Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

       
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
Synagogen in Bayerisch Schwaben
   

Mönchsdeggingen (Landkreis Donau-Ries) 
Synagoge und rituelles Bad (Mikwe)

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Beiträge zur frühen Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer       
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
    
In Mönchsdeggingen (in alten Quellen nur als "Deggingen" bezeichnet) bestand von 1684 bis zur Auflösung am 25. April 1879 eine Jüdische Kultusgemeinde. Einige der ersten jüdischen Familien sind aus Höchstädt/Donau zugezogen, wo sie ausgewiesen worden waren. Bald erwarben die zugezogenen Familien eigene Häuser. 1707 waren sieben jüdische Familien am Ort, 1739 bereits 31 Familien. In den ersten Jahrzehnten (bis um 1730) bildeten die jüdischen Familien in Mönchsdeggingen und Harburg eine gemeinsame Gemeinde. Auch weiterhin bestanden enge Beziehungen zwischen den Gemeinden. Als 1840 Harburg vorübergehend einen eigenen Rabbiner erhielt, gehörte zu seinem Distrikt auch die Gemeinde in Mönchsdeggingen. Ursprünglich hatte die Mönchsdegginger Gemeinde gemeinsam mit derjenigen in Harburg zum Rabbinat Oettingen, seit 1743 zum damals gebildeten Rabbinat Wallerstein gehört. 

Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren es 40 Familien, zur besten Zeit um 1839 sogar 53 jüdische Familie, die etwa einem Viertel der damaligen Gesamteinwohnerschaft entsprachen. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts war eine blühende Gemeinde vorhanden. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule (in der jüdischen Volksschule lernten 1857 noch 74 Schulkinder), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Aus dem 19. Jahrhundert sind bekannt: Naftali Hirz Sternberger (bis 1861; vgl. unten Bericht zum Tod seines Sohnes Meier Sternberger 1901), gefolgt von seinem Schwiegersohn Nathan Sonn aus Schweinshaupten. Von 1861 an lebte bis zu seinem Tod 1875 auch dessen Vater Rabbiner Mosche Sonn in Mönchsdeggingen, eine zu seiner Zeit hoch angesehene rabbinische Autorität. 
    
Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Handel mit Landesprodukten und Waren. Im 19. Jahrhundert gab es mehrere bedeutende jüdische Leder- und Getreidehändler am Ort, die mit ihren Waren das Monopol für das halbe Ries und Kesseltal innehatten. 
    
Nach 1860 verzogen fast alle Familien nach Nördlingen oder in andere Städte, nachdem eine geplante Bahnlinie nicht durch Mönchsdeggingen geführt wurde. Die in Mönchsdeggingen verbliebenen jüdischen Einwohner wurden der Nördlinger Gemeinde zugeteilt.
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Allgemeine Beiträge zur frühen Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Die Anfänge der jüdischen Geschichte Mönchsdeggingens nach einem Artikel von 1842  

Harburg AZJ 24091842.jpg (144874 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. September 1842 aus einem in mehreren Fortsetzungen erschienen Beitrag von J. M. Fuch s.u.): "Harburg. In den Judenakten zu Harburg findet sich ein Bericht vom 1. September 1740 des Inhalts: 'Anno 1671 sind zum allererstenmal Juden in den allhiesigen Markt Harburg in Schutz aufgenommen worden, da hingegen vormals nie Juden in dem Markte Harburg gewesen oder darinnen geduldet worden. Die Anzahl dieser neu aufgenommenen Juden aber hat sich auf 11 Mann belaufen (vid. Befehl s.d. 10. März 1671). Wie man aber mit diesen 11 Juden ratione ihres jährlich zu geben habenden Schutzgeldes, zweifelsohne in dem Markt gebrachten Vermögen nach, akkordiert hat, gibt die obengedachte Beilage und der darin enthaltene Schutzbrief zu erkennen. Im Jahre 1686 und zwar den 14. Juni hat man denen Juden in dem Markte Harburg abermals einen Schutzbrief erteilt. Es sind aber damals statt der obgedachten 11 Juden 12 allhier und 3 Juden zu Deggingen (Mönchsdeggingen) gewesen, mit welchen abermals ein Akkord auf ein gewisses Schutzgeld getroffen worden. Die neugedachten 4 Juden zu Deggingen sind aber allererst im Jahre 1684 und 1686 in den Schutz gekommen, wo vormals zu Deggingen auch niemals Juden gewesen sind.'
Der erste erteilte Schutzbrief war auf die Dauer von 3 Jahren gegeben. Übereinstimmend mit demselben ist ein vorgefundener Schutzbrief von Albrecht Ernst regierendem Grafen zu Oettingen, d.d. 10. März 1671. Ob er gleich nur in Fragmenten vorhanden ist, so ist doch an der Echtheit nicht zu zweifeln." 
   
