|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
Zurück zur Übersicht: "Jüdische
Friedhöfe in der Region"
Zu den
Friedhöfen im Regierungsbezirk Schwaben
Augsburg
Jüdische Friedhöfe
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Siehe Seite zur Synagoge in Augsburg (interner
Link)
Zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Augsburg
Mittelalterlicher Friedhof
In Augsburg hatte bereits die mittelalterliche jüdische Gemeinde einen Friedhof
(genannt "Judenkirchhof"). Vor und nach den
Verfolgungen 1348 lag dieser außerhalb der Stadt am nordwestlichen Rand der
Frauenvorstadt westlich der am Heilig-Kreuz-Kloster vorbeiführenden Straße,
nahe dem Scheitelpunkt der heutigen Straße "An der Blauen Kappe". Nach der
Ausweisung der Juden aus der Stadt 1438/39 wurde der Friedhof durch die Stadt
konfisziert und abgeräumt. Die Grabsteine wurden zu Bauten am Rathaus
verwendet. Ausführliche Informationen zu diesem Friedhof im nachstehenden
Beitrag von Yehuda Schenef:
Eingestellt
im Oktober 2011:
Beitrag (englisch) von
Yehuda Schenef (Jüdisch-Historischer Verein Augsburg) über den
mittelalterlichen "Judenkirchhof" in Augsburg:
"When even cedars fall in flames". Some explanatory notes on
history and remnants of the Medieval Jewish Cemetery of Augsburg called Judenkirchhof
by Yehuda Shenef. 48 p. Augsburg 2006/2011.
(online
eingestellt als pdf-Datei) |
Friedhof des 19./20. Jahrhunderts im Stadtbezirk Hochfeld
Ab 1806 konnten sich Juden wieder in
Augsburg niederlassen. Ihre Toten wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof
in Kriegshaber
beigesetzt, bis 1867 ein eigener jüdischer Friedhof in Augsburg angelegt werden
konnte. Auf ihm wurde auch eine Leichenhalle erstellt (nach 1945 durch einen
modernen Neubau ersetzt). Der Friedhof ist bereits vor und in der NS-Zeit
mehrfach geschändet worden (1924, 1930, 1935). Er ist von einer Backsteinmauer
umgeben. Das Haupttor befindet sich an der Haunstetter Straße; ein weiteres Tor
am Alten Postweg. Der Friedhof wird bis zur Gegenwart von der Augsburger
Jüdischen Gemeinde belegt. An der linken Mauer befindet sich der Gedenkstein
für die gefallenen jüdischen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Weitere
Gedenksteine erinnern an die in der NS-Zeit ermordeten Juden der Stadt.
Lage des Friedhofes
Im südlichen Stadtrandbezirk "Hochfeld" an der
Haunstetter Straße.
 |
Lage des jüdischen Friedhofes
in Augsburg auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und über das
Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu
"Friedhof, israel. (Alter Postweg)". |
Cemetery Documentation / Dokumentation des Friedhofes
| Jewish Cemetery Augsburg at Haunstetter Strasse:
|
Fotos
(Fotos von Rolf Hofmann; Aufnahmen vom März 2011)
 |
 |
 |
In der Mitte Grabstein
für
Josef Heilbronner und
Fanny Heilbronner geb. Levi (S13/9),
rechts für Max Dick (S13/10) |
Grabstein
für Selma Stiel geb. Strauss
(S50/8), rechts dahinter für
Ludwig Epstein mit Gedenkinschrift
für seine Frau Hedwig Epstein
geb. Gunz (S51/8) |
Grabstein
rechts für Hermann Heilbronner
(N2/4), Mitte für Isak Herzfelder und
Luise Herzfelder geb. Loewenbach (N2/3),
links für Abraham Strauss und
Lina Strauss geb. Bauer (N2/2) |
| |
| |
|
|
 |
  |
 |
Grabstein für Ludwig
Bauer,
Ernestine Bauer geb. Eisenberg
und ihr Sohn Max Bauer (S42/9)
(Foto in
höherer Auflösung) |
Grabsteine für
Jacob Waitzfelder (geb. 1844 in Mönchsdeggingen-1903) und Deborah
Waitzfelder geb. Oettinger geb. 1854 in Thalmässing) (N3/2), rechts davon
für Sigmund Reis und Sofie Reis geb. Gallinger (N3/3) |
Grabstein für Heinrich
Schwarz
(S46/5)
|
| |
|
| |
|
| |
|
|
 |
 |
 |
Grabstein für Josef
Heilbronner und
Fanny Heilbronner geb. Levi (S13/9) |
Grabstein für Thea Dann geb.
