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Synagogen in Bayerisch Schwaben
Nördlingen (Landkreis
Donau-Ries)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
im Mittelalter (english
version)
In Nördlingen bestand eine bedeutende jüdische Gemeinde
zunächst im
Mittelalter von den ersten Erwähnungen im 13. Jahrhundert (Nennungen in dem
zwischen 1290 und 1300 verfassten Stadtrecht), unterbrochen durch
die Verfolgungszeiten 1290, 1298, 1349, 1384 bis zur Ausweisung der Juden 1506/07.
Die erste Gemeinde des 13. Jahrhundert hatte im Bereich des Brettermarktes 4 ihr
Zentrum mit einer Synagoge (das Gebäude wird vor 1380 als
Kastenhaus des Antoniterordens erwähnt).
Im 14. Jahrhundert gab es eine Synagoge in der 1394 und 1402 erstmals
genannten "Judengasse"; die Synagoge stand Judengasse 1 / Ecke
Schrannenstraße). Nach der Verfolgung in der Pestzeit war die Synagoge vermutlich einige
Zeit im Besitz der Stadt. Beim einem Judenpogrom am 29. Juli 1384
wurden die Juden der Stadt ermordet; Häuser und Synagoge gingen in den Besitz
der Stadt über. Auf Grund des Pogroms wurde Nördlingen 1385 vorübergehend aus
dem Schwäbischen Städtebuch ausgeschlossen. 1393 wurde die Synagoge vom Rat
der Stadt dem Memminger Antoniterorden geschenkt, doch scheiterte das Vorhaben,
an ihrer Stelle eine Kapelle zu erbauen.
Im 15. Jahrhundert bestand wiederum eine kleine jüdische Gemeinde in der
Stadt, doch waren die jüdischen Familien ständig von der Ausweisung bedroht
(nach 1453 waren 6 Jahre lang keine Juden in der Stadt). Seit 1401 konnten die
jüdischen Familien das Synagogengebäude gegen Mietzahlungen benützen.
Ein jüdischer Friedhof, der 1415 erstmals genannt wurde und bei dem es
sich bereits um den dritten mittelalterlichen jüdischen Friedhof in der Stadt
handelte), befand sich auf dem Henkelberg (ehemaliger Galgenberg) und wurde von
den in Nördlingen und der Umgebung lebenden jüdischen Familien belegt. Im November
1506 erreichte die Stadt Nördlingen nach jahrelangen Bemühungen, dass die Juden der Stadt "für alle Zeit" ausgewiesen werden durften. Innerhalb
von drei Monaten hatten sie die Stadt zu verlassen. Die jüdischen Häuser und
die Synagoge gingen in den Besitz des Rates der Stadt über.
Im 17. Jahrhundert gab es - in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
1636/37 und 1644 sowie 1673 - vorübergehend jüdische Niederlassungen in der
Stadt.
| Erinnerung an die mittelalterliche
jüdische Gemeinde: Die "Judengasse" im Zentrum der Altstadt |
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An der Westseite der
Judengasse (Fotos links) stand die mittelalterliche Synagoge, die 1509 nach
Ausweisung der Juden profanisiert wurde. Im Lauf der Jahrhunderte wurde sie
mehrfach umgebaut. 1914 ist sie abgebrannt und wurde anschließend
abgebrochen. Auf dem Foto: Reste der Ostwand vor dem Abbruch. Foto: Dr.
Ernst Frickhinger, Nördlingen (Original in: Central
Archives Jerusalem) |
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Darstellungen zu Spuren
jüdischer Geschichte: der Judenbrunnen und die Judenmauer
(erhalten von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Wiedergabe eines Bildes um
1819 des Nördlinger Johannes Müller, Titel "Der Rüben- und Schäflensmarkt,
alter Judenbrunnen". Ungefähr an derselben Stelle des
Judenbrunnens wurde 1902 der bis heute dort stehende Kriegerbrunnen erbaut
(Quelle: "Nördlingen, Portrait einer Stadt", hg. Fränkisch-Schwäbischer
Heimatverlag Oettingen 1965). |
Bild von Johannes Müller: "Das
alte Baldinger Thor mit der Judenmauer in Nördlingen, demoliert
1821". Nach Georg Monninger (Was uns Nördlinger Häuser erzählen
S. 73) war das Baldinger Tor mit einer dichten, oben begehbaren und
mit einem Dach bedeckten Mauer ("Judenmauer" genannt) umgeben,
deren Abbruch wegen Baufälligkeit 1820 erfolgte. |
Dokument
aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts, als eine Niederlassung von Juden in
der Stadt noch nicht möglich war
Hausierhandelsverbot von 1812
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries)
Bekanntmachung.
Um dem immer mehr überhand nehmenden allgemein verbotenen und den
ordentlichen Handel beeinträchtigenden Hausierhandel der Juden in
Nördlingen Einhalt zu tun, sieht sich das königliche Polizei-Kommissariat
auf höchsten Befehl des königlichen General-Kommissariats veranlasst,
die frühere Verordnung des ehemaligen General-Kommissariats der
schwäbischen Provinz vom 24. August 1903 durch folgende Bekanntmachung zu
erneuern.
1. Den Juden wird das ohnehin allgemein verbotene Hausieren mit Waren
aller Art in der Stadt Nördlingen auf das strengste untersagt, und zwar
bei 5 Gulden im ersten Betrettungsfall, und wenn das bestrafte Individuum
zum zweitenmal betreffen wird, wird obige Geldstrafe noch mit Konfiskation
sämtlicher Waren vermehrt, und zwar zum Besten des
Lokalarmenfonds.
2. In Ansehung des Handels mit Gütern bleibt es ohnehin bei den
desfallsigen allerhöchsten Verordnungen.
3. Außer den Messen Jahr-, Ross- und Viehmärkten in der Stadt, welche
sie besuchen dürfen, wird ihnen daselbst kein anderer Handel als mit
alten Kleidern, Gold, Silber, Perlen und Pretiosen gestattet.
4. Es ist ihnen keine Niederlage von neuen Waren in der Stadt erlaubt, und
zu diesem Ende werden ihre Kammern und Wohnungen unvermutet untersucht,
die darin gefundenen neuen Waren hinweggenommen, und zum Besten des
Armenfonds konfisziert werden.
5. Zur Hinwegschaffung solcher dermal bestehenden Warenlager wird ein
peremptorischer Termin von acht Tagen gegeben, innerhalb welchem auch jene
Bürger, bei welchen Juden Lager haben, davon die Strafe die Anzeige beim
königlichen Polizei-Kommissariat zu machen verpflichtet sind.
Das königliche Polizei-Kommissariat wird über der genauen Befolgung
dieser Verordnungen strenge wachen, und alle Mittel anwenden, um die
denselben Entgegenhandelnde ausfindig zu machen. Sollte jedoch ein oder
der andere der Aufmerksamkeit desselben zu entgehen wissen, so wird es
jedem redlichen Bewohner Nördlingens, dem zugleich nebst Verschweigung
seines Namens ein Drittel der Geldstrafe als Belohnung zugesichert wird,
zur Pflicht gemacht, hierorts hiervon Anzeige zu machen.
Nördlingen, den 11. Januar 1812. Königlich Bayerisches
Polizei-Kommissariat von Bäumen." |
Zur jüdischen Geschichte
der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert
Erst 1860 konnten Juden wieder in Nördlingen zuziehen (der
erste jüdische Neubürger war der Lederhändler Eduard Höchstädter aus
Mönchsdeggingen), insbesondere aus den
umliegenden Orten Kleinerdlingen, Ederheim,
Mönchsdeggingen, Harburg,
Wallerstein, Hainsfarth und
Steinhart.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich von 1860 bis 1910
wie folgt: 1860 eine Familie, 1867 61 jüdische Einwohner (0,9 % von insgesamt
6.873 Einwohnern), 1871 176 (etwa 25 Familien, 2,5 % von 7.079), 1875 70 bis 80
Familien, 1880 347 (4,4 % von 7.837), 1890 469 (5,9 % von 8.004), 1900 408 (4,9
% von 8.299), 1910 314 (3,6 % von 8.705). 1899 hatte man die Höchstzahl von 489 jüdische Einwohner
gezählt. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Wallerstein, das später von Ichenhausen
vertreten wurde.
Mehrere der zugezogenen jüdischen Familienvorstände eröffneten für das
wirtschaftliche Leben der Stadt in den folgenden Jahrzehnten bedeutende Gewerbebetriebe,
Handlungen, Kaufläden. Weit bekannt war die Marmorschleiferei Max Koppel
& Söhne mit etwa 40 Mitarbeitern (um 1900), die unter anderem jüdische
Friedhöfe in ganz Süddeutschland mit Grabsteinen belieferte.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal, dann eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter
(Kantor) und
Schächter tätig war. Die erste Ausschreibung erfolgte nach Gründung der
Gemeinde 1870 (vgl. Anzeige unten). Auf die Anzeige von 1870 hin bewarb sich erfolgreich Abraham
Weiler, der bis nach 1895 (25-jähriges Dienstjubiläum siehe Bericht unten) erfolgreich
in der Gemeinde als Lehrer und Kantor wirkte. Von 1908 bis 1911 war Elias
Godlewsky Lehrer und Kantor (zuvor in Amberg), danach
Hermann Strauß, der von 1911 bis zu seiner Auswanderung 1939 in der Gemeinde
wirkte und an den städtischen Schulen den jüdischen Religionsunterricht
erteilte.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Josef Hamburger
(geb. 11.12.1894 in Nördlingen, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef. 16.6.1915),
Max Bühler (geb. 14.10.1891 in Nördlingen, gef. 3.4.1916), Gefreiter Jakob
Bühler (geb. 29.7.1890 in Nördlingen, gef. 11.7.1916), Unteroffizier Alfred
Bühler (geb. 5.5.1895 in Nördlingen, vor 1914 in Schopfloch wohnhaft, gef.
31.10.1916)), Vizefeldwebel Heinrich Bühler (geb. 22.4.1898 in Nördlingen,
gef. 26.4.1918), Unteroffizier Sigmund Bühler (geb. 22.1.1893 in Nördlingen,
gef. 23.7.1918) und Albert Regensteiner (geb. 4.4.1896 in Nördlingen, gef.
26.9.1918). Ihre Namen stehen auf einem im jüdischen Friedhof
angebrachten Gefallenengedenkstein ("Fürs Vaterland seid ihr gestorben:
Wir ehren Euch - Fürs Judentum habt ihr erworben das Himmelreich".)
