Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

      
Zurück zur Übersicht: "Jüdische Friedhöfe in der Region" 
Zur Übersicht: Jüdische Friedhöfe in Baden-Württemberg
     

Bödigheim (Stadt Buchen, Neckar-Odenwald-Kreis) 
Jüdischer Friedhof

Jewish Cemetery - Cimetière juif

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Siehe Seite zur Synagoge in Bödigheim (interner Link)    
     

Zur Geschichte des Friedhofes

Der große jüdische Verbandsfriedhof in Bödigheim an der Straße nach Waldhausen (Flurstück 10385 "Judenkirchhof", daneben Flurstück 10386-88 "Judenacker", Fläche 140,69 a) ist möglicherweise bereits im späten Mittelalter (15./16.Jahrhundert) angelegt worden. Dieser Friedhof diente bis zu 30 jüdischen Gemeinden aus dem Raum zwischen Strümpfelbrunn (Waldbrunn) und Angeltürn (Boxberg) als Begräbnisstätte (1932 noch für zehn Gemeinden). 
  
Die Schätzungen über die Zahl der Grabstätten liegen zwischen 2000 und 4000; bei der Dokumentation des Friedhofes 2000 wurden noch 1573 Grabstätten gezählt (ältester erhaltener Stein von 1628). 
  
An besonderen Erinnerungsmalen sind vorhanden: eine Friedhofshalle von 1888 (1984 renoviert) mit dem Leichenwagen (1910) und einer (beschädigten) hölzernen Trage; ein Gefallenendenkmal für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Angeltürn, Bödigheim, Buchen, Eberstadt, Großeicholzheim, Hainstadt, Kleineicholzheim und Strümpfelbrunn; ein als steinerne Bank gestaltetes Denkmal der Brüder Adolf, Albert und Sigmund Rothschild von Eberstadt für ihren im 1. Weltkrieg gefallenen Bruder Simon; eine Gedenktafel für die "Opfer des Faschismus" mit den Namen eines Teils der aus Kleineicholzheim umgekommenen jüdischen Bewohner. 

Boedigheim Friedhof30.jpg (177982 Byte)

  Lage des jüdischen Friedhofes Bödigheim (durch Pfeil markiert)
(Karte kann durch Anklicken vergrößert werden)

Lage des jüdischen Friedhofes Bödigheim auf dem Stadtplan Buchen: unter "Behörden und öffentliche Einrichtungen" anklicken und weiter zu "Friedhof, jüd. Bödigheim"
   

Link zu den Google-Maps  

  
Fotos  
Neue Fotos: 

Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.9.2003, wegen sehr ungünstiger Lichtverhältnis in dem - auf Grund des heißen Sommers völlig austrockneten Friedhofsgeländes - wurden nur wenige Fotos gemacht; weitere werden bei Gelegenheit erstellt)
Boedigheim Friedhof 161.jpg (104743 Byte) Boedigheim Friedhof 163.jpg (104175 Byte) Boedigheim Friedhof 166.jpg (115208 Byte)
Teilansichten 
  
Boedigheim Friedhof 164.jpg (47142 Byte) Boedigheim Friedhof 165.jpg (41959 Byte)
Leichenwagen von 1910 in der Friedhofshalle Unter dem Fenster:
Alte Tragebahre
  

     
Ältere Fotos: 
(Fotos: Hahn, entstanden Mitte der 1980er und Anfang der 1990er-Jahre)

Boedigheim Friedhof01.jpg (170936 Byte) Boedigheim Friedhof02.jpg (90765 Byte) Boedigheim Friedhof22.jpg (58385 Byte)
Haupteingang zum Friedhof Die Friedhofshalle von 1888  blieb erhalten Inschrift über dem Eingang zur Friedhofshalle
     
Boedigheim Friedhof05.jpg (96067 Byte) Boedigheim Friedhof03.jpg (160742 Byte) Boedigheim Friedhof13.jpg (179705 Byte)
Leichenwagen (von 1910) Blick über den alten Friedhofsteil  
     
Boedigheim Friedhof09.jpg (212034 Byte) Boedigheim Friedhof15.jpg (174309 Byte) Boedigheim Friedhof14.jpg (191772 Byte)
   In der Mitte das prächtige Grabmal des Rabbiners Gedalja Metz (gest.1850)   
     