Stein
und Ludwig Dann (N6/5) |
Großer Palmzweig
auf Grabstein-Obelisk |
| |
|
|
 |
 |
 |
Grabstein für Laura
Polatschek
(1900-1922, N34/7) |
Grabstein für Abraham Strauss
und
Lina Strauss geb. Bauer (N2/2) |
Grabstein für Emma Bendel
geb. Gunz (S25/3) |
| |
|
|
 |
 |
 |
Grabinschrift für
Grete Arnold
(1889-1941) und Arthur Arnold
(1880-1941 im KZ Dachau) |
Grabinschrift für Julius
Fuchs und
Emma Fuchs geb. Freundlich (N11/3) |
Grabinschrift für
Kommerzienrat
Albert Arnold, Hermine Arnold geb. Vogel
und Dr. Friedrich Dessauer (S41/2a) |
| |
| |
|
|
 |
 |
 |
Grabstein für David
Waitzfelder
(1843-1897, N10/6) |
Grabstein für Amson Model
(Name in hebräisch) (N19/12) |
Grabstein für Oskar Lustig
(1896-1942;
im KZ Buchenwald umgekommen) |
| |
|
| |
|
|
 |
 |
 |
Grabstein für Gitta Kleeblatt
geb. Victor
(geb. 1878 in Burghaun, gest. 1940
in Kempten im Allgäu (N46/14) |
Grabstein für Berta Kutz
geb. Höchstädter und
Hirsch Kutz (N35/5) |
Grabstein für Caroline Kahn
geb. Kohn
aus Paris (geb. in Steppach, gest.
in Göggingen (N17/6) |
| |
|
|
 |
  |
 |
Grabstein für Rosa
Heymann
geb. Lang (1866-1928) und
Albert Heymann (1859-1929) |
Grabstein links
für Alexander Neuburger
(1843-1906) und Betty Neuburger geb.
Binswanger (1855-1920) mit
Gedenkinschrift für Otto und
Lilly Neuburger (1942) |
Grabstein für Benno
Heymann
(1848-1900) und Ida Heymann
geb. Feistmann (1855-1942) |
| |
|
| |
|
|
 |
  |
 |
Grabsteine für Bernhard
Blumgart (gest.
1900) und Sarah Blumgart (gest. 1890) |
Grabstein für David Feist
(1838-1881)
und Julie Feist geb. Gunz (1848-1918) |
Grabstein für Gustav
Oberndorf,
Amerikanischer Konsul (1843-1906) |
| |
|
|
 |
 |
|
Grabstein
links für Hermann Höchstädter
(1879-1965) und Amalie Höchstädter
geb. Bach (1891-1982), rechts für
Walter Höchstädter (1914-2007) |
Kindergräber: vordere
Reihe Mitte
Grabstein für
Robert-Max Landauer (1912) |
|
| |
| |
|
|
 |
|
| Rosendekor auf Grabstein
|
Gedenktafel
für namenlose Kindergräber am Eingang zum Friedhof |
| |
|
|
| |
|
|
Ehrenmal für KZ-Opfer auf
dem
Augsburger Westfriedhof |
 |
|
| |
|
|
 |
 |
 |
|
Auf dem Augsburger
Westfriedhof gibt es ein Ehrenmal für hier bestattete KZ-Opfer und
Häftlinge, die in Augsburg ums Leben gekommen sind. Viele der ums Leben
gekommenen, bei Bombenangriffen getöteten oder von den
SS-Wachmannschaften ermordeten KZ-Häftlinge sind auf dem Westfriedhof
bestattet. Auf einer der Tafeln des Gräberfeldes stehen Namen von
jüdischen Umgekommenen (Tafel rechts). Informationen nach der Seite www.weltkriegsopfer.de.
Fotos erstellt durch Hubert Joachim im Mai 2008. |
| |
|
|
Einzelne Presseberichte
| März 2010: Leonid
Zamskoy und der jüdische Friedhof an der Haunstetter Straße
|
Foto
links: Leonid Zamskoy
Artikel von Miriam Zissler in der "Augsburger Allgemeinen" vom
13. März 2010 (Artikel):
"Den Gräbern wieder einen Namen gegeben.
1176 Gräber sind auf dem Jüdischen Friedhof an der Haunstetter Straße belegt. Leonid Zamskoy kennt jedes Einzelne. Unzählige Mal ist er die schmalen Reihen abgelaufen, hat die Gräber aufgelistet, einen Plan skizziert. Als der Bauingenieur vor acht Jahren zur jüdischen Gemeinde in Augsburg stieß, gab es keinerlei Unterlagen, kein Belegungsplan, welche sterblichen Überreste sich unter den teilweise verblassten Steinen befinden.
Erste Beerdigung 1886. 1886 wurde die erste Person auf dem lang gezogenen Areal an der Haunstetter Straße beerdigt. Seither sind 1494 Menschen dazugekommen. Doch die Zeit hat an etwa 200 Grabsteinen alle Spuren verwischt. Durch Witterungseinflüsse verwitterten die Schriftzüge auf dem weichen Sandstein. Leonid Zamskoy hat sich auf die Spur nach den Namen gemacht. Die Suche war nicht einfach. Viele Unterlagen der Synagoge wurden während des Zweiten Weltkrieges zerstört.
Der gebürtige Ukrainer kümmert sich mit viel Engagement und Hingabe um die Bauvorhaben der Jüdischen Gemeinde. Für seine Recherchen auf dem Friedhof nutzte er eine Liste der Toten, die 1940 die Nazis erstellt hatten.
