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Amberg (Oberpfalz)
Jüdische Geschichte / Synagogen
Übersicht
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
Die mittelalterliche Gemeinde
In Amberg bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter.
Nach einem Privileg des Herzogs Rudolf I. von 1294 an die Stadt waren die
hier lebenden Juden allein der Stadt untertan. 1298 wurden bei der
sogenannten "Rindfleisch-Verfolgung" 13 Männer, Frauen und Kinder
erschlagen. Die anderen Juden konnten durch den Rat der Stadt in Sicherheit
gebracht werden. Auch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebten Juden in
der Stadt. Nach 1320 werden die jüdischen Bürger Abraham von Amberg und David von Amberg in Nürnberg genannt. 1347 wurde die Zahl der Juden in Amberg
auf sechs jüdische Familien beschränkt. Ob es während der Pestzeit 1348/49 zu
einer Verfolgung in Amberg gekommen ist, ist nicht bekannt. 1355 werden
jedenfalls wiederum Juden in der Stadt genannt. Zwischen 1357 und 1388 waren
darunter auch einzelne Juden aus Bayreuth, Regensburg, Wien (?), Bingen, Velburg
und Rothenburg (?). Die jüdischen Familien lebten insbesondere von den
Einkünften aus dem Geldhandel und der Pfandleihe.
An Einrichtungen der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde gab es im
Bereich des mittelalterlichen jüdischen Viertels (um die jetzige Frauenkirche) eine
Synagoge (s.u.). 1364 erhielt Rabbiner Süßmann das Recht zur
Errichtungen eines jüdischen Schule (Jeschiwa) in Amberg, 1369 erhielt der
Rabbiner Mosse von Wien (?) dasselbe Recht. Mit allen in der Pfalz lebenden
Juden wurden auch die Amberger Juden 1391 auf Grund einer Weisung des
Pfalzgrafen Ruprecht II. vertrieben. Zumindest ein Teil der Amberger Juden
konnte sich in Nürnberg und Regensburg niederlassen.
Vom Ende des 14. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
Fast 600 Jahre lang durften sich - zwischen 1391 und der Mitte des 19.
Jahrhunderts - keine Juden in der Stadt niederlassen. Noch in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen regelmäßig in die Stadt nur einige der in
Sulzbach lebenden jüdischen Händler. Näheres ist dem nachstehenden Artikel zu
entnehmen.
In
den 1840er-Jahren wurde auch in Amberg die mögliche Aufhebung des
Niederlassungsverbotes jüdischer Familien in Amberg diskutiert. In
einem "offenen Schreiben" setzte sich der Sulzbacher Rabbiner
Dr. Wolf Schlessinger im Juni 1846 mit einigen Behauptungen des
(nichtjüdischen) Amberger Großhändlers, Magistratsrates und
Abgeordneten im bayerischen Landtag Pfäffinger auseinander, der sich
gegen die Niederlassung von Juden in Amberg ausgesprochen hatte.
Teil eines Artikels in der Zeitschrift "Der Orient" vom 25. Juni
1846, worin Schlessinger den Abgeordneten Pfäffinger zitiert: "Sie
sagen: 'Die Oberpfalz ist von diesem auserwählten Volke am meisten
geplagt.' - Das begreife wer's vermag! Manche Kreise Bayerns zählen
15.000 jüdische Seelen, während in jenem Raum 800 wohnen. - 'Nach Amberg
kommen alle Montage 8 patentisierte jüdische Kaufleute, und zum Teil auch
deren Weiber, Söhne und Töchter, und bleiben daselbst auch bis Freitag,
sie treiben allen möglichen Handel zum großen Nachteile aller übrigen
Handelsleute.' - Tatsache aber ist, dass außer von Sulzbach
kein patentisierter Jude nach Amberg kommt - weshalb ich mich auch ganz
besonders veranlasst fühle, im Interesse meiner Gemeinde das Wort zu
ergreifen. Tatsache ist es, dass gegenwärtig in Sulzbach nur noch sechs
Männer und neun Witwen, welche meistens 60, 70, ja 80 Jahr alt sind,
darum auch großenteils Stellvertreter angenommen, Patente haben, sage im
Ganzen fünfzehn, von welchen Patenten aller Wahrscheinlichkeit nach in 10
Jahren schon über die Hälfte erloschen sein wird. Tatsache ist es, dass
9 dieser Patentisierten in verschiedenen anderen Gegenden der Oberpfalz
ihre Geschäfte treiben, und dass nur 6 Patentisierte wirklich nach Amberg
kommen, nämlich drei Männer, zwei ledige Söhne von Witwen und eine
Witwe, von welchen 6 Personen aber 2 so sehr aller Mittel entblößt sind,
dass sie gewiss keinem Kaufmann in Amberg noch je Schaden gebracht haben.
Tatsache ist es endlich, dass auch nicht ein Einziger je Frau, Sohn oder
Tochter bei sich hat; denn ein israelitischer Jüngling, der die
polytechnische Schule dortselbst besucht, kann doch wahrhaftig nicht hierher
gezählt werden. Diesen unwiderleglichen Tatsachen gegenüber, wird man
doch wohl einer hohen Kammer und dem bayerischen Volke nicht im Ernst
weiß machen wollen: 'Die Oberpfalz sei besonders von Juden geplagt, sie
habe Schmerzen und müsse schreien'!!" |
Die Gemeinde von 1894 bis 1942
Eine neue jüdische Gemeinde konnte sich erst wieder in der 2. Hälfte
des 19. Jahrhunderts - insbesondere durch Zuzug aus umliegenden jüdischen
Gemeinde im Bereich der Oberpfalz (vor allem aus Sulzbach)
- bilden. Unter den ersten Namen jüdischer Familien finden sich die der
Familien Secklmann, Arnstein, Weinscheink und Oestreicher. Die Familien
schlossen sich um 1880 zunächst zu einer "Israelitischen Vereinigung"
zusammen. Im November 1894 erfolgte die Anerkennung als
"Israelitische Kultusgemeinde". Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich
bis um 1900 wie
folgt: 1867 15 jüdische Einwohner (0,1 % von insgesamt 12.312), 1880 57
(0,4 % von 14.588), 1899 81 (0,5 % von 15.812), 1900 Höchstzahl von 101 (0,5
% von 22.039). Die jüdischen Familien eröffneten u.a. mehrere Einzel- und
Großhandelsgeschäft in der Stadt (Schuh- und Textilgeschäfte, Kaufhaus, Bankgeschäft
Haymann u.a.m.).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde seit 1881 einen ersten
Betraum, seit 1896 eine Synagoge (s.u.), seit 1899 eine israelitische
Volksschule und seit 1927 einen eigenen Friedhof.
