kommt - weshalb ich mich auch ganz besonders veranlasst fühle, im Interesse meiner Gemeinde das Wort zu ergreifen. Tatsache ist es, dass gegenwärtig in Sulzbach nur noch sechs Männer und neun Witwen, welche meistens 60, 70, ja 80 Jahr alt sind, darum auch großenteils Stellvertreter angenommen, Patente haben, sage im Ganzen fünfzehn, von welchen Patenten aller Wahrscheinlichkeit nach in 10 Jahren schon über die Hälfte erloschen sein wird. Tatsache ist es, dass 9 dieser Patentisierten in verschiedenen anderen Gegenden der Oberpfalz ihre Geschäfte treiben, und dass nur 6 Patentisierte wirklich nach Amberg kommen, nämlich drei Männer, zwei ledige Söhne von Witwen und eine Witwe, von welchen 6 Personen aber 2 so sehr aller Mittel entblößt sind, dass sie gewiss keinem Kaufmann in Amberg noch je Schaden gebracht haben. Tatsache ist es endlich, dass auch nicht ein Einziger je Frau, Sohn oder Tochter bei sich hat; denn ein israelitischer Jüngling, der die polytechnische Schule dortselbst besucht, kann doch wahrhaftig nicht hierher gezählt werden. Diesen unwiderleglichen Tatsachen gegenüber, wird man doch wohl einer hohen Kammer und dem bayerischen Volke nicht im Ernst weiß machen wollen: 'Die Oberpfalz sei besonders von Juden geplagt, sie habe Schmerzen und müsse schreien'!!"  

  
Für jüdische Handelsleute ist der Aufenthalt in der Stadt weiterhin verboten (1859)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. April 1859: "Aus Bayern, Ende Februar (1859). Ein hochweiser Rat der Stadt Amberg (Oberpfalz) hat den israelitischen Handelsleuten bei Strafe untersagt, sich länger als 24 Stunden dort aufzuhalten, nachdem ihnen schon vor beiläufig einem Jahre die Handelspatente abgenommen werden sind. Vernehmen nach haben die Beteiligten dagegen Rekurs ergriffen".      

 
Die Gemeinde von 1894 bis 1942

Eine neue jüdische Gemeinde konnte sich erst wieder in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts - insbesondere durch Zuzug aus umliegenden jüdischen Gemeinde im Bereich der Oberpfalz (vor allem aus Sulzbach) - bilden. Unter den ersten Namen jüdischer Familien finden sich die der Familien Secklmann, Arnstein, Weinscheink und Oestreicher. Die Familien schlossen sich um 1880 zunächst zu einer "Israelitischen Vereinigung" zusammen. Im November 1894 erfolgte die Anerkennung als "Israelitische Kultusgemeinde". Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich bis um 1900 wie folgt: 1867 15 jüdische Einwohner (0,1 % von insgesamt 12.312), 1880 57 (0,4 % von 14.588), 1899 81 (0,5 % von 15.812), 1900 Höchstzahl von 101 (0,5 % von 22.039). Die jüdischen Familien eröffneten u.a. mehrere Einzel- und Großhandelsgeschäft in der Stadt (Schuh- und Textilgeschäfte, Kaufhaus, Bankgeschäft Haymann u.a.m.).

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde seit 1881 einen ersten Betraum, seit 1896 eine Synagoge (s.u.), seit 1899 eine israelitische Volksschule und seit 1927 einen eigenen Friedhof. Für den Religionsunterricht der Kinder und zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde wurde erstmals seit 1889 ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Als jüdische Lehrer werden genannt: Rosenthaler (1891), B. Gutmann (bis 1900), Elias Godlewsky (1900-1908, danach Lehrer in Nördlingen), Leopold Godlewsky (1908 bis nach 1938).

Amberg AZJ 03011889.jpg (39676 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Januar 1889: "Ein seminaristisch geprüfter, unverheirateter Religionslehrer, der zugleich das Amt eines Chasen (Vorbeter) und Schochet (Schächter) mit zu betätigen hat, wird per 1. März 1889 zu engagieren gesucht. Gehalt M. 900 per anno bei freier Wohnung. Zeugnisse und Gesuche sind zu richten an 
A. Oestreicher, Vorstand der israelitischen Vereinigung, Amberg, Oberpfalz (Bayern).   

Eine offizielle Zuteilung zu einem Rabbinat gab es zunächst nicht. Zur Synagogeneinweihung 1896 kamen die beiden Distriktsrabbiner Dr. Eckstein aus Bamberg und Dr. Weinberg aus Sulzbürg. 1924 war Amberg dem Distriktsrabbinat Sulzbürg-Neumarkt zugeteilt. Seit 1931 gehörte Amberg - nach Neuordnung der Rabbinatsbezirke - dem Rabbinatsbezirk Regensburg-Neumarkt an. 
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Adolf Kleinbauer (geb. 26.3.1876 in Sulzbach, gef. 20.10.1918) und Gefreiter Georg Wedel (geb. 31.12.1875 in Wormditt, Ostpreußen, gef. 26.4.1918). Der Name von Georg Wedel steht auf den Namenstafeln des Gefallenendenkmals in der Säulenhalle des alten Rathauses (Marktplatz). Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Josef Elkan (geb. 21.10.1894 in Amberg, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 10.8.1918). 
      
1924
gehörten 130 jüdische Personen zur jüdischen Gemeinde Amberg. Darunter waren 86 aus Amberg, 30 aus Schwandorf (seit 1903 waren die Schwandorfer Juden nach Amberg zugeteilt), 4 aus Haselmühle, 4 aus Witzelhof und 6 aus Nabburg. Dem jüdischen Gemeindevorstand gehörten die Herren Ernst Bloch, Leo Kleinbauer, Leopold Godlewsky und Michael Lorsch an. Leopold Godlewsky hatte die Ämter als "Prediger, Lehrer, Kantor und Schochet" der Gemeinde inne. Er erteilte an der Religionsschule der Gemeinde zehn Kindern Unterricht. An den öffentlichen Schulen wurden 25 Kinder von ihm unterrichtet. An jüdischen Vereinen gab es die "Israelitische Armenkasse" (Ziel: Wanderunterstützung; Vorsteher: Leopold Godlewsky), den Israelitischen Männerverein (bzw. Israelitische Männerchefroh, gegründet 1880, Vorsteher 1924 Michael Lorsch, 1932 Siegfried Neuhöfer, Ziele: Krankenpflege und Bestattung, 1932 20 Mitglieder) und den Israelitischen Frauenverein (Israelitische Frauenchefroh, gegründet 1880, 1924/32 unter Leitung von Fanny Haymann, 1932 20 Mitglieder, Ziele Krankenpflege und Bestattung). 1932 waren die jüdischen Gemeindevorsteher Siegfried Neuhöher (1. Vors.) und Siegfried Funkenstein (2. Vors. und Schatzmeister). Lehrer und Kantor war weiterhin Leopold Godlewsky. Zu den 63 jüdischen Gemeindegliedern aus Amberg kamen 1932 aus Schwandorf 24 Personen und Nabburg 5 Personen. Zudem wird (ohne Zahl jüdischer Einwohner) Burglengenfeld als Amberg zugeteilter Ort genannt.  

