Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zu den Friedhöfen im Regierungsbezirk Schwaben  
  

Illereichen (Markt Altenstadt, Landkreis Neu-Ulm) 
Jüdischer Friedhof  
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
   
Siehe bei der Seite zur Synagoge in Altenstadt (interner Link)    
  
  
Zur Geschichte des Friedhofes             
   
Der jüdische Friedhof in Illereichen ist der Friedhof der jüdischen Gemeinde des benachbarten Altenstadt. Das Gelände wurde 1719 von Gräfin Maria Anna von Lymburg Styrum zu Illereichen der Israelitischen Kultusgemeinde als Begräbnisplatz zugewiesen. 1785 und 1867 wurde der Friedhof erweitert und 1928 mit einer Mauer umgeben. Aus dieser Zeit stammt auch das Eingangstor. Ein weiterer Zugang ist von Richtung Altenstadt her, wo ein Fußpfad den Weg zum Friedhof hochführt. Die Gesamtfläche des Friedhofes beträgt 28,79 a. Es sind nach einer neueren Zählung 233 Grabsteine erhalten. 
   
Auf dem Friedhof befinden sich (entlang der Mauer des Eingangs) eine alte Hinweistafel zur Geschichte des Friedhofes, Gefallenengedenktafeln (1870-71 und Erster Weltkrieg) und eine 1992 angebrachte Gedenktafel mit den Namen der aus Altenstadt deportierten und ermordeten Juden. 
  
Über dem Eingangstor von 1928 findet sich die (hebräische) Inschrift: "Den Geborenen zum Sterben - den Toten zum Leben". 
Im Juni 1924 wurde der Friedhof erstmals geschändet.   
  
  
 Über den jüdischen Friedhof aus Anlass der Erstellung einer Mauer (1928)   