Für den Religionsunterricht der Kinder und zur Besorgung der religiösen Aufgaben der
Gemeinde wurde erstmals seit 1889 ein Religionslehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Als jüdische Lehrer werden
genannt: Rosenthaler (1891), B. Gutmann (bis 1900), Elias Godlewsky (1900-1908, danach Lehrer in
Nördlingen), Leopold Godlewsky (1908 bis nach 1938).
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Januar 1889:
"Ein seminaristisch geprüfter, unverheirateter Religionslehrer, der
zugleich das Amt eines Chasen (Vorbeter) und Schochet (Schächter) mit zu
betätigen hat, wird per 1. März 1889 zu engagieren gesucht. Gehalt M.
900 per anno bei freier Wohnung. Zeugnisse und Gesuche sind zu richten an
A. Oestreicher, Vorstand der israelitischen Vereinigung, Amberg, Oberpfalz
(Bayern). |
Eine offizielle Zuteilung zu einem Rabbinat gab es
zunächst nicht. Zur Synagogeneinweihung 1896 kamen die beiden Distriktsrabbiner
Dr. Eckstein aus Bamberg und Dr. Weinberg aus Sulzbürg. 1924 war Amberg
dem Distriktsrabbinat Sulzbürg-Neumarkt zugeteilt. Seit 1931 gehörte Amberg - nach
Neuordnung der Rabbinatsbezirke - dem Rabbinatsbezirk Regensburg-Neumarkt
an.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Adolf
Kleinbauer (geb. 26.3.1876 in Sulzbach, gef. 20.10.1918) und Gefreiter Georg
Wedel (geb. 31.12.1875 in Wormditt, Ostpreußen, gef. 26.4.1918). Der Name von
Georg Wedel steht auf den Namenstafeln des Gefallenendenkmals in der
Säulenhalle des alten Rathauses (Marktplatz). Außerdem ist gefallen:
Unteroffizier Josef Elkan (geb. 21.10.1894 in Amberg, vor 1914 in Nürnberg
wohnhaft, gef. 10.8.1918).
1924 gehörten 130 jüdische Personen zur jüdischen
Gemeinde Amberg. Darunter waren 86 aus Amberg, 30 aus Schwandorf (seit 1903
waren die Schwandorfer Juden nach Amberg zugeteilt), 4 aus Haselmühle, 4
aus Witzelhof und 6 aus Nabburg. Dem jüdischen Gemeindevorstand
gehörten die Herren Ernst Bloch, Leo Kleinbauer, Leopold Godlewsky und Michael
Lorsch an. Leopold Godlewsky hatte die Ämter als "Prediger, Lehrer, Kantor
und Schochet" der Gemeinde inne. Er erteilte an der Religionsschule der
Gemeinde zehn Kindern Unterricht. An den öffentlichen Schulen wurden 25 Kinder
von ihm unterrichtet. An jüdischen Vereinen gab es die "Israelitische
Armenkasse" (Ziel: Wanderunterstützung; Vorsteher: Leopold Godlewsky),
den Israelitischen Männerverein (bzw. Israelitische Männerchefroh,
gegründet 1880, Vorsteher 1924 Michael Lorsch, 1932 Siegfried Neuhöfer, Ziele:
Krankenpflege und Bestattung, 1932 20 Mitglieder) und den Israelitischen
Frauenverein (Israelitische Frauenchefroh, gegründet 1880, 1924/32
unter Leitung von Fanny Haymann, 1932 20 Mitglieder, Ziele Krankenpflege und
Bestattung). 1932 waren die jüdischen Gemeindevorsteher Siegfried
Neuhöher (1. Vors.) und Siegfried Funkenstein (2. Vors. und Schatzmeister).
Lehrer und Kantor war weiterhin Leopold Godlewsky. Zu den 63 jüdischen
Gemeindegliedern aus Amberg kamen 1932 aus Schwandorf 24 Personen und Nabburg 5
Personen. Zudem wird (ohne Zahl jüdischer Einwohner) Burglengenfeld als Amberg
zugeteilter Ort genannt.
1933 lebten 83 jüdische Personen in der Stadt. Von ihnen
konnten in den folgenden Jahren (bis 1941) zusammen 30 emigrieren, zehn
verstarben in diesen Jahren, drei begingen Selbstmord. 1937 wurden der
jüdischen Gemeinde Amberg auch die letzten der in Sulzbach
lebenden jüdischen Einwohner zugeteilt. Dazu erschien am 1. Januar 1937
folgende Mitteilung:
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Januar 1937: "Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der
Israelitischen Kultusgemeinde Amberg auf das Gebiet der politischen
Gemeinde Sulzbach-Rosenberg. Die Verwaltung der Israelitischen
Kultusgemeinde Amberg hat in ihrer Eigenschaft als
Steuerverbandsvertretung am 1. November 1936 folgenden Beschluss gefasst.
Gemäß Artikel 2 des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes dehnt die
Israelitische Kultusgemeinde Amberg ihr Gebiet auf das Gebiet der
politischen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg aus.
Dieser Beschluss wird hiermit öffentlich bekannt gemacht.
Den an der Umbildung Beteiligten, insbesondere den von der Umbildung
betroffenen umlagenpflichtigen Bekenntnisgenossen, wird hiermit
Gelegenheit zur Einsprache gegeben. Die Einsprache soll genau die Gründe
darlegen, welche gegen die bekannt gegebene Umbildung geltend gemacht
werden wollen. Die Einsprache muss binnen einer vom 20. Januar 1937 ab
laufenden Frist von zwei Wochen bei der Verwaltung der Israelitischen
Kultusgemeinde Amberg schriftlich eingereicht werden. Amberg, den 24.
Dezember 1936.
Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg: Bacharach,
Vorstand. Godlewsky, Schriftführer." |
Über die Ereignisse beim
Novemberpogrom 1938 s.u. bei der Synagogengeschichte. Die letzten jüdischen
Einwohner Ambergs wurden 1942 deportiert.
Von den in Amberg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; überprüft, korrigiert
und ergänzt durch die Forschungen von Dieter Dörner, Amberg (Stand: März
2010): David Ascher (1877), Frieda Ascher
geb. Hirschfeld (1887), Dora
Bacharach geb. Höflein (1894), Emil Bacharach (1887), Rudolf Hans Bacharach
(1921), Elsa Baruch (1897), Ludwig Baruch (1892), Rosa Baruch (1894), Emma
Behrens geb. Strauß (1905), Bruno
Bloch (1920), David Bloch (1862), Ernst Bloch (1890), Rosa Bloch geb. Schwarz (1893),
Ilse Gerda Funkenstein (1923), Paula Funkenstein geb. Eckstein
(1896), Rolf Herbert Leo Funkenstein (1927), Siegfried Funkenstein (1922), Bella Godlewsky geb.
Lang (1887), Ilse Godlewsky (1920), Leopold Godlewsky (1878), Fanny Haymann geb.