1933 lebten 83 jüdische Personen in der Stadt. Von ihnen konnten in den folgenden Jahren (bis 1941) zusammen 30 emigrieren, zehn verstarben in diesen Jahren, drei begingen Selbstmord. 1937 wurden der jüdischen Gemeinde Amberg auch die letzten der in Sulzbach lebenden jüdischen Einwohner zugeteilt. Dazu erschien am 1. Januar 1937 folgende Mitteilung:

Sulzbach Bayr GZ 01011937.jpg (71212 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1937: "Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg auf das Gebiet der politischen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg. Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg hat in ihrer Eigenschaft als Steuerverbandsvertretung am 1. November 1936 folgenden Beschluss gefasst. Gemäß Artikel 2 des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes dehnt die Israelitische Kultusgemeinde Amberg ihr Gebiet auf das Gebiet der politischen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg aus. 
Dieser Beschluss wird hiermit öffentlich bekannt gemacht. 
Den an der Umbildung Beteiligten, insbesondere den von der Umbildung betroffenen umlagenpflichtigen Bekenntnisgenossen, wird hiermit Gelegenheit zur Einsprache gegeben. Die Einsprache soll genau die Gründe darlegen, welche gegen die bekannt gegebene Umbildung geltend gemacht werden wollen. Die Einsprache muss binnen einer vom 20. Januar 1937 ab laufenden Frist von zwei Wochen bei der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg schriftlich eingereicht werden. Amberg, den 24. Dezember 1936. 
Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg: Bacharach, Vorstand.  Godlewsky, Schriftführer."

Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 s.u. bei der Synagogengeschichte. Die letzten jüdischen Einwohner Ambergs wurden 1942 deportiert.   
      
Von den in Amberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; überprüft, korrigiert und ergänzt durch die Forschungen von Dieter Dörner, Amberg (Stand: März 2010): David Ascher (1877), Frieda Ascher geb. Hirschfeld (1887), Dora Bacharach geb. Höflein (1894), Emil Bacharach (1887), Rudolf Hans Bacharach (1921), Elsa Baruch (1897), Ludwig Baruch (1892), Rosa Baruch (1894), Emma Behrens geb. Strauß (1905), Bruno Bloch (1920), David Bloch (1862), Ernst Bloch (1890),  Rosa Bloch geb. Schwarz (1893),  Ilse Gerda Funkenstein (1923), Paula Funkenstein geb. Eckstein (1896), Rolf Herbert Leo Funkenstein (1927), Siegfried Funkenstein (1922), Bella Godlewsky geb. Lang (1887), Ilse Godlewsky (1920), Leopold Godlewsky (1878), Fanny Haymann geb. Oppenheimer (1887), Ludwig Haymann (1890), Max Hellmann (1910), Anna Hörauf geb. Wangersheim (1895), Benno Isner (1869), Salomon Jakubowitsch (1872), Max Kehr (1893), Thekla Kehr geb. David (1893), Jakob Kirschbaum (1878), Max Kleinbauer (1909), Alter Chaim Kupfermann (1901), Chana Kupfermann geb. Stieber (1906), Erna Strauss geb. Weinschenk (1899), Heinz Otto Weinschenk (1930), Johanna (Hannchen) Weinschenk geb. Wimpfheimer (1886), Rose Weinschenk geb. Steinmann (1874), Adolf Zechermann (1876), Martha (Amalie) Zechermann geb. Strauß (1882).  
  
Nicht bestätigt werden konnten durch Dieter Dörner die Angaben zu den folgenden Personen, die in einigen Listen in Verbindung mit Amberg genannt werden; vermutlich haben sich diese Personen nur kurze Zeit in Amberg aufgehalten: Arthur Godlewsky (1891), Isidor Hirsch (1891), Maximilian Holzer (1909), Max Herbert M. Kohn (1881), Heinrich Lippmann (1882), Ludwig Löwenstein (1912), Wilhelm Löwenstein (1885), Berthold Mahler (1909), Ernst Alfred Seckendorf (1892), Adolf Strauss (1890=, Karl Strauss (1873), Max Moses Strauss (1879), Robert Weilheimer (1900), Lotte (Charlotte) Weinschenk geb. Frank (1872), Sally Weiß (1908), Moritz F. Wertheimer (1884), Rosa Westheimer geb. Stark (1883).  
Die NS-Zeit überlebt haben die in einigen Listen genannten Personen: Salli Isner geb. Östreicher (1896), Charlotte (Lotte) Weinschenk geb. Frank (1895).  
     
Unter den jüdischen DPs in Amberg sind 1945 bis 1948 verstorben: Bernd Adler (1912), Dora Bialo (1923), Albert Blau (1922), Cyna Dawid (1914), Mordche Elbaum (1913), Isaak Frenkel (1925), Moniek Grünberg (1908), Moszek Grünbberg (1908), Juda Grusniewski (1922), Max Hilfstein (1912), David Kaplan (1874), Roman Klejmann (1925), Eugen Kleinmann (1921), Lucer Klonsztam (1923), Chaim Kornreich (1927), Schulim Lang (1911), Josef Langsner (1911), Simon Leskowicz (1905), Saul Nussbaum (1875), Oeden Rathmann (1927), Erne Rottenstein (1914), Luba Schiulit (1925), Laib Jakob Seiden (1929), Josef Silberstein (1902), Jankiel Smuts (1884), Sultan Stern (1924), David Syna (1918), Milgrom Szymoin (1922), Sara Weinberg (1906), Imre Weiß (1929), Willi Wulkan (1926).    
        