Altenstadt BayrGZ 15121928.JPG (350124 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1928: "Altenstadt in Schwaben. Es ist mir angenehme Chronistenpflicht, von einem bedeutsamen und heiligen Werke zu berichten, das Pietät und Liebe geschaffen haben, nämlich von der Erstellung einer dauerhaften Mauer um den hiesigen altehrwürdigen Friedhof. Derselbe gehört wohl zu den ältesten in Bayern. Schon 1650 wurden im hiesigen Ortsteile Illereichen, wonach sich fast bis in die neueste Zeit die hiesige Kultusgemeinde benannte, von dem damaligen Grafen und Schutzherren Hans von Rechberg fünf Familien angesiedelt; ob denselben auch damals schon eine Grabstätte angewiesen wurde, ist fraglich. Als aber 1719 unter der Gräfin Maria Anna von Limburg-Styrum die Ansiedlung der Juden in Altenstadt zu Füßen des Schlossberges an der Ulm-Kemptener-Landstraße gestattet wurde, enthält der hiezu ausgestellte Schutzbrief folgende Stelle: "Nicht weniger soll ihnen ein Platz zur Synagoge und Begräbnis angewiesen werden." So entstand der hiesige israelitische Friedhof auf einem Hügel, "den Judenhügel", gelegen auf der rechten Seite der Landstraße nach Illereichen, etwa eine Viertelstunde von Altenstadt entfernt. Auf dieser idyllisch gelegenen Stätte in stiller Waldeseinsamkeit haben viele Geschlechter ihren letzten Ruheplatz gefunden. Längst schon sind die Grabhügel der ältesten Reihen in die Erde hinabgesunken und mit ihnen die meisten ihrer Denkmäler. Aber auch die Inschriften der übrig gebliebenen Grabsteine sind größtenteils unleserlich geworden. Erst auf den ungefähr um das erste Drittel des vorigen (sc. 19.) Jahrhunderts entstandenen Gräbern sind die Grabsteine erhalten geblieben.
Soweit die Kunde zurückreicht, blieb die Grabesruhe unserer Verstorbenen stets unbehelligt, obwohl "der gute Ort" nur mit einem Lattenzaun, auf der östlichen Seite sogar nur mit einem Heckenzaun umgeben war. Je mehr sich aber im Laufe der Zeiten eine Abnahme der Gemeinde ergab, zählte sie doch 1807 hundert Familien, in der Mitte des 19. Jahrhunderts 60 Familien, desto mehr war man von der Notwendigkeit einer Friedhofsmauer überzeugt, namentlich gegenwärtig in der Periode der sinnlosen Zerstörungen jüdischer Grabdenkmäler. So war denn schon kurz vor dem Kriege die Errichtung einer Friedhofsmauer geplant; doch scheiterte die gute Absicht an der harten Kriegszeit und der ihr folgenden Inflation, durch welche bereits angesammelte Gelder vernichtet wurden. Da griff vor einem Jahre Herr Bankier Lehmann von hier mit aller Energie das Projekt wieder auf, das dann auch dank seiner zielbewussten Arbeit, bestens unterstützt von der Kultusverwaltung und einem eigens hierzu erwählten Friedhofskomitee, in diesem Herbste zu einem guten Ende geführt werden konnte. Unter der Aufsicht des Architekten Herrn Morgenröther aus Ulm hat die Baufirma Gebrüder Weh aus Osterberg in wenigen Wochen die Umfriedung im besten Eisenbeton ausgeführt, wobei gleichzeitig eine Erweiterung des Terrains vorgenommen wurde, das übrigens schon 1785 und 1867 vergrößert worden war. So ist nach menschlicher Voraussicht die Grabesruhe in unserem Bes olom bis in die spätestens Zukunft gewährleistet.
Inniger Dank aber gebührt allen Nedif lef, edlen Spendern, sowohl den einheimischen als den auswärtigen, die mit größeren und kleineren Beiträgen das gute Werk förderten, insbesondere aber der sehr verehrlichen Gemeindeverbandsleitung, die sich mit einer namhaften Summe beteiligte. Ganz besonders sei noch dankbar dessen gedacht, dass auch die hiesige politische Gemeinde einen Beitrag bewilligte. Wahrlich ein schönes Zeichen des konfessionellen Friedens.
Aus der Beschreibung des Friedhofes sei noch im einzelnen hervorgehoben. Am Haupteingange an der Ostseite steigt die Mauer zu einem imposanten Portal an, in welches die vielsagenden Worte eingemeißelt sind: Spruch der Väter Kapitel 4. "Hajilodim lomus wehamesim lichjos" - Die Geborenen sind bestimmt zu sterben und die Toten wieder belebt zu werden. Eine in die östliche Wand eingesenkte Tafel aus Marmor trägt die mahnende Inschrift: "Mi gefer jichjeh welanjireh mofäs jemaled nafschan min scheaul säloh". - Wer wird immer leben und nicht sterben, dass er sich vor der Gruft retten könnte? - Ebenso sind auf derselben die wichtigsten geschichtlichen Daten des Friedhofs - Gründung und Erweiterungen - verzeichnet. Geordnete Wege mit Zementstufen erleichtern zu jeder Jahreszeit den besuch der geheiligten Ruhestätte, die unser den vielen Gräbern auch diejenigen der Rabbiner Abraham und Meier Meyer, Vater und Sohn, und Emanuel Schwab, gestorben 1870, enthält."    

  
Weiterer Text von Hauptlehrer Rose von 1931: "Unser Friedhof - Bees aulom" (Haus der Ewigkeit)  
Abschnitt aus: Hauptlehrer Hermann Rose: Geschichtliches der Israelitischen Kultusgemeinde Altenstadt. 1931 S. 90-92).  

