Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Synagogen in Bayerisch Schwaben 

  
Nördlingen (Landkreis Donau-Ries) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im Mittelalter  
   
Dokument aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts: Hausierhandelsverbot von 1812     
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im 19. /20. Jahrhundert     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge   
Fotos   
Erinnerungen an jüdische Gewerbebetriebe in Nördlingen (Dokumente und Fotos) 
Links und Literatur   

 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im Mittelalter (english version)

In Nördlingen bestand eine bedeutende jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter von den ersten Erwähnungen im 13. Jahrhundert (Nennungen in dem zwischen 1290 und 1300 verfassten Stadtrecht), unterbrochen durch die Verfolgungszeiten 1290, 1298, 1349, 1384 bis zur Ausweisung der Juden 1506/07. 

Die erste Gemeinde des 13. Jahrhundert hatte im Bereich des Brettermarktes 4 ihr Zentrum mit einer Synagoge (das Gebäude wird vor 1380 als Kastenhaus des Antoniterordens erwähnt).

Im 14. Jahrhundert gab es eine Synagoge in der 1394 und 1402 erstmals genannten "Judengasse"; die Synagoge stand Judengasse 1 / Ecke Schrannenstraße). Nach der Verfolgung in der Pestzeit war die Synagoge vermutlich einige Zeit im Besitz der Stadt. Beim einem Judenpogrom am 29. Juli 1384 wurden die Juden der Stadt ermordet; Häuser und Synagoge gingen in den Besitz der Stadt über. Auf Grund des Pogroms wurde Nördlingen 1385 vorübergehend aus dem Schwäbischen Städtebuch ausgeschlossen. 1393 wurde die Synagoge vom Rat der Stadt dem Memminger Antoniterorden geschenkt, doch scheiterte das Vorhaben, an ihrer Stelle eine Kapelle zu erbauen. 
 
Im 15. Jahrhundert bestand wiederum eine kleine jüdische Gemeinde in der Stadt, doch waren die jüdischen Familien ständig von der Ausweisung bedroht (nach 1453 waren 6 Jahre lang keine Juden in der Stadt). Seit 1401 konnten die jüdischen Familien das Synagogengebäude gegen Mietzahlungen benützen.  Ein jüdischer Friedhof, der 1415 erstmals genannt wurde und bei dem es sich bereits um den dritten mittelalterlichen jüdischen Friedhof in der Stadt handelte), befand sich auf dem Henkelberg (ehemaliger Galgenberg) und wurde von den in Nördlingen und der Umgebung lebenden jüdischen Familien belegt. Im November 1506 erreichte die Stadt Nördlingen nach jahrelangen Bemühungen, dass die Juden der Stadt "für alle Zeit" ausgewiesen werden durften. Innerhalb von drei Monaten hatten sie die Stadt zu verlassen. Die jüdischen Häuser und die Synagoge gingen in den Besitz des Rates der Stadt über.  
 
Im 17. Jahrhundert gab es - in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges 1636/37 und 1644 sowie 1673 - vorübergehend jüdische Niederlassungen in der Stadt.
   

Erinnerung an die mittelalterliche jüdische Gemeinde: Die "Judengasse" im Zentrum der Altstadt
Noerdlingen_Judengasse 100.jpg (74218 Byte) Noerdlingen_Synagoge ma01.jpg (59070 Byte)
Noerdlingen_Judengasse 101.jpg (42932 Byte) An der Westseite der Judengasse (Fotos links) stand die mittelalterliche Synagoge, die 1509 nach Ausweisung der Juden profanisiert wurde. Im Lauf der Jahrhunderte wurde sie mehrfach umgebaut. 1914 ist sie abgebrannt und wurde anschließend abgebrochen. Auf dem Foto: Reste der Ostwand vor dem Abbruch. Foto: Dr. Ernst Frickhinger, Nördlingen (Original in: Central Archives Jerusalem)
      
     
Darstellungen zu Spuren jüdischer Geschichte: der Judenbrunnen und die Judenmauer  
(erhalten von Peter Karl Müller,  Kirchheim/Ries)
Noerdlingen Judenbrunnen 010.jpg (72318 Byte) Noerdlingen Judenmauer 010.jpg (64038 Byte)
  Wiedergabe eines Bildes um 1819 des Nördlinger Johannes Müller, Titel "Der Rüben- und Schäflensmarkt, alter Judenbrunnen". Ungefähr an derselben Stelle des Judenbrunnens wurde 1902 der bis heute dort stehende Kriegerbrunnen erbaut (Quelle: "Nördlingen, Portrait einer Stadt", hg.  Fränkisch-Schwäbischer Heimatverlag Oettingen 1965). Bild von Johannes Müller: "Das alte Baldinger Thor mit der Judenmauer in Nördlingen, demoliert 1821". Nach Georg Monninger  (Was uns Nördlinger Häuser erzählen S. 73)  war das Baldinger Tor mit einer dichten, oben begehbaren und mit einem Dach bedeckten Mauer ("Judenmauer" genannt) umgeben, deren Abbruch wegen Baufälligkeit 1820 erfolgte.

     
      
 
Dokument aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts, als eine Niederlassung von Juden in der Stadt noch nicht möglich war 
Hausierhandelsverbot von 1812 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)    

Noerdlingen Handelsordnung 1812.jpg (156852 Byte)Bekanntmachung. Um dem immer mehr überhand nehmenden allgemein verbotenen und den ordentlichen Handel beeinträchtigenden Hausierhandel der Juden in Nördlingen Einhalt zu tun, sieht sich das königliche Polizei-Kommissariat auf höchsten Befehl des königlichen General-Kommissariats veranlasst, die frühere Verordnung des ehemaligen General-Kommissariats der schwäbischen Provinz vom 24. August 1903 durch folgende Bekanntmachung zu erneuern. 
1. Den Juden wird das ohnehin allgemein verbotene Hausieren mit Waren aller Art in der Stadt Nördlingen auf das strengste untersagt, und zwar bei 5 Gulden im ersten Betrettungsfall, und wenn das bestrafte Individuum zum zweitenmal betreffen wird, wird obige Geldstrafe noch mit Konfiskation sämtlicher Waren vermehrt, und zwar zum Besten des Lokalarmenfonds.  
2. In Ansehung des Handels mit Gütern bleibt es ohnehin bei den desfallsigen allerhöchsten Verordnungen.  
3. Außer den Messen Jahr-, Ross- und Viehmärkten in der Stadt, welche sie besuchen dürfen, wird ihnen daselbst kein anderer Handel als mit alten Kleidern, Gold, Silber, Perlen und Pretiosen gestattet.  
4. Es ist ihnen keine Niederlage von neuen Waren in der Stadt erlaubt, und zu diesem Ende werden ihre Kammern und Wohnungen unvermutet untersucht, die darin gefundenen neuen Waren hinweggenommen, und zum Besten des Armenfonds konfisziert werden.  
5. Zur Hinwegschaffung solcher dermal bestehenden Warenlager wird ein peremptorischer Termin von acht Tagen gegeben, innerhalb welchem auch jene Bürger, bei welchen Juden Lager haben, davon die Strafe die Anzeige beim königlichen Polizei-Kommissariat zu machen verpflichtet sind.  
Das königliche Polizei-Kommissariat wird über der genauen Befolgung dieser Verordnungen strenge wachen, und alle Mittel anwenden, um die denselben Entgegenhandelnde ausfindig zu machen. Sollte jedoch ein oder der andere der Aufmerksamkeit desselben zu entgehen wissen, so wird es jedem redlichen Bewohner Nördlingens, dem zugleich nebst Verschweigung seines Namens ein Drittel der Geldstrafe als Belohnung zugesichert wird, zur Pflicht gemacht, hierorts hiervon Anzeige zu machen. 
Nördlingen, den 11. Januar 1812. Königlich Bayerisches Polizei-Kommissariat   von Bäumen."   

   
    

Zur jüdischen Geschichte der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert

Erst 1860 konnten Juden wieder in Nördlingen zuziehen (der erste jüdische Neubürger war der Lederhändler Eduard Höchstädter aus Mönchsdeggingen), insbesondere aus den umliegenden Orten Kleinerdlingen, Ederheim, Mönchsdeggingen, Harburg, Wallerstein, Hainsfarth und Steinhart
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich von 1860 bis 1910 wie folgt: 1860 eine Familie, 1867 61 jüdische Einwohner (0,9 % von insgesamt 6.873 Einwohnern), 1871 176 (etwa 25 Familien, 2,5 % von 7.079), 1875 70 bis 80 Familien, 1880 347 (4,4 % von 7.837), 1890 469 (5,9 % von 8.004), 1900 408 (4,9 % von 8.299), 1910 314 (3,6 % von 8.705). 1899 hatte man die Höchstzahl von 489 jüdische Einwohner gezählt. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Wallerstein, das später von Ichenhausen vertreten wurde.
  
Mehrere der zugezogenen jüdischen Familienvorstände eröffneten für das wirtschaftliche Leben der Stadt in den folgenden Jahrzehnten bedeutende Gewerbebetriebe, Handlungen, Kaufläden. Weit bekannt war die Marmorschleiferei Max Koppel & Söhne mit etwa 40 Mitarbeitern (um 1900), die unter anderem jüdische Friedhöfe in ganz Süddeutschland mit Grabsteinen belieferte.    
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal, dann eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof.  Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schächter tätig war. Die erste Ausschreibung erfolgte nach Gründung der Gemeinde 1870 (vgl. Anzeige unten). Auf die Anzeige von 1870 hin bewarb sich erfolgreich Abraham Weiler, der bis nach 1895 (25-jähriges Dienstjubiläum siehe Bericht unten) erfolgreich in der Gemeinde als Lehrer und Kantor wirkte. Von 1908 bis 1911 war Elias Godlewsky Lehrer und Kantor (zuvor in Amberg), danach Hermann Strauß, der von 1911 bis zu seiner Auswanderung 1939 in der Gemeinde wirkte und an den städtischen Schulen den jüdischen   Religionsunterricht erteilte.
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Josef Hamburger (geb. 11.12.1894 in Nördlingen, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef. 16.6.1915), Max Bühler (geb. 14.10.1891 in Nördlingen, gef. 3.4.1916), Gefreiter Jakob Bühler (geb. 29.7.1890 in Nördlingen, gef. 11.7.1916), Unteroffizier Alfred Bühler (geb. 5.5.1895 in Nördlingen, vor 1914 in Schopfloch wohnhaft, gef. 31.10.1916)), Vizefeldwebel Heinrich Bühler (geb. 22.4.1898 in Nördlingen, gef. 26.4.1918), Unteroffizier Sigmund Bühler (geb. 22.1.1893 in Nördlingen, gef. 23.7.1918) und Albert Regensteiner (geb. 4.4.1896 in Nördlingen, gef. 26.9.1918). Ihre Namen stehen auf einem im jüdischen Friedhof angebrachten Gefallenengedenkstein ("Fürs Vaterland seid ihr gestorben: Wir ehren Euch - Fürs Judentum habt ihr erworben das Himmelreich".)
 