Um 1924, als etwa 250 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten, waren
die Vorsteher der Gemeinde Ludwig Rosenfelder, Gabriel Schweißheimer, Jakob
Seligmann, Gabriel Hamburger, Moses Rosenberger, David Sternglanz und Robert
Neumann. Als Lehrer und Kantor wirkte der bereits genannte Hermann Strauß, als
Schochet und Synagogendiener Sally Halpern. Die Religionsschule der Gemeinde
besuchten damals vier Kinder, die anderen Kinder erhielten den Religionsunterricht
an den städtischen Schulen. An jüdischen Vereinen gab es eine Chewra
Kadischa ("Israelitischer Leichenverein", gegründet 1898,
Ziele: Wohltätigkeit und Bestattungswesen, 1924/32 unter Leitung von Emil
Koppel mit 1924 50, 1932 65 Mitgliedern), ein Israelitischer Frauenverein (gegründet
1900, Ziele: Krankenpflege, Unterstützung Hilfsbedürftiger, unter Leitung von
Frieda Stoll, 1924 70, 1932 30 Mitglieder) und die Wohltätigkeitskasse "Gemilus
Chessodim" unter Leitung von Moses Rosenberger. 1932 wird auch eine Wanderarmenkasse
genannt zur Unterstützung durchreisender Juden. Zudem gab es Ortsgruppen der
Zionistischen Vereinigung (spätestens 1924 gegründet), des Jüdischen
Nationalfonds Keren Kajemet le Jisrael und des Jüdischen Jugendvereins
(gegründet 1921). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Wallerstein, das
inzwischen von Ichenhausen aus versehen wurde. 1932 waren die Vorsteher
Jacob Seligmann (1. Vors.) und Norbert Neumann (2. Vors.). Schriftführer war der
Lehrer und Kantor Hermann Strauß.
1933 lebten 186 jüdische Personen in der Stadt (2,2 %
der Gesamtbevölkerung von 8.402 Personen). Unmittelbar nach der
nationalsozialistischen Machtübernahme wurden antijüdische Bestimmungen in der
Stadt durchgesetzt. So war bereits im Sommer 1933 Juden der Besuch der
städtischen Schwimmbäder verboten. Andererseits war die Betätigung auf
wirtschaftlichem Gebiet teilweise weiterhin möglich. Noch im Sommer 1937 war
der Viehhandel in Nördlingen vorwiegend in jüdischen Händen. Auf Grund der
zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen
bis Anfang November 1938 71 jüdische Personen die Stadt (38 wanderten aus,
davon 22 in die USA, je fünf nach Holland und Palästina, die übrigen in andere
Länder), 33 verzogen in andere deutsche Städte (München, Nürnberg, Augsburg
usw.). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet (s.u.)
sowie die Wohnungen der jüdischen Familien "durchsucht", wobei viele
Gegenstände und Bargeld gestohlen wurde. Etwa 30 jüdische Männer wurden in
das Stadtgefängnis gebracht. 20 von ihnen wurden nach einer Woche freigelassen,
die anderen über Augsburg in das KZ Dachau verschleppt. Bis Ende 1941
verließen weitere 45 jüdische Einwohner die Stadt, wovon 33 emigrieren konnten
(18 in die USA, neun nach England, sowie andere Länder). Zwischen 1933 und 1942
sind 39 Juden in Nordlingen verstorben. Am 31. März 1942 wurden 25 jüdische
Einwohner über München nach Piaski bei Lublin deportiert. Die letzten
Nördlinger Juden, 15 ältere Personen, wurden im August in das Ghetto
Theresienstadt verbracht. Damit war Nördlingen in der nationalsozialistischen
Sprache "judenfrei" geworden.
Von den in Nördlingen geborenen
und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der
NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Else Adler (1903), Ludwig Adler (1928), Mina Arensberg
geb. Kaufmann (1876), Friedrich Ascher (1888), Hedwig Ascher geb. Stern (1883),
Betti Bauer geb. Siegbert (1906), Emma Bauer geb. Weil (1872), Irma Bauer
(1911), Recha Baum geb. Bühler (1897), Rosa Bredig geb. Schmieder (1861), Arthur
Bühler (1904), Jenny Bühler (1880), Ludwig Bühler (1900),
Siegfried (Saly) Bühler (1899), Emma Dannenberg geb. Einstein (1886), Hina
Einstein geb. Schweisheimer (1859), Moses Einstein (1882), Sigmund Einstein
(1877), Lina Frank geb. Bühler (1905), Therese (Roesi) Jakob geb.
Einstein (1884), Günther Eisemann (1927), Heinrich Eisenmann (1886), Helene
(Lene) Eisenmann geb. Vogel (1890), Ida Eisenmann geb. Kaufmann (1886), Julie
Fallmann geb. Levi (1893), Johanna Geggel (1894), Antonie Gradmann (1889), Josef
Gressmeier (1874), Heinrich Guldmann (1871), M. Guldmann (geb. ?), Paula
(Pauline) Guldmann geb. Weinschenk (1884), Abraham Hamburger (1872), Benno
Hamburger (1882), Berta Hamburger (1923), Gerda Hamburger (geb. ?),
Hermann Hamburger (1877), Isaak Hamburger (1876), Jeanette (Jenny) Hamburger
(1886), Klara Hamburger (1879), Moritz Hamburger (1881), Selma Hamburger (1889),
Siegfried Hamburger (1877), Willy Hamburger (1876), Jenny Heimann geb. Sicho
(1873), Hermann Heinemann (1880), Rosa Heinemann geb. Kreissle (1892), Lina
Herbst (geb. ?), Max Herbst (geb. ), Bertha Hochstädter (1871), Bertha
Hochstädter geb. Dillenberger (1882), Karoline Höchstädter geb. Neumann
(1892), Rosalie Höchstädter (geb.?), Karoline (Lina) Jacob geb. Hamburger
(1885), Adelheid Kaufmann geb. Kaufmann (1865), Fanny Kaufmann geb.
Bühler (1888), Fritz Kaufmann (1892), Helena Lehmann geb. Einstein (1885),
Leopold Lehmann (1867), Lina Lehmann geb. Feuchtwanger (1876), Ida Mannheimer
geb. Schweisheimer (1887), Charlotte Mayer (1895), Else (Elsa) Mayer geb.
Mannheimer (1874), Klara Mayer (1896), Max Mayer (1866), Helene Mahler geb.
Rakofsky (1906), Michael Bernd Mahler (1937), Hewig Meyer geb. Regensteiner
(1885), Sara Nager geb. Marx (geb. ?), August Neuburger (1876), Ludwig Neuburger
(1877), Resi Neuburger geb. Sternglanz (geb. ?), Helene Neuhaus geb. Seligmann
(1909), Laura Neumann geb. Obermeier (1862), Louis (Ludwig) Neumann (1896),
Eugen Oppenheimer (1889), Frieda Oppenheimer (1886), Johanna Oppenheimer geb.
Berretz (1896), Josef Oppenheimer (1887 oder 1895), Lina Regensteiner geb.
Gutmann (1872), Selma Regensteiner (1897), Moritz Rogger (1879), Julius
Rosenberger (1898), Paula Rosenberger (1895), Lina Schloss geb. Heiligenbrunn
(geb. ?), Adelheid Schönfeld geb. Kaufmann (1880), Benno (Berthold)
Schweisheimer (1898), Mathilde Schweisheimer geb. Mendle (1873), Moritz
Schweisheimer (1862), Jakob Seligmann (1875 oder 1878), Julius Siegbert (1875),
Sofie Siegbert geb. Aufhäuser (1877), Sofie Stein geb. ? (1891), Anna
Stern geb. Blum (1871), Friederike (Frieda) Stoll geb. Hubert (1871), Thekla
Stoll (1897), Herbert Weissbacher (1923), Max Weissbacher (1885), Olga
Weissbacher geb. Bachenheimer (1898), Betty Wolf geb. Blum (1877), Irma
Wolf geb. Eisenmann (1878).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1870 /
1908 / 1911 / 1922
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1870: "Die
israelitische Kultusgemeinde Nördlingen,
sucht die Stelle eines
Religionslehrers, der zugleich die Funktionen des Vorsängers &
Schochet zu versehen hat, zu besetzen. Fixer Gehalt 350 Gulden, nebst
freier Wohnung; Nebeneinkünfte von 3-400 Gulden jährlich. Bewerber
wollen erforderliche Zeugnisse innerhalb 4 Wochen einsenden.
Nördlingen,
den 3. April 1870. Der Ausschuss". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1908: In
(der) Kultusgemeinde Nördlingen ist durch Ableben des seitherigen
Kantors und Religionslehrers, des seligen Herrn Weiler, dessen
einträgliche Stelle in Erledigung gekommen und wird demnächst zur
Ausschreibung gelangen. - Vorerst wird ein seminaristisch gebildeter
Verweser zum sofortigen oder alsbaldigen Anritt für die Dauer von ca.
6 Monaten bei guter Bezahlung gesucht. Deutsche Bewerber ersuchen
um Einsendung von Zeugnissen. Israelitische Kultusverwaltung. Sigmund
Höchstädter." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1908:
"Die Kultusgemeinde Nördlingen sucht zum 1. August dieses Jahres
seminaristisch gebildeten Religionslehrer und Kantor mit guter
Stimme (möglichst Bariton), der zugleich als Hilfsschächter und
Gemeindesekretär zu fungieren hat. Einkommen ca. 3.000 Mark pro anno und
freie Dienstwohnung (eigenes Haus). Anmeldungen deutscher Bewerber, welche
das zweite Examen mit gutem Erfolg absolviert haben, wollen unter
Einsendung von Zeugnissen und Attesten über Gesundheit bis spätestens
10. März eingereicht werden.
Israelitische Kultusverwaltung i.V. Sal. Gutmann." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1911:
"Die Kultusgemeinde Nördlingen sucht per 1. August dieses Jahres
seminaristisch gebildeten Religionslehrer und Kantor mit guter Stimme
(möglichst Bariton), der zugleich als Hilfsschochet und Gemeindesekretär
zu fungieren hat. Einkommen mindestens 3.000 Mark und freie Dienstwohnung
(eigenes Haus). Deutsche Bewerber wollen unter Einsendung von Zeugnissen
und Attesten über Gesundheit bis spätestens 20. Februar sich melden.