"Im Verlaufe dieser geschichtlichen Arbeit ist wiederholt betont worden, unter welch erdrückenden und verächtlich machenden Ausnahmegesetzen unsere Vorfahren selbst noch im 17. und wohl auch noch im 18. Jahrhundert zu leiden hatten. Doch nicht nur der lebende Jude war der Rechtlosigkeit und Verachtung preisgegeben, selbst auf den toten übertrug die Mitwelt ihren Hass, indem sie ihm kaum einen Platz zur dauernden Ruhestätte gönnen wollte. So war es fast überall in Deutschland, besonders in Franken und Hessen. Infolge der Schwierigkeiten, die den einzelnen Kleingemeinden bereitet wurden bei der Erwerbung von Grund und Boden zu einem "guten Ort", entstanden die sogenannten Bezirksfriedhöfe, wie z.B. Bechhofen und Schnaittach in Mittelfranken, Kleinbardorf, Laudenbach am Main, Allersheim in Unterfranken, Buchen/Bödigheim in Baden, Altengronau in Hessen und noch andere mehr. In dieser Beziehung scheint in Schwaben zu jener Zeit eine mildere Gesinnung gewaltet zu haben. Da konnte sich fast jede Gemeinde einen eigenen Friedhof anlegen, so Fellheim, Osterberg, Hürben, Krumbach, Ichenhausen, Buttenwiesen, Harburg, Wallerstein.
Diese humanere Anschauung herrschte auch bei dem Grafen Max Wilhelm von Limburg-Styrum zu Illereichen, als er 1719 den Juden erlaubte, sich hier niederzulassen. In dem erteilten Schutzbriefe von 1719 heißt es: "Nichts weniger soll ihnen ein Platz zu einer Synagoge und einem Begräbnis angewiesen werden" und zwar geschah dieses auf dem bewaldeten "Judenhügel", gelegen an der Straße nach Illereichen. Die Abtretung scheint unentgeltlich geschehen zu sein; jedenfalls weisen die Akten keinen Betrag aus. Die Belegung des Friedhofes erfolgte von Westen her, woselbst sich auch das kleinere Eingangstor befindet, gegen Osten, während die einzelnen Gräberreihen von Norden nach Süden laufen. Zur Zeit der Entstehung des Friedhofes herrschte unter unseren Vorfahren größtenteils große Armut. Daher musste man von der Aufstellung steinerner Grabdenkmäler, die in der hiesigen Gegen doch nicht als Natursteine vorhanden sind, aus Ersparnisgründen absehen und benützte an ihrer Stelle schwere Eichenbohlen. Es ist bedauerlich, dass von ihnen allen nur zwei dem Zahne der Zeit trotzten, doch sind auch sie kaum zu entziffern. Erst nach Verlauf des ersten Fünftels des verflossenen (sc. 19.) Jahrhunderts gelangten Grabsteine zur Verwendung. Da die noch vorhandenen älteren Grabsteine zu lange schon dem Einflusse der Verwitterung ausgesetzt waren, sind sie vielfach nur noch schwer zu entziffern, ja teilweise überhaupt unleserlich geworden. Doch bietet ein im Anfang freilich nur hebräisch geführtes und die Zunamen nicht nennendes Grabregister einigen Aufschluss über die ältere Zeit. An Grabsteinen von allgemeinem Interesse sind zunächst zu erwähnen die der einstigen hiesigen Rabbinerfamilie Meyer. Sie befinden sich hart an der südlichen Mauer und sind gut erhalten, da sie erst im verflossenen Sommer wieder von der Gemeinde restauriert wurden. Es sind diese die Gräber von dem einstigen Kultsführer (Parnes) Josef bar Meir, der ein großes talmudisches Wissen besaß, ehrenamtlich als Baal tokea und Mohel viele Jahre wirkte und 1812 gestorben war. Rechts von diesem ruht