Boedigheim Friedhof10.jpg (139632 Byte) Boedigheim Friedhof29.jpg (151670 Byte) Boedigheim Friedhof26.jpg (168605 Byte)
     
     
Boedigheim Friedhof25.jpg (166052 Byte) Boedigheim Friedhof19.jpg (93542 Byte) Boedigheim Friedhof28.jpg (177641 Byte)
       
     
 
Boedigheim Friedhof27.jpg (129458 Byte)
 Boedigheim Friedhof18.jpg (106070 Byte)   Boedigheim Friedhof16.jpg (143202 Byte)
       Hirsche
        
Boedigheim Friedhof17.jpg (128299 Byte) Boedigheim Friedhof06.jpg (105302 Byte) Boedigheim Friedhof04.jpg (146204 Byte)
Levitenkannen in unterschiedlicher Gestaltung
 

Boedigheim Friedhof07.jpg (115890 Byte)

Boedigheim Friedhof23.jpg (203780 Byte) Boedigheim Friedhof24.jpg (166469 Byte)
Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges Gefallenendenkmal für Simon Rothschild aus Eberstadt Gedenktafel für die "Opfer des Faschismus" aus Kleineicholzheim
     
Boedigheim Friedhof21.jpg (107589 Byte) Boedigheim Friedhof20.jpg (153365 Byte) Boedigheim Friedhof11.jpg (103911 Byte)
  Symbolik für den an den Verletzungen aus dem 1. Weltkrieg gestorbenen Nathan Stern aus Eberstadt Blick über den neuen Friedhofsteil mit Gräbern bis in die 1930er-Jahre
     
Boedigheim Friedhof08.jpg (187714 Byte) Boedigheim Friedhof12.jpg (144964 Byte) Boedigheim Friedhof 230.jpg (87039 Byte) Boedigheim Friedhof 231.jpg (78212 Byte)
    Zwei Fotos von R. Klotz, um 1970

 