Israelitische Kultusverwaltung". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1922:
"Vakanz. In unserer Gemeinde ist die Stelle eines Schochets,
Hilfsvorbeters und Kultusdieners baldigst zu besetzen. Das
Gesamteinkommen beträgt bei schöner freier Dienstwohnung mindestens Mark
15.000 pro Jahr. Bewerbungen mit Zeugnissen sind an die Unterzeichnete
Verwaltung zu richten. Nördlingen (Bayern), 7. Februar 1922. Israelitische
Kultusverwaltung. L. Rosenfelder." |
Lehrer Abraham Weiler betreibt ein
Knaben-Pensionat
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1878:
"Knaben-Pensionat. Eltern, die ihre Knaben eine der hiesigen
vorzüglichen Schulen als: Realschule - deren Absolvierung berechtigt zum
einjährig Freiwilligen im ganzen deutschen Heere, Beginn 25. September
dieses Jahres -, Latein- und Präparandenschule besuchen lassen wollen,
finden für dieselben passende Unterkunft in dem Knaben-Pensionat des
Unterfertigten. Strenge Beaufsichtigung, religiöse Erziehung, angenehmes
Familienleben, gesunde Lokalitäten. Auf besonderen Wunsch Unterricht im
Hebräischen und Musik, Violine, Cello, Klavier und Gesang. Referenzen
erteilt A. Weiler, israelitischer Lehrer und Kantor, Lehrer an der
königlichen Realschule. |
25-jähriges Dienstjubiläum des
Lehrers Abraham Weiler (1895)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1895: "Aus
dem Ries. Der derzeitige Lehrer und Kantor der israelitischen
Kultusgemeinde zu Nördlingen Herr A. Weiler, hat am 28. dieses Monats
(Mai 1895) sein 25jähriges Dienstjubiläum begangen. Durch seine amtliche
Tüchtigkeit sowohl als Lehrer und Kantor hat Lehrer Weiler es einerseits
verstanden, die Liebe und Hochachtung seiner Kultusgemeinde sich zu
erwerben, wie anderseits derselbe sich auch durch sein ernstfreundliches
und friedliebendes Wesen die Zuneigung und Achtung aller Mitbürger ohne
Unterschied der Konfession zu erringen verstand. Nicht unerwähnt wollen
wir es heute lassen, dass Herr Kantor Weiler zu Ehren des 70. Geburtstages
Seiner königlichen Hoheit des Prinz-Regenten den 21. Psalm komponierte,
welcher von Allerhöchst demselben huldvollst entgegengenommen wurde.
Möge die Kultusgemeinde Nördlingen noch lange Jahre das Glück haben,
einen so tüchtigen, verdienstvollen, allgemein beliebten und geachteten
Kultusbeamten zu besitzen". |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juni 1895:
"Der Lehrer und Kantor der israelitischen Gemeinde zu Nördlingen,
A. Weiler, hat vom 28. vorigen Monats sein 25-jähriges Dienstjubiläum
begangen. Kantor Weiler hat zu Ehren des 70. Geburtstages des
Prinz-Regenten von Bayern den 21. Psalm komponiert, welcher von demselben huldvollst
entgegengenommen wurde." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juni 1895:
"Aus Süddeutschland, im Juni (1895). Am 28. Mai feierte der
derzeitige Lehrer und Kantor der israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen,
Herr A. Weiler, sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Von einer größeren
Feier musste eines Trauerfalls wegen leider Abstand genommen werden.
Trotzdem gestaltete sich dieser Tag zu einem Ehrentag für diesen
allgemein geachteten und beliebten Kultusbeamten. Herrn Weiler wurden eine
große Fülle ehrender Auszeichnungen zuteil. Unter den Gratulanten
befanden sich die Herren Reichs- und Landtagsabgeordneten Frickhinger und
Wildegger, die Rektoren der Realschule und des Progymnasiums, der Konvent
der Klosterschule und andere mehr. Möge die Kultusgemeinde noch lange
Jahre diesen tüchtigen, verdienstvollen, allgemein geachteten
Kultusbeamten besitzen." |
Zur Silbernen Hochzeit von Lehrer Abraham Weiler (1895)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September
1898: "Nördlingen, 30. August (1898). Seit 28 Jahren schon
steht Herr Lehrer A. Weiler als Kantor und Religionslehrer im
Dienst der israelitischen Kultusgemeinde dahier. Derselbe erfreute sich in
dieser langen Zeit nicht bloß hoher Achtung in seiner Gemeinde, sondern
genoss auch stets die Wertschätzung weiterer Kreise und die Liebe der von
ihm unterrichteten Kinder. Am 26. vorigen Monats waren es 25 Jahre, dass
er den Ehebund mit seiner verehrten Gattin schloss. Aus Anlass der
silbernen Hochzeit brachte der Musik- und Gesangverein, dessen
schätzbares Mitglied Herr Lehrer Weiler seit seinem Hier sein ist,
gestern Abend dem Jubelpaar ein Ständchen. Möge Glück und Segen Herrn
Weiler und seiner Familie auch in den kommenden Jahren in reichem Maße
beschieden sein." |
Zum Tod von Lehrer Abraham Weiler (1908)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Januar
1908: "Nördlingen. Nach 37jähriger Amtstätigkeit in unserer
Gemeinde ist unser hoch geschätzter Lehrer Abraham Weiler verschieden.
Der Verstorbene erreicht nur ein Alter von 56 Jahren." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1908: "Nördlingen,
14. Januar (1908). Am 9. dieses Monats verschied in Augsburg nach einer
Operation der langjährige Kantor und Religionslehrer der hiesigen
israelitischen Kultusgemeinde, Herr Abraham Weiler, im 56. Lebensjahre.
Die Leiche wurde durch zwei Vertreter der hiesigen Kultusverwaltung von
Augsburg hierher geleitet. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer
außerordentlich großen Trauerkundgebung. Dem Sarge folgten die
Kultusverwaltung, die Vorstände und Lehrer der königlichen Realschule
und des Progymnasiums und anderer Schulen, die Geistlichkeit beider
Konfessionen, Vertreter der städtischen Kollegien, eine große Anzahl von
Schülern und Schülerinnen, mehrere Vereine und die Gemeindemitglieder
samt vielen zur letzten Ehrung des Verstorbenen herbeigeeilten
auswärtigen Freunden desselben. Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn - Ichenhausen
gedachte in seiner Rede der Verdienste, die der Entschlafene sich während
seines 37jährigen Wirkens in hiesiger Gemeinde erworben. Namens der
israelitischen Kultusgemeinde dankte, in Vertretung des ersten Vorstandes
Sigmund Höchstädter, Herr Salomon Gutmann dem Dahingeschiedenen für
seine ersprießliche Tätigkeit als Lehrer und Kantor, sowie für seine
eifrigen Bemühungen um die Zwecke des israelitischen Frauenvereins. Es
sprachen dann Herr Prediger Weiler aus Paderborn, der Bruder des
Verewigten, Herr Realschulrektor Dr. Mehlis für Realschule und
Progymnasium, an welchen Herr Weiler gewirkt hat, und Herr Hauptlehrer
Weiß für den Bezirkslehrerverein Nördlingen; ferner ergriffen das Wort
die Herren Rechtsanwalt Schwarzkopf, Lithograph Zeitrag, Siegfried Bär
und Lehrer Gutmann von Oettingen. Die
israelitische Kultusgemeinde erleidet durch den Tod des Herrn Weiler einen
schweren Verlust." |
Wahl von Lehrer Elias Godlewsky als Nachfolger von Lehrer Weiler (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908:
"Nördlingen, 19. April (1908). Bei der heute stattgefundenen
Gemeindeversammlung wurde Herr Godlewsky in Amberg,
an Stelle des verstorbenen Herrn Weiler unter 22 Bewerbern als Lehrer und
Kantor gewählt." |
Abschied von Lehrer Elias Godlewsky (1911)
Meldung
im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 20. Oktober 1911:
"Nördlingen. Elias Godlewsky ist an die Bürgerschule in Fürth
berufen worden." (im Bericht ist der Familienname verschrieben für
Godlewsky) |
25jähriges Dienstjubiläum und 60. Geburtstag von Lehrer Hermann Strauß (1936)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1936: "München.
Die Gemeinde Nördlingen (Schwaben) veranstaltete anlässlich des
50jährigen Bestehens ihrer Synagoge eine würdige Feier, die gleichzeitig
dem 25. Dienstjubiläum ihres Lehrers Hermann Strauß und seinem
60. Geburtstag galt." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Die erste Niederlassung einer jüdischen Person
(1860)
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November
1860: "Nördlingen hat nun auch einen Juden, Herrn Lederhändler E.
Höchstätter aus Mönchsdeggingen (in der Meldung verschrieben)
aufgenommen, der wohl nicht lange der Einzige dort bleiben wird." |
Bericht von 1875 zur Situation der Gemeinde
Bericht von 1875 zur Situation in der Gemeinde
in der Zeitschrift "Der Israelit". Aus dem Rabbinatsbezirk
Wallerstein, im März (1875). Unser ehrwürdiger Distriktsrabbiner Herr
David Weiskopf - sein Licht möge leuchten - versieht sein Amt
trotz seines Alters - der Ewige mehre seine Tage und seine Jahre -
mit jugendlicher Geistesfrische. Die Schechitah (= rituelle Schlachtung) im diesseitigen Distrikte
ist in Händen gottesfürchtiger Männer, die den Anordnungen ihres
Rabbiners gern und willig Folge leisten. Es ist nur schade, dass der Ort
Wallerstein nur noch einige jüdische Familien hat, während die Synagoge
und andere jüdische Einrichtungen an die frühere Kehilla (Gemeinde)
lebhaft erinnern. Hingegen ist das benachbarte Nördlingen, welches
in jedem 'Memmer-Buch' (Memorbuch = Gedenkbuch an Tote und Märtyrer einer
Gemeinde) als Gerusch-Ort (= Ort einer früheren Vertreibung)
verzeichnet ist, in wenigen Jahren zu einer jüdischen Gemeinde von 70 bis
80
Familien herangewachsen. Die junge Gemeinde hat Männer unter sich, denen
das Wort Judentum keine Phrase ist, die vielmehr ihre gesamte Kraft
aufbieten, um die bewährte jüdischen Institutionen zu
erhalten". |
Bezirkstierarzt Schlicht und der Vorsteher des Bezirks-Tierschutzvereins
äußern sich positiv im Blick auf das Schächten (1898)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1898:
"Nördlingen, 26. Juli (1898). Angesichts der mit erneuter Heftigkeit
wieder entfachten Agitation gegen das Schächten, welche neuerdings in der
Petition badischer Tierschutzvereine um ein Verbot desselben so deutlich
in die Erscheinung trat, dürfte es sich empfehlen, nachstehende Gutachten
über die Vortrefflichkeit unseres rituellen Schlachtverfahrens weiteren
Kreisen bekannt zu geben:
"Bezirksärztliches Gutachten. Von hiesiger israelitischer
Kultusverwaltung zur Abgabe eines Gutachtens über das 'Schächten'
veranlasst, stehe ich nicht an, mich aus nachfolgenden Gründen dahin
gutachtlich zu äußern, dass ich dasselbe nicht als eine Tierquälerei
erachte, da der Tod des Tieres, den solches durch die rasche Verblutung
erleidet, kein qualvoller ist, der Schmerz, den dasselbe hierbei
empfindet, teils durch die Schärfte des Messers, teils durch dessen
rasche Führung nur ein geringer sein kann, und das Bewusststein des
Tieres nach erfolgtem Schnitt in Folge der schnellen Verblutung ohnehin in
wenigen Augenblicken erlischt, aus welchen Gründen ich eine dem
Schächten vorangehende Betäubung der Tiere für vollständig zwecklos
und überflüssig erachte.