sein Sohn, der Rabbiner Abraham Josef Meyer, gestorben 1849. Drei Reihen weiter nach vorn trifft man die Ruhestätte des Rabbiners und Oberlehrers Emanuel Schwab, gestorben 1870; das Grabmal ist leicht zu erkennen durch eine ander Rückseite befindliche griechische Inschrift. Gerner ruhen auf dem hiesigen Friedhofe die Gemeinde des Elementarlehrers Aron Fränkel, gestorben 1851, und der Vorsänger Josef Bär, gestorben 1860, und Zacharias Reutlinger, gestorben 1874. Secher Zadik levrocho: "Das Andenken der Gerechten sei zum Segen!" So schlummert denn eine große Totengemeinde auf dem hiesigen Bes aulom dem Tage der Auferstehung entgegen. Jeder Leser dieser Zeilen aber wird in pietätvoller Erinnerung aller seiner einstigen Vorfahren und Lieben gedenken und ihr geistiges Bild tritt wehmutsvoll vor seine Seele, seien sie Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter oder sonstige Verwandte entfernteren Grades gewesen.
Kein Ort aber ist uns Israeliten heiliger und unantastbarer als die Ruhestätte unserer Ahnen. Der Gedanke, dass Unholde sie schänden könnten, erfüllt uns mit Grauen und Entsetzen. Eine derartige verächtliche Handlungsweise, die selbst das dunkelste Mittelalter nicht hervorbrachte, blieb unserer aufgeklärt sein wollenden, aber von Klassen- und Rassenhass erfüllten Gegenwart vorbehalten. Zählt man doch im deutschen Reiche gegenwärtig über 100 Schändungen jüdischer Friedhöfe. Zwar blieb uns Israeliten dank des gesunden und toleranten Sinnes der Ortsbevölkerung eine derartige Schmach erspart und ist zu hoffen, dass es auch für die Zukunft so bleiben werden. Dennoch war es schon lange Herzenssache aller einsichtigen Gemeindemitglieder, die geheiligte Ruhestätte unserer teueren Toten, welche bisher nur mit einem hölzernen Lattenzaun umgeben war, durch eine dauerhafte Mauereinfriedung für alle Zukunft vor ähnlicher Verunglimpfung zu schützen. Aber auch der gewichtige Umstand, dass sich die Kultusgemeinde mehr und mehr verkleinerte, musste zur Ausführung des Vorhabens drängen.
Tatsächlich bestand schon vor dem (sc. Ersten) Weltkriege dieses Projekt zur Erörterung, doch die schwere Zeit verhinderte die Verwirklichung. Im Frühjahr 1920 wurde der löbliche Plan erneut aufgegriffen und das Ergebnis einer Sammlung bei hauptsächlich auswärtigen Spendern betrug rund 3.700 Mark. Doch die alles verschlingende Inflation machte auch dieses Vorhaben zunichte. Endlich wurde in einer Gemeindeversammlung am 18. November 1927 der Beschluss gefasst, die Ummauerung des Friedhofs durchzuführen. Die Gemeinde stellte selbst 1.200 Mark für den Zweck bereit. Die Aufbringung der übrigen Mehrkosten durch eine Sammlung übernahm der leider 1929 verstorbene Herr M. Lehmann. Mit dem nachbarlichen Anwesensbesitzer, Herrn Wanner, einigte man sich im Tauschverfahren, dass die östliche Seite um drei Meter vorgerückt werden könnte. Herr Lehmanns Energie schaffte die benötigten Geldmittel herbei aus der Nähe und Ferne; selbst aus England, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Südafrika liefen größere und kleinere Beiträge ein, die wegen Raummangels hier nicht im einzelnen aufgeführt werden können. Doch sollen nicht unerwähnt bleiben der Beitrag des Bayerischen