        
        
Die Gemeinde nach 1945

1945 wurden in der Stadt zahlreiche jüdische Displaced Persons untergebracht (Überlebende von Konzentrationslagern/Überlebende der Todesmärsche vom KZ Flossenbürg nach Dachau und jüdische Flüchtlinge aus dem Osten), die eine neue jüdische Gemeinde begründeten. Bis 1948/50 handelte es sich um etwa 500 jüdische Personen, die in leerstehenden oder geräumten Kasernen sowie in Privatwohnungen untergebracht waren. Geistliches Oberhaupt der Gemeinde war Rabbiner Dr. Natan Zanger. Nach Gründung des Staates Israel (1948) ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder durch Auswanderungen jedoch schnell zurück. 1953 waren nur noch 41 jüdische Personen in der Stadt, 1989 26. 
In den 1990er-Jahren nahm die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder wieder zu durch die Zuwanderung von sogenannten "Kontingentflüchtlingen" aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Zur jüdischen Gemeinde gehören derzeit etwa 250 Personen (2007). 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Lehrer Rosenthaler bietet Bücher an (1891)

Amberg Israelit 09021891.jpg (27543 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1891: "Einzelne gut erhaltene Bünde zum Talmud à Mark 1 und Mark 1.50 bei J. Rosenthaler, Lehrer, Amberg (Bayern)."

  
Bitten des jüdischen Lehrers B. Gutmann um Unterstützung für die jüdischen Gefangenen in der Gefangenenanstalt Amberg (um 1900)

Amberg Israelit 15031900.jpg (77094 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1900: "Öffentliche Bitte. Unterzeichneter erlaubt sich, die Güte und Mildtätigkeit der Leser des "Israelit" zu folgendem Zwecke in Anspruch zu nehmen. In der hiesigen Gefangenenanstalt befinden sich zur Zeit sieben jüdische Gefangene. Nach § 25 der Hausordnung für die Gefangenenanstalten Bayerns ist es gestattet, dass den israelitischen Gefangenen während des Pessachfestes eine nach den Vorschriften unserer Religion zubereitete Kost verabreicht werden darf, für deren Aufbringung ich jedoch zu sorgen habe, indem von Seiten der Anstalt gesetzlich nichts geleistet wird. Da die Deckung der Kosten bedeutende Ausgaben verursacht, so sehe ich mich veranlasst, an alle wohltätigen Glaubensgenossen die innige Bitte zu richten, mich in der Ausführung des genannten Werkes durch Übersendung eines milden Beitrags unterstützen zu wollen. Auch die kleinste Beisteuer wird dankbarst akzeptiert und über den Empfang in diesen Blättern seinerzeit quittiert. B. Gutmann, Lehrer, Amberg." 
Amberg Israelit 07021901.jpg (80887 Byte)Anzeige von 1901 mit demselben Wortlaut wie oben, jedoch inzwischen von Lehrer E. Godlewsky unterzeichnet.  Amberg Israelit 10031902.jpg (86918 Byte)Anzeige von 1902 - damals waren zehn jüdische Gefangene zu betreuen. 

    
Artikel zu Dienstjubiläen des Lehrers Leopold Godlewsky:  25 und 30 Jahre in der Gemeinde Amberg tätig (1933 beziehungsweise 1938)

Amberg Bayr GZ 15071933.jpg (32514 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Juli 1933: "Amberg. Herr Oberlehrer Leopold Godlewsky kann am 1. August auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit dahier zurückblicken. Als religiöse und charaktervolle Persönlichkeit hat er es in Verbindung mit seiner gleichgesinnten Gattin verstanden, sich die Liebe und Wertschätzung nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch der ganzen Stadt in reichstem Maße zu erwerben. Ad multos annos!"
Amberg Israelit 03081933.jpg (61634 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" am 3. August 1933: "Amberg, 31. Juli. Am Schabbat Nachamu (Schabbat nach dem 9. Aw, an dem die Lesung aus Jesaja 40 'Tröstet, tröstet mein Volk' gelesen wird, = 5. August 1933) kann Herr Oberlehrer Leopold Godlewsky auf eine 25jährige, ersprießliche Tätigkeit in der Gemeinde Amberg mit Sulzbach und Schwandorf zurückblicken, nachdem er vorher in der Gemeinde Gerolzhofen 10 Jahre amtierte. Eine frommen und angesehenen Lehrerfamilie in Franken entstammend, wusste er deren Tradition allzeit hochzuhalten. Sein Name hat in der bayerischen Judenheit und darüber hinaus und besonders bei seinen Kollegen einen guten Klang. Durch seine berufliche Tüchtigkeit, seinen biederen Charakter, sein allzeit hilfsbereites Wesen, errang er sich die Wertschätzung und Achtung seiner Gemeinden und aller Schichten der Bevölkerung. Auch seine schriftstellerische Tätigkeit, besonders auf kulturhistorischem Gebiete, verdient hervorgehoben zu werden. (Alles Gute) bis 120 Jahre."
Amberg Israelit 07071938.jpg (23037 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1938: "Amberg, 4. Juli (1938). In diesen Tagen (10. Juli) kann Herr Oberlehrer Leopold Godlewsky auf einer vierzigjährige Amtstätigkeit zurückblicken. Hiervon treffen dreißig Jahre auf die Gemeinde Amberg mit Schwandorf und Sulzbach.   (Alles Gute) bis 120 Jahre."

   
Zum Tod der in Amberg verstorbenen Schwiegermutter von Lehrer Godlewsky: Frau Sophie Lang geb. Freudenthal (1928)
  