Nördlingen, 5. Juli 1898. L.S. gez. Schlicht, Königlicher
Bezirkstierarzt.
Obigem Gutachten schließt sich an Nördlingen, 15. Juli
1898.
Herrmann, Vorsteher des Bezirks-Tierschutzvereins.
Dieses Zeugnis, welches durch die Zustimmung des Vorsitzenden des
Bezirkstierschutzvereins erhöhte Bedeutung erhält, kann mit dem
Einwande, den die Tierschützler in ihrer begreiflichen Verlegenheit den
gutachtlichen Äußerungen entgegenzustellen pflegen, nicht abgetan
werden, dass sein Urheber kein praktischer Fachmann sei und nur nach der
Theorie urteile. Herr Schlicht ist eine unter seinen Berufsgenossen
anerkannte Autorität und schon durch sein Amt berufen, ein maßgebendes
Urteil in dieser Frage abzugeben." |
Vortrag von Ministerialrat Dr. Otto Hirsch aus
Stuttgart (1927)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13.
Dezember 1927: "Nördlingen. In Nördlingen fand kürzlich ein
Vortrag des Herrn Ministerialrats Dr. Hirsch aus Stuttgart über Abwehr
des Antisemitismus statt. Dem aus der ganzen Umgegend zahlreich
erschienenen Publikum führte er die bedenkliche Entwicklung des
Antisemitismus vor Augen und kam zu dem Ergebnis, dass die Abwehr aus dem
Innern des Judentums herauskommen müsse. Der Jude muss vor allem seine
Religion kennen und ausführen lernen, um die Angriffe gegen dieselben
wirksam abwehren zu können. Es wurde angeregt, in allen Gemeinden
Literaturabende zu veranstalten, damit auch besonders die Jugend zur
praktischen Erforschung der heiligen Lehre angehalten wird. Hoffentlich
finden diese Gedanken in allen Kreisen Anklang und praktische
Durchführung." |
Veranstaltung der Ortsgruppe Nördlingen des Central-Vereins
(1927)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9.
Februar 1927: "Nördlingen, den 14. Januar 1927. Am vergangenen
Sonntag sprach Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München) in der
hiesigen Ortsgruppe des Central-Vereins vor einem zahlreich erschienenen
Publikum von hier und auswärts über 'Die Entwicklung des
Gemeinschaftsgedankens in der Israelitischen Religionsgesellschaft Bayerns
in der Zeit von 1813-1926'.
Ausgehend von den vor mehr als 1000 Jahren erfolgten ersten Ansiedlungen
der Juden in Bayern, zeichnete der Herr Referent in tief schürfender und
erschöpfender Weise den Werdegang und das gemeindliche Leben der
bayerischen Juden unter starker Hervorhebung des Gemeinschaftsgedankens,
der in der am 20. und 21. April 1920 erfolgten Gründung des Verbandes
Bayerischer Israelitischer Gemeinden seinen sinnfälligsten Ausdruck
gefunden hat. Des weiteren besprach er die materiellen und moralischen
Aufgaben und Ziele des Verbandes und seine bisherigen, von Jahr zu Jahr
wachsenden Leistungen. Der Herr Referent richtete einen warmen Appell an
die Zuhörer und betonte, dass es heilige Pflicht eines jeden einzelnen
bayerischen Juden ist, durch eifrige Pflege und Betätigung des
Gemeinschaftsgedankens den zum Schutze und zur Erhaltung des bayerischen
Judentums gegründeten Verband zu kräftigen und zu stärken.
Die Anwesenden dankten dem Herrn Dr. Neumeyer für seinen eindrucksvollen
Vortrag durch reichen Beifall. H.St." |
Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde
Nördlingen (1928 / 1936)
Anzeige
im 'Amtlichen Anzeiger' - Beilage der "Bayerischen Israelitischen
Gemeindezeitung" vom 15. August 1928: "Bekanntmachung des
Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden - Bekanntmachung über die
Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen.
Die Israelitische Kultusgemeinde Nördlingen hat beschlossen, ihr Gebiet
auf den Finanzbezirk Nördlingen mit Ausnahme der Gemeinde Wallerstein
auszudehnen. Es ergeht hiermit an alle Religionsgenossen, die in dem von
der Ausdehnung betroffenen Gebiete wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz
steuerpflichtig sind, die Aufforderung, etwaige Einsprüche gegen die
Gebietserweiterung bis spätestens 20. September 1928 beim Vorstand der
Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen schriftlich oder mündlich
einzulegen.
München, den 6. August 1928. Verband Bayerischer Israelitischer
Gemeinden. Dr. Straus." |
| |
Bekanntmachung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
September 1936: "Bekanntmachung über Ausdehnung des Gebietes der
Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen auf das Gebiet der politischen
Gemeinde Harburg.
Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen, zugleich
Steuerverbandsvertretung, hat am 30. August 1936 folgenden Beschluss
gefasst:
Gemäß § 2 des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes dehnt die
Israelitische Kultusgemeinde Nördlingen ihr Gebiet auf das Gebiet der
politischen Gemeinde Harburg
aus.
Dieser Beschluss wird hiermit öffentlich bekannt gemacht.
Den an der Umbildung Beteiligten, insbesondere den von der Umbildung betroffenen
umlagenpflichtigen Bekenntnisgenossen, wird hiermit Gelegenheit zur
Einsprache gegeben. Die Einsprache soll genau die Gründe darlegen, welche
gegen die bekannt gegebene Umbildung angeführt werden wollen. Die
Einsprache muss binnen einer vom 20. September 1936 ab laufenden Frist von
zwei Wochen bei der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde
Nördlingen schriftlich eingereicht werden.
Nördlingen, den 7. September 1936.
Für die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde
Nördlingen.
Jacob Seligmann, I. Vorstand. Friedrich Levite." |
Judenfeindliche Beschlüsse des Stadtrates (1933)
Meldung
in der "Jüdischen Rundschau" vom 1. September 1933: "Der
Stadtrat von Nördlingen veröffentlicht folgenden Beschluss: 'Juden ist
der Zutritt sowohl zum städtischen Freibad wie zum städtischen Volksbad
in der Turnhalle verboten." |
| |
Mitteilung
der der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1933: "Nördlingen.
Der Stadtrat von Nördlingen veröffentlicht folgenden Beschluss: 'Juden
ist der Zutritt sowohl zum städtischen Freibad wie zum städtischen
Volksbad in der Turnhalle verboten.'" |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Jubiläum des Gemeindevorstehers Höchstätter 1907
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1907:
"Nördlingen, 3. März. Sein 25jähriges Jubiläum als erster
Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat Herr Höchstätter
begangen. Seitens der Gemeinde wurde ihm ein silberner Pokal überreicht,
auf welchem die Ostfront der Synagoge ziseliert angebracht ist." |
Zum Tod von Jakob Ascher (1920)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1920: "Nördlingen,
7. Januar (1920). In der Frühe des Sabbat-Rüsttags wurde unser
Gemeindemitglied Jakob Ascher nach kurzem Krankenlager im erst 41.
Lebensjahre uns durch den Tod entrissen. Mit ihm ist ein sich einer
allgemeinen Beliebtheit erfreuender guter Jehudi heimgegangen, dessen
Streben und Trachten stehts auf Wohltätigkeit gerichtet war. Ein
Vater den Armen und ein Helfer den Ratlosen zu sein, war seine Gewohnheit.
Reges Interesse zeigte der Heimgegangene an den Einrichtungen der
Kultusgemeinde, die er jederzeit tatkräftig unterstützte. An der Bahre
widmeten ihm der hiesige Lehrer Herr Strauß und ein Verwandter des
Verblichenen, Herr Hauptlehrer Fulder aus Treuchtlingen,
Worte des Dankes und der Anerkennung. Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens." |
Zum Soldatentod von Josef Hamburger (1915)
Artikel in der "Der Israelit" vom 29. Juli 1915: "Nördlingen,
25. Juli (1915). Am 16. Juni erlitt den Heldentod fürs Vaterland ein
Jüngling, der es verdient hat, ehrenvoll hier erwähnt zu werden. Josef
Hamburger aus Nördlingen rückte im Dezember voll Gottvertrauen und
Zuversicht nach dem westlichen Kriegsschauplatz ab und hat sich hier in
den sechs Monaten des Ringens nicht nur als tapferer Kämpfer für das
Vaterland ausgezeichnet, sondern auch als Kämpfer für die heilige
jüdische Sache; so übertrat er das Speisegesetz in keiner Weise, trotz
der schwersten Hindernisse, die sich ihm manchmal entgegenstellten, seinen
Vorgesetzten und christlichen Kameraden wusste er durch sein Festhalten an
der Religion, wie aber auch durch sein liebevolles Wesen die vollste
Anerkennung abzugewinnen. Am verflossenen Pessach versorgte der
herzensgute und hilfsbereite Mensch noch verschiedene jüdische Kameraden
mit Mazzot. Welche Freude war es für ihn, wenn er an einem
Feldgottesdienst teilnehmen konnte, um sein Gebet mit Minjan zum
Allgütigen emporsteigen zu lassen. So ist denn der Körper dieses
seltenen Jehudi in fremde Erde gebettet, sein Geist aber wird bei allen,
die ihn kannten, fortleben. Seine Seele sein eingebunden in den Bund
des Lebens." |
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Leopold Ascher
(1916)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 14. Juli
1916: "Nördlingen. Leopold Ascher, der Jahre hindurch
Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde war und sich infolge seiner
nicht nur in Gesinnung, sondern auch in Betätigung streng
traditionell-jüdischen Lebensführung der höchsten Achtung erfreute, ist
- 65 Jahre alt - in Winterthur verschieden." |
Unteroffizier Salo Levite wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet
(1917)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. März 1917:
"Nördlingen. Unteroffizier Salo Levite, Inhaber des
bayerischen Verdienstkreuzes mit Schwerter, erhielt das Eiserne
Kreuz." |
Anzeigen jüdischer Personen / Gewerbebetriebe
Anzeige des Hopfen- und Eisengeschäftes Gebrüder
Marx (1876)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1876:
"Für unser Hopfen- und Eisengeschäft suchen einen jungen Mann
(Israelit) mit schöner Schrift fürs Comptoir und kleinere Reisetouren,
gegen annehmbares Salair und freier Station im Hause.