Oppenheimer (1887), Ludwig Haymann
(1890), Max Hellmann (1910), Anna Hörauf geb. Wangersheim (1895), Benno Isner (1869),
Salomon Jakubowitsch (1872), Max Kehr (1893), Thekla Kehr geb. David (1893),
Jakob Kirschbaum (1878), Max Kleinbauer (1909), Alter Chaim Kupfermann (1901), Chana Kupfermann geb. Stieber (1906),
Erna Strauss geb. Weinschenk (1899), Heinz Otto Weinschenk (1930), Johanna (Hannchen) Weinschenk
geb. Wimpfheimer (1886), Rose
Weinschenk geb. Steinmann (1874), Adolf Zechermann (1876),
Martha (Amalie) Zechermann geb. Strauß (1882).
Nicht bestätigt werden konnten durch Dieter Dörner die Angaben zu den
folgenden Personen, die in einigen Listen in Verbindung mit Amberg genannt
werden; vermutlich haben sich diese Personen nur kurze Zeit in Amberg
aufgehalten: Arthur Godlewsky (1891), Isidor Hirsch (1891), Maximilian Holzer
(1909), Max Herbert M. Kohn (1881), Heinrich Lippmann (1882), Ludwig Löwenstein
(1912), Wilhelm Löwenstein (1885), Berthold Mahler (1909), Ernst Alfred
Seckendorf (1892), Adolf Strauss (1890=, Karl Strauss (1873), Max Moses Strauss
(1879), Robert Weilheimer (1900), Lotte (Charlotte) Weinschenk geb. Frank
(1872), Sally Weiß (1908), Moritz F. Wertheimer (1884), Rosa Westheimer geb.
Stark (1883).
Die NS-Zeit überlebt haben die in einigen Listen genannten Personen: Salli
Isner geb. Östreicher (1896), Charlotte (Lotte) Weinschenk geb. Frank (1895).
Unter den jüdischen DPs in Amberg sind 1945 bis 1948 verstorben: Bernd
Adler (1912), Dora Bialo (1923), Albert Blau (1922), Cyna Dawid (1914), Mordche
Elbaum (1913), Isaak Frenkel (1925), Moniek Grünberg (1908), Moszek Grünbberg
(1908), Juda Grusniewski (1922), Max Hilfstein (1912), David Kaplan (1874),
Roman Klejmann (1925), Eugen Kleinmann (1921), Lucer Klonsztam (1923), Chaim
Kornreich (1927), Schulim Lang (1911), Josef Langsner (1911), Simon Leskowicz
(1905), Saul Nussbaum (1875), Oeden Rathmann (1927), Erne Rottenstein (1914),
Luba Schiulit (1925), Laib Jakob Seiden (1929), Josef Silberstein (1902),
Jankiel Smuts (1884), Sultan Stern (1924), David Syna (1918), Milgrom Szymoin
(1922), Sara Weinberg (1906), Imre Weiß (1929), Willi Wulkan
(1926).
Die Gemeinde nach
1945
1945 wurden in der Stadt zahlreiche jüdische Displaced Persons
untergebracht (Überlebende von Konzentrationslagern/Überlebende der
Todesmärsche vom KZ Flossenbürg nach Dachau und jüdische Flüchtlinge aus dem
Osten), die eine neue jüdische Gemeinde begründeten. Bis 1948/50 handelte es
sich um etwa 500 jüdische Personen, die in leerstehenden oder geräumten
Kasernen sowie in Privatwohnungen untergebracht waren. Geistliches Oberhaupt der
Gemeinde war Rabbiner Dr. Natan Zanger. Nach Gründung des Staates Israel (1948)
ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder durch Auswanderungen jedoch schnell
zurück. 1953 waren nur noch 41 jüdische Personen in der Stadt, 1989
26.
In den 1990er-Jahren nahm die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder
wieder zu durch die Zuwanderung von sogenannten "Kontingentflüchtlingen"
aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Zur jüdischen Gemeinde gehören
derzeit etwa 250 Personen (2007).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Lehrer Rosenthaler bietet Bücher an (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1891:
"Einzelne gut erhaltene Bünde zum Talmud à Mark 1 und Mark 1.50 bei
J. Rosenthaler, Lehrer, Amberg (Bayern)." |
Bitten des jüdischen Lehrers B. Gutmann um
Unterstützung für die jüdischen Gefangenen in der Gefangenenanstalt Amberg
(um 1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1900:
"Öffentliche Bitte. Unterzeichneter erlaubt sich, die Güte und
Mildtätigkeit der Leser des "Israelit" zu folgendem Zwecke in
Anspruch zu nehmen. In der hiesigen Gefangenenanstalt befinden sich zur
Zeit sieben jüdische Gefangene. Nach § 25 der Hausordnung für die
Gefangenenanstalten Bayerns ist es gestattet, dass den israelitischen
Gefangenen während des Pessachfestes eine nach den Vorschriften unserer
Religion zubereitete Kost verabreicht werden darf, für deren Aufbringung
ich jedoch zu sorgen habe, indem von Seiten der Anstalt gesetzlich nichts
geleistet wird. Da die Deckung der Kosten bedeutende Ausgaben verursacht,
so sehe ich mich veranlasst, an alle wohltätigen Glaubensgenossen die
innige Bitte zu richten, mich in der Ausführung des genannten Werkes
durch Übersendung eines milden Beitrags unterstützen zu wollen. Auch die
kleinste Beisteuer wird dankbarst akzeptiert und über den Empfang in
diesen Blättern seinerzeit quittiert. B. Gutmann, Lehrer,
Amberg." |
Anzeige
von 1901 mit demselben Wortlaut wie oben, jedoch inzwischen von Lehrer E.
Godlewsky unterzeichnet. |
Anzeige
von 1902 - damals waren zehn jüdische Gefangene zu betreuen.
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Artikel zu Dienstjubiläen des Lehrers Leopold Godlewsky: 25 und 30
Jahre in der Gemeinde Amberg tätig (1933 beziehungsweise 1938)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Juli 1933:
"Amberg. Herr Oberlehrer Leopold Godlewsky kann am 1. August auf eine
fünfundzwanzigjährige Tätigkeit dahier zurückblicken. Als religiöse
und charaktervolle Persönlichkeit hat er es in Verbindung mit seiner
gleichgesinnten Gattin verstanden, sich die Liebe und Wertschätzung nicht
nur seiner Gemeinde, sondern auch der ganzen Stadt in reichstem Maße zu
erwerben. Ad multos annos!" |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" am 3. August 1933:
"Amberg, 31. Juli. Am Schabbat Nachamu (Schabbat nach dem 9.
Aw, an dem die Lesung aus Jesaja 40 'Tröstet, tröstet mein Volk' gelesen
wird, = 5. August 1933) kann Herr Oberlehrer Leopold Godlewsky auf eine
25jährige, ersprießliche Tätigkeit in der Gemeinde Amberg mit Sulzbach
und Schwandorf zurückblicken, nachdem er vorher in der Gemeinde
Gerolzhofen 10 Jahre amtierte. Eine frommen und angesehenen Lehrerfamilie
in Franken entstammend, wusste er deren Tradition allzeit hochzuhalten.