Burgkunstadt Israelit 28061928.jpg (137612 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1928: "Burgkunstadt (Oberfranken), 15. Juni (1928). Vor kurzem starb in Amberg (Oberpfalz) im Hause ihrer Tochter, wo sie Heilung von einem schweren Leiden suchte, im Alter von 73 Jahren, Frau Sophie Lang aus Burgkunstadt. Von frommen Eltern aus der Familie Freudenthal aus Tann v.d. Rhön abstammend, verpflanzte sie diese Tradition in ihre neue Heimat, wo sie an der Seite des ihr in die Ewigkeit vorausgegangenen gleichgesinnten Mannes ein echt jüdisches Haus gründete und durch alle Tugenden einer wackeren Frau dieses zu hoher Blüte brachte. Ihr gastliches Haus war nicht nur weit geöffnet, war nicht nur offen für die Bedürftigen, es stand nicht nur den Armen offen, es war auch ein Haus für die Weisen, denn Rabbiner und Lehrer waren ihre Verehrer und ein ideales Verhältnis verband sie mit ihnen . Sie war nicht nur lange Jahre Vorstandsmitglied der Frauenchewrah (Frauenverein), noch bis in ihre letzten Monate beteiligte sie sich aktiv an der gebotenen Sorge um die Toten. Vier Kinder fand sie bei ihrer Ehe vor und vier Kinder konnte sie noch ihre eigenen nennen. Doch mit Liebe umhegte sie sie allesamt und mit Selbstverleugnung löste sie ihre schwere Aufgabe. Ein halbes Jahr vor ihrem Tode sah sie zu ihrem Leidwesen ihren ältesten Sohn, den bewährten und frommen Kultusvorstand, Karl Lang - seligen Andenkens - einen Chawer in die Gruft sinken. Dieser Schicksalsschlag zehrte an ihrem Lebensmarke. Vor ihrer Überführung nach Nürnberg nahm ihr Schwiegersohn, Herr Lehrer Godlewsky in Amberg, in bewegten Worten Abschied von der teuren Verblichenen, und am Grabe in Nürnberg entwarf Herr Rabbiner Dr. Heilbronn - ein Freund ihres Vaterhauses - ein rührendes Bild von den Tugenden der Entschlafenen, worauf nochmals ihr Schwiegersohn ihr Vorzüge treffend hervorhob. Eine seltene Frau aus der Vergangenheit ist mit ihr dahingegangen. Das Andenken an die Fromme ist zum Segen."      

   
   
Berichte aWie ein Ritualmordvorwurf entstehen kann (1904)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1904: "Amberg. Bei der zweiten Sitzungsperiode des Schwurgerichts am königlichen Landgerichte Amberg kam zur Verhandlung Jakob Stadi, 35 Jahre alt, katholisch, verheiratet, Spengler von Heilinghausen, wegen Mordes, begangen an einem fünfjährigen Knaben. Dabei kam folgender interessanter Vorfall zur Sprache: 
Die Taglöhnersfrau Franziska Seidl von Heilinghausen lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen und hat drei Kinder, im Alter von sechs, fünf und drei Jahren zu ernähren. Etwa acht Tage vor dem Morde beklagte sich die Frau dem Stadi gegenüber, dass sie wenig Verdienst hätte, und es ihr in Folge dessen sehr schlecht ginge. Darauf sagte Stadi, sie solle einen Buben verkaufen. Auf die Frage der Zeugin, wohin, sagte Stadi an die Juden in Regensburg, denn diese brauchen Christen blut und stechen die Knaben zu diesem Zwecke ab. Die Frau gab nun ihrem Entsetzen darüber Ausdruck und hielt insbesondere das Sündhafte einer solchen Handlungsweise dem Stadi vor Augen, dieser aber erwiderte nur: 'Es gibt keinen Gott und keinen Teufel!'  
Es ist für uns wahrlich ein Glück zu nennen, dass der auf so grausame Weise ums Leben gekommene Knabe damals verhältnismäßig bald im Walde aufgefunden worden ist. Wer weiß, was dieser Unhold, der während der zweitägigen Verhaltung, trotz der erdrückendsten Verdachtsmomente, hartnäckig die Schuld von sich abzuwälzen suchte, nicht alles erdichtet hätte! Er wurde zum Tode verurteilt. 
Bietet uns dieser Einblick in die Denk- und Handlungsweise des Angeklagten ein Bild für die Höhe der sittlichen Anschauungen desselben, so können wir daraus auch die Entstehungsursache so manchen 'Ritualmordmärchens' erklären. Andererseits ist lobend hervorzuheben, dass Staatsanwalt wie Verteidiger bei Erwähnung dieses Vorfalles in ihren Plädoyers einmütig den Glauben an einen Ritualmord sowohl in diesem Fall, als auch in generellem Sinne ad absurdum führten.  E. Godlewsky, Lehrer".        
Hinweis: der Fall wird ausführlich dargestellt im Beitrag "Die Ermordung eines fünfjährigen Knaben. Aberglaube des Mörders" in: Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik. Hrsg. von Hans Gross Bd. 17 Leipzig 1904 - Erstes und zweites Heft S. 42-60. Link zu Google-Books

   
   

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
 
Goldene Hochzeit von
Heinrich und Emma Haymann am 1. März 1903

Amberg Israelit 16031903.jpg (80796 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1903: "Amberg, 1. März (1903). Goldene Hochzeitsfeier). Heute feierten das seltene Fest der goldenen Hochzeit Herr Heinrich und Frau Emma Haymann dahier in seltener Rüstigkeit des Körpers und des Geistes. Am Vorabende wurde dem Jubelpaare auf Veranlassung der hiesigen, israelitischen Kultusgemeinde eine ehrenvolle Huldigung in Form einer Serenade in ihrer Wohnung zuteil. Am Jubiläumstage fand unter zahlreicher Beteiligung aller Konfessionen Festgottesdienst in der hierzu prächtig geschmückten Synagoge statt. Herr Lehrer E. Godlewsky hielt eine von Herzen kommende und zu Herzen gehende, gediegene Ansprache, welche die hohe Bedeutung des Tages darlegte und den durch das ganze Leben des Jubelpaares stets bewiesenen Wohltätigkeits- und Frömmigkeitssinn pries. 
Sodann fand im Hause der Jubilare ein solennes Festmahl statt, gewürzt mit ernsten und heiteren Poesie und Prosa-Vorträgen, und hielt die Teilnehmer in freudigster Stimmung bis zum Abend beisammen. Es wird ihnen allen unvergesslich bleiben. Möge das Jubelpaar in gleicher Frische noch das diamantene Hochzeitsfest feiern."

   
Zum Tod von Heinrich Haymann im Februar 1907

Amberg Israelit 07031907.jpg (68117 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" am 7. März 1907: "Amberg, 5. März (1907). Am 7. Adar (21. Februar 1907) schied Herr Heinrich Haymann von hier im Alter von 79 Jahren aus dem Leben. Er ist der Gründer des an Sabbaten und Festtagen streng geschlossenen Bankhauses Haymann, welches nun von den Söhnen in demselben Sinne weitergeführt wird. Der Verblichene war wegen seiner aufrichtigen Frömmigkeit und seines Wohltätigkeitssinnes allgemein geachtet. Im nahen Sulzbach, woselbst er geboren ist und wo er bis vor 9 Jahren gewohnt war, war der Verewigte 20 Jahre Kassier der dortigen Gemeinde und fungierte 48 Jahre lang an den hohen Feiertagen in trefflicher Weise als Vorbeter. Die Lücke, die durch seinen Tod in unserer Gemeinde entstanden, ist schwer auszufällen. Möge Gott Trost senden in die Herzen derer, die durch den Verlust dieses Mannes in schmerzliche Trauer versetzt wurden.   Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens".