Um 1924, als etwa 250 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten, waren die Vorsteher der Gemeinde Ludwig Rosenfelder, Gabriel Schweißheimer, Jakob Seligmann, Gabriel Hamburger, Moses Rosenberger, David Sternglanz und Robert Neumann. Als Lehrer und Kantor wirkte der bereits genannte Hermann Strauß, als Schochet und Synagogendiener Sally Halpern. Die Religionsschule der Gemeinde besuchten damals vier Kinder, die anderen Kinder erhielten den Religionsunterricht an den städtischen Schulen. An jüdischen Vereinen gab es eine Chewra Kadischa ("Israelitischer Leichenverein", gegründet 1898, Ziele: Wohltätigkeit und Bestattungswesen, 1924/32 unter Leitung von Emil Koppel mit 1924 50, 1932 65 Mitgliedern), ein Israelitischer Frauenverein (gegründet 1900, Ziele: Krankenpflege, Unterstützung Hilfsbedürftiger, unter Leitung von Frieda Stoll, 1924 70, 1932 30 Mitglieder) und die Wohltätigkeitskasse "Gemilus Chessodim" unter Leitung von Moses Rosenberger. 1932 wird auch eine Wanderarmenkasse genannt zur Unterstützung durchreisender Juden. Zudem gab es Ortsgruppen der Zionistischen Vereinigung (spätestens 1924 gegründet), des Jüdischen Nationalfonds Keren Kajemet le Jisrael und des Jüdischen Jugendvereins (gegründet 1921). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Wallerstein, das inzwischen von Ichenhausen aus versehen wurde. 1932 waren die Vorsteher Jacob Seligmann (1. Vors.) und Norbert Neumann (2. Vors.). Schriftführer war der Lehrer und Kantor Hermann Strauß.

1933 lebten 186 jüdische Personen in der Stadt (2,2 % der Gesamtbevölkerung von 8.402 Personen). Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden antijüdische Bestimmungen in der Stadt durchgesetzt. So war bereits im Sommer 1933 Juden der Besuch der städtischen Schwimmbäder verboten. Andererseits war die Betätigung auf wirtschaftlichem Gebiet teilweise weiterhin möglich. Noch im Sommer 1937 war der Viehhandel in Nördlingen vorwiegend in jüdischen Händen. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen bis Anfang November 1938 71 jüdische Personen die Stadt (38 wanderten aus, davon 22 in die USA, je fünf nach Holland und Palästina, die übrigen in andere Länder), 33 verzogen in andere deutsche Städte (München, Nürnberg, Augsburg usw.). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet (s.u.) sowie die Wohnungen der jüdischen Familien "durchsucht", wobei viele Gegenstände und Bargeld gestohlen wurde. Etwa 30 jüdische Männer wurden in das Stadtgefängnis gebracht. 20 von ihnen wurden nach einer Woche freigelassen, die anderen über Augsburg in das KZ Dachau verschleppt. Bis Ende 1941 verließen weitere 45 jüdische Einwohner die Stadt, wovon 33 emigrieren konnten (18 in die USA, neun nach England, sowie andere Länder). Zwischen 1933 und 1942 sind 39 Juden in Nordlingen verstorben. Am 31. März 1942 wurden 25 jüdische Einwohner über München nach Piaski bei Lublin deportiert. Die letzten Nördlinger Juden, 15 ältere Personen, wurden im August in das Ghetto Theresienstadt verbracht. Damit war Nördlingen in der nationalsozialistischen Sprache "judenfrei" geworden.    

Von den in Nördlingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Else Adler (1903), Ludwig Adler (1928), Mina Arensberg geb. Kaufmann (1876), Friedrich Ascher (1888), Hedwig Ascher geb. Stern (1883), Betti Bauer geb. Siegbert (1906), Emma Bauer geb. Weil (1872), Irma Bauer (1911), Recha Baum geb. Bühler (1897), Rosa Bredig geb. Schmieder (1861), Arthur Bühler (1904), Jenny Bühler (1880),   Ludwig Bühler (1900), Siegfried (Saly) Bühler (1899), Emma Dannenberg geb. Einstein (1886), Hina Einstein geb. Schweisheimer (1859), Moses Einstein (1882), Sigmund Einstein (1877),  Lina Frank geb. Bühler (1905), Therese (Roesi) Jakob geb. Einstein (1884), Günther Eisemann (1927), Heinrich Eisenmann (1886), Helene (Lene) Eisenmann geb. Vogel (1890), Ida Eisenmann geb. Kaufmann (1886), Julie Fallmann geb. Levi (1893), Johanna Geggel (1894), Antonie Gradmann (1889), Josef Gressmeier (1874), Heinrich Guldmann (1871), M. Guldmann (geb. ?), Paula (Pauline) Guldmann geb. Weinschenk (1884), Abraham Hamburger (1872), Benno Hamburger (1882), Berta Hamburger (1923), Gerda Hamburger (geb. ?),  Hermann Hamburger (1877), Isaak Hamburger (1876), Jeanette (Jenny) Hamburger (1886), Klara Hamburger (1879), Moritz Hamburger (1881), Selma Hamburger (1889), Siegfried Hamburger (1877), Willy Hamburger (1876), Jenny Heimann geb. Sicho (1873), Hermann Heinemann (1880), Rosa Heinemann geb. Kreissle (1892), Lina Herbst (geb. ?), Max Herbst (geb. ), Bertha Hochstädter (1871), Bertha Hochstädter geb. Dillenberger (1882), Karoline Höchstädter geb. Neumann (1892), Rosalie Höchstädter (geb.?), Karoline (Lina) Jacob geb. Hamburger (1885),  Adelheid Kaufmann geb. Kaufmann (1865), Fanny Kaufmann geb. Bühler (1888), Fritz Kaufmann (1892), Helena Lehmann geb. Einstein (1885), Leopold Lehmann (1867), Lina Lehmann geb. Feuchtwanger (1876), Ida Mannheimer geb. Schweisheimer (1887), Charlotte Mayer (1895), Else (Elsa) Mayer geb. Mannheimer (1874), Klara Mayer (1896), Max Mayer (1866), Helene Mahler geb. Rakofsky (1906), Michael Bernd Mahler (1937), Hewig Meyer geb. Regensteiner (1885), Sara Nager geb. Marx (geb. ?), August Neuburger (1876), Ludwig Neuburger (1877), Resi Neuburger geb. Sternglanz (geb. ?), Helene Neuhaus geb. Seligmann (1909), Laura Neumann geb. Obermeier (1862), Louis (Ludwig) Neumann (1896), Eugen Oppenheimer (1889), Frieda Oppenheimer (1886), Johanna Oppenheimer geb. Berretz (1896), Josef Oppenheimer (1887 oder 1895), Lina Regensteiner geb. Gutmann (1872), Selma Regensteiner (1897), Moritz Rogger (1879), Julius Rosenberger (1898), Paula Rosenberger (1895), Lina Schloss geb. Heiligenbrunn (geb. ?), Adelheid Schönfeld geb. Kaufmann (1880), Benno (Berthold) Schweisheimer (1898), Mathilde Schweisheimer geb. Mendle (1873), Moritz Schweisheimer (1862), Jakob Seligmann (1875 oder 1878), Julius Siegbert (1875), Sofie Siegbert geb. Aufhäuser (1877),  Sofie Stein geb. ? (1891), Anna Stern geb. Blum (1871), Friederike (Frieda) Stoll geb. Hubert (1871), Thekla Stoll (1897), Herbert Weissbacher (1923), Max Weissbacher (1885), Olga Weissbacher geb. Bachenheimer (1898), Betty Wolf geb. Blum (1877),  Irma Wolf geb. Eisenmann (1878).   
   
   
  

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1870 / 1908 / 1911 / 1922       

Noerdlingen Israelit 13041870.jpg (35158 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1870: "Die israelitische Kultusgemeinde Nördlingen
sucht die Stelle eines Religionslehrers, der zugleich die Funktionen des Vorsängers & Schochet zu versehen hat, zu besetzen. Fixer Gehalt 350 Gulden, nebst freier Wohnung; Nebeneinkünfte von 3-400 Gulden jährlich. Bewerber wollen erforderliche Zeugnisse innerhalb 4 Wochen einsenden. 
Nördlingen, den 3. April 1870. Der Ausschuss".     
   
Noerdlingen Israelit 16011908.jpg (73527 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1908: In (der) Kultusgemeinde Nördlingen ist durch Ableben des seitherigen Kantors und Religionslehrers, des seligen Herrn Weiler, dessen einträgliche Stelle in Erledigung gekommen und wird demnächst zur Ausschreibung gelangen. - Vorerst wird ein seminaristisch gebildeter Verweser zum sofortigen oder alsbaldigen Anritt für die Dauer von ca. 6 Monaten bei guter Bezahlung gesucht. Deutsche Bewerber ersuchen um Einsendung von Zeugnissen. Israelitische Kultusverwaltung. Sigmund Höchstädter."   
    
Noerdlingen FrfIsrFambl 14021908.jpg (81100 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1908: "Die Kultusgemeinde Nördlingen sucht zum 1. August dieses Jahres seminaristisch gebildeten Religionslehrer und Kantor mit guter Stimme (möglichst Bariton), der zugleich als Hilfsschächter und Gemeindesekretär zu fungieren hat. Einkommen ca. 3.000 Mark pro anno und freie Dienstwohnung (eigenes Haus). Anmeldungen deutscher Bewerber, welche das zweite Examen mit gutem Erfolg absolviert haben, wollen unter Einsendung von Zeugnissen und Attesten über Gesundheit bis spätestens 10. März eingereicht werden. 
Israelitische Kultusverwaltung i.V. Sal. Gutmann."    
   
Noerdlingen Israelit 12011911.jpg (67468 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1911: "Die Kultusgemeinde Nördlingen sucht per 1. August dieses Jahres seminaristisch gebildeten Religionslehrer und Kantor mit guter Stimme (möglichst Bariton), der zugleich als Hilfsschochet und Gemeindesekretär zu fungieren hat. Einkommen mindestens 3.000 Mark und freie Dienstwohnung (eigenes Haus). Deutsche Bewerber wollen unter Einsendung von Zeugnissen und Attesten über Gesundheit bis spätestens 20. Februar sich melden. Israelitische Kultusverwaltung".    
 