Text
Willi Wertheimer: Judenfriedhof im Odenwald 

Boedigheim Israelit 22011931a.jpg (184301 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1931: "Judenfriedhof im Odenwald. Von Lehrer Willi Wertheimer in Buchen, Odenwald (Baden).   Zwischen Heidelberg und Würzburg am Ostrande des Odenwaldes, unweit der Amtsstadt Buchen, liegt, zu Füßen der romantischen Rüdischen Burg, das badische Dorf Bödigheim, in welchem seit dem Jahre 1345 Juden ansässig sind. Kaiser Ludwig der Bayer war es, der in jenem Jahre dem Ritter Popo Rüdt von Collenberg das Recht verlieh, 'Juden zu halten' (um der Dienste willen, die sie ihm getan). Der Bödigheimer Judenfriedhof, malerisch am westlichen Dorfausgang gelegen, ist der interessanteste und stimmungsvollste, wohl auch der älteste aller Judenfriedhöfe des Odenwalds. Etwa 4.000 Abgeschiedene fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Aus 30 Orten der weiten Umgebung wurden hier seit altersher die Juden begraben, darunter aus den Städten Adelsheim, Boxberg, Buchen*, Walldürn*, und den Ortschaften Hainstadt*, Bödigheim*, Eberstadt*, Sindolsheim*, Groß-Eicholzheim*, Klein-Eicholzheim*, Strümpfelbrunn*, Bofsheim, Eubigheim, Uiffingen, Angeltürn, Berolzheim, Hüngheim, Rosenberg, Merchingen, Ballenberg, Sennfeld, Korb und Waldhausen. Manche der 30 Orte bekamen eigene Friedhöfe, in anderen starben oder wanderten die Juden aus, sodass heute nur 10 Gemeinden dem Bezirksfriedhof zugehören. Ein eigener Zauber liegt über diesem an die 600 Jahre alten jüdischen Gottesacker. Tief in die Erde versunken, ganz mit Moos und Flechten überwuchert, von den Kronen mächtiger Bäume überschattet, wahrhaft in einem heiligen Hain stehen die altehrwürdigen, zumeist aus bodenständigem Sandstein geschaffenen Grabmäler, die in STein geschriebene Geschichte der Juden einer weltfernen deutschen Landschaft. - Das älteste Grabmal, dessen Inschrift deutlich zu lesen ist, stammt aus dem Jahre 1752. Es kündet von dem aus Mainz gebürtigen Bödigheimer Rabbiner Salomon Wolf Verfasser eines Memorbuches). Auf dem Friedhof ruht auch ein Nachkomme des Rabbi Meir von Rothenburg ob der Tauber, jenes Großrabbiners der deutschen Juden zur Zeit Kaiser Rudolfs von Habsburg; der ritterschaftliche Rabbi Metz (gestorben 1850). Er war dem Würzburgischen Oberrabbiant Heidingsfeld unterstellt. Viele Grabmäler fesseln den Besucher durch reiche Ornamentik (Embleme) wie Wasserkannen, Hände, Horn, Palmetten, davidstern, Löwe, Hirsch, Einhorn, Täubchen, Krone, Gesetzestafeln u.a.. Auf einem  
*) die mit Sternchen versehenen Orte gehören heute noch zu dem Bezirksfriedhof  
Boedigheim Israelit 22011931b.jpg (65477 Byte)Grabstein finden wir auch eine Darstellung einer menschlichen Gestalt. Es handelt sich hier um das Reliefbild eines Mannes mit Wanderstab, an dem ein Hund (oder Löwe?) empor springt. Die Darstellung soll den Namen des hier ruhenden anno 1840 verstorbenen 'Löb Gutmann' (aus Merchingen oder Buchen) versinnbildlichen. Inmitten des Friedhofes befindet sich ein Denkmal zu Ehren der 23 im Weltkrieg gefallenen Israeliten der 10 kleinen Gemeinden des Bezirksfriedhofes. 
'Ach die Helden sind gefallen...' (2. Sam. 1,27) kündet die hebräische Inschrift dieses schlichten Males. Wer auf einer Odenwaldwanderung nach Bödigheim kommt, (in dessen malerischen Schloss die Herren von Rüdt bis zum heutigen Tage ihren Sitz haben) versäume nicht, diesem sonnendurchfluteten, stimmungsvollen, altehrwürdigen Judenfriedhof einen Besuch abzustatten. 
Ein eigener Zauber liegt über diesem jüdischen Gottesacker im Odenwald."
    

Artikel im "Buchener Volksblatt und Dorflinde" - Zeitschrift des Obenwald-Klubs Darmstadt 18 1932 Nr. 9-10:   Vor etlicher Zeit erschien im Verlag des Buchener Bezirksamtes, herausgegeben von Landrat Rozzoli, ein prächtiges Bildwerk, betitelt "Abseits der Heerstraße" (Wanderungen durchs badische Frankenland). Unter den herrlichen Aufnahmen macht u.a. einen besonders starken Eindruck das stimmungsvolle Bild "Alter Judenfriedhof in Bödigheim", über welchen hier in Kürze Einiges berichtet sei. Neben den Wertheimer und Külsheimer Judenfriedhöfen zählt der Bödigheimer zu den ältesten des badischen Frankenlandes bzw. des Odenwaldes. Aus einer Urkunde des Jahres 1345 des damaligen Kaisers Ludwig der Bayer an Rüdt Collenberg geht hervor, dass bereits Juden seit jener Zeit in Bödigheim wohnten. Deshalb dürfen wir annehmen, dass die ältesten Teile des an einem sanften Hügel außerhalb des Dorfes gelegenen Friedhofes ins 14. jahrhundert zurückreichen, dass wir es also mit einem nahezu 600 Jahre alten Friedhof zu tun haben. Ursprünglich bestand der Friedhof nach alter Überlieferung in einem kleinen Acker, ohne Ummauerung, auf dem Eichen gepflanzt waren. Eine uralte Eiche wurde erst vor etlichen Jahrzehnten gefällt.  
     