    
    

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeigen des Spezerei- und Landesproduktengeschäftes Emanuel Löwi (1890)

Amberg Israelit 16101890.jpg (22563 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1890: "Suche per sofort einen Lehrling für mein Spezerei- und Landesproduktengeschäft. Gute Schulzeugnisse erforderlich. Kost und Logis im Hause. 
Emanuel Löwi,
Amberg (Oberpfalz)."
   
Amberg Israelit 13111890.jpg (32153 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1890: "Suche für mein Landesproduktengeschäft en gros & en détail einen Lehrling mit gutem Schulzeugnis. Kost und Logis im Hause. 
Emanuel Löwi, Amberg (Bayern)."  

         
         
Aus dem Gemeindeleben unmittelbar vor und in der NS-Zeit    
Die NS-Zeit wirft ihre Schatten voraus - der Führer der Amberger Nationalsozialisten Stüdlein macht auf sich aufmerksam (1923)   

Amberg Israelit 29111923.jpg (130536 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1923: "München, 16. Oktober (1923). Wir lesen in der 'Central-Vereins-Zeitung':  Am Abend des vergangenen Dienstag befanden sich vier jüdische Amberger Bürger in der Synagoge bei einer Chorprobe. Gegen 11 Uhr abends erfolgte plötzlich eine schwere Detonation. Die vier Herren nahmen an, dass ein Anschlag auf die Synagoge erfolgt sei. deshalb fuhren zwei der Herren zur Polizeiwache, um von dem Vorfall Anzeige zu erstatten. Hier wurde ihnen mitgeteilt, dass vermutlich kein Anschlag auf die Synagoge geplant gewesen sei, weil der Führer der Amberger Nationalsozialisten, Stüdlein, an der nächsten Straßenecke bewusstlos aufgefunden worden sei. Es stellt sich heraus, dass eine Handgranate geworfen worden war, deren Abreißschnur neben Stüdlein lag. Irgendeine Verletzung wies Stüdlein nicht auf, wohl aber hatte er einen geladenen und entsicherten Revolver in der Hand. 
Am Mittwoch früh zwischen 4 und 5 Uhr wurden die vier Synagogenbesucher aus ihren Betten heraus ohne Angabe eines Grundes verhaftet, wie Schwerverbrecher in das Gerichtsgefängnis eingeliefert und abends 8 Uhr ohne Verhör wieder entlassen. Kein Wort der Entschuldigung wurde für nötig gehalten. 
Wie die Staatsanwaltschaft in ihrem amtlichen Bericht in Nr. 186 der 'Amberger Volkszeitung' selbst zugibt, hat sich im Laufe der Erhebungen gegen Stüdlein mehr und mehr der Verdacht verstärkt, dass er die Handgranate selbst geworfen habe, um 'für sich und seine Sache Aufsehen zu erregen'. Stüdlein befindet sich bis zur Stunde auf freiem Fuß. 
Man wird das Ergebnis der Untersuchung abwarten müssen. Es wird aber an der skandalösen Tatsache der Verhaftung von vier Synagogenbesuchern, die pflichtgemäß einen Handgranatenanschlag melden, nichts ändern können.'

  
Beleidigungsklage gegen Pfarrer Münchmeyer (1930)  
Anmerkung: Weitere Berichte mit Informationen zu diesem unklaren Sachverhalt wurden noch nicht gefunden. 

Amberg Israelit 23011930.jpg (57205 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1930: "Amberg. Vor dem Amtsgericht Amberg (Oberpfalz) war am 13. Januar Termin zur Verhandlung der Beleidigungsklage angesetzt, die die beiden Vorstande der Ortsgruppe Amberg des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Kaufmann Bloch und Studienassessor Godlewski, gegen den früheren Pfarrer Münchmeyer auf Borkum erhoben hatten. Da Münchmeyer Widerklage gegen die beiden Privatkläger erhoben hat, wurde zum Zwecke der Beschaffung von weiterem Beweismaterial gegen Münchmeyer die Verhandlung ausgesetzt und auf unbestimmte Zeit vertagt."  

   
Ausdehnung des Gebietes der jüdischen Gemeinde Amberg auf Sulzbach-Rosenberg (1937)  

Amberg Bayr GZ 01011937.jpg (110962 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1937: "Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg auf das Gebiet der politischen Gemeinde Sulzbach Rosenberg. Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg hat in ihrer Eigenschaft als Steuerverbandsvertretung am 1. November 1936 folgenden Beschluss gefasst. Gemäß Art. 2 des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes dehnt die Israelitische Kultusgemeinde Amberg ihr Gebiet auf das Gebiet der politischen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg aus. Dieser Beschluss wird hiermit öffentlich bekannt gemacht. Den an der Umbildung Beteiligten, insbesondere den von der Umbildung betroffenen umlagenpflichtigen Bekenntnisgenossen, wird hiermit Gelegenheit zur Einsprache gegeben. Die einsprach soll genau die Gründe darlegen, welche gegen die bekannt gegebene Umbildung geltend gemacht werden wollen. Die Einsprach muss binnen einer vom 20. Januar 1937 ab laufenden Frist von zwei Wochen bei der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg schriftlich eingereicht werden. Amberg, den 24. Dezember 1936. Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg: Bacharach, Vorstand. Godlewsky, Schriftführer."  