Harburg AZJ 01101842.jpg (52903 Byte)Aus einem Beitrag von J. M. Fuchs in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1842: "(Aus dem neunten Jahresberichte des historischen Vereins für Mittelfranken. 1839. 'Über die ersten Niederlassungen der Juden in Mittelfranken.' Mitgeteilt von J. M. Fuchs, Professor in Ansbach. (Fortsetzung.) Die Juden zu Harburg und Deggingen bildeten vor ungefähr 100 Jahren eine Gemeinde, welche zum Oberrabbinate Oettingen gehörte, bis späterhin das Fürstentum Wallerstein ein eigenes Oberrabbinat bildete. Die Grabdenkmäler geben keinen Anhaltspunkt. In der Synagoge finden sich keine Dokumente."

  
 Gemeindebeschreibung durch Pfarrer Stiller aus Untermagerbein (1839) 

Moenchsdeggingen AZJ 31081839.jpg (127899 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. August 1839: "Untermagerbein, Juli. Da es mit zu Ihrem Zwecke gehört, dasjenige zu veröffentlichen, was zu Beförderung des Lichtes und Hebung der Religiosität von einzelnen Männern, oder ganzen Gemeinden Ihrer Glaubensgenossen geschehen ist, so bin ich so frei Ihnen zu diesem Zwecke einige Mitteilungen über das Wirken der israelitischen Gemeinde zu Mönchsdeggingen, im Fürstentum Wallerstein, zu machen, deren Synagoge und Schule (der Ort ist nur eine halbe Stunde von hier entfernt und der geprüfte Religions- und Elementarlehrer gehört zu einer Fortbildungsanstalt, deren Vorstand ich bin), ich schon mehrmals besucht habe. - Die vor 12 Jahren, von der, aus 53 Familien bestehenden Gemeinde neu erbaute Synagoge ist ein würdiger Tempel des Herrn, den die Gemeinde nur erst vor einem Jahre mit einer sehr geschmackvollen Chorgalerie geschmückt hat. Der Sängerchor ist trefflich eingeübt und der Gottesdienst von den alten, unpassenden Gebräuchen gereinigt. Vorträge in deutscher Sprache werden schon seit zwanzig Jahren gehalten. - Die Schule ist durch die Bemühungen des wackern Lehrers, Herrn Levi Hochstädter, welchen die Gemeinde schon seit zwanzig Jahren mit 300 Gulden besoldete, im schönsten Flore. Ebenso erfreulich, als die Kenntnisse der Schüler, ist ihr gesundes Aussehen, ihre große Reinlichkeit und ihr wohlgesittetes, artiges Betragen. - Durch viele milde Stiftungen ist für die Armen, und durch einen neuen, 1.400 Gulden kostenden Friedhof für die Gestorbenen gesorgt. Stiller, Senior und Pfarrer."

  
Die Zugehörigkeit von Mönchsdeggingen zum Rabbinat Harburg nach 1840   

Harburg AZJ 13061840.jpg (92695 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Juni 1840: "Harburg (Schwaben), 20. Mai (1840). Am gestrigen Tage wurde unser Rabbine, Herr Selz, feierlich installiert, wozu außer den meisten Israeliten hiesiger und der zum Distrikte gehörenden Gemeinde Deggingen, die christliche Gemeindeverwaltung und von Seiten der Hochfürstlichen Herrschaft ein besonderer Installations-Kommissarius und Installations-Aktuarius sich einfanden. In der Synagoge in feierlichem Zuge angekommen wurde nach Absingung des 111. Psalms und eines deutschen Chorals durch das von dem Schulverweser Berolzheimer trefflich geleitete Schulchor, vom Installations-Kommissarius eine schöne Anrede an Rabbinen und Gemeinde gehalten, das königliche Regierungsdekret verlesen, und dann vom Rabbinen eine sehr angemessene und gediegene Antrittspredigt gehalten. Ein Halleluja schloss die Feierlichkeit, an die sich nachmittags ein fröhliches Mahl schloss."