Eintritt längstens bis 1. Oktober. Samstage und Feiertage geschlossen.
Reflektanten belieben Ansprüche unter Beilage ihrer Zeugnisse uns
einzusenden.
Nördlingen, 13. August 1876. Gebrüder Marx." |
Anzeige der Restauration von H. Rosenbaum
(1879)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1879: "Koscher
- Wein, Bier, Kaffee - Koscher - und Restauration von H.
Rosenbaum in Nördlingen. Einem verehrlichen reisenden Publikum sowie
zur Abhaltung von Hochzeiten bringe meine Koschere Restauration in
empfehlende Erinnerung. Vorzügliche Weine. Zur jeder Tageszeit warme
Speisen.
Zugleich empfehle mein selbst bereitetes - reines - Gänsefett zur
geneigten Abnahme." |
Anzeige des Käse- und Buttergeschäftes M. Höchstädter (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1890: "Commis-Gesuch!
Ich suche für mein Käse- und Buttergeschäft en gros per 1. Januar 1891
einen jungen Mann, angehender Commis, der in der Buchführung und
Korrespondenz bewandert ist. - Gehaltsansprüche sind dem Offert
beizufügen.
M. Höchstädter, Nördlingen." |
Anzeige von Bäckermeister K. Levi (1890)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1890:
"Ein kräftiger Junge kann sofort in die Lehre treten bei
K. Levi Bäcker, Nördlingen.
Schabbat und Feiertag geschlossen." |
Anzeige des Metzgers J. Gunz
(1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1891: "Ein
kräftiger Junge, aus guter Familie, kann unter günstigen Bedingungen
die Metzgerei und Wurstlerei erlernen bei
J. Gunz, Metzger, Nördlingen.
Auch wird daselbst ein ordentliches Mädchen aus guter Familie zum
Kocherlernen gesucht." |
Lehrlingssuche des Hopfengeschäftes
L.A. Ascher
(1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1891: "Offene
Lehrlings-Stelle.
Wir suchen für unser (an Schabbat und Feiertag geschlossenes)
Hopfengeschäft einen Lehrling, der bessere Schule besucht hat, zum
sofortigen Eintritt.
L.A. Ascher in Nördlingen." |
Anzeigen der von jeweils zwei
orthodoxen Rabbinern beaufsichtigten Fleisch- und Konservenfabrik Nager (1893 /
1902 / 1925 / 1927)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1893:
"Prima Rieser Fettgänse von streng orthodoxer Schechita
(Schächtung) versendet an Hoteliers und Private unter Zusicherung
reeller, billigster Bedienung
Bernhard Nager, Nördlingen.
Referenz
erteilen Ihre Ehrwürden Rabbiner Dr. Kohn, Ichenhausen, Rabbiner Dr.
Pinchas Kohn, Mannheim." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1902:
"Streng koscher! Konservenfabrik Bernhard Nager, Nördlingen in
Bayern. Meine Fleisch- & Geflügel-Konserven in Dosen empfehlen sich
durch vorzüglichen Geschmack, jahrelange Haltbarkeit, sehr reichliche
Portionen, äußerst billigste Preise, bequemes Öffnen. Referenzen:
Seiner Ehrwürden Herr Distriktsrabbiner Dr. A. Cohn, Ichenhausen, Seiner
Ehrwürden Herr Distriktsrabbiner Dr. Pinchas Kohn, Ansbach. - Jeder
verlange Preisliste. Wiederverkäufern lohnender Rabatt." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925:
"Streng Koscher. Ia junge Mastgänse liefert billigst.
Beste Bezugsquelle für Private und Wiederverkäufer B. Nager,
Nördlingen in Bayern.
Referenzen: Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Neuwirth, Ichenhausen,
Seiner Ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. P. Kohn, Ansbach /
Wien." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1927: "Koscher
- Streng - Koscher. Ia fette Mastgänse versendet billigst B.
Nager, Nördlingen in Bayern. Beste Bezugsquelle für Private, Hotels und
Wiederverkäufer. Referenz. Distriktrabb. Ichenhausen." |
Anzeige von Metzger und Wurstmacher Isak Gimz (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901: "Suche
zum sofortigen Eintritt einen kräftigen Lehrjungen oder einen
jüngeren Gesellen in meine Metzgerei und Wurstlerei.
Isak Gimz, Metzger und Wurstmacher, Nördlingen,
Bayern." |
Anzeige von M. Höchstädter (1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1903:
"Zur Stütze der Hausfrau wird ein
Mädchen,
das in Küche und Hauswesen bewandert ist, gesucht. Offerten,
Gehaltsansprüche sowie Zeugnisse sind einzureichen.
M. Höchstädter, Nördlingen (Bayern)." |
Verlobungsanzeige von Fanni Goldschmdit und Julius Nager (1934)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1934: "Fanni
Goldschmidt Berlin-München - Julius Nager
Nördlingen-München Verlobte.
Empfang: Hl. Schabbat Paraschat Wajira. Berlin NW. 87.
Claudiusstraße 4,
Hl. Schabbat Paraschat Chaje Sara München Wagmüllertraße
16,
Hl. Schabbat Toledot Nördlingen, Deiningerstraße
217." |
| Anmerkung: die Datierungen meinen jeweils
Samstag (Schabbat): 27. Oktober, 3. November und 10. November 1934. |
Verlobungsanzeige von Hell Seligmann und Justin Neuhaus (1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juli 1937: "Gott
sei gepriesen.
Hell Seligmann - Justin Neuhaus. Verlobte.
Nördlingen/Bayern Bergerstraße 8 - Frankfurt am Main,
Gaußstraße 14.
Zu Hause: Frankfurt/Main, 31.7./1.8." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
1870 richtete die Gemeinde einen Betsaal ein (im Haus
Kreuzgasse 4/4a,
ehemalige Druckerei Mundbuch). Am 12. August 1870 war die Einweihung dieses
Betsaales.
1885/86 konnte auf dem Platz des ehemaligen
Gasthauses Greifen nach Plänen des Ingenieurs Max Gaab eine Synagoge erbaut
werden. Die Grundsteinlegung war im April 1885. Im Frühjahr 1886 konnten die
Bauarbeiten abgeschlossen werden, am 17. September 1886 war die feierliche
Einweihung. Von der Architektur her war die Nördlinger
Synagoge sowohl im gesamten Aufriss der Westfassade als auch der Langhauswände
stark von der zwei Jahre zuvor erbauten Synagoge in Kitzingen beeinflusst. Bei
beiden Bauten dienten die Barockkirchen der Region äußerlich als Vorbild.
Die Finanzierung der Synagoge wurde über ein Darlehen (80.000 Mark) sowie durch
den Verkauf von Synagogenplätzen (zusammen 40.000 Mark) vorgenommen. Allerdings
wollten sich daran nicht alle in Nördlingen lebenden jüdischen Personen
beteiligen:
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. April 1886:
"München, 2. April (1886). Der Nördlinger Synagogenbau
beschäftigt heute den Verwaltungsgerichtshof. Die israelitische
Kultusverwaltung hat bezüglich der Deckung der auf 120.000 Mark sich
belaufenden Kosten für den Neubau einer Synagoge durch Beschluss
festgesetzt, dass 40.000 Mark von den Gemeindegliedern getragen werden
sollen, nachdem bereits 80.000 durch ein Anlehen beschafft sind. Diese
40.000 Mark sollen nun dadurch aufgebracht werden, dass verheiratete
Familienhäupter je 400 Mark für zwei Plätze, unverheiratete je 200 Mark
für einen Platz in der neuen Synagoge bezahlen sollen, die erst im August
dieses Jahres fertig wird. Die Zahl der Gemeindeglieder ist 85. Der
Beschluss wurde vom Stadtmagistrat Nördlingen bestätigt, wogegen 6
betroffene Gemeindeglieder Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof
gerichtet haben. In der heutigen Verhandlung wurde die Beschwerde vom
Rechtsanwalt Dr. Wassermann vertreten, welcher den betreffenden Beschluss
als einen Angriff auf die Gewissensfreiheit bezeichnete, ganz abgesehen
von der völlig ungerechtfertigten, unbilligen Belastung aller
selbständigen Gemeindemitglieder ohne Rücksicht auf deren Steuerkraft
und Leistungsfähigkeit. Für die Kultusgemeinde plädierte Rechtsanwalt
Dr. Hellmann, welcher den Beschluss zweckmäßig und bei der anerkannten
Zahlungsfähigkeit der Nördlinger Israeliten keine ungehörige Belastung
darin erblickt. Staatsanwalt Dr. Schaff beantragte in seinem Gutachten,
dass der Beschwerde stattzugeben sei, indem die einzelnen Mitglieder nicht
verpflichtet seien, die Synagogenplätze käuflich zu erwerben, und der
Beschluss der Kultusverwaltung weder eine gleichmäßige Belastung der
einzelnen Mitglieder involviere, noch überhaupt gesetzentsprechend sei.