Sein Name hat in der bayerischen Judenheit und darüber hinaus und
besonders bei seinen Kollegen einen guten Klang. Durch seine berufliche
Tüchtigkeit, seinen biederen Charakter, sein allzeit hilfsbereites Wesen,
errang er sich die Wertschätzung und Achtung seiner Gemeinden und aller
Schichten der Bevölkerung. Auch seine schriftstellerische Tätigkeit,
besonders auf kulturhistorischem Gebiete, verdient hervorgehoben zu
werden. (Alles Gute) bis 120 Jahre." |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1938:
"Amberg, 4. Juli (1938). In diesen Tagen (10. Juli) kann Herr
Oberlehrer Leopold Godlewsky auf einer vierzigjährige Amtstätigkeit
zurückblicken. Hiervon treffen dreißig Jahre auf die Gemeinde Amberg mit
Schwandorf und Sulzbach. (Alles Gute) bis 120 Jahre." |
Zum Tod der in Amberg verstorbenen Schwiegermutter von Lehrer Godlewsky: Frau
Sophie Lang geb. Freudenthal (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1928: "Burgkunstadt
(Oberfranken), 15. Juni (1928). Vor kurzem starb in Amberg (Oberpfalz)
im Hause ihrer Tochter, wo sie Heilung von einem schweren Leiden suchte,
im Alter von 73 Jahren, Frau Sophie Lang aus Burgkunstadt. Von frommen
Eltern aus der Familie Freudenthal aus Tann
v.d. Rhön abstammend, verpflanzte sie diese Tradition in ihre neue
Heimat, wo sie an der Seite des ihr in die Ewigkeit vorausgegangenen
gleichgesinnten Mannes ein echt jüdisches Haus gründete und durch alle
Tugenden einer wackeren Frau dieses zu hoher Blüte brachte. Ihr
gastliches Haus war nicht nur weit geöffnet, war nicht nur offen
für die Bedürftigen, es stand nicht nur den Armen offen, es war auch
ein Haus für die Weisen, denn Rabbiner und Lehrer waren ihre
Verehrer und ein ideales Verhältnis verband sie mit ihnen . Sie war nicht
nur lange Jahre Vorstandsmitglied der Frauenchewrah (Frauenverein), noch
bis in ihre letzten Monate beteiligte sie sich aktiv an der gebotenen
Sorge um die Toten. Vier Kinder fand sie bei ihrer Ehe vor und vier
Kinder konnte sie noch ihre eigenen nennen. Doch mit Liebe umhegte sie sie
allesamt und mit Selbstverleugnung löste sie ihre schwere Aufgabe. Ein
halbes Jahr vor ihrem Tode sah sie zu ihrem Leidwesen ihren ältesten
Sohn, den bewährten und frommen Kultusvorstand, Karl Lang - seligen
Andenkens - einen Chawer in die Gruft sinken. Dieser
Schicksalsschlag zehrte an ihrem Lebensmarke. Vor ihrer Überführung nach
Nürnberg nahm ihr Schwiegersohn, Herr Lehrer Godlewsky in Amberg,
in bewegten Worten Abschied von der teuren Verblichenen, und am Grabe in
Nürnberg entwarf Herr Rabbiner Dr. Heilbronn - ein Freund ihres
Vaterhauses - ein rührendes Bild von den Tugenden der Entschlafenen,
worauf nochmals ihr Schwiegersohn ihr Vorzüge treffend hervorhob. Eine
seltene Frau aus der Vergangenheit ist mit ihr dahingegangen. Das
Andenken an die Fromme ist zum Segen." |
Berichte aus
dem jüdischen Gemeindeleben
Wie ein Ritualmordvorwurf entstehen kann
(1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 29. März 1904: "Amberg. Bei der zweiten Sitzungsperiode
des Schwurgerichts am königlichen Landgerichte Amberg kam zur Verhandlung
Jakob Stadi, 35 Jahre alt, katholisch, verheiratet, Spengler von
Heilinghausen, wegen Mordes, begangen an einem fünfjährigen Knaben.
Dabei kam folgender interessanter Vorfall zur Sprache:
Die Taglöhnersfrau Franziska Seidl von Heilinghausen lebt in sehr
ärmlichen Verhältnissen und hat drei Kinder, im Alter von sechs, fünf
und drei Jahren zu ernähren. Etwa acht Tage vor dem Morde beklagte sich
die Frau dem Stadi gegenüber, dass sie wenig Verdienst hätte, und es ihr
in Folge dessen sehr schlecht ginge. Darauf sagte Stadi, sie solle einen
Buben verkaufen. Auf die Frage der Zeugin, wohin, sagte Stadi an die Juden
in Regensburg, denn diese brauchen Christen blut und stechen die Knaben zu
diesem Zwecke ab. Die Frau gab nun ihrem Entsetzen darüber Ausdruck und
hielt insbesondere das Sündhafte einer solchen Handlungsweise dem Stadi
vor Augen, dieser aber erwiderte nur: 'Es gibt keinen Gott und keinen
Teufel!'
Es ist für uns wahrlich ein Glück zu nennen, dass der auf so grausame
Weise ums Leben gekommene Knabe damals verhältnismäßig bald im Walde
aufgefunden worden ist. Wer weiß, was dieser Unhold, der während der
zweitägigen Verhaltung, trotz der erdrückendsten Verdachtsmomente,
hartnäckig die Schuld von sich abzuwälzen suchte, nicht alles erdichtet
hätte! Er wurde zum Tode verurteilt.
Bietet uns dieser Einblick in die Denk- und Handlungsweise des Angeklagten
ein Bild für die Höhe der sittlichen Anschauungen desselben, so können
wir daraus auch die Entstehungsursache so manchen 'Ritualmordmärchens'
erklären. Andererseits ist lobend hervorzuheben, dass Staatsanwalt wie
Verteidiger bei Erwähnung dieses Vorfalles in ihren Plädoyers einmütig
den Glauben an einen Ritualmord sowohl in diesem Fall, als auch in
generellem Sinne ad absurdum führten. E. Godlewsky,
Lehrer". |
| Hinweis: der Fall wird ausführlich
dargestellt im Beitrag "Die Ermordung eines fünfjährigen Knaben.