israelitischen Gemeindeverbandes in der Höhe von 2000 Mark und von der hiesigen politischen Gemeinde zu 200 Mark, als Beweis der hier herrschenden Toleranz. Neben der Kultusverwaltung wirkten als besonderer Bauausschuss die Herren M. Lehmann, H. Neuburger und J. Wassermann. Die Architekten Rettich und Morgenröther aus Ulm waren beauftragt, Bauentwürfe vorzulegen; nach dem Gutachten des Landbauamtes Memmingen gelangte der Morgenröther'sche Entwurf zur Ausführung. Als Mindestnehmender erhielt die Baufirma Weh aus Osterberg auf dem Wege der Submission den Zuschlag. Am 28. August 1928 wurde der erste Spatenstich getan und schon Mitte Oktober war das ganze Werk vollendet, ohne dass sich irgend ein Unfall ereignet hatte. Die Mauer ist aus bestem Beton hergestellt, zu welchem Sendener Kies verwendet wurde, und wir aller Voraussicht nach den Unbilden der Witterung für alle Zeit trotzen. Die bisherigen eisernen Tore, 1887 gestiftet vom damaligen Kultusvorstand Josef Meyer, konnten wieder benutzt werden, und tragen das Emblem des Mogen dovid (Davidsschild). Die Durchführung des ganzen Werkes, das seinem Erbauer sowie der Gemeinde zur Ehre gereicht, kostete rund 8.000 Mark.
Ergänzend sei noch in geschichtliche Hinsicht eingeschaltet, dass die erste Friedhofserweiterung schon 1785 erfolgte und die zweite 1867, letztere unter einem Kostenaufwande von 450 fl., von denen 200 fl. dem Armenfonds entnommen wurden, während man den Rest aus der laufenden Kultuskasse beglich.
So stellt sich nun unser Waldfriedhof in einem vorteilhaft veränderten Gewande dem frommen Besucher dar. Die östliche Mauer erhebt sich über der Einfahrt zu einem imposanten Portal, das die vielsagende Inschrift trägt: "Hachajim lomus, wehamesim lichjans" - "Die Lebenden sind bestimmt zu sterben und die Toten wieder zum Leben erweckt zu werden." Spr. d. Väter 4. Zur linken Seite des Einganges ist in die Mauer eine Marmorplatte eingesenkt, auf welcher das mahnende Schriftwort eingegraben ist: Migever jichjeh welau jiräh mosäs jemaled nafschau min scheaul seloh - "Wer wird immer leben, dass er nie den Tod sehe und sich vor der Gruft retten könnte?" Psalm 89. Auch sind auf dieser Platte die Daten der Gründung, Erweiterung und der jetzigen Umfriedung eingehauen. Gute und geordnete Wege führen zum Friedhofe und auch innerhalb desselben um die Gräberreihen und drei Ruhebänke laden den frommen Pilger zur beschaulichen Ruhe und besinnlichen Einkehr ein. 
So möge unser "guter Ort" für immer eine Stätte des dauernden Erdenfriedens sein, vor welcher allem Hass und Streit Halt geboten ist. Er sei und bleibe für alle Zeit ein Platz des Trostes und der Erbauung für die Lebenden und der ungestörten Grabesruhe für die Entschlafenen. Möge niemals sich frevelnde Hand erkühnen, die allen Menschen geheiligte Stätte der Ahnen zu verletzen und zu verunglimpfen, at ascher jokizu jechene ofor, bis einstens Gottes geheiligter Wille "die im Staube Schlafenden" zu neuem Leben erwecken wird.
Die feierlichen Stimmungen und Gefühle aber, welche ein so altehrwürdiger Friedhof im Herzen des Besuchers auslöst, sind wohl nirgends eindringlicher zum Ausdruck gebracht, als in den nachfolgenden Worten eines zeitgenössischen Dichters:

Waldfriedhof 

"In deine kühle Schatten tret ich wieder,
Du stilles, heilig-ernstes Reich;
Aus dunklen Tannen rauscht es heimlich nieder
Wie Träume, friedvoll, heimatgleich.

Ich hör' die Brunnen leise - wie im Schlafe - gehen
In weltverlor'ner Einsamkeit 
Und wundersam durch alle Wipfel wehen 
Den sanften Hauch der Ewigkeit.

Mich dünkt, ich sei von aller Welt geschieden 
Und weither aus dem öden Land 
Zurückgekehrt, wo ich nun hier den Frieden 
Für meine Seele fand."  

   
   
Lage des Friedhofes 

   
Der Friedhof liegt auf einem bewaldeten Hügel am Ortseingang von Illereichen, von Altenstadt her kommend.
   

   
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.7.2004) 

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Illereichen Friedhof 150.jpg (68799 Byte) Illereichen Friedhof 152.jpg (71776 Byte)
Haupteingangstor 
von 1928 
Das Eingangstor 
aus Richtung Altenstadt 
Die 1992 angebrachte Gedenktafel mit 
den Namen der aus Altenstadt 
deportieren und ermordeten Juden.
     
      
Illereichen Friedhof 154.jpg (86978 Byte) Illereichen Friedhof 160.jpg (88011 Byte) Illereichen Friedhof 158.jpg (70075 Byte)
     
     
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In der Mitte Grabstein für 
Hauptlehrer Hermann Rose (1870-1935)
     
      
Illereichen Friedhof 153.jpg (66332 Byte) Illereichen Friedhof 155.jpg (85271 Byte) Illereichen Friedhof 161.jpg (78717 Byte) Illereichen Friedhof 162.jpg (88815 Byte)
Grabstein mit dem Symbol 
der Levitenkanne
Grabstein für Leopold Strauß (1859-1931) und Minna Strauß (1864-1934) sowie 
Grab- oder Gedenkinschriften für  
Salomon und Irma Strauß
  Einzelne Grabsteine, 
rechts für Julius Löwenstein
     
      

    
   

Einzelne Presseberichte 

November 1988: Gedenken anlässlich des Novemberpogroms 1938 auf dem Friedhof
Altenstadt Friedhof 025.jpg (110756 Byte)Pressebericht vom November 1988: "Auf dem Altenstadter Judenfriedhof der Kristallnacht gedacht. Altenstadt. Mit einer Feierstunde auf dem jüdischen Friedhof in Altenstadt-Illereichen gedachte gestern morgen der Landrat des Kreises Neu-Ulm, Franz Josef Schick, der Kristallnacht in Altenstadt, deren Jahrestag sich heute zum 50. Mal jährt..."  
 