Die Publikation wurde auf den 9. April anberaumt." |
|
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1886: "Von
der bayerischen Grenze, 13. April (1886). Ein erwähnungswerter Prozess
spielte sich kürzlich vor dem Verwaltungsgerichtshof in München ab. Die
israelitische Gemeinde von Nördlingen, welche aus 85 Gemeindegliedern
besteht, baut eine neue Synagoge, die bis nächsten August fertig sein
wird. Die Kosten des Baues und der Einrichtung belaufen sich auf ca.
120.000 Mark. Hiervon wurden 80.000 Mark als Anlehen aufgenommen und
40.000 Mark sollen von den Gemeindegliedern getragen werden und zwar
dadurch, dass verheiratete Familienhäupter 400 Mark für 2 Plätze,
unverheiratete je 200 Mark für einen Platz in der neuen Synagoge bezahlen
sollen. Der Nordlinger Stadtmagistrat bestätigte den Beschluss, wogegen 6
Gemeindeglieder bei dem Verwaltungsgerichtshof Beschwere erhoben haben.
Rechtsanwalt Dr. Wassermann, welcher die Beschwerde bei der Verhandlung
vertreten, erklärte den betreffenden Beschluss als einen Angriff auf die
Gewissensfreiheit, ganz abgesehen von der völlig ungerechtfertigten,
unbilligen Belastung aller selbständigen Gemeindemitglieder ohne
Rücksicht auf deren Steuerkraft und Leistungsfähigkeit. Rechtsanwalt Dr.
Hellmann, der die Kultusgemeinde vertritt, fand den Beschluss zweckmäßig
und erblickte bei der anerkannten Zahlungsfähigkeit der Israeliten in
Nördlingen keine ungehörige Belastung darin. Staatsanwalt Dr. Schaff beantragte
in seinem Gutachten, dass der Beschwerde stattzugeben sei. Das Urteil, das
am 9. April verkündigt wurde, lautet dahin, dass der Beschluss der Kultusgemeinde
aufrecht zu erhalten und die Beschwerdeführer abzuweisen
seien." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. April 1886:
"München, 9. April (1886). (Verwaltungsgerichtshof).
Aus Anlass der Beschwerde der Kultusgemeindemitglieder Kathi
Schweißheimer, Moses Hamburger und Genossen von Nördlingen gegen den
Beschluss des Stadtmagistrats Nördlingen wegen Leistung von Beiträgen
zur israelitischen Kultusgemeinde in Nördlingen wurde der angefochtene
Magistratsbescheid dahin abgeändert, dass die Beschwerdeführer zur Zeit
noch nicht zur Entrichtung der von ihnen zu zahlenden Beiträge von je 200
beziehungsweise 100 Mark verpflichtet seien, da diese Verpflichtung
statutengemäß erst mit der Fertigstellung der Synagoge und der
Benutzbarkeit der Kirchenstühle eintrete, was erst im August laufenden
Jahres der Fall sein wird. Der beanspruchte Beitrag kann nach den Motiven
nicht als missbräuchliche oder unverhältnismäßige Sonderbelastung
betrachtet werden, die vielmehr nur im Verhältnis stehe zum außerordentlichen
Gesamtaufwand für einen Synagogenneubau. Die Kultusgemeinde hat die
Kosten beider Instanzen mit Ausnahme der den Beschwerdeführern
erwachsenen Vertretungskosten zu tragen." |
Beschreibung der Synagoge von
Prof. Julius Heller 1920 (siehe Literatur S.
48-50; Dank an Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries für die Übermittlung des
Textes!)
Die Synagoge. Als um die Mitte des
vorigen Jahrhunderts Baurat Wolf in Stuttgart eine neue Synagoge zu bauen
hatte, wählte er einen echt orientalischen Stil dazu, nämlich den
arabisch-maurischen, das heißt er entnahm seine Vorbilder der
Glanzperiode der Maurenherrschaft in Spanien, den wunderbaren Schöpfungen
in der Alhambra zu Granada, sowie der Moschee zu Cordova. Kurze Zeit
danach bekam der oben genannte Architekt den Auftrag, auch in Nürnberg
eine neue Synagoge in diesem Stil zu erbauen. Der Bau gelang vortrefflich
und fand Nachahmung und so kam es, dass diese Bauweise, als die
passendste, allenthalten Aufnahme für den Bau israelitischer
Gotteshäuser fand. Da die Araber sich der Lehre Mohammeds angeschlossen
hatten und deren Bibel (der Koran) jegliche biblische Darstellung beim Bau
von Kultusgebäuden aufs strengste verbot, waren die arabischen Baumeister
zur Ausschmückung ihrer Werke nur auf das Ornament angewiesen, das sie
mit echt orientalischer Phantasie zur höchsten Entwicklung brachten,
namentlich das Flachornament, mit dem Wände und andere Flächen,
namentlich in der Halle der Abencerragen und im Löwenhof der Alhambra in
verschwenderischer Pracht bedeckt sind. Aber nicht nur das Ornament in
Arabesken, sondern auch das geometrische Ornament entwickelte sich zu
einer so hohen Stufe, dass dieselbe kaum überboten werden kann. -
Die hiesige Israelitische Kultusgemeinde (Nördlingen), an Kopfzahl
gewachsen und auch wirtschaftlich erstarkt, trug sich gewiss schon länger
mit dem Gedanken, an Stelle des bisherigen sehr bescheidenen Bethauses,
der Gottheit zu Ehren ein würdiges Gotteshaus zu errichten. Der längst
gehegte Wunsch wurde zur Tat und im Jahr 1885 auf 1886 erhob sich, leider
etwas abseits, ein ansehnlicher Bau. Derselbe sollte doch möglichst in
die Mitte der Stadt zu liegen kommen und darum entschloss man sich, das
der bisherigen Synagoge gegenüber gelegene Wirtschaftsanwesen zum
"Greifen" anzukaufen und abzubrechen. - Der städtische
Ingenieur, nachmaliger Baurat Gaab wurde mit der Vorlage eines Planes
betraut, der die Genehmigung fand und Gaab den Auftrag zur Ausführung
erbracht. Der schöne weiße Sandstein hierzu wurde aus den Schorndorfer
Brüchen bezogen. Das Gebäude mit seiner Hauptfront gegen die
Hindenburgstraße gelegen, zeigt sich von da als ein imposanter Bau. Zwei
hübsche, nicht sehr hohe Türme stehen zu beiden Seiten eines etwas
vortretenden Mittelbaues, der oben in eine Plattform mit Balustrade
endigt. Der zurückgedrängte Giebel des niederen basilikaartigen Daches
dient zur besseren Wirkung der Türme, die dadurch höher erscheinen und
die bis zu ihrem dritten Stockwerk quadratische Grundform haben, von da
aber ins Achteck übergehen. Als Abschluss endigt das Dach mit einer
Kuppel; die Wirkung ist eine recht gute. Die ganze Fassade hat elf
rundbogige Fenster, von denen je drei auf die Türme treffen, zwei links
und rechts vom Portal liegen und drei über diesem sichtbar sind. Diese
letzteren zeichnen sich im Inneren des Gotteshauses über dem
Allerheiligsten durch ihre Farbenpracht vor allen anderen aus. Die Türme
haben in ihrem oberen Teil je noch acht kleinere Fensteröffnungen. Das
rundbogige Portal mit seinen zwei Säulchen, die das oft gesehene
charakteristische Kapitell tragen, schließt oben mit einem wagrechten
Gesims ab und ist mit hübschem ausgemeißeltem Flachornament verziert.
Nach den mosaischen Gesetzen muss das Allerheiligste stets nach Osten zu
liegen kommen, daher konnte dieses Portal nicht als Eingang gebraucht
werden, weil im Innern die Nische mit dem Allerheiligsten den demselben
gebührenden Ehrenplatz bekommen musste. Der eigentliche Eingang ist
deshalb auf die Rückseite des Gebäudes verlegt worden (westlich). Soweit
der Bau von der Hindenburgstraße sichtbar ist, besteht er, wie schon oben
bemerkt, aus weißem Sandstein, die beiden Langseiten jedoch, sowie die
Rückseite des Gebäudes sind aber in Ziegelrohbau ausgeführt, wobei
jedoch die Tür- und Fenstereinfassungen von demselben weißen Haustein
gearbeitet sind wie die Ostfassade. Jede Langseite hat unten und oben je sechs
Fenster, alle gleich rundbogig, die Rückwand besitzt zur Beleuchtung der
Empore drei größere in farbigem Glas ausgeführte Fenster. Über einige
Stufen gelangt man ins Innere.
Orientalischer Prunk tritt dem Beschauer gleich beim Eintritt entgegen,
ein farbenreiches Bild mit Gold durchsetzt bietet sich dem Auge dar. Der
geräumige hohe Saal, die reich kassettierte flache Holzdecke, die Emporen
links und rechts mit ihren reich verzierten Brüstungen, jede auf vier
kräftigen gusseisernen Säulen ruhend, die vielen vergoldeten
Beleuchtungskörper, in der Mitte der große, vergoldete Lüster mit
zweiundvierzig Flammen, an den Wänden links und rechts je vier Wandarme
dazu, dann in jeder der beiden Langseiten sechs in mattem Damast
ausgeführt Fenster, und das alles in reichem maurischem Stil vielfarbig
gehalten, die Metallteile vergoldet, wahrlich ein voller Beweis dafür,
welche Pracht und welchen Reichtum dieser Stil zu entfalten vermag! Der
Saal ist durch einen Mittelgang geteilt, zu dessen Seiten zusammen
vierundzwanzig Bänke Platz haben. Das ganze Innere ist durch die farbigen
Fenster mit einem feierlichen Halbdunkel erfüllt, das gegen das
Allerheiligste hin noch zunimmt; der Mittelgang führt darauf zu und
ehrfurchtsvoll naht sich der Beschauer demselben, und wenn der freundliche
Lehrer gar noch die oberhalb der Lade angebrachten Talmudworte übersetzt:
'bedenke, vor wem du stehst', so bevollmächtigt sich ein heiliger Schauer
der Seele.
Vor der hohen und tiefen Nische, die das Allerheiligste birgt, liegt vorne
die schöne, reichgeschnitzte Kanzel, ihr zur Seite links und rechts zwei
hohe siebenarmige Leuchter, hinter der Kanzel das Vorbeterpult und hinter
diesem an der Wald die die Torarollen enthaltende heilige Lade, in der
Form des reichen Portikus mit Säulen und Kapitells, in ernster, dunklerer
Farbe gehalten, den Inhalt durch einen gleichfalls dunklen Vorhang vor
profanen Augen verdeckend.