   
Aus dem Gemeindeleben 1936/37  

Amberg Bayr GZ 15011937.JPG (157712 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1937: "Aus dem Amberger Gemeindeleben. Am 1. November 1936 hielt die Kultusgemeinde Amberg ihre Jahresversammlung ab, die durch die Anwesenheit des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Salomon von Regensburg eine besondere Not erhielt. Der Gemeindevorstand, Landgerichtsrat i.R. Bacharach, gab einen umfassenden Jahresbericht, der sich insbesondere auf die Finanzgebarung der Gemeinde, die Kultuseinrichtungen, die Wohlfahrtspflege und die jüdische Winterhilfe erstreckte. Von besonderer Bedeutung für Amberg ist die Auflösung der Israelitischen Kultusgemeinde Sulzbach. Diese im Jahre 1666 gegründete Gemeinde, einst eine der größten und blühendsten jüdischen Gemeinden Bayerns, und weitesten Kreisen durch ihre hebräische Druckerei bekannt, hat aufgehört zu bestehen, nachdem anfangs Oktober 1936 die letzte Familie von Sulzbach nach Nordamerika ausgewandert ist. Die altehrwürdige Synagoge wurde schon vor einigen Jahren an die Stadtgemeinde Sulzbach-Rosenberg veräußert, die ein Museum darin eingerichtet hat. Im übrigen ging das Vermögen der aufgelösten Gemeinde auf die Nachbargemeinde Amberg über, die ihr Gebiet auf das Gebiet der politischen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg erstreckt hat. - Im Anschluss an die Versammlung fand in der festlich geschmückten Synagoge die feierlich Einführung des neuen Rabbiners unserer Gemeinde, Herrn Bezirksrabbiners Dr. Salomon von Regensburg, statt. Nach einer würdigen Begrüßung durch die Jugend sowie durch Ansprachen des Gemeindevorstands und der Oberlehrers und nach warmen Dankesworten des Herrn Bezirksrabbiners fand ein feierlicher Gottesdienst statt, der durch die Predigt des Herrn Rabbiners seine Weihe empfing.  
Am 13. Dezember 1936 versammelte sich die Gemeinde in der Synagoge zu einer Chanukka-Weihestunde, deren Programm - Ansprachen, Vorträge und musikalische Darbietungen - hauptsächlich von der Jugend bestritten wurde. 
 Am 20. Dezember 1936 trug die jugendliche Dichterin Hilde Marx aus eigenem Schaffen - Gedichte und Prosa - vor, so u.a. aus ihrer bekannten Gedichtsammlung 'Dreiklang', ferner auch einige Proben aus ihrem demnächst bei Brandus in Berlin erscheinenden Werk 'Ein Bündel Briefe. Durch ihre meisterhaft zu Gehör gebrachten Vorträge, in welchen sich das jüdische Schicksal unserer Zeit spiegelt, wusste sie ihre Zuhörer zu fesseln und bleibende Eindrücke in ihnen zu hinterlassen."  

 
Aus dem Gemeindeleben Winter 1936/37  

Amberg Bayr GZ 15031937.jpg (122177 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1937: "Aus der Gemeinde Amberg. Herr Bankier Karl Haymann und dessen Gattin Fanny geb. Oppenheimer, begingen am Sabbat Ki tissoh unter allgemeiner Beteiligung ihr goldenes Ehejubiläum. Die äußerst beliebte Familie, die durch große Wohltätigkeit sich hervorgetan hat, unterstützt nach alter Tradition - die Eltern des Jubilars konnten an demselben Tage vor 30 Jahren das gleiche Fest feiern - sowohl materiell wie ideell - die Jubilarin ist seit langen Jahren Vorsitzende des Frauenvereins - die Gemeindeinstitutionen. Herr Oberlehrer Godlewsky rühmte in zu Herzen gehenden Worten die vielen Verdienst des Jubelpaares unter dem Trauhimmel. Der Vorstand, Herr Landgerichtsrat a.D. Bacharach, übermittelte die Glückwünsche und den Dank der Gemeinde und für Herrn Haymann die Ehrenmitgliedschaft derselben. Ad meo weesrim schono! (Alles Gute) bis 120 Jahre.
Unsere kulturellen Veranstaltungen standen in der vergangenen Wintersaison auf einer besonderen Höhe. Abgesehen von den künstlerischen Leistungen von Frau Edith Herrenstadt - Oettingen, von Frl. Hilde Marx, der Sängerin Frau Irma Held - Landecker (Nürnberg) und deren Begleiterin Frl. Levi hielten wir besondere Weihestunden, in denen auch die Kleinen sich zeigen konnten. Kürzlich wurde die 500. Wiederkehr des Geburtsjahres Don Isaak Abravanels gefeiert, wobei Herr Oberlehrer Godlewsky den Festvortrag hielt. Herr Godlewsky und unser Vorstand, Herr Landgerichtsrat a.D. Bacharach, trugen zum Gelingen dieser Veranstaltungen durch Wort und Tat bei. Auch unser Jugendbundführer Rolf Bacharach sei hier durch seine verständnisvolle Tätigkeit rühmend erwähnt. Sämtlich Veranstaltungen erfreuten sich von hiesigen und auswärtigen Mitgliedern, besonders von Schwandorf, regesten und freundlichsten Zuspruches."   

   
   
   
Zur Geschichte der Synagogen  
 
Mittelalterliche Synagoge

Amberg Frauenkirche 010.jpg (12092 Byte)Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden, die 1384 als "Judenschule" genannt wird. Sie stand bis 1391 innerhalb der ältesten Stadtbefestigung (Südwestteil). Ihr gegenüber war ein "Judenhaus". Nach der Ausweisung der Juden 1391 wurde die Synagoge abgebrochen und auf ihrem Platz Anfang des 15. Jahrhunderts eine dreischiffige Frauenkirche erbaut (der Dachreiter ist erst von 1877). 

Foto links: die Frauenkirche (Frauenplatz 1) im Bereich des mittelalterlichen jüdischen Viertels um den Frauenplatz (Quelle des Fotos: Pfarrei St. Martin, Amberg

 
19./20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neu entstandene jüdische Gemeinde konnte sich zunächst einen Betsaal einrichten (1881). Im August 1896 konnte ein "äußerst schönes und praktisches, ruhig gelegenes Haus" erworben werden. Im Erdgeschoss wurde ein Betsaal eingebaut. Über die Einweihung der Synagoge am 12. Januar 1897 liegt folgender Bericht vor: 