Das älteste datierte Grabmal stammt aus dem Jahre 1752. Es bezeichnet das Grab des gelehrten Bödigheimer Rabbiners Salomon Wolf. Doch sind ungezählte Grabmäler, deren Inschriften verwittert sind, aus früheren Jahrhunderten vorhanden. Etwa 4000 Israeliten haben hier ihre Ruhestätte. Einst begrub man hier die Toten aus 30 Orten. Es seien u.a. genannt: Boxberg, Eubigheim, Uiffingen, Berolzheim Merchingen, Ballenberg, Hüngheim, Rosenberg, Adelsheim, Sennfeld, Korb, Waldhausen, Bofsheim. In vielen dieser Orte starben inzwischen die israelitischen Familien aus, in anderen wurden eigene Friedhöfe angelegt, so dass heute noch zehn Gemeinden dem Bödigheimer Bezirksfriedhof zugehören. Es sind dies Buchen, Hainstadt, Walldürn, Bödigheim, Eberstadt, Sindolsheim, Groß- und Kleineicholzheim, Angeltürn und die Hälfte von Strümpfelbrunn. Die ältesten Grabmäler, zumeist aus roten oder weißen bodenständigen Sandsteinen bestehend, sind tief in die Erde eingesunken und ganz mit Moos überwuchert. Diese altehrwürdigen Steine sprechen eine eigene Sprache. Sie sind Zeugen der großen Geschichte eines nie ersterbenden Volkes. Ohne Rang und Standesunterschied ruhen hier der Reihe nach, wie sie starben, die Toten, der Auferstehung harrend.
    
Im alten Teil des Friedhofes fallen uns drei Grabmäler wegen ihrer Größe und Inschrift besonders auf. Es sind dies die Grabstätten hervorragender gelehrter religiöser Männer aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Es handelt sich um den Bödigheimer Rabbiner Metz, einem Abkömmling des zur Zeit Kaiser Rudolfs von Habsburg lebenden Groß-Rabbiners der deutschen Juden, Rabbi Meir aus Rothenburg o.T. Metz war ritterschaftlicher Rabbiner des Würzburgischen Oberrabbinats Heidingsfeld; ferner um den Rabbiner Dreifuß sowie den Buchener Rabbiner Richter. Ein Walldürner Gelehrter hat unweit davon auch seine Ruhestätte. diese Grabdenkmäler künden davon, dass einst große israelitische Gemeinden sich rings um Bödigheim und Buchen befanden, Gemeinden mit 1540 israelitischen Familien. Die Grabmäler besitzen neben der eindrucksvollen hebräischen Inschrift oft noch besondere Merkmale oder Ornamente. Wir beobachten z.B. ausgebreitete Hände, eine Wasserkanne, ein langgezogenes Horn, Täubchen, verwelkte Blumen, Davidsstern usw. Hände und Kanne berichten, dass hier Angehörige des Stammes der Priester und Leviten ruhen. Das Horn bedeutet, dass hier ein religiöses Mitglied der Gemeinschaft schlummert, das an den hohen Feiertagen (Neujahr und Versöhnungsfest) synagogale Funktionen ehrenamtlich ausübte. Der auffliegende Vogel ist das Symbol des wahrhaftigen Glaubens an das Emporschweben der Seele zu Gott, das geknickte Bäumchen, oder die verwelkten Blumen erinnern an einen allzu früh Dahingeschiedenen. Die heraldischen Figuren Löwe und Hirsch, zwei steinerne Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten tragend und von einer Krone überragt, weisen auf den Vers hin: (Sprüche der Väter V, Vers 23) "Sei stark wie ein Löwe im Glauben und so schnell wie der Hirsch im Ausüben der göttlichen Gebote". Die Krone und die Zehn Gebote bezeugen, dass der Tote ein Rabbi oder ein Lehrer von ausgezeichnetem Namen und Ruf (Sprüche der Väter V, Vers 17) war. Menschliche Darstellungen finden wir auf den Gräbern nicht, da solche nach dem Gesetz verboten sind. Eine einzige Ausnahme finden wir: Eine menschliche Figur in Reliefform, einen Weisen (d.h. guten Mann) mit einem Wanderstab, an welchem ein Hund (oder ein Löwe) empor springt, darstellend. Es ist dies am Grabmale eines hochangesehenen Mannes, des 1840 verstorbenen Löb Gutmann aus Buchen oder Merchingen. Die Figuren sind also Namenssymbole. Auf manchen Gedenksteinen beobachtet man kleine Häufchen Steine oder auch Gras; Symbole treuer Liebe und inniger Verbundenheit über den Tod hinaus. Verlässt der Besucher die Gräber seiner Angehörigen oder seiner Freunde, so legt er ein Steinchen oder Grab auf die Grabmäler, da Kränze und Blumen traditionsgemäß nicht üblich sind.
      