Vor dem Allerheiligstenschrein hängt von der Decke die Ampel mit dem
ewigen Licht und zu den Seiten stehen nochmals zwei kunstvolle Kandelaber.
Im oberen Teil der Nische sieht man die schon bei Betrachtung der
Außenseite erwähnten drei Fenster im herrlichsten Farbenschmuck prangen
und das herrliche Gesamtbild abschließen.
Im Jahre 1885 stiftete der israelitische Frauenverein einen zweiten
Vorhang für das Allerheiligste von rotem Samt mit reicher Goldverzierung,
zu dessen Herstellung auftragsgemäß der Schreiber dieses die Zeichnungen
lieferte. Während des Verlassens des schönen Raumes sieht man, dass die |
Verkauf der alten Synagogeneinrichtung (1886)
Nach Fertigstellung der Synagoge konnte die
Einrichtung der alten Synagoge verkauft werden. Es ist nicht bekannt, wohin
diese Einrichtung gekommen ist.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1886:
"Durch unseren Synagogenneubau ist eine komplette Synagogen-Einrichtung,
für eine kleinere Gemeinde passend, abzutreten. Hierauf reflektierende
Gemeinden belieben sich dieserhalb an den unterzeichneten Vorstand zu
wenden.
Nördlingen. Die Kultusverwaltung. Der I. Vorstand: Lazarus Marx." |
1936 - drei Jahre nach der
nationalsozialistischen Machtergreifung - stand die Feier des 50jährigen
Bestehens der Synagoge an:
Historischer Rückblick anlässlich der 50jährigen Synagogeneinweihung
1936
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Oktober 1936: "Nördlingen. Eine erhebende Feier fand am Sonntag, 4.
Oktober, in der Synagoge zu Nördlingen statt. Es galt ein dreifaches
Jubiläum zu feiern. 50 Jahre waren verflossen, seit das stattliche 'Beth
Hakneseth' erbaut worden war, 25 Jahre sind es her, dass der Beamte der
Gemeinde, Kollege Hermann Strauß, den Dienst in diesem Gotteshause
versieht, und endlich konnte dieser in seiner Gemeinde so beliebte und
geachtete Lehrer seinen 60. Geburtstag begehen. Herr Bezirksrabbiner Dr.
Schwab, Ichenhausen, sprach nach dem Gesamt des 'Ma Towu' und nach dem
Mincha-Gebet in zu Herzen gehenden Worten zu der vollzählig versammelten
Gemeinde. Mit besonderem Danke hob er hervor, in welch vorbildlicher Weise
der Jubilar stets mehr als seine Pflicht getan habe und ein Leben, dem
Idealen und Göttlichen geweiht, 'lemalo min haschemesch' geführt habe,
das fortwirkend ewige Werte erzeugt.
Kollege Strauß, der danach das Wort ergriff, dankte von Herzen für die
ihm erwiesene Ehrung (der Gemeindevorstand hatte dem Jubilar vorher schon
Dubnows Geschichtswerk überreicht) und zeigte durch seine nachfolgenden
Ausführungen, dass er nach wie vor auch für den Rest seiner Jahre nur
den Weg 'lemalo min haschemesch' gehen könne, in tiefster Verbundenheit
mit seiner so treuen Gemeinde.
Der Unterzeichnete, der als Nachbarkollege und als Vertreter der
Bezirkskonferenz Ansbach die Glückwünsche überbrachte, konnte mit dem
Bewusststein heimkehren, eine selten schöne und würdige Feier erlebt zu
haben. Levite, Gunzenhausen." |
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Bericht in der
"Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar
1937: "Aus den letzten 50 Jahren der Gemeinde Nördlingen. Am 17.
September 1936 jährte sich zum 50. Male der Tag, an dem die Nördlinger
Synagoge eingeweiht wurde. In den Schriften der Glossierer des Talmuds
finden wir den Namen der Stadt Nördlingen mit 'Nurlingen' bezeichnet und
in den Tschuwoth M'haram Maiur zeichnet der Dajan zu Venedig Rabbi
Schmuel aus 'Nurlingen'; so heißt auch an anderer Stelle der Verfasser
des Josef Omez Rabbi Josef Nurlingen. Aller Wahrscheinlichkeit nach
stammen dieselben von den im Jahre 1384 aus Nördlingen vertriebenen
Juden. Chronisten der Stadt Nördlingen erwähnen auch die Juden
Nördlingens im 12. und 13. Jahrhundert. 1290 mussten auch die Juden
Nördlingens ihre Heimat das erste Mal verlassen. Einige Zeit nachher
wurden ihnen die Tore der Stadt wieder geöffnet; im 14. Jahrhundert
bestand die Gemeinde aus 30 Familien, welche ihre Wohnungen in der erst
vor ganz kurzer Zeit umbenannten 'Judengasse' hatten. Dort stand die
Synagoge, jetzt eine zur Wirtschaft 'Bayerischer Hof' gehörige Scheune. -
In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1914 brannte diese nieder. Als
das Dach und die Vorderwand gefallen waren, da traten die alten hohen und
dicken Umfassungsmauern der einstigen Synagoge wieder zu Tage und mit
ihnen der Bogen des stattlichen Gewölbes, die schmalen gotischen Fenster
und die vorspringenden Mauerteile, welche die Frauenempore trugen:
untrügliche Beweise dafür, dass diese Wände einst ein Gotteshaus
umschlossen und zwar die älteste der drei Synagogen Nördlingens. - Diese
Synagoge war ursprünglich Eigentum der jüdischen Gemeinde. Als bei der
Katastrophe von 1348 vertragsmäßig alle Häuser und Hofstätten der
Juden dem Grafen von Öttingen mit der Bedingung zufielen, sie binnen drei
Jahren zu verkaufen, ist sie vermutlich zunächst an die Stadt
übergegangen und wurde von ihr später wieder an die neugebildete
Judengemeinde überlassen. Im Jahre 1909, bei der letzten
Judenvertreibung, überließ der Rat dem Stadtrechner Hans Sporer, der bei
den Unterhandlungen wegen Austreibung der Juden neben dem Stadtamtmann
besonders tätig gewesen ist, die Schule nebst der Wohnung des Rabbi sowie
den anstoßende Hof um 20 Gulden zu frei eigen. Seitdem ist sie in
Privatbesitz geblieben.
Von dieser Zeit ab war es den Juden nicht mehr gestattet, in Nördlingen
zu wohnen, bis das Jahr 1848 ihnen Freiheit und Gleichheit brachte und
damit auch die Freizügkeit. Einer der zuerst wieder hierher gezogenen Juden
war Eduard Höchstädter, der 1861 von Mönchsdeggingen übersiedelte.
Im Jahre 1869 waren schon 15 jüdische Familien in Nördlingen; sie
schlossen sich der Gemeinde Kleinerdlingen an.
Dorthin gingen sie an
Sabbat- und Festtagen zum Gottesdienst. Erst am 28. März erhielt die
neuerrichtete Gemeinde die Genehmigung der Königlichen Regierung. Hand in
Hand damit erfolgte die Übersiedelung der Ederheimer Gemeindemitglieder
nach Nördlingen, sodass die Gemeinde nach der Gründung aus 27
Mitgliedern bestand.
In dem der heutigen Synagoge gegenüberliegenden Hause mietete die
Gemeinde ein Lokal, welches zu einem Betsaal umgebaut wurde. Mit dem
Rabbinat Wallerstein und der Gemeinde Mönchsdeggingen wurden über die
Mitbenutzung des Begräbnisplatzes, mit der Gemeinde Kleinerdlingen über
Benutzung des Ritualbades Verträge abgeschlossen. Als Religionslehrer und
Vorbeter wurde Abraham Weiler aus Fischach angestellt. Am Schabbos
Nachmu 5630 = 1870 wurde der Betsaal durch den Distrikts-Rabbiner
David Weißkopf eingeweiht. 1874 wurde ein selbständiges Ritualbad
errichtet und 1876 der Friedhof auf sanft geneigtem Hang vor dem Berger
Tor angelegt.
Infolge stetigem Anwachsens der Gemeinde, die Mitte der 80er-Jahre an 500
Seelen zählte - heute sind es nur noch 150 - erwies sich der Betsaal bald
als zu klein und die Gemeinde sah sich vor die Notwendigkeit gestellt,
eine der Größe der Gemeinde angemessene Synagoge zu erbauten. Am 19.
Januar 1884 - 21. Tewes 5644 wurde die Kultusverwaltung
ermächtigt, einen geeigneten Synagogenbauplatz anzukaufen. Dies geschah
am 5. März 1884 durch Erwerb der Gastwirtschaft zum Greifen für die
Summe von RM 22.000.-. Am 1. Juni 1884 wurden die ausgestellten Pläne von
der Gemeindeversammlung einstimmig gut geheißen. Die Pläne und
Voranschläge des Synagogeneubaues wurden am 3. November 1884 behördlich
genehmigt. Am 11. März 1885 wurde mit den Erdarbeiten begonnen. Am 27.
April fand die Grundsteinlegung statt in Gegenwart des Distriktrabbiners,
des 1. Bürgermeisters und des bauleitenden Technikers. In den Grundstein
wurde eine hebräische und deutsche Urkunde eingelegt. Am Dienstag, den
14. September 1886 waren sämtliche Arbeiten beendet; der schöne Bau
stand vor aller Augen. Er erforderte einen Kostenaufwand von RM. 120.000.-
. Am 17. September 1886 (= 17. Elul 5646) fand die feierliche Einweihung
statt unter Beteiligung der staatlichen und städtischen Behörden, der
Geistlichkeit, der Rektoren und Lehrer der höheren Unterrichtsanstalten
und zahlreicher auswärtiger Gäste.
Die Abschiedsrede in der alten Synagoge hielt Herr Distriktsrabbiner M.
Cohn - Kleinerdlingen, die Weiherede Herr Distriktsrabbiner A.
Cohn - Ichenhausen. Der Festgottesdienst wurde von Lehrer und Kantor A.
Weiler aufs feierlichste durchgeführt.
Fromme Frauen spendeten einen herrlichen Vorhang für die Bundeslade und
eine Schulchandecke aus rotem Samt mit reicher Goldstickerei, Mädchen
selbstgestickte Toramäntelchen; Männer und Frauen stifteten einen
weißen goldgestickten Vorhang, ferner die gemalten Fenster an der
Ostfront, eine Ner-tamid-Ampel, silberne Leuchter und andere Gegenstände.