Amberg Syn Israelit 14011897.jpg (122480 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1897: "Amberg (Bayern), 12. Januar 1897 (Synagogeneinweihung). Etwa 18 Jahre bildeten die hiesigen, 18 Familien zählenden Israeliten eine freie Vereinigung, seit November 1894 eine staatlich anerkannte israelitische Kultusgemeinde. Im August 1896 kauften wir ein äußerst schönes und praktisches, ruhig gelegenes Haus, in dessen Parterre-Räumlichkeiten wir, mit Hilfe von Spenden Hiesiger und Auswärtiger, darunter eine hochherzige Gabe von M. 5.000 von Frau Baronin von Hirsch-Gereuth in Paris, einen verhältnismäßig sehr schönen, mit Gasbeleuchtung eingerichteten Betsaal einrichteten. 
Zur Zeit haben wir noch keinen Anschluss an ein Rabbinat und so hielt Herr Dr. A. Eckstein, Distrikts-Rabbiner von Bamberg die Weiherede, dessen Worte einen tiefen Eindruck auf Juden und Christen, welche unserer Einladung zahlreich folgten, hinterließ. Herr Bürgermeister Heldmann, in Amts-Uniform mit der großen goldenen Halskette, nahm aus der Hand des Fräulein G. Theimer, welche den von Herrn Distriktsrabbiner Dr. M. Weinberg in Sulzbürg (Oberpfalz), verfassten Prologvortrag, den goldenen Schlüssel und versprach in erhebender, feierlicher Weise, dass die Stadt die Synagoge als Gotteshaus schützen werde, gleichzeitig der Gemeinde Glückwünsche darbringend. 
Hierauf folgten in würdiger Weise die üblichen Einweihungszeremonien. Am Abende vorher sandte der protestantische Dekan Herr Weigl unserer Vorstandschaft ein herzliches Glückwunschschreiben zur Einweihung und die Bekundung seiner Freude, dass nun auch wir ein würdiges Gotteshaus gefunden haben. 

Besondere Verdienste um den Bau der Synagoge hatte Kaufmann Jakob Weinschenk, der damals Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg. Daran wurde noch anlässlich seines Todes 1912 in München erinnert. 

Amberg FrfIsrFambl 12011912.jpg (31053 Byte)Artikel in "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Januar 1912: "München. Am 1. Januar starb hier der Kaufmann Jakob Weinschenk, früher in Amberg wohnhaft. Seinen Bemühungen ist es gelungen, dass die dortige Gemeinde über eine schöne Synagoge verfügt. Er war auch längere Zeit Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Amberg." 

Gut 40 Jahre blieb die Synagoge Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde in Amberg. Zu nationalsozialistischen Anschlägen kam es in Amberg recht früh. Im August 1923 hatte der Ortsgruppenleiter der NSDAP eine Handgranate vor die Synagoge geworfen. 

Amberg CV-Zeitung 23081923.jpg (141058 Byte)Artikel in der C.V. (Centralvereins-)Zeitung vom 23. August 1923: "Handgranate vor der Amberger Synagoge. Merkwürdige Verhaftungen. Am Abend des vergangenen Dienstag befanden sich vier jüdische Amberger Bürger in der Synagoge bei einer Chorprobe. Gegen 11 Uhr abends erfolgte plötzlich eine schwere Detonation. Die vier Herren nahmen an, dass ein Anschlag auf die Synagoge erfolgt sei. Deshalb fuhren zwei der Herren zur Polizeiwache, um von dem Vorfall Anzeige zu erstatten. Hier wurde ihnen mitgeteilt, dass vermutlich kein Anschlag auf die Synagoge geplant gewesen sei, weil der Führer der Amberger Nationalsozialisten, Stüdlein, an der nächsten Straßenecke bewusstlos aufgefunden worden sei. Es stellte sich heraus, dass eine Handgranate geworfen worden war, deren Abreißschnur neben Stüdlein lag. Irgendwelche Verletzung wies Stüdlein nicht auf, wohl aber hatte er einen geladenen und entsicherten Revolver in der Hand. 
Am Mittwoch früh zwischen 4 und 5 Uhr wurden die vier Synagogenbesucher aus ihren Betten heraus ohne Angabe eines Grundes verhaftet, wie Schwerverbrecher in das Gerichtsgefängnis eingeliefert und abends 8 Uhr ohne Verhör wieder entlassen. Kein Wort der Entschuldigung wurde für nötig gehalten. Wie die Staatsanwaltschaft in ihrem amtlichen Bericht in Nr. 186 der 'Amberger Volkszeitung' selbst zugibt, hat sich im Laufe der Erhebungen gegen Stüdlein mehr und mehr der Verdacht verstärkt, dass er die Handgranate selbst geworfen habe, um 'für sich und seine Sache Aufsehen zu erregen.' Stüdlein befindet sich bis zur Stunde auf freiem Fuß. Man wird das Ergebnis der Untersuchung abwarten müssen. Es wird aber an der skandalösen Tatsache der Verhaftung von vier Synagogenbesuchern, die pflichtgemäß einen Handgranatenanschlag melden, nichts ändern können."

Nach 1933 wurde die Mittelpunktsfunktion der Synagoge für das jüdische Gemeindeleben noch verstärkt. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und Vorträge fanden in ihr Stadt. Auf Gemeindeversammlungen wurden Auswanderungsfragen besprochen. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch SA-Männer aus der Stadt zerstört. Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Josef Filbig hatte zuvor zu den SA-Männern gesprochen und sie in ihrem Tun bestärkt. Die Trümmer der Synagoge wurden auf einem Platz vor dem Gebäude verbrannt. Dabei schauten viele Stadtbewohner zu. Ein SA-Mann zog sich einen Gebetsmantel über und tanzte um das Feuer. Jüdische Einwohner wurden durch die Straßen geschleppt.

Im November 1947 fand vor dem Landgericht Amberg ein Prozess gegen 16 Teilnehmer der Ausschreibungen vom November 1938 statt. Zwölf von ihnen erhielten Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr und acht Monaten. Vier wurden freigesprochen. Ein weiterer Beteiligter wurde im Mai 1950 zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt.     

Wiedereinrichtung der Synagoge 1945

1945
wurde von den in der Stadt untergebrachten jüdischen "Displaced Persons" die Gemeinde neu begründet. Am 15. August 1945 konnte wieder ein Gottesdienst in der ehemaligen Synagoge stattfinden. Die Synagoge wurde schnell Mittelpunkt des Lebens der neu entstandenen jüdischen Gemeinde und ist es bis zur Gegenwart geblieben. Der Zuwachs der Gemeindeglieder macht 2003/05 eine Vergrößerung des Gemeindesaales notwendig. 
    
Adresse/Standort der SynagogeSalzgasse 5
   
Das Synagogengebäude ist auch die derzeitige Adresse der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg: Salzgasse 5, 92224 Amberg, Tel.: ++(0)9621 - 13140 (Vorsitzender Ignaz Berger), vgl. Internet: Informationsseite des Zentralrates der Juden in Deutschland zur Gemeinde Amberg.  
    