Ungefähr in der Mitte des Friedhofes befindet sich ein Kriegerdenkmal zum ehrenden Gedenken der im Weltkrieg 1914-1918 gefallenen 23 Helden. "Ach die Helden sind gefallen..." (2.Sam 1,27) kündet die hebräische Inschrift des schlichten Gedenksteines. Eine davor stehende Ruhebank und zwei schattenspendende Lindenbäume geben der geweihten Stätte das Gepräge eines kleinen Ehrenhaines. Wuchtige Eichen und funkle Fichten werfen ihre Schatten über die Gräber, über die erhabene Ruhe, das ernste Schweigen des Todes bereitet ist. Sträucher verschiedener Art, sprießende Gräser und Blumen der Allmutter Erde weben einen bunten Teppich. Ein idyllisches, ehrwürdiges, überaus stimmungsvolles Bild! Man scheidet von einem solchen Ort mit einem Gefühl innerer Ausgeglichenheit und Beruhigung, ist erfüllt von einer feierlichen, ernsten Stimmung und versöhnt mit dem Geschick. Nicht mit Unrecht gab man daher den Friedhöfen den Namen Beth-Hachayim "Haus (Stätte) der Lebenden", denn erst hier wurde der Sinn des eigen Lebens über die Grenze des irdischen Seins zu vollem Bewusstsein geführt. Von der Leichen- bzw. Aufbahrungshalle aus gelangt man zum neuesten Teil des Friedhofes, der seit sechs Jahren zur Bestattung dient. man findet hier moderne Muschelkalk-, Sand-, zuweilen auch marmor- und Granit-Gedenksteine, welche Zeugnis von der heutigen Grabmalkunst ablegen. Man hat hier der neuen Zeit Rechnung getragen und die Gräber mit Einfassungen versehen. (Im alten und ältesten Teil sind keine Einfassungen vorhanden). Alljährlich, vier Wochen vor dem Neujahrsfest, gewöhnlich im Monat August, wird die Stille des so verträumt liegenden Friedhofes unterbrochen. Viele Besucher wandern in diesen Tagen zu den geweihten Ruhestätten ihrer Lieben, um dort in stillen Gebeten Zwiesprache mit ihnen zu halten.
      
Dann herrscht wieder Ruhe! Durch die mächtigen Eichkronen und die dunklen Fichtenwipfel geht ein großes, dumpfes Rauschen und Flüstern: Das Schlummerlied für die stillen Schläfer. Wer auf einer Odenwald-Wanderung nach Bödigheim kommt, in dessen malerischen Schloss die Herren von Rüdt bis zum heutigen Tag ihren Sitz haben, versäumt nicht, diesem stimmungsvollen altehrwürdigen Judenfriedhof einen Besuch abzustatten. Ein eigener Zauber liegt über diesem jüdischen Gottesacker im Odenwald.

   
Zu Leben und Werk Willi Wertheimers mehr in einer Dokumentation des Erfatal-Museums Hardheim http://www.erfatal-museum.de/juedtxt0.htm#0  
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Buchen: zum Ortsteil Bödigheim und  Geschichte Bödigheims auf privater Homepage
Website des Zentralarchivs Heidelberg mit Informationen zum jüdischen Friedhof Bödigheim  
Bericht einer Besuchergruppe auf dem jüdischen Friedhof Bödigheim: hier anklicken 

Literatur:

Willi Wertheimer: Judenfriedhof im Odenwald, in: Odenwald-Klub 18 (1932) Nr.9 und 10 (wieder abgedruckt in: Mitteilungsblatt des Oberrats der Israeliten Badens 1. 1966).
Emily Link: Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Bödigheim. 2000.
Rudolf Landauer, Reinhart Lochmann: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis. Herausgegeben vom Landratsamt NOK, 2008, ISBN: 978-3-00-025363-8. 200 S., 284 Fotos, 19,90 Euro.  Informationen zu dieser Publikation auf Seite zum Friedhof Mosbach.

       

                   
vorheriger Friedhof     zum ersten Friedhof    nächster Friedhof

       

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. Oktober 2009