Ein halbes Jahrhundert hat das schöne Gotteshaus den Gemeindemitgliedern
und vielen Glaubensgenossen aus nah und fern Stunden der Einkehr, des
Trostes und seelischer Erbauung, Stunden der stillen Zwiesprache mit Gott
geschenkt. Möge die Synagoge auch noch unseren Enkeln und Urenkeln als
Pflegestätte des Glaubens dienen. Strauß-Nördlingen." |
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Meldung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 5.
November 1936: "München. Die Gemeinde Nördlingen (Schwaben)
veranstaltete anlässlich des 50jährigen Bestehens ihrer Synagoge eine
würdige Feier, die gleichzeitig dem 25. Dienstjubiläum ihres Lehrers
Hermann Strauß und seinem 60. Geburtstag galt." |
Vortrag in der Synagoge Anfang März
1938
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1938:
"Nördlingen, 8. März (1938). Im Anschluss an den
Nachmittagsgottesdienst fand hier vergangenen Sonntag in der Synagoge ein
religiöser Vortrag statt, in dem Herr Isi Goldberger aus Nürnberg über
die Bedeutung der Agudas Jisroel sprach. Nach einem geschichtlichen
Rückblick über die Entstehung der Organisation, die den Zusammenschluss
des jüdischen Volkes auf der Grundlage der Tora erstrebt, entwarf der
jugendliche Redner in fesselnder Darstellung ein Bild von den
vielfältigen Leistungen der Agudas Jisroel. Mit besonderem
Nachdruck unterstrich der Redner die auf Ansiedlung religiöser Gruppen
gerichteten Aufgaben und die darauf resultierende Forderung, durch
Anschluss an die Gemeinschaft der Gesetzestreuen diesen Kreis zu
unterstützen. Das aus dem Arewus-Begriff fließenden
Solidaritätsgefühl gibt auch dem Einzelnen in den Landgemeinden, dass
der große Klall Jisroel (die jüdische Gemeinschaft) ihn
mitträgt. - Die in großer Anzahl erschienenen Gemeindemitglieder folgten
den Ausführungen mit sichtlicher Anteilnahme. Lm". |
Beim Novemberpogrom 1938 wurden zunächst am Abend des 9. November
1938 die Scheiben der Synagoge eingeschlagen. Am folgenden Tag wurden das
Mobiliar und die Ritualien zerstört; die Torarollen aus ihrem Schrein geholt
und im Hof der Synagoge angezündet. Auf Anweisung des Bürgermeisters wurde
dann jedoch ein Schild an der Synagoge angebracht, das das Gebäude zum Eigentum
der Stadt erklärte, das nicht angerührt werden dürfe. Nach dem Pogrom
verkaufte die jüdische Gemeinde die Synagoge und den Friedhof für 15.000 RM an
die Stadt. Das restliche Synagogeninventar kam aus der Synagoge in den
Luftschutzkeller der Schranne. In der Synagoge wurde ein Getreidespeicher
eingerichtet.
1955 wurde
die ehemalige Synagoge von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde erworben
und teilweise abgebrochen beziehungsweise umgebaut. An ihrer Stelle entstand das Evangelische Gemeindehaus. Im Erdgeschoss befand sich das Arbeitsamt Nördlingen. Am Eingang
erinnerte eine Gedenktafel an die Synagoge. 1997 wurde das Evangelische
Gemeindehaus und mit ihm die bis dahin erhaltenen Reste der Synagoge abgebrochen, an seiner Stelle 1998 ein mehrstöckiges Altenheim errichtet.
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: Foto obere Zeile links bei Zipperer s. Lit. S. 230; Foto
Mitte bei Harold Hammer-Schenk, Synagogen in Deutschland Bd. 2 Abb. 287; Foto
rechts Pinkas Hakehillot s.Lit. S. 631))
| Historische Ansichten der
Synagoge in Nördlingen |
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| Die 1885/86 erbaute Synagoge
in Nördlingen |
Architektonisches Vorbild für
die Nördlinger Synagoge: die 1883 erbaute Synagoge in Kitzingen |
Innenaufnahme der Synagoge |
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Historische Ansichtskarte
(Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Mehrbild-Ansichtskarte
aus Nördlingen mit Ausschnittsvergrößerung |
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Historische Lithographie
(Quelle: Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
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Druck der
Kreissparkasse Nördlingen von 1987 /Repro einer alten Lithographie),
u.a. mit der Synagoge (Ausschnittsvergrößerung) |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos 1954:
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Die ehemalige
Synagoge in Nördlingen, 1954 von Baumeister Christian Prechter
aufgenommen als Vorarbeit zum Teilabriss und Umbau zum evangelischen
Gemeindehaus
(die Fotos wurden freundlicherweise von Rolf Hofmann, Stuttgart zur
Verfügung gestellt) |
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Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 12.3.2004)
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| Das auf dem
Synagogengrundstück 1998 erbaute Altenheim |
Gedenktafel für die ehemalige
Synagoge |
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Erinnerungen an
jüdische Gewerbebetriebe in Nördlingen
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
zu den genannten Familien siehe auch die weiteren Informationen auf
den
genealogischen Familienblättern von Rolf Hofmann.
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| Postkarte aus Nördlingen,
geschrieben von Leib Konowitz 1889 |
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Leib Konowitz schrieb die Postkarte am 23.
Juni 1889 an eine - vermutlich jüdische - Buchhandlung in Frankfurt. |
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| Brief aus Zöbingen an
Handelsmann Moses Rosenfelder (1907) |
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Moses Rosenfelder
ist am 21. Dezember 1844 in Aufhausen geboren
und verstarb am 14. September 1911 in Nördlingen. |
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| Rechnung der
Ledermanufaktur Eduard Höchstädter, Inh. Simon Hirschfelder und Bernhard
Lemle, geschickt von Nördlingen nach Aulendorf (1909) |
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Der Lederhändler
Eduard Höchstädter konnte sich nach Wiederaufnahme von Juden in der
Stadt als erster 1860 in Nördlingen niederlassen. Anfang des 20.
Jahrhunderts hat er seinen Betrieb an Simon Hirschfelder und Bernhard
Lemle übergeben, um selbst in München ein neues Ledergeschäft
aufzumachen. |
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| Fotokarte, am 14.
Dezember 1913 als Feldpost von Nördlingen nach Ingolstadt verschickt. Auf dem Foto die Metzgerei von
Julius Siegbert |
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Julius
Siegbert ist am 21. April 1875 in Pflaumloch geboren. Er wurde am 2. April
1942 von Nördlingen aus mit seiner Frau Sofie geb. Aufhäuser über
München "in den Osten" deportiert. Beide sind umgekommen bzw.
wurden ermordet. |
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| Dokumente der Fa. Gebr.
Neumann (Häute, Felle und Gerbereiabfälle, 1935) sowie der Eisenhandlung
Fa. Gebr. Eisemann (Frachtbrief, Rechnung, Postkarte) 1931 und noch
1937 |
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Bankgeschäft Julius
Rosenfelder
(Brief von 1931) |
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Ludwig Rosenfelder war der Sohn von Moses
Rosenfelder. 1907 übergab er seine Bank in Nördlingen an die Bayerische
Handelsbank (heute Bayerische Vereinsbank). Bis Mitte der 1920er-Jahre war
er deren Direktor. 1939 emigrierte das Ehepaar nach England. Frau Fanny
hat sich als Mitglied des Roten Kreuzes in Nördlingen sehr
engagiert. |
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Historische Karte mit
Pferde- und Viehhandlung Sigmund Mayer |
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Die 1913
verschickte Karte zeigt auf der linken Seite wahrscheinlich das Wohn- und
Geschäftshaus von Sigmund Mayer in der Reimlinger Straße. Sigmund Mayer
ist am 17. Juli 1867 in Pflaumloch geboren und am 10. November 1937 in
Nördlingen gestorben. |
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Historische Karte mit
Geschäft von Moritz Pappenheimer |
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Die 1912
verschickte Karte zeigt die Deiningerstraße. Moritz Pappenheimer ist am
7. Juli 1869 in Oberdorf geboren und 1892 nach Nördlingen gezogen. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 593-597; III,2 S. 977-994. |
 | Ludwig Müller: Aus fünf Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte
der jüdischen Gemeinden im Ries. in: Zeitschrift des Historischen Vereins
für Schwaben und Neuburg 25 1898 S. 1-124 und 26 1899 S. 81-183. |
 | Julius Heller: Nördlinger Gotteshäuser. Mit einem
Anhang: Das Klösterle / Nördlinger Begräbnisstätten. Nördlingen
1920. |
 | Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Nördlingen. In:
Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 11. Jg. Nr. 72
März 1997 S. 19-20. |
 | Gustav Adolf Zipperer: Nördlingen - Lebenslauf einer schwäbischen
Stadt. Nördlingen 1979. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 486-488. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 259-260. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 629-632.
|
 | Hermann Keßler: Die jüdische Gemeinde in der Stadt
Nördlingen 1860-1942. In: Rieser Kulturtage Dokumentation Band VII/I S.
327-391.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel
Noerdlingen (in Jewish sources Nerlingen,
Nerlgin) Swabia. Jews are known from the 12th century. The medieval community
ended in 1290 when hundreds of Jews were slaughtered by the local population.
The few who survived were murdered in the Rindfleisch massacres of 1298. A
community with a synagogue and cemetery inhabited a Jewish quarter in the 14th
century but it too was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. A
new community was wiped out in 1384 when 200 Jews were murdered. Jews were
living under the protextion of Emperor Sigismund in the early 15th century until
the last 11 Jewish families were expelled in 1507. Despite restrictions, Jews
continued trading in Noerdlingen until permanent settlement was permitted in
1860. The Jewish population grew to a peak of 469 in 1890 (total 8.004), with a
cemetery opened in 1876 and a synagogue in 1886. In 1933, 186 Jews remained. By
November 1938, 71 had left, 38 of them imigrating (including 22 to the United
States). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized.
Nine Jews were sent to the Dachau concentration camp. Another 45 left by the end
of 1941, 33 emigrating (18 to the United States). On 31 March 1942, 25 Jews were
deported to Piaski (Poland) via Munich; the last 16 most aged, were sent to the
Theresienstadt ghetto on 6-7 August 1942.

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