  
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 

Ausschreibung der Stelle des Lehrers (1848)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1848: "Vakanz
Durch den Tod unseres bisherigen Lehrers Herr Höchstädter ist die hiesige Schul- und Religionslehrerstelle erledigt. Dieselbe gewährt einen fixen Gehalt von 300 fl., 25 fl. für die Wohnung des Lehrers, 25 fl. für die Beheizung des Schulzimmers. 
Hierauf Reflektierende, welche ein Seminar absolviert haben, musikalische Bildung besitzen und namentlich auch im Hebräischen tüchtig sind, belieben sich innerhalb 6 Wochen in portofreien Briefen, unter Beilegung ihrer Zeugnisse, an die unterzeichnete israelitische Kultusverwaltung zu wenden. 
Die Kenntnis von neuen Sprachen würde gern gesehen werden. 
Mönchsdeggingen bei Nördlingen, den 16. Oktober 1848. Die israelitische Kultusverwaltung. 
Lazarus Murr. Nathan Höchstädter
."     

 
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Rabbiner Moses Sonn aus Schweinshaupten, gestorben 1875 in Mönchsdeggingen  
Moses Sonn stammte aus Schweinshaupten, wo seine Frau Sara (Särle) bereits 1848 gestorben war. Er zog kurz 1861 nach Mönchsdeggingen, wo sein Sohn Nathan Sonn mit Sara Sternberger verheiratet war. Diese war die Tochter des Vorbeters Hirz Sternberger. Nathan wurde in diesem Amt 1861 Nachfolger seines Schwiegervaters. Weitere Artikel zu Mose Sonn und Familie siehe Seite zu Schweinshaupten.   
Der Grabstein für Rabbiner Moses Sonn ist erhalten, vgl. Nr. 129 in der Dokumentation zum jüdischen Friedhof

Moenchsdeggingen Israelit 23021876.jpg (176141 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1876: "Aus Bayern, 18. Februar. Am 1. Kislew (29. November 1875) hat in der Gemeinde Mönchsdeggingen bei Nördlingen ein edler Greis, Herr Moses Sonn - unser Lehrer und unser Meister, der Herr Mosche (= Rabbiner) - nach kurzem Krankenlager seine irdische Laufbahn beschlossen. Er hat es wohl verdient, in diesem geschätzten Blatte einen Nachruf zu erhalten. 
Herr Moses Sonn war geboren zu Schweinshaupten in Unterfranken; er widmete sich schon in jungen Jahren dem Torastudium; da er bei sehr großen Anlagen einen regen Eifer betätigte, so haben die Eltern kein Opfer gescheut, den Geist ihres begabten Sohnes ausbilden zu lassen. Er besuchte die Jeschiwot (Talmudschulen) zu Frankfurt am Main und Mainz mit großem Erfolge. Er wollte aber aus der Tora keinen Lebensunterhalt (frei übersetzt) machen, er wollte keinen materiellen Gewinn daraus ziehen! er machte sich in seinem Geburtsorte ansässig und betrieb dort mit allem Fleiße den Feldbau. Alle freien Stunden aber widmete er dem Selbststudium sowohl als auch dem Unterrichte nicht nur seiner eigenen Kinder (er hatte vier Söhne und eine Tochter), sondern auch strebsamer, fremder Jünglinge. Wenn es sich bestätigt, dass man an den Früchten den Baum erkennt, so war es hier der Fall. Seine Söhne hat er in der Tora unterrichtet und zur echten Gottesfurcht erzogen, so wie er auch für seine einzige Tochter einen unterrichteten und gottesfürchtigen Gatten gesucht und gefunden hat. Da seine Frau schon vor 25 Jahren das Zeitliche gesegnet hatte, so übergab er seinem Sohne Nathan Sonn sein Anwesen und lebte in dessen Familie geliebt und hoch geehrt. Von dieser Zeit an aber widmete er seine ganze Zeit dem Torastudium und den frommen Werken. Vor 14 Jahren siedelte er mit diesem Sohne nach Mönchsdeggingen über, da letzterer in dortiger Gemeinde die Vorbeter und Schochet Stelle übernommen hatte. Auch dort ist er unermüdet vom Morgen bis zum später Abend dem Talmudstudium obgelegen, dabei war er auch in profanen Wissenschaften, in Mathematik und Sprachen wohl bewandert, und verfolgte er auch bis zum hohen Alter, er erreichte das 80. Lebensjahr mit lebhaftem Interesse die Weltbegebenheiten, sodass er in Wahrheit Tora mit respektvollem Umgang aufs Schönste und Innigste vereinte. Durch sein bescheidenes, anspruchsloses Wesen, sowie durch seine Nächstenliebe und Leutseligkeit, hat er überall die Herzen sich gewonnen und wurde ihm Liebe und Achtung in reichem Maße erwiesen, sodass sein Scheiden allseitig die schmerzlichste Teilnahme gefunden hat. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. St." 