Noerdlingen Israelit 16021922.jpg (51131 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1922: "Vakanz. In unserer Gemeinde ist die Stelle eines Schochets, Hilfsvorbeters und Kultusdieners baldigst zu besetzen. Das Gesamteinkommen beträgt bei schöner freier Dienstwohnung mindestens Mark 15.000 pro Jahr. Bewerbungen mit Zeugnissen sind an die Unterzeichnete Verwaltung zu richten. Nördlingen (Bayern), 7. Februar 1922. Israelitische Kultusverwaltung. L. Rosenfelder."  

   
Lehrer Abraham Weiler betreibt ein Knaben-Pensionat

Noerdlingen Israelit 28081878.jpg (56769 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1878: "Knaben-Pensionat. Eltern, die ihre Knaben eine der hiesigen vorzüglichen Schulen als: Realschule - deren Absolvierung berechtigt zum einjährig Freiwilligen im ganzen deutschen Heere, Beginn 25. September dieses Jahres -, Latein- und Präparandenschule besuchen lassen wollen, finden für dieselben passende Unterkunft in dem Knaben-Pensionat des Unterfertigten. Strenge Beaufsichtigung, religiöse Erziehung, angenehmes Familienleben, gesunde Lokalitäten. Auf besonderen Wunsch Unterricht im Hebräischen und Musik, Violine, Cello, Klavier und Gesang. Referenzen erteilt A. Weiler, israelitischer Lehrer und Kantor, Lehrer an der königlichen Realschule. 

   
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers Abraham Weiler (1895)   

Noerdlingen Israelit 12061895.jpg (73588 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1895: "Aus dem Ries. Der derzeitige Lehrer und Kantor der israelitischen Kultusgemeinde zu Nördlingen Herr A. Weiler, hat am 28. dieses Monats (Mai 1895) sein 25jähriges Dienstjubiläum begangen. Durch seine amtliche Tüchtigkeit sowohl als Lehrer und Kantor hat Lehrer Weiler es einerseits verstanden, die Liebe und Hochachtung seiner Kultusgemeinde sich zu erwerben, wie anderseits derselbe sich auch durch sein ernstfreundliches und friedliebendes Wesen die Zuneigung und Achtung aller Mitbürger ohne Unterschied der Konfession zu erringen verstand. Nicht unerwähnt wollen wir es heute lassen, dass Herr Kantor Weiler zu Ehren des 70. Geburtstages Seiner königlichen Hoheit des Prinz-Regenten den 21. Psalm komponierte, welcher von Allerhöchst demselben huldvollst entgegengenommen wurde. Möge die Kultusgemeinde Nördlingen noch lange Jahre das Glück haben, einen so tüchtigen, verdienstvollen, allgemein beliebten und geachteten Kultusbeamten zu besitzen".  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juni 1895: "Der Lehrer und Kantor der israelitischen Gemeinde zu Nördlingen, A. Weiler, hat vom 28. vorigen Monats sein 25-jähriges Dienstjubiläum begangen. Kantor Weiler hat zu Ehren des 70. Geburtstages des Prinz-Regenten von Bayern den 21. Psalm komponiert, welcher von demselben huldvollst entgegengenommen wurde."   
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juni 1895: "Aus Süddeutschland, im Juni (1895). Am 28. Mai feierte der derzeitige Lehrer und Kantor der israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen, Herr A. Weiler, sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Von einer größeren Feier musste eines Trauerfalls wegen leider Abstand genommen werden. Trotzdem gestaltete sich dieser Tag zu einem Ehrentag für diesen allgemein geachteten und beliebten Kultusbeamten. Herrn Weiler wurden eine große Fülle ehrender Auszeichnungen zuteil. Unter den Gratulanten befanden sich die Herren Reichs- und Landtagsabgeordneten Frickhinger und Wildegger, die Rektoren der Realschule und des Progymnasiums, der Konvent der Klosterschule und andere mehr. Möge die Kultusgemeinde noch lange Jahre diesen tüchtigen, verdienstvollen, allgemein geachteten Kultusbeamten besitzen."  

      
Zur Silbernen Hochzeit von Lehrer Abraham Weiler (1895)

Noerdlingen AZJ 09091898.jpg (65868 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September 1898: "Nördlingen, 30. August (1898). Seit 28 Jahren schon steht Herr Lehrer A. Weiler als Kantor und Religionslehrer im Dienst der israelitischen Kultusgemeinde dahier. Derselbe erfreute sich in dieser langen Zeit nicht bloß hoher Achtung in seiner Gemeinde, sondern genoss auch stets die Wertschätzung weiterer Kreise und die Liebe der von ihm unterrichteten Kinder. Am 26. vorigen Monats waren es 25 Jahre, dass er den Ehebund mit seiner verehrten Gattin schloss. Aus Anlass der silbernen Hochzeit brachte der Musik- und Gesangverein, dessen schätzbares Mitglied Herr Lehrer Weiler seit seinem Hier sein ist, gestern Abend dem Jubelpaar ein Ständchen. Möge Glück und Segen Herrn Weiler und seiner Familie auch in den kommenden Jahren in reichem Maße beschieden sein." 

 
Zum Tod von Lehrer Abraham Weiler (1908)

Noerdlingen FrfIsrFambl 31011908.jpg (22606 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Januar 1908: "Nördlingen. Nach 37jähriger Amtstätigkeit in unserer Gemeinde ist unser hoch geschätzter Lehrer Abraham Weiler verschieden. Der Verstorbene erreicht nur ein Alter von 56 Jahren."
    
Noerdlingen Israelit 23011908.jpg (131414 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1908: "Nördlingen, 14. Januar (1908). Am 9. dieses Monats verschied in Augsburg nach einer Operation der langjährige Kantor und Religionslehrer der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Abraham Weiler, im 56. Lebensjahre. Die Leiche wurde durch zwei Vertreter der hiesigen Kultusverwaltung von Augsburg hierher geleitet. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer außerordentlich großen Trauerkundgebung. Dem Sarge folgten die Kultusverwaltung, die Vorstände und Lehrer der königlichen Realschule und des Progymnasiums und anderer Schulen, die Geistlichkeit beider Konfessionen, Vertreter der städtischen Kollegien, eine große Anzahl von Schülern und Schülerinnen, mehrere Vereine und die Gemeindemitglieder samt vielen zur letzten Ehrung des Verstorbenen herbeigeeilten auswärtigen Freunden desselben. Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn - Ichenhausen gedachte in seiner Rede der Verdienste, die der Entschlafene sich während seines 37jährigen Wirkens in hiesiger Gemeinde erworben. Namens der israelitischen Kultusgemeinde dankte, in Vertretung des ersten Vorstandes Sigmund Höchstädter, Herr Salomon Gutmann dem Dahingeschiedenen für seine ersprießliche Tätigkeit als Lehrer und Kantor, sowie für seine eifrigen Bemühungen um die Zwecke des israelitischen Frauenvereins. Es sprachen dann Herr Prediger Weiler aus Paderborn, der Bruder des Verewigten, Herr Realschulrektor Dr. Mehlis für Realschule und Progymnasium, an welchen Herr Weiler gewirkt hat, und Herr Hauptlehrer Weiß für den Bezirkslehrerverein Nördlingen; ferner ergriffen das Wort die Herren Rechtsanwalt Schwarzkopf, Lithograph Zeitrag, Siegfried Bär und Lehrer Gutmann von Oettingen. Die israelitische Kultusgemeinde erleidet durch den Tod des Herrn Weiler einen schweren Verlust." 

  
Wahl von Lehrer Elias Godlewsky als Nachfolger von Lehrer Weiler (1908) 

Noerdlingen Israelit 30041908.jpg (21865 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908: "Nördlingen, 19. April (1908). Bei der heute stattgefundenen Gemeindeversammlung wurde Herr Godlewsky in Amberg, an Stelle des verstorbenen Herrn Weiler unter 22 Bewerbern als Lehrer und Kantor gewählt."  

  
Abschied von Lehrer Elias Godlewsky (1911)  

Noerdlingen FrfIsrFambl 20101911.jpg (9930 Byte)Meldung im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 20. Oktober 1911: "Nördlingen. Elias Godlewsky ist an die Bürgerschule in Fürth berufen worden." (im Bericht ist der Familienname verschrieben für Godlewsky)

    
25jähriges Dienstjubiläum und 60. Geburtstag von Lehrer Hermann Strauß (1936)

Noerdlingen Israelit 05111936.jpg (26841 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1936: "München. Die Gemeinde Nördlingen (Schwaben) veranstaltete anlässlich des 50jährigen Bestehens ihrer Synagoge eine würdige Feier, die gleichzeitig dem 25. Dienstjubiläum ihres Lehrers Hermann Strauß und seinem 60. Geburtstag galt."

  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 

Die erste Niederlassung einer jüdischen Person (1860)   

Noerdlingen AZJ 13111860ne.jpg (34289 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1860: "Nördlingen hat nun auch einen Juden, Herrn Lederhändler E. Höchstätter aus Mönchsdeggingen (in der Meldung verschrieben) aufgenommen, der wohl nicht lange der Einzige dort bleiben wird."

  
Bericht von 1875 zur Situation der Gemeinde  

Noerdlingen Israelit 24031875.jpg (91755 Byte)Bericht von 1875 zur Situation in der Gemeinde in der Zeitschrift "Der Israelit". Aus dem Rabbinatsbezirk Wallerstein, im März (1875). Unser ehrwürdiger Distriktsrabbiner Herr David Weiskopf - sein Licht möge leuchten - versieht sein Amt trotz seines Alters - der Ewige mehre seine Tage und seine Jahre - mit jugendlicher Geistesfrische. Die Schechitah (= rituelle Schlachtung) im diesseitigen Distrikte ist in Händen gottesfürchtiger Männer, die den Anordnungen ihres Rabbiners gern und willig Folge leisten. Es ist nur schade, dass der Ort Wallerstein nur noch einige jüdische Familien hat, während die Synagoge und andere jüdische Einrichtungen an die frühere Kehilla (Gemeinde) lebhaft erinnern. Hingegen ist das benachbarte Nördlingen, welches in jedem 'Memmer-Buch' (Memorbuch = Gedenkbuch an Tote und Märtyrer einer Gemeinde) als Gerusch-Ort (= Ort einer früheren Vertreibung) verzeichnet ist, in wenigen Jahren zu einer jüdischen Gemeinde von 70 bis 80 Familien herangewachsen. Die junge Gemeinde hat Männer unter sich, denen das Wort Judentum keine Phrase ist, die vielmehr ihre gesamte Kraft aufbieten, um die bewährte jüdischen Institutionen zu erhalten". 