September 2010: Eine neue Informationstafel wird angebracht   
Artikel von Petra Ast in der "Südwestpresse"  vom 7. September 2010 (Artikel): "Stille Zeugen jüdischen Lebens
Altenstadt. Erinnern, nicht vergessen - das hat sich das Netzwerk Historische Synagogenorte zur Aufgabe gemacht. In Illereichen wurde eine Infotafel zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Altenstadt eingeweiht
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Der jüdische Friedhof im Altenstadter Teilort Illereichen liegt versteckt zwischen Bäumen, an einem Hang gelegen. Am Ende des Ortes, wo die Straße hinunter führt nach Altenstadt. Über dem weißen Eingangstor steht in hebräischer Schrift: "Den Geborenen zum Sterben - den Toten zum Leben." Dahinter, auf dem hügeligen Gelände, stehen die 293 verwitterten Grabsteine der jüdischen Frauen, Kinder und Männer, die dort seit Gründung der Grabstätte, vor über 200 Jahren, beerdigt worden sind. Zum letzten Mal wurde dort 1942 jemand bestattet. Kurze Zeit danach deportierten die Nationalsozialisten die noch verbliebenen 23 Altenstadter Juden in Konzentrationslager. Lange Zeit war die Marktgemeinde Altenstadt eine der größten jüdischen Siedlungen im Illertal gewesen.
Am Spätsommernachmittag des vergangenen Sonntags, an dem jüdische und nichtjüdische Organisationen zum elften Mal den europäischen Tag der jüdischen Kultur begangen haben, stand Rolf Kießling vor dem Eingang des verwaisten Friedhofs in Illereichen. Der Initiator des Netzwerks Historische Synagogenorte sagte, diese Grabstätte erzähle von der "tragisch endenden Geschichte der jüdischen Bewohner Altenstadts". An die 50 Menschen hatten sich mit ihm vor dem Eingangstor versammelt, um bei der Einweihung einer Tafel dabei zu sein, die über diesen Ort informiert. "Jüdische Friedhöfe sind Orte jüdischer Kultur, Orte der Erinnerung und seit der Shoa für Nichtjuden Zeugnisse einer untergegangenen Kultur jüdischen Lebens," sagte der Augsburger Geschichtsprofessor. Es gelte, die Erinnerung an die ehemals jüdischen Gemeinden aufrecht zu erhalten und sie im Bewusstsein der Menschen zu verankern.
Vor sechs Jahren hat Rolf Kießling das Netzwerk in Augsburg gegründet. Seither kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft darum, dass frühere jüdische Begegnungsstätten in Bayerisch Schwaben nicht in Vergessenheit geraten: zum Beispiel mit Infotafeln an jüdischen Friedhöfen zwischen Augsburg und Memmingen. Illereichen ist eine von 14 Grabstätten, an deren Eingang nun über Gründung, Geschichte und jüdische Friedhofskultur berichtet wird. Auch über Gepflogenheiten: dass Männer zum Beispiel eine Kopfbedeckung tragen sollten und die Einnahme von Getränken und Speisen unerwünscht ist.
Manfred Worm, der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde in Schwaben, erinnerte an das "unsägliche Leid der Juden nicht nur in Altenstadt" und appellierte an die Zuhörer, den Friedhof in Illereichen als einen Ort der Geschichte zu bewahren. In diesem Zusammenhang lobte er die Marktgemeinde Altenstadt für ihren Einsatz um den Erhalt des Friedhofs in Illereichen. Bürgermeister Wolfgang Höß sagte, die Infotafel erweitere das Wissen um die ehemals jüdische Gemeinde und fördere das Verständnis für einen wesentlichen Teil der Orts- und Kulturgeschichte Altenstadts.
Vor 160 Jahren lebten noch mehr als 400 Juden in dem Dorf - die höchste Bevölkerungszahl in der 300-jährigen Geschichte der jüdischen Enklave. 1931 war ihre Zahl auf 50 geschrumpft. Viele waren ausgewandert, geflohen vor den immer unsicherer werdenden politischen Verhältnissen. Die Infotafel trage dazu bei, "dass wir uns dankbar an die einstigen Mitbürger mosaischen Glaubens erinnern", sagte der frühere Landrat des Kreises Neu-Ulm, Franz-Josef Schick. Der Altenstadter Heimatkundler Günther Backhaus zitierte Hermann Rose, den letzten Volksschullehrer, der jüdische Kinder in Altenstadt unterrichtete: "In Deinen kühlen Schatten tret ich wieder, Du stilles, heilig-ernstes Reich." Rose hatte kurz vor seinem Tod noch in einem Gedicht von seiner Heimat Altenstadt geschwärmt, ist dort seit 1936 begraben. Seine Ruhestätte fand er direkt am Eingang des Friedhofs. Grabstätten seien für Juden heilige Orte, ergänzte Backhaus.
Vergangenes Jahr hat er im Rahmen der Erwachsenenbildung eine Führung durch Altenstadt angeboten und über die Geschichte jüdischen Lebens im Ort berichtet, das Mitte des 17. Jahrhunderts seinen Beginn und im 19. Jahrhunderte die Blütezeit hatte: über Häuser, Familien und die einstige Synagoge, die 1938 von den Nationalsozialisten beschädigt wurde. 1955 wurde die schwer beschädigte Synagoge abgerissen - laut Backhaus "eine der schönsten in ganz Süddeutschland". Eine Gedenktafel und Granitstelen weisen heute auf den Grundriss des Bethauses hin.
Für die Juden, die in der Marktgemeinde gelebt haben, seien Friedhöfe gute Orte, erklärte der Heimatforscher zum europäischen Tag der jüdischen Kultur. Der kleine Friedhof in Illereichen dürfte ebenfalls ein guter Ort sein, um sich an die einstigen Bewohner der Bayerisch Schwäbischen Marktgemeinde im Illertal zu erinnern."    
   

       
         

Links und Literatur

Links:   

Website der Verwaltungsgemeinschaft Altenstadt mit Hinweisen zur jüdischen Geschichte auf der Seite zur Geschichte von Altenstadt   
Zur Seite über die Synagoge in Altenstadt (interner Link)    
Fotoseite der Medienzentrale Illertissen zum jüdischen Friedhof Illereichen: hier anklicken  
Seite zu den Gefallenen-Gedenktafeln auf dem jüdischen Friedhof Illereichen: hier anklicken   

Literatur: 
    

Altenstadt Buch 01.jpg (33624 Byte)(Hauptlehrer) Hermann Rose: Geschichtliches der Israelitischen Kultusgemeinde. Selbstverlag Altenstadt 1931.

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. München 1988 S. 250.
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Illereichen. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 18. Jahrgang Nr. 58 vom Mai 1993 S. 19.   Beitrag von Michael Trüger online 

   
    

                   
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Stand: 16. Oktober 2013