 
Zum Tod von Joseph Holzmann (1879)
Der Grabstein für Joseph Holzmann ist erhalten, vgl. Nr. 130 in der Dokumentation zum jüdischen Friedhof

Moenchsdeggingen Israelit 22011879.jpg (240440 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1879 (leicht abgekürzt wiedergegeben): "Nachruf! Deggingen bei Nördlingen. Wenn fromme, gesetzestreue Israeliten von dieser Welt scheiden, in welcher sie zum Heil und Segen der Mit- und Nachwelt zeitlebens gewirkt, so ist sicherlich der 'Israelit' die würdigste Ruhmeshalle für das Andenken dieser Edlen, das zu ehren vielleicht auch für manche aneifernd sein wird, den Heimgegangenen in ihrem edlen Wirken nachzuahmen. Wir erfüllen anmit mit schmerzlich bewegter Seele die traurige Pflicht, zuvörderst unserem Schmerz Ausdruck zu geben über den Heimgang eines seltenen Biedermanns - ein demütiger und frommer Mann - , des allverehrten Herrn Joseph Holzmann - er ruhe in Frieden -, welcher im Alter von 78 Jahren nach achttätigem Krankenlager am 4. Tewet (30. Dezember 1878) mit ausgezeichnetem gutem Namen das Zeitliche verließ, um dort den wohl verdienten Lohn zu empfangen aus der Hand unseres himmlischen Vaters für die guten Werke, die er geübt. Derselbe war ein Ehrenmann in des Wortes strengster Bedeutung, geliebt, geachtet und geehrt von Allen, die jemals Gelegenheit hatten, mit ihm zu verkehren. Stets zeigte er besonders regen Sinn für alles jüdische Interesse, für Förderung, Hebung und Verbreitung echt religiöser Zwecke, wozu er weder Mühe noch Opfer scheute. Seine Herzensgüte für Armenunterstützung kannte fast keine Grenzen. Mit Freuden suchten ihn die Armen auf, und mit noch freudigerem Herzen sah man ihn offen oder im Verborgenen diese Gebote ausüben. Die Armen des Heiligen Landes wurden sehr oft von ihm bedacht, und wurde eine Kollekte für Bedürftige aller Art veranstaltet, so war er gewiss zu den ersten Spendern zu zählen. Den Torastudierenden zollte er stets große Verehrung und Achtung, und trug viel zur Unterstützung für dieselben bei, sowie überhaupt war er stets bemüht, jene Pflichten, welche am Anfange des Morgengebetes verzeichnet sind, von denen es heißt, sie seien eine dauernde Stiftung für die ewige Welt, mit namhaften, sehr ansehnlichen Beträgen zu erfüllen. Er war ein wahrhafter Pedant in der Ausübung der Gebote. Sabbate und Feiertage heiligte er streng nach göttlicher Vorschrift und war er stets einer der Ersten im Gotteshause. Im Allgemeinen lässt sich von dem teuren, gottergebenen Verblichenen ohne Übertreibung sagen, dass das Bestreben desselben hauptsächlich dahin gerichtet war, nach dem Sinne des Rabbi Simeon HaZadik in den Pirkei Awot, die drei Säulen, Träger und Stützen des Weltalls, Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit aufrecht zu erhalten und zu befestigen: 
'Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, und Falsch ward nicht gefunden auf seinen Lippen, in Frieden und in Redlichkeit wandelte er mit mir, und Viele brachte er von Sünden zurück' (Maleachi 2,6). 
Viele Freunde von Nah und Fern waren bei dem Leichenbegängnisse, welches am Freitag, dem 8. Tewet (3. Januar 1879) Mittag stattfand, anwesend. Herr Distrikts-Rabbiner Selz aus Harburg hielt dem teuren Hingeschiedenen eine Gedächtnisrede, wie sie brillanter und ergreifender nicht gedacht werden kann, er erschütterte alle Zuhörer und hat für seine herrlichen, herzlichen und wahrheitsgetreuen Worte die trauernden Hinterbliebenen zu aufrichtigem Danke verpflichtet. 
Möge doch der Allgütige die trauernde Familie trösten und ihr seinen Schutz und Beistand nicht versagen. An dem Dahingeschiedenen wollen sich die Worte unserer heiligen Schrift erfüllen: (hebräisch und deutsch:= 'deine Herrlichkeit wolle vor dir hergehen und die Herrlichkeit Gottes dich aufnehmen.  Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