  
Bezirkstierarzt Schlicht und der Vorsteher des Bezirks-Tierschutzvereins äußern sich positiv im Blick auf das Schächten (1898)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1898: "Nördlingen, 26. Juli (1898). Angesichts der mit erneuter Heftigkeit wieder entfachten Agitation gegen das Schächten, welche neuerdings in der Petition badischer Tierschutzvereine um ein Verbot desselben so deutlich in die Erscheinung trat, dürfte es sich empfehlen, nachstehende Gutachten über die Vortrefflichkeit unseres rituellen Schlachtverfahrens weiteren Kreisen bekannt zu geben: 
"Bezirksärztliches Gutachten. Von hiesiger israelitischer Kultusverwaltung zur Abgabe eines Gutachtens über das 'Schächten' veranlasst, stehe ich nicht an, mich aus nachfolgenden Gründen dahin gutachtlich zu äußern, dass ich dasselbe nicht als eine Tierquälerei erachte, da der Tod des Tieres, den solches durch die rasche Verblutung erleidet, kein qualvoller ist, der Schmerz, den dasselbe hierbei empfindet, teils durch die Schärfte des Messers, teils durch dessen rasche Führung nur ein geringer sein kann, und das Bewusststein des Tieres nach erfolgtem Schnitt in Folge der schnellen Verblutung ohnehin in wenigen Augenblicken erlischt, aus welchen Gründen ich eine dem Schächten vorangehende Betäubung der Tiere für vollständig zwecklos und überflüssig erachte. 
Nördlingen, 5. Juli 1898. L.S.  gez. Schlicht, Königlicher Bezirkstierarzt.  
Obigem Gutachten schließt sich an   Nördlingen, 15. Juli 1898. 
Herrmann, Vorsteher des Bezirks-Tierschutzvereins.
Dieses Zeugnis, welches durch die Zustimmung des Vorsitzenden des Bezirkstierschutzvereins erhöhte Bedeutung erhält, kann mit dem Einwande, den die Tierschützler in ihrer begreiflichen Verlegenheit den gutachtlichen Äußerungen entgegenzustellen pflegen, nicht abgetan werden, dass sein Urheber kein praktischer Fachmann sei und nur nach der Theorie urteile. Herr Schlicht ist eine unter seinen Berufsgenossen anerkannte Autorität und schon durch sein Amt berufen, ein maßgebendes Urteil in dieser Frage abzugeben."    

   
Vortrag von Ministerialrat Dr. Otto Hirsch aus Stuttgart (1927)

Noerdlingen BayrGZ 13121927.jpg (56164 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13. Dezember 1927: "Nördlingen. In Nördlingen fand kürzlich ein Vortrag des Herrn Ministerialrats Dr. Hirsch aus Stuttgart über Abwehr des Antisemitismus statt. Dem aus der ganzen Umgegend zahlreich erschienenen Publikum führte er die bedenkliche Entwicklung des Antisemitismus vor Augen und kam zu dem Ergebnis, dass die Abwehr aus dem Innern des Judentums herauskommen müsse. Der Jude muss vor allem seine Religion kennen und ausführen lernen, um die Angriffe gegen dieselben wirksam abwehren zu können. Es wurde angeregt, in allen Gemeinden Literaturabende zu veranstalten, damit auch besonders die Jugend zur praktischen Erforschung der heiligen Lehre angehalten wird. Hoffentlich finden diese Gedanken in allen Kreisen Anklang und praktische Durchführung."

 
Veranstaltung der Ortsgruppe Nördlingen des Central-Vereins (1927)

Noerdlingen BayrGZ 09021927.jpg (93099 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9. Februar 1927: "Nördlingen, den 14. Januar 1927. Am vergangenen Sonntag sprach Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München) in der hiesigen Ortsgruppe des Central-Vereins vor einem zahlreich erschienenen Publikum von hier und auswärts über 'Die Entwicklung des Gemeinschaftsgedankens in der Israelitischen Religionsgesellschaft Bayerns in der Zeit von 1813-1926'. 
Ausgehend von den vor mehr als 1000 Jahren erfolgten ersten Ansiedlungen der Juden in Bayern, zeichnete der Herr Referent in tief schürfender und erschöpfender Weise den Werdegang und das gemeindliche Leben der bayerischen Juden unter starker Hervorhebung des Gemeinschaftsgedankens, der in der am 20. und 21. April 1920 erfolgten Gründung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden seinen sinnfälligsten Ausdruck gefunden hat. Des weiteren besprach er die materiellen und moralischen Aufgaben und Ziele des Verbandes und seine bisherigen, von Jahr zu Jahr wachsenden Leistungen. Der Herr Referent richtete einen warmen Appell an die Zuhörer und betonte, dass es heilige Pflicht eines jeden einzelnen bayerischen Juden ist, durch eifrige Pflege und Betätigung des Gemeinschaftsgedankens den zum Schutze und zur Erhaltung des bayerischen Judentums gegründeten Verband zu kräftigen und zu stärken. 
Die Anwesenden dankten dem Herrn Dr. Neumeyer für seinen eindrucksvollen Vortrag durch reichen Beifall. H.St."

 
Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen (1928 / 1936)

Noerdlingen BayrGZ 15081928.jpg (73131 Byte)Anzeige im 'Amtlichen Anzeiger' - Beilage der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1928: "Bekanntmachung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden - Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen. 
Die Israelitische Kultusgemeinde Nördlingen hat beschlossen, ihr Gebiet auf den Finanzbezirk Nördlingen mit Ausnahme der Gemeinde Wallerstein auszudehnen. Es ergeht hiermit an alle Religionsgenossen, die in dem von der Ausdehnung betroffenen Gebiete wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, die Aufforderung, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 20. September 1928 beim Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen schriftlich oder mündlich einzulegen. 
München, den 6. August 1928. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Dr. Straus." 
 
Bekanntmachung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen auf das Gebiet der politischen Gemeinde Harburg. 
Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen, zugleich Steuerverbandsvertretung, hat am 30. August 1936 folgenden Beschluss gefasst: 
Gemäß § 2 des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes dehnt die Israelitische Kultusgemeinde Nördlingen ihr Gebiet auf das Gebiet der politischen Gemeinde Harburg aus. 
Dieser Beschluss wird hiermit öffentlich bekannt gemacht. 
Den an der Umbildung Beteiligten, insbesondere den von der Umbildung betroffenen umlagenpflichtigen Bekenntnisgenossen, wird hiermit Gelegenheit zur Einsprache gegeben. Die Einsprache soll genau die Gründe darlegen, welche gegen die bekannt gegebene Umbildung angeführt werden wollen. Die Einsprache muss binnen einer vom 20. September 1936 ab laufenden Frist von zwei Wochen bei der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen schriftlich eingereicht werden.  
Nördlingen, den 7. September 1936.  
Für die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen. 
Jacob Seligmann, I. Vorstand. Friedrich Levite."   

      
Judenfeindliche Beschlüsse des Stadtrates (1933)

Noerdlingen JuedRundschau 01091933.jpg (18408 Byte)Meldung in der "Jüdischen Rundschau" vom 1. September 1933: "Der Stadtrat von Nördlingen veröffentlicht folgenden Beschluss: 'Juden ist der Zutritt sowohl zum städtischen Freibad wie zum städtischen Volksbad in der Turnhalle verboten."
   
Mitteilung der der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1933: "Nördlingen. Der Stadtrat von Nördlingen veröffentlicht folgenden Beschluss: 'Juden ist der Zutritt sowohl zum städtischen Freibad wie zum städtischen Volksbad in der Turnhalle verboten.'"

    
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Jubiläum des Gemeindevorstehers Höchstätter 1907

Noerdlingen Israelit 07031907.jpg (22155 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1907: "Nördlingen, 3. März. Sein 25jähriges Jubiläum als erster Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat Herr Höchstätter begangen. Seitens der Gemeinde wurde ihm ein silberner Pokal überreicht, auf welchem die Ostfront der Synagoge ziseliert angebracht ist." 

  
Zum Tod von Jakob Ascher (1920)

Noerdlingen Israelit 15011920.jpg (79707 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1920: "Nördlingen, 7. Januar (1920). In der Frühe des Sabbat-Rüsttags wurde unser Gemeindemitglied Jakob Ascher nach kurzem Krankenlager im erst 41. Lebensjahre uns durch den Tod entrissen. Mit ihm ist ein sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreuender guter Jehudi heimgegangen, dessen Streben und Trachten stehts auf Wohltätigkeit gerichtet war. Ein Vater den Armen und ein Helfer den Ratlosen zu sein, war seine Gewohnheit. Reges Interesse zeigte der Heimgegangene an den Einrichtungen der Kultusgemeinde, die er jederzeit tatkräftig unterstützte. An der Bahre widmeten ihm der hiesige Lehrer Herr Strauß und ein Verwandter des Verblichenen, Herr Hauptlehrer Fulder aus Treuchtlingen, Worte des Dankes und der Anerkennung. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 


Zum Soldatentod von Josef Hamburger (1915)  

Noerdlingen Israelit 29071915.jpg (99818 Byte) Artikel in der "Der Israelit" vom 29. Juli 1915: "Nördlingen, 25. Juli (1915). Am 16. Juni erlitt den Heldentod fürs Vaterland ein Jüngling, der es verdient hat, ehrenvoll hier erwähnt zu werden. Josef Hamburger aus Nördlingen rückte im Dezember voll Gottvertrauen und Zuversicht nach dem westlichen Kriegsschauplatz ab und hat sich hier in den sechs Monaten des Ringens nicht nur als tapferer Kämpfer für das Vaterland ausgezeichnet, sondern auch als Kämpfer für die heilige jüdische Sache; so übertrat er das Speisegesetz in keiner Weise, trotz der schwersten Hindernisse, die sich ihm manchmal entgegenstellten, seinen Vorgesetzten und christlichen Kameraden wusste er durch sein Festhalten an der Religion, wie aber auch durch sein liebevolles Wesen die vollste Anerkennung abzugewinnen. Am verflossenen Pessach versorgte der herzensgute und hilfsbereite Mensch noch verschiedene jüdische Kameraden mit Mazzot. Welche Freude war es für ihn, wenn er an einem Feldgottesdienst teilnehmen konnte, um sein Gebet mit Minjan zum Allgütigen emporsteigen zu lassen. So ist denn der Körper dieses seltenen Jehudi in fremde Erde gebettet, sein Geist aber wird bei allen, die ihn kannten, fortleben. Seine Seele sein eingebunden in den Bund des Lebens."      