Aberglaube des Mörders" in: Archiv für Kriminal-Anthropologie und
Kriminalistik. Hrsg. von Hans Gross Bd. 17 Leipzig 1904 - Erstes und
zweites Heft S. 42-60. Link
zu Google-Books |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Goldene Hochzeit von
Heinrich und Emma Haymann am 1. März 1903
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1903:
"Amberg, 1. März (1903). Goldene Hochzeitsfeier). Heute feierten das
seltene Fest der goldenen Hochzeit Herr Heinrich und Frau Emma Haymann
dahier in seltener Rüstigkeit des Körpers und des Geistes. Am Vorabende
wurde dem Jubelpaare auf Veranlassung der hiesigen, israelitischen
Kultusgemeinde eine ehrenvolle Huldigung in Form einer Serenade in ihrer
Wohnung zuteil. Am Jubiläumstage fand unter zahlreicher Beteiligung aller
Konfessionen Festgottesdienst in der hierzu prächtig geschmückten
Synagoge statt. Herr Lehrer E. Godlewsky hielt eine von Herzen kommende
und zu Herzen gehende, gediegene Ansprache, welche die hohe Bedeutung des
Tages darlegte und den durch das ganze Leben des Jubelpaares stets
bewiesenen Wohltätigkeits- und Frömmigkeitssinn pries.
Sodann fand im Hause der Jubilare ein solennes Festmahl statt, gewürzt
mit ernsten und heiteren Poesie und Prosa-Vorträgen, und hielt die
Teilnehmer in freudigster Stimmung bis zum Abend beisammen. Es wird ihnen
allen unvergesslich bleiben. Möge das Jubelpaar in gleicher Frische noch
das diamantene Hochzeitsfest feiern." |
Zum Tod von Heinrich Haymann im Februar 1907
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" am 7. März 1907:
"Amberg, 5. März (1907). Am 7. Adar (21. Februar 1907) schied Herr
Heinrich Haymann von hier im Alter von 79 Jahren aus dem Leben. Er ist der
Gründer des an Sabbaten und Festtagen streng geschlossenen Bankhauses
Haymann, welches nun von den Söhnen in demselben Sinne weitergeführt
wird. Der Verblichene war wegen seiner aufrichtigen Frömmigkeit und
seines Wohltätigkeitssinnes allgemein geachtet. Im nahen Sulzbach,
woselbst er geboren ist und wo er bis vor 9 Jahren gewohnt war, war der
Verewigte 20 Jahre Kassier der dortigen Gemeinde und fungierte 48 Jahre
lang an den hohen Feiertagen in trefflicher Weise als Vorbeter. Die
Lücke, die durch seinen Tod in unserer Gemeinde entstanden, ist schwer
auszufällen. Möge Gott Trost senden in die Herzen derer, die durch den
Verlust dieses Mannes in schmerzliche Trauer versetzt wurden. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens". |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen des Spezerei- und
Landesproduktengeschäftes Emanuel Löwi (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1890:
"Suche per sofort einen Lehrling für mein Spezerei- und
Landesproduktengeschäft. Gute Schulzeugnisse erforderlich. Kost und Logis
im Hause.
Emanuel Löwi, Amberg (Oberpfalz)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1890:
"Suche für mein Landesproduktengeschäft en gros & en détail
einen Lehrling mit gutem Schulzeugnis. Kost und Logis im Hause.
Emanuel Löwi, Amberg (Bayern)." |
Aus dem
Gemeindeleben unmittelbar vor und in der NS-Zeit
Die NS-Zeit wirft ihre Schatten voraus - der Führer der
Amberger Nationalsozialisten Stüdlein macht auf sich aufmerksam
(1923)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1923:
"München, 16. Oktober (1923). Wir lesen in der 'Central-Vereins-Zeitung':
Am Abend des vergangenen Dienstag befanden sich vier jüdische Amberger
Bürger in der Synagoge bei einer Chorprobe. Gegen 11 Uhr abends erfolgte
plötzlich eine schwere Detonation. Die vier Herren nahmen an, dass ein
Anschlag auf die Synagoge erfolgt sei. deshalb fuhren zwei der Herren zur
Polizeiwache, um von dem Vorfall Anzeige zu erstatten. Hier wurde ihnen
mitgeteilt, dass vermutlich kein Anschlag auf die Synagoge geplant gewesen
sei, weil der Führer der Amberger Nationalsozialisten, Stüdlein, an der
nächsten Straßenecke bewusstlos aufgefunden worden sei. Es stellt sich
heraus, dass eine Handgranate geworfen worden war, deren Abreißschnur
neben Stüdlein lag. Irgendeine Verletzung wies Stüdlein nicht auf, wohl
aber hatte er einen geladenen und entsicherten Revolver in der Hand.
Am Mittwoch früh zwischen 4 und 5 Uhr wurden die vier Synagogenbesucher
aus ihren Betten heraus ohne Angabe eines Grundes verhaftet, wie
Schwerverbrecher in das Gerichtsgefängnis eingeliefert und abends 8 Uhr
ohne Verhör wieder entlassen. Kein Wort der Entschuldigung wurde für nötig
gehalten.
Wie die Staatsanwaltschaft in ihrem amtlichen Bericht in Nr. 186 der
'Amberger Volkszeitung' selbst zugibt, hat sich im Laufe der Erhebungen
gegen Stüdlein mehr und mehr der Verdacht verstärkt, dass er die
Handgranate selbst geworfen habe, um 'für sich und seine Sache Aufsehen
zu erregen'. Stüdlein befindet sich bis zur Stunde auf freiem Fuß.
Man wird das Ergebnis der Untersuchung abwarten müssen. Es wird aber an
der skandalösen Tatsache der Verhaftung von vier Synagogenbesuchern, die
pflichtgemäß einen Handgranatenanschlag melden, nichts ändern können.' |
Beleidigungsklage gegen Pfarrer Münchmeyer
(1930)
Anmerkung: Weitere Berichte mit Informationen zu diesem unklaren
Sachverhalt wurden noch nicht gefunden.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1930:
"Amberg. Vor dem Amtsgericht Amberg (Oberpfalz) war am 13. Januar
Termin zur Verhandlung der Beleidigungsklage angesetzt, die die beiden
Vorstande der Ortsgruppe Amberg des Zentralvereins deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens, Kaufmann Bloch und Studienassessor Godlewski, gegen
den früheren Pfarrer Münchmeyer auf Borkum erhoben hatten. Da
Münchmeyer Widerklage gegen die beiden Privatkläger erhoben hat, wurde
zum Zwecke der Beschaffung von weiterem Beweismaterial gegen Münchmeyer
die Verhandlung ausgesetzt und auf unbestimmte Zeit
vertagt." |
Ausdehnung des Gebietes der
jüdischen Gemeinde Amberg auf Sulzbach-Rosenberg (1937)
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Januar 1937: "Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der
Israelitischen Kultusgemeinde Amberg auf das Gebiet der politischen
Gemeinde Sulzbach Rosenberg. Die Verwaltung der Israelitischen
Kultusgemeinde Amberg hat in ihrer Eigenschaft als
Steuerverbandsvertretung am 1. November 1936 folgenden Beschluss gefasst.