  
Zum Tod des aus Mönchsdeggingen stammenden Meier Sternberger (gest. 1901 in Harburg, 1856 bis 1893 Vorbeter und Mohel in Ansbach
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901: "Harburg, Schwaben. Am Sonntag, 7. Juli, wurde ein Mann hier zu Grabe getragen, der es wohl verdient, dass seiner in diesen geschätzten Blättern gedacht werde, da sein Lebensgang für jeden wahren Jehudi vorbildlich sein dürfte. Es war Meier Sternberger seligen Andenkens, den man unter großer Beteiligung seitens der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung zur letzten Ruhe bestattete. Der reiche Lebensinhalt des Zadik hanedor kann hier nur in skizzenhafter Kürze angedeutet werden.   
Meier Sternberger war in Deggingen bei Nördlingen geboren, ein Sohn des frommen Naftali Sternberger, der dort Vorbeter und Mohel war. Den Grundsätzen und Lehren des Elternhauses blieb der Verstorbene zeitlebens treu. Nciht weniger als 37 Jahre wirkte er als Chasan und Schochet in Ansbach, und war ein gewandter, weithin gesuchter Mohel, welches Amt er so oft unter großen persönlichen Entbehrungen und pekuniären Opfern versah. Im Verein mit seiner vor 1 1/2 Jahren dahingegangenen Gattin, einer echten Esches chajil (tüchtiger Frau), gestaltete er sein Heim zu einer von allen orthodoxen Glaubensgenossen gern und oft aufgesuchten Stätte. Geradezu unmöglich ist es, all das zu schildern, was beide zusammen für die öffentlichen Bedürfnisse, insbesondere auf dem Gebiete der Wohltätigkeit geleistet. Es sei nur erwähnt, dass der Verblichene 32 Jahre lang das schwere Amt eines Verwalters der Armenkasse für Durchreisende unentgeltlich versah. Die einzelnen Jahrgänge des 'Israelit' ließ er unter den Mitgliedern der Gemeinde kursieren, um Sinn für Tora und Gottesfurcht zu erwecken. In den höchsten Gesellschafts- und Beamtenkreisen der mittelfränkischen Kreishauptstadt war der Heimgegangene angesehen und geachtet. Vor acht Jahren zog das kinderlose Ehepaar hierher, um den Lebensabend in der Nähe von Verwandten zu verbringen, freudigst begrüßt in der numerisch reduzierten Gemeinde, die dadurch eine Kräftigung und Neubelebung des Gemeindelebens erfuhr. So manches Gute hat der Verstorbene hier bewirkt. Nun sind sie beide in die Ewigkeit gegangen. leibliche Nachkommen hinterlassen sie nicht, aber ihre guten Taten sind ihre Nachkommen. 
Zur Lewajoh (Beisetzung) war der Kultusvorstand von Ansbach, Herr Selling, herbeigeeilt. In tief empfundenen Worten sprach der Herr Rabbiner von Ansbach, Herr Dr. P. Cohn namens dieser Gemeinde, nach diesem Herr A. Mannheimer, Lehrer in Dettelbach im Auftrage des engeren Verwandtenkreises, endlich für die Gemeinde Harburg Herr Lehrer Krämer daselbst.  
Möge der S'chus - das Verdienst dieses wahrhaft Frommen uns beistehen und er ein Meliz joscher - ein rechter Fürsprecher uns allen sein. Secher zadik liwrochoh - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen
Wie nachträglich bekannt ward, vermachte der Heimgegangene bedeutende Lage an Moschab Sekenim und Talmud Thora im heiligen Lande, an die Präparandien Höchberg, Burgpreppach, an das israelitische Lehrerseminar und das israelitische Hospital in Würzburg, endlich an das Rabbinerseminar in Berlin."     