  
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Leopold Ascher (1916)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 14. Juli 1916:  "Nördlingen. Leopold Ascher, der Jahre hindurch Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde war und sich infolge seiner nicht nur in Gesinnung, sondern auch in Betätigung streng traditionell-jüdischen Lebensführung der höchsten Achtung erfreute, ist - 65 Jahre alt - in Winterthur verschieden."    

  
Unteroffizier Salo Levite wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1917)  

Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. März 1917: "Nördlingen. Unteroffizier Salo Levite, Inhaber des bayerischen Verdienstkreuzes mit Schwerter, erhielt das Eiserne Kreuz."   

  
  
 
  
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe  

Anzeige des Hopfen- und Eisengeschäftes Gebrüder Marx (1876)  

Noerdlingen Israelit 23081876.jpg (52042 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1876: "Für unser Hopfen- und Eisengeschäft suchen einen jungen Mann (Israelit) mit schöner Schrift fürs Comptoir und kleinere Reisetouren, gegen annehmbares Salair und freier Station im Hause. 
Eintritt längstens bis 1. Oktober. Samstage und Feiertage geschlossen. Reflektanten belieben Ansprüche unter Beilage ihrer Zeugnisse uns einzusenden. 
Nördlingen, 13. August 1876. Gebrüder Marx."

Anzeige der Restauration von H. Rosenbaum (1879)

Noerdlingen Israelit 02011879.jpg (54346 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1879: "Koscher - Wein, Bier, Kaffee - Koscher - und Restauration von H. Rosenbaum in Nördlingen. Einem verehrlichen reisenden Publikum sowie zur Abhaltung von Hochzeiten bringe meine Koschere Restauration in empfehlende Erinnerung. Vorzügliche Weine. Zur jeder Tageszeit warme Speisen. 
Zugleich empfehle mein selbst bereitetes - reines - Gänsefett zur geneigten Abnahme."    

    
Anzeige des Käse- und Buttergeschäftes M. Höchstädter (1890)  

Noerdlingen Israelit 10111890.jpg (42930 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1890: "Commis-Gesuch! Ich suche für mein Käse- und Buttergeschäft en gros per 1. Januar 1891 einen jungen Mann, angehender Commis, der in der Buchführung und Korrespondenz bewandert ist. - Gehaltsansprüche sind dem Offert beizufügen.  
M. Höchstädter
, Nördlingen."  

   
Anzeige von Bäckermeister K. Levi (1890)  
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890: "Ein kräftiger Junge kann sofort in die Lehre treten bei 
K. Levi Bäcker, Nördlingen. 
Schabbat und Feiertag
geschlossen."   

  
Anzeige des Metzgers J. Gunz (1891)  

Noerdlingen Israelit 07051891.jpg (35623 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1891: "Ein kräftiger Junge, aus guter Familie, kann unter günstigen Bedingungen die Metzgerei und Wurstlerei erlernen bei 
J. Gunz, Metzger, Nördlingen. 
Auch wird daselbst ein ordentliches Mädchen aus guter Familie zum Kocherlernen gesucht."

   
Lehrlingssuche des Hopfengeschäftes L.A. Ascher (1891)

Noerdlingen Israelit 08011891.jpg (31776 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1891: "Offene Lehrlings-Stelle
Wir suchen für unser (an Schabbat und Feiertag geschlossenes) Hopfengeschäft einen Lehrling, der bessere Schule besucht hat, zum sofortigen Eintritt.
L.A. Ascher in Nördlingen."

  
Anzeigen der von jeweils zwei orthodoxen Rabbinern beaufsichtigten Fleisch- und Konservenfabrik Nager (1893 / 1902 / 1925 / 1927)

Noerdlingen Israelit 16111893.jpg (44854 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1893: "Prima Rieser Fettgänse von streng orthodoxer Schechita (Schächtung) versendet an Hoteliers und Private unter Zusicherung reeller, billigster Bedienung 
Bernhard Nager, Nördlingen. 
Referenz erteilen Ihre Ehrwürden Rabbiner Dr. Kohn, Ichenhausen, Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Mannheim."
 
Noerdlingen Israelit 13021902.jpg (59033 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1902: "Streng koscher! Konservenfabrik Bernhard Nager, Nördlingen in Bayern. Meine Fleisch- & Geflügel-Konserven in Dosen empfehlen sich durch vorzüglichen Geschmack, jahrelange Haltbarkeit, sehr reichliche Portionen, äußerst billigste Preise, bequemes Öffnen. Referenzen: Seiner Ehrwürden Herr Distriktsrabbiner Dr. A. Cohn, Ichenhausen, Seiner Ehrwürden Herr Distriktsrabbiner Dr. Pinchas Kohn, Ansbach. - Jeder verlange Preisliste. Wiederverkäufern lohnender Rabatt."
   
Noerdlingen Israelit 05111925.jpg (53806 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: "Streng Koscher. Ia junge Mastgänse liefert billigst. Beste Bezugsquelle für Private und Wiederverkäufer  B. Nager, Nördlingen in Bayern. 
Referenzen: Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Neuwirth, Ichenhausen, Seiner Ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. P. Kohn, Ansbach / Wien."  
  
Noerdlingen Israelit 17111927.jpg (39850 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1927: "Koscher - Streng - Koscher. Ia fette Mastgänse versendet billigst B. Nager, Nördlingen in Bayern. Beste Bezugsquelle für Private, Hotels und Wiederverkäufer. Referenz. Distriktrabb. Ichenhausen."

 
Anzeige von Metzger und Wurstmacher Isak Gimz (1901)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: "Suche 
zum sofortigen Eintritt einen kräftigen Lehrjungen oder einen jüngeren Gesellen in meine Metzgerei und Wurstlerei. 
Isak Gimz,
Metzger und Wurstmacher, Nördlingen, Bayern."   

 
Anzeige von M. Höchstädter (1903)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1903: "Zur Stütze der Hausfrau wird ein 
Mädchen

das in Küche und Hauswesen bewandert ist, gesucht. Offerten, Gehaltsansprüche sowie Zeugnisse sind einzureichen. 
M. Höchstädter, Nördlingen (Bayern)."  

    
Verlobungsanzeige von Fanni Goldschmdit und Julius Nager (1934)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1934: "Fanni Goldschmidt  Berlin-München   -  Julius Nager  Nördlingen-München   Verlobte.  
Empfang: Hl. Schabbat Paraschat Wajira. Berlin NW. 87. Claudiusstraße 4, 
Hl. Schabbat Paraschat Chaje Sara München Wagmüllertraße 16,  
Hl. Schabbat Toledot Nördlingen, Deiningerstraße 217."   
Anmerkung: die Datierungen meinen jeweils Samstag (Schabbat): 27. Oktober, 3. November und 10. November 1934. 

   
Verlobungsanzeige von Hell Seligmann und Justin Neuhaus (1937)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937: "Gott sei gepriesen.  
Hell Seligmann - Justin Neuhaus. Verlobte.  
Nördlingen/Bayern  Bergerstraße 8  -  Frankfurt am Main, Gaußstraße 14.  
Zu Hause: Frankfurt/Main, 31.7./1.8."

        

      

       
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

1870 richtete die Gemeinde einen Betsaal ein (im Haus Kreuzgasse 4/4a, ehemalige Druckerei Mundbuch). Am 12. August 1870 war die Einweihung dieses Betsaales.

1885/86 konnte auf dem Platz des ehemaligen Gasthauses Greifen nach Plänen des Ingenieurs Max Gaab eine Synagoge erbaut werden. Die Grundsteinlegung war im April 1885. Im Frühjahr 1886 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden, am 17. September 1886 war die feierliche Einweihung. Von der Architektur her war die Nördlinger Synagoge sowohl im gesamten Aufriss der Westfassade als auch der Langhauswände stark von der zwei Jahre zuvor erbauten Synagoge in Kitzingen beeinflusst. Bei beiden Bauten dienten die Barockkirchen der Region äußerlich als Vorbild.  

Die Finanzierung der Synagoge wurde über ein Darlehen (80.000 Mark) sowie durch den Verkauf von Synagogenplätzen (zusammen 40.000 Mark) vorgenommen. Allerdings wollten sich daran nicht alle in Nördlingen lebenden jüdischen Personen beteiligen:  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. April 1886: "München, 2. April (1886). Der Nördlinger Synagogenbau beschäftigt heute den Verwaltungsgerichtshof. Die israelitische Kultusverwaltung hat bezüglich der Deckung der auf 120.000 Mark sich belaufenden Kosten für den Neubau einer Synagoge durch Beschluss festgesetzt, dass 40.000 Mark von den Gemeindegliedern getragen werden sollen, nachdem bereits 80.000 durch ein Anlehen beschafft sind. Diese 40.000 Mark sollen nun dadurch aufgebracht werden, dass verheiratete Familienhäupter je 400 Mark für zwei Plätze, unverheiratete je 200 Mark für einen Platz in der neuen Synagoge bezahlen sollen, die erst im August dieses Jahres fertig wird. Die Zahl der Gemeindeglieder ist 85. Der Beschluss wurde vom Stadtmagistrat Nördlingen bestätigt, wogegen 6 betroffene Gemeindeglieder Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof gerichtet haben. In der heutigen Verhandlung wurde die Beschwerde vom Rechtsanwalt Dr. Wassermann vertreten, welcher den betreffenden Beschluss als einen Angriff auf die Gewissensfreiheit bezeichnete, ganz abgesehen von der völlig ungerechtfertigten, unbilligen Belastung aller selbständigen Gemeindemitglieder ohne Rücksicht auf deren Steuerkraft und Leistungsfähigkeit. Für die Kultusgemeinde plädierte Rechtsanwalt Dr. Hellmann, welcher den Beschluss zweckmäßig und bei der anerkannten Zahlungsfähigkeit der Nördlinger Israeliten keine ungehörige Belastung darin erblickt. Staatsanwalt Dr. Schaff beantragte in seinem Gutachten, dass der Beschwerde stattzugeben sei, indem die einzelnen Mitglieder nicht verpflichtet seien, die Synagogenplätze käuflich zu erwerben, und der Beschluss der Kultusverwaltung weder eine gleichmäßige Belastung der einzelnen Mitglieder involviere, noch überhaupt gesetzentsprechend sei. Die Publikation wurde auf den 9. April anberaumt."  
Noerdlingen Israelit 29041886.jpg (166246 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1886: "Von der bayerischen Grenze, 13. April (1886). Ein erwähnungswerter Prozess spielte sich kürzlich vor dem Verwaltungsgerichtshof in München ab. Die israelitische Gemeinde von Nördlingen, welche aus 85 Gemeindegliedern besteht, baut eine neue Synagoge, die bis nächsten August fertig sein wird. Die Kosten des Baues und der Einrichtung belaufen sich auf ca. 120.000 Mark. Hiervon wurden 80.000 Mark als Anlehen aufgenommen und 40.000 Mark sollen von den Gemeindegliedern getragen werden und zwar dadurch, dass verheiratete Familienhäupter 400 Mark für 2 Plätze, unverheiratete je 200 Mark für einen Platz in der neuen Synagoge bezahlen sollen. Der Nordlinger Stadtmagistrat bestätigte den Beschluss, wogegen 6 Gemeindeglieder bei dem Verwaltungsgerichtshof Beschwere erhoben haben. Rechtsanwalt Dr. Wassermann, welcher die Beschwerde bei der Verhandlung vertreten, erklärte den betreffenden Beschluss als einen Angriff auf die Gewissensfreiheit, ganz abgesehen von der völlig ungerechtfertigten, unbilligen Belastung aller selbständigen Gemeindemitglieder ohne Rücksicht auf deren Steuerkraft und Leistungsfähigkeit. Rechtsanwalt Dr. Hellmann, der die Kultusgemeinde vertritt, fand den Beschluss zweckmäßig und erblickte bei der anerkannten Zahlungsfähigkeit der Israeliten in Nördlingen keine ungehörige Belastung darin. Staatsanwalt Dr. Schaff beantragte in seinem Gutachten, dass der Beschwerde stattzugeben sei. Das Urteil, das am 9. April verkündigt wurde, lautet dahin, dass der Beschluss der Kultusgemeinde aufrecht zu erhalten und die Beschwerdeführer abzuweisen seien."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. April 1886: "München, 9. April (1886). (Verwaltungsgerichtshof). Aus Anlass der Beschwerde der Kultusgemeindemitglieder Kathi Schweißheimer, Moses Hamburger und Genossen von Nördlingen gegen den Beschluss des Stadtmagistrats Nördlingen wegen Leistung von Beiträgen zur israelitischen Kultusgemeinde in Nördlingen wurde der angefochtene Magistratsbescheid dahin abgeändert, dass die Beschwerdeführer zur Zeit noch nicht zur Entrichtung der von ihnen zu zahlenden Beiträge von je 200 beziehungsweise 100 Mark verpflichtet seien, da diese Verpflichtung statutengemäß erst mit der Fertigstellung der Synagoge und der Benutzbarkeit der Kirchenstühle eintrete, was erst im August laufenden Jahres der Fall sein wird. Der beanspruchte Beitrag kann nach den Motiven nicht als missbräuchliche oder unverhältnismäßige Sonderbelastung betrachtet werden, die vielmehr nur im Verhältnis stehe zum außerordentlichen Gesamtaufwand für einen Synagogenneubau. Die Kultusgemeinde hat die Kosten beider Instanzen mit Ausnahme der den Beschwerdeführern erwachsenen Vertretungskosten zu tragen."    