Gemäß Art. 2 des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes dehnt die
Israelitische Kultusgemeinde Amberg ihr Gebiet auf das Gebiet der
politischen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg aus. Dieser Beschluss wird hiermit
öffentlich bekannt gemacht. Den an der Umbildung Beteiligten,
insbesondere den von der Umbildung betroffenen umlagenpflichtigen
Bekenntnisgenossen, wird hiermit Gelegenheit zur Einsprache gegeben. Die
einsprach soll genau die Gründe darlegen, welche gegen die bekannt
gegebene Umbildung geltend gemacht werden wollen. Die Einsprach muss
binnen einer vom 20. Januar 1937 ab laufenden Frist von zwei Wochen bei
der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg schriftlich
eingereicht werden. Amberg, den 24. Dezember 1936. Die Verwaltung der
Israelitischen Kultusgemeinde Amberg: Bacharach, Vorstand. Godlewsky,
Schriftführer." |
Aus dem Gemeindeleben 1936/37
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Januar 1937: "Aus dem Amberger Gemeindeleben. Am 1. November 1936
hielt die Kultusgemeinde Amberg ihre Jahresversammlung ab, die durch die
Anwesenheit des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Salomon von Regensburg eine
besondere Not erhielt. Der Gemeindevorstand, Landgerichtsrat i.R.
Bacharach, gab einen umfassenden Jahresbericht, der sich insbesondere auf
die Finanzgebarung der Gemeinde, die Kultuseinrichtungen, die
Wohlfahrtspflege und die jüdische Winterhilfe erstreckte. Von besonderer
Bedeutung für Amberg ist die Auflösung der Israelitischen Kultusgemeinde
Sulzbach. Diese im
Jahre 1666 gegründete Gemeinde, einst eine der größten und blühendsten
jüdischen Gemeinden Bayerns, und weitesten Kreisen durch ihre hebräische
Druckerei bekannt, hat aufgehört zu bestehen, nachdem anfangs Oktober
1936 die letzte Familie von Sulzbach nach Nordamerika ausgewandert ist.
Die altehrwürdige Synagoge wurde schon vor einigen Jahren an die
Stadtgemeinde Sulzbach-Rosenberg veräußert, die ein Museum darin
eingerichtet hat. Im übrigen ging das Vermögen der aufgelösten Gemeinde
auf die Nachbargemeinde Amberg über, die ihr Gebiet auf das Gebiet der
politischen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg erstreckt hat. - Im Anschluss an
die Versammlung fand in der festlich geschmückten Synagoge die feierlich
Einführung des neuen Rabbiners unserer Gemeinde, Herrn Bezirksrabbiners
Dr. Salomon von Regensburg, statt. Nach einer würdigen Begrüßung durch
die Jugend sowie durch Ansprachen des Gemeindevorstands und der
Oberlehrers und nach warmen Dankesworten des Herrn Bezirksrabbiners fand
ein feierlicher Gottesdienst statt, der durch die Predigt des Herrn
Rabbiners seine Weihe empfing.
Am 13. Dezember 1936 versammelte sich die Gemeinde in der Synagoge zu
einer Chanukka-Weihestunde, deren Programm - Ansprachen, Vorträge und
musikalische Darbietungen - hauptsächlich von der Jugend bestritten
wurde.
Am 20. Dezember 1936 trug die jugendliche Dichterin Hilde Marx aus
eigenem Schaffen - Gedichte und Prosa - vor, so u.a. aus ihrer bekannten
Gedichtsammlung 'Dreiklang', ferner auch einige Proben aus ihrem
demnächst bei Brandus in Berlin erscheinenden Werk 'Ein Bündel Briefe.
Durch ihre meisterhaft zu Gehör gebrachten Vorträge, in welchen sich das
jüdische Schicksal unserer Zeit spiegelt, wusste sie ihre Zuhörer zu
fesseln und bleibende Eindrücke in ihnen zu hinterlassen." |
Aus dem Gemeindeleben Winter 1936/37
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
März 1937: "Aus der Gemeinde Amberg. Herr Bankier Karl
Haymann und dessen Gattin Fanny geb. Oppenheimer, begingen am Sabbat Ki
tissoh unter allgemeiner Beteiligung ihr goldenes Ehejubiläum. Die
äußerst beliebte Familie, die durch große Wohltätigkeit sich
hervorgetan hat, unterstützt nach alter Tradition - die Eltern des
Jubilars konnten an demselben Tage vor 30 Jahren das gleiche Fest feiern -
sowohl materiell wie ideell - die Jubilarin ist seit langen Jahren
Vorsitzende des Frauenvereins - die Gemeindeinstitutionen. Herr Oberlehrer
Godlewsky rühmte in zu Herzen gehenden Worten die vielen Verdienst des
Jubelpaares unter dem Trauhimmel. Der Vorstand, Herr Landgerichtsrat a.D.
Bacharach, übermittelte die Glückwünsche und den Dank der Gemeinde und
für Herrn Haymann die Ehrenmitgliedschaft derselben. Ad meo weesrim
schono! (Alles Gute) bis 120 Jahre.
Unsere kulturellen Veranstaltungen standen in der vergangenen Wintersaison
auf einer besonderen Höhe. Abgesehen von den künstlerischen Leistungen
von Frau Edith Herrenstadt - Oettingen, von Frl. Hilde Marx, der Sängerin
Frau Irma Held - Landecker (Nürnberg) und deren Begleiterin Frl. Levi
hielten wir besondere Weihestunden, in denen auch die Kleinen sich zeigen
konnten. Kürzlich wurde die 500. Wiederkehr des Geburtsjahres Don Isaak
Abravanels gefeiert, wobei Herr Oberlehrer Godlewsky den Festvortrag
hielt. Herr Godlewsky und unser Vorstand, Herr Landgerichtsrat a.D.
Bacharach, trugen zum Gelingen dieser Veranstaltungen durch Wort und Tat
bei. Auch unser Jugendbundführer Rolf Bacharach sei hier durch seine
verständnisvolle Tätigkeit rühmend erwähnt. Sämtlich Veranstaltungen
erfreuten sich von hiesigen und auswärtigen Mitgliedern, besonders von Schwandorf,
regesten und freundlichsten Zuspruches." |
Zur Geschichte der Synagogen
Mittelalterliche Synagoge
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden, die
1384 als "Judenschule" genannt wird. Sie stand bis 1391
innerhalb der ältesten Stadtbefestigung (Südwestteil). Ihr gegenüber war ein
"Judenhaus". Nach der Ausweisung der Juden 1391 wurde die Synagoge
abgebrochen und auf ihrem Platz Anfang des 15. Jahrhunderts eine dreischiffige Frauenkirche
erbaut (der Dachreiter ist erst von 1877).