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge und des rituellen Bades         
    
Von 1684 bis 1734 wurde eine erste Synagoge in einem 1542 erbauten Haus eingerichtet, das erhalten ist und als Wohnhaus genutzt wird (Albstraße 20). Eine Gedenktafel erinnert an diesem Haus an seine Funktion als ehemaliger Synagoge. Eine zweite Synagoge wurde von 1734 bis 1828 benutzt. In diesem Bau unterhielt die jüdische Gemeinde bis 1827 auch eine eigene Schule. Wegen Raummangels wurde das Gebäude abgebrochen und an ihrer Stelle 1826-28 eine dritte Synagoge erbaut, die bis zur Auflösung der jüdischen Gemeinde 1879 verwendet wurde. 1882 wurde das Gebäude verkauft und noch im selben Jahr abgebrochen (Standort Römerstraße 11). In den Central Archives Jerusalem ist noch ein Bericht über die Öffnung des Grundsteines beim Abbruch der Synagoge vorhanden.  
  
Als wichtigste bauliche Erinnerung an die jüdische Geschichte gilt neben dem Friedhof das Gebäude der 1841 durch den einheimischen Maurermeister Georg Mittring erbauten Mikwe (rituelles Bad) in der Alemannenstraße 17. Der quaderförmige, eingeschossige, beheizbare Bau besitzt ein Vollwalmdach. Das Gebäude ist restauriert und heute im Besitz der Gemeinde Mönchsdeggingen.  
  
Um die Erhaltung der Spuren der jüdischen Geschichte bemühte sich bis zu seinem Tod der evangelische Kirchdiener Johann Friedrich Wiedemann (1897-1991). Er hatte den jüdischen Friedhof am 27. Juni 1939 der israelitischen Kultusgemeinde Nördlingen abgekauft und ihn vor einer geplanten Zerstörung in der NS-Zeit bewahrt. Am Gebäude der ehemaligen Mikwe wurde 1994 eine Erinnerungstafel an Johann Friedrich Wiedemann angebracht. Wiedemann hatte auch die Gedenksteine für die Synagogen aufstellen lassen. Ein Gedenkstein für die erste Synagoge ist vorhanden (s.u.), ein Gedenkstein für die 2./3. Synagoge wurde im Frühjahr 2005 wieder aufgestellt, nachdem er einige Jahre "verschwunden" war (ein benachbarter Bauer hatte ihn bei Glatteis umgefahren). 
   
   
   
Fotos 
Historisches Foto: 

Moenchsdeggingen Mikwe 005.jpg (50485 Byte)
Das um 1910 entstandene Foto zeigt rechts das bis heute erhaltene
 rituelle Bad (Mikwe; Quelle des Fotos: G. Römer: Schwäbische Juden s. Lit. S. 63).


Historische Fotos der Synagoge sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den Webmaster von Alemannia Judaica (Adresse siehe Eingangsseite)


Fotos  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 12.3.2004)  

Das Gebäude der 
ersten Synagoge
Moenchsdeggingen Synagoge 122.jpg (44448 Byte) Moenchsdeggingen Synagoge 123.jpg (60389 Byte)
   In dem Gebäude an der Albstraße war bis 1734 eine Synagoge eingerichtet
    
Grundstück der zweiten 
und dritten Synagoge  
Moenchsdeggingen Synagoge 121.jpg (78807 Byte) Moenchsdeggingen Synagoge 120.jpg (93416 Byte)
   Die zweite und dritte Synagoge befanden sich auf dem hinter dem Zaun befindlichen
 Grundstück; nachdem ein benachbarter Bauer den Stein bei Glatteis umgefahren hatte, 
war bis Frühjahr 2005 nur der Rest des Gedenksteines vorhanden.
   