    
Beschreibung der Synagoge
von Prof. Julius Heller 1920
(siehe Literatur S. 48-50; Dank an Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries für die Übermittlung des Textes!)

Die Synagoge. Als um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Baurat Wolf in Stuttgart eine neue Synagoge zu bauen hatte, wählte er einen echt orientalischen Stil dazu, nämlich den arabisch-maurischen, das heißt er entnahm seine Vorbilder der Glanzperiode der Maurenherrschaft in Spanien, den wunderbaren Schöpfungen in der Alhambra zu Granada, sowie der Moschee zu Cordova. Kurze Zeit danach bekam der oben genannte Architekt den Auftrag, auch in Nürnberg eine neue Synagoge in diesem Stil zu erbauen. Der Bau gelang vortrefflich und fand Nachahmung und so kam es, dass diese Bauweise, als die passendste, allenthalten Aufnahme für den Bau israelitischer Gotteshäuser fand. Da die Araber sich der Lehre Mohammeds angeschlossen hatten und deren Bibel (der Koran) jegliche biblische Darstellung beim Bau von Kultusgebäuden aufs strengste verbot, waren die arabischen Baumeister zur Ausschmückung ihrer Werke nur auf das Ornament angewiesen, das sie mit echt orientalischer Phantasie zur höchsten Entwicklung brachten, namentlich das Flachornament, mit dem Wände und andere Flächen, namentlich in der Halle der Abencerragen und im Löwenhof der Alhambra in verschwenderischer Pracht bedeckt sind. Aber nicht nur das Ornament in Arabesken, sondern auch das geometrische Ornament entwickelte sich zu einer so hohen Stufe, dass dieselbe kaum überboten werden kann. - 
Die hiesige Israelitische Kultusgemeinde (Nördlingen), an Kopfzahl gewachsen und auch wirtschaftlich erstarkt, trug sich gewiss schon länger mit dem Gedanken, an Stelle des bisherigen sehr bescheidenen Bethauses, der Gottheit zu Ehren ein würdiges Gotteshaus zu errichten. Der längst gehegte Wunsch wurde zur Tat und im Jahr 1885 auf 1886 erhob sich, leider etwas abseits, ein ansehnlicher Bau. Derselbe sollte doch möglichst in die Mitte der Stadt zu liegen kommen und darum entschloss man sich, das der bisherigen Synagoge gegenüber gelegene Wirtschaftsanwesen zum "Greifen" anzukaufen und abzubrechen. - Der städtische Ingenieur, nachmaliger Baurat Gaab wurde mit der Vorlage eines Planes betraut, der die Genehmigung fand und Gaab den Auftrag zur Ausführung erbracht. Der schöne weiße Sandstein hierzu wurde aus den Schorndorfer Brüchen bezogen. Das Gebäude mit seiner Hauptfront gegen die Hindenburgstraße gelegen, zeigt sich von da als ein imposanter Bau. Zwei hübsche, nicht sehr hohe Türme stehen zu beiden Seiten eines etwas vortretenden Mittelbaues, der oben in eine Plattform mit Balustrade endigt. Der zurückgedrängte Giebel des niederen basilikaartigen Daches dient zur besseren Wirkung der Türme, die dadurch höher erscheinen und die bis zu ihrem dritten Stockwerk quadratische Grundform haben, von da aber ins Achteck übergehen. Als Abschluss endigt das Dach mit einer Kuppel; die Wirkung ist eine recht gute. Die ganze Fassade hat elf rundbogige Fenster, von denen je drei auf die Türme treffen, zwei links und rechts vom Portal liegen und drei über diesem sichtbar sind. Diese letzteren zeichnen sich im Inneren des Gotteshauses über dem Allerheiligsten durch ihre Farbenpracht vor allen anderen aus. Die Türme haben in ihrem oberen Teil je noch acht kleinere Fensteröffnungen. Das rundbogige Portal mit seinen zwei Säulchen, die das oft gesehene charakteristische Kapitell tragen, schließt oben mit einem wagrechten Gesims ab und ist mit hübschem ausgemeißeltem Flachornament verziert. Nach den mosaischen Gesetzen muss das Allerheiligste stets nach Osten zu liegen kommen, daher konnte dieses Portal nicht als Eingang gebraucht werden, weil im Innern die Nische mit dem Allerheiligsten den demselben gebührenden Ehrenplatz bekommen musste. Der eigentliche Eingang ist deshalb auf die Rückseite des Gebäudes verlegt worden (westlich). Soweit der Bau von der Hindenburgstraße sichtbar ist, besteht er, wie schon oben bemerkt, aus weißem Sandstein, die beiden Langseiten jedoch, sowie die Rückseite des Gebäudes sind aber in Ziegelrohbau ausgeführt, wobei jedoch die Tür- und Fenstereinfassungen von demselben weißen Haustein gearbeitet sind wie die Ostfassade. Jede Langseite hat unten und oben je sechs Fenster, alle gleich rundbogig, die Rückwand besitzt zur Beleuchtung der Empore drei größere in farbigem Glas ausgeführte Fenster. Über einige Stufen gelangt man ins Innere.
Orientalischer Prunk tritt dem Beschauer gleich beim Eintritt entgegen, ein farbenreiches Bild mit Gold durchsetzt bietet sich dem Auge dar. Der geräumige hohe Saal, die reich kassettierte flache Holzdecke, die Emporen links und rechts mit ihren reich verzierten Brüstungen, jede auf vier kräftigen gusseisernen Säulen ruhend, die vielen vergoldeten Beleuchtungskörper, in der Mitte der große, vergoldete Lüster mit zweiundvierzig Flammen, an den Wänden links und rechts je vier Wandarme dazu, dann in jeder der beiden Langseiten sechs in mattem Damast ausgeführt Fenster, und das alles in reichem maurischem Stil vielfarbig gehalten, die Metallteile vergoldet, wahrlich ein voller Beweis dafür, welche Pracht und welchen Reichtum dieser Stil zu entfalten vermag! Der Saal ist durch einen Mittelgang geteilt, zu dessen Seiten zusammen vierundzwanzig Bänke Platz haben. Das ganze Innere ist durch die farbigen Fenster mit einem feierlichen Halbdunkel erfüllt, das gegen das Allerheiligste hin noch zunimmt; der Mittelgang führt darauf zu und ehrfurchtsvoll naht sich der Beschauer demselben, und wenn der freundliche Lehrer gar noch die oberhalb der Lade angebrachten Talmudworte übersetzt: 'bedenke, vor wem du stehst', so bevollmächtigt sich ein heiliger Schauer der Seele. 
Vor der hohen und tiefen Nische, die das Allerheiligste birgt, liegt vorne die schöne, reichgeschnitzte Kanzel, ihr zur Seite links und rechts zwei hohe siebenarmige Leuchter, hinter der Kanzel das Vorbeterpult und hinter diesem an der Wald die die Torarollen enthaltende heilige Lade, in der Form des reichen Portikus mit Säulen und Kapitells, in ernster, dunklerer Farbe gehalten, den Inhalt durch einen gleichfalls dunklen Vorhang vor profanen Augen verdeckend.
Vor dem Allerheiligstenschrein hängt von der Decke die Ampel mit dem ewigen Licht und zu den Seiten stehen nochmals zwei kunstvolle Kandelaber. Im oberen Teil der Nische sieht man die schon bei Betrachtung der Außenseite erwähnten drei Fenster im herrlichsten Farbenschmuck prangen und das herrliche Gesamtbild abschließen.
Im Jahre 1885 stiftete der israelitische Frauenverein einen zweiten Vorhang für das Allerheiligste von rotem Samt mit reicher Goldverzierung, zu dessen Herstellung auftragsgemäß der Schreiber dieses die Zeichnungen lieferte. Während des Verlassens des schönen Raumes sieht man, dass die

  
Verkauf der alten Synagogeneinrichtung (1886)
Nach Fertigstellung der Synagoge konnte die Einrichtung der alten Synagoge verkauft werden. Es ist nicht bekannt, wohin diese Einrichtung gekommen ist.