Foto links: die Frauenkirche (Frauenplatz 1) im Bereich des
mittelalterlichen jüdischen Viertels um den Frauenplatz (Quelle des
Fotos: Pfarrei
St. Martin, Amberg
|
19./20. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neu entstandene jüdische
Gemeinde konnte sich zunächst einen Betsaal einrichten (1881). Im August 1896
konnte ein "äußerst schönes und praktisches, ruhig gelegenes Haus"
erworben werden. Im Erdgeschoss wurde ein Betsaal eingebaut. Über die Einweihung
der Synagoge am 12. Januar 1897 liegt folgender Bericht vor:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1897: "Amberg
(Bayern), 12. Januar 1897 (Synagogeneinweihung). Etwa 18 Jahre
bildeten die hiesigen, 18 Familien zählenden Israeliten eine freie
Vereinigung, seit November 1894 eine staatlich anerkannte israelitische
Kultusgemeinde. Im August 1896 kauften wir ein äußerst schönes und
praktisches, ruhig gelegenes Haus, in dessen Parterre-Räumlichkeiten wir,
mit Hilfe von Spenden Hiesiger und Auswärtiger, darunter eine hochherzige
Gabe von M. 5.000 von Frau Baronin von Hirsch-Gereuth in Paris, einen
verhältnismäßig sehr schönen, mit Gasbeleuchtung eingerichteten
Betsaal einrichteten.
Zur Zeit haben wir noch keinen Anschluss an ein Rabbinat und so hielt Herr
Dr. A. Eckstein, Distrikts-Rabbiner von Bamberg die Weiherede, dessen
Worte einen tiefen Eindruck auf Juden und Christen, welche unserer
Einladung zahlreich folgten, hinterließ. Herr Bürgermeister Heldmann, in
Amts-Uniform mit der großen goldenen Halskette, nahm aus der Hand des
Fräulein G. Theimer, welche den von Herrn Distriktsrabbiner Dr. M.
Weinberg in Sulzbürg (Oberpfalz), verfassten Prologvortrag, den goldenen
Schlüssel und versprach in erhebender, feierlicher Weise, dass die Stadt
die Synagoge als Gotteshaus schützen werde, gleichzeitig der Gemeinde
Glückwünsche darbringend.
Hierauf folgten in würdiger Weise die üblichen Einweihungszeremonien. Am
Abende vorher sandte der protestantische Dekan Herr Weigl unserer
Vorstandschaft ein herzliches Glückwunschschreiben zur Einweihung und die
Bekundung seiner Freude, dass nun auch wir ein würdiges Gotteshaus
gefunden haben. |
Besondere Verdienste um den Bau der Synagoge hatte
Kaufmann Jakob Weinschenk, der damals Vorsteher der Israelitischen
Kultusgemeinde Amberg. Daran wurde noch anlässlich seines Todes 1912 in München
erinnert.
Artikel
in "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Januar
1912: "München. Am 1. Januar starb hier der Kaufmann Jakob
Weinschenk, früher in Amberg wohnhaft. Seinen Bemühungen ist
es gelungen, dass die dortige Gemeinde über eine schöne Synagoge
verfügt. Er war auch längere Zeit Vorstand der israelitischen
Kultusgemeinde Amberg." |
Gut 40 Jahre blieb die Synagoge Mittelpunkt der
jüdischen Gemeinde in Amberg. Zu nationalsozialistischen Anschlägen kam es in
Amberg recht früh. Im August 1923 hatte der Ortsgruppenleiter der NSDAP
eine Handgranate vor die Synagoge geworfen.
Artikel
in der C.V. (Centralvereins-)Zeitung vom 23. August 1923: "Handgranate
vor der Amberger Synagoge. Merkwürdige Verhaftungen. Am Abend des
vergangenen Dienstag befanden sich vier jüdische Amberger Bürger in der
Synagoge bei einer Chorprobe. Gegen 11 Uhr abends erfolgte plötzlich eine
schwere Detonation. Die vier Herren nahmen an, dass ein Anschlag auf die
Synagoge erfolgt sei. Deshalb fuhren zwei der Herren zur Polizeiwache, um
von dem Vorfall Anzeige zu erstatten. Hier wurde ihnen mitgeteilt, dass
vermutlich kein Anschlag auf die Synagoge geplant gewesen sei, weil der
Führer der Amberger Nationalsozialisten, Stüdlein, an der nächsten
Straßenecke bewusstlos aufgefunden worden sei. Es stellte sich heraus,
dass eine Handgranate geworfen worden war, deren Abreißschnur neben
Stüdlein lag. Irgendwelche Verletzung wies Stüdlein nicht auf, wohl aber
hatte er einen geladenen und entsicherten Revolver in der Hand.
Am Mittwoch früh zwischen 4 und 5 Uhr wurden die vier Synagogenbesucher
aus ihren Betten heraus ohne Angabe eines Grundes verhaftet, wie
Schwerverbrecher in das Gerichtsgefängnis eingeliefert und abends 8 Uhr
ohne Verhör wieder entlassen. Kein Wort der Entschuldigung wurde für
nötig gehalten. Wie die Staatsanwaltschaft in ihrem amtlichen Bericht in
Nr. 186 der 'Amberger Volkszeitung' selbst zugibt, hat sich im Laufe der
Erhebungen gegen Stüdlein mehr und mehr der Verdacht verstärkt, dass er
die Handgranate selbst geworfen habe, um 'für sich und seine Sache
Aufsehen zu erregen.' Stüdlein befindet sich bis zur Stunde auf freiem
Fuß. Man wird das Ergebnis der Untersuchung abwarten müssen. Es wird
aber an der skandalösen Tatsache der Verhaftung von vier
Synagogenbesuchern, die pflichtgemäß einen Handgranatenanschlag melden,
nichts ändern können." |
Nach 1933 wurde die Mittelpunktsfunktion der Synagoge für das
jüdische Gemeindeleben noch verstärkt. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen
und Vorträge fanden in ihr Stadt. Auf Gemeindeversammlungen wurden
Auswanderungsfragen besprochen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch
SA-Männer aus der Stadt zerstört. Der nationalsozialistische
Oberbürgermeister Josef Filbig hatte zuvor zu den SA-Männern gesprochen und
sie in ihrem Tun bestärkt. Die Trümmer der Synagoge wurden auf einem Platz vor
dem Gebäude verbrannt. Dabei schauten viele Stadtbewohner zu. Ein SA-Mann zog
sich einen Gebetsmantel über und tanzte um das Feuer. Jüdische Einwohner
wurden durch die Straßen geschleppt.
Im November 1947 fand vor dem Landgericht Amberg ein Prozess gegen 16
Teilnehmer der Ausschreibungen vom November 1938 statt. Zwölf von ihnen
erhielten Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr und acht Monaten.