Der im Frühjahr 2005 wieder 
aufgestellte Gedenkstein
 
(Fotos: Helene Kränzlein)
Moenchsdeggingen Gedenkstein 001.jpg (95295 Byte) Moenchsdeggingen Gedenkstein 002.jpg (89976 Byte)
  Der Gedenkstein trägt die Inschrift: "In diesem Obstgarten Hs. Nr. 52 alter Ordnung 
stand von 1734 bis 1828 die zweite und von 1828 bis 1879 die dritte Synagoge der im
 letztgenannten Jahre aufgelösten Israelitischen Kultusgemeinde Deggingen"  
   
Das Gebäude der ehemaligen Mikwe
 (rituelles Bad)
Moenchsdeggingen Mikwe 100.jpg (78406 Byte) Moenchsdeggingen Mikwe 102.jpg (58032 Byte)
   Die ehemalige Mikwe hatte ihren Eingang von der Straßenseite her. Über dem Eingang
 befindet sich bis heute eine Portalzier im "maurischen" (neu-islamischen) Stil. 
    Moenchsdeggingen Mikwe 103.jpg (43369 Byte) Moenchsdeggingen Mikwe 101.jpg (43642 Byte)
  Der Eingang  Hinweistafel 
     
Fotos nach der Restaurierung
 im September 2005
(Fotos: Helene Kränzlein)
Moenchsdeggingen Mikwe 0502.jpg (57983 Byte) Moenchsdeggingen Mikwe 0503.jpg (28162 Byte)
   Die Mikwe  Der Eingang 
     
   Moenchsdeggingen Mikwe 0501.jpg (20746 Byte) Moenchsdeggingen Mikwe 0504.jpg (25772 Byte)
   Maurischer Bogen über Eingangsportal  Die Fenster 
     
Erinnerung an die jüdische Gemeinde
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim/Ries)
Moenchsdeggingen Dok 105.jpg (92959 Byte) Moenchsdeggingen Dok 106.jpg (97755 Byte)
(Leerer) Briefumschlag mit einem sogenannten Fingerhutstempel aus Oettingen,
 adressiert "An den israelitischen Cultusvorstand Mönchsdeggingen bey Nördlingen"
 (vermutlich von 1838)
   
Andernorts entdeckt   Augsburg Friedhof 0411031.jpg (103459 Byte)
Grabsteine im jüdischen Friedhof in Augsburg für Jacob Waitzfelder 
(geb. 1844 in Mönchsdeggingen - 1903 in Augsburg) und Deborah Waitzfelder 
geb. Oettinger geb. 1854 in Thalmässing - 1927 in Augsburg)  
     

      
      
      
Erinnerungsarbeit vor Ort               
    
Bericht vom Europäischen Tag der jüdischen Kultur am 4. September 2005 in Mönchsdeggingen über die Einweihung der renovierten Mikwe (aus den "Rieser Nachrichten" vom 6.9.2005 S. 26):     

Moenchsdeggingen 2005 1.jpg (139125 Byte) Moenchsdeggingen 2005 2.jpg (84489 Byte)

      
       

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Mönchsdeggingen   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Mönchsdeggingen  
Dokumente zu jüdischen Geschichte in Mönchsdeggingen in den Central Archives Jerusalem. Zur Übersicht (pdf-Datei) 
Website "Jewish Genealogy in Bavarian Swabia"   
Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben  www.jkmas.de  
Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben www.juedisches-schwaben-netzwerk.de  
Digitales Synagogenarchiv für Bayerisch-Schwaben www.synagogenarchiv.jkmas.de beziehungsweise http://archiv.jkmas.de    

Literatur:

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit A 85. München 1988. S. 254-257. 
Martina Illian:  Judengemeinde und Judenfriedhof von Mönchsdeggingen. In: Rieser Kulturtage Dokumentation Band VI 1986. 
Gernot Römer: Der Leidensweg der Juden in Schwaben. Schicksale von 1933-1945 in Berichten, Dokumenten und Zahlen. Augsburg 1983;
ders.: Die Austreibung der Juden aus Schwaben. Schicksale nach 1933 in Berichten, Dokumenten, Zahlen und Bildern. Augsburg 1987;
ders.: Schwäbische Juden. Leben und Leistungen aus zwei Jahrhunderten. In Selbstzeugnissen, Berichten und Bildern. Augsburg 1990.

Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu
ISBN 978-3-98870-411-3.
Zu Mönchsdeggingen gibt es keinen gesonderten Abschnitt, da die Gemeinde bereits vor 1900 erlosch; einzelne Angaben zu Mönchsdeggingen im Abschnitt zu Harburg S. 461-465. 

  
   

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge  

                 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Juli 2014