Noerdlingen Israelit 11111886.jpg (44984 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1886: "Durch unseren Synagogenneubau ist eine komplette Synagogen-Einrichtung, für eine kleinere Gemeinde passend, abzutreten. Hierauf reflektierende Gemeinden belieben sich dieserhalb an den unterzeichneten Vorstand zu wenden. 
Nördlingen. Die Kultusverwaltung. Der I. Vorstand: Lazarus Marx."


1936 - drei Jahre nach der nationalsozialistischen Machtergreifung - stand die Feier des 50jährigen Bestehens der Synagoge an:    
    
Historischer Rückblick anlässlich der 50jährigen Synagogeneinweihung 1936

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1936: "Nördlingen. Eine erhebende Feier fand am Sonntag, 4. Oktober, in der Synagoge zu Nördlingen statt. Es galt ein dreifaches Jubiläum zu feiern. 50 Jahre waren verflossen, seit das stattliche 'Beth Hakneseth' erbaut worden war, 25 Jahre sind es her, dass der Beamte der Gemeinde, Kollege Hermann Strauß, den Dienst in diesem Gotteshause versieht, und endlich konnte dieser in seiner Gemeinde so beliebte und geachtete Lehrer seinen 60. Geburtstag begehen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Schwab, Ichenhausen, sprach nach dem Gesamt des 'Ma Towu' und nach dem Mincha-Gebet in zu Herzen gehenden Worten zu der vollzählig versammelten Gemeinde. Mit besonderem Danke hob er hervor, in welch vorbildlicher Weise der Jubilar stets mehr als seine Pflicht getan habe und ein Leben, dem Idealen und Göttlichen geweiht, 'lemalo min haschemesch' geführt habe, das fortwirkend ewige Werte erzeugt.  
Kollege Strauß, der danach das Wort ergriff, dankte von Herzen für die ihm erwiesene Ehrung (der Gemeindevorstand hatte dem Jubilar vorher schon Dubnows Geschichtswerk überreicht) und zeigte durch seine nachfolgenden Ausführungen, dass er nach wie vor auch für den Rest seiner Jahre nur den Weg 'lemalo min haschemesch' gehen könne, in tiefster Verbundenheit mit seiner so treuen Gemeinde. 
Der Unterzeichnete, der als Nachbarkollege und als Vertreter der Bezirkskonferenz Ansbach die Glückwünsche überbrachte, konnte mit dem Bewusststein heimkehren, eine selten schöne und würdige Feier erlebt zu haben.  Levite, Gunzenhausen."  
  
Noerdlingen BayrGZ 15011937.JPG (361651 Byte)Bericht in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1937: "Aus den letzten 50 Jahren der Gemeinde Nördlingen. Am 17. September 1936 jährte sich zum 50. Male der Tag, an dem die Nördlinger Synagoge eingeweiht wurde. In den Schriften der Glossierer des Talmuds finden wir den Namen der Stadt Nördlingen mit 'Nurlingen' bezeichnet und in den Tschuwoth M'haram Maiur zeichnet der Dajan zu Venedig Rabbi Schmuel aus 'Nurlingen'; so heißt auch an anderer Stelle der Verfasser des Josef Omez Rabbi Josef Nurlingen. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen dieselben von den im Jahre 1384 aus Nördlingen vertriebenen Juden. Chronisten der Stadt Nördlingen erwähnen auch die Juden Nördlingens im 12. und 13. Jahrhundert. 1290 mussten auch die Juden Nördlingens ihre Heimat das erste Mal verlassen. Einige Zeit nachher wurden ihnen die Tore der Stadt wieder geöffnet; im 14. Jahrhundert bestand die Gemeinde aus 30 Familien, welche ihre Wohnungen in der erst vor ganz kurzer Zeit umbenannten 'Judengasse' hatten. Dort stand die Synagoge, jetzt eine zur Wirtschaft 'Bayerischer Hof' gehörige Scheune. - In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1914 brannte diese nieder. Als das Dach und die Vorderwand gefallen waren, da traten die alten hohen und dicken Umfassungsmauern der einstigen Synagoge wieder zu Tage und mit ihnen der Bogen des stattlichen Gewölbes, die schmalen gotischen Fenster und die vorspringenden Mauerteile, welche die Frauenempore trugen: untrügliche Beweise dafür, dass diese Wände einst ein Gotteshaus umschlossen und zwar die älteste der drei Synagogen Nördlingens. - Diese Synagoge war ursprünglich Eigentum der jüdischen Gemeinde. Als bei der Katastrophe von 1348 vertragsmäßig alle Häuser und Hofstätten der Juden dem Grafen von Öttingen mit der Bedingung zufielen, sie binnen drei Jahren zu verkaufen, ist sie vermutlich zunächst an die Stadt übergegangen und wurde von ihr später wieder an die neugebildete Judengemeinde überlassen. Im Jahre 1909, bei der letzten Judenvertreibung, überließ der Rat dem Stadtrechner Hans Sporer, der bei den Unterhandlungen wegen Austreibung der Juden neben dem Stadtamtmann besonders tätig gewesen ist, die Schule nebst der Wohnung des Rabbi sowie den anstoßende Hof um 20 Gulden zu frei eigen. Seitdem ist sie in Privatbesitz geblieben. 
Von dieser Zeit ab war es den Juden nicht mehr gestattet, in Nördlingen zu wohnen, bis das Jahr 1848 ihnen Freiheit und Gleichheit brachte und damit auch die Freizügkeit. Einer der zuerst wieder hierher gezogenen Juden war Eduard Höchstädter, der 1861 von Mönchsdeggingen übersiedelte.
Im Jahre 1869 waren schon 15 jüdische Familien in Nördlingen; sie schlossen sich der Gemeinde Kleinerdlingen an. Dorthin gingen sie an Sabbat- und Festtagen zum Gottesdienst. Erst am 28. März erhielt die neuerrichtete Gemeinde die Genehmigung der Königlichen Regierung. Hand in Hand damit erfolgte die Übersiedelung der Ederheimer Gemeindemitglieder nach Nördlingen, sodass die Gemeinde nach der Gründung aus 27 Mitgliedern bestand. 
In dem der heutigen Synagoge gegenüberliegenden Hause mietete die Gemeinde ein Lokal, welches zu einem Betsaal umgebaut wurde. Mit dem Rabbinat Wallerstein und der Gemeinde Mönchsdeggingen wurden über die Mitbenutzung des Begräbnisplatzes, mit der Gemeinde Kleinerdlingen über Benutzung des Ritualbades Verträge abgeschlossen. Als Religionslehrer und Vorbeter wurde Abraham Weiler aus Fischach angestellt. Am Schabbos Nachmu 5630 = 1870 wurde der Betsaal durch den Distrikts-Rabbiner David Weißkopf eingeweiht. 1874 wurde ein selbständiges Ritualbad errichtet und 1876 der Friedhof auf sanft geneigtem Hang vor dem Berger Tor angelegt.
Infolge stetigem Anwachsens der Gemeinde, die Mitte der 80er-Jahre an 500 Seelen zählte - heute sind es nur noch 150 - erwies sich der Betsaal bald als zu klein und die Gemeinde sah sich vor die Notwendigkeit gestellt, eine der Größe der Gemeinde angemessene Synagoge zu erbauten. Am 19. Januar 1884 - 21. Tewes 5644 wurde die Kultusverwaltung ermächtigt, einen geeigneten Synagogenbauplatz anzukaufen. Dies geschah am 5. März 1884 durch Erwerb der Gastwirtschaft zum Greifen für die Summe von RM 22.000.-. Am 1. Juni 1884 wurden die ausgestellten Pläne von der Gemeindeversammlung einstimmig gut geheißen. Die Pläne und Voranschläge des Synagogeneubaues wurden am 3. November 1884 behördlich genehmigt. Am 11. März 1885 wurde mit den Erdarbeiten begonnen. Am 27. April fand die Grundsteinlegung statt in Gegenwart des Distriktrabbiners, des 1. Bürgermeisters und des bauleitenden Technikers. In den Grundstein wurde eine hebräische und deutsche Urkunde eingelegt. Am Dienstag, den 14. September 1886 waren sämtliche Arbeiten beendet; der schöne Bau stand vor aller Augen. Er erforderte einen Kostenaufwand von RM. 120.000.- . Am 17. September 1886 (= 17. Elul 5646) fand die feierliche Einweihung statt unter Beteiligung der staatlichen und städtischen Behörden, der Geistlichkeit, der Rektoren und Lehrer der höheren Unterrichtsanstalten und zahlreicher auswärtiger Gäste. 
Die Abschiedsrede in der alten Synagoge hielt Herr Distriktsrabbiner M. Cohn - Kleinerdlingen, die Weiherede Herr Distriktsrabbiner A. Cohn - Ichenhausen. Der Festgottesdienst wurde von Lehrer und Kantor A. Weiler aufs feierlichste durchgeführt. 
Fromme Frauen spendeten einen herrlichen Vorhang für die Bundeslade und eine Schulchandecke aus rotem Samt mit reicher Goldstickerei, Mädchen selbstgestickte Toramäntelchen; Männer und Frauen stifteten einen weißen goldgestickten Vorhang, ferner die gemalten Fenster an der Ostfront, eine Ner-tamid-Ampel, silberne Leuchter und andere Gegenstände.
Ein halbes Jahrhundert hat das schöne Gotteshaus den Gemeindemitgliedern und vielen Glaubensgenossen aus nah und fern Stunden der Einkehr, des Trostes und seelischer Erbauung, Stunden der stillen Zwiesprache mit Gott geschenkt. Möge die Synagoge auch noch unseren Enkeln und Urenkeln als Pflegestätte des Glaubens dienen.    Strauß-Nördlingen."
 
Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 5. November 1936: "München. Die Gemeinde Nördlingen (Schwaben) veranstaltete anlässlich des 50jährigen Bestehens ihrer Synagoge eine würdige Feier, die gleichzeitig dem 25. Dienstjubiläum ihres Lehrers Hermann Strauß und seinem 60. Geburtstag galt."