Vier wurden freigesprochen. Ein weiterer Beteiligter wurde im Mai 1950 zu einem
Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Wiedereinrichtung der Synagoge 1945
1945 wurde von den in der Stadt untergebrachten jüdischen "Displaced
Persons" die Gemeinde neu begründet. Am 15. August 1945 konnte wieder ein
Gottesdienst in der ehemaligen Synagoge stattfinden. Die Synagoge wurde schnell
Mittelpunkt des Lebens der neu entstandenen jüdischen Gemeinde und ist es bis
zur Gegenwart geblieben. Der Zuwachs der Gemeindeglieder macht 2003/05 eine Vergrößerung
des Gemeindesaales notwendig.
Adresse/Standort der Synagoge: Salzgasse 5.
Das Synagogengebäude ist auch die derzeitige Adresse der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg:
Salzgasse 5, 92224 Amberg, Tel.: ++(0)9621 - 13140 (Vorsitzender Ignaz Berger),
vgl.
Internet: Informationsseite
des Zentralrates der Juden in Deutschland zur Gemeinde Amberg.
Fotos
Die Synagoge im
August 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 24.8.2007) |
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| Die Synagoge an
der Salzgasse |
Blick zur Stadtkirche von der
Synagoge |
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Inschrift über
Eingangsportal: "Gesegnet ist, der kommt im Namen des HERRN..."
(Psalm 118,26) |
Davidstern und Gebotstafeln
über dem Eingangsportal |
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Im Betsaal der Gemeinde
(Quelle: www.synagogenprojekt.de) |
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Schüler und
Schülerinnen aus Amberg besuchen die Synagoge
(Aufnahmen aus der Website
des Gregor-Mendel-Gymnasiums Amberg) |
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| Blick in den Betsaal mit der
Schülergruppe |
Blick über den Vorlesepult
(Bima) |
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| Bima |
Torarollen |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 13-14; II,1 S. 13-15. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 75-77. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 270-271. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 153-155.
|
 | Norbert Flach: Spurensicherung. Amberg und der
Landkreis unter dem Hakenkreuz. Frankfurt 1993². |
 | Dieter Dörner: Juden in Amberg - Juden in
Bayern.Verlag Eckhard Bodner. Pressath 2003. |
 | ders.: Juden in Amberg - Niedergang und Neuanfang. 2006.
Buchbesprechung
zum letztgenannten Buch aus der "Amberger Zeitung" (Quelle)
Niedergang und Neuanfang Amberger Juden - Kreisheimatpfleger
Dieter Dörner veröffentlicht zweites Buch - Erste Gottesdienste am 15.
August 1945
Amberg. Vor drei Jahren veröffentlichte Kreisheimatpfleger Dieter Dörner
das Buch "Juden in Amberg - Juden in Bayern". Danach sprachen die
Jüdische Gemeinde Amberg und die Universität Erlangen den Herausgeber, der
auch Stadt- und Kulturführer ist, an, doch auch über die Anfänge der
Nachkriegsgemeinde zu recherchieren. So entstand Dörners zweites Buch
"Juden in Amberg - Niedergang und Neuanfang", das 234 Seiten stark
und für 16,90 Euro im Buchhandel erhältlich ist. Der Autor: "Da Namen
wie Weinschenk, Godlewsky oder Zechermann noch vielen Ambergern in
Erinnerung sind, wiederholt sich in der Neuauflage die Zeit von 1933 bis
1945, ergänzt mit durch Presse und Film berühmt gewordenen jüdischen
Namen und deren Schicksalen."
Zum Tode verurteilt. Zum Beispiel Leo
Katzenberger. Er war Schuhfilialist in Nürnberg und der einzige Jude, der
im Dritten Reich wegen angeblicher Rassenschande von einem Gericht zum Tode
verurteilt wurde. Katzenberger wohnte nie in Amberg, doch ihm gehörte das
Schuhgeschäft Springmann am Marktplatz, das von einer nichtjüdischen
Angestellten geführt wurde. Gut sind vielen Ambergern laut Dörner auch die
Juden der Vorkriegsgemeinde in Erinnerung. Wenig wisse man aber über die
viel größere Zahl der jüdischen "Displaced Persons" der
Nachkriegsgemeinde. Darunter versteht man alle nach dem Krieg verbliebenen
Personen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, Kriegsgefangene,
Zwangsarbeiter und Konzentrationslagerhäftlinge - insgesamt sieben bis acht
Millionen Menschen, darunter etwa 80 000 Juden. Letztere waren vor allem Überlebende
der Konzentrationslager. Der Autor: "Die ersten befanden sich sicher
schon vor der Besetzung Ambergs am 22. April 1945 zumindest im
Landkreis." Es waren Juden der im Raum Schwarzenfeld/Schwandorf aufgelösten
Todesmärsche vom Konzentrationslager Flossenbürg nach Dachau. Amberg hatte
ein intaktes Lazarett, leerstehende oder geräumte Kasernen und eine
zumindest baulich relativ intakte Synagoge. In ihr wurden bereits am 15.
August 1945 die Gottesdienste wieder aufgenommen.
Synagoge erste Anlaufstelle. Für die Zeit
von 1945 bis 1950 lassen sich etwa 500 in Amberg wohnende jüdische "Displaces
Persons" nachweisen. Für alle war die Synagoge die erste Anlaufstelle.
Männer und Frauen, die jüdisches Leben wieder erwecken wollten, ergriffen
die Initiative, hielten Gottesdienste, gründeten eine Schule, schufen eine
Gemeinschaftsküche und unterhielten einen Fußballklub. Rabbiner Dr. Natan
Zanger war der Motor der Gemeinde. Wie ging es weiter? Die Bestandsaufnahme
des Buches endet 1950. Die meisten "Displaced Persons" wanderten
aus, viele Junge zogen in Großstädte. Dörner: "Es war eine
schleichende Dezimierung der Nachkriegsgemeinde. Sie war zum Zeitpunkt der
Wende nicht mehr lebensfähig." Mit den so genannten Kontingentjuden
aus den GUS-Staaten, heute etwa 200 in Amberg, kam neues Leben mit neuen
Hoffnungen und neuen Problemen in die Gemeinde. |
 |
"Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Amberg S. 229-236 (die Forschungsergebnisse
konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica" noch
nicht eingearbeitet werden).
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Amberg Upper Palatinate. Jews
were present in the 13th century. In the Rindfleisch massacres of 1298, 13 were
murdered and in 1403 all were expelled. The community was renewed in the 1850s
and 1860s and numbered 101 in 1900 (total 22.039). The independent community
dates from 1896 and a synagogue was dedicated in 1898. Also attached to it were
the communities of Schwandorf, Schnaittenbach and Nabburg. In 1933 there were 64
Jews in Amberg. By 1941, 17 had emigrated and 23 moved to other cities of
Germany. On Kristallnacht (9-10 November 1938) the interior of the
synagogue was destroyed and Jews were sent to the Dachau concentration camp. Of
the 12 remaining Jews, seven were sent to Piaski in the Lublin district (Poland)
on 2 April 1942 and three to the Theresienstadt ghetto via Regensburg on 23
September.

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