    
Fotos    

Die Synagoge im August 2007 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 24.8.2007)
  
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Die Synagoge an der Salzgasse Blick zur Stadtkirche von der Synagoge
   
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    Inschrift über Eingangsportal: "Gesegnet
 ist, der kommt im Namen des HERRN..."
 (Psalm 118,26)  
Davidstern und Gebotstafeln 
über dem Eingangsportal 
   
     
   Amberg Synagoge 121.jpg (19806 Byte)  
  Im Betsaal der Gemeinde 
(Quelle: www.synagogenprojekt.de)
  
        
Schüler und Schülerinnen aus Amberg besuchen die Synagoge 
(
Aufnahmen aus der Website des Gregor-Mendel-Gymnasiums Amberg)
   
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Blick in den Betsaal mit der 
Schülergruppe
Blick über den Vorlesepult 
(Bima)
   
      
Amberg Synagoge 133.jpg (100550 Byte) Amberg Synagoge 134.jpg (89728 Byte)   
Bima  Torarollen    
     

   
    

Links und Literatur  

Links:

Website der Stadt Amberg  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Amberg (interner Link)  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 13-14; II,1 S. 13-15.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 75-77.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 270-271.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 153-155.
Norbert Flach: Spurensicherung. Amberg und der Landkreis unter dem Hakenkreuz. Frankfurt 1993².
Dieter Dörner: Juden in Amberg - Juden in Bayern.Verlag Eckhard Bodner. Pressath 2003.
ders.: Juden in Amberg - Niedergang und Neuanfang. 2006.

Buchbesprechung zum letztgenannten Buch aus der "Amberger Zeitung" (Quelle
Niedergang und Neuanfang Amberger Juden -
Kreisheimatpfleger Dieter Dörner veröffentlicht zweites Buch - Erste Gottesdienste am 15. August 1945 

Amberg. Vor drei Jahren veröffentlichte Kreisheimatpfleger Dieter Dörner das Buch "Juden in Amberg - Juden in Bayern". Danach sprachen die Jüdische Gemeinde Amberg und die Universität Erlangen den Herausgeber, der auch Stadt- und Kulturführer ist, an, doch auch über die Anfänge der Nachkriegsgemeinde zu recherchieren. So entstand Dörners zweites Buch "Juden in Amberg - Niedergang und Neuanfang", das 234 Seiten stark und für 16,90 Euro im Buchhandel erhältlich ist. Der Autor: "Da Namen wie Weinschenk, Godlewsky oder Zechermann noch vielen Ambergern in Erinnerung sind, wiederholt sich in der Neuauflage die Zeit von 1933 bis 1945, ergänzt mit durch Presse und Film berühmt gewordenen jüdischen Namen und deren Schicksalen."
Zum Tode verurteilt. Zum Beispiel Leo Katzenberger. Er war Schuhfilialist in Nürnberg und der einzige Jude, der im Dritten Reich wegen angeblicher Rassenschande von einem Gericht zum Tode verurteilt wurde. Katzenberger wohnte nie in Amberg, doch ihm gehörte das Schuhgeschäft Springmann am Marktplatz, das von einer nichtjüdischen Angestellten geführt wurde. Gut sind vielen Ambergern laut Dörner auch die Juden der Vorkriegsgemeinde in Erinnerung. Wenig wisse man aber über die viel größere Zahl der jüdischen "Displaced Persons" der Nachkriegsgemeinde. Darunter versteht man alle nach dem Krieg verbliebenen Personen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Konzentrationslagerhäftlinge - insgesamt sieben bis acht Millionen Menschen, darunter etwa 80 000 Juden. Letztere waren vor allem Überlebende der Konzentrationslager. Der Autor: "Die ersten befanden sich sicher schon vor der Besetzung Ambergs am 22. April 1945 zumindest im Landkreis." Es waren Juden der im Raum Schwarzenfeld/Schwandorf aufgelösten Todesmärsche vom Konzentrationslager Flossenbürg nach Dachau. Amberg hatte ein intaktes Lazarett, leerstehende oder geräumte Kasernen und eine zumindest baulich relativ intakte Synagoge. In ihr wurden bereits am 15. August 1945 die Gottesdienste wieder aufgenommen.
Synagoge erste Anlaufstelle. Für die Zeit von 1945 bis 1950 lassen sich etwa 500 in Amberg wohnende jüdische "Displaces Persons" nachweisen. Für alle war die Synagoge die erste Anlaufstelle. Männer und Frauen, die jüdisches Leben wieder erwecken wollten, ergriffen die Initiative, hielten Gottesdienste, gründeten eine Schule, schufen eine Gemeinschaftsküche und unterhielten einen Fußballklub. Rabbiner Dr. Natan Zanger war der Motor der Gemeinde. Wie ging es weiter? Die Bestandsaufnahme des Buches endet 1950. Die meisten "Displaced Persons" wanderten aus, viele Junge zogen in Großstädte. Dörner: "Es war eine schleichende Dezimierung der Nachkriegsgemeinde. Sie war zum Zeitpunkt der Wende nicht mehr lebensfähig." Mit den so genannten Kontingentjuden aus den GUS-Staaten, heute etwa 200 in Amberg, kam neues Leben mit neuen Hoffnungen und neuen Problemen in die Gemeinde.
 

 

Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Amberg S. 229-236 (die Forschungsergebnisse konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica"  noch nicht eingearbeitet werden).

    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Amberg  Upper Palatinate. Jews were present in the 13th century. In the Rindfleisch massacres of 1298, 13 were murdered and in 1403 all were expelled. The community was renewed in the 1850s and 1860s and numbered 101 in 1900 (total 22.039). The independent community dates from 1896 and a synagogue was dedicated in 1898. Also attached to it were the communities of Schwandorf, Schnaittenbach and Nabburg. In 1933 there were 64 Jews in Amberg. By 1941, 17 had emigrated and 23 moved to other cities of Germany. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the interior of the synagogue was destroyed and Jews were sent to the Dachau concentration camp. Of the 12 remaining Jews, seven were sent to Piaski in the Lublin district (Poland) on 2 April 1942 and three to the Theresienstadt ghetto via Regensburg on 23 September.   
          
            

                   
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Stand: 07. September 2013