   
Vortrag in der Synagoge Anfang März 1938 

Noerdlingen Israelit 10031938.JPG (87686 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1938: "Nördlingen, 8. März (1938). Im Anschluss an den Nachmittagsgottesdienst fand hier vergangenen Sonntag in der Synagoge ein religiöser Vortrag statt, in dem Herr Isi Goldberger aus Nürnberg über die Bedeutung der Agudas Jisroel sprach. Nach einem geschichtlichen Rückblick über die Entstehung der Organisation, die den Zusammenschluss des jüdischen Volkes auf der Grundlage der Tora erstrebt, entwarf der jugendliche Redner in fesselnder Darstellung ein Bild von den vielfältigen Leistungen der Agudas Jisroel. Mit besonderem Nachdruck unterstrich der Redner die auf Ansiedlung religiöser Gruppen gerichteten Aufgaben und die darauf resultierende Forderung, durch Anschluss an die Gemeinschaft der Gesetzestreuen diesen Kreis zu unterstützen. Das aus dem Arewus-Begriff fließenden Solidaritätsgefühl gibt auch dem Einzelnen in den Landgemeinden, dass der große Klall Jisroel (die jüdische Gemeinschaft) ihn mitträgt. - Die in großer Anzahl erschienenen Gemeindemitglieder folgten den Ausführungen mit sichtlicher Anteilnahme. Lm". 

Beim Novemberpogrom 1938 wurden zunächst am Abend des 9. November 1938 die Scheiben der Synagoge eingeschlagen. Am folgenden Tag wurden das Mobiliar und die Ritualien zerstört; die Torarollen aus ihrem Schrein geholt und im Hof der Synagoge angezündet. Auf Anweisung des Bürgermeisters wurde dann jedoch ein Schild an der Synagoge angebracht, das das Gebäude zum Eigentum der Stadt erklärte, das nicht angerührt werden dürfe. Nach dem Pogrom verkaufte die jüdische Gemeinde die Synagoge und den Friedhof für 15.000 RM an die Stadt. Das restliche Synagogeninventar kam aus der Synagoge in den Luftschutzkeller der Schranne. In der Synagoge wurde ein Getreidespeicher eingerichtet.
 
1955 wurde die ehemalige Synagoge von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde erworben und teilweise abgebrochen beziehungsweise umgebaut. An ihrer Stelle entstand das Evangelische Gemeindehaus. Im Erdgeschoss befand sich das Arbeitsamt Nördlingen. Am Eingang erinnerte eine Gedenktafel an die Synagoge. 1997 wurde das Evangelische Gemeindehaus und mit ihm die bis dahin erhaltenen Reste der Synagoge abgebrochen, an seiner Stelle 1998 ein mehrstöckiges Altenheim errichtet.
     

    
    
Fotos 
Historische Fotos: 
(Quelle: Foto obere Zeile links bei Zipperer s. Lit. S. 230; Foto Mitte bei Harold Hammer-Schenk, Synagogen in Deutschland Bd. 2 Abb. 287; Foto rechts Pinkas Hakehillot s.Lit. S. 631))

Historische Ansichten der Synagoge in Nördlingen
Noerdlingen Synagoge 149.jpg (57210 Byte) Kitzingen Synagoge 001.jpg (75515 Byte) Noerdlingen Synagoge 145.jpg (91106 Byte)
Die 1885/86 erbaute Synagoge in Nördlingen Architektonisches Vorbild für die Nördlinger Synagoge: die 1883 erbaute Synagoge in Kitzingen Innenaufnahme der Synagoge
     
Historische Ansichtskarte
(Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Noerdlingen Synagoge 159.jpg (64212 Byte) Noerdlingen Synagoge 158.jpg (33353 Byte)
  Mehrbild-Ansichtskarte aus Nördlingen mit Ausschnittsvergrößerung
   
Historische Lithographie
(Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Noerdlingen Synagoge 157.jpg (87004 Byte) Noerdlingen Synagoge 156.jpg (75392 Byte)
Druck der Kreissparkasse Nördlingen von 1987 /Repro einer alten Lithographie),
 u.a. mit der Synagoge (Ausschnittsvergrößerung)
       
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
Fotos 1954:
Noerdlingen Synagoge 030.jpg (36565 Byte) Noerdlingen Synagoge 031.jpg (61183 Byte)
  Die ehemalige Synagoge in Nördlingen, 1954 von Baumeister Christian Prechter aufgenommen als Vorarbeit zum Teilabriss und Umbau zum evangelischen Gemeindehaus 
(die Fotos wurden freundlicherweise von Rolf Hofmann, Stuttgart zur Verfügung gestellt)
   

Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 12.3.2004)

 
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Das auf dem Synagogengrundstück 1998 erbaute Altenheim Gedenktafel für die ehemalige Synagoge
      
      
      

Erinnerungen an jüdische Gewerbebetriebe in Nördlingen
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
zu den genannten Familien siehe auch die weiteren Informationen auf den 
genealogischen Familienblättern von Rolf Hofmann

 
     
Postkarte aus Nördlingen, geschrieben von Leib Konowitz 1889 Noerdlingen m01010057.jpg (56827 Byte) Noerdlingen m01010056.jpg (70084 Byte)
 

Leib Konowitz schrieb die Postkarte am 23. Juni 1889 an eine - vermutlich jüdische - Buchhandlung in Frankfurt.

     
Brief aus Zöbingen an Handelsmann Moses Rosenfelder (1907) Noerdlingen g01010057.jpg (71169 Byte)   
   Moses Rosenfelder ist am 21. Dezember 1844 in Aufhausen geboren 
und verstarb am 14. September 1911 in Nördlingen.
     
Rechnung der Ledermanufaktur Eduard Höchstädter, Inh. Simon Hirschfelder und Bernhard Lemle, geschickt von Nördlingen nach Aulendorf (1909) Noerdlingen d01010055.jpg (94594 Byte) Noerdlingen d01010056.jpg (48033 Byte)
      Der Lederhändler Eduard Höchstädter konnte sich nach Wiederaufnahme von Juden in der Stadt als erster 1860 in Nördlingen niederlassen. Anfang des 20. Jahrhunderts hat er seinen Betrieb an Simon Hirschfelder und Bernhard Lemle übergeben, um selbst in München ein neues Ledergeschäft aufzumachen.
     
Fotokarte, am 14. Dezember 1913 als Feldpost von Nördlingen nach Ingolstadt verschickt. Auf dem Foto die Metzgerei von Julius Siegbert Noerdlingen e01010055.jpg (76683 Byte) Noerdlingen e01010056.jpg (12206 Byte)
     Julius Siegbert ist am 21. April 1875 in Pflaumloch geboren. Er wurde am 2. April 1942 von Nördlingen aus mit seiner Frau Sofie geb. Aufhäuser über München "in den Osten" deportiert. Beide sind umgekommen bzw. wurden ermordet. 
   
Dokumente der Fa. Gebr. Neumann (Häute, Felle und Gerbereiabfälle, 1935) sowie der Eisenhandlung Fa. Gebr. Eisemann (Frachtbrief, Rechnung, Postkarte) 1931 und noch 1937  Noerdlingen 01010058.jpg (96082 Byte) Noerdlingen 01010057.jpg (58187 Byte)
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Bankgeschäft Julius Rosenfelder 
(Brief von 1931)
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Ludwig Rosenfelder war der Sohn von Moses Rosenfelder. 1907 übergab er seine Bank in Nördlingen an die Bayerische Handelsbank (heute Bayerische Vereinsbank). Bis Mitte der 1920er-Jahre war er deren Direktor. 1939 emigrierte das Ehepaar nach England. Frau Fanny hat sich als Mitglied des Roten Kreuzes in Nördlingen sehr engagiert. 

     
Historische Karte mit 
Pferde- und Viehhandlung Sigmund Mayer
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   Die 1913 verschickte Karte zeigt auf der linken Seite wahrscheinlich das Wohn- und Geschäftshaus von Sigmund Mayer in der Reimlinger Straße. Sigmund Mayer ist am 17. Juli 1867 in Pflaumloch geboren und am 10. November 1937 in Nördlingen gestorben.
   
Historische Karte mit 
Geschäft von Moritz Pappenheimer
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   Die 1912 verschickte Karte zeigt die Deiningerstraße. Moritz Pappenheimer ist am 7. Juli 1869 in Oberdorf geboren und 1892 nach Nördlingen gezogen. 

       
  

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Nördlingen  
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Nördlingen (interner Link)  
Artikel zur Geschichte der Synagoge und des Evangelischen Gemeindehauses von E. Bezzel im Evangelischen Gemeindeboten für die Kirchengemeinden Nördlingen usw. vom Februar/März 1991 (interne Seite): hier anklicken 
Genealogische Seiten zu den jüdischen Familien Nördlingens - Jewish Family Sheets Noerdlingen  erarbeitet von/compiled by Rolf Hofmann, Harburgproject 
Die Namen der jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf Seite des Hauses der Bayerischen Geschichte  
Über die Nördlinger Laubhütte im Museum Schloss Cronheim   (Seite auch intern gespeichert)  

Literatur:

Germania Judaica II,2 S. 593-597; III,2 S. 977-994.
Ludwig Müller: Aus fünf Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im Ries. in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 25 1898 S. 1-124 und 26 1899 S. 81-183.
Julius Heller: Nördlinger Gotteshäuser. Mit einem Anhang: Das Klösterle / Nördlinger Begräbnisstätten. Nördlingen 1920. 
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Nördlingen. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 11. Jg. Nr. 72 März 1997 S. 19-20.
Gustav Adolf Zipperer: Nördlingen - Lebenslauf einer schwäbischen Stadt. Nördlingen 1979.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 486-488.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 259-260.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 629-632. 
Hermann Keßler: Die jüdische Gemeinde in der Stadt Nördlingen 1860-1942. In: Rieser Kulturtage Dokumentation Band VII/I S. 327-391.
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel  

Noerdlingen (in Jewish sources Nerlingen, Nerlgin) Swabia. Jews are known from the 12th century. The medieval community ended in 1290 when hundreds of Jews were slaughtered by the local population. The few who survived were murdered in the Rindfleisch massacres of 1298. A community with a synagogue and cemetery inhabited a Jewish quarter in the 14th century but it too was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. A new community was wiped out in 1384 when 200 Jews were murdered. Jews were living under the protextion of Emperor Sigismund in the early 15th century until the last 11 Jewish families were expelled in 1507. Despite restrictions, Jews continued trading in Noerdlingen until permanent settlement was permitted in 1860. The Jewish population grew to a peak of 469 in 1890 (total 8.004), with a cemetery opened in 1876 and a synagogue in 1886. In 1933, 186 Jews remained. By November 1938, 71 had left, 38 of them imigrating (including 22 to the United States). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized. Nine Jews were sent to the Dachau concentration camp. Another 45 left by the end of 1941, 33 emigrating (18 to the United States). On 31 March 1942, 25 Jews were deported to Piaski (Poland) via Munich; the last 16 most aged, were sent to the Theresienstadt ghetto on 6-7 August 1942. 
    

                   
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Stand: 28. Februar 2010