'Sie haben alles gründlich untersucht und niedergeschrieben. Familiennamen, Geburts- und
Sterbedaten', erzählt er.
Liste auf Mikrofilm entdeckt. Der Historiker Yehuda Schnepf vom Jüdischen Historischen Verein aus Augsburg hat die Liste auf einem Mikrofilm in einem Archiv entdeckt, berichtet Zamskoy, er selber habe sie ausgewertet. Lückenlos könne er nun mit einem Handgriff bestimmen, wer wo liegt. Waitzfelder neben Strauss oder Binswanger neben
Lautermayer. Manchmal erreichen ihn Anfragen aus dem Ausland. Juden aus den Vereinigten Staaten oder Australien hätten erfahren, dass ihre Vorfahren auf dem Friedhof beerdigt wurden.
'Jetzt kann ich ihnen innerhalb von Minuten sagen, ob das stimmt. Oft mache ich ein Bild von dem Grab und sende es ihnen per
E-Mail', sagt der 53-Jährige.
Zwei- bis dreimal die Woche sieht er auf dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück nach dem Rechten. Er erhält aber auch Hilfe von städtischen Mitarbeitern. 60 bis 70 Kubikmeter Laub lassen die alten Bäume auf dem Gelände im Herbst fallen.
'Wenn wir die alle alleine beseitigen müssten, dann wäre das eine
Katastrophe', sagt Zamskoy. Außerdem ist er bei allen Beerdigungen anwesend.
'Wir haben im Schnitt 25 im Jahr', sagt er. Das hört sich nicht viel an. Es ist aber viel für die kleine Gemeinde. Rituale müssen eingehalten werden. Wenn ein Jude stirbt, kommt die Chewra Kadischa zusammen. Das ist eine Beerdigungsbrüderschaft. Nach jüdischem Glauben soll niemand einen Vorteil von dem Tod eines Menschen haben. Deshalb kümmern sich ehrenamtliche Helfer um die Toten, waschen sie, kleiden sie in ein einfaches weißes Sterbekleid aus Leinen. Das lauwarme Wasser, das für die Leichenwaschung im Taharahaus benötigt wird, fließt erst seit diesem Winter aus dem Hahn.
'Davor habe ich das Wasser in der kalten Jahreszeit kanisterweise mitbringen müssen', so Zamskoy.
Sanierung kostete 120 000 Euro. Viel Geld und Arbeit hat die Gemeinde in die Sanierung des Gebäudes gesteckt. 1962 wurde es errichtet. Für 120 000 Euro wurden unter anderem das Dach und die Fassade saniert, die sanitären Anlagen erneuert, Warmwasserleitungen installiert. Löcher im blauen Fensterglas hinter dem großen Davidstern trüben den Blick auf das sonst schmucke Gebäude.
'Nach Unruhen in Israel wurden sie im vergangenen Mai eingeworfen', so Leonid Zamskoy. Der Übeltäter musste gut werfen können. Nur die Angehörigen der Verstorbenen erhalten einen Schlüssel. Für Fremde bleibt der Friedhof verschlossen.
Bald wird er gänzlich die Vergangenheit verwahren. Es sind nicht mehr viele freie Grabstätten vorhanden. Ein neues Areal wurde der Gemeinde von der Stadt angrenzend an den Neuen Ostfriedhof in Lechhausen in Aussicht gestellt. Leonid Zamskoy findet diese Lösung gut. Doch noch ist ein wenig Zeit: Rund 150 Mitglieder der jüdischen Gemeinde werden an der Haunstetter Straße ihre letzte Ruhe finden.
Zuletzt wurde der Augsburger Ehrenbürger Ernst Cramer auf dem Friedhof beerdigt. Cramer flüchtete vor den Nazis in die USA, kehrte als Soldat nach Deutschland zurück und lebte später als Publizist und Weggefährte Axel Springers in Berlin. Auf eine Trauerfeier verzichtete er. Seine Eltern und sein Bruder starben im Konzentrationslager. Sie hätten auch keine Trauerfeier gehabt, war seine Begründung.
Bei der Beerdigung zierte nur ein kleines Blechschild das Grab Cramers. Dr. Ernst Cramer stand darauf. Sein Sohn bat Leonid Zamskoy vor der Trauerfeier, den Akademikertitel zu entfernen.
Zamskoy: 'Er sagte mir, dass das sein Vater nicht gewollt hätte. Denn im KZ waren alle Menschen gleich. Ob Akademiker oder
nicht.'" |
| |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica III,1 S. 39-65. |
 | Yehuda Schenef: "When even cedarfs fall in
flames...". Some explanatory notes on history and remnants of the
Medieval Jewish Cemetery of Augsburg called Judenkirchhof. 48 p. Augsburg
2006/2011 (online
zugänglich - als pdf-Datei eingestellt). |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens
in Bayern. 1988 S. 229-230.
|

vorheriger Friedhof zum ersten
Friedhof nächster Friedhof
|